10 Jahre UN-Resolution 1325 Frauen, Frieden und Sicherheit

10 Jahre UN-Resolution 1325 Frauen, Frieden und Sicherheit

Elfenbeinküste, 2005: Frauen feiern den Internationalen Frauentag in Abidjan.  Ky Chung, UN Photo 10 Jahre UN-Resolution 1325 Frauen, Frieden und S...

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Elfenbeinküste, 2005: Frauen feiern den Internationalen Frauentag in Abidjan. 

Ky Chung, UN Photo

10 Jahre UN-Resolution 1325 Frauen, Frieden und Sicherheit

Frauen keinen Frieden

ohne

Von Krieg und Gewalt sind Frauen besonders betroffen – und es sind weltweit vor allem Frauen, die sich für friedliche Lösungen einsetzen.

Eine Ausstellung von FriedensFrauen Weltweit – PeaceWomen Across the Globe.

Die Geschichte zeigt, dass Frieden und wirkliche Sicherheit erst dann möglich sind, wenn Frauen ihre Erfahrungen einbringen und an Friedensprozessen teilhaben. Dies erkannte auch der UN-Sicherheitsrat, als er im Jahr 2000 die Resolution 1325 «Frauen, Frieden und Sicherheit» verabschiedete, welche den Einbezug von Frauen in alle Friedensverhandlungen verlangt. 10 Jahre sind seither vergangen – und wir sind kaum einen Schritt weiter – die Hoffnungen und Erwartungen sind unerfüllt geblieben. So wenden sich die 1000 FriedensFrauen, welche 2005 für den Nobelpreis nominiert worden waren, erneut an den UN-Sicherheitsrat, an die Mitgliedstaaten und an die Öffentlichkeit mit der Aufforderung, diese Resolution endlich umzusetzen. Unsere Botschaft ist deutlich: Ohne Frauen – keinen Frieden.

www.1000peacewomen.org

Produktion FriedensFrauen Weltweit – PeaceWomen Across the Globe Steuergruppe Elisabeth Decrey Warner, Ruth-Gaby Vermot-Mangold, Noa Zanolli Beirat Sanam Anderlini, Pascale Baeriswyl, Carmela Bühler, Cora Weiss Gesamtleitung Katrin Rieder Idee und Konzept Katrin Rieder, Ute Scheub Grafische Gestaltung Christine Blau Text Cordula Reimann, Ute Scheub

Mit herzlichem Dank für die freundliche Unterstützung an › Hansjoerg Wyss Foundation › Kompetenzzentrum für Friedensförderung KOFF – swisspeace › Michael Gleich / Peace Counts und Uli Reinhardt / Zeitenspiegel für die freundliche Abdruckgenehmigung aus dem Peace-Counts-Archiv. Peace Counts berichtet seit 2002 aus Konfliktregionen und Bürgerkriegsgebieten weltweit und stellt die Arbeit von Friedensstiftern vor. › die Fotografen Peter Dammann, Pewee Flomoku und Andree Kaiser für die freie Nutzung ihrer Bilder.

Recherche Rahel Fischer, Ute Scheub

FriedensFrauen Weltweit – PeaceWomen Across the Globe

Redaktion Maren Haartje, Katrin Rieder, Ute Scheub, Ruth-Gaby Vermot-Mangold

ist das globale Netzwerk der 1000 Frauen, die 2005 für

Mitarbeit Anna Haller, Barbara Lutz, Mirjam Sager

den Friedensnobelpreis nominiert wurden. Die Friedens-

Korrektur Sandra Ryf

Frauen setzen sich überall auf der Welt mit Nachhaltigkeit,

Fotorecherche Gunda Schwantje

Mut und Kreativität für Frieden, soziale Gerechtigkeit

Fotoarchive Peace Counts/Zeitenspiegel, UN-Multimedia-Archiv

und eine sichere Zukunft ein. Ihre Erfahrungen, ihr Wissen

Video FriedensFrauen Weltweit – PeaceWomen Across the Globe

und die Verbundenheit untereinander sind in der Organisation FriedensFrauen Weltweit vereint. www.1000peacewomen.org

Mazedonien, 2003: Der Dialog zwischen den Kulturen braucht ÜbersetzerInnen. Elena Gulmadova (2. von r.), eine Diplomatin der OSZE aus Tadschikistan, spricht mit Polizisten und Repräsen­ tantInnen verschiedener ethnischer Gruppen. Uli Reinhardt, Zeitenspiegel / Peace Counts

ohne Frauen keinen Frieden Frauen sind nicht die besseren Menschen, aber sie haben aufgrund ihrer sozialen Rollen eine grössere Distanz zu Militär, Krieg, Macht und Gewalt. In vielen Konflikten arbeiten FriedensFrauen über nationale, ethnische und religiöse Grenzen hinweg einhellig zusammen. Sie sorgen für das Überleben, verstecken Deserteure oder machen den ersten Schritt zum Dialog für Verständigung und Versöhnung. Ein nachhaltiger Frieden ist ohne Frauen nicht möglich.

Die Resolution wurde in den letzten 10 Jahren zum wichtigs-

Deshalb war es so wichtig, dass der UN-Sicherheitsrat eine Resolution zum Thema Frauen, Frieden und Sicherheit verabschiedete – vor 10 Jahren, am 31. Oktober 2000.

Die Resolution lässt sich in den 3

ten Instrument, um Frauenrechte in der Friedensförderung durchzusetzen. «Frauen müssen in den natio­nalen, regionalen und inter­ nationalen Institutionen zur Verhütung, Bewältigung und Beilegung von Konflikten auf allen Entscheidungsebenen stärker vertreten sein», sagt die Resolution 1325.

P zusammenfassen:

Partizipation von Frauen, › Prävention neuer Kriege, ›P  rotektion vor sexualisierter und anderer Gewalt.



«Frauen sind die Hälfte der Weltbevölkerung, verrichten zwei Drittel der Arbeit, verdienen ein Zehntel und besitzen ein Prozent des Eigentums. Diese Formel habe ich 1978 zusammen mit befreundeten Statistikern der Demografischen Abteilung der UNO erstellt. Heute möchte ich der Welt mitteilen, wie schwierig es war, diese drei kleinen Zeilen zu veröffentlichen.» Krishna Ahooja-Patel, frühere Präsidentin der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit (IFFF/WILPF), 2004

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ohne Frauen keinen Frieden «Männer sind vorherrschend bei allen Themen, die mit Gewalt zu tun haben. Eine Strategie, die sich für Entmilitarisierung und Frieden einsetzt, muss sich mit dieser Tat­sache auseinandersetzen.» Demokratische Republik Kongo, 2008: Repräsentantinnen der lokalen Zivilgesellschaft bejubeln die Unterzeichnung des Friedensabkommens von Goma. 

Marie Frechon, UN Photo

R. W. Connell, Wissenschaftler, 2002, Australien

Die Geschichte der UN-Resolution 1325 Die UN-Resolution 1325 zu Frauen,

Im Jahre 2000, anlässlich einer

Im UN-Sicherheitsrat setzte Bang­

Frieden und Sicherheit war auch

«Peking+5»-Konferenz, gründeten

ladesh im gleichen Jahr das Thema

das Ergebnis engagierter Lobby­arbeit

Amnesty International, Inter­national

Frauen, Frieden und Sicherheit auf

weltweiter Frauenorganisationen.

Alert, die Internationale Frauen-

die Tagesordnung. Namibia, Jamaika

Ihre Anfänge reichen zurück bis

liga für Frieden und Freiheit (IFFF/

und Kanada unterstützten schon

zur Weltfrauenkonferenz 1995 in

WILPF), Hague Appeal for Peace

früh eine entsprechende Resolution.

Peking.

und Women’s Commission for Refugee

Am 31. Oktober 2000, als Namibia

Women and Children die Working

den Vorsitz im Sicherheitsrat

Group on Women, Peace and Security.

innehatte, wurde sie schliesslich

Die Arbeitsgruppe entwarf einen

einstimmig verabschiedet.

ersten Text für eine Resolution, der auf Befragungen von Friedens­ aktivistinnen in Konfliktgebieten beruhte.

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«Frauen waren nirgendwo an den Friedens­ tischen. Es ist, als ob die Resolution überhaupt nicht existieren würde. (...) Würde so etwas passieren, wenn das Männer wären? Die Antwort ist nein. Man kann sich so ein Vorgehen nur erlauben, weil es sich um Frauen handelt.» Stephen Lewis, früherer UN-Sonderbeauftragter zu Aids in Afrika, Kanada

kaum Frauen an Friedenstischen Die Umsetzung der Resolution ist skandalös dürftig Die Resolution 1325 anerkennt Tausende von FriedensFrauen weltweit als Akteurinnen des Wandels. Sie verbrieft das Recht der Frauen, an Verhandlungen und Friedensprozessen teilzuhaben. Die Zahlen darüber, wie viele Frauen jeweils bei Friedensgesprächen anwesend sind, sind spärlich. Denn keine Behörde sammelt diese Informationen. Dennoch gibt es deutliche Indizien, dass die Umsetzung der Resolution 1325 in diesem Bereich extrem mager ist.

Eine von UNIFEM in Auftrag gegebene Stichprobe von 24 Friedens­ verhandlungen zwischen 1992 und 2008 ergab folgende Ergebnisse: › nur 2,5 % der Unterzeichnenden waren Frauen, › nur 3,2 % der Vermittelnden waren Frauen, › nur 5,5 % der Prozessbeobachtenden waren Frauen, › und nur 7,6 % der Verhandelnden waren Frauen. › Die Friedensverhandlungen in Indonesien, Nepal, Somalia, der Elfenbeinküste, den Philippinen und der Zentralafrikanischen Republik waren reine Männerversammlungen. › In der UN-Abteilung für Friedenserhaltung waren 2010 nur 2,7 % der UNMilitärs, 7 % der UN-Polizisten und 30 % des Zivilpersonals weiblich.

Liberia, 2007: Indische UN-Polizistin bringt Unruhen auf einem Marktplatz in Monrovia unter Kontrolle. Zum ersten Mal in der UN-Geschichte besteht eine UN-Polizeieinheit ausschliesslich aus Frauen. Frank Schultze, Zeitenspiegel / Peace Counts

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Liberia, 2004: Frauen marschieren einmal pro Woche friedlich durch Monrovia. Pewee Flomoku

Eine Erfolgsgeschichte aus Liberia

Frauenblockade erzwingt Kriegsende Es gibt nur sehr wenige Beispiele, wie die Resolution 1325 erfolgreich umgesetzt wurde. Eines ist Liberia. Das afrikanische Land durchlebte zwischen 1989 bis 2003 einen verheerenden Bürgerkrieg. Auf dem Höhepunkt im Jahr 2003 gründeten die Christin Leymah Gbowee und die Muslimin Asatu Bah Kenneth die Liberia Mass Action for Peace. Sie beriefen sich auf ihren Glauben und auf gemeinsame menschliche Werte, um Frauen quer durch die Kirchen und Moscheen zu gewinnen. Es gelang ihnen, Tausende von Frauen in den Strassen Monrovias zusammenzubringen; alle in Weiss gekleidet. Sie überreichten ihre Forderungen dem damaligen Präsidenten Charles Taylor und trafen sich mit Rebellenführern, um sie zu Friedensgesprächen zu bewegen.

Danach halfen die Frauen bei der Entwaffnung der Rebellen und kämpften für eine Frauenquote von 30 % im Parlament. Ohne sie hätte Ellen Johnson-Sirleaf, die erste weibliche Präsidentin in Afrika, die Wahlen von 2005 nicht gewonnen. Gleich nach ihrer Wahl erliess «Ma Ellen» ein scharfes Gesetz gegen Vergewaltigung. National wie international setzt sie sich für die Umsetzung der Resolution 1325 ein. Eine ausschliesslich weibliche UN-Polizeitruppe aus Indien ist für die Sicherheit in der Hauptstadt Monrovia verantwortlich.

Die Frauen ermutigten 2003 Hunderte von Flüchtlingsfrauen in den Lagern von Ghana dazu, vor das Gebäude in Accra zu kommen, in dem die Friedensverhandlungen stattfanden. Sie verbündeten sich mit ihren Kolleginnen vom Manu River Women’s Peace Network, die sich als Delegierte im Inneren des Gebäudes befanden. Sie blockierten mit einem Sit-in die Ausgänge und verbarrikadierten den Verhandlungsführern den Weg. Sie drohten ihnen, sie nicht mehr hinauszulassen, bis sie ein Abkommen erreicht hätten. Das war das Ende des Krieges. Zwei Wochen später wurde ein Friedensabkommen unterzeichnet.

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«Frieden wird zwischen Menschen geschlossen und nicht zwischen Führern. Ein Friedensprozess sollte zu einer politischen Lösung führen, die nachhaltig ist (…). Er sollte nicht Generälen überlassen werden, und er sollte «Hätten wir Frauen in Camp David dabei gehabt, so hätten wir eine Übereinkunft erzielt.» Bill Clinton, früherer US-Präsident

transparent sein für die betroffene Gesellschaft. Wir müssen uns unserer Geschichte bewusst werden und diese gegenseitig verstehen, mit einem offenen Herzen. Wenn wir es nur den Männern überlassen, dann haben wir es mit israelischen und palästinensischen Generälen zu tun, die sich nicht geschlagen geben wollen, und es gibt keinen Raum für Verhandlungen.» Maha Abu-Dayyeh Shamas, Friedensaktivistin, Palästina

Das Beispiel Israel – Palästina

Friedensprozesse ohne Frauen scheitern «Da waren keine Frauen anwesend, die als

«Die Verhandler sind häufig Männer, die brutale Verbrechen anein­

Führerinnen hätten handeln können.»

ander verübt haben – Militärpersonen, die im Krieg gelernt haben,

Sumaya Farhat-Naser, palästinensische Friedensaktivistin

ihren Erfolg danach zu beurteilen, ob sie ihre Feinde überwältigt haben.» Gila Svirsky, Coalition of Women for a Just Peace, Israel

«Wir weigern uns, Feindinnen zu sein.» Aufschrift auf einem Banner von Sumaya Farhat-Naser und Gila Svirsky, Jerusalem

Gazastreifen, 2010: Gebäude, die von der israelischen Armee Ende 2008 im Gazakonflikt zerstört wurden, liegen immer noch in Trümmern. Kaum besser sieht es aus mit dem gesamten Friedensprozess in Nahost. Mark Garten, UN Photo

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Die Resolution 1325 soll vor sexueller Gewalt schützen

wenig Opferschutz

Bosnien, 1992: Vergewaltigte Frauen werden als Flüchtlinge in einer Turnhalle in Tuzla untergebracht. Andree Kaiser

In praktisch allen Kriegen kommt es zu Vergewaltigungen und sexueller Gewalt, was jedoch kaum jemals thematisiert wird. Eine UNIFEM-Untersuchung von 300 Friedensvereinbarungen in 45 Konflikten zwischen 1989 und 2008 zeigt auf, dass nur in 18 Fällen und 10 Konflikten sexuelle oder geschlechtsspezifische Gewalt überhaupt erwähnt wurden. In keinem Fall wurden Massnahmen vereinbart, um die Opfer zu rehabilitieren und zu schützen. Die meisten Täter werden nicht verfolgt. Und die meisten Opfer ihrem Schicksal überlassen, denn Vergewaltigte werden häufig aus der Gemeinschaft ausgeschlossen oder sogar getötet. Dies ist eine grauenvolle Ungerechtigkeit. In vielen Entwaffnungsprogrammen werden Rebellin­nen oder Kindersoldatinnen nicht wahrgenommen. Gesellschaften diskriminieren sie, weil sie traditionelle Frauen­rollen aufgegeben und gekämpft haben. Frauen und Mädchen, die von Rebellen zu Sexsklaverei gezwungen wurden, werden als Prostituierte denunziert. Auch dies ist eine abscheuliche Ungerechtigkeit.

In der Folgeresolution 1820 vom 19. Juni 2008 stellte der UN-Sicherheitsrat deshalb zum ersten Mal in der UN-Geschichte fest, dass Vergewaltigungen und andere sexuelle Gewalt «ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder eine die Tatbestandsmerkmale des Völkermords erfüllende Handlung darstellen können». Er verlangte auch neue Anstrengungen bei der «Null-Toleranz-Politik» gegenüber sexueller Ausbeutung bei UN-Friedensmis­ sionen. Die Umsetzung der Resolution ist jedoch schwach. In vielen Ländern kommt es weiterhin zu sexueller Gewalt. In der Demokratischen Republik Kongo, im Sudan, im Tschad und in der Zentralafrikanischen Republik hat sie seitdem sogar noch zugenommen.

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wir haben einen Traum …

Mittelmeer, 2004: Das japanische «Friedensschiff» auf seiner 46. Weltreise. Seit 1983 trägt diese schwimmende Universität und Plattform für AktivistInnen die Botschaft «Frieden ist möglich» rund um die Welt. Die träumende Frau ist eine Überlebende des Atombomben­ angriffs auf Hiroshima.

… dass eines Tages …

Uli Reinhardt, Zeitenspiegel / Peace Counts

… Frauen auf allen Ebenen von Entscheidungsprozessen über Krieg und Frieden beteiligt sind. … Frauen mit Politikern und Rebellenführern zusammensitzen und über Frieden, ihre Forderungen und Interessen reden. … die grundlegenden Bedürfnisse von Frauen wie Wasser, ein Dach über dem Kopf und Sicherheit an die erste Stelle gesetzt werden. Frauen sind meist diejenigen, die sich um kranke und verletzte Familienmitglieder kümmern, die das Land bearbeiten, kochen oder Wasser holen; ihre Bedürfnisse sind identisch mit denen ihrer Familien. Sich den Bedürfnissen der Frauen zuzuwenden heisst, sich ganzheitlich um die Gemeinschaft zu kümmern. … die Straffreiheit für Kriegsverbrechen beendet, Kriegsverbrecher durch nationale oder internationale Gerichte verfolgt und die Opfer rehabilitiert und entschädigt werden. … die Hälfte der UN-Führung aus Frauen besteht und die Hälfte der UN-Dienstleistungen Frauen und Mädchen gewährt werden. … Frauen in regionalen, nationalen und internationalen Sicherheitsinstitutionen, in Frühwarnsystemen und in Institutionen der Konflikttransformation gleichberechtigt vertreten sind. … die UN-Klimaverhandlungen erfolgreich sind, weil sie zur Hälfte von Frauen geführt werden – genauso wie jene Institutionen, die die Klimakatastrophe und Rohstoffkonflikte bekämpfen. … alle Kriege enden, jede Gewalt und Ungerechtigkeit aufhört und überall auf der Welt die Abrüstung beginnt.

Und dieser Tag ist heute! www.1000peacewomen.org

Stanislavka Zajovic‘ Serbien

Serbien, 1997: Der serbische Zweig der «Women in Black» am Internationalen Frauentag in Belgrad. Von 1991 bis 1996 demonstrierte die Gruppe jeden Mittwoch gegen Krieg, Militarismus und Nationalismus, stets schweigend und in Schwarz gekleidet. Ihre Hauptparole: «Nicht in unserem Namen!». Peter Dammann, Agentur Focus

«Grausamkeiten, Morde und Waffengewalt zu verschweigen, ist ein Verbrechen.» Stanislavka Zajovic‘ ist eine überzeugte Menschenrechtsaktivistin. Nach dem Ausbruch des Krieges in Belgrad gründete sie das Netzwerk Women in Black. Vorbild für ihre Organisation waren die Frauen in Schwarz, die in Israel und Palästina für Frieden und gegenseitige Akzeptanz einstehen. Von Oktober 1991 bis zum Kriegsende veranstalteten die Women in Black wöchentliche Friedensdemonstrationen in Belgrad, in ganz Serbien und in Montenegro. Sie hielten stand und liessen sich nicht einschüchtern, selbst von verbalen Anfeindungen und heftigen Angriffen nicht.

Schweigend und in Schwarz gekleidet, verurteilten sie den Krieg und die Verbrechen, die im Namen der serbischen Nation begangen wurden. Ihre Hauptlosung war: «Nicht in unserem Namen!». Im Gedenken an die Opfer des Genozids in Srebrenica 1995 fordern die Frauen in Schwarz in Belgrad eine Amnestie für alle, die sich offen geweigert haben, am Krieg teilzunehmen. Stanislavka Zajovic‘ will den Frieden stärken und die gerissenen Fäden durch den Dialog wieder zusammenknüpfen, um die sinnlose Logik des Sieges der einen Seite über die andere zu überwinden. Sie nennt dies «spirituelle Entmilitarisierung».

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Safaa Elagib Adam ist Ökonomin und Friedensaktivistin, ihre Heimat ist Westdarfur, eine kriegszerstörte und gefährliche Region im Sudan. Safaa Elagib erkannte sehr rasch, dass nur ein dauerhafter Frieden und eine nachhaltige Entwicklung das unerträgliche Elend der vom Krieg betroffenen und vertriebenen Menschen in der Region beenden können. Die Friedensaktivistin ist überzeugt, dass die durch Gewalt und Misshandlungen traumatisierten Menschen neben Nahrung und Sicherheit vor allem auch Bildung und Fertigkeiten benötigen, um ein stabiles Vertrauen in eine bessere Zukunft aufbauen zu können. Als Mitglied des Sudanese Women Network for Peace und mit der Unter­ stützung ihrer eigenen Organisation Community Development Association entwickelt sie entsprechende Programme. Denn sie glaubt, dass gerade Frauen und Jugendliche einen entscheidenden Wandel herbeiführen können. Safaa Elagib Adam hat eine tragende Rolle in Friedensverhandlungen. Ihre Stimme wird gehört und sie wird nicht müde zu fordern, dass Frauen an den Verhandlungen teilhaben müssen. Die UN-Resolution 1325 sieht sie als nützliches Instrument, um den Schutz von Frauen in den Konflikt­ situationen zu fordern. Seit Jahren werden die Friedensaktivistin und ihre Mitstreiterinnen immer wieder vom sudanesischen Geheimdienst verhört. Sie setzen ihre Mission jedoch unbeirrt fort. Safaa Elagib Adam ist Trägerin verschiedener Anerkennungen. 2009 erhielt sie den Menschenrechtspreis der Schweizer Stiftung für Freiheit und Menschenrechte.

«Frauen wissen um das Flüchtlings­elend und das Schicksal von Vertriebenen. Sie haben im Krieg Vergewaltigungen am eigenen Leib erfahren.»

Safaa Elagib Adam Sudan/Darfur www.1000peacewomen.org

«Bei den Unruhen von Gujarat verlor ich meine Familie. Tausenden anderen ging es genauso. Ich kämpfe dafür, dass sich diese Gewalt niemals wiederholt.» Naseeb Mohammad Shaikh Indien

Die Massaker im indischen Bundesstaat Gujarat von 2002 hatten für die junge Muslimin entsetzliche Folgen. Radikale Hindus ermordeten 11 Mitglieder der Familie ihres Mannes und 14 ihrer eigenen Familienangehörigen. Ihre Tochter wurde vor den Augen ihrer Verwandten brutal vergewaltigt und getötet. Naseeb Mohammad Shaikh blieb mit ihrem Sohn alleine zurück. Doch sie gab nicht auf. Naseeb Mohammad Skaikh will keine Rache, sie will Versöhnung. Sie trat Aman Samuday bei, einer Organisation, die Menschen zum friedlichen Zusammenleben bewegt. Von Dorf zu Dorf ziehend, verbreitet Naseeb Shaikh die Botschaft von Frieden, Gerechtigkeit und Menschlichkeit. Die BewohnerInnen zollen ihr dafür Anerkennung und Dankbarkeit. Mit einer Gruppe engagierter Frauen fordert Naseeb Shaikh vor allem auch die Rechte für Frauen ein. Sie ermahnt die örtlichen muslimischen Geistlichen, sich öffentlich zu äussern und sich energisch dafür einzusetzen. Ihre Friedensgruppe kämpft zudem gegen Übergriffe und grausame Behandlungen, die sich die Polizei gegenüber Angehörigen von Minderheiten zuschulden kommen lässt. Naseeb Shaikh ist weit über die Grenzen ihrer Region bekannt. Ihre Botschaften werden gehört und verstanden.

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«Ich will das Tabu brechen und die Mauern des Schweigens niederreissen. Für die Würde der gefolterten Frauen.»

Monika Hauser Deutschland

Ihre Muttersprache ist deutsch, ihr Pass italienisch, aufge­wachsen ist sie in der Schweiz. Monika Hauser ist Frauenärztin und die Gründerin und Direktorin der internationalen Organisation medica mondiale. 2008 wurde sie mit dem Alternativen Nobelpreis geehrt. Bewegt von den grausamen Kriegsereignissen in Bosnien, fuhr Monika Hauser Ende 1992 in die bosnische Stadt Zenica, um den Frauen dort zu helfen. 1993 – noch vor dem Ende des Konfliktes – eröffnete sie mit ihrem Team ein Frauentherapiezentrum und entwickelte eine umfassende psychosoziale Versorgung für die Opfer von kriegsbedingten Vergewaltigungen und anderen Grausamkeiten. Das Bemühen um die ganz­ heitliche Heilung zerstörter Körper und Seelen ist bis heute das typische Merkmal von medica mondiale.

Als Granaten im Zentrum von Zenica explodierten, evakuierte die UNO alle Aus­länderInnen. Monika Hauser aber wider­setzte sich dem Aufruf und blieb auch in dieser schwierigen Situation vor Ort. Die Frauen von Medica Zenica sind ihr dankbar für ihren Mut. medica mondiale unterstützt heute Projekte in Kosovo, Albanien, Afghanistan, Irak und der Demokratischen Republik Kongo.

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Hatidža Mehmedovic‘ ist Bosniakin und eine der Mütter von Srebrenica, die gemeinsam eine schonungslose Aufklärung über das Schicksal ihrer ermordeten Ehemänner, Söhne und Enkel einfordern. Im Juli 1995 wurde in Srebrenica das grösste Massaker seit dem Zweiten Weltkrieg verübt. Vor den Augen der UNO-Schutztruppen ermordeten serbische Truppen 8000 bosnische Männer – darunter Hatidža Mehmedovic‘s Ehemann und ihre Zwillingssöhne. Hatidža Mehmedovic‘ erkannte rasch, dass Konflikte nur gelöst werden können, wenn «Feindinnen» sich gegenübersitzen, ihre Verzweiflung teilen,

gemeinsam nach Gerechtigkeit suchen und sorgfältig den Alltag gestalten. Dies sollte die Grundlage werden für das neue und friedliche Zusammenleben der verschiedenen Ethnien. Zweimal reisten die Mütter von Srebrenica nach Den Haag an das Kriegsverbrechertribunal. Ihre eindringlichen Forderungen und ihre entschlossene Präsenz trugen dazu bei, dass die Richter die Verhandlung gegen einen der grausamsten Kriegsverbrecher – Radovan Karadžic‘ – auch ohne dessen Anwesenheit eröffneten. Nach jahrelangem Warten wurden im November 2007 sterbliche Überreste von Hatidža Mehmedovic‘s Ehemann und einem ihrer Söhne gefunden. Die Suche geht weiter, doch zu viel Zeit vergeht, und Hatidža Mehmedovic‘ fürchtet wie viele andere Frauen, dass sie ihre beiden Kinder nicht mehr selber begraben kann.

«Wenn wir schon den Toten nicht helfen konnten, so müssen nun zumindest die Überlebenden des Genozids unsere Hilfe erhalten.» Hatidža Mehmedovic‘ Bosnien

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Elisabeth Decrey Warner Schweiz

«Selbst mitten in einem Konflikt kann man beginnen, Leben zu retten.» Warum steigt eine Mutter von sechs Kindern auf einen Berg im irakischen Kurdistan, um Rebellenführer zu treffen? Weshalb gibt eine Skilehrerin ihr Leben in den Bergen auf, um im heissen Sand der Wüste Sahara mit militanten Rebellen zu verhandeln? Elisabeth Decrey lässt sich auf solche Herausforderungen ein, weil sie von der Notwendigkeit des Dialoges mit bewaffneten Rebellengruppen überzeugt ist. Mit ihrer Organisation Geneva Call führt sie diesen Dialog auf verschiedenen Ebenen: Sie setzt sich dafür ein, dass Abkommen über das Einsatzverbot von Personenminen unterzeichnet werden, weil diese jährlich mehr als 15 000 Opfer fordern, Kinder verstümmeln und die Bewirtschaftung von Feldern verhindern. Zudem ruft sie auch die Rebellengruppen dazu auf, die Zivil­ bevölkerung in Konflikten zu schützen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ihrer Arbeit ist der Schutz von Kindern, damit diese nicht als Soldaten zwangsrekrutiert werden. Elisabeth Decrey fordert den Respekt gegenüber Frauen und kämpft gegen die Vergewal­ tigung als Kriegsinstrument. Sie ist sich sicher, dass Verhandlungen nur mit den «good guys» die Probleme nicht lösen werden. Um die Zivilbevölkerung zu schützen, muss mit den Rebellen gesprochen werden. Denn die bewaffneten Gruppen sind Teil des Problems, aber auch Teil der Lösung.

Irak 2006, Elisabeth Decrey Warner vermittelt kurdischen Kombattantinnen die internationalen Menschenrechtsnormen. Gemeinsam suchen sie nach Wegen, wie die männlichen Kollegen dazu gebracht werden können, diese besser zu respektieren.

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Dekha Ibrahim Abdi Kenia

«Wenn ein führender Militär mich fragt, was in einer bestimmten Konfliktsituation zu tun sei, weiss ich, dass meine Arbeit anerkannt wird.» Dekha Ibrahim Abdi kommt aus dem Nordosten von Kenia, wo 1991 ein blutiger Konflikt um Weideland, Vieh und Erbrechte entbrannte. Dekha Ibrahim gründete eine Gruppe von FriedensvermittlerInnen, die mit Angehörigen verschiedener Clans und Ethnien ein Friedensabkommen aushandelte. Um das Abkommen durchzusetzen, gründeten sie zusammen mit Clanrepräsentanten, religiösen Führern, Abgeordneten und Vertreterinnen der Zivilgesellschaft das Wajir Peace Committee. Mit Hilfe eines ausgeklügelten Verhandlungssystems gelang es Dekha Ibrahim und ihrer Organisation, einen Bürgerkrieg in der kenianischen Hauptstadt Nairobi zu verhindern. Dieser drohte 2007 nach gefälschten Wahlen auszubrechen. Dekha Ibrahim Abdi verhandelte gleichzeitig auf verschiedenen Ebenen: Mit der «Busch-Mediation» wandte sie sich an die Menschen in ländlichen Gebieten, mit der «Strassen-Mediation» überzeugte sie die städtische Bevölkerung und mit der «Sitzungszimmer-Mediation» verpflichtete sie die Führer der Konfliktparteien, gemeinsam nach Auswegen aus der drohenden Situation zu suchen. Dekha Ibrahim Abdi, die 2007 mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet wurde, verschafft sich durch ihre einzigartige Persönlichkeit ungewöhnliche Verbündete. Nicht selten wird sie von führenden Militärrepräsentanten um Rat in Konfliktsituationen gefragt.

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Raisa Kadyrova gründete 1998 in Kirgistan die Stiftung für Internationale Toleranz. Mit ihrer Organisation versucht sie, aufbrechende ethnische Konflikte in den grenzüberschreitenden Regionen Zentralasiens zu verhindern. Besonders im Ferghanatal bilden soziale, interethnische, ökologische und wirtschaftliche Probleme den Nährboden für Korruption, Gewalt und Unrecht. Raisa Kadyrova und ihre Organisation beobachten die Ursachen der neuen Konflikte, analysieren sie, werten sie aus und suchen nach Lösungen. Sie organisieren Gespräche mit den verschiedenen Konfliktparteien, drängen auf Verhandlungen und fördern Mediationsprozesse. Raisa Kadyrova bildet Frauen und Männer in Mediationstechniken aus und konzentriert sich auf Aktivitäten, die für eine Konsensbildung unter den feindlichen Parteien wichtig sind. Ihre Organisation arbeitet auf allen Ebenen und ihr Einsatz wird sowohl von der Bevölkerung als auch von der Regierung und dem Parlament als wichtig anerkannt. Dass die Zahl von Opfern durch gewalttätige Konflikte trotz der Friedensarbeit wächst, beunruhigt Raisa Kadyrova und ihre MitstreiterInnen. Deshalb plädiert sie für noch effektivere Aktivitäten. Entmutigen lässt sie sich aber nicht.

Raisa Kadyrova Kirgistan

«Unsere Aktivitäten müssen noch viel wirkungsvoller werden. Denn ich möchte, dass Kirgistan ein Beispiel für Frieden, Gleichheit und Toleranz in der gesamten Region wird.»

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«Versöhnung bringt Frieden. Aber nur wenn es Vergebung und Reue gibt, können Versöhnung und Frieden entstehen.» Apollonia Bola Talo Salomon-Inseln

Während der sozialen Unruhen und ethnischen Spannungen Ende der neunziger Jahre auf den Salomon-Inseln setzten sich viele Frauen gemeinsam dafür ein, dass der Friede wieder hergestellt und Versöhnung möglich wurde. Eine dieser Frauen ist Apollonia Bola Talo. Ihr Ziel war es, die illegalen Schusswaffen von Rebellen einzusammeln und zu vernichten. Sie ermutigte die Männer, mit ihr über die ganze Insel und in alle Dörfer zu fahren. Das klingt sehr einfach, meint sie, aber tatsächlich sei es sehr schwierig gewesen. Zusammen mit ihrem Team leistete sie Über­ zeugungs- und Sensibilisierungsarbeit und konnte so das Vertrauen der Rebellen und der Bewohner­ Innen gewinnen. Die Grobheiten, die sie sich gefallen lassen mussten, waren kein Grund, sich entmutigen zu lassen. Denn am Ende wurden Feindseligkeiten überwunden und konstruktive Gespräche begonnen.

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Anna Politkowskaja Russland

«Ich schreibe über diesen grausamen Krieg, weil wir alle Zeitzeugen sind und wir am Ende Antworten finden müssen.»

Anna Politkowskaja war eine international anerkannte und vielfach ausgezeichnete russische Journalistin. Sie setzte sich unermüdlich und mutig für die Menschenrechte in ihrem Land ein. Ihre besondere Sorge galt den tschetschenischen Flüchtlingen und Kriegsopfern. Furchtlos informierte sie über die Hintergründe des Krieges, deckte die Korruption auf und nannte die Namen von Kriegsverbrechern. Auf dem Höhepunkt des zweiten Tschetschenien-Krieges 2002 flog sie mit russischen Offizieren zu einer Militärbasis. Im Gang des Hubschraubers lag ein junger russischer Soldat, der in einem Gefecht mit tschetschenischen Kämpfern getötet worden war. Auf seinem Ausweis sah Anna, dass er im selben Jahr und Monat wie ihre Tochter geboren war. Es erschien ihr unmenschlich, dass niemand um ihn trauerte. Während des gesamten Fluges weinte Anna leise um den jungen Mann, den sie nie gekannt hatte. Die vom Krieg verhärteten Offiziere machten sich über ihre Tränen lustig. Am 7. Oktober 2006 wurde Anna Politkowskaja in ihrem Haus von Unbekannten hinterhältig erschossen. Ihre brisanten Recherchen standen kurz vor der Veröffentlichung. Die wahren Täter wurden nie ermittelt.

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Kolumbien, 2010: Frauen demonstrieren für Schwesterlichkeit, Abrüstung und Gerechtigkeit. HEKS-EPER Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz / Swiss Inter Church Aid

Yolanda Becerra Vega Kolumbien

«Und wir erkannten, dass Angst und Schrecken nicht länger die Macht haben, uns zu lähmen.»

Kolumbianische Paramilitärs ermordeten eine Frau und gravierten in ihren Körper die Worte «Mutter eines Guerilleros». Dass Frauen vergewaltigt werden, gehört zum Alltag in Kolumbien – immer wieder! Yolanda Becerra und ihre Mitstreiterinnen wollen jedoch nicht in Verzweiflung und Trauer verharren. Um dem Bürgerkrieg etwas entgegenzusetzen, gründeten sie die Organiza­ción Femenina Popular OFP. Diese unterstützt Familien, die von Gewalt, Krieg und Vertreibung betroffen sind. Die Familien erhalten in städtischen Frauenzentren und ländlichen Gesundheits­posten eine sichere Bleibe, die dringend benötigte medizinische Hilfe und Schutz vor Verfolgung. In den Bildungsprogrammen für Frauen stehen Menschenrechte, Friedensarbeit und Fragen der Ernährungssicherheit und solidarischen Wirtschaft an oberster Stelle. Yolanda Becerra startet im Jahr 2000 eine Kampagne mit dem Slogan: «Lasst uns der Angst mit Mut und Liebe begegnen.» Die Frauen erfahren, dass sie ihre Angst in Solidarität und Widerstand umwandeln können. Yolanda Becerra und die Aktivistinnen haben in den letzten Jahren des bewaffneten Konflikts immer wieder Todesdrohungen erhalten. Anführerinnen wurden verfolgt, gefoltert, sie verschwanden und wurden ermordet aufgefunden. Die Peace Brigades International begleiten die Mitglieder der Organisation deshalb rund um die Uhr. Yolanda Becerra beibt mutig und gibt nicht auf!

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Wang Xuan Volksrepublik China

«Der Einsatz von bakteriologischen Kriegswaffen ist ein Verbrechen gegen die Menschheit.» Die Enthüllungen und der Widerstand der Chinesin Wang Xuan haben massgeblich dazu beigetragen, dass die Welt von den Kriegsverbrechen der japanischen Armee in China erfuhr. Diese hatte während der Besetzung Chinas im Zweiten Weltkrieg bakteriologische Kampfmittel gegen Dorfbewohner eingesetzt, auch Wangs Heimatregion Zhejiang wurde davon betroffen, Hunderte Menschen wurden dabei ermordet. Wang Xuan übernahm die Vertretung für 180 Personen, die gegen den japanischen Staat klagten. Es war eine Privatklage ohne finanzielle Unterstützung. Die meisten KlägerInnen waren älter als siebzig Jahre. Wang Xuan befragte Tausende von Opfern und ZeugInnen, um Beweise zu sammeln. Nach einem sieben Jahre dauernden Prozess bestätigte das Distrikt-Gericht von Tokio im August 2002 die bakteriologischen Kriegsverbrechen, wies aber die Forderung nach Entschuldigung und Entschädigung zurück. Wang Xuan liess nicht locker. Sie sagte, dass die chinesischen Opfer ihre Klage so lange aufrechterhalten würden, bis die japanische Regierung gewillt sei, allen Forderungen nachzukommen. Wang Xuan wurde mehrfach für ihren Mut und ihren Widerstand ausgezeichnet. Sie gehört zu den zehn einflussreichsten Frauen in China.

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«Frieden ist undenkbar ohne Menschenrechte, Demokratie und die Gleichstellung der Geschlechter.» Cora Weiss USA

Cora Weiss hat sich ihr Leben lang für die Menschenrechte, für Frauen und Frieden eingesetzt. Und sie ist überzeugt, dass Friede nur mit Demokratie, Gleichstellung der Geschlechter und Schutz der Ressourcen möglich ist.

Eskinder Debebe, UN Photo

Cora Weiss lässt sich immer wieder bedingungslos auf die Friedensarbeit ein. Sie kämpfte aktiv gegen den Vietnamkrieg und gegen Atomversuche, ist Initiantin des Haager Friedensappells zur Abschaffung des Krieges und setzt alles daran, damit die Forderungen der Weltfrauenkonferenz von Peking umgesetzt werden. Denn Cora Weiss will, dass die kommenden Generationen in einer friedlichen Welt aufwachsen können. Für Cora Weiss bedeutet die Resolution 1325 die erste offizielle Zusicherung durch die Vereinten Nationen, dass Frauen auf allen Ebenen endlich paritätisch beteiligt sein müssen: an Regierungen, in Parlamenten und vor allem auch an Friedens­ verhandlungen. Erst wenn diese Schritte wirklich getan sind, kann das Ziel einer Welt in Frieden und Gerechtigkeit erreicht werden.

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Israel / Palästina, 2004: Harte, aber gewaltfreie Diskussionen zwischen palästinensischen und israelischen Oberschülerinnen in der «Schule des Friedens», die 1979 in einem israelisch-palästi­ nensischen Dorf zwischen Tel Aviv und Jerusalem errichtet wurde. Frieder Blickle, Zeitenspiegel/Peace Counts

Frauen sorgen für Frieden, wo es am

nötigsten ist www.1000peacewomen.org

Frauen reden nicht nur, sie handeln

Liberia, 2004: Frauen demonstrieren für Frieden. Sie beschwören Regierung, Opposition, bewaffnete Rebellen und die internationale Gemeinschaft, das Töten zu stoppen. Pewee Flomoku

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Der UN-Sicherheitsrat sieht am 10. Jahrestag der Resolution 1325 so aus wie links. Wird der UN-Sicherheitsrat am 20. Jahrestag der Resolution 1325 endlich wie unten aussehenr? UN Photo, Illustration Claudia Blum

 Frieden benötigt Frauen www.1000peacewomen.org

Osttimor, 2010: Am Strand von Dili trainiert eine Gruppe Jugendlicher «Capoeira» für den Internationalen Jugendtag. Martine Perret, UNMIT

Männer tragen  Verantwortung,

handelt danach!

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