1200 Jahre Kirche - wiedenzhausen.de

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1200 Jahre Kirche in Wiedenzhausen 808 - 2008 Inhaltsverzeichnis Erste Erwähnung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ...

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1200 Jahre Kirche in Wiedenzhausen 808 - 2008

Inhaltsverzeichnis Erste Erwähnung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Geschichte der Kirche Wiedenzhausen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Beschreibung der Kirche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Sagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Jahrtags Stiftungen 1864 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Kurze Geschichte von 1873 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Erste Erwähnung der ersten Kirche in Wiedenzhausen nach Prof. Dr. Liebhart

Am 15. August 808, schenkte ein Priester Pernhart weiteren Besitz in Wiedenzhausen mit einer Kirche dem schon genannten Bischof Atto. Diese zweite urkundliche Nennung ist wie die erste von herausragender Bedeutung für die lokale Kirchengeschichte. Im Jahr 2008 kann man das Jubiläum 1200 Jahre Kirche Wiedenzhausen feiern. Wir erfahren, dass ein Priester Pernhart im Ort (in loco, aber auch in vico) Wiedenzhausen eine Kirche (basilicam) erbaut hatte und. Bischof Atto einlud, sie zu weihen. Nach der Weihe schenkte der Bauherr die Kirche mitsamt seinem Erbbesitz (quiquid in supradicto vico de propria hereditate) an die Freisinger Bischofskirche. Es erscheinen die Zeugen dieser Stiftung wie Ekkihart, Hadolt, Edilo, Spicho, Lungar, Uuirunt, Cozpald, Uurmhart, Haguno und ein Salomon. Auf jeden Fall besaß Wiedenzhausen zu diesem Zeitpunkt eine Pfarrkirche und war eine Pfarrei. In dieser Zeit entstanden die ersten Pfarreien, von Filialkirchen ist damals noch nicht die Rede. Da schon im frühesten Pfarrkirchenverzeichnis des Bistums Freising 1315 Wiedenzhausen als Filiale von Einsbach genannt wird, muss der Verlust der Selbständigkeit schon davor erfolgt sein. Wieso und warum wissen wir nicht. Quelle: Auszug aus Vortrag von Prof. Dr. Liebhart am 26. Mai 2005 in Wiedenzhausen

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Geschichte der Kirche Wiedenzhausen 808 Der Priester Pernhard hat eine Kirche in Wiedenzhausen errichten lassen. Am 15. August 808 weiht der Freisinger Bischof Atto die Kirche der Heiligen Jungfrau Maria. Es beginnt eine lange Ära der Marienverehrung in dieser Kirche, wovon noch heute die Statue der Muttergottes auf dem Hochaltar zeugt. Der 15. August war bereits im 8. und 9. Jahrhundert ein Marienfesttag. Hier wird urkundlich zusammen das Weihedatum, der Weihbischof, das Anfangspatrozinium und der Bauherr erwähnt, was sehr selten vorkommt. 815 Wieder ein urkundlicher Hinweis auf Wiedenzhausen. Das Kirchengut wird an den bischöflichen Vogt Spulit übertragen. „Dies ist geschehen am 02. Oktober 815 zu Freising, im 2. Jahr der kaiserlichen Regierung des ruhmreichen Ludwig“ so der Urkundenverfasser. Hier ist Ludwig der Fromme gemeint. 1220-1530 Gotik In diesem Zeitraum wird laut Restaurierungswerkstätte Wiegerling die Kirche gebaut. 1315 In einer Diözesanbeschreibung aus dem Jahre 1315 (Konradinisches Matrikel) erscheint Wiedenzhausen erstmals als Filialkirche der Pfarrei Einsbach mit eigenem Friedhof. 1350-1530 Spätgotik In diesem Zeitraum wird die Chorturmanlage gebaut die ursprünglich der Jungfrau Maria geweiht war. 1560 Die Kirche Ebertshausen hat ein Waldstück für 16 Gulden an die Kirche Wiedenzhausen verkauft. Das es sich dabei um das „Kirchenholz“ handelt ist laut Chronist Thomas Sturm eher unwahrscheinlich. 3

1613 Guß der kleinsten Glocke (Sauglocke) von Barth. Wengele in München. 1619 Mit der Gründung des Klosters Taxa und der dort beginnenden Marienverehrung verliert die Kirche von Wiedenzhausen ihre Bedeutung als Marienwallfahrt. 1652-85 Unter der Regierungszeit von Fürstbischof Albrecht Sigmund von Freising wird die Barockisierung der Kirche vorgenommen. Sein Wappen ist heute noch am Chorbogen. 1652 Vermutlich der Beginn der Fußwallfahrt zum Heiligen Leonhard nach Inchenhofen. Diese Wallfahrt dürfte durch die große Not der Jahre nach dem 30jährigen Krieg entstanden sein. Inchenhofen ist in dieser Zeit einer der größten Wallfahrtsorte der Christenheit. 1654 Beim Bildhauer Constantin Pader in München ist die Arbeit des Choraltars in Arbeit gegeben worden. 1666/67 Die Kirche wird um ein Viertel verlängert und „um die Höhe des Gewölbes“ erhöht. Auftraggeber war Fürstbischof Albrecht Sigmund von Freising, Herzog von Bayern (1652-1685). 1667 Datierung der Seitenaltäre. 1671 Weihe der Kirche nachdem sie im Schwedenkrieg (1618-1648) profanisiert wird. 4

1672 Zwei neue Seitenaltäre und Reparatur an Fenstern, Kirchturm und Friedhofsmauer. 1679 Durch Unwetter werden 4 Fenster ruiniert und durch neue ersetzt. 1696 Der Kirchturm in seiner heutigen Größe wird fertig gestellt. Der Turm wird dem Klosterbaumeister von Dießen, Michael Natter (1649-1719) zugeschrieben. 1718 Die mittlere Glocke wird von B. Ernst in München gegossen. 1720 Renovierung von Altar, Kanzel und Fensterbogen durch einen Steinmetz. 1730 Renovierung an Altar und Kanzel, es wird auch viel neu vergoldet und bemalt. Ein neuer Tabernakel wird gekauft. 1740 Gemäß den „Schmidtsche Matrikel“ war die Kirche Wiedenzhausen eine der mit dem größten Vermögen in der weiteren Umgebung . 1834 In Ebertshausen soll ein neues Schulhaus gebaut werden und die Wiedenzhausener haben Interesse daran, dass ihre Kinder in Zukunft dort zur Schule gehen. Deshalb legen sie der Regierung eine Liste mit 27 Unterschriften vor, damit Wiedenzhausen von der Pfarrei Einsbach zur Pfarrei Ebertshausen verlegt wird. 1839 Die Einfassung der Seitenaltäre wird gekauft mitsamt Säulen, 8 geschnitzten Figuren und 8 Engeln. Die Tische wird marmoriert. Die Kanzel mit Stiege wird verziert und marmoriert. 5

1840 Am 15. November 1840 genehmigt König Ludwig I. den Anschluß zur Pfarrei Ebertshausen und zugeich den Neubau einer Schule in Ebertshausen. 1845 Die Sakristei bekommt eine eigene Türe. 1849 Laut Pfarrakten ist die Anschaffung einer neuen Orgel geplant. 1851-53 Reparatur von Kirchendach und –turm. 1860/61 Anbau eines Vorhauses. 1867 Glockenstuhl ist baufällig, es werden Kostenvoranschläge eingeholt. 1868 Das Schlagwerk der Kirchenuhr ist beim Aufstellen eines neuen Glockenstuhls ruiniert worden. 1869 Die östliche Friedhofsmauer wird ersetzt. Das Dach wird neu gedeckt und eine Dachrinne aus verbleitem Blech wird angebracht. Innen wird der Stuck ausgebessert und die Wände übertüncht. 1870 Der deutsch-französische Krieg beginnt. Die Begräbnisstätten entlang der Grundmauern werden entfernt. Die Stuckaturen werden ausgebessert, der Marmor mit Lack aufgefrischt.

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1874 Reparatur der Turmkuppel wird geplant, weil sie schadhaft und wasserdurchlässig ist. Der Turm soll nach 30 Jahren wieder gestrichen werden und die Schindelbedachung soll erneuert werden. Der Turm soll die alte Farbe grün wieder bekommen. Der Turmknopf soll repariert und neu vergoldet werden. 1879 Die Reparaturen an der Turmkuppel werden durchgeführt. 1893 Mit dem Schlosser Schräfl aus Odelzhausen wird ein Vertrag über die Neueindachung des Turms mit Zinkblech gemacht. 1900 Vergrößerung der Sakristei. 1901 Neue Turmuhr beantragt und genehmigt. 1906 Neueindachung der Sakristei mit Zinkrautenblech. 1907 Bei einem Einbruch wird der Tabernakel und der Opferstock aufgebrochen. 1908 Der Glasmaler Renz aus München stellt für die Kirche 4 neue Fenster her. 1938 Das Kirchenschiff wird nach Westen verlängert und eine Empore errichtet. Der Hochaltar wird restauriert. 1949 Der Altarraum und er Hochaltar werden renoviert. 7

1950 Die im 2. Weltkrieg abgelieferten Kirchenglocken werden ersetzt. Gegossen werden die zwei neuen Glocken in der Glockengießerei Karl Czudnochwsky in Erding. 1958 Mit der Friedhofserweiterung in Richtung Süden wird begonnen. 1960 Das Leichenhaus am Friedhof wird errichtet. 1983 Das Bayerische Innenministerium genehmigt der Gemeinde Sulzemoos ein Wappen. Abtsstab, Pflug und Tatzenkreuz versinnbildlichen die drei Ortsteile. Das silberne Tatzenkreuz wird vom heiligen Sankt Florian, Patron der Kirche Wiedenzhausen, übernommen. 1994 Zum Abschluß der Renovierungsarbeiten wird die Kirche „ Sankt Florian“ in Wiedenzhausen neu eingeweiht. 1998 Weihe des neuen Volksaltars durch Weihbischof Bernhard Hasselberger. 2008 Der Kirchturm wird restauriert und die Turmuhr in Stand gesetzt.

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Kirche St. Florian Die katholische Filialkirche St. Florian der Pfarrei Ebertshausen gehört seit ihrem Umbau Ende des 17. Jahrhunderts zu den stilreinsten und besterhaltensten barocken Dorfkirchen des Dachauer Landes. Der ca. 44m hohe Turm (neueste Messung) mit seinem quadratischen Sockel und dem reich gegliederten achteckigen Aufbau ist einer der höchsten und schönsten im ganzen Landkreis. Er ist schlank und besitzt eine kräftige Zwiebel. Im Aufbau besteht eine große Ähnlichkeit mit dem Turm in Puchschlagen. Man geht davon aus, dass beide Türme vom gleichen Baumeister errichtet worden sind. Der Bergkirchener Architekt und Historiker Max Gruber schreibt die Türme dem Klosterbaumeister von Dießen, Michael Natter (1649-1719), zu. Der eingezogene quadratische Altarraum hat ein barockisiertes Kreuzgewölbe. Es ist wie die Langhausdecke mit reichem Stuckwerk überzogen, das wegen der stilistischen Ähnlichkeit mit Maria Birnbaum dem in Augsburg ansässigen Matthias Schmuzer d. J. zugeschrieben wird. Die Schmuzers waren eine berühmte Stuckateur-Familie; sie arbeiteten im sogenannten Wessobrunner Stil. Über dem Altar hat der Künstler drei ineinander greifende Stuckkreise gezogen, die die Hl. Dreifaltigkeit darstellen. In die Kreise sind die Worte Pater, Filius, Spiritus (Vater, Sohn, Geist) und in den Schnittpunkt der Kreise das Wort "Deus" (Gott) geschrieben. Glockenweihe 1950 9

Der Choraltar stammt aus dem Jahr 1654. Er wurde von dem Dachauer Bildhauer Konstantin Pader geschaffen. 1730 fasste ihn der Dachauer Maler Johann Georg Hörmann (1672-1749) nach einer Reparatur durch den Dachauer Kistler Franz Prugger (1638-1736) neu. Johann Georg Hörmann war Bürgermeister in Dachau und war künstlerisch auch in Bergkirchen, in der Jakobskirche Dachau, Einsbach, Etzenhausen, Feldgeding, Giebing, Günding, Oberbachern, Straßbach, Weichs und Breitenau tätig. Im Zentrum thront in einer Nische eine von zwei Engeln bekrönte Muttergottes des frühen 16. Jahrhundert, die das Jesuskind in ihrem rechten Arm hält (Gnadenbild der früheren Wallfahrt). Die Schmidt'sche Matrikel (1738/40) bemerkt, nach der Überlieferung sei die Plastik aus dem Holz des gleichen Baumes geschnitzt wie die Marienstatue von Tuntenhausen. Die mit einem roten Kleid und einem blau-goldenem Mantel bekleidete Maria trägt das Jesuskind auf dem rechten Arm. Zwei Putten halten ihr die Krone (der Himmelskönigin) über das Haupt. Die Muttergottesfigur wird eingerahmt von Schnitzfiguren der "heiligen Madln" Katharina (rechts) und Barbara mit Krone auf dem Haupt. Jeweils zwei Attribute hat der Künstler Konstantin Pader den Figuren in die Hand gegeben, beziehungsweise. zu ihren Füßen gestellt: Der Hl. Katharina Schwert und Marterrad und der Hl. Barbara Kelch und Turm. 10

Auf Postamenten stehen zu beiden Seiten des Altars größere Figuren der Heiligen Georg und des Kirchenpatrons Florian. Beide sind als Soldaten gekleidet und halten Siegesfahnen in ihren Händen. Zu Füßen des Hl. Georg windet sich ein Drache, das Sinnbild für das Böse. Florian im römischem Soldatengewand löscht mit einem Wasserschaff ein brennendes Haus. Der kunstvoll verzierte Barock-Tabernakel wurde 1730 vom Dachauer Kistler Franz Prugger (1638-1736) geschaffen. Der Künstler ist der Onkel von Nikolaus und Simon Prugger, die beide in mehreren Kirchen des Landkreises künstlerisch tätig waren. Der konvexe Tabernakel hat drei Nischen. In der mit Muschelornamenten verzierten und von zwei blauen, gedrehten Säulen umrahmten Hauptnische steht ein Kreuz. In den beiden seitlichen Nischen halten Anbetungsengel Weihrauchfässer in den Händen. Auf dem Tabernakel sitzt die Figur eines Pelikans, der seine Brust aufreißt, um mit seinem Blut seine Jungen zu nähren (Sinnbild für Christus). Auf den Innenseiten der Tabernakeltüren sind feingliedrige Anbetungsengel angebracht. In der Predella des Choraltars stehen zu beiden Seiten des Tabernakels die Halbfiguren der Bistumsheiligen des eigenen Bistums München/Freising, St. Korbinian und des Nachbarbistums Augsburg, St. Ulrich. Beide Heiligen sind im Bischofsornat mit ihren Attributen dargestellt: Korbinian mit dem Bären, Ulrich mit dem Fisch. Gekrönt wird der Hochaltar von einer strahlenumkränzten Schriftkartusche mit den Buchstaben IHS sowie einem Anker als Hintergrund. Darunter ist im Altaraufsatz Gottvater dargestellt, mit langem Bart, dem dreieckigen Heiligenschein, der nur ihm vorbehalten ist sowie einer Erdkugel in der Hand, als Sinnbild für die Schöpfung. Mit der rechten Hand erteilt er den Segen. 11

Der Zelebrationsaltar besteht ganz aus massivem Stein. Wegen der Flecken im Stein ist das Relief auf der Vorderseite kaum sichtbar. Es stellt das Lamm auf dem Buch mit den sieben Siegeln dar. Der Altar wurde im Jahre 1998 von der Kirchenverwaltung neu angeschafft und im gleichen Jahr durch Bischof Hasselberger eingeweiht. Der breite Chorbogen ist besonders prächtig geziert. Zwei Wappen aus Stuck umgeben eine Nische, in der eine goldene Monstranz steht. Diese prächtige Herz-Jesu-Monstranz mit dichtem Strahlenkranz enthält in der Mitte ein rotes, flammendes Herz, umgeben von der Dornenkrone. Das linke Wappen symbolisiert die weltliche Macht, in diesem Falle das Herzogtum Bayern. In den vier Feldern sind zwei Löwen und zweimal das Rautenmuster der Wittelsbacher (das sie von den Grafen von Bogen geerbt haben) zu sehen. In der Mitte der Darstellung ein Reichsapfel als Insignie der weltlichen Macht. Gekrönt wird das Wappen von der Herzogskrone. Das rechte Wappen zeigt ebenfalls die Felder mit den Löwen und den Rauten. In der Mitte ist aber der Freisinger Mohr, ein Bestandteil des fürstbischöflichen Freisinger Wappens, zu sehen. Die Stelle der Herzogskrone nehmen hier die bischöfliche Mitra, ein Kreuz und der Bischofsstab ein. Das Langhaus ist ein sechsachsiger Saalbau mit Tonnengewölbe und Stichkappen über den 12 Fenstern. Die Wände sind durch Pilaster mit korinthischen Kapitellen gegliedert. Die Decke des Kirchenschiffs ist wie die gesamte Kirche mit reichem Rahmen- und Füllungsstuck mit Engeln und stark plastischen, pflanzlichen und ornamentalen Motiven geschmückt. Sie werden Matthias Schmuzer d.J. zugeschrieben. Erst bei genauerem Hinsehen erkennt man, dass die Stuckaturen neben dem Rankenwerk eine Vielzahl von Figuren und Monogrammen enthalten. 12

Die Monogramme sind meist in kreisförmigen Stuckfeldern zu sehen. Die Figuren gliedern sich als Bestandteile der Ornamentik in das Gesamtkunstwerk der Decke ein. So sind zum Beispiel die 12 Apostel zum Teil mit ihren Attributen einzeln abgebildet. Auch Maria ist über einem Spruchband mit dem Beginn des Ave-Maria "Ave Maria gratia plena" zu sehen. In kreisförmige Stuckfelder sind die Monogramme von Josef, Maria und den vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes eingeschrieben. Dazwischen ist der Deckel des Heilig-Geist-Lochs mit dem Auge im Dreieck, umgeben von einem Kranz von Gnadenstrahlen zu sehen. Das Auge im Dreieck als Darstellung der Dreifaltigkeit in ihrer Allgegenwart und Allwissenheit hat sich in der Kunst unserer Gegend erst im 18.Jahrhundert verbreitet. Aus der frühchristlichen und mittelalterlichen Kunst ist es unbekannt. Das sog. Heilig-Geist-Loch oder Pfingstloch in der Decke diente wohl in erster Linie der Entlüftung der Kirche. An Pfingsten und an Christi Himmelfahrt wurde es früher aber auch für eine Art Schauspiel genutzt: Während des Gottesdienstes wurde von oben entweder eine lebende weiße Taube freigelassen oder eine hölzerne Taube als Symbol für den Hl. Geist an einer Schnur hinuntergelassen. Auch brennende (Flachs-)Flocken ließ man vom Pfingstloch aus in das Kircheninnere fallen; sie sollten die Flammenzungen des Hl. Geistes symbolisieren. Der Brandgefahr wegen war dieser Brauch umstritten. Eine Besonderheit des Deckenstucks in Wiedenzhausen sind die großen Engel, die ihre Arme und ihre Füße in den Kirchenraum strecken und damit die plastische Wirkung der Stuckierung noch steigern. Alle Figuren mit menschlichen Gesichtern haben als einzige Farbtupfer rote Lippen. 13

Die Seitenaltäre wurden 1667 von Konstantin Pader errichtet. Das Datum steht auf den beiden Altaraufsätzen. Links die Zahlen "16", rechts "67". Die Aufsätze der Seitenaltäre ergänzen sich nicht nur hinsichtlich der Jahreszahl, sondern auch im Thema der beiden darin enthaltenen Darstellungen. Sie bilden zusammen die Verkündigungsszene. Am linken Altar kniet Maria vor einem Pult, auf dem noch das Buch liegt, in dem sie soeben gelesen hat. Der Engel Gabriel (hebräisch = Stärke Gottes), der ihr die Botschaft Gottes von der Empfängnis Jesu überbringt, ist in der Aufsatzfigur des rechten Altars zu sehen. Er ist nicht leicht zu erkennen, weil ihn der Künstler ohne die sonst üblichen Engelsflügel abgebildet hat. Auch der Erzengel Michael am rechten Seitenaltar hat keine Flügel. Im Zentrum des linken Altars sitzen in einer Nische Figuren von Maria mit dem Jesuskind auf dem Schoß und daneben die Großmutter Jesu, St. Anna. Diese Darstellung wird in Fachkreisen als „Anna selbdritt“ bezeichnet. Darüber schwebt eine Heilig-Geist-Taube. Maria ist in das traditionelle rote Kleid und einen innen blau und außen goldenen Mantel gekleidet. Rot und Blau sind die traditionellen Marienfarben. Rot für den königlichen Anspruch, Blau für die hohe Wertschätzung (im Mittelalter brauchte man für die Herstellung der blauen Malfarbe Lapislazuli). Maria trägt ihr Haar offen, mit einer seitlichen Spange. Damit soll die Jungfräulichkeit unterstrichen werden. Das Jesuskind, mit einem Heiligenschein versehen, sitzt auf dem linken Knie Marias und hebt segnend die linke Hand. Daneben sitzt Anna, die Mutter Marias und streckt die Hände zum Jesuskind hin aus, bereit, das Kind zu stützen, falls es durch eine Bewegung herabzufallen drohte. Anna ist in das für ihre Darstellung so typische rot-grüne Gewand gekleidet. Um den Kopf hat sie den Schleier der verheirateten Frauen geschlungen. Um den Hals trägt sie das traditionelle Halstuch, den Gimpf, der im Mittelalter zur üblichen Bekleidung der Frauen gehörte. Die Gestalt der Taube für die künstlerische Darstellung des Heiligen Geistes gründet sich auf den Bericht der Taufe Jesu im Neuen Testament. Danach kam "der Heilige Geist sichtbar auf ihn herab, anzusehen wie eine Taube" (Lk, 3,22). 14

Das Konzil von Nicäa im Jahr 325 hat diese Darstellung empfohlen. Papst Benedikt XIV verbot 1745 die Darstellung der dritten göttlichen Person in Menschengestalt, wie sie vereinzelt immer noch vorkam (so z.B. im Deckengemälde der Haimhauser Schlosskapelle). Auf einem Postament steht als Assistenzfigur des linken Seitenaltars eine Figur vom Hl. Joachim. Er hält eine Schäferschaufel und zwei Tauben in einem Körbchen in den Händen. Joachim, der in der Bibel nicht erwähnt wird, ist den Legenden nach der Großvater Jesu. Das apokryphe Jakobusevangelium schildert Joachim als greisen Priester, dessen Opfer im Tempel vom Oberpriester zurückgewiesen wurde, da er keine Nachkommen hatte (deshalb die Opfertäubchen als Attribut). Da erschien ihm ein Engel, traf ihn auf dem Feld bei seinen Herden (Attribut Schäferschaufel) und seine Frau Anna in ihrem Haus; er wies beide an, sich zu begegnen. Sie begegneten sich an der "Goldenen Pforte", das verheißene Kind Maria wurde geboren. Unter der Gruppe steht auf dem Altartisch eine kleinere Figur des Hl. Sebastian am Marterpfahl, von Pfeilen durchbohrt. Sebastian war im 3. Jahrhundert ein Offizier der kaiserlichen Garde, der auf Befehl des Kaisers Diokletian mit Pfeilen durchschossen wurde. Er erholte sich aber durch die Pflege der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen. Teile der Reliquien Sebastians sind angeblich im ehemaligen Kloster Ebersberg in Oberbayern. Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein. Der heilige Sebastian wird deshalb als Pestpatron, und der Pfeile wegen, als Patron der Schützenbruderschaften verehrt. Am rechten Altar ist die Figur des auferstandenen Christus, mit dem Kreuz in der linken Hand und die rechte Hand segnend erhoben. An Händen und Füßen sind die Wundmale der Kreuzigung zu sehen. Links kniet, wesentlich kleiner, der Hl. Michael mit einem Schwert in der Rechten und der Seelenwaage in der Linken. Rechts kniet eine Heilige im Schatten des Kreuzes. Es könnte sich um die Hl. Maria Magdalena handeln. 15

Die Größenunterschiede in den dargestellten Personen können kompositorischer Art sein; möglicherweise handelt es sich hier auch um ein Beispiel der angewandten Bedeutungsperspektive. Auf dem Postament steht am rechten Seitenaltar als Assistenzfigur der Hl. Josef. Er hält in seiner linken Hand eine Lilie, die als Zeichen der Keuschheit gilt. Joseph war der Vater Jesu oder Ziehvater Jesu, da nach altchristlicher Überzeugung Jesus der Sohn Gottes ist und durch den Heiligen Geist im Schoß der Jungfrau Maria gezeugt wurde. Joseph stammte aus dem Geschlecht des Königs Davids, aus dem nach dem Zeugnis des Alten Testaments der Messias hervorgehen werde. Er lebte als Zimmermann in Nazareth. Auf dem Altartisch (Mensa) des rechten Seitenaltars steht eine Figur des Hl. Benedikt im wallenden Abtgewand mit Stab und Mitra und weißen Handschuhen. Die prächtige Kanzel auf der linken Seite war wohl mit der Neuausstattung der Kirche um 1670 erstellt worden. Im Jahr 1730 wurde sie von J. G. Hörmann neu gefasst. Der Kanzelkorb ruht auf einer halbkreisförmigen Konsole. Seine Brüstung ist in Felder eingeteilt, in deren Nischen die vier Evangelisten mit ihren Attributen stehen. An der Rückwand, der Verbindung zwischen Kanzelkorb und Schalldeckel, ist ein Bild des Guten Hirten angebracht. Christus, in ein weißes Gewand und einen roten Überwurf gekleidet, trägt ein Lamm auf seinen Schultern. Der Schalldeckel wird optisch von zwei Engeln gehalten. In der Kunst werden solche Figuren als Hermen bezeichnet. Auf der Unterseite des Schalldeckels ist auf blauem Hintergrund die Heilig-Geist-Taube angebracht. Ganz oben auf dem Schalldeckel sitzt ein Engel auf einem Gebälk und bläst auf der Posaune. Zur Kanzel führt eine Treppe, die in gleicher Weise verziert ist, wie die übrigen Teile der Kanzel. Die vier Evangelistensymbole Engel, Löwe, Stier und Adler haben ihren Ursprung in den Cherubim, den himmlischen Altar- und Thronwächtern. Sie werden in den Gottesvisionen Hesekiels (AT) und in der Offenbarung des Johannes (Kap.4 Vers 7) als die vier Lebewesen, die rings um Gottes Thron stehen, erwähnt. Zuerst wurden sie nur im Zusammenhang mit dem thronenden Christus abgebildet. Als Evangelistensymbole dienen sie erst seit dem frühen Mittelaltar. 16

Derzeit werden sie wie folgt gedeutet: Der Mensch bei Matthäus weist auf den Stammbaum Jesu und auf seine Geburt (mit deren Bericht das Matthäusevangelium beginnt) hin, der Löwe ist Sinnbild für Markus, weil das Markusevangelium mit der Predigt des Johannes in der Wüste, dem Lebensraum des Löwen, berichtet und weil sein Evangelium die Kraft der Auferstehung und Todesüberwindung betont. Der Stier (als Opfertier) des Lukas galt als Zeichen für den Beginn des Lukas-Evangeliums, das mit dem Opfer des Zacharias einsetzt und das am innigsten auf den Opfertod Christi hindeutet. Den Adler des Johannes versteht man als Symbol für den spirituellen Höhenflug des Johannes-Evangeliums. Die Darstellungen des Guten Hirten mit einem Schaf auf seinen Schultern waren in der Frühzeit auf die Sündenvergebung bezogen (Mt.18,12-14). In der Barockzeit trat die von Jesus auf die Priester übertragene Hirtenfunktion in den Vordergrund und damit dessen Hauptaufgabe, die Verkündigung des Evangeliums. Deshalb wurde der Gute Hirte ein bevorzugtes Bildnis an den Kanzeln, wie hier in Wiedenzhausen. Das Motiv des Posaunenengels geht auf Papst Leo I. (440-461) zurück, der schreibt, dass von der Kanzel die Posaune des Evangeliums ertönt. Die Predigt wurde in altchristlicher Zeit ähnlich wie heute von einem Ambo aus gehalten. Ab dem 13. Jahrhundert hat man Kanzeln gebaut, die zumeist seitlich im Mittelschiff ihren Platz haben, dort, wo die Gemeinde versammelt ist. Von hier aus konnten die Prediger auch von oben herab sprechen, was ihren Worten größere Wirkung verleihen sollte. Spätestens seit dem 2. Vatikanischen Konzil 1962 werden sie nicht mehr benutzt. An der Südwand, gegenüber der Kanzel, hängt ein großes Kruzifix, das sogenannte Kanzelkreuz. Die Enden der Kreuzbalken sind als Dreipass gestaltet. Dort sind Puttenköpfe angebracht. Unter dem Kreuz steht eine Figur der Mater dolorosa, der sogenannten schmerzhaften Mutter. Diese Figurengruppe wird ebenfalls dem Bildhauer Konstantin Pader, der die Altäre geschaffen hat, zugeschrieben. 17

Das Kreuz heißt Kanzelkreuz, weil es in der Regel der Kanzel gegenüber an der Wand angebracht ist. Es erinnert den Prediger an den 1. Korintherbrief (1,3), in dem Paulus schreibt: "Wir predigen Christus als den Gekreuzigten". Die Ansprache soll nicht weltliche Dinge, nicht politische Aussagen, sondern den Tod und die Auferstehung Christi zum Inhalt haben. Maria unter dem Kreuz trägt eine Krone auf dem Haupt. Sie ist in einen goldenen Mantel gehüllt, der einen Blick auf das rot-blaue Kleid freigibt. Ihre Arme sind über der Brust gekreuzt. Dies ist ein uralter Trauergestus. Ihr Gesicht ist keinesfalls schmerzverzerrt; es vermittelt mehr den Eindruck tiefer Traurigkeit. Bei der Darstellung in Wiedenzhausen fehlt das sonst übliche Schwert in der Brust, das an das Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,35) bei der Darstellung im Tempel erinnert: "Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen". An den Wänden des Kirchenschiffs sind vier weitere Figuren angebracht: Ein Joch westlich der Kanzel steht an einem Pilaster eine große Statue des Hl. Konrad von Parzham im Ordensgewand der Franziskaner mit einem Kreuz im rechten Arm und einem Schlüsselbund am Gürtel. Auf der gegenüber liegenden Seite steht die wohl zeitgleiche Figur des Hl. Leonhard im Mönchsgewand, mit Abtstab, einem Buch (Bibel) und Ketten in den Händen. In einer Nische auf der Südseite steht eine weitere Muttergottesfigur. Sie wird Konstantin Pader, von dem die Altäre und die Kanzel stammen, zugeschrieben. Maria im rot-blauen Gewand thront mit den Insignien einer Königin auf Wolken und hält auf ihrem rechten Knie das Jesuskind, das spielerisch zum Szepter greift. Marias Fuß ruht auf der Mondsichel. Gegenüber der Muttergottesfigur sitzt auf einem Postament Christus, stützt seinen Ellbogen an den Schenkeln auf und hält mit der Hand das Kinn beziehungsweise eine Wange. Zu seinen Füßen liegt das Kreuz, das er vorher auf den Golgotha getragen hat. 18

An den rund 40 Kirchenbänken des Langhauses sind drei Vortragekreuze befestigt. Das größte davon steht vor der ersten Bank an der rechten Seite mit einem schön geschnitzten Korpus. Die beiden übrigen sind kleiner und befinden sich im rückwärtigen Teil des Kirchenschiffs. Sie haben einen einfach geschnitzten Korpus. Eines davon ist für Beerdigungen vorgesehen. Im vorderen Bereich sind Prozessionsstangen an den Bänken befestigt. Die Stangen sind weiß-blau gestrichen und tragen zwei schöne Engelsfiguren. Diese Engel knien auf Wolken und halten Leuchter in den Händen, in die bei Bedarf Kerzen eingesteckt werden können. Beide Engel haben ihre Gesichter einander zugewandt. Die Stangen wurden und werden immer noch bei der FronleichnamsProzession mitgetragen. An der Rückwand des Kirchenschiffs steht ein sehr einfach gestalteter Beichtstuhl. Über Jahrhunderte hinweg wurde das Bekenntnis der Sünden offen im Kirchenraum beim Sitz (Kathedra) des Bischofs, später bei dem des Priesters im Altarraum abgelegt. Dieser besonders hervorgehobene Sitz des Beichtvaters war die Ausgangsform des Beichtstuhls. Er entwickelte sich ab dem 16. Jahrhundert zu einem feststehenden, meist dreiteiligen, mehr oder weniger geschlossenen Beichtgehäuse mit dem Mittelteil für den Priester und mit der Trennung von Priester und Beichtenden durch eine Zwischenwand mit Sprechgitter. Die Beichtenden knien abwechselnd in den Seitenteilen. Damit wurden bessere Bedingungen für einen anonymen Vollzug der Beichte geschaffen. In neuerer Zeit bieten so genannte Beichtzimmer mit ihrer persönlichen Atmosphäre eine räumliche Alternative für Beichtund Glaubensgespräche. Die Beichte geht auf das Bibelwort "Er hauchte sie an und sprach zu ihnen: Wem Ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem Ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert" (Joh 20,22) zurück.

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Die heutige Empore wurde bei der Verlängerung der Kirche im Jahr 1937 eingebaut. Sie ist sehr tief und bietet vielen Kirchenbesuchern und Chormitgliedern Platz. Die Emporenbrüstung ist der Stuckausstattung der Kirche hinsichtlich der Farbe und des Stils angepasst. Sie wird durch Felder gegliedert. Die Orgel mit ihrem offenen Prospekt wurde 1954 von Guido Nenninger aus München erbaut. Sie hat 2 Manuale und insgesamt 10 Register. Die Firma Nenninger hat auch die Orgeln in den Kirchen von Odelzhausen, Sittenbach, Welshofen und Langenpettenbach gebaut sowie die Orgel in der Haimhausener Schlosskapelle restauriert. Die Orgel mit ihren vielen Pfeifen, die über ein Gebläse zum Klingen gebracht werden, steht meist im rückwärtigen Bereich der Kirche auf der Empore. Sie hielt erst allmählich Einzug in die Kirche, weil sie bis in das 11. Jahrhundert als profanes Instrument galt, das für das höfische Zeremoniell verwendet wurde. Erst ab dem 13. Jahrhundert wurde es zur Regel, in allen bedeutenden Kirchen Orgeln zu errichten. Heute gehört eine Orgel zur Ausstattung jeder Kirche. Mit ihrer Klangvielfalt und Klangfülle trägt die Orgel zur Verherrlichung Gottes bei. Der Orgelprospekt, die Schauseite der Orgel, wurde meist durch Künstler gestaltet. Im Barock, dem unsere ältesten Orgeln angehören, wurde der Prospekt mit reicher Ornamentik verziert. Heute setzt sich immer mehr der "offene" Orgelprospekt durch, der allein durch die harmonische Anordnung der Pfeifen wirkt. Quellen: Hans Schertl, Kirchen und Kapellen im Landkreis www.kirchenundkapellen.de / Buch 1200 Jahre Wiedenzhausen

Dachau,

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Vereinsfahnen mit Kirche

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Sagen Die Sauglocke auf dem Wiedenzhausener Kirchenturm Die sechs Zentner schwere Wetter- und Sündglocke auf dem Wiedenzhausener Kirchturm trägt die Jahreszahl 1605 und wurde von Bartholomäus Wegerle gegossen. Die Leute nennen sie heute noch die Sauglocke. Als im 30jährigen Krieg die Schweden in Richtung Aichach vorgerückt sind und diese ringsum in den Dörfern unter vielem anderen auch die Kirchenglocken gestohlen haben, um sie einzuschmelzen und neues Kriegsmaterial für ihre Kanonen zu gewinnen, entschlossen sich einige beherzte Wiedenzhausener, ihre Glocken zu vergraben. Alle die das Versteck noch gewusst hätten, starben im Laufe der Jahre dahin; andere wurden von den Schweden erschlagen oder die fürchterlich wütende Pest raffte sie dahin. Die Glocken waren unauffindbar. Durch Zufall wurden einige Jahre nach dem schrecklichen Kriege zwei von den insgesamt drei Glocken wieder gefunden. Da bemerkte ein junger Schweinehirt, dass auf dem sogenannten Wirtsberg seine Schweine auf etwas Hartes gestoßen wären. Der Schweinehirte meinte, er wäre auf einen verborgenen Schatz gekommen und grub diesen vollständig aus. Da stellte er fest, dass seine Schweine die verschwundene Glocke wieder gefunden hatten. Schell lief er ins Dorf, um alles zu vermelden. Die Einwohner von Wiedenzhausen brachten die Glocke in feierlichem Zuge in ihr Dorf zurück und hängten sie wieder auf den Kirchturm, auf dem sie noch heute ihren Dienst tut. Und heute noch sagt man noch in Wiedenzhausen, es wird mit der Sauglocke geläutet, wenn ein Wetter aufzieht oder einer seine letzte Reise antritt.

Die Hexe und die Sauglocke Ein schweres Unwetter braute sich wieder einmal hinter dem Rohrbach zur Glonn zusammen. Da wurde, wie es so üblich war, wieder einmal die Sauglocke von Wiedenzhausen ganz laut geläutet. Man sagte damals, dass man sie bis nach Inchenhofen (Landkreis Aichach/Friedberg) hätte läuten hören. Ein ZisterzienserPater, der in dem großen und berühmten Wallfahrtsort Inchenhofen seinen Dienst vrsehen und sich etwas mit Himmelskunde befasst hatte, sah sich diese gewaltige Wetterwolke bedenklich an. Da schaute doch aus dem Wolkenhaufen auf einmal eine überaus hässliche Hexe heraus. Diese holte nun der Pater mit seinem Gebet und mit der gewaltigen Stimme der Sauglocke aus ihrem Wolkenversteck hervor. Die Hexe sagte auf Befragen aus, dass, wenn man die Sauglocke nicht geläutet hätte, die ganze Region oder gar das ganze Bayernland durch dieses fürchterliche Unwetter zugrunde gegangen wäre. So hingegen ist nichts geschehen. Seither wallfahrten die Wiedenzhausener auch heute noch jährlich an Pfingsten nach Inchenhofen. Quelle: Alois Angerpointner, Altbairische Sagen Teil 1

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Jahrtags Stiftungen in der Filialkirche Wiedenzhausen Vermutlich von 1864

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Übersetzung Jahrtags Stiftungen in der Filialkirche Wiedenzhausen geschätzt Juli1864

Nr. Datum

Name und Intention der Stiftung

benennt

1. Ad libitum [wunschge mäss] 2. Ad libitum [wunschge mäss] 3. 14. April

Drei hl. Messen ad intent. Fundatorem [nach Meinung des Stifters]

15. Juli 1864

4. 6. Juni

5. Juni

Eine hl. Messe pro [für] Mathia(s) Schlein etejus parentibus etc [und seine Angehörigen] Eine hl. Messe pro [für] Maria Grünerbl von ledig Wiedenzhausen et tota familia.[und die gesamte gestiftet 14. ApFamilie] ril 1864 1 Seelenamt mit Gedenken und Libera am Grabe Jos. Ballmann pro [für] Joseph et [und] An(n)a Kellerer, Lang- (?) gest. 6. Juni weiler Bauerseheleut von Unterlukka, und ihre 1859 ganze Freundschaft Vigil Seelenamt mit Beimesse Gedenken und gestiftet 8. April Grabgang um die Kirche(n) ad intent [nach Mei- 1743 nung] R.D. Johannis Georg(i) Schneider, parochi [Pfarrer] in Glon etc.

Seelenamt mit Gedenken und Libera mit Grab- gestiftet gang pro [für] Monica Kistler, Martabäurin in 8.Feb.1860 von Wiedenzhausen und der ganzen Freundschaft. Anton Kistler Martabauer Seelenamt mit Gedenken pro Leon(h)ard(o) et gestiftet 2. Juli 7. Juli [und] Anna Hinterholzer Bauerseheleut zum 1855 von Anna Wiedenbauer in Wiedenzhausen und der ganzen (?) Hinterholzer Freundschaft. 8. 12. August Jahrzeitmesse pro [für] Maria Heiß Wirthin von gestiftet 12. AuPuchschlagen gust Eine hl. Messe pro [für] Georg(i) et [und] Maria gestiftet 28. Okt 9. Juni Maerkel Wirtseheleute von Wiedenzhausen ad 1696 int [nach Meinung] 10. 3. Oktober Seelenamt und Gedenken mit Libera am Grabe gestiftet 12. Okt pro [für] Florian(o) et [und] Ursula Wagenpfeil 1857 von Gregor Meßnerseheleut von Wiedenzhausen Wagenpfeil 6. 22. Juli

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Kurze Geschichte der Filialkirche Wiedenzhausen von Pfarrer Simon Mittermayer im Mai 1873

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Übersetzung

Der Name Wiedenzhausen kommt als „Winimunteshusir bei Maichelbock urkundlich im Jr. 805 schon vor. Im Jr. 1529 hatte Herzog Wilhelm IV. hier einen Hof zu Besitz. Schmids Matrikel v. 1740 sagt, daß hier ein Widdumsgütl, ein Halbhöfel zur Pfarrei Einsbach sich befindet. Die Entstehung der Kirche ist unbekannt, aber jedenfalls sehr alt. Die gegenwärtige Kirche mit dem ungewöhnlich hohen Kuppel-Turm ist ein späterer Vergrösserungsbau, wodurch dieselbe um ein ¼ tel Theil länger und um das Gewölb höher gebaut worden ist in den Jahren 1660-67, danach auf die Zeit weisen hin der Baustyl und zwei Jahrzahlen auf einer Glocke und auf einem Altar. Sicherlich ist die Anregung und Unterstützung zu diesem Bau durch den kunstsinnigen Fürstbischof v. Freising und bayer. Herzog Albrecht Sigmund v. 1652-1685 geschehen, wie die beiden Wappen am Triumpfbogen anzeigen. Der Thurmbau zog sich aber nach einer Jahrzahl bis über 1696 hinaus. Daß die Kirche mit Einrichtung im schönsten Renaissance-Styl erbaut worden, betreut Schmid`s Matrikel mit den vielsagenden Worten „Pulchrae adneodum formae“ [wunderschöne Formen]. Das Marienbild am Hochaltar soll aus dem Holze des gleichen Baumes geschnitten sein, wie das Gnadenbild zu Tuntenhausen. Daher war auch Wiedenzhausen vor der Zeit der Säkularisation eine Wallfahrt, in den Jahren 1824-36 geschahen bedeutende Restaurationen nach Außen und Innen. Im Jr. 1840 wurde Wiedenzhausen von dem Pfarrverbande Einsbach getrennt und mit der Pfarrei Ebertshausen vereinigt. Diese Filialkirche welche 1870 und 1871 vierfach nach einer gründlichen Reparatur des Dachstuhles mit neuer Dachung verschönert worden ist, lieferte die Hauptgeldmittel zum Bau der Pfarrkirche Ebertshausen 1873. Den 30. Mai 1873.

Sim. Mittermayer Pfr.

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Quellen: Renovierungsbericht vom Restaurator Erwin Wiegerling von 1995 Schulchronik von Ebertshausen Prof. Dr. Liebhart Thomas Sturm Hans Schertl, www.kirchenundkapellen.de Peter Niedermair Buch 1200 Jahre Wiedenzhausen

Herausgeber: www.wiedenzhausen.de Redaktion: Johannes Huber, Britta Huber Gestaltung: Johannes Huber

Stand: Dezember 2008