138 Verhandlungen. die Akademie, die Gesellschaft, die

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138 Verhandlungen. die Akademie, die Gesellschaft, die Gesammtheit bedingt die Möglichkeit, dass eben die Aufmerksamkeit, die Arbeitskraft Eines Ind...

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die Akademie, die Gesellschaft, die Gesammtheit bedingt die Möglichkeit, dass eben die Aufmerksamkeit, die Arbeitskraft Eines Individuums auf einen bestimmten Gegenstand sich wenden könne. Sie gibt ihm Arbeitsraum, aber das Individuum ist es, welches gearbeitet hat. Das ist der Sinn des Einflusses von Akademien, Instituten oder Gesellschaften. Sie verfehlen einen grossen, schönen Zweck ihres Bestehens, wenn sie nicht zugleich Mittelpuncte redlicher, wohlwollender Anerkennung sind. Ich will sie meinen hochverehrten Freunden gewiss nicht entziehen. Freilich werde ich auch von mir, an dessen Leitung sich so mancher Fortschritt anschloss, vielleicht mehr sagen müssen, als man gerne finden möchte, aber auch ich will nicht aus einer Art übel angebrachter Bescheidenheit, mich da der Nennung entziehen, wo die That gesprochen haben sollte, „Brave freuen sich der That". Es würde mir nicht gelingen, den Fortschritt während unserer zehn Jahre deutlich darzulegen, wollte ich gerade mit jenem Datum des IS. November 1849 beginnen. Eine Schilderung der Verhältnisse müsste vorhergehen, welche dazumal stattfanden, und welche nichts geringeres beweisen würden, als dass damals schon de facto ein Institut von der Art der k. k. geologischen Reichsanstalt bestand, wenn auch mit sehr untergeordneten Hilfsmitteln. Ich selbst arbeitete mit meinen hochverehrten Freunden nahe an zehn Jahre in den Aufgaben der Begründung. Aber auch diese aussergewöhnlichen Verhältnisse haben ihre Vorgeschichte, nur an der Persönlichkeit eines Mohs konnten sie eine feste Stütze finden, an dem Fürsten August Longin v. L o b k o w i t z einen einflussreichen Vertreter, und so erfordert es die Klarheit der Darstellung, dass ich bis zur Gründung des steiermärkisch - ständischen Joanneums zu Greiz vor nahe einem halben Jahrhunderte zurückgehe, einem der unverwelklichen Ehrenkränze unseres edlen, dahingeschiedenen Erzherzogs J o h a n n . Auch jetzt wo der erhabene Prinz nicht mehr die Reihe der Lebenden ziert, aus welchen er in diesem Jahre gerissen wurde, darf ich hier, wie bei verschiedenen früheren Veranlassungen laut erklären, dass sein Einfluss es war, der den neueren wissenschaftlichen Aufschwung in Oesterreich vorbereitete, dessen Zeugen und theilweise in dem letzten Abschnitte, Theilnehmer auch wir gewesen sind. Aber wie wenig ähnlich sind sich auch unsere damaligen und die gegenwärtigen Zustände. Durch die Gründung des Joanneums in Gratz, durch die Berufung unseres M o h s , der wie eine Glorie in der Wissenschaft dem neuen Institute den wohlerworbenen Credit seines Namens verlieh, hatte der durchlauchtige hochgebildete wissenschaftliche E r z h e r z o g d e n hoffhungvollsten Mittelpunct der Entwickelung unserer Fachstudien gefunden. Es fiel diess in eine Zeit der Verluste und Krisen verschiedener Art, aus welcher Erinnerungen und Thaten wie diese um so glänzender und dankenswerther hervorleuchten. Mit der Aufstellung der schönen Mineraliensammlung und der werthvollen Bibliothek, mit der geognostischen Bereisung von Steiermark und Kärnten durch Mohs in den Jahren 1811 und 1812, mit der Gründung der Reihe der Vorträge des ersten Jahres 1812, Mineralogie durch M o h s , Botanik und Chemie durch L. Chr. v. V e s t , hatte in der ersten Zeit das Institut eine mehr rein wissenschaftliche Richtung, welche allmählig umfassender ausgebildet, späterhin auch viele praktische Fächer in sich begriff. Für den ersten Curs schon war es mir vergönnt nicht nur Zuhörer zu sein, sondern bei Mohs im Joanneum zu wohnen, mich seiner näheren Lehre zu erfreuen, und später in gemeinschaftlichen Arbeiten anzuschliessen. Dem ersten Curse gehörten Ferdinand v. T h i n n f e l d , Franz Riepl an, späteren mehrere Schemnitzer Berg-Akademiker, darunter in einem Privatcurse im Jahre 1817 Graf August B r e u n n e r , welcher sodann

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unseren Mobs, nicht ohne Einfluss des verewigten Directors v. S c h r e i b e r s einlud, ihn auf einer Reise nach England zu begleiten, der Erfüllung eines längst von letzterem gehegten Wunsches. Ein Jahr früher hatte ich M o h s auf einer Excursion zu W e r n e r nach Freiberg begleitet. Auch Ferdinand v. T h i n n f e l d war mit uns, und unter der Leitung unseres Mohs, eines wahren Bergmanns, war es uns gegönnt, die Natur und Einrichtungen der dortigen Bergbauverhältnisse in rascher aber gründlicher Folge zu betrachten. Während M o h s mit Graf B r e u nn er in Schottland war, erhielt er in Edinburgh, von einem Ausfluge in die Hochlande zurückgekehrt, den Ruf als Nachfolger W e r n e r ' s , dessen erfolgreichem Leben am 30. Juni 1817 ein Ziel gesetzt war. Ich hatte bereits meinen Aufenthalt in Freiberg zu bergmännischen Studien genommen, und setzte meinen Aufenthalt und meine mineralogischen Arbeiten bei Mohs fort. Einen höchst genussreichen und lehrreichen Sommer verdanke ich meinem hochverehrten Gönner und Freunde Herrn Grafen B r e u n n e r , indem ich ihn 1822 auf einer Reise über München, Basel, Paris, London, Edinburgh, die Niederlande und Norddeutschland begleitete, in dem letzten Theile in Gesellschaft des verewigten grossen Geologen W. B u c k l a n d . Welcher Reichthum an Anschauungen und Erinnerungen, an eröffneten Verbindungen, welche uns jetzt noch von grösster Wichtigkeit sind. Von dem Banquier und Mineralogen Thomas Allan eingeladen, ging ich im Herbst 1823 nach Edinburgh, wo ich in wohlwollendster Gastfreundschaft in Allan's Hause aufgenommen, die Uebersetzung von meines Lehrers „Grundriss der Mineralogie" in einer englischen vermehrten und verbesserten Gestalt im März 1828 herausgab. Auf einer Rundreise mit dem Sohne Herrn Robert Allan in den Jahren 1825 und 1826 sah ich B e r z e l i u s in Stockholm, O e r s t e d und F o r c h h a m m e r in Kopenhagen, wir brachten den Winter mit chemischen Arbeiten in M i t s c h e r l i c h ' s Laboratorium gleichzeitig mit Magnus beschäftigt, in Berlin zu, indem freundlichsten und lehrreichsten Kreise der genannten hochverehrten Freunde, der Brüder Heinrich und Gustav R o s e , P o g g e n d o r f f , W ö h l e r , T a m n a u , angeregt durch den Einfluss und das Wohlwollen eines Leopold von Buch und, wenn auch ferner stehend Alexander's v. Humboldt. Wir sahen Mohs noch in Freiberg, H a u s m a n n und S t r o m e y e r in Göttingen, Hermann v. Meyer in Frankfurt, F. v. K o b e l l in München, Franz Riepl als Professor am Polytechnischen Institute in Wien, Ferdinand v. T h i n n f e l d , bereits seit einigen Jahren mit meiner seitdem verewigten einzigen Schwester vermählt, in Steiermark, und kehrten über Venedig, die Lombardie, Turin und Paris nach London und Edinburgh zurück. Während dieser Zeit war mein verehrter Lehrer Mohs nach Wien berufen worden. Nach seinem Abgange von Gratz nach Freiberg hatte sich eine wahre fühlbare Lücke bemerklich gemacht. Seine glänzenden Vorträge, die Anregung, welche von ihm ausging, lebte in der Erinnerung so mancher seiner früheren Schüler, namentlich war es Franz R i e p l , der diesem Gefühle in der damaligen Gesellschaft in Wien Worte gab, welche zu dem Ergebnisse der Berufung führten. Nun folgte eine Periode lebhaften Aufschwunges. Von seinem alten Freunde v- S c h r e i b e r s wohlwollend aufgenommen, unterstützt von dem verewigten P a r t s e h , von freiwilligen Mitarbeitern, Franz v. Rosth o r n , Joseph Claudius v. P i t t o n i , begann Mohs seine Arbeiten mit einer neuen Aufstellung des k. k. Hof-Mineralien-Cabinetes. Damals schon trat Moriz Hörn es in den Verband des k. k. Hof-Mineralen-Cabinetes, das nun unter seiner Leitung steht. Durch mehrere Jahre folgten Vorträge über Mineralogie, erst mit ungemeinem Erfolge, in den höchsten Kreisen der Gesellschaft willkommen geheissen, später mehr von der jüngeren Generation gewürdigt und t*

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eifrig besucht. Aber eben durch das letztere erschien der Kern den Interessen mehr dem Mittelpuncte der k. k. Hof-Naturalien-Cabinete entfremdet. Man hatte keine eigentlich zu den Vorträgen bestimmte Mineralien - Sammlung ausgeschieden. Es war durch dieses Verhältniss eine Trennung vorbereitet, die wirklich kurz darauf erfolgte, indem unter dein verewigten Präsidenten Fürsten August Longin v. L o b k o w i t z , Mohs der k. k. Hofkammer im Münz- und Bergwesen zugewiesen und der Grund zu einer eigenen, für das Studium und zwar in dem eigentlichen montanistischen Bereiche bestimmten MineralienSammlung gelegt wurde. Für diese waren angemessene Räume in dem im Bau begriffenen neuen Münzgebäude vorbereitet. In dem Circular vom 19. November 1835 wurden sämmtliche der k. k. Hofkammer im Münz- und Bergwesen unterstehende montanistische Aemter aufgefordert, Alles was eben Interessantes in ihrem Bereiche gefunden wurde, nebst den geognostischen Suiten zur Bildung einer mineralogisch-geognostischen Central-Sammlung nach Wien einzusenden. So sollte eine mineralogische und geognostische Grundlage für das Wirken meines verewigten Meisters Mohs in dem Mittelpunct unseres Montanisticums gewonnen werden. Und so war es, denn diese Schöpfung des Fürsten von L o b k o w i t z ist der Beginn der grossen Entwickelung, welche wir heute überblicken. Ich habe in der Sitzung der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften am 6. December 1849 (Sitzungsberichte 1849, III. Bd., Seite 323J, so wie in der Sitzung der k. k. geologischen Reichsanstalt zur Wernerfeier am 25. September 1850 Vieles milgetheilt, auf das ich hier in seiner Ausführlichkeit die Aufmerksamkeit meiner hochverehrten Gönner und Freunde mir erbitten kann. Die Sammlung selbst, wurde durch Geschenke, wie z. B. die werthvolle Sammlung des Herrn Grafen August B r e u n n e r , und anderer, so wie durch Ankäufe bereichert, auch sammelte Mohs selbst noch auf mehreren geologischen Reisen, begleitet von jüngeren Mitgliedern des k. k. Montanisticums, die ihn nebst seiner sorgsamen Gattin noch bei der Vollendung seiner irdischen Laufbahn in Agordo am 29. September 1839 umgaben, die Freunde F u c h s , R ö s l e r , Haltmeyer. Es war meinem verewigten Lehrer nicht mehr beschieden gewesen die Sammlung selbst zu ordnen. Ferne von dem Schauplatze dieser neuen wissenschaftlichen Bewegung erreichte mich die Trauerkunde in Elbogen, in technischer Thätigkeit der Porzellanfabrikation. Ich fühlte, es sei an mir, als Nachfolger von-Mohs in den Fächern möglichst fortzuwirken, für welche ich eilf Jahre in seiner Gesellschaft in Gratz und Freiberg, und vier Jahre in Edinburgh mich vorbereitet; von mehreren Seiten wurde ich durch Briefe verehrter Freunde in gleicher Richtung gemahnt. Aber, den damaligen Verhältnissen entsprechend, konnte nur ein von meiner Seite zu unterbreitendes Majestätsgesuch zum wirklichen Abschlüsse führen. Durch S e i n e r k. k. A p o s t o l i s c h e n Majestät des K a i s e r s F e r dinand I. A l l e r h ö c h s t e Gnade war es mir beschieden, die mehr in allgemeinen Umrissen vorliegende Aufgabe, welche mein verewigter Lehrer und Vorgänger hätte lösen sollen, nun vom 14. April 1840 an, als die meinige zu betrachten. Ich begann mit dem materiellen Theile, der Anordnung des mineralogischen, geologischen, paläontologischen Stufenvorrathes. Das Ergebniss ist in meinem „Bericht über die Mineralien-Sammlung der k. k. Hofkammer im Münz- und Bergwesen", 4°, Gerold 1843, veröffentlicht. Nach dem beklagenswerthen, in seiner vollen Manneskraft erfolgten Hinscheiden meines hohen Gönners des hochbegabten Fürsten v. L o b k o w i t z musste ich diesen Bericht bereits in die Hand seines Nachfolgers, des Freiherrn v. Kübeck legen. Nun kamen die Vorträge

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an die Reihe. Erst über Mineralogie. Als Kern der Zuhörer wurden neun Schemnitzer Berg-Akademiker und jüngere montanistische Beamte nach Wien einberufen. Es waren diess die Herren Gustav F a l l e r , Karl F o i t h , Adolph H r o b o n y , Gustav K a r a f i a t , Franz v. K ö l ö s v ä r y , Johann v. P e t t k o , Ferdinand S c h o t t , Joseph S t a d l e r , Franz W e i n e k , heute grösstentheils noch am Leben und hochverehrte Freunde in mannigfaltigen montanistischen Stellungen. Zahlreiche hochverehrte Gönner und Freunde in Wien vergrösserten den Zuhörerkreis und die Theilnahme; das Wohlwollen, welches ich fand, wird mir immer unvergesslich bleiben. Schon im ersten Jahre begannen unsere Arbeiten an der „Geognostischen Uebersichtskarte der österreichischen Monarchie", welche in den darauffolgenden Jahren vollendet mit der Jahreszahl 184S im Farbendruck des k. k. militärisch - geographischen Institutes im Frühjahre 1847 veröffentlicht wurde. Ich konnte dabei schon die Kenntnisse der jungen Freunde benützen, und manche Verbindungen wurden angeknüpft, um nähere geologische Kenntnisse einzelner Gegenden zu sammeln. Es ist diess eines der wichtigen Ergebnisse unserer Vorarbeiten, zur Gewinnung einer festen Grundlage für geologische Forschungen. Um von den Fortgänge der Verwendung der strebsamen jungen Männer Kenntniss zu erhalten und ihren Wetteifer anzuregen, benützten wir Formen, wie in einer wissenschaftlichen Gesellschaft, damals etwas ziemlich Fremdartiges in unserem Wien, das aber vielfältig Theilnahme fand, und dahin führte, dass im November 184S mein hochverehrter Freund Franz Ritter v. Hauer mir den Wunsch mehrerer junger Freunde eröffnete, die uns für unsere Sitzungen bestimmten Localitäten auch für Vereinigung jüngerer Freunde der Naturwissenschaften überhaupt zu benützen, was bald darauf eine vermehrte Bewegung unter den Männern der Wissenschaft in Wien zur Folge hatte, eingeladen von meinen hochverehrten Freunden Ritter v. E t t i n g s h a usen u n d S c h r ö t t e r und mir, und welchen in wenig Monaten die A l l e r h ö c h s t e Entschliessung zur Gründung einer k. k. Akademie der Wissenschaften am 30. Mai 1846 folgte. Jetzt wo wir diese Ereignisse aus so weiter Entfernung der Zeit betrachten, wird der Zusammenhang derselben immer klarer und es darf wohl hier die Einwirkung unserer Vorarbeiten als eine für unser Oesterreich höchst wichtige und erfolgreiche Thatsache verzeichnet werden. Unter den zum Curse von 1843—1844 einberufenen Herren war Franz Ritter v. H a u e r , Sohn des um die Erforschung der österreichischen Tertiärpetrefacten, namentlich auch der Foraminiferen hochverdienten Herrn k. k. Geheimen Rathes Joseph Ritter v. H a u e r , schon dadurch in den betreffenden Studien zu unserem Vortheile vorbereitet, und vollkommen geeignet, im nächsten Jahre 1844—1845 eine lehrreiche Reihe von Vorträgen über Paläontologie zu beginnen, damals die einzigen in Wien und fortwährend von einem sehr ansehnlichen theilnehmenden Publicum besucht. Wäre es möglich gewesen, sie bis jetzt zu halten, sie würden bei ihrer Gediegenheit und ihrem Glänze eine reiche Schule der Paläontologie für Wien und Oesterreich gebildet haben. Wir gewannen in dieser Zeit von Herrn v. Hauer das Erstlingswerk: Die „Cephalopoden des Salzkainmergutes aus der Sammlung Seiner Durchlaucht des Fürsten v. M e t t e r n i c h , " welches auf Kosten dieses unseres nun verewigten Gönners in Druck gelegt wurde, wobei wir Erfahrung und Anregung für Grösseres schöpften. Schon im ersten Jahre war des damaligen k. k. General-Landes- und HauptmünzProbirers meines hochverehrten Freundes Alexander L ö w e Theilnahme für unsere Arbeiten gewonnen, für die mir zugewiesene Abtheilung als Ganzes führte ich aber den Namen k. k. m o n t a n i s t i s c h e s Museum ein, für den zwar kein eigentlicher Bestimmungs-Erlass ausgefertigt wurde, der sich aber mit Ehren für

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unser Oesterreich immer mehr Ansehen erwarb, durch die wissenschaftliche Bewegung, welche von uns ausging, durch die Männer, welche uns in verschiedenen Zeiten und Verhältnissen angehörten. Aus den Versammlungen von Freunden der Naturwissenschaften war während dieser Zeit die Subscription zur Herausgabe von Abhandlungen (4 Bänden in 4°) und Berichten (7 Bänden in 8°) hervorgegangen, welche ich besorgte, und welche billig als Vorläufer der grossen späteren Arbeiten der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften und der k. k. geologischen Reichsanstalt betrachtet werden dürfen. Wir betraten zuerst den Weg in den Arbeiten, den Weg in der Verkeilung und Eröffnung freundlich gesellschaftlicher Beziehungen, zwischen Wien und den Kronländern, zwischen Wien und dem Auslande nach allen Weltgegenden. So rückte der verhängnissvolle 13. März 1848 heran, von dem auch unser k. k. montanistisches Museum nicht unberührt bleiben sollte. Gnädig waltete die Vorsehung über uns. Ich hatte bereits früher in der ersten der Sitzungen der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, wo von wissenschaftlichen Gegenständen die Rede war, die geologische Aufnahme der Monarchie zur Sprache gebracht. In Folge der Einladung der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe, auf einen Vortrag von meinem hochverehrten nunmehr verewigten Freunde P a r t seh und mir, bewilligte dieselbe die Mittel zu einer geologischen Vorbereitungsreise der Herren Franz Ritter v. Hauer und Dr. M. H ö r n e s nach Deutschland, Frankreich und England, sodass uns der Sommer 1848 in strengsten wissenschaftlichen Studien und Erfolgen in der Geschichte unserer Entwicklungen eingeschrieben ist. Der Herbst führte uns wieder zusammen, der 28. October brachte uns Ruhe und Sicherheit. Unsere Vorträge begannen, da für sie mehr der Charakter von Privat- als von öffentlicher Natur angesprochen werden konnte, schon im November wieder, eben so die Versammlungen von Freunden der Naturwissenschaften. Nebst den bisherigen Vorträgen an dem k. k. montanistischen Museo, hatten noch die Herren Dr. M. H ö r n e s , Dr. Franz K o l l e r , Eduard P ose hl, durch Behandlung in freiwilligem Entschlüsse von Gegenständen, welche den von der Schemnitzer Bergakademie abgehenden Zuhörern dort nicht mehr zur Disposition standen, diesen einen wichtigen, von dem damaligen k. k. Ministerium für Landescultur und Bergwesen ehrend anerkannten Dienst geleistet. Nicht weniger als 48 junge Männer hatten bei uns Belehrung gefunden, davon 19 k. k. BergAkademiker. Das k. k. montanistische Museum stand nun vorzüglich für zwei Beziehungen reich vorbereitet da, für Lehre in den wichtigsten mineralogisch-, geologisch-, paläontologisch-chemischen montanistischen Beziehungen sowohl, als auch für geologische Durchforschung des Landes, eine Richtung, deren Pflege durch die anderwärts, in vielen Ländern der Erde weit vorgeschrittenen Arbeiten immer dringender hervorgerufen wurde. Lehre ist Zukunft. Durch die Lehre in den Jahren von 1843 bis 1849 hatten sich eineAnzahlvon Männern theils neu herangebildet, theils durch ihre Neigung und unabhängige Arbeiten vorbereitet zusammen gefunden. Bei den neuen Einrichtungen des damaligen Zeit-Abschnittes war der Entwicklung des aufblühenden Institutes als aus einem kräftigen Kerne ausgehend weniger Rechnung getragen, als dem systematisirenden Ausspruche, dass nur das k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht für die Lehre allgemein wissenschaftlicher Fächer sorgen sollte. So war denn unser glänzender Curs von 1848 bis 1849 auch unser letzter gewesen. Mit den Lehrcursen entfielen aber auch spätere Einberufungen von Bergpraktikanten. Dagegen hätten für geologische Durchforschungen des Kaiserreiches auch die Fonds der Kaiserlichen Akademie

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der Wissenschaften auf die Länge nicht mehr genügen können, wenn sie auch noch in dem laufenden Sommer den Herren v. H a u e r und H ö r n e s die Mittel gewährten, eine geologische Vorbereitungsreise durch einen Theil des Kaiserreiches, vom westlichen Galizien über Böhmen, Salzburg, Tirol, Venedig und Steiermark zu unternehmen, bei welcher sich noch die Herren Rudolph Ritter von Hauer und Victor Ritter v. Z e p h a r o v i c h anschlössen. Das war unsere Läge im Herbst 1849. Reiche Sammlungen von mineralogischen, geologischen, paläontologischen Gegenständen, hochgebildete jugendlich-frische wissenschaftliche Kräfte waren vorhanden, der Zweck wurde zur Auswahl in eigenen Denkschriften von mir den aufeinanderfolgenden Herren k. k. Ministern, welchen das k. k. montanistische Museum unterstand, vorgelegt. Aber eben damals war Ferdinand Edler Herr von T h i n n f e l d k. k. Minister für Landescultur und Bergwesen. Er, durch nahe vierzigjährige Erfahrung in diesen Richtungen heimisch, kannte die Ausdehnung und Wichtigkeit der Frage. Ihm ist Oesterreich für die Idee der Gründung der k. k. geologischen Reichsanstalt verpflichtet, für welche er damals an S e i n e K. K. A p o s t o l i s c h e M a j e s t ä t , unseren gegenwärtig glorreich regierenden Kaiser und Herrn F r a n z j o s e p h I. seinen unterthänigsten Antrag unterbreitete, und in Folge dessen wir heute, nach zehnjährigen Bestrebungen, möglichst dem in uns gestellten Vertrauen zu entsprechen, auf den 15. November 1849 als den wichtigsten, unseren G r ü n d u n g s t a g zurückblicken dürfen, in dankbarer Ehrfurcht dem A l l e r g n ä d i g s t e n Kaiser und Herrn. Die k. k. geologische Reichsanstalt. Wir treten nun in den eigentlichen Abschnitt der Periode für welche mir die doch in möglichster Kürze zu fassende Berichterstattung obliegt, was ich um so leichter durchzuführen im Stande sein werde als eines der Ergebnisse unserer Thätigkeit, die ausführlichste Berichterstattung in unseren Jahrbüchern und Abhandlungen vorliegt. Unmittelbar nach der Gründung, schon für das erste Jahr unseres Bestehens, das Jahr 1850 gilt der erste Band des Jahrbuches in GrossOctav, welchem seitdem mit jedem Jahr ein Band gefolgt ist; der 10. derselben ist im Fortschreiten begriffen und ich lege heute zwei Hefte desselben vor. Von den Quart-Abhandlungen sind in dieser Zeit drei Bände erschienen, der letzte war im Jahre 1856 zur Zeit der Naturforscher-Versammlung geschlossen. Ich bin glücklich heute die erste Abtheilung des vierten Bandes vorlegen zn können, welche den Anfang der Bivalven aus meines hochverehrten Freundes Herrn Directors und Commandeurs Dr. M. Hörn es wichtigen „Fossilen Mollusken des Tertiärbeckens von Wien" enthält. Diese eigentlichen Grund-Publicationen der k. k. geologischen Reichsanstalt sind es, auf welche ich hier mit grösster Befriedigung für Nachrichten über unsere Arbeiten verweisen darf. Als ich am 1. December meinen Eid als Director abgelegt hatte, musste es unsere erste Sorge sein, uns der Männer zu versichern, welchen die eigentlichen Arbeiten im Einzelnen zugewiesen werden sollten. Die Herren k. k. Bergräthe Franz Ritter v. H a u e r und Johann C z j z e k , Archivar August Friedrich Graf M a r s c h a l l , Assistent Franz F o e t t e r l e bildeten das Personal in Wien, Marcus Vincenz Lipoid wurde als Geologe berufen. Die beiden letzteren nun k. k. Bergräthe, während unser treuer Arbeitsgenosse Czjzek längst aus unserem Verbände und diesem irdischen Leben für immer abberufen worden ist.