151206 Produzentenporträts

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Burgund – Produzenten, Jahrgang 2012 und Preisentwicklung Die Porträts der an der Weingala im Waldhaus anwesenden Betriebe Domaine des Lambrays, St. D...

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Burgund – Produzenten, Jahrgang 2012 und Preisentwicklung Die Porträts der an der Weingala im Waldhaus anwesenden Betriebe Domaine des Lambrays, St. Denis, Domaine Christian Clerget, Vougeot, Domaine Gerard Mugneret, Vosne-Romanée, alle Côte de Nuits, Maison Olivier Bernstein, Beaune, Domaine des Comtes Lafon, Meursault, Domaine Antoine Jobard, Meursault, alle Côte de Beaune, und Les Heritiers de Lafon Milly aus dem Mâconnais stammen von Patrick Mayer. Am Schluss lesen Sie seine Einschätzungen zum Jahrgang 2012, der mit anderen an der Weingala im Waldhaus Sils präsentiert wird, und zur Preisentwicklung. Der Autor ist Verwaltungsrat der Siebe-Dupf Kellerei AG und verantwortlich für die Weine Burgunds. Er ist Mitglied der «Confrérie des Chevaliers du Tastevin» und gehört zum Degustationsteam der Fachzeitschrift «Bourgogne aujourd'hui». Er gilt als profunder Kenner der burgundischen Weinszene.

Am schmalen Band an den Hängen des Morvan liegen die Rebflächen der Côtes d’Or. Ihren Namen erhielt die Region von der fast goldenen Farbe der Weinblätter nach der Lese. Die Côte d’Or wird in die Côte de Nuits im Norden und die Côte de Beaune im Süden aufgeteilt. Die Côte de Nuits erstreckt sich von Südrand der Stadt Dijon über 22 km nach Süden bis nach Corgoloin, nördlich von Beaune. Dort werden fast ausschliesslich Rotweine aus der Pinot Noir-Traube erzeugt, welche zu den langlebigsten, faszinierendsten und finessenreichsten Rotweinen der Welt gehören. So kommen bis auf den Corton auch alle roten Grand Crus der Côte d’Or aus der Côte de Nuits. Domaine des Lambrays, St. Denis Seit ein paar Wochen ist es klar. Bei der Domaine des Lambrays wird sich nach dem Kauf der Moët Hennessey-Louis-Vuitton (LVMH)-Gruppe vermutlich einiges verändern. Regisseur Thierry Brouin hat mir versichert, dass er noch drei Jahre die Geschicke der Domaine leiten wird, was beruhigt, damit die Puristen und Liebhaber grosser traditioneller «Ganztrauben»-vergorener Burgunder weiterhin auf ihre Rechnung kommen werden... Wie lange wir diese Weine noch anbieten können, bleibt abzuwarten.

Der Morey St. Denis Village ist einmal mehr ein ungemein verführerischer wunderbarer Pinot mit herrlicher Frucht und erstaunlicher Tiefgründigkeit. In reifen Jahren wie 2012 brilliert der Clos des Lambrays mit einer betörenden Textur, einer sinnlichen und würzigen Komplexität und einer herrlichen Länge im Abgang. «Wenn ich mir überlege, dass wir in diesem Jahrgang grosse Mehltau-Attacken hatten, in Morey St. Denis waren wir am Schlimmsten betroffen, bin ich mit dem Resultat natürlich sehr zufrieden. Leider konnte ich nur 45 Prozent einer Normalernte lesen. Wir begannen am 22. September sehr ausgewogenes Traubengut zu ernten, die Zuckerwerte waren sehr gut, die Säure und die phenolische Reife zeigten sehr gute Werte. Einmal mehr habe ich den ganzen Clos des Lambrays mit den Stielen vergoren», meinte Thierry Brouin äusserst zufrieden. Domaine Christian Clerget, Vougeot Letztes Jahr habe ich Christians Weine mit Thierry Brouin, dem Regisseur von Lambrays, degustiert, der meinte, diese Provenienzen würden immer besser. Ich habe ihm geraten, seine 12er zu probieren. Vielleicht sind es die Besten, die hier je gekeltert wurden. Wer diese Weine nicht mag, sollte keine Pinots trinken... Christian meinte: «Die Alkoholwerte waren mit 12 bis 12,5 % nicht sehr hoch, aber die phenolische Reife war sehr gut. Ich habe mich entschieden, alle Weine ohne Stiele zu keltern, denn ich wollte die Fruchtigkeit des Jahrgangs unbedingt erhalten. Die Säurewerte waren nicht allzu hoch und deshalb sind die Weine vermutlich schon sehr früh verführerisch.» Wir fanden sie nicht bloss verführerisch, sondern, elegant, komplex und schlicht beeindruckend! Der Chambolle-Musigny Village ist ein hochseriöser Dorfwein, dicht, fruchtig mit einer schönen und reifen Tanninstruktur im Abgang. Der Vougeot 1er Cru ist finessenreich, rein und vom etwas reicheren Lehmboden wunderbar gezeichnet, während der Chambolle-Musigny 1er Cru Les Charmes nebst seiner Fruchtfülle und Eleganz durch seine subtile Mineralität im Abgang brilliert. Der Echezeaux Grand Cru stammt aus den Orveau, einer der besten Parzellen dieses Grand Crus. Die Reben sind über 60 Jahre alt und der Wein zeigt alle Charaktereigenschaften eines herrlichen Grand crus: Tiefe, Dichte und Eleganz.

Domaine Gerard Mugneret, Vosne-Romanée Kaum ein anderer Winzer Burgunds ist so selbstkritisch wie Pascal Mugneret. Gérards Sohn keltert nun seit sechs Jahren die Weine der Domaine und nie ist er mit dem Resultat ganz zufrieden. «Es hätte noch etwas besser laufen können, aber man muss ja auch mal etwas zufrieden sein...», meinte er während der Verkostung seiner Jungweine. Natürlich sprach auch er von den noch nie gesehenen Mehltau-Attacken. «Gemessen am Wetterverlauf und den Problemen des feuchten Frühlings hätte ich nie gedacht, dass wir so herrliches Traubengut mit so hoher phenolischen Reife hätten ernten können. Ich habe mich, zwischen 10-20% mit den Stielen zu vergären». Mugnerets Weine sind ganz sichere Werte in der oberen Liga der Côte de Nuits. Der Bourgogne rouge ist auch hier verführerisch in der Fruchtphase: Es sind hellbeerige Fruchtaromen gepaart mit einer wundervollen Veilchenaromatik. Der Vosne-Romanée Village beeindruckt mit einer kühlen, reinen Fruchtaromatik, die von herrlich reifen Tanninen begleitet werden. Der 1er Cru Vosne Suchots zeigt die lagetypischen Eigenheiten von reifer tiefer Frucht und floralen Gewürzaromen, ein Klassewein! Im südlichen Abschnitt der Côte d’Or befindet sich die Côte de Beaune. Sie beginnt nördlich der Stadt Beaune und erstreckt sich über 25 km südwärts bis nach Maranges. Nördlich von Beaune werden hauptsächlich Rotweine aus Pinot Noir erzeugt. Die Gegend südlich von Beaune bis Meursault und Puligny-Montrachet ist weltberühmt für die grossen Weissweine aus der Chardonnay-Traube. Weiter südlich dominiert dann wieder der Pinot Noir. Maison Olivier Bernstein, Beaune Immer wieder werde ich auf diese Weine angesprochen. «Sind sie wirklich so grossartig?» Natürlich finde ich sie grossartig, sonst hätte ich sie nicht in unsere Kollektion aufgenommen. Natürlich sind sie auch sehr teuer, aber das hat damit zu tun, dass Olivier die Parzellen zwar kultiviert aber nicht Besitzer ist. D.h. er fixiert den Preis im vornherein, unabhängig der Erträge, die er ernten wird. In den letzten drei Jahrgängen ist diese Rechnung zu seinen Ungunsten ausgefallen... zumal auch noch die Traubenpreise bis zu 60 Prozent aufgeschlagen haben. «Die Weine Olivier Bernsteins gehören mitunter zu den grössten

Provenienzen, die das Burgund momentan anbieten kann. Bernsteins Geschichte ist so faszinierend, aufregend und gleichsam beeindruckend, dass sie, wäre sie nicht wahr, fast hätte erfunden werden müssen.» Dies habe ich vor einiger Zeit geschrieben, als ich Olivier Bernstein erstmals getroffen habe. Mittlerweile haben wir das Vergnügen, seinen grandiosen 2012er Jahrgang anzubieten. Abgesehen von einer Ausnahme ist Bernstein nun für alle gemieteten Parzellen selber verantwortlich. D.h. hier wird vom Rebschnitt bis in die Flasche alles selber erarbeitet und seit ein paar Monaten ist er auch Besitzer von 42 Aren Gevrey-Chambertin 1er Cru Champeaux und 18 Aren Mazis-Chambertin. Und ich bleibe dabei: Olivier Bernsteins 2012er gehören vermutlich zu den Besten, was die Côte d’Or zu bieten hat. Wir haben die Weine während des Ausbaus mehrmals degustieren können und waren von deren Entwicklung schlicht hingerissen. Die einen vergleichen sie mit den Weinen der Domaine de la Romanée Conti, was natürlich grundfalsch ist, zumal die Weine nicht aus Vosne-Romanée sondern mehrheitlich aus GevreyChambertin stammen und schon diesbezüglich ein völlig verschiedene Lage-Typizität aufweisen. Dass sie aber qualitativ mit den Weinen von der DRC, was übrigens auch Weine anderer Domainen aus unserem Angebot betrifft, mithalten können, ist unbestreitbar. Aber manchmal ist es auch besser, weniger über Spitzen-Provenienzen zu schreiben und das Feld diesmal den amerikanischen Burgunder-Spezialisten Stephen Tanzer (ST) und Antonio Galloni (AG, ehemaliger Parker-Degustator Burgunds) zu überlassen. Ihre Benotungen sprechen für sich...und die Herren schienen sich ja ziemlich einig gewesen zu sein... Domaine des Comtes Lafon, Meursault Als ich während der Lese bei Dominique Lafon vorbeischaute, fragte er mich lakonisch: «Bringst Du mir ein paar Trauben?» Auch bei ihm war die Ernte sehr klein, auch hier gab es Ernteverluste von bis zu 70 Prozent. «Ich weiss noch nicht, wie ich diesen kleinen Kuchen aufteilen soll», meinte er fast etwas verzweifelt. Die Qualität des geernteten Traubengutes war grossartig. Lafons 12er sind wirklich beeindruckend. Die Zuteilungen erfolgen hier immer etwas später und wir werden die Weine zu Beginn des nächsten Jahres anbieten können. Die Weissen 12er sind brillante Chardonnays, der Meursault Village zeigt sich sehr dicht und straff, der Clos de la Barre glänzt durch Tiefe und Würze, der 1er Cru Charmes ist etwas runder als der sehr mineralische Genevrières und der Perrières zeigt sich schon kurz nach der Malo

ausgewogen und vielschichtig. Die beiden Roten, der Monthélie 1er Cru Duresses ist ein wunderbarer Charmeur aus reifer Frucht, Fülle und Komplexität und der Volnay 1er Cru Santenots hat alle Eigenschaften eines grossen Weines: Dichte, Struktur und Eleganz. Domaine Antoine Jobard, Meursault Antoine Jobard muss uns gut mögen, denn seine generöse Zuteilung hat uns sehr überrascht. Nachdem wir 2010 mit seinen Weinen beginnen durften, sind wir nun in der Lage, doch einige Flaschen von den raren aber überragenden 12er anbieten zu dürfen. «Ja, viel gab es ja nicht zu ernten, aber mit der Qualität bin ich doch sehr zufrieden», meinte er bescheiden, als wir tief beeindruckt die Fassproben degustierten. Antoine präsentierte einmal mehr Meursaults der absoluten Spitzenklasse, die uns imponiert haben. Es sind Weine die eigentlich in jedem seriösen Burgunderkeller gelagert werden sollten. Schon der Bourgogne blanc mit seinem tollen Fond hat sicherlich Village-Niveau. Der Meursault En la Barre zeichnet sich durch Mineralität, Eleganz und einem 1er-Cru-Niveau im Abgang aus. Frischer als der 1er Cru Poruzot kann wohl kaum ein Meursault sein und der Meursault 1er Cru Blagny legt mit etwas mehr Dichte noch einen drauf. Der 1er Cru Genevrières beeindruckt durch Frische, Länge und enorme Komplexität. Les Heritiers de Lafon Milly, Lamartine Dominique Lafon hat sich mit seiner 2012er Kollektion aus dem Mâconnais endgültig in der Gilde der grossen südburgundischen Weingüter etabliert. Auch die englische Journalistin und MW Serena Sutcliffe war von den 12ern hingerissen. Dieser Jahrgang zeigt auf, dass man auch in einem schon wärmeren Klima noch hochelegante und mineralische Weine keltern kann. «Es ist eine wunderbare Gegend und man kann hier wirklich herrliche Weine produzieren. Entscheidend sind sicher unter anderem die Erträge und das Erntedatum», meinte Dominique, als wir die 12er degustierten. Der Mâcon Bussières war noch nie so elegant und vielschichtig, der Milly-Lamartine noch die so mineralisch und der Clos du Four noch nie so komplex. Der VireCléssé ist ein beeindruckender weisser Burgunder voller Finesse, Dichte und Eleganz.

Der Jahrgang 2012 im Burgund – ein quantitativ kleiner, aber qualitativ magistraler Jahrgang! «Der Juni macht die Quantität und der September die Qualität», das sagt man sich jährlich im Burgund. Im Jahre 2012 hat sich diese Binsenweisheit leider nur zu sehr bewahrheitet. Aber alles begann schon viel früher. Der ausserordentlich kalte Februar mit Nachttemperaturen von minus 10 Grad und permanenten Frosttagen haben den alten Rebstöcken zugesetzt. Gleich danach gab es einen sehr warmen März, der die Knospenbildung massiv beschleunigte, eine regnerische Periode, die sich von April bis Mitte Juli hinzog, trug das Ihre bei: eine unregelmässige Blüte, die zu starker Verrieselung führte, starker falscher und echter Mehltaubefall, heftige Gewitter mit Hagel und hohe Temperaturen im August, welche einzelne Trauben aufgrund des geringen Blattvorkommens verbrennen liess. Alle diese Vorkommnisse haben zu kleinen Erträgen geführt. In PulignyMontrachet, Meursault, Volnay und Pommard lagen die Erträge bei weniger als 35 Prozent, in der Côte de Nuits sah es mit knapp minus 50-60 Prozent gegenüber einer Normalernte etwas «besser» aus. Die stabile Schönwetterperiode vom 10. August bis zum 25. September liess die Beeren hervorragend ausreifen und das verbliebene Traubengut konnte in perfektem Zustand geerntet werden. Dass bei solchen Ertragseinbussen und der immer mehr steigenden Nachfrage nach grossen Burgundern die Preise markant steigen, ist leider nicht zu verhindern. Ich habe in unseren Frühlingsgazette das Thema «Burgund und die Preise, wohin geht die Reise?» schon eingehend dargelegt: «....Die Nachfrage nach grossen Burgundern ist nicht bloss in Asien gestiegen, auch in Märkten wie Russland, Südamerika und Nordeuropa hat das Interesse markant zugenommen. Gerne zitiere ich aus dem Blog «Das Weinforum, Burgund 2012» die Meinung von «argentum-Philipp», einem scheinbar renommierten Kenner der burgundischen Weinszene: «Als ich im März 2013 unterwegs war... Unglaublich, wie schön die Weine waren und sich zu diesem Zeitpunkt zeigten. Ganz extrem waren die Exemplare von Sébastien Cathiard und Christophe PerrotMinot... Alle vergleichen sie 2012 mit 1978, (einem Jahrhundertjahrgang, von dem man noch heute spricht, Anm. P. Mayer) und glauben zum Zeitpunkt der Verkostung, dass da ein Jahrgang heranreift, der einen Meilenstein setzen wird.»

Welche Konsequenzen werden wir daraus ziehen müssen: Die Siebe-Dupf importiert seit Jahren Burgunder aus der höchsten Liga und die Preise haben sich stetig, aber doch moderat entwickelt. Wir haben die Weine unabhängig der Jahrgangsreputation immer gleich kalkuliert und sind bestrebt, dies auch zukünftig zu tun. Dass wir die langjährigen Beziehungen zu unseren Topproduzenten nicht aufgeben werden, versteht sich von selbst, zumal auch nicht alle diesen Preishype mitmachen werden. Die ersten Angebote sind durchschnittlich ca. 15 bis 20 Prozent höher. Broadbent, der grosse englische Weinbuchautor, meinte mal lakonisch auf die Frage, wo der Unterschied zwischen Bordeaux und Burgund liege, «500 km...» Damit hat er ja so Recht, der Unterschied zwischen einem Pinot-Noir und einem CabernetSauvignon-Merlot-Blend ist so gross wie bei einer Limousine und einem Sportwagen. Doch um oenologische Fragen geht es leider längst nicht mehr. Burgund ist nun mal zehnmal kleiner als Bordeaux, die grossen Gewächse entsprechend rarer und so erstaunt es nicht, dass einzelne Produkte zur Spekulation verkommen. Für die Liebhaber grosser Burgunder wird es nicht einfach werden. Wir bleiben jedenfalls dran und werden alles versuchen, Ihnen, liebe Kunden, die Provenienzen in weiterhin «angemessenem Rahmen» anbieten zu können...» Wir haben aufgrund der hervorragenden Qualität der Weine noch alles gekauft, was uns angeboten werden konnte, die selektive Auswahl haben wir auf später verschoben... Leider ist es nicht sehr viel. Dass die 2012er schon jetzt mit den legendären 78ern verglichen werden, ist natürlich ein Unsinn. Vielleicht waren die meteorologischen Bedingungen ähnlich, aber mit den heutigen Kenntnissen in Rebbau und Kellertechnik bin ich überzeugt, dass hier noch grössere Gewächse heranreifen. Sie sind schon in der Jugend zugänglicher als die ziselierten 2010er, haben nicht die reife Opulenz der 09er, aber sie strahlen eine Harmonie von reifen Tanninen, umwerfender Frucht und wunderbar reifer Säure aus, welche die Faszination ganz grosser Burgunder so einzigartig erscheinen lässt! Wir werden alles versuchen, diesen «kleinen Kuchen» auch dieses Jahr so gerecht wie möglich zu verteilen...