1998 Regensburg - RTV Lohmar

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1998 Regensburg Nach dreijähriger Abstinenz (meine letzte Fernfahrt war die vom Wetter und Serviceteam im Stich gelassene Vogesentour) kribbelte es wi...

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1998 Regensburg Nach dreijähriger Abstinenz (meine letzte Fernfahrt war die vom Wetter und Serviceteam im Stich gelassene Vogesentour) kribbelte es wieder in den Beinen und im Winter wurden eifrig die Karten gelegt, wo es denn hingehen sollte. Ich versuchte, einige landschaftliche reizvolle Routen aneinanderzureihen, so dass sich mehr zufällig Regensburg als Endstation eines Weges, der das eigentliche Ziel war, ergab. Ein Bild, das sich schon seit Jahren wiederholt, bietet sich vor der Jabachhalle: Rennräder stehen an der Wand, Taschen, Ersatzteile und Verpflegung werden in den Lkw geladen. Eine Ansammlung grüngekleideter Herren läuft scheinbar planlos durcheinander - aber nein - das ist neu, diesmal ist eine Dame mit von der Partie. Innerhalb kurzer Zeit ist alles ordentlich verstaut und man formiert sich zur Startaufstellung für das Gruppenfoto. Darauf sind zu erkennen: Marion Hauptmann, Gerd Haag, Johann Janssen, Günter und Harald Lüghausen, Manfred Müller, Sepp Rausch, Georg Timmering und Hans Werner Vits. Als Gastfahrer im weißen Trikot ist Josef Formanns dabei und auch Dr. Jürgen Schmidt-Troje wird uns am heutigen Tag bis zum Etappenziel begleiten. Als "dresdentourerfahrener" Begleiter steht uns Herbert Topel zur Seite. Sein Arbeitsplatz ist das Cockpit des DEJA-Lkw, der uns freundlicherweise wieder zur Verfügung gestellt wurde. Damit wir ihn nicht verlieren können, ist unsere technisches Equipment um drei Handys aufgerüstet worden. Lohmar - Wetzlar Auf geht's, zunächst über Neunkirchen bis Ruppichteroth, doch zuvor muss Johann bei km 22 den eigens für die Tour neu aufgelegten pannensicheren Pneu auf dem Radweg einem Test unterziehen. Wegen zu geringem Reifendruck hat ein Steinchen durchschlagenden Erfolg gehabt. Nun dürfen die ersten Schweißtropfen der Schwerkraft gehorchend die Stirn hinabrollen, denn bei drückender Schwüle geht es über die Nutscheid. Die Vorausfahrenden lassen von der nassen Straße ein paar Spritzer zur Erfrischung aufsteigen. Unseren Begleitfahrer haben wir ungewollt ausgetrickst und heimlich überholt. So kommt das Handy erstmals zum Einsatz und erspart auf beiden Seiten unnötigen Streß bei der Spekulation, wer wohl wo sein mag. Kurz vor Wissen sind wir wieder beisammen und Herbert baut für die erste Frühstückspause auf. Brötchenkauenderweise genießen wir von der Ladefläche des Lkw den Blick auf die fernen Höhen des Westerwaldes, während ein paar Regentropfen auf das Dach fallen. Tisch und Bänke sind fest installiert und Verpflegung, Werkzeug und Kleidungsstücke haben einen festen Platz. Sogar bei der Aufbewahrung der Kaffeetassen beweisen wir preussischen Ordnungssinn. In Reih und Glied werden die Trinkgefäße - versehen mit unseren Namen - an eine Dachlatte gehängt. Bei der Weiterfahrt gewinnt das Siegtal an landschaftlicher Schönheit und allmählich steigt durch Wiesen und Felder die Straße nach Herdorf, Burbach und Haiger an. Unterwegs überrascht uns ein Wolkenbruch, als sich gerade eine Eisenbahnbrücke aus Unterschlupf anbietet. Nach 2 Minuten ist der Spuk vorbei, so daß wir bis zu unserer Rast bei Würgendorf weiterradeln können. Nach langen Hin und Her bei der Streckenplanung habe ich mich ab Haiger für eine Nebenstraße entschieden und erlebe eine fast peinliche Überraschung. In engen Windungen steigt der Weg mächtig an, doch oben angekommen hat sich das Klettern gelohnt. Ein verträumten Dörfchen und eine Abfahrt durch ein wunderschönes Tal sind die Belohnung. In der Herborner Altstadt verlieren wir Gerd Haag, der irgendwas von Wetzlar gehört hat und nimmt, ohne zu schauen, ob ihm jemand folgt, auf dem direkten Weg über die Bundesstraße den Zielort ins Visier. Unser Plan sieht jedoch vor, noch einmal in die Berge des entlang

des Dilltales zu klettern. Unseren Trucker beauftragen wir, den Abtrünnigen einzufangen. Als wir einen Pausenplatz im Wald gefunden haben, erreichen uns die beiden. Inzwischen ist es so heiß geworden , daß wir für das schattige Plätzchen dankbar sind. Spätestens als wir bei Ehringshausen die Bundesstraße im Tal erreichen, scheint die heiße Luft dort förmlich zu stehen. Bei jedem Ampelstop wird der Schatten eines Hauses oder Baumes aufgesucht. Doch der Höhepunkt dieses "heißesten 6. Juni des Jahrhunderts", wie später gemeldet wird, wartet in Wetzlar auf uns. An den Leitz-Werken droht die Frankfurter Straße mit dem 11%-Schild. Über mehrere hundert Meter dauert die permanente Steigung an und kaum oben angekommen verschwindet immer noch mit beachtlichem Neigungswinkel die Straße im Wald zum Stoppelberg, dem höchsten Punkt der Stadt. In Anbetracht dieser Strapaze bin ich erst mal für eine Stunde aus dem Verkehr gezogen. Anschließend verbringen wir noch einen schönen Abend im ruhigen Kirschenwäldchen. Jürgen Schmidt-Troje hat sich nach dem Abendessen verabschiedet und läßt sich von seiner Frau nach Hause fahren. Wetzlar - Gemünd In der Nacht hat es geregnet und auch jetzt sieht es nicht aus, als würde es in nächster Zeit aufhören. Also werden die Schutzbleche, die noch im Reisegepäck waren, montiert. Wir starten im warmen Regen und rollen über flache Felder rund um Giessen. Mein Streckenplan beginnt bereits, sich aufzulösen und immer wenn das nächste Blatt dran ist, muß ich anhalten, um vorsichtig die Papierreste der abgefahrenen Karte zu entfernen. Als wir Lich passiert haben, führt die Straße geradewegs auf den Vogelsberg zu. In einem Waldstück hat Herbert einen vermeintlichen Rastplatz gefunden, als ihn ein ärgerliches Mißgeschick unterläuft. Er will rückwärts in den Waldweg einbiegen, übersieht aber, daß sich nach seinem Stopp ein Kleinbus in den toten Winkel begeben hat. Während der Laster keine Schramme hat, verbiegt sich am VW-Bus unter Krachen eine Menge Blech. Manfred Müller reist jetzt trotzdem mit Herbert und Lkw weiter und läßt sich alle für heute noch folgenden Radlerfreuden entgehen, weil sein Knie nicht mitspielt. Der Crash drückt neben dem anhaltenden Regen etwas auf die Laune und erst, als wir in Schotten angelangt sind, haben wir wieder ganz andere Sorgen. Unsere Route bringt uns in die höchsten Regionen des Vogelsberg. Kaum sind die ersten paar hundert Höhenmeter bewältigt, wartet nach kurzer Abfahrt der nächste Berg. Eben noch die Kuppe mit letzter Kraft überwunden, meint Gerd Haag fünfzig Meter weiter wie zum Trotz: "Aber Spaß macht es doch!" Wir können ihm nur beipflichten, denn zum einen hat es aufgehört zu regnen und zum anderen lohnt sich jedesmal die kraftzehrende Kurbelarbeit am Berg. Das ganze Panorama des Naturpark Vogelsberg liegt uns hier oberhalb der 600-Meter-Marke zu Füssen. Nur der Taufstein und die Herchenhainer Höhe ragen noch ein wenig neben unserer Straße auf. Von der anschließenden Abfahrt ist die Mehrzahl unserer Mannschaft derart berauscht, daß sie weder Rufen noch Klingeln hört und ungebremst zu Tal rollt, obwohl unsere Route das nicht vorsieht. Marion, Sepp, Johann und ich rollen einstweilen, einen Rastplatz suchend, langsam weiter. Ich versuche indessen, mit Harald Lüghausen per Mobilfunk Kontakt aufzunehmen, doch unsere 6 Fahnenflüchtigen sind im Funkloch abgetaucht. Am Obermooser Teich lassen wir uns nieder und bald hat uns auch das Verfolgerfeld eingeholt. Nach gemütlicher Mittagsrast erfreuen wir uns an der zügigen Weiterfahrt durch ein schönes, bewaldetes Tal mit leichtem Gefälle bis Steinau. An der Ortsgrenze türmt sich die Straße vor uns auf und Mißfallensäußerungen gehen durch das Fahrerfeld. Mit einem kräftigen Schluck aus der Pulle verhelfen wir der gut funktionierenen Transpiration zu Nachschub. Gut 200 m oberhalb von Steinau erreichen wir die Bellingser Warte und dürfen fortan fast nur noch bergab fahren. Als wir vom Jossa- ins Sinntal fahren, wird nochmal eine kleine Rast eingelegt. In Richtung Zielort ziehen dunkle Wolken auf. Ob das wohl gut geht? Ein paar Kilometer im

Sattel, da entladen sich die Wolken und wir flüchten auf die Terrasse eines Vereinsheimes. Nach 20 Minuten läßt der Regen nach. Die paar Kilometer bis zum Hotel reichen aber aus, um uns noch mal so richtig - von oben und unten bespritzt - nasszumachen. Gemünd – Rothenburg o.d.T. Nach dem Frühstück versuchen wir zunächst, unsere Räder wieder in einen einigermaßen ansehnlichen Zustand zu versetzen, bevor wir auf der Uferstraße des Main den Ort Gemünden verlassen. Es herrscht viel Verkehr und erst als wir die Mainseite wechseln, haben wir etwas mehr Ruhe. Das ändert sich schon bald, als wir in den Einzugsbereich von Würzburg gelangen.Außer einem kurzen Fotostopp an der alten Mainbrücke hält uns jetzt nichts in dieser Stadt. Ohne Rennräder und Stöckelschuhe hätte sich ein Abstecher in die Altstadt sicher gelohnt. Unterdessen wartet vor den Toren der Stadt Herbert mit dem Mittagessen auf uns. Gestärkt und ausgeruht rollen wir noch ein Weilchen durch das Maintal bis Ochsenfurt. Vor dem Stadttor ändern wir die Richtung und verlassen das Tal. Mit gleichmäßiger Steigung ist das lange Teilstück angelegt, doch schon bald haben wir den Höhenrücken erreicht. Auf gut ausgebauter, aber ruhiger Straße genießen wir die Fahrt unter blauweiß bayerischem Himmel durch weite Felder und Wiesen. Das Rot des Mohn am Ackersaum rundet das Bild farblich ab wie das Tüpfelchen auf den i. Kirchturmspitzen ragen aus den Senken empor und künden vom nächsten Dorf. Die Augen sind voll beschäftigt, diesen Film aufzunehmen. Jupp, unser Gastfahrer und ältester Teilnehmer der Gruppe, hat sich dafür technische Unterstützung mitgebracht. Mit spielerischer Leichtigkeit fährt er immer wieder an allen vorbei und nimmt dabei uns und die Landschaft mit der Videokamera auf. Bei Bieberehren treffen wir auf die "Romantische Straße", die hier unten im Taubergrund zu Recht ihren Namen trägt. Wir haben reichlich Zeit und genießen vor Creglingen auf einer Terrasse unseren Cappuccino. Der Rest der sportlichen Betätigung beschränkt sich auf den letzten Kilometer. Nachdem vor uns die Türmchen und Zinnen von Rothenburg aufgetaucht sind, dürfen wird noch mal kurz aus dem Sattel, um zur Stadt hinaufzugelangen und unser Hotel hinter den Mauern des mittelalterlichen Ortes zu beziehen. Die frühe Ankunft erlaubt uns noch einen ausgiebigen Rundgang über die gesamte Stadtmauer und einen Bummel durch die Gassen. Nach dem Abendessen draußen vor dem Würzburger Tor geht es nochmals Richtung Stadtmitte, wo sich noch bis in die späten Abendstunden eine Vielzahl von Touristen aus aller Welt ein Stelldichein geben. Rothenburg o.d.T. - Eichstätt Gutgelaunt mit Sonne in den Speichen nehmen wir wieder die Romantische Straße unter die Räder. Die Original-Route verlassen wir bei Wörnitz, wo wir unsere eigene Romantische Straße gefunden haben. Recht flach, verkehrsarm, ein zauberhaftes, weites Tal - absolut ideal zum Radeln! Noch vor Dinkelsbühl nutzen wir diesen herrlichen Ort für eine Rast. Neugierig hält ein Passant seinen Wagen an und fragt: "Wo kommt's dann ihr her?" Nach längerem Gespräch ist er damit einverstanden, dass wir Preussen in Bayern weiterradeln dürfen und wünscht uns gute Fahrt. Wir genießen noch eine Weile das schöne Plätzchen zu Füssen des Ortes Schopfloch, bevor wir durch die Stadtmauern nach Dinkelsbühl hineinradeln. Auf dem Kopfsteinpflaster balancierend drehen wir vorsichtig eine Runde durch den historischen Stadtkern. Eigentlich verdient der Ort mehr Aufmerksamkeit, aber für einen Stadtbummel fehlt die Muße, für Kirchen- und Museumsbesuche tragen wir nicht die geeignete Kleidung. Also sind wir bald darauf wieder in unserem Element - die Straße hat uns wieder. Auf sanft welligem Höhenprofil rollen wir geradewegs auf Wassertrüdingen zu. Gefahren wird im kompakten 5 x 2 Block, wobei nach einem Kräftemessen auf Initiative von Johann und Marion, die in der ersten Reihe immer mehr Pace machen, das Feld nach hinten zu zerbröseln droht. Während dieser Einlage hat Herbert in Dinkelsbühl für uns alle Einkäufe erledigt. Als einige schon wieder Appetit verspüren,

nutzen wir die Annehmlichkeiten der Technik und bestellen in voller Fahrt unser Mittagsessen. Nach den ersten Anstiegen zum Hahnenkamm entdecken wir eine traumhafte Rastgelegenheit am Waldrand. Dank perfekten Timings ist Sekunden später unser Begleitwagen da. Nach einem Imbiß bleibt uns noch genügend Zeit, auf der Wiese liegend zu entspannen, die sattgrüne, hügelige Landschaft zu betrachten und einfach nur die Seele baumeln zu lassen. Unerwartete Steigungen überraschen uns, kaum dass wir wieder das Rad in Gang gesetzt haben. Einen Zwischenstopp erlauben wir uns noch an der Baustelle einer Windkraftanlage, um zu beobachten, wie gerade mit einem Riesenkran das letzte Teil auf den Mast gesetzt wird. Ein Stück Präzisionsarbeit, die auf unserer Straßenkarte leider fehlte, denn obwohl es jetzt eigentlich zum Altmühltal hinuntergehen sollte, müssen wir den Hahnenkamm noch einmal überqueren. Ohne Kompromisse haben die Straßenplaner die Route mit 14 % schnurgerade an den Berg gelegt, dass nicht verwundert, dass einige Kameraden aus dem Tritt und aus der Puste kommen. Damit sollte genug geklettert sein und die Abfahrt nach Treuchtlingen eröffnet uns das ersehnte Altmühltal. Die restlichen 40 km stellen keine besondere Herausforderung mehr dar, denn das zunächst enge Tal bleibt flach. Allerdings haben wir stärkeren Autoverkehr als bisher. Vorbei an den berühmten Solnhofener Saurierfundstätten erreichen wir Dollstein und gönnen uns in einem Café direkt an der Altmühl eine Erfrischung. Als wir für die letzten 15 km auf das Rad steigen, ahnen wir noch nicht, dass ein Zwischenfall unsere planmäßige Ankunft in Eichstätt verhindern soll. Um der Diskussion über die nicht ernst gemeinten Ausreißversuche nicht weiter Nahrung zu geben, versuche ich mit konstanter Geschwindigkeit vornewegfahrend, Ruhe in das Feld zu bringen. Das Tempo beträgt gerade 32 km/h, als wir in Einerreihe hintereinanderfahrend um die Linkskurve biegen und bereits das Ortsschild "Eichstätt" vor Augen haben. In diesem Moment kracht es und Johann und Sepp liegen am Boden. Harald kann gerade noch ausweichen. Was geschehen war, mußte anhand der beschädigten Räder erst einmal rekonstruiert werde. Sepp bestritt die Tour mit seinem Trekkingrad, an dem sich hinten links ein Seitenständer befindet. Johann war einen Moment unaufmerksam und geriet mit seinem Vorderrad zwischen Ständer und Hinterrad, so daß er keine Chance für ein Ausweichmanöver hatte. Der Ständer blockierte sein Vorderrad derart abbrupt, dass er mit Wucht aus dem Sattel gehebelt auf den Asphalt schlug. Johann's Helm ist an der Aufschlagstelle plattgedückt und macht mit mehreren Brüchen deutlich, dass alleine ihm zu verdanken ist, dass nicht noch Schlimmeres passiert ist. Sepp hat sich indes schnell wieder aufgerappelt. Mit ein paar Prellungen und Abschürfungen wartet er mit uns auf den sofort alarmierten Rettungswagen, der sich endlos lange Zeit lässt. Endlich wird Johann versorgt und ins Krankenhaus gebracht. Wir bringen die letzten zwei Kilometer hinter uns, beziehen das Hotel und haben es eilig, in das nur 300 m vom Hotel entfernte Kreiskrankenhaus zu kommen. Nur zwei dürfen Johann besuchen und die anderen hören erleichtert die Nachricht, dass "nur" ein paar Brüche an Schlüsselbein und Rippen festgestellt wurden. Das Gesprächsthema während des Abends im Gasthaus "Zur Trompete" bedarf keiner weiteren Erläuterung. Eichstätt - Regensburg Nach dem Frühstück besuchen wir zuerst unseren Verletzten. Er steht bereits wieder auf den Beinen und wird gerade zum Röntgen geführt. Bei den freundlichen Damen in Weiß glauben wir ihn in guten Händen zurücklassen zu können und rüsten uns für die Weiterfahrt. Der Hauptverkehr läuft jetzt auf der "Jura-Hochstraße" an uns vorbei, so daß wir unsere ersten Radfahrversuche auf einigermaßen ruhiger Straße tätigen können. Es wirkt allen noch etwas verkrampft. Die Abstände sind größer geworden, die Fingerspitzen sind am Bremsgriff, alle Konzentration ist auf den Vordermann ausgerichtet. Heute ist es eine Belohnung, vorne fahren zu dürfen.Nach der ersten Rast bei Beilngries wird die Altmühl zum Main-Donau-Kanal, auf dem große Schlepper unterwegs sind. Viel Grün ist

inzwischen entlang des seinerzeit umstrittenen Kanalprojektes gewachsen und auch das etwas breitere Gewässer fügt sich harmonisch in die Landschaft ein. Vorbei an Riedenburg und dem auf dem Felsen thronenden Schloß Prunn unterqueren wir bei Essing noch die längste Holzbrücke Europas und verlassen nun das Altmühltal für einen Abstecher besonderer Art. Während sich allmählich der Himmel zuzieht, wuchten wir hastig unsere Maschinen zum Hienheimer Forst hinauf. Wieder einmal kriegen einige nicht genug vom Klettern und radeln bis zur Kuppe hinauf, bevor sie sich umschauen und registrieren, daß der Rest des Feldes eigentlich rechts abbiegen will. Auf der schnellen Abfahrt sind alle schnell wieder beisammen. Nicht ganz so flott wie gewohnt lassen wir unsere Räder zur Donau hinabrollen. Unter angekommen holt uns der Fährmann mit seiner kleinen Strömungsfähre über. Fast wären wir ohne Josef losgefahren, der in Seelenruhe das Ablegen der Fähre filmt. Hinter der Flussbiegung erreichen wir das Kloster Weltenburg, wo es von Touristen nur so wimmelt. Wir nehmen das nächste Schiff, um uns das Naturschauspiel Donaudurchbruch vom besten Blickwinkel aus anschauen zu können. Schon nach kurzer Fahrt durch die steilen Felshänge taucht die Befreiungshalle auf und signalisiert uns, dass wir bereits Kelheim erreicht haben. Herbert haben wir über unseren Abstecher informiert und gebeten, einen Platz für eine Pause auszusuchen. Die Sonne hat sich inzwischen verzogen und auch unsere Reiseroute ist jetzt alles andere als schön. Jede Menge Pkw und Lkw donnern an uns vorbei und selbst der Parkplatz mit Donaublick, an dem Herbert für die Kaffeepause angerichtet hat, ist nicht gerade malerisch. Wir versuchen, nach der letzten Rast die Bundesstraße mehrfach zu verlassen, doch nach kurzen Ortsdurchfahrten hat der Highway uns wieder. Zum Glück können wir von einem der zahlreichen Anstiege vor der Stadt bereits unser Ziel sehen und rollen kurz darauf in die City hinunter. Problemlos finden wir unser Hotel und können gerade noch unsere Räder sicherstellen. Als in diesem Moment die Fernfahrt beendet ist, beginnt es - nomen est omen - in Regensburg zu regnen. Von einer zur anderen Überdachung spurten wir zu Fuß zum Bischofshof, wo wir ein gutes und gemütliches Abendessen einnehmen, mit unserem Kameraden in Eichstätt telefonieren, später in einem Brauhaus noch verschiedene Biersorten testen, bevor wir in Morpheus' Armen dem Abreisetag entgegenschlummern. Rückreise Die Wetteraussichten haben letztlich dazu beigetragen, dass wir vollzählig mit dem Zug zurückreisen. Zuvor gab es Überlegungen von Sepp, Gerd, und Josef, mit dem Rad zurückzufahren. Bereits im Regen müssen wir die Räder und unser Gepäck verladen und Herbert und Gerd, die ihre Heimreise per LKW antreten, verabschieden. Wir haben noch etwas Zeit zur Dombesichtigung und zum Altstadtbummel, dann rollt auch unser Zug gen Köln. Fazit Zum Schluss gilt es, wie immer, Bilanz zu ziehen. Unter dem Aspekt, dass der Weg das Ziel war, war es ein voller Erfolg. Die Strecke war so gelegt, dass es an jedem Tag eindrucksvolle Landschaften und sehenswerte Orte gab. Immer wieder gab es Zeit für eine ausgiebige Rast und die 656 Kilometer waren auch mit den zeitweise bergigen Passagen eine Distanz, die niemanden überfordert hat. Das Team hat gut zusammengepasst und unser Begleitfahrer Herbert Topel hat seine Sache gut gemacht. Ein besonderer Dank geht an Günter Deja, der großzügig sein Fahrzeug zur Verfügung gestellt hat eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Durchführung einer solchen Tour. Der Unfall hat sicherlich die gesamte Veranstaltung überschattet, aber unter dem Gesichtspunkt, dass es Johann heute bereits wieder recht gut geht, lässt hoffen, dass wir alle diese Fernfahrt Lohmar - Regensburg in einer positiven Erinnerung behalten. IM JULI 1998 VON HANS WERNER VITS