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ISSN 0259-7446 ös 58,- Kommunikation in Geschichte und Geaenwari Ernst Manheims „publizistische Soziologie“ The Sociology of Knowledge Reconsidered ...

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ISSN 0259-7446 ös 58,-

Kommunikation in Geschichte und Geaenwari

Ernst Manheims „publizistische Soziologie“ The Sociology of Knowledge Reconsidered Die Österreichische Phonothek als Nationalarchiv für audiovisuelle Medien Bibliographie studentischer Abschlußarbeiten Notizen Rezension

J a h r g a n g

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Impressum Medieninhaber, Herausgeber und Verleger:

Verein „Arbeitskreis für historische Kommunikationsforschung (AHK)” A-1014 Wien. Postfach 208 © Die Rechte für die Beiträge in diesem Heft liegen beim „Arbeitskreis für historische Kommunikationsforschung (AHK)” Druck:

Rema^rmX 1160 Wien, Neulerchenfelderstr. 35 Korrespondenten:

Dr. Hans Bohrmann (Dortmund). Univ. Prof. Dr. Hermann Haarmann (Berlin), Prof. PhD. Ed McLuskie (Boise, Idaho), Dr. Robert Knight (London), Univ. Prof. Dr. Arnulf Kutsch (Leipzig), Dr. Edmund Schulz (Leipzig), Prof. emer. Dr. Robert Schwarz (S. Palm Beach, Florida) Vorstand des AHK:

Inhalt Aufsätze

Ernst Manheims „publizistische Soziologie" Eine vergessene Kommunikationstheorie und ihre Aktualität

Dr. Wolfgang Duchkowitsch (Obmann), Dr. Fritz Hausjell (Obmann-Stv.), Nicole Remy-Berzencovich (Obmann-Stv.), Barbara Pilgram (Geschäftsführerin), Alexandra Umfahrer (Geschäftsführerin-Stv.), Mag. Gerda Steinberger (Schriftführerin), Mag. Michaela Lindinger (Schriftführerin-Stv.), Mag. Wolfgang Monschein (Kassier), Mag. Fritz Randl (Kassier-Stv.), Mag. Jo Adlbrecht, Bernd Beutl, Johannes Bruckenberger, Mag. Edith Dörfler, Dr. Norbert P. Feldinger, DDr. Horst Jörg Haupt. Herbert Himer, Dr. Rudolf Holzer, Dr. Peter Malina, Mag. Wolfgang Pensold, Univ.Doz. DDr. Oliver Rathkolb

Stefanie Averbeck............................................................ 4

Redaktion:

The Sociology of Knowledge Reconsidered

Vorstand des AHK, redaktionelle Leitung dieses Heftes: Bernd Beutl, Dr. Fritz Hausjell Mag. Wolfgang Monschein. Mag. Fritz Randl

Ernest Manheim.................................................................14

Was ist und zu welchem Ende betreibt man ein AV-Archiv? Die Österreichische Phonothek als Nationalarchiv für audiovisuelle Medien Rainer Hubert....................................................................... 18

Bibliographie studentischer Abschlußarbeiten Diplomarbeiten und Dissertationen an österreichischen Universitäten aus dem Bereich der Medien- und Kommunikationsgeschichte. Teil 3: 1992-1996 (III) Fritz Randl........................................................................... 28

Satz:

Herbert Hirner Erscheinungsweise:

Medien <£ Zeit erscheint vierteljährlich Bezugsbedingungen:

Einzelheft (exkl. Versand): öS 48.Jahresabonnement:

Österreich (inkl. Versand): öS 165.-Ausland (inkl. Versand auf dem Landweg): öS 235.Studentlnnenjahresabonnement:

Österreich (inkl. Versand): öS 120.Ausland (inkl. Versand auf dem Landweg): öS 190.Besteiiung an:

Notizen .................................................................................. 40

Medien & Zeit. A-1014 Wien, PF 208 oder über den gut sortierten Buchund Zeitschriftenhandel

Rezensionen ........................................................................ 44

ISSN 0259-7446

Errata

Zu unserem Bedauern fehlen bei einigen Beiträgen in Heft 2/1998 auf­ grund drucktechnischer Probleme die Schlußpassagen. Die unvollstän­ dig abgedruckten Abschnitte lauten in voller Länge:

Stefanie Averbeck, Ernst Manheims"publizistische Soziologie”, 4-14, hier: 14, Fußnote 76: 76 Vgl. Karl Mannheim: Mensch und Gesellschaft im Zeitalter des Umbaus. Bad Homburg/Berlin/Zürich: Gehlen 1967 [zuerst 1935], besonders das Kapitel Das Problem der Umformbarkeit des Menschen, 237-267; Ders.: Die Gruppenstrategie der Nazis. In: Ders: Diagnose unserer Zeit. Gedanken eines Soziologen. Zürich/ W ien/Konstanz 1951, 134-138 [Vortrag im britischen Übersee-Rundfunk 1941]; Ders.: Massenerziehung und Gruppenanalyse. In: Ders.: Diagnose unserer Zeit, 105-122 [zuerst 1939 in J. Cohen/R.M.W Travers: Education for Democracy]; Ders.: Freiheit und geplante Demokratie. Köln/Opladen: Westdeutscher Verlag 1970. Vgl. auch sekundärliterarisch Dieter Boris: Krise und Planung. Die politische Soziologie im Spätwerk Karl Mannheims. Stuttgart: Metzler 1971.

Ernst Manheim, The Sociology o f Knowledge Reconsidered, 14-17, hier: 17 Marx. Karl 1941 "Thesis on Feuerbach.” In Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach and the Outcome of Classical German Philosophy. New York: International Publishers Merton, Robert K. 1964 "The sociology of knowledge.” In Social Theory and Social Structure. London: The Free Press Sorokin, Pitirim 1943 Socio-Cultural Causality, Space, Time. Durham, N.C.: Duke University Press (ursprünglich veröffentlicht in: Kansas Journal of Sociology, Vol. VIII (1972), No. 2, 177-180)

Rainer Hubert, Die Österreichische Phonothek

als Nationalarchiv für audiovisuelle Medien,

18-27, hier: 27:

Für die m. E. noch immer unzureichende W ürdigung von AV-Medien als Quellen gibt es noch einen weiteren, in der N atur der Sache liegenden Grund, - daß europäische K ultur und W is­ senschaft spätestens seit G utenberg ein w eitgehend verbales G ebäude ist, in das Non-Ver­ bales nicht recht paßt - es sei denn als Steinbruch für neue verbale H ervorbringungen. NonVerbales w ird leicht zum Inkom m ensurablen, das bequem lichkeitshalber abgeschnitten wird. A ber das ist ein Problem , das über das T hem a AV-Archive hinausgeht, w enngleich es m anche ihrer Problem e erklärt.

Fritz Randl, Bibliographie studentischer Abschlußarbeiten, 28-39, hier: 39 608 610 616 618 1001 3101 3205 3402

Germanistik, Innsbruck Amerikanistik, Innsbruck Alte Geschichte, Innsbruck Kunstgeschichte, Innsbruck Kirchengeschichte, Salzburg Handels- und Wirtschaftsrecht, Salzburg Kirchenrecht, Salzburg Rechtsphilosophie/ Staatslehre, Salzburg

G A - Anglistik/Amerikanistik, Graz GFB Geschichte, Innsbruck GG-- Germanistik, Graz G U - Amerikanistik, Graz IPE- Erziehungswissenschaft, Graz M D - Geschichte, Graz MI— Volkskunde, Graz WIGE Wirtschaftsgeschichte, Linz

Bernd Beutl, Die Metamorphose des Kikeriki! 1932/33, 40-43, hier: 43 M it dem Parteiverbot der N SD A P am 19. Juni 1933 w ar auch das Ende des Kikeriki besie­ gelt. Die letzte Folge datiert vom 16. Juli 1933. Di e Redaktion

Editorial An erster Stelle der Ausgabe 2/98 von Medien & Zeit steht ein Aufsatz von Stefanie Averbeck, in dem sie sich mit Emst Manheims „publizisti­ scher Soziologie“, einer „vergessenen Kom­ munkationstheorie“ auseinandersetzt. Emst Man­ heim, geboren 1900 in Budapest, studierte in den 20er Jahren Nationalökonomie und Philo­ sophie in Wien und Soziologie in Kiel und Leip­ zig. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft verlor er 1933 seine Assistentenstelle am Soziologi­ schen Institut der Universität Leipzig, veröf­ fentlichte aber noch im gleichen Jahr die erste So­ ziologie der Kommunikation in deutscher Spra­ che - die allerdings von der nationalsozialistischen Zeitungswissenschaft nicht mehr rezipiert wurde. 1934 emigrierte er nach London, 1938 fand er eine neue Heimat in den USA. Bis 1991 lehrte er So­ ziologie und Anthropologie an der Universität von Kansas City/Missouri. Als Einblick in die Arbeit Manheims wird im Anschluß an diese Ausführungen ein wissen­ schaftlicher Beitrag aus seiner Feder, der 1972 im Kansas Journal o f Sociology abgedruckt wurde, erstmals für ein europäisches Publikum reproduziert. Aus Gründen der Authentizität ha­ ben wir uns bemüht, dem typographischen Er­ scheinungsbild des Originals gerecht zu werden. Wir freuen uns besonders, die lose Serie „Archive und Dokumentationsstellen für die Kommunikationsgeschichte“, die in den Aus­ gaben 1/1997 und 2/1997 ihren Ausgangspunkt genommen hat, mit einem umfassenden Beitrag über die Österreichische Phonothek, die „Bun­ desanstalt für audiovisuelle M edien“, fortset­ zen zu können: Rainer Hubert beschränkt sich da­ bei nicht auf eine bloße Präsentation der Institution und ihrer Bestände, sondern stellt Aufgaben, Sammlungsphilosophie, Schwierigkeiten und Besonderheiten der Sammlung von AY-Medien in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Denn eines zeichnet die Tätigkeit der Österreichischen Phonothek vor den meisten anderen Archiven

und Sammelstellen aus: Die Produktion von Quellenmaterial zu Dokumentationszwecken und als Grundlage für (zeit)historische For­ schung. Für weitere Informationen empfehlen wir einen virtuellen Besuch in der Phonothek: http ://www. phonothek. ac.at In der vorliegenden Ausgabe finden Sie weiters den 3. und abschließenden Teil der „Bibliogra­ phie studentischer Abschlußarbeiten aus dem Bereich Medien- und Kommunikationsgeschichte an österreichischen Universitäten 1992-1996“ (die Teile 1 und 2 sind in den Heften 4/1997 und 1/1998 nachzulesen). Der Gesamt-umfang die­ ser Bibliographie zeigt das erfreulich große In­ teresse der Studierenden am Bereich der Me­ dien- und Kommunikationsgeschichte im weitesten Sinne, und das nicht nur in überwiegend histo­ risch orientierten Studienrichtungen bzw. -zw ei­ gen. Schon mehrfach wurde das Witzblatt Kikeriki! (Wien, 1861 -1933) in Medien & Zeit thematisiert (vgl. H. 3/1988 und 1/1991) - Bernd Beutl bringt in seinem Notizenbeitrag nun eine neue Facette in die Diskussion ein: Anhand dieses populären Witzblattes läßt sich die Strategie der öster­ reichischen (Wiener) NSDAP zur „Dienstbarmachung der bürgerlichen Presse“ im Zuge der politischen Erfolge in Deutschland und Österreich nachweisen. Vor allem die anti­ sem itische Grundhaltung des Kikeriki! be­ schleunigte die Annäherung der Blattlinie an die NSDAP ab 1932. Am Ende dieser Entwicklung stand die Übernahme des Blattes durch die Wiener Nationalsozialisten. Knapp nach dem Verbot der NSDAP im Juni 1933 mußte der Ki­ keriki! im Juli eingestellt werden. B ernd B eu tl F r it z H a u s je l l W o l f g a n g M o n s c h e in F r it z R a n d l

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Ernst Manheims „publizistische Soziologie“ Eine vergessene Kommunikationstheorie und ihre Aktualität S tefanie Averbeck note auf Manheim7 - nicht zuletzt deshalb ist ls führende Vertreter der Zeitungswissenschaft Manheim vielen Soziologen und Kommunikaim Jahre 1934 in ihrer Fachpresse die Ein­ tionsWissenschaftlern „irgendwie“ bekannt. richtung eines ,JVIinisteriums für Volksaufklärung und Propaganda“ bejubelten,1war der junge So­ Leben und Werk ziologe Emst Manheim bereits aus Deutschland emigriert. Als „Jude und Ausländer“ hatte man Emst Manheim wurde am 27. Januar 1900 als ihn, damals Assistent am Soziologischen Institut, Sohn einer Österreicherin und eines Ungarn in im Frühjahr 1933 aus der Universität Leipzig Budapest geboren; er wuchs zweisprachig auf.8 entlassen.12 Noch im gleichen Jahr veröffent­ Wie sein Cousin, der Soziologe Karl Mannheim lichte er in Prag die erste Soziologie der Kom­ (1893-1947), zählte auch Emst Manheim 1920 munikation in deutscher Sprache3 - die in der zu den Flüchtlingen des Regimes unter Admiral nationalsozialistischen Zeitungswissenschaft Nikolaus von Horthy (1868-1957), das nicht mehr rezipiert die Räterepublik von Bela Kun (1886wurde. Sie ist der Noch im Jahr 1933 1939) ablöste. In der „Roten Armee“ deutschen Fachöf­ veröffentlichte Manheim in Prag Kuns hatte der achtzehnjährige Man­ fentlichkeit erst seit die erste Soziologie der heim als Freiwilliger gekämpft. 1979 zugänglich.4In Kommunikation Amerika, der neuen in deutscher Sprache Im Winter 1920 ging Manheim nach Heimat Ernst M an­ Wien und schrieb sich dort für Nationalökono­ heims, ist das Buch bis heute nicht publiziert worden. Indes wissen amerikanische Soziolo­ mie und Philosophie ein. Drei Jahre später über­ redete ihn ein Freund, gemeinsam an die Uni­ gen, die zumeist die spanische Ausgabe des versität Kiel zu wechseln. In Kiel zählte Manheim Manheimschen Textes von 1936 gelesen haben5, bald auch Wilhelm Ahlmann (1895-1944) zu davon zu berichten, was sie an diesem Buch so seinem Freundeskreis. Ahlmann gehörte dem besonders fasziniert: Die Analyse der Entwick­ Verschwörerkreis um Graf Stauffenberg an. Ihm lungsstufen der bürgerlichen Öffentlichkeit und der Entwurf einer Ethik des Diskurses. Themen, zu Ehren verfaßte Manheim später, Ende der für die heute das Werk von Jürgen Habermas 40er Jahre, einen musiksoziologischen Beitrag.9 steht.6 Habermas selbst verweist in einer Fuß­

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Vgl. Emil Dovifat: Die Erweiterung der zeitungskundlichen zur allgemein-publizistischen Lehre und Forschung. In: Zeitungswissenschaft, 9. Jg./1934, Nr. 1, 12-20; Karl d’Ester: Die Publizistik als Kriegs­ waffe. Die Eröffnung des Kriegsmuseums auf Schloß Rosenstein. In: Zeitungs-Verlag, 34. Jg./1933, Nr. 24, 394-395.

2 Vgl. Universitätsarchiv Kansas City, Curriculum Vitae Emest Manheim (ohne Signatur). 3 Ernst Manheim: Die Träger der öffentlichen Meinung. Studien zur Soziologie der Öffentlichkeit. Brünn/Prag/ Leipzig/Wien: Rudolf M. Rohrer 1933. 4 Vgl. Ernst Manheim: Aufklärung und öffentliche Mei­ nung. Studien zur Soziologie der Öffentlichkeit im 18. Jahr­ hundert. Hrsg, und eingeleitet von Norbert Schindler. Stuttgart/Bad Cannstatt: frommann-holzboog 1979 (= Kultur und Gesellschaft. Neue historische Forschungen, Bd. 4). 3 Vgl. Emest Manheim: Opinion Publica. Madrid: Editoria Revista 1936 (übersetzt von Francisco Ayala). 6 Die Verf. bezieht sich auf den unveröffentlichten Vor­ trag von David Smith „Reason and Romanticism. Emest

Manheims Intellectual Journey “ anläßlich des Emst-Manheim-Symposions des Department of Sociology der Uni­ versität Kansas City Missouri am 27. und 28. Januar 1997. Vgl. auch Norbert Schindler: Einfühmng des Herausgebers. In: Manheim, Aufklärung und öffentliche Meinung, 13: „Manheims Studie genießt ihr [der Studie von Habermas] gegenüber vor allem den Vorzug größerer Materialnähe (...).“ 7 Vgl. Jürgen Habermas: Strukturwandel der Öffent­ lichkeit. Untersuchungen zu einer Kategorie der bürger­ lichen Gesellschaft. Neuwied: Luchterhand 1962 (= Politica 4), 48. 8 Zu den biographischen Angaben soweit nicht anders gekennzeichnet: Stefanie Averbeck: Interview mit Emest Manheim, 9.8.1995 in Martha‘s Vineyard/USA (als Transkript in Händen der Verfasserin); Elisabeth Welzig: Die Bewältigung der Mitte. Ernst Manheim - Soziologe und Anthropologe. Wien/Köln/Weimar: Böhlau 1997. 9 Vgl. Emest Manheim: Perspektiven moderner Musik. In: TymbosfUr Wilhelm Ahlmann. Ein Gedenkbuch, heraus­ gegeben von seinen Freunden. Berlin: de Gruyter & Co. 1950.

Die Zusammenhänge zwischen Manheims musik- und seinem kommunikationssoziologischen Ansatz - er komponiert überdies bis heute selbst - sind bislang nicht untersucht. Angedeutet sei le­ diglich, daß Manheim Musik als Mitteilung an ein Publikum begreift, dessen Erwartungshal­ tung der Komponist teils bewußt, teils unbewußt antizipiert. 1994 führte Manheim diesbezüglich aus:

Diese Akzeptanz des sozialen Wan­ dels, auf den die Soziologen der 20er und 30er Jahre vielfach mit Auflösungs­ beschwörungen reagierten - die bekannteste wohl Oswald Spenglers (1880-1936) Vision vom „Untergang des Abendlandes“12- darf als grund­ legend für Manheims Verständnis von Kommu­ nikation und Demokratie verstanden werden. Er selbst erklärt seine Tendenz zu Pluralismus und Pragmatismus (auch) mit seiner intellektuellen In letzter Zeit habe ich mich fü r die Wechselwirkung, Herkunft: Er sei in Ungarn - anders als gleich­ die zwischen der Struktur der musikalischen Werke altrige Deutsche - nicht in einer destruktiven At­ und der Einstellung der vermeintlichen, intendierten mosphäre aufgewachsen. Die Erfahrung der ra­ Zuhörerschaft besteht, interessiert. M ozart z.B. kom­ santen Industrialisierung innerhalb von 30 Jah­ ponierte Werke fü r Scharen von eingeladenen G ä­ sten, die von der Aufführung eine Bestätigung ihres op­ ren - zwischen 1870 und 1900 - habe in Deutsch­ timistischen Lebensgefühls erwarteten. Spätere Kom­ land einen tiefen Kulturpessimismus und reponisten, wie z.B. Brahms, schafften Musik fü r ano­ staurative Ideologien begünstigt. Eine positive und nym e A udienzen [A u ditorien ], d ie ohne eine g e ­ zugleich traditionsgebundene Zukunftsorien­ meinsame Lebenseinstellung zum Konzen kamen und tierung habe dagegen im Vielvölkerstaat Öster­ ein gem einschaftliches E rlebnis erst von d e r A uf­ reich-Ungarn sein Weltbild bestimmt. Die un­ führung erw arteten. 10* garische Gesellschaft sei anders als die deut­ In Kiel hörte Manheim Mitte der 20er Jahre den sche nicht in wenigen Jahrzehnten völlig um­ Soziologen Ferdinand Tönnies (1855-1936), gewälzt worden, so Emst Manheim.13 - Man­ dessen Diktum von „Gemeinschaft und Gesell­ heims Sensibilität für Themen im Grenzbereich schaft“ ihn tief prägte - allerdings in ei­ zwischen politi­ nem damals noch untypischen Sinne. An­ scher Soziologie Die Akzeptanz des sozialen ders als viele seiner Zeitgenossen, an­ und politischer Wandels d a tf als grundlegend ders auch als sein zweiter wichtiger Leh­ fü r Manheims Verständnis von Psychologie, die rer, Hans Freyer (1887-1969), interpretierte damals noch in Kommunikation und Demokratie Manheim das berühmte Tönniessche Be­ verstanden werden den Anfängen griffspaar nicht im Sinne einer Verfalls­ steckte, zeigte sich geschichte der Moderne, sondern als analyti­ spätestens 1936, als er an den sogenannten „Au­ sche Dichotomie: Gemeinschaftliche, also un­ toritäts-Studien“ des Frankfurter Instituts für mittelbare und affektive Bindungen, und ge­ Sozialforschung mitwirkte.14 sellschaftliche, also vermittelte und institutio­ nalisierte Beziehungen, kennzeichnen das Le­ 1925 folgte Manheim Hans Freyer an die Uni­ ben nach der Industrialisierung gleichermaßen.n versität Leipzig und wurde 1928 sein Assistent 10 Schreiben von Emst Manheim an Stefanie Averbeck, 15.10.1994. Unveröffentlicht ist folgendes Manuskript von Emst Manheim: Rock Music: An Exploration o f „Beat“ Music in Old and New Times. Transcript by Frank T. Manheim. June 1996 (unpublished). 11 Vgl. eingängig Mathias Greffrath: Der analytische Geist der deutschen Wissenschaft, nicht der spekulative hat mich beeindruckt. Ein Gespräch mit Ernst Manheim. In: M. Rainer Lepsius (Hrsg.): Soziologie in Deutschland und Österreich 1918-1945. Opladen: Westdeutscher Ver­ lag 1981 (= Sonderheft 23 der Kölner Zeitschrift für So­ ziologie und Sozialpsychologie), 320: „Für Freyer war ,Industrie4ein Problem. Ich habe ihm öfters gesagt: Für einen Soziologen kann die Industrie kein Problem sein, sie ist eine Tatsache. Aber für Freyer war sie ein Problem: man müsse sich mit ihr auseinandersetzen als mit etwas, das nicht mehr Handwerk ist. Das ist nicht die Fragestellung eines Soziologen; das mag wohl die Fragestellung von Menschen sein, die die Religion verloren und noch kein Substitut gefunden haben (...).“ - Auf die großen Ausei­

nandersetzungen zwischen Manheim und Freyer kann an dieser Stelle nicht eingegangen werden. Vgl. Ernest Manheim: The Sociological Theories o f Hans Freyer. Sociology as a Nationalistic Program of Social Action. In: Harry Elmer Barnes (Ed.): An Introduction to the History o f Sociology. Chicago/Illinois: The University of Chicago Press 1948, 362-373. 12 Vgl. Oswald Spengler: Der Untergang des Abendlandes. Umrisse einer Morphologie der Weltgeschichte. 1918 und 1923. 13 Interview mit Emst Manheim am 9.8.1995 in Martha‘s Vineyard/USA. 14 Vgl. Emst Manheim: Beiträge zu einer Geschichte der autoritären Familie. In: Max Horkheimer/Erich Fromm/ Herbert Marcuse u.a. (Hrsg.): Studien über Autorität und Familie. Forschungsberichte aus dem Institut fü r Sozial­ forschung. Lüneburg: Zu Klampen 1987 (zuerst Paris: Alcan 1936), 523-574. Das - verschollene - Originalmanu­ skript von Manheim umfaßte über 300 Seiten.

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am Soziologischen Institut. Ein Jahr später promovierte er bei Freyer und Theodor Litt (1880-1962) mit einer Studie „Zur Logik des konkreten Begriffs“.13*15 Deren Kemaussage lautet: Begriffe beziehen sich im­

Die Habilitation sollte Manheim 1933 eine Stel­ lung als Privatdozent an der Universität Leip­ zig eröffnen. In Absprache mit Freyer zog Man­ heim sein Habilitationsgesuch jedoch am 28. März 1933 zurück - so konnte er vermeiden, daß

ihm die Nationalsozialisten seine Leistung ab­ erkannten.20 Hans Freyer erreichte es, daß das zunächst als Habilitationsschrift eingereichte Buch Die Träger der öffentlichen Meinung. Stu­ dien zur Soziobgie der Öffentlichkeit noch im glei­ chen Jahr, 1933, im Verlag Rudolf M. Rohrer in Prag, Leipzig und Wien veröffentlicht wurde. Manheim hatte die Träger der öffentlichen Mei­ nung 1932 in nur acht Monaten geschrieben. Dieses Buch rezensierten - parallel zum Ruf nach einem starken Propagandaministerium in der Deutschen Zeitungswissenschaft und einer „Re­ volution von Rechts“ in der Soziologie, der nicht nur Hans Freyer anhing,21 - Vertreter beider Fächer ausgesprochen positiv. Der Philosoph ans Freyer war von der Arbeit seines jungen Herbert Marcuse (1898-1979) lobte 1934 in der Schützlings Emst Manheim begeistert18und Zeitschrift für Sozialforschung den wertfrei-ana­ nahm dessen Ansatz zu einer wirklichkeitsna­ lytischen Ansatz Manheims.22 Der Direktor des hen soziologischen Begriffsbildung offenbar auf: Zeitungswissenschaftlichen Instituts Ernst Manheim Ernst Manheim nimmt fü r sich in an der Universität Freiburg im Breis­ nimmt für sich in An­ Anspruch, Freyer die entscheiden­ gau, Wilhelm Kapp (1856-1943), spruch, Freyer die den Hinweise fü r eine theoretische schrieb im gleichen Jahr in der Zeit­ entscheidenden Hin­ Fundierung seiner „Soziologie schrift Zeitungswissenschaft, man habe weise für eine theo­ als Wirklichkeitswissenschaft “ es bei Manheims Buch „(...) mit ei­ retische Fundierung gegeben zu haben nem neuartigen, originellen Versuch, seiner „Soziologie als das komplexe Phänomen der Publizistik zu er­ Wirklichkeitswissenschaft“ gegeben zu haben.19 fassen, zu tun (...). Die verwendeten formal-so­ ziologischen Arbeitsbegriffe sind in der Tat ge­ 13 Emst Manheim: Zur Logik des konkreten Begriffs. Beck’sche Verlagsbuchhandlung 1930 (= Phil. Diss., Leip­ eignet, neues Licht über das Werden des Bil­ zig 1929). dungsprozesses des gesellschaftlich-öffentli­ 16 Wieweit Karl Mannheims wissenssoziologischer chen Konsensus zu verbreiten“.23 mer auf Realität und sind daher dieser bestmög­ lich anzunähern. Umgekehrt ist die Begriffs­ schöpfung ein sozialer Akt - nicht das Abbild ei­ ner der Wirklichkeit übergeordneten Idee. In diesen Überlegungen wurde Ernst Manheim 1928/29 wesentlich von der Wissenssoziologie seines Cousins Karl Mannheim geprägt. Wissen ist sozial bedingt und bedeutet nicht etwa meta­ physische Wesensschau, so der Impetus der Wis­ senssoziologie.16Die Mitglieder bestimmter so­ zialer Gruppen teilen ein Wissen, das in Prozes­ sen des Lernens, der Erziehung, der Sozialisation vermittelt wird.17

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Ansatz mit dessen berühmten Diktum vom „freischweben­ den Intellektuellen“, der die diversen Wissens- und Meinungsstandpunkte in einer Gesellschaft bewerten, ausbalancieren und schließlich einigen soll, wieder in ein metaphysisches Weltbild kippt, sei an dieser Stelle außer Acht gelassen. Vgl. die Zusammenfassung der entsprechenden Kritik von Karl Popper, Theodor Adorno und anderen in Wilhelm Hoffmann: Karl Mannheim zur Einführung. Hamburg: Junius 1996, 119ff.

17 Vgl. die sehr eingängige Einführung in die Wissens­ soziologie von Mannheim selbst; Karl Mannheim: Wissens­ soziologie. In: Alfred Vierkandt (Hrsg.): Handwörterbuch der Soziologie. Stuttgart: Enke 1931, 659-680. 18 Freyer plädierte dafür, die innovative Dissertation mit der Note „eins“ zu bewerten und einigte sich mit Theodor Litt, dem Korreferenten der Arbeit, der Manheims Ansatz als abweichend von der philosophischen Tradition empfand, schließlich auf die Note „zwei“. Vgl. Universitätsarchiv Leipzig, Phil. Fak., Promotionsakte 857 (Emst Manheim). 19 Vgl. Greffrath, Der analytische Geist, 312; Welzig, Die Bewältigung der Mitte, 76; Hans Freyer: Soziologie als Wirklichkeitswissenschaft. Logische Grundlegung des

Die günstigen Besprechungen brachten die Re­ zeption des Manheimschen Buches nicht mehr auf den Weg: Die Analyse der „Bildungspro­ zesse“ der öffentlichen Meinung interessierte Systems der Soziologie. 2. Auflage. Berlin: Teubner 1930. 20

Vgl. Welzig, Die Bewältigung der Mitte, 88.

21 Vgl. Hans Freyer: Revolution von Rechts. Jena 1931. Trotz Freyers phasenweiser Sympathie mit dem National­ sozialismus waren er und Emst Manheim bis zu Freyers Tod, 1955, gut befreundet. Freyer sei, so Manheim, kein Antisemit gewesen. 22 Vgl. die Rezension von Herbert Marcuse: Ernst Man­ heim: Die Träger der öffentlichen Meinung. In: Zeitschrift für Sozialforschung, 3. Jg./1934, Heft 1, 96-99. 23 Vgl. die Rezension von Wilhelm Kapp: Ernst Man­ heim: Die Träger der öffentlichen Meinung. Studien zur Soziologie der Öffentlichkeit. Leipzig/Wien: Rohrer 1933. In: Zeitungswissenschaft, 9. Jg./l934, Nr. 4, 189-192, hier:

die Zeitungswissenschaftler im „Dritten Reich“, alsbald in Diensten der NS-Propaganda stehend, nicht m ehr.*24 Winfried B. Lerg stellte 1970 fest, Manheims Buch hätte unter anderen historischen Umstän­ den für die frühe deutsche Kommunikations­ forschung wegweisend werden können.25

Emst Manheim lehrte bis 1991 So­ ziologie und Anthropologie an der Universität Kansas City/Missouri30und lebt heute in Kansas City.

Publizistische Soziologie: Jedes Publikum erwartet etwas

Emst Manheim floh 1933 zunächst in seine Hei­ ie theoretischen Koordinaten in Manheims matstadt Budapest, und emigrierte im April 1934 Werk blieben über die Jahre konstant - Emst nach London, wo er als Assistent seines Cou­ Manheims Kommunikationssoziologie war in sins Karl Mannheim an der „London School of ihren Gmndlagen bereits Ende 1932 entwickelt. Econom ics“ tätig war und zugleich bei Karl Seine „publizistische Soziologie“, wie er den ei­ Mannheim und Bronislaw Malinowski genen Ansatz da­ (1884-1942) zum zweiten Mal promo­ mals nannte,31 ba­ Manheims Buch hätte unter vierte.26 1938 ging Manheim in die USA; sierte auf sprachanderen historischen Umständen an der Universität Chicago arbeitete er und bewußtseins­ fü r die frühe deutsche eng mit Ernest W. Burgess (1886-1966) philosophischen Kommunikationsforschung zusammen, erhielt Einblicke in die ChiPrämissen, einer wegweisend werden können cagoer Schule der Stadtsoziologie und Kritik der Wissens­ Sozialökologie - deren Ansätze er später soziologie Karl Mannheims sowie einer Ethik in eigenen Studien variierte27 - und lehrte „History des Diskurses, die sich an Immanuel Kant (1742of Sociology“ sowie „Public opinion“.28 1804) anlehnte. Der Ausgangspunkt der Studie

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Nach 1945 verknüpfte Emst Manheim in sei­ nen Vorlesungen über „Public Opinion“ an der Universität Kansas City/Missouri die eigenen frühen Entwürfe einer „publizistischen Sozio­ logie“ und die Ergebnisse der empirischen Kom­ munikationsforschung und ihrer Basistheorien, etwa der des „Gatekeepers“, der „Selective Ex­ posure“ und des „Two-Step-Flow“. Tatsächlich waren seine Ausführungen zur Antizipation und Selektion von Mitteilungen aus dem Jahre 1932 mit den neueren Theorien kompatibel.29

191.

Manheims über die „Träger der öffentlichen M einung“ war allerdings eine ganz konkrete Beobachtung der W irklichkeit in der Gesell­ schaft der Weimarer Republik: D er Impuls zu dieser A rbeit kam aus dem Verhältnis d er N ationalsozialisten zu den Deutschnationalen. Ursprünglich w ar die Deutschnationale Volkspartei die führende Partei, und schließlich hat sie doch das Spiel verloren. D ie Deutschnationalen konnten nur eine kleine Schicht erreichen, während die National­ sozialisten dieselben politischen Inhalte an sehr viel breitere Schichten vermitteln konnten. D as ist das ei­ gentliche Thema m einer A rbeit über die öffentliche Meinung, allerdings in dem historischen Kostüm des 18. und frühen 19. Jahrhunderts?2

25 Vgl. Winfried B. Lerg: Das Gespräch. Theorie und Praxis der unvermittelten Kommunikation. Düsseldorf: Bertelsmann Universitätsverlag 1970.

Die Antwort auf die Frage nach dem Erfolg von politischer Propaganda fand Emst Man­ heim in einem Wechselspiel von Publikums­ erwartung und Antizipation dieser Erwar­ tung durch die Kommunikatoren.

26 Vgl. Emest Manheim: Risk, Security and Authority. An Ethnological Introduction into Sociology. Diss., London 1937 (unveröffentlicht).

Bereits 1932 abstrahierte Manheim auf ein Sche­ ma gesellschaftlicher Kommunikation, das Korn-

24 Vgl. übergreifend: Arnulf Kutsch (Hrsg.): Zeitungs­ wissenschaftler im Dritten Reich. Köln: Hayit 1984.

27 Vgl. Emest Manheim: Kansas City and its Neighbor­ hoods. Kansas City: The Kansas City Council of Churches and the Department of Sociology of the University of Kansas City 1943; Ders.: Youth in Trouble. Kansas City: City of Kansas City 1945. 28 Vgl. Archiv für die Geschichte der Soziologie in Österreich, Sign. 31/2.9 (Emst Manheim: Lehrveranstal­ tungsunterlagen: History of Sociology. Chicago 1937/38), Blatt 6-54. 29 Die Vorlesungsskripten der amerikanischen Phase Manheims sind aufbewahrt im Manheim-Nachlaß (zu

Lebzeiten) des Archivs für die Geschichte der Soziologie in Österreich (AGSÖ). 30 Nach seiner Emeritierung im Jahre 1974 wurde Manheims Lehrstuhl in eine Stiftungsprofessur umgewandelt und von einem lokalen Zeitungsverleger finanziert („Henry Haskill Chair of Sociology“). 31

Vgl. Manheim, Die Träger der öffentlichen Meinung,

15 sowie den ganzen Abschnitt „Die Notwendigkeit der

Einbeziehung publizistischer Tatsachen in die Soziologie“, ebd., 14ff.

1

munikator, Rezipient und die Kom­

munikationssituation einbezog. Der „Mitteilungsakt“ habe, so Manheim, ein „indi­ viduelles Subjekt zum Träger“ (Kommunikator), einen „Raum, in dem er sich realisiert“ (die Öf­

missen: Für sie war Selektion im Sinne von Be­ deutungszuweisung des Rezipienten kein All­ gemeinprinzip, sondern Privileg einer bildungs­ bürgerlichen Elite, ein „Können“, gründend auf Wissen und Erziehung, das den „ungebildeten“,

„sensationslüsternen Massen“ gleichsam fremd fentlichkeit) und einen „Adressaten“ oder ein bleiben mußte. Emst Manheim unterlag einem „Publikum“.33 Die „besondere Willensstruktur, derartigen Massenpessimismus - der ohne Zwei­ die soziale Lagerung, die zeitliche Situation, die fel zugleich kulturpessimistisch war3637- nicht. besondere Aufnahmebereitschaft des Adressa­ Er verstand, darin übereinstimmend mit den wis­ tenkreises“ seien „Inhaltsfaktoren der Mittei­ senssoziologischen Prämissen Karl Mannheims, lung“ - und zwar sowohl im Sinne der „Antizi­ Bedeutungszuweisung oder Selektion als uni­ pation“ der Publikumserwartung als auch im versales kognitives Prinzip, das für je­ Sinne eigenständiger den Rezipienten anzunehmen sei. Dies B edeutungszuw ei­ Manheim empfand die Wissens­ hatte Manheim bereits 1929 in seiner sung des Lesers, Hö­ soziologie als statisch: Sie ordne Dissertation Logik des konkreten Be­ rers oder Zuschauers Aussagen in jeder Form vom an erhaltene Informa­ Zeitungsartikel bis zum Kunstwerk griffs, die einforderte, daß Psyche, Be­ wußtsein und Sprache in das Zentmm tionen. Die „erwar­ bestimmten Einstellungen, Denk­ der sozialwissenschaftlichen Logik zu teten Folgen“ seien standorten oder Ideologien zu rücken seien, erörtert: zwar „konstitutives Moment der Mitteilung“, gleichzeitig aber „prin­ Man bildet von einer Wirklichkeit andere Begriffe, je zipiell unberechenbar“.34Mit diesem Ansatz ist nach dem, was fü r einen Standpunkt man hat. Ob das Prinzip der wechselseitigen Wahrnehmung man die Äußerung eines anderen, einen Vertrag, ei­ nen M assenauflauf einfühlend, psychologisch auf­ von Kommunikator und Rezipient anerkannt, nimmt, deutet, versteht, kurz: denkt, hängt vom Stand­ und die Überwindung der in der Zeit der Weimarer punkt ab, au f den man sich im Denkakt stellt?1 Republik typischen Vorstellung d e r,M acht“ der Presse, ihrer unbe-dingten Wirksamkeit auf ein Massenpublikum, bereits gegeben. Kritik und Erweiterung der wis­

8

Ein prozeßorientiertes Kommunikationsver­ ständnis, das erste Reflexionen auf die Motiva­ tionslage des Publikums erlaubte, vertrat An­ fang der 30er Jahre nicht nur Emst Manheim. Von den gängigen Reiz-Reaktions-Perspektiven, wie sie die führenden Professoren der Zei­ tungswissenschaft, Emil Dovifat (1890-1969) an der Universität Berlin und Karl d'Ester (18611960) an der Universität München vertraten, lö­ sten sich etwa auch der Soziologe Alfred Pe­ ters (1888-1974), seit 1932 Dozent für Zei­ tungswissenschaft an der Hochschule für Welthandel in Wien sowie Dovifats Assi­ stent Hans Traub (1901-1943), seit 1932 Pri­ vatdozent für Zeitungswissenschaft an der Uni­ versität Greifswald.35Allerdings basierte ihr Ver­ ständnis von Selektion auf stark normativen Prä32

Vgl. Greffrath, Der analytische Geist, 316.

33 Vgl. Manheim, Die Träger der öffentlichen Meinung, 17f. 34

Vgl. ebd. sowie ebd., 51.

3:5 Vgl. dazu Stefanie Averbeck: Zwischen Zeitungswis­ senschaft und Soziologie: Ansätze eines prozeßorientier­ ten Kommunikationsverständnisses 1927-1934. Zur Ideengeschichte und Wissenschaftssoziologie der

senssoziologischen Perspektive mst Manheim war als Adept Karl Mann­ heims zugleich einer seiner frühesten und über die Jahre hartnäckigsten Kritiker. Er warf Karl Mannheim bereits 1932 vor, das Rezeptions­ problem aus der gesellschaftlichen Analyse aus­ zusparen und damit die Qualität von „Gesell­ schaft“ zu verkennen. Emst Manheim empfand die Wissenssoziologie als statisch: Sie ordne Aussagen in jeder Form vom Zeitungsartikel bis zum Kunst­ werk bestimmten Einstellungen, Denkstandor­ ten oder Ideologien zu, kläre aber nicht, wie diese Einstellungen letztlich zustande kommen.38

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Zeitungswissenschaft. Phil. Diss., Münster 1996 (unveröffentlichte Druckschrift). 36 Zum Massen- und Kulturpessimismus in der Weima­ rer Soziologie und Zeitungswissenschaft vgl. Helmuth Berking: Masse und Geist. Studien zur Soziologie in der Weimarer Republik. Berlin: Wissenschaftlicher Autoren­ verlag 1984; Wolfgang Joußen: Massen und Kommunika­ tion. Zur soziologischen Kritik der Wirkungsforschung. Weinheim: VCH 1990. 37

Vgl. Manheim, Zur Logik des konkreten Begriffs, 16.

38 Vgl. Manheim, Die Träger der öffentlichen Meinung, 13f.; Ders.: Vorwort zur Neuausgabe. In: Manheim, Auf­ klärung und öffentliche Meinung, 18-19 sowie den nach­

Über 40 Jahre später, 1981, machte auch Ilja Srubar darauf aufmerksam, daß Karl Mannheim das Problem der „Vermittlung“, das Wie des Zu­ standekommens der „Seinsverbundenheit des Denkens“, nicht gelöst habe.39 Wenn Einstellungen, wie Karl Mannheim annahm, an soziale Gruppen gebunden sind, wie konnte es dann möglich sein, fragte Emst Manheim, daß Menschen ihre Gruppe verlassen und sich neuen Einstellungen anschließen, etwa - um Manheims Ausgangsfrage wieder aufzugreifen - statt deutsch­ national nunmehr nationalsozialistisch wählen? Das Wie ist laut Manheim in den Mechanismen der „Vergesellschaftung durch Mitteilung“40zu su­ chen, ein Prozeß, der die Beziehung von Kom­ munikatoren und Rezipienten als reziprok vor­ aussetzt; beide stehen in „publizistischer Wech­ selwirkung“41. Diese Beziehung zwischen Sen­ der und Empfänger realisiere sich in einem jeweils spezifischen „publizistischen Raum“:

muß daher selbst zum Untersu chungsgegenstand werden. Manheim verknüpfte diesen Gegenstand bald mit einem anderen, dem der „Autorität“ und ihren verschiedenen Ausprägungen und Funktionen - gerade auch in und für das zwischenmensch­ liche Kommunikationsgeschehen.

Autorität Emst Manheim folgend ist Autorität elementar eine soziale Funktion: A utorität besteh t nicht ohne soziale Funktion. Sie kann nur bestehen, indem sie gewisse Dienste leistet. Wenn ein Handeln nach Normen, m it denen man le­ ben will, nicht möglich ist, sträubt man sich gegen diejenigen, die die Norm erzwingen, und in solchen Fäl­ len ist d er einzige Ausweg Ungehorsam.44

Manheim geht in seinem Autoritätskonzept ähnlich wie in seiner Kommunikationssoziolo­ gie und mit dieser kompatibel - von einer Bez/e/urngswirklichkeit aus: Weder der Prozeß D iese räumlichen Sphären des H andelns, Denkens „Kommunikation“ noch der Prozeß „Autorität“ und Sichmitteilens bilden aber nicht nur das Medium, verlaufen im Sinne eines einseitigen Machtge­ in dem sich die Kontinuität des historischen Gesche­ hens und der geistigen Überlieferung form iert fälles oder Reiz- sie geben durchweg ein kategoriales Prinzip Reaktions-ScheKommunikation ist nicht eine ab, das fü r das Sinngefüge d er m itgeteilten mas, vielmehr un­ Funktion der Vergesellschaftung, und überlieferten Inhalte bis in ihre Binnen­ terliegen sie einer struktur, ihren Logos hinein bestim m end ist. Kommunikation ist das Prinzip der Wechselwirkung Für das spezifische G ew icht und so g a r fü r Vergesellschaftung schlechthin das gilt auch für den A ussageinhalt ein er M itteilung, in d e r die charismatisch sich ein Einverständnis dokumentiert, ist es nicht gleichgültig, ob sie sich im „ unkontrollierten bedingte Autorität (im Sinne Max Webers). Hos­ G espräch “ oder im Brief, also im Bereich des P ri­ sein Bahmaie, Soziologe an der Universität von vaten konstituiert, oder ob sie im Konventikel oder Kansas City/Missouri, der sich mit Manheims Au­ von der Kanzel herab ihren Adressaten erreicht.42 toritätskonzept ausführlich auseinandergesetzt hat, schreibt diesbezüglich: Im Unterschied zur Wissenssoziologie verstand Emst Manheim Kommunikation nicht als Prinzip Autorität ist von den Erwartungen der Menschen in von etwas, das dann der Analysegegenstand ist, bezug a u f die in der Zukunft vorherrschenden Bedingungen abhängig (...). Die Befehle der Herr­ etwa „Weltanschauung“ und „Standortgebunden­ schenden werden nicht isoliert von der Situation heit des Denkens“,43 sondern als eigenständiges bewertet, in der sich eine Gesellschaft befindet. Sie Prinzip: Kommunikation ist nicht eine Funktion werden nur solange als gültig und befolgensw ert an­ der Vergesellschaftung, Kommunikation ist das gesehen, als die Massen überzeugt sind, daß die A n­ Prinzip der Vergesellschaftung schlechthin. Sie weisungen wesentlich sind fü r die Befreiung vom all­ gemeinen Risiko.4*

folgend abgedruckten Aufsatz Manheims aus dem Jahre 1972 The Sociology o f Knowledge Reconsidered. 39 Vgl. Ilja Srubar: Max Sehe lei: Eine wissenssoziolo­ gische Alternative. In: Nico Stehr/Volker Meja (Hrsg.): Wissenssoziologie. Studien und Materialien. Opladen: Westdeutscher Verlag 1981 (= Sonderheft 22 der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie), 343-359, hier: 349ff. 40

42

Ebd., 12.

43

Vgl. Mannheim, Wissenssoziologie.

Vgl. Manheim, Die Träger der öffentlichen Meinung,

44 Emst Manheim, zitiert nach Welzig, Die Bewältigung der Mitte, 204f.

Ebd., 23.

4*

17.

41

Auf die Erwartungshaltung der Deutschen ge­ genüber Adolf Hitler bezogen, bedeutet dies: Die psychische Prädisposition des Publikums

Hossein Bahmaie: Sicherheit, Autorität und

9

und seines „Führers“, die autoritäre Neigung,46 spielten zusammen und bestimmten die kommunikativen Muster in den hierarchisch gegliederten hündischen Gruppen von der Hitlerjugend bis zur SS sowie in den kollektiven Unterwerfungsszenen bei öffentli­ chen Massenveranstaltungen. Hitler, so Man­ heim, habe gewußt, daß seine „kreischende Stimme“ aggressiv war und zugleich das Publi­ kum in die Aggression einbezog, Identifikation mit dem Aggressor erlaubte. Die kommunikative Wechselbeziehung beinhaltete die Illusion, daß das persönliche wie das Lebensrisiko der Deut­ schen als Nation insgesamt mit Hitler verrin­ gert werden könnte. Man erwartete von Hitler so­ wohl die Lösung des Problems Arbeitslosigkeit wie die Neubelebung des nationalen Selbst­ wertgefühls nach der „Schmach“ von Versail­ les.47

der einen Seite, und Terror, der weder subjektiv noch objektiv Sicherheit herzustellen vermag, auf der anderen Seite, aufzudecken und Kriterien für die Unterscheidung des einen Phänomens, Herrschaft, vom anderen, Terror, zu entwickeln. Wann und warum verlangt ein Volk nach cha­ rismatischer Autorität und wann akzeptiert es eine Autorität nicht mehr?50Wie wird legitime Au­ torität kommunikativ vermittelt, wie wird illegitime Autorität kommunikativ entlarvt? Diese und ähnliche Fragen wirft das Werk von Emst Man­ heim auf und enthält zahlreiche Hinweise auf die theoretische und empirische Annäherung an Antworten auf diese Fragen. Den komplexen Zusammenhängen von Auto­ rität und Kommunikation ging Emst Manheim seit 1932 nach und ermittelte zwei in ihrem Au­ toritätskonzept grundsätzlich verschiedene Ty­ pen von Öffentlichkeit.

„Sicherheit“ oder Freiheit von Risiken ist nach Qualitative Öffentlichkeit Manheim zugleich eine objektive wie ein sub­ jektive Tatsache. Manheims Ansatz eröffnet da­ n seinem Buch über die „Träger der öffentli­ bei eine Perspektive, die politische Soziologie, chen Meinung“ kategorisierte Manheim zwei Kultursoziologie und Sozialpsychologie ver­ Grundtypen öffentlicher Räume: Pluralistische knüpft. Ob die Sicherheit erreicht ist oder noch Öffentlichkeit und qualitative Öffent­ werden kann, wird Hitler, habe gewußt, daß seine lichkeit. Während erstere alle M ei­ stets bewertet. Und „kreischende Stimme“ aggressiv nungen zuläßt und bestimmte Kon­ zwar von denen, die war und zugleich das Publikum ventionen der Kommunikation - die diese Sicherheit er­ in die Aggression einbezog, damit selbst eine Autorität darstellen warten und einher­ Identifikation mit dem von allen anerkannt werden, ist die gehend spezifische Aggressor erlaubte. qualitative Öffentlichkeit weltan­ Funktionen der Risi­ schaulich fixiert und stark an perso­ kenbewältigung und -abwendung an politische nale Autorität gebunden. Führer abgeben. An diesem Prozeß der Situati­ onsbewertung seien kulturelle Mechanismen be­ Das gesellschaftliche Einverständnis innerhalb teiligt, faßt Hossein Bahmaie Manheims Konzept der „qualitativen Öffentlichkeit“ schließt Op­ eines Wechselverhältnisses von subjektivem Si­ position tendenziell aus. Dieses Einverständnis cherheitsbedürfnis und objektivem Risiko kann sich - idealtypisch - sowohl konsensual, zusammen.48 Die Ermittlung„kultureller Me­ etwa in einer freiwilligen Gesinnungsgemein­ chanismen zur Messung von Sicherheit“, die schaft, als auch totalitär im Sinne des Auto­ Manheim selbst in seiner Londoner Disser­ ritätsmißbrauchs konstituieren. Die Übergänge tation über „Risk and Security“ für die süd­ sind durchaus fließend: Die frühen Propagandawestafrikanische Ethnie der Nama untersuchte,49 und Wahlerfolge der Nationalsozialisten in der könnte helfen, die Übergänge zwischen einer

I

10

von einer Gesellschaft als legitim empfunde­ nen, autoritär-charismatischen Herrschaft auf

Gesellschaft: Emst Manheims Londoner Dissertation. In: Welzig, Die Bewältigung der Mitte, 257-272, hier: 266 und 271. 46 Vgl. diesbezüglich die inzwischen klassische Studie von Theodor W. Adomo/Else Frenkel-Brunswick/Daniel J. Levinson/R. Nevitt Sanford: The Authoritarian Personality. New York: Harper & Brothers 1950.

47 Interview Stefanie Averbeck mit Emst Manheim 9.8.1995 in Martha’s Vineyard/USA. 48

Bahmaie, Sicherheit, Autorität und Gesellschaft, 267.

49

Vgl. Manheim, Risk, Security and Authority.

50 Laut Hossein Bahmaie ergänzen sich die AutoritätsAnalysen Max Webers und Emst Manheims; während Weber den charismatischen Aspekt der Führerautorität hervorhob, betont Manheim - stärker pragmatisch argu­ mentierend - die Funktion dieser Führerautorität im All­ tagsleben einer Gesellschaft. „Die Autorität von Herrschern

Zeit bis 1933 beruhten, Manheim folgend, we­ Pluralistische Öffentlichkeit sentlich auf einer positiv-identifikatorischen Be­ egentypus der qualitativen Öffentlichkeit deutungszuweisung der Rezipienten mit den na­ ist nach Manheim der Typus „pluralisti­ tionalsozialistischen Schlagworten.51 Hinzu kam sche Öffentlichkeit“. Hier wird personale Au­ das, was in der Sprache der modernen Kom­ torität durch Ideen mit großer Autorität ersetzt oder munikationstheorie „personal influence“ heißt. an diese gebunden. Eine solche Idee, die nach Ein Element des Erfolgs der NSDAP sei, so Manheim unser Jahrhundert bestimmt, ist der Manheim 1939 in einem Vortrag vor der „South­ Gedanke der Toleranz, der eng gebunden ist an western Sociological Society“, ihre Kontrolle der „in-group“-Kommunikationen in Schülerdas politische Prinzip des Föderalismus und den und Studentenorganisationen gewesen. Während Willen zu Integration und Kompromiß: um 1930 die Mitgliederzahlen in den Jugend­ Toleranz besteht darin, daß man Leute versteht, daß organisationen der damals in Deutschland führen­ man immer die Frage,warum ‘ vor Augen hat. Wenn man den politischen Parteien stagnierten, habe die Leute versteht, kann man sie annehmen. D ie Leute, die man nicht mag, NSDAP innerhalb kurzer Zeit vor allem sin d die Leute, die die bis dahin politisch neutralen Jugend­ Beim Typus der „pluralistischen man nicht kennt.55 lichen für sich gewonnen. Der Erfolg je ­ Öffentlichkeit (iwird personale der totalitären Bewegung hänge von der Autorität durch Ideen mit Die Konzepte des Besetzung solcher „private und neutral großer Autorität ersetzt Föderalismus, des channels“ ab. Schließlich werde Einstel­ oder an diese gebunden - dem okratischen lungswandel am ehesten über persönli­ Diskurses und der psychologischen Einfühlung, che Kontakte bewirkt. Erst wenn M enschen wie sie das 20. Jahrhundert hervorgebracht hat, durch von ihnen geschätzte Menschen von etwas bedeuten nach Manheim nicht weniger als das überzeugt worden sind, kann die Propaganda „Vorspiel zur Integration“, zur übernationalen, via Zeitung, Film und Rundfunk diese Überzeu­ politischen Integration in der Welt.56 gungen festigen.52Die Nationalsozialisten hätten beide Strategien, die der „intimate propaganda“ Diese positive Geschichtsphilosophie ist das und die der „public propaganda“, genutzt: normative Konzept, das Manheims spezifischer The N azis launched their campaign on two fronts: in Ethik des Diskurses in der „pluralistischen Öf­ the pu blic, through their lim ited press and in their fentlichkeit“ zugrunde liegt. Dieser Öffentlich­ open meetings, on the one hand, and in the intimate keitstypus zeichnet sich nach Manheim durch sphere o f the closley knit youth organizations on the Meinungskonflikt sowie den moralischen Im­ other. Their public propaganda was not effective un­ petus, Konfliktsituationen in einen Konsens mün­ til they succeeded in penetrating into the wide-spread den zu lassen, aus. youth organizations.5354

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Erst fünf Jahre später sollte Paul Felix Lazarsfeld (1901-1976) in einer empirischen Studie belegen, daß Meinungen eher im persönlichen Umfeld als durch Massenmedien geprägt werden.54* beruht auf ihrer Effizienz bei der Bewältigung von rou­ tinemäßigen allgemeinen Risiken“, faßt Hossein Bahmaie die Manheim-These zusammen. Vgl. Bahmaie, Sicherheit, Autorität und Gesellschaft, 268f. 31 Vgl. Interview von Stefanie Averbeck mit Emst Man­ heim 9.8.1995 in Martha’s Vineyard/USA; insbesondere mit Bezug auf die Intellektuellen konstatierte Manheim: „Unter den Intellektuellen gab es ein Gefühl: Hier taucht auf eine Urkraft. In Deutschland war das Gefühl, daß wir zunehmend vom Natürlichen uns entfernen und immer mehr künstlich werden (...) und das bereitete die Atmo­ sphäre vor, für Hitlers Stil. Er spielte vor irgendetwas Ur­ wüchsiges, irgendetwas Natürliches, gegenüber dem künst­ lichen Leben der Gegenwart.“ 32

Vgl. Emest Manheim: The Role o f Small Groups in

the Formation o f Public Opinion. In: South Western Social

Science Quarterly, Vol. XX, No.3 (1940), 276-282 (Paper read before the Southwestern Sociological Society at its

Manheim erkannte 1932 die eigene Zeit als eine solche an, in der die öffentliche Rede nicht mehr das Privileg einer Machtelite sei, sondern „Universalmodus des politischen Seins und Wollens“.57*Grundlage des „Diskurses“ mo­ derner Gesellschaften ist nach Manheim das Allgemeinprinzip Öffentlichkeit.58*In einer Zeit der Pressezensur und der antidemokratischen Bewegungen ging er davon aus, daß G esell­ schaften künftig auf Öffentlichkeitsmonopole -

meeting in Dallas, April 7-8, 1939). 53

Ebd., 276.

54 Vgl. Paul F. Lazarsfeld/Bemard Berelson/Hazel Gaudet: The Peoples Choice. How the voter makes up his mind in a presidential campaign. New York: Columbia Press 1960 (erste Auflage 1944). 53 Emst Manheim im Interview mit Stefanie Averbeck, 9.8.1995 in Martha’s Vineyard/USA.

wie sie etwa den absolutistischen Herrscherhäusern noch Vorbehal­ ten waren - verzichten würden. Vermittelt durch die Phase der bürgerlichen Öffentlichkeit des 18. und 19. Jahrhunderts werde „Öffentlichkeit“

turieren sich in modernen Gesellschaften ge­ genseitig, normative Minimalbedingung ist der Willen zur Übereinkunft oder zur Angleichung der Standpunkte, zur Transzendenz. Die trans­ zendenten Inhalte eines Gemeinwesens be­

allmählich zur bestimmenden Kategone der mo­ zeichnen, Manheim folgend, die geistigen und dernen Welt.59Zwangsläufig fand Emst Manheim emotionalen Übereinstimmungen ihrer M it­ zu einem neuen Begriff „öffentlicher Meinung“. glieder, ihre gemeinsamen Einstellungen und Handlungsmotive.63 Der Wertigkeit dieser ge­ Dieser Terminus charakterisierte im frühen 20. meinsamen Motive entspricht die potentielle Mit­ Jahrhundert üblicherweise die herrschende Mei­ sprache der Bürger an ihrer rechtmäßigen Voll­ nung des gebildeten Bürgerpublikums. Das (prole­ endung. Wie später Habermas rekurrierte Man­ tarische) M assenpublikum galt allenfalls als Adressat der schrei­ heim auf die Kantsche Ethik. Kant ging davon aus, daß Gerechtigkeit nur als benden bürgerlichen Manheim war der erste Soziologe „öffentlich kündbare“ gedacht werden Eliten - nachzulesen in Deutschland, der sich in den entsprechen­ könne und Arkana, Geheimnisse, in der von einer qualitativ-normativen gesellschaftlichen Sphäre per se unge­ den Standardwerken Bestimmung „ öffentlicher recht seien.64 der Zeit, so der Öf­ Meinung “ verabschiedete. fentlichen Meinung Emst Manheims Diskursethik ist in­ in der Weltgeschichte60 des Wiener Neuhistori­ sofern norma-tiv, als sie demokratische Formen kers Wilhelm Bauer (1877-1953) und der Kritik der Konsensbüdung eindeutig favorisiert - zugleich der öffentlichen Meinung61 von Ferdinand Tön­ bleibt Manheim analytisch: Er suchte seit 1933 nies. die kommunikativen Mechanismen der Kon­ anheim war der erste Soziologe in Deutsch­ sensbildung sowohl in „geschlossenen Gesell­ schaften“, so den politischen Geheimzirkeln und land, der sich von einer qualitativ-norma­ tiven Bestimmung „öffentlicher Meinung“ ver­ Bruderschaften des 18. Jahrhunderts,65 so den abschiedete. Sein Buch über die „Träger der öf­ nationalsozialistischen Jugendbünden,66 als auch fentlichen Meinung“ gab keine auf eine bestimm­ in plural organisierten Gesellschaften aufzu­ te Machtelite fokussierte wünschenswerte Rich­ decken. tung der Meinungsbildung mehr vor. Er beleuch­ Manheims Frühwerk besticht durch die Vor­ tete das Problem öffentliche Meinung weniger wegnahme der zentralen Fragestellungen der inhaltlich als formal: großen soziologischen und kommunikations­ Ihre wesentlich publizistische Funktion bekommt nun wissenschaftlichen Debatten in der zweiten Jahr­ die öffentliche Auseinandersetzung dadurch, daß durch hunderthälfte. Eine stringente Theorie der Kom­ sie bis dahin geschiedene Einverständnisse zueinan­ munikation, die sein Autoritätskonzept integriert der in Beziehung treten und dam it die partikularen hätte, hat Manheim nach 1945 nicht mehr vor­ Grenzen der ihnen zugrunde liegenden Welt-oriengelegt - die Bausteine zu einer solchen sind in­ tierung in Klammem setzen (...). In der öffentlichen Diskussion erw eitert sich der Raum der Grup­ des in seinen zahlreichen Aufsätzen zur Propa­ penidentifikation zum transzendentalen Gesam ­ ganda, zur Jugend-, Familien-, Ethno-, Wissens­ traum der Öffentlichkeit. Bei einem sinnvollen und Kriminalsoziologie enthalten.67

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und in diesem publizistischen Raume allein legi­ timen A blauf stiftet die Diskussion in ihrem Felde ei­ nen öffentlichen Konsensus. Man diskutiert auf G m nd verschiedener Meinungen, aber gleichen Wollens.*6162 geschichte. Wildpark-Potsdam: Athenaion 1929.

Meinungspluralität und Konsensstreben struk­

61 Ferdinand Tönnies: Kritik der öffentlichen Meinung. Berlin: Springer 1922. 62

Manheim, Die Träger der öffentlichen Meinung, 46f.

36

Vgl. Welzig, Die Bewältigung der Mitte, 208.

63

Vgl. ebd., 41ff.

37

Vgl. Manheim, Die Träger der öffentlichen Meinung, 8.

58

Vgl. ebd.

64 Vgl. ebd., 43; Habermas, Strukturwandel der Öffent­ lichkeit, 120.

39 Vgl. ebd., besonders die Einleitung Das publizistische Thema der Soziologie, 6ff. 60

Wilhelm Bauer: Die öffentliche Meinung in der Welt-

65 Vgl. Manheim, Die Träger der öffentlichen Meinung, 24ff. „Esoterische Bünde“, 35ff. „Intim-politische Ver­ bindungen “ sowie die Ausführungen über „fraternal orga­ nizations“ im nachfolgend abgedruckten Text The Socio-

Exkurs: Karl Mannheim Der nachfolgende Aufsatz Emst Manheims, The Sociology o f Knowledge Reconsidered, 1972 im Kansas Journal o f Sociology erschienen, wird an dieser Stelle erstmals für ein europäisches Pu­ blikum reproduziert. Er führt ein in die Manheimsche Kritik an der Wissenssoziologie sei­ nes Cousins Karl Mannheim und deren kom­ munikationstheoretische Konsequenzen.

Die Ausführungen erinnern an Elis­ abeth Noelle-Neumanns Theorie der „Schweigespirale“ und deren Grundannahme der „Isolationsfurcht“.73

Emst Manheim waren die Lehrtätigkeit und Lehr­ inhalte seines älteren Cousins am Heidelberger Institut für Zeitungswesen nicht bekannt.74 Be­ merkenswert ist, daß beide, Emst Manheim und Karl Mannheim, unabhängig voneinander und aus­ gehend von der wissenssoziologischen Prämisse, Emst Manheim sagt heute selbst, er sei 1932 „in daß jede RealitätsWahrnehmung kognitiv prä­ etwa in die Richtung gegangen, die in Karl Mann­ disponiert sei, einen rezeptionsorientierten An­ heims Wissenssoziologie bereits angelegt war“.*678 satz der Meinungsbildung entwickelten - während zeittypisch kommunikatorzentrierte Ansätze vor­ Karl Mannheim unterrichtete 1928/29 als Pri­ herrschten. Für Karl Mannheim gilt dies allerdings vatdozent für Soziologie an der Universität Hei­ nur und auch nur punktuell in der Weimarer delberg auch am dortigen Institut für Zeitungs­ Phase. Anders als Emst Manheim hat er sich in wesen.69 Erhalten sind die Unterrichtsprotokolle, den späten 20er und frühen 30er Jahren über die Studenten damals in seinen Vorlesungen und seine Lehrtätigkeit hinaus nicht dezidiert mit Seminaren anfertigten. Demnach führte Karl dem Problem „öf­ Mannheim 1928 in einem Seminar über fentliche M ei­ Bemerkenswert ist, daß beide, „Soziologie der öffentlichen Meinung nung“ beschäftigt. Ernst Manheim und Karl Mann­ und der Presse“ gegenüber den Heidel­ Darüber hinaus heim, unabhängig voneinander berger Studenten aus, es gebe „kein ein­ sames Denken“, Denken existiere „nur einen rezeptionsorientierten Ansatz dürfte er sich die mittels Sprache“ oder „Rede zu anderem der Meinungsbildung entwickelten Konsequenzen sei­ nes an der Univer­ Denken in Beziehung gebracht“.70 sität Heidelberg vertretenen dynamischen Kom­ Im gleichen Sinne heißt es bei Ernest Manheim munikationskonzepts für seine eher statische 1972: „Communication is the habitat of mental wissenssoziologische Konzeption von „Einstel­ products (...).“71 Denken und Sprechen sind lung“75 nicht klargemacht haben - anderenfalls grundlegend verknüpft. hätte er möglicherweise bemerkt, daß Persönlich­ keitsmerkmale („besonders sichere Persönlich­ Karl Mannheim fuhr 1928 wie folgt fort: keiten“) und Sozialisation in einem weit komple­ D ie M einungsbildung des Publikums hat fo lg en d e' xeren Wechselverhältnis stehen als von ihm wis­ Stadien: senssoziologisch durchdacht. 1. D as abwartende Verhalten (die Furcht gegen den Strom zu schwimmen). 2. D as „Schnüffeln“ (der Austausch im privaten G e­ spräch; es bilden sich Gruppen und Meinungen). 3. Das Lancieren der Meinung (besonders sichere Per­ sönlichkeiten beginnen ihre Meinung kundzugeben J.72 logy o f Knowledge Reconsidered. 66

Vgl. Manheim, The role o f small groups.

67 Eine ausführliche Literaturliste Manheims ist nachge­ wiesen in Welzig, Die Bewältigung der Mitte. 68 Gespräch mit Emst Manheim am 27.1.1997 in Kansas City/Missouri. 69 Vgl. bereits Horst Reimann: Publizistik und Soziologie. Anfänge in Heidelberg. Zur Begründung des Instituts für Zeitungswesen an derRuperto Carola vor 60 Jahren. In: Publizistik, 31. Jg./1986, Nr.3/4, 328-345. 70 Vgl. Universitätsarchiv Heidelberg, Rep. 13-3 (Berichte über Lehrtätigkeit und Sammlungen 1927-1933), darin „In­ stitutfür Zeitungswesen an der Universität Heidelberg. Bericht über Lehrtätigkeit und Aufbau der Sammlungen im Sommersemester 1928“, 9-12 (Protokoll des Kolloquiums

Die Wissenssoziologie Karl Mannheims ordnete Wissen, M einungen und Einstellungen grundsätzlich bestimmten sozialen Gruppen zu. Erst Ernst Manheim hinterfragte dezi­ diert einen Zusammenhang zwischen sozia­ len, p sych isch en und kom m unikativen M e ­

chanismen. Karl Mannheim revidierte zudem ab 1935 seinen prozeßorientierten kommunikationssoziologivon Karl Mannheim: „Soziologie der öffentlichen Meinung und der Presse “), hier: 9. 71 Emst Manheim: The Sociology o f Knowledge Reconsidered. In: Kansas Journal o f Sociology, Vol. 8 (1972), No. 2, 177-180. 72

Vgl. Universitätsarchiv Heidelberg, Rep. 13-3, 11.

73 Vgl. Elisabeth Noelle-Neumann: Öffentliche Meinung. Die Entdeckung der Schweigespirale. Berlin: Ullstein 1991.

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sehen Ansatz, wie er ihn in den Hei­ delberger Seminaren angedacht hatte. Die Erfahrung der natio­ nalsozialistischen M einungs­ diktatur führte ihn zu einer hier­ archischen Kommunikations­ vorstellung. Daß die Medien eine grundsätzlich manipulative So­ zialtechnologie seien, stand für

Gespräch mit Emst Manheim am 27.1.1997 in Kansas City/USA. 73 Zur Kritik Manheims an dieser Konzeption vgl. den nachfolgenden Aufsatz The Sociology o f Knowledge Reconsidered. 76 Vgl. Karl Mannheim: Mensch und Gesellschaft im Zeitalter des Umbaus. Bad Homburg/Berlin/Zürich: Gehlen 1967 [zuerst 1935], besonders das Kapitel Das Problem der Umformbar­ keit des Menschen, 237-267; Ders.:

Die Autorin Dr.

Stefanie Averbeck (1967) Studium der Publizistik, Politik­ wissenschaften und Romanistik. Im Sommer 1997 promovierte sie an der Universität Münster mit einer Arbeit über die Zei­ tungswissenschaft der Weimarer Republik Sie arbeitete als freie Journali­ stin fü r den Westdeutschen Rundfunk und ist derzeit in Mün­ chen in einer Public Relations Agentur tätig.

Karl M annheim nunmehr fest: nach 1945 riet er den po­ litischen Eliten, das W ir­ kungspotential der Massen­ medien gezielt für demokra­ tische Erziehungs- und Pla­ nungsprozesse zu nutzen.73*76 Eine Perspektive, die dem re­ zeptionsorientierten Ansatz von Ernst Manheim funda­ mental widerspricht.

Die Gruppenstrategie der Nazis. In: Ders: Diagnose unserer Zeit. Gedan-ken eines Soziologen. ZürichAVien/Konstanz 1951, 134138 [Vortrag im britischen Übersee-Rundfunk 1941]; Ders.: Massenerziehung und Gruppen­ analyse. In: Ders.: Diagnose unserer Zeit, 105-122 [zuerst 1939 in J.Cohen/R.M.W Travers: Educa-tion for Democracy]', Ders.:

The Sociology of Knowledge Reconsidered E rnest M anheim , U niversity

of

M issouri , Ka n s a s C ity

The subject of this essay is the communicative function of ideas as a po­ tential determinant of their meanings. The first proponents of the sociology of knowledge as a field of explora­ tions had a double aim. One - voiced in Marx's writings (1967:372-374) and implied in Max Scheler's and Karl Mannheim's work - was a critical reex­ amination of the claim of philosophical idealism that social structures are emanations of ideas whose inherent evolution constitutes the medium of continuity in history. This critical aspect of WissensSoziologie aroused relatively little controversy, particularly in the United States.1 The ac­

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tual debate, whose end is not yet in sight, has centered on the principal aim of Mannheim's Ideology and Utopia, on the attempt to spell out the nature of the relationship between ideas and their existential roots. The literature on the subject may be grouped around three points of view. The one which stands out in Mannheim's and his disciple's studies is ge­ netic. Mannheim adopted with significant modifications the Marxian thesis that the radius of a person's daily activities (Marx's productive functions) describe the range of his social awareness within he forms his conception of himself and his milieu, in a manner which is consistent with his aspi­ rations. An inspection will reveal which provinces of the social order have a place in that conception, and which remain concealed. While Marx's pronouncements on ideologies and class consciousness were meant to help „change the world" and not merely interpret it, (1941:84) Mannheim envisaged all ideologies as subjects of non-evaluative and non-promotional inquiries (1971:107) . Their aim was to identify the locus of the social involvement of which a given ideology is the verbal extension. The difficulty which such attempts face stems from the multiple positions and affiliations which individuals maintain in a functionally differentiated society. Some of these affiliations overlap or conflict and become motives of contradictory

identifications. Fully aware of these difficulties, Mannheim in­ jected the concept of „intellectual strata" or cognitive systems into his method of procedure. These systems are elaborated points of view which guide the cognitive process and they crystallize around the plural seats of major social aspirations. The locus of these aspirations forms the much discussed existential base. Particular ideologies are de­ rivations from, or modifications of a given cognitive system, but their re­ lationship is relatively indeterminate. A second type of linkage between ideas and social structures is construed as a quality of congruence between parts of an all-inclusive system thought of as an integrated whole of behavioral and cognitive norms (Sorokin, 1943:80, 87-96). The objective is to identify a problematic item with the system with which it is consistent. The assumption that social structures are traceable to, or emanate from normative principles transcends the scope of sociology and is not susceptible to proof or refutation. Finally, the existential basis of ideas is sometimes interpreted functio­ nally, rather than genetically (Merton, 1964:483). Instead of tracing ideo­ logies back to their locus of origin they are weighed and categorized on the strength of their actual or expected consequences. The question here is not what exposures generate a given thought model, but rather how it af­ fects society. Questions of this type set the focus for Dürkheim7s and Radcliffe-Brown's explanations of rites and beliefs. In a polarized situa­ tion in which several contending groups confront one another the question is narrowed to who benefits from a given utterance and whom does it affect adversely. Accordingly, a view is imputed to the faction which is expec­ ted to gain by is circulation, regardless whether is members actually em­ brace that view. „The question whether objective truth can be attributed to human thinking is not a question of theory, but is a practical question" (Marx, 1941:82). Tactical considerations can, therefore, blur or outweigh the interest in the distinction between true or false ideologies, notably when they are judged on an acute conflict situation. Marxian activists were the first to have learned that lesson. The first and last outlined procedures are designed to illuminate ideas as the dependent pole in a two member relationship. The bipolarity is the pro­ duct of an abstraction - the isolation of thought contents from the acts which convey them - on the assumption that the communication of ideas is external to their contents and that these are unaffected by the channels through which they reach the recipients. The principal argument of this es­ say is that a reexamination of that assumption opens up a wider scope for the sociological examination of ideas. Communication is the habitat of mental products; they are given only on a conveyed form. They are born and conceived as messages to be addres­ sed to real or fancied audiences. The image which the communicator forms of his audience, therefore, affects the contents of his message. The prac­ tice of addressing different texts to different audiences does not neces­ sarily evince opportunism or a lacking point of view. The speaker2 who fa­ ces a new type of audience may well have a new message to convey, and he may adopt new objectives without abandoning an older one. Once ideas are considered not as entities which inhabit a realm of timeless meanings, but as channelled expressions, they come into focus in a four member re­ lationship consisting of (1) the communicator, including his range of so­ cial involvements; (2) his message; (3) the channel, through which it is communicated; and (4) the actual or intended audience. One may note that the Marx-Scheler-Mannheim paradigm for the sociological identification of ideas rests on the imputation of item #2 to item #1. The location of the channel has some bearing on the nature of the message, depending on whether the communicator is in control of the pathways to his

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audience or, if he has only conditional access to them, who the gatekeepers are. The message varies, moreover, according to whether it is transmitted through internal or external channels. Internal messages reach a selective and homogeneous audience, a consulting „ingroup" which shares the speaker's point of view. External messages are conveyed through unrestricted channels which are accessible to all §^gm$nt£ of a heterogeneous audience - the public -3 including dissenting outgroups. The effectiveness of communication depends on whether it elicits the in­ tended audience response. Public utterances involving divisive issues tend to maximize their effectiveness by performing three functions: (1) affirm and strengthen the consensus of the speaker's ingroup; (2) sway uncommit­ ted listeners; and (3) weaken or undo the accord on which the solidarity of the dissenting outgroup depends. In other words, messages addressed to a heterogeneous, polarized public tend to perform some complex functions than are utterances directed internally to a likeminded and consenting audience. Divergent definitions of a common situation may, therefore, ori­ ginate with the same actor who circulates functionally differentiated mes­ sages, and not necessarily with the dissimilar positions of different com­ municators. An historical episode will illustrate the point in question. It is the case of the rising conservative climate in 18th century Germany.4 The original seat of an active traditionalism is traceable to the common indignation of landed noblemen at the erosion of their vested prerogati­ ves . The media through which they voiced such sentiments were the neigh­ borly gatherings of peers and the exchange of letters. It was through these restricted channels that the wish to resist the levelling policy of the central administration and the spreading philosophy of the Enligh­ tenment was articulated. The the and the was ned

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support for the dissemination of that suspect philosophy came from upper ranks of the civil service, at times from the rulers of Prussia, from a network of fraternal organizations, including Masonic lodges and „Moral Societies", which sprang up throughout the 18th century. It in these esoteric gatherings that elements of the middle classes gai­ contacts with the civil service and, in some instances, the ruling prince.

The first known attempt of the traditionalists to break out of their iso­ lation lead to the infiltration by noblemen of some of the more influen­ tial fraternities and the creation of rival sodalities. In both instances the cultivation of intellectual and moral autonomy and its symbols was replaced by a new cult of medievalism in ritual and ideology. Through this pseudo-masonic „orders" the noble participants were able to restore the last channels of influence with members of the central administration. In Prus­ sia they have induced the cabinet to arrest the teaching of rationali­ stic and libertarian views. These successes were achieved through the use of restricted channels - first the neighborly gatherings and letter exchanges, and subsequently the ritualistic sodalities - but the campaign for a favorable public climate could not be launched with the use of pu­ blic channels. The disaffected landowners lacked the experience and skills for addressing effectively public audiences, for they were in the habit of speaking only to one another, and they were out of touch with the broader strata of the public. The literary transmutation of the restorative outlook of the traditionalists into a printable version with some promise of a public appeal was essenti­ ally the work of a generation of mobile university graduates of lower middle class background who accepted positions as tutors and secretaries in the hou­ seholds of titled persons. They were in touch with more than one class, con­ versant with the susceptibilities of various segments of the public, and could write. It was the first generation of the German romantic literary movement which, first through fiction, later by means of printed discourses in so­

cial philosophy created concepts to which the Enlightenment gave currency with the reverential treatment of organically evolved con­ ditions, as opposed to bureaucratic reforms and „engineered" in­ stitutions; they aroused an interest in things secret and incommunicable, as opposed to the familiar and calculable; and most important, they juxta­ posed an idealized image of the past and its surviving remainders with the present pictured as a state of decay. The success of the literary appeal to heterogeneous audiences taught the traditionalists not only to speak a new language and to communicate new ideas, but also to accept those new ideas and to broaden their social base to include elements of the newly founded audiences. It was this widened social horizon from which the later conser­ vative rally derived is ideological equipment and its corps of protagonists. The transformation of the traditionalist point of view could not have been deduced from the background of those who brought it about or of those who benefited from it. There seems to be no alternative to the conclusion that the new message was the function of an encounter with new audiences and of a consequently widened social base. Although the illustrative case sketched in a nutshell derives from an h i ­ storical episode, it is not a unique instance in which the opening of new channels to new audiences changes the message and self conceptions of the communicator. The phenomenon occurs on the contemporary scene and it is ac­ cessible to the sociologist. Observations concerning the audience and the pathways through which it is approached, in addition to the communicator and his message, appear to be the necessary ingredients of the sociologi­ cal diagnosis of ideas.

Footnotes The occasional flareup of the controversy over the issue of sociological relativism versus the autonomy of ideas is peripheral to the focus of this essay. 2 The term speaker is used here to denote any agent who addresses a written or verbal message to an audience. The term „audience" is applied to individuals or multitudes to whom messages are channelled through any of the available media - the press, radio, the loudspeaker of the meeting hall, or the conference room. 2 The public is here defined as an unrestricted audience which is divided on a given issue to which a thought complex under study relates. ^ The documentation of the following case study is contained in Mannheim, 1964:503-515, and 1933:73-145.

17 References Manhe im , Erns t : 1933

Die Traeger der oeffentliehen Meinung, Verlag Rudolf M. Rohrer.

Leipzig and Prague:

1964 „The communicator and his audience." In Werner J. Cahnman and Alvin Boskoff (eds.), Sociology and History. London: The Free Press. Mannheim, Karl 1971

„The problem of a sociology of knowledge." In Kurt M. Wolff, From Karl Mannheim. New York: Oxford University Press

Marx, Karl 1941

„Thesis on Feuerbach." In Friedrich Engels, Ludwig Feuerbach an the Outcome of Classical German Philosophy. New York: Interna-

Was ist und zu weichem Ende betreibt man ein AV-Archiv? Die Österreichische Phonothek als Nationalarchiv für audiovisuelle Medien R ainer H ubert Einleitung udiovisuelle Medien - ein wenig klarer und auch gar nicht sehr gebräuchlicher Begriff für Dinge, mit denen unsere Gesellschaft im breiten Umfang - vielleicht sogar exzessiv - um­ geht. So ist einer breiten Öffentlichkeit klar, wie man Musikkonserven öffnet und konsumiert, wie man sich Filme via Fernsehen oder Video­ recorder „hineinzieht“ , daß diese oder jene Me­ dien diese oder jene gesellschaftlichen Auswir­ kungen mit sich bringen, daß „Bildüberflutung“ gefährlich sein kann und die neuen Medien gut für den Schulunterricht sind. Die einzelnen Me­ dienformen sind wohlbekannt - Photo, Film, Vi­ deo, Fernsehen, CD, Schallplatten, et cetera der Sammelbegriff weniger: Was zählt genau zu den AV-Medien und warum? Was definiert AVMedien, was unterscheidet sie von Schrift- und anderen Medien grundsätzlich und zeichnet sie als Medium besonders aus? Das ist wohl auch ei­ ner informierten Öffentlichkeit ebensowenig be­ wußt, wie man sich den Kopf darüber zerbricht, in welcher Form solche Medien für künftige Zeiten aufgehoben werden können. Daß diese Kon­ servierung ein besonderes Problem ist - extremer als alle Archivierungsprobleme mit konventio­ nellen Informationsträgern - darf keineswegs als bekannt vorausgesetzt werden, genauso­ wenig wie der Umstand, daß AV-Medien von der Gesellschaft noch weniger gesammelt werden als andere Medien. Wenn man da­ her AV-Medien systematisch sammelt und auf­ bewahrt, wie die AV-Archive es tun, so muß man zugleich stets erklären, warum diese Arbeit wich­ tig ist, worin sie besteht, was die Natur ihrer Sammlung ist. Das gilt sicher auch für die Be­ wahrer anderer Informationsmedien, doch viel­ leicht in geringerem Grad, weil sie mit Medien umgehen, die schon länger einen gesellschaftlich­ kulturellen Stellenwert besitzen: Archive, Museen und Bibliotheken haben eine lange Tradition, haben sich in langer mühsamer Aufklärungsar­ beit ihren ohnehin bescheidenen Platz in Kul­ tur und Gesellschaft - und in den Kulturbudgets

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und Rechtsnormen - erstritten - AV-Archive noch nicht. Hundert Jahre nach der Errichtung des ersten AV-Archivs stehen wir diesbezüglich im­ mer noch am Anfang. Dazu ein kleines, aber charakteristisches Detail am Rand: Ein Pflicht­ stückgesetz für Druckwerke gibt es seit langem - in Frankreich seit dem 16. Jahrhundert. Nicht so für audiovisuelle Medien. Bis heute nicht!1 Das ist der Hintergrund, vor dem man die Si­ tuation von AV-Archiven im allgemeinen und die Rolle der Österreichischen Phonothek im besonderen wohl sehen muß.

1. Die Aufgabenstellung der Österreichischen Phonothek Als die Phonothek 1960 vom damaligen Bun­ desministerium für Unterricht sehr bescheiden ins Leben gerufen wurde, erhielt sie einen vagen, zugleich aber ungemein fruchtbaren - und sehr breiten - Auftrag: unsere Zeit akustisch zu do­ kumentieren. Wenn man ergänzt und „akustisch“ durch „audiovisuell“ ersetzt - wie das die Pho1 In anderen Ländern schon, z. B. in Frankreich seit den dreißiger Jahren.

Die Österreichische Phonothek Bund esa nsta lt fü r a u d io visue lle M edien. D ie n stste lle d es Bu n d e sm in iste riu m s fü r Unterricht und kulturelle Angelegenheiten Webgasse 2a, 1060 Wien Tel. (01) 597 3669-0 Fax (01) 597 36 69-40 E-Mail: [email protected] Homepage: http://www.phonothek.ac.at

Ö f f n u n g s z e i t e n (w e r k t a g s ): M ontag b is Fre ita g : 10-16 Uhr

Le it u n g : Dr. Gabriele Zuna-Kratky

nothek in den achtziger Jahren getan hat - so er­ hält man den umfassenden Sammlungs- und Ar­ chivierungsauftrag eines nationalen AV-Archivs: um unsere Zeit in ihren akustischen und visuel­ len Aspekten zu dokumentieren, muß man eine ganze Reihe von Aufgaben übernehmen: • Das Vorhandene sammeln (sei es publiziert und am Markt erhältlich, sei es nicht-publiziert), • besondere Aspekte audiovisuellen Zeitge­ schehens in Radio und Fernsehen mitschneiden • und schließlich verschiedene Arten von kultu­ rellen, politischen und alltäglichen Ereignissen selbst ,Jm Felde“ aufnehmen: Pressekonferenzen, Dich­ terlesungen, Diskussionen, Vorträge, Interviews, Veränderungen im Straßenbild et cetera. Daraus ergibt sich eine Reihe von Fragestel­ lungen, die die Phonothek immer wieder und neu zu lösen hat:

Aufgaben der Österreichischen Phonothek Dokumentation des Zeitgeschehens durch audiovisuelle Medien: • Sammeln des Vorhandenen: - die österreichische Tonträgerproduktion, z. B. Musik, CDs - private Sammlungen von AV-Medien, z. B. Schellacksammlungen - historische Tondokumente, z. B. Töne zur österreichischen Geschichte • Bewahrung des audiovisuellen Kulturerbes Österreichs für Gegenwart und Zukunft - das AV-Archiv der Österreichischen Phonothek: -

Konservierende Bearbeitung der AV-Me dien; Digitalisierung von Analogaufnahmen

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Langzeitarchivierung der Bestände: Schel­ lacks, Schallplatten, Tonbänder, CDs, Videos

• Herstellen audiovisuellen Quellenmaterials durch die Phonothek selbst - Ton- und Videoaufnahmen von Ereignissen aus Politik und Kultur, z.B. Pressekonferenzen, Dichterlesungen, wissenschaftliche Vorträge - V ideodokum entationen der A rbeits- und Lebenswelt, z. B. letzter Fährmann - Mitschnitte der Nationalratssitzungen - Mitschnitte aus Radio und Fernsehen • -

Präsentation der Bestände: Die Mediathek der Österreichischen Phonothek: Benützung aller Sammelstücke in der Mediathek Vorführungen zum Thema AV-Medien für Gruppen Beratung Kataloge

• Nach welchen Auswahlkriterien geht man vor, weil ja die Kapazität, die man hat, immer weit geringer ist als das Mög­ liche und Wünschenswerte? • Wie macht man das gehortete Material un­ serer eigenen Gegenwart zugänglich (Katalog­ wesen, Benützung, Öffentlichkeitsarbeit)? • Und schließlich: Wie bewahrt man das Sam­ melgut, wie garantiert man Langzeitarchivierung?

2.

Sammlungspolitik

2.1

Auswahl und Methodik des Sammelns und Herstellens

as soll gesammelt, was aufgenommen, was endlich auf höchstem Standard ar­ chiviert werden? Das Terrain, auf dem sich die Phonothek dabei bewegt, ist teilweise durchaus vertraut und geläufig, teilweise aber auch Neu­ land: Das Sammeln von AV-Medien, die andere hergestellt haben (Schallplatten, CDs, Ton­ bandmitschnitte verschiedenster Provenienz) entspricht ungefähr der Selektionstätigkeit, die auch Archivare und Bibliothekare ausüben. Man kann die potentiellen Sammlungsobjekte be­ gutachten, sich über sie informieren und sich, entsprechend dem eigenen Sammlungskonzept, für oder gegen ihren Erwerb, für oder gegen ihre dauernde Bewahrung entscheiden. Sicherlich sind dabei medienspezifische Gesichtspunkte zu berücksichtigen, doch im großen gesehen handelt es sich dabei um eine vertraute und längst reflektierte Verfahrensweise. Allerdings ist dar­ auf hinzuweisen, daß die Phonothek - wie auch andere vergleichbare Nationalmedienarchive gleichermaßen publiziertes wie nicht-publiziertes Material sammelt. Das heißt, daß sie in ihrer Tätigkeit bibliothekarische wie ar­ chivarische Methoden anwendet - und diese auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen, ist oft nicht leicht (zumal bei der Erfassung der Be­ stände).

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In einem ganz anderen Bereich bewegt man sich hingegen, wenn man, wie die Phonothek, selbst aktiv Quellen herstellt, also Ton- und Video­ aufnahmen produziert. Die erste Frage, die sich hier stellt, lautet wohl: Warum eigentlich kann sich eine Stelle wie die Phonothek nicht auf Sam­ meln im engeren Sinn, auf „passive“ D oku­ m entation, Sammeln im Vorhandenen, be­ schränken, wie es auch Bibliotheken und Ar-

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chive tun? Meiner Überzeugung nach hängt dies mit der Natur des Mediums zusammen, auf das AV-Archive aus­ gerichtet sind: Das Spezifische des Audiovisuellen ist die apparative Abbildung, die Abspiegelung

ternational eine Reihe von Institutionen, die als reine Sammelstellen begonnen haben, um schritt­ weise immer weiter in die Tätigkeit des Auf­ nehmens vorzudringen.3Daß das Medium selbst das Aufnehmen nahelegt, beantwortet freilich

noch nicht die Frage, nach welchen Kriterien, von optischen und akustischen Gegebenheiten. auf Grund welcher Methodik, solch bewußtes Audiovisuelle Medien vermögen, unsere opti­ aktives Herstellen audiovisueller Quellen zu ge­ sche und/oder akustische Umwelt als Abbild schehen hat. Tatsächlich ist das eine sehr kom­ weiterzugeben und aufzubewahren. Es ist die plexe, bei weitem noch nicht ausdiskutierte Pro­ Aufnahme, die das audiovisuelle Medium kon­ blematik, die weiter unten noch kurz gestreift stituiert.2 Technisch und organisatorisch gese­ wird. - Soweit also zur Erweiterung hen sind aber A uf­ nahme und Wieder­ Der Schritt vom Wiedergeben zum des Sammlungsbegriffes bei AV-Archiven, zur Ergänzung einer „passi­ gabe weitgehend Selber-Aufnehmen liegt zu nahe ven“ durch eine „aktive“ Dokumen­ spiegelbildliche Pro­ und wird zu sehr von der Technik tation, die m. E. das AV-Archiv als In­ zesse, woraus folgt, suggeriert, als daß man ihn stitutionstypus sui generis neben Bi­ daß ihre völlige Tren­ unterlassen könnte bliotheken, Archiven, Museen und Do­ nung wenig sinnvoll kumentationsstellen konstituiert.4 ist. Anders ausgedrückt: Wer wiedergeben kann, wer AV-Medien abspielen kann, der vermag un aber nochmals zurück zur Aufgaben­ meist auch aufzunehmen und ohne großen Mehr­ stellung der Österreichischen Phonothek. aufwand M itschnitte und Aufnahmen herzu­ Diese bedarf noch einiger Präzisierungen - me­ stellen, womit wir beim Kern der Sache sind: dial, thematisch, räumlich, methodisch und in Die Sammlung und Benützung von Büchern bezug auf die Zielgruppen. und Archivalien einerseits, und das Schreiben Die Verantwortung der Phonothek für AV-Medien und Herstellen von Büchern, das Entstehen von erstreckt sich nicht auf Photographie und Film. Akten andererseits sind sehr unterschiedlich Dafür gibt es eigene bundesweit orientierte Stel­ strukturierte Prozesse - das Wiedergeben z. B. ei­ len in Österreich (Bildarchiv der ÖNB, Filmar­ ner Tonbandaufnahme und das Herstellen einer chiv Austria, Filmmuseum). Hier also verzerrt die solchen hingegen nicht unbedingt. Überspitzt historische Gewachsenheit der Institutionen­ gesagt sind sie nur durch einen Tastendruck von­ struktur die prinzipiell wünschenswerte Ein­ einander entfernt. In concreto heißt das, daß eine Stelle, die über eine beträchtliche Ausstattung heitlichkeit.5 Immerhin ergibt sich eine klare, vertretbare Grenzlinie: Die Sammlung aller AVan AV-Technik verfügt und die gediegene ein­ Medien auf nicht-photographischen Trägem ist schlägige Expertise besitzt, sich geradezu künst­ Aufgabe der Phonothek. Die Österreichische licher Naivität schuldig machte, wollte sie sich ausschließlich auf das Sammeln und Abspielen Phonothek sieht ihren Auftrag so, daß er im von AV-Medien konzentrieren. Es ist also umgekehrt: Wenn man keine Aufnahmen 3 Sehr oft muß dabei eine Zwischenphase des ambi­ tionierten Dilettantismus überwunden werden, bis die selbst herstellt, ist dies erklärungsbedürftig, Aufnahmetechnik entsprechend optimiert ist. nicht, wenn man dies tut. Der Schritt vom 4 Rainer Hubert: Kategorisierung von Dokumentations­ Wiedergeben zum Selber-Aufnehmen liegt zu gut. Eine Stellungnahme. In: Der Archivar. Mitteilungs­ nahe und wird zu sehr von der Technik suggeriert, blatt fiir deutsches Archivwesen, 42. Jg., Heft 4, November 1989, 661-667; Ders.: Wohin gehören AV-Medien? Das als daß man ihn unterlassen könnte, außer man audiovisuelle Archiv als eigenständige Institution neben hat sehr gute Gründe dafür. Warum sollte etwa Archiven, Bibliotheken und Museen. In: Das Schallarchiv. eine entsprechend ausgestattete Stelle, die z.B. Informationsblatt der Arbeitsgemeinschaft österreichischer Schallarchive, Nr. 31/32, Jg. 1992, September 1993, 63-72; literarische Dokumentation betreibt, nur Schall­ Ders.: Über die Eigenständigkeit von AV-Archiven und platten und CDs literarischen Inhalts sammeln, warum sie (nicht) notwendig ist. In: Das Audiovisuelle ohne die vielleicht vor Ort stattfindenden Dich­ Archiv. Informationsblatt der Arbeitsgemeinschaft audiovisueller Medien Österreichs, Heft 41/42, Dezember terlesungen aufzunehmen oder eine entspre­ 1997, 25-30. chende Lesung im Radio mitzuschneiden? Das 3 Rainer Hubert: Das australische „National Film and geht nicht wirklich, und tatsächlich gibt es in­

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Mehr dazu in Abschnitt 6. „AV-Medien als Quellen ”.

Sound Archive“ als Vorbildfür National-Mediatheken. Expertengutachten fiir das Bundesministerium für Wissen­ schaft und Forschung. Wien 1992, 86 Seiten.

Grunde alle Lebensbereiche und Themengebiete umfaßt, eine gesamtösterreichische Verpflich­ tung ähnlich jener, die Österreichische Natio­ nalbibliothek und Österreichisches Staatsarchiv besitzen. Es liegt auf der Hand, daß die geringen personellen und organisatorischen Ressourcen derzeit knapp zwanzig Mitarbeiter - zu Abstri­ chen und rigoroser Selektion nötigen. Beson­ ders bitter ist dies in bezug auf die räumliche Erstreckung unserer Arbeit: Tatsächlich kon­ zentriert sich die aktive Dokumentation nahezu ausschließlich auf den Wiener Raum. Hier sind neue Strategien gefragt.

zuruckgenommen werden. Um künftige Quellenkritik zu erleichtern, ist es auch notwendig, die Über­ legungen, die zur Auswahl des Dokum enta­ tionsprojektes geführt haben, schriftlich nie­ derzulegen. Dieses Quellenmaterial soll heute und vor allem in Zukunft für verschiedenste Zwecke verwendbar sein: Für Journalisten, die Dokumentationen zur Zeit, zu bestimmten The­ men herstellen, für Historiker, zur Erforschung der materiellen Kultur unserer Zeit et cetera.

nsere Zeit audiovisuell dokumentieren Die Abstriche sind weit weniger kritisch, wenn das heißt, wie gesagt, Sammlung der öster­ es darum geht, manche Themen, manche Ge­ reichischen Produktion, Mitschnitte aus Radio biete auf der prinzipiell auf 360 Grad gefächer­ und Fernsehen und eigene Quellenherstellung. ten Aufgabenpalette auszusparen. Dies ist mög­ Die Phonothek hat bei dieser Tätigkeit, vor al­ lich, weil es eben Spezial-AV-Archive gibt, die lem beim Sammeln von CDs, Videos und anderen sich dieser annehmen. Die Gesamtaufgabe ist publizierten AV-Medien die Interessen von zwei die Sicherung des nationalen Erbes an AV-Merecht unterschiedlichen Zielgruppen zu berück­ dien - und diese ist so gewaltig, daß jeder se­ sichtigen: Künftige Generationen von Benützem riöse Beitrag dazu willkommen sein muß: Die und die eigenen Zeitgenossen. Vor allem um Österreichische Phonothek hat sicher nicht die die Bedürfnisse der Gegenwart erfüllen zu kön­ Aufgabe, um jeden Preis alles selbst zu machen nen ist es erforderlich, in die Sammlung auch und damit womöglich etwas nochmals AV-Medien nicht­ zu tun, was andere schon leisten. Daher österreichischen ist die Phonothek seit Jahrzehnten aktives Die Österreichische Phonothek hat Bezuges aufzu­ Mitglied im Verein Arbeitsgemeinschaft sicher nicht die Aufgabe, um jeden nehmen: Die Preis alles selbst zu machen und audiovisueller Archive Österreichs B enützer erw ar­ damit womöglich etwas nochmals (AGAVA), in dem es unter anderem ten mit Recht, in zu tun, was andere schon leisten darum geht, unnötige Zweigleisigkeiten der Ö sterreichi­ zu vermeiden, die Aufgaben rational zu ver­ schen Phonothek, in der Bundesanstalt für au­ teilen und gemeinsam zu verhindern, daß die diovisuelle Medien, auch die wesentlichsten Lücken in der Überlieferung allzu groß werden. Werke z. B. der musikalischen Weltliteratur in Über das Thema der aktiven Dokumentation, repräsentativen Einspielungen vorzufinden, der Selbstherstellung von Sammlungsstücken, auch wenn es sich dabei um Werke ohne Öster­ wurde schon kurz gesprochen. Diese ist eine reichbezug handelt; die Stimmen der wich­ Besonderheit der Phonothek in dem Sinne, daß tigsten Persönlichkeiten unseres Jahrhun­ eine derartige Aktivität sonst in der Regel nur derts sollten vorhanden sein und so weiter. von Spezialstellen, z. B. ethnologischen Insti­ Solches zusätzliche Material - so wichtig tutionen, ausgeübt wird. Die Phonothek tut dies es auch derzeit ist - gehört nicht zu jenen Be­ von dem allgemeineren Ansatz her, Quellen zur reichen der Sammlung, die jedenfalls ad infinitum Geschichte unserer Zeit anzulegen. Es ist also nicht zu bewahren sind. Dies ist deswegen nicht nötig, Aufga-be, Material zur Herstellung eines ganz weil sich eine lockere internationale Zusam­ bestimm-ten Filmes zu sammeln; es geht nicht menarbeit herausgebildet hat, nach der jedes darum, daß am Ende eines bestimmten Doku­ Land primär für die eigenen Quellen verant­ mentationsprojektes ein vorführbarer Film vor­ wortlich ist. Eine Stelle wie die Phonothek liegt, sondern um die Herstellung ungeschnit­ würde sich einerseits lächerlich machen, wenn tenen Materials.6 Die Gestaltung soll deutlich sie einem Benützer sagen müßte, keinen Ori­ ginalton der Stimme von de Gaulle zu besit­ zen. Derartiges Material für die Ewigkeit auf­ 6 Rainer Hubert: Kulturfilm versus Quellenherstellung. zubewahren, ist hingegen andererseits nicht In: Das Audiovisuelle Archiv, Heft 23/24, Oktober 1988, 46-49. ihre Aufgabe, sondern jene der französischen Kol-

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- R e p e r t o ir e p r in z ip : Für

legen.

2.2

Kriterien der Auswahl7 elche Überlegungen werden nun ange­

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stellt, bevor bestimmte Medien erwor­ ben, übernommen, bestimmte Aufnahmen durch­ geführt werden? Dieses komplexe Thema, das die Arbeit der Phonothek seit Jahrzehnten beglei­ tet, kann hier nur gestreift werden:

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manche Arbeitsfelder - wie etwa Ernste Musik, Schauspiel - ist die na­ hehegende Erwägung anzustellen, ob eben z.B. ein ausreichendes Repertoire der musikalischen Weltliteratur in guten Einspielungen vorhanden ist, ob der Österreichbezug entsprechend gewahrt ist et cetera - darüber wurde weiter oben (Einteilung des Arbeitsfeldes) schon gesprochen. Insbesondere bei der aktiven Dokumentation, bei den Eigenaufhahmen, ist darauf zu achten, daß nur in jenen Bereichen Quellen gesammelt werden, in denen das audio­ visuelle Medium zum Informationstransport be­ sonders geeignet ist (der Mitschnitt eines von einem Blatt heruntergelesenen, kurz danach in einer Zeitschrift veröffentlichten Vortrages wird in der Regel wenig sinnvoll sein, weü hier die non­ verbale Seite keinen wesentlichen Informati­ onszuwachs mit sich bringt. - M e d ie n g e r e c h t ig k e it :

- E in t e il u n g d es A r b e it s f e l d e s : Die Phono­ thek wurde, wie gesagt, mit einem universellen Ansatz ins Leben gerufen. Dieses Gesamtspek­ trum muß entsprechend eingeteilt und jedem Dokumentationsbereich die notwendige und mögliche Aufmerksamkeit zugemessen werden. Bei den doch relativ bescheidenen personell-or­ ganisatorischen Ressourcen, die zur Verfügung stehen, bleibt für den einzelnen Dokumentati­ onsbereich nicht viel an Aufnahmekapazität - Z e it t y p ik : Dieses Kriterium ist besonders bei übrig - das ist schon eine Orientierungshilfe. So der aktiven Dokumentation wichtig und doch wird man sich etwa im Bereich Literaturdoku­ zugleich besonders schwierig, weil die Ein­ mentation bemühen, die wichtigsten öster­ schätzung dessen, was „zeittypisch“ ist, sehr reichischen Schriftsteller im Lauf der Zeit mit re­ subjektiv und wiederum auf einer Metaebene präsentativen Lesungen aufzunehmen; eine dich­ zeittypisch ist. Die Mitüberlieferung von Se­ tere Dokumentation - jede Lesung, jede Prä­ lektionsmotiven ist hier ein vorsich­ sentation eines neuen Buches usw. - ist Insbesondere bei der aktiven Doku­ tig begonnener Ausweg, weil er künf­ nicht möglich und er­ mentation ist daraufzu achten, daß tige Quellenkritik wesentlich erleich­ spart so die Frage, ob nur in Bereichen Quellen gesammelt tert. diese inhaltlich sinn­ werden, in denen das audio-visuelle voll wäre (Vergleiche Medium zum Informationstransport 2.3 Sammlung des Vorhandenen auch: Repertoire­ besonders geeignet ist prinzip). Die Österreichische Phonothek besitzt derzeit eine Sammlung von über 120.000 Video- und - S u b s id ia r it ä t : Wenn eine andere Stelle einen vor allem Tonaufzeichnungen, die verschieden­ Teilbereich der audiovisuellen Quellen­ ste Themenbereiche umschließen: Ernste Mu­ sammlung und -herstellung verantwor­ sik und verschiedene Arten von Unterhaltungs­ tungsvoll betreut und insbesondere eine ver­ musik, Aufnahmen von Dichterlesungen, von läßliche Langzeitarchivierung garantiert, Symposien, Mitschnitte aus Radio und Fernse­ kann die Phonothek diesen Bereich selbst gleich­ hen, Geräusche, politische Reden aus der ersten sam ausklammern und die eingesparten Res­ Jahrhunderthälfte usw. Ein besonders häufig sourcen anderswo einsetzen. Der Sinn des er­ verwendeter Bestand sind die Musikaufnahmen wähnten Netzwerkes liegt vor allem hierin. und hier vor allem die Ernste Musik: Musik­ produktionen der zwanziger bis vierziger Jahre werden durch eine geschlossene Sammlung von 7 Vgl. Gerhard Jagschitz/ Rainer Hubert: Zur Methodik Schellack-Platten abgedeckt, die vor einigen historischer Tondokumentation. 1. und 2. Teil In: Das Jahren erworben werden konnte. Seit den sech­ Schallarchiv, Nr. 1, April 1977, 15-46 und Nr. 2, Oktober 1977, 23-67; Rainer Hubert: Historische Tondokumenta­ ziger Jahren wurden - mit Unterbrechungen tion. Ihr Aufgabenbereich und ihre Realisierung. In: Das die jeweils am Markt erhältlichen Langspiel­ Schallarchiv, Nr. 12, Dezember 1982, 26-38; Ders.: platten, in jüngerer Vergangenheit vor allem Audiovisuelle Quellen. Kriterien ihrer Auswahl. In: Das Schallarchiv, Nr. 19, Juni 1986, 25-36. Compact Discs (derzeit besitzt die Phonothek

rund 20.000 CDs) in Auswahl gesammelt. Die lau­ fende Erwerbung von Musik- und anderen AVProduktionen ist freilich dadurch behindert, daß ein Gesetz fehlt, das die Abgabe von in Österreich produzierten Ton- und Videoträgem an die Pho­ nothek vorschreiben würde. Durch Absprachen mit Firmen und Leistungsschutzgesellschaften versucht die Phonothek derzeit, hier neue Wege zu beschreiten.

gen. Den höchsten technisch-administrativen und personellen, aber auch methodischen Aufwand erfordern die Eigenaufnahmen im engeren Sinn, also die dokumentarischen Aufnahmen von ver­ schiedenartigen Veranstaltungen - von der Pres­ sekonferenz über politische Diskussionen und Dichterlesungen zu wissenschaftlichen Vorträgen und Symposien - und von Alltagsabläufen (z. B. typisches Straßengeschehen, aussterbende Berufe wie die Greißlerei etc.).

Beim Aufbau dieser Sammlung wird darauf ge­ achtet, die gesamte musikalische Weltliteratur in repräsentativen Einspielungen präsent zu ha­ ben. Dies ist notwendig, um die komplexen Was die Dokumentationen zur Alltagsgeschichte Benützerbedürfnisse befriedigen zu können (man betrifft, so ist hier die Planung besonders schwie­ benötigt eine Stelle wie die Phonothek vor al­ rig: Aus der Fülle angebotener politischer und kul­ lem, um das zu bekommen, was eben tureller Veranstal­ nicht leicht erhältlich ist). Freilich wurde tungen eine ver­ Dennoch entfaltet sich die eigent­ und wird besonderer Nachdruck auf Werke liche Bedeutung des Audiovisuellen nünftige Auswahl österreichischer Komponisten, auf Ein­ gerade hier: Abspiegelung dessen, zu treffen, ist ge­ spielungen mit österreichischen Interpre­ wiß nicht leicht; was vor sich geht und sich nicht ten und auf Erzeugnisse österreichischer oder nur unzureichend andersartig aus dem Gesamt­ Produzenten gelegt. bereich alltägli­ dokumentieren läßt cher Abläufe des Eine immer wichtigere Rolle spielt die Lebens typische und repräsentative Beispiele Übernahme von vielerlei privaten Sammlungen herauszuholen, ist hingegen noch um einiges und Vor- sowie Nachlässen. Im Jahr 1998 konn­ komplizierter. Dennoch bin ich der Überzeu­ ten bereits drei solcher Bestände in das Archiv gung, daß die eigentliche Bedeutung des Au­ aufgenommen werden - rund 7.000 Tonbänder diovisuellen sich gerade hier entfaltet: Abspie­ mit Schulfunksendungen vom Medienservice, gelung dessen, was vor sich geht und sich nicht Tonaufnahmen des Ethnologen Prof. Starmühloder nur unzureichend andersartig dokumen­ ner und eine von Herrn Gerhard Habarta herge­ tieren läßt. Auf diesem Gebiet steht die Phono­ stellte Serie von in den siebziger Jahren ent­ thek freilich erst am Anfang - und wir stehen standenen Gesprächen mit Künstlern und Kriti­ ziemlich allein, weil wir uns kaum auf Vorar­ kern über die Zeit nach 1945. beiten und methodische Überlegungen dazu stüt­ zen können. 2.4 Aktive Dokumentation -

Quellenherstellung ie von der Phonothek selbst aufgenommenen Ton- und Videodokumente lassen sich in zwei große Gruppen teilen: Die Mitschnitte von Nationalratssitzungen und Radio- und Fernseh­ sendungen einerseits, die dokumentarischen (Feld-)Aufnahmen andererseits. Die Mitschnitte aus Radio und Fernsehen haben den Sinn, ei­ nen integralen Teil des audiovisuellen Zeitge­ schehens in Auswahl abzuspiegeln - und außer­ dem der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Als besonders wichtig in diesem Zusammenhang sei auf die M itschnitte der Journalsendungen des Radios und der „Zeit im Bild“ hingewiesen. Die Erweiterung des Programmangebotes durch

D

n eu e ö sterreich isch e S end er w ird hier n o ch z u ­

sätzliche Aufgaben für die Phonothek mit sich brin­

Die künftige Dokumentationstätigkeit könnte sich dabei auf vier Schienen bewegen, die kurz skizziert seien8:

a) Gefährdete Lebens- und Arbeits-Stät­ ten, Lebens- und Arbeitsabläufe •

Einzelaufnahmen, je nach Dringlichkeit

• kein notwendiger innerer Zusammenhang zwischen den einzelnen Aufnahmen dieses Be­ reiches; wenn sinnvoll, Integrierung von Inter­ views • Länge der einzelnen Aufnahmen wohl sehr unterschiedlich.

8 Jagschitz/Hubert, Zur Methodik historischer Tondokumentation.

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Die Blickrichtung ist hier quasi mikroskopisch: Ein befürchteter Entwicklungsbruch (z. B. Auflassen einer alten Bäckerei) soll dokumentiert werden, indem der



Ausführliche Interviews mit Protagonisten und

dem „Mann von der Straße“ . Besonders beim zweiten Ansatz: Serien mit klaren inhaltlichen und formalen Vorgaben

noch bestehende Zustand aufgenommen wird (eine Dokumentierung des „Nachher“ wäre aber wohl gelegentlich auch sehr interessant) Beispiele: gefährdete Lokalitäten - typische alte Gasthäuser, Geschäfte, Durchgänge, Wohnungen etc.

angspielplatten und besonders Schellack­ platten sind recht stabile Träger, - zumindest solange sie nicht direkt benützt werden (dies soll über Arbeitskopien auf Band oder Cassette • Aufnahmeserien: durch die Wiederholung erfolgen). Magnetbänder und die optischen Trä­ bestimmter Aufnahmen in regelmäßigen Ab­ ger (z. B. Compact Disc) hingegen haben nur ständen sollen Veränderungen festgehalten wer­ eine begrenzte Lebensdauer, die sehr von den den. Dabei sind unterschiedliche Zeitraten und eine Bedingungen abhängt, unter denen sie größere Zahl von aufbewahrt werden. Aus diesem Grund Es geht um eine Art Querschnitt Aufnahmen notwen­ besitzt die Österreichische Phonothek dig: Um etwa einen des Zeitlaufes, der von Zeit zu Zeit speziell ausgestattete, klimatisierte Arhergestellt wird; die Information U-Bahn-Abgang zu chivräume. Da aber selbst unter sol­ über Veränderung liegt vor allem dokumentieren sind chen optimalen Bedingungen die Trä­ die Veränderungen im Vergleich zweier oder mehrerer ger nicht „ewig“ halten und insbeson­ solcher Querschnitte innerhalb eines Ta­ dere gerade neue Formate von AV-Meges, innerhalb einer dien (Dateien auf Disketten, Festplatten usw.) Woche (werktags, samstags, sonntags), jahreskurzlebig und gefährdet sind, muß ä la longue eine zeit-liche Veränderungen zu be-rücksichtigen neue Form der Archivierung entwickelt werden: und schließlich diese komplexe Aufnahmeprozedur Die „Mitnahme“ der audiovisuellen Informa­ alle paar Jahre zu wiederholen. tion durch digitales (= verlustfreies) Kopieren Die Blickrichtung ist makroskopischer: Die Ver­ auf neue Träger und Formate unter Zurücklassung änderung wird aus etwas größerer Distanz be­ des Originalträgers (das sogenannte „ewige Ar­ trachtet und zeigt sich daher in einer Vielzahl chiv“, also ein sich selbst automatisch erneu­ von kleinen und kleinsten Brüchen: z. B. Vergleich erndes System).9Vor einer solchen Umstellung einer Geschäftsstraße im Jahre 1997 und im steht die Österreichische Phonothek gemeinsam Jahre 2000; nicht die einzelne Veränderung ist das mit allen anderen AV-Archiven, die Langzeitar­ Dokumentationsziel, sondern es geht um eine chivierungsaufgaben haben. Der derzeit recht Art Querschnitt des Zeitlaufes, der von Zeit gute Erhaltungszustand der Trägermedien, ins­ zu Zeit hergestellt wird; die Information über besondere der Magnetbänder, erlaubt es der Pho­ Veränderung liegt vor allem im Vergleich nothek allerdings, dieser Problematik digitaler Mi­ zweier oder mehrerer solcher Querschnitte (wo­ gration von AV-Aufnahmen ohne besonderen bei natürlich der Wert solcher Aufnahmen nicht Zeitdruck gegen-überzutreten. Eine der großen nur darin liegt, Veränderung aufzuzeigen) Aufgaben der näheren Zukunft wird dies aber Beispiele: Straßen, Plätze, Märkte, Parks in ver­ jedenfalls sein. schiedenen Lagen; Häuser mit ihren Wohnungen und Bewohnern 4. Die Mediathek -

b) Veränderungen in Alltag, öffentlichem und privatem Raum

24

3. Das Archiv Langzeitarchivierung im digitalen Zeitalter

c) Arbeitswelten, Lebenswelten • Einzelprojekte etwas größeren Umfanges und Schwierigkeitsgrades * Beispiele: Schulstunden und -pausen, Spital, Büro, Altersheim, Kindergarten

d) Lebensgeschichten

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Benützung und Kataloge Wie die wissenschaftlichen Bibliotheken ist auch' die Phonothek der Öffentlichkeit frei zugäng-

9 Dietrich Schüller: Towards the Eternal Sound Archive. In: Proceedings o f the Joint Technical Symposium, Ottawa, May 1990, Milton Keynes, 1991.

lieh. Ihre Sammlungen können an Ort und Stelle - in der Mediathek - angehört bzw. angesehen, nicht aber entlehnt werden. Kopien können - ge­ gen Kostenersatz - angefertigt werden, wenn dies rechtlich zulässig ist (die urheberrechtliche Situation ist komplex und harrt überdies noch genauerer Klärung, z. B. in bezug auf die Benüt­ zung über das Internet). Die Mediathek der Pho­ nothek befand sich achtzehn Jahre lang in der An­ nagasse im ersten Wiener Gemeindebezirk, wird aber in den nächsten Monaten in das „Marchettischlössel“ , Gumpendorferstraße 95,1060 Wien übersiedeln, wo wesentlich mehr Platz und eine bessere Infrastruktur es ermöglichen werden, den Publikumsbetrieb auf eine neue Basis zu stellen.

Die Österreichische Phonothek ver­ fügt seit kurzem über eine Web­ site im Internet (URL: http://www.phonothek.ac.at), auf der in einem ersten Schritt In­ formationen über die Phonothek und ihre Samm­ lungen enthalten sein werden, in einem zwei­ ten auch ihre Kataloge samt Proben von ausge­ wählten Tonaufnahmen. In etwas weiterer Zukunft wird wahrscheinlich die Trennung zwischen Katalog-eintragung und dem eigentlichen Doku­ ment wegfallen, doch sind dazu noch techni­ sche und besonders auch rechtliche Fragen zu klären.

5. Die österreichische Medienarchivsszene und die Phonothek

Große Teile der Bestände der Österreichischen ie schon erwähnt, läßt sich die Aufgabe der Phonothek sind in einer Datenbank erfaßt. Ein Phonothek nicht isoliert ausführen. Es Teil dieser Daten befindet sich auch im Kata­ gibt eine Vielzahl von AV-Archiven in Öster­ logverbund der Österreichischen Universitäts­ reich, und es wäre Torheit, wenn diese bei ih­ bibliotheken (BIBOS), und kann hier und auch via Internet abgefragt werden. Einzelne Bestände rer jeweiligen Arbeit die Tätigkeit der anderen In­ stitutionen nicht berücksichtigten. Gerade weil sind nicht detailliert katalogisiert, weil dies ei­ auf diesem Gebiet die Aufgaben weit umfas­ nerseits vom Aufwand her nicht möglich, ande­ sender sind als die Möglichkeiten, ihnen gerecht rerseits insofern gar nicht notwendig ist, als an­ zu werden, ist Zu­ dersartige Findhilfen es gestatten, das Material zu überschauen und zu benützen. Konkret gesprochen sollen Stellen, sammenarbeit, Ko­ Dies gilt z. B. für die Parlam entsm it­ die keine Archivierungskompetenz ordination und Kooperation drin­ besitzen, ihre gefährdeten Origi­ schnitte, die durch einen vom Parlament selbst erstellten „Index zu den stenogra­ nale - unbeschadet der Besitzrechte gend geboten weit mehr als - in Spezialarchive auslagem phischen Protokollen“ erschlossen sind, etwa im Bibliooder von den Joumalsendungen des ORF, theks- und Archivwesen. Tatsächlich funktio­ zu denen ein ,Joumalbuch“ vorhanden ist. Hierin niert die Zusammenarbeit seit vielen Jahren sehr zeigt sich übrigens wiederum, daß AV-Archive gut, und die Prinzipien, die die AGAVA erar­ methodisch zwischen Bibliotheken und Archi­ beitet hat, gelten auch für die Österreichische ven anzusiedeln sind: (Papier-)Archive arbeiten Phonothek: vorwiegend mit Findhilfen und Bestandsver­ zeichnissen, nicht mit Katalogen. Für einen Teil Die Fangzeitarchivierung von AV-Medien ihrer Sammlungen folgt die Phonothek diesem ist kostspielig. Es ist zu teuer, jede AV-SamBeispiel.10*1Über die Kataloge und Findhilfen melstelle mit entsprechend ausgestatteten Ar­ hinaus versucht die Phonothek die Benützer bei chivräumen zu versehen und ihre A rchivie­ schwierigen Suchaufgaben zu beraten und Re­ rungskompetenz auf höchsten Stand zu bringen. cherchehilfe zu leisten. Insbesondere ist es ein An­ Eine Spezialisierung ist vorzuziehen: einige we­ liegen, auch über die Sammlungen anderer in- und nige Stellen konzentrieren sich auf die Aufgabe ausländischer AV-Archive informiert zu sein: der Langzeitarchivierung und entlasten dadurch Wenn eine gesuchte Aufnahme nicht im eige­ andere Stellen. Konkret gesprochen sollen jene nen Archiv vorhanden ist, soll wenigstens ein Stellen, die keine Archivierungskompetenz be­ fundierter Rat gegeben werden, wo weiterge­ sitzen, ihre gefährdeten Originale - unbescha­ sucht werden kann. det der Besitzrechte - in Spezialarchive ausla-

W

10 Rainer Hubert: Die Katalogisierung audiovisueller Medien. In: Das Audiovisuelle Archiv, Heft 27/28, Dezember 1990, 38-62.

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Geflügeltes Wort von Dietrich Schüller, Leiter des

Phonogrammarchivs und Exponent der AGAVA.

25

gem und statt dessen Kopien für die tägliche Benutzung erhalten. Solche Auslagerung ist kein wirklicher Verlust, sondern im Gegenteil eine Erleichterung, denn: „Besitz macht arm“ .n Es ist klar, daß in diesem Rähmen die Österreichische Phonothek, als größte einschlägige Bundesstelle eine beson­ dere Aufgabe zu erfüllen hat. Um ein einigermaßen befriedigendes Netz für die Sammlung des nationalen Erbes an AV-Medien zu knüpfen, ist es notwendig, daß alle Beteilig­ ten am selben Strang ziehen und unnötige Zweig­ leisigkeiten vermeiden. Absprachen über die je­ weiligen Dokumentationsgebiete kommen al­ len zugute. Kontakte untereinander sind unab­ dingbar; jede Stelle muß wissen, was die ande­ ren tun. In vielen Punkten ist ein gemeinsames Auftreten wichtig, z. B. in Rechtsfragen oder bei verschiedenen Aspekten des Publikumsbe­ triebes (Kopiergebühren, Archivordnung). ie theoretische Fundierung der Arbeit ist noch unzureichend. Zwar nimmt die AGAVA in vieler Hinsicht gerade auf diesem Gebiet international eine führende Rolle ein, aber es immer noch viel zuwenig geschehen. Die Zeitschrift Das AV-Archiv hat nicht zuletzt auch die Aufgabe, ein Diskussionsforum zu den grundsätzlichen Fragen des AV-Archivwesens zu bieten. Aus diesen Gründen - und auch in Reaktion auf die neuen technischen Möglich­ keiten der Telekommunikation - sieht sich die AGAVA als eine Art Netzwerk der AV-Archive, das so harmonisch zusammenspielt und spielen soll, daß für die Benützer im Grunde der Eindruck entsteht, ein großes umfassendes AV-Archiv zu benützen. In diesem Netzwerk hat die Pho­ nothek eine besondere Rolle als Koordinie­ rungsstelle und Focus der nationalen Ver­ antwortung für das Medienerbe zu spielen.

D

26

Letzteres leitet über zu der Frage, was denn in Österreich - internationalen Beispielen folgend - das AV-Nationalarchiv sein soll. Aus der oben angeführten Vielzahl von Aufgaben und der Breitflächigkeit ihres Vorgehens ergibt sich m. E., daß die Österreichische Phonothek als das AV-Nationalarchiv Österreichs anzusprechen ist (wie dies ja auch das Forschungsorganisations­ gesetz mit seiner Etikettierung der Phonothek als „Bundesanstalt für audiovisuelle Medien“ tut). Die Phonothek ist mit rund 20 Mitarbei­ tern und rund 150-200.000 AV-Dokumenten in­

ternational als eine mittelgroße Stelle anzu­ sprechen, für österreichische Verhältnisse hingegen ist sie recht groß und wird nur von den Archiven des ORF an Archivbeständen und Anzahl der Mitarbeiter übertroffen. Dies ist die Stelle, kurz auf Peter Duseks in die­ ser Zeitschrift12 vertretene These einzugehen, daß die Archive des Österreichischen Rundfunks (ORF) den Nukleus eines audiovisuellen Nationalarchives abgeben. Ich muß gestehen, daß ich diese Auffassung nicht nachvollziehen kann. Eine staatliche, mit entsprechendem Auftrag versehene Stelle wie die Phonothek scheint mir für eine solche Rolle viel besser zu passen als ein Rundfunkarchiv. Es scheint mir fragwürdig, ob man die Verantwortung über das nationale AVKulturerbe einer Femsehanstalt überlassen sollte - im übrigen: Welcher, jetzt, nach Aufhebung des Monopols? Schließlich hat Österreich auch eine unabhängige Nationalbibliothek und ver­ lagert die Verantwortung nicht auf einen Verlag oder auf die Gemeinschaft der Verlage. Außer­ dem sollte wohl ein AV-Nationalarchiv integral benützbar sein. Es ist sicher anerkennenswert, daß der ORF Versuche unternimmt, Bestände zu­ gänglich zu machen (z. B. der Tonbanddienst), aber es ist nun einmal so - und internationale Erfahrungen bestätigen dies -, daß es nicht zu den primären Aufgaben von Firmenarchiven gehört, der Öffentlichkeit breiten Zutritt zu ge­ währen. Das ist ja der Grund, warum in einer Reihe von Ländern die historischen Archive von Rundfunkanstalten ausgelagert wurden und in eigenen, für die Auswertung der Öffentlichkeit gegenüber geschaffenen Stellen aufbewahrt wer­ den. Davon spricht auch Dusek selbst. Schließ­ lich, was ist mit der systematischen Sammlung der nationalen AV-Trägerproduktion? Kann dies Aufgabe eines Femseharchivs sein? - Damit soll nichts gegen ein möglichst starkes und vor allem sich seiner übergreifenden Verantwortung be­ wußtes ORF-Archiv gesagt sein, im Gegenteil. Die von Dusek in seinem Artikel ausführlich dargestellten Leistungen dieser Stelle sind zu würdigen, aber eben - meiner Meinung nach - als Teil eines Netzwerkes der österreichischen AV-Archive zu verstehen. In diesem Netzwerk hat das ORF-Archiv als größte und potenteste Stelle ihren Platz ebenso wie die Phonothek, die aber eben bestimmte, oben beschriebene allge12 Peter Dusek: Die „Gnade “ der späten Reform oder Das Methodendefizit der Historiker im Medienzeitalter. In: Medien & Zeit, Jg. 12, Heft 1/97, 4-12.

meine und übergreifende Funktionen wahmimmt.

tragung - und über die Zeitachse audiovisuelle Aufzeichnung.13Aus 6. AV-Medien als Quellen der obigen Definition erscheint mir jedenfalls wichtig, daß AV-Medien Träger von Informa­ tion in allgemeinerem Sinn sind als etwa Print­ Eingangs war davon die Rede, daß AV-Medien medien. Sprache, Schrift, Druck sind primär den älteren Medienformen gegenüber immer Aufzeichnungen menschlicher Bewußtseinsin­ noch mangelhaft emanzipiert sind. Dies hat sei­ halte, während AV-Medien, wie gesagt, Analoga nen Grund teilweise in unzureichender Kenntnis optischer und/oder akustischer Vorgänge dar­ bestim m ter Strukturgegebenheiten der AVstellen. Die beiden Medienformen überschneiMedien, teilweise in diesen strukturellen Gege­ den sich insofern, als Sprache und Schrift eben benheiten selbst. Darauf ist ein abschließender auch Teil der optischen und akustischen Um­ Blick notwendig, weil er mit dem Sinn von welt sind und so audiovisuell abgespiegelt wer­ AV-Archiven im allgemeinen und der Rolle ei­ den können. Diese Unterstützung und Ergän­ nes AV-Nationalarchives im besonderen recht zung älterer Medien durch neuere ist schon wich­ eng zusammenhängt. tig genug. Noch wesentlicher aus quellenkundlicher Sicht scheint mir aber die Kapazität der AVWas sind AV-Medien? Die früher oft darauf Medien, das Optische und Akustische auch jen­ gegebene Antwort war extrem pragmatisch und seits des Verbalen zu transportieren. Mit den im Grunde nicht ernsthaft zu vertreten: AVAV-Medien ist ein neuer Bereich der Welt un­ Medien seien eben jene Medien, zu deren Be­ mittelbar dokumentierbar geworden. Darin - in nützung man technische Geräte benötige. In der der Möglichkeit, nonverbale auditive und opti­ Diskussion innerhalb der Arbeitsgemeinschaft sche Information aufzuzeichnen und zu über­ audiovisueller Archive Österreichs wurde hinge­ tragen - liegt die eigentliche Bedeutung der AVgen bereits Ende der siebziger Jahre hervorge­ Medien, insbesondere für die Geschichtswis­ hoben, daß die Entstehung des AV-Mediums der senschaft. Was jenseits des Sprachlichen liegt eigentlich konstitutive Akt sei und nicht die Landschaften, Gesten, Tänze, Geräusche etc. Wiedergabe: AV-Medien als apparative Abspie­ etc. - kann ohne AV-Medien gelungen physikalischer A b­ nur sprachlich beschrieben läufe; diese Analoga können oder mit künstlerischen Mit­ dabei über den Raum verbrei­ teln, etwa Zeichnungen, dar­ tet werden - audiovisuelle Über­ gestellt werden. Dem sind al­ Dr. lein schon quantitative Grenzen 13 Leider muß diese an sich klare Rainer gesetzt; außerdem ist es ein und eindeutige Definition für die grundsätzlich anderes und Hubert Praxis adaptiert, das heißt einerseits erweitert, andererseits eingeschränkt auch anders zu interpretieren­ (1950) werden (etwa dadurch, daß man jene des Verfahren, einen Baum zu Printmedien, die mittels audiovisuel­ Zeithistoriker Seit 1974 an der zeichnen oder zu photo­ ler Techniken erzeugt wurden, exkluÖsterreichischen Phonothek. diert). Zum Thema Definition der AVgraphieren. Medien, AV-Medien als Quelle siehe Zahlreiche Veröffentlichungen Rainer Hubert: Überlegungen zu den zu Audiovisuellen M edien Für die m. E. noch immer strukturellen Unterschieden von (Grundlagen, Praxis, Edition Print- und Audiovisuellen Medien. unzureichende Würdigung von In: Das Schallarchiv, Nr. 7, April historischer Tondokumente). Se­ AV-Medien als Quellen gibt 1980, 32-52; Ders.: An Orange is kretär des National Branches es noch einen weiteren, in der More than Orange Juice. In: Committee der I AS A (Interna­ Phonographic Bulletin. International Natur der Sache liegenden Association o f Sound Archives, No. tionale Vereinigung der Schall­ Grund, - daß europäische Kul­ 57, November 1990, 10 ff; Ders.: The und AV-Archive) tur und W issenschaft späte­ definition o fAV media. In: IASA Journal, No. 5, May 1995, 35-39. stens seit Gutenberg ein weit-

Der Autor

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Bibliographie studentischer Abschlußarbeiten Diplomarbeiten und Dissertationen an österreichischen Universitäten aus dem Bereich der Medien- und Kommunikationsgeschichte. Teil 3: 1992-1996 (III) F ritz R andl Medienmonographien ALTINORDU, Nevnihal: Die Sabah. Gründung, Konzept und Entwicklung einer Massenzeitung in der Türkei. Diplomarbeit, Universität Wien 1996. (100) BÖHMER, Peter: Der „Wiener“ bzw. „Neue Kurier“ von 1951 bis 1967. Der Versuch einer Dokumentation. Diplomarbeit, Universität Wien 1996. (100) FRITZ, Susanne B.: Radio Adria. Monographie der ersten österreichischen Privatradio station fü r deutschsprachige Urlauber in Italien. Di­ plomarbeit, Universität Wien 1996. (100) GÖYMEN, Imran Ebru: Die Tagespresse der Türkei. Entwicklutig und Besonderheiten der türkischen Tagespresse am Beispiel der Tages­ zeitung „M illiyet“. Diplomarbeit, Universität Wien 1996. (100) HOTSCHEK, Christian: 30 Jahre Autorevue. Eine Zeitschriftenmonographie unter besonde­ rer Berücksichtigung der theoretischen Grund­ lagen des Zeitschriftenwesens. Diplomarbeit, Universität Wien 1996. (100) KÖPPL, Petra: Geschichte der Oberösterrei­ chischen Nachrichten und deren Auswirkungen auf die Medienlandschaft in Oberösterreich. Diplomarbeit, Universität Linz 1996. (WIGE)

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Öffentlichkeitsarbeit BACHINGER, Eva.: Die Geschichte des Presse­ büros der Salzburger Festspiele von 1920 bis 1990. Diplomarbeit, Universität Salzburg 1993. (504) FEICHTINGER, Sigrid: „PR begin at home“. Eine inhaltsanalytische Untersuchung zur Ent­ wicklung des Mediums Mitarbeiterzeitschrift am Beispiel des Siemens Journals. Diplomar­ beit, Universität Wien 1994. (100) IRSIGLER, Peter: Die Öffentlichkeitsarbeit des Österreichischen Bundesheeres. Mit dem Bei­ spiel der Einführung der „Draken “-Abfangjäger. Diplomarbeit, Universität Wien 1992. (100) RITTER, Brigitte: Von Anfang an kontaktbereit - Die Öffentlichkeitsarbeit der Universität Salz­ burg in den Jahren 1962 bis 1982. Dissertation, Universität Salzburg 1996. (504) ZIMMERMANN, Karina: Eine Stadt wird zur Hauptstadt. Öffentlichkeitsarbeit - Werbung fü r eine Stadt am Beispiel der neu entstandenen Landeshauptstadt St. Pölten. Diplomarbeit, Uni­ versität Wien 1993. (100)

Österreichischer Rundfunk BALLIK-JAKLITSCH, Gerda: Club 2: Themen und Gäste. Versuch einer neuen Form interper­ sonaler Kommunikation am Bildschirm. Dis­ sertation, Universität Salzburg 1996. (504) BRANDACHER, Stefan: Der österreichische Rundfunk unter besonderer Berücksichtigung des Kabel- und Satellitenfemsehens. Dissertation, Universität Innsbruck 1993. (309) GRAF, Wolf: ... und baut sich ein Haus. Das österreichische Femsehspiel von 1970 bis 1983. Diplomarbeit, Universität Wien 1992. HOLZER, Beatrix: Hörspiele im ORF-Landesstudio Tirol 1980 - 87. Institution und Texte. Di­ plomarbeit, Universität Innsbruck 1994. (608)

HUAINIGG, Franz-Josef: Die Behindertenthe­ matik im österreichischen Fernsehen. Disserta­ tion, Universität Klagenfurt 1993. PRÖLL, Gerfried: Lokalfernsehen als Antwort des ORF a u f gesellschaftliche Strukturände­ rungen. Zwischenbilanz nach drei Jahren „Bun­ desland heute “ am Beispiel „Burgenland heute “. Diplomarbeit, Universität Wien 1992. (100) RAGGER, Carmen: Literaturkritik im Fernsehen dargestellt anhand des Ingeb org-BachmannPreises in Klagenfurt von 1977 bis 1992. Di­ plomarbeit, Universität Wien 1993. (100) STEINTHALER, Karin: „Doberdan Koroska“. Die Volksgruppensendungen in öffentlich-recht­ lichen Rundfunkanstalten am Beispiel Öster­ reich, Italien und der Schweiz im Vergleich, un­ ter besonderer Berücksichtigung Kärntens. Di­ plomarbeit, Universität Wien 1996. (100) THOMANDL, Oliver: Entstehung, Entwicklung und Rolle von Informations Sendungen im Öster­ reichischen Rundfunk am Beispiel der „Zeit im B ild “. Eine Bilanz. Diplomarbeit, Universität Wien 1996. (100) WASSERTHEURER, Christiane: Der IngeborgBachmann-Fernsehpreis. Die Entwicklung ei­ nes literarischen Bewerbes zum Femsehereignis. Diplomarbeit, Universität Wien 1995. (145)

Plakat AMONN, Sylvia: Das österreichische Wirt­ schaftsplakat während der Zwischenkriegszeit. Diplomarbeit, Universität Wien 1996. (100) KIRCHMAIR, Petra: Die graphische Plakat­ gestaltung fü r Werbezwecke am Beispiel der Ti­ rol Werbung 1945 - 1992. Diplomarbeit, Uni­ versität Innsbruck 1993. (618)

dienlandschaft. Eine Situations­ analyse zweier bedeutender Wochen in der Zeitungsgeschichte Österreichs. Diplom­ arbeit, Universität Wien 1993. (100) FEUCHTER, Helene: Die Reaktion in der alt­ österreichischen jüdischen Öffentlichkeit auf die Pogromwellen in Rußland vordem 1. Weltkrieg. Diplomarbeit, Universität Wien 1992. (078) HARTL, Franz K.: Kriminal- und Gerichts­ saalberichterstattung in der Ersten Republik un­ tersucht am Beispiel des Mordfalles Katharina Fellner in der „Neuen Freien Presse “ und dem „Tag “/„ Wiener Tag “ Diplomarbeit, Universität Wien 1993. (100) HAUSBERGER, Barbara: Die österreichische Filmzeitschrift vom Stummfilm bis zur Gegen­ wart 1907 -1995. Historischer Rückblick, heu­ tiger Standard. Dissertation, Universität Wien 1996. (100) HEISSENBERGER, Eva Anna: Die Wiener Bou­ levardpresse in der ersten Hälfte der Zweiten Republik unter besonderer Berücksichtigung des „Express“. Diplomarbeit, Universität Wien 1995. (100) HNILICA, Andrea: Der Schwimmsport in Wien bis 1918 im Spiegel der „Allgemeinen Sport­ zeitung“. Diplomarbeit, Universität Wien 1992. (134) KLEIN, Adelheid: Die Modezeitschriften der Fünfziger Jahre in Österreich. Eine Untersu­ chung am Beispiel der M odezeitschriften „Stimme der Frau “ und „Beyers Mode fü r alle “. Diplomarbeit, Universität Wien 1995. (100)

LEPUSCHITZ, Dinah: Die Nationalratswah­ len der Zweiten Republik im Spiegel der Pla­ kate. Diplomarbeit, Universität Wien 1996. (078)

LASINGER, Maria Margarethe: „Die Pause“ und andere Kulturzeitschriften zur Zeit des Austrofaschismus. Ein Beitrag zur Erfor­ schung historischer Kulturkommunikation und der Kulturpolitik des Ständestaates. Di­ plomarbeit, Universität Wien 1995. (100)

RÖSLER, Birgit: D er Einfluß der Stile und Kunstströmungen a u f die Plakatgestaltung in den Jahren von 1850 bis 1945. Diplomarbeit, Universität Salzburg 1994. (504)

LIESKOUNIG, Ina: Wer vieles bringt, wird je ­ dem etwas bringen! Untersuchungen zum Feuil­ letonroman in der Wiener Tagespresse des Jahres 1890. Diplomarbeit, Universität Wien 1996. (136)

Pressegeschichte BENESCH, Gemot: „Der Österreichische Volks­ w irt“ in der Weltwirtschaftskrise. Diplomarbeit, Wirtschaftsuniversität Wien 1994.

MAIERB RUGGER, Amo: Kunstkritik als Phä­ nomen kultureller Kommunikation. Feuilletonistische Strategien zwischen Kulturbewußtsein und Ideologie im bildkunstkritischen Tages­ feuilleton der Ersten Republik. Ein Beitrag zur ö s te r r e ic h is c h e n M e d ie n - u n d K o m m u n ik a ti­

CREVATO, Andrea: Der Wiener Zeitungskrieg 1958 und seine Auswirkungen auf die heutige Me­

onsgeschichte. Dissertation, Universität Wien

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1993. (100) MATTES, Angelika: Wiens Juden: Subjekt und Objekt der Wiener Journalistik am Beispiel Neue Freie Presse. Diplomarbeit, Uni-

BACIK, Christa: Probleme der Parteipresse zu

versität Salzburg 1991 (504)

Beginn der 60-er Jahre. Die „Arbeiterzeitung“.

RAUTER-KIRSCHHOFER. Andrea: Der Weg in die Freiheit? Georgiens Presse von der Fremdzur Selbstbestimmung. Dissertation, Universität Wien 1992. (100) REITHOFER, Angelika: Historische Umbrüche im Spiegel der Presse am Beispiel von Marburger Zeitung und Grazer Tagblatt vom September 1918 bis zum Marburger Bluttag. Ein Vergleich. Diplomarbeit, Universität Graz 1994. RENDL, Susanne: Der moderne Essay. Eine publizistische Erscheinungsform im Wien der Jahrhundertwende. Diplomarbeit, Universität Wien 1993. (100) ROTH, Sabine: D er Untergang der öster­ reichisch-ungarischen Monarchie im Spiegel der Triestiner Lokalpresse von 1968. Versuch einer Retrospektive im Gedenkjahr 1968. Di­ plomarbeit, Universität Graz 1993. SCHANTL, Dagmar: Wahlen und Wahlwerbung von 1919 - 1930 in Graz unter besonderer Berücksichtigung der Parteipresse. Diplomar­ beit, Universität Graz 1992. SLUPETZKY, Nicole: A War fo r Humanity: „Remember the Maine. Three Cheers fo r Cuba, to Hell with Spainu. Die Bedeutung ausgewählter, amerikanischer Zeitungen fü r den spanischamerikanischen Krieg. Diplomarbeit, Univer­ sität Salzburg 1996. (502)

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STURMER, Martin: Sprachpolitik und Pres­ segeschichte in Tanzania. Diplomarbeit, Uni­ versität Wien 1995. WENNY, Andrea: „... wir blickten nur auf Bücher und Bilder Das Feuilleton der „Neuen Freien Presse “ um 1900. Diplomarbeit, Uni­ versität Wien 1994. (100) ZEILER, Sonja: Von der Ermordung des Thron­ folgers bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Aus der Sicht der Schweizerischen Tagespresse. Diplomarbeit, Universität Wien 1996. (078) ZESCHG-SCHENK, Waltraud: Südtirol im Spie­ gel der österreichischen Parteipresse nach dem Ersten Weltkrieg bis zum Ausbau des totalitären Staates unter Mussolini (1925). Diplomarbeit, Uni­ versität Innsbruck 1995. (GFB)

Printmedien

Diplomarbeit, Universität Wien 1994. (100) HIMSL, Andrea M.: Nützliche Schönheit? Neue­ rungen der österreichischen Tageszeitungs­ ästhetik (1988 - 1993). Diplomarbeit, Univer­ sität Salzburg 1993. (504) HUBER, Hubert: Wertewandel in österreichi­ schen Printmedien zwischen 1965 und 1990. Eine Inhaltsanalyse. Diplomarbeit, Universität Wien 1993. (100) LEITNER, Karl: Personalisierung, Dethematisierung, Negativismus. Die „Amerikanisierung “ der Wahlberichterstattung in den österreichi­ schen Medien. Ein Vergleich zwischen Boule­ vard- und Qualitätszeitungen am Beispiel der beiden Tageszeitungen „Die Presse“ und „Kleine Zeitung “. Diplomarbeit, Universität Wien 1996. ( 100)

PFEIFFENBERGER, Alfred: Zeitungsoriginale in der österreichischen Presse. Bestandsauf­ nahme - Geschichte - Funktion. Dissertation, Universität Salzburg 1992. (504) PÜRSTINGER, Edgar: Die Entwicklung der spanischen Qualitätstageszeitungen im Zeitraum von 1976 bis 1994 (mit einer empirischen Un­ tersuchung von El Pals, ABC und Diario 16). Diplomarbeit, Universität Wien 1995. (100) STRECHA, Alexander: Die Beziehung zwischen Sport und Medien von 1948 bis zur Gegenwart unter besonderer Betrachtung der Printmedien. Diplomarbeit, Universität Wien 1996. WAHLMÜLLER, Christine: Umweltzeitschrif­ ten: Geschichte und Qualität. Eine historische Be­ standsaufnahme - eine qualitative Inhaltsana­ lyse anhand des Fallbeispiels Ozonberichter­ stattung. Diplomarbeit, Universität Wien 1993.

(100) Propaganda / Stereotypen ADLER, Michael: Sportberichterstattung als Instrument politischer Sozialisation, Persua­ sion, Manipulation. „Wiener Kurier“ und „Neues Österreich“ im Jahr 1945. Diplomarbeit, Uni­ versität Wien 1994. BAHOVEC, Tina: Das Bild der Kärntner Slo­

wenen in der Presse des Draubanats 1930 1941. Diplomarbeit, Universität Wien 1995. BAUMGARTNER, Andreas: Zur Einschätzung von Propaganda. Eine medienkritische Analyse der Rezeptionsgewohnheiten und der struktu­ rellen Vorbedingungen. Darstellung eines Phä­ nomens anhand einer theoretischen und empi­ rischen Untersuchung des Fallbeispiels „Kriegs­ berichterstattung “ Diplomarbeit, Universität Wien 1993. (100) CZICZATKA, Angela: Die Radiopropaganda der U.S.A. im Zweiten Weltkrieg unter besonde­ rer Berücksichtigung österreichischer Aspekte. Dissertation, Universität Wien 1996. (078) DECHANT, Elisabeth: Stereotype in den M as­ senmedien am Beispiel der Apartheidpolitik Süd­ afrikas. Diplomarbeit, Universität Wien 1993. ( 100)

DOPPELREITER, M arieluise: Orientierung zwischen Schutt und Asche ? Eine kommunika­ tionshistorische Auseinandersetzung mit dem Phänomen strategischer Kommunikation in den Jugendzeitschriften der unmittelbaren Nach­ kriegszeit. Dissertation, Universität Wien 1993. ( 100)

DÜRINGER-HUDA, Alexandra: Propaganda im Nationalsozialismus. Eine Literaturstudie unter spezieller Berücksichtigung der bilden­ den Kunst als Propagandamittel. Diplomarbeit, Universität Salzburg 1996. (504) GIDL, Anneliese: Das Bild der Familie in der er­ sten Hälfte des 20. Jahrhunderts im Spiegel der Tiroler Presse. Diplomarbeit, Universität Inns­ bruck 1994. (GFB) GRAMBERGER, Tanja: Das Theater als Pro­ pagandainstrument des NS-Regimes am Bei­ spiel der Städte Salzburg und Linz. Diplomarbeit, Universität Salzburg 1996. (504) GRIESEBNER, Paul: Die Inszenierung des Rea­ len oder die Dramaturgie der Propagandafilme der Leni Riefenstahl. Diplomarbeit, Universität Wien 1993. (106) HAGER, Hubert: Kriegsberichterstattung, Pro­ pagandatruppe und Feldzeitungswesen. Inhalt und Frontrealität im Vergleich untersucht am Bei­ spiel der Armeepresse der 2. Pz. Armee im Ost­ feldzug 1941 -1943 im Rahmen derPz.PK 693. Diplomarbeit, Universität Salzburg 1993. (504) HATTLER, Thomas: Die Kärntner Slowenen

in den „Freien Stimmen“ 1930 1938. Darstellung und Analyse an­ tislowenischer Propaganda in der Kärntner Ta­ gespresse. Diplomarbeit, Universität Wien 1997. HEIMEL, Ulrike: Feindbild Tschechen (Slowa­ ken). Eine Untersuchung österreichischer Print­ medien der Nachkriegszeit (1945 - 1968). Di­ plomarbeit, Universität Wien 1993. HOFBAUER, Friederike: Die Vorbereitung der Linzer Bevölkerung a u f den Ersten Weltkrieg durch die Linzer Zeitungen „ Tagespost“, „ Wahr­ heit“ und „Arbeiter-Zeitung“. Dissertation, Uni­ versität Wien 1994. (100) JAKL-BEINLICH, Ingeborg: Flucht in die Traumwelt. NS-Unterhaltungsfilm als Trans­ portmittel von Propaganda und Ideologie. Di­ plomarbeit, Universität Klagenfurt 1995. KLEINL, Elisabeth: Die Berichterstattung über den Anschluß des Burgenlandes an Österreich von 1919 bis 1921 dargestellt am Beispiel der Oberwarther Sonntagszeitung und der Ödenburger Zeitung. Diplomarbeit, Universität Wien 1993. ( 100)

KREM NITZM ÜLLER, Bernhard: Die M e­ dienrealität der österreichischen Presse in den Jahren 1933 -1936 und ihr Bezug a u f den An ­ schluß an das Deutsche Reich. „Grazer Volksblatt“ und „Innsbrucker Nachrichten“ als Beispiele fü r den österreichischen Abwehrkampf? D i­ plomarbeit, Universität Wien 1993. (100) LORENZ, Michael R.: „Serbien muß sterbien“ - Tradierung publizistisch vermittelter Vorur­ teile. Vergleichende Analyse der Balkan-Be­ richterstattung österreichischer Tageszeitungen der Jahre 1914 und 1991. Diplomarbeit, Uni­ versität Wien 1992. (100) MAYR, Georg: Vorurteile und Stereotypen im Kalten Krieg am Beispiel des Sowjet­ union-Bildes in westdeutschen Regierungser­ klärungen und Schulgeschichtsbüchern. D i­ plomarbeit, Universität Salzburg 1996. (502) MERHAUT-GUREVITSCH, Evelina: Die In­ nen- und Außenpolitik Österreichs in der so­ wjetischen Presse. Diplomarbeit, Universität Wien 1995. (078) PRETTNER, Sonja: Antijüdische Propaganda in Wiener Zeitungen 1933 -1938. Im Vergleich mit deutscher Pressepropaganda. Diplomarbeit, Universität Wien 1997. (116)

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PRUSCHA-WOLF, Sylvia: Die Rhetorik wischen Propaganda und Publizistik. Diplomarbeit, Universität Wien 1994. ( 100)

RAMMEL, Sabine: Manipulation durch Sprache in Rußland. Theoretische Grundlagen und bei­ spielhafte Darstellung anhand ausgewählter Zeitungsartikel der Pravda aus den Jahren 1971 und 1991. Diplomarbeit, Universität Salzburg 1993. ROMSY, Christian: Die Auseinandersetzungen um die Gemeindebauten des roten Wien. Poli­ tik - Propaganda - Kampf von 1919 bis 1935. Diplomarbeit, Universität Wien 1993. RÖTZER, Marie-Luise: Massenkultur der Wei­ marer Republik zwischen Demokratie, Propa­ ganda und Unterhaltung. Eine Auseinanderset­ zung über die Massenkultur in kulturpolitischen Umfeld von Demokratie und nationalsozialisti­ scher Ideologie zwischen 1919 und 1933. Di­ plomarbeit, Universität Wien 1996. SATTLER, Johann: Entlarvt die subversive im­ perialistische Propaganda: Die Maislogans der KPdSU im Zeitraum von 1945 bis 1991. Di­ plomarbeit, Universität Innsbruck 1994. STADLER, Gemot: Stereotypen- und Klischee­ bildung in den bildlichen Darstellungen der Kärntner Volksabstimmungspropaganda 1919 1920. Diplomarbeit, Universität Wien 1993. (100) THEUERMANN, Gerda: Umerziehung und Amerikabild: „Der R uf Zeitung der deutschen Kriegsgefangenen in USA “. Diplomarbeit, Uni­ versität Graz 1992.

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TÖCHTERLE, Christian: Motive und Ziele des nationalsozialistischen Krieges in der NS-Propaganda von 1940 bis 1943 konkretisiert an­ hand der Tagesprintmedien „Kleine Zeitung“ und „Tagespost^. Diplomarbeit, Universität Graz 1996. (MD—) URBAN, Dagmar: Ästhetische Kriterien natio­ nalsozialistischer Propaganda und deren Par­ allelen in der heutigen Werbung. Diplomarbeit, Universität Wien 1996. (100) VEIGL, Hans: Sendung und Auftrag: Volkskul­ tur zwischen Volksmusik und Volkstumsideologie in den Programmen der RAWAG und des Reichs­ senders Wien 1924 bis 1945. Diplomarbeit, Uni­ versität Wien 1995. (114)

WAGEMANN, Götz Bodo: Das Bild des Zi­ geuners in der österreichischen Presse zwischen Kriegsende und Staatsvertrag, im Vergleich zur Darstellung des Zigeuners in der österreichi­ schen Presse nach den Attentaten von Oberwart und Stinatz im Februar 1995. Diplomarbeit, Uni­ versität Wien 1996. (116) WEBER, Jürgen Reinhard: Beiträge zu Politik und Propaganda der österreichischen Arbeiterbe­ wegung in der Zwischenkriegszeit unter beson­ derer Berücksichtigung der Kommunistischen Partei Vorarlbergs. Diplomarbeit, Universität Wien 1993. WEBHOFER, Reinhold: Patriotische Propa­ ganda in Tirol während des Ersten Weltkrieges 1914 -1918. Dissertation, Universität Innsbruck 1996. (GFB) WEIGER, Lukas: Das Russenbild in der A r­ beiter-Zeitung während der Besatzungszeit 1945 - 1955. Diplomarbeit, Universität Wien 1996. (116) WIBIHAIL, Gisela: Der politisch-ideologische Antisemitismus im Ständestaat und das „Wie­ ner M ontagblatt“: Antisemitismus zwischen 1934 und 1938 als Wegbereiter der Judenver­ folgung im 3. Reich anhand einer diskurs-hi­ storischen Textanalyse. Diplomarbeit, Univer­ sität Wien 1995. (100) WIDRICH, Thomas: „...soviel Druckerschwärze wie Menschenblut... “: Propaganda- und Kriegs­ literatur im neutralen Italien (August 1914 Mai 1915). Dissertation, Universität Wien 1995. ( 102)

Rechtliche Grundlagen BRETSCHKO, Wolfgang: Urheberrechtliche Aspekte grenzüberschreitender Fernsehsendun­ gen. Dissertation, Universität Graz 1994. DICHAND, Christoph: Der Persönlichkeits­ schutz im Mediengesetz. Dissertation, Univer­ sität Innsbruck 1993. (308) JANDL, Birgit: Das Medienrecht. Vom Ursprung bis zur Gegenwart. Dissertation, Universität Graz 1993. PRACH, Gabriele: Audiovisuelle Medien im Recht der EG. Diplomarbeit, Universität Graz 1994. SIMMA, A.: Ein Vergleich der österreichischen mit der deutschen Rundfunkverfassung. Diss'er-

tation, Universität Graz 1992.

Rundfunkgeschichte

sität Salzburg 1994. (504)

Theater

ADANG, Walter: Radio Araldo, Italo Radio, URI, EIAR, RAI. Die Rundfiinkgeschichte Ita­ liens im Faschismus. Diplomarbeit, Universität Wien 1993. (106)

BESSERT, Elisabeth: Die Inszenierung der Ok­ toberrevolution. Drei sowjetische Meisterwerke der 20-er Jahre zwischen Propaganda und Op­ position. Diplomarbeit, Universität Wien 1995. (106)

AICHINGER, Manuela: Rot-Weiß-Rot Linz und das Rundfunkwesen in Oh erÖsterreich 1954 bis 1957/58. Dissertation, Universität Salzburg 1992. (504)

DALINGER, Brigitte: „Verloschene Sterne“. Leben des jüdischen Theaters in Wien. Dissertation, Universität Wien 1995. (106)

HUBER, Roland: Rundfunk in Mexiko. Das me­ xikanische Rundfunksystem und die Rolle der Universitätssender Radio Unam & Television Unam im K am pf gegen den kulturellen Impe­ rialismus der USA. Diplomarbeit, Universität Salzburg 1993. (504) KOBOLTSCHNIG, Anne-Gret: Radio zwischen den Zeiten. Das Wort-Programm der RAVAG von 1924 bis 1933. Dissertation, Universität Wien 1993. (100) PLONER, Andrea: Der deutschsprachige Rund­ fu n k in Südtirol in den sechziger Jahren. Di­ plomarbeit, Universität Innsbruck 1995. (608) SCHWEINOESTER, Christine: Wie Salzburg ein Fernsehland wurde. Dissertation, Univer­ sität Salzburg 1995. (504) ULRICH, Andreas: Modernes Radio? US-ame­ rikanische Rundfunkpolitik in Österreich (1945 - 1955) am Beispiel der Sendergruppe „RotWeiß-Rot“, Studio Wien. Diplomarbeit, Univer­ sität Wien 1993. (100) WIESELMAYER, Christian: Der Hörfunk in der DDR während der Wende (1989 - 1991). Diplomarbeit, Universität Wien 1996. (110)

Technologie KITZMANTEL, Renate: Die Industrialisierung des künstlerischen Farbbilddrucks zu Werbe­ zwecken. Diplomarbeit, Universität Salzburg 1994. (504) PFAHNL, Judith: Geschichte, Theorie und Pra­ xis der Latema Magica. Mit einem Ausblick auf die Aktualität der Projektionskunst. Diplomar­ beit, Universität Salzburg 1994. (504) WOHLMUTH, Günther: Veränderte Technik bei der Bildherstellung fü r Printmedien. Von handwerklicher Bildherstellung bis zur elektro­ nischen Reproduktion. Diplomarbeit, Univer-

DEWALD, Christian: Formen des Experiments. Theater als Organ der gesellschaftlichen Selbst­ verständigung: Benno Bessons Horizonte-Versuch an der Volksbühne Berlin (DDR) 1969. Dissertation, Universität Wien 1995. (106) FERENTSCHIK, Klaus: Theater im Tollhaus. Eine Dokumentation der Theateraujführungen in den Niederösterreichischen Landesirrenanstalten von 1853 bis 1914. Nebst einem Anhang über die „ Theatergruppe am Steinhof“ von 1949 bis 1966. Dissertation, Universität Wien 1994. (106) MAYER, Anton: Theater in Wien um 1900. Der Dichterkreis Jung Wien. Dissertation, Univer­ sität Wien 1994.(106) MAYER, Ulrike: Theater fü r 49 in Wien 1934 1938. Dissertation, Universität Wien 1994. (106) SONN, Brigitte: Zerstörung durch Inszenierung. Zensur- und Korrektureingriffe in den Textvor­ lagen der Exl-Bühne. Diplomarbeit, Universität Innsbruck 1992. (608) STAMBERG, Ursula: Deutschsprachiges Thea­ ter im Prag der Zwischenkriegszeit. Die Beset­ zung des alten deutschen Landestheaters. Beschäftigungspolitik im Theaterbereich. Ausländerproblematik fü r den inländischen Arbeitsmarkt, Bühnenreifeprüfung, Zensur, Emigrantenfrage - Starauftritte im eigenen En­ semble, Ensemblegastspiele und Gastauftritte mit dem stehenden Ensemble des Prager Deut­ schen Theaters. Dissertation, Universität Wien 1993.(106)

Werbung BERNHARD, Erika: Frau und Werbung in den 1920er Jahren. Eine Analyse anhand von Zeit­ schriften. Diplomarbeit, Universität Wien 1994. (078) ERTLTHALER, Thomas: 30 Jahre Zeitungs­ werbung. Ein Vergleich der Einschaltungen in den

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Tageszeitungen „K urier“ und „Kronen-Zeitung“ von 1959 bis 1989. Diplomarbeit, Universität Wien 1992. ( 100)

FINK, Elisabeth: „Kunst - Werbung - Wirtschaft Österreichische Werbung des 20. Jahrhunderts.

Diplomarbeit, Universität Graz 1994. FRIDECKY, Doris: Die Palmers Werbung im Zusammenhang mit dem Wandel des Rollenbil­ des der Frau. Diplomarbeit, Universität Wien 1995.(100) GREIF, Franz: Entwicklung der ethischen und ästhetischen Dimensionen in der Werbung in den letzten 20 Jahren dargestellt am Beispiel der Schuhkultur in Österreich unter besonderer Berücksichtigung sozialpsychologischer Aspekte. Diplomarbeit, Universität Wien 1993. (100) GRUBER, Wolfgang: Die Nationalratswahl­ kämpfe der SPÖ von 1970 -1990. Ein Beispiel fü r die Übernahme ökonomischer Werbemetho­ den in die politische Werbung. Diplomarbeit, Universität Wien 1994. (100) KOGLMANN, Petra: Die Gestaltung von Pharmaanzeigen von 1945 -1993. Eine inhaltsana­ lytische Untersuchung der Ärzte Woche und der Österreichischen Ärztezeitung. Diplomarbeit, Universität Wien 1994. (100) KRIEGELSTEIN, Clemens: Bedingungen lang­ fristiger Werbewirkung anhand der Geschichte von vier TV-Kampagnen: Ariel, Omo, Persil, Pro-Dixan von 1970 bis 1980. Diplomarbeit, Universität Wien 1995. (100)

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MADERL, Peter: Die historische Entwicklung der „Tirol Werbung“ zum touristischen L ei­ stungsträger Tirols. Diplomarbeit, Univer­ sität Graz 1994. PIROLT, Annemarie: Sprache der politischen Werbung im Wandel? Eine analytische Un­ tersuchung verbaler und visueller Kommunika­ tionsstrategien am Beispiel von Wahlplakaten und -inseraten der NR-Wahlen 1959 und 1994. Diplomarbeit, Universität Klagenfurt 1996. SCHMID, Hannes: Konzeption und Gestaltung der Römerquelle Plakatwerbung in den Jahren 1971 bis 1995. Unter besonderer Berücksichti­ gung werbepsychologischer Konzeptaspekte. Diplomarbeit, Universität Wien 1996. (100) SEITZ, Petra: Kommunikationskonzepte in der Mode im Lichte des gesellschaftlichen Wandels.

Das Benetton Kommunikationskonzept bis 1992.

Diplomarbeit, Universität Wien 1994. (100) ULUSOY, Selin: Politische Werbung in der Tür­ kei. Einsatz und Instrumentalisierung von Massenmedien amBeispiel der vom 24.12.1995. Diplomarbeit, Universität Wien 1996. (100)

Zeitgeschichte in den Medien AßLABER, Markus: War das erste Opfer im Golfkrieg die Wahrheit ? Versuch einer Analyse der Medienberichterstattung über den Hergang des Golfkrieges von 1991. Diplomarbeit, Tech­ nische Universität Wien 1993. BAUER, Doris: Die Februarereignisse 1934 in Oberösterreich, ihre ökonomischen und sozialen Voraussetzungen und deren Schilderung in der zeitgenössischen Presse. Diplomarbeit, Univer­ sität Wien 1992. (078) BIRKNER, Matthias: Golfkrieg 1991 - Medien über den Krieg. Diplomarbeit, Universität Wien 1993. (100) BREIDEL, Karin: Der Spanische Bürgerkrieg. Der Augenzeuge Anhur Koestler im Vergleich. Di­ plomarbeit, Universität Wien 1992. (116) CAVALERI, Leo: Der serbisch-kroatische Kon­ flikt am Ende des 20. Jahrhundens. Darstellung der serbisch-kroatischen Konfrontation in west­ lichen Massenmedien. Diplomarbeit, Univer­ sität Graz 1994. DOUJAK, Peter R.: Die Gründung der Öster­ reichischen Nationalbank nach dem Ersten Welt­ krieg im Spiegel der Presse. Diplomarbeit, Wirt­ schaftsuniversität Wien 1994. FRANK, Sonja: Der Krieg in der Au. Einfluß der Medienberichterstattung a u f die Politik Hainburg. Diplomarbeit, Universität Wien 1992. (H O )

GEHRER, Christa: Der Nürnberger Prozeß in den Medien - Abschluß oder Neubeginn? Eine in­ haltsanalytische Untersuchung der Berichter­ stattung in der „ Weltpresse “, „Österreichischen Volksstimme“ und „Salzburger Nachrichten“. Diplomarbeit, Universität Wien 1996. (100) GÖLLES, Alexandra: The Language o f Defeat - the Language o f Victory. A Comparison o f Re­ ports in American Newspapers at the End o f the Vietnam War (1975) and the Persian Gulf War

(1991). Diplomarbeit, Universität Graz 1994. (G A -) GOLUBOVIC, Dina: Vergleich der Berichter­ stattung über den Golfkrieg am Beispiel der Zei­ tungen „Die Presse “ und „ Vjesnik“. Diplomarbeit, Universität Graz 1992. GRUNDMANN, Dirk: Massenmedien und Ter­ rorismus - zwei ungleiche Partner? Inhaltsana­ lytische Untersuchung der Berichterstattung über die Baader-Meinhof-Gruppe. Diplomar­ beit, Universität Wien 1996. (100) HABERSATTER, Thomas: Der Golfkrieg II., ein mediales Ereignis. Zur Kriegsberichterstat­ tung in der „Neuen Kronen Zeitung“ und den „SalzburgerNachrichten''. Diplomarbeit, Uni­ versität Salzburg 1992. (504) HEUBACHER, Anita / STECHER, A.: Selbst­ präsentation der Spitzenkandidaten im Wahl­ kam pf 1994 am „Runden Tisch“ und die Re­ zeption in den Printmedien. Diplomarbeit, Uni­ versität Innsbruck 1996. HOCHSTÖGER-WITTMANN, Cordula: Das „Ausländervolksbegehren “ in den österreichischen Medien. Dargestellt am Beispiel der Berichter­ stattung zum „Ausländervolksbegehren “ in zwei ober österreichischen Tageszeitungen. Diplom­ arbeit, Universität Linz 1995. HÖLBLING, Günter: Salzburger Tageszeitungen im Landtagsw ahlkam pf 1989. Diplomarbeit, Universität Salzburg 1992. (504) LATSCHENBERGER, Helmut: Der National­ ratswahlkampf 1994 in der Berichterstattung österreichischer Tageszeitungen. Quantitative Inhaltsanalyse. Diplomarbeit, Universität Inns­ bruck 1996. (402) LAUSMANN, Silvia: Die Berichterstattung der europäischen Boulevardpresse zum Golfkrieg 1991. Eine empirische Untersuchung von Schlag­ zeilen und Titelbildern der vier Tageszeitungen Sun, Bild, Blick und Kronenzeitung. Disserta­ tion, Universität Wien 1993. (100) LOCKER, M arieluise: Ein unverm eidlicher Krieg (Vergleich der Berichterstattung über den Golfkrieg am Beispiel der Zeitungen „Kleine Zeitung“, „El Pals“ und „ABC “). Diplomar­ beit, Universität Graz 1992. MAIR, Frank: Leserbriefe im „Superw ahl­ kam pfjahr<( 1994. Ein Vergleich der öster­ reichischen Printmedien „Presse “, „täglich Al-

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37

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den Zeitungen Triests. Diplomarbeit, Univer­ sität Wien 1994.

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STEFFNER, Barbara: Gewalt die einzige Antwort auf diesen Despoten - oder? Untersuchung der Berichterstattung über den Golfkrieg anhand der Zeitungen „Salzburger Nachrichten“, „Man­ chester Guardian“ und „Daily M ail“. Diplom­ arbeit, Universität Graz 1993. STRASSEGGER, Eva: Die Rolle der Massen­ medien in der Bekämpfung des Terrorismus am Beispiel der Bundesrepublik Deutschland. Di­ plomarbeit, Universität Wien 1995. (100) WACHERNIG, Gabriele: „Well, they wouldn’t print it if it wasn ’t true! “ Untersuchung der Be­ richterstattung über den Golfkrieg anhand der Nachrichtenmagazine „Time“ und „Stern“. Di­ plomarbeit, Universität Graz 1994. (GD— ) WENINGER, Gabriele: Die Berichterstattung über den Golfkrieg in den Tageszeitungen „Neue Kro­ nenzeitung “, „Le Parisien “ und „Le Monde “. Ein Vergleich. Diplomarbeit, Universität Graz 1993. ZIERER, B.: Politische Flüchtlinge in öster­ reichischen Printmedien - dargestellt am Ver­ gleich des Ungarischen Volksaufstandes 1956 und der Revolution in Rumänien 1989. Disser­ tation, Universität Wien 1995. (100)

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LAUENBERG, Diana G.: Die Auswirkungen der Pariser Julirevolution von 1830 auf die Wie­

ner Presse unter Berücksichtigung der absolu­

MACEK, Michael: Albanien unter der Herr­ schaft des Prinzen zu Wied in der Wiener Presse 1913/14. Diplomarbeit, Universität Wien 1995. ( 100)

OSPELT, Lukas: Das Protestantenpatent von 1861 im Spiegel der öffentlichen Meinung Ti­ rols und Vorarlbergs. Diplomarbeit, Universität Innsbruck 1993. (GFB) PASETZKY, Gilda: Das Erzbistum Salzburg und das revolutionäre Frankreich (1789 -1803). Dissertation, Universität Salzburg 1994. (502) PICHLER, Robert: Das Mexiko-Abenteuer Erz­ herzog Maximilians. Eine Analyse der Bericht­ erstattung zeitgenössischer österreichischer Ta­ geszeitungen. Dissertation, Universität Wien 1994. (100) POLITSCH, Alexandra Maria: Die Rolle der ersten indigenen Zeitungen bei der Nationwerdung von Ghana - das neunzehnte Jahrhundert. Das einheimische Pressewesen der Goldküste als Sprachrohr der Nationalisten. Diplomarbeit, Universität Wien 1996. (100) STELZL, Robert Alexander: Die Ereignisse um den ersten Burenkrieg und die Reaktionen der österreichisch-ungarischen Tageszeitungen. Di­ plomarbeit, Universität Wien 1996. (078) STÖCKELLE, Eugenie: Die Beziehungen von Österreich-Ungarn und Rußland im Spiegel der Reichspost 1908 - 1914. Dissertation, Univer­ sität Wien 1996. (078) VON HOESSLIN, Iris: Die Wiener Berichter­ stattung über Schauspielerinnen und Schau­ spieler von 1621 bis 1776. Diplomarbeit, Uni­ versität Wien 1996. (100) WOLF, Martina: Die politische Berichterstat­ tung über die kroatischen Unabhängigkeitsbe­ strebungen in der „Agramer Zeitung “, dem „Pe­ ster Lloyd“ und der „Neue Freie Presse “ während der ersten Dekade des 20. Jahrhunderts. Di­ plomarbeit, Universität Wien 1996. (100)

Anderes

ADEGEYE, Olayeni O.: Die Entwicklung der öf­ fentlichen Kommunikation im Yorubaland Nige­ rias. Von der kulturellen Bedeutung der traditionellen Kommunikationsformen und der „Neuen Medien “. Diplomarbeit, Universität Klagenfurt 1993. EDER, Franz: Die kommunikative Funktion des Reisern im Mittelalter. Unter besonderer Berück­ sichtigung des Unterwegsseins aufgrund vor­ wiegend religiöser Motive. Diplomarbeit, Uni­ versität Salzburg 1992. (504) FUCHS, Harald: Austropop - Entstehungsge­ schichte, Rahmenbedingungen und kommuni­ kationswissenschaftliche Relevanz einer natio­ nalen populären Musikkultur. Diplomarbeit, Universität Wien 1996. (100) KELLER, Christiane: Der Er-fahren der Fremde. Weibliche Reiseerfahrung im 19. Jahrhundert dargestellt am Beispiel Ida Pfeiffer. Diplomar­ beit, Universität Salzburg 1996. (504) MOLNER, Hans Jürgen: Das rumänische M e­ diensystem. Diplom arbeit, Universität Wien 1996. (100) MÜLLER, Edith: Die Auslandsösterreicher. Eine Untersuchung über Mediennutzung und kultu­ relle Identität bei aktiven Auslandsösterreichem. Diplomarbeit, Universität Wien 1996. (100)

ROLLINGER, Robert: Frühfor­ men historischen Denkens. G e­ schichtsdenken, Ideologie und Propaganda im al­ ten Mesopotamien am Übergang von der UrIII zur Isin-Larsa-Zeit. Dissertation, Universität Innsbruck 1993. (616) STARCK, Gerlinde: Kanzelpredigt - Fernseh­ predigt. Ein Vergleich zwischen den Predigtfor­ men um 1900 und der Medienpredigt heute. Di­ plomarbeit, Universität Salzburg 1994. (504) WALTER, Cornelia: Die Kritikfähigkeit der rechts extremen Medien. Ein Experiment. Di­ plomarbeit, Universität Wien 1996. (100) WOLFINGER, Stefan: Comics und Geschichte. Beiträge zur Nutzung der Bildergeschichten fü r die Geschichtswissenschaft. Diplomarbeit, Uni­ versität Wien 1994. WULZ, Ilse: Kulturelle Aspekte und Bildsym­ bolik in den Todesanzeigen der Grazer Tages­ zeitung „Kleine Zeitung “ im Zeitraum von 1945 -1990. Ein Beitrag zu Erscheinungsformen der Funeralkultur der Gegenwart. Diplomarbeit, Universität Graz 1992.

Standortliste

078 Geschichte, Wien 100 Publizistik, Wien PARSCHALK, Norbert: Die Stadt Brixen 1918 102 Romanistik, Wien -1939. Eine Stadtgeschichte a u f der Basis der 103 Sinologie, Wien lokalen Presse und der Gemeindeakten. Dis­ 106 Theaterwissenschaft, Wien sertation, Universität Inns­ 110 Politikwissenschaft, Wien bruck 1993. (GFB) 114 Volkskunde, Wien 116 Zeitgeschichte, Wien POLLER-BRUGGER, Elis­ Mag. Fritz Randl 134 Sportwissenschaften, Wien abeth: Landes- und Kultur­ (1964) 136 Vergleichende Literaturwis­ geschichte Kärntens im Spie­ senschaft, Wien gel des Zeitungsfeuilletons Dissertant am Institut fü r Pu­ 145 Germanistik, Wien 1880 - 1938. Diplomarbeit, blizistik- und Kommunikations­ 308 Strafrecht, Innsbruck Universität Wien 1994. (078) w issenschaft der Universität 309 Öffentliches Recht, In­ Wien. Mitarbeiter an zahlreichen REISCHL, Gerald: Die nsbruck kom m unikationshistorischen deutschsprachigen Im m i­ 402 Politikw issenschaft, Inns­ Forschungsprojekten. Leiten­ granten in Australien von bruck der Redakteur des Österreichi­ 1848 -1992 und ihr Medien­ 502 Geschichte, Salzburg schen Wasser- und Abfallwirtsystem. Diplomarbeit, Uni­ 504 Publizistik, Salzburg schaftsverbandes (ÖWAV). versität Wien 1992. (100) 603 Erziehungswissenschaften,

Der Autor

39

N otizen Die Metamorphose des Kikeriki! 1932/33 B ernd B eutl In zwei früheren Heften von Medien & Zeit hat sich Hannes Haas bereits mit den antisemiti­ schen Inhalten und Karikaturen des in Wien im 19. Jahrhundert von Ottokar Franz Ebersberg (kurz: Berg) gegründeten politisch-satirischen Witzblattes Kikeriki! auseinandergesetzt,1eine ein­ gehende Analyse der redaktionellen und inhalt­ lichen Positionen ab den frühen 30er Jahren wurde bisher jedoch weitgehend ausgespart. Vor dem Hintergrund des Erstarkens des National­ sozialismus in Österreich 1932/33 muß man sich jedoch die Frage stellen, wie denn die Blattli­ nie und -gestaltung des Kikeriki! ausgesehen haben, und welche redaktionellen und institu­ tioneilen Veränderungen dingfest gemacht wer­ den können.

40

Die beabsichtigte Funktion des Witzblattes sollte der Brückenschlag zwischen der Vermittlung von Humor und Satire und einer damit einher­ gehenden Sichtbarmachung von gesellschaftli­ chen Mißständen sein. Die inhaltlichen Schwerpunkte im 19. Jahrhun­ dert lassen vor allem Kritik an der katholischen Kirche, Beschäftigung mit der sozialen Frage, dem kulturellen Leben, mit außen- und innenpoliti­ schen Fragen und erste antisemitische Tenden­ zen erkennen, wie Christa Bader nachgewiesen hat. Zum erklärten antisemitischen Blatt wurde der Kikeriki! mit der Übernahme der Redakti­ onsagenden durch Friedrich Ilger (= Fritz Gabriel) 1898.4

Am Beginn der Ersten Republik wurden das

inhaltliche Konzept, die antisemitische Grund­ haltung und die fast schon „traditionellen“ Vor­ urteilsstrukturen des Kikeriki! kaum verändert, sondern vielmehr prolongiert und ausgebaut.5 Hannes Haas hat sich - wie schon bemerkt - mit der weiteren Entwicklung des „humoristischen Volksblattes“ - so der Untertitel - bis 1927 auch in seiner Dissertation auseinandergesetzt. In den Der Name „Kikeriki!“ sollte nach Intention der ersten Jahren der Republik kann ver­ Blattverantwortlichen mutlich eine Präferenz für die Christ­ Am Beginn der Ersten Republik ein Synonym für das lichsoziale Partei konstatiert werden, wurden das inhaltliche Konzept, freie Wort und die was mehrere Wahlaufrufe für eben die antisemitische Grundhaltung schonungslose Ver­ diese belegen. Daß der Kikeriki! das und die fa st schon „traditionellen“ lautbarung „der definitive „Parteiwitzblatt der Christ­ Vorurteilsstrukturen des Kikeriki! Wahrheit“ sein.2Von lichsozialen“6geworden sein soll, wie kaum verändert der ersten Nummer Haas schreibt, ist aber entschieden zu am 7. November 1861 bis 1885 stand das vor bezweifeln, findet sich doch nur ein Jahr später allem mit dem Genre bzw. der Technik der Ka­ in der Folge vom 23. August 1925 zum ersten Mal rikatur arbeitende Blatt unter der redaktionel­ ein Inserat mit einem Hakenkreuz, vier Wochen len Leitung seines Gründers Berg. Die Popula­ später wird gar der von Adolf Hitler herausge­ rität des Kikeriki! war nicht nur an der nach kur­ gebene Völkische Beobachter beworben. Der zer Zeit erreichten Auflage von 25.000 Stück Kikeriki! nahm vielmehr schon 1925 eine Son­ zu ersehen, sondern fand ihren Ausdruck derstellung ein, denn „alle übrigen Wiener hu­ auch in zahlreichen nachahmenden Blättern.3 moristisch-satirischen Zeitschriften lehnten rechtsradikale gesellschaftliche oder politische 1 Vgl. Hannes Haas: Die Publizistik des Vorurteils. Bewegungen ab.“7

Antisemitismus in Karikatur und Satire am Beispiel des Kikeriki! In: Medien & Zeit, 3/1988, 3-7; Ders: Die Wiener humoristisch-satirischen Blätter. Zur Produktionsgeschichte eines Zeitschriftentyps (1778-1933). In: Medien & Zeit, 1/1991, 3-15, hier: 6. Außerdem Ders: Die politische und gesellschaftliche Satire der Wiener humoristisch-satirischen Blätter vom Zusammenbmch der Mofiarchie bis zum Justizpalastbrand (1918-1927). Phil. Diss, Wien 1982. 2 Christa Bader: Der „Kikeriki! “ unter O.F. Berg. Diplomarbeit, Wien 1985, 17. 3 Ebd., 18. Genannt werden etwa der ungarische Pester Kikeriki!, der Brünner Kikeriki!, der italienische II Kikeriki!, der Neue Freie Kikeriki! , Der junge Kikeriki! oder der in hebräischer Sprache publizierte Jüdische Kikeriki!.

4 Vgl. Haas, Die Wiener humoristisch-satirischen Blätter, 6. 5

Vgl. exemplarisch Kikeriki!, F. 2/1919, 2.

6 Haas, Die politische und gesellschaftliche Satire, 58. Haas ist zudem in seiner Taxierung nicht genau bzw. nicht einheitlich: Auf S. 74 schreibt er erneut vom „christlich­ sozialen Parteiblatt“, auf S. 75 nennt er den Kikeriki! einen „Befürworter der Hakenkreuzler“, auf S. 77 schließlich unterstützt der Kikeriki! plötzlich „Ziele dieser Gruppen“, womit die Heimwehr gemeint ist. 7

Ebd., 77.

Die ab 1924/25 immer häufiger werdenden antisemitischen Karikaturen waren auf den neuen verantwortlichen Redakteur Rudolf Kraus zurückzuführen, der das Wochenblatt sukzes­ sive auf einen radikalen Kurs brachte. Die pu­ blizistische Schärfe lag darin, daß der Kikeriki! mit seinen militant-hetzenden antisemitischen Kampf­ karikaturen, in denen er sogar die Anwendung offe­ ner G ew alt gegen Juden forderte (...) zur R adikali­ sierung der gesellschaftlichen Spannungen in der Er­ sten Republik beitrug.8

So weit läßt sich das Wochenblatt als antisemi­ tisch einstufen. Wie stellt sich nun aber die in­ haltliche und redaktionelle Entwicklung bis zum Ende der Ersten Republik 1933/34 dar? Vor al­ lem aber: Wie läßt sich das Verhältnis des Ki­ keriki! zum Nationalsozialismus als Ideologie und zur österreichischen (Wiener) NSDAP im be­ sonderen definieren?

Phase 2: Eine erstmalige direkte Propaganda für eine österreichi­ sche NS-Parteizeitung - den in Klagenfurt er­ scheinenden Vormarsch - ist am Tag der Wiener Landtagswahl, dem 24. April 1932 festzustel­ len:1012Nach dem für die Wiener Nationalsozia­ listen erfolgreichen Elektorat ließ das „Witz­ blatt“ die Maske fallen und dokumentierte sein Einschwenken auf nationalsozialistische Par­ teilinie mit der Folge vom 1. Mai 1932, in der der Kikeriki! nicht nur wieder für den Vormarsch warb, sondern in einer Wahlnachlese kein Hehl mehr daraus machte, wen das Medium in Zu­ kunft unterstützen wollte: Verraucht sind die Wahltage und haben nur einen Sie­ gerzurückgelassen; - wenn auch die „Morgenjüdin “ vom Siege der Sozialdemokratie au f der ganzen Linie faselt.

D as sind die Nationalsozialisten. Sie verdanken ihren Sieg in erster Linie der suggestiven Kraft des Hitler-Pro­ Gleich vorweg, die Beweisführung dafür, daß gramms, den Auswirkungen aus dem Reiche, der Un­ zufriedenheit mit den sich der Kikeriki! mit Beginn der 30er bestehenden Verhält­ Jahre nicht nur als übles antisemitisches M it Beginn der 30er Jahre nissen im Lande und Hetzblatt positionierte, sondern zwischen positionierte sich der Kikeriki! dem sch ier ü ber­ 1932 und 1933 zu einer Parteizeitung der nicht nur als übles antisemitisches menschlichen Fana­ Wiener NSDAP mutierte, ist durch die Hetzblatt sondern ... mutierte zu tismus, den die N a­ Analyse der Blattentwicklung und der einer Parteizeitung der Wiener tionalsozialisten in inhaltlichen Positionen belegbar. Fol­ Wien entwickelten, NSDAP der sich in ununter­ gende Stationen auf diesem Weg lassen sich brochener A rbeit im Interesse ihrer Ideen äußerte. rekonstruieren: (...). Darum läuft alles zu den Nazi, weil die Leute Phase 1: Bereits während des Sommers 1931 for­ wissen: D ie N azi sind Feinde des Parlamentarismus in seiner heutigen Form. (...). D eshalb fo r t m it der derte das Blatt seine Leser erstmals und von da Demokratie, m it dem heute bestehenden System des an kontinuierlich auf, nicht im Warenhaus, das Packeins und Schachem s. D as ist jü disch er Geist, von den Nationalsozialisten als „typisch jüdisch“ also deshalb auch fo rt m it den Juden. 11

betrachtet wurde, sondern beim „christlich-deut­ schen“ Geschäftsmann einzukaufen. Die Be­ zeichnung der Nationalsozialisten für diese Art der Propaganda war „Boykottbewegung“. Gleich­ zeitig begann auch die Inseratenschaltung für das Periodikum des Deutschösterrei-chischen Antisemitenbundes und späteren Salzburger NSGmbfoUes Der Eiserne Besen. Ende 1931 führte der Kikeriki! ein für das Blatt bis dahin nicht charakteristisches journalistisches Genre ein, die Glosse „Ernste Ecke“, die fortan meistens auf Seite 7 zu finden war.9 Der Herausgeber kommentierte nun Woche für Woche das politi­ sche Geschehen, wobei er schon bald deutliche Sympathiebekundungen für den Nationalsozia­ lismus abgab.

Mitte Juni 1932 begann die Verherrlichung Hit­ lers und der NSDAP schon groteske Züge an­ zunehmen. Der Kikeriki! schreibt: Man muß Hitlers Setidung, man muß die Idee des Nationalsozialismus eine göttliche nennen. Nicht nur, daß sie in ungezählten Millionen deutscher Menschen die Hoffnung au f eine bessere Zukunft er­ weckte und das Leben w ieder lebenswert machte, die Idee brachte allen deutschen Menschen das B ewußt­ sein des gleichen Blutes, der blutsbedingten Zusam ­ mengehörigkeit bei und schuf aus den vielen Stämmen ein einheitliches deutsches Volk. Wir sind heute alle, die w ir uns N ationalsozialisten nennen, in erster Li­ nie D eutsche und dann erst Österreicher, Bayern, Preussen usw. usw.u

10

Vgl. Kikeriki!, F. 17/1932, 5.

8

Ebd., 288.

11

N.N. In: Kikeriki!, F. 18/1932, 7.

9

N.N. In: Kikeriki!, F. 51/1931, 7.

12

N.N. In: Kikeriki!. F. 25/1932, 8.

41

P hase 3: Auf die Proteste und Warnungen, die daraufhin in an­ deren Printmedien geäußert worden waren, rea­ gierte der Herausgeber prompt mit einer Stel­ lungnahme, in der er sich selbst erstmals als Par­ teimitglied der NSDAP zu erkennen gab: Im „B auem bündler“ vom 25. Juni richtet ein Bie­ dermann ein Schreiben an die Oeffentlichkeit, in dem vor dem „K ikeriki!“ gew arnt wird, weil er sich an die Nazis angebiedert hätte und je tz t im nationalsozialistischen Sinne schreibt. An die Nazi habe ich mich gar nicht angebiedert, sondern bin ganz einfach in die N .S.D .A .P ein getreten aus dem einzigen Grunde, weil es fü r uns Deutsche eine an­ dere Möglichkeit aus dem Elend herauszu­ kommen gar nicht gibt. 13

Die Pressestelle der N.S.D.A.P, Wien, I. Bezirk, Kärnt­ ner Straße 16 übernimmt Bezugsanmeldungen und Ankündigungen fü r den „Kikeriki!“ 16

Erste Konsequenz daraus war die Einbin­ dung der Leserschaft. Am 15. Jänner 1933 wurden die Parteimitglieder aufgefordert, das Blatt künftig mit Fotos zu beliefern, zwei Wochen

Mit dem Eintritt des verantwortlichen Redakteurs und Herausgebers Rudolf Kraus in die Wiener NSDAP im Som­ mer 1932 war die Metamorphose des Ki­ keriki! zur NS-Parteizeitung praktisch vollzogen, wenngleich die organisatori­ sche Eingliederung in die nationalso­ zialistische Presseorganisation erst spä­ ter erfolgen sollte. Bis zum Jahresende wurden nun konse­ quent die Dogmen und Aufrufe der NSDAP verlautbart bzw. propagiert.14

Phase 4: Im Dezember 1932 erfolgte

42

mit der Verwendung von Fotos ein wei­ terer Stilbruch, der für viele politische Witzblätter am Ende der Ersten Repu­ blik charakteristisch werden sollte. Ab Dezember 1932 veröffentlichte der Ki­ keriki! fortan stets auf Seite 5 Fotos, die immer öfter direkt aus der Wiener NSIllustrierten Der Notschrei/Das Zeitbild ent­ nommen wurden, die Bildberichterstattung über die NSDAP wurde ab 1933 ein we­ sentliches Charakteristikum.15Am 11. De­ zember 1932 wurde schließlich von der natio­ nalsozialistischen Pressestelle bekanntgegeben:

N.N.: In eigener Sache. In: Kikeriki!, F. 28/1932, 8. 14 Vgl. dazu Kikeriki!, F. 42/1932, 2: „Aufruf: Lieber Parteigenosse! Hast Du schon einen Bezieher für den ,Kikeriki!‘ geworben? Bedenke, ein satirisches Blatt wird, je mehr man es fördert, zu einer um so schärferen Waffe! Also, hilf mit die Feinde unseres Volkes niederringen!“ 15 Vgl. etwa Kikeriki!, F. 49/1932; F. 50/1932; F. 51/1932; F 52/1932.

Abb. 1.

Kikeriki!, Folge 7, 12. Februar 1933: „Verherrlichung von Adolf Hitler"

später wurden Fotos von österreichischen und deutschen NS-Führern veröffentlicht und über­ höht dargestellt.17Zugleich wurde die Werbung für andere österreichische NS-Organe, vor­ nehmlich aber für die Wiener Gauzeitungen, in­ tensiviert. Zu Beginn des Jahres 1933 veröf­ fentlichte der Kikeriki! eine abscheuliche Haßtirade gegen „die Juden“, die keiner Kommen­ tierung bedarf: Es ist eine Übertreibung, wenn jem an d behauptet, die Juden hätten als Volk noch eine Zukunft. Die Ju-

16

Kikeriki!, F. 50/1932, 6.

17 Kikeriki!, F. 5/1933, 5: „Bilder von vielgenannten Persönlichkeiten. Alfred Proksch, Hermann Göring, Gregor Strasser, Theo Habicht, Gauleiter Alfred Frauenfeld und Gauleiter Joseph Goebbels“.

den sind ein sterbendes Volk, und w ir Deutschen ha­ ben g a r keinen Grund, dieses Sterben zu verhindern. Im Gegenteil! Wir Deutschen müssen mit allen Mitteln es unmöglich machen, daß dieses Unikum von R as­ senübersichten von den Halbmenschen der Bibel bis zu den Negern und H etytern, d e r Jude, unser Volk verseucht. Wir müssen daher trachten, daß im Jahre 1933 die N.S.D.A.P. ans Ruder kommt, dann ist unser Volk gerettet.18

der Hausecke hängen zwei Hälf­ ten eines in der Mitte auseinan­ dergeschnittenen Juden an einem Fleischerhaken. Vor der Auslage der Metzgerei stehen ein klei­ ner Junge und ein Hund. Beiden läuft das Was­ ser im Mund zusammen. Ein Dienstmädchen verläßt die Metzgerei mit einer gefüllten Tasche, aus der ein abgeschnittener Kopf und ein Fuß herausragen. Juden sollen also nach Ansicht des Kikeriki! zum Schlachten freigegeben werden!

Phase 5: Am 5. März 1933 erfolgte die Modi­ fizierung des Titelkopfes und des bis dahin be­ nutzten Schriftbildes. Um den Kikeriki! auch Die Übernahme durch die Nationalsozialisten formal-geschäftlich in die Presseorganisation erfolgte Anfang Mai 1933. Das seit der Mitte des der Wiener Nationalsozialisten einzubauen, wur­ 19. Jahrhunderts bestehende Wochenblatt verlor den Ende März 1933 die seit längerem andau­ damit auch seine institutionell-systemische Un­ ernden Verhandlungen zwischen der Redakti­ abhängigkeit, wurde vom Presseverein Gau Wien onsleitung und dem Wiener Gauleiter der NSDAP über­ Alfred Frauenfeld für eine rasche Über­ nommen und für Die Übernahme des Kikeriki! nahme wieder aufgenommen. In einem die propagandisti­ durch die Nationalsozialisten Brief an den Landespressechef der öster­ schen Ziele der erfolgt Anfang Mai 1933, das reichischen NSDAP - Raimund Haintz NSDAP dienstbar Wochenblatt verlor damit auch zeigte sich Frauenfeld optimistisch: gemacht. Die na­ seine institutionell-systemische tio n a ls o z ia lis ti­ Ferner stehe ich seit längerer Zeit m it dem Unabhämgigkeit schen Wiener Ta­ „Kikeriki!“ in Unterhandlungen, dessen be­ dingungslose Übernahme in den Pressever­ geszeitungen verlautbarten: ein des Gau Wien durchaus möglich ist, den wir dann allerdings auf eine 14 tägige Erscheinungsweise be­ schränken müssen.19

Der Antisemitismus des Blattes nahm unter dem Eindruck der nationalsozialistischen „Machter­ greifung“ in Deutschland während des Früh­ lings 1933 radikale Formen an, was eine furcht­ bare Zeichnung auf der Titelseite der Ausgabe vom 9. April 1933 dokumentiert.20 Sie zeigt die Metz­ gerei „Zum frisch geschlachteten Juden“. An

18

Kikeriki!, F. 2/1933,6.

19 Vgl. ÖSTA/AdR: Sammlungen, Parteiarchive, NSParteistellen, Karton 6, Brief von Alfred Frauenfeld an Raimund Haintz. Wien, 30. März 1933. 20

Vgl. Kikeriki!, F. 18/1933,1.

D er Kikeriki! erscheint ab 2. M ai im Verlag des Pres­ severeins Gau Wien. Wir wollen das B latt ausbauen und geben bekannt, daß alle etwaigen einschlägigen Beiträge an die Schriflleitung des „Kikeriki!“, 6. Be­ zirk, H irschengasse 25 (Adolf-Hitler-Haus), einzu­ senden sind.21

Damit war die Umformung abgeschlossen. Mit dem Parteiverbot der NSDAP am 19. Juni 1933 21 Vgl. dazu Nachtpost, F. 17/1933, 3 som e Abendpost, F. 8/1933, 3. Vgl. ÖSTA/AdR, Nachlaß Walter Lohmann, E: 1700:56; Interview von Isabella Ackerl mit Alfred E. Frauenfeld am 26. und 27. April 1973 in Wien. Interviewtranskript 40: Frauenfeld: „Wir haben dann ein Witz­ blatt herausgegeben.“ Außerdem Alfred E. Frauen­ feld: Und trage keine Reu'. Vom Wiener Gauleiter zum Generalkommissar der Krim. Erinnerungen und Aufzeichnungen. Leoni am Starnberger See 1978,45.

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R ezensionen D

a v id

B a n k ie r

Die öffentliche Meinung im Hitier-Staat: die Endlösung und die Deutschen; eine Berichtigung Berlin - Verlag Spitz 1995; 299 S. G e r h a r d Pa u l K l a u s-M

ic h a e l

M

allm ann

( h r s g .)

Die Gestapo. Mythos und Realität

Darmstadt - Primus-Verlag 1996; XI, 586 S.

Trotz oder wegen der Aufarbeitung der SEDDiktatur hat die Beschäftigung mit der NS-Diktatur Konjunktur. Die Diskussionen, die Viktor Klemperers Tagebücher und Daniel Goldhagens Thesen anregten, haben ein mittleres Erdbeben ausgelöst. Zwei Bücher, von beiden unberührt, weü vorher abgeschlossen und veröffentlicht, erwei­ tern die gegenwärtige Diskussion um etliche Aspekte, insbesondere um kommunikationshi­ storische. Beide beschäftigen sich mit dem, was auch bei Klemperer und Goldhagen Thema ist: Was wußten die Deutschen vom Holocaust? Was taten die gewöhnlichen Deutschen? Beide Bücher sind kommunikationsgeschichtlich von hohem Interesse, weil sie aufzeigen, in welchen Rezep­ tionszusammenhängen Propaganda, Terror und Reaktionen der Öffentlichkeit zu sehen sind.

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David Bankier hat in seiner Studie eine zentrale Quellengattung, die in jüngerer Zeit verstärkt ins Blickfeld der Forschung geraten ist, ausge­ wertet: Die Berichte unterschiedlicher Prove­ nienz zu Stimmungen und Meinungen in der Bevölkerung. Seine zentrale Fragestellung richtet sich auf den Grad von Antisemitis­ mus, der die Bevölkerung bestimmte. In acht Kapiteln beschreibt er die Diskrepanz zwi­ schen „Vorstellungswelt und Wirklichkeit im Dritten Reich“, die „Institutionalisierung und Radikalisierung“ der NS-Politik, „Reaktionen der Öffentlichkeit auf den Antisemitismus, 19331938“, Reaktionen bei „Arbeitern], Bauern und Geschäftsleute^]“, die „Kenntnis von der Judenvemichtung“, „Reaktionen der Öffentlichkeit auf den Antisemitismus, 1939-1943“ und die Dis­ krepanzen zwischen „Vorstellungswelt und Wirk­ lichkeit - das [am] Ende“.

Seine zentralen Aussagen sind abgewogen und fundiert. Grundsätzlich neigt er der seit

Tim Mason immer wieder betonten Einschät­ zung zu, nach der die NS-Politik und deren öf­ fentliche Darstellung (Propaganda) nicht ohne die Grundannahme zu verstehen sind, daß auch das NS-Regime öffentlicher Unterstützung bedurfte. ii

Überzeugend stellt Bankier die Beziehung zwi­ schen der öffentlichen Stimmung und ihrer Re­ zeption in politischen Kreisen bis hin zu Hitler dar. Die konzeptionellen Antworten des Regi­ mes auf einzelne Stimmungsmomente waren dabei von unterschiedlicher Qualität. Wenngleich Hitler, soweit er von den Stimmungen erfuhr, behauptete, die „wahre Stimmung“ sei positiver, kalkulierte er gleichwohl immer mit den Reak­ tionen der Bevölkerung. Während sich Größen des Regimes wie Himmler weigerten, die Stim­ mungsberichte zur Kenntnis zu nehmen, fand gerade Goebbels Propaganda immer wieder „überzeugende“ Antworten. Dabei gelingt es Bankier aufzuzeigen, daß die Pro­ paganda zu verschiedenen Zeiten die Bevölke­ rung nur in unterschiedlichem Ausmaß aktivie­ ren konnte. Alle Beispiele von kritischer Distanz zum Regime, die in den Berichten zum Aus­ druck kommen, versucht Bankier auf die Mo­ tive, die hinter dieser Haltung standen, zurück­ zuführen. So unterscheidet er scharfsinnig zwi­ schen der negativen öffentlichen Reaktion etli­ cher Deutscher auf antisemitische Maßnahmen (Boykott 1.4.1933, „Reichskristallnacht“, Judensternverordnung u.a.) und deren Zielrich­ tung: Weniger Sympathie für die Juden als viel­ mehr Ablehnung des Regimes hätten die Motive bestimmt. Bankier geht mit dem Material sehr quellenkritisch um. Immer wieder arbeitet er heraus, daß die Berichte des SD, der Gestapo, der Exil-SPD und der Verwaltung ebenso wichtig, wie vorsichtig zu lesen sind. An allen Punkten wird Bankiers Einschätzungen aber nicht zuzu­ stimmen sein. So erscheint es mir zweifelhaft, wenn er Hitler bei der Abfassung der Nürnberger Ge­ setze als Getrie-benen darstellt (S. 61), sich dann aber selbst widerlegt (S. 62-66) und dabei auf­ zeigt, wie stark die vor dem Parteitag aufge­ baute Entrüstung über die „Frechheiten der Ju­ den“ manipuliert war, um die Gesetzgebung zu legitimieren.

Das Material, auf das sich Bankier stützt, ist beinahe uferlos zu nennen. Dabei konnte seine Ar­ beit noch nicht einmal den großen Bestand der Ge­ stapo-Berichte 1934-1936 im Geheimen Staats­ archiv Dahlem berücksichtigen, auch die Gmppe „Neu Beginnen“ findet keine Berücksichtigung.

Beide Quellen hätten seine Interpretation aber im wesentlichen bestätigt. Der Autor stellt seine Bemerkungen zum Wissen um die Endlösung auf eine breite Grundlage. Dabei geht es nicht um eine definitive Antwort, sondern es muß nach Teilfragen differenziert werden: Was konnten einzelne Gruppen wissen? Was wollten die Deut­ schen wissen? Bankier räumt mit der irrigen Auf­ fassung in der nötigen Deutlichkeit auf, die Deut­ schen hätten nichts gewußt. Diese durchscheinige Selbstentlastung ist in den letzten Jahren zunehmend ins Wanken geraten: Wer wissen wollte, hat gewußt, hat sogar vom industriellen Töten gewußt. Und das nicht, weil das Regime seine Vemichtungsaktionen tabuisierte, sondern weil es eine Doppelstrategie fuhr. So ist die angedeutete „Funktion“ der Judenver­ nichtung u.U. Kern einer radikal neuen Sicht: Hitler fühlte nicht den Krieg, um die Juden zu ver­ nichten, sondern die Judenvemichtung diente auch - der Kriegs Verlängerung. Denn die in Um­ rissen bekannten Verbrechen hätten den Durchhaltewillen der Deutschen deshalb gestärkt, weil sie angesichts der Verbrechen keinen milden Frieden erwarten durften.

Dem Terror nach innen und außen ist dem von Gerhard Paul und Klaus-Michael Mallmann herausgegebenen Band über Mythos und Realität der Gestapo gewidmet. Dieser Sammelband er­ gänzt nicht nur Bankiers Darstellung, die ein­ zelnen Beiträge ergänzen sich selbst ebenfalls gut Da das Regime keine Demoskopie kannte oder kennen konnte, war es auf polizeiliche Erhe­ bungen zur Stimmung angewiesen. Dabei existierte ein kurzer Draht zwischen der allgemeinen La­ gebeurteilung und den konkreten Gegenmaß­ nahmen im Einzelfall. Allerdings wurde das nicht so weit getrieben, daß die Erforschung der Volksstimmung darunter gelitten hätte. Rainer Eckert ist zuzustimmen, wenn er den Quellen­ wert der von Bankier ausgesparten Gestapo-Be­ richte insgesamt, unter Beachtung der quellen­ kritischen Distanz, als hoch erachtet. Wenn Eckert schreibt, die Gestapo-Berichte seien im wesentlichen ohne Denunziationen ausgekommen, so stellt Robert Gellately hin­ gegen fest, daß in allen Überlieferungsschich­ ten Denunziationen vorherrschten. Mit Hinweis auf normative Richtlinien kann Eckert die Pra­ xis nicht widerlegen. Gellately verweist dage­ gen auf die nationalsozialistische Theorie (Wer­ ner Best): Best stellte sich idealiter die Gestapo ohne Spitzel, dafür aber von freiwilligen Beiträ­

gen der Volksgenossen gestützt, vor.

Gellately ist ohne Zweifel zuzustimmen: In den Gestapoberichten, wie später auch in denen des SD ist immer wieder zu lesen, in dieser oder jener Angelegenheit seien „staatspolizeiliche Ermittlungen eingeleitet“ worden. Gerade die Denunziationen machten das NS-System zu ei­ nem „selbstüberwachenden“ (Gellately) - und auch zu einem selbstreferentiellen. V-Leute und Denunzianten untersuchen auch Mallmann und Gisela Diewald-Kerkmann. Wäh­ rend Mallmann in seinem Beitrag als Typen den „republikanischen Infiltreur, den Überläufer, den Überzeugungstäter und den Profiteur der Verhältnisse“ unterscheidet, hebt Frau DiewaldKerkmann die Heterogenität der Motive von nie­ deren privaten bis zu systemloyalen hervor. Dem scharfen Urteil Mallmanns über Walter O. Wey­ rauchs Erinnerungen muß man dabei nicht gänz­ lich zustimmen, Weyrauch lieferte deutlich mehr als eine „bestenfalls intelligente Spekulation“. Zu­ mindest sollte ihm zugebilligt werden, was der Oral-History auch zugestanden wird: Eine kri­ tisch zu lesende Aufarbeitung zu sein. Die quellenkritische Distanz ist insbesondere bei der Oral-History angebracht, mit der Eric A. Johnson und Karl-Heinz Reuband die Ein­ schätzungen in der Bevölkerung zu Gestapo, Spitzeln, Denunzianten, alltäglichem Terror und Judenvemichtung zu ergründen suchen. Ein in­ teressantes und, weil weniger sensibles, sicher­ lich glaubwürdiges Ergebnis der Pilotstudie sind die 74%, die 1993 angaben, nicht in persönlicher Furcht vor der Gestapo gelebt zu haben - gleich­ zeitig aber von Vorsichtsmaßnahmen sprachen. Von den Judenverfolgungen und -Vernich­ tungen wollen dagegen nur 57% bzw. 14% etwas gewußt haben. 21% bzw. 37% ver­ weigerten hier die Antwort - bei unsensiblen Angaben zu Wohnort u.ä. hingegen nur 1%. Wichtig sind auch die Hinweise von Paul, Mall­ mann sowie Johnson und Reuband, daß das öf­ fentliche Halbwissen über die Gestapo gewollt war, weil es Furcht vor ihr zu erzeugen half. Er­ gänzend fügen sie hinzu, daß der propagandi­ stische Mythos der Gestapo deren strukturelle De­ fizite habe kaschieren sollen. Weitere instruk­ tive Beiträge, die allerdings kommunikations­ historisch von geringerem Interesse sind, be­ handeln die regionale und internationale Ent­ wicklung des Gestapo-Terrors.

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G robe W ahrheiten - w ahre G robheiten feine Striche - sc h a rfe Stiche. Jugend, Simplicissimus und andere Karikaturen-Joumaie der Münchner “Beile Epoque" als Spiegel und Zerrspiegel der kleinen wie der großen Welt. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung des Instituts für Kommunikationswissenschaft (Zeitungswissenschaft) der Ludwig-Maximilians-Universitat München.

München: Fischer 1996. 99 S. R u d o lf Stöber, Berlin / Dresden Die aus einem Seminar von Ursula E. Koch her­ vorgegangene Ausstellung bekundet, so der Rek­ tor Andreas Heldrich im Gruß wort, daß „auch in einer Massenuniversität die historische For­ schung gedeiht“. (S. 4) Ein solcher Erfolg stellt sich freilch nur dann ein, wenn mehrere Fakto­ ren Zusammentreffen: Esprit und Vermögen der Seminarleitung, studentische Interessen auf An­ liegen der Wissenschaft anzusetzen, Beharr­ lichkeit auf Seiten der Studierenden, Unterstüt­ zung durch die Universitätsleitung und Lösung der Raumfrage.

Die Exposition konnte aufgrund konservatorischer Rücksichten sowie stark eingeschränkter Ausleihmöglichkeiten bloß in einigen Vitrinen Originale zeigen. Dies tat ihr aber keinerlei Ab­ bruch, wovon sich der Rezensent anläßlich eines Gastvortrags bei Ursula E. Koch im Mai 1997 mit übergehenden Augen zu überzeugen ver­ mochte. Die Ausstellung konnte sich wirk­ lich sehen lassen.

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Die Organisatoren der Ausstellung nutzten die Möglichkeit multimedialer Technik. So wurden die - nach der Sichtung von tausen­ den Karikaturen - ausgewählten 200 Exponate fotografiert und eingescannt, am Bildschirm „re­ stauratorisch“ bearbeitet, auf elektronischen Spei­ chern archiviert und sodann ausgedruckt. Was die Organisatoren anfänglich nur als Notbehelf verstanden wissen wollten, präsentierte sich schließlich als bestechende Dokumentation mo­ derner Gestaltungsform sowie als exquisites Vor­ bild für Expositionen, die es mit gleichen oder ähn­ lichen Materialien zu tun haben. Den Katalog zeichnen viele Vorzüge aus. Formal besticht er durch sein edles Großformat und die

gestreckten Rahmens, In seiner grafischen Ge­ staltung klingen Geist und Witz der Austeilung wieder. Anspruchsvoll wie ansprechend ver­ bindet er wissenschaftliche Ansprüche mit di­ daktischen Anliegen. Er stellt eine Edition dar, die weit über die Dauer der Ausstellung hinaus vorzüglichen Nachschlagewert genießt; dies nicht nur für das Fach selbst, sondern für viele andere wissenschaftliche Disziplinen, überdies für den schulischen Unterricht und die Erwachse­ nenbildung. Zwei Teile tragen den nachhaltigen Gehalt des Katalogs. Den ersten Teil bilden Aufsätze, den zweiten formen die wissenschaftlich akribisch er­ arbeiteten Erläuterungen der ausgestellten Ob­ jekte, auf die thematisch orientierte und kultur­ historisch akzentuierte Kurzaufsätze vorberei­ ten. Für diese zeichnen Markus Behmer, Irm­ gard Bommersbach, Maike Furbach-Sinani, Su­ zanne Gourdon, Susanne Kinnebrock und PierrePaul Sagave. Zur sorgfältigen Lektüre des Katalogs von A bis Z lädt der eingangs des ersten Teils gestellte Bei­ trag von Ursula E. Koch ein: „Von A wie Ab­ sinth bis Z wie Zickzack. Die ,Belle Epoque4 der Münchner Karikaturen-Joumaie (1866 bis 1914)“. Die einzige Ordinaria für Kommunika­ tionsgeschichte in der BRD, die im Rahmen ih­ rer Forschungen, ihres Schaffens und Wirkens ex­ quisite Kompetenz auf dem weiten Gebiet der il­ lustrierten politischen Witzblätter bewiesen hat (vgl. etwa ihr 1991 veröffentlichtes Buch „.Der Teufel in Berlin“) versucht an dieser Stelle erst­ mals, die „bunte Vielfalt der Karikaturenjour­ nale (...) typologisch einzuordnen“. (S. 9) Er­ folgreich, darf alsogleich konstatiert werden, wobei eine Publikation des Rezensenten über Phänomene politischer Karikatur nur am Rande als Richtscheit für diese Bewertung zu dienen ver­ mag. Die vorgelegten Argumente sind es vielmehr, die mitsamt ihrer - hier notwendigen wie wohl­ tuenden - Fülle an Daten und Fakten beein­ drucken, zumal sie in stetem Bezug zu gesell­ schaftliche Positionen und ökonomischen Rand­ bedingungen stehen. Fazit ist: Endlich liegt ein Traktat vor, das Betrachtungsweisen über Karikaturenjoumale (trotz des Zwangs zur Kürze in einem Ausstellungskatalog) anhand von diver­ sen „Fällen“ dingfest macht - und genuin zu weiteren typologischen Forschungen einlädt. Die anderen Texte des ersten Teils verfaßten Helga Abret, Suzanne Gourdon und Thomas

Knieper. Weit mehr als der Aufsatz von Ursula E. Koch zur Knappheit gezwungen, beschäftigen diese sich mit Aspekten, die über München hin­ ausweisen. Sie gelten Albert Langen, einen Ver­ leger von europäischem Format, sodann der Zeit­ schrift Die Jugend zwischen Paris und St. Pe­ tersburg sowie dem nur wenige Monate währen­ den Wirkens deutscher Karikaturisten in Chi­ cago, einem „humoristischen Ausflug in die ,neue Welt’“, so der Untertitel dieses Beitrags. Der zweite Teil der Edition - er ist mit „Katalog“ überschrieben - gibt die Grundideen der Aus­ stellung mit seiner Einteilung in drei Themenkreise wider: 1. Karikaturenjoumale zwischen Lesern, Markt und obrigkeitlichen Zwängen, 2. Kultur und Gesellschaft der Zeit von 1886 bis 1914 im Spiegel und Zerrspiegel und 3. Das Reich und die Welt. Politik der Jahrhundertwendezeit. Dem Angebot der Aufsätze und des „Katalogs“ fügt sich ein Anhang nahtlos an, der mehr ent­ hält als bloß ein Verzeichnis der Exponate. Es birgt eine Liste sämtlicher Münchner Karikaturen­ joum ale von 1886 bis 1914, biographische An­ notationen zu den Künstlern, die für diese Jour­ nale arbeiteten, eine knappe Auswahlbibliogra­ phie - und (besonders hervorzuheben) eine mit dem Zitel „Die schöne Zeit vor Anno T4“ ver­ sehene Chronik der kleinen wie der großen Welt, um dem Leser/der Leserin eine geeignete Ein­ bettung des Gesehenen zu schaffen. Wolfgang D uchkowitsch S t e f a n R i e s e n f e l l n e r /J o s e f S e it e r D er Kuckuck. Die m o d ern e Bild -Iilustrie rte d es Roten W ien. M it einem Beitrag von M urra y G. Hali (=Stud ien zu r G e se ilsc h a ftsund Kulturg e sc hic h te , Bd. 5).

Wien: Verlag für Gesellschaftskritik 1995. 352 Seiten.

Mit dem Terminus und der einschließenden Bewertung eines Buches als „Standardwerk“ sollte man im allgemeinen eher sparsam um­ gehen. Im Fall der vorliegenden Publikation trifft dies aber zweifelsohne zu, ganz einmal ab­ gesehen davon, daß hervorragende und profunde Monographien über Zeitungen/Zeitschriften der Ersten Republik eher rar sind. Der Grazer Hi­ storiker Stefan Riesenfellner und der Wiener Kulturhistoriker Josef Seiter haben nach jahre­

langen Recherchen mit Akribie und Leidenschaft den Kuckuck, das il­ lustrierte Wochenmagazin der österreichischen (Wiener) Sozialdemokratie der Jahre 1929-1934 dargestellt, um nicht zu sagen wiederbelebt. Das überaus großformatige Buch (23 cm x 30 cm) ist in einem zweispaltigen Satzspiegel gedruckt, was den ohnehin umfangreichen Text noch zu­ sätzlich verdichtet. Intention der Autoren war es, mit außerordent­ lich umfangreichem Fotomaterial einen Quer­ schnitt durch die Entwicklung und Biographie der Zeitung, ihrer Autoren und Gestalter zu bieten und den Versuch der Ortung und Einschätzung der hi­ storischen Fixierung und der ideologischen Stand­ ortbestimmung zu unterbreiten (Vorwort, S. 7). Beide Zielsetzungen sind aufgegangen und zu­ dem brillant umgesetzt worden. Die ersten Ka­ pitel bilden das Fundament des Buches und ge­ ben detailliert Auskunft über die Gründungs­ phase, Vorläufer und Vorbilder, Gestalter und Redakteure, den „Erfinder“ des Blattes Julius Braunthal, über Modalitäten und Erscheinungs­ weise, Produktions- und Vertriebsverhältnisse und über die Positionierung/Stellung des Kuckuck im Pressewesen der Sozialdemokratie bzw. in der damaligen österreichischen Zeitungsland­ schaft. Der historisch-narrative Teil wird sodann übergeführt in ein fototechnisch raffiniert ge­ staltetes Intermezzo mit dem wirklich feinen Abdruck ausgesuchter Titelblätter zwischen 1929 und 1934 (S. 67-96). Diese „Kuckuck“Titelblätter-Revue kommt ohne Begleittext aus und regt immer wieder an, nicht nur einen Blick darauf zu werfen, sondern angenehm darin zu ver­ sinken.

Die folgenden Abschnitte stellen die theo­ retisch fundierte Analyse der Bild- und Text­ inhalte respektive des agenda-setting des Kuckuck dar. Untersucht werden so große Themenkategorien wie Kunst und ästhetische Erziehung, das Frauen- und Männerbild, die Ausdrucksformen des neuen Körperbewußt­ seins, Sport und die Ästhetik des Alltags, um nur einige zu nennen. Der Beitrag von Murray G. Hall über Literatur im Bild (S. 164-169) fügt sich da adäquat ein. Obwohl die Bildillustrierte in die Propagandaarbeit der Sozialdemokratie einbezogen wurde, war das Blatt zunächst nicht primär für diese Zwecke bestimmt. Die unmit­ telbare politische Analyse war nicht die erste Aufgabe des Kuckuck (S. 47). Erst der Wahler­ folg der NSDAP bei den Wiener Landtagswah-

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len vom April 1932 zwang zu einer

aktuelle Tages- und Regierungspolitik im Vor­

weiter verstärkten Nutzung des

dergrund war, sondern die großen Entwick­

Kuckuck als Propagandainstrument (S. 47). Daraus ergab sich natürlich die logische Kon­

sequenz der Propagierung der vielfältigen Ma­ nifestationen des Roten Wien, die der Kuckuck ausgiebig in Photographien und Bildern transparent machte, wie die Autoren zeigen. Analog zu dem schon erwähnten Abdruck der Titelblätter gibt es ein spezieUes Zeit im Bild (S.240-260). Dabei wer­ den die Krisenjahre der österreichischen Zeit­ geschichte in den frühen dreißiger Jahren wie­ der mit Titelseiten rekonstruiert, wobei nicht die

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lungslinien im Fortgang der Republik und Europas; und hier wiedemm stand der publizistsche Kampf gegen die Faschismen im Zentrum der Agita­ tion (S. 240). Das letzte Kapitel ist die vollständige Faksimilierung der letzten Nummer vom 11. Februar 1934. Am nächsten Tag war das Wochenmaga­ zin bereits Geschichte. Das verdienstvolle Buch läßt den Kuckuck wieder schreien. Bernd Beutl

NEUERSCHEINUNG Wolfgang Duchkowitsch: Verstellte oder hellsichtige Blicke? Zeitungskunde und Zeitungskultur. - Fritz Fellner: Die Zeitung als historische Quelle. - Edith Walter: Ökonomische Bedingungen der Wiener Presse um 1900. - Lorelies Ortner: Der Stil der Anzeigen in der Wiener Presse um 1900. - Sigurd Paul Scheichl: „Im großen Styl der Kaiserlichen Redeweise “. Beobach­ tungen zu Form und Stil der Leitartikel Moriz Benedikts in der „Neuen Freien Presse(i. - Arno Maierbrugger: Das „ historische “ Zeitungs-Feulleton. Forschungsprobleme aus der Sicht der Kommunikationsgeschichte. - Monika Kollmann: Essayistinnen und Feulletonistinnen der Wiener Jahrhundertwende. Eine Forschungslücke. - Ilona Särmäny-Parsons: Auftakt zur Moderne. Kunstkritik der Wiener Tagespresse 1894. - Christine Adriaenssen: Die ,antimodernistische‘ Tätigkeit Max Nordaus. - Peter Leisching: Hugo Wittmann. Prosopographie eines einge­ wienerten Schwaben pariserischer Prägung. - Hannes Haas: Eduard Pötzl - Korrekturen am Klischee. - Ulrike Lang: Die Wiener Literaten und die Zeitungen. Ladislaus Lang: Die Österreichische Zeitschriften­ datenbank an der Österreichischen Nationalbibliothek. Eckart Früh: Das Tagblatt-Archiv. - Eckart Früh: Jugend in Wien um 1900. - Hermann Sagl: Wiener Tageszeitungen 1890-1914.

Zeitungen im Wiener Fin de Siecle. Herausgegeben von Sigurd Paul Scheichl und Wolfgang Duchkowitsch, Verlag für Geschichte und Politik Wien, R. Oldenburg Verlag München, 1997, öS. 348,-. Erhältlich im Buchhandel.

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