200 Jahre Krankenhaus St

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200 Jahre Krankenhaus St. Vinzenz und Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern in Zams Die Ausstellung gibt einen Überblick über Geschichte, Entwicklung...

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200 Jahre Krankenhaus St. Vinzenz und Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern in Zams Die Ausstellung gibt einen Überblick über Geschichte, Entwicklung und Ausbreitung des Ordens in Europa und darüber hinaus, sowie über Einrichtungen des Ordens heute, wie Krankenhaus St. Vinzenz, Alten- und Pflegeheime, Einrichtungen für Menschen mit Behinderung, Schulen und Kindertagesstätten… Sie gibt Einblick in die Spiritualität der Gemeinschaft und die Berufung zur Barmherzigen Schwester.

KRANKENHAUS UND MUTTERHAUS der Barmherzigen Schwestern (1811 – 1870)  Am 18. März 1811 legte der Dekan Nikolaus T. Schuler von Zams den Grundstein für ein kleines Krankenhaus. Junge Frauen aus Zams und Umgebung pflegten die Kranken und erteilten den Mädchen im Dorf Unterricht. Fürstbischof Bernhard Galura gab Schuler den Tip, sich für sein Krankenhaus Schwestern zu holen. Der Dekan durfte eine junge Frau zur Ausbildung nach Straßburg schicken. Die Zammerin Katharina Lins erklärte sich dazu bereit. Als Sr. Josefa Nikolina kehrte sie 1823 nach der Ausbildung zur Ordensfrau und Krankenschwester von dort zurück. Dekan Schuler hatte viele Widerstände von Seiten der weltlichen und kirchlichen Behörden zu überwinden, bis schließlich die Gemeinschaft der Barmherzigen Schwestern des heiligen Vinzenz von Paul in Zams im April 1826 genehmigt war.  1830 waren im Haus am Stollangerl neben den Schwestern 50 Krankenbetten und 26 Mädchen untergebracht.  Bereits 1836 begann man in Zams mit der Lehrerinnenausbildung, die mit Ausnahme der Nazizeit bis 1975 in den Händen des Ordens lag. Im März 1870 fiel das von Schuler gebaute Haus einer Brandstiftung zum Opfer. Die Generaloberin Franziska Borgias Aloys errichtete eine Notunterkunft für die Schwestern, später im Talboden das heutige Mutterhaus und anschließend den heute noch bestehenden ältesten Teil des Krankenhauses St. Vinzenz. A) Die Entwicklung des Krankenhauses Zunächst war der Gemeindearzt von Zams auch leitender Arzt Dr.Peter Decristoforo (1907 – 1924) des Krankenhauses.  1924 kam Dr. Gabriel Prenner als erster Primarius und medizinischer Leiter ans KH St. Vinzenz und hat durch 30 Jahre die Entwicklung des Hauses mitgetragen.  Trotz Wirtschaftskrise und akutem Geldmangel wurde unter Generaloberin Sr. Ludwiga Brindlinger in den Jahren 1930 – 34 anstelle der Notunterkunft unter der Leitung von Architekt und Baurat Willibald Braun der heutige Rundbau (Haus I) errichtet. Bereits 1934 wurden (mit nur einem Arzt!) mehr als 2000 Kranke versorgt.

 1939 wurde OMR Dr. Richard Schönherr als zweiter Primarius für Innere Medizin angestellt.  Während des 2. Weltkriegs diente das Krankenhaus - wie die Räumlichkeiten des Mutterhauses - als Lazarett. Im Februar 1945 beherbergte das Krankenhaus insgesamt 508 Patienten.) Nach dem Krieg wurde das Krankenhaus wieder der Bevölkerung der Bezirke Imst und Landeck zur Verfügung gestellt und entwickelte sich zu einem modernen Standardkrankenhaus mit Gesundheits-und Krankenpflegeschule.  Unter Generaloberin Sr. Dr. Bernardina Außerhofer kamen zu den zwei Primariaten noch fünf (Anästhesie, Pädiatrie, Gynäkologie und Geburtshilfe, Unfallchirurgie) hinzu und wurde Haus III als Krankenpflegeschule mit Wohnheim errichtet.  Unter Generaloberin Sr.Dr.M.Dominika Moosbrugger wurde erstmals unter finanzieller Mithilfe von Gemeinden, Land und Bund die Sanierung des gesamten Altbaues (Haus I) und die Errichtung eines Neubaus in Auftrag gegeben. Architekt DI Friedrich Falch errichtete auf beengtem Areal in schwieriger geologischer Gesteinslage den vierten Bau (1986 – 94) des „Krankenhauses St. Vinzenz“. Seit 1994 wurde das Medizinische Leistungsangebot um die Fachschwerpunkte Urologie, HNO, Orthopädie und Augenheilkunde erweitert. Eine Pathologie ist dem Krankenhaus angeschlossen. In der Zwischenzeit wurde ein neuer OP gebaut, auch modernste Diagnosegeräte, wie CT oder MRI sind in Einsatz. Neue Operationsmethoden z.B. der Wirbelsäulenchirurgie haben neue OP-tische erfordert. Die tagesklinischen Behandlungen nehmen zu. Es wurde bereits eine onkologische Tagesklinik eröffnet, der in absehbarer Zeit eine operative folgen soll. Die ständig gestiegene Nachfrage ( zu den rund 100 000 Einwohnern kommen im Winter ebenso viele Gäste dazu) wie die Vermehrung des Personals führen dazu, dass das Haus in der jetzigen Größe dem Druck nicht mehr standhalten kann. Der nun bevorstehende Um- und Neubau soll dem Rechnung tragen. Strukturen, z.B. die Ambulanzen, müssen entflochten und neu geordnet, vergrößert und verbessert werden. Dazu kommen neue Anforderungen durch den Regionalen Strukturplan Gesundheit (RSG), der für Zams die neuen Abteilungen Psychiatrie, Neurologie und Akutgeriatrie mit einer Palliativstation vorsieht. Nach dem Ausbau sollen es 394 statt 330 Betten sein. Die GuKPS wird neu errichtet, ebenso sollen Tiefgaragen für Personal und Besucher und ein Betriebskindergarten gebaut werden… Alles in allem werden rund 85 Mio Euro investiert. B) Die Entwicklung des Mutterhauses Den zwölf Schwestern des Anfangs im Jahr 1826 standen hundert Jahre später 1080 Schwestern gegenüber. Treu dem Gründungszweck des Dekan Schuler – Krankenpflege und Unterricht – wurden über hundert Filialen gegründet. Die Schwestern unterrichteten in den Dorfschulen, sie unterhielten sog. Kinderbewahranstalten und versorgten in den Armenhäusern alte, pflegebedürftige Dorfbewohner.

Vor allem im Oberinntal, im Vinschgau bis hinunter nach Bozen und in fast jedem Ort Liechtensteins waren die Schwestern aus Zams anzutreffen. Der gute Ruf der Schwestern drang aber auch über die Landesgrenzen hinaus. Schon 1878 wurde auf Ansuchen adeliger Damen die erste von zwölf Filialen in Kärnten errichtet – die Schwestern übernahmen Heime und Schulen. In Mils bei Hall wurde ein Haus für Menschen mit Behinderung eingerichtet und für die Betreuung Schwestern aus Zams geholt. In Girlan/Südtirol wurde die gleiche Einrichtung nach dem 1. Weltkrieg übernommen und wegen der Abtrennung Südtirols wurde so ein Haus in Lochau in Vorarlberg von den Schwestern gebaut.  Schon 1832 wurde vom Kaiserhaus Katharina Lins nach Wien gerufen, um eine Gemeinschaft zu gründen für die Pflege der Kranken in den Vorstädten.  1842 wurde vom Bischof in Satu Mare Sr. Xaveria Strasser, die mit Katharina nach Wien gegangen war, mit der Gründung einer neuen Schwesterngemeinschaft beauftragt.  1841 wurde durch Erzherzog Maximilian in Lana in Südtirol und Troppau in Schlesien mit Hilfe der Zammer Schwestern der weibliche Zweig des Deutschen Ordens neu gegründet und im Jahr  1845 holte Bischof Haulik Tiroler Barmherzige Schwestern nach Zagreb. Einen schweren Rückschlag erlitt die Gemeinschaft durch den Einbruch des Nationalsozialismus. Es durften keine jungen Frauen mehr aufgenommen werden. Alle Schwestern (allein in Tirol über 160), die im Schuldienst waren, mussten gehen, ebenso die Kindergärtnerinnen. Alle Schulen der Schwestern wurden geschlossen. 1945 wurden die Schulen im Mutterhaus wieder eröffnet – die Lehrerinnenbildungsanstalt, die Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen, die Übungshauptschule und eine Hauswirtschaftsschule. Die KATHARINA LINS SCHULEN (das ORG, die BAKIPäd und die PHS ) sind ihre Nachfolgeschulen. Die NSV-Schule für Krankenpflege wurde durch die Krankenpflegeschule des Ordens – die erste in ganz Westösterreich außer Innsbruck - abgelöst. Die Schwestern sind heute an Zahl gering geworden. Aus vielen Dörfern mussten sie sich zurückziehen. Als Aufgabe geblieben sind die großen ordenseigenen Einrichtungen, wie  das Krankenhaus St. Vinzenz in Zams,  drei große Alters- und Pflegeheime in Lochau, Hall und Schwaz, drei Einrichtungen für Menschen mit Behinderung in Girlan, Mils und Maria Saal.  Die Gemeinschaft unterhält nach wie vor fünf Schulen, in Zams das angeschlossene Wohnheim für Mädchen von 14 – 19 und für die PHS den Hort St.Vinzenz.  Übungskindergarten, sowie Übungshort und Übungskrippe in Zams unterstehen der Leitung unserer Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik.

 In Schlanders erhalten Kinder der Mittelschule Tages- und sozialtherapeutische Betreuung. In Reutte führen wir einen Hort für Volksschulkinder mit Integration, sowie eine Spielgruppe und eine Kinderkrippe mit Öffentlichkeitsrecht.  Im Vinzentinumin Brixen setzen drei Schwestern die lange Tradition in den Seminarien der Diözesen von Brixen, Innsbruck sowie Kirkwood/St. Louis und Madison/Wisconsin in den USA tätigen Schwestern fort.  Der vielfachen Not von heute, die sich in Sinnsuche und mangelnder Ruhe äußert, möchten wir u.a. durch spirituelle Angebote in den Erholungs- und Seminarhäusern von Elbigenalp und Kronburg entgegenwirken. Unsere größten Einrichtungen(Krankenhaus und APHs sowie die Häuser in Mils und Maria Saal) wurden 2003 in Ges.m.b.Hs umgewandelt. In diesen Einrichtungen sind unsere Schwestern heute in der Minderzahl. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind - wie es die Laien seinerzeit schon bei Vinzenz von Paul waren – unsere langen Arme. Wir muten ihnen zu, dass sie in unseren Einrichtungen den Menschen in jener Art begegnen und dienen, wie wir Barmherzige Schwestern es von Vinzenz und Louise und letztlich von Jesus Christus gelernt haben: in erbarmender Liebe und in herzlicher Hochachtung vor der Person des andern. Wir erleben bei aller Sorge und aller Mühe viel Einsatz und Freude auf diesem gemeinsamen Weg.