2003 - Dompfarre St. Stephan

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60. Jahrgang/Nr. 1 Herbst 2004 Pfarrblatt … liegst dem Erdteil du inmitten … Europa wächst Abschied von Kardinal Franz König Heilige im Dom: Benedi...

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60. Jahrgang/Nr. 1

Herbst 2004

Pfarrblatt

… liegst dem Erdteil du inmitten … Europa wächst Abschied von Kardinal Franz König Heilige im Dom: Benedikt, Patron Europas Und blickt der Steffl lächelnd auf uns nieder

Inhalt ó Editorial 2 ó Wort des Dompfarrers 3 ó Europas christliche Wurzeln 4 ó »Im Westen geht die Sonne auf« 6 ó Mein Europa 7 ó Städte im Dialog … 9 ó Johannes Paul II. ist ein Europäer der ersten Stunde 10 ó Der Stephansdom und Europa 12 ó Christus – Hoffnung Europas 15 ó »Zeigt den Menschen in Europa Christus!« 16 ó Offen für Gott und die Welt 18 ó Das Begräbnis meines »Chefs« – wie ich es erlebte 20 ó Kardinal Franz König – Sein geistliches Testament an mich 22 ó »Der Tod bringt die Dinge ins Lot« 23 ó Zum Ableben von Diakon GR Ernst Ballner 25 ó Zum Heimgang von Geistlichem Rat Domkurat Wolfgang Ubl 26 ó »Sein Loblied ist der Herr« 27 ó 50 Jahre Priester: Weihbischof DDr. Helmut Krätzl u. Msgr. Franz Merschl 28 ó 70 Jahre Priester: Prälat DDr. Josef Musger 29 ó Der Tabernakel: Zelt Gottes unter den Menschen 30 ó Das war der Steffl-Kirtag 2004 32 ó Was ist in Florenz los? 35 ó Ausflug nach Illmitz 36 ó Lange Nacht der Bibel 36 ó »Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch« 38 ó Schon der 41. Flohmarkt! 39 ó Die theologischen Abende und ihr Hintergrund 40 ó Erntedank 41 ó Heiliger Benedikt – Patron Europas 42 ó So viele Wege, wie es Menschen gibt 44 ó »Und schaut der Steffl lächelnd auf uns nieder ...!« 45 ó Gottesdienstordnung im Pfarrgebiet von St. Stephan 46 ó Aus der Schatztruhe 48 ó Impressum 48

Editorial Grüß Gott! „Tempus fugit“ – „die Zeit vergeht“. Immer wieder sagen wir diese Worte, wenn wir uns wundern, wie schnell beispielsweise der Urlaub vorbei ist. In der Dompfarre ist uns vor den Sommermonaten die Zeit davon gelaufen und wir haben es leider nicht mehr geschafft, die JuniAusgabe heraus zu bringen. Ich hoffe, dass Sie uns dies nachsehen. Wir alle arbeiten ehrenamtlich für das Pfarrblatt, und manchmal ist die Fülle der Aufgaben nicht zeitgerecht zu bewältigen. Seit unserer Osterausgabe ist in unserem Land und in der Kirche sehr viel geschehen. Immer wieder war auch St. Stephan davon betroffen.Im Frühjahr starb Kardinal DDr. Franz König, ehemaliger Vorsitzender der österreichischen Bischofskonferenz, und im Sommer Dr. Thomas Klestil, der ehemalige Bundespräsident. Beide waren sehr mit dem Stephansdom verbunden, beide hatten ein ihrer Person würdiges Begräbnis in St. Stephan. Bei den Funeralfeierlichkeiten für den Kardinal war die Weltkirche präsent, eine europäische Bischofsversammlung, wie sie Wien noch nie erlebt hatte. Beim Requiem für den Bundespräsidenten fand sich die Welt der Politik ein, Repräsentanten der verschiedensten Staaten waren unter enormen Sicherheitsvorkehrungen zugegen. Es zeigte sich, dass Wien wirklich eine Art Drehscheibe ist und St. Stephan Mittelpunkt der Stadt. Kurz nach Kardinal König starb unser Domdiakon Ernst Ballner, er gehörte zur ersten Gruppe von Männern, die der verewigte Kardinal zu ständigen Diakonen geweiht hatte. In der ersten Augustwoche schließlich folgte ihnen Domkurat Wolfgang Ubl nach, ein großer Beter, der – obwohl zeitweise völlig ans Bett gefes-

Reaktionen Wenn Sie uns etwas mitteilen wollen, dann zögern Sie nicht: Schreiben Sie bitte an: Dompfarre St. Stephan, „Pfarrblatt“, Stephansplatz 3, A-1010 Wien, oder per E-Mail: [email protected]

selt – großen Anteil an den Geschehnissen der vergangenen Monate genommen hatte. Natürlich gab es auch freudige Ereignisse und einiges zu feiern. Der Mitteleuropäische Katholikentag in Mariazell hat aufgezeigt, dass die Kirche Europas sehr lebendig ist und viele Menschen bewegt. Der Beitritt vieler unserer Nachbarländer zur Europäischen Union rückte Wien wieder ins Herz Europas. Weihbischof Helmut Krätzl und Kanonikus Franz Merschl feierten ihr goldenes und Weihbischof Ludwig Schwarz sein 40jähriges Priesterjubiläum, Kanonikus Ernst Pucher sein silbernes. Prälat Josef Musger konnte seinen 95. Geburtstag und sein 70jähriges Weihejubiläum in geistiger Frische und mit großem Mut begehen. So vergeht die Zeit – und mit ihr der Mensch. Oder mit einem alten Spruch gesagt: „Der Mensch sagt: Die Zeit vergeht. Die Zeit sagt: Der Mensch vergeht.“ Zu Allerseelen wird uns das wohl wieder bewusst werden. Aber wir Christen leben aus einer Hoffnung, die in den vergangenen Monaten auch sehr deutlich zum Ausdruck gekommen ist. Diese Hoffnung für Ihren Weg durch die Zeit wünscht Ihnen mit einem herzlichen Grüß Gott aus St. Stephan, Ihr

Reinhard H. Gruber, Domarchivar

Wort des Dompfarrers Liebe LeserInnen unseres Pfarrblattes! Liebe Dompfarrgemeinde! Dieser Tage war ich mit unserer Curpriestergemeinschaft auf den heimatlichen Spuren unserer zwei slowakischen Mitbrüder unterwegs, die beide bei uns in Wien ihre Studien vertiefen und eine Dissertation vorbereiten. In freundschaftlicher und gelöster Atmosphäre konnten wir ein herrliches Stück Land neu kennen lernen und haben gewaltige Eindrücke von der jahrhundertealten Kultur und der wunderbaren gläubigen Kraft der slowakischen Kirche gesammelt. Europa wächst durch solche Erfahrungen auch in meinem Herzen immer mehr zusammen. Anfang Oktober haben in Dänemark Vertreter der verschiedensten Domkirchen Europas ihre von der EU geförderten Gespräche wieder aufgenommen um noch bessere Lösungen zu suchen, wie wir Tourismus und Seelsorge in den Kathedralen Europas sinnvoll miteinander verbinden können. Der Evangelisationskongress und die Stadtmission, durch die wir im Vorjahr in Wien so reich beschenkt wurden, machen heuer in Paris Station. Nächstes Jahr geht es in Lissabon weiter, 2006 in Brüssel, und für die Fortsetzung dieser tragfähigen Neuausrichtung kirchlicher Missionsarbeit hat sich Budapest als weiterer zentraleuropäischer Kongressort begeistert angeboten. Nach der so beeindruckenden Reise unserer verantwortlichen Stadtseelsorger in die von mir als sehr europäisch empfundene Millionenmetropole Istanbul im Frühjahr wird auch die schon letzthin erwähnte gemeinsame Fahrt der Wiener Stadtdechanten nach Polen den Rahmen erweitern und uns immer mehr einladen, europäisch zu denken.

Druckkostenbeitrag Bitte unterstützen Sie uns auch weiterhin und überweisen Sie Ihren Druckkostenbeitrag mit dem beigelegten Zahlschein auf unser Pfarrblatt-Konto Nr. 224 568, BLZ 19190. Herzlichen Dank im Voraus!

Ja, Europa wächst wirklich zusammen, nicht nur in solchen Studienreisen, sondern auch zu Hause am Stephansplatz: Viele der Familiennamen, denen wir täglich begegnen, zeugen von europäischen Wurzeln, viele der Priester, die jeden Tag so unermüdlich und treu ihre Dienste für Beichte und Aussprache anbieten, repräsentieren nicht nur durch die von ihnen gesprochenen Sprachen, sondern auch durch ihre Herkunft einen bunten europäischen Blumenstrauß mit mancher exotischen Blüte aus Amerika, Afrika und Asien. Dass die europäische Völkerfamilie nach einer leidvollen, von Krieg und Auseinandersetzungen geprägten Geschichte sehr wohl auch gemeinsam an einem Seil ziehen kann, beweist auch die bunte Schar unserer tüchtigen Mitarbeiter im Dom, in der Sakristei, der Dombauhütte und der Pfarrkanzlei. Vor über 20 Jahren hat ein schon damals sehr weiser alter Mann, Kardinal König, uns staunenden Seminaristen ans Herz gelegt, zumindest eine slawische Sprache zu lernen, um für die Begegnung mit unseren Nachbarn besser gerüstet zu sein. Gemacht haben es leider die wenigsten von uns, aber ich bin tief beeindruckt von vielen mutigen jungen Mitarbeitern internationaler Unternehmen, die nicht nur das Angebot annehmen, einige Zeit in einem der EU-Erweiterungsländer zu arbeiten, sondern auch die Gelegenheit ergreifen, eine neue Sprache zu lernen. Männer und Frauen, die im Dienst der Diplomatie und der internationalen Kontakte auch in Brüssel ihren Dienst versehen, bezeugen die Wichtigkeit der Präsenz der Christen in allen Bereichen des politischen Lebens, wo viele Entscheidungen nicht mehr nur im eigenen Parlament getroffen werden. Der Mitteleuropäische Katholikentag hat mit seinen trotz der schlechten Wetterverhältnisse zigtausenden Teilnehmern auch bewiesen, dass wir nicht nur Schönwetter-Christen, sondern Christen für alle Jahreszeiten sind. Ursprünglich vorhandene Sprachpro-

bleme können dort überwunden werden, wo das Gemeinsame wichtiger ist als das Trennende.Verständigungsprobleme treten ja durchaus auch bei gemeinsamer Muttersprache auf und bedürfen ständiger Bemühung von beiden Seiten. Das Leben und die Welt einmal mit den Augen des anderen zu sehen versuchen, sich vom eigenen Tellerrand weg zu bewegen und sich Neues und Ungewohntes zuzumuten, das scheint mir eine gute Schule zu sein, das Wirken Gottes offen anzunehmen. Den anderen zu verstehen braucht mehr als eine gut gelernte Grammatik und einen ausreichenden Vokabelschatz. „Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht …“ (Phil 2, 5) „In Demut schätze einer den andern höher ein als sich selbst. Jeder achte nicht nur auf das eigene Wohl, sondern auch auf das des anderen …“ (Phil 2, 3–4) Europa wächst zusammen, hoffentlich nicht nur als Wirtschaftsraum, sondern auch in unseren Herzen – damit die Seele Europas lebendig bleibt.

P.S.:Aus redaktionellen Gründen erscheinen die Beiträge von Botschafter Dr. Thomas Mayr-Harting und Botschafter Dr. Gregor Woschnagg in der Weihnachtsausgabe.

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Herbst 2004 3

Europa Europas christliche Wurzeln Von EU-Kommissär Franz Fischler Schon während der Debatte über den europäischen Grundrechtskatalog, aber insbesondere in der Zeit der Sanktionen der damals vierzehn anderen EU-Staaten gegen Österreich kam immer wieder die Frage nach unseren gemeinsamen europäischen Werten auf. Existieren solche überhaupt und wenn ja, sind es christliche Werte? Immerhin sind in Europa 500 von 720 Millionen Menschen Christen. Europa ist in stärkerem Maß eine kulturelle als eine geographische Größe, wie es sich auch in stärkerem Maß durch religiöse Vernetzung der Bürger als durch ethnische Einheit auszeichnet. Nur durch seine kulturelle und religiöse Geschichte können wir Europa einen Kontinent nennen. Für diese Prägung sind drei Namen kennzeichnend: Den Griechen verdankt Europa den Geist der Philosophie, den Aufbruch zur Wissenschaft, die Offenheit für die Künste. Den Römern verdankt Europa die Stiftung einer Rechtsordnung, den Sinn für politische Einheit und gestaltete Herrschaft. Jerusalem verdankt Europa die Bibel, die prägende Religion, das bestimmende Bild vom Verhältnis zwischen Gott und Mensch. Das Christentum stellt einen unausweichlichen Bestandteil der europäischen Identität dar. Das Gesicht Europas ist durch das Christentum geprägt. Der Kontinent ist überzogen von Marksteinen christlicher Präsenz – Kirchen, Klöstern, Schulen, Spitälern und Wegkreuzen. Der Rhythmus der Zeit trägt von der 7-TageWoche bis zum liturgischen Kalender eine christliche Gestalt. Einleuchtend, dass in einer zweitausendjährigen europäischen Geistesgeschichte noch verschiedene weitere religiöse und kulturelle Phänomene hinzugezählt werden müssen: Byzanz etwa, das zur Ausprägung der Orthodoxie führte, von welcher Papst Johannes Paul II. als dem zweiten „Lungenflügel“ sprach, mit welchem Europa atme. Aber auch jüdi-

Dr. Franz Fischler sche, muslimische und verschiedene philosophische Elemente bereicherten das geistliche Erbe Europas. Es ist also ein Faktum, dass Europa in den Wurzeln und den Ausprägungen des Alltags zutiefst christlich bestimmt ist. Europa ist ein christlicher Kontinent! In der Schrift „De Europa“ (1458) wurde von Papst Pius II. zum ersten Mal von einem europäischen Bewusstsein gesprochen, das auf einer vom Christentum geprägten Schicksalsgemeinschaft basiert. Europa ist definitionsgemäß Dasein im Wandel und entsteht immer wieder neu. Europa ist ein offener Prozess in Vergangenheit und Gegenwart. Das Christentum ist die feste Botschaft inmitten des Wandels. Europa wird weiter gesucht, weil es immer wieder neu wird. Das Christentum wird auch immer neu gesucht, vor allem aber deshalb, weil es zu entschwinden droht. Evangelisierung, NeuEvangelisierung ist daher auch eines der großen Leitthemen von Papst Johannes Paul II. Europa als Wertegemeinschaft „Die Union beruht auf den Grundsätzen der Freiheit, der Demokratie, der Achtung der Menschenrechte und Grundfreiheiten sowie der Rechtsstaatlichkeit; die Grundsätze sind allen Mitgliedstaaten gemeinsam.“ (Europäischer Vertrag von Amsterdam, 2. 10. 1997) Auch die Charta der Grundrechte verweist in ihrem ersten Satz auf „gemeinsame Werte“ als Grundlage einer friedlichen Zukunft in einer engeren Union.

4 Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Herbst 2004

Durch solche Hinweise wird deutlich, dass die Identität Europas nicht allein durch wirtschaftliche Interessen und politische Institutionen definiert werden kann. „Der Mensch lebt nicht von Brot allein.“ (Matthäus 4,4). Dieser Satz ist ungewöhnlich aktuell und gibt die Situation treffend wieder. Es muss nicht nur der Wohlstand gesichert werden, sondern auch die gemeinsamen Werte. Die Grundpfeiler einer christlich begründeten Wertordnung sind die unantastbare Würde des Menschen, das Recht auf Entfaltung der Persönlichkeit, der Schutz des Lebens, die Bewahrung der von Gott anvertrauten Schöpfung, die Glaubens- und Gewissensfreiheit und der Schutz von Ehe und Familie. Es ist kein Zufall, sondern Ausdruck gemeinsamer europäischer Überzeugung, dass der allererste Artikel der Grundrechtscharta von der Würde des Menschen handelt. In abendländisch-geistesgeschichtlicher Tradition ist die Menschenwürde ausschließlich transzendental begründet, nämlich durch die Gottesabbildlichkeit (siehe Genesis 1) des Menschen. Aus ihr resultieren solcherart dann die Menschenrechte. Bedeutung der Grundrechtscharta Im Juni dieses Jahres haben die Staatsund Regierungschefs der EU auf dem Europäischen Rat den Verfassungsvertrag angenommen, in den auch die Grundrechtscharta aufgenommen worden ist. Diese Charta, die schon im Dezember 2000 feierlich von den europäischen Staats- und Regierungschefs proklamiert worden war, hatte bislang nur eine Absichtserklärung dargestellt. Auch wenn sich erst weisen muss, wie der Europäische Gerichtshof die Charta in konkreten Fragen anwenden wird, so begrüße ich es doch sehr, dass die Fundamente unserer europäischen Wertvorstellungen jetzt Vertragscharakter erhalten. Da finden sich unter anderem das Recht auf Leben,

die Meinungsfreiheit und die Religionsfreiheit, das Verbot von Folter und Todesstrafe, das Recht auf Bildung und das Recht zu arbeiten und auch das Asylrecht gemäß der Genfer Konvention und der Schutz bei Abschiebung, Ausweisung und Auslieferung. Die Bedeutung der Charta liegt in ihrer Transparenz, aber ebenso auch darin, dass sie verbriefte Rechte deklariert und diese gleichzeitig konkretisiert. Für die Akzeptanz einer Rechtsordnung ist neben ihrer Sachgerechtigkeit ihre Kenntnis eine Grundvoraussetzung. Die EU bringt mit der Charta zum Ausdruck, dass sie nicht nur zur Sicherung der Marktfreiheiten besteht, sondern auch um der Grundrechte der Bürger willen. Dies ist vor allem im Hinblick auf die Kandidatenländer und Drittländer mehr als ein Signal, es ist ein Bekenntnis zu den Grundwerten unserer gesellschaftlichen und politischen Ordnung. Die Charta bildet somit auch Basis und Fundament für den gesellschaftlichen und gemeinschaftlichen Konsens. Mit der Grundrechtscharta sieht der EU-Gesetzgeber in Zukunft deutlich, welche übergeordneten Werte die Rechtspolitik begrenzen und von ihm Schutz fordern. Im Rahmen ihrer Aufnahme in den Verfassungsvertrag ist der Charta nun eine Bestimmung eingefügt worden, wonach ihre Erläuterungen als Auslegungsanleitung von den Gerichten der Union und Mitgliedstaaten „gebührend zu berücksichtigen“ sind. Der Text dieser Erläuterungen wird zudem in einer Erklärung in der Schlussakte der Verfassung wiedergegeben.

Verfassung und Gottesbezug Im Zusammenhang mit dem Stichwort „Religionsfreiheit“ möchte ich noch ein Thema ansprechen, das in den vergangenen Monaten für einige Diskussionen gesorgt hatte: Das ist die Frage, ob „Gott“ nun in unserer neuen europäischen Verfassung stehen soll oder nicht. Es ist legitim und wichtig, diese Frage nach der „Invocatio Dei“ zu stellen. Aber da gibt es auch einige Vorfragen: Wäre mit der Erwähnung Gottes in der Verfassung implizit der christliche Gott gemeint? Oder wäre es auch der Gott der Juden und der Muslime? Immerhin leben heute in der EU geschätzte 30 Millionen Muslime. Oder meinen wir „Gott“ unabhängig von Konfessionen, sozusagen als „letzte, höchste Instanz“? Die nun von den europäischen Staatsund Regierungschefs angenommene Verfassung verzichtet auf eine explizite Anrufung Gottes. Sie verweist ganz allgemein auf das religiöse Erbe Europas, ohne dass dabei die christliche, jüdische oder muslimische Tradition aufgefächert erwähnt werden. In der Präambel ist vom „religiösen“ Erbe Europas die Rede. Aus der geschichtlich gewachsenen Wirklichkeit Europas ist jedoch klargestellt, dass damit, wenngleich nicht ausschließlich, aber hauptsächlich, das christliche Europa mitgemeint ist. Unabhängig von konkreten Formulierungen sollten wir aber noch eine ganz andere Frage stellen: Geht es nicht in Wahrheit im Kern darum, ob beziehungsweise dass der Hauptkorpus der Verfassung christliche Werte enthält? Und das ist zweifellos der Fall. Die Verfassung erfreut sich einer Fülle christlicher Wertvorstellungen. Werte der christlichen Soziallehre wie Subsidiarität oder Solidarität, aber auch die Menschenwürde, Religions- und Glaubensfreiheit usw. Von besonderer, weil von praktischer pastoraler wie religionspolitischer Bedeutung sind die entsprechenden Bestimmungen über die kirchlichen

Teilnehmer an der Bürgergesellschaft im Sinne einer partizipativen Demokratie. Es wird nämlich den Kirchen und Religionsgemeinschaften konzidiert, dass ihnen bei der Herausbildung eines gemeinsamen Europas eine „besondere Bedeutung“ zuerkannt wird, weshalb die Europäische Union mit ihnen auch einen „offenen“, „transparenten“ und „regelmäßigen Dialog“ zu führen beabsichtigt. Außerdem werden sie in ihrer spezifischen Identität, eben als religiöse Organisationen anerkannt.Und dies sind enorme, nicht hoch genug einzuschätzende Fortschritte: die offizielle, konkret völkerrechtliche Anerkennung der Kirchen als wichtig für den europäischen Integrationsprozess, die Würdigung ihres Beitrages zu diesem, die Zusage eines regelmäßigen Dialoges der Institutionen der Union mit ihnen und die explizite Anerkennung ihrer spezifischen, nämlich religiösen, transzendental begründeten Identität. Die Kirchen werden damit endlich nicht mehr unter Nichtregierungsorganisationen, Gewerkschaften oder ähnlichem geführt, sondern als religiöse Partner expressis verbis anerkannt. Was unsere christlich sozialen Wurzeln anbetrifft, so glaube ich, dass sich eine klare weltanschauliche Ausrichtung bezahlt machen wird. Die Zeit des utilitaristischen Pragmatismus und der wertemäßigen Belanglosigkeit, der weltanschaulichen Beliebigkeit und des Relativismus ist eigentlich schon vorbei. Die Seitenblicke- und Zeitgeistgesellschaft ist an ihre existentiellen Grenzen gestoßen. Unsere Kinder fragen uns immer häufiger, wo für sie der Sinn im Leben und der Platz in der Gesellschaft sein soll. Befriedigende Antworten bietet allemal das Christentum: für jeden einzelnen von uns als Geschöpf Gottes, für die Gestaltung Europas, aber auch für ein solidarisches Verhalten mit den Ärmsten der Armen in den anderen Kontinenten, letztlich für eine menschenwürdige Entwickó lung unseres Planeten insgesamt.

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Europa »Im Westen geht die Sonne auf« Von Pfarrer Martin Rupprecht Mit diesem Wort, das vom Propheten Mohammed überliefert wird, werben viele Muslime für eine islamische Missionierung Europas. Sie sind fest überzeugt, dass eines Tages der Islam in Europa so erstarken wird, dass mit ihm Europa zu leuchten beginnt und deshalb dann „im Westen die Sonne aufgeht“. Damit ist exakt beschrieben, worin viele

Pfarrer? Seit 15 Jahren studiere ich die Quellen des Islam; zwei Jahre lebte ich in der Türkei mit Muslimen zusammen. Zwei Folgerungen zog ich daraus: Es gibt diesen anderen Islam, den friedliebenden, sehnsüchtig nach Gerechtigkeit strebenden. Das Zweite: Dieser Islam, der uns mit seiner Kraft Angst macht, ist eigentlich eine Herausforderung, meine eigenen christlichen Werte neu zu entdecken. Ein Beispiel ist die weltweite

Pfarrer Martin Rupprecht (rechts) mit dem Scheich der Istanbuler Mewlevi-Derwische beim Schriftstudium Europäer ein Horrorszenario sehen: dass der Islam einmal in Europa die Oberhand gewinnt. Der täglich zu hörende Satz „1683 konnten wir die Türken zurückschlagen, jetzt haben sie uns erobert“, wirkt wie ein nicht zu bewältigendes Trauma auf die Wiener. In dieser Stimmung von Dialog zu reden ist nicht gerade ein dankenswertes Unterfangen. Islam heißt Ergebung, Hingabe in den Willen Gottes. Wie im christlichen Glauben geht es um ein Ideal, auf das hin wir unterwegs sind. Was uns verbindet ist der Versuch, diesen Glauben in den Alltag umzusetzen. Wie viele Worte Christi sind in der Geschichte missdeutet worden, wie viele Worte des Koran werden gepredigt und doch nicht verstanden? Was ist mein Beitrag als katholischer

Durchsetzung des Sonntags als Tag der Ruhe, der Familie, als Zeit der Besinnung auf den Schöpfer. Die einfachen Werte, nach denen sich die Menschen damals wie heute sehnen, sind uns durch die christliche Botschaft gegeben worden. Wenn wir uns also an die eigenen Werte erinnern, dann können wir uns selbstbewusst am Schönen im Islam freuen. Ohne dieses eigene Selbstbewusstsein folgt nur Resignation und Hass auf die so ganz Anderen. Selbstbewusst wird im Konzilsdokument „Nostra aetate“ ein neues Denken eingeleitet: „Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslime, die den alleinigen Gott anbeten … Jesus, den sie allerdings nicht als Gott

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anerkennen, verehren sie doch als Propheten … Deshalb legen sie Wert auf sittliche Lebenshaltung und verehren Gott besonders durch Gebet, Almosen und Fasten … Da es jedoch im Verlauf der Jahrhunderte zu manchen Zwistigkeiten und Feindschaften zwischen Christen und Muslimen kam, ermahnt die heilige Synode alle, das Vergangene beiseite zu lassen, sich aufrichtig um gegenseitiges Verstehen zu bemühen …“ Die gewaltigen Veränderungen unserer Zivilisation lassen gar keine andere Sicht mehr zu als diese. Die Dramatik, mit der Welten aufeinanderprallen, fordert ein Handeln, das in der Verschiedenheit der Kulturen und Religionen einen Reichtum und eine Weisheit sieht, die wir für eine gute Zukunft brauchen. In Europa stehen wir vor vielfältigen Herausforderungen: Das Spannungsverhältnis von individueller Freiheit und gesellschaftlichem Wohl; die Sicherung der Familie als einen generationsübergreifenden Verbund; die Selbstdisziplin im Umgang mit unseren Rohstoffen … Im Islam – wie im Christentum – finden sich viele Gedanken, die uns helfen könnten, die Herausforderungen zu meistern. Es ist diese Überzeugung, die wiederum das Konzil sagen lässt:„Deshalb mahnt die Kirche ihre Söhne und Töchter, dass sie mit Klugheit und Liebe, durch Gespräch und Zusammenarbeit mit den Bekennern anderer Religionen sowie durch ihr Zeugnis des christlichen Glaubens und Lebens jene geistlichen und sittlichen Güter und auch die sozial-kulturellen Werte, die sich bei ihnen finden, anerkennen, wahren und fördern.“ Letztlich geht es also nicht um die Frage, ob Europa den Islam verkraftet, sondern wie wir zu der Überzeugung kommen können, dass der Islam für Europa eine Chance ist. Das Zusammenwirken beider spiritueller Kräfte könnte Europa noch mehr zum Leuchten bringen, ganz so wie Mohammed es vorausgesagt hat. ó

Mein Europa von Michael Kuhn Etwas müde von der Fahrt parke ich mein Auto im Hof des Bischofshauses in der Wollzeile und nehme meine Sachen aus dem Kofferraum, um sie ins Büro der Bischofskonferenz zu bringen. Hinter mir die Geräusche einer sich öffnenden Gittertüre und rasche Schritte. Der Dompfarrer. Nach einer herzlich-kurzen Begrüßung eine direkte Bitte: Schreibst du einen Beitrag für das Pfarrblatt von St. Stephan? Das Thema? »Europa!« »Europa? Welches Europa?« » Schreib’ am besten über ‚Mein Europa‘. Dann hätten wir auch einen persönlicheren Beitrag«.»Bis wann brauchst du den Text?« »So bald wie möglich. Und vergiss nicht ein Photo und eine kurze Biographie dazu zu legen. Mach’s gut, bis bald!« Weg ist er, zum nächsten Termin. Ich nehme meine Sachen und gehe am Portier vorbei ins Büro im dritten Stock. So schnell kann es gehen, schon hat man eine weitere Arbeit ausgefasst. Eigentlich hätte ich ihm »Nein« sagen sollen, ich hab’ genug zu tun… Andererseits… Aber: »Mein Europa? Was will er damit«? Kopfschüttelnd sperre ich mein Büro auf. »Mein Europa«. Meine Gedanken beginnen zu schweifen, kaleidoskopartig fügen sich Bilder zusammen: die letzten Tage in der Westslowakei, in Smolenice, auf der Sommeruniversität der COMECE mit jungen Mitarbeitern der Bischofskonferenzen; Brüssel und der spannende Beginn einer neuen Periode mit einem neuen Parlament und einer neuen Kommission; die Diskussionen der letzten Zeit zu Verfassungsvertrag und Gottesbezug, zu Türkei und europäischen Werten; ein langes Gespräch mit Lojze Wieser bei Preiselbeerpalatschinke und Rotwein hoch über Alpbach über europäische Sprachen, Völker und ihre Kultur; die endlosen Diskussionen mit meinem niederländischen Schwager, der findet, dass »Europa« Unsinn, Geldverschwendung und irgendwie eine typisch katholische Erfindung sei; die vielen

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Drs. Michael Kuhn Freunde, verteilt über fast ebenso viele Länder zwischen Nordkap, Danzig, London und Mittelmeer – das alles gehört zu meinem Europa: die Bilder beginnen, ineinander zu fließen, sich zu drehen, sich zu vervielfältigen … Halt! Ein wirbelndes Kaleidoskop ist kein guter Ausgangspunkt für einen Artikel! Ich beschließe, einige wenige der bunten Steine herauszugreifen, um damit die Eckpunkte »meines Europa« abzustecken – als Anregung für den Leser, damit zu spielen und sich »sein« Europa zusammen zu fügen. Brüssel ist eine bunte Mischung von Menschen, Sprachen, Kulturen, Weltanschauungen, Meinungen. In einem Punkt sind alle, die sich in Brüssel im Umkreis der Europäischen Institutionen bewegen, einander ähnlich – gleich welcher Herkunft oder welchen Interesses, sei es Politik, Wirtschaft oder Kirche: Sie sind mehr oder weniger überzeugte Europäer, die alle die Neigung besitzen, »Europa« mit dem Geschehen in Brüssel gleichzusetzen. Selbst wenn man sich anfänglich, als Novize auf dem europäischen Parkett, fest vornimmt, sich eine »gesunde Außenperspektive« zu erhalten und »nie« so zu werden wie all die anderen: Irgendwann wechselt man – unmerkbar, aber unausweichlich – den Blickwinkel und wird zum Insider. Die anfängliche Komplexität von Strukturen und Abläufen weicht einem deutlicher werdenden Bild von aufeinander hin geordneten Institutionen. Als unerträglich zäh und intransparent eingestufte Entscheidungsfindungsprozesse entspre-

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chen plötzlich einer politischen Logik, sind das fast selbstverständliche Ergebnis der politischen Realität Europas. Alles passt trotz mancher Ungereimtheit irgendwie zusammen, lässt sich erklären, hat seine Vorgeschichte und seine vorgezeichnete Weiterentwicklung. Die vielgeschmähten Eurokraten sind in Wahrheit (ich meine das ernst) hart arbeitende Menschen von Fleisch und Blut, mit ihrer eigenen Geschichte und ihren eigenen Vorstellungen und Idealen von Europa – auch wenn es unter ihnen natürlich so manchen »Eurozyniker« gibt. Das Bild der »Außenwelt« – Brüssel ist gleich Europa – ist Wirklichkeit: die übersichtliche und funktionierende Welt von einigen zehntausend Menschen auf ein paar hundert Quadratkilometern belgischen Staatsgebietes, die sich »Brüssel« nennt und »Europa« meint. Meine tagtägliche Wirklichkeit, ein nicht unwesentlicher Teil »meines Europas«. Szenenwechsel. Ein kalter Winterabend in einer Pfarre an der österreichisch-tschechischen Grenze. Etwa vierzig Frauen haben sich versammelt, um mit mir über Europa – mein, ihr, unser Europa – zu diskutieren. Nach meiner kurzen Einleitung beginnt ein Hagel von Fragen auf mich niederzuprasseln: die Regelungssucht und Bürokratie aus Brüssel, die aus hart arbeitenden Bauern Beamte zu machen droht; die Einführung des Euro, die alles nur verteuert hat; die Abwanderung von Betrieben in die neuen Mitgliedsstaaten; die drohende Flut von Migranten; der Ausverkauf unseres Wassers, die Verschwendung ‚unseres‘ Geldes … Ich hole tief Atem, bereite innerlich eine Widerlegung der verschiedenen Punkte vor: Desinformation durch die Medien, sachlich falsch, aufgebauschte Emotionen … und stocke. Was ich soeben in geballter Form zu hören bekommen habe, ist das Europabild vieler Menschen »dort draußen«, also außerhalb von Brüssel. Das institutionalisierte Europa ist weit weg und wird als Bedrohung gese-

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Europa

hen – der Selbstbestimmung der »kleinen Lebenswelt«, der eigenen Kultur und Identität. Dieses Bild wird gespiegelt und verstärkt durch die Medien – ich weiß schon, man soll nicht generalisieren, aber leider trifft dieser Befund auf die meisten unserer Medienprodukte zu: Sachliche Information wird kaum oder nicht geboten, die Grenze zwischen Information und Meinung ist nur selten erkennbar. Wie sollen sich Menschen dann ein Bild dessen formen, was in Europa »Sache« ist, wenn ihnen das wichtigste, deutliche und umfassende Information, vorenthalten wird (um ein apokryphes Monnet-Zitat abzuwandeln: »Wenn ICH noch einmal mit Europa anfangen könnte, würde ICH bei den Medien beginnen«!) Jeder Versuch, den Äußerungen und Ausbrüchen mit Richtigstellungen und Argumenten entgegentreten zu wollen, würde ins Leere gehen. Geduldig höre ich also zu und versuche an den Erfahrungen der Menschen anknüpfend stückweise zu informieren und meine eigenen Erfahrungen daneben zu stellen. So geschieht es, dass im Gespräch plötzlich der Weinbauer auf der anderen Seite der Grenze nicht mehr als zu billig produzierender Konkurrent, sondern als möglicher

Partner in grenzüberschreitenden Projekten wahrgenommen wird, als jemand, mit dem man die »sowieso künstliche Grenze« überschreiten und in Zukunft in beiderseitigem Interesse zusammenarbeiten kann. Hier also entsteht Europa – im ganz Kleinen und Konkreten – und wiederum ist es ein Teil »meines Europa«. Seit sechs Jahren veranstaltet die COMECE, die Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaften, für junge Mitarbeiter ihrer Mitgliedsbischofskonferenzen, junge Männer und Frauen, eine Sommeruniversität zu europäischen Fragen. Das gemeinsame historische Erbe, das Funktionieren des Integrationsprozesses, die europäische Identität, die Verbindung zwischen Politik, Wirtschaft und Kultur – alles Themen der vergangenen Jahre, zu denen mit Experten, Politikern und Künstlern engagiert diskutiert wurde. In den vergangenen drei Jahren fand diese Sommeruniversität in den neuen Mitgliedsstaaten statt: in Slowenien, Ungarn und der Slowakei. In jedem der sechs Länder – davor waren wir in Frankreich, Italien und Deutschland – lernen die Teilnehmer ein anderes Gesicht Europas kennen – Kulturdenkmäler, Gebräuche, Denkweisen, Literatur, Musik. Die Fragen, die uns bewegen, sind trotzdem die gleichen: Was sind unsere Wurzeln? Was wollen wir mit diesem Europa? Wie können wir uns engagieren? Europa – so wird deutlich – ist tatsächlich »Vielfalt in der Einheit«, das »Motto« Europas, wie es auch der im Juni 2004 verabschiedete Verfassungsvertrag für die Europäische Union nennt. Diese Einheit wird in einem Netzwerk junger gleich gestimmter engagierter Europäer spürbar, das langsam aus diesen Sommeruniversitäten entstanden ist: Menschen unterschiedlicher Herkunft, die einander kennen, vertrauen und miteinander arbeiten und bauen wollen – auch an »meinem Europa«. Es ist bereits Abend. Mit Lojze Wieser, dem Verleger aus Klagenfurt/Celovec, sitze ich beim Zotta hoch über Alpbach. Lange unterhalten wir uns darüber, was alles in Europa getan werden müsste, welche Projekte wir konkret angehen könnten.

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Der Wein macht uns melancholisch. »Zahlt es sich denn aus, für Europa immer wieder gegen diese Mauer der Ignoranz und der Ablehnung anzurennen? Warum tun wir uns denn das an?« »Vielleicht liegt’s in unseren Genen« »In unseren Genen …?« Mit Urgroßeltern, die aus allen Teilen der alten Monarchie kommen und verschiedene Sprachen gesprochen haben, verheiratet mit einer Niederländerin – vielleicht liegt Europa wirklich »in mir, in uns«. Damit sind wir aber sicher nicht die Einzigen: Welcher Wiener hat denn keine tschechische Urgroßmutter? Vielleicht müsste man in den europaskeptischen Österreichern nur den in ihnen verborgenen Europäer sanft, aber bestimmt aufwecken? Genetisch gesehen wären wir ja die geborenen europäischen Brückenbauer, und dann könnten, dann sollten, dann müssten wir ja … Das Kaleidoskop beginnt sich wieder zu drehen – oder ist’s nur der Kopf, durch den Rotwein? Ich bereite eine Powerpoint-Präsentation für einen Vortrag in der kommenden Woche vor. Sollte ich nicht auch dieses Filmfragment aus der berühmten Zürcher Rede von Churchill aus dem Jahr 1946 verwenden? »Europa wird nur durch den innigsten Wunsch der Mehrheit aller Europäer zusammenwachsen ... Daran zu arbeiten ist unser aller wichtigstes Ziel.« Das klingt nicht schlecht, nur: er hat damals vergessen zu sagen, wie wir dieses Ziel praktisch erreichen können. Wäre das nicht eine Frage, die ich dem Auditorium stellen könnte? Vielleicht haben die Teilnehmer eine Idee, wie wir in den Menschen ihren »inneren Europäer« wecken, damit sie »ihr« Europa entdecken. Ich beginne zu sinnieren … ó Drs. Michael Kuhn, geb. 1958, Theologe und Kommunikationswissenschaftler, ständiger Diakon, seit 1997 Referent für Angelegenheiten der europäischen Union und der COMECE im Generalsekretariat der Österreichischen Bischofskonferenz mit Sitz in Brüssel; Stabsmitglied der COMECE (der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaften).

4.

Städte im Dialog … … durch aktive Stadt-Außenpolitik. Von Elisabeth Hundstorfer Der Wiener Gemeinderat beschloss 1996 einstimmig, die Wiener Agentur Compress zu beauftragen, in mittel- und osteuropäischen Hauptstädten Verbindungsbüros einzurichten. Mit den Repräsentanzen in den Städten Belgrad, Bratislava, Bukarest, Budapest, Krakau, Laibach, Prag, Sarajevo, Sofia, Warschau und Zagreb hat die Stadt Wien europaweit eine Vorreiterrolle in punkto aktiver StadtAußenpolitik übernommen und ist damit anderen westlichen Hauptstädten einen Schritt voraus. Mit dem EU-Beitritt weiterer zehn Staaten, darunter erstmalig Staaten, die dem ehemaligen Ostblock angehörten, wurde die historische Teilung Europas aufgehoben und Wien ist damit wirklich in das Herz Europas gerückt. Im neuen Europa hat Wien mit seinen Auslandsbüros schon lange dichte Kommunikations- und Beziehungsnetzwerke in den Bereichen Politik und Administration, Medien, Ökologie und Ökonomie sowie Kultur und Sicherheit aufgebaut. Wien nimmt die Aufgabe, seinen Nachbarn und in weiterer Folge sich selbst zu helfen, aktiv wahr: nicht nur zur Absicherung Wiens als attraktiven Wirtschaftsstandort, sondern auch auf der Ebene der Ökologie, der Sicherung der Sozialstandards, in der Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik sowie in der Friedenssicherung, dies beweisen die unzähligen grenzüberschreitenden Projekte, die Compress und die Stadt Wien in und mit den Mittel- und Osteuropäischen Ländern koordinieren, sowie die Kooperationsverträge Wiens mit seinen Partnerstädten.

zentrum und Wirtschaftdrehscheibe im neuen Europa bekannt zu machen, initiiert und organisiert Compress – auf biund multilateraler Ebene – Begegnungen für interessierte Experten und ist federführend an der Ausrichtung von Symposien, Konferenzen, Kulturveranstaltungen, Messen, Festivals etc. beteiligt. Dadurch wird auch das Verständnis zwischen Wien und seinen Partnerstädten Belgrad, Bratislava, Bukarest, Budapest, Krakau, Laibach, Prag, Sarajevo, Sofia,Warschau und Zagreb gefördert und vertieft. Compress leistet auch Vorbereitungsarbeiten zu gemeinsamen EU-Projekten in den EU-Regionen, wie in der „Vienna Region“ Brünn/Bratislava/Wien/Györ/ Sopron. Lobbying für Wien Zur täglichen Arbeit der einzelnen Compress-Verbindungsbüros im Ausland gehört die intensive Beobachtung der Medienlandschaft, der Wirtschaftsentwicklung und des politischen Geschehens.

Die Verbreitung eines positiven WienImages ist wesentlicher Bestandteil der Arbeit. Dies erfolgt in Form umfangreicher Pressearbeit und -betreuung. Von Compress werden die auflagenstärksten Tageszeitungen, Wochenzeitschriften und Monatsmagazine betreut (regelmäßige Wienseiten, Rubriken „Wochenende in Wien“ oder Wienfenster mit Ankündigungen und News aus Wien,...). Neben der intensiven Zusammenarbeit mit den Printmedien gestalten Compress-Mitarbeiter auch regelmäßig Radiosendungen und unterstützen Fernsehteams bei ihrer Berichterstattung über Wien. Wien mit seinen sehr guten Kontakten steht in der ersten Reihe als Partner für die neuen EU-Mitgliedsländer (Tschechien, Ungarn, Slowenien, Polen sowie Slowakei). Aber auch bei den folgenden Erweiterungsrunden ist Wien schon längst vor Ort (Kroatien, Bulgarien, und Rumänien). ó Info unter: www.compresspr.at

Stärkung des Wirtschaftsstandortes Wien Mit ein Ziel der Wiener Stadt-Außenpolitik ist einerseits die Stärkung des Wirtschaftsstandortes Wien und andererseits die Förderung der Exporttätigkeiten beziehungsweise des Know-how-Transfers Wiener Unternehmen. Um die Wiener Stadt-Technologien,Wien als KompetenzPfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Herbst 2004 9

Europa Johannes Paul II. ist ein Europäer der ersten Stunde Ein Kommentar von Franz Hummer Der Papst am 10. 9. 1983 am Wiener Heldenplatz vor 150.000 Gläubigen: „Das christliche Menschenbild hat die europäische Kultur mitgeprägt.“ Mehr als 26 Jahre nach seiner überraschenden Wahl zum Papst gibt es vieles, was uns Johannes Paul II. hinterlassen hat, aber nur weniges ist sein wirkliches Erbe, dazu zählt in erster Linie seine Vision und zugleich seine Sorge um Europa. Der Papst hat – rekordverdächtig – dreimal Österreich besucht und jeweils Gesten gesetzt, die heute vielfach vergessen sind. Zum Auftakt seiner ersten Visite feierte der Papst am 10. September 1983 eine Vesper am Wiener Heldenplatz. Es ist ein mehrfach historisch belasteter Platz von seltener Schönheit und Charme. Nur etwa hundert Meter Luftlinie entfernt hielt der Papst am 20. Juni 1998 seine noch immer viel zitierte „Europa-Rede“. Und schon im Juni 1988 ereigneten sich rund um den zweiten Pastoralbesuch Dinge die man eigentlich nicht erwarten durfte. Zehntausende Ungarn strömten ohne Visa und Zollformalitäten zur Papstmesse ins burgenländische Trausdorf. Delegationen aus der damaligen CSSR begegneten Johannes Paul II. mit Wissen und Billigung der staatlichen Autoritäten in Prag. Dann fiel die Berliner Mauer und das sowjetische Imperium zerfiel in zahlreiche selbstständige Kleinstaaten, von denen wir etliche im Monat Mai in der EU begrüßen durften. Grundsätzlich zeigt uns Johannes Paul eine Sorge um das Schicksal des Menschen und des Evangeliums, die uns am Anfang unzeitgemäß erschienen ist, aber inzwischen haben wir gemerkt, dass dieses Schicksal aufs Engste mit den dramatischen Geschehnissen unserer Zeit, nicht zuletzt auf dem blutdurchtränkten Boden Europas, verbunden ist. Der Papst

Franz Hummer hält das Gewissen unserer Zeit wach und wird seinem Nachfolger die Ermutigungen hinterlassen, weiterhin darauf zu vertrauen, von den Menschen verstanden zu werden. Und das sollen wir uns Österreicher ins Stammbuch schreiben. Wörtlich meinte der Papst am Heldenplatz vor 150.000 Menschen aus ganz Europa:„Auf dem Territorium des heutigen kleinen Österreich sind die Wesenszüge von Kelten und Romanen und Slawen tief eingegraben und in der Bevölkerung lebendig. Hierin ist Österreich ein Spiegel und Modell Europas“.Vielen Menschen in unserem Land ist das Wissen abhanden gekommen, dass sie im Papst aus Polen einen engen Verbündeten und Freund nicht zuletzt aufgrund der historischen Wurzeln haben. Kommentatoren haben in der Vergangenheit Johannes Paul als Altösterreicher bezeichnet, tatsächlich verdient er den ehrenden Titel eines Österreichers – ohne Reisepass der Republik und ordentlichen Wohnsitz. Und er erinnert uns am Heldenplatz, wo auch Adolf Hitler zu den Menschenmassen sprach, an unsere Wurzeln: „Innerhalb des christlichen Glaubensgutes hat in ganz besonderer Weise das christliche Menschenbild die europäische Kultur mitgeprägt“. Dies ist ein Satz ins Stammbuch unserer Politiker, die am Österreich-Konvent mitwirken. Voll des Lobes war Johannes Paul am

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Heldenplatz, indem er betonte: „Österreich bemüht sich, wie in der Vergangenheit auch heute seiner besonderen Verantwortung und Aufgabe im Herzen Europas zu entsprechen. Euer Land setzt sich mit Nachdruck ein für Frieden und Völkerverständigung, für soziale Gerechtigkeit, für die Beachtung und Förderung der Menschenrechte auf nationaler und internationaler Ebene“. Diesen Sätzen ist nichts hinzuzufügen. Man könnte sie zeitlos als „Magna Charta Österreichs“ bezeichnen. Die Frage der Fremden und der Flüchtlinge ist heute so aktuell und brennend wie 1983, 1988 und 1998. Deshalb gilt noch immer das Papstwort vom September 1983: „Das Bekenntnis zur europäischen Solidarität lässt euch auch nicht die Augen vor der Not und Hilfsbedürftigkeit außereuropäischer Gebiete verschließen“. Aktuell wie 1983 ist heute 21 Jahre später die ökumenische Frage und das Bemühen aufeinander zuzugehen. Am 20. Juni dieses Jahres feierte der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios, im Stephansdom den Vespergottesdienst mit Kardinal Schönborn. Leider ein Termin, den nur wenige Menschen guten Willens wahrnahmen. Im September 1983 hat der Papst in seiner großen Rede am Heldenplatz auch die großen Probleme der Muslime und der jüdischen Gemeinschaft angesprochen. Ein Satz möge für viele Aussagen stehen.„Die Jünger Mohammeds, die damals als Feinde vor den Toren eurer Hauptstadt lagerten, sie leben jetzt mitten unter euch und sind uns in ihrer gläubigen Verehrung des einen Gottes nicht selten Vorbild“. Es ist uns allen bekannt: Die Mitarbeit der Christen im politischen Bereich lässt zu wünschen übrig. Dazu ein ermunterndes Papstwort vom Herbst 1983: „Habt Mut und Entschlossenheit, euch auch in

der Politik und im öffentlichen Leben aus christlicher Verantwortung für das Wohl des Menschen und der Gesellschaft im eigenen Land und über alle Grenzen hinaus einzusetzen“. Und der Papst spricht auch unsere vielzitierte Brückenfunktion an, die nach dem Fall des Eisernen Vorhanges und des Eintritts unserer östlichen Nachbarn neu angedacht werden muss. Am 20. Juni 1998 meinte Johannes Paul in der Hofburg: „Österreich im Herzen Europas hat Brückenfunktion (…) Ich wünsche Ihnen allen viel Mut zum Brückenbauen“. Die Sorge um das Evangelium bringt den greisen Papst dazu, sich nach wie vor als Missionar der ganzen Welt zu verstehen und seine ganzen schwindenden

Energien in den Versuch zu investieren, die katholische Kirche wieder missionarisch und expansiv zu machen. Es gibt niemand auf der Welt, der so wie der Papst im Namen aller Enterbten spricht und alle diesbezüglichen Utopien zurückweist. Am 21. Juni 1998, ebenfalls am Heldenplatz, meinte der Papst dezidiert:„Die Kirche von heute braucht keine Teilzeitkatholiken, sondern Vollblutchristen“. Mehr denn je fühlt Johannes Paul in seinem Fleisch die Übelstände in Kirche und Welt. Vielleicht hat der Papst den Menschen in Europa noch etwa Wichtiges zu sagen. Im Allgemeinen passiert Neues eher zu Beginn eines Pontifikates, doch bei Johannes Paul II. könnte es auch am Ende geschehen. ó

Papst Johannes Paul II. während seiner Europarede bei seinem dritten Pastoralbesuch 1998

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Europa

Der Stephansdom und Europa Annemarie Fenzl über vielfältige Beziehungen Im Jahr 1137, im Jahr des Vertrages von Mautern, der Geburtsurkunde der Wiener Stephanskirche, begann Abt Suger von Saint Denis am Rand von Paris mit dem Bau seiner berühmten Abteikirche. Diese Kathedrale wurde zum ersten Zeugnis frühgotischer Baukunst in Europa. Und als im Jahr 1147 die damals außerhalb der Mauern der alten Stadt Wien errichtete, wohl zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollendete erste romanische Stephanskirche als neue Wiener Pfarrkirche des Bistums Passau durch dessen Bischof Reginbert eingeweiht wurde, war im Westen des Kontinents Europa, im Norden Frankreichs, eine neue Epoche der abendländischen Kultur bereits im Entstehen begriffen. Der neue Stil, der nun in Malerei und Kunsthandwerk, vor allem aber in Architektur und Plastik seine stärkste Ausprägung finden sollte, wurde in der Zeit der Renaissance zuerst eher abwertend „Gotik“ genannt (Giorgio Vasari: Goten =

Barbaren) und erst seit dem 18. Jahrhundert als eigenständiger Stil verstanden. Dessen ungeachtet breitete sich die Gotik vom 13. bis zum 16. Jahrhundert über ganz Europa aus, wirkte durch die Kreuzzüge bis hin zum nahen Orient und wurde damit zu einem natürlichen europäischen Bindeglied. Arbeiteten noch bis ins 13. Jahrhundert hinein großteils Mönche als Steinmetze und Bildhauer, so gewann daneben die Existenz der weltlichen Bauhütten zusehends an Bedeutung. Infolge von immer wieder auftretenden Streitigkeiten zwischen profanen Zünften und kirchlichen Bauhütten entstanden strenge Ordnungen der Steinmetze, die unbedingt einzuhalten waren. Im Jahr 1257 wurde die Straßburger Bauhütte als oberste Bauhütte anerkannt; daneben gab es aber bereits drei weitere Haupthütten in Wien, Köln und Bern. Zwischen diesen Hütten herrschte reger Kontakt infolge der Wanderlust der Steinmetze.

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Nicht nur aus diesem Grund kann man auch am Bau von St. Stephan in seinen verschiedenen Phasen alte europäische Verbindungen feststellen. In der Regierungszeit Herzog Friedrichs II., des Streitbaren, des letzten Babenbergers, der nach 1230 den Patronat der Stephanskirche usurpiert hatte, um sich auf diese Weise eine bessere Ausgangsposition für seine hochfliegenden Bistumspläne zu verschaffen, und der 1236 geächtet und aus Wien vertrieben worden war, zog der Stauferkaiser Friedrich II. in die Stadt ein, die damals vorübergehend Reichsstadt wurde, und blieb hier rund drei Monate. Anfang März nahm er hier die Wahl seines Sohns Konrad zum deutschen König vor. Der lange Aufenthalt des Kaisers und in der Folge seines Statthalters Bischof Ekbert von Bamberg in Wien dürften auch für den Bau von St. Stephan von Bedeutung gewesen sein: Die Errichtung der ungewöhnlich großen Westem-

pore und des Haupttores mit dem thronenden Christus in der Mandorla erhielt durch die Anwesenheit des Kaisers einen starken Impuls. Stilistische Vergleiche der Westfassade von St. Stephan lassen, wohl in bescheideneren Dimensionen, Beziehungen zum Dom von Bamberg erkennen, dessen Neubau dem damaligen Statthalter und späteren Bischof Ekbert zu verdanken ist. Das ikonographische Programm des Riesentores weist hingegen deutliche Parallelen zu Ják in Westungarn auf. Ansonsten versuchte die Wiener Kirche, damals noch eine einfache Pfarrkirche ohne einen verehrungswürdigen Reliquienschatz, mit dem Stil der großen Dome des Westens wettzueifern. Somit bewahrte das Westwerk von St. Stephan als „landesfürstliches Heiligtum“ nicht nur die alte babenbergische Herzogsempore, sondern war zugleich ein „kaiserlich-hohenstaufisches Monument“. Darin ist wohl auch der Grund zu sehen, dass auch im Zuge des gotischen Um- und Neubaues von St. Stephan gerade hier die altertümliche Erscheinung unverändert blieb, wo es galt, die Erinnerung an eine ehrwürdige Tradition wachzuhalten. So kann man festhalten: Gegenüber den Westfassaden von Passau, Salzburg und Regensburg ist jene von St. Stephan deutlich reicher ausgestattet. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts, zur Zeit der Hochgotik in Europa, wurde in Wien mit der Errichtung eines lichten, dreischiffigen gotischen Chores begonnen, der im Jahr 1340 durch den Bischof von Passau feierlich eingeweiht wurde. Das große Vorbild dieser Zeit war zweifellos der 1248 begonnene und 1304 vollendete Chor des Kölner Domes, der die majestätische Form der französischen Königskathedrale in den deutschen Raum gebracht hatte. Durch ein solches großartiges Himmelsbild konnte die Enge des romanischen Raumes überwunden werden. Diesem großen Vorbild eiferte vor allem Regensburg nach,wenn auch in deutlicher Verbindung mit der heimischen Tradition. St. Stephan aber folgte den damals viel revolutionäreren Anregungen der Zisterzienser; konkretes Vorbild der Wiener Chorhalle, die dem aus den niedrigen romanischen Seitenschiffen heraustreten-

den Besucher eine formal wie geistig ganz neue Dimension eröffnete, war der 1295 geweihte Chor von Heiligenkreuz. Albrecht II. (1330–1358) und in der Folge sein Sohn Rudolf IV., der Stifter, (1358–1365) setzten den planmäßigen Ausbau von St. Stephan zur „Capella regia Austriaca“ mit dem stufenweisen Umbau des alten romanischen Langhauses, beginnend im Westen,fort. Neue Impulse aus Frankreich, Italien und dem schwäbischen Raum

üblich war, gehörten zu den reichsten der deutschen Kunst und orientierten sich am Westportal des Freiburger Münsters und an der Frauenkirche in Nürnberg, wiesen aber auch deutliche Einflüsse heimischer Werkstätten, vor allem der Michaelerwerkstätte, auf. Die Herzogsstatuen in den beiden Portalen in ihrer Verbindung weltlicher und sakraler Motive stellten den gegenwärtigen Machtanspruch (Rudolfs IV.)

Kardinal Christoph Schönborn im Gespräch mit Dr. Annemarie Fenzl bei der „Wallfahrt der Völker“ mischten sich mit bodenständigen und kamen, vor allem im plastischen Schmuck, in den Westkapellen zur Entfaltung. In der Regierungszeit Rudolfs IV., der den Stephansdom zu seiner Grablege auserkoren hatte, treten auch innere Zusammenhänge deutlicher hervor. Rudolf IV. erhob St. Stephan zur Kollegiatskirche und bestimmte die alte Westempore zum Kapitelhaus. Er stattete „seinen Dom“ – in Anlehnung an die königliche Kapelle in Paris – mit Reliquien aus, die er von mit seinem kaiserlichen Schwiegervater Karl IV. gemeinsam getätigten Reliquienfahrten mitbrachte. Ein entsprechender Reliquienschatz war dazu angetan, das Ansehen einer Kirche mächtig zu erhöhen. Dem entsprechend findet sich im Reliquienschatz der Prager Kapelle, ebenso wie in Paris, eine Partikel der Dornenkrone Jesu, welcher unter den Heiligtümern Rudolfs IV. ein „Drei Dornen Reliquiar“ entspricht. Die Fürstenportale von St.Stephan – Bischofs- und Singertor – mit ihrem repräsentativen Schmuck, wie er nicht einmal bei den französischen Königskathedralen

dem Weltenherrscher Christus so nahe zur Seite, wie dies weder in Prag noch in Paris der Fall gewesen war. In der Mitte des 14. Jahrhunderts war diese Sprache der Kunst so direkt wie noch nie vorher: Der Stifter, einst in untergeordneter Position, wird zum Stellvertreter göttlicher Macht. Der Untertan sieht sich beim Eintritt in die Kirche, an der Schwelle zweier Welten, dem regierenden Landesfürsten gegenüber – auf gleicher Höhe mit den Heiligen. Weder am Königshof in Paris noch am Hof der Luxemburger in Prag findet sich Vergleichbares. Und schließlich der hohe Turm: Die Tradition – und nicht nur sie – spricht für Rudolf IV. als Stifter des Turmes mit den eigens für diesen geschaffenen Statuen Albrechts II. und Kaiser Karls IV. mit ihren Frauen. Abgesehen von anfänglich spärlichen Nachrichten über den Bau und seine Meister kristallisiert sich allmählich ein Stil des Baumeisters der Herzöge von Österreich heraus, der aber durchaus Motive von auswärts miteinbezieht: etwa den großen Giebel, den zuerst das Straß-

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Europa

Mittelalterliche Wandmalerei (Mitte 13. Jhdt.) auf der Westempore von St. Stephan: Christus Pantokrator burger Münster an der Westfassade benützte,die Verschleierung des oktogonalen Aufbaues, wie sie am Freiburger Münsterturm zu sehen ist, oder die dreiteilige Turmvorhalle nach dem Vorbild der Vorhalle des südlichen Querschiffes in Prag und später auch in Ulm. Von Prag kam wohl auch die Form eines hängenden Schlusssteines, wie er in der Katharinenkapelle in St. Stephan zu sehen ist. Solche Bezüge zu anderen Haupthütten waren immer wieder durch den engen Kontakt der Hütten untereinander gegeben, die Pläne austauschten, sowie durch die wandernden Gesellen selber, die an all diesen Zentren der Baukunst ihre Lehre absolvierten. So kann man wohl in diesem Fall sagen,dass der planende Wiener Meister sich im deutschen Raum gut umgese-

hen hatte, ehe er in Wien sesshaft wurde. Am 1433 fertig gestellten hohen Turm von St. Stephan wurde im übrigen im Laufe des Bauens der Einfluss der Prager Hütte immer stärker – es scheint, dass die Baumeisterfamilie der Parler und ihre Nachfolger hier das verwirklichten, wozu es in Prag an Möglichkeiten fehlte. Entscheidend für die Bewertung dieses 137 m hohen Turmbaues ist aber vor allem die Tatsache, dass er als zweiter gotischer und damals höchster Turm in Deutschland fertiggestellt worden war.Die herzogliche Kollegiatskirche Rudolfs IV. hatte damit die älteren, ehrwürdigen Bischofskirchen übertroffen: Freiburg mit seinem 115 m hohen, in den dreißiger Jahren des 14. Jahrhunderts vollendeten Turm war das Vorbild. Die Türme in Straß-

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burg (142m) wurden erst 1439 und jene der Esslinger Frauenkirche (175m) wurden erst 1478 vollendet. Die anderen Türme, wie jene in Ulm (161m), Köln (157m) und Regensburg (105m) wurden erst im 19. Jahrhundert zu Ende gebaut. Weist das Gebäude selbst in seiner Entstehung mehr nach dem Westen des Kontinents, so entfaltete sich der vollendete Bau, vor allem wohl auch durch seine Stellung als Haupt- und Residenzkirche der Hauptstadt der Donaumonarchie, im Verlauf der Geschichte zu einem mitteleuropäischen Denkmal. Nahezu alle Länder des mitteleuropäischen Raumes haben in St. Stephan ihre Spuren hinterlassen: in Form von Grabdenkmälern der Bischöfe und Erzbischöfe Wiens, so zum Beispiel die bedeutende Grabplatte des Bischofs Georg von Slatkonia, (1513–22), des ersten Wiener Residentialbischofs,der aus Laibach kam; in Form von grenzüberschreitenden Gnadenbildern wie jenes von Maria Pócs in Westungarn, das auf Drängen von Kaiserin Eleonore im Jahr 1697 nach Wien in den Stephansdom gebracht wurde; in Form von Denkmälern zur Erinnerung an dramatische Stunden der österreichischen Geschichte wie das 1945 in der südlichen Turmhalle zerstörte Türkenbefreiungsdenkmal von Edmund Hellmer. So atmet der Bau des Wiener Domes nicht nur den Geist des Mittelalters – 1137 begonnen und 1511 am unvollendet gebliebenen Nordturm durch Türkennot und Glaubensauseinandersetzungen zum Stillstand gebracht. An ihm wird dem, der darüber Bescheid weiß, deutlich, wie sehr das Christentum mit seinem Welt- und Menschenbild das, was wir heute unter „europäischer Kultur“ verstehen, mitgeformt und geprägt hat.Wenn auch Europa im Verlauf seiner Geschichte – nach politisch motivierten Religionskriegen, nach Aufklärung und Säkularisation und einem religions- und kirchenfeindlichem Liberalismus, einmündend in die Katastrophe des 20. Jahrhunderts mit der Teilung des Kontinents – grundlegend verändert wurde, so haben die alten europäischen kulturellen Brücken doch standgehalten und sind heute Zeugen einer schon einmal bestehenden größeren Einheit. ó

Christus – Hoffnung Europas Unsere Pfarre bei der Wallfahrt der Völker nach Mariazell. Von Karin Domany „Diese Karte ist ihre Rettung!“ sprach der diensthabende Gendarmerieinspektor an der Straßensperre in Terz, als unser Dompfarrer vorsichtig-höflich-demütigfragend die „Wagenkarte für Mitarbeiter“ (die uns unsere liebe Elisabeth Kreyca besorgen konnte) beim Fahrerfenster hinaushielt. Er winkte und ließ uns passieren. Von unserem legalen Parkplatz am Ortsrand von Mariazell war der weitere Weg selbst für „Zweifler und Zögerer“ zu bewältigen. Gemeinsam mit hunderten anderen Pilgern machten wir uns quer durch Mariazell auf in Richtung Festgelände. Trotz des Regens und der Kälte sah ich unter den Plastikkapuzen und bunten Regenschirmen nur fröhlich-gespannte und friedliche Gesichter, selbst als der „Gatsch“ auf den Wiesen des Festgeländes uns schon bis zum Knöchel reichte. Tausende Menschen aus acht mitteleuropäischen Ländern waren schon viele Stunden unterwegs, um gemeinsam den großen Abschlussgottesdienst zu feiern. Auch hier gehörten wir zu den „Privilegierten“: Wir hatten Sitzplätze auf As-

phaltboden! Unsere Pfarrjugend begrüßte uns schon mit reservierten Plätzen. Die sieben Jugendlichen hatten schon eine feuchtkalte Nacht mit den anderen Altersgenossen aus Europa in den Großraumzelten hinter sich – tags zuvor waren sie mit Jugendseelsorger Alphons

Kaum zu erkennen, aber gut geschützt: Dompfarrer Faber beim Festgottesdienst in Mariazell

Pachta-Rayhofen und der Gemeinschaft Emmanuel von Gusswerk aus zu Fuß aufgebrochen. Jung und „Älter“ aus der Dompfarre, der Dompfarrer mittendrin, feierten neben- und miteinander Gottesdienst. Dankbar für unsere Plätze und mit größter Hochachtung vor deren Begeisterung und Glauben bewunderte ich die tausenden Pilger, die in der Wiese standen. Der etwa zweieinhalbstündige Gottesdienst – abwechslungsreich und so gestaltet, dass ein Mitbeten und -singen auch ohne Liederheft möglich waren, war trotz Nässe von oben und von unten, Wind und Kälte ein Erlebnis, das ich nicht missen wollte. Es war schön und für uns „kleine Schar“ (damit meine ich nicht nur die Pilgergruppe, sondern auch unsere Pfarrgemeinde, in der sich so manche/r als allein „kämpfend“ und arbeitend erlebt) ermutigend, so viele andere Mitarbeiter im Weinberg unseres Herrn aus vielen Ländern Europas um uns herum zu sehen und im vielsprachigen Gottesdienst um den Tisch des Herrn versammelt zu erleben. ó

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Europa

»Zeigt den Menschen in Europa Christus!« Wortlaut der bei der „Wallfahrt der Völker“ verlesenen „Botschaft von Mariazell“, die von den Vorsitzenden der Bischofskonferenzen der acht Teilnehmerländer unterzeichnet ist. Einleitung Wir Bischöfe bitten alle unserem Hirtendienst anvertrauten Christen: Versteckt Euren Glauben nicht! Bleibt nicht am Rand des Weges in die gemeinsame Zukunft stehen! Geht mit, denkt mit, redet mit, arbeitet mit, sucht Allianzen mit allen Menschen guten Willens! Jeder von euch kann dazu etwas Kostbares beitragen.Was sollen wir als Christen in Europa heute und morgen tun? Wir Bischöfe haben als Antwort auf diese Fragen sieben Bitten formuliert, die wir euch, liebe Christen, Brüder und Schwestern, auf den Weg in die Zukunft mitgeben: 1. Den Menschen Christus zeigen „Ihr sollt meine Zeugen sein“, hat Jesus Christus den Aposteln gesagt. Er sagt es auch zu uns. Viele Menschen in Europa kennen Christus nur oberflächlich oder noch gar nicht. Wir sind berufen, ihnen

Christus zu zeigen. Wir begegnen ihm, wenn wir tief eintauchen in die Heilige Schrift, in das Gebet und in die Feier der Liturgie. Dazu brauchen wir eine konsequente Einübung. In den letzten Jahren ist dies leider oft versäumt worden.Wenn wir Christus wirklich gefunden haben, dann wird er uns drängen,die Freude darüber mit möglichst vielen anderen Menschen zu teilen. Wir werden missionarische Christen sein. Bitten wir um die Kraft des Heiligen Geistes, dies zu tun. 2. Beten lernen und beten lehren Europa wird nur gesegnet sein, wenn es hier viele Menschen gibt, die miteinander und auch einzeln beten und so Gott eine lobende, dankende und bittende Antwort auf das Wort geben, das er durch Schöpfung und Erlösung immer neu zu uns spricht. Unsere Pfarrgemeinden und Gemeinschaften sollen noch mehr Schulen des Ge-

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betes werden. Heiligkeit und Schönheit als Teilhabe am Glanz Gottes müssen die Liturgie wieder stärker prägen.Bitten wir um die Kraft des Heiligen Geistes, dies zu tun. 3. Das Glaubenswissen vermehren und vertiefen „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt“, lesen wir im 1. Petrusbrief. Dies ist ein Wort auch für heute. Inmitten einer Bildungsgesellschaft ist es notwendig, dass Christen die großartige Gesamtgestalt des christlichen Glaubens gut kennen, damit sie in der Begegnung mit anderen Religionen und Lebensmodellen ernst genommen werden und bestehen können. Der „Katechismus der Katholischen Kirche“ ist eine wichtige Hilfe zur Einübung in ein vertieftes Glaubenswissen. Bitten wir um die Kraft des Heiligen Geistes, dies zu tun.

Links: Kardinal Christoph Schönborn bei seiner Predigt. Oben: Die Altarkonstruktion sollte den „Bauplatz Europa“ symbolisieren. 4. Zeichen setzen Täglich begegnen die Menschen in unseren Ländern einer Flut von Worten und Bildern. Nur weniges davon redet für Gott und für die Kirche. Wir können dem als Christen aber positive Zeichen entgegensetzen, indem wir das Kreuz in der Wohnung und im Arbeitsbereich, das Tischgebet und das Gespräch über religiöse Themen nicht verstecken. Das Zeichen des Kreuzes und andere christliche Symbole und Riten haben ihren Platz ebenso im privaten wie im öffentlichen Raum. Wir tragen als Christen sehr viel zum Wohl der Zivilgesellschaft unserer Länder bei. Das Christentum ist im Ganzen eine Großmacht weltweiter Barmherzigkeit und verdient daher den Respekt und auch die Dankbarkeit der Zivilgesellschaft. Bitten wir um die Kraft des Heiligen Geistes, dies zu tun. 5. Die Sonntagskultur bewahren Der möglichst arbeitsfreie Sonntag als gemeinsamer Tag größerer Ruhe ist ein hohes Gut, dessen Preisgabe der ganzen Gesellschaft schweren Schaden zufügen würde. Uns Christen ist der Sonntag heilig.Er ist ein Tag des Feierns vor Gott und mit

Gott, ein Tag des Dankes für Schöpfung und Erlösung und ein Tag der Familie.Wir wollen Allianzen gegen die Aushöhlung des Sonntags suchen und mittragen. Bitten wir um die Kraft des Heiligen Geistes, dies zu tun. 6. Leben schützen und entfalten Entschiedene Christen sind Freunde des menschlichen Lebens in allen seinen Dimensionen: Freunde des geborenen und des noch nicht geborenen, des entfalteten und des behinderten, des irdischen und des ewigen Lebens. Dieses Leben ist heute besonders an seinem Anfang und seinem Ende bedroht. Wir werden daher unsere Kraft von Hirn,Herz und Hand einsetzen,um Menschen und ihre Umwelt zu schützen und zu entfalten. Unsere besondere Sorge gilt den Ehen und Familien. Sie sind unentbehrliche Bausteine der Gesellschaft und der Kirche. Die geringe Zahl der Kinder in unseren Ländern ist eines der größten Probleme Europas.Wir halten am Ideal stabiler Ehen und Familien unbeirrt fest und tragen am Geschick jener Menschen helfend mit, denen stabile Beziehungen zerbrochen sind. Bitten wir um die Kraft des Heiligen Geistes, dies zu tun. ó

Als päpstlicher Legat stand Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano der feierlichen Eucharistiefeier vor.

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Aus der Dompfarre Offen für Gott und die Welt Predigt von Kardinal Christoph Schönborn beim Requiem für Alterzbischof Kardinal Franz König am Samstag, 27. März 2004, im Dom zu St. Stephan in Wien Am 17. Juni 1956 sagte der neue Wiener Erzbischof Franz König am Ende seiner ersten Predigt in St. Stephan:„Der festliche Glanz des ersten Einzuges hat mich nicht gehindert, mir gleichzeitig auch meinen letzten Auszug als Toten vorzustellen, wenn ich dann den Rechenschaftsbericht abzulegen habe über meine Verwaltung.“ Fast fünfzig Jahre, bis zuletzt reich an Arbeit, sind seither vergangen. Heute geben wir dem,was an ihm sterblich war,das letzte Geleit zur Beisetzung in der Bischofsgruft des Domes. Heute, wie schon in den vergangenen Tagen seit dem 13. März, beten wir für den Verstorbenen, dass Gott seinen letzten Rechenschaftsbericht gütig annehmen und ihm das ewige Leben in der Heimat des Himmels schenken möge. Es hat in den letzten zwei Wochen zahlreiche Nachrufe auf Kardinal König gegeben, viele bewegende, ganz persönliche Zeugnisse, von Menschen aus allen Kreisen unseres Landes, aus der ganzen Welt. Ich will heute diesen Nachrufen nicht noch einen hinzufügen. In dieser Stunde ist es vielmehr angebracht, nach vorne zu schauen. Ich glaube, dass das ganz im Sinne von Kardinal König ist. Ich bin keinem hochbetagten Menschen begegnet, der so sehr wie Kardinal König im Heute, im Jetzt lebte. Er hätte wahrhaft viel aus seiner langen Lebensgeschichte erzählen können, und er tat es, wenn er über die Vergangenheit befragt wurde, ohne sich allzu lange dabei aufzuhalten. Sein Interesse galt dem Heute und dem Morgen. Bis in die letzten Stunden seines irdischen Lebens war Kardinal König voll wacher Aufmerksamkeit für die Gegenwart, für Menschen, um die er sich sorgte, nach denen er fragte, für die Ereignisse in Kirche und Welt. Deshalb richte ich mein Augenmerk heute auf das, was sein Erbe als Auftrag für uns bedeutet. In diesen Tagen wurde viel vom Brückenbauer gesprochen. Weit

gespannte Brücken brauchen im Strom fest verankerte Pfeiler. Die Offenheit von Kardinal König, seine gewagten Brückenschläge, waren von soliden Pfeilern getragen. Er glich dem Mann im Evangelium, von dem Jesus sagt, er habe sein Haus auf Fels gebaut. Kein Sturm, keine Flut konnte es erschüttern (Mt 7,24–25). Im Angesicht des Todes kommen die tragenden Fundamente des Lebens zum Vorschein. Kardinal König hat seine Frömmigkeit nie zur Schau gestellt. Sie war schlicht und tief. Annemarie Fenzl, der ich hier für ihre selbstlose und hingebungsvolle Betreuung von Kardinal König durch viele Jahre und bis zur letzten Stunde von Herzen Dank sage, schreibt: „Als die Tage mühsamer wurden,wurde es immer deutlicher, woher der Kardinal seine Kraft holte – nach einer Messfeier [die ein junger Priester in seinem Zimmer hielt] sagte er: Daraus lebe ich!’“ Die Weite seines Herzens, die Offenheit seines Geistes, das lebhafte Interesse für alles, was die Menschen bewegt, kam aus seiner tiefen, geraden Gottverbundenheit. Das erste und wichtigste Erbe von Kardinal König, das uns Auftrag ist, sehe ich in der Pflege des soliden Glaubensfundaments. Der große BrückenbauerKardinal hat uns vor Augen geführt, dass ein in Jesus Christus verankerter Glaube Herz und Geist weit und offen macht.„Für mich ist es wichtig, sich für die Wahrheit, für Gottes Wort, einzusetzen, aber verbunden mit der Kraft und Stärke der Liebe zu den Menschen“, sagt Kardinal König in Auslegung seines bischöflichen Wahlspruchs „Veritatem facientes in caritate“, „Die Wahrheit in Liebe tun“. So sei auf drei Brückenschläge besonders hingewiesen, die ich als Erbe und Auftrag sehe, vom festen Pfeiler des Glaubens aus. 1. Das erste Erbe ist der Brückenschlag der Ökumene. Die heute hier anwesenden zahlreichen Vertreter der anderen

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christlichen Kirchen bezeugen, wie tragfähig die von Kardinal König gebauten Brücken sind. Schwierigkeiten haben ihn nie entmutigt.Wir werden diesen Weg weitergehen, getreu dem Motto von Kardinal König. Seine Offenheit für die anderen Christen und die anderen Religionen war stets getragen von seiner unbeirrbaren treuen Liebe zur Kirche, die auch in schweren Stunden nicht ins Wanken geriet. 2. Das zweite Erbe ist der gesellschaftliche Brückenschlag. Er, der die leidvolle Zwischenkriegszeit erlebt hatte, wusste, wie kostbar die Brücken zwischen den gesellschaftlichen Kräften in unserem Land sind. Der Auftrag, den sein Erbe uns hinterlässt, ist nicht einfach nur ein „Vertragt euch!“, sondern der schwierige, aber notwendige Anspruch, das Verbindende über das Trennende zu stellen, das Gemeinwohl über die Einzelinteressen. Kardinal König hat das nicht nur für den gesellschaftlichen Dialog in Österreich, sondern auch auf europäischer Ebene vorgelebt. Die vielen Mitfeiernden und Mittrauernden aus unseren Nachbarländern bezeugen dies. 3. Das dritte Erbe, das uns Auftrag ist, hat ihn bis in die letzten Tage intensiv beschäftigt: der umfassende Schutz des menschlichen Lebens. Sein letztes großes gesellschaftspolitisches Engagement galt der humanen Sterbebegleitung in Österreich. Noch am 16. Jänner dieses Jahres schrieb er dem Präsidenten des Österreichischen Verfassungskonventes einen bewegenden Brief: „Ich bin als Bürger dieses Landes stolz darauf, dass es in Österreich einen breiten politischen Konsens – über alle Parteigrenzen hinweg – gibt: Menschen sollen an der Hand eines anderen Menschen sterben und nicht durch die Hand eines anderen Menschen.“ Und ich zitiere weiter aus diesem Brief:„In diesem Zusammenhang steht für mich die Hospiz-Idee. Sie rückt den Menschen, jenseits der Grenzen der Medizin, wieder ganz in den Vorder-

grund.“ Deshalb bittet Kardinal König den Verfassungskonvent: „Sterbehilfe, also Euthanasie, soll in Österreich künftig auch verfassungsrechtlich untersagt werden – als Wegweiser und Bekenntnis

zu einer ,Kultur des Lebens‘ und als Signal für Europa.“ Diese Worte mögen für unser Land Vermächtnis und Auftrag sein. Mögen es auch jene Worte sein, die Kardinal König

„Vergesst mir die Osterkerze nicht an meinem Sarg.“

vor über 30 Jahren in der Auseinandersetzung um den Schutz des ungeborenen Lebens vor dem Bundesvorstand des Österreichischen Gewerkschaftsbundes gesagt hat: „Ich bitte Sie zu bedenken,wenn einmal der Grundsatz fällt, dass kein Mensch das Recht hat, über das Leben eines anderen Menschen zu verfügen, wie dieses Leben auch aussieht, dann schützt uns nichts mehr vor der totalen Verfügbarkeit … des Menschen … Dann kann man mit uns alles machen.“ Auch das ist ein Auftrag an uns, die wir heute um diesen Freund des Lebens trauern und für ihn beten. Mein letzter Blick geht zur Muttergottes nach Mariazell, die Kardinal König so sehr geliebt hat. Im Blick auf die große „Wallfahrt der Völker“, den Abschluss des Mitteleuropäischen Katholikentages am 22. Mai, schrieb Kardinal König Anfang des Jahres: „So Gott will, werde ich im kommenden Mai mit großer Freude und Dankbarkeit in Mariazell mit dabei sein; dabei sein im Bewusstsein meiner Mitverantwortung als ehemaliger Erzbischof von Wien, der noch die Tragik eines durch Krieg und Hass zerstörten Europa miterlebt hat. Ich bin auch fest überzeugt, dass Mariazell alle anstehenden organisatorischen Probleme lösen wird. Die Freude über eine solche ganz neue und hoffnungsvolle Art der Begegnung, über die noch vor kurzem unüberwindlich scheinenden Grenzen hinweg, wird alle Schwierigkeiten überwinden.“ Lieber Kardinal König! Gott wollte es anders. Du wirst in Mariazell nicht mehr dabei sein können. Nein, du wirst dabei sein. Wer bei Gott ist, ist auch bei den Menschen. Du bist über die schmale Brücke des Todes zu Gott heimgekehrt. Ich vertraue, dass du auch jetzt noch Brückenbauer bist und dass du uns von „drüben“ mit Gott ein guter Helfer sein wirst. Und wenn für uns die letzte Stunde kommt, hilf uns, dass mit Gottes Hilfe auch uns der wichtigste Brückenschlag gelingt, der über den Tod hinweg ans Ufer des ewigen Lebens führt. Amen. ó

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Aus der Dompfarre Das Begräbnis meines »Chefs« – wie ich es erlebte Von Wolfgang Moser, Zeremoniär von Kardinal König Wer schon einmal einen lieben Menschen auf seinem letzten Weg begleitet hat, weiß, dass einem dabei tausend Gedanken durch den Kopf gehen. Da ich die letzten sechs Jahre die Ehre und Freude hatte, Kardinal König als Zeremoniär zu begleiten und auch persönlich zu betreuen, kamen auch mir während der Begräbnisfeierlichkeiten im Stephansdom viele Erinnerungen an unterschiedliche Erlebnisse in den Sinn. Die meisten dieser Erinnerungen teile ich mit Frau Dr. Annemarie Fenzl, der langjährigen Sekretärin und engen Mitarbeiterin des Kardinals. Zusammen mit Kardinal König waren wir ein – wie sie oft sagte und Kardinal König lächelnd bestätigte - „gutes Team“. Nach dem Tod unseres „Chefs“ versuchten wir daher in allen Besprechungen, in denen das Begräbnis vorbereitet wurde, unsere Vorschläge einzubringen,um das Requiem entsprechend dem Wunsch des Kardinals in seinem Testament zu feiern: „Ich bitte, soweit dies möglich ist, um ein einfaches Begräbnis.“ Die musikalische Gestaltung der Gottesdienste lag Kardinal König immer am Herzen. So war uns bei den Begräbnisfeierlichkeiten ein harmonisches Zusammenspiel von Volksgesang, klassischer Chormusik und anderen geistlichen Gesängen (wie z. B. dem Irischen Segenswunsch oder dem Choral zum Weggeleit „Zum Paradies mögen Engel dich geleiten, …“) besonders wichtig. Die Lesungen und auch LektorInnen wählten wir mit großer Sorgfalt aus – sie alle sollten einen eigenen Bezug zu Eminenz haben; bei der Formulierung der Fürbitten bemühten wir uns, die Anliegen des Verstorbenen einzubauen. In den Tagen vor dem Begräbnis fühlte ich mich sowohl in der Diözese als auch in meiner und Kardinal Königs Wohnpfarre Gumpendorf von vielen, die mir ihre aufrichtige Anteilnahme aussprachen,

getragen. Ihr Gebet gab mir viel Kraft für das Begräbnis. Beim großen Einzug in den Dom erinnerte ich mich daran,wie viel Wert Kardinal König auf eine würdige Feier der Liturgie gelegt hatte, bei der es den Menschen möglich sein sollte zu spüren, dass sich im Gottesdienst „Himmel und Erde verbinden“. Ich war sehr bewegt, dass so viele Kardinäle, Bischöfe und Priester, auch Angehörige anderer christlicher Konfessionen, und auch zahlreiche Vertreter aus allen politischen Parteien gekommen waren, um dem Kardinal die letzte Ehre zu erweisen. Vor allem freute ich mich über die vielen Gläubigen, die nicht nur im Dom, sondern auch – obwohl es regnete – am Stephansplatz mitfeierten. Schon bei der Aufbahrung hatten mich die vie-

len Menschen beeindruckt, die sich trotz der Kälte – sogar fast die ganze Nacht – in einer langen Warteschlange angestellt hatten, weil sie es sich nicht nehmen lassen wollten, einen kurzen Augenblick lang persönlich Abschied von Kardinal König zu nehmen. Es war für mich ein Zeichen, wie sehr die seelsorgliche Tätigkeit des Kardinals von den Menschen geschätzt und angenommen worden war. Zu Beginn des Requiems, als der Altar und später auch der Sarg inzensiert wurden, musste ich sehr daran denken, wie ehrfurchtsvoll Kardinal König immer den Altar mit Weihrauch umschritten hatte und wie mir dabei immer unwillkürlich der König und Priester Melchisedek eingefallen war. Seine schlichte, aber dafür umso eindrucksvollere Art zu zelebrieren hat mich, der ich dies aus nächster Nähe

Ein letztes Mal versieht Wolfgang Moser den Zeremoniärsdienst: Abnahme von Mitra und Stab vom Sarg Kardinal Königs

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erleben konnte, sehr berührt, denn sie machte es den Mitfeiernden möglich, wirklich mit allen Sinnen in der Liturgie Gott zu begegnen. Es bewegte mich auch, dass es möglich war, im Sinne seines großen Anliegens „Ökumene“ bzw. „interreligiöser Dialog“ ein sichtbares Zeichen zu setzen: Im Wortgottesdienst trug der Bischof der Evangelischen Kirche A.B. Mag. Herwig Sturm die Lesung aus dem Paulusbrief vor, während der Verabschiedung sprach der Metropolit der griech.-orient. Kirche Dr. Michael Staikos ein Gebet aus der ostkirchlichen Liturgie und für die jüdische Glaubensgemeinschaft betete Univ. Prof. Jacob Allerhand den Psalm „Der Herr ist mein Hirte“ auf Hebräisch. In seiner Homilie blickte Kardinal Schönborn nicht nur auf das Leben des Verstorbenen zurück, sondern öffnete durch seine einprägsame Formulierung vom „Erbe und Auftrag“ den Blick in die Zukunft und zeigte mir damit – so habe ich es verstanden –, dass er auch Kardinal Königs Gedanken weiterführte möchte. Die gewählte Präfation zum Eucharistischen Hochgebet hatte Kardinal König selbst oft gesprochen, wenn er Seelenmessen vorstand, und auch in Predigten zitiert, da sie seiner Meinung nach besonders gut jene Hoffnung zum Ausdruck brachte, dass der Tod nicht Ende, sondern Beginn eines neuen Lebens ist: „Bedrückt uns auch das Los des sicheren Todes, so tröstet uns doch die Verheißung der künftigen Unsterblichkeit. Denn deinen Gläubigen, o Herr, wird das Leben gewandelt, nicht genommen. Und wenn die Herberge der irdischen Pilgerschaft zerfällt, ist uns im Himmel eine ewige Wohnung bereitet.“ Der für mich persönlich traurigste Moment war, als während der Verabschiedung der „Irische Segenswunsch“ gesungen wurde, denn dabei erinnerte ich mich an viele persönliche Gespräche, in denen der Kardinal unter anderem auch Begebenheiten aus seinem Leben erzählt hatte. Besonders dachte ich an seine Vorliebe für Irland und seine Verbundenheit mit dem englischsprachigen Raum. Oft hatte er sein Brevier auf Eng-

lisch gebetet und wenn wir über verschiedene Bibeltexte sprachen, stellte er fest, dass in fremdsprachigen Übersetzungen der Heiligen Schrift Nuancen herauskommen, die in der deutschen Einheitsübersetzung nicht so gut erkennbar sind. Während des Liedes nun wurde mir schmerzlich bewusst, dass ich solche Momente persönlicher Begegnung in dieser Weise nie wieder erleben werde. Als der Chor dann jedoch das mächtige „In te, Domine, speravi: non confundar in aeternum“ anstimmte, stellte sich bei mir – inmitten aller Traurigkeit – wieder Zuversicht ein, denn ich erinnerte mich an das tiefe Gottvertrauen des Herrn Kardinal. Dieser Psalmvers, den Kardinal König auch in seinem Testament zitierte und den Anton Bruckner im seinem Te Deum so ergreifend vertont hatte, brachte nicht nur den österlichen Charakter in die Trauerfeierlichkeiten, sondern ist auch ein bleibendes Glaubenszeugnis des Kardinals: „Auf dich, o Herr, habe ich meine Hoffnung gesetzt. In Ewigkeit werde ich nicht zuschanden.“ (Ps 31,2) So oft ich seitdem das Te Deum höre, erinnere ich mich ich an das Gefühl, das ich während des Requiems hatte – als würde die Seele meines verstorbenen „Chefs“ mit den Klängen langsam nach oben steigen. Unter dem feierlichen Geläute der Pummerin durfte ich dann ein letztes Mal jenen Dienst für Kardinal König tun, den ich in all den Jahren als ganz selbstverständlich angesehen hatte: Ich musste Mitra und Stab abnehmen, diesmal aber vom Sarg – ein Moment, den ich niemals vergessen werde. Anschließend zog der Trauerkondukt gemäß einem alten Brauch rund um den Stephansdom. Dabei folgt entsprechend einer Tradition, auf die ich von Sakristeidirektor und Kirchenmeister Franz Weinwurm aufmerksam gemacht wurde, der „verwaiste“ Zeremoniär dem Sarg, so wie er bei liturgischen Feiern immer hinter dem Bischof gegangen ist. So durfte auch ich meinen „Chef“ auf diesem letzten Weg begleiten. Während dieses Ganges um den Dom nahm ich von meiner Umgebung kaum etwas wahr. Ich dachte an die vielen Gottesdienste, bei denen ich

Kardinal König assistieren durfte, besonders daran, wie er beim Auszug seine Verbundenheit mit den Menschen zum Ausdruck brachte, indem er sie anlächelte und ihnen mit einer freundlichen Geste

Zeremoniär Wolfgang Moser hält den Mantel für Kardinal Franz König bereit. Wien, 12.10.2003, kurz nach der Genesung des Alterzbischofs von seinem Oberschenkelhalsbruch. zuwinkte. Als wir dann in der Bischofsgruft ankamen und ich vor der Nische, in der Kardinal König nun begraben liegt, die Osterkerze stehen sah, kam mir in den Sinn, wie sein ganzes Leben vom festen Glauben an die Auferstehung geprägt war. Er hatte ja immer wieder, in den letzten Jahren vermehrt, auch in Interviews ganz unbeschwert und ohne Angst über das Sterben und den Tod gesprochen. Nun, da er dort angekommen ist, wohin wir alle unterwegs sind, bin ich sicher, einen großen Fürsprecher im Himmel zu haben – in der Gewissheit, ihn einst wiedersehen zu dürfen. Bis dahin ist es für mich persönlich eine Beruhigung, zu seinem Grab in der Bischofsgruft gehen zu können, um zu beten. So ist St. Stephan seit dem Begräbnis für mich nicht nur Gotteshaus und Bischofskirche, sondern erhält noch eine weitere Dimension: Denn wo immer ich den Dom in den Himmel ragen sehe, erinnert er mich daran, dass dort die letzte Ruhestätte meines „Chefs“ ist. ó

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Aus der Dompfarre Kardinal Franz König – Sein geistliches Testament an mich Dankbare Erinnerungen aus unserer letzten Begegnung. Von Franz Bierbaumer merksam das Wort Gottes und interessiert die Worte meiner Predigt. Schließlich empfing er voller Sehnsucht die heilige Kommunion. Ich werde diese Augenblicke nie vergessen, sie gehen mir heute noch zu Herzen und unter die Haut.Zudem bewunderte ich an ihm, wie gelassen und zielstrebig er dem Tod entgegenging. Drei „Dinge“ nehme ich aus der letzten Begegnung mit ihm für mein Leben mit. Es ist quasi sein geistliches Testament an mich, das ich mein Leben lang wie einen kostbaren Schatz hüten werde. Kardinal König hat mir bewusst gemacht, worauf es ankommt: eucharistisch leben – wachsam leben – abschiedlich leben.

Kardinal König mit Mag. Franz Bierbaumer nach einer Fronleichnamsprozession (1994) Woraus Kardinal König lebte, woher er seine Kraft nahm,wurde mir erst so richtig bewusst bei meiner letzten Begegnung mit ihm am zweiten Fastensonntag, wenige Tage vor seinem Heimgang. Ich feierte am späteren Nachmittag für ihn in seiner Wohnung Eucharistie. Diese Begegnung hat sich tief in mir eingeprägt. Letzte Begegnungen haben immer eine besondere Bedeutung. Letzte Worte haben immer ein besonderes Gewicht. Während ich mich auf die heilige Messe vorbereitete und die Stola anlegte, sagte ich zu ihm:„Herr Kardinal,ist es nicht wunderbar, welchen Schatz wir an der Eucharistie haben?“ Er antwortete mir mit sehr schwacher,aber überzeugter Stimme: „Daraus lebe ich!“ Ich höre diese Worte heute noch. Ich werde sie nie vergessen. Diese Worte kommen mir immer wieder in den Sinn, wenn ich Eucharistie feiere. Mich beeindruckte, wie er die heilige Messe mitfeierte. Trotz Schwäche und bereits vom Tod gezeichnet hörte er auf-

1. Eucharistisch leben Kardinal König lebte aus der Eucharistie. Er wusste, dass die Eucharistie das große Kraftwerk ist, das uns den Strom für den Alltag, den Starkstrom für unsere Belastungen und die wichtigen Energien zum Leben und zum Dienst an der Kirche und an den Menschen liefert. Er war an dieses Kraftwerk angeschlossen und hat sich täglich im Hören und Betrachten des Wortes Gottes und in der Feier der Eucharistie „aufgeladen“. Deswegen ist ihm bis zu seinem Lebensende nie der „Strom“ für sein Wirken ausgegangen. An diesem Sonntag ging mir auf: Daraus lebte er, daher nahm er seine Kraft. Als einer, der eucharistisch lebte, wusste er, auf was es ankommt und auf wen es ankommt, und hat deswegen „das Eigentliche“ getan. Diese Formulierung hatte er gebraucht, als wir vor längerer Zeit bei einem Spaziergang der Frage nachgingen: Tun wir eigentlich „das Eigentliche“? 2. Wachsam leben Kardinal König wusste, Wachsamkeit ist das Gebot der Stunde. Er hat bis zuletzt mit wachem Interesse die Vorgänge in Kirche und Welt verfolgt und sich immer

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brennend für alles und alle interessiert. Bei unserer letzten Begegnung fragte er mich noch, wie es Prälat Musger geht, und dass ich ihn schön grüßen lassen soll. Kardinal König hat im Heute Gottes und ganz in der Gegenwart gelebt. Er verstand die Kunst, augenblicklich zu leben. Er konnte sich ungeteilt auf den gegenwärtigen Augenblick einlassen. Er hat auf die leisen Impulse seines Herzens und auf die „Klopfzeichen“ Gottes gehört und immer zur richtigen Zeit das Richtige gesagt und getan. 3. Abschiedlich leben Für Kardinal König war der Tod kein Tabu. Darüber hat er oft gesprochen und geschrieben. Er hat „auf Du und Du“ mit ihm gelebt. Kardinal König hat abschiedlich gelebt. Abschiedlich leben heißt: sich täglich den Tod vor Augen halten, an das Ende denken und vom Ende her alles im Leben gestalten. Kardinal König hatte keine Schwierigkeit damit, bewusst und gelassen auf den Tod zuzugehen. Er konnte Abschied nehmen und loslassen, weil er aus dem Glauben wusste, dass, wenn uns im Tod die Augen zugehen, die Augen aufgehen werden. In einem Fernsehinterview sagte er: „Für den Glaubenden ist mit dem Tod nicht alles aus. Der Tod ist das Tor, durch das ich in einen neue Welt eintrete.“ – „Ich weiß, es geht zu Ende, aber die allermeisten tun so, als ob es nie zu Ende ginge. Warum? Alles ist unsicher im Leben, aber das ist sicher, dass mein Leben zu Ende geht. Und warum nehme ich das nicht einfach in meinen Lebensplan hinein, in aller Ruhe, und denke darüber nach: Was bedeutet das für mich? Dass ich mein Leben nicht vertue und die großen Frage beantworte:Woher komme ich? Wohin gehe ich? Welchen Sinn hat mein Leben?“ ó

»Der Tod bringt die Dinge ins Lot« Predigt von Kardinal Christoph Schönborn beim Requiem für unseren Bundespräsidenten Thomas Klestil am 10. Juli 2004 im Wiener Stephansdom. „Fürchte dich nicht vor dem Tod, weil er dir auferlegt ist. Denk daran: Vorfahren und Nachkommen trifft es wie dich“, so sagt uns heute ein Weiser aus dem alten Israel, Ben Sira oder Jesus Sirach, wie er auch heißt (Sir 41,3). Ja, er trifft uns alle. Er ist allen gewiss, und doch blenden wir diese Gewissheit aus unserem Alltag meist aus. Der Tod gehört zu den größten Tabus in unserer tabulosen Zeit. Doch wenn der Tod in unser Leben tritt, dann bringt er alle wesentlichen Fragen mit sich, für die wir meist im Wirbel unseres Alltags nicht Zeit haben. Kardinal König, den wir vor wenigen Monaten hier im Dom verabschiedet haben, mit einer bewegenden Rede unseres verstorbenen Herrn Bundespräsidenten, Kardinal König hat immer wieder diese Grundfragen des Menschen in Erinnerung gerufen: „Woher komme ich? Wohin gehe ich? Was ist der Sinn meines Lebens?“ Der Tod bringt die Dinge ins Lot. Laute und aufdringliche Fragen treten zurück,

die wesentlichen Fragen bekommen ihr Gewicht. So lade ich Sie heute ein, alle geistig mit dem Verstorbenen verbunden, über die wesentlichen Fragen nachzudenken.

I.

„Woher komme ich?“ Darf ich Dir, lieber Freund, in dieser Stunde ein persönliches Wort sagen? Auch wenn uns der Tod äußerlich trennt, so sagt uns der Glaube, der uns gemeinsam ist, dass wir über den Tod hinaus verbunden sind, tiefer, weil in Gott und durch Gott verbunden. Du bist ja nicht ein Schatten geworden, bist nicht in Nichts aufgelöst. Du lebst, das ist unser fester Glaube. Du bist uns vorausgegangen, wohin uns alle einmal der Tod führen wird, hoffentlich alle zu einem glücklichen Ziel. Darin, ja auch darin sollen wir solidarisch sein, dass wir uns gegenseitig helfen, das ewige Ziel unserer irdischen Wanderschaft nicht zu verfehlen. „Wo komme ich her?“ Du hast nie die „einfachen Verhältnisse“, wie man so

sagt, verleugnet, aus denen du kamst. Nie hast Du den tiefen Glauben Deiner Mutter vergessen. Er hat Dich besonders in den schweren Stunden begleitet. Es ist ein Trost zu glauben, dass Du sie jetzt an dem Ziel wiedergefunden hast, an das sie so fest geglaubt hat. Die Pfarre der Salesianer Don Boscos in Wien-Erdberg hat Deine Jugend stark geprägt. Daran hast Du gerne und dankbar erinnert. Einer der damaligen Jugendlichen steht heute mit am Altar, Weihbischof Ludwig Schwarz. Es war dir beschieden, eine erfolgreiche diplomatische Laufbahn zu gehen. Wie wichtig sind auf einem solchen Weg die Menschen, die uns selbstlos fördern. Bundeskanzler Klaus war so ein Mensch. Und wie wichtig ist die Dankbarkeit diesen Menschen gegenüber. Sie zu vergessen ist etwas Arges. Viel ist in den letzten Tagen über Deine Verdienste als Diplomat und als Staatsoberhaupt gesprochen worden. Spätestens heute, da so viele höchste Verant-

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Aus der Dompfarre wortungsträger aus der ganzen Welt gekommen sind, um Dir das letzte Geleit zu geben, wird unserem Land bewusst, wie

Geschick galt, erst nach dem Tod jene Anerkennung zu finden, die Dir anderswo schon längst zuteil geworden war. Umso

gen gegangen, alles noch erschwert durch das Vergrößerungsglas der Öffentlichkeit. Es steht uns nicht zu, zu richten. Jesus hat es uns nachdrücklich gesagt: „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet“ (Mt 7,1). Dieses Wort Jesu mögen wir nie vergessen. Mit Betroffenheit sehen wir, wie groß heute die Sehnsucht nach dem Gelingen von Beziehungen, die Sehnsucht nach Geborgenheit in Ehe und Familie ist, und wie schwer dieses Gelingen geworden ist. Die Haltung der Kirche in dieser Frage hast Du respektiert, auch wenn es Dir nicht leicht fiel. Es fällt auch der Kirche nicht leicht, den Weg zwischen dem unbedingt notwendigen Schutz für Ehe und Familie einerseits und der ebenso notwendigen Barmherzigkeit mit dem menschlichen Scheitern und Neubeginnen anderseits zu finden. Vielleicht, lieber Freund, ist Dein Tod Anlass, uns alle gemeinsam um beides zu bemühen, im Wissen, dass beides notwendig und dass beides nicht einfach ist.

III. Kardinal Christoph Schönborn bei seiner viel beachteten Predigt beim Requiem für Bundespräsident Dr. Thomas Klestil viel Du für es getan hast, wie hoch die Wertschätzung für Dich war und ist. Du warst auf beispielhafte Weise wirklich ein Weltbürger. Die Gäste aus der ganzen Welt bezeugen es Dir und uns. Du warst aus tiefster Überzeugung ein Europäer. Du hast wesentlich dazu beigetragen, Österreich in die Europäische Union hineinzubegleiten. Du warst rastlos tätig, die befreundeten Nachbarn Mittel- und Osteuropas auf dem Weg der Integration zu begleiten und ihnen zu helfen. Die Anwesenheit so vieler höchster Repräsentanten aus diesen Ländern ist Ausdruck des Dankes dafür. Und schließlich warst Du ein leidenschaftlicher österreichischer Patriot und wolltest, wie Du selber sagtest, Dich in der Liebe zu Österreich von niemandem übertreffen lassen. Schmerzlich und beschämt stellen wir fest, dass auch für Dich das recht österreichische

mehr gilt Dir heute und weiterhin der Dank Österreichs, unser Dank. „Wohin gehe ich?“ Dein Amt hat Dich ganz in eine Öffentlichkeit gestellt, in der es kaum eine Privatsphäre mehr gab. Das wurde deutlich in der Zeit Deiner schweren Erkrankungen, besonders aber in den Schwierigkeiten in Ehe und Familie.Viele Menschen in unserem Land haben daran Anteil genommen, und die Tatsache, dass dies so viele berührt und bewegt hat, ist ein deutliches Zeichen, wie wesentlich dieser Bereich für unser Leben ist. Mit den meisten Menschen hast Du eine tiefe Sehnsucht nach einer geglückten Ehe, nach einer harmonischen Familie gehabt. Wie so viele Menschen heute bist Du mit den Deinen durch die schmerzliche und schwierige Erfahrung des Zerbrechens und des Neubeginns von Beziehun-

II.

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„Wohin gehe ich?“ Wo bist du jetzt? Wo sind die Toten? Hier ist Dein toter Leib. Aber wo bist Du? Wir können es uns nicht vorstellen, aber wir können es glauben. Wir glauben fest,dass Du daheim bist,zu Hause bei Gott. Und wir glauben, dass es kein größeres Glück gibt. Jesus vergleicht den Tod mit dem Weizenkorn, das in die Erde fällt und stirbt, es stirbt um reiche Frucht zu bringen. „Was ist der Sinn meines Lebens?“ Was, wenn nicht der, „reiche Frucht zu bringen“? Das erfordert, wie Jesus sagt, „sein Leben zu verlieren“ (Joh 12,24–25). Du hast Dein Leben voll eingesetzt, Du hast Dich nicht geschont, bis zuletzt, für unser Land und seine Menschen und weit darüber hinaus. Das danken wir Dir heute von Herzen. Du hast Mariazell sehr geliebt und viel dafür getan. Dem Schutz Marias hast Du Dich von Kindheit an anvertraut. So tue ich es auch heute, für Dich und mit allen, die sich dem anschließen wollen: Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns arme Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen. ó

Die Autoren dieser Nummer

Zum Ableben von Diakon GR Ernst Ballner Worte des Gedenkens von Franz Michal

Kurz nach dem Tod von Kardinal König starb überraschend unser Domdiakon Ernst Ballner. Er gehörte zu den ersten ständigen Diakonen, die der verewigte Alterzbischof 1970 geweiht hatte. Für alle kam der Tod unseres Diakons Ernst Ballner am 25. März 2004 mehr als überraschend.Wir hofften, dass sein Krankenhausaufenthalt nur von kurzer Dauer wäre. Der liebe Gott wollte es anderes. Für mich war Ernst Ballner nicht nur der Vorgänger als Oberministrant in St. Stephan, sondern auch ein unverzichtbarer Wegbegleiter im PGR von St. Stephan seit 1974. Gemeinsam haben wir in all den Jahren versucht, den Dompfarrer bei seiner pastoralen Aufgabe zu unterstützen. Einen hohen Stellenwert in seinem Leben nahmen seine Familie, seine liebe Frau, die drei Kinder und dann die Enkelkinder ein. Ein Höhepunkt in seinem Leben war sicher die Weihe zum Diakon. Er war unter den ersten neun ständigen Diakonen, die am Stephanitag 1970 vom damaligen Erzbischof Kardinal DDr. Franz König geweiht wurden. Sein besonderes Anliegen galt der Liturgie, besonders der Andacht

um 17 Uhr und der Assistenz. Sein handwerkliches Geschick setzte er in verschiedenen Bereichen ein. Als Diakon waren ihm auch die besonders Bedürftigen in unserer Pfarre ein großes Anliegen. So kümmerte er sich jahrelang immer wieder am Heiligen Abend um die Weihnacht der Einsamen. Unzählige Hausbesuche rundeten seinen Wirkungsbereich in der Dompfarre ab. Oft war er mit der Hl. Kommunion zu kranken, nicht ausgehfähigen Mitgliedern unserer Pfarrgemeinde unterwegs. Auch sein Engagement in der Ökumene war für uns vorbildlich. Möge ihm Gott all das vergelten,was er hier auf Erden Gutes für uns alle getan hat. Im festen Vertrauen darauf, dass unser aller Leben gewandelt, nicht genommen wird, haben wir uns am 5. April 2004 von ihm am Meidlinger Friedhof verabschiedet und glauben, dass er sein Ostern schon in Gottes Licht und Herrlichkeit erleben durfte. ó

Mag. Franz Bierbaumer, Feuerwehrseelsorger der Stadt Wien Mag. Karin Domany, AHS-Lehrerin, PGR-Mitglied Toni Düh, Studentin, Domministranten-Gruppenleiterin Kan. Mag. Anton Faber, Dompfarrer, Dechant für das Stadtdekanat Wien 1 Diakon Roman Faux, Hauptschullehrer Dr. Annemarie Fenzl, Diözesanarchivarin, langjährige persönliche Assistentin von Kardinal König Dr. Franz Fischler, bis Herbst 2004 EU-Kommissär für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung Mag. Heinrich Foglar-Deinhardstein, Rechtsanwaltsanwärter, Mitglied des Finanzausschusses, Kommunionspender Reinhard H. Gruber, Domarchivar, Redaktionsleiter Erich Hammerl, PGR-Mitglied, Mitarbeiter bei Mittwochclub u. Seniorenrunde Christian D. Herrlich, Leiter der Dompfarrkanzlei Anneliese Höbart, PGR-Mitglied, Obfrau des Finanzausschusses Franz Hummer, Koordinator des 3. Papstbesuchs in Österreich im Juni 1998 und des Besuchs des Ökumenischen Patriarchen im Juni 2004 Mag. Elisabeth Hundstorfer, Leiterin der Presseabteilung bei Compress PR DDr. Helmut Krätzl, Weihbischof der Erzdiözese Wien Drs. Michael Kuhn, Theologe und Kommunikationswissenschaftler, ständiger Diakon, seit 1997 Referent für Angelegenheiten der europäischen Union und der COMECE im Generalsekretariat der Österreichischen Bischofskonferenz mit Sitz in Brüssel; Stabsmitglied der COMECE (der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaften) MMag. Benedikt Michal, PGR-Mitglied, JugendMitarbeiter Prof. Franz Michal, stv. Vorsitzender des PGR St. Stephan, Dekanatsvertreter, stv. Vorsitzender d. Pastoralen Vikariatsrates Wolfgang Moser, Student, eb. Zeremoniär, ehem. Zeremoniär von Kard. König Kan. Msgr. Dr. Ernst Pucher, Erzbischöflicher Gerichtspräsident Dipl.-Theol. Martin Rupprecht. Pfarrer und Dechant im 15. Bezirk Mag. Franz Schlegl, Domkurat, Religionsprofessor Kardinal Dr. Christoph Schönborn, Erzbischof von Wien Mag. Birgit Staudinger, Leiterin der Dompfarrkanzlei (in Karenz)

Redaktion Redaktionsleitung: Reinhard H. Gruber Lektorat: Verena Michalke, Mag. Birgit Staudinger, Dr. Martin Tscherkassky Redaktionsteam: Mag. Toni Faber, Diakon Roman Faux, Mag. Heinrich Foglar-Deinhardstein, Anneliese Höbart, Verena Michalke, Mag. Birgit Staudinger. Unter Mitarbeit von Christian D. Herrlich

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Aus der Dompfarre Zum Heimgang von Geistlichem Rat Domkurat Wolfgang Ubl

Ein gütiger Priester, ein großer Beter und Dulder ist zum Vater gegangen. Als am 8.August 2004 DomkuratWolfgang Ubl um 19 Uhr, während im Dom nach dem Angelus die „Arme-Seelen-Glocke“ läutete, für immer die Augen schloss, fand ein schlichtes und durchlittenes Priesterleben seine Vollendung. In großer Liebe und Zartheit zog der himmlische Vater ihn an Sein Herz. Alles Leid, alles Sehnen, alle Verletzung und Einsamkeit hatte ein Ende – in seiner Liebe ist es nun geborgen. Schon zwei Wochen vor seinem Heimgang hat er fast immer gebetet, das Vater unser, das Ave Maria und immer wieder das alte Kommuniongebet: „Jesus, Jesus, komm zu mir, oh wie sehn’ ich mich nach dir. Meiner Seele bester Freund, wann werd’ ich mit dir vereint?“ Domkurat Ubl wurde am 26. April 1926 in Wien geboren. Kurz vor Kriegsende noch eingezogen erlitt er eine schwere Kriegsverletzung, die ihn zeitweise an den Rollstuhl fesselte und ihn zwang, seinen Le-

bensplan zu ändern. Er entschloss sich, Priester zu werden, absolvierte das Erzbischöfliche Seminar Hollabrunn und trat nach der Matura in das Priesterseminar in Wien ein. Kardinal König weihte ihn am 29. Juni 1960 im Stephansdom zum Priester. Nach zwei Kaplansjahren in BadenSt. Christoph und einer Zeit als Studienpräfekt in Sachsenbrunn trat er 1965 in die Trappistenabtei Ölenberg im Elsass ein, die er nach vier Jahren aus gesundheitlichen Gründen wieder verlassen musste. Ab 1969 war er als Seelsorger im Karmel Mayerling tätig und wurde am 1. Jänner 1989 als Domkurat an den Stephansdom berufen. Seit seiner Studienzeit arbeitete er in großer Treue bei der Legion Mariens mit und begleitete auch nach seiner Pensionierung 1995 als Beichtvater und geistlicher Begleiter unzählige Menschen auf ihrem Weg.

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Domkurat Wolfgang Ubl diente Gott, wo immer er gerufen wurde, mit großer Freude, mit Eifer und Dank an seine Kirche und seinen Bischof. All seine Schmerzen und Leiden hat er Gott für die Kirche dargebracht. Er war ein gütiger, immer bereiter Priester, der zu verzeihen und das Vertrauen auf Gott zu wecken verstand. „Ich bin ein glücklicher Kranker“, sagte er immer wieder.„Ich habe keine Schmerzen und wenn ich welche habe, dann bekomme ich etwas dagegen. Ich freue mich auf den Himmel, auf die Anschauung Gottes, die lieben Heiligen. Aber ich kann noch viel tun hier auf Erden: Beten und opfern, für die Kirche, für die Welt, für den Bischof.“ Das allerheiligste Sakrament war sein höchstes Gut. Als er die Messe im Dom nicht mehr feiern konnte, zelebrierte er, so es sein Gesundheitszustand zuließ, täglich in seinem Wohnzimmer. Bis zuletzt konnte er den Leib des Herrn empfangen. So passt der zweite Teil des schlichten Kommuniongebetes zu seiner Spiritualität: „Oh du allerhöchstes Gut. Herr, du bist mein Fleisch und Blut. Mir zur Speise und zum Trank,dir sei ewig Lob und Dank!“ Die Erzbischöfliche Cur, Vertreter des Domkapitels und seine Weihekollegen nahmen am 19. August 2004 in einem feierlichen Requiem in der Friedhofskirche zum heiligen Karl Borromäus Abschied von ihrem Mitbruder. Kardinal Christoph Schönborn vergaß in seiner Predigt nicht den vielen Freunden zu danken, die ihn begleitet haben. Besonders Frau Josefa Hirschler, die ihn aufopferungsvoll betreut und ihm auch in seiner letzten Stunde betend beigestanden ist. Domkurat Wolfgang Ubl fand seine letzte Ruhestätte in der Priesterbegräbnisstätte der Erzdiözese am Wiener Zentralfriedhof. Die Dompfarre nahm von ihrem Seelsorger am 7. September in einem abendlichen Gedenkgottesdienst im Stephansdom dankbar Abschied. RIP ó

»Sein Loblied ist der Herr« Zum silbernen Priesterjubiläum von Offizial Msgr. Dr. Ernst Pucher. Gratulation von Heinrich Foglar-Deinhardstein Der Erzbischöfliche Gerichtspräsident (Offizial), Kanonikus Msgr. Dr. Ernst Pucher, begeht heuer sein silbernes Priesterjubiläum. Viele in der Dompfarre kennen ihn als Zelebranten der 18 Uhr-Messe am Dienstag – bis zu dessen Tod immer assistiert von unserem Diakon Ernst Ballner – und als oftmaligen Offiziator des sonntäglichen Kapitelgottesdienstes, nicht zuletzt auch als Freund und Förderer der Domministranten.Vielleicht wissen manche gar nicht mehr, dass Ernst Pucher von 1984 bis 1987 im Curhaus gewohnt hat, oder dass Msgr. Anton Berger sein Firmpate und Primizprediger war. Am 11. Juni 2004 lud Ernst Pucher in die Klosterkirche der Schwestern vom Armen Kinde Jesu in der Hofzeile zu einem festlichen Dankgottesdienst. Und mit ihm feierten die Marianische Kongregation Döbling samt deren Gründer Kanonikus Prälat Dr. Wolfgang Flasch, das Metropolitan- und Diözesangericht und die große und auffällig bunte Freundesschar

des Jubilars. An der Spitze der feiernden Gemeinde standen Dompropst und Domdekan, die Wiener Weihbischöfe Helmut Krätzl und Ludwig Schwarz sowie – als Hauptzelebrant – der Erzbischof von Esztergom-Budapest, DDr. Péter Kardinal Erdö, dessen Freundschaft mit Ernst Pucher vor 20 Jahren in Rom begründet wurde. Die beachtliche Zahl der konzelebrierenden Priester und teilnehmenden Gläubigen wurde von Kardinal Erdö mit den Worten kommentiert und theologisch gedeutet:„Ein Priester ist nie allein!“ Mit einem Text von Charles de Foucauld bekannte sich Ernst Pucher am Schluss der herzlichen Messfeier dankbar zu seiner Kirche und zu seinem Herrn und Gott. Die Stationen der Laufbahn von Ernst Pucher im Zeitraffer: Akademisches Gymnasium in Wien, Studium von Jus und Theologie, Kaplan in Stockerau, Kirchenrechtsstudium in Rom, Leiter des Eheund Matrikenreferats, Ordinariatskanzler, Domkapitular, Pfarrer in Senning, Offizial.

Wie kann man Ernst Pucher charakterisieren? Als „typischen“ (Kirchen-)Juristen? Vielleicht. Jedenfalls ist er kein Effekthascher, kein „Machertyp“ in des Wortes schlechter Bedeutung, sondern einer, der gerne „einfach da“ ist, und das mit Selbstverständlichkeit. Und dennoch einer, der von einer mutigen und missionarischen Kirche träumt. Er ist umfassend gebildet, er liebt Musik und Reisen. Sicherlich ist er nicht einer, der vereinnahmen will, aber sehr wohl jemand, der – bei aller Zurückhaltung – Fröhlichkeit vermitteln kann und – voll Interesse – in Kontakt stehen möchte. Schließlich einer, der gerne die Liturgie im „Glanz edler Einfachheit“ entfaltet, ein stimmgewaltiger Sänger, einer, der in seinen Messen oft und oft von den Heiligen und ihren Biographien erzählt. In all dem müht er sich um die Umsetzung seines Primizspruchs: „Dominus fortitudo mea et laus mea“ (Ex 15,2) – „Meine Stärke und mein Lied ist der Herr.“ ó

Feier des silbernen Priesterjubiläums am 11.6.2004: Jubilar Ernst Pucher, Weihbischof Ludwig Schwarz, Kardinal Peter Erdö, Weihbischof Helmut Krätzl und Ehrenkanonikus Wolfgang Flasch. Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Herbst 2004 27

Aus der Dompfarre 50 Jahre Priester: Weihbischof DDr. Helmut Krätzl u.Msgr. Franz Merschl Von Msgr. Dr. Ernst Pucher

Weihbischof DDr. Helmut Krätzl mit unserem neuen Bundespräsidenten Dr. Heinz Fischer Mit Freude habe ich die Einladung angenommen, für die beiden goldenen Jubilare Weihbischof Krätzl und Msgr. Merschl ein Gratulationswort zu verfassen, bin ich doch mit ihnen durch die Gemeinschaft im Domkapitel – und nicht nur dadurch – verbunden. Beide Jubilare „kennt man“ in der Erzdiözese Wien und über deren Grenzen hinaus. Persönlich kenne ich beide seit meiner Studienzeit im Wiener Priesterseminar vor 30 Jahren. Dr. Krätzl war damals Ordinariatskanzler – ich sollte später auch für einige Zeit dies Amt innehaben – und bald darauf (1977) Weihbischof. Für uns Seminaristen war Weihbischof Krätzl Respektperson und Vorbild, wir waren beeindruckt von seiner Art zu feiern und zu predigen, es war und ist immer ein Erlebnis, einen Gottesdienst mit ihm zu feiern, etwa bei einer Firmung, und wir hatten es gerne, wenn er, dazu eingeladen, kam. 1981 wurde Weihbischof Krätzl Generalvikar, 1985/86 leitete er als Diözesanadministrator die Erzdiözese Wien. 1982 wurde ich – auf Anregung von

Weihbischof Krätzl – zum Kirchenrechtsstudium nach Rom entsandt, wo ich im Priesterkolleg „Anima“ wohnte, in dem Krätzl 20 Jahre vor mir während des II.Vatikanischen Konzils, das ihn so sehr prägt, gewohnt hatte: seitdem verbindet uns auch dieselbe „römische Heimat“. Die Zeit nach 1986 war für ihn gewiß nicht immer einfach: Sicherlich – Visitationen, Vorträge, Aufgaben im Rahmen der Bischofskonferenz, das große Anliegen der Erwachsenenbildung und bis vor einigen Jahren die Fragen der Schule und der Religionsunterrichtes füllten nicht nur seinen Terminkalender; aber insgesamt war das kirchliche Klima für ihn schwieriger geworden. Was ich an Weihbischof Krätzl bewundere? Seine vielfältigen Begabungen, seinen Mut, seinen Esprit, seine ihm eigene Treue zur Kirche. Gerade waren wir beide beim „Animatreffen“ in Brixen – hingefahren sind wir gemeinsam mit dem Zug: Das waren sieben Stunden erfüllt mit geistvollen Gesprächen und so mancher köstlichen Einsicht.

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Möge Gott seiner Kirche noch lange sein apostolisches Wirken schenken und dem Jubilar immer wieder neue Freude an ihr! Msgr. Merschl war schon bekannt als „Passionsspielpfarrer“ in Kirchschlag in der Buckligen Welt, als er als Pfarrer nach Altsimmering (Wien XI) berufen wurde. Bald war er auch als „Fernsehpfarrer“ ein Medienstar.Viele Seminaristen und Jungpriester machten unter seiner kundigen Leitung ihre ersten pastoralen Gehversuche und sind ihm ihr Leben lang dafür dankbar. Als Dechant und in verschiedenen diözesanen Gremien wirkte er an der Leitung unserer Diözese mit. 1997 wurde er Pastoralamtsleiter und Domkapitular, übernahm dann als erfahrener Pfarrseelsorger die Aufgabe des Kapitelliturgen und sorgt für die ansprechende Feier der täglichen Kapitelmesse mit Laudes. Große Freude bereitet ihm auch die Spendung des Firmsakramentes, wozu er oft und gerne eingeladen wird. Dem erfahrenen Seelsorger und fröhlichen Menschen wünschen wir: Bewahre Gott Dir Deinen Jugendsinn! – und dies noch viele Jahre. ó

Der jung gebliebene goldene Jubilar Franz Merschl

70 Jahre Priester: Prälat DDr. Josef Musger Eine Laudatio von Weihbischof Helmut Krätzl Zunächst kannte ich Josef Musger nur vom Hören. Mein Bruder trat drei Jahre vor mir ins Wiener Priesterseminar ein und hatte Musger damals als Spiritual. Sehr bald sollte ich ihm aber viel näher kommen. Nach meiner Priesterweihe 1954 kam ich als Kaplan nach Baden-St. Stephan. Der damalige Pfarrer Prälat Stoiber war gerade aus Gesundheitsgründen in Pension gegangen. Ein Jahr später, 1955, folgte ihm Musger nach. So war er mein erster „Chef“ in frühen Priesterjahren. Er war sehr streng und genau, wir jungen Priester waren nicht mit allem einverstanden. Aber eines war uns schon damals klar, dass er mit Leib und Seele Priester war und ihm die Pfarrseelsorge über alles ging. In seiner Pension kam er nach St. Stephan in Wien als „Aushilfspriester“ besonderer Art. Das hatte Msgr. Anton Berger vermittelt, sein ehemaliges Pfarrkind aus Baden. Auf ihn war Musger immer besonders stolz. Hier am Stephansplatz war ein ganz anderer „Musger“ als früher, im Alter erstaunlich gereift, viel freier als vormals, von der Kinderseelsorge bis zum heiklen Beichtdienst überall einsetzbar. Seine Predigten waren theologisch fundiert, spirituell tief und zeugten von sei-

Prälat DDr. Josef Musger feierte am 9. Mai seinen 95. Geburtstag und am 28. Oktober sein 70-jähriges Weihejubiläum. Im Anschluss an die offizielle Geburtstagsfeier der Stadtgemeinde Baden für Prälat Musger wurde dem Jubilar zu Ehren vom Stadtgartenamt auf dem Pfarrplatz ein Baum gepflanzt und ein Gedenkstein errichtet.

ner großen Ehrfurcht vor dem Menschen. Und immer wieder kam er zu mir in die Wohnung, um Seelsorgsprobleme und Fragen der Kirche unter „Freunden“ zu besprechen. Was ich von Musger über die Jahrzehnte lernte und wie er mir im Gedächtnis bleiben wird? Ein Mann, der aus einer tiefgläubigen Familie kam. Sein Bruder Robert war Jesuit, eine Schwester Klosterfrau. Ein Priester, der in Rom studiert hatte und dort auch seine Liebe zur Gesamtkirche fand. Eine Liebe, die aus Sorge um die Kirche auch kritisch sein konnte. Ein Seelsorger, der seine ganzen Fähigkeiten und fast jede Minute im Alltag der Pfarre widmete. Die Verantwortung für das „Seelenheil“ der anderen nahm er so ernst, dass er manchmal darunter selber litt. Er hat aber in Baden Generationen junger Menschen und junger Ehepaare geprägt, die später ganz bewusst aus dem Glauben lebten. Für fast 30 Kapläne – meist kamen sie als Neupriester – war er Lehrer und „Chef“. Sie waren unter-

schiedlichster Natur und Denkrichtung. Es gab manche Spannungen, auch Differenzen. Aber – so glaube ich – zuletzt hat jeder von Musger etwas gelernt und mitgenommen, vielleicht ohne sich das selbst einzugestehen. Fast 15 Jahre arbeitete er noch am Dom zu St. Stephan.Von der direkten Verantwortung für die Pfarradministration befreit konnte er noch mehr als früher seine Seelsorgsqualitäten „ungehindert“ ausspielen. Er war zu einem ruhenden Pol geworden, der viele führte, aufmunterte und immer wach blieb für das Neue. Jetzt lebt Josef Musger in Baden im Marienheim in einem sehr kleinen Raum. Aber der Blick durchs Fenster geht auf den Turm der Badner Stadtpfarrkirche. Er darf mit Stolz dorthin schauen, wo er gut die Hälfte seines Priesterlebens überaus segensreich wirkte. Möge Gott ihm noch Jahre schenken und uns damit einen Priester,der gewissermaßen „zeitlos“ geworden ist, für uns aber fast unentbehrlich. ó

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Aus der Dompfarre Der Tabernakel: Zelt Gottes unter den Me Christian D. Herrlich über die heurige Ausstellung in der Domsakristei

Bei der Eröffnung der Ausstellung: Ausstellungskurator Domarchivar Reinhard Gruber gemeinsam mit Kirchenmeister und Sakristeidirektor Franz Weinwurm sowie Dompfarrer Anton Faber, die das Entstehen dieser Ausstellung möglich gemacht haben. Die heurige Ausstellung in der barocken Domsakristei von St. Stephan möchte anhand der präsentierten Kostbarkeiten

Dank an die Leihgeber! für die wertvolle Unterstützung, die diese Ausstellung möglich gemacht hat: ˘ Dom zu Graz ˘ Wiener Mechitaristen-Congregation ˘ Pfarrkirche St. Marein in der Steiermark ˘ Dom- und Diözesanmuseum ˘ Ukrainisch-griechisch-katholische Zentralpfarre St. Barbara ˘ sowie einem ungenannten Leihgeber ˘ Domkurat Schlegl für seine Mithilfe ˘ Dank auch den Schwestern im Karmel St. Josef, die uns Fotos geschickt sowie Informationen zum Hostienbacken gegeben haben, die auf einer eigenen Tafel dokumentiert werden. Immerhin backen die Schwestern für die Domkirche St. Stephan im Jahr ca. 250.000 Laienhostien und ca. 5000 bis 6000 Priesterhostien

und einer ausführlichen Beschriftung die Geschichte und Bedeutung des Tabernakels vom gotischen Sakramentshäuschen bis zum hochbarocken oder modernen Tabernakel dokumentieren. Untrennbar mit diesem Thema verbunden ist das Fest Fronleichnam. So wird im Rahmen der Ausstellung auch der 1776 von Kaiserin Maria Theresia gestiftete und alljährlich an diesem Hochfest getragene Ornat ausgestellt und die Geschichte dieses Festes im Zusammenhang mit dem Stephansdom dokumentiert. Liturgische Geräte, die der Aufbewahrung der Hostie dienen, werden gezeigt und auch beschrieben. Als man begann, das Allerheiligste in den Kirchen aufzubewahren, geschah dies zunächst in einem Nebenraum (Secretarium), wie dies in den Ostkirchen heute noch vorkommt und bis ins 14. Jahrhundert auch im Westen gebräuchlich war. Das Wort „Secretarium“ lebt übrigens im Wort „Sakristei“ fort. Die Domsakristei war für über drei Jahre auch tatsächlich ein Tabernakel.

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Nach dem verheerenden Dombrand von 1945 hat man sich entschlossen, das Allerheiligste hier in der Sakristei unter dem großen Kreuz aufzubewahren. Auch wenn das Haus Gottes verwüstet war, so sollte doch der „Hausherr“ hier gegenwärtig bleiben. Der feste Verschluss des Aufbewahrungsortes war vom 4. Laterankonzil 1215 vorgeschrieben worden. Die Gewohnheit, dem Gehäuse zur Aufbewahrung der Eucharistie einen festen Platz auf dem Altar anzuweisen, bildete sich in Italien vor allem unter dem Einfluss des hl. Karl Borromäus. Verpflichtend wurde diese Aufstellung in der Mitte des Altares erst durch das Kirchenrecht von 1918, die feste unlösbare Verbindung des Tabernakels mit der Altarplatte erst durch das Tabernakeldekret von 1957. Für die Aufstellung des Tabernakels sollte – wie es heißt – eine „besonders hervorragende und ehrenvolle Stelle der Kirche“ ausgesucht werden, weswegen vor allem in kleineren Kirchen meist nur der Hochaltar dafür in Frage kam; in Kirchen mit Chordienst (wie in St. Stephan oder in Stifts- und Ordenskirchen) war dagegen ein eigener Sakramentsaltar (meist in einer Sakramentskapelle) vorgeschrieben. Seit 1964 kann der Bischof die Aufstellung des Tabernakels an einem würdigen und entsprechenden Platz auch außerhalb des Altares genehmigen, auf einer Säule (Stele) oder in einer Wandnische. Gekennzeichnet ist der Tabernakel durch das Ewige Licht (Ampel) – einige sind ausgestellt – oder durch das Conopäum, eine Verhüllung aus Stoff in der liturgischen Tagesfarbe, das ihn erst zum „Zelt“ macht, aber in Österreich kaum gebräuchlich ist. Es gab welche in St. Stephan, doch leider ist keines mehr erhalten und so können wir es auch nicht zeigen. Ausgestellt sind mehrere Tabernakel aus verschiedenen Zeitepochen, darunter auch der barocke Tabernakel vom Hochaltar des Stephansdomes, der beim Dombrand 1945 einige Schäden davon getra-

nschen gen hat und seit 1945 erstmals wieder für die Besucher zu sehen ist. Über dem Tabernakel war das Gnadenbild von Maria Pócs angebracht, und diese Art der Anbringung als so genanntes „Vorsteckbild“ oder „Aufsatzbild“ fand von St. Stephan ausgehend breite Nachahmung in Österreich bzw. auch in Bayern. Im Stephansdom war so zu sagen der „Prototyp“. Der große neubarocke Tabernakel neben der Figur des Mose ist eine Leihgabe der Domkirche St. Ägidius zu Graz, der Byzantinisch-slawische Tabernakel aus dem 19. Jhdt. in der Vitrine rechts vom Eingang eine Leihgabe der Ukrainisch-griechischkatholischen Zentralpfarre St. Barbara. Die übrigen Tabernakel, die nicht aus dem Besitz von St. Stephan stammen, hat uns ein ungenannt bleiben wollender Leihgeber zur Verfügung gestellt ebenso wie andere Kostbarkeiten.

Wer weiß nun aber wirklich, was ein Ziborium, eine Custodia, eine Patene oder ein Asteriskus ist? All diese Dinge sind hier ausgestellt und auch deutend beschrieben, denn wir wollen nicht nur Schätze herzeigen, sondern auch die Ausstellungsstücke in einer verstehbaren Art und Weise erklären. Ein weiteres Prunkstück ist die so genannte „Zenner-Monstranz“, die nach 1861 entstanden ist. Weihbischof Franz Xaver Zenner (†1861) taufte 1855 Erzherzogin Sophie und erhielt als Dank von Kaiser Franz Joseph I. ein kostbares Brillantkreuz, aus dem nach seinem letzten Willen und auf seine Kosten diese Monstranz mit der wertvollen Lunula (=Halterung für die große Hostie) im Wert von damals 6000 Florin (Gulden) angefertigt wurde. ó

Ausgewählte Kostbarkeiten aus dem Domschatz von St. Stephan. 5. Juli 2004 bis 23. Oktober 2004 Öffnungszeiten: Montag bis Samstag: 9.00 Uhr–11.30 Uhr, 13.00 Uhr–16.30 Uhr Sonn- u. Feiertag: 13.00 Uhr –16.30 Uhr Eintrittsgebühren: Erwachsene EUR 3,– Ermäßigt EUR 1,50 Der Reinerlös wird zur Erhaltung der Domkirche verwendet.

Verschiedene Kostbarkeiten, die im Zusammenhang mit der Aufbewahrung der Eucharistie bzw. ihrer Verehrung stehen. Ganz rechts im Bild: Byzantinisch-slawischer Tabernakel aus St. Barbara in Wien I.

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Aus der Dompfarre

Das war der Ste Eindrücke vom bunten Treiben vom 22.–25.

˚ Strahlende Gesichter bei der Eröffnung des Kirtags ¯ Ungewohntes Bild am Fuß des Steffl: das historische Dampfringelspiel ˙ Der Erzbischof mischt sich nach dem offiziellen Teil unter die Kirtagsbesucher

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ffl-Kirtag 2004 April

˚ Unter dem kritischen Blick des Wiener Bürgermeisters prägt der Erzbischof den ersten „StefflGroschen“ (es ist geglückt!) ˘ Auch der Bürgermeister stellt seine ganze Kraft in den Dienst der guten Sache

¯ (v.l.n.r.:) Bezirksvorsteher Grundwalt, Präsident Nettig, Weihbischof Schwarz, Kardinal Schönborn und Dompfarrer Faber bei den Eröffnungsfeierlichkeiten

˘ Worüber hier gelacht bzw. geschmunzelt wurde, blieb der Redaktion leider unbekannt …

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Aus der Dompfarre ¯ Bezirksvorsteher Grundwalt beim Bieranstich … ˙ Insgesamt sieben Blasmusikkapellen spielten auf. Im Bild: die Stadtmusikkapelle Mariazell

¯ Mitarbeiter der Domkirche laben sich am „Steffl-Bier“ (außerhalb der Arbeitszeit!)

˚ Das geistliche und das weltliche Oberhaupt der Bundeshauptstadt trinken auf das Wohl des Domes ¯ „Steffl-Bier“: Für Nachschub wurde stets gesorgt

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Was ist in Florenz los? Über die Domministrantenfahrt 2004. Von Toni Düh Mein erster Eindruck von Florenz nach einer langen und anstrengenden Zugfahrt: „Hier ist ja überhaupt nichts los!“ Das lag aber eher daran, dass wir schon um 7 Uhr in der Früh angekommen waren, und somit natürlich niemand auf der Straße anzutreffen war, der nicht unbedingt aufstehen musste. Nachdem wir die ganze Stadt auf der Suche nach einem offenen Café durchquert hatten, genossen wir den Sonnenaufgang bei einem Cappucci-

no und sammelten neue Kräfte. Es dauerte nicht lange, bis alle Langschläfer aus ihren Verstecken kamen, und in Windeseile war die ganze Stadt hellwach. Unterstützt durch das anfangs noch schöne Wetter spazierten wir, geführt durch unser mit Stadtführern ausgestattetes „Doppelolympiadenteam“, durch Florenz und sogen die Atmosphäre in uns auf. Mittags gönnten wir uns köstliche Panini, die größer waren als sie zu Anfang

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Bekamen am Palmsonntag „Ausgang“: Domministranten in Florenz

ausgesehen hatten, und anschließend ein kleines Schläfchen in den Boboli-Gärten. Und abends machten wir die Stadt unsicher und zogen zu sechst los, um die original-toskanische Küche auszutesten und uns mit kleinen Köstlichkeiten verwöhnen zu lassen. Dank unserer italienischen Organisatorin konnten wir die touristenüberfüllten Restaurants in großem Bogen umgehen. Aber was wäre das für eine Domministrantenfahrt gewesen, wenn wir nicht die Palmsonntag-Messe im Dom mitgefeiert und der vorhergehenden Palmprozession beigewohnt hätten! Natürlich war alles auf Italienisch, aber trotzdem ein großes Ereignis, und schließlich sind Sprachhindernisse für geübte Ministranten kein Problem. Ich schätze, wir alle hätten in Florenz ewig so weiterleben können, wenn uns nicht am letzten Tag noch der ShoppingRausch erwischt hätte, welcher meine Geldbörse ziemlich erleichtert hat. Leider geht jedes Palmwochenende einmal zu Ende, und so traten wir traurig den Heimweg in Richtung verregnetes Wien an. Es muss aber gewiss nur ein bisschen Zeit verstreichen, bis das schöne Florenz die Domministranten wieder begrüßen kann. ó

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Aus der Dompfarre Lange Nacht der Bibel

Ausflug nach Illmitz Erich Hammerls Reisebericht von der Seniorenclub-Exkursion Wie gewohnt ging es mit einem Vaterunser auf die Reise. Bei Parndorf gab es einen kurzen Stopp wegen eines Verkehrsunfalls mit Hubschraubereinsatz. Weiter ging es dann nach Frauenkirchen, wo uns Herr Domkurat McDonnell in der wunderschönen Kirche eine Messe zelebrierte und Frau Ina auf der Orgel spielte, anschließend ein Franziskanerpater seine Kirche und eine Ausstellung vorstellte. Nach dem Mittagessen fuhren wir nach Illmitz und mit einem Planwagen ins Vogelschutzgebiet, wo wir neben Vögeln auch Tiroler Schwarzrinder sahen, die hier an-

sässig gemacht werden. Bei dieser Planwagenfahrt wurde einer Seniorin von einem großen Strauch neben dem Weg unbemerkt ihre Tasche abgestreift. Während wir alle beim Heurigen saßen, suchten unser Kutscher und unsere Buslenkerin den Weg nochmals ab und fanden die abhanden gekommene Tasche. Die betroffene Dame führte einen Freudentanz auf und war überglücklich. Dann ging es ab nach Hause. – Wir bedanken uns für die Reisezusammenstellung bei Frau Riedrich, Frau Meran und Domkurat Timothy McDonnell, es war ein schöner Tag. ó

Bunte „Bibelstellen zum Pflücken“ schmückten am 14. Mai das Riesentor des Domes und luden zum Eintreten ein. Im Inneren ein ungewohnter Anblick: der vordere Teil des Domes in Dunkel gehüllt, der Bereich um die Domkanzel dezent beleuchtet und auf der Kanzel abwechselnd Männer und Frauen aller Generationen, die Lieder aus der Hl. Schrift vorlasen. „Lieder“ laden aber vor allem zum Singen ein: Eine Musikgruppe unter der Leitung von Mag.Barbara Planyavsky brachte musikalisch das zum Ausdruck,was die Lektoren durch das Wort zu vermitteln versuchten. Viele ließen sich auf das Hinhören, Mitbeten und Mitsingen ein und konnten sich während des ganzen Abends in der Sakristei an unserem einfachen „biblischen“ Buffet bei Fladenbrot, Oliven, Schafkäse,Wasser und Wein – liebevoll hergerichtet von Frau Maja Keglevic – laben. Gegen 23.30 Uhr schloss der Abend mit dem „Nunc dimittis“, dem Abendgebet der Kirche, und dem Segen, den bis zum Schluss Ausharrenden gespendet von unserem Dompfarrer Toni Faber. „Wird es bald wieder so eine Bibelnacht geben?“ – Diese positive Rückmeldung ermutigt uns zur Planung einer weiteren im Laufe des nächsten Arbeitsjahres. ó

Mittwoch-Club Ausflug Der heurige Ausflug führte uns zur Basilika Maria Taferl, wo Domkurat McDonnell mit uns die hl. Messe zelebrierte. Nach dem Mittagessen fuhren wir zur Thronfolger Franz Ferdinand-Ausstellung. Dort erfuhren wir viel Neues und Interessantes über den Tod von Franz Ferdinand und seiner Gemahlin Fürstin Hohenberg und auch über das Ende der Monarchie. Von Artstetten führte unser Weg durch die schöne Wachau nach Langenzersdorf zu einem netten Heurigen-

wirt. Nach einem guten Trunk und Labung ging es wieder nach Hause. Es war ein wunderschöner Tag. Wir bedanken uns bei Hofrat Dr. Egger für die gute ó Betreuung.

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Gemütliches Beisammensein in Langenzersdorf. Neben Domkurat McDonnell Hofrat Dr. Rainer Egger.

Vortrags- und Gesprächsreihe

… fremd sein … Dienstag »Prim. Univ.-Prof. Dr. Christoph GISINGER 12. Oktober 2004 Ärztlicher Leiter „Haus der Barmherzigkeit“ »Wenn alles mir fremd wird – Altwerden als Entfremdung« Dienstag »Mag. Michael BUBIK 14. Dezember 2004 Geschäftsführer des Evangelischen Flüchtlingsdienstes »Ich war obdachlos und ihr habt mich aufgenommen – Flüchtlinge im 21. Jahrhundert« Dienstag »Silvana MEIXNER 11. Jänner 2005 Moderatorin und Journalistin »Die Fremde, Fremdsein und die Anderen« Dienstag »Carla Amina BAGHAJATI 15. Februar 2005 »Medienreferentin der Islamischen Glaubensgemeinschaft »Als Moslem in einem christlichen Land« Dienstag »Univ.Prof. Dr. Hermann MÜCKLER 22. März 2005 »Institut für Ethnologie der Universität Wien »Europa und fremde Kulturen – Die Idee einer Leitkultur« Dienstag »Univ.-Prof. Dr. Jozef NIEWIADOMSKI 19. April 2005 »Institut für System. Theologie der Universität Innsbruck »Wir sind nicht von dieser Welt« Dienstag »Pfarrer Mag. Dr. Ndubueze Fabian MMAGU 24. Mai 2005 »Seelsorger der Roma und Sinti in Österreich »Beheimatung in Zeiten der Heimatlosigkeit« Termin noch offen »Msgr. Mag. Dr. Johann HÖRIST »Rektor von Santa Maria dell’Anima in Rom »Fremd und doch zuhause – deutschsprachige Katholiken in Rom« Beginn 19.30 Uhr Ort Stephanisaal des Curhauses, 1010 Wien, Stephansplatz 3

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Aus der Dompfarre »Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch« (Joh 15,4 ) Karin Domany über die Klausur des Pfarrgemeinderates der Dompfarre am 4./5. Juni 2004 im Stift Heiligenkreuz.

„Lobe den Herrn, meine Seele…!“ – Eine meditative Folge von Bildern, Psalmtexten und Musik half uns, den Alltag und den Freitag-Nachmittag-Stau hinter uns zu lassen und für 24 gemeinsame Stunden „da“ zu sein. Wir – etwa 20 Pfarrgemeinderäte und Mitarbeiter – waren zu unserer jährlichen Klausurtagung gekommen, um in klösterlicher Abgeschiedenheit über Gelungenes und weniger Gelungenes im vergangenen Jahr und über mögliche Schwerpunktsetzungen des kommenden Arbeitsjahres gemeinsam nachzudenken. In drei sehr intensiven Gesprächs-

gruppen konnten wir das diesmal ohne besonderen „Leistungs“- und Zeitdruck tun, was von allen als gut und fruchtbringend empfunden wurde. Als Basis für unsere Gespräche dienten uns Ausschnitte des Apostolischen Schreibens Papst Johannes Pauls II. „Novo Millennio Ineunte – Die Kirche auf dem Weg ins 3. Jahrtausend.“ Die Wichtigkeit des Gebets in unserem Pfarrleben kam dabei genauso zur Sprache wie die Ausgewogenheit zwischen eigenem Tun und Vertrauen auf Gottes Gnade, die Heiligkeit aller, das richtige Hören und Verkünden des Wortes Gottes,

Dompfarrfirmung am 20. Juni 2004 Fünfzig junge Christen empfingen am 20. Juni 2004 im Rahmen der Pfarrfamilienmesse das Sakrament der Firmung, gespendet von unserem Dompfarrer Toni Faber. Seit Oktober 2003 bereiteten sie sich in fünf Gruppen – betreut von 17 Firmbegleitern – auf das große Fest vor. Möge ihnen, aber auch uns allen, die wir schon lange gefirmt sind, der Hl. Geist stets neu die Kraft für den Glauben, die Liebe und den Einsatz für unseren Herrn Jesus Christus schenken!

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der liebende Umgang aller Mitarbeiter/ innen miteinander, die Vielfalt der Berufungen und konkrete Herausforderungen unserer Gesellschaft – vor allem die Frage des umfassenden Lebensschutzes. Eine ganz konkrete Frucht dieser Gespräche wird eine „geistliche Wanderung“ nach Heiligenkreuz im nächsten Jahr sein. Ganz bewusst und dankbar durften wir aber auch das Viele beim Namen nennen, das bei uns „gut läuft“,wie zum Beispiel die vielen Fortbildungsangebote, die „Stunde der Barmherzigkeit“, die „Lange Nacht der Bibel“, das „Bibelteilen“, die Fürbittbox, die vielen caritativen Aktionen u.a.m. Am Vormittag des Samstag wurden wir über die Stadtmission 2004 und den 2. Internationalen Kongress für eine Neue Evangelisation, die von 23. Oktober bis 1. November in Paris stattfinden werden, und die Möglichkeiten, uns als „erfahrene Pfarre“ dort einzubringen, informiert. Ganz wichtige Elemente dieser Klausuren sind aber auch die Hl. Messe, bei der wir besonders unseres verstorbenen PGR-Vorstandes Diakon Ballner gedachten, und das gemütliche Beisammensitzen im Stiftsgasthof bis spät in die Nacht, bei dem wir in ungezwungenen Gesprächen einander noch besser kennen lernen durften. ó

Schon der 41. Flohmarkt! Anneliese Höbarts Bericht vom großen Wühlen am 15. und 16. Mai 2004 „Ja, wo sind denn die Schuhe?“ „Na, und wo die Bücher?“ „Ich möchte zu den Spielsachen!“ „Und Schallplatten haben Sie auch?“ so klang es aufgeregt lautstark um 10 Uhr morgens am 15. Mai durch das Erdgeschoß des Curhauses. Die wartende Menge der Flohmarkt-Stammkunden musste sich erst neu orientieren, denn der seit 1982 traditionelle Flohmarkt fand nach den vorjährigen Umbauarbeiten im Curhaus nunmehr im Erdgeschoß (im Pfarr-

café und den beiden neuen Räumen – „Klemens“- und „Klarasaal“) statt. Die große Mühe der Vorbereitung (zeitliche, logistische und personelle Probleme) und der Einsatz 28 engagierter sachkompetenter Verkäufer wurde mit einem Netto-Erlös von Euro 7.021,69 belohnt.Damit konnte wieder unser Missionsprojekt (Kinderhaus) in Tansania sowie die Pfarr-Caritas unterstützt werden. Mit der im Erlös enthaltenen anonymen Spen-

de von Euro 500,– wurde der Transport der restlichen Textilien und technischen Geräte in die Ukraine finanziert. Herzlichst sei allen gedankt, die Ware gespendet und allen, die gekauft haben, besonders aber den 35 Mitarbeitern, die unter Führung von Frau Lisa Höbart zum Großteil nun schon über 20 Jahren diverse Märkte in der Pfarre gestalten und tolle Ergebnisse einbringen. Danke! ó

Sonntag, 17. Oktober 2004, 20.00 Uhr Das Evangelium der Kathedrale Zur Theologie des Kirchengebäudes

Das Evangelium der Kathedrale Katechesen im Stephansdom 2004/2005

Sonntag, 07. November 2004, 20.00 Uhr Leben und Sterben Der Dom als Begräbnisstätte Sonntag, 05. Dezember 2004, 20.00 Uhr Orte der Andacht Hochaltar und Pfeileraltäre

Annemarie Fenzl Kardinal Christoph Schönborn Reinhard Gruber

Sonntag, 09. Jänner 2005, 20.00 Uhr Orte der Verkündigung Kanzel und Pfeilerfiguren Sonntag, 06. Februar 2005, 20.00 Uhr Wege zum Gebet Gnadenbilder und Stifter Sonntag, 06. März 2005, 20.00 Uhr Kreuz und Auferstehung Durch Leid und Tod zum Leben Sonntag, 17. April 2005, 20.00 Uhr Glauben mit allen Sinnen Reliquienschatz und Heiligenverehrung Sonntag, 08. Mai 2005, 20.00 Uhr Maria – Mutter der Kirche Mariendarstellungen im Dom Sonntag, 05. Juni 2005, 20.00 Uhr Wie von Gott sprechen? Das Evangelium der Kathedrale

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Aus der Dompfarre Die theologischen Abende und ihr Hintergrund Von Domkurat Franz Schlegl Im Jahre 1997 ergab sich in der Dompfarre ein Gespräch um die Katechesen zu wichtigen Glaubensfragen. Dies war für mich die Stunde an eine Tradition anzuknüpfen, die mich einen großen Teil meines Priesterlebens begleitet hat. Da ich schon seit meiner Priesterweihe Religion an einem öffentlichen naturwissenschaftlichen Gymnasium unterrichte (1975–1978 BRG 2, Vereinsgasse 21, seit 1978 BRG 18, Schopenhauerstraße 49), ist mir die Weitergabe des Glaubensinhaltes ein großes Anliegen. In St. Stephan, wo ich seit Herbst 1993 tätig sein darf, gab es theologische Runden zunächst bei der Domjugend, die ich

bis Frühjahr 2000 seelsorglich begleitete. Seit Herbst 1997 gibt es nach den einleitend erwähnten Gesprächen sieben bis acht theologische Abende pro Jahr. Ob es Grundfragen aller Menschen nach Genesis Kapitel 1 bis 11 sind, besonders „brisante“ Kapitel der Kirchengeschichte,die nicht selten Gegnern der Kirche als „Munition“ dienen, die Auseinandersetzungen mit Sekten und Sondergemeinschaften im Jahr 2000, die Lehre von den Sakramenten oder zum Beispiel 2003/04 die Frage nach den Fundamenten unseres Glaubens – immer hat mich die Anzahl von 70 bis 100 Besuchern sehr motiviert. Auf Initiative unseres Herrn Kirchenmeisters

1 Jahr Fürbittbox im Dom „Herr, zeige uns deinen Weg. Führe und geleite uns durchs Auf und Ab des Lebens“ „Ichbitte, bitte, dass meinem Opa Himmel gut geht“ „Ich dass eses meinem Opa imim Himmel gut geht“ „Herr, ich bitte dich, lass mich nicht so lange „Wo ist mein Lebenspartner? Bitte führe unsereleiden!“ Wege zusammen!“ „Schenke mirdich, die Kraft zu verzeihen.“ „Herr, ich bitte lass mich nicht so lange leiden!“ „Ich bitte fürdie meine dass sie nicht so viele „Schenke mir KraftEltern, zu verzeihen.“ Probleme miteinander „Segne unsere Brüder undhaben.“ Schwestern, die Böses tun.“ „Herr, ichfür bitte dich, beschütze mein ungeborenes Kind miteinander haben.“ „Ich bitte meine Eltern, dass sie nicht so viele Probleme undich lassbitte mich einebeschütze gute Mutter werden.“ „Herr, dich, mein ungeborenes Kind und lass mich eine gute Mutter „Lass mich doch das Geld vom Sozialamt bekommen, werden.“ dasmich mir zusteht.“ „Lass doch das Geld vom Sozialamt bekommen, das mir zusteht.“ „Herr,ich ichbitte bittedich, dich,gib gibmeinem meinemdreiunddreißigjährigen dreiunddreißigjährigen Sohn, „Herr, Sohn, der seit Wochen nach der seit Wochen nach imuns Koma liegt, einem Motorradunfall imeinem KomaMotorradunfall liegt, die Kraft, zu zurückzukommen.“ die Kraft, uns zurückzukommen.“ „Ich bitte fürzu meinen Papa, dass er weniger Sorgen hat.“ „Ich bitte Papa, dass er wieder weniger Sorgen hat.“ „Bitte, bittefür hilfmeinen mir, dass meine Ehe glücklich wird.“ „Bitte, bitte hilf mir, meine Ehe wieder wird.“ „Vater, befreie mich vondass dem, was meine Seeleglücklich zum Sklaven böser Kräfte macht.“ „Ichmöchte möchteendlich endlich gesund werden und ein normales Leben führen!“ „Ich gesund werden und ein normales Leben führen!“ „Beschütze uns auf unserem Weg durch den Urlaub.“ „Beschütze uns auf unserem Weg durch den Urlaub.“ Mehrere hundert Bitten in allen Sprachen der Welt werden monatlich in unsere „Fürbittbox“ geworfen. So viele Menschen vertrauen ihre Ängste, Sorgen, Leiden Gott und dem fürbittenden Gebet anderer an. Seit der Stadtmission 2003 steht diese Fürbittbox nun an einer Säule nahe dem Eingang und ist allen, solange der Dom geöffnet ist, zugänglich. Sie wird regelmäßig geleert, und etwa einmal pro Monat werden all diese Bitten im Rahmen unserer „Messe für Leidende und Kranke“ auf den Altar gelegt und im fürbittenden Gebet vor unseren Herrn gebracht.

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Mag. Franz Schlegl und Sakristeidirektors Franz Weinwurm (sowie der Leiterin unseres Finanzausschusses, Frau Anneliese Höbart) steht uns seit Herbst 2003 der große und angenehm klimatisierte Stephanisaal des Curhauses kostengünstig zur Verfügung. (Bei 80 bis 90 Besuchern entwickelte sich das Pfarrcafé im Winter zu einer Sauna!) Immer wieder haben unsere Bischöfe auf gravierende Mängel im religiösen Wissen der Gläubigen hingewiesen, aber auch auf das mangelnde Rüstzeug, um Andersdenkenden Paroli bieten zu können. Dabei haben so viele theologische Fragen eine eminent wichtige Auswirkung auf unser gesellschaftliches Leben, sind also ungemein praktisch! Nebenbei kann auch die Geschichte eine große Lehrmeisterin unseres Lebens sein. Theologie ist sehr spannend, lebendig, nicht selten humorvoll, manchmal gelingt es die Besucher auch zu erheitern. Unser Europa ist ohne das Menschenbild der Antike sowie dessen Veredelung durch das Christentum wohl nicht denkbar, auch das möchte ich ein bisschen vermitteln. Für das Arbeitsjahr 2004/05 ist die Kirchengeschichte in Längsschnitten ins Auge gefasst (zum Beispiel besondere Papstgestalten vom Anfang bis heute, das Verhältnis von Kirche und Staat durch die Jahrhunderte, die gravierenden Entscheidungen der 21 ökumenischen Konzilien, die Entwicklung und die Geschichte des Ordenslebens, die Höhen und Tiefen der Missionstätigkeit der Kirche …). Die Anregungen und Fragen vieler Gläubigen haben mich nicht nur für die theologischen Abende, sondern auch für viele Predigten und anderswo gehaltene Vorträge motiviert, und dafür möchte ich allen danken. ó

Heilige Zeichen Erntedank Von Diakon Roman Faux Ich will dir danken, Herr, aus ganzem Herzen, verkünden will ich all deine Wunder. (Psalm 9) Zu einer der schönsten und farbenprächtigsten Feiern im Kirchenjahr gehört – vor allem auf dem Land – das Erntedankfest, das an einem der Herbstsonntage begangen wird. Nach der Ernte haben die Menschen immer schon auf verschiedene Weise ihrem Gott Gaben dargebracht und gefeiert. Zwei solcher Feste sind uns aus dem Judentum überliefert: Sukkot, das Laubhüttenfest, gilt dem Dank für die Weinernte und erinnert an die Wüstenwanderung des Volkes Israel. Schawuot, das Wochenfest 50 Tage nach Pessach, war im biblischen Israel das Fest der Darbringung der Kornernte. Heute ist es das Fest der Offenbarung Gottes am Sinai. Das Erntedankfest, wie wir es kennen, hat sich erst in den Dreißigerjahren des 20. Jahrhunderts entwickelt. Obwohl es keinen festen Platz im Kirchenjahr hat, ist es nicht mehr aus dem Jahreskreis wegzudenken. Ich darf Sie einladen in meine Heimatpfarre und ein wenig teilhaben lassen am Erntedankfest von Neumarkt an der Ybbs, einem Markt im westlichen Niederösterreich: Am zweiten Sonntag im Oktober versammeln sich die Gläubigen bei der Marktkapelle. Die Jugend bringt die Erntegaben – Brot, Obst, Gemüse, Weintrauben, Wasser –, die vom Pfarrer gesegnet werden. Die Erntekrone als Symbol und Mittelpunkt des Festes wird Jahr für Jahr von einer anderen Dorf-Gemeinschaft aus den verschiedenen Getreidesorten (Hafer, Weizen, Roggen, Gerste) der Region gefertigt. Sie ist Symbol des Dankes der Menschen an Gott, den Spender aller guten Gaben, für all das, was man heimbringen durfte. Es ist ja nicht selbstverständlich, dass in Haus und Hof, in Feld und Wald alles reichlich und gut gerät, wie die letzten Jahre mit ihren Wetterkapriolen zeigten. Es ist nicht selbstver-

ständlich, dass im Stall alles glückt, die Tiere gesund sind, es keine Seuchen gibt. In feierlicher Prozession ziehen die Menschen begleitet von der Blasmusik in die prächtig geschmückte Kirche zum festlichen Dankgottesdienst. Bei der Gabenbereitung werden die einzelnen Erntegaben mit einem Spruch vor dem Altar nieder gelegt. Im Anschluss an die heilige Messe lädt eine der Dorfgemeinschaften die Gottesdienstgemeinde zu einer Jause ins Pfarrzentrum, wo das Fest seinen gemütlichen Ausklang findet. Aber, so stellt sich vielleicht mancher gerade in der Stadt die Frage, ist das Erntedankfest nicht etwas, das aufs Land gehört, zu den Bauern, die ja für die Ernte zu danken haben? Wer erntet denn bei uns schon selber? Bekommt man nicht alles im Geschäft angeboten? Es wird doch täglich reichlich von überall her geliefert, Sachen aus den fernsten Ländern, in bester Qualität. Haben wir nicht für alles eine technische Lösung, gibt es nicht für alles eine Hilfe? Also wozu danken! Oder ist es vielleicht doch nicht so? In einer Zeit der Globalisierung, der Mechanisierung der Landwirtschaft und

der ganzjährigen Verfügbarkeit aller Früchte besteht die Gefahr, dass das Erntedankfest zu einem Fest ohne Inhalt, mit einer nostalgischen Schale wird, sofern sich der Dank nur auf die Feldfrüchte beschränkt. Zu danken aber gilt es an diesem Festtag auch für den Ertrag aller Arbeit. Nicht nur in der Landwirtschaft, sondern in allen Berufen, in der Familie, in der Schule, im Freundeskreis, in jedem Lebensabschnitt gibt es Ernte, und sie fällt nicht immer gut aus.Wir haben also doch Grund, von Herzen zu danken, wenn es gut ging, brauchen uns aber auch nicht zu schämen, Gott vertrauensvoll zu bitten, wenn wir Grund zur Sorge haben. Denn „bittet, und ihr werdet empfangen!“ Es wäre eine gute Übung, einmal nachzudenken, wofür wir eigentlich Ursache haben, täglich Dank zu sagen. Wir kämen wahrscheinlich bald drauf, wie gut es Gott mit uns meint, und könnten mit dem Psalmisten sagen: Ich will dir danken aus ganzem Herzen, dir vor den Engeln singen und spielen; ich will mich niederwerfen zu deinem heiligen Tempel hin und deinem Namen danken für deine Huld und Treue. (Psalm 138) ó

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Heilige im Dom Heiliger Benedikt – Patron Europas von Birgit Staudinger Wussten Sie, dass Benedikt von Nursia, der Gründer des Benediktinerordens, der Vater des abendländischen Mönchtums, kein Priester war? Er war auch kein Theologe, eigentlich war er ein Studienabbrecher, ein Aussteiger. Ein unbequemer und strenger, aber auch ein liebenswürdiger und barmherziger Zeitgenosse. Aus guten Gründen hat ihn Papst Paul VI. 1964 zum Patron Europas erhoben. Sein Leben Über die historische Gestalt Benedikts wissen wir streng genommen wenig. Papst Gregor der Große hat Jahrzehnte nach Benedikts Tod eine spirituelle Lebensbeschreibung verfasst. Er datiert seine Lebenszeit von 480 n. Ch. bis 547 n. Ch.; wahrscheinlich dürfte er aber später gestorben sein. Benedikt stammte aus einer Patrizierfamilie in Nursia, dem heutigen Norcia. Seine Schwester Scholastika, der er zeitlebens verbunden war, wurde ebenfalls eine große Heilige. Als junger Mann sollte er zum Studium nach Rom gehen. Doch das Geistesleben dieser Stadt war – wie das ganze römische Reich – vom Zerfall gekennzeichnet. Enttäuscht brach er seine Studien ab und zog sich schließlich als Einsiedler in eine Höhle in der Nähe von Subiaco zurück. In dieser Zeit entwickelte er sich aber nicht zu einem menschenfeindlichen Sonderling. Im Gegenteil, sein Ruf verbreitete sich bald und immer mehr Leute suchten bei ihm geistlichen Rat. Sogar ein Gruppe von vagabundierenden Mönchen, die ihren Abt verloren hatten, bat ihn um Führung; doch das ging nicht lange gut. Denn Benedikt sah, dass eine Gemeinschaft Ordnung und Disziplin erfordert, was wiederum der Gruppe von individualistischen Mönchen nicht besonders gefiel. Der Konflikt eskalierte, der Legende nach versuchten sie sogar, Benedikt zu vergiften, jedenfalls kehrte er wieder in die Einsamkeit von Subiaco zurück. Aber der Bekanntheitsgrad Benedikts wuchs und bald versammelten sich so viele Schüler um ihn, dass

er sie auf zwölf kleine Klöster verteilte. Sein Wirken wurde aber insbesondere aus Kreisen des Klerus auch mit Missgunst betrachtet. Doch das hielt Benedikt nicht davon ab, etwa um das Jahr 530 Subiaco zu verlassen, um auf dem Montecassino die alten heidnischen Heiligtümer zu zerstören und ein neues, großes Kloster zu erbauen. Hier fand sein Lebenswerk, die „heilige Regel“, ihre endgültige Form. Benedikt verließ Montecassino nicht mehr und starb dort im Kreise seiner Gemeinschaft.

Neugotische Reliquienmonstranz in der Reliquienkapelle von St. Stephan mit Reliquien der Heiligen Benedikt, Hermes und Nikolaus von Bari. Sie wurde nach einem alten Vorbild aus dem „Heiligtumbuch“ von Paul Geppert entworfen und von Franz Pawles ausgeführt (zwischen 1895 und 1904).

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Vom Gebet und der Arbeit Die „regula“ ist ein Buch mit Anweisungen für das Leben in der klösterlichen Gemeinschaft. Die Mönche sollen einfach leben, auf Eigenbesitz verzichten, dem Abt und den älteren Brüdern gehorchen, überflüssiges Reden meiden. Es geht Benedikt um ein Leben in der Gegenwart Gottes. Daher nehmen das gemeinsame Psalmengebet sieben Mal am Tag und auch einmal mitten in der Nacht und die geistliche Schriftlesung eine zentrale Stelle ein. Mit diesen Gebetszeiten hat er das Stundengebet der Kirche bis heute geprägt. Die Mönche sollen jedoch nicht nur beten, sondern sich auch der Arbeit widmen. Zwar findet sich die Kurzformel „ora et labora“ – „bete und arbeite“ – erst bei Benedikt von Aniane im 9. Jahrhundert, doch wird bereits in der „regula“ eine neue Theologie der Arbeit entworfen, ein christliches Arbeitsethos, das die Kultur des Abendlandes entscheidend prägen sollte.Während Griechen und Römer die Arbeit negativ sahen und lieber ihren Sklaven überließen, bekommt sie bei Benedikt eine spirituelle Dimension: Gott soll in allem verherrlicht werden. Arbeit ist Dienst am Menschen; sie ist aber auch ein wichtiger Ort der Selbsterkenntnis. Denn sie soll nicht zur Selbstdarstellung missbraucht werden: Wer allzu stolz auf sein handwerkliches Können ist, dem soll diese Arbeit wieder weggenommen werden. So wird meine Arbeit zum Testfall dafür, ob mein Gebet wirklich wahrhaftig ist oder ob ich narzisstisch nur um mich selbst kreise. Arbeit und Gebet sollen mich von meinen egozentrischen Bedürfnissen befreien, damit Gott ganz durch mich wirken kann. Von der Beständigkeit Die Mönche müssen sich verpflichten, im einmal gewählten Kloster zu bleiben. Damit soll der Versuchung, stets nach einem angenehmeren Lebensort zu suchen, eine Abfuhr erteilt werden. Das war Benedikts Wegweisung in einer unruhigen, in-

stabilen Welt: „Stabilitas loci“, die lebenslange Bindung an einen Ort, an eine Gemeinschaft. Bleibt nicht diese Frage:„Wie viel Beständigkeit braucht der Mensch?“ aktuell, besonders in einer Zeit, in der viele mehrmals in ihrem Leben ihren Wohnort, ihren Arbeitsplatz, ihren Partner, ihre Ziele, ihre Ideale usw. wechseln? Von der Ordnung Bei aller Ordnung, Strenge und Disziplin, die Benedikt für eine klösterliche Gemeinschaft für erforderlich hält, weist er den Abt an, durchaus Barmherzigkeit walten zu lassen. Er rechnet mit den Menschlichkeiten des Alltags. Und das macht diesen großen Heiligen sehr sympathisch. Wer z. B. zu spät zum Gebet kommt, muss zwar mit Konsequenzen rechnen, gleichzeitig aber hält Benedikt die Mönche an, bei der nächtlichen Mette den Anfangspsalm für die etwas langsameren Mönche gedehnt und gemächlich zu singen. Und er sieht ein, dass man die Mönche nicht davon überzeugen kann, gar keinen Wein zu trinken. So sollen sie wenigstens nicht bis zur vollen Sättigung trinken, sondern weniger! Gegen den Zeitgeist Was mich an Benedikts Leben am meisten fasziniert, ist seine Hoffnung und sein Gottvertrauen. Die damaligen Lebensumstände in Europa waren mehr als trist. Die Menschen lebten in ständiger Existenzangst; Italien wurde von Krieg

Gedenktag: 11. Juli Attribute: in schwarzem Habit; mit seinem Regelbuch; mit zersprungenem Becher oder Kelch, aus dem eine kleine Schlange entweicht, mit Rabe, mit Kugel Patron von Europa; der Schulkinder und Lehrer; der Bergleute, Höhlenforscher, Kupferschmiede, der Sterbenden; gegen Fieber, Entzündungen, Nieren- und Gallensteine, Vergiftung und Zauberei

Hl. Benedikt v. Nursia an der Ordensregel schreibend, 1926 von Hermann Nigg und Hungersnöten heimgesucht. Neue Völker strömten ein und verwüsteten ganze Landstriche. Die Kirche war in theologische Diskussionen verstrickt und gespalten, Päpste wurden ein- und wieder abgesetzt. Die Gläubigen wussten nicht mehr, wem oder was sie glauben sollten. Doch von dieser Trostlosigkeit und Zukunftsangst ist in der Regel Benedikts nichts zu spüren. Im Gegenteil, in einer Zeit, in der Menschen aufhörten, ihre Felder zu bebauen, weil sie nicht wussten, ob es möglich sein würde, die Ernte einzubringen, forderte Benedikt seine Mönche auf, den Boden zu kultivieren. Sie sollten für ihren Lebensunterhalt selbst aufkommen und auch Arme und Kranke beherbergen. Verantwortung überneh-

men und das Menschenmögliche tun – so gelang es ihm, inmitten von Kampf und Unfrieden einen Ort des Friedens zu schaffen. Und dieser Frieden hatte Strahlkraft weit über die klösterlichen Mauern hinaus – vielleicht gelingt es auch uns, uns davon anstecken zu lassen. ó Verwendete Literatur: Benedikt von Nursia, Worte der Weisung. Die Regel des heiligen Benedikt als Einführung ins geistliche Leben, hgg. v. E. Jungclaussen, Freiburg: Herder 1992, 1999 (= Kleine Bibliothek spiritueller Weisheit). A. Grün, Benedikt von Nursia, 3. Aufl., Freiburg: Herder 2002 (= Meister der Spiritualität, Herder Spektrum 5106).

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Buchempfehlung So viele Wege, wie es Menschen gibt Das Christentum als „Salz der Erde“ – Kardinal Ratzinger im Dialog mit Peter Seewald. Buchbesprechung von Heinrich Foglar-Deinhardstein Nicht wenige mögen im ersten Moment überrascht gewesen sein,als bekannt wurde, dass ausgerechnet Joseph Kardinal Ratzinger das Requiem für Kardinal König zelebrieren werde. Natürlich, es stellte ein besonderes Zeichen der Wertschätzung des Papstes für den heimgegangenen Kardinal dar, dass Ratzinger als Vorsteher des Kardinalskollegiums „im Namen des Heiligen Vaters“ die Begräbnismesse feiern würde. Dennoch – Joseph Ratzinger, der streitbare und umstrittene Präfekt der Glaubenskongregation, manchmal wenig schmeichelhaft als „Großinquisitor“ bezeichnet, hatte doch für viele immer so etwas wie einen Gegen-Typus zu Kardinal König verkörpert. Allerdings hat Kardinal Ratzinger schon 1995 in einer Festschrift eine „Hommage an Kardinal König“ publiziert und, als er nun heuer anlässlich des Requiems in Wien war,auch berichtet,dass ihn Kardinal König seinerzeit immer wieder als Vortragenden in die Österreichische Bischofskonferenz eingeladen hatte. Am 3. August 2000 veröffentlichte die „Süddeutsche Zeitung“ ein etwas sticheliges Geburtstagsinterview mit Kardinal König, in dem dieser unter anderem auch zu Kardinal Ratzinger und dessen Funktion als „Grenzenzieher“ befragt wurde.Kardinal König äußerte sich mit der ihm eigenen Mischung aus verständnisvoller Zurückhaltung und ironischer Kritik. Abschließend wird er folgendermaßen zitiert:„Aber das Interviewbuch,in dem Ratzinger offen über Glaube und Kirche redet, schätze er [Kardinal König]: ,Damit hat er der Kirche einen Dienst erwiesen.‘ Er [König] lächelt und wiederholt: ,damit‘.“ Mit diesem Buch, das Kardinal König im Jahr 2000 als „guten Dienst“ bezeichnet hat, ist das mittlerweile zu einiger Bekanntheit gelangte Werk „Salz der Erde“ gemeint, das heuer – acht Jahre nach seiner 1. Auflage – mit einem neuen Vorwort versehen als Taschenbuch herausgebracht wurde – und zwar,wie der Untertitel selbstbewusst vermerkt, im Hinblick auf „Chris-

tentum und katholische Kirche im neuen Jahrtausend“. Das Buch enthält ein groß angelegtes Interview, das der Journalist Peter Seewald 1996 mit Kardinal Ratzinger in Rom geführt hat. Die handelnden Personen damals: als Interviewer Peter Seewald – ein nicht unprominenter deutscher Journalist, politisch links, in seiner Jugend gar Maoist, längst und völlig bewusst aus der Kirche ausgetreten; als Interviewter Kardinal Ratzinger – der gefürchtete Präfekt der Glaubenskongregation und „Kettenhund des Papstes“, der brillante Formulierungskünstler und scharfsinnige Theologe. Die Ausgangssituation, das historische Umfeld: 1996 – die katholische Kirche krisengebeutelt, das Kirchenvolks-Begehren in Österreich triumphal und soeben nach Deutschland übergeschwappt. Das Ergebnis des Interviews: einerseits ein Buch, das zum Bestseller wird, andererseits die Rückkehr des Journalisten Seewald in die Kirche. Meines Wissens hilft Peter Seewald heute ehrenamtlich als Pfarrblattredakteur in einer deutschen Pfarrei aus. Was ist das Besondere an diesem Buch? Zunächst die Erkenntnis, dass Ratzinger bei weitem nicht so „furchtbar“ oder einseitig ist, wie er medial gerne dargestellt wird. Mit großer Offenheit, aber auch sehr demütig beantwortet er die kritischen Fragen des Journalisten, die sicherlich ein wesentliches weiteres Erfolgsgeheimnis ausmachen: Es ist die „Spannung“ zwischen zwei Männern aus komplett unterschiedlichen Welten, die das Buch „spannend“ macht. Man spürt aber auch von Anfang an: Seewald geht es nicht um böswillige Kritik „aus Spaß an der Freude“,sondern er meint seine Fragen ernst, und Kardinal Ratzinger gelingt es, das Interesse des Journalisten mit oft überraschenden Antworten zu gewinnen und ihn bleibend zu fesseln. Nie kommt der Eindruck auf, der Kardinal würde Zuflucht bei sogenannten „frommen Sprüchen“ suchen. Und einen

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Vorwurf kann man Kardinal Ratzinger jedenfalls nicht machen – den des übertriebenen Zweckoptimismus. Mit intellektueller Redlichkeit und unbestechlicher Klarheit sieht er die Krise der von ihm so geliebten katholischen Kirche und benennt die Schwächen schonungslos. Allerdings: „[…] wenn schon unser Herr selbst zunächst einmal am Kreuz endet, dann sieht man ja, dass die Wege Gottes nicht so schnell zu messbaren Erfolgen führen. Das ist,glaube ich,überhaupt ganz wichtig. Die Jünger haben gewisse Fragen an ihn gestellt: Was ist denn eigentlich los, wieso geht nichts weiter voran? Und er antwortet dann mit diesen Gleichnissen vom Senfkorn,vom Sauerteig und ähnlichem mehr und sagt ihnen, Statistik ist nicht eines der Maße Gottes. […] Vielleicht müssen wir von den volkskirchlichen Ideen Abschied nehmen. Möglicherweise steht uns eine anders geartete, neue Epoche der Kirchengeschichte bevor, in der das Christentum eher wieder im Senfkorn-Zeichen stehen wird,in scheinbar bedeutungslosen, geringen Gruppen, die aber doch intensiv gegen das Böse anleben und das Gute in die Welt hineintragen; die Gott hereinlassen. […]“ Die Gesprächspassage, die Peter Seewald wohl am meisten beeindruckt hat, zitiert er gleich in seinem Vorwort:„Einmal fragte ich ihn [Ratzinger], wie viele Wege zu Gott es denn insgesamt gäbe.Ich wusste wirklich nicht, was er antworten würde. Er hätte sagen können: einen einzigen; oder: mehrere. Der Kardinal brauchte nicht lange für seine Antwort: So viele, sagte er, wie es Menschen gibt.“ An dieser Stelle kann man vielleicht erahnen, warum Kardinal König Gefallen an diesem Buch gefunden haben mag. ó Joseph Kardinal Ratzinger, Salz der Erde. Christentum und katholische Kirche an der Jahrtausendwende. Ein Gespräch mit Peter Seewald, Deutsche Verlags-Anstalt, 2. Auflage 1996.

Ein- und Ausblicke »Und schaut der Steffl lächelnd auf uns nieder...!« Seien Sie gegrüßt! Sie haben es sicher schon bemerkt: Die Plakate an meinem Gerüst wurden ausgetauscht, jetzt steht ein Willkommensgruß an die neuen EU-Nachbarn drauf. Damit kann ich leben. Ich freue mich, dass viele unserer Nachbarstaaten nunmehr grenzenlose Nachbarn sind. Damit ist Wien wieder ins Herz Europas gerückt und eine Situation eingetreten, die mir nicht unbekannt ist. Wenn ich nächtens so sinniere und mich zurückerinnere, dann fällt mir immer wieder ein, dass viele dieser Beitrittsländer schon einmal miteinander vereinigt waren. Nach dem Ersten Weltkrieg gab es eine Bewegung auseinander und nun gibt es sie wieder zueinander. Stolz erinnere ich mich daran, dass meine Turmspitze der Koordinatenursprung der K.K. Katastralvermessung 1817 bis 1837 für die Kronländer Niederösterreich, Mähren, Schlesien und Dalmatien war. Gleichsam der Punkt, wo man den Zirkel einsticht. Nun ist es wieder irgendwie so. Insofern ist der Willkommensgruß an meinem Äußeren gar nicht so unpassend. Mir ist auch zu Ohren gekommen,dass viele Menschen Angst haben wegen dieser Erweiterung der EU. Ich kann das schon verstehen, doch erlauben Sie mir, dass ich da ein Beispiel aus meiner langen Lebensgeschichte bringe. Im Jahre 1529 stand das türkische Heer erstmals vor Wien und brachte die Stadt in arge Bedrängnis. Das Geld, das man für den Ausbau des Nordturms zur Verfügung hatte, verwendete man, um die Stadtmauern zu verstärken. So ist diese Belagerung schuld, dass mein kleiner Bruder wirklich klein blieb. Und bei der zweiten Türkenbelagerung 1683 trafen über 1000 Kanonenkugeln das bunte Dach des Domes. Mit Zeltplanen hat man die Löcher ausgebessert, um dem Feind vorzutäuschen, dass es noch genügend materielle Reserven in der Stadt gäbe. Bis heute kann man eingemauerte Kugeln

am Äußeren des Domes sehen. Ich war übrigens damals als höchster Aussichtspunkt innerhalb der Stadtmauern sehr wichtig für die Verteidiger; von meiner Spitze aus beobachtete Graf Rüdiger von Starhemberg die Bewegungen des türkischen Heeres. Zweihundert Jahre später, beim ersten Papstbesuch, betonte der Heilige Vater, dass aus den Feinden von damals Freunde und Mitbürger geworden sind. Vielleicht kann uns diese kleine Geschichte Mut machen, in erster Linie nicht den Fremden zu sehen, sondern den Mitmenschen. Und auch wenn es einige Zeit dauert, bis wir es merken: Wir haben neue Freunde oder werden sie finden. In den vergangenen Monaten hatten meine Glocken einiges zu tun. Es waren Anlässe, die ganz Österreich bewegt haben. Als zum Requiem für Kardinal Franz König alle meine Glocken im Verbund mit den Glocken in der ganzen Erzdiözese geläutet haben, war ich schon sehr traurig und gerührt. Besser ging es mir dann, als zum Kondukt des verewigten Oberhirten die Pummerin im Nordturm ertönte und ich die große Anzahl an Würdenträgern aus Kirche und Staat, ja aus der ganzen Welt sehen konnte. Und dann musste meine große Glocke den Tod des Bundespräsidenten betrauern. Das Riesentor öffnete sich weit, um das Staatsoberhaupt zum feierlichen Requiem zu empfangen. Wieder fanden sich Trauergäste aus der ganzen Welt im Dom ein. Schon beeindruckend, dass innerhalb kurzer Zeit der Tod des Oberhirten und der des Präsidenten den Dom zwei Mal zu einem Zentrum Europas machten. Ehrlich gesagt, ich musste schon aufpassen, dass ich nicht ein bissl eingebildet wurde, als ich gesehen habe, wie all die prominenten Personen aus aller Welt zu meinen Füßen zusammenströmten und ich sie stolz überragen konnte. So ein Schauspiel bietet sich selten. Wien war für einige Zeit das, was es schon einmal

war: Hauptstadt eines großen Reiches. Natürlich bin ich mir der Würde des Anlasses bewusst geblieben. Später ist mir dann der Gedanke gekommen, dass damit auch Verantwortung verbunden ist. Wenn man das Zentrum, der Mittelpunkt von etwas ist, dann ist man auch für vieles und viele verantwortlich. Der verewigte Pontifex war sich wohl bewusst, dass er für viele der Bischof der Kirche Österreichs war – aber auch, dass er dadurch eine große Verantwortung trug. So wählte er immer mit sehr viel Bedacht seine Worte. Er verletzte nicht und meinte einmal:„Im Mitmenschen zuerst immer das Gute sehen!“ Das klingt sehr einfach, ist es aber nicht, wie wir alle aus Erfahrung wissen. Doch könnte dieser authentische Ausspruch des Kardinals ein Wegweiser auf dem Weg zueinander sein, meint mit einem herzlichen „Grüß Gott“,

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Gottesdienstordnung Gottesdienstordnung im Pfarrgebiet von St. Stephan St. Stephan Gottesdienste an Sonn- und Feiertagen 7.30 Uhr 9.00 Uhr 9.00 Uhr 10.15 Uhr 11.15 Uhr 12.00 Uhr 17.00 Uhr 18.00 Uhr 19.00 Uhr 21.00 Uhr

Hl. Messe Pfarrmesse oder Pfarrfamilienmesse Kindermesse in der Unterkirche Hauptgottesdienst Hl. Messe (lateinisch, in der Unterkirche) Hl. Messe Vesper Hl. Messe Hl. Messe (sonntags: Jugend- und Studentenmesse) Hl. Messe

Franziskanerkirche

Franziskanerplatz 4

Gottesdienste an Sonn- und Feiertagen 9.00 Uhr 10.00 Uhr 11.00 Uhr

Hl. Messe Hl. Messe Hl. Messe

6.30 Uhr 7.15 Uhr 8.00 Uhr 12.00 Uhr 17.00 Uhr 18.00 Uhr 19.00 Uhr

Hl. Messe Kapitelmesse mit integrierten Laudes Hl. Messe Hl. Messe Andacht (Samstag 1. Vesper) Hl. Messe Hl. Messe (Samstag in englischer Sprache)

Beichte und Aussprache Montag bis Freitag: 7.00 bis 22.00 Uhr. Samstag, Sonn- und Feiertag: 8.00 bis 13.00 Uhr, 17.00 bis 22.00 Uhr.

Deutschordenskirche

Singerstraße 7

Gottesdienste an Sonn- und Feiertagen 9.00 Uhr 10.30 Uhr

Hl. Messe Hl. Messe (in ungarischer Sprache)

Gottesdienste an Werktagen

Gottesdienste an Werktagen 6.30 Uhr 10.00 Uhr 16.30 Uhr

Gottesdienste an Werktagen

9.00 Uhr 18.00 Uhr

Hl. Messe Hl. Messe Hl. Messe

Hl. Messe (täglich) Hl. Messe für seelisch Leidende (nur samstags)

Beichte und Aussprache Nach Vereinbarung

Beichte und Aussprache Montag bis Samstag: 7.30 bis 11.30 Uhr und 14.30 bis 17.30 Uhr. Sonntag: während der Hl. Messen

Gemeinde St. Ruprecht

Ruprechtsplatz

Gottesdienst jeden Samstag 17.00 Uhr

Hl. Messe

Gottesdienst jeden Sonntag 10.30 Uhr

Wir gratulieren ˘ Mag. Birgit Staudinger zur Geburt und Taufe ihres Sohnes Stefan Helmut Josef ˘ Mag. Dr. Johann Hörist (ehem. Domkurat) zum „Kaplan Seiner Heiligkeit“ (Msgr.) sowie zum neuen Amt als Rektor der Anima in Rom ˘ Ingrid Hammerl zum 60. Geburtstag

Hl. Messe

˘ Ing. Elisabeth Bumauer zur Geburt ihrer Tochter Marie Emma ˘ Marie Therese Stockert zum 80. Geburtstag ˘ Dr. Arthur Saliger zum 60. Geburtstag ˘ Prof. Erich Leitenberger zum 60. Geburtstag ˘ Dolores Bauer (ehem. PGR-Mitglied) zum 70. Geburtstag ˘ Uschi Ruth zum 40. Geburtstag

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˘ Prälat Ostheim–Dzerowycz zum 70. Geburtstag ˘ Prof. Franz Michal, stv. Vorsitzender des PGR St. Stephan, zur Wahl zum Dekanatsvertreter, stv. Vorsitzenden des Pastoralen Vikariatsrates und Vertreter des Vikariatsrates im Pastoralrat ˘ unserem Graphiker Charly Krimmel zur Geburt und Taufe seiner Tochter Anja

Chronik Getauft wurden Laura Haslinger, Oliver Kisgyörgy, Ella StaAus Datenschutzgründen nicht angezeigt ringer, Tim Christoffer, Solena Magnard, Nicodemus Kwizda, Sandra Glaser, Valentin Feuersänger, Armin Mexico, Sebastian Mikolasch, Leonie Podesser, Dominik Sykora, Emese Steip, Julian Gärtner, Elisabeth Schragl, Darius Mitchell, Julia Mückstein, Julian Vogler, Vivian Knor, Mona Schenk, Maximilian Fischer, Sophie Harris, Katharina Harris, Jessica Gisch, Sophie Höbart, Bianca Lazic, Rhoda Kapl, Leonhard Arthofer, Bernhard Frysak, Fanny Düh, Lena Sieberer, Clara Lindenthal, Bettina Sakac, Marlene Buchelt, Timea Kitzmantel, Caroline Gaisbauer, Ingo Wanek, Michael Müllner, Moritz Wendt, Raphael Kopal, Isabella Onwukwe, Lena Köhler, Erik Satzinger, Valentina Aigner, Armin Lassl, Philipp Cornelius, Florian Gmeiner, Paul Schratt, Nicolas Witz, Katharina Joppich, Lutz Filthaut, Desiree Traxler, Alysa Greco, Laura Koch, Flora Wieser, Anna Buchholz, Fabian Zehetner, Anna Ehlmaier, Stefan Staudinger, Alexander Gold, Chiara

In diesem Jahr wurden bisher 21 Personen wieder in die Kirche aufgenommen.

In die Ewigkeit gingen uns voran Alterzbischof Kardinal Dr. Franz König, Bundespräsident Dr. Thomas Klestil, Domkurat GR Wolfgang Ubl, Diakon GR Ernst Ballner, Diakon GR Pino Maly-Motta, Maria Steiner, Franz Hafenscher, Leopold Schmelzer, Maria Schmidt, Brigitte Kozak, Margaretha Nedorost, Gertrude Knuhr-Prechtl, Anton Unger, Gertrude Hofer,Hildegard Kreuzer,Dr.Erhard Parisini, Josefa Larisch, Ing.Alfred Wichart, Dr.Benedikt Winkler, Dr.Anna Dollens, Dr.Peter Grün,Elfriede Hoppe,Benedikt Bläumauer, Rosa Staeger, Pierre Boussuge, Theresia Ichmann, Istvan Dobo, Eva Werba, Margaretha Fischler, Magdalena Wencek, Emma Zeilinger, Martha Michal, Eleonore Hoffrichter, Friedrich Fritsch,Wolfgang Chrystoph, Gertrude Wala, Leonore Burian, Friedrich Prokop, Mag.Peter Glas

Den Bund der Ehe haben geschlossen

Führungen und Eintrittsgebühren in St. Stephan

Aus Datenschutzgründen angezeigt Otto Friedrich und nicht Maria Riedl

Ludwig Weiß und Ruth Montalvan Clemens Walzl und Wongduan Nunprakhom Clemens Goess-Saurau und Stephanie Welsersheim Thomas Neubauer und Ingrid Pfannl Roger Stelten und Monique Mennis Stefan Schönbeck und Marisa Schiestl-Swarovski Walter Hammerschmid und Brigitte Krasser Rudolf Röger und Barbara Rader David Lincoln und Gerda Gradwohl Johannes Mayrhofer und Vitore Shala Johannes Marek und Nathalie Spiegelfeld Bernhard Zdrahal und Lei Li Thomas Kerschner und Sabine Lex Andreas Schweighofer und Monika Kanka Michael Pramberger und Patrizia Kohlross Thomas Degischer und Miriam Tscherne Thomas Karnitscher und Anna Weidinger Alexander Marousek und Barbara Taborsky Walter Stöckli und Elvira Meisser Harald Gmeiner und Elisabeth Schimanek Andreas Köstler und

DOMFÜHRUNGEN Mo. bis Sa.: 10.30 Uhr u. 15.00 Uhr 15.00 Uhr Sonn- und Feiertag: Führungsgebühren: € 4,– Erwachsene: € 2,50 Schülergruppen (15–18 Jahre): € 1,50 Kinder (bis 14 Jahre): KATAKOMBENFÜHRUNGEN Mo. bis Sa.: 10.00–11.30 Uhr und 13.30–16.30 Uhr Sonn- und Feiertage: 13.30–16.30 Uhr Führungsgebühren: wie bei den Domführungen GRUPPENANMELDUNGEN für Dom- u./od. Katakombenführungen unter Tel.: 51552/3526 oder per Fax: 51552/3164 oder E-Mail: [email protected]

TURMBESTEIGUNG (Südturm) täglich: 9.00–17.30 Uhr € 3,– Erwachsene: € 2,– Schülergruppen (15–18 Jahre): € 1,– Kinder (6–15 Jahre):

AUFZUG ZUR PUMMERIN (Nordturm) 8.30–17.00 Uhr € 4,– Erwachsene: € 1,50 Kinder (6–15 Jahre): Kindergartenkinder in d. Gruppe: € 0,50

ÖFFNUNGSZEITEN DES DOMES: Mo. bis Sa Sonn- und Feiertag:

6.00–22.00 Uhr 7.00–22.00 Uhr

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Herbst 2004 47

Aus der Schatztruhe der geistlichen Tradition der Kirche Den Menschen ernst nehmen, heißt auch, tolerant zu sein. Das ist mehr als bloß dulden. Es bedeutet Anerkennung des ganzen Menschen. Es heißt,seine Meinung ernst nehmen. Toleranz ist das Gegenteil von Gleichgültigkeit gegenüber dem anderen, gegenüber der Wahrheit. Tolerant sein, das heißt auch, großmütig zu sein. Nicht angerührt und wehleidig. Es heißt, den eigenen Kopf von Feindbildern zu entrümpeln. Die Zeit, in der die einen im Bewusstsein ihrer Rechtgläubigkeit die Scheiterhaufen entzündeten, muss für immer vorbei sein.Wir können einander nur mit Argumenten zu überzeugen versuchen. Verbrannt wird niemand mehr. Auch und vor allem nicht in der Kirche. Kardinal Franz König (aus: Kardinal Franz König, Gedanken für ein erfülltes Leben, Styria 2004, S. 137)

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