40 Jahre - Hochschule München

40 Jahre - Hochschule München

1971 BIS 2011 40 JAHRE FACHHOCHSCHULE MÜNCHEN 1971 BIS 2011 15 PROF. DR. MICHAEL KORTSTOCK PRÄSIDENT DER HOCHSCHULE MÜNCHEN Der Hochschule München...

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1971 BIS 2011 40 JAHRE FACHHOCHSCHULE MÜNCHEN 1971 BIS 2011

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PROF. DR. MICHAEL KORTSTOCK PRÄSIDENT DER HOCHSCHULE MÜNCHEN Der Hochschule München wünsche ich eine glückliche Weiterentwicklung ihrer 40-jährigen Erfolgsgeschichte. Das gewählte Profil, das auch im neuen Namen »Hochschule für angewandte Wissenschaften« extra festgehalten wurde, soll dabei in einem ausgewogenen Mix aus Lehre, angewandter Forschung und Entwicklung sowie Weiterbildung auf den Pfaden des Hochschulentwicklungsplanes weiter ausgebaut werden.

3

STUDIERENDENVERTRETUNG Wir lassen Dich nicht fallen! Herzlichen Glückwunsch und auf die nächsten 40 Jahre! Deine StuVe

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DARF ICH VORSTELLEN… »Hochschule München«, 40 Jahre alt, etwa 35 Fußballfelder groß, mit 14 Fakultäten und über 60 Diplom-, Bachelor- und Masterstudiengängen, mehr als 15.000 Studierenden, rund 470 ProfessorInnen, 600 MitarbeiterInnen und etwa 750 Lehrbeauftragten. Ihre drei Standorte sind die Münchner Lothstraße, Karlstraße und Am Stadtpark in Pasing.

Klaus Kriso, verantwortlich für Bauprojekte und seit 26 Jahren an der Hochschule, begleitet uns auf

Bei diesen Dimensionen verliert man schnell den Blick fürs Detail. Wir haben uns deshalb auf einen Rundgang begeben, um an den

unserem Streifzug. Er hat nicht nur viele Geschichten auf Lager, sondern auch ein Schlüsselbund, mit dem er in alle der etwa 3.500 Räume der Hochschule kommt!

verschiedenen Orten der Hochschule Wissenswertes, Kurioses, Verborgenes und fast Vergessenes zu sammeln.

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LOTHSTRASSE 34 nm he c a

Unser Rundgang startet an einem legendären Ort: Dort, wo »Edis Würstlbude«

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stand, im Keller des D-Gebäudes. Bis in die 90er Jahre war der kleine Imbiss ein belieb-

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ter Treffpunkt. Edi Söllner und seine Frau versorgten hier Studierende und Professor-

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Innen mit zünftigen Eintöpfen, Leberkässemmeln und dem ein oder anderen Bier.

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Damals so wie heute: Im zweigeschossigen Archiv der Lothstraße 34 lagern die Unterlagen aller Studierenden der Hochschule.

Wir bleiben weiter »unter Tage«. Ein Versorgungsgang führt uns in Richtung Tiefgarage. Den Kalten Krieg im Gedächtnis, wurde hier in den 90er Jahren ein Atomschutzbunker gebaut. Das Bild zeigt die Luftreinigungsfilter. In der Tiefgarage selbst verraten die dick-

6

wandigen Schiebetüren, dass man sich in einem Bunker befindet.

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auch schon mal auf den Tischen…

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erzählt man sich, tanzten die Lehrenden

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Wo heute gähnende Leere herrscht, so

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In der Dachauer Straße betreten wir

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über das Plateaugeschoss den Flur des B-Baus. Hinter dieser Tür war bis Anfang der 90er die Mensa. Aufgrund der rabiaten Putzmethoden (man pflegte die Mensaküche mit dem Feu-

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erwehrschlauch zu reinigen) und des

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maroden Zustands des Gebäudes litt der Rollenprüfstand, im selben Gebäude ein Stockwerk tiefer, gewaltig. Man munkelt, dass einem Studenten, der dort seine Abschlussarbeit schrieb, die Arbeit »versaut« wurde, weil das Fett von der Decke tropfte.

LOTHSTRASSE 64

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2004 wurde die Lothstraße 64 eingeweiht – als bislang größtes Bauvorhaben in der Geschichte der bayerischen Fachhochschulen. Der »Rote Würfel« ist seitdem nicht nur Hörsaal, sondern auch Wahrzeichen der Hochschule und fest im Corporate Design verankert.

In dem modernen Gebäude werden die Sinne auf die Probe gestellt: Gehen Sie im Roten Würfel auf die oberste Stufe und blicken Sie auf den Boden – werden Sie auch »seekrank«?

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SCHACHENMEIERSTRASSE Die Schachenmeierstraße gehört, ebenso wie das Gebäude in der Infanteriestraße, zum Campus Lothstraße. Erst 2010 zog die Fakultät für Tourismus in die ehemalige Telegrafenkaserne – nach einer aufwändigen Komplettsanierung. Schwierigste Herausforderung dabei: Das Anheben der Decke in den unter Denkmalschutz stehenden Dachstuhl für die neue Aula. Einer der größten Autokräne Deutschlands musste für diese Bauarbeiten anrücken.

INFANTERIESTRASSE Auch in der Infanteriestraße 13 haben sich Studierende und ProfessorInnen in einem ausgedienten Kasernenbau breitgemacht. Das rote Backsteinhaus ist Heimat der Fakultät für Design. Die Fassade des angemieteten moderneren Gebäudes gegenüber wurde 2010 saniert.

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Unser Weg führt uns weiter zum Campus Pasing. Wer hier im Altbau mit aufmerksamen Blick durch die Flure geht, erahnt die Geschichte des Hauses. Aus einem dunklen Zeitalter erzählt der Besprechungsraum der Fakultät für Sozialwissenschaften. In der Holzvertäfelung im Raum O120 kann man oberhalb der beiden Türrahmen noch

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heute nur noch Theorien und Fakten.

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notwendig – die Treppen laufen nach der Wand weiter.

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Plüschelche darüber.

Vor der »Geistertreppe« im Pasinger

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müssen, hängten die Sozialwissenschaftler

verwundert. Das abrupte Ende der

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PASING – AM STADTPARK

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KARLSTRASSE Der letzte Stopp auf unserem Rundgang ist die Karlstraße. Wer auf der Terrasse des K6 seinen Kaffee genießt, dessen Blick fällt auf einen gewaltigen Steinquader – nein, es handelt sich hierbei nicht um eine Sitzgelegenheit. Es ist der Grundstein des Gebäudes. 1954 hatte eine Gruppe Architekturstudierender mit

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Projekts aus Ministerien, Bauwirtschaft

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und Geistlichkeit einzuladen – und den Entscheidungsprozess damit entschieden vorangetrieben. Heute steht das Gebäude unter Denkmalschutz.

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damaligen Staatsbauschule beseitigt.

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die Querelen um die Neugründung der

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einer selbst initiierten Grundsteinlegung

DR. WOLFGANG HEUBISCH BAYERISCHER STAATSMINISTER FÜR WISSENSCHAFT, FORSCHUNG UND KUNST Eine Erfolgsgeschichte über 40 Jahre mit einer ausgezeichneten und anwendungsorientierten Hochschulausbildung. Die größte bayerische Hochschule für angewandte Wissenschaften hat sich damit nicht nur in ihrer Heimatstadt München und in Bayern, sondern auch über die Landesgrenzen hinaus einen Namen gemacht.

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»MOODLE IST KEINE ZEITMASCHINE«

Auch die Lehre der Zukunft gelingt nur im direkten Kontakt – das wissen Prof. Dr. Peter Kammerer (56) und Prof. Dr. Markus Oster (39) aus der Fakultät für Geoinformation.

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»Haben Sie Fragen?« Mit diesem Satz beginnt Peter Kammerer, Professor für Kartographie und Geoinformation, seit 20 Jahren seine Vorlesungen. »In 89 Prozent der Fälle kommen keine«, sagt er. Und trotzdem bleibt der Hochschullehrer bei diesem Ritual. Er will seinen Studierenden damit klar machen, dass kontinuierliches Repetieren besser wäre als ein Schnellspurt vor der Prüfung. Angesichts der rasanten Entwicklung, die aufgrund des Internets das Leben und insbesondere die Lehre erfahren haben, ist es fast schon erstaunlich, dass überhaupt irgendetwas noch ist, wie es einmal war. Die Studierenden in seinen Vorlesungen und Übungen sind zu jung, um sich der Veränderungen bewusst zu sein. Sie studieren heute. Der 56-jährige Professor aber, der in München Geografie und Physik belegt hatte, überblickt eine große Zeitspanne. Ganz typisch war seine Studienzeit vielleicht nicht, denn er hat damals schon »zügig« studiert. Der Grund war sein bereits während des Studiums geborener Sohn.

Dennoch weiß Kammerer, dass die angehenden WissenschaftlerInnen heute einem viel größeren Druck ausgesetzt sind: 70 Prozent seiner Studierenden jobben auch während des Semesters. Und das, obwohl jetzt – anders als früher – im verdichteten Studium von Anfang an jede einzelne Note zählt. Das sieht auch Kammerers erst vor zwei Jahren berufener Kollege Markus Oster mit einem weinenden Auge: Er selbst hat anfangs Geografie und Theologie auf Lehramt studiert und sei heute froh, dass er sich nach einer »Testphase« umorientieren konnte. Jetzt, stellt Oster fest, suchten Firmen BewerberInnen mit möglichst lückenlosem Lebenslauf. Früher, erinnert sich Kammerer, habe er mit den Studierenden Motorradausflüge und Langlauftouren unternommen. Heute hätten viele nicht einmal Zeit für den spannenden und informativen International Day der Hochschule. Höherer Druck als früher laste aber auch auf den Lehrenden, da sind sich beide einig. »Mehr akademische Selbstverwaltung, mehr Prüfungen, mehr

Studierende, mehr Berufungen«, fasst Kammerer, der auch Vizepräsident der Hochschule war, zusammen. Lange vorbei sei die Zeit, als Fächer immer auf gleichbleibende Weise unterrichtet wurden, ehe man eine Reform in Erwägung zog. Die Akkreditierung, d. h. Überprüfung neuer Studiengänge sei heute an der Tagesordnung, damit verbunden das stete Ringen um Inhalte. Auch Internationalisierung spiele eine viel größere Rolle, betonen beide. Und natürlich wachse das fachliche Wissen rasant. »Kein Vergleich zu früher«, sagt Kammerer.

Sie überprüfen schon mal gleich online, was da vom Pult aus verkündet werde. Schade sei nur, dass brillante Bücher in den Regalen bleiben, weil die »jungen Leute« denken, das World Wide Web wisse genug. Noch einmal blickt Kammerer auf das Programmieren mit Lochkarten zurück. Schmunzelt erzählt er von einem Studenten, der eine Diskette kopieren sollte und diese dann unter einen Kopierer legte. Die Diskette ist heute moderneren Speichermedien gewichen. Auch die gute alte Dunkelkammer, das Fotolabor, habe längst ausgedient.

Oster schätzt es, dass neue ProfessorInnen heute didaktische Fortbildungen erhalten. Nur, was tun mit den schönen neuen Methoden, wenn angesichts der Studierendenmassen doch nur wieder Frontalunterricht bleibt, ob mit grüner Tafel oder White Board? Da sei es immerhin ein Trost, dass der gefühlte Abstand sich verringert habe, so Kammerer: Wer nenne ihn denn heute noch »Herr Professor«? Die Studierenden seien selbstbewusster, kritischer.

Beim Blick in die Zukunft sind sich beide wieder einig: Nach wie vor seien die direkte Kommunikation, auch das Gespräch in der Cafeteria, durch E-Learning Instrumente wie Moodle nicht zu ersetzen. Das persönliche Präsentieren und das Arbeiten im Team würden immer wichtiger, meint Oster. »Moodle ist keine Zeitmaschine«, sagt Kammerer – und sieht dabei nicht unzufrieden aus: »Haben Sie noch Fragen?« Renate Winkler-Schlang

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EIN »NORMALER« TAG IM LEBEN VON… Das Klischee vom faulen Studierenden ist ebenso zählebig wie falsch. Denn ein »Durchschnittsstudent« arbeitet nach einer HIS-Studie 44 Stunden in der Woche – 36 Stunden für das Studium, acht für den Job nebenher.

Morgens halb neun am Campus

Im Team mit Franzi, Andi und Fina

Pasing: Sabrina ist knapp dran, noch 15

bespricht Sabrina, welches Projekt sich

Minuten bis zur Vorlesung. Sie steigt

für einen Kurs am besten evaluieren lässt

aus ihrem roten Auto und ruft uns zu:

und wie man das statistisch messbar

»Ich weiß, dass es nicht nachhaltig ist,

umsetzt. Gleichzeitig – erzählt sie uns –

Mit KommilitonInnen diskutiert Sabri-

mit dem Auto zu kommen. Aber ich war

evaluiert sie im Kopf, wie sie ihre nächste

na, wie der Studiengang Management

zu spät dran – gestern ist es spät ge-

Reise nach Malaysia am günstigsten

Sozialer Innovationen am Studien-

worden.« Bis abends um elf war lernen

gestaltet. Die heutigen Studierenden

infotag am besten in Szene gesetzt

angesagt, danach abschalten mit der

sind eben multitaskingfähig – auch ein

werden kann. Ihr liegt ihr Studiengang

Serie How I Met your Mother, zusam-

Grund, warum die junge Studentin ohne

am Herzen, deshalb präsentiert sie ihn

men mit Mitbewohnerin Elli.

ihr MacBook nicht mehr auskommt.

für Studieninteressierte.

8.30

14

8.45 – 13.00

13.15

…STUDENTIN SABRINA STENGEL Sabrina Stengel (23) arbeitet sogar noch mehr. Sie studiert Management Sozialer Innovationen im vierten Semester und arbeitet für ein Catering-Unternehmen. Wir haben sie einen Tag lang begleitet, um zu zeigen, wie lang ein Arbeitstag einer Studentin sein kann. Nach vier Stunden Kurs hat Sabrina

Vorlesung: Community Development

ihre erste Auszeit. Am liebsten genießt

heißt übersetzt »Gemeinwesenarbeit«.

sie im Innenhof des Campus Pasing

Sabrina hört aufmerksam zu, wie ver-

die Sonne und ihre selbst gemachte

schiedene Akteursgruppen auf lokaler

Brotzeit. »Da bin ich zu knausrig, um

Ebene versuchen, ihre unterschiedlichen

viel Geld für Essen auszugeben«, lacht

Interessen zu artikulieren und durch-

sie. Ist auch gar nicht notwendig, denn

zusetzen. Sabrina beschäftigt sich bei

in ihrer Tupperdose findet sich viel

diesem Thema mit der Frage, wie man

Leckeres: Von Paprika über das selbst

die verschiedenen Gruppen dazu brin-

Nächste Vorlesung: Asset Building –

geschmierte Brot bis hin zur Milch-

gen kann, zusammenzuarbeiten, damit

hier erfährt Sabrina, wie man soziale

schnitte ist alles dabei. Klar, denn ein

am Ende alle durch wirtschaftliche und

Innovationen am besten in die Tat

leerer Magen studiert nicht gern.

soziale Entwicklung profitieren.

umsetzt.

13.30 – 14.15

14.15 – 15.00

15.00 – 15.45

15

EIN »NORMALER« TAG IM LEBEN VON STUDENTIN SABRINA STENGEL

Sozialwissenschaften studieren heißt

Catering als Nebenjob lässt sich gut

vor allem: Lesen, viel lesen. Deshalb

mit dem Studium verbinden. Sabrina

nutzt Sabrina die Zeit zwischen Vorle-

catert alles – von Messen bis hin zu

Endlich Feierabend! Sabrina liebt und

sung und ihrem Catering-Job, um in der

Vorstandssitzungen. Sie findet ihren

lebt ihr Studium, aber jetzt freut sie

Bibliothek über Habermas und Co zu

Job abwechslungsreich. Wir finden:

sich auf ein kühles Radler mit ihren

brüten. Puh! Ganz schön anstrengend.

Die Arbeitskleidung steht ihr gut.

Freunden an der Isar. Wohlverdient!

15.45 – 17.00

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17.30 – 19.30

19.30

Simon Kirner

PROF. DR. WALTER DANNINGER VORSITZENDER DES SENATS 1868 wurde die Polytechnische

Schule in München gegründet.

1901 wurde ihr als Königlich Bayerische

Technische Hochschule München



das Promotionsrecht verliehen.

München gegründet.

1971 wurde die Fachhochschule

HERBERT RUCKER VORSITZENDER DES PERSONALRATS Die Hochschule sah viele kommen und gehen, doch sie blieb bestehen. Herzlichen Glückwunsch für 40 Jahre!

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ABENDS UM HALB ELF… Mittwoch, 28.10.1987: Der Mann im weißen Kittel schaut auf die Uhr. Es ist schon bald elf Uhr abends. Er sitzt allein vor einem Bildschirm und

Wenige Stunden zuvor sprach der bayerische Ministerpräsident Franz Joseph Strauß bei der Grundsteinlegung des E-Baus an der Dachauer Straße vom Vorhaben der Regierung, die Drittmittelbestimmungen für Fachhochschulen zu ändern und damit Forschung an den Hochschulen zuzulassen. Gedauert hat es dann doch etwas länger…

wertet die letzten Messungen aus. Im Raum riecht es nach Metall, Gummi und Klebstoff. Der Wissenschaftler legt seine Stirn in Falten und denkt angestrengt nach. Er forscht – und zwar privat, weil er Professor an der Fachhochschule München ist. Forschung ist hier nicht vorgesehen.

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Forschung, die der Lehre dient Die Hochschule wurde 1971 als reine Lehreinrichtung gegründet. Forschung war im Gesetz nicht vorgesehen. Es gab nur vereinzelt ProfessorInnen, die in Nebentätigkeit forschten. Forschung war lange nicht so organisiert und strukturiert wie heute – es fehlte vor allem der akademische Mittelbau. Erst die Novellen des Hochschulgesetzes von 1998 und 2006 ließen zunächst Forschung zu und verankerten sie später als Aufgabe der Hochschule. Gesetzestexte sind das eine, das andere ist die Umsetzung. Planstellen für den akademischen Mittelbau hat die Hochschule bis heute nicht.

Also müssen Drittmittel her. Nach ersten Versuchen, der Forschung aus den Kinderschuhen zu helfen, kam die Hochschulleitung auf die Idee, einen Physiker in die Verwaltung zu setzen. Forschungsreferent Dr. Jürgen Meier bezeichnet sich selbst als »schizophrenen Vermittler zwischen den Welten«, dessen Aufgabe klar definiert ist: Drittmittel einholen. Zum Glück ist Meier bei der Vernetzung von Verwaltung, ProfessorInnen, Wirtschaft und Ministerien erfolgreicher als ein Bürokrat im Labor. Flankiert durch das Gesetz und unterstützt vom damaligen Vize- und jetzigen Präsidenten Prof. Dr. Michael Kortstock gelang es, die Bedingungen für Forschung an der Hochschule zu verbessern. Das Ergebnis: Die Drittmitteleinnahmen haben sich von 2002 bis heute verzehnfacht. Über 100 wissenschaftliche MitarbeiterInnen konnten deshalb eingestellt werden. Darüber freut sich die Vizepräsidentin für Forschung, Prof. Dr. Christiane Fritze. Begeistert ist sie auch, dass sich Forschung über die Technikbereiche hinaus ausgebreitet hat.

…BRENNT NOCH LICHT IM LABOR ProfessorInnen der Hochschule forschen mittlerweile in vielfältigen Bereichen – angefangen von Automatisierungstechnik über Fahrzeugmotoren bis hin zu Lebensqualität im Alter. Heute gern gesehen: Forschung Eine große Entwicklung hat der Forschungsbereich der regenerativen Energien gemacht. 1995 teilten sich Prof. Dr. Gerd Becker und Mike Zehner noch zusammen mit anderen ForscherInnen das Labor für Leistungselektronik, um Simulationsrechnungen für Photovoltaikanlagen durchzuführen. An Forschung, wie sie heute aussieht, war noch nicht zu denken. Erst arbeiteten beide »Pioniere« im Bereich der erneuerbaren Energien an ihrer Expertise, die im Laufe der Zeit die Akquirierung von Drittmitteln ermöglichte. »Wir haben uns dann nach der Jahrtausendwende virulent ausgebreitet«, sagt Zehner mit einem Zwinkern.

Deshalb ist heute alles anders: Es hat sich ein wissenschaftlicher Mittelbau unter Professor Becker aufgebaut. Fünf wissenschaftliche Mitarbeiter und zehn studentische Hilfskräfte forschen in zwei Laboren und an der Photovoltaikanlage auf dem Dach des R-Baus. Zum Beispiel testet das Team, unter welchen Bedingungen die Photovoltaikanlage die größte Effizienz entwickelt. Klar, dass der Bereich heute einen entsprechenden Forschungs-Output liefert: Von Vorträgen und prämierten Poster-Beiträgen auf Konferenzen angefangen über wissenschaftliche Publikationen bis hin zu Systemoptimierungssoftware. Ihre Ziele formulieren Becker, Zehner und ihr Team jedoch weit über den Tellerrand der Forschung hinaus. Sie möchten die Energieversorgungsstrukturen grundlegend ändern – und die Welt damit ein Stück besser machen. Einen größeren Antrieb für Forschung gibt es nicht. Simon Kirner

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CHRISTIAN UDE OBERBÜRGERMEISTER DER LANDESHAUPTSTADT MÜNCHEN Es ist schon erstaunlich, welch hohes Ansehen die Hochschule München heute allenthalben genießt, wenn man an die heftigen Widerstände denkt, gegen die ihre Gründung einst durchgesetzt wurde. Längst ist aus der von aufmüpfigen Studierenden der Ingenieurschulen erkämpften Fachhochschule, wie sie damals noch hieß, eine der führenden deutschen Hochschulen für angewandte Wissenschaften und damit ein glänzendes Aushängeschild sowohl des Hochschul- als auch des Wirtschaftsstandorts München geworden. Sie ist und bleibt damit auch ein wichtiger Partner der Stadt bei der Zukunftssicherung Münchens. Allen, die dazu ihren Beitrag geleistet haben und weiterhin leisten, sage ich ausdrücklichen Dank und herzlichen Glückwunsch zum 40-jährigen Bestehen der Hochschule München!

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PROF. DR. NORBERT SEITZ TRÄGER DER EHRENMEDAILLE DER HOCHSCHULE MÜNCHEN

PROF. GEORG NEMETSCHEK STIFTER UND EHEMALIGER DEKAN DER FAKULTÄT FÜR BAUINGENIEURWESEN

Als vor 40 Jahren die Fachhochschule gegründet

Der jungen, lebendigen Hochschule

wurde, wurde das neue Pflänzchen damals gar

München wünsche ich weiterhin Ehrgeiz,

nicht richtig wahrgenommen; zumindest nicht als

Innovationskraft und Exzellenz und

Hochschule, schon eher als Berufsschul-Upgrade.

damit Erfolg in Lehre und Forschung.

Es bedurfte vieler Anstrengungen von allen Beteiligten, um aus dem kleinen Pflänzchen in jahrzehntelanger Mühe einen großen Baum zu zaubern. Er ist in den vier Jahrzehnten ein unübersehbares Prachtstück geworden, anziehend auch für Gäste aus dem Ausland, und ein Juwel in der praxisorientierten Landschaft. Der Vorteil dieses Baumes ist seine Jugend und seine Dynamik. An ihm kann man deshalb auch kurzfristig manches ändern, wenn es denn zu seiner Stärkung beiträgt. Ich wünsche ihm deshalb auch für die Zukunft ein starkes Leitungsteam, das zukunftsorientierte Ziele bei der Ausbildung realisieren kann, eine aufgeschlossene Jugend, die sich dafür begeistern lässt, und eine Regierung, die diesen Baum auch ausreichend gießt.

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AUF EINEN PLAUSCH… Wie würden Sie die Geburtsstunde der Hochschule München beschreiben? Eine Atmosphäre des Aufbruchs zu neuen Ufern. Dozenten, Studenten und Personal der Vorläuferschulen kamen zusammen und der Präsident hielt eine kurze Rede. Es war eine eher unspektakuläre Zusammenkunft, aber die Stimmung war voller Elan. Eine symbolische Taufe wurde dann ja noch nachgeholt, denn… …ein noch heute tätiger Mitarbeiter wurde mir als Symbol für die Gründung der Hochschule nach einer Ganzkörpertaufe triefendnass auf den Schoß gesetzt.

Mehr als 30 Jahre begleitete Uwe Brockhausen die Entwicklung der Hochschule München als Kanzler

Welches Ereignis ist Ihnen besonders in Erinnerung? Der Telefonist kam blass herein und berichtete von einer Bombendrohung. Angesichts der Terroranschläge in den frühen 70ern war dies nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. In Erwägung zog ich auch, ob sich jemand vielleicht vor einer Prüfung drücken wolle – es war Prüfungszeit. Letztendlich war es tatsächlich falscher Alarm. Was war Ihre größte Herausforderung an der Hochschule München? Unter der Konkurrenz zu Ministerien und anderen Behörden war es immer schwierig, gute Mitarbeiter zu bekommen und diese zu halten. Zudem beschränkten die kameralistischen Haushaltsvorschriften den Handlungsspielraum der Hochschule. So musste der Spagat zwischen gesetzestreuer Auslegung und den Bedürfnissen der Hochschule geleistet werden. Welche Momente zählen Sie zu den schönsten in Ihrer Amtszeit? Als ich auch in der Lehre tätig sein konnte. Mein Wissen um die Fakultäten hat sich dabei sehr erweitert und es hat viel Spaß gemacht mit den Studenten zu arbeiten.

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…MIT UWE BROCKHAUSEN, KANZLER A. D. Ein großes Herz für Studierende hatte auch der »Vorläufer« der heutigen Mensa, Edi… Edi war rein rechtlich kein Mitglied der Hochschule München, faktisch war er aber eines der engagiertesten. Mit allerlei Würsten und belegten Broten verpflegte er die Hochschule. Zudem war er ein sehr integrativer Charakter, denn auch Professoren und andere Mitarbeiter trafen sich bei ihm und man kam miteinander ins Gespräch. Die Anliegen der Studenten vertrat er als Nikolaus – Vorlesungen stürmisch unterbrechend. Oft landen die Anliegen der Studierenden auf dem Tisch der Verwaltung. Haben sich die Anforderungen hier gewandelt? Die Ansprüche an die Verwaltung als Dienstleister – nicht nur seitens der Studierenden – sind aus meiner Sicht enorm gestiegen. Wir hatten kein Pressereferat, keine Studienberatung, kein Auslandsamt und keinen Bereich für Hochschulentwicklung. Außerdem erforderten die Fortschritte in Technik und Wirtschaft, neue Studiengänge einzurichten. Würden Sie die Hochschule München als Erfolgsmodell bezeichnen? Für mich: ein Erfolgsmodell par excellence! Besonders angesichts der sehr eingeschränkten Möglichkeiten zu Gründungszeiten. Der eigentliche Erfolg liegt wohl im Grundprinzip der Hochschule: die Verbindung zur Praxis und die seminaristische Lehre in kleinen Gruppen. Ein Prinzip, das die Hochschule München immer weiter ausgebaut und gepflegt hat. Sie wünschen der Hochschule München, dass… …diese grandiose Entwicklung anhält!

Julia Christiansen

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FRÜHER WAR ALLES ANDERS Diese Plattitüde ist schnell ausgesprochen, doch auf die Abteilung Studium trifft die Aussage tatsächlich zu – wie wir im Gespräch mit Manfred Göller und Hans Stange erfahren haben.

Damals wie heute n

Mitarbeiter 1971 und 2011: fünf

n

die Renner unter den Studiengängen seit

1971: Soziale Arbeit und Betriebswirtschaft n

die heiße Phase in der Verwaltung: die letzte

Woche vor Ende des Zulassungszeitraums; dann gehen 80 Prozent aller Bewerbungen ein, sprich 40.000 Anträge im Wintersemester

24

n

die gute Verbindung zur Wirtschaft

n

die Qualität der Lehre

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das hohe Interesse der Studierenden

an der Hochschule München

Studierendenangelegenheiten – dieser sperrige Begriff beschreibt die Aufgaben einer der zentralen Abteilungen in der Hochschulverwaltung. Dort laufen – heute wie damals – alle Daten einer Studierendenkarriere an der Hochschule München zusammen. Fünf AnsprechpartnerInnen kümmern sich im Team um die Anliegen von rund 15.000 Studierenden in über 60 Studiengängen. Und um Einiges mehr. So auch um bis zu 60.000 Studienbewerbungen pro Jahr, um 12.000 Zulassungen und 30.000 Ablehnungen, rund 600 Widersprüche und 4.500 Einschreibungen – einschließlich der laufenden Prüfungsdatenverwaltung und der Beratung aller immatrikulierten Studierenden. In Zeiten von HMonline fragt sich kaum jemand, wie Studierendendaten früher verwaltet wurden. Obwohl es gerade zu diesem Thema jede Menge Geschichten zu erzählen gibt. Deshalb fragen wir nach. Bei zwei Urgesteinen der Verwaltung – Hans Stange und Manfred Göller. Wir wollen wissen: Wie war das eigentlich…

…als es noch keine elektronische Verwaltung gab? Schon den Büros der damaligen Studienberater und dem »Aufnahmesekretariat« war anzusehen, dass hier der Überblick über tonnenweise Papier zu behalten war. Meterlange Regale voll mit Formularen, Anträgen und Bewerberakten reihten sich an den Wänden der Büros. Bis in die späten 80er Jahre waren Schreibmaschine, Tipp-Ex und Telefon die wichtigsten Arbeitsmittel. Sämtliche Bewerberanfragen mussten händisch geprüft, bearbeitet und Korrespondenz schriftlich dokumentiert werden. Es war die Zeit des großen Listenwesens. Studierendenservice wurde auch damals schon groß geschrieben – nur dass der Versand von Informationen per Post lange Wartezeiten verursachte. …als der erste Computer in die Verwaltung kam? Der erste Computer der Abteilung war ein Olivetti M24. Der war zwar nicht neu, doch er wurde der Abteilung mit

der wärmsten Empfehlung übergeben auszuprobieren, was damit alles möglich werden könnte. Letztendlich war dann das Schreiben eines Briefes wesentlich komplizierter als mit der Schreibmaschine. Für eines war die Innovation aber wie geschaffen: Die MitarbeiterInnen tasteten sich peu à peu an die Datenverwaltung mittels »Personal Computer« heran. …als die Digitalisierung den Studentenservice veränderte? Das Mehr an Technik im Bereich der Hochschulservices führte schnell zu einem Gewinn an Zeit. Zeit für Beratung und die Anliegen der Studierenden. In den 90ern wurde die EDV ausgebaut und Bewerbungen sowie Prüfungsdaten konnten erstmals digital bearbeitet werden. 2002 ging die erste umfangreichere Homepage der Fachhochschule online. Zwar war das Informationsund Download-Angebot noch relativ überschaubar, aber: In der Verwaltung machte sich die Digitalisierung deutlich bemerkbar. Die Formularberge

in den Regalen schrumpften und auch der Postversand von 100 bis 500 Informationsblättern pro Tag, in dem der Bewerbungsablauf und das Studienangebot dargestellt wurde, nahm ab. …als die Studierendenzahl an der Hochschule zusehends wuchs? Mit der Anzahl der Studierenden wuchsen auch die Anforderungen an die Technik. Z. B. bekommen heute rund 4.500 Erstsemerster während der Immatrikulationswochen ihre Legic-Karte. Der Studierendenausweis ist Zahlungsmittel, Bibliotheksausweis und Schlüsselkarte in einem. Durch seine Vielseitigkeit gehört er zu den ID-Cards mit den höchsten Serviceleistungen an deutschen Hochschulen. Bei all den Veränderungen in der Verwaltung wird sich eines nie ändern: Die Kundschaft der Hochschule ist die Jugend. Diese auszubilden und zu beraten – das ist und bleibt eine ganz besondere Herausforderung. Stefanie Tahedl

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RENATE UND FALK F. STRASCHEG GRÜNDER DES STRASCHEG CENTER FOR ENTREPRENEURSHIP – SCE Wir gratulieren der Hochschule München zum 40. Geburtstag und hoffen, dass sie auch in Zukunft ihre unternehmerische Einstellung bewahrt.

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TREFFEN SICH ZWEI

INGENIEURE… Seit 2008 betreut Tobias Eckart die Alumni-Arbeit an der Hochschule München. Als AlumniBeauftragter kümmert er sich um den Austausch zwischen ehemaligen und jetzigen Studierenden. Für dieses Gespräch brachte er zwei Maschinenbau-Ingenieure an einen Tisch, die sich viel Interessantes zu erzählen hatten.

Alumni an der Hochschule n

Die HM zählt heute 5.300 registrierte Ehemalige.

n

Der Kontakt zu den Ehemaligen ergibt sich überwie- gend durch Mailings, Recherchen in Sozialen Netz werken, durch Infostände bei Abschlussfeiern und die Empfehlung von Lehrenden. n Das Angebot für Alumni ist groß: Stammtische, After Work Partys, Vorträge, fakultätsübergreifende Feiern, Campus- und Laborführungen, Alumni Sekretariat als zentrale Anlaufstelle, Netzwerke uvm. n

Der Nutzen für derzeitige Studierende: Kontakte zu

Unternehmen, Angebote für Praktika und Abschluss arbeiten, Unterstützung bei der Karriereplanung, Tipps zum Studium, Mentoring.

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TREFFEN SICH… Der Begriff »Alumni« war Konrad Petersen lange Zeit fremd. Erst als er und seine ehemalige Studiengruppe sich an die Hochschule wandten und nach einer Führung durch das heutige Gebäude fragten, stieß er auf diesen Begriff. Dass es sogar einen eigenen Ansprechpartner für ehemalige Studierende an der Hochschule München gibt, freut den Ingenieur sehr. Seine Ehemaligen-Gruppe wird sich künftig nicht nur privat treffen, sondern auch Alumni-Veranstaltungen der Hochschule besuchen. Dass die Hochschule von der Ehemaligen-Arbeit profitiert, kann sich Konrad Petersen sehr gut vorstellen. Schon das eineinhalbstündige Gespräch mit seinem jungen Kollegen hat gezeigt, dass die Erfahrungen und die Eindrücke, die er in 40 Jahren Berufsleben gesammelt hat, hilfreicher Input und wertvoller Wissensrückfluss für heutige Studierende sind. Was er dem angehenden Ingenieur gerne mit auf den Weg gibt: »Bleiben Sie neugierig, denken Sie innovativ und vergessen Sie nie, wie wichtig es ist, sich und seine Arbeitsergebnisse zu präsentieren.« Als ebenso wertvoll beurteilt der 64-Jährige, bereits während des Studiums praktische Erfahrung zu sammeln und dadurch gute Kontakte zur Industrie zu knüpfen. Schließlich hat auch Konrad Petersen vor 40 Jahren seinen ersten Job nach einem Praktikum gefunden. Die Unterhaltung der beiden verläuft durchweg angeregt. Mit einer Nachfrage seines junge Kollegen hat der 64-Jährige aber nicht gerechnet: Wie war es eigentlich, ohne Frauen zu studieren? Konrad Petersen weiß nicht recht, was er darauf antworten soll. Schließlich gab es während seiner Studienzeit keine einzige Studentin im Fachbereich. Und auch nicht lange Zeit danach.

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Konrad Petersen ist Jahrgang ’47 und hat von ’64 bis ’68 am Vorgängerinstitut der Hochschule München, am Oskar-von-MillerPolytechnikum, Maschinenbau studiert. Seit er die Hochschule als graduierter Ingenieur verließ, hält er Kontakt zu seinen ehemaligen Kommilitonen – und betrieb damit jahrzehntelang Alumni-Arbeit, ohne es zu wissen.

…ZWEI INGENIEURE

Sebastian Betz ist Jahrgang ’83. Der Münchner studiert Maschinenbau, schreibt derzeit an seiner Diplomarbeit und könnte sich durchaus vorstellen, auch in 40 Jahren noch Kontakt zur Hochschule München zu halten.

Für Sebastian Betz ist Alumni-Arbeit nichts grundlegend Neues. Er würde sie vielleicht nicht gerade so nennen. Der 27-Jährige spricht lieber von »Netzwerken« und davon, wie wichtig es für Studierende heute ist, welches Renommee eine Hochschule in der Industrie hat und wie gut deren Ausbildung ist. Dass diese Faktoren in Zukunft immer wichtiger werden, zeigen ihm Beispiele aus dem Ausland. Eliteuniversitäten wie die University of Oxford, das Massachusetts Institute of Technology oder die École Polytechnique leben das Prinzip der EhemaligenArbeit in langer Tradition. An seinen erfahrenen Ingenieurskollegen hat der Diplomand viele Fragen, zum Beispiel: Welche Schlüsselqualifikationen müssen angehende Ingenieure heute mitbringen? Wie war die Ingenieurs-Ausbildung vor 40 Jahren? Ist es besser, möglichst breitgefächert zu studieren oder sich früh zu spezialisieren? Wie schätzen Sie den Stellenwert der neuen Studiengänge Bachelor und Master in der Industrie ein? Letztere ist eine Frage, über die beide Berufskollegen intensiv diskutieren. Während Konrad Petersen die Hochschule als Ingenieur (Grad.) verließ und für seine Diplomierung in den 68ern auf die Straße ging, verlässt Sebastian Betz als einer der letzten Diplom-Ingenieure die Hochschule. Dass sich mit der Bologna-Reform auch der Ruf des deutschen Ingenieurs ändert, davon sind beide überzeugt. Nie zu ändern scheint sich dagegen eine der typischen Ingenieurstudierenden: der Fleiß. Bereits Konrad Petersen hatte ein ähnlich straffes Lernpensum wie Sebastian Betz und seine KommilitonInnen heute. Nur die Anforderungen verschieben sich anscheinend. Während Rechenschieber, Logarithmustafeln und Reißbrett den damaligen Studenten Sitzfleisch abverlangten, sind es heute die Vielzahl der Studieninhalte und der steigende Leistungsdruck. Stefanie Tahedl

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MEINE HERREN, MEINE DAME… Dass eine Professorin allein im männlichen Kollegenkreis sitzt, ist auch im 40. Jahr der Hochschule München keine Seltenheit – vor allem in den naturwissenschaftlich-technischen Fakultäten. Dabei ist der Beruf der Professorin ein schöner, wie wir von Carola Tiede (l.), Katharina Neukirchinger (m.) und Katina Warendorf (r.) erfahren haben.

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Frauen vor! »Manch ein Student sinniert – den Bachelor noch nicht einmal in der Tasche – schon über das Thema seiner Doktorarbeit. Das würde einer Studentin nicht in den Sinn kommen!«, sagt Prof. Dr. Katharina Neukirchinger. »Selbst wenn sie genauso gut oder besser als der Kommilitone ist«, ergänzt sie und sieht in dieser typisch weiblichen Unsicherheit einen Grund dafür, warum Frauen nicht so oft in die Wissenschaft streben. Auch sie selbst hatte sich, als sie sich auf die ausgeschriebene Chemieprofessur an der Hochschule München bewarb, geringe Chancen ausgerechnet. Das war 1990. Als erste Professorin der Fakultät für Feinwerk- und Mikrotechnik, Physikalische Technik leistete Katharina Neukirchinger dann Pionierarbeit. Die Mathematikerin und Frauenbeauftragte der Hochschule Prof. Dr. Katina Warendorf reihte sich 2003 als zweite Frau unter die

Kollegen des Lehrpersonals der Fakultät für Maschinenbau, Fahrzeugtechnik, Flugzeugtechnik. Auch Carola Tiede, die seit 2008 an der Fakultät für Geoinformation lehrt, zählt aktuell nur eine weitere Kollegin. Dabei ist der Frauenanteil innerhalb der Professorenschaft an der Hochschule München in den letzten Jahren gestiegen: 2001 waren es 8,5 Prozent (37 Frauen) – zehn Jahre später sind es immerhin schon 16 Prozent (70). Und wie geht es weiter? Frauenförderung – von der Schülerin bis zur Professorin Um junge Frauen für die MINT-Fächer zu begeistern, gibt es z. B. den Girls’ Day für Schülerinnen oder das BayernMentoring für Studentinnen. »Wobei am nachhaltigsten ein reales weibliches Vorbild ist«, vermutet Carola Tiede, die selbst als erfolgreiche Wissenschaftlerin bei ihren Studentinnen diese Funktion einnimmt und junge Frauen gern bei beruflichen Fragen unterstützt.

Katina Warendorf fragt bei besonders begabten Absolventinnen sogar noch nach Jahren nach, ob sie – ein paar Jahre Berufserfahrung hinter sich – nicht doch Interesse an einer wissenschaftlichen Karriere hätten. Für junge, promovierte Frauen, die den Lehrberuf testen wollen, gibt es mittlerweile ebenfalls ein Förderprogramm. Seit einigen Jahren können Frauen an der Hochschule München am Lehrbeauftragtenprogramm »Rein in die Hörsäle« teilnehmen. Mit ihm konnten im aktuellen Sommersemester 20 Frauen gefördert werden. Wer weiß – vielleicht bleibt die ein oder andere dem Hörsaal als Professorin treu? Traumberuf Professorin Wenn unsere drei Professorinnen von ihrer Arbeit erzählen, merkt man ihnen die Begeisterung für ihren Beruf jedenfalls an. »Man ist relativ frei in dem was, wie und wann man es macht«,

zählt Katina Warendorf auf. Mit dieser flexiblen Zeiteinteilung konnten sowohl sie als auch Katharina Neukirchinger Familienplanung und Beruf gut miteinander vereinbaren. Allerdings haben ihre Männer ihre Arbeitszeiten reduziert bzw. Elternzeit genommen. Auch an anderer Stelle hat sich die Gleichberechtigung durchgesetzt. Als damalige Fakultätsfrauenbeauftragte musste Katharina Neukirchinger den Vorsitzenden eines Berufungsverfahrens schon mal daran erinnern, sie beim Auswahlprozess zu involvieren: »Der bekam dann einen Zettel von mir ins Fach gelegt mit einer höflichen, aber deutlichen Aufforderung. Manches Mal habe ich dann dafür gesorgt, dass überhaupt eine Frau eingeladen wurde.« Heute dagegen werden qualifizierte Bewerberinnen zu einem Berufungsverfahren so selbstverständlich eingeladen wie Bewerber. Alexa Vorgang

Spitze an der Spitze Mit den beiden Vizepräsidentinnen Prof. Dr. Christiane Fritze und Prof. Dr. Gabriele Vierzigmann sitzen zwei Frauen in der Führungsriege der Hochschule München. Und mit Prof. Dr. Marion Schick war von 2000 bis 2008 zum ersten Mal überhaupt eine Frau Präsidentin an einer bayerischen Hochschule.

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PROF. DR. CHRISTIANE FRITZE VIZEPRÄSIDENTIN

PROF. DR. CHRITOPH SEESSELBERG VIZEPRÄSIDENT

Ich wünsche der Hochschule ein noch

Gratulation zu »40 Jahre Hochschule München«

stärkeres Gefühl der Offenheit für Neues

und gleichzeitig zu »189 Jahre Fakultät für

und Fremdes!

Bauingenieurwesen« (gegründet 1822)!

PROF. DR. GABRIELE VIERZIGMANN VIZEPRÄSIDENTIN Gratulation an die Hochschule München, an all die Frauen und Männer, die »Hochschule« leben und täglich neu erfinden: mit ihrer Gestaltungskraft, ihrer Arbeitsfreude, ihrer Wissbegierde, ihrer Diskussionswut, ihrem ForscherInnendrang, ihrem Widerspruchsgeist und ihrem Ideenreichtum!

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VOM »EINMANNBETRIEB«…

Die Studienberatung der Hochschule München bietet Studieninteressierten, Studierenden und auch AbsolventInnen in ihren individuellen Lebenslagen ein offenes Ohr und weitreichende Informationen.

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Ein Mann und ein Auto: die Geburtsstunde der Studienberatung In den 1970er Jahren wurde die Studienberatung der Hochschule München zunächst als »Einmannbetrieb« gegründet. Nur ein Berater versorgte Studieninteressierte mit grundlegenden Auskünften. Ohne die heute gängigen Informationskanäle kein leichtes Unterfangen. So trugen ihn die Räder seines Dienstfahrzeugs in die entlegensten Winkel Bayerns, um Schulen zu besuchen und Schülerinnen und Schüler über ihre Studienmöglichkeiten zu informieren. Viele Anfragen, auch aus dem Ausland, erreichten die Studienberatung per Post. »Der durchschnittliche Beratungsdienst bestand aus den Schulbesuchen, um über die Hochschule zu berichten, aus der späteren Beratung vor Ort

und aus Bearbeitung des regen Briefverkehrs«, berichtet Pia Hetzel, heutige Leiterin der Studienberatung. Flyer oder Broschüren waren zu dieser Zeit noch Zukunftsmusik. Kopierte Seiten aus Studienführern oder einfache Handzettel stellten das Informationsmaterial für Ratsuchende dar. »Es war schon schwierig, farbiges Papier zu besorgen. In der Verwaltung gab es das nicht«, erinnert sich Hetzel. Von Prüfungsangst bis hin zur Jobsuche Heute wenden sich die Ratsuchenden eher selten per Brief an die Studienberatung – ihnen steht ein vielfältiges Beratungsprogramm zur Verfügung. Rund 20 kompetente BeraterInnen helfen, offene Fragen – nicht nur zu Studienangelegenheiten – zu beantworten. Soziale Probleme, Prüfungsangst oder finanzielle Schwierigkeiten stehen

…ZUR ANSPRUCHSVOLLEN »ALLROUND-BERATUNG« immer häufiger auf der Tagesordnung. In den vergangenen Jahren hat die Studienberatung ein rasantes Wachstum sowie eine Reorganisation der Aufgabenbereiche hinter sich gebracht. So wurde 2010 das Schüleroffice gegründet und stellt einen direkten Draht zu SchulabgängerInnen, Eltern und LehrerInnen dar. Auch das Career Center ist ein wichtiger Teil der heutigen Studienberatung und unterstützt Studierende, zum Beispiel mit

Bewerbungscoaching, beim Übergang in das Berufsleben. Studierende, die Erfahrungen im Ausland sammeln möchten, wenden sich an das Büro International Affairs und erhalten nützliche Informationen. »Die Beratung an sich hat sich nicht verändert. Nur die Strukturen sind diversifizierter und die Qualität der Beratung ist mit den Jahren professioneller geworden«, erklärt die Leiterin der Studienberatung. Julia Christiansen

Kuriose Fragen n

Kann man bei Ihnen auch Tattoowissenschaften

studieren? n

Also, ich sitze gerade in der Badewanne und wollte

nun gerne meine Prüfungsergebnisse wissen. n

Nachfrage eines ausländischen Studenten:

Könnten Sie mir die Betriebsanleitung meines Weckers übersetzen? n

Ich komme aus Österreich und möchte bei

Ihnen studieren, brauche ich da eine Aufenthalts genehmigung? n

Ich habe meinen Fuß verstaucht. Bieten Sie auch

Leihrollstühle an?

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»ES IST KEIN OPFERAMT«

Prof. Dr. Helmut Lechner, Dekan der Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften, kann sich nicht vorstellen, »Studenten zum Kniefall zu bewegen«. Der Professor in Pulli und Jeans lacht über eine derart absurde Fantasie.

Der Drang nach Macht und Insignien kann es wohl nicht sein, was einen Hochschullehrer bewegt, sich zum Dekan, zum priumus inter pares, wählen zu lassen. Die Zeiten, in denen Dekane mit »Eure Spektabilität« angesprochen wurden, liegen Lichtjahre zurück. Ein Privileg gibt es: Das Einzelzimmer, noch dazu geräumig. Das sei ihnen gegönnt, denn wer, wie die Dekane Lechner und Regier betonen, eine »SandwichPosition« einnimmt zwischen Studierenden, MitarbeiterInnen und der Hochschul-Hierarchie, braucht einen Raum für Gespräche. Dort trinken sie gerade Kaffee miteinander. Beide sind froh, dass sie sich mit Prodekanen und Studiendekanen beraten können. Was tut ein Dekan? »Wir sind für alles zuständig«, sagt der 62-jährige Regier humorvoll: »Wenn das IT-Prgramm im Sekretariat nicht funktioniert oder Klorollen kreuz und quer durch die Toilette fliegen.« »Dass der Laden gut läuft«, definiert der 50-jährige Lechner die Aufgabe.

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Sie sind verantwortlich für Angestellte und KollegInnen, Haushaltsplan, Bilanzen, Anschaffungen, die sinnvolle Verwendung der Studienbeiträge, bringen strategische Überlegungen ein in die EHL, die Erweiterte Hochschulleitung. Ein lebendiger Prozess. Einführungskurse für Dekan-Neulinge gibt es nicht. Ein Dekan muss Autodidakt sein. Regier wurde 2005 gewählt und war in den Neunziger Jahren schon für zwei Jahre Dekan. Lechner besitzt erst seit Oktober 2010 die Visitenkarten mit diesem Zusatz. Dass sie unterschiedliche Erfahrungen haben, liegt weniger an der Zeitspanne im Amt als an den Besonderheiten ihrer Fakultäten und ihrer Persönlichkeiten. Lechner wurde gebeten, war der einzige Kandidat. Er wirkte jahrelang als Schulleiter und daher war eine solche Verantwortung für ihn nichts Neues: »Eine Herausforderung. Zum Wohle der Fakultät«, sagt er. Regier nickt zustimmend. Er hatte die Kandidatur ursprünglich nicht angestrebt, findet es nun aber gerade

– DEKANE SIND FÜR (FAST) ALLES ZUSTÄNDIG als Professor in der Betriebswirtschaft gut, Gestaltungsmöglichkeiten zu haben »wie sonst nur in freien Unternehmen«. Diese hätten im Lauf der Zeit an der Hochschule zugenommen: »Mehr Vielfalt, aber auch mehr Belastung.« Lechner bedauert, dass die Lehre jetzt zu kurz kommt in seinem Alltag. Er hat sich seine Forschungsideen aufgespart für die Zeit danach. Regier hält derzeit keine Vorlesungen. Dennoch sind sich beide einig: Dekanat als reines Management, ohne Verwurzelung in der Lehre, sei nicht erstrebenswert. »Wer nach der Amtszeit in die Reihe zurücktritt, muss darauf achten, dass er als Dekan kein Porzellan zerschlägt«, erklärt Regier den Vorteil der bestehenden Regelung. Renate Winkler-Schlang

Auch Prof. Dr. Hans Jürgen Regier, Dekan bei den Betriebswirten, nutzt keinen »Dienst-Buggy«. Er komme mit dem Fahrrad zum Campus und pflege auch sonst »keinerlei Allüren«, versichert der Mann im blaugrauen Anzug glaubhaft.

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PROF. DR. MARION SCHICK STAATSMINISTERIN A. D. EHEMALIGE PRÄSIDENTIN DER HOCHSCHULE MÜNCHEN Chapeau! 40 Jahre Hochschule München, das sind 40 Jahre Erfolgsgeschichte. Dank Ideenreichtum, hoher Innovationsbereitschaft und dem Mut neue Wege zu beschreiten, genießt die »HM« weit über Bayerns Grenzen hinaus eine hervorragende Reputation. Und damit das so bleibt, wünsche ich den Studierenden sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Hochschule zu ihrem Jubiläum auch weiterhin Mut, sich stetig zu verändern.

PROF. GERHARD RÖHRL EHEMALIGER PRÄSIDENT DER HOCHSCHULE MÜNCHEN Fast vierzig Jahre hat es gedauert, bis im Gefolge der Bologna Reform die Studienabschlüsse von Fachhochschulen auch formal Universitätsabschlüssen voll gleichgestellt sind. Damit können die Fachhochschulen nun auf Augenhöhe mit Universitäten um die besten Studienanfänger konkurrieren. Die Hochschule München hat mit ihren zahlreichen, praxisorientierten Master- und Bachelorstudiengängen hierfür eine hervorragende Ausgangsposition. Ich wünsche ihr großen Erfolg in diesem Wettbewerb!

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DR. REINHARD WIECZOREK VORSITZENDER DES HOCHSCHULRATS Der Hochschulrat, selbst viel jünger als unsere Hochschule, gratuliert herzlich zum 40. Geburtstag! Ohne Herkunft keine Zukunft: Daher aus Anlass dieses Festtages ein weitgehend zufriedener Blick zurück auf Erreichtes und Geleistetes, verbunden mit dem Dank an Lehrende, Lernende und Wissenschaftsmanagement, Freistaat, Freundinnen und Förderer unserer Hochschule. Aber auch der zuversichtliche Blick nach vorn auf notwendige Weiterentwicklung und kontinuierliche Verbesserung, verbunden mit der Bereitschaft zum ständigen Wandel. Denn wie sagt doch Tancredi so schön in Lampedusas Der Leopard: »Wenn wir wollen, dass alles bleibt, wie es ist, muss sich alles ändern!«

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EIN »NORMALER« TAG IM LEBEN VON…

Morgens um halb sieben zieht Prof. Dr. Michael Kortstock in Kaufering die Haustür hinter sich ins Schloss und eilt

Auf dem Weg zu seinem Büro trifft

zum Bahnhof. Er ist seit halb sechs auf

er auf den Dekan der Fakultät für

den Beinen – eine unwirtliche Uhrzeit?

Versorgungs- und Gebäudetechnik,

Nach kurzer Rücksprache mit seiner

Nicht für den Frühaufsteher Kortstock!

Verfahrenstechnik Papier und Verpa-

Sekretärin Monika Wildenhain sichtet

Am Münchner Hauptbahnhof schwingt

ckung, Druck- und Medientechnik,

Kortstock den Pressespiegel, überfliegt

er sich auf sein Rad: »Wenn es nicht ge-

Prof. Dr. Heinz Ziegler. Sie tauschen

seine E-Mails und widmet sich dem

rade schneit, nutze ich die kurze Strecke

sich zum aktuellen Stand eines Beru-

Stapel Mappen, der sich seit Anfang

für ein wenig Bewegung!«

fungsverfahrens an der Fakultät aus.

der Woche gefährlich hoch auftürmt.

6.30

40

7.50

8.00 – 9.00

…PRÄSIDENT PROF. DR. MICHAEL KORTSTOCK Chauffeur? Goldener Füllfederhalter? Von wegen! Präsident Prof. Dr. Michael Kortstock kommt mit dem Zug zur Arbeit und wenn er morgens durch den Flur läuft, begrüßt er die entgegenkommenden Kolleginnen und Kollegen mit Handschlag.

Präsidiumssitzung mit vollständiger Besetzung – das ist nicht immer so, aufgrund der prall gefüllten Terminkalender. Neben Präsident Michael Kortstock und den VizepräsidentInnen

Die Sitzung fällt ein wenig kürzer aus,

Viel Zeit bleibt ihm nicht. Pressespre-

Gabriele Vierzigmann, Christiane Fritze

denn Kortstock möchte noch beim Girls’

cherin Christina Kaufmann ist auf der

und Christoph Seeßelberg sitzt Prof. Dr.

Day vorbeischauen. Er macht einen Ab-

Suche nach ihm, weil eine Tageszei-

Klaus Sailer vom An-Institut SCE mit

stecher ins Labor für Robotik und schaut

tung »ganz dringend« eine Einschät-

am Tisch. Es geht um einen gemein-

den vielleicht zukünftigen Studentinnen

zung des Präsidenten zum doppelten

samen Forschungsantrag.

der Hochschule über die Schulter.

Abiturjahrgang 2011 braucht.

9.00 – 11.30

11.30 – 11.45

11.45 – 12.00

41

EIN »NORMALER« TAG IM LEBEN VON…

2008 trat er das höchste Amt an der Hochschule München an. Seinen Job als Präsident der größten bayerischen Hochschule für angewandte Wissenschaften macht er sehr gern – auch, wenn es manchmal ziemlich stressig ist…

30 Minuten hat Kortstock noch, bevor das nächste Meeting anfängt. Er nutzt

Beim Jour Fixe treffen sich Hochschul-

Das Präsidium kommt zum gemeinsa-

die Gelegenheit, um E-Mails zu lesen.

entwicklung, Hochschulkommunika-

men Mittagessen in der Mensa wie-

Durchschnittlich 30 Stück bekommt er

tion und die Referentin des Präsiden-

der zusammen. Das Gesprächsthema

am Tag. »Aber die meisten E-Mails lau-

ten. Sie tauschen sich regelmäßig zu

ist diesmal privat: Man redet über

fen im Sekretariat ein. Die Leute haben

typischen Schnittstellenthemen aus

die Urlaubspläne für den Sommer –

wohl aufgegeben mir zu schreiben,

und informieren einander über stra-

Kortstock und seine Frau werden nach

weil ich nicht schnell genug antworte«,

tegische, hochschulpolitisch relevante

Botswana fliegen.

erklärt er mit einem Augenzwinkern.

Entscheidungen.

12.00 – 12.30

42

12.30 – 13.00

13.00 – 14.00

…PRÄSIDENT PROF. DR. MICHAEL KORTSTOCK

In einem Workshop können sich neue MitarbeiterInnen der Hochschule und die Präsidiumsmitglieder persönlich kennen lernen. »Im Alltag ergibt sich dazu selten die Gelegenheit«, bedauert Kortstock, »deswegen finde ich solche Treffen besonders wichtig. Nicht nur für die Mitarbeiter, sondern auch für Fliegender Wechsel im Büro A108:

mich persönlich, weil es mir neue Pers-

Der Dekan der Fakultät für Informa-

Mit der Trambahn macht sich Kort-

pektiven auf Probleme und Bedürfnisse

tik, Prof. Dr. Jochen Hertle, hat drei

stock auf den Weg ins Bayerische

eröffnet.«

Anliegen – und nur eine halbe Stunde

Staatsministerium für Wissenschaft,

18.45: Feierabend! Kortstock steigt auf

Zeit. Sie wird aber reichen. »Die

Forschung und Kunst. Eine halbe

das Rad, um zum Bahnhof zu fahren.

Vizepräsidenten und ich sind hier ein

Stunde dauert das Gespräch mit dem

Im Zug widmet er sich dem Lokalteil

eingespieltes Team. Da jede Fakultät

Ltd. MR Johann Zwirglmaier, in dem

seiner Heimatzeitung: »Damit kann ich

einen Präsidiums-Paten hat, kommt –

es um Personalfragen im Rahmen der

besonders schnell abschalten und mich

hoffentlich – keine zu kurz.«

Ausbauplanung geht.

wieder auf Kaufering einstimmen.«

14.00 – 14.30

14.30 – 17.00

17.00 – 18.30

Alexa Vorgang

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VON DER KATALOGKARTE… Einblicke in die Bibliothek der Hochschule. Über das Vorurteil vom langweiligen und ruhigen Job kann Bianca Lindner nur lachen. »Hier ist immer was los«, sagt die Bibliothekarin und wie zur Bestätigung klingelt das Telefon. Ein Wasserschaden, natürlich am Buch.

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Bianca Lindner leitet die Bibliothek am Campus Karlstraße. Dass auf ihrem Schreibtisch ein PC steht, ist selbstverständlich. Der Rechner wird nur noch dann zum Thema, wenn man sich mit der Bibliothekarin über ihre ersten Jahre an der Hochschule unterhält. Denn als sie 1979 dort anfing, arbeiteten sie und ihre KollegInnen noch ganz »analog«. Sie schrieben Karteikarten, pflegten Zettelkästen und verliehen Bücher auf Leihschein. Erst ein gutes Jahrzehnt später brach in der Bibliothek das Zeitalter der EDV an und brachte jedem Buch seinen Barcode für die elektronische Verbuchung. Pünktlich zum Vierzigjährigen der Hochschule verabschiedet sich der Barcode nun selbst in den Ruhestand. Er soll noch in diesem Jahr durch RFID-Etiketten ersetzt werden, die die Ausleihe schneller und einfacher machen.

Im Magazin öffnet Bianca Lindner einen schweren Schrank. Die Schätze, die hier sicher aufbewahrt werden, würde wohl niemand in der Bibliothek einer vergleichsweise jungen Hochschule suchen. »Unser ältestes Buch in der Karlstraße ist über 400 Jahre alt«, sagt sie und greift nach einem braunen Lederband: Sebastiano Serlio, Von der Architectur fünff Bücher: darinn die gantze lobliche vnd zierliche Bawkunst, sampt den Grundlegungen vnd Auffzügen manigerley Gebäuwen, vollkomlich auß den Fundamenten gelehrt, und mit fielfeltigen Exemplen und Kunststucken, Antiquen und Neuwen, gantz deutlich erklert wirdt. Erschienen 1609 in Basel. Das Buch stammt aus dem Besitz der 1822 gegründeten Staatsbauschule München. Sie war eine der Vorgängerinstitutionen, die 1971 zur FH München vereinigt wurden.

In »manigerley Gebäuwen« waren auch die Bibliotheken der Hochschule zu Hause. Die Zentrale war am Anfang im Altbau in der Lothstraße 34 untergebracht, in Aubing und Bogenhausen gab es Zweigstellen, die später im neu gegründeten Campus Pasing aufgingen. Die Bibliothek in der Karlstraße befindet sich als einzige noch in den gleichen Räumen wie damals. 2005 wurde sie allerdings um die angrenzenden Büroräume erweitert. »Durch die Erweiterung sind viel mehr Arbeitsplätze für die Studentinnen und Studenten entstanden«, betont Bianca Lindner. »Und für die sind wir ja schließlich da.«

…ZUR RADIOFREQUENZ KONTROLLE

Marius Kneip

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INHALT 5 Rundgang Darf ich vorstellen…

27 Alumni Treffen sich zwei Ingenieure…

12 Lehre »Moodle ist keine Zeitmaschine«

30 Gender Meine Herren, meine Dame…

14 Porträt Ein »normaler« Tag im Leben von Studentin Sabrina Stengel

34 Studienberatung Vom »Einmannbetrieb« zur anspruchsvollen »Allround-Beratung«

18 Forschung Abends um halb elf brennt noch Licht im Labor

36 Fakultätsleitung »Es ist kein Opferamt« – Dekane sind für (fast) alles zuständig

22 Interview Auf einen Plausch mit Uwe Brockhausen, Kanzler a. D.

40 Porträt Ein »normaler« Tag im Leben von Präsident Prof. Dr. Michael Kortstock 44 Bibliothek Von der Katalogkarte zur Radiofrequenzkontrolle

24 Abteilung Studium Früher war alles anders

Inhalte: Stand Mai 2011

Wir danken allen Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern, die mit ihren Kenntnissen, Geschichten und Anekdoten nicht nur die Hochschule München prägen, sondern ohne deren Mitwirkung diese Publikation nicht möglich gewesen wäre.

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Herausgeber Prof. Dr. Michael Kortstock Präsident der Hochschule München (V.i.S.d.P.) Redaktion Hochschulkommunikation, Christina Kaufmann (verantwortl.), Simon Kirner, Alexa Vorgang T 089 1265-1367 Fax 089 1265-1960 [email protected] Gestaltung Monika Moser Druck Druckerei Joh. Walch Bilder Hochschule München; Sabine Decker, Simon Kirner, Alexa Vorgang

Hochschule München Lothstraße 34, 80335 München www.hm.edu

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