50 Jahre Eilenriedebeirat - Kleefeld

50 Jahre Eilenriedebeirat - Kleefeld

Joachim Wolschke-Bulmahn und Hansjörg Küster Die Eilenriede Hannov ers Stadtw ald und der Eilenriedebeir at Hannovers Stadtwald Eilenriedebeirat In...

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Joachim Wolschke-Bulmahn und Hansjörg Küster

Die Eilenriede Hannov ers Stadtw ald und der Eilenriedebeir at Hannovers Stadtwald Eilenriedebeirat

Inhalt Grußworte Stephan Weil Herbert Schmalstieg

1

Vorwort Walter Meyer

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Hannovers Stadtwald und sein Eilenriedebeirat Joachim Wolschke-Bulmahn, Hansjörg Küster

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Die Eilenriede und ihre Geschichte

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Bürgerbeteiligung und die Eilenriede Anfänge im Kaiserreich, Festigung in der Weimarer Republik und Zerstörung im Nationalsozialismus

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1956 bis 2006 - 50 Jahre Eilenriedebeirat

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Erhaltung und Schutz der Eilenriede neue Herausforderung in den Zeiten des Klimawandels Heino Kamieth

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Anhang

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Liste der Mitglieder und Vorsitzenden des Eilenriedebeirats, 1957 bis 2006 Satzung über die Erhaltung der Eilenriede vom 15. Oktober 1956 Karte zum Zuständigkeitsbereich des Eilenriedebeirats

Mehr als 50 Jahre Eilenriedebeirat – ein kritischer Berater der Verwaltung mit vielfältiger gewordenen Aufgaben Bereits seit mehr als fünf Jahrzehnten hat die Stadt mit dem Eilenriedebeirat ein Gremium, das sich intensiv um die Erhaltung, die Pflege und möglichst eine Erweiterung des Stadtwaldes bemüht. Neben der Größe und der zentralen Lage der Eilenriede ist diese Institution die zweite bundesweite Besonderheit unseres Waldes mitten in einer Großstadt. Mit seiner engagierten Arbeit als kritischer Begleiter der Verwaltung hat es der Eilenriedebeirat nicht nur in hervorragender Weise geschafft, seinem eigentlichen Auftrag nachzukommen, den Wald zu schützen, sondern es ist auch seiner konstruktiven Mitarbeit zu danken, dass den Hannoveranerinnen und Hannoveranern ein breites Freizeitangebot zur Verfügung steht, das von Kinderspielplätzen über Laufstrecken und weiteren Fitnessangeboten bis zu Rodelund Skaterbahnen reicht. Auch Orte der Ruhe und Besinnung gehören zu den Erlebnismöglichkeiten. Das Naturerleben, das kennen lernen der Pflanzen, Tiere und Naturkreisläufe, ist dem Eilenriedebeirat seit Jahren ein wichtiges Anliegen, um die Menschen schon in jungen Jahren mit dem Wert des Waldes vertraut zu machen.

In dieser Hinsicht ist der Bau des Waldhochhauses in der Waldstation – ein hölzerner Turm, der bis in eine Höhe von über 32 Metern alle Bewohnerinnen und Bewohner eines Waldes über mehrere Etagen spielerisch erlebbar macht – ein Höhepunkt der letzten Jahre. Auch das war eine Anregung aus dem Beirat. Damit hat sich unsere Eilenriede zu einem wesentlichen weichen Standortfaktor entwickelt, der die Stadt über die Gemeindegrenzen hinaus für alle Altersgruppen attraktiv macht und so mit auch zur wirtschaftlichen Entwicklung Hannovers beiträgt. Darüber hinaus hat der Beirat schon vor Jahren viel Wert auf eine nachhaltige Waldbewirtschaftung gelegt, damit auch der Naturschutz nicht zu kurz kommt. Durch diese vielfältigen Nutzungsansprüche an den Stadtwald Hannover, die für einen stimmigen Gesamtplan ständig kritisch hinterfragt werden müssen, wird deutlich, dass die heutigen Aufgaben des Eilenriedebeirates weit über das „Schützen und Bewahren“ hinausgehen. Für diese engagierte und im Laufe der Jahre vielfältiger und anspruchsvoller gewordene Zusammenarbeit mit dem Rat und der Verwaltung gebührt dem Eilenriedebeirat auch im Namen der Hannoveranerinnen und Hannoveraner Dank.

Stephan Weil (Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Hannover)

1

50 Jahr e bür gerschaftliches Jahre bürgerschaftliches Engagement für die Eilenriede Ob es um die Belange der Eilenriede, des Hermann-Löns-Parks, des Tiergartens oder der Seelhorst geht – der Eilenriedebeirat hat sich immer dann zu Wort gemeldet, wenn es galt, Eingriffe zu vermeiden, den Erholungswert zu erhalten oder im Interesse der Hannoveranerinnen und Hannoveraner den Wald weiter auszudehnen. Der jetzt vorliegende Rückblick auf die nun 50-jährige Geschichte zeigt, wie wichtig die Einrichtung des Beirates war, der aus einer der ersten Protestbewegungen der Hannoveranerinnen und Hannoveraner nach dem Zweiten Weltkrieg hervorgegangen ist. Sie haben sich gegen die mit dem Bau des Messeschnellweges verbundenen Einschnitte in die Eilenriede gewehrt und gefordert, unseren Stadtwald unter Naturschutz zu stellen, um ihn in seiner Gesamtheit zu erhalten und einer Zerstückelung vorzubeugen. Damit die Proteste nicht ungehört verhallten, hatte der Rat der Landeshauptstadt am 11. Oktober 1956 die „Satzung über die Erhaltung der Eilenriede“ und damit die Bildung eines Eilenriedebeirats beschlossen.

2

In ihm soll sich der Wille der Einwohnerinnen und Einwohner über die Gestaltung und über den Schutz des Stadtwaldes manifestieren. Um die unabhängige Stellung des Beirates hervorzuheben, gehören ihm Hannoveranerinnen und Hannoveraner an, die sich um die Entwicklung der Stadt, um die Grün- und Erholungsflächen oder die Heimatpflege verdient gemacht haben. Ausdrücklich dürfen Ratsmitglieder sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Landeshauptstadt dem Eilenriedebeirat nicht angehören. Seitdem hat sich der Eilenriedebeirat in über 150 Sitzungen mit Detailkenntnis engagiert und vehement dafür eingesetzt, die Eilenriede in ihrem Bestand zu erhalten und sorgsam zu pflegen. Dass es dabei auch manchmal kontroverse Auffassungen mit Rat und Verwaltung gab und der Rat nicht immer in vollem Umfange dem Votum des Eilenriedebeirats gefolgt ist, schmälert die Verdienste des Gremiums in keiner Weise. Durch ihren fundierten Fach- und Sachverstand haben die Mitglieder des Beirates stets dazu beigetragen, dass die Eilenriede immer dann im Blickpunkt der Öffentlichkeit sowie von Rat und Verwaltung stand, wenn es galt, ihren Bestand zu erhalten und zu schützen. Für seine engagierte Arbeit gebührt dem Eilenriedebeirat auch im Namen der Hannoveranerinnen und Hannoveraner Dank. Wir alle profitieren davon, dass wir in diesem einzigartigen Stadtwald ein Stück Natur und damit Erholung und Entspannung mitten in der Stadt erleben können.

Dr. h.c. Herbert Schmalstieg (ehem. Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Hannover , zum 50-jährigen Jubiläum 2006)

Der Eilenriedebeir at Eilenriedebeirat at:: unabhängig und unv erzichtbar unverzichtbar 50 Jahr e nachhaltige und kritische Jahre Ber atung der Stadt Beratung „Um zu vermeiden, dass die für Hannover schicksalhaft gewordene Eilenriede von der sprunghaften Entwicklung der Stadt überrollt wird, hat sich der Rat selbst Zügel angelegt, indem er den Eilenriedebeirat ins Leben gerufen hat, der alle Fragen, Wünsche und Interessen der Bevölkerung hinsichtlich ihrer Eilenriede zu koordinieren und zu vertreten hat und der den Bestand der Eilenriede wahren soll“. Das führte der zu der Zeit zuständige Dezernent für den Beirat, Stadtkämmerer Dr. Siegfried Heinke, in der konstituierenden Sitzung dieses Gremiums im März 1957 zu den Aufgaben des Eilenriedebeirates aus. An dieser Aufgabenstellung, deren Grundlage die Satzung über die Erhaltung der Eilenriede vom 11. Oktober 1956 ist, hat sich bis heute nichts geändert. Der Eilenriedebeirat hat sich in den fünf Jahrzehnten seines Bestehens als unverzichtbares Gremium unabhängiger Bürger behauptet und den Rat der Stadt Hannover in allen Fragen, die den Bestand der Eilenriede betreffen, nachhaltig, kritisch und wirkungsvoll beraten. Die Palette der Themen ist dabei reichhaltig. Sie umfasst – ein Beispiel aus jüngster Zeit – sowohl Fragen der Zertifizierung des

Stadtwaldes als auch der Pflege der Waldränder und der Erweiterung der Eilenriede, die schon in der ersten Sitzung des Beirates vor 50 Jahren diskutiert wurde. Dazu gehört auch die Vermittlung von Wissen über die Bedeutung der Eilenriede als wichtiger Faktor in der Umweltqualität und als vielfältiges Erholungsgebiet im Zentrum der Großstadt Hannover. Die neu geschaffene „Waldstation Eilenriede“ als Nachfolgerin des durch Brandstiftung vernichteten „Vogelschutzgehölzes“ ist auch der tatkräftigen und ständig drängenden Begleitung des Eilenriedebeirates zu verdanken. Eine Attraktion in der Waldstation ist das auf einen früheren Vorschlag des Eilenriedebeirates zurückführende 36 Meter hohe „Wald-Hochhaus“ mit seinen fantasievoll ausgestatteten InformationsPlattformen. Als Vorsitzender des Beirates habe ich in den zehn Jahren meiner Amtszeit stets darauf gedrungen, dass die Grundsatzfragen des Stadtwaldes im Vordergrund der Beratungen des Eilenriedebeirates stehen: Qualität und Funktion dieses einzigartigen Naherholungsgebietes der Großstadt Hannover – ein Wald mitten in der Stadt! Um diese Aufgabe auch weiterhin erfolgreich zu erfüllen, bedarf er der besten Berater und Informanten aus allen wichtigen Fachgebieten der Verwaltung. Die Satzung gibt die Richtung vor: „Die Eilenriede ist in ihrem Bestande zu erhalten und sorgsam zu pflegen, ihre Erweiterung ist anzustreben. Der Lönspark, der Tiergarten und die Seelhorst gelten als Bestandteil der Eilenriede.“ Der Eilenriedebeirat wird in diesem Sinne weiterarbeiten.

Walter Meyer (Vorsitzender des Eilenriedebeirates der Landeshauptstadt Hannover)

3

Hannov ers Stadtw ald und Hannovers Stadtwald der Eilenriedebeir at Eilenriedebeirat Mit der nachfolgenden Darstellung soll die nunmehr fünf Jahrzehnte umfassende Tätigkeit des Eilenriedebeirates skizziert werden, dies vor dem Hintergrund einer weit älteren Tradition der kommunalen Pflege und Entwicklung der Eilenriede. Als Angehörigen der Leibniz Universität Hannover und als Wissenschaftlern, die sich seit langem mit Fragen der Geschichte von Garten- und Landschaftskultur befassen, gleichzeitig als Mitgliedern des Eilenriedebeirats ist es uns ein besonderes Anliegen, die Geschichte dieses Beirats anlässlich seines 50-jährigen Bestehens einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dem Eilenriedebeirat kommt unter den kommunalpolitischen Gremien, die sich in der Bundesrepublik Fragen der Freiraumpolitik und des Natur- und Umweltschutzes widmen, durchaus eine besondere Position zu. Mit der Eilenriede ist einer der größten Stadtwälder Europas Gegenstand seiner Tätigkeit. Die Landeshauptstadt Hannover hat sich durch eine besondere Satzung ausdrücklich dem Erhalt dieses Stadtwaldes verpflichtet und dazu vor 50 Jahren den Eilenriedebeirat als bürgerschaftliches unabhängiges Beratungsgremium ins Leben gerufen.

Hansjörg Küster (Institut für Geobotanik, Leibniz Universität Hannover, Naturhistorische Gesellschaft) Joachim Wolschke-Bulmahn (Institut für Landschaftsarchitektur, Leibniz-Universität Hannover)

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Die Eilenriede und ihre Geschichte Die Stadt Hannover wurde im Mittelalter auf einem trockenen Geländerücken gegründet, der zwischen zwei Feuchtgebieten lag: dem Tal von Leine und Ihme im Westen und der Niederung der Eilenriede im Osten. Diese Geländesituation hatte sich während des Eiszeitalters ausgebildet. Ursprünglich floss die Leine, aus dem Mittelgebirge kommend, direkt nach Norden zur Aller, und zwar durch das heutige Tal der Wietze. Auch die Senke der Eilenriede ist ein Überrest des ehemaligen Leinetals. Die Leine verließ später ihr altes Tal und brach nach Westen durch, in das tiefer gelegene Tal der Ihme. Wann dies geschah, weiß man leider nicht genau. Im Bereich des Leinedurchbruchs nach Westen entwickelte sich eine starke Strömung. Sie wurde seit dem Mittelalter für den Betrieb von Hannovers Mühlen genutzt. Das Gebiet im Osten der Stadt war sicher nie durchgehend ein Feuchtgebiet, sondern es gab dort trockenere und feuchtere Gegenden. Aber die Erle war ein charakteristischer Waldbaum: Nach diesem Baum wurde das Gebiet Eilenriede genannt.1 Erlen wachsen dort, wo es sehr feucht ist und Schwankungen des Wasserstandes gering sind. Das Terrain eines Erlenwaldes, das man auch Bruch oder Brook nennt, kann nicht besiedelt werden. Der Untergrund ist dafür einfach zu sumpfig. Bereits 1241 bekam die Stadt Hannover ein Mitbenutzungsrecht in den benachbarten Waldungen. „1371 schenkten die Herzöge Wenzeslaus und Albrecht von Sachsen die Eilenriede der Stadt Hannover, als Belohnung für die Unterstützung in einem Erbfolgekrieg“, bereits damals verbunden mit der

Auflage, „den Wald zu pflanzen, zu hegen und zu erweitern“.2 Die Eilenriede wurde niemals bebaut, sie blieb als Wald erhalten und wurde im Laufe der Jahrhunderte durch Aufforstungen im Bereich der südlichen Eilenriede vergrößert. Bis zur Zeit der Industrialisierung war Holz der weitaus wichtigste Energieträger. Man heizte mit Holz, man brauchte Holz zum Salzsieden, Schmelzen von Erz, zur Glasherstellung und für vielerlei anderes Gewerbe. Holz war überaus wichtiger Baustoff, und man nutzte Holz zur Herstellung zahlreicher Gegenstände des täglichen Bedarfs: zum Bau von Möbeln, Wagen oder Küchengerät. Das Mittelalter und die frühe Neuzeit, die mit der Industrialisierung zu Ende ging, waren die letzten Phasen einer Jahrtausende andauernden „Holzzeit“, in der die Menschen vor allem auf die Nutzung von Holz angewiesen waren, um überleben zu können. Es liegt auf der Hand, dass ein Stadtwald aus diesem Grund einen besonderen Wert für eine Stadt hatte. Aber man nutzte ihn auch noch auf andere Weise. Die Stadtbewohner trieben ihr Vieh in den Wald, damit es dort nach Futter suchte. Besonders wichtig war die Schweinemast: Eichen wurden freigestellt, damit sie möglichst viele Früchte ansetzten. Mit langen Stangen klopfte man an die Äste, damit die Eicheln herunterfielen, wenn man eine Herde Schweine unter die Bäume gebracht hatte. Nach der Eichelmast, in der die Tiere an Gewicht zunahmen, folgte bald das Schlachtfest, bei dem der Viehbestand auf das absolut notwendige Maß reduziert wurde. Zum Räuchern der Schinken und Würste brauchte man weiteres Holz, aber man hatte auf diese Weise für einige Wochen oder Monate Fleisch, eine wichtige Nahrungsquelle besonders im vornehmen städtischen Haushalt. 5

Bereits im hohen Mittelalter wurde den Hannoveranern klar, dass sie zwar einen großen Stadtwald besaßen, dass aber auch dessen Ressourcen begrenzt waren. Es wurde eindeutig bestimmt, wer wann und wie lange in der Eilenriede Holz machen oder sein Vieh eintreiben durfte. Mit Gräben, Wällen und Hecken wurden einzelne Parzellen des Waldes gegeneinander abgegrenzt, um Holzdiebe am Eindringen in den Wald zu hindern und dafür zu sorgen, dass das Vieh dem Hirten nicht durchgehen konnte. Dies ist wohl der eigentliche Grund dafür, warum man an vielen Stellen Landwehren in der Eilenriede anlegte - und nicht die Markierung von politischen Grenzen, die allerdings auch durch das Gelände verliefen. Man errichtete im 14. Jahrhundert einige Landwehrtürme, auf denen Wächter saßen, die den Wald vor Holzdieben hüteten; die Türme sind bis heute in mehr oder weniger veränderter Form erhalten geblieben: der Lister Turm, der Pferdeturm, der Kirchröder Turm und der Döhrener Turm.

Ein Teil der Feuchtgebiete wurde gerodet und zu Wiesengelände gemacht. Dabei konnte man den Nährstoffreichtum der Flächen nutzen.3 Im Gebiet der Eilenriede entstanden auf diese Weise beispielsweise die Breite Wiese und die Mardalwiese. So groß der Wald war und so sehr man darauf bedacht war, ihn zu erhalten und nach Möglichkeit zu vergrößern, so reichte sein Holz nicht für die wachsende Stadt aus. Am Leineufer bestand der Holzmarkt, auf dem Holz zum Kauf angeboten wurde, das zuvor auf der Leine nach Hannover geflößt worden war. Und quer durch die Eilenriede grub man den Schiffgraben, um Torf als zusätzlichen Brennstoff aus dem Altwarmbüchener Moor (nördlich des Stadtwaldes, an der Wietze gelegen) per Boot in die Stadt zu bringen. Zur Eilenriede gehört auch der ehemalige Bauernwald von einem der Nachbardörfer Hannovers: der heutige Tiergarten in Kirchrode. Viele Bäume dort weisen immer noch das Bild auf, das sie in den Zeiten der bäuerlichen Holznutzung bekamen. Es stehen dort hohe und ausladende Eichen, deren Holz man zum Bauen brauchte. Diese Eichen sollten zudem Mast geben für die Schweine, die man im Herbst in den Bauernwald trieb. Unter den Eichen stehen kleine Hainbuchen, die man vor allem zur Brennholzgewinnung nutzte. Hainbuchen kann man immer wieder schlagen; sie treiben immer wieder neu aus. Diese Eigenschaft haben auch die Eschen, die entlang der Gräben stehen: Ihre belaubten Zweige schnitt man früher immer wieder ab, um sie zu trocknen und im Winter dem Vieh als Futter vorzuwerfen.

Der Charakter der Eilenriede wandelte sich auch auf andere Weise. Der Grundwasserstand des Gebietes sank immer weiter ab. Dies könnte mit dem immer stärker wachsenden Bedarf der Stadt an Wasser in Zusammenhang zu bringen sein oder mit der Anlage von Gräben, die zum Teil schon seit Jahrhunderten das Gelände dränierten. Andere wasserbauliche Eingriffe hatten zum Ziel, das Wasser effizienter zu den Mühlen im Westen der Stadt zu leiten oder Hochwasser in den niedrig gelegenen Bereichen der Calenberger Neustadt zu verhindern. Stets wurde dadurch Wasser aus dem Gebiet der Eilenriede abgezogen. In jüngerer Zeit wirkten sich unter anderem der Bau der U-Bahntunnel sowie andere Bauprojekte auf den Grundwasserspiegel aus. Aber es muss auch daran gedacht werden, dass der natürliche Trocknungsprozess des Geländes, der mit der Verlagerung der Leine nach Westen zusammenhängt, noch nicht abgeschlossen ist.

Zum herrschaftlichen Tiergarten wurde das Gelände im 17. Jahrhundert; die alte Struktur des Bauernwaldes erhielt man aber an vielen Stellen. Das mittelalterliche Waldbild blieb in der Eilenriede nicht erhalten. Die forstliche Pflege war dort stets intensiver, und es wurde auch nicht von landesherrlicher Seite darauf geachtet, dass der halboffene Charakter des mittelalterlichen Bauernwaldes erhalten blieb; dieser Charakter, den man im Tiergarten sehen kann, eignet sich für die Jagd besonders gut, schließlich auch deswegen, weil das dort ausgesetzte Damwild auf den ausgedehnten Lichtungen weidet.

Jedenfalls lässt sich heute feststellen, dass nasse Erlenwälder nur noch an wenigen Stellen zu finden sind. Auch feuchte Stieleichenwälder werden seltener; immer stärker setzt sich die Rotbuche durch, die nur dort wachsen kann, wo während der überwiegenden Zeit des Jahres der Boden so trokken ist, dass Luft an die Wurzeln des Baumes gelangen kann. Von den Landwehrtürmen ging die moderne Nutzung der Eilenriede aus. Heute ist sie nicht mehr nur ein Wirtschaftswald, sondern in erster Linie ein Erholungsgebiet. Die Turmwärter durften früher einen Ausschank unterhalten, um ihr kärgliches Einkommen aufzubessern. Im Lauf der Zeit entstanden an einigen Türmen Wirtshäuser. Sie wurden besonders beliebte Wanderziele der Erholung suchenden Stadtbewohner. 7

Die Bedeutung der Eilenriede für die Erholungsnutzung der hannoveraner Bevölkerung wurde recht früh erkannt. Bereits um 1790 entstand ein Gutachten „Promenaden in der Eilenriede“, um 1900 folgte die Umwandlung der Vorderen Eilenriede in einen Waldpark. Bei der engen Bindung der Hannoveraner an „ihren“ Wald ist es geblieben. Die Eilenriede ist mit ca. 650 Hektar nicht nur einer der größten Stadtwälder Europas, sie ist auch einer der bekanntesten derartigen Wälder. Sie wurde nicht - wie in Berlin - in Gänze zum herrschaftlichen Tiergarten umgestaltet und später teilweise bebaut. Sie wurde auch nicht – wie ehemals von lokkeren Wäldern bestandene städtische Viehweiden in München oder Bremen - zum Park umgestaltet. Dazu nutzte man in Hannover andere Flächen, vor allem im Überflutungsgebiet der Leine, die man ebenfalls nicht bebauen konnte. Darin zeigt sich eine Einmaligkeit von Hannover: Keine andere Stadt liegt so wie Hannover zwischen zwei Gebieten, die man ehedem als Feuchtgebiete nicht bebauen konnte. Auch im Verlauf der Industrialisierung im 19. Jahrhundert rodete man die Eilenriede nicht, um Wohnsiedlungen anzulegen. Damals war das Gelände noch zu feucht. Neue Wohngebiete entstanden unter anderem jenseits der Eilenriede - vom Stadtzentrum aus gesehen, aber auch westlich der Stadt, um den Kern der Industrieanlagen herum, die zunächst vor allem in Linden, aber nicht in Hannover selbst entstanden. Linden wurde erst 1920 mit Hannover vereint, und es ist gut möglich, dass auch deswegen kein großes Interesse bestand, für die Lindener Arbeiter Wohngebiete im Osten Hannovers zu erschließen.

8

Allerdings stand die Eilenriede mancherorts der Entwicklung einer modernen Stadt doch im Wege. Es mussten Verkehrswege angelegt werden, die den Stadtwald zerteilten: die Eisenbahnlinie in Richtung Lehrte und Berlin, die Güterumgehungsbahn. Immerhin legte der Hannoversche König größten Wert darauf, dass die Verkehrstrassen bereits gebündelt in die Stadt hinein führten, damit nicht zu viel Fläche für sie verbraucht wurde. Daher wurden mehrere Bahnlinien in der Peripherie Hannovers zusammengeführt, unter anderem in Lehrte. Auch Straßen wurden gebaut, Straßenbahnlinien wurden durch die Eilenriede gelegt, um die Stadtbezirke im Osten anzubinden. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand ein Netz von Stadtautobahnen, unter anderem um die Verkehrsströme zur bedeutenden Messe zu kanalisieren. Der Bau des Messeschnellweges allerdings brachte die Bewohner Hannovers auf die Barrikaden: Denn dafür musste eine breite Schneise in die Eilenriede, in den Wald der Hannoveraner, geschlagen werden. Der Bau dieser Schnellstraße konnte nicht verhindert werden, aber fortan war man sensibilisiert: Man musste Schaden von der Eilenriede abwenden. Aus diesem Grund wurde der Eilenriedebeirat ins Leben gerufen, ein vom Rat gewähltes Gremium unabhängiger Bürgerinnen und Bürger, das sich für die Bewahrung dieses einmaligen Stadtwaldes einsetzen.

Bürgerbeteiligung und die Eilenriede – Anfänge im Kaiserreich, Festigung in der Weimarer Republik und Zerstörung im Nationalsozialismus Hannover verfügt über eine lange Tradition demokratischer Mitwirkungsformen bei der Konzeptionierung und Umsetzung kommunaler Freiraumpolitik. Bereits mit der Gründung der kommunalen Gartenverwaltung im Jahr 1890 wurde die diesbezügliche Mitwirkung unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen der Bevölkerung erstmals institutionalisiert, wenn auch noch unter den autoritären Rahmenbedingungen des Kaiserreichs.4 Der Ausschuss für die städtischen Anlagen der königlichen Haupt Haupt-und Residenzstadt Hannov er stand mit Hannover am Beginn dieser Entwicklung. Julius Trip, der erste Leiter der im selben Jahr gegründeten hannoverschen Gartenverwaltung, war ihm unterstellt. Später wurden u. a. eine Spielplatz-Kommission, eine Eisbahn-, eine Jugendpflege-Kommission und eine Kommission für die städtischen Badeanstalten eingerichtet, in denen ebenfalls spezifische Fragen der kommunalen Grünflächenpolitik behandelt wurden.5

Bei der Entwicklung entsprechender Formen der Bürgerbeteiligung in Hannover kam der Eilenriede eine besondere Bedeutung zu. So wurde nur zwei Jahre nach Gründung der Gartendirektion im Februar ommissio n zur Pr üfung der 1892 eine Ko mmission Prüfung o r der en TTeils eils der Umgestaltung des vvo deren Eilenriede eingesetzt und auf Grund eines von ihr erarbeiteten Berichts im Januar 1894 beschlossen, „1) den Teil zwischen Neuem Hause, List und Zoologischen Garten, 2) den Teil zwischen Döhrener Turm und der Casseler Bahnstrecke aus der Verwaltung des Stadtforstamtes heraus zu nehmen und einem Ausschusse zu übertragen, welcher unter Zuziehung des damaligen Stadtgartendirektors Trip die Neugestaltung zu einem Waldparke bewerkstelligen sollte“.6 Diese Kommission, die bis 1913 existierte, kann nur eingeschränkt als ein Vorläufer des Eilenriedebeirats angesehen werden. Ihr war u. a. die Aufgabe übertragen, „die Vorschläge der Gartendirektion für die alljährlichen Abholzungen in der Vorderen Eilenriede zu begutachten und diejenigen Bäume zu bestimmen, die entfernt werden durften“.7 Die Mitglieder dieser Kommission müssen sich, darin durchaus manchen Mitgliedern des heutigen Eilenriedebeirats ähnlich, sehr engagiert für den Schutz einzelner Bäume eingesetzt haben. In einem Verwaltungsbericht aus dem Jahr 1908, zu Zeiten Heinrich Zeiningers als Nachfolger des 1907 verstorbenen städtischen Gartendirektors Julius Trip, wird ausdrücklich auf den anfänglich zähen Widerstand zahlreicher hannoveraner Bürgerinnen und Bürger gegen die Umgestaltung der Vorderen Eilenriede hingewiesen.8

9

Dieses Engagement scheint so weit gegangen zu sein, dass Hermann Kube, von 1913 bis 1934 Gartendirektor in Hannover, die Eilenriede-Kommission als eher hinderlich bezeichnete, da ihre übertriebenen Baumschutzbemühungen einer sinnvollen Waldbewirtschaftung entgegenstünden.9 In dieser Phase spiegelten sich auch in der Eilenriede noch deutlich die autoritären Strukturen des Kaiserreichs wider. Das zeigen beispielhaft zwei historische Hinweistafeln. Der Entwurf des Städtischen Hochbauamtes aus dem Jahr 1915 für eine Verbotstafel in der Eilenriede lässt erkennen, für wie wichtig von der Verwaltung seinerzeit das Demonstrieren von Autorität angesehen wurde. Ein über einer Sitzlaube in der Eilenriede angebrachtes Schild „Kinderwärterinnen ist die Benutzung dieser Bank streng verboten“ verweist darauf, dass nicht für alle Hannoveranerinnen und Hannoveraner die gleichen bürgerlichen Rechte galten. Der preußische Dreiständestaat war auch in der Eilenriede präsent.

In der Zeit der Weimarer Republik erhielt die bürgerschaftliche Teilhabe an der Diskussion um kommunale Grünflächenpolitik in Hannover dann eine größere Bedeutung. U. a. durch die Abschaffung des Dreiklassenwahlrechts wurden erstmals echte demokratische Mitwirkungsmöglichkeiten geschaffen.10 Den bereits existierenden freiraumrelevanten Kommissionen und Ausschüssen in Hannover wurde z. B. 1919 durch die städtischen Kollegien ein Ausschuss zur Förderung des Kleingartenbaues hinzugefügt, der in der Folgezeit sehr wirkungsvoll tätig war. Fragen zum Erhalt und zur Entwicklung der mmissio n für Eilenriede wurden in der Ko Kommissio mmission das Garten- und Friedhofswesen behandelt. Von 1889 bis 1928 war eine Forstkommission, bestehend aus MagistratsMitgliedern und dem Stadt-Oberförster, tätig.

10

Doch wurde im Jahr 1927 der Kommission für das Garten- und Friedhofswesen die Vorbereitung der Beschlüsse über die städtischen Forsten übertragen: Sie erhielt aus diesem Anlass den Zusatz „und Forstwesen“.11 Pflegemaßnahmen in der Eilenriede und den anderen Forsten stießen auch damals anscheinend regelmäßig auf Kritik der Bevölkerung. Entsprechende Erfahrungen veranlassten 1925 die Kommission für das Garten- und Friedhofswesen anlässlich notwendig gewordener Pflegemaßnahmen im Bereich der Vorderen Eilenriede, die Öffentlichkeit systematisch zu informieren, um das bestehende Misstrauen gegen die Verwaltung abzubauen und Verständnis für deren Arbeit zu wecken. So sollte laut Protokoll einer Kommissionssitzung vom 10. Dezember 1925 „zunächst die Öffentlichkeit über die notwendigen Maßnahmen aufgeklärt werden. Hierfür soll das städtische Presseamt in Zusammenarbeit mit Stadtgartendirektor Kube und anderen Sachverständigen durch Zeitungsaufsätze und Pressekonferenzen sorgen“.12 Im Dezember 1928 forderte „die Fraktion Ordnungsblock des Bürgervorsteher-Kollegs“ vom Magistrat Rechenschaft wegen der starken Abholzungen in dem Bereich der Eilenriede neben der Hohenzollernstraße. Im März 1930 beschwerte sich „der Heimatbund Niedersachsen über die Fortnahme einiger alter Erlen an den Gräben dieser Gegend, die er als ´Naturdenkmäler von heimatgeschichtlicher Bedeutung´ erhalten wissen wollte“. 13

Entsprechender Kritik versuchte die Gartenverwaltung seinerzeit, mit einer guten Öffentlichkeitsarbeit zu begegnen. Davon zeugt z. B. auch eine großformatige Hinweistafel „Der umgestaltete EilenriedeStadtwald“.

11

In der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur wurden Mitwirkungsmöglichkeiten der Bevölkerung auch bei Fragen der Grünflächenpolitik brutal beendet. Dies betraf unter anderem die bürgerschaftliche Diskussion um die Eilenriede in Hannover. 1938 wurde, wie es in einer Publikation „Die Eilenriede“ verharmlosend hieß, „die Verwaltung wesentlich vereinfacht“. Auf Grund einer Verfügung Hermann Görings als Preußischem Ministerpräsidenten im November 1934 „wurde ein Stadtforstmeister angestellt, dem als Forstfachmann die Leitung der Eilenriede untersteht. Er ist für den Forstfachbetrieb voll verantwortlich, die frühere Mitwirkung von Laien ist abgeschafft“.14 Die Kriegspolitik der Nationalsozialisten hatte auch Auswirkungen auf Stadtwälder wie die Eilenriede. Deren Bewirtschaftung hatte nun nach den Anweisungen des Reichsforstmeisters zu erfolgen, so nach einer Verordnung zur verstärkten Deckung des Rohbedarfs an Holz vom 7. Dezember 1936 oder gemäß den vorläufigen Richtlinien vom 30. März 1938, die das Ziel verfolgten, „die möglichst weitgehende nachhaltige Versorgung der nationalen Wirtschaft mit Holz sicher zu stellen. Der vom Stadtforstmeister aufzustellende Wirtschaftsplan bedarf daher nach Billigung durch den Oberbürgermeister der Genehmigung der staatlichen oberen Forstbehörde“. 15 Die Autoren betonen in ihrer Publikation „Die Eilenriede“ 1938, dass nun nicht mehr die wechselnden Bedürfnisse der Stadt und der Bürger maßgebend seien, „sondern die nationalen Wirtschaftsbedürfnisse, in deren großen Kreis nun auch die Eilenriede eingereiht ist“.

12

1956 bis 2006 – 50 Jahre Eilenriedebeirat Der Zerschlagung bürgerschaftlicher Teilhabemöglichkeiten durch die Nationalsozialisten folgte nach der Befreiung vom Nationalsozialismus innerhalb weniger Jahre ein Wiederanknüpfen an demokratische Traditionen, wie sie bis 1933 etabliert worden waren. Auf dem Gebiet der hannoverschen Grünflächenpolitik ist in diesem Zuünsammenhang die Neubildung eines Gr Grünflächenausschusses erwähnenswert, der am 14. Januar 1949 zu seiner ersten Sitzung zusammentrat.16 Wilhelm Rademacher, seit den 1920er Jahren Mitarbeiter des Gartenamtes und von 1959 bis 1964 dessen Leiter, gab auf dieser Sitzung den Ausschussmitgliedern einen Bericht über die Vordere Eilenriede, in dem er die Situation recht problematisch darstellte: „Die Disziplin des Publikums sei verheerend. Alles laufe quer durch den Wald. Der Kinderspielplatz an der Markuskirche sei noch stark beschädigt und schwer zu reparieren“. 17 Mit dem Jahr 1956 und der Gründung des Eilenriedebeirats wurde die bürgerschaftliche Mitwirkung bei Fragen der hannoverschen Grünflächenpolitik und des Naturschutzes in besonderer Weise erweitert. Auf seiner Sitzung am 10. Oktober 1956 beschloss der Rat der Landeshauptstadt Hannover eine Satzung über die Erhaltung der Eilenriede. Motiv war dabei, „die Eilenriede als historischen Stadtwald, als bedeutsamen Bestandteil der hannoverschen Stadtlandschaft und als größtes und wichtigstes Erholungsgebiet in seinen besonderen Schutz zu nehmen und der Einwohnerschaft zu erhalten“.18 Der Eilenriedebeirat ist ein Kernstück der Satzung. Er soll gewährleisten, dass die Zielsetzungen der Satzung auch erreicht werden.

Anlässlich der 150. Sitzung des Eilenriedebeirats am 13. Juni 2005 drückte der Oberbürgermeister Hannovers, Herbert Schmalstieg, die seinerzeitigen Motive für die Gründung folgendermaßen aus: „Ein kurzer Rückblick in die fast 50-jährige Geschichte zeigt, wie wichtig die Einrichtung des Beirats war, der aus einer der ersten Protestbewegungen der Hannoveranerinnen und Hannoveraner nach dem Zweiten Weltkrieg hervorgegangen ist. Sie haben sich gegen die mit dem Bau des Messeschnellweges verbundenen Einschnitte in die Eilenriede gewehrt und gefordert, unseren Stadtwald unter Naturschutz zu stellen, um ihn in seiner Gesamtheit zu erhalten und einer Zerstückelung vorzubeugen. Damit die Proteste nicht ungehört verhallten, hat der Rat der Stadt 1956 die Bildung des Eilenriedebeirats beschlossen. In ihm soll sich der Wille der Einwohnerinnen und Einwohner über die Gestaltung und über den Schutz des Stadtwaldes manifestieren“.19 Paragraph 1 der „Satzung über die Erhaltung der Eilenriede“ formulierte das Ziel der Erhaltung: „Die Eilenriede ist in ihrem Bestande zu erhalten und sorgsam zu pflegen; ihre Erweiterung ist anzustreben. Der Lönspark, der Tiergarten und die Seelhorst gelten als Bestandteile der Eilenriede“. 13

Paragraph 2 stellt Eingriffe in die Eilenriede unter die Hoheit des Rates: „Eingriffe in den Bestand der Eilenriede, die über eine normale forstwirtschaftliche Nutzung oder gestalterische Pflege hinausgehen, im besonderen die Errichtung oder Erweiterung von Bauten und von Anlagen für den motorisierten Verkehr sowie strukturelle Änderungen ihres Charakters bedürfen der Beschlußfassung der Ratsversammlung“. Die folgenden Paragraphen der Satzung regeln die Einsetzung, die Aufgaben und die Rechte des Eilenriedebeirats. So heißt es in Paragraph 3: „Zur Förderung dieser Ziele wird ein Beirat (Eilenriedebeirat) gebildet. Er hat die Aufgabe, den Rat in allen Fragen, die den Bestand der Eilenriede betreffen, zu beraten. Er ist berechtigt, jederzeit Vorschläge zu machen, die dem Zwecke dieser Satzung dienen“. Bei Eingriffen in die Eilenriede durch Bauten, Verkehrsanlagen u. a. m., so Paragraph 4, „ist der Eilenriedebeirat gutachtlich zu hören. Das Gutachten des Beirates ist zum Gegenstand der Beratung in der Ratssitzung zu machen... Der Eilenriedebeirat hat das Recht, sich jederzeit zu Maßnahmen zu äußern, die in irgendeiner Weise auf die Eilenriede einwirken oder die den Erholungswert der Eilenriede beeinträchtigen könnten“.

Die in Paragraph 5 geregelte Zusammensetzung des Beirats verlieh und verleiht diesem eine besondere Qualität hinsichtlich der bürgerschaftlichen Teilhabe. Er zielt nicht auf die politischen Parteien ab, sondern ermöglicht ausdrücklich die Mitwirkung der unterschiedlichen Organisationen und Interessengruppen, die sich in Aufgabenfeldern wie kommunale Grünpolitik, Natur- und Heimatschutz und Sozialpolitik engagieren. „Der Eilenriedebeirat besteht aus mindestens 10 und höchstens 20 Mitgliedern, die zum Rat wählbar sein müssen. Die Mitglieder werden vom Rat für die Dauer der Wahlperiode auf Vorschlag interessierter Fachverbände und Vereinigungen aus dem Kreise von Bürgern berufen, die sich um die gesunde Entwicklung der Stadt oder um die Grünflächen oder die Heimatpflege verdient gemacht haben. Mitglieder des Rates oder der Stadtverwaltung können nicht in den Eilenriedebeirat berufen werden“. Wichtig erscheint uns die in Paragraph 6 festgelegte Unabhängigkeit des Beirats - er hat „eine selbstständige und unabhängige Stellung“. Die Anfänge des Eilenriedebeirats20 spiegeln noch eine recht breite Vertretung unterschiedlicher gesellschaftlicher Interessengruppen in diesem Gremium wider, die weit über den Naturschutz im engen Sinne hinausgingen und Organisationen umfassten, die z. B. stark im sozialen und kulturellen Bereich aktiv waren. So waren in der Phase von 1969 bis 1972 folgende Verbände vertreten: Arbeiterwohlfahrt, Aufbaugemeinschaft Hannover, Bezirksverband der Kleingärtner, Deutsches Rotes Kreuz, Hannoverscher Verein für Naturkunde, Hannoverscher Vogelschutzverein, Hannoverscher Wander- und Gebirgsverein, Hausund Grundbesitzerverein, Heimatbund Niedersachsen, Historischer Verein für Niedersachsen, Kulturring Hannover, Naturhisto-

rische Gesellschaft, Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Verband der Bürgervereine, und Touristenverein „Die Naturfreunde“. In den folgenden Jahren verstärkte sich das Interesse der politischen Organisationen an der Tätigkeit des Eilenriedebeirats. Ab 1973 waren daher auch die CDU, die SPD sowie der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und die Deutsche Angestelltengewerkschaft (DAG) vertreten. Neu hinzu kamen ferner die Bürgerinitiative Umweltschutz, die Sozialistische Arbeiterjugend „Die Falken“ und die Sozialausschüsse der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft. In späteren Jahren folgten u.a. die FDP, die Grün-Alternative Bürgerliste und die Junge Union. Nach den Kommunalwahlen 199121 wirkte die Verwaltung auf eine stärkere Beteiligung von Verbänden mit direktem Bezug zum Naturschutz hin, die nach dem damaligen § 29 des Niedersächsischen Naturschutzgesetzes (inzwischen § 60) zu den anerkannten Vereinen und Verbänden gehörten, die Stellungnahmen zu Fachgutachten, den Naturschutz betreffend, abgeben durften. Neben diesen mit Mehrheit im Beirat vertretenen Vereinen sollten auch die im Rat vertretenen Fraktionen sachkundige Bürgerinnen und Bürger in den Beirat entsenden. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) war 1991 mit einem beratenden Mitglied im Beirat vertreten, seit 1992 ist er dies mit einem regulären Mitglied. Seit 1996 sind neben den im Rat vertretenen Parteien folgende Organisationen und Institutionen im Eilenriedebeirat beteiligt: BUND, Bürgerinitiative Umweltschutz, Hannoverscher Vogelschutzverein, Hannoverscher Wander- und Gebirgsverein, Heimatbund Niedersachsen, Jägerschaft Han-

nover-Stadt, Touristenverein „Die Naturfreunde“, Naturhistorische Gesellschaft, Naturschutzverband Niedersachsen, Schutzgemeinschaft Deutscher Wald sowie die Universität Hannover. Es ist also in den vergangenen zwei Jahrzehnten eine tendenzielle Verlagerung der Interessen von sozialen und politischen Organisationen hin zu stärker auf den Naturund Umweltschutz ausgerichteten Organisationen zu verzeichnen. Es sei dahin gestellt, ob dies gelegentlich zu recht einseitig fokussierten Diskussionen auf Fragen des Natur- und Umweltschutzes geführt hat, die der Bedeutung der Eilenriede für die Naherholung nicht immer gerecht wurden. Die herausragende Bedeutung der Eilenriede als Erholungsraum, als städtischer „Garten“ für die Erholungsnutzung wird anschaulich im Buch Hannover – Stadt der Gärten. Gärten einer Stadt dargestellt. „Die herausragende Rolle der Eilenriede ist auf die Einstellung der Hannoveraner zu Natur und Landschaft nicht ohne Einfluss geblieben. Sie lassen sich nicht mit kleinen Grüninseln und Verkehrsrandstreifen abspeisen, sondern für sie ist selbstverständlich, dass Erholungsbedürfnisse große Flächen erfordern und dass man sich diese auch leisten sollte. Eilenriede und Herrenhäuser Gärten stellen zwei gegensätzliche Pole des Umgangs mit der Natur dar, zwischen denen sich in Hannover ein außergewöhnlich weites und differenziertes Gartenbewusstsein entwickeln konnte“.22 15

Die Zuständigkeit des Eilenriedebeirats erstreckt sich auf die eigentliche Eilenriede, den Tiergarten, den Hermann-LönsPark und die Seelhorst sowie Randbereiche. Seine Aufgaben umfassen vor allem die Beratung des Rates und des Umweltausschusses bei Entscheidungen über Maßnahmen, die Eilenriede betreffend. In den 50 Jahren seines Bestehens hat er sich zur Wahrnehmung seiner Aufgaben ca. drei Mal pro Jahr getroffen – die 150. Sitzung fand am 13. Juni 2005 statt. Die Sitzungen waren und sind häufig mit Ortsbegehungen verbunden, auf denen besondere problematische Gebiete oder Bereiche, wo konkrete Maßnahmen vorgesehen sind, besichtigt werden. Zu den Sitzungen lädt der Oberbürgmeister in Abstimmung mit dem Vorsitzenden des Beirats ein. In den meisten Fällen werden die Sitzungen zusammen mit Mitgliedern der Verwaltung, so VertreterInnen des Fachbereichs Umwelt und Stadtgrün, und dem Umweltdezernenten, derzeit Erster Stadtrat Hans Mönninghoff, durchgeführt. Vorbereitet werden sie in Zusammenarbeit mit der Verwaltung durch den Beiratsvorsitzenden, u. a. durch eine Abstimmung über die zu diskutierenden Beschluss- und Informationsdrucksachen seitens der Verwaltung sowie Anfragen seitens des Beirates, die von der Verwaltung zu beantworten sind.

Zur Beziehung des Eilenriedebeirats zu den Ämtern stellt Kaspar Klaffke, der ehemalige langjährige Leiter des damaligen Grünflächenamtes (heute Fachbereich Umwelt und Stadtgrün) rückblickend fest: „Der Eilenriedebeirat hat immer darauf geachtet, dass er von der Verwaltung hochrangig betreut wurde. Solange ich bei der Stadt Leiter des Grünflächenamts war, hat sich immer der jeweils zuständige Dezernent persönlich um den Beirat gekümmert und war bei den Sitzungen anwesend (zunächst Hanns Adrian, später Hans Mönninghoff). Aber die Zusammenarbeit im Detail lief über die Ämter. Zuständig war das Forstamt, als dieses aufgelöst wurde, das Grünflächenamt (genauer: die Forstabteilung im Grünflächenamt). Dem Eilenriedebeirat war es allerdings immer wichtig, den Kontakt mit mir als Leiter des Grünflächenamtes zu halten. Mindestens einmal im Jahr wurde auf Wunsch des Eilenriedebeirats ein Tagesordnungspunkt gefunden, zu dem sinnvoll nur ich (oder mein Vertreter) vortragen konnte. Meistens ging es um den Hermann-Löns-Park, aber auch um den Zuständigkeitsbereich des Eilenriedebeirats berührende Wegeplanungen z. B. auf dem Kronsberg, im Bereich der Seelhorst, und im Zusammenhang mit der Peter-Hübotter-Brücke usw.. Vor meiner Zeit, als die Vordere Eilenriede noch vom Grünflächenamt betreut wurde, wird sie ein wichtiges Kontaktfeld gewesen sein.

Die Zusammenarbeit mit dem Eilenriedebeirat habe ich immer als konstruktiv empfunden. Er hat seine Beratungsrolle vor politischen Entscheidungen gut gespielt, selbstbewusst, aber nie anmaßend. In den 1990er Jahren entwickelten allerdings Fragen des Umweltschutzes und des Naturschutzes im Eilenriedebeirat eine hohe Dominanz. (In dieser Zeit war übrigens auch das Umweltamt ein wichtiger Ansprechpartner für den Beirat). Dadurch gerieten tendenziell die Funktionen der Eilenriede in den Hintergrund, die eigentlich im Vordergrund stehen sollten: Sie ist vor allem ein großartiges Erholungsgebiet vor der Haustür, naturnah für die Menschen in der Stadt“.1 Seit Anfang der 1960er Jahre war der Grünflächenausschuss auch für die Eilenriede zuständig. Die Zusammenarbeit zwischen Ausschuss und Beirat scheint durchweg konstruktiv gewesen zu sein. So traf sich der Grünflächenausschuss am 21. Oktober 1961 zu einer Waldbegehung in der Eilenriede, auf der er sich erstmals mit Fragen der Forstverwaltung befasste, nachdem ihm das Aufgabengebiet der Forsten vom Liegenschaftsausschuss übertragen wurde.23 Damit knüpfte Hannover an einen Zustand in seiner kommunalen Grünflächenpolitik an, der bereits 1927 einmal erreicht worden war, als der Kommission für das Garten- und Friedhofswesen die Vorbereitung der Beschlüsse über das Forstwesen in Hannover übertragen worden war. Die Bedeutung des Eilenriedebeirats wurde im Protokoll der Ausschusssitzung im Oktober hervorgehoben: „Es sei für den Ausschuss wertvoll, wenn er mit dem Beirat guten Kontakt halte und auch gemeinsame Sitzungen veranlasse, da über den Beirat die Meinungen der Bürger zu vorgesehenen Veränderungen der Eilenriede an die Ausschussmitglieder herangetragen würden“.24

Auf einer Sitzung des Grünflächenausschusses am 29. März 1965 wurden zwei Mitglieder zur Teilnahme an Sitzungen des Eilenriedebeirats benannt.25 Anscheinend wurde dies aus Sicht des Grünflächenausschusses bzw. der Stadtverwaltung seinerzeit als sinnvoll erachtet. Nachfolgend sollen die wichtigsten Theelder, derer sich der Beirat in den vermenfelder menf elder gangenen 50 Jahre angenommen hat, sowie die damit verbundenen Aktivitäten skizziert werden. Dies kann nur exemplarisch erfolgen. Allgemein waren es Fragen des Natur- und Umweltschutzes, das Engagement für die Schaffung neuer Einrichtungen für Naturschutz und Naherholung, die Beseitigung von störenden und beeinträchtigenden Nutzungen, der Pflegezustand der Eilenriede, Ersatzmaßnahmen für Eingriffe in die Eilenriede wie den Ausbau der Pferdeturmkreuzung u. a. m.. Im Rahmen der entsprechenden Aktivitäten wurden innerhalb des Beirats selbstverständlich gelegentlich auch konträre Positionen vertreten. Es ist aber weitgehend gelungen, Entscheidungen im Konsens herzustellen und mit den entsprechenden Empfehlungen und Forderungen, die Eilenriede betreffend, an die Verwaltung bzw. den Rat und, bis 1968, von 1968 bis 1972 den Bauausschuss, und ab 1972 den Ausschuss für Umwelt und Grünflächen der Stadt heranzutreten.

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Ein zentrales Anliegen in der Tätigkeit des Beirates war und ist der Naturschutz. Dabei hatte der Vogelschutz von Anfang an einen besonderen Stellenwert. Bereits auf der 2. Sitzung des Beirats, im September 1957, stellte die Verwaltung Planungen zur Anlage eines Vogelschutzgehölzes in der nördlichen Eilenriede östlich des Messe-Schnellwegs vor. Vorgesehen war dort unter anderem die Einrichtung eines vogelkundlichen Lehrpfads sowie ein Blockhaus. Der Beirat begrüßte diese Pläne ausdrücklich und regte an, auch ein Gewässer anzulegen, um vielen Vogelarten Lebensmöglichkeiten zu bieten. Im Mai 1959 fand die Einweihung des Vogelschutzgehölzes statt. Ursprünglich eingerichtet als Schutz- und Lehrgehege für die Jägerschaft, entwickelte es sich allmählich zu einer „gern besuchten Umweltbildungseinrichtung für naturinteressierte Menschen“.26 Der Beirat wirkte in der Folgezeit an verschiedenen Maßnahmen mit, die der Erweiterung des Gehölzes, der Verbesserung der Infrastruktur und damit der Möglichkeiten für die Öffentlichkeitsarbeit u. a. m. dienten. Nachdem im Sommer 2000 das Gebäude im Vogelschutzgehölz abgebrannt war, engagierte sich der Beirat bei der Diskussion um den Wiederaufbau des Gebäudes und die Weiterentwicklung des Geländes zu einer „Waldstation Eilenriede“ mit einem über den Vogelschutz hinausgehenden Informations- und Bildungsanliegen vor allem auch für Kinder. Diese Planungen konnten inzwischen realisiert werden.

Die Kritik zahlreicher HannoveranerInnen gegen den Bau des Messeschnellwegs und gegen die damit verbundenen Einschnitte in die Eilenriede und die damit einhergehende Forderung nach Naturschutz für die gesamte Eilenriede waren 1956 ausschlaggebend für die Stadt, den Eilenriedebeirat ins Leben zu rufen. Seitdem hat sich der Beirat durchgängig für Lärmschutzmaßnahmen , die Verringerung des Verkehrs und für Ausgleichsmaßnahmen beim Ausbau des Messeschnellwegs und anderer Straßen eingesetzt. Gerade die damit verbundenen Planungen erforderten immer wieder die Kompromissbereitschaft der Beiratsmitglieder. So stimmte der Beirat im Dezember 1958 einer Verbreiterung des Schnellwegs angesichts der Zunahme des Verkehrs nur ungern zu. „Die Kreuzung von Messeschnellweg und Bischofsholer Damm/Bemeroder Straße auf Höhe der Waldgaststätte Bischofshol“, so Katja Mareike Doering in ihrer Diplomarbeit, „stand in den 60er Jahren auf den Tagesordnungen des Eilenriedebeirates“. Der Beirat sah zunächst eine Untertunnelung als am zweckmäßigsten an, da so „der Bestand der Eilenriede weitestgehend erhalten werden könnte“.27 Der Beirat stimmte aber schließlich aus pragmatischen Gründen den Plänen der Stadt zu. Auch die geplante Verbreiterung des Schnellwegs durch den Bund im Zuge des Ausbaus der Bundesstraße 6 im Bereich der Seelhorst wurde Ende der 1960er Jahre im Beirat behandelt.

Bereits 1987 wurde von Polizei- und Ministerialkreisen ein Ausbau der Pferdeturmkreuzung an die Verwaltung herangetragen, dort zunächst allerdings mit Zurückhaltung aufgenommen. Wenig später allerdings wurden Ausbaupläne in unterschiedlichen Varianten, so ein Brückenbau für die Stadtbahn über die Pferdeturmkreuzung, ein Tunnelbau und eine Trogstrecke für den durchfließenden Verkehr, konkreter diskutiert. Der Eilenriedebeirat favorisierte in einer Stellungnahme 1989 die Variante, die eine Tieflage des Messeschnellweges und eine ebene Überführung der Stadtbahn vorsah. In den folgenden Jahren widmete sich der Beirat u. a. der Diskussion von Ausgleichsmaßnahmen. Ein möglichst weitreichender Lärmschutz bei solchen nicht zu verhindernden Ausbaumaßnahmen der Verkehrsinfrastruktur war durchgängig ein wichtiges Anliegen des Beirats. So forderte er 1995 im Zusammenhang mit dem Ausbau der Pferdeturmkreuzung die Verwaltung auf, ein Lärmschutzkonzept für die Ostseite des Messeschnellwegs vorzulegen. Verbesserungen für die Naherholungsnutzung und die Forderung nach einem „ausreichend dimensionierten, beispielhaft gestalteten und biologisch richtig aufgebauten Waldrand“28 waren weitere wichtige Anliegen in diesem Zusammenhang.

Verkehrsberuhigung und die Reduzierung des Autoverkehrs waren von Beginn an wichtige Anliegen des Eilenriedebeirats. Schon auf seiner ersten Sitzung im März 1957 äußerte er den Wunsch, die Entwicklung der Waldchaussee Forststraße zwischen Zoo und Steuerndieb in der nördlichen Eilenriede zu einer Durchgangsstraße zu verhindern. Wenig später stellte er den Antrag, die Straße zu sperren. Diese wurde dann, zunächst an Sonntagen im Sommerhalbjahr, auch gesperrt. Im Dezember 1959 schlug der Beirat vor, diese Sperrung auch auf den Winter auszudehnen, da auch dann der Bereich intensiv durch Spaziergänger genutzt werde. Die Diskussionen um eine Ausweitung der Sperre der Straße für den Autoverkehr wurde in den 1960er und 70er Jahren fortgeführt. Anfang der 1980er Jahre wurde im Beirat die Ausdehnung der Sperrzeiten für die W aldchaussee auf Waldchaussee Samstagvormittage behandelt; 1990 forderte er eine Sperre „von Freitagabend bis Montagmorgen, um den Erholungswert der Eilenriede am Wochenende zu steigern“.29 Zur Zeit wird die Waldchaussee an Samstagen von 15.00 bis 24.00 Uhr und an Sonnund Feiertagen von 0.00 bis 24.00 Uhr durch Schranken gesperrt, sicherlich auch ein Resultat der nachhaltigen Forderungen des Eilenriedebeirats.

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Von 1925 bis 1956 wurden im Dreieck Zoo, Lister Turm und Steuerndieb die sogenannten Eilenriede-Rennen durchgeführt. Diese Rennen, vor allem Motorradrennen, besaßen große Popularität. „Die untragbare Enge der gefährlichen Streckenführung sowie Lärmbelastung und Verschmutzung“ 30 des Erholungsgebietes Eilenriede führten 1956 dann zur Beendigung dieser Rennen. Im Zusammenhang mit der Nutzung der Eilenriede für Radrennen sind allerdings Bemühungen des Arbeiterrad- und Kraftfahrbundes „Solidarität“ Anfang der 1960er Jahre erwähnenswert. Dessen Radrennbahn lag auf Eilenriedegebiet, und der Verein hatte eine Anfrage auf Wiederherstellung der Anlage gestellt. Diese wurde im Dezember 1961 auf einer Sitzung des Grünflächenausschusses diskutiert. Dabei standen anscheinend die Vorstellungen des Eilenriedebeirats, der die Ausweisung einer neuen Anlage außerhalb der Eilenriede forderte, denen des Arbeitervereins „Solidarität“, der die Wiederherstellung der vorhandenen Anlage wünschte, entgegen.31

Neubauten , die den Erholungswert der Eilenriede beeinträchtigen und Eingriffe in die Flächen der Eilenriede bedeuten könnten, sowie die Beseitigung vorhandener, als störend angesehener Gebäude sind Themen, denen sich der Beirat immer wieder widmet. Die Diskussion um das so genannte Schwedenheim sowie der Neubau der Hochschule für Musik und Theater, beides beginnend in den 1960er Jahren, seien hier beispielhaft angeführt. Das Schwedenheim wurde 1946 als Kinderheim nahe des heutigen Freizeitheims Lister Turm errichtet. Anfang der 1960er Jahre ging das Gebäude in städtischen Besitz über. Bis in die 1970er Jahre wurden die Gebäude durch unterschiedliche Gruppen, so Studierende der Hochschule für Musik und Theater, genutzt. Auch waren geistig behinderte Kinder dort untergebracht. Diese Nutzungen mögen nur andeuten, wie berechtigt aus den jeweiligen Perspektiven die unterschiedlichen Ansprüche an die Nutzung der Eilenriede sein konnten und können - in diesem Fall der Anspruch auf Erhalt der Gebäude und ihre Nutzung zum Wohnen für spezifische Gruppen in einer privilegierten Lage gegen den Anspruch auf Beseitigung der Gebäude und allgemeine Verfügbarkeit dieser Flächen für die Naherholung. Der Eilenriedebeirat hatte wiederholt die endgültige Beseitigung der Gebäude angemahnt, sich aber mit vorübergehenden Zwischennutzungen einverstanden erklärt. In den 1980er Jahren wurde die Lebenshilfe e. V. alleinige Mieterin des Schwedenheims. Als der Verein 1994 neue Räum-lichkeiten in der Büttnerstraße (Vahrenwald) gefunden hatte, wurden die Gebäude abgerissen. Die Verfügbarmachung der Flächen für andere Nutzungen im Rahmen des Stadtwaldes Eilenriede dauerte dann bis in das Jahr 1995.

Ein Neubau für die Hochschule für Musik und Theater am Standort „Neues Haus“ wurde erstmals im April 1968 auf einer Sitzung des Eilenriedebeirats diskutiert. „Die Planungen sahen ein Gebäude auf dem Gelände des ´Neuen Hauses´ vor, das die Sichtachsen von Königstraße und Schiffgraben auf die Eilenriede nicht beeinträchtigen sollte“.32 Nach anfänglichem Einverständnis mit den vorgestellten Plänen sprach sich der Beirat allerdings auf späteren Sitzungen für einen anderen Standort aus und ließ auch eine Stellungnahme dazu erarbeiten. Nach Auffassung des Beirats wäre der Neubau der Hochschule als „Sperrriegel“ vor der Eilenriede abzulehnen, die Verwaltung dagegen „bezeichnete das Gebäude als architektonische Markierung am der Innenstadt am nächsten gelegenen Eingang zur Eilenriede“.33 Der Beirat arrangierte sich allerdings in der Folge mit dem durch den Rat der Stadt beschlossenen Standort „Neues Haus“ und engagierte sich dann für die Gestaltung der Umgebung der Musikhochschule, um diesen Eingangsbereich zur Eilenriede so attraktiv wie möglich zu gestalten.

Im Gefolge der zunehmenden Diskussionen um Luftverschmutzung und andere Umweltverunreinigungen und einer damit einhergehenden Sensibilisierung breiter Schichten der Bevölkerung wurde im September 1982 erstmals auf einer Sitzung des Eilenriedebeirats die Frage nach einer Gefährdung der Eilenriede durch Sauren Regen gestellt. In den folgenden Jahren wurde die Diskussion zwischen Beirat und Verwaltung unter Hinzuziehung von Fachleuten z. B. der Universität Hannover fortgeführt. Im November 1984 richtete der Beirat schließlich einen Brief an den Oberbürgermeister, in welchem er drei Erwartungen der Verwaltung gegenüber Ausdruck gab. Es sollte ein Waldkataster erstellt werden, um z. B. Ursachen, Art und Umfang der Waldschäden zu erfassen. Ein Sammelverbot für Pilze und eine Düngung der Eilenriede mit Rücksicht auf die jeweilige Flora und Fauna sowie die Sperrung der Waldchaussee und der Bernadotteallee waren die wichtigsten Maßnahmen, die der Beirat in seinem Schreiben benannte.34 Die richtige forstliche Pflege und Entwicklung der Eilenriede als einem Stadtwald von herausragender Bedeutung ist eine anspruchsvolle Aufgabe, mit der auch der Eilenriedebeirat immer wieder konfrontiert wird und zu der er entsprechende Empfehlungen abgibt. Im Rahmen einer Inventur, dem Forstbetriebswer rstbetriebswerkk bzw. der Forst rst-einrichtung, legt die Stadt Hannover die entsprechenden Zielstellungen und die zu ihrer Erreichung erforderlichen Maßnahmen und Eingriffe wie Verjüngung des Bestandes, Artenwahl u. a. m. für jeweils zehn Jahre fest.35 Die Forsteinrichtung 1992 – 2002 und die anschließende Forsteinrichtung 2002 - 2012 waren „als langfristige Planung und Erfolgskontrolle in den städtischen Wäldern“ weitere wichtige Themen für den Eilenriedebeirat.

So empfahl er unter Aspekten des Naturschutzes z. B. die Ausweisung von Naturwaldparzellen, die von jegicher Nutzung ausgenommen werden sollten – abgesehen von Maßnahmen zur Verkehrssicherung. Zwei dieser Flächen wurden in der nördlichen Eilenriede als so genannte Altholzparzellen eingerichtet.36 Auf der 14. Beiratssitzung im Oktober 2003 gab der Beirat bezüglich der Forsteinrichtung 2002 – 2012 die folgende gutachtliche Stellungnahme ab: „In den städtischen Forsten werden insgesamt 10 Prozent der Fläche (rund 110 Hektar) der natürlichen Entwicklung ohne forstliche Eingriffe überlassen. Die bestehenden Altholzinseln und Altholzparzellen werden dabei eingerechnet. Für die neu auszuweisenden Flächen werden vorrangig Teile der Bereiche mit landesweiter Bedeutung für den Naturschutz in der Eilenriede und der Seelhorst gewählt“.37 Dass der Eilenriedebeirat bisweilen durchaus auch mit Sinn für Humor an seine Aufgabe herangeht, mag ein Beschluss zeigen, den der Beirat im September 2004 gegen die geplante Umbenennung der „Schneckenbrücke“ in „Rut- und Klaus-Bahlsen-Brücke“ fasste. Dazu heißt es in einem Bericht der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung: ´Schnecken-brücke´ soll bleiben : „´Schnecken-brücke´

Der Beirat sprach sich gegen die geplante Umbenennung der ´Schneckenbrücke´ in Rut- und Klaus-Bahlsen-Brücke´ aus. Keksfabrikant Bahlsen hatte die Brücke über den Schnellweg zu Lebzeiten gestiftet, sich aber über das schneckenhafte Arbeitstempo der Verwaltung geärgert. 13 Jahre soll es gedauert haben, bis die Brücke stand. Bahlsen stiftete aus Verärgerung die Bronzeschnekke und prägte damit den Namen. Nach seinem Tod will die Verwaltung die Brücke und den angrenzenden Weg nun umbenennen, der Eilenriedebeirat rät, den Brückennamen zu erhalten“.38 Die Umbenennung der Brükke wurde inzwischen dennoch vom Rat beschlossen, Weg und Brücke sind mit entsprechenden Schildern versehen. Eine Auseinandersetzung um die Satzung über die Erhaltung der Eilenriede, die in den vergangenen Jahren innerhalb des Beirats sowie zwischen Beirat und Verwaltung geführt wurde, soll abschließend erwähnt werden.39 Die Ausführungen des Vorsitzenden des Eilenriedebeirats, Walter Meyer, zu diesem Tagesordnungspunkt erscheinen uns bedenkenswert. Er führte dazu auf der 144. Sitzung im Oktober 2003 u. a. aus, „der Rat der Stadt habe im Jahr 1956 eine ´Satzung über die Erhaltung der Eilenriede´ beschlossen und nicht eine ´Satzung des Eilenriedebeirates´. Der Rat habe sich selber verpflichtet, die Eilenriede zu schützen, der Eilenriedebeirat sei ein Gremium, dessen er sich dabei bediene“.40 Diese Selbstverpflichtung des Rates der Stadt Hannover aus dem Jahre 1956, so erscheint es uns angebracht, sollte bestehen bleiben. Der Beitrag des Eilenriedebeirats zur Erhalt und zur Entwicklung der Eilenriede für die Naherholung und den Naturschutz, ist in seiner Bedeutung schwierig einzuschätzen. Ein Beirat kann nur begrenzte Wirksamkeit innerhalb kommunalpolitischer Entschei-

dungsprozesse haben. Der Eilenriedebeirat hat aber über fünf Jahrzehnte eine nicht zu unterschätzende Funktion als sachkundig beratendes, Anregungen gebendes und kritische Positionen artikulierendes Gremium wahrgenommen. Nicht alle seiner Anregungen und Kritiken wurden berücksichtigt, oft wurden auch gegen seine Empfehlungen Planungen realisiert. Doch konnte durch die Tätigkeit des Eilenriedebeirats, ausgehend von einer „Satzung über die Erhaltung der Eilenriede“, die sich die Stadt Hannover vor 50 Jahren gegeben hat, vor allem auch das Bewusstsein um die Erhaltung der Eilenriede als von herausragender Bedeutung für die Bevölkerung Hannovers und der Region Hannovers geschärft werden. Wir hoffen, dass der Eilenriedebeirat in den kommenden 50 Jahren seines Bestehens in diesem Rahmen weiterhin seine Aufgabe engagiert, effektiv und mit Freude an der Sache wahrnehmen wird. Abschließend sei aus einem Beitrag des langjährigen Leiters des Grünflächenamtes, Kaspar Klaffke, zitiert, den dieser unter dem Titel „Ergebnis des Zusammenwirkens vieler Kräfte“ anlässlich des einhundertjährigen Bestehens des Grünflächenamtes veröffentlichte: „Die Eilenriede wäre als Stadtwald sicherlich nicht bis heute im wesentlichen unverändert erhalten geblieben, wenn sich nicht immer wieder Bürger gegen andere Nutzungsinteressen erfolgreich zur Wehr gesetzt hätten. Der Eilenriedebeirat präsentiert heute die gesellschaftlichen Kräfte, die sich für die Erhaltung und Entwicklung des Stadtwaldes einsetzen. Der Eilenriedebeirat ist formaljuristisch nicht so bedeutungsvoll, aber seine engagierten Stellungnahmen haben einen wesentlichen Einfluss auf kommunalpolitische Entscheidungen, die den Stadtwald betreffen“.41 23

Anmer kungen Anmerkungen 1 Zur Geschichte der Eilenriede und ihrer aktuellen Bedeutung für die hannoversche Bevölkerung siehe auch die vom Fachbereich Umwelt und Stadtgrün der Landeshauptstadt Hannover herausgegebene Broschüre Stadtwälder in Hannover. Die Eilenriede, Text: Gerhard Dirscherl, Gerd Garnatz, Gudrun Seth und Carl Ferdinand Ernst, Hannover, 2004 2 Stadtwälder in Hannover, a. a. O., 2004, S. 8 3 An den Wurzeln von Erlen sitzen Bakterien, die den Stickstoff aus der Luft fixieren und auf diese Weise für Pflanzen nutzbar machen. Erlenbruchwälder sind daher besonders stickstoffreiche Standorte; alljährlich kann am Standort eines früheren Erlenbruchs Gras in die Höhe wachsen. Viele Jahre lang muss man einen solchen Wiesenstandort nicht mit Stickstoff düngen, weil der für das Wachstum der Pflanzen lebensnotwendige Mineralstoff im Boden massenhaft vorhanden ist. 4 Siehe ausführlich zur Geschichte der Bürgerbeteiligung bei der kommunalen Grünflächenpolitik in Ausschüssen und Kommissionen Gert Gröning und Joachim Wolschke-Bulmahn, 1890 – 1990. Von der Stadtgärtnerei zum Grünflächenamt. 100 Jahre kommunale Freiflächenvrwaltung und Gartenkultur in Hannover, Hannover, 1990, Kap. 4.1 5 Vgl. Gröning/Wolschke-Bulmahn, a. a. O., 1990, 95 6 Hans Brauns u. a., Die Eilenriede, Hannoversche Geschichtsblätter, Sonderheft, Hannover, 1938, S. 38 7 Kube 1927, S. 2 8 Vgl. Verwaltungsbericht 1908, S. 02 9 Ob der Beginn von Kubes Amtszeit als Gartendirektor in Hannover 1913 und das Ende der Eilenriede-Kommission nur zufällig in dasselbe Jahr fallen, sei dahingestellt. 10 Siehe dazu ausführlich Gröning/Wolschke-Bulmahn, a. a. O., 1990, S. 94ff. 11 Vgl. Brauns u. a., a. a. O., 1938, S. 37 12 Stadtarchiv Hannover, Verschiedene Kommissionen Band 12 (Garten- und Friedhofskommsssion) 13 Brauns u. a., a. a. O., 1938, S. 35 14 Brauns u. a., a. a. O., 1938, S. 37 15 Brauns u. a., a. a. O., 1938, S. 37 16 Stadtarchiv Hannover, Akten Ausschuß für das Garten- und Friedhofswesen (nach 1945), Niederschrift über die 1. Sitzung des Grünflächenausschusses am 14. Januar 1949 17 Niederschrift . . ., a. a. O., 1949, S. 4 18 Satzung über die Erhaltung der Eilenriede, öffentlich bekannt gemacht am 15. Oktober 1956

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Rede des Oberbürgermeisters Herbert Schmalstieg anlässlich der 150. Sitzung des Eilenriedebeirats, 13. Juni 2005 (vervielf. Mskr.) 20 Die nachfolgende Darstellung zur Tätigkeit des Eilenriedebeirats in den vergangenen 50 Jahren stützt sich maßgeblich auch auf Materialien, die durch Katja Mareike Doering im Rahmen ihrer von den Autoren dieser Broschüre betreuten Diplomarbeit „Zur Geschichte des Eilenriedebeirates der Stadt Hannover“ am Institut für Grünplanung und Gartenarchitektur der Universität Hannover 2003 zusammengestellt wurden. Hingewiesen sei auch auf den Beitrag von Gerhard Dirscherl, „30 Jahre Eilenriedebeirat“, in: Heimatland. Zeitschrift für Heimatkunde, Naturschutz, Kulturpflege, herausgegeben vom Heimatbund Niedersachsen e. V., 1986, H. 5, S. 145-149. 21 Siehe dazu ausführlich Doering, Zur Geschichte des Eilenriedebeirates, a. a. O., 2003,29ff. 22 Kaspar Klaffke und Gesa Klaffke-Lobsien, Hannover – Stadt der Gärten. Gärten einer Stadt, Kallmeyersche Verlagsbuchhandlung GmbH, Seelze-Velber, 2000, S. 66f. 23 Kaspar Klaffke, schriftliche Mitteilung vom 16. August 2006 24 Niederschrift der Waldbegehung des Grünflächenausschusses in der Eilenriede, 21. Oktober 1961, S. 2 (Stadtarchiv Hannover, Akten Garten- und Friedhofs-, Grünflächenausschuß nach 1945) 25 Niederschrift der Waldbegehung . . ., a. a. O., 1961, S. 3 26 Niederschrift der Sitzung des Grünflächenausschusses, 29. März 1961, S. 1 (Stadtarchiv Hannover, Akten Garten- und Friedhofs-, Grünflächenausschuß nach 1945) 27 Die Waldstation Eilenriede. Naturerleben im Stadtwald, Informationsblatt der Landeshauptstadt Hannover, Fachbereich Umwelt und Stadtgrün, 2004 28 Doering, Zur Geschichte. . ., a. a. O., 2003, 52 29 Ergebnisprotokoll der Sitzung des Eilenriedebeirats vom 10. Januar 1995, zit. nach Doering, Zur Geschichte . . ., a. a. O., 2003, 57 30 Ergebnisprotokoll der Sitzung des Eilenriedebeirats vom 18. Juni 1990, zit. nach Doering, Zur Geschichte . . ., a. a. O., 2003, S. 61 31 Stadtwälder in Hannover . . ., a. a. O., 2004, S. 12 32 Niederschrift der Sitzung des Grünflächenausschusses, 4. Dezember 1961, S. 7 (Stadtarchiv Hannover, Akten Garten- und Friedhofs-, Grünflächenausschuß nach 1945) 33 Doering, Zur Geschichte . . ., a. a. O., 2003, S. 49 34 Doering, Zur Geschichte . . ., a. a. O., 2003, S. 51 19

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Vgl. Doering, Zur Geschichte . . ., a. a. O., 2003, S.

64 Vgl. Stadtwälder in Hannover . . ., a. a. O., 2004, 16 Die Definition einer Naturwaldparzelle greift in einem Stadtwald wie der Eilenriede aufgrund der entsprechenden Kriterien (wie Größe der Fläche u. a. m.) nicht (vgl. Doering, Zur Geschichte . . ., a. a. O., 2003, S: 69) 38 Niederschrift der 144. Sitzung des Eilenriedebeirats am 27. Oktober 2003, S. 6 39 med, „Schilder warnen vor fallenden Ästen“, in: Hannoversche Allgemeine Zeitung , 21. September 2004, S. 16 40 Siehe dazu z. B. die Niederschrift der 144. Sitzung des Eilenriedebeirats, Montag 27. Oktober 2003, auf der unterschiedliche Positionen von Beiratsmitgliedern vertreten wurden 41 Niederschrift der 144. Sitzung . . ., a. a. O., 2003, S.9 42 Kaspar Klaffke, Ergebnis des Zusammenwirkens vieler Kräfte, in: Grün in der Stadt Hannover 1890 – 1990, herausgegeben vom Heimatbund Niedersachsen e. V., Langenhagen, 1990, S. 92 36 37

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Erhaltung und Schutz der Eilenriede - neue Herausforderung in den Zeiten des Klimawandels Die Eilenriede in ihrem Bestand zu erhalten und zu pflegen ist nach wie vor die wichtigste Aufgabe des Eilenriedebeirates; allerdings haben sich in den letzten Jahren die Schwerpunkte dieser Aufgabe verschoben. Planungen, die eine großflächige Abholzung des Stadtwaldes bedeuten würden, oder massive Auswirkungen auf dessen Naturkreisläufe nach sich ziehen könnten, sind lange vorbei und würden auch am massiven Widerstand der Öffentlichkeit scheitern. Trotzdem muss sich der Eilenriedebeirat regelmäßig einschalten, wenn es um kleinere Baumaßnahmen am Rande des Stadtwaldes geht, die in der Summe ihrer Auswirkungen aber nicht zu vernachlässigen sind. Wichtige Themen der vergangenen Jahre waren die Aufstellung des Forstbetriebswerkes für den Zeitraum von 2002 bis 2012 und die Zertifizierung des Stadtwaldes nach den Richtlinien des Forst Stewardship Council (FSC). Das waren die beiden entscheidenden Bausteine zur konsequenten Ausrichtung auf eine nachhaltige Bewirtschaftung und biologische Vielfalt. Gleichzeitig ist es gelungen, die Angebote für die Naherholung auszuweiten. Eine aktuelle Überarbeitung der nicht nur bei Familien sehr beliebten Eilenriedekarte weist u.a. neue Laufstrecken und Standorte für weitere Fitnessmöglichkeiten aus. Das bedeutet, dass der Stadtwald trotz einer forstwirtschaftlichen Bewirtschaftung und der Einrichtung von absoluten Schutzbereichen für den Naturschutz ein attraktives Naherholungsangebot aufweist. 26

Dieses multifunktionale Konzept wird auch von den Naturschutzverbänden getragen. Die gerade veröffentlichte Kritik der Naturschützer an der deutschen Forstwirtschaft im „Schwarzbuch“ des Bundes für Umweltund Naturschutz (BUND) trifft in keinem einzigen Punkt die Städtischen Forsten in Hannover. Hier stehen Holznutzung, Naherholung, Naturschutz und Schutz der natürlichen Regelungsfunktionen des Waldes in einem für alle Seiten akzeptablen Gleichgewicht. Gleichzeitig wurden mit diesem Gleichgewicht der unterschiedlichsten Nutzungsansprüche auch gute Voraussetzungen geschaffen, um den möglichen Folgen des Klimawandels begegnen zu können. Prognosen gehen davon aus, dass eine globale Erwärmung um 2 Grad bis Mitte oder spätestens Ende dieses Jahrhunderts trotz der bereits eingeleiteten Klimaschutzmaßnahmen voraussichtlich nicht mehr zu verhindern ist. Daher müssen neben den Maßnahmen zur Verminderung von Treibhausgasen zugleich Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel erfolgen. Nach den bisherigen Erkenntnissen ist in den Städten mit einem erheblichen Anstieg der Zahl der heißen Tage mit einer Höchsttemperatur von mehr als 30 Grad und der Tropennächte mit Temperaturen nicht unter 20 Grad zu rechnen. Betroffene des Hitzestresses werden Menschen und auch die Ökosysteme sein. Eine weitere Folge des Klimawandels werden Verschiebungen der Niederschlagsverteilung sein. Im Sommer werden die Niederschlagsmengen abnehmen, länger andauernde Trockenphasen werden häufiger auftreten. Im Winter werden höhere Niederschläge erwartet. Dass diese Vorhersagen nicht aus der Luft gegriffen sind, zeigen einige Phänomene

in der Eilenriede, mit denen sich der Beirat in den letzten beiden Jahren auseinandersetzen musste. Zum Jahreswechsel 2007/ 2008 standen weite Bereiche der Eilenriede unter Wasser, Wege waren teilweise überschwemmt und kaum passierbar. Ursache waren starke Regenfälle, die in ihrer Menge zuvor nur im Jahr 1928 übertroffen wurden. Das Ökosystem Eilenriede hatte damit kaum Probleme, die in einigen Bereichen eingerichteten Wiedervernässungsflächen zeigen, dass der Wald ursprünglich mit viel Wasser entstanden war und seine Artenzusammensetzung geprägt hat. Problematisch war in dieser Zeit allerdings die eingeschränkte Nutzungsmöglichkeit für die Naherholung. Nur ein Jahr später zeigte sich das umgekehrte Phänomen. Über einen Zeitraum von zwölf Monaten waren ab Herbst 2008 je nach Monat bis zu 80% weniger Niederschlag gefallen als im jeweiligen langjährigen Monatsmittel; die Grundwasserstände in der vorderen Eilenriede hatten historische Tiefststände erreicht. Die Folgen des Wassermangels waren bereits ab Juli auch für Laien erkennbar: flach wurzelnde Stauden und Bäume warfen frühzeitig ihr Laub ab; große Buchen ab August. Für die Naherholungssuchenden wurde das Problem dann zur Schreckensvision, als einige Teiche und Gräben in der vorderen Eilenriede über Monate trocken fielen. Der Eilenriedebeirat hat sich in mehreren Sitzungen und Ortsbegehungen mit Lösungsmöglichkeiten für die Wasserführung in den Gewässern auseinandergesetzt und ein Maßnahmenbündel mit der Verwaltung abgestimmt. Ob sich diese Extreme in Zukunft häufiger zeigen, kann nur vermutet werden. Diese Erfahrungen zeigen aber, dass der Klimawandel tatsächlich auch für die Eilenriede eine neue große Herausforderung bedeuten kann.

Ein immer wichtiger werdender Schwerpunkt ist die Waldpädagogik: was lernen unsere Kinder heute noch über den Wald, seine Bewohner, seine Bedeutung für unsere Lebensgrundlagen? Die praktische Erfahrung mit diesem Lebensraum ist vielen Kindern und Jugendlichen fremd geworden. Umso wichtiger ist es, mit einem umfassenden waldpädagogischen Konzept diese Erfahrungen anzubieten. Der Eilenriedebeirat hat schon sehr frühzeitig erkannt, wie wichtig das „Wald erleben“ ist, um Menschen zu motivieren, sich für den Schutz der Eilenriede einzusetzen. Die Nachfrage nach diesem Angebot steigt rasant. Schon wenige Jahre nach dem Aufbau der Waldstation können die Besucherströme kaum noch bewältigt werden. Das gilt erst recht seit der Eröffnung des „Waldhochhauses“ im Sommer 2009. Über einen massiven Holzturm sind alle Etagen des Hochwaldes begehbar und erlebbar, bis über die Wipfel der alten Buchen in 32 Meter Höhe. Der Eilenriedebeirat soll den Rat in allen Fragen die Eilenriede betreffend beraten, ist also von seinem Selbstverständnis her ein kritischer Begleiter des Verwaltungshandelns. Er hat aber auch die Aufgabe übernommen, sich für die Erhaltung und den Schutz der Eilenriede einzusetzen und ist damit zugleich ein wichtiger Verbündeter für unseren Bereich Forsten, Landschaftsräume und Naturschutz. Gerade vor dem Hintergrund der Diskussionen um die möglichen Folgen des Klimawandels setzen wir auch in Zukunft auf ein konstruktives Miteinander.

Heino Kamieth (Bereichsleiter Forsten, Landschaftsräume und Naturschutz im Fachbereich Umwelt und Stadtgrün)

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Liste der Mitglieder und Vorsitzenden des Eilenriedebeirats, 1957 bis 2006 Die Liste der Mitglieder des Eilenriedebeirats seit 1957 stützt sich maßgeblich auf die Angaben in der Diplomarbeit von Katja Mareike Doering, Zur Geschichte des Eilenreidebeirates der Stadt Hannover, die im Sommersemester 2003 am Institut für Grünplanung und Gartenarchitektur bearbeitet und von den beiden Autoren betreut wurde. Sie wurde geringfügig überarbeitet und ergänzt.

1957-1961 August Brand (nur erste Sitzung); Dr. Rolf Diecks; Heinz Dorl; Heinrich Gerbermann; Oberlandforstmeister Dr. Wilhelm Hausmann; Heinz Hilbrecht (ab 17.10.1958 für August Brand); Heini Kempe; Bernhard Kirchhof; Hinrich Kopf, Ministerpräsident a. D.; Dr. Walter Lampe, Oberlandforstmeister; Dr. Lothar Lenz, Verbandsdirektor; Dr. Andreas Marxen, Caritasdirektor; Dr. Friedrich Meier-Greve, Bankdirektor; Heinrich Wilhelm Ottens; Dr. Riemenschneider, Rechtsanwalt; Dr. Herbert Röhrig; Prof. Dr. Friedrich Schiemens, Regierungsfischereirat; Prof. Dr. Georg Schnath, Staatsarchivdirektor; Dr. Hans Stakemann, Rechtsanwalt; Maria Troll; Dr. Winkler, Regierungsdirektor Vorsitzender: Dr. Friedrich Meyer-Greve Stellvertretender Vorsitzender: Hinrich Kopf

1961-1964 Dr. Borchers; Heinz Dorl; Heinrich Gerbermann; Dr. Wilhelm Hausmann; Heinz Hilbrecht; Heini Kempe; Bernhard Kirchhof; Dr. Walter Lampe; Dr. Lothar Lenz; Dr. Andreas Marxen; Dr. Friedrich Meier-Greve; Heinrich Wilhelm Ottens; Prof. Dr. Plath; Dr. Riemenschneider; Dr. Herbert Röhrig; Prof. Dr. Friedrich Schiemens; Prof. Dr. Georg Schnath; Dr. Hans Stakemann; Maria Troll; Dr. Winkler Vorsitzender: Dr. Friedrich Meyer-Greve Stellvertretender Vorsitzender: nicht benannt

1965-1968 Heinz Dorl; Heinrich Gerbermann; Dr. Wilhelm Hausmann; Heini Kempe; Bernhard Kirchhof; Dr. Lothar Lenz; Dr. Friedrich Meier-Greve; August Menzer; Heinrich Wilhelm Ottens; Herr Rademacher; Dr. Hermann Riemenschneider; Dr. Herbert Röhrig;

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Prof. Dr. Georg Schnath; Henning Schumann; Dr. Hans Stakemann; Dr. Klaus Werner; Dr. Winkler Vorsitzender: Dr. Friedrich Meyer-Greve Stellvertretender Vorsitzender: Dr. Hermann Riemenschneider

1969-1972 Dr. Leopold Benda, Naturhistorische Gesellschaft; Heinrich Blanke, Hannoverscher Wander- und Gebirgsverein e.V.; Heinz Dorl, Bezirksverband der Kleingärtner e.V.; Heinrich Kempe, Arbeiterwohlfahrt, Bezirksausschuss Hannover; Joachim Lehmann, Fotographische Gesellschaft (Kulturring); Dr. Lothar Lenz, Haus- und Grundbesitzerverein e.V.; Prof. Dr. Walter Mediger, Historischer Verein für Niedersachsen e.V.; Dr. Friedrich Meier-Greve, Niedersächsischer Heimatbund e.V.; August Menzer, Aufbaugemeinschaft Hannover e.V.; Heinrich Wilhelm Ottens, Hannoverscher Vogelschutzverein; Dr. Hermann Riemenschneider, Aufbaugemeinschaft Hannover e.V.; Dr. Herbert Röhrig, Kulturring Hannover e.V.; Rolf Schäfer, Schutzgemeinschaft Deutscher Wald; Dr. Rolf-Günter Schmedes, Deutsches Rotes Kreuz; Dipl.-Ing. Henning Schumann, Hannoverscher Verein für Naturkunde e. V.; Dr. Hans Stakemann, Verband der Bürgervereine; Dr. Harald Tetzlaff, Heimatbund Niedersachsen e.V.; Dr. Klaus Werner, Heimatbund Niedersachsen e.V.; Ernst Wildhagen, Touristenverein „Die Naturfreunde“ Vorsitzender: Dr. Friedrich Meyer-Greve Stellvertretender Vorsitzender: Dr. Hermann Riemenschneider

1973-1974 Werner Amthor, Touristenverein „Die Naturfreunde“; Friedrich Bähre, Hannoverscher Wander- und Gebirgsverein; Wanda Barth, Bezirksverband der Kleingärtner; Lydia Buchholz, Sozialausschüsse der Christlich- Demokratischen Arbeitnehmerschaft; Helmut Düster, Bürgerinitiative Umweltschutz; Herr Hagelberg, Schutzgemeinschaft Deutscher Wald; Klaus Hedrich, Sozialistische Arbeiterjugend „Die Falken“; Herr Kowalski; Siegfried Matzat, Arbeiterwohlfahrt; Walter Panse, Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB); Prof. Dr. Hanfrit Putzer, Naturhistorische Gesellschaft; Johannes Reinecke, Heimatbund Niedersachsen; Dr. Hermann Riemenschneider, Kulturring; Dr. Rolf-Günter Schmedes, Deutsches Rotes Kreuz; Bernhard Stodolka, Deutsche AngestelltenGewerkschaft (DAG); Dr. Harald Tetzlaff, Kulturring;

Dr. Helmut Töteberg, Heimatbund Niedersachsen; Peter Urban, SPD1; Gerhard Wehner, CDU Vorsitzender: Dr. Hermann Riemenschneider Stellvertretender Vorsitzender: Dr. Rolf-Günter Schmedes

1974-1976 Werner Amthor, Touristenverein „Die Naturfreunde“; Friedrich Bähre, Hannoverscher Wander- und Gebirgsverein; Wanda Barth, Bezirksverband der Kleingärtner; Lydia Buchholz, Sozialausschüsse der Christlich- Demokratischen Arbeitnehmerschaft; Helmut Düster, Bürgerinitiative Umweltschutz; Gerhard Fronek, CDU; Herr Hagelberg, Schutzgemeinschaft Deutscher Wald; Klaus Hedrich, Sozialistische Arbeiterjugend „Die Falken“; Herr Oelrich; Walter Panse, DGB; Prof. Dr. Hanfrit Putzer, Naturhistorische Gesellschaft; Johannes Reinecke, Heimatbund Niedersachsen; Dr. Hermann Riemenschneider, Kulturring; Dr. Rolf-Günter Schmedes, Deutsches Rotes Kreuz; Bernhard Stodolka, DAG; Dr. Harald Tetzlaff, Kulturring; Dr. Helmut Töteberg, Heimatbund Niedersachsen; Peter Urban, SPD (bis Februar 1976); Gerhard Wehner, CDU Vorsitzender: Dr. Hermann Riemenschneider Stellvertretender Vorsitzender: Dr. Rolf-Günter Schmedes 1 Die Benennungen erfolgten auf Vorschlag der jeweiligen Partei. Wenn im folgenden Parteien genannt werden, muss damit nicht zwingend eine Mitgliedschaft der jeweiligen Person in der Partei verbunden gewesen sein.

1977-1981 Werner Amthor; Wanda Barth; Herr Brück; Lydia Buchholz; Helmut Düster; Herbert von Geldern; Herr Hagelberg; Ilse Heldt; Herr Hellmann; Dr. Bruno Hülsmann; Herwig Klahr; Herr Oelrich; Prof. Dr. Hanfrit Putzer; Herbert Rien; Dr. von Scheller; Dr. Rolf-Günter Schmedes; Bernhard Stodolka; Dr. Helmut Töteberg; Klaus Völker; Dr. Klaus Voss Vorsitzender: Dr. Rolf-Günter Schmedes Stellvertretender Vorsitzender: Herr Hagelberg Stellvertretende Vorsitzende: Wanda Barth (ab 17.04.1978)

1982-1986 Wilhelm Ahnefeld, Bezirksverband der Kleingärtner; Werner Amthor, Touristenverein „Die Naturfreunde“; Lydia Buchholz, Sozialausschüsse der Christlich-

Demokratischen Arbeitnehmerschaft; Helmut Düster, Bürgerinitiative Umweltschutz; Prof. Dr. Eriksen (ab 20.02.1984 bis Herbst 1985); Herbert von Geldern, Kulturring (bis 1983); Ilse Heldt, Arbeiterwohlfahrt; Frau Heymann (ab 14.01.1985); Dr. Bruno Hülsmann, Kulturring; Herwig Klahr, CDU; Ingo Mennerich, GABL/ DKP; Prof. Dr. Hanfrit Putzer, Naturhistorische Gesellschaft; Günter Richta, SPD; Herbert Rien, Sozialistische Jugend Deutschlands „Die Falken“; Dr. Rolf-Günter Schmedes, Deutsches Rotes Kreuz Bernhard Stodolka, DAG; Dr. Herbert Thürnau, Schutzgemeinschaft Deutscher Wald; Dr. Helmut Töteberg, Heimatbund Niedersachsen Herr Vincentz (ab. 24.06.1986); Klaus Völker, Hannoverscher Wander- und Gebirgsverein; Dr. Klaus Voss, FDP (bis Herbst 1982); Frau Weidemann, (ab 11.01.1983, nachgerückt für Klaus Voss); Hermann Wiegandt, Heimatbund Niedersachsen; Dirk Wolff, Junge Union Vorsitzender: Dr. Rolf-Günter Schmedes Stellvertretender Vorsitzender: Hermann Wiegandt

1987-1991 Wilhelm Ahnefeld, Bezirksverband der Kleingärtner; Werner Amthor, Touristenverein „Die Naturfreunde“; Helmut Düster, Bürgerinitiative Umweltschutz; Michael Gerke-Hochhut, Junge Union; Dr. Wolfgang Harfst, FDP, (ab Juni 1989, nachgerückt für Frau Weidemann); Ilse Heldt, Arbeiterwohlfahrt; Frau Heymann, (bis Ende 1988); Peter Hübotter, Heimatbund Niedersachsen (ab Juni 1990 nachgerückt für Herrn Wiegandt); Herwig Klahr, Sozialausschüsse der Christlich- Demokratischen Arbeitnehmerschaft; Dr. Margot Mates, Hannoverscher Wander- und Gebirgsverein; Ingo Mennerich, GABL; Prof. Dr. Hanfrit Putzer, Naturhistorische Gesellschaft; Prof. Dr. Johann Karl Rippel, Kulturring; Dietrich Rüter, SPD; Dr. Rolf-Günter Schmedes, Deutsches Rotes Kreuz; Andreas Schneider, Sozialistische Jugend; Deutschlands „Die Falken“; Bernhard Stodolka, DAG; Dr. Herbert Thürnau, Schutzgemeinschaft Deutscher Wald; Dr. Helmut Töteberg, Heimatbund Niedersachsen; Kurt Vincentz, Kulturring; Franz Walden, CDU; Weidemann, FDP (bis Anfang 1989); Herr Wiegandt, Heimatbund Niedersachsen (bis Dezember 1989); Susann Eggers, BUND, (beratend ab Ende 1990) Vorsitzender: Dr. Rolf-Günter Schmedes Stellvertretende Vorsitzende: Ilse Heldt

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1992-1996 Herbert Alt; Werner Amthor (bis Anfang 1994); Erhard Brütt; Helmut Düster; Susann Eggers (bis Anfang 1993); Bodo Facklam (ab 17.10.1995); Hans-Peter Fuchs (ab 09.06.1993); Michael Gerke-Hochhut; Dr. Wolfgang Harfst; Peter Hübotter; Thomas Ivanovs (ab. 17.10.1995); Volker Klawon; Gerhard Kramer (ab. 14.05.1996); Dr. Margot Mates; Ingo Mennerich; Dr. Helmut Müller; Dirk von der Osten (bis Anfang 1993); Albrecht Otte; Rainer Schmidt; Christa Schröder (ab. 09.06.1993 bis Anfang 1994); Herbert Schröder (ab 01.01.1994); Albert Spicher; Dr. Herbert Thürnau; Georg Wilhelm (ab 01.02.1994) Vorsitzender: Peter Hübotter Stellvertretender Vorsitzender: Dr. Wolfgang Harfst

1997-2001 Herbert Alt, Hannoverscher Vogelschutzverein; Helmut Düster, Bürgerinitiative Umweltschutz e.V.; Bodo Facklam, CDU; Hans-Peter Fuchs, SPD; Michael Gerke-Hochhut, CDU; Heidemarie Günther, SPD; Herr Hagelberg, Schutzgemeinschaft Deutscher Wald; Peter Hübotter, Heimatbund Niedersachsen; Thomas Ivanovs, Bundnis90/ Die Grünen; Walter Meyer, SPD; Elke Mühlbach, Naturschutzverband Niedersachsen; Dr. Helmut Müller, Naturhistorische Gesellschaft; Prof. Dr. Richard Pott, Universität Hannover, (nachnominiert); Elli Sapiatz, SPD; Herbert Schröder, Die Naturfreunde; Gerd Sommerkamp, CDU; Albert Spicher, Jägerschaft Hannover Stadt; Georg Wilhelm, B.U.N.D. Vorsitzender: Walter Meyer Stellvertretender Vorsitzender: Georg Wilhelm

2001-2006 Britta Bargheer, Heimatbund Niedersachsen (bis Dezember 2003); Alfred Benk, Naturschutzverband Niedersachsen; Helmut Düster, Bürgerinitiative Umweltschutz e. V.; Hans-Peter Fuchs, auf Vorschlag der SPD; Heino Gosewisch, auf Vorschlag der CDU; Heidemarie Günther, auf Vorschlag der SPD; Rosemarie Hochhut, auf Vorschlag der CDU; Thomas Ivanovs, auf Vorschlag Bündnis 90/Die Grünen; Dr. Ernst Kürsten, Schutzgemeinschaft Deutscher Wald; Prof. Dr. Hansjörg Küster, Naturhistorische Gesellschaft; Walter Meyer, auf Vorschlag der SPD; Elke Mühlbach, B.U.N.D.; Klaus-Peter Pleister, auf Vorschlag der FDP; Dr. Waldemar R. Röhrbein, Heimatbund Niedersachsen (ab Dezember 2003); Elli Sapiatz, auf Vorschlag der SPD; Herbert Schröder, Die Naturfreunde;

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Gerd Sommerkamp, auf Vorschlag der CDU; Albert Spicher, Jägerschaft Hannover-Stadt; Monika Wagner, Hannoverscher Wander- und Gebirgsverein e. V.; Georg Wilhelm, Hannoverscher Vogelschutzverein; Prof. Dr. Joachim Wolschke-Bulmahn, Universität Hannover Vorsitzender: Walter Meyer Stellvertretende Vorsitzende: Rosemarie Hochhut

2007-2011 Alfred Benk, Naturschutzverband Niedersachsen; Gerhard Dirscherl, auf Vorschlag CDU; Helmut Düster, Bürgerinitiative Umweltschutz e.V.; Hans-Peter Fuchs, auf Vorschlag SPD; Heino Gosewisch, auf Vorschlag CDU; Heidemarie Günther, auf Vorschlag SPD; Wiebke Klinkenborg, Hannoverscher Wander- und Gebirgsverein e.V.; Dr. Ernst Kürsten, Schutzgemeinschaft Deutscher Wald; Prof. Dr. Hansjörg Küster., Naturhistorische Gesellschaft; Peter Mempel, auf Vorschlag FDP; Walter Meyer, auf Vorschlag SPD; Elke Mühlbach, BUND e.V.; Reinhild Muschter, auf Vorschlag GRÜNE; Dr. phil. Waldemar Röhrbein, Heimatbund Nds.; Jürgen Schele, Jägerschaft Hannover-Stadt; Herbert Schröder, Naturfreunde; David Strecker, auf Vorschlag CDU; Georg Wilhelm, Hannoverscher Vogelschutzverein; Prof. Dr. Ing. Joachim Wolschke-Bulmahn, Uni Hannover; Siegfried Zimmermann, auf Vorschlag SPD Vorsitzender: Walter Meyer Stellvertretender Vorsitzender: Hans-Peter Fuchs

Satzung über die Erhaltung der Eilenriede In dem Willen, die Eilenriede als historischen Stadtwald, als bedeutsamen Bestandteil der hannoverschen Stadtlandschaft und als größtes und wichtigstes Erholungsgebiet in seinen besonderen Schutz zu nehmen und der Einwohnerschaft zu erhalten, hat der Rat der Hauptstadt Hannover auf Grund der §§ 6 Abs. 1 und 45 Ziff. 5 der Nieders. Gemeindeordnung vom 4. März 1955 (Nds. GVBl. S. 55) in seiner Sitzung am 10. Oktober 1956 folgende Satzung beschlossen: §1 Erhaltung der Eilenriede Die Eilenriede ist in ihrem Bestande zu erhalten und sorgsam zu pflegen; Ihre Erweiterung ist anzustreben. Der Lönspark, der Tiergarten und die Seelhorst gelten als Bestandteile der Eilenriede. Die gemäß dieser Satzung zu schützenden Gebiete werden in einer Karte, die dieser Satzung beigefügt wird, in violetter Farbe dargestellt. §2 Ver ungen an der Eilenriede eränder änderungen änder Eingriffe in den Bestand der Eilenriede, die über eine normale forstwirtschaftliche Nutzung oder gestalterische Pflege hinausgehen, im besonderen die Errichtung oder Erweiterung von Bauten und von Anlagen für den motorisierten Verkehr sowie strukturelle Änderungen ihres Charakters bedürfen der Beschlußfassung der Ratsversammlung. Über solche Maßnahmen kann nur beraten und beschlossen werden, wenn die Angelegenheit auf der Tagesordnung der Ratsversammlung gestanden hat. Der Beschluß bedarf der Zustimmung von zwei Dritteln der anwesenden Mitglieder.

§3 Eilenriedebeir at Eilenriedebeirat Zur Förderung dieser Ziele wird ein Beirat (Eilenriedebeirat) gebildet. Er hat die Aufgabe, den Rat in allen Fragen, die den Bestand der Eilenriede betreffen, zu beraten. Er ist berechtigt, jederzeit Vorschläge zu machen, die dem Zwecke dieser Satzung dienen. §4 Anhör ung des Beir ates Anhörung Beirates Vor Anordnung einer Maßnahme nach § 2 dieser Satzung ist der Eilenriedebeirat gutachtlich zu hören. Das Gutachten des Beirates ist zum Gegenstand der Beratung in der Ratssitzung zu machen. Kann der Rat der Meinung des Beirates nicht folgen, ist vor der endgültigen Beschlußfassung eine zweite Beratung im Rat erforderlich. Die zweite Beratung kann frühestens vier Wochen nach der ersten stattfinden. Der Beirat hat das Recht, seine Meinung in dieser Beratung vorzutragen. Der Beschluß der Ratsversammlung bedarf der Zustimmung von zwei Dritteln der anwesenden Mitglieder. Der Eilenriedebeirat hat das Recht, sich jederzeit zu Maßnahmen zu äußern, die in irgendeiner Weise auf die Eilenriede einwirken oder die den Erholungswert der Eilenriede beeinträchtigen könnten. §5 Zusammensetzung des Beir ates Beirates Der Eilenriedebeirat besteht aus mindestens 10 und höchstens 20 Mitgliedern, die zum Rat wählbar sein müssen. Die Mitglieder werden vom Rat für die Dauer der Wahlperiode auf Vorschlag interessierter Fachverbände und Vereinigungen aus dem Kreise von Bürgern berufen, die sich um die gesunde Entwicklung der Stadt oder um die Grünflächen oder die Heimatpflege verdient gemacht haben. 31

Mitglieder des Rates oder der Stadtverwaltung können nicht in den Eilenriedebeirat berufen werden. §6 Stellung des Beir ates Beirates Der Beirat hat eine selbständige und unabhängige Stellung. Seine Mitglieder üben ihre Tätigkeit ehrenamtlich aus. Sie sind an Verpflichtungen, durch welche die Freiheit ihrer Entschließungen beschränkt wird, nicht gebunden. §7 Verf ahr en erfahr ahren In der Ersten Sitzung wählt der Eilenriedebeirat aus seiner Mitte einen Vorsitzer und einen stellvertretenden Vorsitzer. Der Beirat wird vom Oberbürgermeister im Benehmen mit dem Vorsitzer des Beirates nach Bedarf einberufen; der Vorsitzer oder mindestens 5 Mitglieder können jederzeit die Einberufung verlangen. §8 Inkr afttr eten der Satzung Inkrafttr afttreten Diese Satzung tritt am Tage nach ihrer Veröffentlichung in Kraft. §9

Änder ung und Außer kr afttr eten Änderung Außerkr krafttr afttreten der Satzung

Diese Satzung kann nur nach den Vorschriften der §§ 2 und 4 geändert oder aufgehoben werden. Hannover, den 11. Oktober 1956.

Weber; Wiechert (Oberbürgermeister; Oberstadtdirektor) Die obige Satzung wird hiermit öffentlich bekanntgemacht. Hannover, den 15. Oktober 1956. Wiechert, Oberstadtdirektor

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Das Urheber- und Verlagsrecht einschließlich der Mikroverfilmung sind vorbehalten. Dieses gilt auch gegenüber Datenbanken und ähnlichen Einrichtungen sowie gegenüber sonstigem gewerblichen Verwerten. Verwertungen jeglicher Art bedürfen der Genehmigung durch die Landeshauptstadt Hannover.

Landeshauptstadt

Der Oberbürgermeister .....................................

Fachbereich Umwelt und Stadtgrün in Zusammenarbeit mit der

Leibniz Universität Hannover Text Hansjörg Küster, Joachim Wolschke-Bulmahn, Walter Meyer. Heino Kamieth Redaktion Silke Beck, Karin van Schwartzenberg Fotos FB Umwelt und Stadtgrün, Christian Behrens, Karl Johaentges, Alexandra Rust Gestaltung Silke Beck Druck Druckhaus Pinkvoss gedruckt auf 100 % Recyclingpapier Stand November 2009 weitere Informationen FB Umwelt und Stadtgrün Langensalzastraße 17 Telefon 0511 168 4 38 01 Internet www.hannover.de