AB 19: Konfrontation mit den Opfern des Krieges

AB 19: Konfrontation mit den Opfern des Krieges

Kriegserfahrungen Sigmaringer Bürger im Ersten Weltkrieg (1914 bis 1918) AB 19: Konfrontation mit den Opfern des Krieges Hohenzollerische Volkszeit...

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Kriegserfahrungen Sigmaringer Bürger im Ersten Weltkrieg (1914 bis 1918)

AB 19:

Konfrontation mit den Opfern des Krieges

Hohenzollerische Volkszeitung, 17. August 1914 (Staatsarchiv Sigmaringen, Dep. 1, T 18, Nr. 38)

„Hohenzollerische Lande Sigmaringen, 27. August (Verwundetentransport) Der furchtbare Ernst und die Folgen der Gefechte und Schlachten des Kriegs kamen uns im Verlaufe des gestrigen Tages erstmals aus eigener Anschauung zum Bewußtsein. Hatten wir während der letzten drei Wochen fast täglich Gelegenheit, den ins Feld ziehenden Truppenzügen zuzujubeln und uns an ihrer Begeisterung für das Vaterland in der festen Hoffnung auf Sieg zu erfreuen, so boten die gestrigen Verwundetentransporte ein überaus ernstes, Mitleid erregendes Bild, das jedoch bei der Stimmung der Verwundeten und dem Eindrucke über die Gefangenen unserer festen Überzeugung, Deutschland wird in diesem Völkerkriege Sieger bleiben, keinen Einhalt tat.. (...) Da auf großen Andrang auf dem Bahnhof zu rechnen war, wurden nach 9 Uhr sämtliche Zugänge für Zuschauer abgesperrt und der Zutritt nur für die mitwirkenden Mitglieder des Roten Kreuzes und Vaterländischen Frauenvereins gestattet. Der erste Zug enthielt insgesamt 450 Soldaten, darunter etwa 300 verwundete Deutsche, etwa 100 Gefangene und 50 verwundete Franzosen. Es handelt sich darum, die Verwundeten zu erfri-

Friedhof Sigmaringen: Auf einer Gedenktafel wird der fünf gefallenen Söhne der Witwe von Wilhelm Gayer gedacht. © Markus Fiederer, 2010

schen und etwaige Notverbände zu erneuern. (...) Die Transporte der Verwundeten nach den im Wartesaal eingerichteten Verbandsorten übernahmen die Mitglieder der hiesigen freiwilligen Sanitätskolonne (...). (...) Bei den Hilfeleistungen des Roten Kreuzes wurden Freund und Feind gleich behandelt, Liebesgaben hingegen wurden den Franzosen nicht verabreicht. – Den Eindruck, den diese verbissenen Kerls in ihren Käppis, kurzen Röcken (...), roten Hosen, Gamaschen und schlechten Schuhen hinterließen, befestigte unsere Überzeugung, daß wir siegen. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, waren die Gefangenen durchweg schwächliche, bleich aussehende Männlein (...). Gerügt werden muss, dass die Neugierigen bis zu den Verbandsplätzen drängen. Zu wünschen wäre ferner, wenn man der Ankunft und dem Transport von Verwundeten mit mehr Ruhe und Gefaßtheit begegnet: weinerliche Ausrufe sind zu unterlassen. Ebenso dürfte es nichts schaden, wenn Kinder zu diesem traurigen „Schauspiel“ nicht mitgenommen werden.“ Hohenzollerische Volkszeitung, 27. 8. 1914 (Staatsarchiv Sigmaringen, Dep. 1, T 18, Nr. 38)

Arbeitskreis für Landeskunde/Landesgeschichte RP Tübingen

Oben: Fürsorge von Rotem Kreuz und Vaterländischem Frauenverein auf dem Sigmaringer Bahnhof. Hier befand sich

eine „Erfrischungsstelle“ und ein Übernachtungsraum für die durchziehenden Truppen bzw. die Verwundetentransporte. Der Vaterländische Frauenverein verteilte Liebespakete und Näharbeiten, das Rote Kreuz übernahm die Versorgung der Verwundeten. Sofort nach Kriegsbeginn wurden im Prinzenbau, im Josefinenstift, im Haus Nazareth, sowie in den Klöstern Gorheim und Beuron Lazarette mit insgesamt ca. 400 Betten eingerichtet. (© Maria von Schönau-Wehr, Sigmaringen)

Links: Feldpostkarte (© Staatsarchiv Sigmaringen, Nachlass Heinz Braun, N 1_85_ T1_023)

Aufgaben: 1. Finde Indizien dafür, dass es sich bei den Zeitungsartikeln nicht um objektive Tatsachenberichte handelt. 2. Arbeite heraus, mit welchen Mitteln im Artikel vom 27. August 1914 Kriegszuversicht zu wecken versucht wird. 3. Vergleiche die Zeitungsartikel mit Bild- und Textgehalt der Feldpostkarte. 4. Finde in den Zeitungsartikeln Hinweise darauf, dass die Reaktionen der Bevölkerung auf die Verlustmeldungen nicht durchgängig so „patriotisch“ waren wie in der Propaganda dargestellt. 5. Suche nach Erklärungen dafür, dass der Bahnhof (im Gegensatz zu den Feierlichkeiten bei den Truppentransporten an die Front) bei der Ankunft der Verwundetentransporte abgesperrt wurde.

Arbeitskreis für Landeskunde/Landesgeschichte RP Tübingen