Abtei-Journal - Zisterzienserinnen-Abtei Seligenthal

Abtei-Journal - Zisterzienserinnen-Abtei Seligenthal

Jahresbericht 2014/1 der Zisterzienserinnen- Abtei-Journal Ausgabe Nr. 15  ·  Juli 2014 Zisterzienserinnen-Abtei Seligenthal Abtei Seligenthal in L...

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Jahresbericht 2014/1 der Zisterzienserinnen-

Abtei-Journal

Ausgabe Nr. 15  ·  Juli 2014 Zisterzienserinnen-Abtei Seligenthal

Abtei Seligenthal in Landshut/Niederbayern

Inhalt Grußwort

Alltag in der Abtei Die Äbtissin und ihr Amt

Baubericht

Aus den Schulen

Grußwort

Grußwort von Äbtissin M. Petra Articus

M

eine lieben Freunde und Wohltäter Seligenthals,

vor ein paar Wochen hielt ich für die Jahrestagung der Gesellschaft für Mittelrheinische Kirchengeschichte im Limburger Dom einen Vortrag, der sich mit der Veränderung des spirituellen Lebens in unserer Abtei vor und nach dem zweiten Vatikanischen Konzil befasste. Im Nachhinein dachte ich mir, dass Sie, die Sie teilweise unsere Schulen besuchten und am Rande unser klösterliches Leben miterlebten oder unser Kloster auf andere Art und Weise kennengelernt haben, sich auch für den Wandel in unserem Leben interessieren. Manches von dem, was ich Ihnen vorstellen möchte, gilt ja wohl auch für andere Klöster, zumindest die unseres Ordens. Interessant wird für Sie sicher auch der Vergleich von Frau Inge Bosls Artikel über das Amt der Äbtissin und meine Erfahrungen sein. Ich brauche Ihnen nicht mehr viel über den Zisterzienserorden zu erzählen. Einen Orden, dessen Mönche und Nonnen nach der Benediktusregel leben und nach den Vorstellungen der Gründerväter Robert von Molesme, Albericus, Stephan Harding und Bernhard von Clairvaux. Der Hl. Bernhard fasst in einem Brief die Zielsetzung des Ordens knapp und klar zusammen: „Unser Orden bedeutet ein Leben der Demut, des Verzichts und der freiwilligen Armut, des Gehorsams, des

S

„ ei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.“

Mahatma Gandhi

Friedens und der Freude im heiligen Geist; unser Orden heißt, sich einem Meister zu unterwerfen, einem Abt, einer Regel, einer Disziplin. Unser Orden verlangt Schweigen, Fasten, Wachen und Beten, sowie körperliche Arbeit. Vor allem aber sollen wir dem erhabenen Weg der Liebe folgen; in all diesen Dingen heißt es, Tag für Tag vollkommener zu werden und in ihnen bis zum letzten Tag verharren.“ 

Lekai 1958

Bevor ich auf das Leben meiner Mitschwestern und auf die Spiritualität im 19. Jahrhundert und vor dem Konzil sowie auf unser Leben nach dem II. Vaticanum eingehe, möchte ich kurz etwas zum Begriff Spiritualität schreiben. Spiritualität oder wie man früher sagte „Geistigkeit“ war im Mittelalter im Mönchtum eindeutiger als heute, wo sie eher unscharf zwischen Theologie und Mystik angesiedelt ist. Im Mittelalter bezeichnete der Begriff Spiritualität die Abwendung von der Welt und der in dieser eingebundenen Vita activa und die Hinwendung zu Gott im Gottesdienst und der Askese. Diese Spiritualität war im Mönchtum keineswegs frei, sondern in festen Formen geordnet. Das Kloster wurde als Schule des Herrendienstes unter Führung eines Abtes gesehen, der sich zusammen mit den Mönchen der Regel sowie deren Ausführungsvorschriften, den Consuetudines, unterwarf. Das gemeinsame Leben, vor allem im Novum Monasterium, wie der neu entstehende Zisterzienserorden zuerst genannt wurde, sollte so verwirklicht werden durch conversio, ständige Umkehr, oboedientia, Gehorsam dem Abt und den Brüdern gegenüber, und stabilitas, nämlich die stabilitas loci – Beständigkeit des Ortes, was bedeutet, Verbleiben in dem einmal gewählten Kloster, stabilitas in congregatione – Verbleiben in der Gemeinschaft in

Verantwortung für ihre Entwicklung in schweren und guten Zeiten sowie stabilitas coram deo – Treue zu Gottes Ruf und dem Gelöbnis. Die Handarbeit wurde von den Vätern als Mittel einer gelebten Armut und der Askese gesehen und geschätzt. Sie ermöglichte auch die Unabhängigkeit von reichen Stiftern und Gönnern. Die neuere Forschung hat darauf hingewiesen, dass Stephan Harding und die ersten Mönche die Benediktusregel zwar ganz und gar erfüllen wollten und den Orden straff organisierten; zugleich aber waren sie offen für die geistigen Erneuerungen der Zeit. Für den Heiligen Bernhard spielte „die Philosophie der Liebe eine besondere Rolle, da er das Erwerben und Bewahren der Liebe als höchste Stufe der Vollkommenheit und Sinn und Zweck des monastischen Lebens sah“. In Seligenthal sehen wir heute Spiritualität auch ganzheitlich, nicht nur auf unser Gebetsleben bezogen; die Abwendung von der Welt wird nicht mehr so radikal gesehen und hat andere Formen angenommen. Heute nehmen wir die Entwicklung und die Themen der Gesellschaft intensiver wahr. Die Medienlandschaft und die weltweiten Kommunikationsmöglichkeiten haben sich verändert, sie machen vor einem Nonnenkloster nicht Halt. Für uns bedeutet Spiritualität, aus der Nachfolge Christi heraus das Evangelium und die Regel ernst zu nehmen, die jeweiligen Gegebenheiten des Lebens, die außergewöhnlichen genauso wie die alltäglichen, als uns von Gott zuge-

Grußwort

Grußwort von Äbtissin M. Petra Articus dacht zu sehen und in einer bewussten Entscheidung anzunehmen und auf ihn hin zu deuten. Wir versuchen im Alltag ein geglücktes, christliches Leben zu führen, das geprägt ist von Normalität und Standfestigkeit. Die Weisheit unserer Väter hilft uns, den rechten Blick für das Leben zu gewinnen oder zu behalten, es gut zu leben und hinter das Vordergründige und Offenkundige zu schauen. Aus der Gottsuche heraus suchen wir, zum Grund des Seins vorzustoßen, Zustimmung zum uns von Gott geschenkten Leben zu geben, einverstanden zu sein mit uns selbst und allem, was ist. In unserem Leben geht es nicht um spirituelle Techniken oder besondere asketische Übungen, sondern wir alle haben Gott einmal oder immer wieder irgendwie erfahren und suchen aus dieser Erfahrung und einer tiefen Sehnsucht heraus, immer mehr von ihm zu erfassen, ihn zu bejahen und uns von ihm, der ja immer den ersten Schritt macht, finden zu lassen. Meiner Meinung nach gab es in unserem Kloster wie auch in anderen Gemeinschaften eine Akzentverschiebung von der Askese zur Spiritualität. Asketische Übungen stehen bei uns nicht im Vordergrund, sondern erstrebt wird eine vertiefte Christusbeziehung, der Wunsch, wie Paulus es ausdrückt, „ein anderer Christus“ zu werden. Hierzu verhelfen uns die Stille in der Abgeschiedenheit der Klausur und die Reflexion unseres Denkens und Handelns in Abstimmung mit dem Evangelium. Wenn wir von Kontemplation sprechen, meinen wir nicht außerordentliche Visionen, Gesichte oder Beschauungen, sondern wir versuchen, uns der Gegenwart des Heiligen immer tiefer bewusst zu werden. Wenn ich nach einer ganz einfachen Formel unseres Lebens gefragt würde, würde ich vielleicht ähnlich wie Abba Sioes sagen: „Gott ist hier und das Leben ist da“, und ich ergänze, um gelebt zu werden in Liebe, Achtsamkeit, Einfachheit und Dankbarkeit.

Sicht des klösterlichen Lebens dargestellt in der Festschrift 1932 und die heutige Sicht Wir haben in Seligenthal seit 1687 durchgehend eine Chronik, vor allem die Beschreibung der täglichen Ereignisse im Kloster. Leider haben sich die Chronistinnen des 19. Jahrhunderts wesentlich mehr mit der Berichterstattung zur Wiedererrichtung 1835 und dem damit verbundenen Auftrag, sich der Mädchenerziehung anzunehmen, und der Besiedelung des ehemaligen Männerklosters Waldsassen durch unsere Mitschwestern befasst als mit dem liturgischen Leben. Da sich im Kloster etwas langsamer ändert als in der Welt draußen, gehe ich davon aus, dass sich, zumindest bis zu den beiden Weltkriegen, im Leben der Mitschwestern seit der Wiedererrichtung wenig verändert hat. Der große Einbruch und Reformen begannen im Wesentlichen mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil. In der Festschrift 1932 heißt es zum Geistlichen Leben: „Seligenthal war groß und kräftig geworden. Es glich dem blütenschweren Baum, dem in seinem Mark die Kraft zu gesegneter Frucht strömte. Die Quelle dieser Kraft aber war immer das Streben nach Vollkommenheit. Die Gottvereinigung ist das Ziel der Gottgeweihten.“ (Festschrift 1932 S. 90) Hier schon zeigt sich der erste Unterschied zur heutigen Auffassung: Wir wissen um unsere Unvollkommenheit und sprechen heute bezüglich des Ordensstandes nicht mehr vom Stand der Vollkommenheit. Wir sind uns unserer Schwächen und Fehler sehr bewusst und bauen nicht so sehr auf unsere moralische und ethische Kraft als vielmehr auf die erbarmende Liebe Gottes, auf die Erlösung durch Christus. Wir wissen, die von uns angestrebte Heiligkeit ist nur möglich durch

den Verdienst Christi, weil er, Gott, der schlechthin Heilige, uns heiligen möchte. In der Festschrift von 1932 heißt es weiter: „Das geistige Leben einer jeden Gemeinschaft, also auch der klösterlichen, ist immer das Produkt zweier Faktoren: Zeit und Mensch. Der Mensch wählt aus der Zeit mit ihren großen und kleinen Geschehnissen und ihrem Wirken aus und wird von ihr geformt, von dieser Zeit, die selbst geformt wurde von der herrschenden geistigen und seelischen Kraft des Menschen, der sie erlebt. So bleiben Zeit und Mensch in ewiger Wechselbeziehung. Wir müssen uns dessen bewusst sein, wollen wir das geistige Leben einer Gemeinschaft beurteilen.“ So schrieb Mutter Placida Priller und ich denke, dies gilt auch für uns heute. Ihre Stellungnahme zur Chronik nach der Wiedererrichtung 1835, lautet folgendermaßen. „1837 beginnt ein neuer Band der Chronik, der uns auch neue Menschen zeigt, nicht zunächst ein neues Geschlecht, sondern Menschen, die die Zeit gewandelt hat. Die Sorge um ihre Existenz, die Qual und Angst langer Notjahre hat ihnen den Blick in die Weite genommen und ihn auf das kleine und kleinliche Erlebnis des Heute gerichtet. Wir hören kaum etwas von dem, was die Welt draußen bewegt, aber jeder Sack Kartoffeln und jedes Bündel Holz, das eine gütige Hand spendet, wird mit Worten überschwänglichen Dankes gebucht. In dem Maße, als die Chronistin von der Schilderung äußerer Ereignisse abrückt, stellt sie die neue große Aufgabe in den Mittelpunkt: die Erziehung der Jugend.“ So Mutter Placida. Die Chronik zeugt von der Liebe der Schwestern zu den ihnen anvertrauten armen Kindern und der Bereitschaft, die neu übertragene Aufgabe der Mädchenbildung bestens zu erfüllen. Die gesellschaftlichen Bedingungen der Welt haben sich im Laufe der Geschichte immer geändert, aber in

Grußwort

Grußwort von Äbtissin M. Petra Articus den letzten 50 ‒ 60 Jahren wohl besonders. Und damit änderten sich auch die Frauen, die Zisterzienserinnen werden und ihre Lebensbedingungen und ihr Geprägtsein mit ins Kloster nehmen. Wir spüren das heute besonders. Viele der verstorbenen sowie die jetzigen älteren Mitschwestern, die noch während des Zweiten Weltkrieges eingetreten sind oder bald danach, taten sich nicht immer leicht, gewohnte und geliebte Ausdrucksformen klösterlichen Lebens loszulassen, um Neuem Raum zu geben. Wichtig sind deswegen die geistige Offenheit gegenüber der Welt und gleichzeitig eine gewisse Distanz zu ihr und vor allem der Blick auf das Ursprungscharisma und die Aufgabe des Klosters. Die Rückbesinnung auf den Ursprung ermöglicht uns heute ein verändertes, ich würde sagen verbessertes Regelverständnis. Wir sehen in der Benediktusregel nicht in erster Linie die Vorschriften, sondern sehen sie als einen Text, der uns helfen will, durch unser Leben Antwort auf die Liebe Gottes zu geben. Zudem nehmen wir nicht nur wahr, was unsere Väter wie z. B. der Heilige Bernhard, Wilhelm von St. Thierry oder Aelred geschrieben haben, sondern lesen auch die heutige spirituelle Literatur z. B. von Jean Chittister, Richard Rohr, Peat van Breemen, Johannes Bours, Carlo Martini, um nur einige zu nennen. Wichtig ist ebenfalls zu sehen und anzunehmen, dass immer gegensätzliches und widersprüchliches Denken auftreten kann und wir stets nach dem Gemeinsamen und Verbindenden suchen müssen, untereinander und im Blick auf unseren Ursprung und Grundauftrag. Schon zu Benedikts und Bernhards Zeiten waren die Klöster in der Welt aber gleichzeitig Abstand nehmend von ihr. Monastisches Leben ist nicht etwas Festgefahrenes, etwas, was sich nicht verändern darf. Schon wegen seiner Zeichenhaftigkeit steht Ordensleben, wie das Leben der

Kirche überhaupt, in einem eschatologischen Entwicklungsprozess. Benedikt sieht sein Kloster als eine Schule des Herrendienstes, ja auch als einen Weg, als Weg und Möglichkeit, Christus immer ähnlicher zu werden. Vom Hauptgebot der Liebe her gesehen, ist aber neben der Gottesliebe die Nächstenliebe, und damit das Wirken für unsere Schüler, deren Eltern und alle zu uns kommenden Menschen, ein Wesensmerkmal unseres Glaubens und so auch ein Wesensmerkmal unseres Ordenslebens. Hinwendung zu Christus muss auch Hinwendung zum Menschen sein und dies steht dem Wunsch Benedikts, „der Liebe Christis, nichts vorzuziehen“, nicht im Weg. Die Christusliebe muss in der Liebe zum Nächsten ihren Ausdruck finden. Dies galt für meine Mitschwestern im 19. und 20. Jahrhundert ebenso wie für uns und alle Zeiten davor und danach. Was uns trotz aller Unterschiedlichkeit der spirituellen Vielfalt verbindet, ist das Bewusstsein, einer größeren Gemeinschaft, der Gemeinschaft aller Zisterzienser anzugehören, aus der benediktinisch, zisterziensischen Tradition zu leben, die Zustimmung zur objektiven Lehre der Kirche, die Einsicht in den tiefen Sinn der Sakramente und das Wissen um die persönliche Verantwortung jeder Einzelnen, welche durch die Gewissensfreiheit begründet ist.

Veränderungen des klösterlichen Lebens in unserer Abtei Nun möchte ich konkret die Veränderungen aufzeigen, die sich, manche langsam schleichend, manche auch bewusst, nach dem Zweiten Vaticanum ergeben haben. Wobei dies meine persönliche Sichtweise ist.

Eintrittsmotivation Als ich 1969 eintrat, zählte unser Konvent 135 Schwestern, heute sind wir 43. Ausgehend von den Erzählungen

älterer und bereits verstorbener Mitschwestern, weiß ich, dass sich die Eintrittsmotivation, von einigen Schwestern zumindest verändert hat. Das Hauptmotiv jedes Eintritts ist wohl damals wie heute die Liebe zu Gott und die Sehnsucht ihm näherzukommen. Die Zweit- oder Nebenmotivationen haben sich aber gewandelt. Für nicht wenige meiner früheren Mitschwestern war der Gedanke, Braut Christi zu werden, wichtig. Heute klingt er meist nur noch in der Professliturgie an und ich war z. B. 1969 die erste Kandidatin von Seligenthal, deren Einkleidung nicht mehr mit dem Brautkleid stattfand. Manche Mitschwestern betonten damals mehr den Sühneoder Bußgedanken, den sie bis ans Lebensende durchtrugen, und dachten gar nicht daran auszutreten, wenn ihnen etwas schwerfiel. Ein Klostereintritt entsprang unter anderem auch dem Wunsch der Eltern und den familiären und gesellschaftlichen Gegebenheiten, da man es noch als Ehre ansah, einen Priestersohn zu haben oder mindestens eine Tochter im Kloster. Heutige junge oder nicht mehr ganz so junge Frauen, – denn auch das Eintrittsalter hat sich gewaltig verschoben von etwa 18, 19 oder 20 Jahren auf knapp unter oder über 40 Jahre –, müssen um ihren Eintritt kämpfen. Sie haben schon Erfahrungen im Beruf, meist auch Beziehungserfahrungen, und haben einen eigenen Lebensstil entwickelt. Eine Gesellschaft, für die die Existenz oder gar Präsenz Gottes nicht mehr selbstverständlich ist, in der Erfolg, Geld und Macht die Maßstäbe setzen, versteht einen Klostereintritt nicht mehr, da einer jungen Frau alle beruflichen Möglichkeiten offenstehen und sie ihr Leben unabhängig von anderen gestalten könnte. Die Sehnsucht, Gott näherzukommen, ein intensives Gebetsleben zu führen, am Aufbau des Reiches Gottes mitwirken zu dürfen, sich an eine gleichgeschlechtliche Gemeinschaft zu binden, ist vielen Menschen fremd geworden.

Grußwort

Grußwort von Äbtissin M. Petra Articus Heutige Frauen treten auch nicht mehr einfach ins nächstgelegene Kloster ein, sondern schauen sich meist viele Gemeinschaften, die sie im Internet entdecken, vorher an und entscheiden sich für eine bestimmte Spiritualität. Bei uns zum Beispiel locken zuerst die Verbindung des zisterziensischbenediktinischen Lebensstiles und ein intensives soziales Engagement durch unsere Bildungseinrichtungen. Manche Schwestern suchen aber dann doch mehr einen stärker abgeschlossenen Lebensbereich als den unsrigen, in dem die Verbindung von Kontemplation und Aktion, sprich bei uns das Wirken in der Schule und in den pädagogischen Einrichtungen, eine große Herausforderung darstellt. Noch etwas hat sich bezüglich des Klostereintritts geändert. Im 19. Jahrhundert, ja auch noch bis etwa zur Mitte des 20. Jahrhunderts mussten die Frauen eine Mitgift mitbringen und nicht wenige wurden abgelehnt, da es im Kloster nicht so viele freie Zellen wie Eintrittswillige gab. Heute hätten wir genügend Platz für Kandidatinnen und ihre Mitgift ist ihre Arbeitskraft, ihr Beruf. Eine größere Mobilität, die Eigenständigkeit der Frauen in unserer Zeit, sowie eine veränderte Sichtweise der eigenen Lebensgestaltung und eine gewisse Bindungsangst führen heute zu mehr Austritten auch noch nach der ewigen Profess. Die nicht bleibenden Frauen bedauern aber meist ihre im Kloster verbrachte Zeit nicht, sondern sehen sie als Bereicherung und Vertiefung ihres religiösen Lebens an und bleiben im gewissen Sinn auch immer vom Klosteralltag, von einer straffen Zeiteinteilung, einem bewussten Gebetsleben geprägt. Schwerer ist jeder Weggang von unserer Seite zu verkraften, wirft er doch immer wieder die Fragen des Warum auf, die sich nicht so leicht beantworten lassen, und es geht ja auch meist ein Verlust von persönlicher Beziehung mit einher. Denn anders als früher haben wir heute nicht mehr so sehr Angst vor den sogenann-

ten „Partikularfreundschaften“, da positive Beziehungen jedes Leben bereichern und gegenseitige Ergänzungen einen Gewinn bedeuten. Zudem kann Liebe und Wohlwollen nur in persönlichen Beziehungen konkretisiert werden und nicht in der Umarmung einer abstrakten Welt.

Liturgie

• 1 3.45 Uhr Besuchung beim Allerheiligsten, evtl. Kaffee

• 1 4.00 oder 15.00 Uhr Vesper und Komplet – Arbeitszeit

• 1 6.30 Uhr gemeinsame geistliche

Lesung im Noviziat. Den Konventfrauen war die Zeit der geistlichen Lesung selbst überlassen, wobei der enge Tagesablauf ja nicht mehr viele Möglichkeiten offenließ.

Das Gebetspensum war umfangreicher und ließ nicht so viel Freiraum für die Einzelne. Das kann man gut am Tageslauf ersehen, der 1936 so aussah:

• 1 7.00 Uhr Nokturn – Tisch Rekre-

• 4 .15 Uhr Wecken durch eine

• 2 1.00 Uhr oder später Nachtruhe

Laien-schwester, die an jeder Zellentür klopfte. Heute hat jede Schwester einen Wecker.

• 4 .50 Uhr Prim mit Kapitelgebeten

ation

• 1 9.00 Uhr Laudes – privates Gebet oder Arbeitszeit

Es gab also von 4.15 Uhr bis 21.00 Uhr 14 verpflichtende religiöse und gemeinschaftliche Übungen.

und Terz

Die Arbeitszeit beschränkte sich auf etwa 4 – 4 1/2 Stunden.

auf dem Nonnenchor

Sie merken, ein ganz dichter Tagesablauf, der nicht den liturgischen Vorstellungen entsprach, nicht tagzeitengemäß war. Dies mag im 19. Jahr-hundert vor den beiden Weltkriegen etwas anders gewesen sein. Aber wegen des Ölmangels und der Knappheit von Kerzen im Krieg und sicher auch davor mussten die Horen des Breviers bei Tageslicht gebetet werden, sodass man beim Antizipieren, das heißt Vorwegnehmen mancher Tagzeit, blieb. Dass man nach dem Krieg diese Ordnung zuerst noch beibehielt, lag sicher daran, dass man das Chorgebet weniger als das Gedächtnis der einzelnen Heilsgeheimnisse ansah, sondern einfach als die der Nonne aufgetragene Aufgabe des Gotteslobes. Die Nonnen sahen das Offizium als Dienst, Liebesdienst und Pflicht an. Da man Gott zu jeder Tageszeit, eigentlich immerdar loben sollte, war ihnen die entsprechende Stunde weniger wichtig.

• 5 .30 Uhr Betrachtung kniend • 6 .00 Uhr Kommunion – der

Priester brachte das Allerheiligste von der Kirche auf den Nonnenchor und brachte es nach der Kommunion der Schwestern wieder zurück.

• 6 .15 Uhr Sext und Non –

Frühstück, Aufräumen der Zellen und evtl. Gebetszeit

• 7 .15 Uhr Hl. Messe in der Kirche

– die Schwestern waren auf dem Nonnenchor. Die Plätze am Gitter, durch das man in die Kirche hinuntersehen konnte, waren über die Wochentage hinweg verteilt.

• 8 .00 Uhr Arbeitszeit • 1 0.00 Uhr kurze Besuchung

beim Allerheiligsten – Imbiss im Refektor – Arbeitszeit

• 1 1.45 Uhr Partikularexamen –

Gewissenerforschung bezüglich der ersten Tageshälfte

• 1 2.00 Uhr Tisch – Rekreation und Mittagsruhe

Unsere heutige Tagesordnung sieht im Großen und Ganzen folgendermaßen aus:

Grußwort

Grußwort von Äbtissin M. Petra Articus • 6 .00 Uhr Laudesmesse am

Nonnenchor – die Laudes bildet das Morgenlob der Kirche, bei dem wir an das Ostergeheimnis, die Auferstehung, denken.

•A  nschließend Terz. Die Terz ist

eigentlich das Gebet der dritten Stunde und wird von vielen Klöstern um 9.00 Uhr gebetet, da sie den Vormittag heiligen soll und an das Pfingstgeschehen erinnert. Da wir um 9. 00 Uhr in der Schule oder an einem anderen Arbeitsplatz sind, antizipieren wir diese Hore.

•N  ach der Terz Frühstück und Arbeitszeit

• 1 2.15 Uhr Mittagshore für die

Schwestern, die keinen Unterricht mehr haben. In der Mittagshore, in der wir wöchentlich abwechselnd einmal die Sext und dann die Non beten, gedenken wir des Leidens und des Todes Christi.

• 1 2.30 Uhr Tisch und freie

Rekreation, die von vielen zum Mittagsschlaf genutzt wird.

• B eginn der Arbeitszeit, je nach Aufgabe variabel

• 1 6.45 Uhr Stille Zeit für lectio divina

• 1 7.30 Uhr Vesper und

anschließend­ Nokturn, die wir wegen der Schule antizipieren. In der Vesper, dem Abendgebet der Kirche, danken wir für die Eucharistie und das Erlösungsgeschehen. Die Nokturn entspricht der Nachtwache und wird auch Lesehore oder Matutin genannt.

•A  nschließend Tisch und

verpflichtende Rekreation

• 19.45 Uhr Komplet, die der Vollendung des Tages entspricht und zum großen nächtlichen Stillschweigen führt. Welche Zeiten sich jede einzelne Schwester für ihr persönliches Gebet, ihre etwa einstündige Betrachtung und

geistliche Lesung wählt und für ihre sonstigen Gebetswünsche und -anliegen, ist ihr selbst überlassen. Die Gebetsverpflichtungen im 19. und 20. Jahrhundert bis zum zweiten Vaticanum waren wesentlich umfangreicher als heute. Eine Chorfrau, im Gegensatz zur Laienschwester, betete das unverkürzte lateinische Zisterzienserbrevier ge-meinsam mit den anderen Nonnen. Dazu kam das privat und deutsch gebetete Marianum und an den freien Tagen der Fastenzeit noch das Totenoffizium. Jede Schwester betete früher innerhalb eines Jahres zehnmal den Psalter, die 150 Psalmen für die Armen Seelen. 9 Psalter konnten durch je drei Kreuzwege ersetzt werden, die man mit ausgespannten Armen betete. Nach der letzten Liturgiebestimmung des Ordens 2012 sind die privaten Gebete einer Schwester für eine verstorbene Mitschwester oder Angehörige der Einzelnen selbst überlassen. Wir in Seligenthal halten noch den sogenannten Dreißiger bei einer verstorbenen Mitschwester. Das heißt, sie bekommt dreißig Heilige Messen, dreißig Tage lang gedenken wir ihrer beim abendlichen Totengedenken, dreißig Tage steht ihr Bild mit einer Kerze an ihrem Refektorplatz und dreißig Tage lang rühren wir ihre Zelle und ihre Sachen nicht an. Die dreißigmalige Essensausgabe an einen Armen statt ihrer, fällt bei uns weg, da wir jeden Tag etwa 15 – 20 Bedürftige verköstigen. Der tägliche Rosenkranz war auch früher nicht verpflichtend, aber Hausgebrauch und eigentlich selbstverständlich. Ebenso selbstverständlich war es bis in die 70er-Jahre des 20. Jahrhunderts, am 1. Samstag des Monats per Prozession die drei Rosenkränze hintereinander zu beten. Heute beten wir noch jeden Tag im Oktober gemeinsam den Rosenkranz und an bestimmten Tagen des Jahres, wobei die Teilnahme freiwillig ist und manche jüngeren Schwestern wenig Zugang

zum gemeinsamen Rosenkranzgebet haben. Die persönliche Meditation, die Schriftlesung, das Jesusgebet sowie das Ruhegebet stehen bei ihnen im Vordergrund. Ab 1966 fingen wir in Seligenthal an, eine Hore nach der anderen deutsch zu sprechen und nur noch an Sonn- und Feiertagen Laudes und Vesper lateinisch zu singen. 1971 gestalteten wir zum ersten Mal die deutsche Karlitugie nach der Liturgie der Abtei Münsterschwarzach. Da es bei den Zisterziensern noch kein deutsches Brevier gab und auch das benediktinische deutsche Brevier mit der Einheitsübersetzung erst 1981 erschien, wurde bei uns nach vorbereiteten Versuchen für das Chorgebet 1975 als Übergangslösung das Neue Stundenbuch der Priester benützt. Nach der Übernahme des benediktinischen deutschen Stundenbuchs entwickelten wir 1986 mithilfe unserer Cantorin ein für den Eigengebrauch entsprechendes KompletBüchlein und 1987 das Chorbuch mit deutschen und lateinischen Gesängen sowie für die Vesper zu singende deutsche Antiphonen. Gab es schon lange vor dem Konzil nicht mehr so viele Jahrtage, wie z. B. für die verstorbenen Fürstenpersönlichkeiten des Hauses Wittelsbach und andere Seligenthal verbundene Geschlechter wie z. B. das Geschlecht der Grafen von Preysing oder der Kargls, die wie die Wittelsbacher ihre Grablege in Seligenthal hatten, fielen Andachten, wie die Bruderschaftsandachten, zum Beispiel der Dreifaltigkeitsbruderschaft, der die Mitschwestern angehörten, erst nach dem Konzil weg. Auch das Ablasserbeten schränkte sich wesentlich ein. So war es in Seligenthal Brauch, z. B. am Dreifaltigkeitssonntag, kniend sich die im Kloster befindliche „Heilige Stiege“ hinaufzubeten, für die es bestimmte Gebete und Andachten gab, ähnlich wie in Passau am Mariahilf-Berg oder in Rom bei der „Heiligen Stiege.“ Die

Grußwort

Grußwort von Äbtissin M. Petra Articus Krönungsandacht zur Muttergottes z. B., die noch aus dem Dreißigjährigen Krieg stammte, behielten wir zwar bei, veränderten sie aber um das Jahr 2000, sodass sie mit ihren vier unterschiedlichen Möglichkeiten mehr der heutigen Marienverehrung entspricht. Zudem ließen wir im Laufe der letzten 15 Jahre alle gemeinsam gebeteten Novenen weg und konzentrierten uns mehr auf eine feierliche Gestaltung des Chorgebets, bei dem wir jetzt wesentlich mehr deutsch singen. Wie stark der Buß- und Sühnegedanke das frühere Leben der Schwestern geprägt hatte, sah man nicht nur an der Verpflichtung zur wöchentlichen Beichte, dem wöchentlichen Schuldkapitel, der täglichen Prozession in der Fastenzeit vor Tisch, bei der die sieben Bußpsalmen gebetet wurden, den Bußgebeten bei Tisch mit ausgespannten Armen, dem 40-stündigen Sühnegebet an den Faschingstagen, sondern auch in dem Wunsch mancher Schwester, möglichst viele kleine oder größere Opfer zu bringen. Hier denke ich z. B. an die furchtbar raue Unterbekleidung einer Mitschwester oder an das tapfere Ertragen manch einer Unannehmlichkeit, die man leicht hätte ändern können. Der Sühnegedanke spielt bei uns heute nur noch vereinzelt eine Rolle, ebenso gibt es kaum mehr den spirituell motivierten Werk- oder Leistungsgedanken bezüglich des Gebetes oder einer asketischen Übung wie z. B. eines extremen Fastens. Die meisten meiner Mitschwestern suchen heute einmal im Monat das Beichtgespräch und nicht wenige haben einen geistlichen Begleiter. Im Zusammenhang mit dem Ertragen von kleinen oder größeren Unannehmlichkeiten möchte ich auch die Änderung unseres Schleiers erwähnen. Die Veränderung des Schleiers, es handelt sich meist um eine Vereinfachung, erregte schon im 19. Jahrhundert die Gemüter der Schwestern, – nach ihren Erzählungen –, aufs Heftigste. In den 70er-Jahren trat bei uns erneut der Wunsch auf, einen leichteren, nicht

mehr so warmen und die Sicht eingrenzenden Schleier zu tragen. Erst bei meiner Benediktion 1999 entschieden wir uns für den jetzigen Schleier.

Klausur Konnten die Mitschwestern wegen des Klausurgedankens – selbst der Geistliche betrat ja die Klausur nicht – nicht unmittelbar an der Heiligen Messe teilnehmen, so feiern wir seit den 70erJahren des letzten Jahrhunderts den Sonntagsgottesdienst zusammen mit den Gläubigen unten in unserer schönen Barockkirche und etwa seit dem Beginn des 2. Jahrtausends können auch unsere Gäste am morgendlichen Gottesdienst am Nonnenchor teilnehmen. Die Öffnung des Nonnenchores für weibliche Teilnehmer an der Karliturgie besteht schon seit den 70erJahren. Die Einhaltung der Klausur sieht heute ganz anders aus als früher. Da wir päpstlichen Rechts sind, galten bis in die 70er-Jahre des letzten Jahrhunderts auch bei uns die von Rom bestimmten Auflagen einer Nonnenklausur und die Dispensen davon gab der Diözesanbischof. Da wir in der genannten Zeit hauseigene, von Rom approbierte Konstitutionen entwickelten, gelten seit 1984 unsere konstitutionellen Klausurbestimmungen und die jeweilige Äbtissin hat das Recht der Dispensierung. Seitdem unterscheiden wir nicht mehr zwischen Halbklausur und Klausur. Die Schulen und das sonstige Areal des Klosters, wie die Werkstätten, gehörten früher zur Halbklausur, d. h. eine Nichtlehrerin oder eine Schwester, die nicht in einer Werkstätte arbeitete, durfte diese nicht ohne vorherige Erlaubnis betreten. Der Arzt und Zahnarzt kamen ins Haus, in eine eigens dafür eingerichtete Praxis, und die Schwestern, die z. B. mit den Schülerinnen beim Wandertag mitgehen mussten, durften draußen weder etwas essen noch trinken. Die Mög-

lichkeit zum fünftägigen Heimatbesuch alle zwei Jahre und der dreiwöchige Urlaub in unserer Ferienwohnung in der Steiermark, in einem anderen Kloster oder einem angemessenen Ferienort, steht seit dieser Zeit auch jeder Schwester offen. Die Teilnahme selbst an kirchlichen Veranstaltungen in Landshut oder der Diözese war, wenn überhaupt, auch noch lange nach dem Konzil den Vorgesetzten oder ausgewählten Schwestern vorbehalten. So hielten wir bis zum Jahr 2000 z. B. auch die Fronleichnamsprozession in unserer Kirche. Gerade das Denken bezüglich der Klausur, das heißt des geschützten Lebensraumes eines Klosters, den kein Außenstehender ohne Erlaubnis und triftigen Grund betritt, und des zeitweiligen Verlassens desselben hat sich wesentlich verändert. Wir sehen ihn heute nicht mehr so sehr als Abgrenzung von der Welt und ihren Einflüssen. Die z. B. auch durch das Internet eindringen. Für uns ist es wichtig, einen Raum zu haben, der das Schweigen, die Sammlung, das Gebet, schlicht gesagt die Konzentration auf Gott hin, erleichtert und uns zugleich ein verhältnismäßig ungestörtes Miteinander ermöglicht. Dabei ist die Zelle, oder in ihrer Sprechweise gesagt, die seit der Renovierung gegebene kleine Wohneinheit jeder Schwester, der eigentliche Rückzugsraum, in dem jede bei Gott und sich selbst zu Hause sein soll. Da wir jetzt auch Telefon und viele Schwestern ihrer Aufgaben wegen einen PC in ihrem Arbeitsraum haben, ist die Verantwortung jeder Einzelnen für ihre Kommunikation mit der Welt viel größer geworden. Wir sprechen immer wieder darüber, das abendliche Stillschweigen zu beachten und die heutigen Kommunikationsmittel mit Maß und Ziel und Verantwortung zu benutzen, aber eine direkte Kontrolle üben wir nicht aus. Anders als bis etwa zum Jahr 2000 hören jetzt vor allem unsere älteren Mitschwestern immer wieder Radio, meist Radio Horeb, und seit der Wahl des Hl. Vaters Benedikt

Grußwort

Grußwort von Äbtissin M. Petra Articus XVI. haben wir auch einen Fernseher innerhalb der Klausur. Das erweiterte Klausurverständnis ermöglicht uns heute viel mehr, an Fortbildungen teilzunehmen oder Kontakt mit anderen Klöstern unseres Ordens zu pflegen. Ganz wichtig für uns sind z. B. die Werkwochen von Schwester Michaela Puzicha in Salzburg, die uns ein vertieftes Regelverständnis ermöglichen und uns helfen, den Bezug der Benediktusregel zum Evangelium und den Vätern zu erfassen. Auch die Teilnahme z. B. am Weltgebetstag der Frauen oder an anderen ökumenischen Veranstaltungen ist jetzt möglich, was natürlich eine größere Offenheit gegenüber anderen Religions- und Glaubensgemeinschaften voraussetzt. Die größte Grenz- oder Klausurüberschreitung geschah aber sicher vor 40 Jahren und dann vor 20 Jahren durch die Gründung eines Klosters mit Schule in La Paz, Bolivien, und Errichtung eines Kinderdorfes in St. Domingo de los Colorados in Ecuador. Vorher, schon vor dem Zweiten Vatikanum, gründeten Mitschwestern das Kloster Marienkron als Gebetsstätte an der ungarischen Grenze im Burgenland, und die letzte Gründung von Seligenthal aus war vor 15 Jahren die Wiedererrichtung des Klosters Helfta in der Lutherstadt Eisleben. Nicht nur dort, sondern auch bei uns in Landshut nimmt die ökumenische Arbeit einen größeren Stellenwert ein als früher. Es hat sich aber nicht nur unser Kontakt zur Welt verändert, sondern gerade in den letzten 20 Jahren suchen immer mehr Frauen, manchmal auch Männer, durch einen Aufenthalt im Kloster Abstand von ihrem Alltag zu gewinnen und ihre Gottesbeziehung zu vertiefen. So sind unsere zwölf Gästezimmer ziemlich oft ausgebucht mit Gästen, die die Stille suchen, manchmal ein Gespräch, vor allem aber die Teilnahme am Chorgebet.

Arbeit und Laienschwestern Wie Sie aus dem Tagesablauf der Schwestern vor dem Konzil entnehmen konnten, blieb der einzelnen Nonne nicht sehr viel Zeit für die vom Hl. Benedikt ebenfalls geforderte Arbeit, die bei uns teilweise geistige und teilweise Handarbeit war. So war auch bis nach dem Konzil der Seligenthaler Konvent geteilt in zwei Gruppen von Schwestern. Es gab die Nonnen, Moniales oder bei uns „Frauen“ genannt, mit der Verpflichtung zum Opus Dei, dem großen kirchlichen Stundengebet, und die Laienschwestern, die sich schon durch die Professformel unterschieden und die vor allem die häuslichen Arbeiten erledigten. Gelobten die Chorfrauen Gehorsam nach der Regel des Heiligen Benedikt, so die Laienschwestern gemäß der Regel des Heiligen Benedikt. Sie waren vom Konventkapitel ausgeschlossen, trugen statt des weißen Habits einen schwarzen und einen Chormantel statt der Kukulle, da sie nicht zum Chorgebet verpflichtet waren und ein geringeres Gebetspensum hatten. Sie arbeiteten in der Küche, im Garten, in unserer Landwirtschaft und vorwiegend in den Werkstätten, wie z. B. der Metzgerei, der Schusterei, der Bäckerei, bei den Bienen oder im Waschhaus. Meist entschied der Bildungsgrad – Lateinkenntnisse waren ja die Voraussetzung für das Verstehen des Chorgebetes – oder der Beruf, welche Art von Schwester jemand wurde. Wie es leider im 19. Jahrhundert und auch später noch beachtliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Schichten gab, so war es auch im Kloster: Die Schwestern hatten eine eigene Schwesternmeisterin, eine eigene Rekreation und durften z. B. mit den Konventfrauen nicht sprechen. 1969 erhielten alle Laienschwes-tern die Möglichkeit des Übertritts zur Chorfrau. Dieses Angebot nahm etwa eine Handvoll Schwestern wahr, sodass wir

1974 noch 27 Laienschwes-tern und 84 Chorfrauen hatten und heute nur noch eine Laienschwester. Heute kann keine eintretende Frau mehr Laienschwester werden. Die anfallenden Arbeiten verteilen sich auf alle Schwestern, je nach Beruf und Eignung. Zudem haben wir neben den Schulen und Kindertagesstätten nur noch eine Schneiderei, Wäscherei, Gärtnerei und eine Buchbinderei, in der eine Schwester arbeitet, sonst werden viele Arbeiten mithilfe von Angestellten ausgeführt und in den Schulen überwiegen jetzt die weltlichen Lehrkräfte. In Seligenthal als Bildungszentrum gehen täglich 1900 Kinder, Jugendliche und Erwachsene ein und aus. Neben der Arbeit in den Erziehungseinrichtungen für Kinder und Jugendliche ist auch die Erwachsenenbildung wichtig geworden. So entstanden die Seligenthaler Gespräche zu existenziellen Lebensfragen. Ein Überthema von drei unterschiedlichen Angeboten hieß z. B. „Suche den Frieden und jage ihm nach“ oder in einem anderen Jahr „Menschenwürde – ein Auslaufmodell?“ Auch ein Friedensforum mit Zeitzeugen von großen Friedensstiftern wie den Mönchen von Tibhirine, Abbe Stock, Mutter Theresa, Roger Schütz, Martin Luther King und Hildegard Goss-Mayr fand großen Anklang. Seit einem Jahr haben wir auch einen Teil, der an unseren Kreuzgang angrenzenden Räume für die religiösen Objekte des modernen Bildhauers Fritz Koenig zur Verfügung gestellt und im Garten und im Besuchssaal kann man in Zukunft die Werke der Künstlerin Marlene Neubauer-Woerner und eine kleine Sammlung der Werke von Ruth Schaumann besichtigen. Unsere vielfältigen Aufgabenmöglichkeiten bereichern uns, aber es ist nicht immer leicht, eine angemessene Arbeitsverteilung zu finden, die der

Grußwort

Grußwort von Äbtissin M. Petra Articus einzelnen Schwester noch Zeit für ihr persönliches Gebet lässt und ihr nicht die Freude am gemeinsamen Chorgebet nimmt, welches auch Kraft, vor allem aber Aufmerksamkeit und innere Präsenz von uns fordert. Eine wesentliche Veränderung in unserem Orden ergab sich nach langer Vorbereitung vor allem durch H. Herrn Generalabt Dr. Polykarp Zakar, Äbtissin Columba und Assumpta im Jahr 2000. An dem in diesem Jahr stattfindenden Generalkapitel in Rom durften zum ersten Mal die Äbtissinnen und Priorinnen der Frauenklöster stimmberechtigt teilnehmen. Darf ich zusammenfassend sagen: Unsere Spiritualität drückt sich auf zweifache Weise aus. Einmal stellen wir die Verherrlichung Gottes im gemeinsamen Stundengebet in das Zentrum, indem wir Christus als Mittler sehen. Zum anderen denken wir an das Heil des Menschen und zwar mit dem doppelten Anliegen der Selbstheiligung und des Apostolates. Dabei drückt unser Leben aus, dass wir um die Gnade wissen und nicht erwarten, alles aus eigener Kraft leisten zu können. Die Bereitschaft, Gott an uns wirken zu lassen, mit Christus als Mittler unterwegs zu sein, in und aus seinem Geist heraus zu leben, verbindet uns mit allen Zisterziensern vor und nach uns, ja mit allen Christen, die ihren Glauben ernst nehmen. Ich glaube, wenn wir heute auch nicht mehr von uns als arm sprechen können, sondern eher wünschen, einfach, genügsam und bescheiden zu leben und uns nicht von dem, was wir für unsere Aufgaben gebrauchen, besetzen zu lassen, und wenn sich die Sicht des Gehorsams durch die stärker betonte Eigenverantwortung verändert hat, dürfen wir uns heute genauso noch als Zisterzienserinnen sehen wie all die Schwestern vor uns. Eine Äbtissin hat heute eine andere Stellung im Konvent als noch vor dreißig, vierzig Jahren.

Dank ihrer Stellung hat sie meist den besseren Überblick über das Gesamtgeschehen im Kloster, aber welchen Weg wir einschlagen, was uns wichtig ist, welche Tätigkeit die einzelne Schwester übernehmen kann, wird heute nicht mehr einfach bestimmt, sondern entweder im Einzelgespräch oder im Konvent besprochen. So z. B. haben wir vier Gesprächsgruppen gebildet, in denen die Abänderung unserer Konstitutionen vorbesprochen wird, um dann gemeinsam eine zeitgemäße Lösung zu finden. Hierbei gilt die Meinung jeder einzelnen Mitschwester genauso viel wie meine. Unsere Frömmigkeit, um ein anderes Wort für Spiritualität zu gebrauchen, wurzelt im Wort und im Sakrament des Herrn. Wir stellen die Liturgie bewusst in die Mitte unseres Lebens, lesen im Geist der Kirche die Hl. Schrift und versuchen Christus nachzufolgen als Zeugen seiner Liebe. Denn die Gottsuche, zu der der Hl. Benedikt heute noch auffordert, will genau das: in und mit einer Gemeinschaft unter der Leitung eines Abtes Gott verherrlichen, Christus als Weg und als Ziel sehen, durch Gebet, Schriftlesung und Arbeit immer mehr so zu werden, wie Gott uns gedacht hat. Der Hl. Benedikt fordert uns heraus, Hörende zu sein und der Liebe zu Christus nichts vorzuziehen. Diese Liebe zu Christus drückt sich vor allem darin aus, dass wir Gott unsere Zeit im Stundengebet, in der Hl. Messe, bei der Betrachtung und der Schriftlesung schenken, ihn so verherrlichen und gleichzeitig uns von ihm bilden lassen. St. Benedikt will weiter, dass wir Nonnen durch unsere Arbeit leben und damit nicht nur unseren eigenen Lebensunterhalt erwirken, sondern auch für andere da sein können und sie unterstützen, in unserem Falle unsere Kinder und Jugendlichen. Im Grunde geht es in einem benediktinisch orientierten Kloster wie dem unseren darum, dass jede Einzelne

ihren Platz findet und sich so entwickeln kann, wie es dem Plane Gottes entspricht. Dabei ist uns bewusst, dass dies nicht von heute auf morgen geschieht, wie manche bei ihrem Eintritt wünschten, sondern dass wir uns auf einer spirituellen Reise befinden und immer wieder in dem Spannungsfeld von Ideal und Wirklichkeit stehen. Doch ist uns bewusst, vor allem durch das Beten der Psalmen und durch die Schriftlesung, dass Versagen unseren Idealen gegenüber, echte Schuld oder ein diffuses Schuldbewusstsein, also unsere menschliche Schwäche, kein Grund zu verzagen ist. Das Gegenteil ist der Fall. Erstens glauben wir zutiefst an die Barmherzigkeit Gottes und finden es wunderbar, dass der Hl. Benedikt seine Mönche auffordert, „niemals an der Barmherzigkeit Gottes zu zweifeln“. Und zweitens beinhaltet unser Gelübde der conversatio morum das Versprechen der steten Bekehrung und Umkehr oder, anders gesagt, den täglichen Neuanfang. Aus dieser Sicht hat unser Gebetsleben wie unser Arbeitsleben, unsere Sendung nach innen wie unsere Sendung nach außen etwas mit Kontemplation zu tun. Vor allem, wenn man Kontemplation so sieht wie Berry Commelly. „Kontemplation beginnt, wenn einer aufhört, von seinen eigenen Belangen vollständig in Anspruch genommen zu sein und er also damit anfängt, dass ein anderer Mensch, ein Ereignis, ein Thema, seine Aufmerksamkeit findet.“ Jetzt habe auch ich Ihre Aufmerksamkeit lange beansprucht. Vielleicht hat Sie meine Darstellung ein wenig angeregt, auch über die Veränderungen in Ihrem Leben nachzudenken. Denn ich glaube, es gilt, was Richard Löwenthal sagt: „Werte kann man nur durch Veränderung bewahren.“ Es wünscht Ihnen einen schönen Sommer und alles Gute



Ihre M. Petra Articus

Alltag in der Abtei

Alltag in der Abtei

Herausragende Ereignisse in der Gemeinschaft der Abtei und Einsiedeln. Die Wallfahrt an die Gedenkstätten des Heiligen Nikolaus von Flüeli/Ranft und den Abstecher nach Kloster Einsiedeln werden sie so schnell nicht vergessen.

Feste und Begegnungsmöglichkeiten in unserem Haus und im Orden

W

ie schon im letzten Journal angekündigt, durfte Schwester M. Regis am 28. Dezember 2014 ihren 80. Geburtstag zusammen mit ihrer Schwester, den HeliandFreundinnen aus Rosenheim, ihren Schulkolleginnen und dem Konvent feiern. Ihr folgen in diesem Jahr vier Mitschwestern, die auch auf 80 Lebensjahre zurückblicken dürfen. Schwester M. Theresia und M. Gisela werden am 8. 7. ihr 8. Lebensjahrzehnt vollenden, Schwester M. Marcella am 19. 7. Und Schwester M. Seraphina am 17. 9. Wir sind dankbar, dass es allen vier Schwestern noch gut geht und sie noch einen wichtigen Beitrag für unsere Gemeinschaft leisten dürfen, ob in der Schneiderei, in der Schulbücherei, in der Informatik oder als Priorin. Und wir danken jetzt schon allen für ihren intensiven Einsatz in unserem Haus und wünschen ihnen noch viele gute Jahre. Über die Verabschiedung unserer sehr geschätzten und langjährigen Schulleitung der Wirtschaftsschule, Frau StD Ulrike Liebig, am 21. Februar wird unser neuer Schulleiter Herr Dr. Klosa schreiben. Wir möchten hier Frau Liebig nur ganz herzlich danken für ihren außerordentlich großen und erfolgreichen Einsatz an unserer Wirtschaftsschule und die persönlichen Beziehungen, die sie mit unserer Klostergemeinschaft verbinden, und ihr für ihre weitere Zukunft Gottes Segen und alles Gute wünschen. Zwei Tage nach der Verabschiedung von Frau Liebig durften wir uns – der Konvent wie auch Gäste aus der Stadt – an der Darbietung des historischen Schäfflertanzes erfreuen.

Der historische Schäfflertanz ist immer wieder schön anzusehen.

Eine besondere Freude bereitete uns allen, dass die Mitschwestern in unserer Tochterabtei Marienkron am 29. März ihren neuen Klostertrakt einweihen durften. Mutter Petra, Schwester M. Benedikta und Schwester M. Gabriela nahmen an den Feierlichkeiten teil und überbrachten die Glückwünsche aus Seligenthal.

Blick auf die zwei Kapellen von Ranft

Dorothea mit ihren Kindern in Sachseln, der Grabkirche vom Hl. Nikolaus Äbtissinnenweihe in Frauenthal

Die Teilnahme an der Benediktion von Frau Äbtissin M. Consolata Bucher in der Schweizer Abtei Frauenthal am 1. Mai nutzten Mutter M. Petra, Schwester M. Corona und M. Rita, um die verschiedenen anderen Frauenklöster der Schweiz zu besichtigen. Sie waren beeindruckt von der Schönheit der Klöster Magdenau, Wurmsbach, Frauenthal, Eschenbach und Sarnem

Unvergesslich für Mutter Äbtissin, Schwester M. Bernadette, M. Annuntiata und Sr. Mirjam wird auch die Feier des 150-jährigen Bestehens unserer Tochterabtei Waldsassen am 17. Mai sein. Wie sehr die Abtei eingebunden ist in die ganze Region, von Kirche und Politik geschätzt wird und, wie wir wünschen, in eine gute Zukunft hineingeht, durften wir alle ganz konkret erleben.

Alltag in der Abtei

Alltag in der Abtei Besondere Anlässe und Begebenheiten

Die beiden Sommermonate sind für die Anbetungsbenediktinerinnen in Wien, bei deren Visitation am 2. – 7. Dezember 2013 Mutter Äbtissin Co–Visitatorin war, von besonderer Bedeutung, da die neu erbaute Kirche eingeweiht wird und der Konvent eine Priorin wählt. Wir wünschen den Schwestern dazu reichen Segen und das Wirken des Heiligen Geistes. Wer in der Nähe von München wohnt und die Krippenausstellung des Bayerischen Nationalmuseums noch nicht kennt, hat etwas versäumt. Wenigstens empfindet das eine kleine Gruppe von uns, die am 30. Dez. unter der kompetenten Führung von Herrn Dr. Achilles die Vielfalt der unterschiedlichsten Krippen bewundern durfte und zudem unsere Glasfenster und die ThomasBecket-Mitra aus unserer Abtei sehen konnte. Der ganze Konvent ist dankbar für die so bereichernden Exerzitien mit dem Thema „Berufen und gesandt“, die uns vom 4. bis 8. März der Prior der P ­rämonstratenserabtei Windberg, Pater Dr. Jakob Seitz, hielt. Seine Ge­danken waren nicht nur belebend, sondern forderten uns auch heraus, immer wieder neu über unsere Berufung und die Sendung als Christen nachzudenken. Aufgeschreckt und überrascht wurden nicht nur die Mitschwestern, sondern auch unsere Nachbarn durch die unangesagte große Feuerwehrübung am 2. April. Wie notwendig so eine Übung ist, merkten nicht nur die Mitschwestern, die alle sehr schnell in den Garten gelangten, sondern vor allem auch die Feuerwehr selbst, die die Größe unseres Hauses unterschätzt hatte und noch mehrere Übungen veranstalten möchte, um das Areal besser kennenzulernen und die Gefahren besser einschätzen zu können.

Am 24. April lernten wir den neuen Bürgermeister von Bad Kötzting kennen und er uns, da Schwester M. Corona und Frau Luise Stemmer wieder das Kranzerl für den Pfingstritt angefertigt hatten. Die Abholung ist jedes Mal eine gute Gelegenheit, um die Städtepartnerschaft zwischen Landshut und Bad Kötzting zu vertiefen durch das Zusammentreffen, von diesmal drei Bürgermeistern.

Ein Jubelfest für die Diözese Passau war die Bischofsweihe von Pater Stephan Oster am 24. Mai im Dom St. Stephan. Mutter Petra war glücklich, dabei sein zu dürfen, zumal sie Pater Stephan von der gemeinsamen Beratungsfunktion her kennt. Wir wünschen ihm, als neuem Oberhirten der Nachbardiözese, die Gabenfülle des Heiligen Geistes und ein fruchtbares Wirken für die Gläubigen dort und die Kirche im Allgemeinen.

Auf die Führung wartende Besucher

Bischof Stephan Oster mit Abt Maximilian und Pater Moses aus dem Stift Heiligenkreuz im Wienerwald

Drei Tage vor dem deutschlandweiten „Tag der offenen Klöster“ am 10. Mai, den wir auch mitmachten, trat unsere neue Kandidatin Vera ein. Sie wurde an diesem Tag der offenen Tür, an dem uns etwa 700 – 800 Leute besuchten, gleich fest miteingespannt. Aus der Resonanz wissen wir, dass dieser Tag nicht nur für die Besucher, sondern auch für die Mitschwestern bereichernd war.

Viele waren fasziniert von der Schönheit unserer Räume.

Vielleicht haben, auch einige von Ihnen, verehrte Leser und Leserinnen, am 99. Katholikentag in Regensburg teilgenommen? Wenn ja, können Sie wahrscheinlich nachempfinden, wie viele positive Begegnungen die Mitschwestern hatten, entweder am eigenen Stand oder dem Stand der DOK (Deutsche Ordensoberen Konferenz) oder bei dem europäischen Ordensstand mitwirkten. Die Atmosphäre war trotz des Regens und der Kälte gelöst. Viele gute Gespräche ergaben sich.

Kardinal Marx und Bischof Voderholzer beim Einzug zum Festgottesdienst

Alltag in der Abtei

Alltag in der Abtei Dank

Neben allen Spendern und Wohltätern danken wir diesmal besonders Herrn Walter Pöschl, der uns über seine Nichte die Sammlung seines Bruders, H. Herrn Pfarrer Matthias Pöschl, die Werke von Ruth Schaumann, zukommen ließ. Wenn Sie unsere Werk­ausstellung von Fritz König besuchen, können Sie auch Skulpturen und Bilder von Ruth Schaumann besichtigen. Der Blinde von Ruth Schaumann

Gäste Wie schon im letzten Journal geschrieben, dürfen Gäste in einem benediktinischen Kloster nicht fehlen. So freuen wir uns über die Bekannten, Verwandten und die Stille suchenden Gäste über das Jahr hinweg und über die Gruppen, die bei uns Einkehr halten. Dies waren am 16. November die Frauen des Frauenbundes St. Nikola, denen H. Herr Regionaldekan Monsignore Josef Thalhammer den Einkehrtag bei uns hielt. Am 27. Nov. besichtigten die Frauen der Landräte des Bezirkes Niederbayern, organisiert von Frau Schöfthaler, der Gattin unseres Regierungspräsidenten, unsere alten Klosterräume Am 24. bis 25. Februar wollten ein paar Firmlinge aus der Pfarrei Ettal zusammen mit Pater Thaddäus einen Einblick in das Leben in einem Frauenkloster bekommen. Am 12. April fand zum ersten Mal ein großes Treffen der ehemaligen Senioritas unseres Colegios in la Paz statt. Der Erfahrungsaustausch war für die

einzelnen jungen Frauen nicht nur interessant, sondern sie verband auch die gemeinsame Liebe zu dem Land und zu den bolivianischen Kindern. Am 26. April wollten die Pfarrmitglieder der Wirkungsstätte von Kaplan Maximilian Roeb mit ihrem Pfarrer die Heimat ihres jungen Seelsorgers kennenlernen und hielten bei uns in der Abteikirche ihren Gottesdienst. Am 15. Mai wurden die minimalen Englischkenntnisse von Mutter Petra auf eine harte Probe gestellt, als eine Pilgergruppe der Grabesritter von Jerusalem aus Schottland mit ihrem emeritierten Erzbischof unser Kloster besuchte. Mutter Petra war Herrn Dr. phil. Hermann Reidel sehr dankbar, dass er als Dolmetscher fungierte und bei der Führung so sachkundige zusätzliche Hinweise geben konnte.

Veranstaltungen – Friedensforum Ich gebe hier eine Zeitungsnotiz wieder: „Mit Wehmut sprach Frau Dr. Reißig-Berner, erste Vorsitzende des Christlichen Bildungswerks Landshut, die Schlussworte bei der dritten Veranstaltung, Leidenschaft für den Menschen’ im Seligenthaler Forum Friedens-Macher. Den ersten beiden Vorträgen am 21. November 2013 über Frère Roger Schutz und Abbé Stock ging ein sehr schönes Taizé-Gebet voraus, das unsere Fachakademie für Sozialpädagogik organisiert hatte. Friedensgebete von Pax Christi Landshut bereiteten eine gute Stimmung vor den beiden folgenden Veranstaltungen am 16. Januar und 13. Februar 2014. Hierbei begeisterten die ZuhörerInnen die Porträts zu Mutter Teresa von Kalkutta, den sieben 1996 ermordeten Trappistenmönchen aus Tibhirine/ Algerien, Hildegard Goss-Mayr aus Wien und Martin Luther King. Das Besondere waren die Referenten, näm-

lich Zeitzeugen, welche die von ihnen vorgestellten FriedensstifterInnen selbst kannten bzw. gekannt hatten. Wir, die Kooperationspartner dieses, Triduums’, Abtei, Christliches Bildungswerk und Pax Christi Landshut, sind dankbar und stolz auf die hohen Teilnehmerzahlen. Mit dieser Serie scheinen wir ein großes Bedürfnis nach Spiritualität getroffen zu haben und in unseren Herzen und Köpfen sind neue Ideen im Entstehen.“ Wie immer erfreuten auch unsere SchülerInnen bei den Weihnachtskonzerten und dem Frühlingskonzert der Unterstufe viele Besucher. Ganz begeistert waren die Zuhörer am 8. März von einem abendlichen Konzert in unserer Abteikirche, bei dem der Regensburger Sergius-Chor orthodoxe Passionslieder sang.

Fortbildung Nicht nur in der Gesellschaft ganz ­allgemein, sondern auch im Kloster wird es immer wichtiger, dass die älteren Angehörigen, bei uns die Mitschwes-tern, liebevoll versorgt oder falls notwendig gepflegt werden. Hierzu sind nicht nur Beziehungs­ fähigkeit, Sensibilität und Achtung vor der Würde des Einzelnen notwendig, sondern auch Sachwissen und Pflegefertigkeit. So nahmen mehr als zehn Mitschwestern an einem Hauspflegekurs teil, bei dem wir durch die sachkundige Leitung von Frau Regine Richter aus der Sozialstation Essenbach viel lernen durften. Vom 2. bis 5. Januar erlebte Sr. M. Bernadette zusammen mit Schwestern aus anderen Klöstern bei einer Werkwoche in Waldsassen, die Mutter Hildegard hielt, wieder neu, wie reich unsere Zisterzienserspiritualität ist. Sr. Adelheid schloss am 30. Januar den ersten Teil ihres Mediatorenkurses auf dem Petersberg ab.

Alltag in der Abtei

Alltag in der Abtei

Die Zukunft der Kirche und sicher auch der Orden liegt unter anderem auch im Dialog und dem Zusammenwirken mit den anderen Religionen. Dies wurde Mutter Petra klar bei der interessanten Werkwoche im Pallottiner Schlössl in Salzburg vom 6. bis 8. April mit dem Titel „Die Orden im Paradigmenwechsel zwischen Tradition und Moderne“. Bereichert kam Schwester M. Theresia nach Ostern von der Tagung der evangelischen Zisterziensergemeinschaft in Bad Herrenalb zurück. Ein sicher unvergessliches Erlebnis war für unsere von ihrer Krankheit schwer geprüfte Schwester M. Magdalena die Lourdes-Pilgerreise vom 15. bis 19. Mai. Sie dankt der Reisebegleitung und speziell ihrer Pflegerin für die gute Betreuung. Wie schon viele Mitschwestern zuvor, waren Schwester M. Nikola und Schwester M. Anna begeistert von der Art und Weise, wie Schwester Dr. M. Michaela Puzicha OSB, in St. Peter/ Salzburg den unterschiedlichsten Teilnehmern aus der benediktinischen Familie Aspekte der Regel zum Thema FREIHEIT UND ZUSTIMMUNG „… wozu er eingetreten ist“ (RB 58,12) erläuterte.

Vorträge Das Zusammenwirken von verschiedenen musikalischen Gruppen und Mutter Äbtissin mit drei Meditationsgedanken zur Geburt Christi am 1. Dezember in der Benediktinerabtei Rohr hat beim „Rohrer Adventsingen“ wieder viele Zuhörer angezogen. Ganz groß war auch das Interesse der Landshuter Bevölkerung für die am 16. April stattgefundene Eröffnung der Ausstellung von Peter Litvai „My Home is my castle“, die von der Landshuter Armutskonferenz organisiert worden war. Als Schirmherrin sprach Mutter Petra auch ein kurzes Grußwort.

In hohem Alter rief Gott zu sich unsere liebe Schwester

Schwester Maria Antonia (Anna) Holzner aus der Zisterzienserinnenabtei Seligenthal

geb. 10. 3. 1923 Profess: 26. 2. 1947 gest. 8. 2. 2014

Krankheiten und Todesfälle Zusammen mit Herrn Dr. Fuchs und Schwester M. Annuntiata hier, mit Schwester M. Lucia und Mutter Agnes in Helfta bangten und bangen wir um die Genesung von ihren schweren Krankheiten. Für Schwester M. Angelika hoffen wir, dass die Schmerztherapie in Bad Füssing nach einer vorausgegangenen Wirbelsäulenoperation Linderung bringt. Seit dem 8. 2. 2014 ist Seligenthal leider wieder um eine liebe Mitschwester ärmer geworden, das heißt im Falle von Schwester M. Antonia Holzner um ein Original. Unsere Schwester Maria Antonia, die bald ihren 91. Geburtstag hätte feiern können, passte in keine Schablone, war einzig in ihrer Art. Ganz in der Nähe von Wörnstorf, in Unterschneitberg, erblickte Anna Holzner am 10. März 1923 das Licht der Welt. Am elterlichen Hof lernte sie zusammen mit ihrer Schwester Juliana die landwirtschaftlichen Tätigkeiten kennen und entwickelte eine große Liebe zu Pflanzen und Tieren. Trotzdem machte Anna, die am 2. Juli 1945 in Seligenthal eintrat und bei der Einkleidung den schönen Namen

„Für mich ist Christus das Leben, und Sterben Gewinn.“ Phil 1, 21

Antonia erhielt, nicht die Gärtnerlehre, sondern sie legte als Schuhmacherin 1950 ihre Gesellenprüfung und 1956 ihre Meisterprüfung ab. Unzählige Schuhe wurden von ihr geflickt, mit Sohlen versehen oder auf sonst eine Weise aufgebessert. Aber nicht nur das Reparieren von Schuhen beherrschte Schwester Antonia bestens, sondern ebenso das Herstellen neuer und auch orthopädischer Schuhe. Äußerst fleißig, fand Schwester Antonia aber nicht nur Zeit fürs Gebet und für die Schuhe, sondern sie entwickelte auch zur Freude aller Schwestern ihre Vorliebe für den Garten weiter. Mithilfe ihrer Schwester pflanzte sie viele Rosen für den Choraltar und sonstige besondere Anlässe, hegte und pflegte einen Beerengarten mit Blaubeeren, Himbeeren und anderen Beerenarten. Während sie im Garten arbeitete, strich meist eine ihrer Katzen um sie herum, denen es bei ihr bestens ging. Ein Einschnitt in ihr friedliches Dasein, das geprägt war vom benediktinischen ora et labora, war der Ruf in unser Tochterkloster Marienkron im Burgenland. So weit weg von zu Hause, weg vom geliebten Seligenthal, weg von den niederbayerischen Verwandten und Bekannten hielt es Schwester Maria Antonia nicht lange aus und so durfte sie wieder heim und machte sich nützlich in der Schu-

Alltag in der Abtei

Alltag in der Abtei

sterei, im Garten und in der Küche. Vor allen anderen stand sie tagtäglich früh auf, um das Schultor zu öffnen und den Bäcker hereinzulassen, nach dem Wetter zu schauen und sonstige nur von „Insidern“ bemerkte Aufgaben zu erfüllen. Auch im Waschhaus beim Habitbürsten war sie stets eine der Ersten und auch noch im hohen Alter fand man unsere liebe Schwester Antonia zuerst noch beim Wischen der Gänge und dann beim Gießen der Rosen oder einfach beim Nachschauen, ob alle auch gut gedeihen. Die letzten Jahre, aber auch schon früher, konnten wir alle beobachten, wie tapfer und mit wie viel Willenskraft Schwester M. Antonia zuerst ihre starke Gehbehinderung ertrug und dann mit dem neuen Knie zu gehen übte. Immer ein wenig ihre eigenen Wege gehend, zeigten aber humorvolle und treffende Bemerkungen zu den Angelegenheiten des Klosters, dass Schwester M. Antonia immer genau registriert hatte, was um sie herum geschah. Die letzten Jahre hörte Schwester M. Antonia fast ununterbrochen Radio Horeb, um gemeinsam für alle Anliegen des Klosters und der Welt den Rosenkranz und andere Gebetsangebote mitzubeten. Täglich schleppte sie sich die letzten Jahre jeden Nachmittag in den Kapitelsaal, um in der Heiligen Stunde Gott anzubeten und ihre Leiden mit Christus zu vereinen. Manche Menschen wünschen sich einen friedlichen, ruhigen Lebensabend in Beschaulichkeit und Muße. Schwester Antonia wollte sich nützlich machen, solange es nur ging, um dann friedlich ihr Leben in Gottes Hände zu legen. Wir wünschen und beten, dass Gott ihr alles, was sie für uns getan hat, lohne, und sie mit seiner Gegenwart beschenken möge.

Bei Redaktionsschluss erhielten wir noch die traurige Nachricht, dass Schwester M. Cornelia Doberauer aus unserem Colegio in Bolivien verstorben ist. Im Jahresbericht von Bolivien erfahren Sie sicher mehr. Schwester M. Cornelia war am vorletzten Tag des Jahres 1956 in Seligenthal eingetreten. Am 1. Mai feierte sie ihren 80. Geburtstag. Bis 1982 wirkte sie als Volksschullehrerin in Seligenthal. Im August 1982 reiste sie nach Bolivien, um im Colegio Ave Maria in La Paz ihre neue Lebensaufgabe zu erfüllen. Am 1. Mai 2014 feierte sie ihren 80. Geburtstag. Schwester M. Cornelia, gleichsam zum Urgestein des Colegio gehörend, wird dort sehr fehlen, da sie auf selbstverständliche Art und Weise ungeheuer viel getan hat, ohne groß darüber zu sprechen. Sie war neben der Schule gleichsam die Hausfrau, die sich um die Gäste ebenso kümmerte wie um die Sakristei, den Blumenschmuck oder was sonst noch in einem großen Haushalt anfällt. Beten und arbeiten und für andere da sein, war sicher ihr Lebensmotto und ihr Lebenselixier und was sie tat, tat sie ganz. So wird sie den Mitschwestern in La Paz sehr fehlen und uns ebenso. Wir bitten ums Gebet für unsere liebe verstorbene Schwester.

Nicht nur der Tod von Schwester M. Antonia berührte uns, sondern betroffen waren wir auch vom Heimgang von Herrn Franz Obermeier, dem Vater zweier unserer Schülerinnen, der am 9. 12. 2013 gestorben ist, und vom Bischöflich Geistlichen Rat Kanonikus Ludwig Riederer, dessen Requiem wir am 8. 1. in St. Martin feierten.

Vorschau Im Herbst finden wieder die Seligenthaler Gespräche statt mit dem Thema Wege zum Selbst. Am 6. 11. wird Frau Professor Dr. Dr. HannaBarbara Gerl-Falkowitz zum Unter-

thema „Scheitern und Gelingen – der Weg von mir zu mir“, am 18. 11. Herr Professor Dr. Dr. Erwin Möde zum Thema „Beten als Weg zu mir selbst“ und Herr Professor Dr. Martin Thurner zum Thema „Gotteskindschaft. und über die Selbstwerdung des Menschen“ (Eugen Biser) sprechen. Sie sind jetzt schon ganz herzlich eingeladen, sich die Termine vorzumerken.

Die Äbtissin  und ihr Amt

Die Äbtissin und ihr Amt

A

ls Außenstehende macht man sich gewöhnlich kein Bild davon, was das Amt einer Äbtissin beinhaltet.

Rückblick vom Mittelalter bis zur Säkularisation Der Äbtissin des Klosters war während dieser Zeit in erster Linie die geistliche Leitung der Schwestern anvertraut, also brauchte sie Führungsqualitäten. Gut war es, wenn sie Liebe zur Kunst besaß – man denke nur an die Erhaltung des Hauses und der Kirche – eine bedeutende Aufgabe durch alle Jahrhunderte bis heute. Immer wieder gaben Äbtissinnen Impulse für Konservierung, Erneuerung, Verschönerung des Hauses. Die Äbtissin besaß das „ius patronatus“, das heißt das Recht, in den sogenannten Patronatskirchen die Geistlichen einzusetzen; sie verfügte in verschiedenen Besitzungen über die niedere Gerichtsbarkeit, also judikative Rechte, die der Klosterrichter als Stellvertreter der Äbtissin ausübte. Sie fungierte als Arbeitgeberin für alle Angestellten (im Kloster war eine Vielzahl von Berufen vertreten) und zugleich als Grundund Lehensherrin vieler Bauern. Sie war also mit weltlichen Rechten und weltlicher Gewalt ausgestattet und brauchte dafür wirtschaftliche und juristische Fähigkeiten, zumindest aber darin Minimalkenntnisse. Die Äbtissin musste, wie sich der Vaterabt von Aldersbach ausdrückte, vor allem in Zeiten der Not „ein qualifiziertes Subjekt“ sein. Der wirtschaftliche Bereich spielte immer eine große Rolle, er war die Lebensgrundlage des Hauses. Belastungen durch Kriege und damit verbundene enorme Abgaben (Kriegssteuern), Zerstörungen (z. B. Höfe der Untertanen) und Naturkatastrophen mussten in ihren Auswirkungen gemeistert werden. Bis zum Dreißigjährigen Krieg stand der Äbtissin als ihr Vertreter der Hofmeister zur Seite, die letzte Entscheidung lag aber jeweils bei der Äbtissin.

Immer wieder hat das Kloster Äbtissinnen gehabt, die tüchtige Wirtschafterinnen waren. Zeugnisse der exakten Wirtschaftsführung sind bis heute erhalten: Rechnungsbücher, Rapulare, Stiftsbücher – alle sorgfältig geführt. Und immer wieder gelang es tüchtigen Frauen das Kloster, oft am Rande des Untergangs (zerstört, ausgeraubt, verarmt), wieder zur Blüte zu führen. So gilt zum Beispiel Maria Anna von Preysing (Äbtissin von 1643 bis 1665) als zweite Gründerin Seligenthals.

Die Stellung der Äbtissin heute Die juristischen und kirchenrechtlichen Befugnisse – niedere Gerichtsbarkeit und ius patronatus – gibt es heute nicht mehr. Die Äbtissin ist auch nicht mehr Grundherrin, es existieren keine Grundholden mehr, d. h. keine von Seligenthal abhängigen Bauern. Der große Besitz an Grund und Boden ist durch die Säkularisation völlig verloren gegangen; Besitz, der nach der Wiederbegründung (1835) erworben wurde, hält sich in Grenzen und verlangt keinen großen Verwaltungsaufwand. Großen Aufwand dagegen erfordert die Verwaltung des nach der Säkularisation bis heute entstandenen Schulzentrums. Für alle Entscheidungen, die diesen Bereich betreffen, liegt die Hauptverantwortung bei der Äbtissin, ob es um die Erhaltung, Erneuerung oder Modernisierung von Gebäuden des Klosters oder der Schulen geht, um die Gestaltung der Gesamtanlagen oder um die Gehälter für Lehrer und Angestellte; so wurde etwa zur Sicherung der Finanzierung 2000 eine Schulstiftung gegründet, deren Vorsitzende im Stiftungsrat die Äbtissin ist. In allen Bereichen muss die Äbtissin informiert sein. Seit mehr als zehn Jahren wird Seligenthal grundsaniert. Für die Äbtissin

Äbtissin Anna von Preysing

bedeutet das, in bautechnischen Fragen Wissen zu erwerben, auch in Fragen der Kunstgeschichte und des Denkmalschutzes, sowie Kenntnis der staatlichen Vorschriften. Und last not least sind Bemühungen um die Beschaffung der finanziellen Mittel für die umfangreiche Renovierung erforderlich. Die Äbtissin ist aber auch heute in erster Linie mit der geistlichen Führung des Hauses betraut. Neu ist dabei, dass sie viel mehr in der Öffentlichkeit steht als in vergangenen Zeiten, in denen eine strenge Einhaltung der Klausur verlangt war. Heute kann die Äbtissin außerhalb des Klosters auftreten mit Vorträgen (zu meist religiösen Themen) im Fernsehen, auf Tagungen und in Versammlungen. Das Wirken im Kloster selbst verlangt von der Äbtissin die Sorge um das spirituelle und liturgische Leben (z. B. das Chorgebet), gute Menschenkenntnis und große Menschenliebe. Viel wird von einem Abt bzw. einer Äbtissin in der Ausübung des Amtes erwartet. Die Regel des Heiligen Benedikt, die für Benediktiner und Zisterzienser gilt, trägt im 2. Kapitel die Überschrift „Wie der Abt sein soll“. … „Er mache im Kloster keinen Unterschied der Person. Er liebe den einen nicht mehr als den andern…“ „… nach Zeit und Umständen verbinde er Strenge mit Milde, zeige die ernste Haltung des Meisters, die gütige des Vaters“… Es trifft also auch heute noch das Wort des Vaterabtes von Aldersbach zu, die Äbtissin muss „ein qualifiziertes Subjekt“ sein.  Inge Brigitta Bosl

Baubericht

Baubericht

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eit dem letzten Baubericht im Abtei-Journal ist bereits wieder ein Jahr vergangen. Die Sanierungsarbeiten gingen weiter und es war nicht immer leicht, den laufenden Schulbetrieb nicht zu stören. Seien es Lärmbelästigungen oder Zugänglichkeiten zu den einzelnen Schulbereichen. Gymnasium „BA 3-2“: Die Arbeiten im Bauabschnitt „BA 3-2“ sind fast abgeschlossen und die Schüler und Lehrkräfte können die sanierten Räumlichkeiten ab dem Schuljahr 2014 / 2015 wieder nutzen. Dieser Bauabschnitt war organisatorisch der schwierigste. Die Baustelle spaltete den Schulbetrieb in drei nicht verbundene Teile. In einen Nordteil mit der bereits sanierten Wirtschaftsschule und den Musikräumen des Gymnasiums, einen Westteil mit den Fachräumen Chemie, Biologie usw. sowie in einen Ostteil mit der provisorischen Schulverwaltung und den Klassenzimmern. Um die einzelnen Teile zu erreichen, mussten die Schüler und Lehrkräfte größere Umwege in Kauf nehmen oder über abgesicherte Wege durch die Baustelle gehen. Um die Sicherheit zu gewährleisten, war es auch notwendig, zusätzliche provisorische Fluchttreppentürme im Klostergarten für die Schüler zu errichten. Im Erdgeschoss nahmen nach dem Entkernen die zukünftige Speisenausgabe und der Pausenverkauf eine neue Gestalt an. Im Pausenverkauf wurde zusätzlich eine kleine Küche für interne schulische Veranstaltungen integriert. Die Speisenausgabe wurde so angeordnet, dass dort getrennt zwei verschiedene Gerichte ausgegeben werden können. Für die Schüler ist auch eine Kühltheke für Salate und Nachspeisen vorhanden. Ein zusätzlicher Verbindungsgang im Atriumhof lenkt den Schülerverkehr an der Mensa vorbei, damit dort in Ruhe gespeist werden kann. Der Vorplatz vor der alten/neuen Klosterpforte wurde ebenfalls saniert und die Beleuchtung bzw. Raumgestaltung neu konzeptioniert.

Im 1. Obergeschoss wurde die Anordnung der Räume für die Schulverwaltungen des Gymnasiums bzw. der Wirtschaftsschule neu ausgerichtet und organisiert. Zusätzlich sind neue Elternsprechzimmer geschaffen worden. Neben dem Lehrerzimmer mit kleiner Teeküche wurde ein weiteres Lehrerzimmer (Silentium) für die Korrektur von Schülerarbeiten und sonstige stille Arbeiten errichtet. Durch diesen Silentiumraum konnten weitere Arbeitsplätze für die Lehrkräfte geschaffen und die beengten Platzverhältnisse etwas aufgelockert werden. Im Haupttreppenhaus wurden die alten Glasbausteinelemente ausgebaut und durch Fenster ersetzt. Durch diese Maßnahme und ein größeres Dachliegefenster ist das Treppenhaus nun lichtdurchflutet und nicht mehr so düster wie vor der Sanierung. Der erste Teilbereich der Physikräume konnte ebenfalls fertiggestellt und neu eingerichtet werden. Die alten Physikräume im Erdgeschoss werden im Rahmen des Bauabschnittes „BA 3-3“ einer neuen Nutzung zugeführt. Im 2. Obergeschoss befinden sich ebenso zwei Musikräume und die restaurierte Schulaula mit ihrer neubarocken Gestaltung. Die Aula kann nun wieder für kleinere schulische Veranstaltungen genutzt werden. Im Musikraum im Nordflügel wurde im Zuge der Entkernung hinter einer Abmauerung die neuromanische Apsis der ehemaligen Institutskapelle wieder entdeckt. Sie wurde restauriert und gestalterisch in den Musikraum mit der ebenfalls restaurierten Orgel integriert.

Im Dachgeschoss wurde die Raumeinteilung in großen Bereichen beibehalten. Aber auch hier waren umfangreiche Arbeiten notwendig. So wurden die Holzbalkendecken wie auch in den übrigen Geschossen statisch mit Stahlschienen verstärkt, die Dachschrägen und Decken zu den Spitzböden wurden entsprechend den neuen Vorschriften gedämmt. Die alten, betonierten Dachgauben wurden mit einem Vollwärmeschutz versehen. In den nach Süden bzw. nach Westen ausgerichteten Räumen wurde der alte Sonnenschutz erneuert bzw. der fehlende neu angebracht.

Größere statische Probleme ergaben sich am Dachstuhl des Nordflügels, in dem der Zeichensaal untergebracht ist. Nach dem Entfernen der Dachstuhlverkleidung wurde festgestellt, dass sich dieser beträchtlich nach Norden geneigt hatte und sich nicht mehr im Lot befand. Auslöser war der nachträgliche Einbau einer durchlaufenden Dachgaube für die Belichtung des Zeichensaales mit Nordlicht. Das statische Problem konnte nur beseitigt werden, indem der Dachstuhl komplett abgebaut, Stahlrahmen eingebaut wurden und anschließend wieder aufgebaut wurde. Im Zuge der Sanierung sind auch alle Dachflächen neu eingedeckt worden. Die vorgenannten Arbeiten konnten nur durchgeführt werden, da entsprechend dem Baufortschritt immer wieder Wetterschutzdächer errichtet wurden. Diese Wetterschutzdächer haben aufgrund der häufigen und lang

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anhaltenden Regenfälle in diesem Zeitraum besonders gute Dienste geleistet und ein zügiges Arbeiten ermöglicht. Ein Sanierungsschwerpunkt lag, wie auch bei den vorausgehenden, beim baulichen Brandschutz. So wurden alle Räume mit Rauchmeldern zur Früherkennung ausgestattet und neue Brandund Rauchschutztürelemente eingebaut. Mit diesen Maßnahmen wurde die Sicherheit für Schüler, Lehrkräfte usw. weiter erhöht. Klosterpforte: In den Pfingstferien konnte auch die Klosterpforte wieder an ihren angestammten Platz zurückkehren. Nach Jahren der Auslagerung konnte die neu gestaltete Pforte ihren Betrieb aufnehmen. Die alte, zum Teil nicht mehr benötigte technische Ausstattung wurde durch eine neue ersetzt und auch übersichtlicher und bedie-

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Es ist wichtig, auf die Anweisungen des Schiedsrichters zu hören.

Gymnasium Unser 175-jähriges Schuljubiläum, das wir im Oktober 2013 feiern durften, prägte unser ganzes Schuljahr. Ein besonderer Höhepunkt in einer Reihe von Aktionen und Veranstaltungen war sicherlich unser 1. Seligenthaler Hallenfußballturnier für alle Grundschulen aus Stadt und Landkreis. 14 gemischte Mannschaften aus den vierten Klassen der verschiedenen

nerfreundlicher angeordnet. Es wurde auch die Brandmeldezentrale ausgelagert, was einen Platzgewinn erbrachte. Durch ein zusätzliches Fenster und eine andere Sitzplatzanordnung kann der Pfortendienst nun das Umfeld bzw. den Kirchhof besser überblicken und kontrollieren.

Winterchor: Der Winterchor konnte von den Schwestern seit dem Herbst 2013 genutzt werden. Der Umzug vom Sommerchor in der Klosterkirche in Grundschulen traten am 14. März dieses Jahres an, um ihr Können zu messen und um den „Seligenthaler Fußballcup“ zu spielen. Unser Sportlehrer Herr Sirko Müller hatte das Turnier professionell geplant. Mit der tatkräftigen Unterstützung von Herrn Matthias Littich und den großen „Fußballern“ des Gymnasiums fanden sich die Grundschüler im Turnierplan schnell zurecht. Halbfinale und Finale wurden von keinem Geringeren als dem FIFA- und DFB-Schiedsrichter Wolfgang Stark geleitet. Mit unglaublichem Einsatz und erstaunlichem Können spielten alle Mannschaften um die Platzierungen, wobei die Mädchen den Buben in keiner Weise nachstanden. Bemerkenswert waren auch Disziplin und Fairness aller Spieler, sodass die Spielfreude weder durch grobe Fouls noch Verletzungen getrübt wurde. Zuletzt hatte die Grundschule Konradin Auloh die Nase vorn und errang damit vor Nikola und St. Wolfgang den „1. Seligenthaler Fußballcup“

die beheizte „Afra“-Kapelle ist damit Vergangenheit. Die Nutzung des neuen Winterchors ist damit auch eine große Erleichterung für die Schwestern. Kirchhof: Im Kirchhof wurde mit den Arbeiten fortgefahren, soweit dies die Baustelleneinrichtung für die Gebäudesanierung zuließ. Unter anderem wurden die alten Wasserleitungen aus Eisen durch neue Kunststoffleitungen ersetzt und die Dachentwässerungen an die neuen Sickerschächte angeschlossen. Durch die Versickerung im Untergrund wird das Regenwasser der Natur, ohne Umweg über die Kläranlage, wieder zugeführt. In diesem Jahr sollen die Arbeiten bis auf Restarbeiten abgeschlossen werden. Dann wäre auch die Dauerbaustelle im Kirchhof Vergangenheit. 

Georg Prantl, Bauleitung

Für die Kinder war die Anwesenheit der bekannten Sportler wichtig.

und einen Satz Trikots als Preis. Eine ganz besondere Überraschung war der Besuch der Weltmeister von 1990 und der mehrfachen deutschen Meister Klaus Augenthaler und Andy Brehme sowie des Eishockeystars Alois Schloder, deren Autogramme heiß begehrt waren. Die Gäste des FC Bayern ließen es sich auch nicht nehmen, den Mannschaften persönlich zu gratulieren und die Preise zu überreichen. Dieses Turnier war zugleich Auftakt für das neue Angebot einer „Fußballklasse“ für die zukünftigen Fünftklässler, die sich bei der Einschreibung im Mai als

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äußerst begehrt erwies. 18 Buben und fünf Mädchen werden sich in einer eigenen 5. Klasse im Sportunterricht dem runden Leder widmen und in Zusammenarbeit mit dem ETSV 09 Spieltechnik und Körperkoordination trainieren. Insgesamt brachten die Anmeldungen mit 106 Mädchen und Buben eine Steigerung von 15%, obwohl bayernweit und auch im Bezirk Landshut die Übertrittszahlen aufgrund der demografischen Entwicklung bereits rückläufig sind und unser Schulhaus immer noch den Eindruck einer Großbaustelle erweckt. Dies ist ein großer Vertrauensbeweis der Eltern und der schönste Lohn für unser Bemühen, die uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen zu bestens ausgebildeten verantwortungsbewussten jungen Erwachsenen zu erziehen. 

Ursula Weger

Wirtschaftsschule

Für alle, die mich noch nicht kennen, möchte ich mich kurz vorstellen. Mein Name ist Dr. Oliver Klosa. Ich bin im Oktober 1966 in Simbach am Inn geboren und in Triftern, einem kleinen Markt im Landkreis Rottal/ Inn, aufgewachsen. Das Abitur legte ich am Gymnasium in Pfarrkirchen ab. Meinem Volkswirtschaftsstudium folgte die Promotion an der Universität Regensburg am Lehrstuhl Wirtschaftsinformatik-Bereich Lernen und Wissen. Danach begann meine berufliche Laufbahn als Unternehmensberater im Bereich Aus- und Weiterbildung. Nach der Geburt meines ersten Kindes entschied ich mich für eine Tätigkeit, die mit weniger „Reiseaktivitäten“ verbunden war: mich als Lehrkraft und Mitarbeiter in der Schulleitung an einer Wirtschaftsschule zu betätigen. Über die stellvertretende Schulleitung wurde ich schließlich Schulleiter. Zusätzlich übernahm ich die Schulleitung der neu gegründeten Fachoberschule. Da die einzige Konstante im Leben die Veränderung ist, entschloss ich mich nach über zehn  Jahren interessanter Tätigkeiten an dieser Schule, erneut eine Herausforderung anzunehmen und die Schulleitung der Wirtschaftsschule Seligenthal zu übernehmen. Die Stadt Landshut kannte ich bereits von meiner Grundausbildung in der Schochkaserne. Ich bin verheiratet und habe drei wunderbare Kinder, die mich oft zur Verzweiflung bringen, ohne die mein Leben aber nicht mehr vorstellbar wäre.

Frau Liebig und Dr. Klosa

An der Wirtschaftsschule gab es in diesem Schuljahr einen Führungswechsel. Zum 1. März 2014 ging die Schulleitung von Frau Liebig auf mich über.

Ich freue mich, nun in Landshut in einem sehr engagierten Team tätig sein zu können, mit dem Ziel, bei unseren Schülerinnen vor dem Hintergrund christlicher Werte Herz und Verstand auszubilden. Sehen zu können, wie sich unsere Schülerinnen zu selbstständigen, werteorientierten Persönlichkeiten entwickeln, ist eine tolle berufliche Herausforderung.

Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle bei allen, die mich in meiner Anfangsphase so tatkräftig unterstützt haben. Ganz besonders bedanken möchte ich mich bei Frau Liebig, die mir ein „tadellos bestelltes“ Haus überlassen hat. Die Einarbeitung fand im Januar und Februar dieses Jahres statt. Nach nur zwei Monaten enger Zusammenarbeit in ihrem Büro übergab sie mir alle wichtigen Prozesse und Dokumente.

Ende Februar wurde Frau Liebig, die die Schulleitung der Wirtschaftsschule von Schwester Lioba im Jahr 2000 übernommen hatte, feierlich verabschiedet. Viele Ehrengäste aus Politik und Wirtschaft waren geladen. Die Vertreter aus der Politik, der Stiftungsvorstand, mehrere Kolleginnen und Kollegen sowie unsere Äbtissin, M. Petra Articus, nahmen mit sehr persönlichen Reden Abschied von Frau Liebig, die die Wirtschaftsschule vorbildlich geleitet und durch ihren respektvollen Umgang mit KollegInnen und Schülerinnen maßgeblich am guten und innovativen Schulklima mitgewirkt hatte. Denn nur in einer positiven und angstfreien Umgebung ist Lernen überhaupt möglich. Ich wünsche Frau Liebig alles Gute für ihre Zukunft und verspreche ihr, ihre Schule in ihrem Sinne weiterzuführen und weiterzuentwickeln. 

Dr. Oliver Klosa

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Aus den Schulen Fachakademie

Im zweiten Schulhalbjahr 2014/15 arbeiteten wir an der Umsetzung des neuen Lehrplans weiter und stellten uns in Fortbildungen verschiedenen pädagogischen Herausforderungen dieser Zeit. So führten wir einen pädagogischen Tag zum Thema „Rechtsextremismus“ durch und befassten uns in einer Lehrerfortbildung mit dem Thema „Depression und depressive Erkrankungen im Schulalltag“. Zum Ende des Schuljahres hin veranstalteten wir mit unseren Studierenden einen wunderschönen und gut besuchten Tag der offenen Tür, an dem wir zeigten, was uns als Schule im Inneren und nach außen hin ausmacht. Gemeinsam als Kollegium schlossen wir diesen Tag mit einer von Lehrkräften gestalteten Maiandacht in der Abteikirche ab. Besonders herausgefordert hat uns als Kollegium jedoch die Weiterführung unserer Leitbildarbeit. Durch die personellen Veränderungen im Kolle-

gium entstand der Wunsch, sich hinsichtlich unseres pädagogischen und didaktischen Handelns gemeinsam neu auszurichten. Wichtige Grundsatzüberlegungen zu Werteerziehung und Wertebildung auf der Basis eines christlichen Menschenbildes standen dabei im Vordergrund. Der Referent und Religionspädagoge Prof. Dr. Ulrich Kropač von der Katholischen Universität Eichstätt forderte zur Auseinandersetzung mit zentralen biblischen Aussagen des Alten und Neuen Testamentes vor dem Hintergrund des täglichen schulischen Lebens heraus. Im Übertrag auf unsere Schulrealität formulierten wir wichtige Fragen, z. B.: Wie lassen sich Aussagen der Bergpredigt und das Liebesgebot im Schulleben umsetzen? Welche Anforderungen und Erwartungen werden an die persönliche Glaubensüberzeugung und die Lebenswirklichkeit der einzelnen Lehrkraft gestellt? In aller Deutlichkeit wurde klar, die katholische Profilierung einer Schule steht und fällt mit der inneren und äußeren Bereitschaft aller Beteiligten, sich

öffentlich, kritisch und konstruktiv mit dem christlichen Glauben auseinanderzusetzen und ihn als mögliche und tragende Lebensform für sich und als Kollegium zu entdecken. Nur so können berufliche Alltagssituationen in der Schule aus dem christlichen Denken heraus konsequent anders und neu gesehen und der Beruf aus dem christlichen Ethos heraus gestaltet werden. Dem Diktum unserer heutigen Zeit, dass „Religion eine Privatsache“ ist, steht die Forderung aus „Gravissimum educationis“ des zweiten Vatikanischen Konzils an katholische Schulen gegenüber: „Ihre besondere Aufgabe aber ist es, einen Lebensraum zu schaffen, in dem der Geist der Freiheit und der Liebe des Evangeliums lebendig ist.“ In diesem Spannungsfeld werden wir als Fachakademie weiterhin um die angemessene Profilbildung unserer Einrichtung als christliche Schule ringen. 

Dr. Stephan Brembeck

Grundschule „Benimm dich“, das hat sich die Grundschule für das Schuljahr 2013 / 14 als Schwerpunkt gesetzt. In vier Bausteinen wurden den Schülerinnen und Schülern elementare Verhaltensweisen guten Benehmens nähergebracht. Frau Grau, eine externe Trainerin, bot das Thema den Kindern auf anschauliche Weise dar. Zwischen den Bausteinen war genügend Zeit, das erlernte Verhalten in den Klassen und im Schulalltag zu erproben und zu vertiefen. Besonders freute es uns, dass die Kosten dafür von der Kastulus Bader Stiftung übernommen wurden. Außerdem konnten wir und unsere Schülerinnen und Schüler eine großzügige Spende des Fördervereins und

Alle freuten sich über das gelungene Projekt.

des Elternbeirates der Grundschule und des Hortes entgegennehmen in Form von Sitzgelegenheiten für den

Afragarten. Diese werden in den Pausen sehr gerne angenommen. Heimberger

Die Abtei benötigt Hilfe … … für den Erhalt und die Restaurierung ihrer Klosteranlagen und ihrer Abteikirche, für die Gestaltung und Kirchenmusik, für die Bibliothek, für das Archiv sowie für einzelne zu restaurierende – für das Land Bayern und die Stadt Landshut – geschichtlich bedeutende Kulturgüter.

I m pr es s u m

Hierfür wurde der Förderverein der Abtei Seligenthal Landshut e.V. im Jahre 2004 gegründet. Er verfolgt die ideelle und materielle Unterstützung der Abtei Seligenthal in Landshut. Der Förderverein dient ausschließlich kirchlichen Zwecken und allgemeinen, als besonders förderungswürdig anerkannten gemeinnützigen Zwecken „Kunst und Kultur“.

Juli 2014. Alle Rechte vorbehalten.

Der Abtei kann geholfen werden:

Zisterzienserinnen-Abtei Seligenthal Bismarckplatz 14 · 84034 Landshut Telefon 08 71/8 21-0 · www.seligenthal.de Redaktion: Äbtissin M. Petra Articus Fotografien: Herr Georg Prantl, M. Petra und andere Gestaltung und Druck: Cl. Attenkofer’sche Buch- und Kunstdruckerei

3 durch eine Mitgliedschaft im Förderverein ab 50,- Euro jährlich

Dieses Journal wurde durch eine großzügige Spende ermöglicht.

3 durch gezielte Zuwendungen für kirchliche Zwecke 3 durch gezielte Zuwendungen für Maßnahmen kultureller Zwecke, d. h. n Förderung der Kunst n Förderung der Pflege und des Erhaltes von Kulturwerten,

d. h. von Gegenständen mit besonderer künstlerischer und sonstiger kultureller Bedeutung, Bibliotheken, Archiv u. Ä.

n Förderung der Denkmalpflege in dem Erhalt

und der Wiederherstellung von Bau- und Bodendenkmälern

Spendenkonto des Fördervereins: Sparkasse Landshut, Kto.-Nr. 8834, BLZ 743 500 00 Spendenkonto direkt für das Kloster: Liga Bank Regensburg, Kto.-Nr. 101 103 938, BLZ 750 903 00

Absender: Bitte mit 45-CentBriefmarke freimachen, danke.

3 Ja, ich bin interessiert! n Ich möchte Mitglied im Förderverein werden.

Bitte übersenden Sie mir ein Aufnahme-Formular.

n Ich möchte weitere Exemplare des Journals erhalten.

Antwort Zisterzienserinnen-Abtei Seligenthal Äbtissin M. Petra Articus Bismarckplatz 14 84034 Landshut