Am Ende der Welt - Ofamed

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Editorial

Liebe Kommilitonen, was braucht man um hundertfünfzig Einkaufswägen zu entwenden? Richtig, 150 Euro! Die gibt es seit Januar 2010 für PJ-Studenten an der Uniklinik. Doch wem 150 Einkaufswägen nicht genug sind, der sollte sich ein anderes Lehrkrankenhaus suchen. Alternativ kann man zu Prof. Bela Szabo ins Labor gehen (S. 18) Dort wird daran geforscht, wie Cannabis es möglich macht, dass wir 150 Einkaufswägen und mehr sehen, obwohl sie gar nicht da sind. Wer keine Lust auf Forschung hat, könnte eine Sportlerkarriere in Erwägung ziehen. Prof. Aloys Berg berichtet auf S. 14 über die Arbeit der Freiburger Sportmedi-

ziner. Und wo wir gerade von Karriere sprechen – auf S. 28 plaudern auch in dieser Ausgabe wieder Chefärzte über ihre Auswahlkriterien beim Bewerbungsgespräch. Jetzt fehlt nur noch das Durchhaltevermögen, um den Wünschen der zukünftigen Chefs gerecht zu werden. Wir empfehlen PD Dr. Normanns Grundkurs Neurodoping auf S. 36. Schließlich wollen wir unser Bestes geben – vielleicht reicht es dann eines Tages auch, um hundertfünfzig Einkaufswägen zu füllen. Viel Spaß beim Lesen wünscht ure

E

aktion

Appendix-Red

Redaktionsausflug in die Arktis, Januar 2010. Dabei waren von links oben nach rechts unten: Clemens Schiebel (3. Semester), Laura Herrmann (3.), Hannes Hummel (3.), Ismene Hermann (7.), Jonas Hafner (7.), Sebastian Wohlfeil (3.), Siobhán Ewert (9.), Anne Büttner (5.), Irina Götz (PJ), Johanna Maxeiner (5.), Ann-Kathrin Rauch (3), Kathrin Bausch (9.), Marie-Sarah Koch (9.), Achim Jatkowski (11.), Rebecca Eisele (1.), Gekniffen haben: Insa Schiffmann (3.), Thierry Rolling (PJ.), Milad Rezvani

Inhalt

Inhalt Kurz gemeldet

Nachrichten................... 4 Aidsschleife im Hörsaal................... 8 Studentenflut 2012................... 9

Campusleben

Konto: PJ-leer...................... 10

Was PJ-ler wollen und was sie bekommen.

„Wir sind wieder sauber!“...................... 14

Besuch bei der Freiburger Sportmedizin

Berauschende Forschung.......................17

Im Labor bei Prof. Szabo

Neue Wege beim Kreuzen....................20

Wie gut sind die neuen Klausuren?

Bilder vom Notfalltag..........................26 Chefärzte reden Tacheles................... 28

Was zählt bei der Bewerbung?



Ausflug in den Streichelzoo................... 32

Eindrücke von der Ersti-Hütte AGMA - eine AG mit MAcht................... 35

oben: Thierry erklimmt die Alpen

Über den Tellerrand

Die Pille davor................... 36

PD Dr. Normann über Neurodoping

KiTa und Karriere................... 40

Prof. Annette Hasenburg hat beides





Am Ende der Welt................... 44

PJ-Tertial im Wallis Die Erasmus-Pinnwand................... 46

Grüße aus ganz Europa

Wo die wilden Shirts herkommen............... 48

Rotschopf - ein Freiburger Label

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rechts: Einfachauswahl - Wie gut sind die neuen Klausuren?

Inhalt

Witziges

Stößel-Drink................... 52

kreatives Studentenfutter für gute Laune



Durch Raum und Zeit................... 57

Reise in die Vergangenheit

Sinnvoll investiert?

Buchrezensionen................... 54

Welche Wälzer sind ihr Geld wert?



Rubriken Rätsel................... 50 Nützliches................... 59 Impressum................... 58 Editorial................... 1 Kurz gemeldet................... 4

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Kurz gemeldet

Nachrichten

von Fakultät und Campus Präsenzbibliothek

Neuer Raum für fast neue Bücher Seit November 2009 ist die Präsenzbibliothek für den klinischen Studienabschnitt nicht mehr im Lehrgebäude in der Elsässerstraße, sondern in der Bibliothek der chirurgischen Klinik zu finden. Zum einen wurden die Seminarräume im Lehrgebäude für Lehrveranstaltungen benötigt, zum anderen sollte ein etwas zentraler gelegener Ort gefunden werden, den die Studierenden auch in kurzen Pausen nutzen können. Dieser Ort befindet sich nun im Hauptgeschoß der chirur-

gischen Klinik in den Räumen 115 und 116. Es stehen zur Zeit 15 Leseplätze, sowie ein gut sortierter Bestand aller gängigen klinischen Lehrbücher zum Studium vor Ort zur Verfügung. Ein Basisbestand an Büchern ist im Lehrgebäude zur Nutzung im StudiTZ verblieben. Das Internet im neuen Lesesaal kann nur mit einem KlinikPasswort genutzt werden, W-Lan ist nicht vorhanden. Marie-Sarah Koch Öffnungszeiten: Mo-Do: 9-12 und 14 - 20 Uhr Fr - So: 9 - 20 Uhr http://www.uniklinik-freiburg.de/ bibliothekchirurgie

„Skills-Lab“

Aus SkillsLab wird StudiTZ Das „Skills-Lab“ im Lehrgebäude wird ein Jahr alt und in „StudiTZ“ (kurz für: Studierendentrainingszentrum) umbenannt. Grund genug, an das vielfältige Angebot des „Geburtstagskinds“ zu erinnern: Neben der Möglichkeit Basisfertigkeiten wie Auskultation, Punktionen etc. zu trainieren, stehen auch verschiedene Modelle und Simulatoren für alle Studenten des klinischen Studienabschnitts bereit. Neu im Angebot sind die so genannten Themenräume Chirurgie, Gyn/Uro und Notfall/Anästhesie sowie eine zunehmende Anzahl an ärztlich geleiteten Kursen, die ein 1:1 Betreuungsverhältnis haben.

Wächst und wächst: die Kreuzplattform Cicil Online bietet kostenlos tausende MC-Fragen zum üben. Kommt bald die Umdie-Wette-Kreuz-Funktion?

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Kurz gemeldet

Kostenloses Druckguthaben | Präsenzbibliothek umgezogen | Cicil Online erweitert

Neues Zuhause: Die Präsenzbibliothek ist aus der Elsässerstraße in die Bibliothek der Chirurgischen Klinik (Foto) umgezogen. Ebenfalls im Bild: einer der Computerarbeitsplätze, die auch Studenten in den neuen Räumlichkeiten zur Verfügung stehen..

Zudem besteht immer die Möglichkeit sich an einen der anwesenden HIWIs zu wenden, die gerne Hilfestellung beim Üben geben. Das StudiTZ wird durch Studiengebühren finanziert und ist kostenlos nutzbar. Wer einfach mal reinschnuppern möchte, kann während der Öffnungszeiten vorbeikommen. Falls bestimmte Präferenzen bestehen, was man üben möchte, sollte man sich am besten unter www. studitz-freiburg.de anmelden. Auf dieser Homepage findet man außerdem eine Übersicht über das gesamte Angebot, die genauen Daten der Kurse und Workshops, die Öffnungszeiten, usw. Besonders interessant für alle Klinik-Neulinge: In der ersten Ferienwoche der Wintersemesterferien, also ab 15.2.2010, wird es wieder eine Famulaturvorbereitungswoche mit verlängerten Öffnungs-

zeiten für das 1. klinische Semester, also für Erstfamulierende, geben. Hier könnt Ihr mehrmals versuchen eine Vene „anzuzapfen“, ohne einen schimpfenden Patienten vor Euch zu haben. Anne Büttner Druckguthaben

10 Euro für alle Von den Studiengebühren fließt jetzt etwas an die Freiburger Medizinstudenten zurück: ab dem Wintersemester 2009/10 erhalten alle Kommilitonen der Medizinischen Fakultät Freiburg einen Druckgutschein über 10 Euro pro Semester. Gezahlt wird die Gutschrift aus schon entrichteten Studiengebühren und zwar auf Antrag der Fachschaft Medizin.

Das Druckerkonto beim Rechenzentrum kann unter www. rz.uni-freiburg.de/myaccount ab sofort unentgeltlich aufgeladen werden. Über „Benutzerkonto“ und „Druckguthaben“ gelangen Medizinstudenten dort zu einer Schaltfläche, die den einmaligen Semester-Bonus freigibt. Einlösbar ist das Druckguthaben nur an den Geräten im Rechenzentrum (Hermann-Herder-Straße 10) und in der UB2 (Rempartstraße). Es kann nicht bar ausgezahlt werden. Die Aufwertung der studentischen Druckerkonten soll ab jetzt jedes Semester wieder möglich sein. Bewilligt sind bisher allerdings nur Druckgutscheine für das Wintersemester 2009/10 und das Sommersemester 2010. Achim Jatkowski

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Kurz gemeldet

Cicil-Online

Neuigkeiten von der Kreuz-Front Seit das Lernportal CICILOnline im Sommersemester 2009 ans Netz gegangen ist, haben sich schon über tausend Studenten zum AltklausurenKreuzen registriert. Über zehntausend Alt-Fragen sind in der Datenbank gespeichert, hunderttausende Kreuze wurden seitdem in mehr als vierhundert Klausuren aus 46 Fächern online gesetzt. Die Geschichte von CICIL ist schon um einiges älter; über zehn Jahre ist es jetzt her, dass Joachim Schönberger das Projekt initiierte, das es anfangs nur auf CD gab. Zu Anfang diesen Jahres schloss sich CICIL mit dem Düsseldorfer Lernportal „Kreuzmich“ zusammen, das dort von zwei Medizinstudenten entwickelt

Doktorarbeiten

Schwarze Schafe finden Doktorväter sollen verpflichtet werden, alle begonnenen medizinischen Promotionsvorhaben zu melden. So wollen es die Mitglieder der Kommission zur Verbesserung von Promotionsleistungen (kurz: Promotionskommission). Sobald ein Doktorand angenommen ist und seine Arbeit begonnen hat, soll der Doktorvater das Dekanat der Medizinischen Fakultät verbindlich mit einem Fragebogen informieren.

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wurde. Koordinator ist Felix Hans, der Ansprechpartner in unserer Fachschaft Marius Müller (5. Semester). Was ist neu? Seit kurzem werden CICIL-Neuigkeiten sowohl über das Forum der Fachschaft als auch über Twitter (http://twitter.com/CicilOnline) bekanntgegeben. Noch in diesem Semester wird es eine neue Schaltfläche rechts oben in der Kopfleiste der Homepage geben, der direkt zum StudiTZ, ehemals SkillsLab führt. Eine neue Funktion ist der „Battle-Modus“; dazu gibt es einen Live-Chat, in dem man sich mit anderen Leuten unterhalten kann, die gerade die gleiche Klausur kreuzen. Für die Klausurenphase sind außerdem noch einige neue Funktionen geplant, die momentan noch in Arbeit sind. Wir können also gespannt sein! Rebecca Eisele

Bisher erfuhr das Dekanat von einer Doktorarbeit erst gegen deren Ende, wenn nämlich das Promotionsverfahren vom Doktoranden schriftlich beantragt wurde. Abgebrochene Arbeiten konnten dabei genausowenig erfaßt werden wie die tatsächliche Dauer einer Doktorarbeit. „Es gibt zur Zeit keine Zahlen zu laufenden Promotionen, Abbrecherquoten und Betreuungsqualität, einfach weil das nicht beobachtet wird.”, erklärt Thomas Musacchio (11. Semester), eines von zwei studentischen Mitgliedern

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„Battle-Modus“ mit Live-Chat bald bei Cicil Online?

der Promotionskommission. In Zukunft sei es nun leichter, sagt der Medizinstudent, „schwarze Schafe” unter den Anbietern von Doktorabeiten herauszufinden, sowie Statistiken zu begonnenen und abgeschlossenen Promotionen anzufertigen. Auch der für eine Promotion nötige Zeitaufwand könne besser eingeschätzt werden, sobald die Freiburger Doktorarbeiten von Anfang bis Ende beobachtet werden. Dieser Regelung muß noch der Fakultätsrat zustimmen, was aber als wahrscheinlich gilt. Achim Jatkowski

Kurz gemeldet

Zweites Staatsexamen

Hammerexamen aufteilen Vertreter der Medizinstudenten in Deutschland sind für eine Abschaffung des zweiten Abschnitts der ärztlichen Prüfung („Hammerexamen”, „M2neu”) in seiner jetzigen Form. Darauf einigten sich die Mitglieder der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) bei ihrer Mitgliederversammlung in München Ende Oktober 2009. Die Studenten fordern — genauso wie der Marburger Bund und der Deutsche Ärztetag — eine Aufteilung des Examens in einen schriftlichen Teil vor dem PJ und einen mündlichen Teil danach. Seit Inkrafttreten der neuen Approbationsordnung (ÄAppO) im Wintersemester 2003/04 sind das alte erste, zweite und dritte Staatsexamen zusammengelegt zu einer einzigen großen Prüfung, die nach dem Praktischen Jahr zu absolvieren ist. Das neue Examen sei zu umfangreich und zudem begännen viele PJler ihr erstes Tertial nun, ohne den Prüfungsdruck durch ein Examen, schlechter vorbereitet als zuvor. Scharf kritisiert wurde diese Regelung von Beginn an durch Medizinstudenten und Ärzte.

Eine Online-Umfrage der bvmd unter Medizinstudierenden fiel ähnlich aus: von etwa 1700 Befragten wünschten sich 89 Prozent eine Aufteilung des „Hammerexamen” in einen schriftlichen Teil vor dem PJ und einen mündlich-praktischen Teil danach. Die Ärztevertretung Marburger Bund und der Deutsche Ärztetag hatten sich schon Mitte des Jahres zum Examen positioniert. Beide Interessengemeinschaften befürworten eine Aufteilung des Examens. Achim Jatkowski Evaluation

And the winner is... Auch im vergangenen Studienjahr haben die Freiburger Medizinstudenten fleißig ihre Lehrveranstaltungen und Dozenten bewertet, und nun stehen die Evaluationsergebnisse fest. Der Preis für das beste Fach geht an den Querschnittbereich Notfallmedizin. Verantwortlich für den Blockkurs ist die Abteilung für Anästhesie, deren junges Dozententeam es geschafft hat, durch anschaulichen und praxisnahen Unterricht die Studenten von ihrem Fach zu begeistern. Das Lehrkonzept der Augenklinik wurde nicht nur in diesem Studienjahr, sondern auch in der Vergangenheit schon mehrfach

positiv bewertet, sodass den Mitarbeitern der Augenheilkunde in diesem Jahr der Preis für besonderes Engagement in der Lehre überreicht wurde. Erstmals teilen sich zwei Hochschullehrer den Preis für den besten Dozenten der Vorklinik. Sowohl die Vorlesungen von Herrn Dr. Fabry als auch die von Herrn Prof. Dr. Scaal waren so herausragend, dass beide von den Studenten mit einer sehr guten Note bewertet wurden. Eine genaue Auflistung aller Evaluationsergebnisse des Studienjahres 2008/2009 sowie verschiedene Artikel zu diesem Thema sind in der neusten Broschüre der Evaluationskommission, die vor kurzem erschienen ist, nachzulesen. Anne Büttner Internet

Linksammlung für Studenten Auf der Seite der „Virtuellen Medizinbibliothek“ gibt es eine neue, hilfreiche Linksammlung, mit Links, die den Studenten bei der Literatursuche nützlich sein könnten, zum Ablauf des Studiums, E-Learning und über das SkillsLab. Insa Schiffmann

http://www3.ub.uni-freiburg.de/ index.php?id=3348

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Kurz gemeldet

AIDS-Schleife im Hörsaal

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ie diesjährigen Erstsemester setzen ein Zeichen gegen HIV. Vor der Vorlesung „Berufsfelderkundung“ bildeten die etwa 350 Erstis im Physio-Hörsaal eine riesige Aids-Schleife, indem sie rote und weiße A3-Papierbögen über ihre Köpfe hielten. Das Bild zeigt, daß auch auf die ganz frischen Medizinstudenten Verlaß ist im Kampf gegen HIV. Über 63.000 HIV-Infizierte leben in Deutschland, 10.000 davon mit AIDS. Seit 2001 hat sich die Zahl der jährlichen Neuinfektionen mit HIV verdoppelt (von ca. 1400 auf 2800). Besonders im heterosexuellen Bereich hat die Zahl der Neuansteckungen stark zugenommen.

Dieser Entwicklung können wir nicht tatenlos zusehen! Deshalb setzt sich die Gruppe MSV Freiburg („Mit Sicherheit Verliebt“) auch am diesjährigen Welt-Aids-Tag öffentlichkeitswirksam gegen Aids ein. Am ersten Dezember 2009 verkaufte die MSV zusammen mit der Freiburger Aids-Hilfe im Rahmen des Welt-Aids-TagProjekts Schleifen, informierte und zeigte Präsenz. Denn der Kampf gilt einer noch immer nicht heilbaren Krankheit. Zeig Gesicht und sei dabei! Die MSV ist ein ehrenamtliches Projekt von Medizinstudenten, die an Schulen Aufklärungs- und Präventionsarbeit leistet (mehr: http://msv. ofamed.de). Marco Spehl

Studenten basteln AidsSchleife: 350 Erstis mit roten

und weißen Papierbögen.

Kondom im Einsatz: Wer blind drauflos streichelt, braucht ein Gummi.

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Kurz gemeldet

I

m Sommer 2012 werden in Baden-Württemberg zwei Schülerjahrgange zugleich ihre Abiturprüfungen ablegen. Die Universitäten rechnen mit dreißig Prozent mehr Studienanfängern, doch die Freiburger Medizinstudenten müssen nicht befürchten, dass die anrollende Studentenflut ihre Hörsäle zum bersten bringen könnte, denn die mediznische Fakultät wird, wie unglaublich das angesichts des doppelten Abiturjahrgangs auch klingen mag, keinen einzigen zusätzlichen Studienplatz zur Verfügung stellen. Schaut man sich (vor allem zu Semesterbeginn) in den Hörsälen um, so ist unschwer zu erkennen, dass die Fakultät der größeren Abiturientenzahl nicht aus Böswilligkeit keine zusätzlichen

Deutschland vier Bewerber, sodass die einundzwanzig zusätzlichen Studienplatze in Freiburg auch ohne doppelten Abijahrgang kaum ins Gewicht fallen. Da stellt der neue Studiengang der Pflegewissenschaften, der in Freiburg dreißig Studenten Platz bietet, für die angehenden Abiturienten von 2012 wohl nur einen schwachen Trost dar. Auch ein gutes Abi wird kaum reichen Zwar lag der NC für dieses Semester bei 1,4 und nicht wie im Jahr zuvor bei bei 1,3. Im Studiendekanat wird jedoch vermutet, dass

Studentenflut 2012 Im Sommer 2012 wird es eine doppelte Portion Abiturienten in BadenWürttemberg geben. Die Zahl der Studienplätze bleibt aber gleich. Wie wird die Fakultät mit dem Ansturm umgehen?

Studienplatze zur Verfügung stellt, sondern dass schlichtweg kein Platz mehr frei ist. Kein Platz für G8 Dank findiger Juristen, die jedes freie Plätzchen mit ihren Mandanten zu füllen trachteten, wurde seit 2006 die Zahl der Erstsemester sukzessive von 320 auf 341 vergrößert. Die Folge: Die Hörsaaltreppen sind auch während den Vorlesungen bevölkert, dıe Fensterbänke als Arbeitsfläche in den Präpkurs integriert und der ChemiePraktikumssaal rangiert wegen Übervölkerung am zulässigen Sicherheitslimit. Noch enger ist es im klinischen Abschnitt, wo pro Jahr nur 315 Studierende zugelassen werden, sodass dieses Jahr erstmals sechs Studienanfanger nur einen Platz für die Vorklinik bekamen und nach dem Physikum sehen müssen, wo sie weiter studieren können. Trotz allem kamen auch dieses Jahr, laut Information der ZVS, auf jeden Medizinstudienplatz in

das nicht an einer gesunkenen Nachfrage liegt, sondern dass sich viele Abiturienten mit einem Schnitt ab 1,3 gar nicht erst in Freiburg beworben haben, da sie sich an anderen Universitäten bessere Chancen auf einen Studienplatz ausrechneten. Deshalb lassen sich auch keine Vorhersagen darüber machen, wie hoch der NC 2012 steıgen wird. Doch auch an Universitäten in anderen Bundesländern wird es schwieriger sein, einen Platz zu bekommen. Teile des doppelten Abijahrgangs von 2011 aus Bayern werden sich bewerben. Angehende Studenten, die erst 2013 mit dem Studium beginnen, müssen mit dem ersten G8-Jahrgang aus NordrheinWestfalen konkurrieren. Über Wartezeit bekamen dieses Jahr Studienanfänger einen Platz in Freiburg, die vor zehn Semestern ihr Abitur mit 1,8 bestanden hatten (Angaben von der ZVS). Alle, die keinen Schnitt von 1,0 haben und dennoch in Freiburg Medizin studieren wollen, sollten schon jetzt eine ausgedehnte Weltreise planen. Johanna Maxeiner

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Campusleben

Was sind wir euch wert? Die Forderungen der PJ-Studenten

Bettelarm? Im PJ arbeiten die Studenten vollzeit - meist ohne jede Aufwandsentschädigung.

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Campusleben Im Januar zahlt die Freiburger Uniklinik erstmals eine Aufwandsentschädigung an ihre PJ-Studenten. Doch der Betrag ist enttäuschend klein. Vom Kampf für angemessene Wertschätzung und dem Ringen der Kliniken.

D

as praktische Jahr zu verbessern ist keine neue Idee. Seit Jahren arbeitet das Studiendekanat der Medizinischen Fakultät Freiburg mithilfe der PJ-Evaluation an der Verbesserung der Lehre. So sollte auch mit der bvmd-PJ-Kampagne im letzen Sommer auf Missstände im PJ aufmerksam gemacht und für bessere Studienbedingungen im PJ gekämpft werden. Die medizinischen Fachschaften, die sich in der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) zusammenschließen, sammelten Unterschriften für ein besseres Praktisches Jahr und formulierten einen Katalog mit „PJ-Standards“¹. In Freiburg wurden die Forderungen durch die Offene Fachschaft Medizin hörbar. „Wir wollen unser Bestes geben! Dafür brauchen wir…“, hieß es bei der Kundgebung vor dem Uniklinikum. Was dann folgte, war eine Liste mit Forderungen (siehe Link), die die Freiburger Studenten von der bundesweiten Version abgeleitet hatten. In einem Rundschreiben an die akademischen Lehrkrankenhäuser (ALKs) der Uni Freiburg unterstützt Studiendekan Prof. Rudolf Korinthenberg die Freiburger Forderungen ausdrücklich. Standard ist, was die Klinik daraus macht PJ-Studenten arbeiten an vielen grundverschiedenen Krankenhäusern. Es ist daher besonders wichtig, trotzdem allerorts eine möglichst gleich hohe Qualität der Ausbildung sicherzustellen. Die PJ-Standards der bvmd oder der Freiburger Fachschaft sind ein Schritt in diese Richtung, lassen den Kliniken aber viele Freiheiten bei der Umsetzung. Beispielsweise sollen die Kliniken eine maximale Arbeitsstundenzahl pro Woche garantieren. Wie hoch diese ist, dazu sagen die studentischen Forderungen nichts. Auch was die von Studenten dringend benötigte finanzielle Aufwandsentschädigung betrifft, legen die Standards keine Zahlen fest.

Kostenloses Mittagessen, günstige/kostenlose Unterbringung oder Fahrtkostenbeteiligung sind Forderungen des bvmd-Papiers. In welcher Höhe den Studenten ihre Ausgaben erstattet werden, entscheiden die Krankenhäuser aber letztendlich selbst. Und auch in welcher Form das geschieht, ob als Gutschein oder Bargeld, kann von Haus zu Haus verschieden sein. Wer zahlt was? "Wir versuchen, für Sie das Beste herauszuholen.", versprach der Studiendekan bei der Kundgebung im Sommer. Seitdem brodelt es in der Gerüchteküche über die Aufwandsentschädigung an der Uniklinik. Viel wurde spekuliert; manche Studenten träumten von bis zu 500 Euro im Monat. Nun ist es offiziell: 150 Euro wird die Uniklinik ihren PJ-Studenten ab Januar monatlich zahlen. Davon abzuziehen sind Verpflegungskosten, da der tägliche Essensgutschein für das Personalcasino der Uniklinik ab Januar wegfällt.

» Je größer das Haus, desto schlechter die Evaluation « Was dann noch bleibt, soll ein Ausgleich dafür sein, dass die Studenten bei der Vollzeitbelastung im Krankenhaus kein Geld mehr nebenher verdienen können, bei gleich bleibenden Ausgaben. Korinthenberg findet 150 Euro dafür zu wenig und verspricht, in den nächsten Monaten „weiterzubohren“. Der Vergleich mit anderen Häusern: In Heidelberg und Göttingen bekommen die PJler am Uniklinikum 400 Euro monatlich und freies/vergünstigtes Essen.² Die Helios-Kliniken zahlen 700 Euro. In der Schweiz gibt es eine Vergütung von knapp 1000 Franken. Das Ausbildungsgehalt für Krankenpfleger im ersten Lehrjahr an der Uniklinik

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Campusleben

beträgt 867 Euro.³ Eine Vergleichstabelle, in die Studenten die Leistungen ihres Lehrkrankenhauses eintragen können, gibt es auf der Homepage der bvmd.� "Man muss kontinuierlich auf einige Kollegen in den Lehrkrankenhäusern einwirken, um zu vermitteln, dass die PJ-Studenten nach gewissen Standards ausgebildet werden müssen.", gibt Korinthenberg zu bedenken. Einen Schritt in diese Richtung unternahm er mit einem Rundschreiben, das er an alle ALKs schickte, und in dem er Stellung zu den Forderungen der Studenten nimmt. Fast alle Forderungen unterstützt der Studiendekan ausdrücklich. Aber sind die Lehrkrankenhäuser überhaupt das Problem? „Je größer das Haus, desto schlechter die Evaluation“, fasst Korinthenberg die Ergebnisse der PJ-Evaluation zusammen, die das Studiendekanat seit Jahren systematisch durchführt, die aber erstmals in diesem Wintersemester veröffentlicht wurden. Damit liegt der Verdacht nahe, dass sich eines der größten Sorgenkinder inmitten Freiburgs befindet. Es scheint naheliegend, mit den Verbesserungen vor der eigenen Haustür zu beginnen: an der Uniklinik. Korinthenberg erklärt, dass die individuelle Struktur einer Klinik und einer jeden Abteilung, die Verwirklichung gewisser Ausbildungsziele erschweren kann. Neben der Größe des Hauses spiele das Fach eine wichtige Rolle. In der Chirurgie in Unikliniken beispielsweise gebe es steile Hierarchien, einen großen Bedarf an Hakenhaltern und jede Menge Assistenzärzte, die alle ihren OP-Katalog abzuarbeiten haben. Natürlich sei man dort weniger bereit, auch mal einen Studenten kleinere Eingriffe übernehmen zu lassen, als in einem kleinen Haus mit nur wenigen Ärzten, erklärt Korinthenberg. „Das sind strukturelle Probleme, auf die wir leider keinen Einfluss haben.“ Der Kampf um die Studenten Die ALKs stehen unter Konkurrenzdruck, wenn es um PJ-Studenten und Studienabsolventen geht. Vor

Studiendekan Prof. Korinthenberg setzt sich für die Verbesserung der PJ-Bedingungen ein.

allem die kleinen Häuser bemühen sich darum, PJler zu bekommen. Zum einen, weil sie den Titel „Lehrkrankenhaus“ behalten möchten. Zum anderen, weil PJ-Studenten auszubilden eine hervorragende Möglichkeit ist, potenzielle Assistenzärzte kennen zu lernen und zum Bleiben zu motivieren. Das ist den ALKs mitunter mehrere hundert Euro im Monat wert. Je ungünstiger die geographische Lage eines Hauses, so scheint es, umso höher die Aufwandsentschädigung. Ein Paradebeispiel ist das Schwarzwald-Baar-Klinikum Villingen-Schwenningen, das mit freier Kost und Logie zusammengerechnet auf 1000 Euro Aufwandsentschädigung kommt. Eine Tendenz, die Korinthenberg mit Sorge beobachtet: „Da die Uniklinik viel mehr PJ-Studenten unterbringt als ein kleines Krankenhaus, kann sie mit diesen Häusern finanziell nicht mithalten.“, klagt der Studiendekan. Aus diesem Grund wird es in der Zukunft neue Verträge mit den ALKs geben, die die PJ-Entschädigung auf 400 Euro monatlich begrenzen. Aus Sicht der Studenten ist das ein Skandal. Schließlich ist mit 400 Euro nicht einmal der Bafög-Höchstsatz erreicht.

Hundertfünfzig Euro

gibt es seit Januar 2010 für die PJ Studenten der Uniklinik Freiburg

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Campusleben

Kommentar von Robert Lauch

Nur Geld im Kopf? Die Aufwandsentschädigung ist nur eine von vielen Forderungen der Studenten.

Andere Unis, andere Sorgen Auch an anderen Unis gibt es Konflikte wegen der PJ-Vergütungen. So will die Uniklinik Mainz ihren ALKs die Lehrerlaubnis entziehen, wenn diese den Studenten Geld überweisen oder mehr als 250 Euro in Sachleistungen anbieten. Am 19. November demonstrierten 1000 Mainzer Medizinstudenten gegen die Weigerung der Uniklinik, ihre Leistungen wenigstens minimal mit freier Kost und Logie zu vergüten. Ismene Hermann Was man sich mit 150 Euro leisten kann

Was man sich mit 150 Euro n i c h t leisten kann

- 192-Meter Bungy-Jump von der Europabrücke - Scrubs Staffeln 1-7 als UK Import bei Amazon - Jahreskarte für den Europapark - Ipod Nano mit Gravur „Ich bin eigentlich schon Arzt“ - Schlittenhunde Schnupperkurs - 6x in der Woche SchniPoSa

- die billigste Wohnung in einem Freiburger Studentenwohnheim - die neuste Auflage des EXAPLANS - eine Nacht in der Psychiatrie auf eigene Rechnung - Nadeln und Blutröhrchen, die man beim Abnehmen verwendet, selbst zu bezahlen - 6x die Woche das MaxiMenü bei McDonalds

Das Ergebnis der letzten PJ-Aktion im Sommer, in Form der neuen Aufwandsentschädigung von 150 Euro am Uniklinikum, ist schlichtweg eine Enttäuschung für alle Medizinstudierenden an unserer Fakultät. Allerdings ist mit dieser Summe endlich ein quantifizierbares Maß für die Wertschätzung für die PJler seitens des Universitätsklinikums eingeführt. Immer wird betont, dass es vornehmlich um die Lehre gehen sollte. Dem ist keinesfalls zu widersprechen. Im Gegenteil ist es für jeden Studierenden vorrangig, in seinem letzten Jahr praktisch, strukturiert und nicht zuletzt qualitativ gut ausgebildet zu werden. Die Realität an unserem Universitätsklinikum spiegelt jedoch viel zu oft etwas anderes wieder. Studierende müssen gute Lehre persönlich einfordern, die doch eigentlich im Fordergrund stehen sollten. Man bekommt mitunter das Gefühl vermittelt, eine Arbeitskraft zu sein. Dass dann eine Entschädigung von 60 Euro plus 90 Euro Essensgeld im Monat als enttäuschend empfunden wird, ist nur allzu verständlich. Man könnte denken: Arbeiten dürfen PJler gerne, aber möglichst kostenlos. Und Ausbildung gibt es dann, wenn noch Zeit bleibt. Die Ergebnisse in der Debatte um die Aufwandsentschädigung zeigen, wie schwer es ist, in diesem so wichtigen letzten Jahr Verbesserungen umzusetzen. Denn eine finanzielle Vergütung ist für die Kliniken mit relativ geringem Aufwand zu realisieren. Überträgt man den bisherigen Verlauf auf eigentlich wichtigere Forderungen nach guter inhaltlicher Begleitung der praktischen Ausbildung und strukturierten, sinnvollen Ausbildungszielen, wird deutlich, wie schwer es sein wird diese zufriedenstellend umzusetzen. Es bleibt aber die Hoffnung, dass viele heutige Studierende sich auch noch in einigen Jahren an solche Missstände erinnern. Dann können sie von ärztlicher Seite zur Besserung der Situation beitragen, die in dieser Form für alle Beteiligten unbefriedigend ist.

¹ http://pj.ofamed.de ² http://mbhessen.de/neues/beitrag/1420 ³ http://www.uniklinik-freiburg.de/pflegeausbildung/live/1/Info.html � http://www.editgrid.com/user/alexnt/lehrkrankenhaeuser

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„Wir sind wieder sauber!“ Ein Besuch bei Professor Berg in der Freiburger Sportmedizin

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Nach Freiburg kamen über eine lange Zeit viele namhafte Hochleistungssportler, um sich im Institut für Sportmedizin betreuen zu lassen. Ein Aufkleber mit dem Titel „Olympiastützpunkt Freiburg-Schwarzwald“ erinnert daran. Erinnert?

J

a, in den letzten Monaten war davon nicht mehr viel zu sehen. Es werden Erinnerungen an Radsportler in magentafarbenen Trikots wach. Die Schlagzeilen in Zeitungen waren nicht zu übersehen. Dann wurde es ruhig um die Betreuung von Hochleistungssportlern. Professor Aloys Berg ist sozusagen das Urgestein der Freiburger Sportmediziner. Seit sechsunddreißig Jahren arbeitet er schon in der Abteilung Sportmedizin der medizinischen Uniklinik Freiburg. Diese hat er mit aufgebaut und erlebte dabei so einiges. Auf seine Promotion folgte ein Übernahmeangebot und so ist er bis heute hier geblieben. Derzeit ist Prof. Berg als wissenschaftlicher Berater tätig. Außerdem ist er Leiter des Arbeitsbereichs Sporternährung. Seit seinem Einstieg in die Sportmedizin hat sich einiges im Institut geändert. Es war zunächst eine kleine Abteilung, ein Fünfmannbetrieb. Die Labors waren quasi in den Toiletten untergebracht. Das „Brett auf der Badewanne“ diente als Labortisch, erzählt Prof. Berg. Zum Glück ist das heute anders. Appendix: Herr Prof. Berg, Sie sind in der Sportmedizin im Bereich Ernährung tätig, was genau umfasst ihre Arbeit dort? Prof. Berg: Ich bin nicht der typische auf Leistungssportler orientierte Mediziner. Es gibt grundsätzlich zwei Bereiche: Ernährung und Prävention sowie eben Hochleistungssport. Ich kümmere mich um Risikofaktoren und Lebensstil. Besondere Themen bei der Ernährung sind Cholesterin, Diabetes, aber auch Kardiologie. Wichtigster Schwerpunkt heute ist der Aufbau und die Betreuung adipöser Erwachsener, diese Themen waren allerdings vor dreißig Jahren nicht so aktuell. Ein anderer wissenschaftlicher Arbeitsbereich im Institut für Sport und Sportwissenschaften ist eben Sporternährung, Lebensstil, Prävention. Diese Inhalte versuchen wir dort den Sportstudenten zu vermitteln. Was motiviert Sie besonders bei Ihrer Tätigkeit? Zum einen ist es spannend, Ideen einzubrin-

gen. Man kann dabei sehr kreativ sein. Zum Beispiel entwerfen wir Trainingspläne für Leute, die vorher überhaupt nicht aktiv waren. Zum anderen ist es das wissenschaftliche Begleiten, wenn die Arbeit dann tatsächlich am Erfolg festzumachen ist. Es ist auch ein sehr interdisziplinäres Feld, das sehr viele Bereiche aus Sport und Medizin umfasst. Leider ist unsere Arbeit recht kosten - und arbeitsintensiv. Die Sportmedizin gehört leider auch nicht zu der Grundlagenforschung, die von der DFG gefördert wird, daher ist es sehr schwierig, die Mittel zu bekommen. Für Ihre Forschung müssen Sie viel Zeit aufwenden. Ist das für Sie mit der Lehre vereinbar? Wir haben ja das Glück, dass wir relativ viele Professoren an der Sportmedizin haben, daher ist das mit dem Lehrauftrag rein stundenmäßig abzudecken. Die Ausbildung von Sportstudenten und Medizinern, vor allem Doktoranden, läuft ja ohnehin parallel zur Wissenschaft, ihre Ideen und Gedanken fließen in unsere Forschung ein. Es ist also ein Geben und Nehmen,

„Die Vorfälle mit dem Team T-Mobile haben uns har t getroffen“ daher ist es kein allzu großer Aufwand. Die Freiburger Sportmedizin ist vielen noch wegen des Dopingskandals ein Begriff. Inwiefern wurde durch diese Vorfälle Ihre Arbeit beeinflusst? Natürlich haben wir gelitten. Diese Vorfälle mit dem Team T-Mobile haben uns hart getroffen. Jedoch war nicht die ganze Abteilung involviert, sondern nur zwei Mitarbeiter, die für diesen Bereich zuständig waren. Dabei handelte es sich um aktives, systematisches und von diesen Sportmedizinern vermitteltes Doping. Auftragseinbußen, fehlende Drittmittel sowie

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natürlich die Rufschädigung waren einige der zahlreichen Folgen. Darüber hinaus wurde die Sperre auferlegt, mehr als zwei Jahre keine Kadersportler untersuchen zu dürfen. Vor zwei Monaten erst kam es zur Aufhebung dieser Sperre. Wir sind jetzt wieder sauber, vorzeigefähig und werden uns bemühen, unseren Ruf aufzupolieren. Grundsätzlich muss man aber sagen, dass der Bereich des Hochleistungssports und die Betreuung der Sportler immer eine Gratwanderung ist.

„Mit gewisser Intelligenz kann man all das in anderen Lebensmitteln vorfinden“ Trotz Verpflichtungen, wie dem Ehrenkodex, wird es stets Bitten und Fragen der Hochleistungssportler in Richtung Doping geben und sie werden weiterhin zu Doping greifen. Der betreuende Arzt wird als „Beichvater“ konsultiert, weil die Sportler unsicher sind und mögliche gesundheitliche Gefährdungen sehen. Die Mediziner geraten daher in den Graubereich Doping, auch allein, wenn sie darüber wissen. Diese Kenntnis verpflichtet aber nicht, Vorgänge automatisch zur Anzeige zu bringen. Das Vergehen Doping ist an sich keine Tat, die automatisch verfolgt wird. Schlussendlich darf man die Sportler mit ihren Fragen nicht alleine

lassen und eine Betreuung grundsätzlich ablehnen. Dies wäre ethisch nicht zu rechtfertigen. Wenn allerdings Athleten der Verpflichtung des Arztes auf einen dopingfreien Sport nicht folgen, ist dem Arzt - Hausarzt oder Klinikarzt - nicht gestattet, die Betreuung weiter fortzusetzen. Durch Nahrungsergänzungsmittel versuchen Sportmediziner auch, den Sportlern zu besseren Leistungen zu verhelfen. Sehen Sie dies als Eingriff in den „natürlichen Sport“? Zunächst einmal sind Ergänzungsmittel per Definition auch Lebensmittel. Mit gewisser Intelligenz kann man auch all das in anderen Lebensmitteln vorfinden. Viele machen es sich da aber einfacher und greifen zu Präparaten, sei es zum Abnehmen oder zum Muskelaufbau. Offiziell darf jedoch nichts angeboten werden, was unerlaubte Mittel, wie z.B. Testosteronderivate, enthält. Dabei ist es wichtig, die Vertriebswege zu kennen. Von Mitteln, die unter der Theke, z.B. über das Internet, abgegeben werden, ist abzuraten. Dort besteht oft kein Nachweis, wer sie geprüft hat, Freigaben fehlen. Ich rate bei einem Kauf, in die Apotheke zu gehen. Allgemein sind dies alles erlaubte und nach dem Lebensmittelgesetz vorgesehene Möglichkeiten. Allerdings könnte man der Meinung sein, dass diese Personen morgen zu stärkeren oder vielleicht auch unerlaubten Mitteln greifen, um ihre Leistungsfähigkeit zu verbessern. Eine Vorstellung, die in der Bevölkerung über Leistungssportler oft zu hören, aber weder geprüft noch bewiesen ist. Die Fragen stellten Sebastian Wohlfeil, Hannes Hummel

Wer dopt, kann abstürzen - wer „Doper“ ärztlich betreut, auch.

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Berauschende Forschung

Bild: Claudia Arndt, Photocase

Viele Mythen ranken sich um die Forschungsgruppe von Prof. Bela Szabo. Was er Freitag abends macht und warum er nur noch selten mit seinen Mitarbeitern in den Schwarzwald fährt.

W

ir sprechen heute mit Professor Szabo, seit 2002 Professor an der Medizinischen Fakultät Freiburg, Abteilung Pharmakologie und Toxikologie. Prof. Szabo empfängt uns in seinem Büro und nach einem Rundgang durch sein elektrophysiologisches Labor reden wir unter anderem über Cannabisforschung, Fahrradausflüge und seine ganz persönliche Meinung zum Thema Familienplanung: „Zu viel Nachdenken verhindert die Prokreation!“ Appendix: Prof. Szabo, was hat Sie nach Deutschland geführt? Im Jahre 1984 herrschte in Ungarn noch ein starres sozialistisches Regime. Ich arbeitete in der Abteilung für Neuroendokrinologie der Ungarischen Akademie der Wissenschaften in Budapest. Weil meine Frau und ich uns damals in unserer persönlichen Freiheit stark eingeschränkt fühlten, sind wir nach einer beantragten Reise ins Ausland nicht mehr nach Ungarn zurückgekehrt. Was ist ihr aktuelles Forschungsgebiet? Mein Laboratorium untersucht, wie sich Cannabinoide, z.B. das endogene Cannabinoid Anandamid, auf die synaptische Transmission im zentralen Nervensystem auswirken. Hierbei spielen die G-Protein gekoppelten CB1(Cannabinoid)-Rezeptoren eine zentrale Rolle. Was wir bisher wissen ist, dass durch Bindung der Cannabinoide an CB1-Rezeptoren die synaptische Transmission in sehr vielen Hirnregi

onen gehemmt wird. Außerdem gibt es Hinweise dafür, dass der CB1-Rezeptor eine wichtige Rolle beim Lernvorgang spielt. Unsere Ergebnisse gewinnen wir mithilfe von elektrophysiologischen Methoden, vor allem mit der Patch-Clamp-Technik. Welche klinische Relevanz hat Ihre Forschung über Cannabinoide? Wir betreiben Grundlagenforschung. Die muss geschehen, ohne dass man im Vornherein ein klinisches Ziel vor Augen hat. Es gibt aber Ansätze für Cannabinoide in der Schmerztherapie, z.B. wenn andere Schmerztherapien versagen. Das wurde auch hier in Deutschland versucht. Allerdings wird eine Cannabinoid-Therapie von zahlreichen unerwünschten Nebenwirkungen begleitet, zum Beispiel von Sedierung und psychotischen Symptomen wie vermehrte Gereiztheit und Misstrauen. Der Cannabinoid-Antagonist Rimonabant Acomplia wurde für die Behandlung von Adipositas eingeführt, kürzlich jedoch wieder vom Markt genommen, da mehrere Anwender dieses Medikaments Selbstmord begingen. Ist es als Doktorand von Prof. Szabo von Vorteil, persönliche Erfahrung mit Cannabinoiden gesammelt zu haben? Schließlich muss man wissen, mit welchem Forschungsgegenstand man es zu tun hat. (lacht) Nein, das ist nicht nötig. Ich selbst habe noch nie Cannabis zu mir genommen.

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Prof. Dr. med. Bela Szabo Geb. 1957 in Budapest 1977-83 Medizinstudium an der Semmelweis Universität Budapest seit 1984 an der Abteilung Pharmakologie der Albert-LudwigsUniversität Freiburg. Zuerst als Gastwissenschaftler, später festangestellt. 1995 Facharzt für Pharmakologie und Toxikologie 1995 Habilitation im Fach Pharmakologie und Toxikologie 2002 Ernennung zum außerplanmäßigen Professor

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Ich hatte allerdings mal eine Pharmaziestudentin, die ich im Staatsexamen über Cannabis prüfte. Sie war sehr gut und bekam ihre Eins. Kurz nach der bestandenen Prüfung platzte sie in den Prüfungsraum herein, in dem ich die nächsten Studenten prüfte und präsentierte mir vor aller Augen einen Joint, den sie mir mit den Worten überreichte: „Jetzt haben Sie auch mal Gelegenheit, das auszuprobieren!“

Sie sind bekannt dafür, dass Sie Ausflüge mit Ihrem Labor unternehmen… Ja, allerdings mache ich das nicht mehr so oft. Erstens werde ich älter und zweitens habe ich das Gefühl, dass die jungen Leute früher offener und spontaner waren als heute. Man konnte sagen, guckt mal, es ist schönes Wetter, lasst uns eine Fahrradtour in den Schwarzwald machen. Das ist heute komplizierter.

Wie viele Doktoranden betreuen Sie zurzeit? In meinem Labor sind momentan drei naturwissenschaftliche (Biologen, Pharmazeuten) und zwei medizinische Doktoranden in der Mache. 18 medizinische Doktoranden haben bereits in meinem Labor promoviert.

Prof. Szabo, Sie halten eine relativ ausgefallene Vorlesung, was ist Ihnen wichtig in Bezug auf Lehre? Wichtig ist einmal, dass die Information, die ich weitergebe, fachlich-wissenschaftlich korrekt ist. Zweitens stelle ich klinisch wichtige Themen in den Vordergrund. Drittens versuche ich, Inhalte zu vernetzen, d.h., die Studenten darauf hinzuweisen, dass sie bestimmte Inhalte bereits aus anderen Gebieten der Pharmakologie kennen. Meine Vorlesungen sind wissenschaftlich und didaktisch sehr gut vorbereitet. Ich sortiere meine Folien sinnvoll und mache gute, aufs Wesentliche konzentrierte Handouts. Da unsere Vorlesung immer eineinhalb Stunden geht, rüttele ich die Studenten in der Mitte mit einer Filmbeilage wach. Jeden Freitagabend gucke ich mit meinen drei Kindern einen Film. Wenn was für die Vorlesung dabei ist, schreibe ich mir das auf, z.B. „Knocking on Heaven’s Door“ für Epilepsie, da der Hauptdarsteller einen Hirntumor hat und am Ende einen epileptischen Anfall kriegt und stirbt, oder Dystonie in Monty Python’s „Ministry of Silly Walks“, „Johnny English“ für Muskelrelaxanzien oder die Oper „Cosi fan tutte“, in der eine ArsenSchein-Vergiftung vorkommt. Ich kenne und liebe Opern (vor allem Mozart).

Welche Fähigkeiten und Eigenschaften eines Doktoranden sind Ihnen wichtig? Wichtig sind Fleiß, logische Fähigkeiten, ganz

„Fr üher waren die jungen Leute offener und spontaner als heute“

wichtig Frusttoleranz. Gute Noten im Fach Pharmakologie, Abitur und Physikum sind immer noch die zuverlässigsten Parameter um einen Doktoranden einzuschätzen. Wichtig ist außerdem Interesse an technischer Bastelei. Er oder sie muss mindestens sieben Monate Vollzeit, das heißt 10 Stunden pro Tag, arbeiten, da man allein zwei Monate braucht, um die Technik zu lernen. Was können Sie Ihren Doktoranden bieten? Ich bringe den Leuten bei, wie man wissenschaftlich arbeitet, wie man einen guten Vortrag hält. Ich bin außerdem nah dran an meinen Leuten, auch örtlich, ich weiß, was sie machen. Bisher kam es noch nie vor, dass ein Doktorand von mir keine Doktorarbeit zusammen bekommen hat. Allerdings führen auch 25% der Projekte in eine Sackgasse, dann ist es wichtig, rechtzeitig das Projekt abzubrechen und ein neues zu beginnen.

Hatten Sie schon mal einen PJ-Studenten im Rahmen des zweiten Staatsexamen (M2) in Pharmakologie geprüft? Würden Sie Pharmakologie als Wahlfach empfehlen? Seit der neuen AO haben wir keine PJ-Studenten mehr im Staatsexamen geprüft. Dabei würden wir das begrüßen, da für vielleicht 80% der ärztlichen Therapie die Pharmakologie eine entscheidende Rolle spielt. Interview: Siobhán Ewert und Clemens Schiebel

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Neue Wege beim Kreuzen Ein neues Computerprogramm soll Freiburger Medizinstudenten gerechtere und der Form nach bessere Klausuren bringen, die dazu noch schneller korrigiert sind. Doch wie gut sind die neuen Klausuren wirklich?

F

rüher war alles einfacher. Der Schein für klinische Fächer wie Chirurgie brauchte keine Benotung, wurde einfach mit einem „Bestanden” an die Studenten ausgehändigt. Nach der neuen Approbationsordnung (ÄAppO) müssen seit 2004 alle Scheine des klinischen Medizinstudiums benotet sein. Diese Zensuren tauchen dann auf dem Examenszeugnis auf. Wo es Zensuren gibt, sagen die Studenten der „bvmd“ (Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland) da rege sich auch vermehrt Ehrgeiz, Konkurrenzkampf und Egoismus – und der Wunsch nach gerechter Zensierung. Vergleichbarkeit der Benotung zwischen den einzelnen Fakultäten, heißt es bei der bvmd, sei nicht gegeben1.

„Qualität nicht sichergestellt“ Jedes Semester eine neue gerechte Klausur zu erstellen, mit frischen Fragen, leichte und schwere: das bedeutet einen erheblichen Prüfungsaufwand für Dozenten. Zudem müssen die Studenten der neuen ÄAppO deutlich mehr Fächer belegen als zuvor. Viele kleine Fächer und Querschnittbereiche sind dazugekommen. Insgesamt 33 klinische Scheine müssen die Studenten vor Antritt von PJ und Examen erwerben, mehr als 40 Klausuren müssen sie dazu bestehen. In Freiburg sind das ausnahmslos sogenannte Multiple-Choice (MC)-Klausuren aus Ankreuzfragen. Die bvmd forderte prompt die ersatzlose Streichung der Benotungen. Die Arbeitsbelastung der Studenten sei zu hoch, Gerechtigkeit des Wettbewerbs nicht sichergestellt.

Richtig gekreuzt?: Studenten wollen faire und aussagekräftigte Multiple-Choice-Klausuren. Lange Wartezeiten aufs Ergebnis und Fehler in der Auswertung mögen sie gar nicht.

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Eine andere Antwort auf die neue ÄAppO kommt aus Heidelberg und heißt „Item Management System Medizin” (IMSm), ein Computerprogramm zur Erstellung und Auswertung von Kreuzklausuren. Entwickelt wird es vom Kompetenzzentrum Medizin in Heidelberg, einen Teil der Medizinischen Fakultät. Insgesamt 12 deutsche Medizinfakultäten, darunter auch Freiburg, benutzen IMSm und tauschen sich untereinander aus. In Freiburg wurden erste Klausuren mit diesem Programm im Sommer 2008 den Studenten vorgelegt. Neue Mode: K-Prim Seitdem sind nicht nur die letzten FreitextKlausuren, zum Beispiel Neurologie und Innere Medizin, auf MC umgestellt worden. Auch neue Kreuzfrage-Typen werden nun den Studenten vermehrt vorgelegt: K-Prim- oder Pick-NFragen, bei denen mehr als nur eine Antwort anzukreuzen ist. Dieser Fragetyp kann auf zwei Arten bewertet werden: entweder gibt es nur dann einen Punkt, wenn alle Antworten korrekt markiert sind (Alles-oder-Nichts). Oder jede richtig markierte Antwort wird mit einem

(halben) Teilpunkt versehen (HalbpunktBewertung). „In der Alles-oder-Nichts-Form sind sie [die K-Prim] deutlich schwerer als Einfach-Auswahlfragen“, schreibt der Berner Wissenschaftler René Krebs in seiner „MC-Anleitung“2, bei den Studenten seien sie dann sehr unbeliebt und die Trennschärfe (siehe Kasten) schlecht. „Durch die Halbpunkt-Auswertungs-Version wird beides positiv verändert.“, empfiehlt Krebs. In jedem Fall gilt: Der Anteil der K-Prim-Fragen sollte nicht zu hoch sein. Darüber und über den Auswertungsmodus entscheiden aber die Fächer selbst. So trafen Freiburger Studenten in einigen Klausuren schon bei jeder zweiten Frage auf eine K-Prim-Variante. Bisher hatte besonders die Klausur Innere Medizin (siehe Appendix Nr. 25 / Dezember 2008) bei den Studenten für Unmut gesorgt. Die ersten Klausuren nach Umstellung auf Multiple-Choice enthielten zur Hälfte K-PrimFragen, mit bis zu sieben Antwortmöglichkeiten. Die richtige Kombination aus Kreuzen war gesucht. Wenn nur eine der richtigen Antworten nicht angekreuzt wurde, war der Punkt verloren. Genauso, wenn ein Kreuz zuviel gesetzt wurde.

Das neue System ermöglicht, daß Kreuz-Fragen aus 12 anderen Medizinfakultäten für die Freiburger Klausuren benutzt werden. Kriegen wir bald Kreuzfragen aus Hannover?

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René Krebs rät von diesem Vorgehen ab. K-Prim-Fragen empfiehlt er nur mit höchstens vier Antwortmöglichkeiten und das auch nur in Sonderfällen. „K-Prim“, schreibt Krebs, „sollte nicht mißbraucht werden, um völlig heterogene Aussagen zu einem breiten Thema in einem Item zusammenzuwürfeln.“ Einfachauswahl-Fragen müßten eine Klausur immer klar dominieren. Pannen und Kinderkrankheiten Der neue Fragetyp ist aber nicht der einzige Grund zur Skepsis bei den Freiburger Medizinstudenten. Gleich nach der Einführung des neuen Programms IMSm kam es zu wochenlangen Verzögerungen beim Auswerten einzelner Klausuren. In anderen Fällen erhielten Studenten zu unrecht mangelhafte oder ungenügende Noten. Das Problem waren Fehler im Scan-Programm, mit dem im Studiendekanat die Antwortbögen digitalisiert werden. Das Studiendekanat selbst träfe aber keine Schuld, betont ein Mitarbeiter. Man habe sogar Sonderschichten eingelegt und etliche Klausuren von Hand nachkorrigiert. Mittlerweile laufe das System stabil, heißt

es weiter, das Programm zeige, was es kann: Klausuren werden mittlerweile innerhalb von Stunden ausgwertet. Bleibt die Furcht der Studenten, sie bekämen bald Kreuzfragen aus allen Ecken Deutschlands vorgesetzt. Fragen, die mit den hiesigen Vorlesungen und den Schwerpunkten der Freiburger Dozenten gar nichts zu tun haben, und die in Altklausuren nicht vorkommen. Tatsächlich ist die Freiburger Medizinfakultät Teil eines Verbundes von 12 Fakultäten, die zusammen IMSm benutzen – und dafür zahlen. Eigene Klausurfragen können innerhalb des Verbundes veröffentlicht, fremde Fragen frei verwendet werden. „In unserem System befinden sich derzeit 30.000 Fragen-Items”, sagt Konstantin Brass vom Kompetenzzentrum Medizin in Heidelberg, „10.000 dieser Fragen sind für alle teilnehmenden Fakultäten öffentlich.” Innere-Fragen aus Hannover? Erstellt ein Dozent eine neue Frage mit IMSm, muß sie laut Brass eine Qualitätsprüfung bestehen. Mindestens drei Gutachter, darunter ein fachfremder, würden idealerweise über die

Test-Gütekriterien: Daran muß sich jede Klausur messen lassen Die Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA) fordert gute Klausuren für Medizinstudenten. Aber was ist gut? Jede Kreuzklausur soll nach Wunsch der GMA einige Mindestanforderungen erfüllen: erzeugen verschiedene Untersucher verschiedene Ergebnisse?

Zeigt sich zum Beispiel beim Wiederholen der Klausur. Validität:

Mißt die Klausur wirklich, was sie zu messen vorgibt, also zum Beispiel ärztliche Kenntnisse oder Tauglichkeit zum Arzt?

Objektivität:

Reliabilität: Zuverlässigkeit. Ist die Test-Methode selbst mit großen Meßfehlern behaftet?

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Transparenz: Sind klare Anwei-

sungen enthalten? Konnten sich die Teilnehmer auf die Testbedingungen vorbereiten und wussten sie, was auf sie zukommt?

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Fairness: Werden alle Teilneh-

mer beim Test gleich behandelt? (Geschlechter, Semesterzahl, Sprachkenntnisse) Die Trennschärfe der Fragen trägt zur Zuverlässigkeit (Reliabilität) einer Klausur bei. Beantworten viele gute Studenten eine Frage, während viele schlechte an ihr scheitern, ist die Trennschärfe hoch. Stammt eine Frage aus nicht vermitteltem Stoffgebiet oder enthält sie Lösungshinweise, ist ihre Trennschärfe meist niedrig.

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Güte der neuen Frage wachen. Gutachter der eigenen oder einer anderen Fakultät, die IMS nutzt, kämen zum Einsatz. Der Heidelberger gibt aber zu bedenken, daß „jede Fakultät letztlich selbst entscheiden muß, ob eine Frage gut ist oder nicht, und ob sie den Studenten schließlich vorgelegt wird.” Dem Studiendekanat sei allerdings nicht bekannt, dass bisher Klausurfragen von außerhalb in Freiburg benutzt worden wären, beruhigt ein Mitarbeiter. Schließlich müsse ja auch gewährleistet sein, dass in Freiburg die Inhalte vermittelt worden seien, die die importierten Klausurfragen abprüfen.

Aufgabensalat: einige häufige Fragentypen Einfachauswahl: von fünf Ant-

worten ist genau eine richtig oder genau eine falsch. (René Krebs: „Dieser Typ sollte klar dominieren”) K-Prim: Bei jeder Antwort muß jeweils über richtig und falsch entschieden werden. Unbekannt ist die Zahl der Richtigen. (übrigens: K-Prim heißt eigentlich „Typ K“) Pick-N: Aus der Menge der Antworten soll eine bestimmte Zahl (N) richtiger Aussagen ausgewählt werden. Eins-aus-Vielen: Bei mehreren

Für IMS zahlen die Studenten selbst Für das Computerprogramm IMSm zahlen die Medizinstudenten selbst – mit ihren Studiengebühren. Jedes Jahr fließen pro Student 10 Euro nach Heidelberg, für die gemeldeten 945 klinischen Studenten macht das gut 9.000 Euro jährlich. Da das Erstellen und Auswerten von Klausuren aber eine Grundvoraussetzung der Lehre ist, sagen Kritiker unter den Studenten: solche Leistungen dürfen überhaupt nicht aus Studiengebühren bezahlt werden. Das Studiendekanat Medizin sieht das ähnlich: „Langfristig suchen wir nach einer anderen Lösung.”, sagt Irmgard Streitlein-Böhme, die Leiterin des Studiendekanats, „Es sollten nicht die Studierenden sein, die das Prüfungssystem auf Dauer finanzieren.” In der Vorklinik ist IMS bisher nicht eingesetzt worden. „Zunächst soll das System etabliert werden und einwandfrei funktionieren,”, erklärt Streitlein-Böhme. Dann könne man über weitere Ausgaben nachdenken. Die Vorteile von IMS für Studenten liegen allerdings auf der Hand: Die Korrekturdauer ist mittlerweile geringer und es passieren weniger Fehler beim Auswerten. Zudem steige die Qualität

Fragen oder klinischen Falldarstellungen muß aus derselben langen Liste jeweils der eine passende Eintrag gewählt werden. Zum Beispiel eine Liste mit 20 Erregern bei mehreren infektiologischen Fällen. Kausale Verknüpfung: Zwei Aussagen, die mit „weil” verknüpft sind. Sowohl die Richtigkeit der Aussagen, als der Verknüpfung zwischen ihnen muß beurteilt werden. (René Krebs: „Dieser Typ sollte - wenn überhaupt - nur sehr sparsam eingesetzt werden.”)

der Klausuren, heißt es aus Heidelberg, und es sei eine umfassende statistische Auswertung möglich. Solche Statistiken könnten zum Beispiel mangelhafte Klausurfragen aufzeigen oder Lücken in der Lehre sichtbar machen. Welche Fragen waren absolut unbeantwortbar? Welche gehörten gar nicht zum gelehrten Stoffgebiet? Welchen Notendurchschnitt erreichten die Studenten in der letzten Chirurgie-Klausur? Die Statistiken des IMSm-Systems können darauf Antwort geben. Bisher werden diese Informationen aber im Studiendekanat verwahrt und sind für Studenten nicht einzusehen. Mit Zustimmung der Fächer, könnte dieses sogenannte „Post-Review“ einer Klausur jedoch veröffentlicht werden. Besonders die kleinen Fächer und Querschnittsbereiche sind bei ihren Klausuren unerfahren. Erst seit der neuen Approbationsordnung führen sie überhaupt schriftliche Prüfungen durch. Das mag eine Erklärung dafür sein, dass es vermehrt kleinere Fächer sind, die das neue von Studenten bezahlte Programm IMS derzeit nicht benutzen. Dazu zählt zum Beispiel der Querschnittsbereich 12 (Reha und Naturheilkunde) aber auch die Orthopädie mit ihrer Teilklausur zum Erwerb des Chirurgie-Scheins. Achim Jatkowski

1 Positionspapier bvmd „Benotung von Leistungsnachweisen”, www.bvmd.de 2 Krebs, René: „Anleitung zur Herstellung von MC-Fragen und MC-Prüfungen für die ärztliche Ausbildung”

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Mit Blaulicht und Martinshorn durch die Nacht

„Ist hier irgendwo ein Arzt?“ Wenn du bei dieser Frage nervös wirst, könnte das Rettungspraktikum etwas für dich sein! Organisiert von deinen Kommilitonen, macht es Schritt für Schritt einen kompetenten Helfer aus dir.

S

amstagabend in einem Club. Auf der Toilette wird ein Teenager mit Drogenintoxikation gefunden. Ein Autounfall passiert und es gibt Schwerverletzte. In einem Restaurant erleidet ein älterer Herr plötzlich einen Herzinfarkt. All diesen Situationen ist gemein, dass irgendwann in die Runde gefragt wird, ob ein Mediziner anwesend ist. Aber was tun? Sind wir nicht diejenigen, die nach etlichen Semestern Medizinstudium anstatt des Ortho-Normalbürgers reagieren müssten? Abhilfe soll das Rettungsdienstpraktikum schaffen. Organisiert von den beiden Studenten und ausgebildeten Rettungsassistenten Emanuel Stiegeler (9. Semester) und Ralf Henkelmann (7. Semester) und unterstützt von Bastian Herbst (7.Semester) wird den Studenten ein Einblick in den Ablauf und die Arbeit auf der Rettungswache vermittelt. Trotz vieler Blockpraktika auf Station fehlten praktischen Übungen in der Basisnotfallversorgung, was selbst in hausärztlichen Praxen auffalle, bemängelt Emanuel. Deswegen soll das Rettungsdienstpraktikum über den ErsteHilfe-Kurs hinaus auf Notfallsituationen vorbereiten. Marionetten des Tutors Das zehntägige freiwillige Praktikum ist mit allerlei Praxis versehen: Ausgestattet mit authentischer Rettungsdienstkleidung starten die Studenten am ersten Tag mit einem Skills-

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training. In Dreiergruppen wird zunächst aneinander geübt, dann geht es an die vier Fallbeispiele: Auf dem Treppenabsatz finden die Teams den Schauspielpatienten bewusstlos vor. Was nun? Um ratlosem Handeln vorzubeugen, haben sich die Organisatoren einen besonderen Ablauf ausgedacht. Im ersten Durchgang sind die Studenten Marionetten ihres Tutors und agieren nach seinen Anweisungen, damit sie im zweiten Durchgang die komplette Notfallversorgung mithilfe der originalen Ausstattung des Rettungswagens selbst lösen können. Koniotomie am Schwein An drei weiteren Tagen haben die Studenten die Möglichkeit nach kurzen Einführungsvorlesungen selbst Hand anzulegen: Von der Beatmung, über das Anlegen von Vakuumschienen und Versorgung von Extremitätenverletzungen bis hin zur Koniotomie am Schweinehals. Die praktischen Übungen zeigen ihre Erfolge: Die Studenten schaffen nach den bis zu acht Durchgängen eine Koniotomie in weniger als 40 Sekunden. Der Schritt in die Realität wird schließlich über zwei Dienste auf der Rettungswache gewagt. Wer wollte nicht schon einmal mit Blaulicht und Martinshorn durch die Freiburger Nacht fahren? Im Tag oder Nachtdienst können die Studenten hier hautnah ihre erlernten Fertigkeiten in präklinischer Versorgung in die Tat umsetzen.

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Kontakt Auf gute Zusammenarbeit Für das Sommersemester soll bis zu fünfzig Studenten der Einblick ins Leben auf der Rettungsdienstwache ermöglicht werden. Ziel für das nächste Semester ist zudem noch authentischere Schauplätze für die einzelnen Fälle zu schaffen. Finanziert wird das Projekt in Zusammenarbeit mit der Anästhesie und dem Malteser Hilfsdienst über Studiengebühren. Alles in allem versprechen sich die Organisatoren durch das Praktikum neben der Praxiserfahrung auch eine bessere Zusammenarbeit zwischen Rettungsdienst und Ärzten. Kathrin Bausch

Lust selbst in die Rettungsdienstkleidung zu schlüpfen? Das nächste Rettungsdienstpraktikum findet im April/Mai statt. Die Anmeldung ist ab sofort unter [email protected] möglich. Vorraussetzungen: Du bist mindestens im 4. klinischen Semester und hast keine rettungsdienstliche Vorerfahrung.

Intubieren will gelernt sein...

gut, dass der Dummy nicht wegen Zahnschäden klagen wird.

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Eingeklemmt: ohne Feuerwehr keine Rettung aus dem zerknautschten Kraftfahrzeug. Ein Teilnehmer des Notfalltages kümmert sich um eine eingeklemmte Autofahrerin.

Rettung in luftiger Höhe: von Studenten festgeschnallt und von der Feuerwehr auf der Drehleiter abtransportiert wird diese Schauspielpatientin.

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Notfalltag in Elzach Samstag 24. Oktober 2009

Erstversorgung: auf einem wackligen Baugerüst versorgen drei Studenten eine scheinbar gestürzte Schauspielpatientin mit gestellter offener Oberschenkelfraktur. winter 2009 | appendix .ofamed.de

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Chefärzte reden

Tacheles

Prof. Dr. med. Johannes Forster, Kinderheilkunde und Neonatologie St.-Josefs-Krankenhaus

» Man sollte erkennen können, dass das Arztwerden das Ziel dieses Lebensabschnittes war

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Herr Prof. Forster, wie sieht die Stellensituation derzeit bei Ihnen aus? Suchen Sie neue Assistenzärzte oder -ärztinnen? Forster: Aktiv nein, wir haben noch sehr viele Bewerber, die sich spontan melden. Worauf achten Sie bei der schriftlichen Bewerbung als Erstes? Anschreiben in kurzen klaren Sätzen, kein „Schmus“. Lebenslauf ohne Lücken, relevante Anlagen (übliche Zeugnisse, „Beweise“ nur für genau das, wass man als wichtig herausstellen will), Referenzen (Menschen, mit denen man zusammengearbeite hat, und die ich anrufen kann). Möglichst wenig Grammatik- und Schreibfehler. Wie wichtig ist Ihnen die Examensnote bei einer Bewerbung: Ehrlich: bei Gesamtnote 4 schaue ich die Bewerbung nicht weiter an. Ansonsten: die 3er vor allem dann, wenn die Noten sich vom Physikum

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zum Staatsexamen hin verbessert haben. Für die einzelne Fach-Note gilt: Wenn man weiß, wie die Noten zustandekommen, weiß man auch, dass hier „nur“ Studienleistungen bewertet werden, und dass die Reliabilität so ist, dass die aufgeführte Note genausogut eine Note besser wie eine schlechter hätte sein können. Und die Doktorarbeit? Find ich gut, hilft die wissenschaftlichen Grundlagen unserer Heilkunst zu verstehen. In der Vorstellung ein – beide Seiten – interessierendes Thema. Wie bewerten Sie die Studiendauer? Sollte so lang oder kurz sein, dass man erkennt, dass das Arztwerden das Ziel dieses Lebensabschnittes war.

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Fortsetzung auf Seite 30

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Lebenslauf, Berufserfahrung, Abschlussnoten...Hier erfahrt ihr, wie ihr bei den Chefärzten im Freiburger St. Josefskrankenhaus landen könnt. Die Gespräche führte Milad Rezvani

» Einzelne Noten der Scheine

Dr. med. Irmgard Posch, Abteilung Gynäkologie, St.Josefs-Krankenhaus

im klinischen Abschnitt spielen weniger eine Rolle

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Apx:

Frau Dr. Posch, wie sieht die Stellensituation derzeit bei Ihnen aus? Suchen Sie neue Assistenzärzte oder -ärztinnen? Die Assistenzartstellen sind bei uns derzeit alle besetzt. Es gibt regelmässig Initiativbewerbungen vor allem von Berufsanfängern. Gibt es etwas bei der schriftlichen Bewerbung, worauf Sie als Erstes achten? Die Abteilung kann nur eine gewisse Anzahl von Berufsanfängern „verkraften“, daher werden aktuell Bewerber ab dem 2. Weiterbildungsjahr bevorzugt. Ansonsten: Dissertation, Veröffentlichungen, durchgängiger Lebenslauf, Auslandserfahrung. Die Erfahrung zeigt, daß es von Vorteil sein kann, wenn schon ein anderer Beruf ausgeübt wurde. Die äußere Aufmachung der Bewerbung ist auch wichtig. Es sollten auch nicht nur emotionelle Begründungen gegeben werden, warum

gerade diese Fachrichtung gewählt wurde. Die Formulierung des Bewerbungsschreibens ist auch von Bedeutung. Es sollten nur relevante Zeugnisse eingereicht werden – keine Nachweise von Fortbildungen oder Workshops etc. Dies eher im Lebenslauf. Angenommen, jemand hat eine Drei im Examen. Weltuntergang? Bei einer Drei frage ich schon genauer nach, eine Vier ist ungünstig und wird eigentlich auch nicht akzeptiert. Einzelne Noten der Leistungsnachweise im klinischen Abschnitt spielen weniger ein Rolle. Wie wichtig ist die Doktorarbeit? Das Thema und der Umfang sind wichtig, und natürlich, ob experimentell oder statistisch gearbeitet wurde. Eine fehlende Dissertation Fortsetzung auf Seite 31 winter 2009 | appendix .ofamed.de

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Campusleben

» Außer universitäres Engagement? Das gehör t zum nor malen Leben dazu

Was sagt Ihnen ein Auslandsaufenthalt? Sowas ist sehr hilfreich für die eigene Entwicklung, aber kein Muss für die Bewerbung. Bereits absolvierte Famulaturen und PJTertiale bei Ihnen: ...sind immer aufschlussreich für uns. Und Stipendien? Gut, vor allem, wenn nicht nur das Geld eingesteckt wurde, sondern damit auch wertvolle Erfahrungen erworben wurden. Achten Sie auf außeruniversitäres Engagement (Ehrenamt, Sport)? Das hört sich so an, als wäre es was Besonderes, gehört aber zum normalen Leben dazu, zeigt also an, dass diejenigen die – wie man sagt – life-work-balance hinkriegen. Eine Frau stellt sich bei Ihnen vor ― hat sie Vor- oder Nachteile bei der Bewerbung? Das Geschlecht eines Bewerbers spielt prinzipiell keine Role, allerdings ist die Pädiatrie mittlerweile noch „weiblicher“ als die Medizin insgesamt, sodass die AssistentInnen

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«

mich manchmal schon nach Einstellung von männlichen Kollegen fragen, damit das Geschlechterverhältnis im Team nicht ganz einseitig wird. Was können Sie Bewerbern mit Familie empfehlen? Wegen der Familie werden oft Teilzeitstellen angefragt, möglichst noch mit selektiven Arbeitszeiten (nur Vormittage). Diese sind, weil das Assistententeam die Vorgaben des Arbeitszeitgesetzes erfüllen muss, nur in sehr geringer Zahl möglich. Worauf achten Sie schließlich beim persönlichen Bewerbungsgespräch? Die Bewerber werden von uns immer von Assistenten, Oberärzten und mir gesehen. Es sollte glaubhaft werden, dass der Bedarf der Abteilung erfüllt wird, und die Persönlichkeit so herüberkommen, dass sich die Kollegen recht sicher sein können, mit den Bewerbern oder Bewerberinnen im Team gut zusammenarbeiten zu können. Vielen Dank für das Gespräch!

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Campusleben

» Die Gebur t eines Kindes kann das Studium schon ver länger n. Unabhängig vom Geschlecht des Bewerbers

muss von dem Kandidaten erklärt werden (z. B. Selbstfinanzierung des Studiums). Es sollte eine Bereitschaft bestehen die Doktorarbeit im Rahmen der klinischen Tätigkeit noch nachzuholen. Jemand braucht 14 oder 15 Semester bis zum Examen. Hat er noch eine Chance? Aus den Bewerbungsunterlagen sollte hervorgehen, daß das Studium zielgerichtet verfolgt

» Es gibt bei uns weder einen Frauen- noch einen MännerBonus

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wurde. Eine Verlängerung des Studiums durch Auslandsaufenthalte oder Doktorarbeit ist ohne weiteres zu akzeptieren, ebenfalls durch Geburt eines Kindes – unabhängig vom Geschlecht des Bewerbers-. Insgesamt sollte die Verzögerung aber nicht mehr als zwei Semester betragen. Was halten Sie von Auslandsaufenthalten während des Studiums? Wichtig. Bereits absolvierte Famulatur oder PJ-Tertial bei Ihnen: Beides ist sehr hilfreich. Außeruniversitäres Engagement? Gehört zum Leben. Ehrenamtliches Engagement ist sicher ein Plus.

«

Ziehen Sie ein Geschlecht bei Bewerbern vor? Grundsätzlich wünschen wir uns eine gute Durchmischung des Teams. Dennoch ist das Geschlecht sekundär. Als Geburtshelfer dürfen wir kaum etwas gegen Schwangerschaften haben, haben wir auch nicht. Es gibt weder einen Frauen- noch einen Männer-Bonus. Auch der Familienstand der Bewerber ist egal. Was erwarten Sie auf jeden Fall von Ärzten, die neue bei Ihnen anfangen? Berufsanfänger sollten in jedem Fall bereit sein, die ersten zwei Jahre 100 Prozent zu arbeiten. Worauf achten Sie beim persönlichen Bewerbungsgespräch? Über eine Einstellung wird im Team von Chefärzten, Oberärzten und Assistenzärzten entschieden. In der Regel besteht hier Konsens. Abgesehen von den genannten Kriterien, nach denen die Einladung zum Gespräch erfolgt, spielt die persönliche Ausstrahlung eine Rolle, sowie die Vorstellungen des Kandidaten über seine Rolle im Team, mögliche Schwerpunkte und berufliche Zukunftsperspektiven bezüglich der klinischen Tätigkeit, wissenschaftlichem .Arbeiten, Interesse an Subspezialitäten oder einer späteren Niederlassung. Vielen Dank für das Gespräch!

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Campusleben

Scheues Reh im Schwarzwaldschnee. Vom Schweinchen zum Äffchen ist es noch ein langer Weg, doch wir gehen ihn gemeinsam.

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Campusleben Vom Äffchen zum Arzt ist es noch ein langer Weg.

Zwei nachtaktive Raubkatzen in freier Wildbahn.

Ausflug in den Streichelzoo Ersti-Hütte November 2009 Fotos: Jonas Hafner, Marko Lange Und was ist dein Lieblingstier?

Ei triff Küken.

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»Ich bin Realist« Der Rohen Atlas – Realität exakt wie auf dem Präpariertisch – die ideale Lernhilfe für mein Studium. David Jost J • 24 Jahre J • Medizinstudent

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Campusleben

Die AG medizinische Ausbildung macht die Träume der Studenten wahr - so gut es eben geht.

D

ie Lehre könnte besser sein. Das mag sich manch einer gedacht haben als er im dritten Semester beinahe von seinem Anatomieatlas erschlagen wurde, da er das schwere Heben – nachdem er das zweite Semester komplett im Freibad verbracht hatte – nicht mehr gewohnt war. Könnte man das dritte Semester nicht ein bisschen entzerren? Das zweite etwas mehr füllen? Könnte vielleicht jemand dafür sorgen, dass ich nicht in jeder zweiten Vorlesung auf der Treppe hocken muss? Könnte man Professor XY nicht endlich mal sagen, dass sich seine Klausurfragen nur mit hellseherischen Fähigkeiten beantworten lassen? Und könnte mir irgendjemand verraten, wohin die 500 Euro verschwinden, die ich jedes Semester brav an die Uni überweise? So denken zwar viele Medizinstudenten, aber es gibt auch einen kleinen, mutigen Haufen, der sich tatsächlich um Antworten auf all diese Fragen kümmert: die AG Medizinische Ausbildung (AGMA) der offenen Fachschaft. Das klingt zwar nicht so sexy wie „Mit Sicherheit Verliebt“ und nicht so niedlich wie „Teddybärkrankenhaus“, aber dafür wird hier effektiv an Verbesserungen der Lehre gearbeitet, die allen Medizinstudenten zugute kommen. Ein leidiges Thema ist beispielsweise der Anatomie-Hörsaal. Wird er nun vergröβert oder nur renoviert? Wie lange wird das dauern? Können wir noch irgendwie verhindern, dass unsere Studiengebühren dafür verwendet werden? Um solche Fragen beantworten zu können, muss die AGMA alle möglichen Instanzen der Uni kontaktieren, vom Unibauamt bis zum Rektorat. Doch nicht nur in der Vorklinik liegt einiges im Argen, das Praktische Jahr ist ebenfalls eine Dauerbaustelle. Zwar wünschen sich die meisten Studenten eine Aufwandsentschädigung, aber auf Kosten der Lehre soll das natürlich nicht

geschehen. Was lässt sich also tun, um an allen Lehrkrankenhäusern, bezahlt oder unbezahlt, die gleiche Lehrqualität zu bieten? Auch mit den Forderungen des Bildungsstreik-Bündnisses sich die AGMA auseinander. Welche davon betreffen unsere Fakultät? Welche davon könnten sie in Zukunft betreffen? Und wie können wir dafür sorgen, dass die Fehler, die in anderen Studiengängen gemacht wurden, in der Medizin nicht wiederholt werden, falls eines Tages Bachelor und Master eingeführt werden? Eine besonders wichtige Aufgabe ist auch das Bearbeiten von Studiengebührenanträgen. Vier der zehn Mitglieder in dem entscheidenden Gremium, der Studienkommission, sind Studenten. Damit hat die Studentenschaft ein erhebliches Mitentscheidungsrecht, das gut genutzt werden will. Hier muss besonders genau geprüft werden: Wo werden Studiengebühren tatsächlich für eine Verbesserung der Lehre eingesetzt? Wo werden sie eingeplant, um Grundbedürfnisse abzudecken, die auch ohne Studiengebühren selbstverständlich vorhanden sein müssen? Oder werden sie für Anschaffungen verwendet, die eher im Laboralltag der Wissenschaftler als im Studentenpraktikum benötigt werden? Natürlich ist das alles nicht ohne gründliche Arbeit zu erledigen. Es muss recherchiert werden, man muss sich einlesen, Studiengebührenanträge durcharbeiten und um Gesprächstermine betteln. Das mag abschreckend klingen, wer allerdings den Sprung ins kalte Wasser wagt und bei der einen oder anderen Sitzung vorbeischaut, versteht auch bald den kryptischen Fachschaftsjargon mit all seinen Akronymen von ALK bis SCOME. Dann hat jeder die Gelegenheit, alle seine Ideen auszubreiten, egal ob sorgfältig durchdacht oder gerade dahergeträumt. Laura Herrmann

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Ü b e r d e n Te l l e r r a n d

Die Pille davor Wie brisant das Thema Neuroenhancement wirklich ist. Ein Interview mit PD Dr. Claus Normann, Oberarzt der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie

H

err Dr. Normann, Neurodoping oder auch Neuroenhancement ist in aller Munde. Womit haben wir es hier überhaupt zu tun? Claus Normann: Mit Neurodoping ist die Verwendung leistungssteigernder Psychopharmaka gemeint. Ähnlich wie auch beim Doping im Sport begegnen wir hier – vorausgesetzt, dass Neuroenhancer wirksam sind – einer Verzerrung der Konkurrenzsituation, indem der Gedopte einen regelwidrigen Vorteil erhält. Ein Kritikpunkt wäre dann auch der Druck, der durch zunehmende Verwendung von Mitteln zum Neurodoping entsteht – letztlich würden immer mehr Menschen zu Mitteln wie Ritalin (Wirkstoff Methylphenidat) und Vigil (enthält Modafinil) greifen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Durch die allgemeine Akzeptanz wird man quasi zur Einnahme gezwungen. Wenn ich viel Koffein zu mir nehme, dope ich doch auch, ganz legal. Was ist der Unterschied zu Ritalin und Modafinil?

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Ja, Koffein hat auch eine milde leistungssteigernde Wirkung. Der Unterschied zu den Psychopharmaka besteht darin, dass Sie schon enorm viel Kaffee trinken müssten, um auch nur annähern die Wirkung zu erzielen, die Sie bei Einnahme von einer Tablette Ritalin haben. In der Zeitschrift „nature“ gab es vor kurzer Zeit einen aufsehenerregenden Artikel zu diesem Thema. Führende Neurowissenschaftler – von denen ein Fünftel angab, selbst Gebrauch von „Neuroenhancern“ zu machen, fordern eine Legalisierung des Neurodopings. Wie ist ihre Position dazu? Ich sehe darin einen groben und fahrlässigen Vorstoß, der so nicht gerechtfertigt ist, wenn man sich anschaut, dass die Mittel noch weitgehend unerforscht sind. Über Nebenwirkungen und Langzeitfolgen ist derzeit noch so gut wie nichts bekannt. Zuverlässige Studien an Menschen gibt es derzeit noch keine. (ergibt sich daraus, dass die Substanzen weitgehend unerforscht sind)

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Ü b e r d e n Te l l e r r a n d

Wir wissen allerdings aus den USA, dass Neurodoping allmählich gang und gäbe wird: Ungefähr fünfzehn Prozent der US-Collegestudenten gaben an, Medikamente zur Steigerung der geistigen Leistungsfähigkeit einzunehmen. In Deutschland ist hierzu nur eine repräsentative Studie verfügbar: In einer Umfrage der DAK¹ gaben ca. ein Prozent der Befragten zwischen 20 und 50 Jahren an, „häufig oder gelegentlich ihre Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz durch potente neuro- oder psychopharmakologische Medikamente zu steigern“. Pflicht für Chirurgen? Wie sähe denn die Situation aus, wenn Neuroenhancer tatsächlich legalisiert werden? Abgesehen von der Verteilungsungerechtigkeit, die bei freier Verfügbarkeit resultieren würde, hätten wir es – sofern man vom Nutzen der Mittel überzeugt ist – mit einem Instrument zu tun, was in vielen Bereichen der Allgemeinheit sogar dienlich sein könnte. In dem Artikel aus „nature“ wird zum Beispiel vorgeschlagen, die Einnahme bei bestimmten Berufen vorzuschreiben. Chirurgen, Piloten oder Rettungskräfte – Menschen, die oft längere Zeit ohne Schlaf auskommen müssen – würden damit gezwungen werden, Modafinil einzunehmen. Womit erklären Sie sich den steilen Zuwachs in der Verwendung von Neuroenhancern? Zunächst einmal möchte ich darauf hinweisen, dass die Einnahme psychopharmakologisch wirksamer Substanzen nicht neu ist. Im Gegenteil, bereits in den 80ern hatten wir es vornehmlich mit den sogenannten „Partydrogen“ Ecstasy und LCD zu tun. Auch amphetaminhaltige Hustenmittel erfuhren einen großen Absatz. Ich denke, der Grund, warum Menschen überhaupt Psychostimulanzien (PS) einnehmen, resultiert daraus, dass viele Betroffene die gesellschaftliche Situation als unveränderlich empfinden und meinen, auf die wachsenden Anforderungen mit immer stärkerer Anpassung reagieren zu müssen. Ein klassisches und ganz aktuelles Beispiel² ist der Bologna-Prozess.

Was hat Neurodoping mit Bologna zu tun? Das Neuroenhancement verspricht, den Vorstellungen von u. a. Bologna mit umwegslosem Erreichen von Glück und Zufriedenheit, der Effizienzsteigerung und der optimalen individuellen Anpassung wirksam Folge leisten zu können. Man gibt sich der Hoffnung hin, schneller reagieren zu können und ein verbessertes Gedächtnis zu haben. Mit dieser Auffassung von geistiger Leistung bewegen wir uns aber auf einen sehr, sehr reduzierten Leistungsbegriff zu, der viele andere wichtige Faktoren ausblendet. Welche Faktoren blenden wir mit Neurodoping aus? Wir verlieren dabei die Bewertung und das Reflektieren über den Wert unserer selbst gesetzten oder vorgegebenen Ziele aus den Augen. Wir denken nicht mehr darüber nach, ob das Ziel für uns überhaupt erstrebenswert ist, sondern nur darüber, wie wir es am schnellsten und effektivsten umsetzen können. Gibt es konkrete Zahlen zur Nachfrage von Psychostimulanzien am Markt? Ja, die Pharmaindustrie forscht sehr intensiv an der Erforschung neuer Medikamente. Für Modafinil ist zum Beispiel bekannt, dass mit dem jährlichen Umsatz von ca. 700 Millionen US-Dollar der eigentliche Bedarf – innerhalb der zugelassenen Indikation (Modafinil ist für die Behandlung von Narkolepsie und von Schlafstörungen z. B. bei Schichtarbeitern zugelassen, beides jedoch eher seltene Erkrankungen) – bei weitem überschritten wird. Zuletzt wurden einige Ausdauersportler positiv auf das Mittel getestet. Inzwischen ist die Substanz auf die Liste der verbotenen Dopingmittel im Sport aufgenommen worden. „Deutlich leistungssteigernd“ Wie wirksam sind Psychostimulanzien überhaupt? Welche konkreten Verbesserungen lassen sich für unsere mentale Leistungsfähigkeit erzielen? Bei Modafinil haben wir es vor allem mit einer Verminderung von Erschöpfung

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Ü b e r d e n Te l l e r r a n d

und Schlaflosigkeit nach langen Arbeitszeiten zu tun. Bei einer placebokontrollierten Studie bei 60 gesunden Erwachsenen konnte eine deutliche Leistungssteigerung in verschiedenen kognitiven Tests nachgewiesen werden. Nicht verbessert wurden Wahrnehmungsaufgaben, Rechnen und logisches Denken.

„Ritalin wird mittlerweile genauso häufig geschnupft wie Kokain“ Bei einer anderen Studie fand sich ein höherer Effekt bei Studienteilnehmern mit geringerem IQ, sodass auf einen Deckeneffekt bei hoher Intelligenz geschlossen wurde. Modafinil ist außerdem besser verträglich als z. B. D-Amphetamin, da es den nachfolgenden Erholungsschlaf nicht beeinträchtigt. Bei einer Studie mit Ärzten nach einer Nachtschicht in der Notaufnahme – ebenfalls placebokontrolliert – ergab sich eine wesentliche kognitive Leistungssteigerung unter Einsatz von Modafinil. Ritalin bzw. sein Wirkstoff Methylphenidat ist ein extrem verbreitetes Mittel, das mittlerweile genauso häufig geschnupft wird wie Kokain. Seine weite Verbreitung hängt auch damit zusammen, dass es mittlerweile ohne Patentschutz vertrieben wird. Es ist zugelassen zur Behandlung der Aufmerksamkeits-Defizit-Störung bei Kindern und Jugendlichen. Dumm dank Methylphenidat? Das Medikament wirkt über die Verminderung des zerebralen Glukoseverbrauchs, indem es vor allem den Stoffwechselverbrauch in denjenigen Gehirnzentren senkte, die nicht an der Lösung z. B. von Rechenaufgaben beteiligt sind, senkte. Bei der Lösung komplexer räumlicher Aufgaben

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Kleine Lernhilfe oder doch eher eine Gehirnbremse? Methylphenidat kann das Lernen sogar behindern.

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schnitten Probanden unter Placebo bei wiederholter Anwendung jedoch besser ab. Dies weist darauf hin, dass Methylphenidat längerfristiges Lernen sogar behindern könnte. Es scheint insgesamt kein eigentlicher Neuroenhancer zu sein, sondern eher zur Fokussierung der Hirnaktivität auf spezifische Aufgaben zu führen. Besteht Suchtgefahr bei Modafinil und Ritalin? Bisher sind mir keine Fälle bekannt. Wie bei anderen PS auch kann diese Gefahr jedoch bestehen. Gibt es etwas, was Sie uns noch mit auf den Weg geben können? Letztlich führt kein Weg an der Mühsal des Lernens vorbei; und wenn diese Mühsal dazu beiträgt, zu reflektieren, ob die Inhalte des Gelernten und die Struktur des Studiums und der Arbeitswelt sinnvoll sind, ist sie gut investiert. Die Fragem stellte Ann-Kathrin Rauch Und wie steigern Freiburger Medizinstudenten ihre Leistung? Nehmt an unserer Umfrage teil unter umfrage.ofamed.de

Die Ergebnisse sehr ihr nach Ende der Umfrage online und natürlich im nächsten Appendix! Bei Fragen oder Kontaktwunsch könnt Ihr euch an PD Dr. Claus Normann wenden: PD Dr. Claus Normann Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie Universitätsklinikum Hauptstr. 5 79104 Freiburg Email: [email protected] [1] http://www.dak.de/content/dakprfirmenservice/ arbeitswelt_wandel_sich.html [2] siehe hierzu auch die Sendung in der Tagesschau vom 17. November 2009, 22:15 Uhr, „Angst vor der Uni“ – Medikamentenmissbrauch bei Studenten“à abzurufen unter www.tagesthemen.de

Klärt uns über Vor- und Nachteile von Psychostimulanzien auf: PD Dr. Normann

PD Dr. Claus Normann Werdegang in Kürze Geboren in Rottweil am Neckar Studium der Medizin in Freiburg, London und New York Promotion über Calcium-Kanäle am Physiologischen Institut 1996 AiP an der Abtl. Psychiatrie und Psychotherapie, nach Zwischenstationen am Physiologischen Institut, und den Abteilungen Neurologie und Neurochirurgie seit 2003 Oberarzt Leiter einer Schwerpunktstation für affektive Erkrankungen und eines Labors für experimentelle psychiatrische Forschung (zelluläre und klinische Elektrophysiologie)

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Ü b e r d e n Te l l e r r a n d

Zwischen

KiTa

und

Karriere

Ärztin sein und Kinder haben - es geht! Prof. Annette Hasenburg über Familiengründung im Studium und Ganztageskitas

K

inderwunsch im Studium, das ist doch völlig normal! Das behauptet jedenfalls eine Umfrage der Bundesvertretung des Medizinstudenten in Deutschland (bvmd). 80 Prozent der Befragten wünschen sich demnach Kinder noch während des Studiums. Aber trotzdem bleibt die Frage: Ärztin sein und Kinder haben, geht das? Frau Prof. Annette Hasenburg sagt: „Es geht!“ Ihr, Mutter einer vierzehnjähriger Tochter und Oberärztin in der Freiburger Uni-Frauenklinik gelingt Tag für Tag der Balanceakt zwischen Klinik und Kind. „Man muss natürlich immer Kompromisse eingehen, auf der einen oder anderen Seite, aber das tolle daran ist: Man bekommt auch auf beiden Seiten etwas zurück“, beteuert sie. Nur, wann ist für Mediziner der beste Zeitpunkt, eine Familie zu gründen? Trotz Lernstress, Klausuren und Famulaturen werden immer mehr Kinder schon im Studium geboren. Eine kluge Entscheidung, jedenfalls nach einer Studie der Universität Ulm zu urteilen. Die Untersucher kamen zu dem Ergebnis, dass das Studium tatsächlich kein ungünstiger Zeitpunkte zur Familiengründung ist. Die erste Hürde der „Familienplanung“ ist dann schon vor dem Berufseinstieg überwunden. Annette Hasenburg stimmt dieser Einschätzung zu. „Im Studium hat man die meiste Möglichkeiten, sich die Zeit flexibel einzuteilen.“, findet die Ärztin. „Ich hätte das auch nie ge-

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glaubt, wenn man mir das gesagt hätte, denn ich habe mein Studium als stressig erlebt. Trotzdem ist das Studium eine gute Zeit für ein Kind.“ Auch für die Kliniken könnte sich diese Art der Familienplanung rentieren, spart sich der Arbeitgeber doch so die eine oder andere Schwangerschaftsvertretung, wenn seine Angestellten schon Eltern sind. Gerade die Uni Ulm bemüht

» Man

bekommt auf beiden Seiten etwas zur ück «

sich darum, das Medizinstudium „familiengerechter“ einzurichten; konkret heißt das: flexiblere Fristen, Stundenpläne, die sich mit den Kindergartenzeiten vereinbaren lassen oder die Möglichkeit, Praktika in Teilzeit absolvieren zu dürfen. Für eine Schwangere Ärztin problematisch geht es zum Beispiel in chirurgischen Fächern zu: Spätestens ab dem fünften Schwangerschaftsmonat muss sie große Operationen wegen des langen Stehens am OP-Tisch aufgeben, genauso wie Nachtschichten und Notfalldienste, die aus gesundheitlichen Gründen verboten sind. Der gesetzlich vorgeschriebene Mutter-

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Ü b e r d e n Te l l e r r a n d

» Das

bulanzen zu finden sind. Dort bietet sich ihnen schon eher mal die Möglichkeit zur Teilzeit und einer geringeren Anzahl von Überstunden.

Studium ist eine gute Zeit für ein Kind «

Keine Teilzeitkarriere schutz, und auch der Wunsch vieler Mütter, eine Zeitlang bei ihrem Kind zuhause zu bleiben, verlängert häufig die Facharztausbildung. Und wenn man nach der Schwangerschaft wieder in seinen Beruf einsteigen möchte, hat man, wie jeder andere Arzt auch, gerade in Fächern wie Chirurgie so gut wie keine Chance auf einigermaßen geregelte Arbeitszeiten. Kein Wunder also, dass Ärztinnen häufig in der Gynäkologie, Pädiatrie, in Polikliniken oder Am-

„Meine Tochter ist wirklich das Glück meines Lebens.“ Prof. Annette Hasenburg mit Tochter.

In vielen Krankenhäusern, auch im Uniklinikum Freiburg, ist es Ärztinnen (und Ärzten) prinzipiell möglich, je nach Station in Teilzeit zu arbeiten, beziehungsweise vom Schichtdienst ausgenommen zu werden; die einzige Alternative zur Nachtschicht besteht allerdings darin, verstärkt am Wochenende zu arbeiten - auch das kann zu einer Belastung für die junge Familie werden. Zudem erhalten Ärzte, die gerade längerfristig in Teilzeit arbeiten, auch nur ein Teilgehalt und später nur eine Teilrente. Zu diesem finanziellen Aspekt kommt auch ein Nachteil in der Karriere: Teilzeitkarrieren gibt es nicht. Für Annette Hasenburg war Teilzeit keine Alternative: Ein halbes Jahr nach der Geburt

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Ü b e r d e n Te l l e r r a n d

kommen, steuern einige Kliniken mittlerweile eine besondere Betreuung an, die genau auf die speziellen Arbeitsanforderungen von Ärzten zugeschnitten ist. Dazu gehören Kitas, die zum Beispiel während den konkreten Arbeitszeiten

» Meine

Tochter ist das Glück

meines Lebens «

ihrer Tochter stieg sie wieder voll in ihren Beruf ein. „Ich bin lange Zeit relativ pünktlich nach Hause gegangen, habe dafür aber viel Arbeit mit nach Hause genommen, einfach um mein Kind abends noch zu erleben.“ Sie habe einen sehr kulanten Chef, meint die Ärztin, und gerade wenn es um Nachtschichten ging, sei sie immer von ihren Eltern unterstützt worden, die zu diesen Zeiten auf ihre Enkelin aufpassen konnten. „Meine Tochter war früher im Ganztageskin-

» Es

kommt nicht auf die Menge der Zeit an «

dergarten und dann in einer Schule mit Nachmittagsbetreuung.“, berichtet die Ärztin. Auch hier wurde sie unterstützt, zum Beispiel von Eltern der Schulfreunde ihrer Tochter, die sie morgens mit zur Schule nehmen konnten. Kitas kommen, Zweifel bleiben Ideal wäre für die berufstätige Frau ein Partner, der zu Hause bleibt und sich um die Kinder kümmert. Aber gerade für alleinerziehende Mütter und solche, deren Partner ebenfalls berufstätig ist, und die nicht ganz so viel Glück mit Verwandten oder Freunden haben, stellt die Kinderbetreuung ein Problem dar. Um ihren Angestellten darin entgegenzu-

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der Eltern geöffnet haben, oder gezielt Hausaufgabenbetreuung und einen Mittagstisch anbieten. Solche Einrichtungen liegen schließlich auch im Interesse der Krankenhäuser, denn so können sie ihre Mitarbeiter von Stress und häuslichen Pflichten entlasten und flexibler einsetzen. Auch in Freiburg baut das Uni-Klinikum momentan seine Kinderbetreuung aus und bietet jetzt schon zum Beispiel eine Kindertagesstätte direkt am Krankenhaus und eine Ganztagesbetreuung in den Sommerferien an. Trotzdem fehlen der Klinik noch Plätze für unter drei- und über zehnjährige Kinder. Zusätzliche Kita-Plätze sollen aber nach Aussage der Presseabteilung demnächst geschaffen werden. Trotz guter Kinderbetreuung durch den Arbeitgeber sorgen sich viele Medizinstudenten, dass sie als Ärzte kaum Zeit für ihre Kinder haben könnten. „Ich denke, dass es nicht auf die Menge der Zeit ankommt, die man mit seinen Kindern hat, sondern darauf, wie man sie nutzt“, gibt Annette Hasenburg zu bedenken. „Es ist wichtig, mit seinem Kind wirklich konzentrierte Zeit zu verbringen. Das ist dann vielleicht wertvoller als bei Frauen, die den ganzen Tag zuhause und unter Umständen genervt sind von ihren Kindern. Ich hab mich immer unbändig auf mein Kind gefreut, meine Tochter ist wirklich das Glück meines Lebens.“ Würden Sie sich im Nachhinein noch einmal so entscheiden? „Absolut, niemals anders!“, kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen. Rebecca Eisele

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Wir brauchen

Frischfleisch!

Das AppendixTeam ist etwas mager. Deshalb brauchen wir Frischfleisch: deine Unterstützung!

Foto: photocase.com - boing

Serviere uns deine Ideen, Vorschläge, Kreativität und etwas Zeit. Komm zu uns in die Redaktion, und vielleicht weckt der Appendix deinen journalistischen Appetit?

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Am Ende der Welt

N

ach einer Reise über die sieben Berge und durch die sieben Tunnel erreicht man das etwas verschlafene Visp im Wallis. Pardon, im Oberwallis – diese Unterscheidung muss sein – denn im Unterwallis wohnen die Welschen, also die Französischsprachigen, auf die man nicht ganz so gut zu sprechen ist. Das Wallis wird von den Restschweizern manchmal als hinterwäldlerisch bezeichnet. Kein Wunder – bis vor einigen Jahrzehnten war das Wallis im Winter von der restlichen Deutschschweiz abgeschnitten, da die Pässe nur im Sommer befahrbar sind. Seit einem Jahr nun gibt es schon die NEAT, die neue Alpentransverse durch den Lötschbergtunnel, und so ist Visp eine Stunde näher an die Welt herangerückt.

Nun, warum hat es mich ins Rhonetal verschlagen? Wegen des Spitalzentrums Oberwallis und meines Chirurgietertials im Praktischen Jahr. Eine durchaus empfehlenswerte Kombination. Das Krankenhaus ist eher beschaulich und trotzdem nimmt man als Student viel mit. Eben weil es so klein ist, sieht man das ganze Spektrum der (alltäglichen) Chirurgie – und nicht nur ausgewählte Teilaspekte, wie in größeren Häusern. Wer natürlich unbedingt im PJ eine Lebertransplantation oder eine Whipple-Operation sehen will, der ist wahrscheinlich besser an einem Uniklinikum aufgehoben. Für alle anderen ist Visp meiner Meinung nach ideal. Vom ersten Tag an wird man voll in das (vorwiegend aus deutschen Ärzten bestehende) Team integriert. Was darf man denn nun tun?

Keine Leberverpflanzungen, dafür viele Grundlagen. (Selbständige Patientenversorgung und malerisches Panorama inbegriffen) Ein Chirurgie-Tertial im Wallis / Schweiz.

Chirurgie in der Schweiz: Unser

Autor beim Klettern in den Schweizer Bergen. Die Arbeit im Krankenhaus ließ auch dafür Zeit.

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Foto: Christina Dicke

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Im Vergleich mit Kommilitonen, die ihr Tertial in Deutschland absolvieren, sehr viel.

man auch für einige Wochen als Chirurgie-PJler rotieren kann, eignet sich das Spital besonders für Traumatologiebegeisterte. Allerdings gilt, wie zuvor erwähnt, dass man die schweren Fälle Nicht nur Hakenhalten nicht sieht, da die gleich an die Uniklinik nach Auf der Notaufnahme betreut man nach Bern geflogen werden. Doch auch die Basis der einer gewissen „Probezeit“ die Patienten von Viszeralchirurgie mit Appendektomien, Leistender Aufnahme über Diagnostikanordnungen bis hernien und Darmeingriffen lernt man recht gut zur Entlassung oder Aufnahme auf Station. Bei kennen. einfacheren Fällen sogar Die oben erwähnte komplett alleine, ohne dass Nähe zu den Touristen»Ein sehr schönes Gefühl, ein Arzt einem über die regionen bietet dem PJler nach sechs Jahren Studium Schulter schaut – wenn natürlich auch einige man das denn will. Der Vorteile. So kann man endlich ‚was Richtiges‛ Arzt ist immer da und für im Wandern ausgedehnte machen zu dürfen« Fragen offen. Auch die Wanderungen in unbeWundversorgung darf man rührter Natur geniessen als PJler eigenständig durchführen. oder aber Klettern und die höchsten Berge der Auf Station ist man auch für alle Aufnahmen Schweiz erklimmen – die Hälfte aller europäsowie Aufklärungen verantwortlich. Das Spanischen 4000er stehen im Wallis. Im Winter bietet nendere ist allerdings, mit in den OP-Saal gehen sich Skifahren an. Das Gerücht hält sich, dass es zu können. Regelmäßig wird man hier als erster PJler gegeben hat, die mit den Skiern auf dem Assistent eingesetzt und darf, je nach Operateur, Dach des Spitals auf einen der in Zermatt statizumindest zunähen. Nach einiger Zeit und mit onierten Rettungshubschrauber gewartet haben etwas Glück darf man sogar kleinere Eingriffe um mit ins Skigebiet geflogen zu werden. Meine wie Debridements oder Pilonidalsinus-OPs als Versuche mit der Hubschrauber zurückzufliegen „Operateur“ durchführen, wobei der zuständige wurden aus Versicherungsgründen jedoch leider Oberarzt einem natürlich alle Handgriffe erklärt abgelehnt. und die Schnittführung vorgibt. Ein sehr schönes Gefühl, nach 6 Jahren Studium endlich was Testurteil: sehr gut „Richtiges“ machen zu dürfen. Als Fazit kann ich das Spitalzentrum Oberwallis als PJ-Destination sehr empfehlen. Man sollte Für Naturliebhaber und Outdoorallerdings beachten, dass man je nach Pjler-Lage Sport-Begeisterte viel arbeiten muss. Jedes Wochenende muss minDas Einzugsgebiet des Spitals begreift den destens ein Student im Spital sein und jede Nacht gesamten deutschsprachigen Teil des Wallis einer Rufbereitschaft haben. Während meines – somit auch die Touristenorte Zermatt und Tertials waren wir immer mindestens zu fünft, Saas-Fee. Daher gibt es saisonale Schwankungen sodass sich die Belastung in Grenzen hielt. Vor im Patientenaufkommen: In der Hochsaison im mir waren allerdings eine Zeitlang nur drei da, Sommer und im Winter viele Patienten, sonst dementsprechend oft mussten die PJler arbeiten. eher weniger. Thierry Rolling Die Einheimischen sind recht hart im Nehmen und gehen nicht so oft ins Spital wie die anfälligeren Touristen… Weitere Infos unter: www.rsv-gnw.ch Weiterhin ergibt sich aus der Nähe zu den Verdienst: 900CHF/Monat Bergregionen, dass circa zwei Drittel der Bewerbung für ein Chirurgietertial: Mail an gesehenen Fälle unfallchirurgisch sind – seien [email protected] es Wander- oder Skiunfälle. Da es zudem am Ein Orthopädietertial in Brig kann auch sehr zweiten Standort des Spitalzentrums im benachempfehlen sein. das am besten gleich in der barten Brig eine Orthopädieabteilung gibt, in die Mail erwähnen. winter 2009 | appendix .ofamed.de

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Ü b e r d e n Te l l e r r a n d

Grüße aus Anna, Valencia cia? Was ist toll in Valen ld Spaniens: l von dem typischen Bi vie ert rp rkö ve cia len Va e wunderschöne en schönen Strand, ein ein e, nn So l vie h lic täg ds draußen Tan und Kirchen. Aben tze Plä len vie t mi t ad Altst mit vielen Leuten d buntes Nachtleben, un es reg ein , en ess s pa aus der ganzen Welt n? Was ist nicht so schö rd viel geklaut Valencia ist hoch, es wi eit Die Arbeitslosigk in em: sein Fahrrad! f seine Sachen – vor all au t gu ss mu n ma d un ich eingerichtet ungen sind eher spärl hn Wo ele Vi . en ass fp au lencia findet vor ngen – das Leben in Va izu He um ka n be ha d un allem draußen statt. n wollen: die Erasmus mache Deine Wor te an alle, an – Sprache l komplett von vorne Man fängt noch einma hnen, Freunde ische Lebensart gewö an sp die an h sic n, ne ler enteuer – das erstmal wieder ein Ab rd wi g lta Al r de n, de fin denken, dass da noch mal darüber nach en ein st läs d un t gu tut … vielleicht noch mehr ist Gr üße an… nten Alle Freiburger Stude Lucas, Lau

sanne

Salut de L ausanne! Zwischen Lac Léman zer Weidela , Wallis, Ju ra und sch ndschaft is weit die Bierb ausgepräg raukunst n t wie in un icht so serem Sch kommen v warzwa on lade und h hier schöne Weine, u ld, aber dafü erzhafter K n äse. Mit die glaubliche Scho ist man un sen Gaum vergleichb en ar gestärkt reiches Era für ein entb freud sm ehrungs auch wenn us-Leben und sport lich der Magen dann einem e Leistungen, gleicht... Geldvernic hter Deine Wo rte an alle , die Eras Just do it! mus mac hen wolle Grüße an n …Chris, A lexandre, S Nina & Vin té fa c! n, Annika, Mitja, À bientôt! Luc

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o ür okoden s-

n:

Ü b e r d e n Te l l e r r a n d

Erasmanien Kathrin, Sevilla Was ist in Sevilla toll? Jardínes del Real Alcázar, Alcoy10, Sala Malandar, fiestas del piso, Mierc-Olé, Baños árabes, Tapeo, Árabe I, ir a la playa en no viembre, Danza Española , Visitantes, dulces del con vento, viajar por Andalucí a y Portugal, un milión de Zapaterías, Ángeles... die kurzen Nächte und die sonnige Tage ¡olé!

Gr üße an... die Daheimgebliebenen besitos an Franzi, Simon, Moo und Anni und die lieb e Eva

Lena, Göteborg Was ist toll in Göteborg? n lernt die Sprache, da praxisbezogenes Studium; ma tenkontakt auf Schwedisch alle Kurse und auch der Patien röße: nicht zu groß und nicht stattfinden; angenehme Stadtg zu klein Was ist nicht so schön? Winterzeit; Einkaufen/ viel Regen in der Herbst- und Wohnen/Ausgehen ist teuer smus machen wollen: Deine Worte an alle, die Era e Sprache, lernt ein neues Nutzt die Chance, lernt eine neu anderen Land gelebt und Land kennen, seht, wie in einem n, meiner Meinung nach, nur gearbeitet wird. Davon kann ma n in einem solchen Jahr sieht profitieren und von dem, was ma lang einen Nutzen haben. und lernt, wird man sein Leben Grüße an… natürlich auch an alle alle zu Hause Gebliebenen und anderen Weltenbummler!

Du willst auch Grüße hinterlassen? Schick uns einen Brief mit Bild an Appendix Offene Fachschaft Medizin Universität Freiburg Hermann-Herder-Str. 9 79104 Freiburg oder eine entsprechende e-mail an: [email protected]

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Ü b e r d e n Te l l e r r a n d

Wo die wilden

Shirts herkommen

H

eute also der Termin mit den Rotschopfjungs. Ich muss mich beeilen. Zehn Minuten noch bis zum Interview. Rascher Blick in den Spiegel, Haare zurecht raufen, Kaugummi einwerfen, ab geht die Post. Bisher war noch nicht allzu viel in Erfahrung zu bringen über das neue Shirt-Musik-Label aus Freiburgs pulsierendem Zentrum. Ein bisschen Katz und Gold, ein bisschen Haute Couture und ne Menge Musik zum Schnuppern von bekannteren und weniger bekannten Bands aus Südbaden und Kasachstan, mehr weiß ich noch nicht. Mal gespannt was das gibt.

Dreisaminterview Am Ufer der Dreisam stehend und nach Rotschöpfen Ausschau haltend, fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Sichtlich zufrieden haben die drei es sich auf einem roten Plüschsofa mitten in der Dreisam bequem

gemacht. Nach kurzem Zögern mache ich mich auf und wate die vier Meter vom Ufer bis zum Sofa. Ein Glas Sekt und drei verschmitzte Gesichter erwarten mich. Ob sie mich mit auf eine kleine Reise ins Rotschopfland nehmen dürften, fragt Benni, und ob ich die neue Platte von Dandy Hotz schon gehört habe. Ich muss grinsen, wenn ich mir die Absurdität der Situation vorstelle. Das Album hab ich mir angehört und es ist gut. Das anschließende Gespräch über Labels, Musik, Privates und Design plätschert ähnlich entspannt wie die Dreisam vor sich hin und so erfahre ich von der ominösen Stunde Null des Labels in einer Berliner Spelunke, der dauernden Suche nach neuen Klängen im Notendickicht und der akribischen Handarbeit, mit der jedes Shirt noch in Freiburg mit der Nähmaschine von Andys Oma veredelt wird, bevor ein neuer Besitzer es sein Eigen nennen darf.

Junges Freiburger Label

schlüpft aus dem Ei: Benni, Andy, Mo, Mario und Daniel (von links) „sind“ Rotschopf.

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Ü b e r d e n Te l l e r r a n d

Fünf Freiburger Studenten gründen ein neues Shirt-Musik-Label. Profit machen sollen die ausgefallenen Sachen nicht. Nur Spaß.

Musik und Shirts Auf meine kritische Frage, was die drei denn ursprünglich dazu bewogen habe, ein kombiniertes Shirt-Musik-Label zu gründen - jedes für sich genommen ja keine vollkommen originelle Idee - erhalte ich unterschiedliche Antworten. Einerseits ginge es sicherlich darum, etwas Eigenes zu schaffen und zu schauen, wie selbst entworfene Gedanken nach kurzer Zeit aus ihren Eiern kriechen, erklärt Moritz. Andy ergänzt, dass Rotschopf außerdem als Label eine gute Basis für Künstler aus der Region sei, die bisher noch auf der Suche nach Möglichkeiten wären, den eigenen Bekanntheitsgrad zu steigern. Neben bereits bekanntem Dandy Hotz finden sich auf der Rotschopf-Homepage nun Billitz, Pocketfluff und Dandy jr., allesamt Solo-Projekte der Kreativzelle, die zusammen bei Dandy Hotz mitwirken. Alles auf der Homepage zum Reinschnuppern, versichert mir Benni

zwinkernd. Und außerdem, fügt er hinzu, spiele nicht zuletzt der Spaß am Entwerfen von Klamotten eine Rolle. Die Stunde, die ich für das Interview eingeplant hatte, fließt nur so dahin. Ich möge in meinem Bericht den Grafikdesigner von Rotschopf in Kasachstan und den Programmierer in Karlsruhe nicht vergessen geben mir die Jungs noch mit auf den Weg. Meine Frage, ob sie geplant hätten noch länger hier auf der Couch zu sitzen, wird von den Dreien bejaht. Schließlich müsse man noch testen, ob die entworfenen Shirts auch wirklich dreisamwassertauglich seien... Siobhán Ewert

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Rätsel

Rätsel Zeit zum Rätseln! Sende das Lösungswort bis zum 01. April 2010 an [email protected] und gewinne ein Buch aus unserer Bücherkiste!

Liebe Kommilitonen,

Fragen

im letzten Appendix (Nr 26, Sommer 2009) haben wir es gut gemeint und wollten euch das Lösungswort „Sommer Sonne Sonnenschein“ errätseln lassen. Dabei hat sich ein Fehler eingeschlichen, sodass die Lösung „Sommer Sonne Sonnenshhein“ ergab. Dafür möchten wir uns entschuldigen. Trotz dieser erschwerten Bedingungen habt ihr zahlreich Teilgenommen und gewonnen. Aus den vielen richtigen Zuschriften losten wir zehn Gewinner. Herzlichen Dank an alle Rätselfreunde und Glückwünsche an die Gewinner von

1. giftig 2. eitrig 3. Ist das Mädchen brav, ist der Bauch... 4. Das Herz betreffend. 5. An der Gebärmutter leidend. 6. Angang von Blähungen 7. u. a. Nebenwirkung einer Viagra-Überdosis 8. Nur an einer Stelle. 9. Buntgemischt/ verschiedenartig 10. Schmerz 11. eindringend (z. B. eine medizinische Maßnahme) 12. Die Mitarbeit eines Patienten 13. Plötzlich da und wieder weg (denk ans Herz) 14. Wenn viele Fachrichtungen an einer Behandlung mitmischen, ist sie... 15. Besprechung 16. Die Ärzte haben es verursacht. 17. Unvermögen (im Gegensatz zur Kraft) 18. Weg vom Mund 19. Arsch-Mund Übertragung 20. Wir wissen nicht woher es kommt. 21. Hat das Mädchen Sex, ist der Bauch... 22. Blähungen 23. Aussichtslos (z. B. eine Prognose) 24. Oben 25. Sie ist kein Doktor“Vergnügen“, sondern eine... 26. sehr schnell 27. Der Knecht 28. Was bedeutet Moria?

eurer Appendix Redaktion

Gewonnen! Eine Appendix-Leserin beim Griff in die Bücherkiste

Rätsel: Irina Götz

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Rätsel

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Lustiges

Stößel Libre

D

u fühlst dich erschöpft und ausgebrannt? Du stehst im soziologischen Abseits, gehst nur noch selten mit deinen Freunden aus? Du musst lernen, besser für dich zu sorgen. Ausgleich ist wichtig, sonst stößelt man schnell an seine Grenzen. Stößel dich frei - mit Stößel libre! Stößel mit deinen Freunden an, plane eine Revolution. Stößel den Alltagsstress von dir. Mach eine anstößelige Bemerkung. Entspann dich! Dazu eine Zigarette …oder besser eine kubanische Zigarre. So bist du für den Rest des Abends sicher vom Burnout gefeit. Salute! Wissenswertes zu Stößel Libre Unser Cocktail ist ein Hybrid aus Caipirinha und Cuba Libre. Caipirinha, in Brasilien getrunken, besteht aus Rohrzuckerschnaps, Limetten und Zucker. Es ist aber üblich, die verschiedenen Zutaten zu ersetzen. Ein Caipi mit Rum ist zum Beispiel ein Caipirissima. Cuba Libre kommt aus Kuba und besteht aus Havanna Club Rum, Limetten und Cola. Nimmt man Limetten und Zucker, zerstößelt sie wie beim Caipi und füllt den Saft mit Havanna Club auf, erhält man einen keinen gewöhnlichen Caipirissima, sondern einen Stößel Libre. Die Eigenart des Caipirinha und des Stößel Libre ist, dass der Fruchtsaft durch die osmotische Wirksamkeit des Zuckers und die Zerstörung der Zellwände mittels Stößeln direkt im Glas erzeugt wird.

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Die Limetten bleiben im Glas und der Cocktail wird durch Eis und Havanna Club ebenfalls im Glas komplettiert. Beim Eis sind je nach Geschmack große Eiswürfel oder das sog. Stößeldeis zu verwenden. In Brasilien nimmt man keine gestößelten Eiswürfel, da sie schneller schmelzen und so den Cocktail verwässern. Wenn euch der Stößel Libre zu stark ist, könnt Ihr ihn mit Cola entschäfen. Und teilt euren Stößel mit Freunden - alles andere wäre asozial! Zubereitung: 1. Eine Limette waschen, würfeln und mit einem Holzstößel im Glas selbst auspressen. Dabei immer an Pestizide denken, ggf. schälen oder Bioprodukte verwenden. 2. Dann werden zwei bis drei TL Zucker hinzugegeben. Der Saft aus der Limette sollte den Zucker komplett auflösen. 3. Das Glas bis leicht unter den Rand mit Eisstücken füllen 4. Mit 4-6 cl Havanna Club auffüllen.

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Sinnvoll investiert?

Rezensionen Welche Wälzer sind ihr Geld wert?

Endlich EKG verstehen? EKG-Kurs für Isabel, 5. Auflage, Hans-Peter Schuster und HansJoachim Trappe, 2009, Thieme, 34,95 €

Der "EKG-Kurs für Isabel" entstand aus der Motivation der beiden Autoren, einer Medizinstudentin namens Isabel, und allen anderen, im EKG-Dickicht verlorenen Medizinstudenten, zu helfen. Sie wollten das Verständnis des EKGs erleichtern und einen Kurs schreiben, der sowohl die Grundlagen, als auch spezielle Fragestellungen der EKG-Interpretation behandelt.

Sieben Kapitel stellen die Grundlagen des EKGs dar und sind Voraussetzung für ein generelles EKG-Verständnis. Es folgen 34 weitere Kapitel, in denen jeweils ein spezifisches Krankheitsbild behandelt wird.

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Zur Verdeutlichung beinhaltet das Buch über 50 EKGBeispiele, ein EKG-Quiz im Multiple-Choice-Stil und weitere EKG-Übungen. Außerdem eine CD mit EKG-Beispielen zum Üben, sowie ein EKG-Lineal. Zahlreiche Abbildungen veranschaulichen das theoretische Wissen. Am Ende jedes Kapitels stellen "Merke"-Kästen den vorangegangenen Inhalt kurz aber sehr vollständig dar. Kapitel, wie z.B. "EKG bei Mykoardinfarkt" oder "Befundung des Elektrokardiogramms" sind sehr hilfreich und gelungen. Der EKG-Kurs konzentriert sich dabei eindeutig auf die klinische Interpretation und Befundung der EKGs, nicht auf Erklärungen elektrophysiologischer Zusammenhänge und anatomischer Grundlagen. Insofern fallen die Grundlagenkapitel verhältnismäßig knapp aus. Das Lehrbuch umfasst neben den häufigen, mit EKG diagnostizierbaren kardiologischen Krankheitsbildern auch viele seltener auftretende Erkrankungen. Fazit: Wer von vornherein nur die allerhäufigsten Krankheitsbilder im EKG erkennen möchte, für den ist dieses Buch zu ausführlich. Für alle, die sich tiefergehend für die Kardiologie und EKG-Diagnostik interessieren, ist dieses Buch eine empfehlenswerte Anschaffung. Siobhán Ewers

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Biochemie für Dummies Biochemie des Menschen - Das Lehrbuch für Medizinstudenten, 4. Auflage, Florian Horn, 2009, Thieme, 39,95

Florian Horn versucht sich in „Biochemie des Menschen“ an der schier unmöglichen Aufgabe, ebenjenes Fach umfangreich und gleichzeitig verständlich darzustellen. Wie viele vor ihm scheitert er, wenn auch nur knapp. Denn mit vielen Bildern und Grafiken ist das im Thieme Verlag erschienene Lehrbuch durchaus gut zu lesen. Aber mit nur gut 600 Seiten ist es fast halb so dick wie das Lieblingswerk der Biochemiker „Biochemie und Pathobiochemie“ von Löffler. Der Gedanke drängt sich auf, dass hier und dort Abstriche zu Ungunsten der Ausführlichkeit gemacht werden mussten. Um die Materie grundsätzlich zu verstehen, ist das Werk gut geeignet. Prägnante Überschriften, einfache Formulierungen und Rückverweise auf möglicherweise vergessene Zusammenhänge machen das Buch übersichtlich und leicht zu lesen. Doch schon beim zweiten Biochemie-Praktikum stößt „Biochemie des Menschen“ an seine Grenzen und reicht als Nachschlagewerk nicht mehr aus. Mein Fazit: Für diejenigen, die nicht kopfüber in die For-

Sinnvoll investiert?

melfluten des Löffler tauchen wollen, ist „Biochemie des Menschen“ ein anschauliches Einstiegswerk. Das dickste Buch der Welt Duale Reihe Innere Medizin, 2. Auflage 2009, Thieme Verlag

Es ist mit Abstand das dickste Buch im Regal – und doch können unmöglich mehr Fakten darin stehen als im Herold dem Standardwerk, das uns für die Klausurvorbereitung in der Inneren Medizin empfohlen wird. Woher kommt also die Fülle dieses Wälzers mit dem schicken Stethoskop darauf ? Zum einen ist es das Papier, denn die normalen Duale Reihe - Seiten lassen sich wesentlich angenehmer umblättern als die Bibelseiten der schlanken Konkurrenz. Ein weiterer Faktor sind die Bilder. Die gibt es reichlich und in Farbe: Fotografien, Zeichnungen, Schaubilder, Röntgenbilder und SonoAufnahmen. Zusätzlich werden die Texte durch verschiedene Kästen aufgelockert. Klassifikationen, Differenzialdiagnosen, Therapiemethoden und vieles

mehr werden so besonders hervorgehoben. Dass dieses Buch es auf stolze 1496 Seiten bringt, liegt auch an dem integrierten Kurzlehrbuch im Randstreifen. Bei einem so umfangreichen Fach wie der Inneren Medizin wäre es vielleicht praktischer, das Kurzlehrbuch zu desintegrieren. Aber das Markenzeichen der Dualen Reihe kann natürlich nicht ohne weiteres wegrationalisiert werden. Trotzdem ist das wuchtige Format etwas unpraktisch, vor allem wenn man das Buch mitnehmen möchte. Braucht man nach langem Lernen mit der trostlosen grauen Konkurrenz einmal eine farbenfrohe Abwechslung, ist die Duale Reihe eine schöne und gut verständliche Alternative. Ismene Hermann Anatomie - Doppelpack PROMETHEUS - Innere Organe; PROMETHEUS - Kopf, Hals und Neuroanatomie LernAtlas der Anatomie Schünke, Schulte, Schumacher 2. Auflage (2009) Georg Thieme Verlag nnere Organe: 488 Seiten; 49,95 € Kopf, Hals u. NA: 539 Seiten; 54,95€

verständlich gemacht. Bei den Muskeln des Halses beispielsweise findet sich neben den Bildern der Präparate je eine Tabelle, in der Ansatz, Ursprung, Funktion und Innervation des Muskels benannt sind. Eine kleinere Schemazeichnung am Rand verdeutlicht nochmals Ansatz und Ursprung. Ebenso sind in Kapiteln mit Gefäßversorgungen die Äste wichtiger Leitungsbahnen tabellarisch festgehalten. Ideal zum Lernen sind auch die Organsteckbriefe im letzten Kapitel, die nochmals die wichtigsten Fakten eines Organs übersichtlich zusammenfassen. Der Prometheus beschränkt sich aber nicht nur auf die Anatomie sondern erklärt auch einige wichtige Krankheitsbilder, Diagnoseverfahren und funktionelle Aspekte mit Bildern und Texten. Die Fülle von Darstellungen im Prometheus hat leider zur Folge, dass die Bände sehr groß und mit etwa vier Kilogramm sehr schwer sind. Das erschwert den Transport und führt leicht zum Einreißen des Buchrückens bei häufigem Gebrauch. Neu an der zweiten Auflage

Lange ist es her, dass der Titan Prometheus den Menschen das Feuer brachte. Nun bringt er endlich Licht ins Dunkel der Anatomie. Band 2 und 3 der Prometheus Lernatlanten glänzen durch schöne Illustrationen die stets mit erklärenden Bildtexten und Tabellen versehen sind. Dadurch wird Anatomie nicht nur anschaulich sondern auch winter 2009 | appendix .ofamed.de

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Sinnvoll investiert?

ist die sinnige Verlegung der Anatomie des Halses vom Band „Innere Organe“ in den Band „Kopf“. Die entstandene Lücke füllen nun ausführliche Kapitel über die Embryologie der Organe. Außerdem gibt es selbstverständlich noch mehr Bilder und noch mehr Tabellen. Besonders die gelungene Mischung aus Darstellungen und Erklärungen macht die Anatomie so übersichtlich und damit das Lernen oder Wiederholen mit dem Prometheus sehr angenehm. Als Atlas für den Präparierkurs, zum Lernen und Nachschlagen ist der Prometheus sehr zu empfehlen. Clemens Schiebel Lehmanns FACTs! Physiologie Lehmanns Media LOB.de 1. Auflage 2006 ISBN 3-86541-167-3 14,95 € 206 Seiten

DIN-A5-Format und damit handlich und leicht: Was für die äußere Gestalt gilt, trifft auch auf die innere zu; der Inhalt ist übersichtlich und gut gegliedert. Die Schemata – in bewährter Form jeweils auf der rechten Seite, während der Text links steht - sind hilfreich als Ergänzung zum Wissen aus dem Lehrbuch. Auch klinische Hinweise sowie Hinweise auf „Stolperfallen“ und vertiefendes Wissen zu den Fächern Anatomie und Biochemie sind vorhanden – und die physiologischen Kenntnisse so gut abgerundet. Die Illustrationen sind farbig und ansprechend, ausschweifende Erklärungen werden vermieden und so nur die absolut notwendigen Fakten vermittelt. Diese Komprimierung ist

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zwar hilfreich, die Unterscheidung zwischen „sehr“ und „nicht-so“ relevanten Themen kommt jedoch zu kurz. Allerdings ist das Buch nicht fehlerfrei: Wie ein anderer Rezensent bemerkte, sind bei den Zehnerpotenzen auf S.195 von „Mikro“ bis „Atto“ jeweils drei Nachkommastellen zuviel angegeben worden. Fazit: Die „Facts! Physiologie“ sind ebenso wie die „Facts! Biochemie“ als Nachschlagewerk und Kurzrepetitorium der absoluten „Basics“ anzusehen und damit als Lehrbuch-Fortsetzung (nicht aber –Ersatz!). Wer von den „Facts!“ noch nicht genug bekommen hat, für den gibt es in Form der „Lernkarten Physiologie“ und des „Taschenatlas Physiologie“ vom selben Verlag noch weitere Ergänzungen. Ann-Kathrin Rauch

sehr kurzen, und meist in Form von Aufzählungen und Tabellen verfassten Texten wenig bis gar nichts. Dafür liefern sie eine sehr übersichtliche Handlungsanleitung für ein breites Spektrum chirurgischer Krankheitsbilder, von der typischen Anamnese über die Differentialdiagnosen bis zur OP- und Post-OP-Planung.

Klinikmanual Chirurgie:

Ebenfalls sehr gut für den klinischen Alltag sind die Umschlagsinnenseiten, ausgestattet mit dem Basic Life SupportAlgorithmus, Notruf-Telefonnummern und einer Tabelle mit Labor-Normwerten. Fazit: Kein Buch zu Lernen, aber ein sehr nützlicher Kitteltascheninhalt für alle, die zumindest wissen wollen, warum sie schon wieder Blut abnehmen müssen. Marie-Sarah Koch

Zünd, M., Lüdin, M., Lange, Jochen 2009, X, 413 S., Geb. ISBN: 978-3-540-72507-7 Preis: 29,95 €

Die Rückseite verspricht: „Das Klinikmanual begleitet sie als Arzt im Praxisalltag“. Kann dieses Buch auch für Studierende nützlich sein? Die Antwort darauf ist nicht ganz einfach, und hängt entscheidend vom Grad des klinischen Vorwissens ab. Wer mit Begriffen wie „floating elbow“ oder „RaynaudSyndrom“ vage etwas verbindet, versteht von vorne herein deutlich mehr als derjenige, dessen Pupillen die Fragezeichenform annehmen. Erklärt wird in den

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Lustiges

Durch

Raum und Zeit Es ist der allererste Tag im Medizinstudentenleben der neuen Erstsemester. Zwei Appendixredakteure begeben sich auf eine Reise in die Vergangenheit.

A

cht Uhr und fünf Minuten. Es ist eisig kalt und viel zu früh. Wir sehen schon von weitem, dass der Hörsaal brechend voll ist. Das hätten wir wissen sollen, „ct“ bedeutet 30 Minuten früher antreten im Erstsemesterjargon. Jetzt haben wir das Wir öffnen die Tür zu unserer Nachsehen bei eigenen Vergangenheit der Platzwahl. Aber dafür wirken wir ziemlich lässig, spät wie wir kommen. Wir betreten den Saal nicht ohne das Gefühl, etwas Verbotenes zu tun. Nur schnell einen Platz finden. Da! Fünf freie Plätze, die nehmen wir.... „Die sind besetzt.“, sagt das Mädchen, das außen sitzt. Natürlich, fünf freie Plätze sind niemals frei, weder in Physik noch in Anatomie. Wir setzen uns in die vorletzte Reihe und beobachten die Leute,

die noch cooler und später dahergeschlendert kommen, beim Schaulaufen. Ich lege meinen Harms - die Physik-Taschenbibel für Medizinstudenten - auf den Tisch und frage mich im selben Moment, ob das nicht etwas dick aufgetragen sei. Zu spät, jetzt wird die Strebermasche durchgezogen. Es gibt ja auch genug Menschen, die wirklich so sind, nur hätte ich das bei meiner ersten Vorlesung vor 1, 2, 3, 4 Jahren noch nicht für möglich gehalten. „Stimmt es eigentlich, dass wir jede Woche ein Chemietestat haben?“, frage ich so laut ich kann. Meine Nachbarn lassen sich nichts anmerken. "Da sollen ja bis zu 70% durchfallen!" Plötzlich richtet unsere Nebensitzerin das Wort an mich: “Man muss sich nach Praktikumstagen hinsetzen. Seid ihr auch in der Mittwochsgruppe?“ –Schnelles Nicken von unserer Seite. Das ist gerade noch einmal gut gegangen. Dass uns

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Lustiges

Impressum

Appendix - Unabhängiges Magazin der Medizinstudenten an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg Appendix Offene Fachschaft Medizin Hermann-Herder-Straße 9 79104 Freiburg i. Br. [email protected] appendix.ofamed.de Leitung Ismene Hermann Redaktion Kathrin Bausch, Anne Büttner, Rebecca Eisele, Siobhán Ewert, Irina Götz, Jonas Hafner, Ismene Hermann, Laura Herrmann, Hannes Hummel, Achim Jatkowski, Marie-Sarah Koch, Johanna Maxeiner, Ann-Kathrin Rauch, Milad Rezvani, Thierry Rolling, Clemens Schiebel, Insa Schiffmann, Sebastian Wohlfeil Anzeigen Insa Schiffmann Rezensionen Ann-Kathrin Rauch Layout Achim Jatkowski, Ismene Hermann, Laura Herrmann, Jonas Hafner Fotograf Jonas Hafner Druck Schwarz auf Weiß Habsburger Straße 9 79104 Freiburg i. Br. Auflage: 1600 Verwantwortlich für die Inhalte ihrer Artikel sind die jeweiligen Autoren selbst. In einzelnen Artikeln geäußerte Meinungen sind nicht unbedingt Meinung der Redaktion und spiegeln diese nicht unbedingt wider.

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trotz unseres enormen Erfahrungsvorsprunges solch eine wichtige Information entgangen ist, erschüttert uns. Ein Glück, dass wir gar keinen Praktikumstag haben. Die Erstis müssen alle aufstehen und sich umsetzen, während wir uns entspannen.

Ein Film, den man schon kennt Die Vorlesung zieht an uns vorbei wie ein Film, den wir schon einmal gesehen haben. In der Mitte der Einführung werde ich von Langeweile übermannt. Professor Heck spricht über das Praktikum und versucht, den Neulingen die Angst zu nehmen. Verängstigt sieht hier niemand aus, aber wir wissen genau so gut wie Herr Heck, dass sie die Furcht mühevoll voreinander verbergen. Herr Heck stellt Herrn Dummin vor. Wir kichern. Die Erstsemester bewahren Haltung. Es wird noch eine Weile dauern, bis sie aufhören, alles so ernst zu nehmen. Professor Heck spricht vom Praktikum. Man solle Kugelschreiber benutzen, gefährlich seien die Versuche nicht, aber Kugelschreiber für das Protokoll seien wichtig. Nicht Tintenkiller. Ich schrecke hoch, als die Anmeldungen zum Praktikum verteilt werden. Was machen wir denn jetzt? Hilfe! Wir sind doch gar keine Erstis! Decknamen müssen her! Und ein Geburtsdatum. 1990 schreibt mein Komplize. Ich muss lachen. Ist wirklich schon so viel Zeit vergangen? Wir geben unseren Zettel mit so viel Würde wie möglich ab und freuen uns, dass wir nicht wirklich hingehen müssen. Sven Ückeberger und Mira Aufgänger verschenken den Harms und gehen ihrer Wege, in ein Semester, das weit, weit in der Zukunft liegt. Mira Aufgänger, Sven Ücke - Berger

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Nützliches

Alles Gute von euren Studiengebühren Eure 500 Euro versickern jedes Semester irgendwo im Fakultätssumpf? Stimmt nicht ganz! Hier findet ihr einige neue Angebote, die mit Studiengebühren ermöglicht werden. Organisatoren sind Studenten, klinische Fächer oder das Studiendekanat Medizin.

Präsenzbibliothek für Studenten in der chirurgischen Bibliothek Öffnungszeiten Mo – Do: 09:00 - 12:00 Uhr, 14:00 – 20:00 Uhr Fr - So: 09:00 - 20:00 Uhr Bibliothek und anatomische Modelle im Lesesaal im Weismanhaus (Lesesaal geöffnet) Mo - Fr 8 Uhr - 22 Uhr (Buchausgabe) Mo - Fr 9 Uhr - 21 Uhr Skills Lab Öffnungszeiten Mo-Do 17-20 Uhr Sa 13-16 Uhr www.studitz-freiburg.de

Training Day 19.12.2009 http://trainingday.ofamed.de Notfalltag in Elzach voraussichtlich 23.10.2010 mehr Info s. Anästhesie/ NotfallmedizinHomepage

Druckguthaben 10 Euro aufs Druckerkonto aller Medizinstudenten! Einzulösen im Rechenzentrum und der UB2.

Rettungsdienstpraktikum April/ Mai 2010 Oktober-Dezember 2010 http://www.uniklinik-freiburg.de/ anaesthesie/live/Lehre/Notfallmedizin/ TextRettungsdienstpraktikum.pdf

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Letzte Seite

Appendix

stellt sich vor Euer Fachschaftsmagazin: was es ist, wer es macht und was das mit euch zu tun hat.

D

er Appendix ist das Magazin der Medizinstudenten in Freiburg. Die Redaktion ist eine Arbeitsgruppe der Fachschaft Medizin und arbeitet eng mit dieser zusammen. Dabei ist der Appendix aber stolz auf seine inhaltliche und redaktionelle Unabhängigkeit. Im Gegensatz zur Appendix vermiformis ist der gedruckte Wurmfortsatz aber ganz und gar nicht überflüssig. Er ist eher ein begleitendes Accessoire für Studenten der Medizin und darf auch den männlichen Artikel „der“ führen. Nicht so sein Pendant das, Anhängsel am Blinddarm, das „die“ genannt werden muß. Der Appendix wird kostenlos in gut besuchten Vorlesungen und Kursen an alle Medizinstudenten zur geistigen Erbauung und

moralischen Festigung ausgehändigt. Und das schon seit Mai 1992. Damals gab es den original Papier-Appendix zum ersten Mal. Fortan erscheint das Heft einmal im Semester. Die Redaktion besteht zur Zeit aus 20 emsigen Redakteuren ganz unterschiedlicher Semester. Die Gruppe trifft sich einmal in der Woche, aber auch wer nicht jede Woche Zeit hat, kann Artikel schreiben und mitmachen. Einmal im Semester gibt’s zur Entspannung ein Redaktions-Essen, und zu Weihnachten wird die Sitzung auch mal zugunsten eines Glühweins vorzeitig beendet. Wenn ihr Lust habt, am Appendix mitzuarbeiten, würden wir uns freuen, von euch zu hören. www.appendix.ofamed.de | [email protected]

Es gibt viel zu tun und wir werden auch nicht jünger - „Frischfleisch“ ist bei uns jederzeit herzlich willkommen!

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