Amoklauf vor unserer Haustür

Amoklauf vor unserer Haustür

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Amoklauf vor unserer Haustür reitag, 22. Juli: Letzte Vorbereitungen für den Jugendgottesdient laufen. Dann überstürzen sich die Ereignisse. Polizei und Rettungskräfte rasen heran, Schüsse fallen, es scheint etwas Schreckliches passiert zu sein. Wir sind unmittelbare Nachbarn des OEZ und viele von uns sind gute Kunden im McDonald’s. Gerüchte jagen sich, die Polizei sperrt alles ab, schockierte Menschen suchen und finden bei uns Schutz. Später erfahren wir, was geschehen ist und stehen vor der Frage: »Wie kann ein Schock- und Angsterlebnis, wie es ein Amoklauf ist, verarbeitet werden?«

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Helfende Rituale Viele Menschen geben uns ihre Antwort: Sie legen Blumen nieder, entzünden Kerzen, beten still, lassen ihren Gefühlen freien Lauf und schämen sich ihrer Tränen nicht.

Erste Hilfe für die Seele Geschulte Helfer treffen ein. Sie wissen, dass es nicht viel zu sagen gibt. Wichtiger ist es, gemeinsam die Sprachlosigkeit auszuhalten, zusammen zu schweigen, da zu sein, Zeit zu haben. Das trägt sehr dazu bei, Menschen wieder zu stabilisieren. Werden dann Gespräche wieder möglich, helfen auch sie sehr, z.B. in der Schule, in der Gemeinde und in den Familien. Angst wird zum Ausdruck gebracht, bedrohte Lebenssicherheit (»Komme ich abends wieder heim?«) wird mitgeteilt, miteinander geteilt und bald weniger bedrängend. Je nach Betroffenheit kann der Verarbeitungsprozess einige Wochen, vielleicht Monate oder länger dauern. Dafür bieten Psychologen, Therapeuten und Traumatologen ihre Hilfe an.

Vom Warum zum Wozu Fassungslosigkeit stellt die Frage Warum? Besser ist oft die Frage Wozu? Hier auch? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Es geht um Grenzfragen. Ich hätte selbst Opfer sein können. Wer oder was gibt meinem Leben Halt, trägt mich durch Leid, zählt auch angesichts des Todes und über ihn hinaus? Mich begleitete durch diese schlimmen Tage die Geschichte, in der Jesus im Boot auf dem See war (Markus 4,35-41). Ein Sturm brach los, seine Begleiter hatten Todesangst und rüttelten ihn in Panik wach: »Ist es dir egal, dass wir untergehen?« Jesus stillte den Sturm und fragte sie: »Warum habt ihr solche Angst, habt ihr keinen Glauben?« Er war ja mit im Boot. Bei mir ist er das schon sehr lange. Da ging es teils sehr stürmisch zu. Ich hatte einige Erfahrungen mit dem Tod. Da war Panik angesagt, aber ich kann bezeugen, dass ich immer wieder erleben durfte, dass er mich durch stürmische Phasen getragen hat. Ohne ihn zu leben, kann ich mir nicht mehr vorstellen. Der Amoklauf war schrecklich. Wir trauern mit den Opfern, ihren Familien und Freunden, wir beten für sie. Wenn er Dich zur Entscheidung für das Leben mit Jesus führt, hätte er für Dich etwas Gutes. Das wünsche ich Dir. DER AUTOR Konrad Täuber, München, Seelsorger, logotherapeutisch tätig in Psychotherapie und Beratung

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Amoklauf am Freitag, 22. Juli 2016, im OEZ Der Amoklauf fand in unmittelbarer Nähe des Gemeindezentrums statt. Rund 40 Kinder und Jugendliche befanden sich während der Tat und in den folgenden Stunden im Gebäude. Nachdem die Schüsse hörbar fielen und bald darauf die Polizei mit zahlreichen Einsatzkräften die Gegend absperrte, folgten Stunden der Unsicherheit und Verwirrung. Fliehende und Traumatisierte suchten plötzlich in der Kirche Unterschlupf. Doch statt Panik und Angst verbreiteten unsere Kinder und Mitarbeiter Ruhe und Besonnenheit. Sie versorgten die Gäste mit Essen, Zuspruch, Liedern und Gebeten. Erst am nächsten Morgen verließen die Letzten nach einer Gebetsgemeinschaft unversehrt und dankbar das Gemeindezentrum. Hoffe bei euch ist alles ok! Terrorakt im OEZ! Bleibt zuhause. Schließt alles ab! Lg ++ Geht es euch gut??? ++ Schön zu hören dass es euch gut geht und dass ihr sicher seid ... wir beten mit dass jetzt alles ruhig bleibt und alles bald nachhause dürfen ... ++ Gott sei Dank und Gottes Segen für Euch • per WhatsApp »Es war genau das Fehlen der Angst, das wunderbar war. Und es waren genau die richtigen Menschen da, die vom Geist Gottes erfüllt, besonnen, unaufgeregt, klar strukturiert, kreativ, einfühlsam, liebevoll und fest im Glauben das tun konnten, was richtig war.« Alex Badstübner »In diesem Moment waren wir alle nicht mehr allein und Jesus hatte uns alle zusammengeführt. Der Heilige Geist stupste mich an: Ich fing an laut zu beten und die Menschen wurden still und fanden Halt im Gebet, immer mehr blieben stehen und wollten teilhaben an dieser Gemeinschaft. Und ich habe das Lied angestimmt: »When the oceans rise and thunders roar ...« Der Heilige Geist aber wirkte weiter und so hatte ich ein leeres Buch dabei, das ich für mich persönlich als Tagebuch aufheben wollte ... Dieses Buch war das Buch, das dann durch die Hände dieser trauernden Menschen ging und viele schütteten ihre Herzen darin aus.« Silvia Fix (Mitarbeiterin Jugendgottesdienst) »Alles was wir getan haben, kam wirklich vom Geist. Jedem war mehr oder weniger sofort klar, was er/sie zu tun hatte. Es war unglaublich, welche Leitung und Führung wir an dem Abend erfahren haben. Wir können uns auf Dinge vorbereiten, was uns selbst viel Kraft kosten würde. Das müssen wir jedoch nicht. Gott lenkt unser Handeln, wenn es darauf ankommt und unsere eigenen Kräfte versagen. Faszinierend für mich war, wie ruhig und klar ich und auch andere Mitarbeiter in der Situation bleiben konnten. Alex kam später zu mir und meinte, er fände es beeindruckend, wie ich in der Lage und Situation Singen und Gitarre spielen konnte. Diese Ruhe und die Fähigkeit kamen in dem Moment definitiv nicht von mir! Patrick Seyfang (Leitung Jugendband)

»Es ist wichtig, dass wir uns bewusst machen, dass wir mit unseren Worten Menschen zerstören können. Es darf nicht sein, dass Mobbing weiter toleriert wird und bei Gewalttaten wie einem Amoklauf die Schuld auf das Elternhaus abgewälzt wird. Als Klassensprecher, Schulsprecher, Small Group Leiter, was auch immer, sollten wir uns nicht aus der Verantwortung ziehen und gegen Hänseleien jeder Art aufstehen. Winnenden und München sind das beste Bei»Gott sei bei Euch an diesem traurigen und verwirrenden Abend und stärke Euch!« • Ulrike und Tobias Frei, EmK Sehmatal-Neudorf Zionskirche per E-Mail

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auf so etwas vorbereiten kann: Übergib jeden Tag der Leitung des Heiligen Geistes, bleib im Wort und im Gebet. Anders geht es nicht.« Birgit Hofheinz (Jugendleiterin) »Nun ist es Samstag, 13:50 Uhr. Unser Straßenfest findet statt «Es ist wieder Sommer in der Stadt«, tönt es durch die Lautsprecher. Die Leute machen weiter. Die Welt dreht sich weiter. Aber ich muss das alles erstmal sacken lassen. Wenn ich so raus in den grauen Himmel blicke, denke ich an diese kranke Welt. Der Täter war 18 ... 18 ist kein Alter. Was muss alles im Leben schief laufen, um sich so zu vergessen? Ich sehe mich im Spiegel des Monitors meines Laptops und bemerke, was für ein Glück ich habe. Eine tolle Familie, einen tollen Freund, tolle Freunde, einen tollen Job, eine tolle Wohnung. Ich bin dankbar.« Regina Kieninger (Gruppenleitung Mädchen Wesley Scouts) spiel dafür, was im schlimmsten Fall passieren kann, wenn wir uns nicht zu den Unterdrückten stellen, wie es als Christen unsere Pflicht wäre. Lasst uns mehr ein offenes Ohr für Menschen mit gebrochen Herzen haben und so vielleicht den ein oder anderen Suizid oder sogar Amoklauf verhindern. Wir machen in dieser Welt einen Unterschied. Und zwar hoffentlich einen positiven.« Sarah York per Facebook »Hätten wir den Auftrag gehabt, 150 traumatisierte Menschen bei uns unter zu bringen und das zu planen, wäre eine akribische Mitarbeiterauswahl, Küchenplanung und Schutz des Hauses und der Küsterin monatelang kräftebindend gewesen. Nichts dergleichen war nötig, als der Heilige Geist die Führung übernommen und die richtigen Leute und Ressourcen bereit gestellt hat. So könnte ich immer arbeiten. Meine Antwort auf die Frage, wie man sich

»Was mich im Nachgang beschäftigt, ist die persönliche Gnade, die mir in diesem Leid zuteil geworden ist, weil ich selbst nur wenige Minuten zuvor im Gebäude war, die Gnade, verlorenen Menschen den Weg zu Jesus zeigen zu dürfen, die Gnade, dass ich am Freitagabend in einer Gemeinde sein durfte, die von Gottes Händen getragen

wird und die Gnade, Zeuge geworden sein zu dürfen, wie Jesus Stunde um Stunde Wunder tut, überall auf der Welt, auch mitten im größten Leid. Korinther 13,13 wurde am Freitag, den 22. Juli 2016, und den darauffolgenden Tagen für mich real erfahrbar gemacht, das ist, was in mir zurückbleibt.« Noch einmal: Silvia Fix (Helferin im Freiwillig Sozialen Jahr) »Liebe Geschwister, seit den schlimmen Ereignissen gestern sind wir in unseren Gedanken und Gebeten besonders auch bei Euch/Ihnen. Wir sind traurig darüber, was in dieser Welt alles geschieht, zugleich aber auch sehr froh, dass ihr in München in diesen kritischen Stunden so viele Zeichen der Nähe und Bewahrung unseres Herrn erleben durftet. Wir werden euch und eure Gemeinde auch weiterhin umbeten, dass ihr ein Licht für eure Umgebung sein dürft und vielen Menschen von Gottes Liebe in Jesus Christus erzählen könnt! In Verbundenheit« Ev.-meth. Kirche UNTERES FILSTAL, Pastor Holger Panteleit per E-Mail