Angst vor dem Pflegeheim

Angst vor dem Pflegeheim

Angst vor dem Pflegeheim Unter alten Menschen kursiert die Sorge, ins Heim abgeschoben zu werden. Der Sozialverban'd VdK kann beruhigen: Es gibt viel...

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Angst vor dem Pflegeheim

Unter alten Menschen kursiert die Sorge, ins Heim abgeschoben zu werden. Der Sozialverban'd VdK kann beruhigen: Es gibt viele Alternativen. Britta Hinkel sprach mit Bezirksgeschäftsführer Michael Schmidt über Hilfe, wenn es allein nicht mehr geht ~ Die meisten Menschen möch. ten in den eigenen vier Wänden alt werden. Ausziehen kommt für sie nicht infrage. Wer bestimmt, ob jemand in ein pflegeheim geht? Zuallererst und in aller Regel der ältere Mensch selbst. Nur wenn dieser nicht mehr voll geschäftsfähig ist, dann entscheidet beispielsweise ein vom Vormurtdschaftsgericht eingesetzter Betreuer darüber. Wann käme denn ein pflegeheim in Betracht? Wenn allein lebende ältere Menschen nicht mehr in der Lage sind, ihren Haushalt zu führen, sich selbst zu versorgen, ihre persönliche pflege zu gewährleisten, aber auch medizinische pflege benötigen, und es keine Angehörigen gibt, die helfen können oder für Verwandte die Belastung zu hoch ist, da sie entfernt wohnen und berufstätig sind. Häufig auch nach einem Schlaganfall oder einem komplizierten Sturz. Wobei auch dann nicht zwingend ein pflegeheim die einzige Alternative ist. Wie schnell erfolgt. denn im Schnitt der Wechsel von der eigenen Wohnung ins Heim? Das lässt sich pauschal nicht sagen. Denn die meisten pflegeheime haben Wartelisten und können Anwärter nicht sofort aufnehmen. Dass jemand einen ! Platz bekommt, kann zwischen einer Woche und mehreren Monaten dauern und kommt immer auf die konkrete Einrichtung an.

pflegeheim gibt es viele Alternativen. Wichtig ist, mit der Vorsorgevollmacht einen vertrauenswürdigen Menschen zu beauftragen, der einen gut kennt und das Beste durchsetzt. Und natürlich spricht man mit demjenigen im Vorfeld und infor-miert ihn darüber, dass man ihn in der Vorsorgevollmacht eingesetzt hat. Dabei sollten alle

übernehmen, aber auch eine Haushaltshilfe, Essen auf Rädern, Hauswirtschafts- oder Seniorenservice sowie teilstationäre pflege können genutzt werden, um ein Netz an Hilfsangeboten in den eigenen vier Wänden zu schaffen. Und zahlt das die pflegekasse? Die pflegekasse zahlt entspre-

Michael Schmidt ist in Jena Bezirksgeschäftsführer Ostthüringen des Sozialverbandes VdK Hessen -Thüringen Eventualitäten .angesprochen und die eigenen Wünsche offen geäußert werden, damit sie später auch erfüllt werden.

Brunhilde Martini, Lotte Hut und Erwin Vollmer (von links) leben in einer SeniorenWG in Reichenberg bei Würzburg. Die Wohngemeinschaft ist eine Alternative zum Pflegeheim, die der Bundesgesundheitsminister künftig fördern will. Foto: epd Sie sagten, auch ein Betreuer könne darüber verfügen. Wann ist das der Fall? Wie gesagt, wenn der Betreffende nicht mehr geschäftsfähig ist. Zum Beispiel, weil er an Demenz erkrankt ist. Gibt es eine Betreuungsverfügung, dann obliegen den darin genannten Personen die Entscheidungen. Ansonsten setzt das zuständige Vormundschaftsgericht einen

amtlichen Betreuer ein, der zu regeln hat, wie der alte Mensch versorgt wird. Lässt sich in einer Vorsorgevollmacht eine Heimunterbringung ausschließen? Das kann man zwar so verfügen, aber es können dennoch Situationen eintreten, in denen sie erforderlich wird. Eben· dann, wenn man selbst nicht

mehr befragt werden kann und niemand da ist, der eine pflege in der Wohnung übernehmen würde, vielleicht auch, weil sich der Betreffende selbst gefährdet und eine Heimunterbringung für alle sinnvoller ist. Also sind die 'Ängste alter. Menschen doch berechtigt? Es steht immer die Frage nach den Alternativen. Und zum

Wie kann man da sichergehen? Man kann beispielsweise mehrere Bevollmächtigte einsetzen, die gemeinsam entscheiden müssen, und man kann für den Streitfall vorsorgen, indem man festlegt, dass sie gerichtliche Beratung in Anspruch nehmen müssen, wenn sie sich nicht einigen können. Welche Alternativen zum pflegeheim sehen Sie denn? Generell muss man prüfen, in welchen Bereichen Hilfe gebraucht wird. Dabei berät auch die pflegekasse oder der Medizinische Dienst. Einen Teil der Aufgaben kann ein pflegedienst

chend der pflegestufe. Das Geld muss also sinnvoll gesplittet werden. Erfahrungsgemäß aber zahlt man drauf. Doch im pflegeheim ist es genau so üblich, dass man zuzahlt. Wer hilft und berät? Ratsam ist, immer schon vor dem Fall der Fälle verschiedene Optionen zu prüfen. Dabei können Interessierte sich beispielsweise an die Bundesarbeitsgemeinschaft für Wohnananpassung wenden sowie im Internet unter www.weisse-liste.de oder www.kda.de beim Kuratorium Deutsche Altershilfe nachschauen. Auch die Deutsche Alzheimergesellschaft ist Ansprechpartner und die Unab-. hängige Patientenberatung, wenn es um die Vorsorgevollmacht geht. Und selbstredend der Sozialverband VdK.