Arzneimittelforschung, die den Menschen dient - BUKO Pharma

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1. Polio - ein Impfstoff für die Menschheit Kinderlähmung (Polio) ist eine verhängnisvolle Krankheit, die in Industrieländern immer wieder in verheerenden Epidemien auftrat - bis zur Einführung der Polio-Impfung. Diese wurde 1955 vom US-Mediziner J. Salk entwickelt. Heute treten aufgrund von Impfprogrammen weltweit kaum noch Neuinfektionen auf. Über 200 Länder sind frei von Polioerregern. Salk, der den Impfstoff im Selbstversuch entwickelt hatte, wollte, dass alle Menschen davon profitieren. Deshalb lehnte Salk bewusst eine Patentierung seiner Entwicklung ab. So konnte der Impfstoff weltweit billig hergestellt werden.

2. Patente machen Medikamente teuer Doch nur die wenigsten Medikamente stehen allen Menschen zur Verfügung. Dafür gibt es viele Gründe. Ein wichtiger ist, dass viele lebensrettende Mittel für die Menschen in großen Teilen der Welt unbezahlbar sind. Dafür gibt es kaum eine Rechtfertigung. Die Herstellung von Medikamenten ist nämlich relativ billig. Teuer verkauft werden Medikamente, weil sie patentiert sind. Patentierte Medikamente dürfen nur von einer Firma hergestellt werden. Ein preissenkender Wettbewerb verschiedener Hersteller ist somit ausgeschlossen. Bezahlbare Arzneimittel für die arme Bevölkerungsmehrheit der Welt fehlen.

3. Warum Patente? Neue Medikamente erhalten einen Patentschutz, der für 20 Jahre gilt. Dieses Monopol soll einen finanziellen Ausgleich für die Investitionen sichern, die bei der Erforschung des Medikaments getätigt wurden. Dafür erhält die Gesellschaft neue Medikamente, welche die Bekämpfung von Krankheiten verbessern sollen. Das ist zumindest die Theorie. Pharmaunternehmen behaupten, ohne Patentschutz würden sie nicht in Forschung investieren. Doch funktioniert dieses Tauschgeschäft? • Pharmakonzerne geben für Werbung doppelt so viel Geld aus wie für Forschung und erzielen zusätzlich noch hohe Gewinne.

• Viele Krankheiten werden von der Pharmaforschung vernachlässigt. Das betrifft vor allem Krankheiten, die in armen Ländern am häufigsten sind (z.B. Tuberkulose und Tropenkrankheiten wie Malaria). • Die meisten „Neuentwicklungen“ der Pharmaindustrie bringen für die Behandlung von Patienten keine Fortschritte. Wesentlich wichtiger für die Arzneimittelversorgung sind öffentliche Forschungseinrichtungen: • 7 von 10 großen Fortschritten für die medizinische Behandlung in den USA stammen aus öffentlichen Labors. So wurden die ersten Aids-Medikamente in staatlichen Labors der USA entwickelt. Diese Medikamente sind auch heute noch wichtige Bausteine der Aidsbekämpfung. Aber sie sind patentiert und extrem teuer. Es gibt keine Rechtfertigung dafür, dass Medikamente mit öffentlichen Geldern entwickelt werden und dann Privatunternehmen enorme Gewinne einbringen, gleichzeitig jedoch für die meisten Menschen nicht zugänglich sind. Da stellt sich die Frage, wem die Forschung denn eigentlich nutzen soll. Nach dem jetzigen System zahlen die Patienten doppelt für jedes Medikament: zum einen in Form hoher Preise in der Apotheke oder hoher Krankenkassenbeiträge, zum anderen in Form von Steuern. Mit diesen wird die Entwicklung der Medikamente in öffentlichen Labors finanziert, zusätzlich erhalten die Pharmaunternehmen Steuersubventionen.

4. Alternativen Der Markt versagt und stellt der Menschheit nicht das zur Verfügung, was gebraucht wird. Deshalb sind andere Wege nötig, um eine ausreichenden Versorgung mit bezahlbaren Medikamenten zu ermöglichen. Arzneimittelforschung muss stärker als öffentliche Verantwortung begriffen werden. Es gibt bereits einige Projekte wie das Medicines for Malaria Venture (MMV), das in Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation neue Medikamente gegen Malaria entwi-

ckelt. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, doch ist die Finanzierung durch staatliche Mittel noch völlig unzureichend. Neben öffentlichen Einrichtungen sind an diesen Projekten oft auch Pharmakonzerne beteiligt. Das ist sinnvoll, solange die Expertise und Forschungseinrichtungen der Pharmaindustrie sinnvoll eingebunden werden können. Es muss aber sichergestellt werden, dass die Entwicklung bezahlbarer Medikamente das Hauptziel bleibt, welches nicht durch Einzelinteressen beteiligter Unternehmen gestört werden darf. Ein besonders positives Beispiel ist die Drugs for Neglected Diseases initiative (DNDi). Dieser Zusammenschluss von öffentlichen Forschungsinstituten entwickelt Medikamente, die anschließend nicht patentiert werden und überall auf der Welt hergestellt werden können. So werden die Medikamente deutlich billiger und können zu Herstellungskosten an die Menschen abgegeben werden. Dieses Modell ist ein Prototyp für Arzneimittelentwicklung, die die Gesundheit der Menschen im Blick hat und nicht eine möglichst hohe Gewinnspanne. Solche Projekte brauchen eine öffentliche Finanzierung.

5. Forschung für die Öffentlichkeit Die Entwicklung neuer Medikamente muss eine Wissenschaft im Dienste der Öffentlichkeit sein. Deshalb muss in Zukunft über die Ziele der Forschung verstärkt diskutiert werden. Deutlich gestärkt werden muss die Rolle der Weltgesundheitsorganisation WHO. Als unabhängige Instanz könnte sie einen internationalen Forschungsfond koordinieren, der die Entwicklung benötigter Medikamente finanziert. Um diesen Fond einzurichten, müssten viele Länder eine Geldsumme einbezahlen, die der Situation des Landes angepasst ist: reiche Länder zahlen mehr, arme Länder entsprechend weniger. Mit diesem öffentlichen Geld würden Medikamente entwickelt, die anschließend öffentliches Eigentum sind und allen Ländern zur Verfügung stehen.

6. Andere Eigentumsmodelle? Wenn die Entwicklung von Medikamenten als öffentliche Aufgabe und die Ergebnisse als öffentliches Gut gesehen würden, hätte dies enorme Vorteile. Die Forschung wäre effizienter und damit billiger. Während die industrielle Forschung aus kommerziellen Gründen von Geheimhaltung geprägt ist, findet bei öffentlicher Forschung ein reger Wissensaustausch statt. Kooperation statt Abgrenzung macht die Forschung effektiver. Erfahrungsgemäß kostet die durchgehend öffentliche Entwicklung eines Medikaments zwischen 100 und 240 Millionen Dollar, während die Pharmaindustrie nach eigenen Angaben deutlich mehr pro Medikament auswendet und dabei oft Nutzloses auf den Markt bringt. Die Medikamente wären deutlich billiger. Da das Patent wegfällt und es somit kein Monopol mehr gibt, könnten die Medikamente überall nach Bedarf hergestellt werden. Die enormen Werbeausgaben der Hersteller fielen weg und der Verkaufspreis könnte nahezu auf die Produktionskosten beschränkt werden. Gesundheit ist ein Menschenrecht. Was mit öffentlichem Geld erforscht wurde, muss auch allen Menschen zugänglich sein. Forschung im Dienst der Allgemeinheit muss sozialverträglich sein und darf niemand von ihren Erfolgen ausschließen. Der größte Teil der Weltbevölkerung lebt in großer Armut. Um für diese Menschen eine Gesundheitsversorgung aufzubauen, braucht es auch bezahlbare Medikamente. Eine weltweite, solidarische Arzneimittelentwicklung in der Hand öffentlicher Einrichtungen ist ein wichtiger Schritt.

Der Arzneimittelmarkt wird seiner Aufgabe nicht gerecht. Wichtige Medikamente sind für viele Menschen auf der Welt nicht bezahlbar, und für Krankheiten armer Länder werden erst gar keine Medikamente entwickelt. Deshalb muss die Entwicklung neuer Medikamente in öffentlicher Verantwortung geschehen. Medikamente müssen für alle Menschen zugänglich sein. Schon jetzt finden wesentliche Teile der Arzneimittelforschung in öffentlichen Labors statt. Aber die Produkte dieser Bemühungen müssen zum Allgemeingut werden und dürfen deshalb nicht mehr patentiert werden. Dieses Ziel kann nur erreicht werden, wenn viele Länder zusammenarbeiten und eine neue Forschungspolitik entwickeln. Mit der Pharma-Kampagne setzten sich Dritte-Welt- und gesundheitspolitische Gruppen für das Recht auf Gesundheit und den Zugang zu unentbehrlichen Arzneimitteln ein. Sie fordern, dass reiche Länder mehr Geld für die Krankheitsbekämpfung in armen Ländern geben und die Forschung zu vernachlässigten Krankheiten gefördert wird. Die Pharma-Kampagne wurde von der Bundeskoordination Internationalismus (BUKO) gegründet.

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BUKO Pharma-Kampagne 2004 Christian Wagner Jörg Schaaber (verantwortlich)

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© WHO/P. Virot

Gefördert aus Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Arzneimittelforschung, die den Menschen dient