ausgabe 143 04.02.17 - The Unity

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AUSGABE 143 04.02.17 19. SPIELTAG / LEIPZIG THEMEN: VORSPIEL / INTERVIEW AUSTRIA SALZBURG / SPIELBERICHT AUSGBURG / SPIELBERICHT BREMEN / SPIELBERI...

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AUSGABE 143

04.02.17

19. SPIELTAG / LEIPZIG

THEMEN: VORSPIEL / INTERVIEW AUSTRIA SALZBURG / SPIELBERICHT AUSGBURG / SPIELBERICHT BREMEN / SPIELBERICHT MAINZ / VORBERICHT BENFICA / BLICK ÜBER DEN TELLERRAND

VORSPIEL Hallo Westfalenstadion, hallo Südtribüne,

Ganz zu Beginn und vor der tendenziell eher negativen Litanei möchten wir heute ganz herzlich all diejenigen begrüßen, die nach dem allseits bekannten Derby 2013 die letzten Jahre vor den Stadiontoren ausharren mussten und nun endlich wieder das Westfalenstadion betreten dürfen. Schön, dass Ihr alle wieder da seid! Denn nach sechs Wochen heimspielfreier Zeit steht das erste Heimspiel des Jahres im Westfalenstadion auf dem Tableau. Eine Zeit, die man sich mit Weihnachtsgans, spanischer Sonne und Vaterfreuden (Glückwunsch Björn!) vertreiben durfte. Aber nun zum Sportlichen: Es nervt - und zwar auf allen Ebenen! Es nervt, dass die Mannschaft zu Beginn des Jahres genau dort weiter macht, wo sie letztes Jahr aufgehört hat und ihr Potenzial nicht abruft. Es ist ja weiß Gott nicht so, als würden wir wöchentlich mit einem fußballerischen Trümmerhaufen antreten, der sich mit Beißen und Kratzen gegen übermächtige Gegner stemmt. Vielleicht könnte man sogar besser mit der Situation leben, wenn es denn so wäre. Aber es ist ja vielmehr so, dass die hochbezahlten und teuer eingekauften Herren Spieler die in sie gesteckten Erwartungen derzeit aber mal so gar nicht erfüllen. Es ist höchste Eisenbahn hier endlich wieder in die Spur zu kommen zumal ab der nächsten Woche auch im Pokal und der Champions League wieder KO-Spiele anstehen. Gleiches gilt für die Südtribüne und das gesamte Westfalenstadion. Stimmungstechnisch war das die letzten Monate nämlich auch überwiegend Schmalkost. Es nervt genauso, dass Reihenweise unnütze Nebenkriegsschauplätze das Umfeld nicht zur Ruhe kommen lassen: Ob es jetzt um die unnötige Kapitänsfrage ging, ob und ab wann der Cheftrainer in die Scoutingarbeit einbezogen wird, Statements abgehalfterter Ex-Spieler und Experten zu Personal und Taktik, angebliche Stimmungslage in der Chefetage und natürlich das halbjährliche und aber eigentlich nimmermüde Transfertheater. Die Presse schnappt genüsslich nach jedem noch so dünnen Häppchen, macht eine Story draus und viel zu viele Fans spielen in genau diesem Wettbewerb um Effekthascherei und Clickbaiting mit. Im Ergebnis eine Unruhe zu der Mannschaft, Trainer, Medien und Fans ihren Teil zu beitragen.

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Es nervt, dass heute das vielzitierte Märchen, allenthalben gepampert und durch die fehlenden Eier der Fußballverbände überhaupt existierende Gebilde aus Leipzig, heute im Westfalenstadion antritt. Eines dieser Spiele, die besonders auf der Fanseele brennen. Das Bündnis Südtribüne Dortmund hat sich unter der Woche schon zum heutigen Spiel geäußert und dem ist nicht viel hinzuzufügen:

“Gerade weil wir diese Auswüchse immer wieder kritisieren – sei es gegen Hoffenheim oder vor allem auch beim BVB selbst – müssen wir gegen RB erst recht klare Kante zeigen! Wir dürfen es nicht hinnehmen, dass ein 2009 von einem internationalen Dosen-Konzern erschaffener und mit Millionen aufgeputschter Retortenclub mit Unterstützung rückgratloser Verbände in wenigen Jahren durch alle Spielklassen marschiert und nun in der Bundesliga spielt! Red Bull Leipzig ist der deutlichste Beweis dafür, dass sich der Fußball in die falsche Richtung bewegt – weg von den Fans, weg vom sportlichen Wettbewerb, hin zum Geld. Zeigen wir Mateschitz und seinem charakterlosen Gefolge am Samstag im Westfalenstadion also, dass wir dabei nicht tatenlos zusehen! Zeigen wir, dass Tradition, Treue und eine unabhängige Fankultur so wertvoll sind, dass sie sich auch mit noch so vielen Millionen nicht aufwiegen lassen!” Zu was diese Methoden bereits in Österreich geführt haben könnt ihr neben den regulären Spielberichten der letzten Partien in unserem Interview mit Union ‘99 Ultrà Salzburg nachlesen. Auch wenn durch die Spiele gegen Porto und Sporting sowohl die portugiesische Fußballlandschaft als auch Lissabon schon zu genüge abgefrühstückt wurden, runden wir diese Ausgabe mit einem traditionellen Vorbericht für das Spiel gegen Benfica ab. Verzichten müsst ihr allerdings auf einen Text über unsere Amateure - ZIS und Väterchen Frost werden ihr bestes tun, dass dies auch länger so bleiben möge. Zeigen wir Geschlossenheit: Gegen Red Bull und für den Fußball, den wir lieben! Für ein lautstarkes, farbenfrohes und kreatives Dortmund!

INTERVIEW

Austria Salzburg

Das heutige Spiel gegen RB Leipzig haben wir zum Anlass genommen, mit Roly von Union ´99 Ultrà Salzburg über die wiedergegründete Austria, Red Bull und die Proteste österreichischer Fanszenen zu sprechen. Ironischerweise bestreitet die Austria heute ein Freundschaftsspiel beim FC United of Manchester. Mehr Kontrastprogramm zu unserem heutigen Gegner geht gar nicht, zeigt aber auch, dass es sehr wohl Alternativen gibt.

TU: Jeder dürfte die Geschichte kennen, wie Red Bull im Jahr 2005 euren Verein übernahm und ohne Vorwarnung seine Farben austauschte und von der mehr als 70-jährigen Geschichte der Austria nichts mehr wissen wollte. Ihr habt den Verein daraufhin völlig neu aufgebaut und in der vergangenen Saison habt ihr sogar für ein Jahr wieder in der zweiten österreichischen Liga gespielt. Kannst du die Entwicklung und die wichtigsten Etappen nochmal überblicksartig schildern? Wie sieht es aktuell aus, auch im Hinblick auf die Finanzlage? UU: Es war wirklich eine bewegte Zeit. Nach der Abspaltung haben wir eine halbe Saison in einer Spielgemeinschaft mit dem PSV Salzburg gespielt. Das war einerseits hilfreich, um allen Austrianern eine Perspektive zu bieten und anderseits konnte man sich beim Fußballverband das Vertrauen erarbeiten, um später beim kompletten Neuanfang keine größeren Steine mehr in den Weg gelegt zu bekommen.

Nach dem Neustart (Ausgangsposition: keine Mannschaft, kein Stadion, kein Ball,…) in der 7. Liga im Jahr 2006 gelang uns der Durchmarsch bis in die dritte Liga (Regionalliga West). Die Zeit bis dahin war geprägt von kleinen Dorfplätzen und viel ehrenamtlicher Arbeit der Fans im Verein. Im Nachhinein möchte diese Zeit wohl niemand missen, aber aus Fan-Perspektive war man dann schon froh, Wiesen und Erdwälle gegen zumindest tribünenähnliche Sektoren bei Auswärtsspielen tauschen zu können. Außerdem wurde ab der dritten Liga das Fan-Dasein mit lange ersehnten, bundesländerübergreifenden Gegnern respektive ordentlichen Auswärtsfahrten aufgewertet.

Nach und nach fand im Verein eine (im Nachhinein gesehen vermeintliche) Professionalisierung statt und die Vertreter der Fanclubs im Verein gaben immer mehr Verantwortung ab. Im Jahr 2015 gelang dann der sportliche Aufstieg in die 2. Liga und somit die Rückkehr in den bezahlten Fußball. Zu optimistische Budgets und desaströse Kostenplanungen bei den notwendigen Infrastrukturinvestitionen haben die Austria dann finanziell an den Rand des Abgrundes gebracht. In letzter Sekunde konnte man sich im März 2016 mit den Gläubigern auf einen Ausgleich verständigen. Innerhalb von zwei Jahren muss die Austria rund 25 Prozent ihrer Schulden begleichen. Diese Zahlungen und der Abgang von einigen Sponsoren haben uns in die aktuell mehr als angespannte finanzielle Situation gebracht. Bis jetzt konnten wir uns mit diversen Spenden und Aktionen wie dem Benefizspiel gegen Union Berlin einigermaßen über Wasser halten – wir haben aber jedenfalls noch einen sehr anstrengenden Weg vor uns. Vielen Dank an dieser Stelle an all jene, die uns in dieser schweren Zeit unterstützt haben! TU: Wer auch nur ein bisschen über den Tellerrand schielt, dürfte einige eurer zahlreichen Choreos und Pyro-Aktionen gesehen haben. Wie hat sich parallel zum Verein die Fanszene der Austria entwickelt? Wo gab und gibt es Konfliktpunkte?

UU: Die Fanszene hat sich den Umständen entsprechend sehr gut entwickelt. Sowohl qualitativ als auch von der Anzahl an Auswärtsfahrern sind wir meiner Meinung in Schlagdistanz der besten Szenen in Österreich.Konfliktpotenzial gab und gibt es immer wieder. Seien es Pyroeinlagen, die zu Strafen führen oder andere Aktionen, die nicht unbedingt leicht mit den Ansichten von Vereinsvorständen in Einklang zu bringen sind. Bis dato ist uns aber der Spagat zwischen den Interessen der Fanszene und des Vereines immer recht gut gelungen. In vielen Punkten wurde auf den Verein Rücksicht genommen, in anderen Punkten (z.B. Anreise zu Geisterspielen) war die Fanszene teilweise weniger nachgiebig.

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TU: Ein ganz besonderes Spiel stand für euch 2010 an. Wie war es für euch, als ihr zum ersten Mal wieder gegen die Zweitvertretung von Red Bull angetreten seid? Wie ist das Spiel aus eurer Sicht verlaufen?

UU: Das Spiel war natürlich sehr speziell für uns. Es war die Möglichkeit dem Konzern direkt zu zeigen, dass er unseren Verein nicht ausgelöscht hat, sondern dass wir stärker als je zuvor zurück sind. Dass wir das Spiel schlussendlich mit 2:1 für uns entscheiden konnten, hat dafür gesorgt, dass es kein Halten mehr gab und wohl kein Austrianer diesen Tag je vergessen wird. Es war eine Genugtuung und hat für den steinigen Weg, den wir gegangen sind, entschädigt. TU: Blicken wir mal auf Red Bull Salzburg: Was lässt sich hier sagen? Ist das Konstrukt als österreichischer Serienmeister beliebt wie eh und je oder mittlerweile eher eine Lachnummer wegen der wieder mal gescheiterten ChampionsLeague-Qualifikation? Wie nehmen die Funktionäre und Fans des Brause-Clubs den Erfolg des Leipziger Pendants auf ? Viele Spieler haben ja bspw. schon in die deutsche Filiale gewechselt.

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UU: Das kommt auf die Perspektive an. Für uns und auch alle anderen aktiven Fans waren sie immer Kasperln. Dass sie traditionell in der Champions League Quali scheitern und auch einige andere Pleiten haben aber jedenfalls dazu geführt, dass selbst in der breiten Öffentlichkeit des Öfteren über sie gewitzelt wird. Durch den Erfolg von Leipzig entsteht immer mehr das Bild eines Ausbildungsvereines, der keine sonderliche Priorität mehr genießt.

Der Erfolg von Leipzig tut zwar sicherlich der deutschen Bundesliga nicht gut, aber ein netter Nebeneffekt ist, dass sich viele Kunden in Österreich zu Kunden zweiter Klasse degradiert fühlen. Dementsprechend gehen die Zuschauerzahlen auch seit einiger Zeit merklich zurück. Diese Erniedrigung vergönnen wir ihnen natürlich von ganzem Herzen!

TU: In vielen Fanszenen hierzulande wird kontrovers über den Umgang mit Spielen gegen Red Bull diskutiert. Während der Großteil der BundesligaSzenen in Leipzig im Stadion protestiert, haben u.a. wir uns dazu entschieden, die Auswärtsspiele dort nicht zu besuchen. Die eine richtige Vorgehensweise gibt es sicherlich nicht. Wie haben denn die anderen großen österreichischen Fanszenen zu Anfang bei den Partien gegen Red Bull reagiert und wie hat sich das inzwischen geändert? Als Außenstehender scheint es manchmal so, als seien die Spiele gegen Red Bull mehr oder weniger zur Normalität geworden, weil man höchstens mal 1,2 Protestspruchbänder sieht. UU: Totaler Boykott war bei den Österreichischen Fanszenen eigentlich nie ein großes Thema. Man hat sich eher dazu entschieden, im Stadion mit Spruchbändern und Gesängen gegen das DosenKonzept mobil zu machen. Bei einem Boykott verzichtet man ja auch immer darauf, seine eigene Mannschaft zu unterstützen – vermutlich ist das der Grund, warum sich die Kurven dafür entschieden haben, nicht fernzubleiben. Ich denke, dass es da keine Ideallösung gibt – das muss jede Szene für sich selbst entscheiden. Der Protest gegen RB ist nach wie vor ein fixer Bestandteil, wenn sie gegen einen Verein mit einer Fanszene spielen. Dass es jetzt nicht mehr so viele Spruchbänder wie bei den ersten Partien gibt, ist für mich verständlich.

Immerhin wurde dahingehend schon fast alles gesagt. Die organisierten Fanszenen thematisieren ihre Abneigung gegenüber dem Konstrukt aber regelmäßig mit Gesängen und Spruchbändern und halten so stets den Finger in der Wunde – so soll es sein. Ich nehme an, in Deutschland wird der Protest gegen RB eine ähnliche Entwicklung nehmen. Jedenfalls ist für uns immer schön zu sehen, wenn RB auf Widerstand stößt. Vielen Dank an dieser Stelle dafür: Derartige Aktionen bestätigen unseren Weg und geben uns Kraft für die Herausforderungen, die auf unserem Weg vor uns liegen. Es tut immer gut zu sehen, dass es da draußen viele Ultras gibt, die unsere Einstellungen teilen und ihre Abneigung gegenüber dem modernen Fußball auch offen zur Schau tragen.

TU: Ihr seid mit den Ultras von Udinese Calcio befreundet. Auch dort hat Herr Mateschitz vor einigen Monaten an die Tür geklopft. Was kannst du dazu berichten?

UU: Ich sehe da eigentlich keine großen Unterschiede, außer, dass der übernommene Verein soweit ich weiß über keine aktive Fanszene oder sonderlich ausgeprägte Tradition verfügt hat. Das Konzept ist aber das gleiche und dementsprechend zu verabscheuen.

Wer Austria Salzburg finanziell unterstützen möchte, kann seine Spende auf folgendes Konto überweisen: SV AUSTRIA SALZBURG IBAN: AT65 5500 0128 0002 2634 BIC: SLHYAT2S

UU: Das Gerücht über eine etwaige Übernahme von Udinese Calcio hat uns natürlich geschockt. Die Fanszene von Udine hat relativ bald nach den ersten Gerüchten auf den Tribünen gegen RB mobilisiert und Informationsveranstaltungen organisiert, wo den Anhängern abseits der Kurve die Schattenseiten von RB aufgezeigt wurden, um im Vereinsumfeld vorsorglich zu sensibilisieren und Stimmung gegen RB zu machen. Wir haben unsere Freunde dabei nach Kräften unterstützt und werden dies auch in Zukunft tun. Auch wenn es in dieser Angelegenheit in letzter Zeit ruhiger geworden ist, ist die Sache meines ErTU: Welche Parallelen siehst du zwischen Red achtens nicht vom Tisch. Hoffen wir das Beste! Bull im österreichischen Fußball und dem „Engagement“ in Leipzig und wo gibt es Unterschie- TU: Wir danken euch für das Interview und wünschen für die Zukunft alles Gute! de?

An dieser Stelle möchten wir an Gerhard „Gerli“ Weiß erinnern, einem Mitglied von Union ´99 Ultrà Salzburg. Gerli war im November 2006 Teil einer ganzen Busbesatzung von Ultras der Austria, die uns beim Heimspiel gegen Hertha BSC unterstützten. Damals bestanden freundschaftliche Kontakte zwischen Mitgliedern von The Unity und UU’99. Nach dem Spiel wurde gemeinsam im Westfalenstadions gefeiert, und einige TUler erinnern sich noch gut daran, wie sie an diesem Abend mit Gerli anstießen. Auf der Rückfahrt ereignete sich dann eine Tragödie: Bei einer Pause im Sauerland wurde Gerli in einen Verkehrsunfall verwickelt und tödlich verletzt. Um Gerli zu gedenken, veranstaltet seine Gruppe jedes Jahr ein Fußballturnier und bei jedem Austria-Spiel hängt eine Fahne mit seinem Konterfei.

Gerli – für immer unvergessen!

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NACHSPIEL

BORUSSIA DORTMUND - FC Ausgburg

Zuschauer: 81.360 (Gäste~700) Ergebnis: 1:1

Nach den beiden Remis in Köln und bei den Jüngern des Sohns der herzensguten Frau galt es für unseren Ballspielverein das durch zahlreiche Auf und Ab’s geprägte Kalenderjahr 2016 mit einem Heimsieg gegen den FC Augsburg würdevoll abzuschließen. Dem abendlichen Termin unter der Woche geschuldet traf sich unsere Gruppe wie gewohnt im Dortmunder Klinikviertel und begab sich bei winterlichen Temperaturen das letzte Mal in diesem Jahr zu Fuß in Richtung WESTFALENSTADION. Durch die vergleichsweise späte Ankunft gingen dann auch die üblichen Arbeiten schnell vonstatten, sodass sich dann doch noch dem alljährlichen Play-back der Sonnenkinder gewidmet werden konnte. Zum Einlaufen der Mannschaften gab es am Zaun der Südtribüne zudem erneut ein Spruchband zur unsäglichen Thematik der Montagsspiele zu sehen, worauf zuvor auch dank kräftiger Mithilfe der innerhalb von Südtribüne Dortmund organisierten Fanclubs noch einmal mittels Flyern aufmerksam gemacht wurde. Ehe die Partie losging, gab es jedoch noch eine Schweigeminute anlässlich der zwölf Todesopfer vom Berliner Breitscheidplatz, die am Tag zuvor, dem 107. Jahrestag unserer Borussia, durch einen Terroranschlag ums Leben kamen. Ohne pathetisch klingen zu wollen mit Sicherheit einer jener Momente, die den Fußball kurz zur Nebensache verkommen lassen und einen sehr faden Beigeschmack hinterlassen - gerade wenn man bedenkt, dass der Platz an der Gedächtniskirche noch vor sieben Monaten, wie vor jedem Pokalfinale mit Beteiligung Schwarz-Gelbs, traditionell mit tausenden BVB-Anhängern gefüllt war und der Täter, Anis Amri, scheinbar auch Wurzeln in unserer Stadt geschlagen haben soll. Auf dem Rasen gestaltete sich die erste Hälfte im Anschluss ähnlich wie bereits in den vorangegangenen letzten Spielen. Zwar kam der BVB dem gegnerischen Gehäuse durch Chancen von Götze, Ginter und Kagawa sehr nah, einnetzen tat dann jedoch trotzdem der FCA in Person von Dong-Won Ji, der die symptomatisch für die gesamte Hinrunde stehende Unsortiertheit der Dortmunder Defensive ausnutzte und somit bereits zum zweiten Mal seit seiner Rückkehr nach Augsburg gegen den BVB traf (33.) - das nunmehr

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siebte (!) Spiel in Folge, in dem der BVB einem 0:1 hinterherlaufen musste. So ging es unter Pfiffen von Teilen der Sitzplätze in die Kabine, die die SchwarzGelben zur zweiten Halbzeit augenscheinlich stärker verließen. Nur zwei Minuten nach Wiederbeginn traf der frisch eingewechselte Neuzugang Dembelé zum Ausgleich, dem im Laufe des Abends, auch wegen der schlechten Chancenwertung und einem nicht so stark aufgelegten Aubameyang, jedoch kein zweiter Dortmunder Treffer folgen sollte. Auch von den Rängen gibt es wieder einmal nichts nennenswertes zu erzählen. Vielmehr lässt sich die Stimmung des heutigen Abends 1:1 in das übliche Schema der HeimspielAtmosphäre der jüngeren Vergangenheit einordnen - recht guter Beginn, wobei die Stimmung schnell abflacht und man sich nur so in die Halbzeit quält. In der zweiten Hälfte dann eine leichte Steigerung, auch wenn man trotz gelegentlicher Ausreißer nach oben und unten alles aber keine Bäume ausreißen kann. Fest steht, dass die Heimspiel-Stimmung somit kurz- und mittelfristig unser größtes Sorgenkind bleiben wird und es am Ende bei uns allen liegt, den Jungs auf dem Rasen den in vielen Spielen nötigen Auftrieb zu verleihen sowie ein würdigeres Bild der Südtribüne abzugeben. Viel zu häufig ist das Treiben auf der Tribüne vom spielerischen Geschehen abhängig, statt selber aktiv als Impulsgeber auf das Spiel einzuwirken. Dabei ist es nicht nur wichtig, dass wir in Block Drölf endlich den oft zitierten Motor der Tribüne darstellen, sondern auch die restlichen Fans in den Außenblöcken ihren Beitrag leisten müssen, um so langsam aus diesem Stimmungstief rauskommen. Die mitgereisten Augsburger, die mal wieder in den letzten Winkel der Nordost-Ecke verfrachtet wurden, konnten ebenfalls nicht auf sich aufmerksam machen. Für Schmunzler auf unserer Seite sorgte hingehen der BVB-Fan, der im Laufe der zweiten Halbzeit im heute von Heimfans bevölkerten Gästesteher eine Fackel anriss und somit immerhin für einen optischen Akzent sorgte. Nach dem Spiel wurden routiniert und zügig die Klamotten eingepackt und der Weg zurück zum Fanprojekt bestritten, von wo man sich dankenswerterweise für vier Wochen in die Winterpause verabschieden konnte.

NACHSPIEL

Werder Bremen - BORUSSIA DORTMUND Zuschauer: 42.100 (Borussen~5.000) Ergebnis: 1:2 Unsere Gruppe traf sich ein wenig später als üblich in den eigenen Räumlichkeiten um zum Auswärtsspiel nach Bremen aufzubrechen. Dies war der Tatsache geschuldet, dass wir uns nach einigen Diskussionen für eine Busanreise entschieden hatten, da bereits im Vorfeld zu erwarten war, dass die Polizei in Niedersachsen und Bremen alles daran setzen würde, den anreisenden Fußballfans Steine in den Weg zu legen, um sich für die Rückfahrt aus Hamburg in dieser Saison zu revanchieren, als es im Hauptbahnhof von Hannover zu Auseinandersetzungen gekommen war. Die Bullen bestätigten unsere Vermutungen auch in den Tagen vor dem Spiel und erließen eine Verfügung, welche das Verbot des Mitführens u.a. von Flaschen und Dosen beinhaltete, sowie eine angekündigte Fahrtkartenkontrolle bei Ankunft im Bahnhof von Bremen.

Doch nicht nur die Anreise nach Bremen war außergewöhnlich. Nach drei Jahren sollten heute die ersten Jungs wieder ein deutsches Stadion betreten dürfen, welche im Nachgang des Derbys vom Oktober 2013 ein bundesweites Stadionverbot vom verhassten Reviernachbarn bekamen und nicht vorzeitig aufgehoben werden konnten. Als persönlich Betroffener kann ich an dieser Stelle nur ein riesiges Dankeschön und meinen allergrößten Respekt für die entgegengebrachte Solidarität in allen Ausprägungen der letzten drei Jahren innerhalb der Gruppe THE UNITY zum Ausdruck bringen und bin einfach verdammt froh wieder zusammen mit meinen Freunden auf den Tribünen der Republik stehen zu dürfen! Danke!

Die gelöste Stimmung endete abrupt kurz vor der Autobahnabfahrt in Bremen als uns eine vermummte und behelmte Hundertschaft auf einen Parkplatz lotste und dort festsetzte. Nach Hinzuziehung des Fanprojektes als Mittelsmann kam die Angst der Herren in Uniform zum Vorschein, dass unsere vier mitgereisten Stadionverbotler die Stadt Bremen in den folgenden Stunden terrorisieren würden. Die Forderungen welche im Anschluss gestellt wurden waren an Sinnlosigkeit kaum noch zu überbieten und reichten vom Verbleib der SVler auf dem besagten Parkplatz bis hin zu einem Transfer der gesamten Gruppe vom Parkplatz in

Shuttle Bussen zum Stadion, obwohl wir bereits in Bussen saßen, was wir natürlich in aller Entschiedenheit ablehnten. Nachdem man bereist damit rechnete, dass man das Spiel wohl nicht im Stadion sehen würde, zeichnete sich dann nach mehr als eine Stunde endlich eine Lösung ab und unsere Ausgesperrten konnten wie geplant mit uns und in unseren Bussen bis in die Bremer Innenstadt reisen. Dort angekommen machte sich dann natürlich Hektik breit, da unser Zeitplan durch diese dämliche Aktion vollends über den Haufen geworfen wurde. Irgendwie schafften es wir aber bis zum Anpfiff im Block zu sein und auch das Aufhängen unserer Fahnen konnte unter Einsatz von Leib und Leben zügig über die Bühne gebracht werden.

Der Gästeblock legte in der ersten Phase des Spiels gut los und konnte sich im Bremer Weserstadion sicherlich Gehör verschaffen. Leider verflachte die gute Stimmung zum Ende der ersten Halbzeit ein wenig, doch aus der Pause heraus konnte man nochmal eine Schippe drauflegen und hatte in den ersten 20 Minuten der zweiten Hälfte sicher die beste Phase der Partie. Unterm Strich sicher ein ordentlicher Auftritt, auch wenn es mir durch meine persönlichen Umständen rund um diesen Tag schwer fällt eine objektive Beurteilung abzuliefern. Sportlich bot die Borussia nicht viel an, der SVW hatte allerdings in der ersten Hälfte auch nichts entgegenzusetzen. In der 5. Minute schoss Schürrle den BVB in Front, ehe zu Beginn der zweiten Hälfte der Ausgleichstreffer erzielt wurde. Danach schaffte der BVB in der 71. Minute die erneute Führung und konnte diese noch über die Zeit bringen. Ein wichtiger Sieg zum Ende der Hinrunde, auch wenn die Leistungen in den kommenden Wochen noch ausgebaut werden müssen um die anstehenden Aufgaben zu meistern. Nach dem Spiel konnte unsere Sektion Stadionverbot wieder in Empfang genommen werden. Viele Erinnerungen und geniale Momente, aber auch Wut und Trauer habe ich in den vergangenen Jahren mit diesen Jungs erlebt, eine Zeit, welche ich sicherlich nicht vergessen werde. Freunde haltet durch, ihr wisst ihr seid niemals allein… THE UNITY SEKTION STADIONVERBOT!

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NACHSPIEL

FSV Mainz - BORUSSIA DORTMUND Zuschauer: 34.000 (Borussen~4.000) Ergebnis: 1:1

Im zweiten Spiel nach der Winterpause und dem ersten Spiel der eigentlichen Rückrunde sollte der Karnevalsverein aus Rheinhessen die Dortmunder Borussia am arbeitnehmerunfreundlichen Sonntag Abend-Termin empfangen. Für uns als Gruppe wurde das Wochenende hingegen aber schon am Freitag Abend eingeläutet, standen die nachträglichen Feierlichkeiten zum 16-jährigen Bestehen von THE UNITY auf dem Programm. Hierzu wurde eine bekannte Dortmunder Location angemietet, in der im Kreise der Gruppe die alten und neuen Anekdoten ausgepackt, der übliche Schabernack betrieben oder sich einfach nur dem bloßen Alkoholkonsum hingegeben wurde - alles in allem ein runder Abend also. Am späten Sonntag Vormittag machte man sich dann also in drei gefüllten Bussen und gemeinsam mit den Jubos mit einem kurzem Zwischenstopp in Wiesbaden auf den Weg in die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt, die man trotz früher Abfahrt jedoch etwas später als angepeilt erreicht hatte, sodass am Ende wieder mal ein gut gefüllter Block auf uns wartete und die Zeit bis zum Anpfiff recht flott verging. Zum Einlaufen der Spieler gab es im Gästeblock traditionell eine kleine Aktion der Jubos zu sehen, die sich dem 7. Todestag eines Mitgliedes widmete. Das Thema Tod beschäftigte und beschäftigt indes auch leider immer noch die Ultraszene Mainz auf der Gegenseite, die zum Jahreswechsel infolge eines Verkehrsunfalls erneut Abschied von einem jüngeren Mitglied nehmen mussten - mit Sicherheit eine menschlich sehr schwierige Situation für eine Gruppe, die man so niemandem wünscht.

Doch zurück zum Sportlichen: Kaum war das Spiel angepfiffen, ging der BVB nur drei Zeigerumdrehungen später mit 1:0 in Führung, nachdem Schürrle Reus mit einem schönen Pass freispielte und dieser dem Mainzer Lössl keine Chance lies. Wie bereits in den vergangenen Spielen schenkten die SchwarzGelben dann im weiteren Verlauf der Anfangsviertelstunde einige gute Möglichkeiten her, um dann urplötzlich den Faden zu verlieren und dem Gegner mehr und mehr Anteile zu überlassen. Es entwickelte sich eine von beiden Seiten eher langweilig geführte Partie, wobei der BVB noch in der ersten Halbzeit

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Glück hatte, dass den Gastgebern wegen vermeintlichem Abseits ein eigentlich reguläres Tor aberkannt wurde. Besonders in der zweite Hälfte waren die über weite Strecken fehlerbehafteten und ideenlosen Dortmunder Offensivbemühungen zum Haare raufen, sodass es am Ende so kommen musste, wie es kam. Obwohl die lange Flanke vom Mainzer Öztunali eine gefühlte Ewigkeit durch die Luft segelte, war es dann letztlich Danny Latza, der nach schlechtem Stellungsspiel Piszczeks mit dem ersten Torschuss der 05-er unbehelligt zum 1:1 einköpfen konnte (83.). Am Ende konnte man auf Seiten des BVB derweil sogar noch froh sein, dass man trotz 80-minütiger Führung und dank enttäuschender Leistung noch ein Remis mitnehmen konnte, weil De Blasis’ Schuss in der Schlusssekunde nur knapp das Gehäuse des wiedergekehrten Bürki verpasste. Trotz des mauen Spiels auf dem Rasen kann man mit der Leistung im Gästeblock dagegen recht zufrieden sein. Während es in der ersten Halbzeit hin und wieder mal laut wurde und gelegentlich weite Teile des Blocks an den Gesängen beteiligte, beschränkte sich dies in der zweiten Halbzeit leider überwiegend eher auf den unteren Bereich, der dafür aber umso mehr Gas gab und sichtlich Spaß hatte. Auch der Unterrang der Südtribüne ist nach der ansehnlichen Pyroshow zu Beginn der zweiten Halbzeit, aller Hysterie im Internet und den Medien rund um die vom DFB ausgesprochenen Bewährungsstrafe zum Trotz, beim Heimspiel gegen Leipzig geöffnet geblieben - wobei man sich an dieser dennoch die Frage stellen darf, ob der DFB die Situation nicht doch anders beurteilt hätte, wenn es sich nicht um Borussia Dortmund, sondern um einem Verein mit einer nicht so großen Lobby, wie vielleicht Eintracht Frankfurt, Dynamo Dresden oder Hansa Rostock, gehandelt hätte Die Gegenseite, die scheinbar eine größere Abordnung Gate 10-Leute von Iraklis zu Gast hatte, blieb am heutigen Abend trotz gewohnt gutem Fahneneinsatz eher blass und konnte im Gästeblock akustisch so gut wie nie vernommen werden, wobei man der aktiven Fanszene aufgrund der eingangs geschilderten Umstände keinen wirklichen Vorwurf machen kann. Erstaunlich war dann doch eher, dass es auf den Sitzplätzen auch nach dem Ausgleich kein wirkliches Aufbäumen gab und man das Gefühl hatte, dass das Treiben eher regungslos zur Kenntnis genommen wurde.

Nachdem die Sachen gepackt waren, ging es mit Blick auf die Uhr schnell zurück zu den Bussen, in denen sich die Rückfahrt dem Stumpfsinn zum Dank kurzweilig gestaltete, sodass die Bierhauptstadt letztlich um kurz vor Mitternacht erreicht wurde. An dieser Stelle sei auch nochmal ein großer Dank an unsere Freunde aus Brøndby und Saloniki gerichtet, die uns das ganze Wochenende über begleitet und unterstützt haben.

VORSTELLUNG

Benfica Lissabon

Vor dem nächsten Heimspiel gegen Wolfsburg steht die erneute Reise ins wunderschöne Lissabon auf dem Programm. Im Achtelfinale der Champions League wurde uns Benfica zugelost, nach dem FC Porto und Sporting also der dritte der drei großen Clubs aus Portugal, gegen den der BVB innerhalb eines Jahres antritt. Außerdem ist es das erste Aufeinandertreffen mit Benfica seit dem legendären 5:0-Sieg im Rückspiel des Achtelfinales im Europapokal der Landesmeister am 4. Dezember 1963. Vor 42.000 Zuschauernn der Roten Erde nahm Borussia mit Spielern wie Timo Konietzka, Aki Schmidt, Hoppy Kurrat und Willi Burgsmüller die damalige Star-Elf um Eusébio auseinander, der nach dem 2:1-Erfolg im Hinspiel in Dortmund allerdings nicht spielte. Der dreifach Torschütze Franz Brungs erinnerte sich in einem Interview wie folgt an eine der wichtigsten Partien unserer Vereinsgeschichte: „Die Stimmung damals war unbeschreiblich und hat mich mein ganzes Sportlerleben begleitet. So etwas habe ich kein zweites Mal erlebt.“ Sport Lisboa e Benfica, so der vollständige Name des Vereins, wurde 1904 von 24 ehemaligen Schülern einer Schule für Waisenkinder gegründet. Am selben Tag der Gründung sollen auch wesentliche Erkennungsmerkmale festgelegt worden sein, so die Farben Rot-Weiß und der Adler im Wappen. Bis heute ist Benfica mit 35 Meistertiteln portugiesischer Rekordmeister. Zwei Mal, 1961 und 1962, gewann man den Europapokal der Landesmeister. Seitdem liegt aber offenbar ein Fluch über dem Verein, denn alle 8 weiteren europäischen Endspiele verlor der Club seitdem, zuletzt die Europa LeagueFinals 2013 gegen Chelsea und 2014 gegen Sevilla. Viele führen das auf den „Guttmann-Fluch“ zurück:

Der gleichnamige Cheftrainer trennte sich nach dem Erfolg 1962 wegen einer verweigerten Gehaltserhöhung im Streit von Benfica und soll dabei gesagt haben „Ihr sollt die nächsten 100 Jahre keinen Europacup mehr gewinnen!“ Die Heimstätte von Benfica ist das Estádio da Luz. Zur EM 2004 wurde es direkt neben dem alten „Stadion des Lichts“ erbaut, einer Schüssel, die ganze 120.000 Zuschauer fasste.

Soweit ein Überblick zu unserem Gegner in eineinhalb Wochen. Auf die Geschichte der Ultrabewegung in Portugal sind wir schon vor den Spielen bei Sporting und dem FC Porto eingegangen (Vorspiel 127 & 138). Der Beginn der Geschichte der Ultras bei Benfica reicht bis ins Jahr 1982 mit der Gründung der Diabos Vermelhos zurück, die durch die internationalen Auftritte in der Saison 82/83 ähnliche Strukturen bei Benfica schaffen wollten. In den Folgejahren wuchs die Gruppe bis auf mehrere tausend Mitglieder an, ehe es 1992 zum Bruch kam und sich aufgrund von internen Streitigkeiten die heute führende Gruppe No Name Boys gründete, deren Logo aus zwei auf den Kopf gedrehten N besteht. Dies führte dazu, dass die Diabos zwischenzeitlich fast völlig von der Bildfläche verschwanden und erst durch neue Führungspersonen wieder erstarkten. 2003 legten die Diabos bei der Vereinsführung gegen den Transfer des Rollschuh-Hockeyspielers Paolo Alves vom FC Porto ein, weil er ein Mitglied der Diabos 1998 bei einem Spiel zwischen Benfica und dem FC Porto attackiert hatte. Dennoch liegt die Führungsrolle bis heute den No Name Boys inne, die eine Freundschaft mit der Torcida von Hajduk Split verbindet. Diese existiert seit 1994, als 3 Mitglieder der No Name Boys auf dem Rückweg vom Champions-League-Auswärtsspiel bei Hajduk in Spanien tödlich verunglückten. Die Außendarstellung der Gruppe ist auf ein marginales Maß zurückgefahren, sodass die Führungspersonen selten bekannt sind, ein geschlossenes Mitgliedersystem existiert und die Gruppe darüber hinaus keine Website pflegt. Ebenso ist die optische Unterstützung ebenfalls auf wenige Fahnen reduziert, große Choreographien sieht man ebenso eher selten. Damit befindet sich im krassen Gegensatz zu den restlichen Gruppen des Landes, was aber auch damit zusammenhängt, dass die No Name Boys keine legale Gruppe sind (Vorspiel 138) und somit in ihren Möglichkeiten stark eingeschränkt sind.

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BLICK ÜBER DEN TELLERRAND Hannover

Martin Kind, Vereinspräsident von Hannover 96 und wichtigster Anteilhaber der Hannover 96 Sales & Service GmbH & Co. KG, hat kürzlich auf einer Geschäftsmesse bekannt gegeben, dass er, wie eigentlich erwartet, noch dieses Jahr neben seinen Vereinsanteilen zusätzlich die Stimmenmehrheit erwerben möchte. Kind, der sich seit jeher öffentlich gegen die Erhaltung der 50+1-Regel ausspricht und nicht nur deshalb im Clinch mit der aktiven Fanszene von 96 lag und immer noch liegt, könnte dabei von einer Ausnahmeregelung profitieren, die besagt, dass ein Investor die Mehrheit der Stimmen an einem Verein übernehmen könne, wenn er ihn zuvor 20 Jahre lang ununterbrochen „erheblich gefördert“ hat – wobei dieses Kriterium eher schwammig formuliert bleibt.

Die Entscheidung über den Antrag Kinds trifft am Ende zwar der Ligaverband, von einer Ablehnung ist derweil jedoch nicht auszugehen. Eine detailliertere Beleuchtung der Hintergründe zu der Regelung, die derzeit leider von immer mehr Vereinsverantwortlichen bezweifelt wird und zudem vermutlich wohl auch noch auf wackeligen rechtlichen Beinen steht, könnt Ihr bei Interesse dem Kommentar im Vorspiel 111 entnehmen.

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Rostock Als Sanktion für verschiedene, vermeintliche Delikte wurde der FC Hansa beim Rückrundenauftakt gegen Jahn Regensburg mit einem Geisterspiel belegt. Wie es bereits Dresden 2012 getan hat, kam man im Anschluss, in Zusammenarbeit mit den Fans, auf die Idee, sogenannte „Geistertickets“ zu verkaufen, um den finanziellen Schaden zumindest in Teilen wieder aufzufangen. Dabei war man kreativ und bot „Eintrittskarten“ in drei verschiedene Kategorien an: Neben den herkömmlichen Tickets für 9,95€, konnten Fans sich für 19,95€ ein Foto von sich ausdrucken und fürs Spiel auf eine der Sitzschalen kleben lassen und sich für 49,95€ gar ein Foto von ihrem Porträt mit einem der Profis sichern. Was für unsereins eine lustige und kreative Idee darstellt, ging für den DFB ganz und gar nicht in Ordnung, der der geplanten Aktion bezeichnend einen Riegel vorschieb. Zunächst begründete der Verband dies natürlich mit Brandschutzbedenken. Als der FCH dies aber widerlegen konnte, berief sich der DFB dann doch auf das Urteil, in dem zusätzlich ein Verbot von Plakaten, Bannern und Fahnen festgelegt wurde. Der Verein zeigte sich indes enttäuscht von dem Verbot und bezeichnete die Entscheidung des Verbandes als „nicht nachvollziehbar und überzogen“.

Hannover II

Die Fanhilfe Hannover gab zum Jahreswechsel einen Rückblick auf das vergangene Jahr und wartete mit einer Feststellung auf, die jeden aktiven Fußballfan aufhorchen lassen sollte: So konnte die Fanhilfe dokumentieren, dass die Polizei Hannover 2016 keine Kosten und Mühen gescheut hat, um Fans von 96 auszuspitzeln. Dabei ginge es um hunderte Minuten Gesprächsinhalt, tausende Internetzugriffe sowie mehrere hundert Textnachrichten, die durch Beamte live in Echtzeit und teilweise nach 20 Uhr und außerhalb von Spieltagen überwacht und akribisch ausgewertet worden sein sollen. Dabei stellt die Fanhilfe die Frage nach den aufgewendeten Kosten dieser überflüssigen und unverhältnismäßigen polizeilichen Maßnahme und kündigte an, den Blick darauf im neuen Jahr zu verschärfen sowie der Politik und Öffentlichkeit Bericht darüber zu erstatten. Ein erschreckender Beweis dafür, wie weit die Behörden zu gehen bereit sind, wenn es um das Erlangen von Informationen rund um Fußballspiele geht und ein mahnender Appell auch für aktive Fans in NRW, vorsichtiger im Gebrauch mit den neuen Medien zu sein.

Berlin

Nürnberg

In einer gemeinsamen Stellungnahme erklärten die Harlekins, die Hauptstadtmafia sowie die Dynamic Supporters, dass sie den Dialog mit den Vereinsverantwortlichen von Hertha BSC als Reaktion auf verschiedene Konflikte in der jüngeren Zeit und das Gefühl, in vielen Belangen nicht wirklich ernst genommen zu werden, mit sofortiger Wirkung einstellen. Die Berliner Ultras nehmen dabei Bezug auf die Posse rund um die pinken Auswärtstrikots und die orangenen Trainingsanzüge, die in ähnlicher Form bereits vor einigen Jahren für Reibereien zwischen beiden Parteien sorgte und schließlich in der „Nur echt in Blau-Weiß“-Kampagne mündete.

Die von Glubb-Fans gegründete Initiative „Max-Morlock-Stadion JETZT“ hat ihr Ziel, die Umbenennung des Nürnberger Stadions zu Ehren der Vereinslegende Max Morlock, die 24 Jahre für den FCN spielte und 1954 Weltmeister wurde, zu bewirken, endlich erreicht. Seit vielen Jahren machten sich weite Teile der Fanszene, mal mehr, mal weniger durch Aktionen im Stadion sowie im Stadtbild dafür stark, das ehemalige Frankenstadion, das seit 2006 zwei verschiedene Sponsorennamen trug, nach Morlock zu benennen. Auftrieb erhielt die Initiative in den letzten anderthalb, zwei Jahren insbesondere dadurch, dass der damalige Sponsor den Vertrag über die Namensrechte nicht verlängern wollte und dies, zwar eigentlich ungewollt, publik wurde. Da der Vertrag zum Jahresende abgelaufen ist und der Name vakant war, verkauften Stadt und Stadiongesellschafter die Rechte nun an eine Bank, die sich gnädig zeigte und dem Willen der Fans nachgab, sodass das Stadion sehr bald auch offiziell den Namen „Max-Morlock-Stadion“ tragen soll.

Neben der Missachtung der eigenen Vereinsfarben kritisieren sie vielmehr den krampfhaften Versuch einer radikalen Imageänderung seitens der Marketingabteilung, im Zuge derer der Verein bei Werbemaßnahmen u.a. gerne als „Startup seit 1892“ verkauft wird, wodurch die Gruppen eine zunehmende Entfremdung von der Basis sowie der eigenen Identität erkennen. Um die Frage der Identität gehe es darüber hinaus auch bei der langanhaltenden und jüngst konkreteren Diskussion um einen möglichen Stadionneubau und dem damit verbundenen Auszug aus dem Olympiastadion, bei der vom Verein aus Sicht der Anhänger auch nicht viel Gewicht auf das Wort der Anhänger gelegt werde. Zudem zeigen sich die Gruppen davon enttäuscht, dass die Vereinsverantwortlichen bei etwaigen Protestideen zum Leipzig-Spiel nicht wirklich hilfsbereit gewesen sein sollen und die Spieler trotz der Idee von alternativen Trikots, die im Nachgang für einen guten Zweck hätten versteigert werden sollen, beispielhaft wieder in pink aufgelaufen seien – unabhängig davon, dass die Ultras auch bei der Planung rund um die 125 Jahres-Feier des Vereins nicht involviert würden.

Aufgrund dieser Aspekte sowie dem Umstand, dass sich Funktionäre in den Medien teilweise sehr despektierlich über die Kritik der aktiven Fans geäußert haben sollen, sehen sich die Ultras nicht mehr im Stande, den Dialog mit dem Verein und ihre Rolle als Bittsteller fortzuführen. Von den Vereinsherren fordern die Gruppen in der Rückrunde stattdessen eine Kehrtwende in der Zusammenarbeit mit den Fans und in der Außendarstellung des Vereins, um dem Konflikt ein Ende zu setzen.

Der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle erwähnt, dass in der Winterpause mit dem VfL Osnabrück noch ein zweiter Verein zu seinen Wurzeln zurückkehrte, sodass das Stadion an der Bremer Brücke nach zwölf Jahren wieder offiziell ihren traditionellen Namen tragen wird.

Niederlande

Absurdum aus unserem Nachbarland: Im Rahmen des EL-Spiels zwischen Feyenoord Rotterdam und Kuban Krasnodar 2013 wurde ein älterer Feyenoord-Fan in einer übersichtlichen Situation und im Beisein seines Sohnes durch einen Schlagstockeinsatz seitens der Polizei verletzt. Der verantwortliche Polizist, der damals leitend in einer mobilen Einheit tätig war, wurde vom zuständigen Gericht nun zwar für schuldig befunden, allerdings mit keiner Strafe belegt. In seiner Begründung dazu führte das Gericht an, dass der Täter durch den medialen Aufschrei damals schon genug gestraft sei und aufgrund des laufenden Verfahrens bei internen Ausschreibungen nicht berücksichtigt wurde – ein weiteres Indiz dafür, dass die Justiz nicht nur in Deutschland gerne mal ein Auge zudrückt, wenn es beim Fußball zu Verfehlungen von Seiten der Exekutive kommt.

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TERMINE Mi. - 08.02.2017 Sa. - 11.02.2017 Di. - 14.02.2017 Sa. - 18.02.2017 Mi. - 22.02.2017 Sa. - 25.02.2017

20.45

Borussia Dortmund - Hertha BSC

19.45

Benfica Lissabon - Borussia Dortmund

15.30 15.30 19.30 15.30

Darmstadt 98 - Borussia Dortmund

Borussia Dortmund - VfL Wolfsburg

Sportfreunde Siegen - Borussia Dortmund Amateure SC Freiburg - Borussia Dortmund

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