Berichte - Land Niedersachsen

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Norddeutsche Naturschutzakademie Berichte 7. Jahrgang, H e ft 3,1994 N o r'd tiK ae r H o l z Staatsf. Bederkesa Bedeutung historisch alter Wälder...

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Norddeutsche Naturschutzakademie

Berichte 7. Jahrgang, H e ft 3,1994

N o r'd tiK ae r H o l z

Staatsf. Bederkesa

Bedeutung historisch alter Wälder für den Naturschutz

n

N ied ersa ch sen

NNABer.

7Jg.

H. 3

159 5.

S chneverdingen 1994

ISSN: 0935-1450

B e de u tu n g historisch a lte r W ä ld e r fü r den N aturschutz

H erausgeber und Bezug: N orddeutsch e N a tu rsch u tza ka d e m ie H o f M öhr, D-29640 Schneverdingen, T ele fo n (0 51 99) 989-0, Telefax (0 51 99) 432 Für die ein ze ln e n B eiträge zeichnen die je w e ilig e n A u to rin n e n und A u to re n v e ra n tw o rtlic h . S c h riftle itu n g : Dr. Renate S trohschneider ISSN 0 9 3 5 -1 4 5 0

T ite lb ild (zu sa m m e n g e ste llt von M. W u lf): Das N o rd a h n e r H olz z u rZ e it des 18. J a h rh u n d e rts (Bild links, A usschnitt aus der K urhannoverschen Landesaufnahm e, B la tt 8, 1768) und Ende des 20. J a h rh u n d e rts (B ild rechts, A usschnitt aus der to p o g ra p h isch e n K arte 1:25 000, B la tt 2320 Lam stedt, 1993). In d e r B ild m itte oben ist das W appen des D orfes N ordahn d a rg e ste llt (aus: Jahrbuch d e r M ä n n e r vom M o rg e n s te rn , S onder­ reihe, Band 15). Die erste u rk u n d lic h e E rw ä h n un g des Dorfes d a tie rt a u f 986 nach Christus. Der ze itlich e U rsprung des W a p ­ pens ist n ic h t genau b e ka n n t. Das L e b e rb lü m c h e n b la tt u n te r den B ärenklauen w e is t a u f das V orkom m en der Pflanze im N o rd a h n e r Holz hin. Für den W ald ist b e le g t, daß er seit e tlich e n J a h rh u n d e rte n e x istie rt. Es ist anzunehm en, daß die P o p u la tio n des Leberblüm chens ebenfalls seit m e hre re n Ja h rh u n d e rte n k o n tin u ie rlic h im W ald ü b e rd a u e rt hat. K a rte n g ru n d la g e n und V e rv ie lfä ltig u n g s e rla u b n is : K urhannoversche Landesaufnahm e des 18. Jahrhunderts, B latt 8 (1768), herausgegeben vom Niedersächsischen Landesver­ w a ltu n g s a m t - Landesvermessung - u nd von d e r Historischen Kommission fü r Niedersachsen, Hannover. Topographische K arte 1:25 000, 2320 (1993), herausgegeben vom Niedersächsischen L andesverw altungsam t - Landesvermessung - H anno­ ver. Beide K arte naussch n itte sind v e rg rö ß e rte K opien, der O riginalm aßstab ist dadurch ve rä n d e rt. V e rv ie lfä ltig u n g m it Erlaubnis des Niedersächsischen Landesverw altungsam tes - Landesvermessung - B4-602/94, vom 6 .4 .1 9 9 4 .

G e d ru ckt a u f R ecyclingpapier (aus 100% A ltp a p ie r)

NNA-Berichte 7. J a h r g a n g / 19 9 4 , H e f t 3

Bedeutung historisch alter Wälder für den Naturschutz Fachtagung der Norddeutschen Naturschutzakademie am 28.-29. O ktober 1993 a uf H of M öhr (Leitung: Dr. Johannes Prüter)

In h a lt E rgebniszusam m enfassung M. M.

W u lf und H.-J. Keim : Zur B e d e u tu n g „historisch a lte r W ä ld e r" fü r den N a tu rs c h u tz - U ntersuchungen n a tu rn a h e r W ä ld e r im Elbe-W eser-Dreieck 15

H.-J. Keim : Zur W aldgeschichte des Elbe-Weser-Dreiecks U.

O stm ann: Die L a n d n u tzu n g sa rte n in to pographischen K arten des 18. und 19. Jah rh u n d e rts a ls s ta n d o rtk u n d lic h e B eiträge zum N aturschutz 60

H.

Tem pel: Die Geschichte des historisch a lte n Waldes „O b e rh a ve rb e cke r H o lz " im N a tu rs c h u tz g e b ie t L ü n e b u rg e r H eide in den le tz te n 250 Jahren 68

D.

Zacharias: B indung von G e fä ß p fla n ze n an W älde r a lte r W a ld s ta n d o rte im n ö rd lic h e n H a rzvorland Niedersachsens ein B e is p ie lfü rd ie B ed e u tu n g des A lters von B iotopen fü r den P fla n ze n a rte n sch u tz

W. H ä rd tle: Zur V e rä n d e ru n g u nd S c h u tz fä h ig ke it historisch a lte r W ä ld e r in Schlesw ig-H olstein J.

2

W u lf: Ü berblick zu r B e d e u tu n g des A lte rs von Lebensgem einschaften, d a rg e s te llt am Beispiel „h is to ris c h a lte r W ä ld e r"

B runet: Der E influß von W a ld n u tz u n g und W aldgeschichte a u f d ie V e g e ta tio n südschwedischer L a u b w ä ld e r

G.

F. P eterken: The d e fin itio n , e v a lu a tio n and m anagem ent o f a n c ie n t w o o d s in G reat B rita in

50

76 88 96 102

R.

Pott: N a tu rn a h e A ltw ä ld e r und deren S ch u tzw ü rd ig ke it

115

A.

Ssymank: In d ik a to ra rte n de r Fauna fü r historisch alte W ä ld e r

134

T.

A ßm a nn: Epigäische C o le o p te re n als In d ik a to re n fü r historisch a lte W ä ld e r d e r N ordw estdeutschen T ie fe b ene

L.

S tegin k-H ind riks: Historisch a lte W ä ld e r- ihre B erücksichtigung in K o n ze p te n und P rogram m en

142 152

3

N N A -B e ric h te 3 /9 4

In te rn a tio n a le Fachtag u n g zu r B ed eu tu n g des A lte rs vo n Le b e n sg e m e in sch a fte n am Beisp iel „h is to ris c h a lte r W ä ld e r" am 28 ./2 9 . O k to b e r 1993 an d e r N ord d eu tsch en N a tu rsch u tza ka d e m ie a u f H o f M ö h r / S ch n everd in g en

Definition: „H isto risch a lte W ä ld e r" sind W ä ld e r a u f W a ld sta n d o rte n , d ie nach H inw eisen aus historischen K arten, Bestandesbe­ schreibungen o d e r a u fg ru n d sonstiger In d izie n m indestens seit m ehreren h u n d e rt Jahren k o n tin u ie rlic h existieren.

Das Ergebnis der Tagung w ird w ie fo lg t zusammengefaßt: 1. Es w ird m it N achdruck a u f die herausragende Bedeutung „h isto risch a lte r W ä ld e r" fü r den N aturschutz h in g e w ie ­ sen. ■ Sie sind durch re la tiv hohe K o n tin u itä t d e r S ta n d o rt­ e n tw ic k lu n g g e ke n n ze ich n e t. Sie w eisen die am w e n ig ­ sten g e stö rte n Böden und am w e n ig s te n ve ränderten Wasser- und N ä h rs to ffk re is lä u fe unserer terrestrischen L a n d sch a fta u f. ■ „H istorisch a lte W ä ld e r" sind je w e ils e in m a lig e Ergeb­ nisse unserer L a n d sch a ftse n tw icklu n g m it e in e r vielfach hoch spezialisierten Flora und Fauna, d ie sich ü b e r viele J a h rh u n d e rte in ih re r typischen A rtenzusam m ensetzung e n tw ic k e lt hat. V iele A rte n dieser Biozönosen sind heute selten und in ihrem Bestand b e d ro h t. ■ „H istorisch a lte W ä ld e r" sind S ch u tzo b je kte e u ro p ä i­ schen Ranges. Sie sind in ih re r in d iv id u e lle n A usprägung n ic h t w ie d e rh e rs te llb a r. Eine entsprechende V ie lfa lt an hab ita tsp e zifisch e n A rte n s te llt sich in sekundären W äl­ dern auch nach Ja h rh u n d e rte n n ic h t ein. 2. Die T e iln e h m e r b e fü rw o rte n und u n te rs tü tz te n die Emp­ fe h lu n g e n des Europarats fü r d ie M itg lie d s ta a te n Nr. R „8 8 " 10 bezüglich des Schutzes saproxylischer Or­ ganism en und ih re r Lebensräum e sowieNr. R „8 8 " 11 üb e r historisch a lte n a tü rlic h e und halbna­ tü rlic h e W a ld b e stä n d e (verabschiedet am 13. Juni 1988). 3. „H istorisch a lte W ä ld e r" sind in ih re r je tz ig e n Flächenaus­ d e h n u n g zu e rh a lte n . N a tu rn a h e Bestände sind im Rah­ men de r M ö g lic h k e ite n d e r N aturschutz- u nd W a ld g e ­ setze rechtlich zu sichern. 4. Z ur Sicherung „h isto risch a lte r W ä ld e r" ist anzustreben: ■ B erücksichtigung „h isto risch a lte r W ä ld e r" in n a tu r­ schutzfachlichen B io to p k a rtie ru n g e n a u f allen Ebenen. EU-Ebene: In te g ra tio n in den K ata lo g d e r e u ro p a w e it natu rsch u tz­ bedeutsam en W a ld ty p e n d e r R ich tlin ie 92/43/EWG des Rates vom 21. M ai 1992 zu r E rh a ltu n g d e r n a tü rlic h e n Le­ bensräum e sow ie d e r w ild le b e n d e n Tiere un d Pflanzen

2

(F auna-Flora-H abitat[FFH ]-R ichtlinie), A n h a n g 1 „N a tü r li­ che Lebensräum e vo n G em einschaftlichem Interesse: W ä l­ der des ge m ä ß ig te n E uro p a " als p rio ritä re H a bitate. Bundes-Ebene: In te g ra tio n in d ie „G ru n d sä tze des N aturschutzes und der L andespflege" (Lübecker Grundsätze vom 6 .1 2 .1 9 9 1 ) der LANA (L ä n d e ra rb e itsg e m e insch a ft fü r N aturschutz, Land­ schaftspflege u nd E rh o lu ng ) sow ie in d ie „L e itlin ie n des N aturschutzes" des Bundesamts fü r N a tu rsch utz (vormals BFANL). Länder-Ebene: In te g ra tio n in B io to p e rfa ssu n g sp ro g ra m m e d er Länder durch L A N A -E m pfehlung und L ä n d e rfa ch b e h örden. ■ B erücksichtigung d e r B e deutung „H isto risch a lte r W ä ld e r" in den N aturschutz- und W aldgesetzen, in fo rs t­ lichen W a ld b a u p ro g ra m m e n und B e w irts c h a ftu n g svo r­ schriften: Bundes-Ebene: In te g ra tio n in L e itlin ie n d e r Län d e ra rb e itsg em einschaft F o rste in rich tu n g /W a ld b a u ; Länder-Ebene: In te g ra tio n in W a ld b a u p ro g ra m m e d e r Länder und in die fo rs tlic h e W a ld b io to p k a rtie ru n g / F o rste in rich tu n g . ■ Die w ic h tig s te n „h isto risch a lte n W ä ld e r" in Deutsch­ land sind zu r A u fn a h m e in ein europäisches N etzw erk von S chutzgebieten z.B. als E u ro p a -D ip lo m g e b ie te bzw. „N a tu ra 2000" G ebiete d e r FFH-Richtlinie auszuweisen. 5. Folgende M aß n a h m e n w e rd e n als d rin g e n d n o tw e n d ig erachtet: ■ G eeignete Z usatzm erkm ale zu bestehenden K a rtie r­ e in h e ite n und K rite rie n zu r B eschreibung d e r „historisch a lten W ä ld e r" sind zu schaffen. ■ A lle „h is to ris c h a lte n W ä ld e r" sind ka rto g ra p h isch zu erfassen. ■ K onzepte zu r Sicherung, zum Schutz u nd zu r B e w irt­ schaftung „h is to ris c h a lte r W ä ld e r" sind von den N a tu r­ schutz- und F o rstve rw a ltu n g e n d e r Länder zu e ra rb e iten . ■ Die W a ld b e h a n d lu n g sollte dem besonderen N a tu r­ sch u tzw e rt „h is to ris c h a lte r W ä ld e r" R echnung tra g e n . ■ S ta n d o rtv e rä n d e ru n g e n im Sinne e in e r N ive llie ru n g der n a tü rlic h e n sta n d ö rtlic h e n V ie lfa lt müssen u n te r­ bleiben. H ierzu sind insbesondere B o d e n b e a rb e itu n g e n und je g lich e Form der Entw ässerung zu unterlassen. ■ Forstliche B e w irts c h a ftu n g s k o n z e p te fü r historisch alte W ä ld e r müssen die E rh a ltu n g und E n tw ic k lu n g n a tu rn a ­ her W a ldgesellschaften g e w ä hrle iste n . ■ Der W e rt „h isto risch a lte r W ä ld e r" ist bei flä c h e n b e z o ­ genen Planungen v e rs tä rk t zu b e rü cksich tigen (Festle­ gun g von V o rra n g flä c h e n , B e w e rtu n g im Zusam m enhang m it der E in g riffsre g e lu n g ). ■ Für Erhalt, Pflege und B e w irts c h a ftu n g „h is to risch a lte r W ä ld e r" im P rivatbesitz sind g e e ig n e te A npassungen f i ­ na n zielle r F örderung zu e n tw ic k e ln . ■ Die Forschung im Zusam m enhang m it „h is to risch alten W ä ld e rn " ist zu fö rd e rn . Ihre Ergebnisse sind als G rund­ lage n o tw e n d ig e r B e h a n d lu n g srich tlin ie n a u fz u b e re ite n .

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Überblick zur Bedeutung des Alters von Lebensgemeinschaften, dargestellt am Beispiel „historisch alter W älder" von M onika W u lf 1. Ein leitu n g

w a ld e te Flächen u nd Flächen, die in der Z eit zwischen dem N e o lith ik u m und der Da W ä ld e r zu den n a tu rn ä ch ste n te rre ­ M itte des 18. J a h rh u n d e rts v o rü b e rg e ­ strischen Ökosystemen d e r m itte le u ro ­ hend anders g e n u tz t w u rd e n , auch brachgefallen sind u nd danach w ie d e r päischen Landschaft g e h ö re n , w e rd e n b e w a ld e t w aren. m it ihnen h ä u fig die W o rte „ w ild " o d e r W aldflächen, d ie inzw ischen o d e r „u rs p rü n g lic h " assoziiert. Besonders W aldbestä nde m it h ö h e re m T o th o lz a n ­ zw ischenzeitlich m it s ta n d o rtfre m d e n te il und sehr alten Bäum en w e rd e n als Baum arten bestanden w aren/sind, w e r­ urw üchsige W ä ld e r o d e r als „U rw ä l­ den gleichfalls h ie rz u g e z ä h lt, ebenso d e r" bezeichnet, z.B. N e u e n b u rg e r Ur­ D egradatio n sfo rm e n , w ie z.B. S tü h b ü ­ w a ld bei O ldenb u rg o d e r U rw a ld Has- sche (Abb. 1) o d e r stark v e rlic h te te Hu­ dew älder. Das K rite riu m N a tu rn ä h e ist bruch bei Hude (b eide Niedersachsen, N ordw estdeutschland). U rsprünglich ist also nicht ausschlaggebend, sondern a ber ke in e r dieser „U rw ä ld e r" , da sie allein die k o n tin u ie rlic h e Bestockung alle m ehr oder w e n ig e r sta rk vom M e n ­ über sehr lange Zeit. Peterken (1976) b e m e rk t a uß er­ schen g e n u tz t w o rd e n sind, ih r Erschei­ dem, daß w o h l auch von e in e r langen nun g sb ild m ith in ü b e r viele 100 Jahre K o n tin u itä t „ r e ife r B äum e" (N u tz ­ ve rä n d e rt w u rd e (A bb. 1). Es g ib t a lle rdin g s H inw eise, daß e in ­ holzbäum e) auszugehen ist. 2. Es sollte das ä lteste K a rte n w e rk zelne W a ldbestände seit m e h re re n 100 m it m öglichst präziser W ie d e rg a b e der Jahren im m er W ald gew esen sind, w e n n auch eine zw isch e n ze itlich e Ä n ­ W aldflächen zu H ilfe g e n o m m en w e r­ d e ru n g der B aum artenzusam m enset­ den, d. h., alte G re n zlin ie n von W ä ld e rn sollten sich e in ig e rm a ß e n z w e ife ls fre i zung n ich t auszuschließen o d e r a k tu e ll in heutige n to p o g ra p h is c h e n K arten gegeben ist. m it einem M aßstab vo n 1:25000 o d e r W ie w e it aber d ie K o n tin u itä t als kle iner re ko n stru iere n lassen. D e ra rt W a ld s ta n d o rt zu rü c k re ic h t, lä ß t sich genaue K a rte n w e rke liegen fü r g rö ­ n ur nachvollziehen, w e n n ausreichend ßere Landesteile Europas aus dem 18. genaues K a rte n m a te ria l o d e r sonstige und 19. Ja h rh u n d e rt vor. A rchivalie n vo rlie g e n . 3. Sonstige In d izie n kö n n e n n a tu r­ W ä ld e r m it sehr la n g e r Bestokk u n g s k o n tin u itä t w e rd e n im E ngli­ raum spezifische M e rkm a le w ie z.B. Erdwälle, Gräben, m ä a n d rie re n d e schen „a n c ie n t w o o d la n d s " g e n a n n t, Bachläufe, Hecken, a lte G re n zm a rkie ­ im Deutschen sollten sie als „h isto risch rungen von H errschafts- o d e r K loster­ a lte W ä ld e r" bezeichnet w e rd e n . w a ld fläche n sow ie Lesesteinhaufen sein. Auch das Fehlen von Siedlungsre­ 2. D efin itio n „h isto risc h a lte sten prähistorischer Z e ita b sch n itte bis W ä ld e r" in die heutige Z e it kann als in d ire k te r Hinweis g e w e rte t w e rd e n (Behre und W äld er a u f W a ld sta n d o rte n , d ie nach H inw eisen aus h istorischen K a rte n , Be­ Kucan 1986, Pertsch 1970). standesbeschreibungen o d e r a u fg ru n d 4. Ferner kö n n e n je w e ils re g io n a l e r­ sonstiger In d izie n m indestens s e it m e h ­ a rb e ite te floristische und faunistische reren WO Jahren k o n tin u ie rlic h e xistie­ In d ik a to ra rte n h e ra n g e zo g e n w erden, die aber in a ller Regel n u r in solchen Ge­ ren. genden ge fu n d e n w e rd e n , w o die Ent­ w a ld u n g und Iso lie ru n g d e r einzelnen E rläute rungen zu r D e fin itio n : 1. Der B e g riff „h is to ris c h a lte W äW l­ aldflächen besonders hoch ist bzw. bis in die le tzte n J a h rh u n d e rte h in e in d e r" u m fa ß t seit d e r nacheiszeitlichen W ie d e rb e w a ld u n g k o n tin u ie rlic h be­ hoch war.

Insbesondere k ö n n e n A rte n zu r Be­ u rte ilu n g herangezogen w erden, die ei­ nen hohen A ussagew ert bezü g lich de r „ö k o lo g is c h e n K o n tin u itä t" zulassen, d .h ., die „R e k o n s tru k tio n d e r h is to ri­ schen Ö k o lo g ie " e in e r Fläche zulassen. 5. Eine genaue A n g a b e d e r Zahl de r Ja h rh u n d e rte , ab w a n n ein W ald als „h isto risch a lt" zu bezeichnen ist, kann n ich t g e m a ch t w e rd e n , es s o llte n a lle r­ dings m indestens 200 Jahre sein. Im a llg e m e in e n ist es d avon a b h ä n ­ gig, ab w a n n fü r die b e tre ffe n d e Re­ g io n d ie ersten g e n auen K a rte n w e rk e v o rlie g e n . In England reichen d ie U n te r­ lagen so w e it zurück, daß P eterken und Game (1981) als „S tic h ja h r" 1600 n. Chr. angeben, w o b e i „a n c ie n t w o o d la n d s " bereits vo r 1600 n. Chr. e x istie rte n , w ä h ­ rend „re c e n t w o o d la n d s " nach 1600 n. Chr. e n tsta n d e n sind. Für B elgien geben H e rm y und Stiep e ra e re (1981) an, daß „h is to ris c h alte W ä ld e r" solche sind, d ie m indestens seit 1775 n. Chr. als W ald bestehen. 6. Der B e g riff der K o n tin u itä t ist n ich t zu eng zu fassen. Es ist durchaus denkbar, daß z e itw e ilig V e rlic h tu n g e n in den Beständen durch Ü b e rn u tz u n g a u fg e tre te n sind. Das belegen u n te r a n ­ derem a lte F o rs te in rich tu n g sw e rke . So w a r zum Beispiel das N o rd a h n e r Holz (N o rd w e std e u tsch la n d ) gegen Ende des 17. Ja h rh u n d e rts g änzlich ausge­ hauen gew esen, das h e iß t, es gab zu ­ m in d e st keine sch la g reifen Bäume m e h r (B a cke n kö h le r 1986). A llg e m e in ist fe rn e r N achstehendes zu beachten: 1. Der deutsche B e g riff „h isto risch a lt" ist eine K o m p ro m iß lö su n g , die im Laufe d e r N NA-Tagung vom 28. bis 29. 10. 1993 in S chneverdingen (N ie d e r­ sachsen) e ra rb e ite t w u rd e . Die Bezeichnung „ a lte r W a ld " o d e r „ A ltw a ld " w u rd e n ic h t g e w ä h lt, um As­ s o zia tio ne n m it dem B e g riff „ A lth o lz ­ b e sta n d " zu verm e id e n . A nders als noch bei W u lf (1992) w u rd e d e r B e g riff „a lte rtü m lic h e r W a ld " n ic h t g e w ä h lt, auch w e n n dieses eine d e r m ö g lich e n Ü b ersetzungen aus dem englischen „a n c ie n t" w äre. Im Deutschen kann das W o rt „ a lte r tü m ­ lic h " v e rw irre n d sein, u n te r a nderem w e il sich d e r d ire k te Beweis, daß W a ld ­ flä ch e n seit dem A lte rtu m k o n tin u ie r­ lich bestockt gew esen sind, w o h l kaum e rb rin g e n läßt, o b w o h l dieses sehr w a h rscheinlich ist. 3

W u lf • Ü b e rb lic k z u r B e d e u tu n g des A lte rs vo n Lebensgem einschaften, d a rg e s te llt am Beispiel „h is to ris c h a lte r W ä ld e r

Abb.

1. W a ld la n d s c h a ft s s z e n e v o n S im o n B e n n in c k , e in e m s p ä t m it t e la lt e r lic h e n , f l ä m i ­

s c h e n M a le r . D ie s e S z e n e is t d ie a m m e is t e n ü b e r z e u g e n d e , w a s d ie „ w a h r h a f t e “ D a r s t e l­ lu n g d e r d a m a lig e n W ä ld e r a n g e h t , d ie j e g e z e ic h n e t w u r d e . M a n e r k e n n t z a h lr e ic h e D e ­ ta ils w i e d e n L in d e n w a ld , in d e s s e n V o r d e r g r u n d d a s U n t e r h o lz v o rig e s J a h r g e f ä l l t w u r d e u n d u n te r s c h ie d lic h a lt e , z e r s t r e u t s t e h e n d e Ü b e r h ä lt e r v o n U lm e n u n d E ic h e n . D ie B a u m ­ s t ü m p f e w e is e n S to c k a u s s c h lä g e a u f , d ie d ie n ä c h s te U n t e r h o lz - G e n e r a t io n b ild e n . Z w i ­ s c h e n d e n B a u m s t u b b e n s in d P f la n z e n a r t e n d a r g e s t e llt , d ie f ü r S c h n e it e lw ä ld e r ty p is c h s in d , w i e z . B. B e s e n g in s te r , B r o m b e e r e , G e m e in e r W u r m f a r n u n d d ie R o t e H e c k e n k irs c h e . A u s : R a c k h a m (1 9 8 0 ) .

4

Um aber die ja h rh u n d e rte la n g e K o n tin u itä t der Bestockung ein und derselben Fläche, also insbesondere den Z e itfa k to r zu b e to n e n , w u rd e die Lösung „historisch a lt" g e w ä h lt. Das „G e g e n stü ck" zu „h isto risch a l­ te n W ä ld e rn " sind die „re c e n t w o o d la n d s", also „re z e n te , n euzeitliche, ju n g e " o d e r neugeschaffene W älder. 2. S ow ohl im Deutschen als auch im Englischen w e rd e n eine V ielzahl ver­ schiedener B e g riffe fü r „h isto risch e alte W ä ld e r" v e rw e n d e t (Tab. 1). Z um eist lä ß t sich n u r zwischen den Z eilen her­ auslesen, daß im P rinzip „h isto risch alte W ä ld e r" bzw. „a n c ie n t w o o d la n d s " ge­ m e in ts in d . Selbst in England, w o die E rfo r­ schung „h isto risch a lte r W ä ld e r" a u f eine re la tiv lange T ra d itio n zu rü c k b lik ken kann, w u rd e a n fä n g lic h der B e g riff „p rim a ry w o o d la n d " ve rw e n d e t. Seit M itte d e r 70er Jahre w u rd e n Flächen m it la n g z e itig e r B e sto ck u n g sko n tin u i­ tä t durch Rackhams Buch (1976) über „a n c ie n t w o o d s " so populär, daß sich d ie Bezeichnung seitdem e ta b lie rt h at (vgl. auch Peterken in diesem Band). Um M ißverständnissen v o rz u b e u ­ gen, w e rd e n die in Tabelle 1 a u fg e fü h r­ te n B e g riffe kurz e rlä u te rt. ■ V irg in w o o d s = U rw ä ld e r sind W ä l­ der, in denen keine d ire k te n a n th ro p o ­ genen E in g riffe s ta ttg e fu n d e n haben. ■ M e dieval w o o d s = m itte la lte rlic h e W ä ld e r sind in England W älder, die be­ reits v o r 1600 n. Chr. e xistie rte n . In an­ d eren R egionen w ird diese Bezeich­ n u n g fü r W ä ld e r g e w ä h lt, die es nach­ w e islich schon im M itte la lte r gab. ■ P rim ary w o o d la n d s = P rim ä rw ä ld e r sind Ü berreste des „o rig in a le n " , also n a tü rlic h e n Waldes. ■ W ild w o o d = u rsp rü n g lich e r W ald ist g le ic h b e d e u te n d m it dem B e g riff „ p r i­ ma ry .w o o d ". ■ O ld w o o d = A ltw a ld o d e r a lte r W ald w ird im Englischen und Deutschen sinn­ gem äß fü r „h isto risch a lte r W a ld " v e rw e n d e t. 3. In vielen Fällen kann d avon aus­ g e g a n g e n w e rd e n , daß (ehem alige) Schneitet- und H u te w ä ld e r „h isto risch a lte W ä ld e r" sind. Auch W ä ld e r a u f lehm ig -to n ig e n o d e r a n m o o rig e n Sub­ stra te n , deren „U rb a rm a c h u n g " zu schw ierig w a r/is t o d e r w e g en g e rin g e r Flächenausdehnung n ich t w irts c h a ft­ lich w a r/ist, d ü rfte n in sehr vie le n Fällen „h is to ris c h a lte W ä ld e r" sein. Eine

W u lf • Ü b e rb lic k z u r B e d e u tu ng des A lte rs von Leb en sg e m e insch a fte n , d a rg e s te llt am Beispiel „h is to ris c h a lte r W ä ld e r Tab. 1. G e g e n ü b e r s te llu n g d e r e n g lis c h e n u n d d e u ts c h e n B e g r if fe f ü r „ h is to r is c h a l t e " u n d s o n s t ig e „ u r s p r ü n g lic h e W ä ld e r "

Englisch

3. Ü b e rsich t d er B e a rb e ite rin M itte le u ro p a

Deutsch Primärwald Urwald Mittelalterlicher Wald Ursprünglicher Wald Historisch a lte r, altertümlicher Wald Altwald, alter Wald

Primary wood Virgin, primeval wood Medieval wood Wild wood Ancient wood Old wood

HARDING & R O S E 1986 M ERTON 1970 PETERKEN 1974,1976,1977, 1981 a und b, 1993 P E T E R K E N &. GAM E 1981,1984 P IG O T T 1969,1977 P O LLA R D 1973 RACKHAM 1975, 1976, 1980 R O S E 1976 R O S E & JA M E S 1974 W A TKIN S 1990

S 0 C H T IN G & C H R IST EN S EN 1989

CU-

's

...

FRO M EN T & TA N G H E 1967 H ERM Y 1989 H ERM Y & S T IE P E ­ R A E R E 1981 ROISIN & T H IL L 1952

Ü b e rp rü fu n g ist aber in a llen Fällen n o tw e n d i g .

DZWONKO 1989 DZWONKO & L O S T E R 1988, 1989, 1990

ln A b b ild u n g 2 sind le d ig lich a lle d ie je ­ nig e n A u to re n a u fg e fü h rt, die p fla n z li­ che In d ik a to re n fü r „h isto risch a lte W ä ld e r" angeben, einschließlich der K ryp to g a m e n , d. h. d e r Moose, Flechten und Pilze. Die re la tiv g roß e Zahl d e r A rb e ite n aus D eutschland sollte a lle rd in g s n ic h t d a rü b e r h in w e g tä u sch e n, daß n u r w e ­ nig e A u to re n d e ta illie rte U n te rsu ch u n ­ gen zum Them a d u rc h g e fü h rt haben. V ie lm e h r be ru h e n die A n g a b e n von A r­ te n „h is to ris c h a lte r W ä ld e r" in m e h re ­ ren P u b lik a tio n e n a u f B eoba ch tu n g e n , so daß die d o rt g e n a n n te n A rte n z u ­ nächst n u r m u tm a ß lich als Z e ig e r „ h i ­ storisch a lte r W ä ld e r" e in z u s tu fe n sind. Die gesichertsten Ergebnisse liegen fü r E ngland vor, w o b e i bereits re g io ­ nale U nterschiede e ra rb e ite t w u rd e n , d ie zum Beispiel im Buch von Rackham (1980) E ingang g e fu n d e n haben. Der g rö ß te Teil d e r in A b b ild u n g 2 g e n a n n te n A u to re n h a t vo rn e h m lic h im Flachland und in w a ld ä rm e re n Re­ g io n e n g e a rb e ite t. Die in den e n ts p re ­ chenden A rb e ite n a u fg e fü h rte n A rte n „h is to ris c h a lte r W ä ld e r" haben des­ h a lb ihre G ü ltig k e it vo re rst n u r fü r w a ld ä rm e re Flachland-R egionen. In Landschaften, in denen die E nt­ w a ld u n g nie ein solches A usm aß a n g e ­ no m m e n h a t und auß erdem re la tiv viele n a tu rn a h e W a ld flä ch e n e rh a lte n g e b lie b e n sind, d ü rfte n and e re E rgeb­ nisse zu e rw a rte n sein. Das t r i f f t g e w iß auch fü r R egionen zu, in denen ein a n ­ deres Klim a herrscht, zum Beispiel in M itte lg e b irg s la n d s c h a fte n .

4. D e rze itig e r K e n n tn issta n d 4.1 Höhere Pflanzen

D IN TER 1991 G Ö D D E e t al. 1985 JA C O B S E N 1992 K O S T 1989, 1991 LO H M EYER 1951 RASSM U S 1991 RU N G E 1959 W ITTIG 1991 W U LF 1992,1993 W U LF & KELM 199V ZACH ARIAS & BRAN D ES 1990

Die u m fa n g re ich ste n K enntnisse zu r B in d u n g von A rte n an „h is to ris c h a lte W ä ld e r" liegen fü r die h ö h e re n P flan­ zen v o r (z. B. D zw o n k o u n d Loster 1988, H e rm y un d S tieperaere 1981, P eterken 1974, 1977, 1981a u nd b sow ie 1993, A b b . 2 . Ü b e r s ic h t d e r A u t o r e n , d ie

flo r is tis c h e U n t e r ­

s u c h u n g e n z u „ h is to r is c h a lt e n W ä ld e r n " in E u r o p a d u r c h ­ g e fü h rt h a b en .

5

W u lf • Ü b e rb lic k z u r B e d e u tu n g des A lte rs vo n Lebensgem einschaften, d a rg e s te llt am Beispiel „h is to ris c h a lte r W ä ld e r'

P eterken und Game 1981 u nd 1984, Pig o t t 1969 und 1977, P o lla rd ^ 1 3 , Rackham 1976 und 1980). P eterken und Game (1981) s te llte n u n te r anderem fest, daß die Zahl ty p i­ scher W a ld p fla n z e n in neu g e sch a ffe ­ nen W ä ld e rn , w elch e von W ä ld e rn m it la n g er B e s to c k u n g s k o n tin u itä t is o lie rt sind, generell a rte n ä rm e r sind als sol­ che, die an „h isto ris c h a lte W ä ld e r" angrenzen. „N e u z e itlic h e W ä ld e r" m it A nschluß an „h isto ris c h a lte W ä ld e r" sind w ie d e ru m d e u tlic h a rte n ä rm e r als „h isto risch a lte W a ld flä c h e n ". Diese Er­ gebnisse aus England w e rd e n auch durch die B eobach tu n g e n von Lolim e ye r (1951) u n te rs tü tz t, d e r a u fg ru n d v e g e ta tio n s k u n d lic h e r U n te rsu ch u n ­ gen der E ilenriede bei H annover (N orddeutschland) zum Schluß kam, daß die arte n re ichste n Bestände je n e sind, die m indestens seit 1370 n. Chr. als W a ld bestehen. In Polen ste llte n D z w o n k o und Los te r (1988) fest, daß W a ld flä c h e n , die erst seit 140 Jahren k o n tin u ie rlic h be­ sto ckt sind, im m er a rte n ä rm e r sind als solche, die bereits lä n g ere Z e it k o n tin u ­ ierlich W a ld flä ch en sind. Sogar W eid e flä ch e n , d ie seit sehr la n g er Z eit als solche g e n u tz t w e rd e n , sind g e g e n ü b e r „jü n g e re n W e id e flä ­ ch e n " d e u tlich a rte n ä rm e r (B arber 1976, Peterken 1976). Dabei ko m m e n in „h isto risch a lte n W e id e flä c h e n " h ä u fi­ g e r seltene A rte n vor, aber auch h ä u fi­ gere A rte n haben h ie r ih re n Schwer­ p u n k t. Zum Teil fin d e n sich a u f „h is to ­ risch alten W e id e flä c h e n " P fla n ze n a r­ te n , die ansonsten typischerw eise in W ä ld e rn V orkom m en, z.B. A n e m o n e nem orosa und Listera ovata (P eterken 1976). W enn auch in den obe n z itie rte n A rb e ite n ausnahmslos La u b b a u m b e ­ stände u n te rsu ch t w o rd e n sind, so g e l­ te n die oben g e tro ffe n e n Aussagen w o h l auch fü r (n a tu rn a h e ? ) N adel­ holzbestände. P eterken (1977) b e m e rk t näm lich, daß „h isto ris c h a lte ", m a ri­ tim e P in ie n w ä ld e r d e u tlic h a rte n re i­ cher sind als „re z e n te ", g e p fla n z te Be­ stände. A lle bisher gem a ch te n Aussagen tr e ffe n in der Regel n u r zu, w e n n man d ie Zahl typischer W a ld p fla n z e n , von d enen ein G roß teil durch Am eisen ve r­ b re ite t w ird , m ite in a n d e r v e rg le ic h t. Sie w e rd e n durch die von H e rm y (1989) e rz ie lte n Ergebnisse g e s tü tz t, d e r eine 6

Tab. 2 . L is te d e r P f la n z e n a r t e n , d ie a ls Z e ig e r „ h is to r is c h a l t e r W ä ld e r " g e lt e n

Lateinischer Artname

Deutscher Artname

Adoxa moschatellina Anemone nemorosa Campanula trachelium Carex laevigata Carex pallescens Carex pendula Carex remota Carex strigosa Carex sylvatica Chrysosplenium alternifol. Chrysosplenium oppositif. Circaea lutetiana Conopodium majus Convallaha majalis Festuca gigantea Galium odoratum Geum rivale Hyacinthoides non-scripta Hypericum hirsutum Lamiastrum galeobdolon Lathyrus montanus Luzula pilosa Luzula sylvatica Lysimachia nemorum Lysimachia vulgaris Maianthemum bifolium Melampyrum pratense Mélica nutans Mélica uniflora Mercurialis perennis Milium effusum Neottia nidus-avis Orchis mascula Oxalis acetosella Paris quadrifolia Platanthera chlorantha Polygonatum multiflorum Primula elatior Primula vulgaris Ranunculus auricomus Ranunculus ficaria Sanícula europaea Stachys sylvatica Stellaria holostea Veronica montana Veronica officinalis Viola reichenbachiana

B,C,F Moschuskraut X Buschwindröschen B.D.E.F.G.H.K.M.C W Nesselbl. Glockenblume F.H.O W Glatte Segge F,0 Bleiche Segge G f .h .k .o W Hängende Segge F.H.K.O W Entferntährige Segge B,E,F,H,K,0* W F,H,M,0 Schlanke Segge E,K W Wald-Segge A.F.H W Wechselbl. Milzkraut Q in W A.E.F Gegenblätt. Milzkraut W Hexenkraut B,C Gr. Franzos. Erdkastanie F.K.O* G Maiglöckchen X F.H.K.L.M.O, W Riesenschwingel B.C Waldmeister W A,F,H,K,0 Bach-Nelkenwurz F,K,0* G Gern. Hasenglöckchen K,M,0* W H Behaartes Johanniskraut F,K,0 W Goldnessel B.C.E.F.H.K.O W Berg-Platterbse F.H.O Behaarte Hainsimse B,F.H.K.O X W Wald-Hainsimse F.H.K.O Hain-Gilbweiderich W F,H,K,0,R* Gewöhnl. Gilbweiderich H.K X Schattenblümchen B,F,I X Wiesen-Wachtelweizen F.H.L.O W W Nickendes Perlgras B,C,S W Einblütiges Perlgras A.F.H,K.O Bingelkraut I.K.M.N.O* W w Wald-Flattergras B.C.F.H.K.M.O Nestwurz w F,H,K,0* X Kuckucks-Knabenkraut F.K.O* X Sauerklee B,F.H.K.O W Einbeere E.F.H.K.M.O Grünliche Waldhyazinthe F.H.K.O G B,D,M W Vielblütige Weißwurz X Hohe Schlüsselblume D.E.M.O W Stengell. Schlüsselblume E,F,K,M e ,f ,k X Gold-Hahnenfuß E,P X Scharbockskraut W Sanikel, Heildolde E,F,K B.E.P W Wald-Ziest D,K W Große Sternmiere F.K.R* W Berg-Ehrenpreis B,K W Wald-Ehrenpreis Reichenbachs Veilchen B.C.F.K W

Autoren

A: DINTER 1991 (vermutet) 4. Spalte: B: DZWONKO 1989 C: DZWONKO & LOSTER 1988 G = Grünland H = Hochstauden D: GÖDDE et al. 1985 E: HERMY & STIEPERAERE 1981 Q = Quellen W = Wälder F: PETERKEN 1974 x = unbestimmt G:PETERKEN 1981a H: PETERKEN 1993 I: PETERKEN & GAME 1981 K: PETERKEN & GAME 1984 L: PIGOTT 1969 M: PIGOTT 1977 N: POLLARD 1973 0: RACKHAM 1980 (O* = mäßige Bindung an histor. alte W.) P: ROISIN & THILL 1952 R: RUNGE 1959 (R* = vermutet)

"Soz. Stellung" W

W u lf - Ü b e rb lick z u r B e d e u tu n g des A lte rs von Leben sg e m e insch a fte n , d a rg e s te llt am Beispiel „h is to ris c h a lte r W ä ld e r

besonders enge K o rre la tio n zwischen der Zahl de r A u fn a h m e n von „h is to ­ risch a lte n W a ld flä c h e n " und d e r Zahl m yrm e ko ch o re r P fla n ze n a rte n fa n d . H insichtlich der G esam tartenzahlen spielen h in g eg e n eine Reihe von F akto­ ren eine w e sentlich e Rolle. So s te llte n D zw o n ko und Loster (1988) fest, daß die A rte n z a h l m it d e r H a b ita tv ie lfa lt, der G estalt des W aldes, dem Isolie­ ru n g sze itp u n kt, d e r Isolierungsdauer und den D eckungsanteilen d e r Baum ­ und Strauchschichten eng k o rre lie rt sind (vgl. auch W u lf 1993), w o ra u f aber an dieser Stelle n ic h t im e in ze ln e n e in ­ gegangen w e rd e n soll. Interessanter ist im Z usam m enhang m it W ä ld e rn sehr la n g er Bestockungs­ k o n tin u itä t, daß P eterken (1993) g le i­ cherm aßen eine Zunahm e d e r Gesam t­ a rte n za h le n in „h isto risch a lte n W ä l­ d e rn " als auch in „re z e n te n W ä ld e rn " fa n d , sofern die G rößen e tw a zw ischen 3 und 10 ha betra g e n . O b e rh a lb von 10 ha sind „histo risch a lte W ä ld e r" g e n e ­ rell a rte n re ic h e r als „re z e n te W ä ld e r", w ä h re n d „n e u z e itlic h e W ä ld e r" u n te r­ halb von 3 ha Größe a rte n re ic h e r sind als W a ld flä ch en m it la n g z e itig e r Be­ s to c k u n g k o n tin u itä t. Letzteres lie g t daran, daß selbst die kleinsten „jü n g e ­ ren W ä ld e r" ein n ic h t reduzierbares M i­ n im u m von 10 bis 20 A rte n aufw eisen (P eterken 1993), te ilw e is e sogar bis zu 30 A rte n (P eterken und Game 1984). P eterken (1993) k o n n te feststellen, daß das M in im u m an A rte n in n e uge­ schaffenen W ä ld e rn in n e rh a lb von 100 Jahren rasch a u fg e b a u t w ird , danach aber zunächst kein w e ite re r A nstie g in de r G esam tartenzahl zu beoba ch te n ist (vgl. auch Scanlan 1981). Dabei besie­ deln vo r allem lich tlie b e n d e , meist durch W in d v e rb re ite te A rte n die „ ju n ­ gen W ä ld e r" als erstes (vgl. Tab. 4), w ä h re n d typische W a ld p fla n z e n u n a b ­ h ä n g ig von der W a ld g rö ß e lange a u f sich w a rte n lassen (P eterken und Game 1981). Rackham (1975) k o n n te in einem Fall nachweisen, daß M e rc u ria lis p e re n nis 150 Jahre g e b ra u c h t hat, um in e inen neugeschaffenen W ald e in zu ­ w a n d e rn , o b w o h l dieser d ire k t an e i­ nen „h istorisch a lte n W a ld " a n g re n zt. P eterken und Game (1981) geben e b e n fa lls ein Beispiel fü r das B ingel­ k ra u t an, w o die A rt nach 150 Jahren in e in e neu a n g e le g te Hecke erst zu einem g e rin g e n Teil e in g e d ru n g e n ist.

Tab. 3 . L is te d e r P f la n z e n a r t e n , d ie a ls Z e ig e r „ r e z e n t e r W ä ld e r " g e lt e n

Lateinischer Artname

Deutscher Artname

Aegopodium podagraria Alliaria petiolata Anthriscus sylvestris Arctium minus Arrhenaterum elatius Avenella flexuosa Blechnum spicant Brachypodium sylvaticum Bryonia dioica Calluna vulgaris Cirsium vulgare Dactylis glomerata Dryopteris dilatata Epilobium angustifolium Galanthus nivalis Galeopsis tetrahit Galium aparine Galium harcynicum Geranium robertianum Geum urbanum Glechoma hederacea Heracleum sphondylium Lamium album Lychnis flos-cuculi Lysimachia nummularia Molinia caerulea Myosotis arvensis Poa trivialis Primula veris Ranunculus repens Ribes rubrum Rubus idaeus Rumex acetosella Rumex obtusifolius Rumex sanguineus Scrophularia auriculata Silene dioica Solanum dulcamara Stellaria media Teucrium scorodonia Torilis japónica Urtica dioica Veronica chamaedrys Veronica hederifolia Viola odorata

Gewöhnlicher Giersch Knoblauchrauke Wiesen-Kerbel Kleine Klette Glatthafer Drahtschmiele Wald-Rippenfam Wald-Zwenke Zweihäusige Zaunrübe Gemeine Besenheide Gemeine Kratzdistel Knäuelgras Breiter Wurmfarn Schmalbl. Weidenröschen Schneeglöckchen Gemeiner Hohlzahn Kletten-Labkraut Harzer Labkraut Stinkender Storchschnabel Echte Nelkenwurz Gundermann, Gundelrebe Wiesen-Bärenklau Weiße Taubnessel Kuckucks-Lichtnelke Pfennigkraut Pfeifengras Acker-Vergi ßmeinnicht Gewöhnliches Rispengras Wiesen-Schlüsselblu me Kriechender Hahnenfuß Rote Johannisbeere Himbeere Sauerampfer Stumpfblättriger Ampfer Hain-Ampfer Wasser-Braunwurz Rote Lichtnelke Bittersüßer Nachtschatten Vogelmiere Salbei-Gamander Gemeiner Klettenkerbel Brennessel Gamander-Ehrenpreis Efeublättriger Ehrenpreis März-Veilchen

A: HERMY& STIEPERAERE 1981 B:PETERKEN 1974 C: PETERKEN 1976 D: PETERKEN & GAME 1984

Auch in n e u a n g e le g te n städtischen Parkanlagen fin d e t n u r eine g e rin g e und sehr langsame N eubesiedlung von W a ld pflanze n sta tt. Ä lte re P arkanla­ gen sind deshalb reicher an typischen

Autoren

"Soz. Stellung”

D D B,D D D D D B D D D D B D D D B,D D D C.D A,C D D A A D D B,C D D A D D D D D D D D D D D D D D

N N G N G X X

W N G N X X

H W X

N G N W N G N G X X

N G X X

W X X

N W N X X

N W N N X

N N

4.Spalte: G = Grünland H = Hochstauden N = stickstoffreiche Krautfluren W = Wälder x = unbestimmt P lanzenarten von W ä ld e rn , w ie z.B. Anem one ne m o rosa, P o ly g o n a tu m m u ltiflo ru m und S tellaria holostea, w ie G ö d d e e ta l. (1985) zeigen k o n n te n . W elche A rte n g e h ö re n n un zu de7

W u lf • Ü b e rb lic k z u r B e d e u tu n g des A lte rs vo n Lebensgem einschaften, d a rg e s te llt am Beispiel „h is to ris c h a lte r W ä ld e r"

nen, deren V orkom m e n ausschließlich o d e r ü b e rw ie g e n d in „h isto risch a lte n W ä ld e rn " liegen? V or de r B e a n tw o rtu n g dieser Frage m uß a n g e m e rk t w erd e n , daß bei e in ­ zelnen in Tabelle 2 a u fg e fü h rte n A rte n re g io n a le A b w e ich u n g e n a u ftre te n k ö n n e n . Diese hängen zum einen d a ­ vo n ab, w a s fü rW ä ld e r o d e r w a ld ä h n li­ che F orm a tio n e n (z. B. Hecken) a u f w e l­ chen S ta ndorten seit m ehreren 100 Jah­ ren ü b e rle b t haben. Zum an d e re n h ä n ­ gen sie davon ab, w elche ö ko lo gisch e n A nsprüche eine A rt h a t und in w ie w e it diese in einem K lim a g e fä lle o d e r auch bei verschiedenen L a n d n u tz u n g s fo r­ m en w echseln können. In Tabelle 2 sind deshalb n u r d ie je n i­ gen P flanzenarten a u fg e fü h rt, fü r die m indestens zw ei verschiedene A u to re n angeben, daß sie a u f je d e n Fall ü b e r­ w ie g e n d in „historisch a lte n W ä ld e rn " V orkom m en. Die „so zio lo g isch e Stel­ lu n g " w u rd e nach A n g a b e n vo n E llen­ b e rg e t al. (1989) e rm itte lt, w o b e i in den Tabellen 2 und 3 n u r d ie F o rm a tio ­ nen angegeben sind. Die N o m e n k la tu r d e r P fla n ze n a rte n ric h te t sich nach Schmeil und Fitschen (1982). Von insgesam t 47 A rte n g e h ö re n 31, also 66 %, ih re r soziologischen S tellung nach zu den W a ld p fla n z e n . Da n u r w e n ig e In d ik a to ra rte n fü r „re z e n te W ä ld e r" in der L ite ra tu r zu fin d e n sind, w u rd e n alle v e rfü g b a re n A n g a b e n in Tabelle 3 v e rw e rte t. Bei den A rte n „re z e n te r W ä ld e r" ist das V e rh ä ltn is W a ld p fla n z e n zu N ichtW a ld p fla n z e n ganz anders; n u r 6 (= 13,3 %) von insgesam t 45 A rte n sind ty ­ pische W a ld p fla n ze n . A u ffa lle n d ist die h oh e Zahl von 17 P flan ze n a rte n (= 37,8 %), die ihren S ch w e rp un kt in stick­ s to ffre ic h e n K ra u tflu re n haben. Auch d e r A n te il von P flanzenarten, d ie an kein e b e stim m te F o rm a tio n g e b u n d e n sind, ist re ch t hoch, w ie die nachste­ hende Ü bersicht zeig t:

G rünland H ochstauden S tickstoffreiche K ra u tflä ch e Q uellen W ä ld e r u n b e s tim m t

8

4.1.1 Erklärungsansätze fü r die B indung von P flanzenarten an „historisch a lte W ä ld e r" H e rm y und Stieperaere (1981) fa n d e n A rte n „historisch a lte r W ä ld e r" vo r a l­ lem a u f le h m ig e n /to n ig e n und fe u ch ten/nassen Böden. Die A u to re n m u tm a ­ ßen daher, daß diese S tandorte ein bes­ seres A b p u ffe ru n g sve rm ö g e n g e g e n ­ ü b e r menschlichen E in g riffe n im V e r­ gleich zu sandigeren und tro cke n e re n Böden haben und d a m it das Ü berleben b e s tim m te r Pflanzenarten g e w ä h rle i­ s te t w a r. Daraus w ü rd e sich schließen lassen, daß v o r allem a n th ro p o g e n e Einflüsse ü b e r V o rko m m e n bzw . N ic h t-V o rk o m ­ m en von In d ika to re n „historisch a lte r W ä ld e r" entscheiden. Das g ilt sicher fü r E inzelfälle, w ie e$ z. B. B ru n e t (1993) fü r die in Süd-Schwe­ den seltenen W aldgräser Bromus benek e n ii und ramosus, Festuca altissim a so­ w ie H ordelym us europaeus a n n im m t. A lle vie r Grasarten fa n d B ru n e t (1993) v o rn e h m lich in B uchenw äldern (H och­ w ä ld e r), o ffe n b a r w e il diese zu den am w e n ig s te n intensiv g e n u tz te n W ä ld e rn im U ntersuchungsgebiet gehören. A l­ lerdings kom m en die vie r Grasarten auch in anderen Regionen Europas in H o ch w ä ld e rn vor, so daß K o n k u rre n z ­ v o rte ile bezüglich Licht g e g e n ü b e r an ­ deren A rte n eine w esentlichere Rolle spielen k ö n n te n als die d ire k te W irk u n g d e r B ew irtschaftung. Peterken und Game (1984) b e m e r­ ken ebenfalls, daß viele A rte n m it feuchten/nassen S tandorten assoziiert sind, w eisen aber andererseits d a ra u f hin, daß auch W a ld p fla nze n m it w e ite r ö ko lo gisch e r A m p litu d e b e vo rzu g t in „h isto risch alten W ä ld e rn " V orkom ­ m en, w ie z. B. A n e m o n e nem orosa. Das Buschwindröschen z e ig t zudem keine P räferenz fü r W ä ld e r m it ein e r be­ stim m te n B e w irtsch a ftu n g sfo rm , son­ d ern k o m m t in N ieder- und H ochw äl-

Tab. 2 a b so lu t

Tab. 2 in %

Tab. 3 absolut

Tab. 3 in %

4x 1X 0x 1X 31 x 10 x

8,5 2,2 0,0 2,2 66,0 21,1

7x 1X 17 x 0x 6x 14 x

15,6 2,2 37,8 0.0 13,3 31,1

d e m gle ich e rm a ß e n v o r (P eterken 1981a). A u f die B e d e u tu n g der F e u ch tig ke it fü r das V o rk o m m e n von Pflanzen in „h isto risch a lte n W ä ld e rn " haben auch andere A u to re n hin g ew ie sen. W e il die A rte n „h isto risch a lte r W ä ld e r" g ro ß e n ­ te ils m o n ta n e o d e r doch schwach m o n ­ ta n e E lem ente sind, n im m t z. B. Runge (1959) an, daß sich diese aus einer Z eit m it „m o n ta n e re m ", also etw as kü h le ­ rem und fe u c h te re m Klim a, bis zum h e u tig e n Tag h e rü b e rg e re tte t haben. Ein V e rgleich d e r m ittle re n Z eiger­ w e rte nach E lle n b e rg e t al. (1989) zeigt, daß h in sich tlich d e r Feuchtezahlen „ h i­ storisch a lte W ä ld e r" g e g e n ü b e r„ju n gen W ä ld e rn " n ic h t d e u tlich höhere W e rte aufw eisen. A lle rd in g s b e z ie h t sich die Feuchte­ zahl a u f die B o d e n fe u c h tig k e it, w ä h ­ rend fü r W a ld a rte n d ie re la tiv zum O f­ fe n la n d h öhere L u ftfe u c h tig k e it du rch ­ aus b e d e u te n d e r sein kann, was zu u n ­ tersuchen w äre. Bei d e r B asenversorgung bzw . der m ittle re n R eaktionszahl t r i t t nu r einm al ein g ro ß e r U nterschied auf, näm lich zwischen d e r ersten u nd le tz te n Spalte in T abelle 4. Im ü b rig e n z e ig t sich die Tendenz, daß in „h is to ris c h a lte n W ä l­ d e rn " m e h r Basenzeiger V orkom m en als in „re z e n te n W ä ld e rn ". W ahrschein­ lich w u rd e n „h is to ris c h a lte W ä ld e r" vo rn e h m lic h a u f basenreichen S tandor­ te n u n te rsu ch t bzw . sind zum ü b e rw ie ­ genden Teil a u f diesen Böden e rh a lte n g e b lie b e n . Der hohe W e rt in d e r ersten Spalte von Tabelle 4 ist d a ra u f z u rü c k z u fü h ­ ren, daß W u lf und K eim (1994, B eitrag in diesem Band) v o r a lle m basenreiche F e u ch tw ä ld e r un te rs u c h t haben. D e u tlich ist a lle rd in g s der größ ere A n te il s c h a tte n to le ra n te r A rte n und d e r g e rin g e re A n te il vo n S ticksto ffze i­ gern in „h isto risch a lte n W ä ld e rn ", w ä h re n d in „ju n g e n W ä ld e rn " d e u tlich m e h r lic h tlie b e n d e u nd S tickstoff zei­ gende P flanzen V orkom m en (Tab. 4). Das w e is t a u f den o ffe n b a re n Zu­ sam m enhang zw ischen v e rm e h rte r Lichtm enge, die zum Boden g e la ng t, und d e r d a m it ve rb u n d e n e n stärkeren S ticksto ffu m se tzu n g hin, w o b e i zu ü b e rp rü fe n b le ib t, ob d ie Baum- und S trauchschicht in „re z e n te n W ä ld e rn " tatsächlich lic h te r ist als in „historisch a lte n W ä ld e rn ". Feuchte o d e r nasse, lehm ige bis

W u lf • Ü b e rb lic k z u r B e d e u tu ng des A lte rs von Leben sg e m e insch a fte n , d a rg e s te llt am Beispiel „h is to ris c h a lte r W ä ld e r Tab. 4 . V e r g le ic h d e r m it t le r e n Z e i g e r w e r t e v o n In d ik a t o r p f la n z e n „ h is to r is c h a l t e r W ä ld e r " u n d „ r e z e n t e r W ä ld e r "

"Historisch alt" *)

"Historisch alt" **)

"Historisch alt" ***)

"Rezent"

Licht Temperatur Kontinentalität Feuchtigkeit Reaktion Stickstoff

4,2 5,0 3,4 5,9 6,6 5,7

3,8 5,3 3,3 5,6 6,1 5,8

5,2 5,2 3,2 6,0 6,0 5,3

6,2 5,5 3,0 5,6 5,6 6,4

G eophyten M yrm ekochore

41% 22%

36% 24%

22% 22%

9% 14%

G eophyten unc M yrm ekochore

63%

60%

44%

23%

*«*#^

*) WULF & KELM 1994 (Beitrag in diesem Heft): 37 Arten **) ZACHARIAS & BRANDES 1990: 50 Arten, die zu mindestens 50 % in großen W äldern Vorkommen, die "histor. alt" sind ***) PETERKEN & GAME 1984: 59 Arten peterken & GAME 1984: 43 Arten to n ig e Böden w a re n fü r eine la n d w irt­ schaftliche ode r sonstige in tensive N u t­ zung zum eist u n g e e ig n e t, und deshalb haben die fü r diese S ta n d o rte typischen W aldgesellschaften, vo r allem d ie Eichen-H ainbuchenw älder, in Polen e n t­ sprechend die Linden -H a in b u ch e n w älder, Ja h rh u n d e rte ü b e rd a u e rt (D/'nte r 1991, D z w o n ko und Loster 1988). A b e r auch W ald g e sellsch a fte n a u f saureren und tro c k e n e re n Böden, die aus la n d w irts c h a ftlic h e r Sicht G renzer­ tra g s sta n d o rte darste lle n , d ü rfte n über viele 100 Jahre k o n tin u ie rlic h bestockt gewesen sein, z. B. Bestände des FagoQ uercetum (Buchen-E ichenw ald) bzw. Descham psio-Fagetum (D rahtschm ielen-B uchenw ald, D in te r 1991). Es liegen aber fü r solche W aldgesellschaften keine U ntersuchungen vor, m ö g lic h e r­ weise w e il ihre A rte n a rm u t n u r spärli­ che Ergebnisse e rw a rte n lä ß t und diese W ä ld e r deshalb fü r w issenschaftliche U ntersuchungen u n a ttra k tiv erschei­ nen. Es soll aber noch a u f d ie Beobach­ tu n g von P eterken und Game (1981) aufm erksam gem a ch t w e rd e n , die dem F aktor „Z e it" in einem Fall m e h r Bedeu­ tu n g fü r das V o rko m m e n d e r A rt z u b il­ lig t als den ökolo gisch e n A nsprüchen. O b w o h l M e rc u ria lis p e re n n is in Eng­ land in der Regel b e v o rz u g t a u f k a lk re i­ chen und fe u ch te n , im O b e rb o d e n aber g u t d u rc h lü fte te n S ta n d o rte n v o r­

kom m t, w u rd e es in Lincolnshire h ä u fi­ ger a u f sauren Lehm- und Sandböden gefunden, w eil eben a u f diesen Stand­ o rte n die meisten „h is to ris c h a lte n W ä ld e r" stocken. In anderen R egionen Englands h a t das B in g e lk ra u t v o r allem in „h isto risch a lten Hecken" ü b e rle b t (Rackham 1980), w obei diese vie lfa ch R elikte ehe­ mals g ro ß flä c h ig e r W ä ld e r d a rste lle n (P ig o tt 1977, P o lla rd 1973), w ie auch die bis heute e rh a lte n g e b lie b e n e n „h is to ­ risch alten W ä ld e r" (P eterken 1981a). Insofern d ü rfe n auch die a k tu e lle n P flanzenvorkom m en als R elikte ehe­ mals w e ite r v e rb re ite te r P o p u la tio n e n g e lte n (D in te r 1991, P eterken 1981a), die u n te r U m ständen z e itw e ilig ve rä n ­ d erte B edingungen to le rie rt haben, w ie es u n te r anderem auch H e rm y und Stieperaere (1981) und Rackham (1980) annehm en. Das w ü rd e zum indestens erklären, w a ru m e in ze ln e W a ld a rte n ebenfalls in Hecken, Feuchtw iesen und e n tla n g von G räben ü b e rd a u e rn k ö n ­ nen, solange diese le d ig lic h extensiv ge­ n u tz t w erden und d ie A rte n n ic h t ü b e r­ m äßig gefressen, g e p flü c k t o d e r ge ­ m ä h t w erden. A u ffa lle n d ist, daß in so fe rn eine re­ lative S ta n d o rtko n sta n z in Hecken, Feuchtwiesen und an G ra b e n rä n d e rn im Vergleich zu W ä ld e rn g e g eben ist, da alle B iotope m indestens h albschat­ tig und fe u c h t sind, was das V o rk o m ­

men von W a ld p fla n z e n fö r d e r t (P eter­ ken 1993). Eine e n tsprechende V e rn e tz u n g sol­ cher B io to p e d ü rfte d a h e r auch die Ein­ w a n derungschancen von A rte n „h is to ­ risch a lte r W ä ld e r" in n eugeschaffene W a ld flä c h e n u n te rs tü tz e n . Daraus kann a b g e le ite t w e rd e n , daß in Landschaften m it g e rin g e m W a ld a n te il u nd vie le n is o lie rt lie g e n ­ den W a ld flä ch e n , also e in e m re ch t „ o f ­ fe n e n L a n d n u tzu n g ssystem ", die In d i­ k a to rfu n k tio n vo n A rte n f ü r „h isto risch a lte W ä ld e r" besonders a u sg e p rä g t ist (P o lla rd 1973). Tatsächlich t r i t t d e r Ef­ fe k t d e r engen B in d u n g von P flanzen­ a rte n an „h is to ris c h a lte W ä ld e r" in w a ld re ic h e re n G egenden, z.B. F rank­ reich (ru n d 25 %) u nd Tschechoslow akei (rund 35 %) u n d e u tlic h e r o d e r n ic h t zu ­ ta g e (P eterken 1977). U ntersu ch u n g e n in England haben g e ze igt, daß v o r a lle m eine W ie d e rv e r­ n e tz u n g von W ä ld e rn e n tla n g e h e m a li­ g e r V e rn e tz u n g s s tru k tu re n , w ie z.B. Hecken, m ä a n d rie re n d e Fließgewässer, die Chancen zu r A u s b re itu n g von ty p i­ schen W a ld a rte n am besten e rh ö h e n (P eterken m dl. am 29. 10.1993, V o rtra g N NA-Tagung). Das le u c h te t insofern ein, da viele W a ld p fla n z e n n u r ü b e r u n ­ zu re ich e n d e o d e r k e in e rle i Fernver­ b re itu n g sstra te g ie n v e rfü g e n (D zw onko und Loster 1988, H e rm y 1989, P eterken 1974). Bei typischen P flanzen d e r W ä l­ d e r e rfo lg t d ie A u s b re itu n g in d e r Regel v e g e ta tiv o d e r ü b e r N a h v e rb re itu n g „S c h ritt-fü rS c h ritt", so daß ein la n g ­ dauerndes zusam m enhängendes N etz von B io to p e n e rfo rd e rlic h ist, d a m it sich die A rte n ü b e r m ö g lic h st g ro ß e n Raum au sb re ite n kö n n e n . Tabelle 4 z e ig t denn auch klar, daß d ie Zahl d e r Geop h yte n (in d e r Regel S e lb stve rb re itu n g ) und d e r M yrm e k o c h o re n (V e rb re itu n g m itte ls A m eisen) in „h isto risch a lte n W ä ld e rn " d e u tlic h h ö h e r ist als in „n e u z e itlic h e n " W ä ld e rn . P eterken (1981 a) n im m t deshalb an, daß sich z. B. A n e m o n e nem orosa in den einst g rö ß e re n u nd geschlosseneren W a ld flä c h e n nach u nd nach h a t aus­ b re ite n kö n n e n und a lle h e u tig e n V o r­ kom m en R elikte e in e r ehem als g rö ß e ­ ren und v e rb re ite te re n P o p u la tio n sind (vgl. auch W u lf 1992 u n d 1993). Je eher deshalb d ie Isolierung von W a ld flä c h e n s ta ttg e fu n d e n hat, desto w e n ig e r Z e it b lie b den W a ld a rte n , ih r p o te n tie lle s A real v o llk o m m e n auszu­ 9

W u lf • Ü b e rb lic k z u r B e d e u tu n g des A lte rs vo n Lebensgem einschaften, d a rg e s te llt am Beispiel „h is to ris c h a lte r W ä ld e r

fü lle n . Länger iso lie rte W ä ld e r sind d a ­ her ä rm e r an A rte n , die m yrm e ko ch o r v e rb re ite t w e rd e n (D zw o n k o und Lo­ ste r 1988). In diesem Zusam m enhang sei d a r­ a u f h ingew iesen, daß in d e r L ite ra tu r z w a r h ä u fig die A n g a b e „A m e is e n v e r­ b re itu n g " g e m a ch t w ird , tro tz d e m a b e r auch F ernverbreitungsm echanis­ m en w irk e n müssen, die bisher n ic h t be­ k a n n t bzw. u n te rsu ch t sind. Peterken un d Game (1981) kö n n e n zu m in d e st in ih re m U n te rsuch un g sg e b ie t F un d o rte von M e rcu ria lis p e re n n is nach solchen unterscheiden, d ie w o h l durch N ahver­ b re itu n g e rre ic h t w u rd e n , und solchen, d ie o ffe n b a r n u r üb e r F e rn ve rb re itun g e rre ich b a r w a re n . Bei den m eisten W a ld p fla n z e n d ü rfte eine F e rn ve rb re itu n g ü b e r W in d fa s t ausgeschlossen sein. Eher d e n k b a r w ä re die V e rb re itu n g ü b e r das W ild , in ­ dem z. B. Samen zusam m en m it Erde im Fell h a fte n b le ib e n und die Samen da ­ nach an einen g ü n stig e n S ta n d o rt ge ­ langen. A u ß e rd e m m uß anschließend g e w ä h rle is te t sein, daß die W itte ru n g bei K e im b e g in n so v e rlä u ft, daß der K e im lin g bzw. die Ju n g p fla n ze ü b e r­ le b t. Die S terberate von K e im lin g e n und Ju n g p fla n ze n ist bei W a ld p fla n z e n näm lich m eist a u ß e ro rd e n tlic h hoch (Falinska 1979, In g h e und Tamm 1985). M an kann sich a u fg ru n d dieser Ü b e rle g u n g e n vorste lle n , daß eine sol­ che V ie lza hl g ü n s tig e r U m stände n u r sehr selten Z usam m e n tre ffe n , die Ausbzw . V e rb re itu n g ü b e r einen groß en Raum so m it sehr lange Z e it in A nspruch n im m t. 4.1.2 G ründe fü r das A u ftre te n von A rte n „h isto ris c h a lte r W ä ld e r" in „re z e n te n W ä ld e rn " Nach P eterken (1993) und Peterken und Game (1981) kön n e n fo lg e n d e Ursa­ chen z u tre ffe n , die das V o rko m m e n von P flanze narten „h isto risch a lte r W ä ld e r" in „re z e n te n W ä ld e rn " e rk lä ­ ren: 1. Die „re z e n te W a ld flä c h e " g re n z t d ire k t an einen „h isto risch a lte n W a ld " o d e r sie w a r durch eine W a ld re lik tHecke (P o lla rd 1973) m it einem „h is to ­ risch a lte n W a ld " zum Z e itp u n k t der N eusch affung des „jü n g e re n W aldes" ve rb u n d e n . 2. Die „re z e n te W a ld flä c h e " ist ü ber ein Fließgewässer m it einem „h isto risch 10

a lte n W a ld " verbunden. Sofern am Fließgewässerrand ähnliche B e d in g u n ­ gen w ie im W ald herrschen, d .h . H alb­ schatten und ausreichende (L u ft-) F e u ch tig ke it, w erden W a ld p fla n z e n b e g ü n stig t. 3. Die „re z e n te W a ld flä c h e " w u rd e neben o d e r quer zu einer a lte n G em ein­ de g re n ze angelegt, die als „h isto risch a lte r" heckenbewachsener E rdw all noch e rke n n b a r ist. Som it existieren Re­ fu g ie n von A rte n „historisch a lte r W ä ld e r" ganz in der Nähe der n e u g e ­ schaffenen W aldfläche. 4. Der „re z e n te W a ld " bedeckt eine re ch t gro ß e Fläche (m indestens 2 ha), so daß d ie W ahrscheinlichkeit g rö ß e r ist, daß ein „b re ite re s A n g e b o t" v o rh e rig e r L a n d n u tzu n g e n abgedeckt w ird bzw. eine g rö ß e re Zahl von Hecken b e rü h rt w e rd e n , in denen W a ld p fla n ze n ü b e r­ d a u e rt haben. 5. Die „re z e n te W a ld flä c h e " ist vo r m e h r als 100 Jahren a n g e le g t w o rd e n , so daß den W a ld p fla nze n ein e n tsp re ­ chend lä n g e re rZ e itra u m zur E inw ande­ ru n g zu r V e rfü g u n g stand. 6. W a ld p fla n ze n w u rd e n durch A n ­ salbung in die rezente W a ldfläche e in ­ g e b ra c h t (z. B. G artenabfälle). 4.2

Niedere Pflanzen

W esentlich h ä u fig e r als bei den h ö h e ­ ren P flanzen w ird in der L ite ra tu r h e r­ vo rg e h o b e n , daß die la n g zeitig e ö k o lo ­ gische K o n tin u itä t fü r das V o rko m m e n von A rte n „historisch a lte r W ä ld e r" ausschlaggebend ist. Es w ird fe rn e r im ­ m er w ie d e r der Hinweis gegeben, daß es sich um m ontane A rte n ha n d e lt, die an (halb-)schattige und (lu ft-)fe u c h te S ta n d o rte gebunden sind und als K ü h ­ le z e ig e rg e lte n . 4.2.1 M oose So e rw ä h n t Rassmus (1991) fü r einen „P rim ä rw a ld re s t" in Schleswig-Holstein A n titric h a cu rtip e n d u la als In d ik a to r „h is to risc h a lte r W ä ld e r", das a u f Tauund N ebelfeuchte angewiesen ist. Ansonsten ist die A ngabe von M oos­ a rte n als Zeiger „historisch a lte r W ä l­ d e r" re ch t spärlich. H erm y und Stieperaere (1981) geben noch Fissidens ta xifo liu s u nd Tham nium alopecurum an. Nach eigenen B eobachtungen k ö n ­ nen im w a ld a rm e n Flachland v e rm u t­ lich auß erdem fo lg e n d e A rte n als In d i­

ka to re n fü r W ä ld e r m it sehr la n g e r Be­ s to c k u n g s k o n tin u itä t g e lte n : Calypogeia m u e lle ria n a, Chiloscyp hus pallescens, C irrip h y llu m p ilife ru m , E urhynchium Striatum , F rullania tam ariscii, P lagiochila asplenioides, P lagiom n iu m u n d u la tu m , R h izo m n ium p u n c ta tu m und T huidium tam ariscinum . 4.2.2 Flechten Für die G ruppe der Flechten h a t Rose bereits 1976 einen „in d e x o f age and e n v iro n m e n ta l c o n tin u ity " vo rg e ste llt, d e r se ith e r von anderen A u to re n eben­ fa lls e rfo lg re ic h a n g e w e n d e t w u rd e , z. B. Rassmus (1991) sow ie S ochting und Christensen (1989). Der Index w u rd e u n te r anderem auch z u r B e u rte ilun g des N atü rlich ke itsg ra d e s von W ä ld e rn hera n g e zo g e n bzw. zu r B e u rte ilun g des U m fanges fo rs tlic h e r M aß nahm en. W enn auch fo rs tlic h e M aß n ahm en und die ö kologische K o n tin u itä t eines Be­ standes vielfach v e rk n ü p ft sein können, s o llte doch k ü n ftig versucht w erden, eine klare Trennung v o rzu n e h m e n , fü r was d ie F lechtenarten In d ik a to re n sind. Dieses k ö n n te zum Beispiel durch Ver­ gleich verschiedener Regionen e rm it­ te lt w e rd e n . Als besonders g u te Z eiger e in e r lan­ gen ö kologischen K o n tin u itä t bzw. „ h i­ storisch a lte r W ä ld e r" g e lte n A rte n der G a ttu n g e n Lobaria und Sticta (H a rd in g und Rose 1986). Die L u n genflechte, Lobaria p u lm o naria, „is t die nam en g e b e n de A rt ein e r charakteristischen F le c htengem ein­ schaft alter, lu ftfe u c h te r W älder, des L o b a rio n p u lm o n a ria e " (Jacobsen 1992, S. 123). Sie w u rd e von Rassmus (1991) in einem „P rim ä rw a ld re s t" in Schlesw ig-H olstein g e fu n d e n und von ihm als Zeiger „h isto risch a lte r W ä ld e r" g e w e rte t. E piphytische Flechten scheinen nach Jacobsen (1992) n ich t n u r als In d i­ k a to re n „h isto risch a lte r W ä ld e r" h e r­ ang e zo g e n w e rd e n zu kö n n e n , son­ d e rn sind in einzelnen Fällen auch m it a nderen, über sehr lange Z e it u n g e ­ stö rte n , S ubstraten assoziiert, z.B. alte K irchen- und K losterm auern. Jedenfalls besiedeln B uellia e p ip olia , Caloplaca flavescens, Lecanora su lp hurea und O pegrapha c h e v a llie ri ausschließlich a lte K irchenm auern und fe h le n a u f ve r­ g le ich b a re n S ubstraten jü n g e re n Da­ tum s, z.B. B eton.

W u lf - Ü b e rb lic k zu r B e d e u tu ng des A lte rs von L e b ensgem einschaften, d a rg e s te llt am Beispiel „h is to ris c h a lte r W ä ld e r

Als w e ite re Z e ig e ra rte n „h isto risch a lte r W ä ld e r" ko m m e n nach Jacobsen (1992) fo lg e n d e in Frage: A rth o th e d u m ruanum , Caloplaca h e rb id e lla und Opegrapha verm ice llife ra . Ferner w a h r­ scheinlich alle von ihm fü r das P obüller B auernholz („P rim ä rw a ld re s t") ge­ n a nnten A rte n , d ie d o rt seit 1987 nach­ gew iesen w u rd e n (vgl. Jacobsen 1992, S. 122). H a rd in g und Rose (1976) haben eine Liste m it insgesam t 75 F lechtenarten, die vo rn e h m lich im Flachland an H ude­ w ä ld e r g e bund e n sind, a u fg e s te llt, von denen w ie d e ru m 31 besonders g e e ig ­ n et sind, um a u f eine lange ö kologische K o n tin u itä t an ein und dem selben O rt schließen zu können. Von diesen 31 Flechten sollen an d ie ­ ser Stelle n u r d ie je n ig e n g e n a n n t w e r­ den, die auch von W irth (1987) als Zei­ ger m ild e r ozeanischer Lagen ge lte n : A rth o n ia vinosa, C a tin a ria a tro p u rp ú ­ rea, D im erella lu te a , N e p h ro m a laevigatu m , P annaria conoplea, Parm elia crinita, P arm eliella trip to p h y lla , Peltigera collina, P e ltigera h o riz o n ta lis , Porin a leptalea, Thelopsis ru b e lla und Thelotrem a lep a d in u m . Für die G a ttu n g N e p h ro m a h e b t W irth (1987) hervor: „A lle A rte n sind a u f la n g z e itig u n g e s tö rte S tandorte, a u f n ich t oder sehr schonend b e w irt­ schaftete n a tu rn a h e W ä ld e r a n g e w ie ­ sen und in den le tz te n Jahrzehnten stark z u rü c k g e g a n g e n ." ( W irth 1987, S. 293). 4.2.3 Pilze Zu den Pilzen ist im V ergleich zu den M oosen und Flechten noch w e n ig e r b eka n n t, was ih re n Z e ig e rw e rt fü r „ h i­ storische alte W ä ld e r" a n g e h t. Lediglich K ost (1991) b e m e rkt, daß x y lo b io n te A rte n n ic h t g e e ig n e t sind, um a u f eine lange B e sto cku n g sko n ti­ n u itä t rückschließen zu kö n n e n , da ih r A u ftre te n m ehr vom a llg e m e in e n K li­ m a ve rla u f als von den B od e n e ig e n ­ schaften a b h ä n g ig ist. W ohl aber e ig n en sich E kto m yko rrhizen als Zeiger lange Z e it u n b e e in flu ß ­ te r W a ld b ö de n , da sie sehr e m p fin d lic h a u f V e rä nderun g e n rea g ie re n . Als Bei­ spiele g ib t K ost (1991) fü r saure Böden A m a n ita muscaria (F lie g e n p ilz) und fü r E ichenw älder A m a n ita p h a llid u s (G rü­ ner K n o lle n b lä tte rp ilz ) an. Leider g e h t aus den D arstellungen

von Kost(1991) n ic h t hervor, a u f w elche A rte n von V e rä nd erun ge n die M y k o r­ rhizen besonders e m p fin d lic h re agie­ ren und w elche Z e iträ u m e n ö tig sind, um das V orkom m en b e s tim m te r Ektom ykorrhizen zu erm ö g lich e n . B em erkensw ert erscheint jedoch noch, daß la n g zeitig u n g e s tö rte W a ld ­ böden (Anm. der A u to rin : g e m e in t sind B annw älder) d e u tlic h a rte n re ic h e r sind als Böden m it S törun ge n (K ost 1991). Genauere U ntersuchungen der M y­ ko rrhizen können g erade fü r W a ld g e ­ sellschaften h ilfre ic h sein, die sehr arm an kra u tig e n Pflanzen sind, um „h is to ­ risch a lte " von „re z e n te n Beständen" zu unterscheiden. 4.3 Tiere Innerhalb der G ruppe d e r Tiere liegen w o h l vor allem fü r d ie K äfer die meisten A ngaben über Z eiger „historisch a lte r W ä ld e r" vor. D ülge (1988) s te llte bei seinen U n­ tersuchungen in N ordw estde utschla nd fest, daß fü r die Zahl de r in W ä ld e rn le­ benden L a ufkä fe r (C arabiden) dem Faktor „A lte r des W alde s" (A nm . der A u to rin : g e m e in t ist das „h istorisch e A lte r" des Waldes) eine erh eb lich g rö ­ ßere Bedeutung z u k o m m t als dem Fak­ to r Flächengröße. Die Flächengröße h a t aber Bedeu­ tu n g fü r das V e rh ä ltn is d er typische r­ weise in W ä ldern le benden A rte n zu den übrigen A rte n . So kom m en zum Beispiel die typischen W a ld k ä fe r A b a x p a rallelus und Carabus g la b ra tu s n u r in großen W äldern vor, w ä h re n d in k le i­ nen W äldern eine Verschiebung z u g u n ­ sten von A rte n o ffe n e r Landschaften bzw. U biquisten a u ftr itt. A ußer den o ben g e n a n n te n zw ei W a ldarten eignen sich nach D ülge (1988) noch fo lg e n d e als In d ik a to re n „historisch a lte r W ä ld e r", da sie W ä ld e r m it konsta nt k ü h lfe u c h te m In ne nklim a o d e r Beschattung brauchen: A b a x ovalis, Carabus coriaceus, Cychrus caraboides, Platynus assimilis und Pterostichus o b longopu ncta tu s. W ie schon bei den h öh eren Pflanzen e rw ä h n t, tre te n auch bei den K äfern re­ g io nale U nterschiede au f. Je k o n tin e n ­ ta le r (kühler und fe u c h te r) das Klim a ist, desto h ä u fig e r k o m m t zum Beispiel Pterostichus o b lo n g o p u n c ta tu s auch außerhalb von W ä ld e rn vor. In Schwe­ den k o m m t die A rt n ich t o hn e Beschat­

tu n g durch Bäume o d e r S träucher aus, w ä h re n d sie in W e st-N o rw e g e n au ß e r­ dem im o ffe n e n G elände g e fu n d e n w ird (L in d ro th 1945). Riecken und Ries (1993) b e to n e n in ih re r A rb e it zw a r n ich t das „h isto risch e A lte r von W a ld flä c h e n " als B e d e u tu n g fü r das V o rkom m en b e s tim m te r K ä fe r­ a rte n , geben aber A b a x p a ra lle le p ip e dus und Carabus coriaceus als typische W a ld k ä fe r an. Da le tz te re d e r beiden K ä fe ra rte n nach D ülge (1988) als Zei­ g e ra rt „h isto risch a lte r W ä ld e r" g e lte n kann, ist a nzunehm en, daß dieses auch fü r die e rs tg e n a n n te A rt z u tr ifft. A lb r e c h te t al. (1991) haben eine Li­ ste von 23 seltenen und sehr seltenen „U rw a ld -R e lik ta rte n " a u fg e s te llt und geben an, daß ü be r Ja h rh u n d e rte stets ein ausreichend h o h e r A n te il von A lt ­ h o lz s tru k tu re n gegeben sein m uß te, um das Ü berleben dieser A rte n zu si­ chern. Nun müssen A lth o lz s tru k tu re n n ic h t zw a n g slä u fig ein Beweis f ü r einen „ h i ­ storisch a lte n W a ld " sein, aber die W a h rsc h e in lic h k e it ist sehr hoch (Peterken 1976). Es soll an dieser Stelle z u le tz t n u r noch ein H inw eis a u f Tiere als Z eiger „h isto risch a lte r W ä ld e r" gegeben w e rd e n , da in diesem Band w e ite re aus­ fü h rlic h e B eiträge e n th a lte n sind. R unge (1959) n im m t an, daß Sa/am a ndra m aculosa (Feuersalam ander, m o n ta n e A rt) ein „A ltw a ld -Z e ig e r" ist, was sich durch das Z u sam m entragen von In fo rm a tio n e n aus dem Elbe-W eser-Dreieck b e stätige n lä ß t (siehe Bei­ tra g W u lf und K eim in diesem Band). 4.4 Boden O b w o h l d ie B edeutung von Böden, die schon m ehrere J a h rh u n d e rte m it W ald bestockt sind, u n te r ande rem fü r U n te r­ suchungen zu r n a tü rlich e n B o d e n e n t­ w ic k lu n g als V ergleich zu stä rke r v e rä n ­ d e rte n Böden von B all un d Stevens (1981) h e rvo rg eh o b e n w u rd e , sind der A u to rin bisher keine A rb e ite n b e k a n n t g e w o rd e n , in denen spezielle U n te rsu ­ chungen zu „h isto risch a lte n W a ld b ö ­ d e n " d u rc h g e fü h rt w o rd e n sind. Für Niedersachsen w ird a lle rd in g s a u f einem M e rk b la tt zu r fo rs tlic h e n S ta n d o rtk a rtie ru n g d a ra u f h in g e w ie ­ sen, daß „a lte W a ld b ö d e n " besonders m ächtige A li-H o riz o n te von 50 cm und m eh r a ufw e isen kö nn en (keine Esch11

W u lf - Ü b e rb lic k z u r B e d e u tu n g des A lte rs vo n Lebensgem einschaften, d a rg e s te llt am Beispiel „h is to ris c h a lte r W ä ld e r

b ö d e n !). Durch eigene U nte rsu ch u n ­ gen im Elbe-W eser-Dreieck (N o rd ­ w estdeutschland) kann b e s tä tig t w e r­ den, daß h ä u fig e r M ä c h tig k e ite n von an n ä h e rn d 40 cm und m e h r in den Bo­ d e n p ro file n „h isto risch a lte r W ä ld e r" a u ftre te n ( W u lf'l992). Auch W o lte ru n d Dierschke (1975) bem erken fü r einen „h isto risch a lte n W a ld " im n o rd w e s t­ deutschen Flachland, näm lich fü r das N o rd a h n e r Holz, daß die „a lte n W a ld ­ b ö d e n " einen A h von 40 cm erreichen. D arüber hinaus lie g te in m ü n d lic h e r H inw eis von 1988 von H errn Schäfer (B ode n ku n d lich e Versuchsstation Bre­ m en) vor, w onach a n th ro p o g e n b e e in ­ flu ß te Böden p fla n z e n v e rfü g b a re Pho­ sphat-G ehalte von 10 mg und m e h r pro 100 g Boden e n th a lte n , w ä h re n d u n g e ­ n u tz te o d e r w e n ig b e e in flu ß te Böden n ie d rig e re W e rte a ufw eisen. Bodenchem ische U ntersuchungen im Elbe-W eser-Dreieck vo n 127 „h is to ­ risch a lte n W a ld flä c h e n " haben e rg e ­ ben, daß die p fla n z e n v e rfü g b a re n P hosphat-G ehalte im M itte l bei 2,0 m g/ 100 g Boden liegen, also sehr n ie d rig sind (W u lf \992). M it H ilfe des Phosphates lassen sich nach G ebhard (1976, 1982) insbeson­ dere e hem alige m itte la lte rlic h e Sied­ lu n g en nachw eisen und sehr g u t im Ge­ lände abgrenzen.

5. W esentliche Forschungsfragen Aus den bisherigen D arste llu n g e n k ri­ stallisieren sich fo lg e n d e Fragen an „ h i­ storisch a lte W ä ld e r" heraus, w o b e i be­ sonderes G ew icht a u f den „Z e itfa k to r" und a u f den V ergleich m it „re z e n te n W ä ld e rn " zu legen ist. 1. W elche U nterschiede bestehen z w i­ schen „re z e n te n " und „h isto risch a l­ te n W ä ld e rn " hin sich tlich ■ A rte n in ve n ta r, ■ A rte n z a h l (insbesondere m yrm ekochore A rte n und G eophyten) und ■ A rtenzusam m ensetzung? 2. G ib t es „Z e ig e ra rte n (-g ru p p e n )" die den Z e itfa k to r bzw. die ja h rh u n d e r­ te la n g e ökologisch e K o n tin u itä t w idersp ie g e ln ? 3. W ie w e it hängen diese Unterschiede zusam m en m it ■ den frü h e re n N u tzu n g sfo rm e n , ■ den h e u tig e n B e w irtsch a ftu n g s­ va rianten, ■ den S tandortverhältnissen, 12

■ dem lso lie ru n g sg ra d /-ze itp u n kt, ■ dem B ew aldungsgrad oder ■ d e r A us-bzw . V e rb re itu n g sstra te ­ g ie vo n Pflanzen- und Tierarten? 4. G ib t es sta n d ö rtlich e Parameter, die Rückschlüsse a u f das A lte r eines W a ldsta n d o rte s zulassen? ■ In w e lch e r Weise e n tw icke ln sich H um usform en im Z eitverlauf? ■ G ib t es H um usform enm erkm ale, w e lch e eine d om i nante Rolle bei d e r E ntw icklung im Z e itv e rla u f d e r Ökosysteme spielen? ■ G ib t es M erkm ale der m in e ra li­ schen H orizonte, w elche eine d o ­ m in a n te Rolle bei der E n tw ick­ lu n g der H um usform und der Ve­ g e ta tio n im Z e itv e rla u f spielen? Die Fragen u n te r Punkt 4 sind dem Ka­ ta lo g zu U ntersuchungszielen in den niederländischen N aturw aldreservaten von Sevink (1991) e n tn o m m e n und las­ sen sich uneingeschränkt a u f „h is to ­ risch a lte W ä ld e r" ü bertragen.

6. „Historisch alte W älder" und Naturwaldreservate M it d e r E inrichtung von N a tu rw a ld re ­ servaten w u rd e n etliche unterschied­ lich intensive Forschungsprogram m e a u fg e s te llt (vgl. Bosch 1991, Knapp und Jeschke 1991, Koop 1991, Sevink 1991, W o /f 1991, W o lf und Bohn 1991 .Z u k rig l 1991). Da anzunehm en ist, daß viele N a tu r­ w a ld re se rva te zugleich „historisch a lte W ä ld e r" sind, sollten bereits b e a rb e i­ te te Fragestellungen in n e rh a lb solcher N a tu rw a ld re se rva te (Bannwälder, To­ ta lre se rva te ) lediglich g e n u tz t w e rd e n , um daraus w e ite re Fragestellungen a b z u le ite n , die speziell fü r „historisch a lte W ä ld e r" von Belang sind. Insbesondere bei fo lg e n d e n U n te r­ suchungen decken bzw. ü b e rlappen sich Fragen zu N aturw aldreservaten m it denen zu „historisch a lten W ä ld e rn ": 1. Bestandesaufnahm e a lle r Pflan­ zen- und T ierarten o d e r n u r solcher, die s o g e n a n n te Schlüsselarten darstellen, also besonders g u t zur In d ik a tio n be­ s tim m te r S ta n d o rtp a ra m e te r g e e ig n e t sind. 2. S tu d iu m der n a tü rlich e n E n tw ick­ lungsprozesse und S trukturen. 3. Lan g fristig e Studien zur U n te r­ scheidung u n g e ric h te te r und g e ric h te ­ te r V eränderungen (F lu ktu a tio n e n bzw. Sukzessionen) in der Biogeozönose.

D agegen sind fo lg e n d e A n fo rd e ­ ru n g e n an N a tu rw a ld re se rvate fü r d ie E rforschung „h isto risch a lte r W ä ld e r" von u n te rg e o rd n e te r B edeutung o d e r fü r „h is to ris c h a lte W ä ld e r" zu m o d ifi­ zieren: 1. Die Forschungsergebnisse sollen Rückschlüsse fü r die B e w irtsch a ftu n g e rla u b e n (w a ld b a u lich e G ru n d la g e n ­ fo rsch u n g ). 2. N a tu rw ä ld e r sollen alle w e s e n tli­ chen W a ld ty p e n eines Landes re p rä ­ sentieren. 3. Die U ntersuchungen in N a tu rw ä l­ d e rn sollen so v e re in h e itlic h t a n g e le g t w e rd e n , daß eine V e rg le ic h b a rke it z w i­ schen verschiedenen N a tu rw a ld re se r­ va te n m ö g lich ist. „H isto risch a lte W ä ld e r" können z w a r Rückschlüsse fü r die B ew irtschaf­ tu n g erla u b e n , die w a ld b a u lich e G ru n d la g e n fo rsch u n g sollte aber n ic h t e in z ig e r B estandteil im Bereich de r G ru n d la g e n fo rsch u n g sein. Da in den e in ze ln e n Regionen n u r bestim m te W a ld ty p e n als „h isto risch alte W a ld ­ flä c h e n " ü b e rd a u e rt haben, können W ä ld e r m it la n g z e itig e r Bestockungs­ k o n tin u itä t dem K rite riu m der Reprä­ sentanz, w ie u n te r P unkt 2 oben fo r ­ m u lie rt, sicher n ich t g e re ch t w erden. Eine V e re in h e itlic h u n g der U ntersu­ ch u n g e n in „h isto risch a lte n W ä ld e rn " so llte a n g e s tre b t w e rd e n und ist in vie ­ len Fällen auch ausführbar, m ö g lic h e r­ w eise sind aber zur B e a rb e itung e in ze l­ ner Fragestellungen in verschiedenen R egionen u nterschiedliche Ansätze e r­ fo rd e rlic h , z.B. bei der H u m u sfo r­ schung. A b w e ic h e n d von P unkt 3 oben, soll­ te n n ic h t n u r „h isto risch a lte W ä ld e r" u n te re in a n d e r ve rg lich e n w erden, son­ dern im m e r auch ein Vergleich m it „ r e ­ z e n te n W a ld flä c h e n " e rfo lg e n . H ierin lie g t schließlich der w esentliche Ansatz, die B e d e u tu n g des „A lte rs von B iogeoz ö n o se n " darzustellen.

7. Zusammenfassung „H isto risch a lte W ä ld e r" sind h in sich t­ lich d e r h öheren P flanzen und der Flechten in m anchen Teilen Europas be­ sonders g u t b e a rb e ite t, fü r M oose und Pilze lie g e n n u r w e n ig e Ergebnisse vor. A uch d ie Tiere sind bisher nur u n z u ­ reichend b e a rb e ite t, le d ig lich fü r die L a u fk rä fe r lie g t eine größ ere Zahl von U ntersuchungen vor. Im b o d e n k u n d li-

W u lf • Ü b e rb lick z u r B e d e u tu ng des A lte rs von Leben sg e m e insch a fte n , d a rg e s te llt am Beispiel „h is to ris c h a lte r W ä ld e r'

chen Bereich bestehen die g rö ß te n W issenslücken. In m ehreren A rb e ite n aus England, Polen, B elgien und d e r BRD w ird im m er w ie d e r h e rvo rg e h o b e n , daß „historisch a lte W ä ld e r" besonders arte n re ich sind. V iele d e r P flanze n a rten sind dadurch g e kennzeichnet, daß sie üb er sehr une ffe k tiv e F ernverbreitungsm echanis­ men v e rfü g e n , m eist b re ite n sich die P flanzen durch A u s lä u fe r o d e r m itte ls A m eisen aus. Des w e ite re n weisen „ h i­ storisch a lte W ä ld e r" vo r allem A rte n auf, die K ühle- u n d /o d e r Feuchtezeiger sind bzw. a u f Beschattung angew iesen sind. Sie kom m en a u ß erh alb von W ä l­ dern d a h e r n u r in solchen Lebensräu­ men vor, d ie w a ld ä h n lic h e S ta n d o rtv e r­ hältnisse haben. S ow ohl bei den h ö he ren und n ie de ­ ren Pflanzen als auch bei den Tieren w ird die B e d eutu n g der sehr langen K o n tin u itä t b e s tim m te r ö ko lo gische r S ta n d o rtb e d in g u n g e n h e rvo rgeho be n, h ie r w ird fü r k ü n ftig e Forschungen die „h isto risch e Ö k o lo g ie " g e fo rd e rt sein. Es kann abschließend fe stg e h a lte n w e rd e n , daß fü r das V o rko m m e n von b e stim m te n In d ik a to ra rte n „h isto risch a lte r W ä ld e r" die sehr la n g z e itig e Be­ s to c k u n g s k o n tin u itä t von g rö ß e re r Be­ d e u tu n g ist als e h e m a lig e B ew irtscha f­ tu n g s fo rm e n , w o b e i w o h l stets von ei­ ner m ehr o d e r w e n ig e r n a tu rn a h e n Be­ stockung ausgegangen w e rd e n kann.

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W u lf ■Ü b e rb lic k z u r B e d e u tu n g des A lte rs vo n Lebensgem einschaften, d a rg e s te llt am Beispiel „h is to ris c h a lte r W ä ld e r

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Anschrift der Verfasserin Dr. M o n ik a W u lf • ZALF e. V. In s titu t fü r W a ld - und F o rstökologie D r.-Zinn-W eg ■16225 Eberswalde

N N A -B e ric h te 3 /9 4

Zur Bedeutung „historisch alter Wälder" für den Naturschutz Untersuchungen naturnaher Wälder im Elbe-Weser-Dreieck von M onika W u lf und Hans-Jürgen Keim

Gliederung 1. E inleitung und Ziele d e r A rb e it 2. B e g riffse rklä ru n g e n 3. Lage und Grenzen des U ntersu­ chungsgebietes 4. G eologie und Böden des U ntersu­ chungsgebietes 5. P o te n tie lle n a tü rlic h e V e g e ta tio n 6. A k tu e lle B ew aldung 7. M e th o d e n d e r Floristischen K a rtie ­ rung 8. Ü bersicht über die V e rb re itu n g der A rte n 9. V e rb re itu n g s k a rte n 10. B indungsstärke von A rte n an h isto ­ risch a lte W ä ld e r 11. E rklärungsansätze z u r B indung von A rte n an historisch a lte W ä ld e r 12. Folgerungen fü r den E rhalt von A r­ te n historisch a lte r W ä ld e r 13. G e fährdun g und Schutz historisch a lte r W aldbestände und ih re r Flora 14. Zusam m enfassung 15. L ite ra tu r

1. Einleitung und Ziele der Arbeit W o hl in kaum e in e r a nderen Region M itte le u ro p a s h a t sich das Landschafts­ b ild in diesem Jahrtausend, besonders aber in den le tzte n J a h rh u n d e rte n , so g ru n d le g e n d g e w a n d e lt w ie im n o rd ­ w estdeutschen Flachland. Das ursprün glich e W a ld la n d w u rd e durch zahlreiche, um fassende m ensch­ liche E in g riffe nach und nach in eine ü b e rn u tz te , durch a llg e m e in e n N ähr­ s to ffm a n g e l und W a ld a rm u t g e p rä g te H eidesteppe v e rw a n d e lt. Diese w ie ­ deru m w u rd e in den le tz te n beiden Ja h rh u n d e rte n w e ite s tg e h e n d „ k u lt i­ v ie rt" , d .h . in A cker o d e r N adelw ald u m g e w a n d e lt. Es haben jedoch e in ig e W aldreste die W a ld ve rw ü s tu n g s z e it ü b e rd a u e rt, w e n n auch g rö ß te n te ils u n te r e rh e b li­ chem N utzungsdruck. Sie g e h ö re n w e ­ gen ih re r re la tiv langen K o n tin u itä t,

z.B. der B o d e n b e sch a ffen h e it und des M ikroklim as, zu den am w e n ig s te n ve r­ ä n derten Landökosystem en unseres Landschaftsraumes. Von den nach der H eidezeit neu e n ts ta n d e n e n W ä ld e rn unterscheiden sie sich g ru n d le g e n d in ih re r Flora und V e g e ta tio n , aber auch im Bereich a n d e re r O rg a n is m e n g ru p ­ pen, z.B. in den L a u fk ä fe rn (D ülge 1988). Diese, im fo lg e n d e n als „h isto risch a lte " (englisch: a n cie n t) b e zeichneten W älder stehen den e in s tig e n N a tu rw ä l­ dern stru k tu re ll, flo ris tis c h und fa u n istisch re la tiv nahe. Sie sind R e liktsta n d ­ o rte zahlreicher P flanzen- und T ie ra r­ te n und können A u s g a n g sp u n kte fü r die Besiedlung n e u g e sch a ffe n e r Le­ bensräume d arstellen. Am Beispiel vo n 37 a u sg e w ä h lte n P flanzenarten n ä h rs to ffre ic h e r Feucht­ w ä ld e r im Elbe-W eser-Dreieck soll die Bedeutung historisch a lte r W ä ld e r fü r den E rhalt n a tu rn a h e r W a ld ö ko syste ­ me ve rd e u tlic h t w e rd e n . Historisch alte W ä ld e r so llte n nach ein e r E m pfehlung des M in is te rk o m i­ tees des Europarates vom 13. 06. 1988 von den M itg lie d s ta a te n e rh a lte n und erforscht sowie p fle g lic h g e n u tz t w e r­ den. D erzeit g e w ä h rle is te t den F o rtb e ­ stand na tu rn a h e r W ä ld e r bzw. Be­ stände, die g rö ß te n te ils a u f historisch a lten W a ld sta n d o rte n stehen, w e d e r das Landeswald- noch das N a tu r­ schutzgesetz. Die Gesetze d iffe re n z ie re n n ic h t nach historisch a lte n und n e u z e itlic h e n sowie nach n a tu rn a h e n und n a tu rfe r­ nen W aldflächen. Lediglich S o n d e rb io ­ to p e , z.B. Bruch-, S um pf-, A uen-, Schlucht- und T ro cke n w ä ld e r sind seit dem 01. 04. 1990 d u rch den § 28a des niedersächsischen Landesnaturschutz­ gesetzes geschützt, a lle rd in g s u n a b ­ h ängig von deren W aldgeschichte. W irw o lle n m it de r v o rlie g e n d e n A r­ b e it folgendes erreichen:

1. Die B e d e u tu n g historisch a lte r W ä ld e r als B io to p e m it sehr la n g e r K o n ­ tin u itä t b e zü g lich des S ta n d o rte s h e r­ aussteilen. 2. A u f d ie B e d e u tu n g historisch a lte r W ä ld e r als R e lik tflä c h e n n a tu rn a h e r W a ldgesellschaften u nd m e h r o d e r w e ­ n ig e r g e fä h rd e te r P fla n z e n a rte n a u f­ merksam m achen. 3. Zur E n tw ic k lu n g v o n Schutz- und B e w irts c h a ftu n g s k o n z e p te n f ü r h is to ­ risch a lte W ä ld e r einen B e itra g leisten. 4. Die N o tw e n d ig k e it d e r um fassen­ den E rforschung a u fz e ig e n , insbeson­ dere h in sich tlich d e r Frage, w a ru m be­ s tim m te P flanzen- o d e r T ie ra rte n an h i­ storisch a lte W ä ld e r g e b u n d e n sind. Der A u to r h a t im Rahm en d ie n s tli­ cher W a ld b io to p k a rtie ru n g e n d e r Lan­ d e s fo rs tv e rw a ltu n g u. a. auch die in d ie ­ ser A rb e it d a rg e s te llte n P fla n ze n a rte n k a rtie rt und D aten zu r N a tu rn ä h e so­ w ie zu r W ald g e schich te e rm itte lt, die als G ru n d la g e fo rs tlic h e r N a tu rs c h u tz ­ ko n ze p te d ie n en . Für d ie um fassende U n te rs tü tz u n g h ierzu d a n k e n w ir den D ienststellen d e r F o rs tv e rw a ltu n g , ins­ besondere den Revier- u n d Forstam ts­ le ite rn der F orstäm ter Bederkesa, H ar­ sefeld, O sterholz-S charm beck und Ro­ te n b u rg sow ie d e r B e zirksre g ie ru n g Lü­ n e b u rg und dem F o rstp lanungsam t. Für A n g a b e n zum V o rk o m m e n der unte rsu ch te n P fla n z e n a rte n danken w ir den H erren H orst B ackenköhler, V o lke r B ru n kh o rst, Prof. Dr. H erm ann Cordes, Dr. M a n fre d W o lte r, R o lf M üller, Dr. H ansSteckhan und D irk T ie lk in g . Die Einsicht in das A rte n e rfa ssu n g s­ ka ta ste r des Niedersächsischen Landes­ amtes fü r Ö k o lo g ie (H annover) e rm ö g ­ lichte uns Eckhard Garve. Das erste, w e se n tlich u m fa n g re i­ chere M a n u s k rip t sandten w ir an die Herren Dr. H erm ann E llenberg, Dr. Udo Hanstein, Dr. Johannes Prüter, Eckhard Seebaß, Lu d w ig Stegink, K n u t Sturm und Dr. D ie tm a r Zacharias, denen w ir fü r die a u sfü h rlich e n Diskussionen und k o n s tru k tiv e K ritik zu besonders groß em D ank v e rp flic h te t sind. W ir m ö ch te n uns fe rn e r bei Frau Laska und Frau B ergm ann fü r u m fa n g ­ reiche S chreibarbeiten bedanken.

2. Begriffserklärungen Historisch a lte W ä ld e r sind W a ld flä ­ chen, die, u n a b h ä n g ig vom a k tu e lle n Bestandesalter und d e r B aum artenzu15

W u lf/K e lm ■Z u r B e d e u tu n g „h is to ris c h a lte r W ä ld e r" f ü r d en N a tu rs c h u tz - U n te rsu ch u n g e n n a tu rn a h e r W ä ld e r im Elbe-W eser-D reieck

sam m ensetzung, m indestens seit m eh­ re re n J a h rh u n d e rte n k o n tin u ie rlic h m it W a ld b e sto ckt sind (genaue D e fin itio n siehe W u lf\n diesem H eft). Zur Feststel­ lu n g de r K o n tin u itä t e in e r Fläche als W a ld eig n en sich historische K arten; fü r Niedersachsen die K urhannoversche Landesaufn ahm e aus den Jahren 1764 bis 1786 (vgl. zu r M e th o d e auch K eim in diesem H eft). Jüngere W a ld flä c h e n w e rd e n d e m ­ g e g e n ü b e r als neuze itlich e , rezente o d e r ju n g e W ä ld e r bezeichnet. Die e in ze ln e n historisch a lte n W a ld ­ bestä nde k ö n n e n unterschieden w e r­ de n in solche, die sich h e u te als n a tu r­ n a h o d e r als m e h r o d e r w e n ig e r fre m d b e s to c k t präsentieren, d .h . in e tw a der p o te n tie lle n n a tü rlic h e n V e g e ta tio n entsprechen o d e r von ih r a bw eichen (A b b . 1). A uch D ouglasienbestände, die a u f d u rch g e h e n d m it W ald bestockten Flä­ chen stehen, sind als historisch a lte W ä l­ d e r anzusehen, o b w o h l sie sich d e rz e it in e in e r n a tu rfe rn e n Phase b e fin d e n . A b b ild u n g 1 soll ve rd e u tlich e n , daß f ü r die Festlegung, w a n n ein W ald als historisch a lt und w a n n als n e u ze itlich g ilt, a lle in die K o n tin u itä t als W a ld ­ s ta n d o rt und n ich t die N a tu rn ä h e e n t­ scheidend ist. D a m it sind historisch a lte W ä ld e r von den sogen a n n te n U rw ä l­ d e rn einerseits und den A lth o lz b e s tä n ­ den andererseits kla r a b g e g re n z t (s.a. W u lf'm diesem H eft).

W a ld e n tste h u n g

■O o oo =3 0 Ö3 D s

In d e r vorlie g e n d e n A rb e it w e rd e n v o rw ie g e n d n aturnahe und b e d in g t n a tu rn a h e , historisch alte W a ld b e ­ stände b e tra ch te t, deren F lächenanteil an den S taatsforstflächen n u r e tw a 10 bzw . 7 % der p o te n tie ll m öglichen Flä­ che ausmachen. Die N aturnähe w ird nach Kastl, Keim und Sturm (1986) e in ­ geschätzt, die die N aturnähe aus dem Grad d e r Ä h n lic h k e it eines Bestandes m it d e r p o te n tie lle n n a tü rlich e n Vege­ ta tio n (pnV) herleiten. Da Kastl, Keim und Sturm (1986) Be­ g riffe aus der F o rstw irtschaft v e rw e n ­ den, d ie B otanikern und V e g e ta tio n sk u n d le rn o ft nicht g e lä u fig sind, w e r­ den d ie drei Parameter zur E rm ittlu n g d e r N a tu rn ä h e kurz vo rg e ste llt:

S tufe 5: Bestände, die aus n ich t im W uchsgebiet heim ischen B aum arten a u fg e b a u t sind.

1. N a tu rn ä h e der B aum artenzusam ­ m ensetzung (BAZ):

3. N atu rn ä h e des Standortes:

S tufe 1: BAZ entspricht der n a m e n ­ gebenden Schlußwaldphase (SWP) der pnV. S tufe 2: BAZ entspricht zu m indestens 50% der nam engebenden SWP der pnV. S tufe 3: BAZ aus Pionier- und N eben­ baum arten. S tufe 4: BAZ aus A rte n , die im W uchs­ g e b ie t heimisch sind, aber a u f dem je w e ilig e n S ta n d o rt n ic h t d e r pnV entsprechen, d e n ­ noch den H a u p tte il des Be­ standes bilden.

vo r

1770

na ch

Historisch a lte W ä ld e r

Neuzeitliche W älder

n a tu rn a h

naturnah

b e d in g t n a tu rn a h

b e d in g t natu rn a h

K o ntinuitä t d e r n u tzu n g sb e d in g te n B aum artenzusam m ensetzung heim ischer P flanzenarten (n ic h t d e r p o te n tie lle n n a tü rlich e n W aldg e se llsch a ft, z. B. E ich e n w a ld a u f B u chensta ndort)

Pionierphase

der potentie llen natürlichen

Sukzessionsstadien d e r n a tü rlich e n W aldgesellsch aft (z. B. Kiefer)

W aldgesellschaft

s ta n d o rtfre m d e B aum art

stan d o rtfre m d e Baum art

g e b ie tsfre m d e Baum art

gebietsfrem d e B aum art

Q

A b b . 1. S c h e m a tis c h e D a r s te llu n g d e r B e z ie h u n g W a ld z u s t a n d .

16

von

W a ld e n t s te h u n g u n d a k t u e lle m

2. N a tu rn ä h e der B o d e n v e g e ta tio n (BV): S tufe 1: BV e n ts p ric h t m e h r o d e r w e n i­ ger der pnV. S tufe 2: BV ist ü b e rw ie g e n d durch Pio­ n ie rp fla n z e n (m eist lic h tlie bende) d e r p nV a u fg e b a u t. Der D eckungsgrad ist m eist h ö h e r als u n te r der Schluß­ w aldphase. S tufe 3: BV ist stark v e rä n d e rt und w ird auch n ich t von typischen Pio­ n ie rp fla n z e n g e b ild e t.

S tufe 0: m ehr o d e r w e n ig e r u n g e stö r­ te r W a ld b o de n . S tufe 1: S törung lie g t vor, aber die na­ tü rlic h e E n tw icklu n g sd yn a m ik am S ta n d o rt ist w e ite rh in be­ herrschend Stufe 2: rezente B odenveränderungen. W a ld flä ch en , die in ih re r G esam tbe­ w e rtu n g der S tufe 1 (beim S ta n d o rt S tufe 0) z u zu o rd n e n sind, g e lte n als n a tu rn a h , d ie je n ig e n m it e in e r S tufe 2 (S tufe 1 beim S ta n d o rt) de m e n tsp re ­ chend als b e d in g t n a tu rn a h .

3. Lage und Grenzen des Unter­ suchungsgebietes Das U nte rsu ch u n g sg e b ie t u m fa ß t im w ese n tlich e n den Landschaftsteil z w i­ schen d e r Elbe, W eser und dem V e rla u f d e r Bundesstraße von Brem en nach H am burg (B 75), das s o g e nannte ElbeW eser-Dreieck (A bb. 2). Das Elbe-W e­ ser-Dreieck schließt die Landkreise Cuxhaven, O sterholz-Scharm beck, Rote n b u rg /W ü m m e , Stade und den N ord­ te il des Kreises V erden ein. In den V e rb re itu n g s k a rte n (Kap. 9) sind d a rü b e r hinaus auch E inzelfunde von P flanzenarten aus den östlich an­ gre n ze n d e n Kreisen S o lta u-F allingbostel und W insen/Luhe sow ie dem süd­ w e stlich der U nterw eser gelegenen Kreis D e lm e n h o rst e in g e tra g e n . Die Ge­ sam tfläche des U ntersuchungsgebietes b e trä g t e tw a 7600 qkm , von denen a uf 6800 qkm die m eisten W ä ld e r intensiv u n te rsu ch t w u rd e n .

W u lf/K e lm • Z ur B e d e u tu n g „h is to ris c h a lte r W ä ld e r" fü r den N a tu rs c h u tz -U n te rs u c h u n g e n n a tu rn a h e r W ä ld e r im E lb e -W e se r-D re ieck

Abb. 2. Das Untersuchungs­ gebiet (Elbe-Weser-Dreieck) mit dem Grenzverlauf zwischen der Drenthe 1- und 2-Moräne (aus: Wulf 1992, etwas verändert). N a tu rrä u m lich g e h ö rt das U ntersu­ chungsg ebiet ü b e rw ie g e n d z u r Stader Geest (M eynen und S chm ithüsen 1962), w o b e i die g rö ß te Zahl d e r u n te rsu ch te n W ä ld e r a u f der W e se rm ü n d er u nd Zevener Geest lie g t, zw ei U n te re in h e ite n der Stader Geest. Die W eserm ünder Geest ist räum lich scharf begrenzt, w e il sie allseits von N iederungen umschlossen ist. Die G ru n d m o rä n e n p la tte n selbst weisen eine sehr g e rin g e R e lie fe n e rg ie a u f. Sie sind aber durch eine V ie lza h l von Nie­ derungsbereichen stark g e g lie d e rt. Le­ d ig lich „im südlichen Teil d e r W eser­ m ü n d e r Geest sind d ie G ru n d m o rä n e n ­ p la tte n w esen tlich geschlossener" (M eynen und S chm ithüsen 1962, S. 957). H ier sind M o o re d e u tlic h w e n ig e r v e rb re ite t. Auch die Zevener Geest ist vo n Nie­ d eru n g e n u m g re n zt. Sie g e h t n u r im Sü­ den in eine Landschaft über, d ie n a tu r­ räum lich ähnlich a u fg e b a u t ist (M e y­ n en und Schm ithüsen 1962). Es h a n d e lt sich um die L ü ne b u rg e r Heide, d ie sich vo n der Zevener Geest a lle rd in g s im M itte l durch g rö ß e re H öhen und eine höhere R e liefenergie u n te rsch e id e t. Die O berfläche de r Zevener Geest ist fla c h w e llig , le dig lich südlich von Zeven sorgen einzelne „is o lie rte H ügel als Re­ ste der N ordhannoverschen E ndm orä­ n e " fü r „e in etw as b e w e gte re s R e lie f" (M eynen und Schmithüsen 1962, S. 958). Im V ergleich zu r W e serm ünder Geest tre te n a u f d e r Zevener Geest w e ­ n ig e r und kle in flä c h ig e re Hoch- und N ie d erm o orb ere ich e a u f, w o d u rc h die M o rä n e n p la tte n d e r Zevener Geest d e u tlich w e n ig e r ze rsch n itte n sind.

4. Geologie und Böden des U n tersu ch u n g sg eb ietes Das Elbe-W eser-Dreieck ist geologisch im w esentlichen d u rch die A b la g e ru n ­ gen der S aale-K altzeit (vor ca. 200000 bis 100000 Jahren) g e p rä g t. Das G ebiet w u rd e von zwei Eisvorstößen ü b e rfa h ­ ren, w ob e i der ä lte re V orstoß die soge­ n annte D re n th e -H a u p tm o rä n e o d e r auch D renthe 1-M oräne, d e r jü n g e re Vorstoß die D re n th e 2 -M o rä n e a b g e la ­ g e rt hat (Abb. 2). Die G ru n d m o rä n e n unterscheiden sich insbesondere h in sich tlich ih re r C alcium carbonat-, Ton- und S ch lu ffg e ­ h alte (Tab. 1), was fü r d ie V e rb re itu n g s ­ m uster ein ig e r P fla n ze n a rte n von Be­ d e u tu n g ist (W u lf 1992). Der ursprünglich hö h e re C alcium ­ carbonat-G ehalt im A usgangsgestein der D renthe 2 -M o rä n e ist u n te r a n d e ­ rem d a fü r v e ra n tw o rtlic h , daß das Sub­ strat m it Kalk besser v e rs o rg t ist als die D renthe 1-M oräne. Für d ie g e rin g e re Auswaschung des Kalkes sind des w e i­ te re n die höheren Ton- und S ch lu ffg e ­ h alte von B edeutung (H ö fle 1988 und H ö fle und Schlenker 1979). Aus A b b ild u n g 3 ist ersichtlich, daß sich a u f den g ru n d w a sse rfe rn e n Geest­ Tab. 1. Kenngrößen der D1- und D2-Moräne (nach Höfle 1988 und Höfle & Schlenker 1979)

Kenngrößen Calciumcarbonat Ton Schluff Epidot (enthält Ca) Hornblende (enthält Ca und Mg) Hintgehalt

Drenthe 1-Moräne Drenthe 2-Moräne 4,0 - 6,2 (8,0) % 3,0 - 8,0 % 8,0 - 27,0 % 22,6 % 25,9 %

24,0-31,0% 10,0-20,0% 16,0-45,0% 24,3 % 39,9 %

max. um 30 %

meist um 40 %

flä ch e n v o r a lle m Pseudogleye, B ra u n ­ e rden u nd Podsole bzw. de re n M is c h ty ­ pen e n tw ic k e lt haben. In den N ie d e ­ rung sb e re ich e n herrschen d a g e g e n g ru n d w a s s e rb e e in flu ß te B o d e n typ e n vor, w ie z. B. Gleye, A n m o o r- un d M o o r­ b ö d e n bzw. V e rg e se llsch a ftu n g e n d e r­ selben. A lle rd in g s tre te n auch a u f den h ö ­ her g e le ge n e n G eestflächen z u w e ile n Gleye o d e r G ley-Pseudogleye a u f, w e il a u fg e s ta u c h te Schollen des L a u e n b u r­ g e r Tones fü r e inen e rh ö h te n G ru n d ­ w asserspiegel sorgen. Für das gesam te Elbe-W eser-D reieck g ilt, daß durch d ie V or- und R ückbew e­ g u n g e n d e r Eismassen das A u sgangsge­ stein stark v e rk n e te t w u rd e , w as zu m o s a ik a rtig w echselnden B o d e n a rte n ­ sch ich tu n g e n g e fü h rt hat. Aus diesem G runde tre te n die o ben g e n a n n te n Bo­ d e n ty p e n o ft a u f e ngstem Raum n e ­ b e n e in a n d e r au f. In den u n te rsu ch te n historisch a lte n W ä ld e rn k o m m t h ä u fig a u f w e n ig e n H e kta r eine S ta n d o rtv ie lfa lt vor, die z. B. vom g ru n d w a s s e rfre ie n G eschiebe­ lehm m it F la tte rg ra s-B uchenw ald a u f den h ö h e r g e le ge n e n Flächen bis hin zum nassen N ie d e rm o o r m it E rlenbruch re ich t. Typisch ist da b e i die Basenzu­ nahm e vo n den h ö h e r zu den tie fe r g e ­ legenen S ta n d o rte n , ve rursacht durch basenreiches Sickerwasser, m eistens aus M e rg e lh o riz o n te n . A u f d e ra rt basenreichen m in e ra li­ schen Böden stocken d ie a rte n re ich ste n W a ld g e sellsch a fte n des G ebietes, z.B. das C re p id o -F ra xin e tu m (W u lf 1992). Je nach G e o m o rp h o lo g ie n e hm en sie m anchm al n u rw e n ig e 1 0 0 q m , s e h rv ie l se lte n e r auch viele H e k ta r ein. Zwischen d e r W e se rm ü n d er und der Zevener Geest bestehen b o d e n ty p o lo gisch praktisch ke in e U nterschiede, a u f d e r Zevener Geest ko m m e n Podsole bzw. p o d s o lie rte B odengesellschaften le d ig lic h etw as h ä u fig e r v o r als a u f d e r W e se rm ü n d er Geest (A bb. 3). Das lie g t daran, daß die G ru n d m o ­ räne d e r Zevener Geest g ro ß flä c h ig sehr sandig ist und n u r im südlichen Teil L a u e n b u rg e r Ton h ä u fig e r o b e rflä ­ chennah v o rk o m m t, so e tw a südöstlich von B rem ervörde, sü d w estlich von Ze­ ven und n o rd w e s tlic h von R o te n b u rg / W ü m m e (M a rczin ski 1968). Im Bereich d e r S taatsforstflächen, ru n d 25 % d e r W a ld flä ch e des U n te rsu ­ chungsgebietes, ist d e r g rö ß te Teil 17

W u lf/K e lm

Z ur B e d e u tu n g „h is to ris c h a lte r W ä ld e r" f ü r d en N a tu rs c h u tz -U n te rs u c h u n g e n n a tu rn a h e r W ä ld e r im Elbe-W eser-Dreieck

Abb. 3. Bodenkundliche Karte nach Lüders(1978), verändert schwarze Flächen = Podsole, Gley-Podsole, Pseudogley-Podsole, anmoorige Podsole graue Flächen = (Para-)Braunerden, auch podsollge Pararendzinen gepunktete Flächen = Börde- und bördeähnliche Böden; (Para-)Braunerden, Pseudogleye weiße Flächen = Moorböden einfach horizontal liniert =tonig-lehmige Marschböden doppelt horizontal liniert = tonig-sandige Marschböden mit+ gekennzeichnete Flächen = Rohböden.

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Tab. 2. Substratgruppen in den Staatswald­ flächen (nach Otto 1989) Substratgruppe Geschiebemergel Geschiebelehm Lauenburger Ton Sandlöss Sand Dünen Auen Moor Sonstige *)

Gesamt In ha

In Pro­ zent

600 7.800 500 150 5.900 100 10 1.220 150

3,7 47,5 3,0 0,9 36,0 0,6 0,1 7,3 0,9

16.430 Gesamt *) = Kultivierte Moore, Eschböden und Schüttböden

durch das S ubstrat G eschiebelehm ge­ p rä g t (Tab. 2). A u f d e r W eserm ünder Geest herrschen aber Sande v o r (fast 50% ), w eshalb ein g ro ß e r Teil d e r Flä­ chen n u r schwach bis m äßig m it N ähr­ s to ffe n ve rso rg t ist. D agegen sind die Forstreviere de r Zevener Geest zum g rö ß te n Teil m äßig bis ziem lich g u t n ä h rsto ffve rso rg t. H ier b e fin d e n sich außerdem fa st a lle g u t m it N ä h rsto ffe n versorgten S ta n d o rte , näm lich knapp 90% de r gesam ten sta a tlich e n W a ld ­ fläche. Insgesam t ü b e rw ie g e n im Staats­ w a ld des Elbe-W eser-Dreiecks deshalb die ziem lich g u t bis m äßig n ä h rs to ffv e r­ sorgte n S tando rte (A bb. 4). Die S tandorte in den Staatsforsten sind vo rw ie g e n d g ru n d - und stauw as­ serfrei. W e n ig e r b e d e u te n d sind stauw a sser-beeinflu ß te Flächen m it rund 2 6% A n te il an d e r gesam ten Staats­ w a ld flä ch e und grundw asser-beeinflu ß te S tandorte m it ein e m A n te il von e tw a 20% (A bb. 5).

w ie es sow ohl von Krause und S chröder (1979) als auch von uns p ra k tiz ie rt w u rd e . Nach Krause und S chröder (1979) w ü rd e n a u f dem B la tt H am ­ burg-W est (M aßstab 1:200000) fa st 50% der Fläche p o te n tie ll m it b o d e n ­ sauren Buchen- und B uchenm ischw äl­ dern bestockt sein. M it run d 2 0% Flä­ ch e nanteil w ä re n B irke n-E iche nw äld er v e rtre te n und Erlen- sow ie ErlenM ischw älder w ü rd e n rund 10% d e r Flä­ che decken. E iche n-H ainbuchenw älder w ären von N atur aus selten und w ü rd e n eine Gesam tfläche von le d ig lich kn ap p 6% einnehm en. Die Karte von Krause und S chröder (1979) deckt e tw a das w estlich e D ritte l des Elbe-Weser-Dreiecks n ich t ab, d e n ­ noch läßt sich auch fü r diesen Bereich feststellen, daß v o r allem Buchen- und B uchen-M ischw älder zu e rw a rte n w ä ­ ren. Nur in den N ie de ru ng en , vo r allem der Hamme und W üm m e, w ä re n Erlenb ru chw äld er und T raubenkirschenEschenwälder p o te n tie ll v e rtre te n . A u f g ru n d - oder stauw asserbe einflu ß ten ,

1%

le h m ig e n Sanden ü b e r a n ste h e n d e m G eschiebem ergel o d e r L a u e n b u rg e r Ton w eisen Krause und S ch rö d e r (1979) als pnV den fe u c h te n E ichen-H ainbuche n w a ld aus, der real n u r ein e n Flä­ c h e n a n te il von 0,6 % e rre ic h t, da d e r g rö ß te A n te il der p o te n tie ll m ö g lic h e n Fläche in G rü nla nd u m g e w a n d e lt w o r ­ den ist, näm lich rund 90 %. Auch aus den S ta n d o rtk a rtie ru n g e n d er h e u tig e n W a ld flä c h e n lä ß t sich nä­ herungsw eise die pnV h e rle ite n . Für das U n te rsu ch un gsg eb ie t lie g e n n u r aus den Landesforsten kle in m a ß s tä b ig e S ta n d o rts ka rtie ru n g e n vor. H ie rfü r sind A n g a b e n zu r pnV m ö g lic h (Tab. 3). Dazu w ird a u f re g io n a le r Ebene auß er dem K lim a vo r allem d e r W asserhaus­ h a lt, die N ä h rsto ffve rso rg u n g und das geologische A usgangssubstrat b e rü c k ­ sic h tig t. Die in Tabelle 3 a u fg e fü h rte n W a ld ­ gesellschaften w e rd e n aus P la tz g rü n ­ den h ie r n ic h t näher beschrieben, s ta tt dessen w ird a u f die A rb e it vo n Kastl, K eim und S turm (1986) verw iesen.

3%

29°/c

■ gut M ziemlich gut

34%

ü mäßig H schwach □ sehr schwach

5. P o te n tie lle n a tü rlich e V e g e ta tio n (p n V ) 33% U n te r der p o te n tie lle n n a tü rlic h e n Ve­ g e ta tio n (pnV) w ird d ie V e g e ta tio n verstanden, die sich „s c h la g a rtig " an e i­ nem S ta n d o rt e in ste lle n w ü rd e , w e n n alle m enschlichen E in g riffe a u fh ö rte n (Tüxen 1956). Diese D e fin itio n ist v o r a l­ lem w egen ihres h yp o th e tisch e n Cha­ rakters u m s tritte n (H ä rd tle 1989). Da­ durch sind der V orhersage zu r pnV e i­ nes Gebietes Grenzen gesetzt. Dennoch lä ß t sich a u fg ru n d w ic h tig e r s ta n d ö rtli­ cher Param eter a b le ite n , w elche pnV am b e tre ffe n d e n O rt h ö ch stw a h r­ scheinlich vorkäm e. W irs c h lie ß e n dabei die n ich t heim ischen, vom Menschen e in g e fü h rte n A rte n aus. Die Einschät­ zungen zur pnV k ö n n e n durch G elän­ debege h u n g e n abg e sich e rt w erden,

Abb. 4. Anteile der Nährstoffstufen in den staatlichen Forstamtsflächen (nach Otto 1989).

20% I

Grundwasserbeeinflußte Standorte

ü Stauwasserbeeinflußte Standorte 54%

□ Grund- und Stauwasserfreie Standorte

26%

Abb. 5. Anteile der Wasserversorgungsstufen in den staatlichen Forstamtsflächen (nach Otto 1989). 19

W u lf/K e lm • Z ur B e d e u tu n g „h is to ris c h a lte r W ä ld e r" f ü r den N a tu rs c h u tz -U n te rs u c h u n g e n n a tu rn a h e r W ä ld e r im Elbe-W eser-Dreieck

Tab. 3. Übersicht der potentiellen natürlichen Waldgesellschaften der Forstämter (abgeschätzt auf Grundlage der Standortkartierungen der staatlichen Forstämter 1971, 1973, 1975 und 1979) sowie der naturnah und bedingt naturnah erhaltenen Bestände Waldgesellschaft

Potentiell Fläche in ha in %

Davon in ha

naturnah Davon bed. in % in ha

naturnah in %

Naturn. u.bed. naturn. in ha in %

Waldmeister-Buchenwald Flattergras-Buchenwald Drahtschmielen-Buchenwald T raubeneichen- Buchenwald

50 1750 3640 3840

0,3 10,8 22,4 23,6

29 440 460 40

Buchenwälder

9280

57,1

969

Waldmeister-Buchen-Eichen-Hainbuchenwalc Flattergras-Buchen-Eichen-Hainbuchenwald Pfeifengras-Buchen-(Birken-)Eichenwald

250 1390 1150

1,5 8,6 7,1

170 140 14

Buchen- Eichen- Hainbuchenwälder

2790

17,2

324

Eschen-Eichen-Hainbuchenwald Gei ßblatt-Eichen-Hainbuchenwald

300 350

1,8 2,2

230 20

Eichen- Hainbuchen-Wälder

650

4,0

250

Erlen-Birken-Eichenwald Pfeifengras-Birken-Eichenwald Trockener Birken-Eichenwald mit Kiefer

180 350 1750

1,1 2,1 10,8

14 3 0

Birken- Eichenwälder

2280

14,0

17

Eschen- Erlen- Bruchwald Birken- Erlen- Bruchwald Sekundärer Kiefern-Birken-Bruchwald

100 280 860

0,6 1,7 5,3

20 40 60

Bruchwälder

1240

7,6

120

10

0,1

5

50

0

0

5

50

16250

100

1685

10,4

1166

7,2

2851

17,6

Hartholzauenwälder Gesamt

6. A k tu e lle B e w a ld u n g Das Land Niedersachsen ist im M itte l zu 2 2 % b e w a ld e t. Dagegen g e h ö rt das U nte rsuchungsg ebie t m it d u rc h s c h n itt­ lich 9,8% W a ld flä c h e zu den w a ld ­ ärm sten R egionen Niedersachsens und auch der B undesrep u b lik D eutschland. A lle rd in g s w eisen ein ze ln e Landkreise einen W a ld a n te il von ü b e r 10% a u f (Tab. 4). Etwa ein V ie rte l (ru n d 17 200 ha) der W ä ld e r im U nte rsu ch u n g sg e b ie t sind Landesforsten, die bis 1992 von den f ü n f staatlichen F orstäm tern O ster­ holz-Scharm beck (3582 ha), Bederkesa (3110 ha), B rem ervörde (3305 ha), Har­ sefeld (3360 ha) und R o te n b u rg / W ü m m e (3878 ha) b e tre u t w u rd e n . A b 1993 w u rd e n die Flächen des Forstam ­ tes B rem ervörde in die Z u stä n d ig k e ite n d e r F orstäm ter Bederkesa, Harsefeld und R ote n b u rg /W ü m m e überg e b e n . Knapp 4 0 % der S taatsw aldfläche sind historisch a lte r W a ld (vgl. auch K eim in diesem H eft). 20

58 25 13 1

2 260 300 50

4 15 8 1

31 700 760 90

612 68 10 1

40 90 6

1581 16 6 0,5

210 230 20

136 77 6

40 40

13 11

270 60

7 7 14

4 2 1

21 10 14

12 3 1

45

20 80 210

20 29 23

40 120 270

310

Die ru n d 17200 ha Landeswald ve r­ te ile n sich a u f etw a 130 W aldflächen, w oraus sich eine D urchschnittsgröße von ca. 130 ha pro W a ld g e b ie t e rg ib t. Im P riva tw a ld ist die D urchschnitts­ größ e erheblich geringer. In A n b e tra c h t des n ie d rig e n B ew al­ dungsgrades und der g e rin g e n D urch­ schnittsgröße hat je d e noch so kleine W a ld flä ch e nicht n u r w ic h tig e la n d ­ schaftspflegerische F unktionen. Besonders die historisch a lte n Laubw aldinseln, die o ft leicht e rh ö h t a u f G eestkuppen die w e ite N iederungs­

90 17

330

28 20 14 7

84 16 1,5

460

80 8 6 0

62 40 21 2

40 43 31

430

la n d sch a ft ü b e rragen, sind bei näherer B e tra ch tu n g je d e eine B esonderheit fü r sich. Sie zeichnen sich durch e inige m a r­ ka n te E ig e n h e ite n u nd U nterschiede n ic h t n u r in d e r Bestockung aus, son­ d e rn auch in den S ta n d o rtve rh ä ltn is­ sen, d e r W aldgeschichte, der A rte n z u ­ sam m ensetzung und den B esitzverhält­ nissen sow ie d e r historischen N utzung. In den S taatsforsten ü b e rw ie g e n u n te r den N a d e lh ö lze rn die K iefer und d ie Fichte, bei den Laubbäum en sind v o r allem Eiche und Buche v e rtre te n (A bb. 6).

Tab. 4. Waldflächen der Landkreise (aus. Niedersächsischer Minister für Ernährung, Land­ wirtschaft und Forsten, 1990) L a n d k r e is O s te r h o lz - S c h a r m b e c k

G e s a m tflä c h e ( h a )

W a ld flä c h e (h a )

In P r o z e n t

6 5 .0 6 0

6 .8 9 6

C uxhaven

2 1 2 .9 7 0

1 5 .5 4 7

7 ,3

S ta d e

1 3 0 .4 8 0

7 .6 9 8

5 ,9

R o te n b u rg /W ü m m e

2 0 6 .9 6 0

2 8 .5 6 0

1 3 ,8

7 8 .7 8 0

9 .1 3 8

1 1 ,6

6 9 4 .2 5 0

6 7 .8 3 9

9 ,8

V e rd e n G e s a m t:

1 0 ,6

W u lf/K e lm ■Z ur B e d e u tu n g „h is to ris c h a lte r W ä ld e r" fü r den N a tu rs c h u tz -U n te rs u c h u n g e n n a tu rn a h e r W ä ld e r im E lbe-W eser-D reieck

Abb. 6. Baumartenzusammensetzung in den staatlichen Forstamtsflächen (nach Otto 1989) ALN = Anderes Laubholz mit niedriger Um­ triebszeit (Erle, Birke und Pappel) ALH = Anderes Laubholz mit hoher Um­ triebszeit (Esche).

6000 5000 4000 0> 3000 1} 9 o> <

2000 1000

Tab. 5. Liste der 37 untersuchten Pflanzen­ arten mit Angaben zu den Populationsgrö­ ßen, zu der Zahl der Vorkommen und zum Gefährdungsstatus Symbol auf Verbreitungskarten Pflanzenart Adoxa moschatellina Allium ursinum ‘ Brachypodium sylvaticum Carex sylvatica Chrysosplenium alternifolium Chrysosplenium oppositifolium Circaea alpina ‘ Convallaria majalis Crépis paludosa Equisetum hyemale Equisetum sylvaticum Euonymus europaeus Festuca gigantea Gagea spathacea ‘ Galium odoratum Geum rivale ‘ Hepática nobilis Ilex aquifolium Lamiastrum galeobdolon Listera ovata Lysi machia nemorum Malus sylvestris ‘ Mélica uniflora ‘ Mercurialis perennis ‘ Paris quadrifolia ‘ Phyteuma nigrum ‘ Phyteuma spicatum ‘ Platanthera chlorantha ‘ Primula elatior ‘ Pulmonaria obscura Rhamnus catharticus ‘ Sanícula europaea Stachys sylvatica Thelypteris phegopteris ‘ Ulmus laevis Valeriana dioica ‘ Veronica montana



- 1.000: 41 -1 0 qm: 5 - 500: 54 - 500: 72 - 5 qm: 74 - 5 qm: 27 - 500: 8 - 500: 36 - 500:112 - 1 qm: 20 - 200: 22 - 20: 63 - 200: 43 -5.000: 34 -1 0 qm: 35 - 5 qm: 106 - 100: 5 - 10: 80 - 5 qm: 93 - 10: 14 - 5 qm: 78 1: 15 -1 0 qm: 19 -1 0 qm: 21 - 100: 27 - 50: 12 - 50: 16 - 50: 46 - 100: 19 - 500: 10 1: 9 - 100: 34 -1.000: 98 - 100: 15 3: 8 - 50: 28 - 500: 29

I

• -

10.000:73 100 qm: 1 1.000: 5 1.000:18 10 qm: 19 10 qm: 8 1.000: 2 1.000: 11 1.000:18 10 qm: 4 500:16 50: 70 500: 48 10.000:11 50 qm: 35 10 qm: 20 500: 6 30:94 10 qm: 45 50: 21 10 qm: 28 2: 5 30 qm: 7 50 qm: 6 500:26 100: 1 100: 8 100:15 500:14 1.000: 2 2: 4 1.000:40 5.000: 54 200: 4 5: 6 200:18 1.000:18

> > > > > > > > > > > > > > > > > > > > > > > > > > > > > > > > > > > >

0) o CD

JO

i _i <

z _i <

0) Io Li.

g> «j o> 3 O o



Summe der Individuen bzw. Fläche

Summe der Vor­ kommen

Häufig keitskategorie

10.000:29 100 qm: 1 1.000: 6 1.000:13 10 qm: 32 10 qm: 22 1.000: 9 1.000:45 1.000: 20 10 qm: 11 500:15 50: 12 500:16 10.000:16 50 qm: 29 10 qm: 13 500: 3 30: 23 10 qm: 41 50: 4 10qm: 17 3: 1 30 qm: 8 50 qm: 17 500:15 100: 3 100:11 100:10 500:14 1.000: 5 2: 4 1.000: 14 5.000: 20 200:11 5: 4 200: 7 1.000:17

750.000 Ex. 20.000 qm 30.000 Ex. 50.000 Ex. 2.000 qm 3.000 qm 600 qm 100.000 Ex. 150.000 Ex. 15.000 qm 25.000 Ex. 3.000 Ex. 35.000 Ex. 300.000 Ex. 11.000 qm 100.000 Ex. 10.000 Ex. 5.000 Ex. 5.000 qm 2.000 Ex. 150.000 Ex. 30 Ex. 1.500 qm 50.000 qm 25.000 Ex. 750 Ex. 4.500 Ex. 5.000 Ex. 30.000 Ex. 10.000 Ex. 35 Ex. 40.000 Ex. 300.000 Ex. 6.000 Ex. 100 Ex. 8.000 Ex. 50.000 Ex.

143 7 65 103 125 57 19 92 150 35 53 145 107 61 99 139 14 197 179 39 123 21 34 44 68 16 35 71 47 17 17 88 172 30 18 53 64

häufig sehr selten mäßig häufig häufig häufig mäßig häufig sehr selten mäßig häufig häufig selten mäßig häufig häufig häufig mäßig häufig mäßig häufig häufig sehr selten häufig häufig selten häufig sehr selten selten selten mäßig häufig sehr selten selten mäßig häufig selten sehr selten sehr selten mäßig häufig häufig selten sehr selten mäßig häufig mäßig häufig

& <1> a> 2

a> o =ra -1 jc

Rote-Liste Status GAR VE (1993) —

4F — — 3F 3F 3 — ...

3 3F ... ...

3 3F 3 2F § ...

3F 3F 2 (3F) (3F) 3F 3F 3F 2F,3H 3F (3F) 3F 3F ...

3F 3 3 3F

* Verbreitungskarten vorhanden Rote-Liste Status nach GAR VE (1993): — = keine Gefährdung, 2 = Art stark gefährdet, 3 = Art gefährdet, 4 = Art potentiell gefährdet, F = Gefährdungskategorie im Flachland, H = Gefährdungskategorie im Hügel- und Bergland

21

W u lf/K e im • Z ur B e d e u tu n g „h is to ris c h a lte r W ä ld e r" fü r d en N a tu rs c h u tz -U n te rs u c h u n g e n n a tu rn a h e r W ä ld e r im Elbe-W eser-D reieck

Abb. 7. Das Elbe-Weser-Dreieck m it den untersuchten Waldflächen (schwarz markiert).

22

W u lf/K e lm • Z ur B e d e u tu n g „h is to ris c h a lte r W ä ld e r" fü r den N a tu rs c h u tz -U n te rs u c h u n g e n n a tu rn a h e r W ä ld e r im Elbe-W eser-D reieck

O b w o h l m it den sta a tlich e n Forst­ flä ch e n nu r run d 2 5 % d e r gesam ten W a ld flä ch e des U ntersuchungsgebietes e rfa ß t sind, w ird te n d e n z ie ll die Baum ­ artenzusam m ensetzung des ganzen Elbe-W eser-Dreiecks w ie d e rg e g e b e n . Im P rivatw ald ist der N a d e lh o lz a n te il a lle r­ dings d e u tlich höher. Der n ie d rig e re L a u b h o lz a n te il im P riva tw ald h at hauptsächlich geschicht­ liche Gründe. So h a t sich die p riv a te W a ld flä c h e im U nte rsuchungsgebiet in den le tz te n 150 Jahren ü b e rw ie g e n d durch H eide­ a u ffo rs tu n g e n (m it N a d e lh o lz) nahezu v e rfü n ffa c h t! A lle rd in g s spielen beim L a u b h o lz­ anbau auch w irts c h a ftlic h e A spekte eine Rolle; höhere K u ltu rk o s te n und späte R e n ta b ilitä t m achen den Laub­ h o lza nbau fü r viele P riva tw a ld b e sitze r u n a ttra k tiv .

7. M eth od en d er f lo ristisch en K a rtie ru n g ln den Jahren 1986 bis 1989 un te rsu ch ­ te n die A u to re n 450, v o rw ie g e n d b o ­ denfrische bis -fe u ch te W ä ld e r (A bb. 7) a u f das V orkom m e n von 32 a u sg e w ä h l­ te n k ra u tig e n Pflanzen un d 5 G ehölz­ arte n, deren B e deutung als In d ik a to r­ a rte n fü r historisch a lte W ä ld e r g e p rü ft w e rd e n sollte (Tab. 5). Einzelne W a ld flä ch en w u rd e n noch 1990 n a ch ka rtie rt. Von den 450 W ä l­ dern ko n n te n 315 fü r die A u s w e rtu n g herangezogen w e rd e n , w e il m in d e ­ stens eine der 37 a u sg e w ä h lte n A rte n vorka m . F olgende K rite rie n w a re n fü r die A usw ahl der P fla n ze n a rte n entschei­ dend: ■ Es sollten typische W a ld p fla n z e n sein, d .h . solche, die a u ß e rh a lb von W ä ld e rn o d e r w a ld ä h n lic h e n Form a­ tio n e n , z.B. Hecken u nd Gebüschen, n u r w e n ig bis g a r n ic h t V orkom m en o d e r die zum in d e st a u f Beschattung durch W ä ld e r angew iesen sind. ■ Es sollten keine zu seltenen A rte n sein, d .h . m indestens 10 E in ze lvo rko m ­ men im U ntersu ch u n g sg e b ie t (ausge­ nom m en AlH um ursinum ). ■ Es so llte n andererseits k e in e „A lle rw e lts a rte n " sein, die als e u ryö ke g e lte n und von denen m ö g lich e rw e ise zu er­ w a rte n ist, daß ih re B in d u n g an h isto ­ risch alte W ä ld e r n ic h t besonders aus­ g e p rä g t ist.

Um m öglichst alle V o rko m m e n der 37 ausgew ählten A rte n zu erfassen, w u rd e n zahlreiche Q u e lle n a u sg e w e r­ te t. Dazu ge h ö rte n in erster Linie die a l­ te n Floren von A lp e rs (1875 u nd 1886), B ie le feld (1900), Brandes (1897 und 1910), Buchenau (1894 un d 1936), E llker (1881), H äm m erle (1910), N öldeke (1890), von Pape (1866 u nd 1867) und S te in fo rth (1849). A ber auch flo ris tis c h e A rb e ite n jü n ­ geren Datums, d ie H inw eise a u f e in ­ zelne A rte n geben, w ie Cordes (1975, 1977 und 1981), K o llm a n n (1959), Küsel (1967 und 1969), von W eihe (1951) und W o lte r und D ierschke (1975) sow ie die A usw e rtu n g e n des Niedersächsi­ schen Landesverw altungsam tes zu den schutzw ürdigen B io to p e n des Landes Niedersachsen (von D rachenfels e t al. 1984) w urd e n h e ra n g e zo g e n . Ferner w u rd e n verschiedene, flo r i­ stisch versierte Personen b e fra g t und das Herbarium des Überseemuseums in Bremen ausgew ertet. Nach Abschluß d e r U n tersuchungen w u rd e fü r 11 d e r 15 in K arten d a rg e ­ stellten A rte n das R ote-Liste-A rten M e l­ dekataster des Niedersächsischen Lan­ desamtes fü r Ö k o lo g ie in H a n n ove r a u f w e ite re, von uns n ic h t g e fu n d e n e V o r­ kom m en gesichtet. Die Daten w u rd e n a b e r le d ig lic h fü r das K apitel 10 v e rw e n d e t, um zu p rü ­ fen, w ieviele der insgesam t b e ka n n te n V orkom m en sich in historisch a lte n W ä l­ dern befinden. Die N o m e n k la tu r d e r G e fä ß p fla n ­ zen ric h te t sich nach E h re n d o rfe r (1973).

8. Ü bersicht zu r V e rb re itu n g der A rten Die 37 P flanzenarten w u rd e n 4 H ä u fig ­ keitskategorien z u g e o rd n e t, w o b e i der größere Teil der A rte n m äßig h ä u fig bis h ä u fig ist, näm lich ru n d 6 0 % . 1 - 25 Fundorte: sehrselten 8 A rte n = 21,6% 2 6 - 50 Fundorte: selten 7 A rte n = 18,8% 51-100 Fundorte: m äßig häufig 11 A rte n = 29,8% > 100 Fundorte: h ä u fig 11 A rte n = 29 ,8 %

Die V e rte ilu n g d e r A rte n z a h le n z e ig t d e u tlic h , daß ein g ro ß e r Teil de r un te rsu ch te n W ä ld e r n u r 1 bis 5 d e r 37 a u sg e w ä h lte n A rte n a u fw e is t. Ein w e i­ te re r g ro ß e r E inschnitt lie g t bei A rte n ­ zahlen ü b e r 20, w ie n achstehende A u f­ ste llu n g ze ig t: A rte n ­ zahl:

Zahl der W ä ld e r

In P rozent

Ib is 5 6 bis 10 11 bis 15 16 bis 20 21 bis 25 26 bis 30 ü ber 30

137 63 55 40 14 5 1

43,5 20,0 17,5 12,7 4,4 1,6 0,3

Summe:

315

100

9. V e rb re itu n g sk a rte n Im Text d e r V e rb re itu n g s k a rte n (A bb. 8 bis 22) ist das soziologische V e rh a lte n nach E lle n b e rg e t al. (1991) angegeben. Sofern durch U n te rsu ch ungen von W u lf (1992) im U n te rsu ch u n g sg e b ie t ein abw eichendes V e rh a lte n fe s tg e s te llt w u rd e , ist dieses e rg ä n zt. Auch d ie ö ko lo gisch en Z e ig e rw e rte sind d e r A rb e it von E lle n b e rg e t al. (1991) entnom m en. A b w e ichungen hie r­ von tre te n im E lbe-W eser-D reieck zw a r auf, sind a ber aus P la tzg rü n d e n h ie r n ich t g e n a n n t, zum al diese b ereits in W u lf (1992) p u b liz ie rt sind. Die S tand­ o rta n g a b e n beziehen sich d a g egen a u f das Elbe-W eser-Dreieck, so daß a u f diese A rt A b w e ic h u n g e n zu E llenberg e t al. (1991) te x tlic h fo r m u lie rt sind. Die Zahl d e r V o rk o m m e n sow ie die In d iv id u e n - o d e r Flächenangaben g e ­ ben „le d ig lic h " die selbst e rh o b e n e n D aten w ieder. A u f den K arten (A bb. 8 bis 22) sind die P o p u la tio n sg rö ß e n in drei S tufen m it un te rsch ie d lich g ro ß e n Kreisen sym b o lisie rt (vgl. Tab. 5): • = kle in e P o p u la tio n e n • = m ittle re P o p u la tio n e n 0 = groß e P o p u la tio n e n ■ = zusätzliche F u n d o rte aus dem M e l­ d e ka ta ste r des niedersächsischen Landesamtes fü r Ö k o lo g ie in H an­ nover Sofern in einem W ald m ehrere Fund­ o rte liegen, d ie m indestens 100 m v o n ­ e in a nd e r e n tfe rn t liegen, w u rd e n m ehrere P unkte e in g e tra g e n . 23

W u lf / Keim • Z ur B e d e u tu n g „h isto risch a lte r W ä ld e r" f ü r d en N a tu rs c h u tz -U n te rs u c h u n g e n n a tu rn a h e r W ä ld e r im Elbe-W eser-D reieck

A b b . 8 . B r a c h y p o d iu m s y lv a t ic u m = W a ld - Z w e n k e Z a h l d e r F u n d o r te : 6 5 , In d iv id u e n z a h l: 3 0 0 0 0 - % - A n t e i l in h is to ris c h a lt e n W ä ld e r n : 1 0 0 - S o z io lo g is c h e s V e r h a lt e n : K la s s e n k e n n a r t d e r Q u e r c o -F a g e te a - Ö k o lo g is c h e Z e ig e r w e r t e ; F -Z a h l: 5 , R -Z a h l: 6 , N -Z a h l: 6 - S t a n d o r t e : s c h w e r e , a n m o o r ig e , a u c h t o n ig e L e h m b ö d e n s o w ie g u t d u r c h lü f t e t e M u llb ö d e n , m e is t a u f M e r g e l, a b e r a u c h m ä ß ig b a s e n v e r s o r g te B ö d e n .

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Abb. 9. Convallaria m ajalis = M aiglöckchen Zahl d er Fundorte: 9 2 , Individuenzahl: 1 0 0 0 0 0 - % -A nteil in historisch a lten W äldern: 81 -Soziologisches Verhalten: Begleiter, im UG Klas­ senkennart der Q uerco-Fagetea - Ökologische Zeigerw erte; F-Zahl: 4 , R-Zahl: x , N-Zahl: 4 - Standorte: m e h r o d e r w e n ig e r ausgehagerte, recht basen- und Stickstoff arm e, m e hr oder w eniger sandig bis lehm ige Böden, Standorte halb- bis vollschattig.

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W u lf/K e lm • Z ur B e d e u tu n g „h is to ris c h a lte r W ä ld e r" f ü r d en N aturschutz - U nte rsu ch u n g e n n a tu rn a h e r W ä ld e r im Elbe-W eser-Dreieck

Z ahl d e r Fundorte: 9 9 , Flächengröße: 11000 qm - % -A n te il in historisch alten W äldern: 98 - Soziologisches Verhalten: Verbandskennart des Fagion, im UG S chw erpunkt im Fagion - Ökologische Zeigerw erte; F-Zahl: 5 , R-Zahl: 6 , N-Zahl: 5 - S tandorte: frische bis feuchte, z. T. auch an m o o rige grund- o d e r stauw asserbeeinflußte, m eist verlehm te oder tonige, g u t basenversorgte bis basenreiche Böden.

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Abb. 11. Hepatica nobilis = Leberblümchen Zah l d er Fundorte: 1 4 , Individuenzahl: 1 0 0 0 0 - % -A nteil in historisch alten W äldern: 100 - Soziologisches Verhalten: Klassenkennart d er Q uerco-Fagetea - Ökologische Zeigerw erte; F-Zahl: 4 , R-Zahl: 7, N-Zahl: 5 - Standorte: frische bis nasse, z. T. anm oorige M erg e lb ö d e n m it rascher Laubzersetzung u nd g u t durchlüftetem O berboden.

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Abb. 12. M elica uniflora = Perlgras Zah l d er Fundorte: 3 4 , Flächengröße: 15 00q m - % - A n t e ll in historisch alten W äldern: 100-Soziologisches Verhalten: O rdnungskennart d er Fagetalia, im UG Schw erpunkt im Fagion - Ökologische Zeigerw erte; F-Zahl: 5 , R-Zahl: 6 , N-Zahl: 6 - Standorte: ausreichend verlehm te, frische bis feuchte, m äßig bis g u t basenversorgte, im O berboden g u t durchlüftete Böden. 28

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Abb. 13. M ercurialisperennis = B ingelkraut Z ahl d e r Fundorte: 4 4 , Flächengröße: 50000 qm - %-A n teil in historisch alten W äldern: 1 0 0 - Soziologisches Verhalten: O rd nu n gsken n art d e r Fagetalia - Ökologische Z eige rw erte; F-Zahl: x , R-Zahl: 8 , N-Zahl: 7 - Standorte: feuchte, vor allem im O berboden g u t d urch lü ftete, lehm ige und basenreiche (M ergel-)B öden m it Mull.

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A bb. 14. Paris q uadrifo lia = Einbeere Z a h l d e r Fundorte: 6 8 , Individuenzahl: 2 5 0 0 0 - % -A n te il in historisch alten W äldern: 99 - Soziologisches Verhalten: O rdnungskennart der Fagetalia, im UG Verbandstrennart des A lno-U lm ion - Ökologische Zeigerw erte; F-Zahl: 6 , R-Zahl: 7 , N-Zahl: 7 - S tandorte: anm oorige, w echselfeuchte o d e r g rundw asserbeeinflußte M erge lb ö de n m it rascher Laubzersetzung (L-Mull).

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Abb. 15. Phyteuma nigrum = Schw arze Teufelskralle Zahl der Fundorte: 1 6 , Individuenzahl: 750 - % -A nteil in historisch a lten W äldern: 94 - Soziologisches Verhalten: V erbandskehnart des Polygono-Trisetion, im UG O rdnungskennart der Fagetalia - Ökologische Z eig e rw erte: F-Zahl: 5 , R-Zahl: 5 , N-Zahl: 4 - Standorte: feuchte, ton reiche, m äßig bis g u t basenversorgte, humose Lehmböden.

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Abb. 16. Phyteum a sp icatum = Ä h rig e Teufelskralle Z ah l d e r Fundorte: 3 5 , Individuenzahl: 4 5 0 0 - % -A n te il in historisch alten Wäldern: 98 - Soziologisches Verhalten: O rdnungskennart der Fagetalia - Ökologische Z eige rw erte; F-Zahl: 5 , R-Zahl: 6 , N-Zahl: 5 - Standorte: frische bis feuchte, m e hr oder w en ig er verlehm te, basen­ reiche u nd im O berboden gen üg en d d urch lü ftete Böden.

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Abb. 17. Platanthera chlorantha = Grünliche W aldhyazinthe Zahl d er Fundorte: 7 1 , Individuenzahl: 5000 - % -A nteil in historisch a lten W äldern: 98 - Soziologisches Verhalten: O rd nu n gsken n art d er M o linietalia, im UG V erbandstrennart des Alno-Ulm ion - Ökologische Z eig e rw erte; F-Zahl: 7 , R-Zahl: 7 , N-Zahl: x - Standorte: (stark) Wech­ sel- o der grundfeuchte bis staunasse, z. T. anmoorige, basenreiche M e rg e l- u nd Tonböden m it rascher Laubzersetzung (L-M ull).

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A bb. 18. Prim ula e la tio r= H o h e Schlüsselblume Z a h l d e r Fundorte: 4 7 , Individuenzahl: 3 0 0 0 0 - % -A n te il in historisch alten Wäldern: 93 - Soziologisches Verhalten: Begleiter - Ökologische Z e ig e rw e rte ; F-Zahl: 6 , R-Zahl: 7 , N-Zahl: 7 - S tandorte: staunasse, m äßig bis g u t basenversorgte Lehm- und Tonböden, o ft a u f N ieder­ m oor.

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Abb. 19. Pulm onaha obscura = Dunkles Lungenkraut Zahl d e r Fundorte: 17, Individuenzahl: 1 0 0 0 0 - % -A nteil in historisch a lten W äldern: 100 - Soziologisches Verhalten: O rdnu n gsken n art d e r Fagetalia - Ökologische Z eige rw erte; F-Zahl: 6 , R-Zahl: 8 , N-Zahl: 7 - S tandorte: w echselfeuchte bis staunasse, z. T. anm oorige, g u t bis sehr g u t basen versorgte lehm ige o d e r tonige M ullböden.

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Abb. 20. Sanicula europaea = Sanikel Z ah l d e r Fundorte: 8 8 , Individuenzahl: 4 0 0 0 0 - % -A n te il in historisch alten W äldern: 1 0 0 - Soziologisches Verhalten: O rdnungskennart der Fagetalia - Ökologische Z eig e rw erte; F-Zahl: 5 , R-Zahl: 8 , N-Zahl: 6 - Standorte: frische bis feuchte, auch staunasse bis anm oorige, m ehr o d e r w en ig er verlehm te, g u t bis sehr g u t basen versorgte Mullböden.

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Abb. 21. Ulmus laevis = Flatter-Ulm e Z ah l der Fundorte: 1 8 , Individuenzahl: 1 0 0 - % -A nteil in historisch alten W äldern: 100 - Soziologisches Verhalten: Verbandskennart des A lno-U lm ion - Ökologische Z eige rw erte: F-Zahl: 8=, R-Zahl: 7, N-Zahl: 7 - S tandorte: feuchte bis stau- o der grundnasse, h ä u fig a n m o o rig e g u t bis sehr g u t basen versorgte, m e hr o der w en ig er verlehmte o d e r tonige M u llböden.

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Abb. 22. Veronica m ontana = Berg-Ehrenpreis Z ah l d e r Fundorte: 6 4 , Individuenzahl: 5 0 0 0 0 - % -A n te il in historisch alten W äldern: 98 - Soziologisches Verhalten: Verbandskennart des A ln o-U lm io n , im UG O rdnungskennart d e r Fagetalia - Ökologische Zeigerw erte; F-Zahl: 7 , R-Zahl: 5 , N-Zahl: 6 - Standorte: frische bis feuchte, ausreichend verlehm te, m äßig bis g u t basenversorgte Lehm-, seltener Tonböden. 38

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10. Bindungsstärke von A rten an historisch alte W älder 10.1 Ergebnisse aus dem Elbe-WeserDreieck U n te r dem B e g riff historisch a lte W ä l­ d e r w e rd e n in Tabelle 6 a lle historisch a lte n G ehölze g e fa ß t, d ie a lle rd in g s ü b e rw ie g e n d W ä ld e r sind. Zu den Ge­

hölzen w erden au ß e r W ä ld e rn auch Hecken, Gebüsche u nd G e h ö lz g ru p p e n an Bauernhöfen u nd a u f H ü g e lg rä b e rn gezählt, sow eit sie in d e r K u rh a n n o v e r­ schen Landesaufnahm e d a rg e s te llt sind. Die B indungsstärke an historisch a lte und ne u ze itlich e W ä ld e r w u rd e in Tabelle 6 an der G esam tzahl a lle r V o r­ kom m en im U n te rsu ch u n g sg e b ie t „ g e ­ messen".

Für 11 A rte n w u rd e n d ie e igenen F u n d o rte d u rch zu sätzliche M e ld u n g e n aus dem P fla n ze n e rfa ssungsprogram m des Niedersächsischen Landesam tes fü r Ö k o lo g ie (H annover) e rg ä n z t. H ier e r­ geben sich B in d u n g sstärken zw ischen ru n d 8 1 % und 100% Für d ie ü b rig e n A rte n , fü r d ie „ n u r " d ie s e lb ste rh o b e ­ nen D aten v e rw e n d e t w u rd e n , liegen die W e rte zw ischen ru n d 8 5 % und

Tab. 6. Bindungsstärke d er 3 7 untersuchten Pflanzenarten im Elbe-W eser-Dreieck (NLÖ = M e ld ek atas ter des Niedersächsischen Landes­ am tes fü r Ö kologie in Hannover)

Lateinischer Artname

Adoxa moschatellina Allium ursinum Brachypodium sylvaticum Carex sylvatica Chrysosplenium alternifolium Chrysosplenium oppositifolium Circaea alpina Convallaria majalis Crépis paludosa Equisetum hyemale Equisetum sylvaticum Euonymus europaeus Festuca gigantea Gagea spathacea Galium odoratum Geum rivale Hepática nobilis Ilex aquifolium Lamiastrum galeobdolon Listera ovata Lysimachia nemorum Malus sylvestris Mélica uniflora Mercurialis perennis Paris quadrifolia Phyteuma nigrum Phyteuma spicatum Platanthera chlorantha Primula elatior Pulmonaria obscura Rhamnus catharticus Sanícula euopaea Stachys sylvatica Thelypteris phegopteris Ulmus laevis Valeriana dioica Veronica montana

NLÖ-HAN NOVER Summe aller ZAHL AL LER VOR KOMMEf4 WULF & h(ELM histo­ neuzeit­ neuzeit­ neuzeit­ histo­ neuzeit­ Vorkommen histo­ histo­ risch alt lich risch alt risch alt lich lich risch alt lich absolut % absolut % 138 7 65 103 115 55 18 86 138 34 52 141 104 96 99 131 13 188 93 38 120 20 34 44 67 16 35 71 47 17 15 88 166 29 18 45 64

5 0 0 0 10 2 1 6 12 1 1 4 3 2 0 8 0 9 5 1 3 1 0 0 1 0 0 0 2 0 2 0 6 1 0 8 0

105

39

30

3

1

0

31 18 15 14 48

0 2 1 2 5

16

0

8

0

23

2

143 7 65 103 125 57 19 236 150 35 53 145 107 98 132 139 14 197 98 39 123 21 34 44 99 36 51 87 102 17 17 104 172 30 26 53 89

138 7 65 103 115 55 18 191 138 34 52 141 104 96 129 131 14 188 93 38 120 20 34 44 98 34 50 85 95 17 15 104 166 29 26 45 87

96,5 100 100 100 92 96,5 94,7 80,9 92 97,1 98,1 97,2 97,2 98 97,7 94,2 100 95,4 94,9 97,4 97,6 95,2 100 100 99 94,4 98 97,7 93,1 100 88,2 100 96,5 96,7 100 84,9 97,8

5 0 0 0 10 2 1 45 12 1 1 4 3 2 3 8 0 9 5 1 3 1 0 0 1 2 1 2 7 0 2 0 6 1 0 8 2

3,5 0 0 0 8 3,5 5,3 19,1 8 2,9 1,9 2,8 2,8 2 2,3 5,8 0 4,6 5,1 2,6 2,4 4,8 0 0 1 5,6 2 2,3 6,9 0 11,8 0 3,5 3,3 0 15,1 2,2

NLÖ = Niedersächsisches Landesamt für Ökologie in Hannover; nur Angaben zu Arten, die im Möldekataster der gefährdeten Pflanzen erfaßt sind und von denen Verbreitungskarten erstellt wurden__________________________ 39

W u lf/K e im • Z ur B e d e u tu n g „h is to ris c h a lte r W ä ld e r" f ü r d en N a tu rs c h u tz -U n te rs u c h u n g e n n a tu rn a h e r W ä ld e r im Elbe-W eser-D reieck

100% Entsprechend bew e ge n sich die V o rk o m m e n in n e u z e itlic h e n W ä ld e rn fü r alle A rte n le d ig lic h zw ischen 0 % u nd e tw a 19% . A u ffa lle n d ist, daß A rte n m it w e ite ­ re r ö ko lo g isch e r A m p litu d e und re ch t g u te n F e rn ve rb re itu n g s m ö g lic h k e ite n , w ie z. B. Ile x a q u ifo liu m , e b e n fa lls g rö ß ­ te n te ils in historisch a lte n W ä ld e rn V orkom m en. A uch C onvallaria m ajalis, nach Falk e n g re n -G re ru p (1986 und 1990) eine re c h t „m o b ile A r t" , ist noch als sehr sta rk an historisch a lte W ä ld e r g e b u n ­ d en zu b e w e rte n . Ü berraschend ist zunächst auch, daß A rte n , d ie auch a u ß e rh a lb vo n W ä l­ d e rn zu ü b e rle b e n v e rm ö g e n, w ie z.B. P rim ula e la tio r (D ierschke 1968), eine k la re B evorzugung fü r historisch a lte W ä ld e r zeigen. 10.2 Vergleich m it Angaben in alten Floren Für d ie B e u rte ilu n g von P fla n ze n a rte n als In d ik a to re n historisch a lte r W a ld ­ s ta n d o rte ist die Frage d e r K o n tin u itä t ihres V orkom m ens aus zw ei G ründen vo n B edeutung: 1. A rte n , die üb e r lange Z e it - viele Jahrze h n te bis ü b e r ein J a h rh u n d e rt vom gleichen F u n d o rt b e le g t w u rd e n , sind bessere In d ik a to re n als spo n ta n a u ftre te n d e und re la tiv rasch w ie d e r versch w in d e n d e A rte n . 2. A rte n , die üb e r lange Z e it k o n ti­ n u ie rlic h n u r eine b e g re n zte H a b ita t­ w a h l haben, sind eb e n fa lls bessere In d i­ k a to re n fü r die B io to p k o n tin u itä t als solche, die auch a u f w a ld fre ie n Flächen, z.B. n a tu rn a h e n Feuchtw iesen, ü b e rle ­ ben können. H ierzu fin d e n sich H inw eise in a lte n Floren, zu m in d e st fü r je n e A rte n , die fr ü h e r schon zu den selteneren und da ­ h e r m e h r bea ch te te n A rte n g e h ö re n . A lte Floren geben auch einen g e w is­ sen E inblick in den Landschaftszustand zu e in e r Zeit, als das Ü berleben vieler, h e u te g e fä h rd e te r A rte n noch gesi­ c h e rt war. M it zu n e h m e n d e r Land­ schaftsveränderung nach dem 2. W e lt­ krie g setzte ein v e rs tä rk te r Rückgang vo n P flan ze n a rte n ein. Z ur V eranschaulichung d e r K o n ti­ n u itä t der „H a b ita tw a h l" nach A n g a ­ ben in a lte n Floren d ie n t A b b ild u n g 23. H ier sind n u r die A rte n d a rg e s te llt, f ü r d ie auch V e rb re itu n g s k a rte n a n g e ­ 40

VON PAPE ALPERS 1866/1867 1875 *1886 B R A C H Y P O D IU M S Y L V A T IC U M

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C O N V A L L A R IA M A J A L IS

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RAABE 1987

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Abb. 23. H abitatangaben in alten und ju n g e n Floren 2 Bäum e = Wald, 2 Bäume m it x = a u c h am W aldrand, 2 Bäume m it 3. Baum a u f kurzen verti­ kalen L in ien = auch in Waldwiesen, 2 Bäume m it Gebüsch= auch in Hecken u nd Gebüschen, 2 Bäum e m it kurzen vertikalen Linien = auch in Wiesen, 2 Bäume m it langen vertikalen Linien = auch in Hochstaudenriedern.

fe r tig t w u rd e n . A lle rd in g s w u rd e Phyte u m a n ig ru m nicht b erücksichtigt, da sie von den w enigsten A u to re n ge ­ n a n n t w ird und im ganzen n u r unsi­ chere A ng a b e n vorliegen. F ü rd ie Übersicht w u rd e n nach M ö g ­ lic h k e it Floren aus dem Gebiet, z u m in ­ dest a b e r aus N orddeutschland v e r­ w e n d e t, um vergleichbare G rundlagen fü r das landschaftsspezifische V e rh a l­ te n d e r A rte n zu gew ährleisten. In nahezu allen Fällen w e rd e n aus­ nahm slos W älder als W uchsorte d e r 14 P fla n ze n a rte n in a lten Floren a u fg e ­ fü h r t (A bb. 23). Lediglich fü r P rim ula

e la tio r w e rd e n d re im a l F u n d o rte an­ gegeben, die gänzlich a u ß e rh a lb von W ä ld e rn liegen; Feuchtw iesen von A lpers (1875) und Brandes (1897) sow ie H o ch sta u d e n rie d e r von Raabe (1987). Etwas überraschend ist, daß fü r Con­ va lla ria m ajalis n u r von B uchenau (1936) angegeben w ird , daß sie auch in Hecken v o rk o m m t. Gerade fü r das M a ig lö ckch e n w u rd e im M e ld e ka ta ste r des Niedersächsischen Landesamtes fü r Ö k o lo g ie (H annover) o ft e in e Hecke als F u n d o rt angegeben. W ir selbst haben z w a r Hecken n ich t g e z ie lt untersucht, fa n d e n a ber auch m ehrere V o rko m m e n

W u lf/K e im • Z ur B e d e u tu n g „h is to ris c h a lte r W ä ld e r" fü r den N a tu rs c h u tz -U n te rs u c h u n g e n n a tu rn a h e r W ä ld e r im E lbe-W eser-D reieck

in W allhecken. In e in ig e n Fällen sind h e u tig e Hecken a lle rd in g s Ü berreste e h e m a lig e r W älder. Für die ü b rig e n 22 a lle r 37 u n te r­ suchten A rte n sind d ie a lte n Floren e ben fa lls durchgesehen w o rd e n . Die Ergebnisse w e rd e n k u rz v o rg e s te llt. Zu den A rte n , fü r die ausschließlich W ä ld e r als W u ch so rte g e n a n n t sind, zählen A lliu m ursinum , Carex sylvatica, Circaea a lp in a und Lysimachia nem orum . Auch fü r C hrysosplenium o p p o s itifo liu m w e rd e n W ä ld e r als W uchsorte g e n a n n t, insbesondere sch a ttig e Q u e ll­ bereiche in W ä ld e rn ; vo n Brandes (1897) w e rd e n d a rü b e r hinaus auch W aldbäche e rw ä h n t. Für fo lg e n d e P flanzen w e rd e n ne­ ben W ä ld e rn zum Teil auch Gebüsche u n d /o d e r Hecken als F u n d o rte ang e ­ geben: Equisetum h yem ale und sylva­ ticum , Euonym us europaeus, Festuca g ig antea, Ilex a q u ifo liu m , Lam iastrum g a le o b d o lo n , M alus sylvestris, Rham­ nus catharticus u nd Stachys sylvatica. B uchenau (1894) b e to n t fü r Ilex a q u i­ fo liu m , daß er n a m e n tlic h in a lten W a ld gegenden a n g e tro ffe n w ird . Bei den n a c h fo lg e n d a u fg e fü h rte n Pflanzen w e rd e n von bis zu zw ei A u to ­ ren, die in A b b ild u n g 23 a u fg e fü h rt sind, auch W aldw iesen, W iesen, H och­ sta u d e n rie d e r u n d /o d e r entw ässerte M oore als w e ite re W u ch so rte g e n a n n t: A doxa m oschatellina, C hrysosplenium a lte rn ifo liu m und Gagea spathacea. In den nachstehenden Fällen w e r­ den von m indestens 3 A u to re n verschie­ dene S tandorte au ß e rh a lb von W ä ld e rn o d e r w a ld ä h n lic h e n F o rm a tio n e n an­ gegeben: Crepis paludosa, Geum rivale und Valeriana dioica. Für T helypteris p h e g o p te ris lagen zu w e n ig gesicherte A n g a b e n vor. 10.3 Vergleich m it Ergebnissen aus anderen Regionen Die in Tabelle 7 g e m a ch te n P roze n ta n ­ gaben beziehen sich im m e r a u f den A n ­ te il der V o rko m m e n in historisch a lten W äldern an den gesam ten V o rko m m e n der b e tre ffe n d e n P fla n ze n a rt. Die von H erm y und S tieperaere (1981) ange g e ­ benen W e rte w u rd e n entsprechend um gerechnet. Ein + bei D z w o n k o und Lo ste r (1988) sowie H erm y und S tieperaere (1981) bedeutet, daß die A rt m it historisch a l­ te n W äldern assoziiert ist. Dabei w u rd e

den A u to re n u n te rs te llt, daß sie z u m in ­ dest m ehr als 50 % a lle r V o rko m m e n in historisch alten W ä ld e rn g e fu n d e n ha­ ben, um eine solche Aussage m achen zu können. Bei Peterken (1974) haben d ie Zei­ chen fo lg e n d e B e d e u tu n g : + = die meisten W u ch so rte in h isto ­ risch alten W ä ld e rn , aber auch in anderen H a b ita te n m it la n g er K o n tin u itä t e xiste n zfä h ig ++ = zum eist in historisch a lte n W ä l­ dern, kann a b e r auch (sehr) sel­ te n n e u ze itlich e W ä ld e r besie­ deln +++ = a u f historisch a lte W ä ld e r be­ schränkt Bei Rackham (1980) b e d e u te n die Zei­ chen folgendes, w o b e i + und ++ m it Pe­ te rken (1974) v e rg le ic h b a r sind; — = keine o d e r schwache B indung an historisch a lte W ä ld e r - = mäßige B in d u n g an historisch alte W älder + = starke B in d u n g an historisch a lte W älder ++ = sehr starke B in d u n g an h isto ­ risch alte W ä ld e r O bgleich das Phänom en d e r m e h r o d e r w e n ig e r starken B in d u n g verschiede­ ner P flanzenarten an historisch alte W älder in der in te rn a tio n a le n L ite ra tu r m ehrfach beschrieben w u rd e , lassen sich nur w e n ig e Z usam m enstellungen fin d e n , die ein „k o n k re te s M aß zur B indungsstärke" angeben. Auch stehen A n g a b e n zu r Bin­ dungsstärke bei w e ite m n ic h t von allen A u to re n fü r je d e W a ld p fla n z e z u r V er­ fü g u n g (Tab. 7). Die um fa ngreichsten Ergebnisse lie ­ gen bisher aus England vor. Das h a t fü r die vorlie g e n d e A rb e it m e hrere V o r­ te ile, da die von P eterken und Game (1984) und Rackham (1980) un te rsu ch ­ te n W älde r floristisch und ökologisch m it denen des Elbe-W eser-Dreiecks w e itg e h e n d ve rg le ic h b a r sind und die Landschaften sogar h in sich tlich des W aldanteiles sow ie im Verinselungsgrad der Einzelbestände ann ä h e rn d übereinstim m en (W u lfW B B ). M öglicherw eise e rklä re n sich da ­ durch die m ehrfachen Parallelen in be­ zug a u f die B indungsstärke zwischen den englischen A u to re n und unseren Ergebnissen (Tab. 7). A ndererseits sind g erade deshalb die krassen U nterschiede zw ischen Pe­ te rken und Game (1984) sow ie W u lf

und K eim bei A lliu m ursinum , Carex sylvatica, Geum rivale, M elica u n iflo ra , Sanicula eu ro p a e a u nd insbesondere Stachys sylvatica überraschend. Der V e rg le ich zw ischen H e rm y und S tieperaere (1981) sow ie W u lf und K eim z e ig t e in ig e Parallelen, a b e r auch fa s t genauso vie le d e u tlic h e U n te r­ schiede. A u ffa lle n d sind fe rn e r e in ig e A b ­ w e ic h u n g e n zw ischen den englischen A u to re n . So g ib t P e te rken (1974) E q u i­ se tu m sylva ticu m als eine A r t an, die a u f „a n c ie n t w o o d la n d s " nahezu be­ schränkt ist, w ä h re n d Rackham (1980) n u r eine schwache B in d u n g nachw eisen k o n n te . W e n ig e r d e u tlic h , a b e r te n d e n z ie ll g leich sind d ie u n te rsch ie d lich e n A n ­ gaben fü r Sanicula e u ropaea. Nach P eterken un d Game (1984) ist d ie San ike l stark an historisch a lte W ä ld e r g e b u n d e n , Rackham (1980) k o n n te d a ­ gegen ke in e s ig n ifik a n te B in d u n g fe s t­ stellen. Sehr u n te rsch ie d lich e B in d u n g sstä r­ ken w u rd e n bei A d o xa m o sch a te llin a fe s tg e s te llt. Diese A rt, die in Polen m ä­ ßig stark an „a n c ie n t w o o d la n d s " g e ­ b u n d e n ist (D z w o n k o und L oster 1988), w ird in B elgien von H e rm y und S tie p e ­ raere (1981) sow ie in England vo n Rack­ ham (1980) als n u r sehr schwach bis schwach an historisch a lte W ä ld e r g e ­ b u n d e n e in g e s tu ft. Ä h n lic h krasse U nterschiede lie g e n auch bei A lliu m ursinum , Geum riv a le und M e rc u ria lis p e re n n is v o r (Tab. 7). L a m ia stru m g a le o b d o lo n w ird z w a r von a lle n A u to re n als A r t historisch a l­ te r W ä ld e r e in g e s tu ft, die Spanne re ic h t je d o ch von m ä ß ig e r (D z w o n k o und Lo ste r 1988) bis zu sehr s ta rk e r B in­ d u n g (H e rm y und S tieperaere 1981, Pe­ te rk e n und Game 1984). O hne A n g a b e e in e r B indungsstärke e rw ä h n e n auch e in ig e andere A u to re n fü r e in ze ln e A rte n , daß sie z u m in d e stens s c h w e rp u n k tm ä ß ig in historisch a lte n W ä ld e rn o d e r auch H ecken Vor­ ko m m e n . Für B ra ch yp o d iu m sylva ticu m g ib t M e rto n (1970) an, daß sie v o r a lle m in a lte n Eschenw äldern v o rk o m m t. H ubb a rd (1984) e rw ä h n t, daß V o rk o m m e n dieser A rt a u ß e rh a lb von W ä ld e rn d a r­ a u f h in d e u te n , daß d o rt ehem als W ald g estanden hat. C hrysosplenium a lte rn ifo liu m und o p p o s itifo liu m sow ie G alium o d o ra tu m 41

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Autoren

Pflanzenart Adoxa moschatellina Allium ursinum Brachypodium sylvaticum Carex sylvatica Chrysosplenium alternifolium Chrysosplenium oppositifolium Circaea alpina Convallaria majalis Crépis paludosa Equisetum hyemale Equisetum sylvaticum Euonymus europaeus Festuca gigantea Gagea spathacea Galium odoratum Geum rivale Hepática nobilis Ilex aquifolium Lamiastrum galeobdolon Listera ovata Lysimachia nemorum Malus sylvestris Melica uniflora Mercurialis perennis Paris quadrifolia Phyteuma nigrum Phyteuma spicatum Platanthera chlorantha Primula elatior Pulmonaria obscura Rhamnus catharticus Sanícula europaea Stachys sylvatica Thelypteris phegopteris Ulmus laevis Valeriana dioica Veronica montana

DZWONKO & LOSTER (1988)

HERMY& STIEPER. (1981)

PETERKEN Westengland (1974)

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WULF & KELM Nieder­ sachsen BRD

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PETERKEN RACKHAM & GAME Ostengland (1984) (1980) Westengland GB GB

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88,0 54,0 100

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94,0

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++ 88,2

-

+ + 52,4

++

57,0 27,0

-

++

75,0

--

96,5 100 100 100 92,0 96,5 94,7 80,9 92,0 97,1 98,1 97,2 97,2 98,0 97,7 94,2 100 95,4 94,9 97,4 97,6 95,2 100 100 99,0 94,4 98,0 97,7 93,1 100 88,2 100 96,5 96,7 100 84,9 97,8

Alle Zahlen in %, sonstige Zeichen sind im Text erläutert und M elica u n iflo ra w e rd e n von D in te r (1991) als m u tm a ß lic h e Z eiger h is to ­ risch a lte r W ä ld e r eingeschätzt. P ig o tt (1969 und 1977) e rw ä h n t fü r C onvallaria m ajalis, daß es in historisch a lte n W ä ld e rn und Hecken v o rk o m m t und in re zente n W ä ld e rn o d e r Hecken fe h lt, gleich, ob diese g e p fla n z t sind o d e r n icht. In seiner A rb e it von 1977 s tu ft P ig o tt M e rc u ria lis p e re n n is als Zei­ ge r historisch a lte r W ä ld e r ein. A u ß e r­ dem b e o b a ch te te er P rim ula e la tio r in 42

a lte n W ä ld e rn und Hecken, aber n ic h t in re ze nte n Beständen. Euonym us europaeus w u rd e von P o lla rd (1973) nur in alten „W a ld re ­ lik t-H e c k e n " g e funden, aber nie in n e u ze itlich e n . R unge (1959) s tu ft a u fg ru n d e ig e ­ ner B eobachtungen fo lg e n d e Pflanzen a lsZ e ig e r historisch a lte rW ä ld e re in : Lysim achia nem orum , Phyteum a n ig ru m und Thelypteris ph e g o p te ris. Für Veronica m o n ta n a ve rm u te t er dieses.

11. E rk lä ru n g sa n sä tz e zu r Bin d u ng v o n A rte n an h isto risch a lte W ä ld er 11.1 Allgemeines Bei d e r Besiedlung von W ä ld e rn durch W a ld p fla n z e n sp ie lt der F aktor Z e it eine w e se n tlich e Rolle. Dieses w ird v o r a lle m in den A rb e ite n aus England von H a rd in g und Rose (1986), P eterken (1974, 1976, 1977 und 1981), P eterken

W u lf/K e im • Z ur B e d e u tu n g „h is to ris c h a lte r W ä ld e r" fü r den N a tu rsch u tz - U n te rsu ch u n g e n n a tu rn a h e r W ä ld e r im E lbe-W eser-D reieck

und Game (1981, 1984), P o lla rd (1973) und Rackham (1975, 1980) d e u tlich, aber auch durch U ntersuchungen aus Polen von D z w o n k o (1989) und D zw o n ko und Loster (1988) sow ie aus Belgien von H e rm y u nd S tieperaere (1981). A lle A u to re n b e ric h te n von d e r en­ gen B indung typ isch e r W a ld a rte n an W a ld flächen, d eren Existenz seit m in ­ destens 200 Jahren nachzuw eisen ist. W ir gehen d avon aus, daß die m e i­ sten historisch a lte n W a ld g e b ie te k o n ­ tin u ie rlic h b e w a ld e te Reste ehemals ausg edehnter W a ld la n d s c h a fte n sind, die im Laufe der le tz te n Ja h rh u n d e rte m ehr und m ehr v e rk le in e rt und iso lie rt w u rd e n , so daß sie g e g e n w ä rtig im El­ be-W eser-Dreieck n u r noch 2 % der Landschaft ausm achen. W ie P eterken (1981) fü r England nehm en auch w ir an, daß W a ld p fla n ­ zen sich im Laufe d e r Jahrtausende nach und nach in den ausgedehnten W a ld flä ch en a u f den ih n e n zusagen­ den S ta ndorten a u sb re ite n k o n n te n . Die h e u tig e n V o rko m m e n sind som it m ehr o d e r w e n ig e r z u fä llig e Aus­ sch nitte ih re r frü h e re n V orko m m e n . Dieses g ilt im besonderen M aße je w e ils fü r die gesam te Lebensgem einschaft n aturnaher, historisch a lte r W älder. 11.2 Ausbreitungstrategien typischer W aldpflanzen Typische W a ld p fla n z e n h a b e n ' eine eher „k o n s e rv a tiv e " A usb re itu n g sbzw. A rte rh a ltu n g s s tra te g ie , die m ehr a u f die la n g z e itig e E ta b lie ru n g einer P o p u la tio n als a u f N eubesiedlung und F ern ve rb re itun g zie lt. V erschiedene A u to re n haben fe s t­ gestellt, daß typische W a ld p fla n z e n sich ü b e rw ie g e n d v e g e ta tiv ausbreiten, w ä h re n d die g e n e ra tiv e V e rm e h ru ng fa st gänzlich a u s b le ib t (Falinska 1979, H u tchings und B arkham 1976, Inghe und Tamm 1985, Tamm 1956). Insbeson­ dere in geschlossenen W ald b e stä n d e n ist eine K eim ung aus Samen kaum noch zu b eobachten; die rä u m lich e A usdeh­ nung e in e r P o p u la tio n bzw. A rt fin d e t n u r ü b e r Rhizom e s ta tt. In frü h e re n Lichtungsphasen dagegen, d ie in den ehemals intensiver g e n u tz te n W ä ld e rn häufiger, he u te se lte n e r a u ftre te n , m ö ­ gen bessere R e p ro d u ktio n s- und Aus­ b re itu n g s b e d in g u n g e n g e herrscht ha­ ben.

Zum anderen w ird fü r typische W a ldpflanze n m e h rfa ch angegeben, daß die V e rb re itu n g von Samen durch Am eisen e rfo lg t (M ü lle r-S ch n e id e r 1986, O b e rd ö rfe r 1983, R o th m a le r 1984). W ohl deshalb fa n d H e rm y (1989) eine besonders enge K o rre la tio n z w i­ schen der Zahl d e r durch Am eisen v e r­ b re ite te n P flan ze n a rte n und dem p ro ­ ze n tualen A n te il d e r V e g e ta tio n s a u f­ nahm en an historisch a lte n W ä ld e rn . Beide Aspekte, d ie fa s t ausschließ­ lich vegetative S c h ritt-fü r-S ch ritt-A u sb re itu n g in m e h r o d e r w e n ig e r g e ­ schlossenen W ä ld e rn und die V e rb re i­ tu n g der g e n e ra tive n P fla n ze n o rg a n e durch Tiere, die le d ig lic h kurze E n tfe r­ nungen zurücklegen u nd an d ie Form a­ tio n W ald ge b u n d e n sind, sprechen fü r eine sehr langsame A u s b re itu n g , w ä h ­ rend der die K o n tin u itä t des Land­ schaftsbildes a n n ä h e rn d g e w ä h rle is te t sein muß. U n te rs tü tz t w e rd e n diese Ü berlegungen durch B erichte ü b e r die feh lende, zu m in d e st n u r sehr g e rin g fü ­ gig e Besiedlung dieser A rte n von n e u ­ ze itlichen W a ld flä ch en von D z w o n k o (1989), D zw o n ko u nd Loster (1988), H erm y und S tieperaere (1981), P eter­ ken (1977 und 1981), P eterken und Game (1984) sow ie Rackham (1980). Selbst neugeschaffene W älder, die a u f Böden stocken, die alle aus E rfah­ rung zusagende S ta n d o rtb e d in g u n g e n verschiedener typ isch e r W a ld p fla n z e n aufw eisen, w e rd e n in n e rh a lb von ein bis zw ei Ja h rh u n d e rte n o d e r lä n g er n ich t besiedelt (P eterken 1981). Beson­ ders interessant ist in diesem Zusam­ m enhang die B eob a ch tu n g von P ig o tt (1977): er ste llte fest, daß typische W a ld pflanze n in re ze n te n W ä ld e rn fe h le n , gleich, o b diese g e p fla n z t o d e r durch u n g e le n kte Sukzession e n ts ta n ­ den sind. H erm y (1989) und H e rm y und Stie­ peraere (1988) gehen davon aus, daß typische W a ld p fla n z e n n u r ü b e r g e ­ rin g e Fähigkeiten zu r K o lo n ia lis ie ru n g ve rfügen, da sie kaum D iasporen p ro ­ duzieren und die w e n ig e n zu r K eim ung gelangenden bereits als J u n g p fla n ze n absterben. W ald p fla nze n legen zudem nach H erm y und S tieperaere (1981) sow ie Grim e e ta l. (1988) ke in e d a u e rh a fte Sa­ m enbank an, d ie es e rla u b e n w ü rd e , daß Samen zu e inem späteren Z e it­ p u n k t keimen k ö n n e n , w e n n z.B. die W itte ru n g su m stä n d e g ü n s tig e r sind.

11.3

K ontinuität des Habitates

Es w ä re aber auch denkbar, daß b e ­ s tim m te A rte n d a ra u f angew iesen sind, daß ein m ö g lich st ko n tin u ie rlic h e s „s ta ­ biles W a ld in n e n k lim a " herrscht. Solche A rte n re agieren a u f stö re n d e Einflüsse bei zu n e h m e n d e r V e rk le in e ­ ru n g u n d /o d e r in te n siver N u tz u n g d e r W a ld flä c h e e m p fin d lic h un d b le ib e n d a h e r a u f g rö ß e re W ä ld e r be sch rä n kt bzw. sind in v e rg le ich b a re n kle in e n W ä ld e rn m angels A u sw e ich flä ch e ausgestorben. Deshalb kom m en b e stim m te epiphytische Flechten un d M oose nach H a rd in g und Rose (1986), Rassmus (1991) und Rose (1976) n u r in g rö ß e re n un d re la tiv u n g e s tö rte n W ä ld e rn vor. Die U ntersuchungen von S ochting un d Christensen (1989) w eisen a u f die besondere B ed e u tu n g eines la n g z e itig u n g e s tö rte n W a ld in n e n k lim a s fü r die L u n g e n fle c h te (Lobaria p u lm o n a ria ) hin . Diese A rt v e rb re ite t sich v o rw ie ­ g end durch v e g e ta tiv e D iasporen, ins­ besondere bei v e rm in d e rte r V ita litä t. Die D iasporen sind a u fg ru n d ihres h o ­ hen G ew ichtes aber kaum in d e r Lage, g rö ß e re E n tfe rn u n g e n zu rü ckzu le g e n (M u h le 1977). D a m it bestehen gleich zw e i a u ffa l­ lende Parallelen zu typischen W a ld ­ p fla n z e n d e r P h a n e ro g a m e n g ru p p e : d ie v o rw ie g e n d v e g e ta tiv e A u s b re i­ tu n g u nd ein ausgesprochen u n e ffe k ti­ ver bzw. fe h le n d e r F e rn ve rb re itu n g s­ mechanismus. D a rü b e r hinaus w ird die A u s b re i­ tu n g von Lobaria p u lm o n a ria zusätzlich erschw ert, da sie a u f die k o n tin u ie rlic h e V e rfü g b a rk e it g e e ig n e te r Bäum e in g e ­ rin g e r E n tfe rn u n g angew iesen ist (Rass­ mus 1991), w o b e i die Bäume nach Gauslaa (1985) ein M in d e s ta lte r vo n 100 Jah­ ren haben müssen. In g le ic h e r Weise k ö n n te m an sich v o rste lle n , daß auch b e stim m te Phanero g a m e n a u f g e n ü g e n d historisch alte W ä ld e r in g e rin g e r E n tfe rn u n g o d e r a u f g ro ß flä c h ig e W ä ld e r m it einem m e h r o d e r w e n ig e r a u sg ew ogenen W a ld in n e n k lim a a n gew iesen sind. Letzteres v e rm u te t Runge (1959), dem a u ffie l, daß besonders in g rö ß e re n , a l­ te n W ä ld e rn d e r M ünsterschen Bucht P flanzen wachsen, die zu den S elten­ h e ite n d e r Flora gehö re n . Den von ihm g e n a n n te n A rte n ist gem einsam , daß sie g rö ß te n te ils a u f ein kühleres und 43

W u lf / Keim • Z ur B e d e u tu n g „h is to ris c h a lte r W ä ld e r" f ü r d en N aturschutz - U nte rsu ch u n g e n n a tu rn a h e r W ä ld e r im Elbe-W eser-Dreieck

feuchteres K lim a angew iesen sind, w ie es größ eren W a ld flä c h e n e igen ist. D in te r (1991) f ü h r t noch e in ig e w e i­ te re A rte n aus dem U ntersuchungsge­ b ie t von Runge (1959) a u f, die e b e n fa lls m e h r o d e r w e n ig e r a u f k ü h lfe u c h te S tan dortverhältnisse angew iesen sind und die nach A n sich t d e r A u to re n der v o rlie g e n d e n A rb e it zu den „a n c ie n t w o o d la n d species" zählen, w ie z.B. Chrysosplenium a lte rn ifo liu m u nd Ga­ lt um o d o ra tu m . 11.4 Vorkommen von W aldpflanzen in anderen Lebensräumen E inzelne A rte n haben ih re n Schwer­ p u n k t zw a r im W ald, sind aber in der Lage, auch in and e re n B io to p e n zu übe rleben, z. B. P rim ula e la tio r in e x te n ­ siv g e n u tz te n W iesen (D ierschke 1968, Rackham 1980). Ihre B indungsstärken an historisch a lte W ä ld e r liegen im El­ be-W eser-Dreieck m eist kn a p p ü b e r 90 % oder daru n te r, w ä h re n d die de r ty ­ pischen W a ld p fla n z e n m eist an 100% hera n reich t. W ie lange a lle rd in g s P fla n ze n a rte n m it S chw erpunkt in W ä ld e rn auch a u ­ ß erhalb zu übe rle b e n ve rm ö g e n , ist n ic h t klar. In m anchen Fällen ist es durchaus denkbar, daß die P o p u la tio n a u f v e rä n ­ d e rte Lebensbedingungen sehr ve rz ö ­ g e rt, d. h. erst nach m e h re re n Jahrzehn­ te n und n u r m it a llm ä h lic h e m Rück­ gang, re a g ie rt. W a ld p fla n z e n e ta b lie ­ ren sich zw a r sehr schwer, v e rm ö g e n abe r ab einem b e s tim m te n Z e itp u n k t ein sehr hohes A lte r zu e rreichen (Inghe und Tamm 1985). 11.5 Isolationsdauer und Isolationsgrad Die U nterschiede d e r B indungsstärken von W a ld p fla n z e n k ö n n e n m it einem unterschiedlichen Is o la tio n s z e itp u n k t o d e r einer u n tersch ie d lich langen Isola­ tio n s z e it in den je w e ilig e n Regionen Zusam m enhängen. So zeigen die Stu­ die n der polnischen A u to re n D zw o n k o und L o s te r(1988) üb e r W a ld flä c h e n u n ­ te r 1 ha Größe, daß u n te r an d e re m eine n e g ative K o rre la tio n zw ischen d e r A r­ te n z a h l und dem Isola tio n sg ra d sow ie d e r Isolationsdauer besteht. Insbeson­ dere sind lä n g er iso lie rte W ä ld e r a rte n ­ ä rm e r an e n d o zo o c h o re n (durch Tiere per Darmpassage v e rb re ite te ) un d myr44

m ecochoren (durch Am eisen ve rb re i­ te te ) K ra u ta rte n . In bezug a u f eine d e u tlich e positive B eziehung zwischen A rte n za h l und W a ld flä c h e n g rö ß e stim m en die Ergeb­ nisse d e r vo rlie g e n d e n A rb e it m it de­ nen von D zw o n ko und Loster (1988) ü b e re in . Im Elbe-W eser-Dreieck b esteht eine sehr enge Beziehung zwischen der Zahl typ isch e r W a ld p fla nze n und der bis h e u te (b e d in g t) n a tu rn a h e rh a lte ­ nen W a ld flä ch en g rö ß e ; der R angkorre­ la tio n s k o e ffiz ie n t nach Spaerman be­ tr ä g t 0,96! Dieses Ergebnis w ird auch durch Za­ charias u nd Brandes (1990) g estü tzt, die d ie m eisten seltenen W a ld p fla n ze n in g rö ß e re n W äldern fand e n . Im Elbe-W eser-Dreieck ist fe rn e r eine d e u tlic h e Zunahm e der m ittle re n A rte n z a h l bei einer Flächengröße von e tw a 150 ha an a u fw ä rts festzustellen. Dieser E ffe k t kann a u f die m it der G röße zunehm ende H a b ita t-V ie lfa lt z u rü c k g e fü h rt w e rden (Begon e t al. 1991, D zw o n k o und Loster 1988). Es m ü ß te genauer untersucht w e r­ den, in w ie w e it in einzelnen Regionen die insgesam t m ehr o d e r w e n ig e r ge ­ schlossene W aldfläche stückchenweise n a ch e in a n d e r in kleine W a ldflächen z e rte ilt w u rd e , und der E ffe kt der Verinselung deshalb n u r nach und nach zum Tragen gekom m en ist. Für solche R egionen n im m t P o lla rd (1973) näm lich an, daß d ie A ffin itä te n von W a ld a rte n b e zü g lich historisch a lte r W ä ld e r n ic h t so stark ausgeprägt sind. P rinzipiell s tim m t Peterken (1977) m it dieser A n ­ sicht ü b e re in , der fü r die Tschechoslo­ w a k e i und fü r Frankreich festste llte , daß die W ie derbesiedlung sekundär g e sch a ffe n e r W älder schneller e rfo lg te als in England. Er fü h r t dieses einerseits a u f eine insgesamt größere B ew al­ d u n g s d ic h te in beiden Ländern (24 bzw. 3 4 % ) zurü ck (in England im M itte l 8 % ) und w e is t andererseits d a ra u f hin, daß, im V e rg le ich zu England, in Frankreich stets eine n a turnähere B ew irtschaf­ tu n g s ta ttg e fu n d e n h a t und noch s ta ttfin d e t. L e tztlich d a rf auch n ich t vergessen w e rd e n , daß unterschiedliche K lim ate, S ta n d o rtb e d in g u n g e n u n d /o d e r N u t­ zu n g s fo rm e n m it unterschiedlich sta r­ kem N utzungsdruck zu w ie d e ru m ve r­ schiedenen K ulturphasen e in g e w irk t haben bzw. noch e in w irk e n . Selbst in n e rh a lb der G ruppe h isto ­

risch a lte r W ä ld e r m uß beachtet w e r­ den, daß je nach Besitzverhältnissen ein Ü berleben von Pflanzen b e g ü n s tig t o d e r e rsch w e rt war. So v e r tr itt W ittig (1991) d ie A nsicht, daß stenöke W a ld ­ p fla n z e n in den w e n ig e r intensiv g e ­ n u tz te n H errschaftsw äldern bessere Ü berlebenschancen h a tte n als in den A llm e n d e w ä ld e rn , die einem w e se n t­ lich g rö ß e re n N utzu n g sd ruck ausge­ se tzt w a re n . Für das Elbe-W eser-Dreieck läßt sich a lle rd in g s keine klare B evorzugung d e r W a ld a rte n fü r eh e m a lig e H errschafts­ w ä ld e r, d ie h e u te zum ü b e rw ie g e n d e n Teil S taatsw ald sind, feststellen. Es g ib t z w a r e in ig e A rte n , deren p ro z e n tu a le r A n te il ih re r G e sam tfund­ o rte z a h l in den Staatsforsten d e u tlich h ö h e r als in den P riva tfo rstflächen ist. Es sind aber vo r allem A rte n , die von a l­ len u n te rsu ch te n noch am ehesten zur F e rn v e rb re itu n g fä h ig sind. Deshalb ist a n zu n e h m e n , daß sie n ich t u n b e d in g t a u f m e h r o d e r w e n ig e r geschlossene g rö ß e re W a ld flä c h e n m it ehemals g e ­ rin g e re m N u tzungsdruck angew iesen sind. Dazu g e h ö re n zum Beispiel Brach yp o d iu m sylvaticum , C onvallaria maja lis, E quisetum sylvaticum , G alium o d o ra tu m , Ilex a q u ifo liu m und Veronica m o n ta n a . Die B in d u n g von A rte n an historisch a lte W ä ld e r und ih r geringes A u ftre te n in n e u z e itlic h e n W ä ld e rn kann also f o l­ g e n d e G ründe haben: 1. Die W a ld p fla n z e n sind a u f eine lange H a b ita tk o n tin u itä t, insbeson­ dere ein k o n tin u ie rlic h stabiles W a ld in n e n klim a (L u ftfe u c h tig k e it) m it allen daraus re su ltie re n d e n Folgen a nge­ w iesen. 2. W egen ih re r g e rin g en F ähigkeit zu r F e rn v e rb re itu n g verm ögen die W a ld p fla n z e n n u r S chritt fü r S chritt neue Lebensräum e zu besiedeln. Sie brauchen dem nach ein m öglichst lange stabil bleibendes Landschaftsbild bzw. V e rb in d u n g e n zw ischen ihrem bisheri­ gen Lebensraum un d dem neu zu be­ siedelnden. 3. Bisher n ic h t untersucht, aber e v e n tu e ll von Belang ist auch eine m ö g ­ lichst lange u n g e s tö rte B o d e n e n tw ick­ lu n g (vgl. auch B all und Stevens 1981). D e n kb ar w ä re zum Beispiel, daß de r Bo­ den n e u z e itlic h e r W ä ld e r erst ein be­ stim m te s S tadium in der H um usbildung e rreichen muß, um die K eim ung von W a ld p fla n z e n zu e rm ö g lich en.

W u lf/K e lm • Z ur B e d e u tu n g „h is to ris c h a lte r W ä ld e r" fü r den N a tu rs c h u tz -U n te rs u c h u n g e n n a tu rn a h e r W ä ld e r im E lb e -W e se r-D re ieck

4. Ferner ist zu untersuchen, o b e n t­ 2. Fehlende bzw . u n e ffe k tiv e Ein­ nen Z usam m ensetzung n ic h t w ie d e r­ ric h tu n g der D iasporen zur F e rn ve rb re i­ w a ld e te Böden a u fg ru n d d e r U n te rb re ­ h e rs te llb a r sind. chung des S toffkre isla u fe s s o w e it deva- tu n g e) O rte m it R e lik tv o rk o m m e n 3. Geringe S a m e n p ro d u k tio n schwach m ig rie re n d e r P fla n z e n a rte n s tie rt sind, daß sich anspruchsvollere A r­ 4. Geringe K e im ra te und h ohe Ster­ sind, w o b e i e in ze ln e A rb e ite n dieses te n über lange Z e it a u f solchen Stand­ auch fü r T ie ra rte n b e legen, z.B D ü lg e berate der Jun g p fla n ze n o rte n n ic h t e ta b lie re n können. 5. Spezialisierte K e im b e d in g u n g e n (1988). 6. Fehlen e in e r ausdauernden Sa­ f) in d e r Regel e in e g ro ß e Zahl 12. Fo lg eru n g en fü r den E rh a lt s c h u tz w ü rd ig e r A rte n a u fw e is e n , d ie vo n A rte n h isto risch a lte r m enbank. nach bish e rig e n K enntnissen h ie r am W ä ld e r Zu den g e n a n n te n P unkten b e ste h t in vielen Fällen noch e rh e b lic h e r For­ ehesten zu ü b e rle b e n v e rm ö g e n . Die V e rn ic h tu n g d e r n a tu rn a h e n , schungsbedarf. Es kann an dieser Stelle Fast alle u n te rsu ch te n P flanzenarten historisch a lte n W a ld flä c h e n o d e r d e ­ n u r unte rstrich e n w e rd e n , was Ur(28 von 37) zählen in Niedersachsen und ren U m w a n d lu n g /V e rä n d e ru n g ist aus Brennen zu den g e fä h rd e te n Sippen. Es banska (1992) fe s ts te llt: „D e m o g ra p h i­ den d a rg e le g te n G rü n d e n als ein h a n d e lt sich ü b e rw ie g e n d um A rte n ba­ sche U ntersuchungen an g e fä h rd e te n s c h w e rw ie g e n d e r, n ic h t a u s z u g le i­ senreicher und b o d e n fe u ch te r, n a tu r­ Sippen bilden eine w ic h tig e G ru n d la g e ch e n d e r E in g riff anzusehen. D eshalb fü r den N aturschutz. A u fg ru n d solcher naher Laubw aldgesellschaften. D aten lassen sich B e w irts c h a ftu n g s ­ w ird im fo lg e n d e n die S itu a tio n h is to ­ Ihre S e lte n h e it im U ntersuchungs­ risch a lte r W ä ld e r u nd de re n G e fä h r­ e m pfe h lu n g e n u nd E n tw ic k lu n g s p ro ­ g e b ie t h a t zw ei w e se n tlich e G ründe: gnosen fo rm u lie re n " (Urbanska 1992, d u n g a u sfü h rlich e rlä u te rt. S. 328). 1. S e lte n h e it der S ta n d o rte 13. G e fä h rd u n g und S ch u tz h is to ­ In historisch a lte n W ä ld e rn k o m m t risch a lte r W a ld b e s tä n d e und G eschiebem ergelflächen bzw. basen­ eine Vielzahl von P fla n ze n a rte n vor, ih re r Flora reiche Tonböden sind im G e b ie t von Na­ a u f die m ehrere d e r obe n g e n a n n te n Punkte z u tre ffe n . Dieses a lle in u n te r­ tu r aus selten; sie kom m en n u r in ca. 5 % 13.1 Situation historisch alter W äld er stre icht die B edeutung historisch a lte r der h e u tig e n W a ld flä ch e vor. W älder, die fe rn e r noch d a d u rch ge­ Der A n te il historisch a lte r W ä ld e r an s tü tz tw ird , daß sie: 2. H istorische und a k tu e lle G e fä h r­ d e r h e u tig e n gesam ten W a ld flä c h e ist a) Relikte ehem als g rö ß e re r W ä ld e r d u n g der Lebensräum e re g io n a l sehr u n te rsch ie d lich . Dieses darstellen, in denen z w a r a n th ro p o ­ h a t v ie lfä ltig e Ursachen, w o b e i w a ld a) In fo lg e frü h e re r W a ld ro d u n g e n sind gene E in g riffe s ta ttg e fu n d e n haben, und agra rh istorisch e d ie w e s e n tlic h ­ m ö g lich e A u s b re itu n g s w e g e u n te rb ro ­ aber dennoch eine Landsch a ftsfo rm a ­ sten sind. Im E lbe-W eser-D reieck h a t tio n m it relativ n a tu rn a h e m C h a ra kte r chen und ehem als grö ß e re V o rko m m e n n u r ru n d d ie H ä lfte d e r noch 1770 v o r­ e rh a lte n geblieben ist. ve rin se lt o d e r gar z e rs tö rt w o rd e n . Nur handenen W a ld flä c h e bis h e u te ü b e r­ b) eine vergleichsw eise w e n ig g e ­ e tw a 2 % d e r Fläche des gesam ten Eld a u e rt. H istorisch a lte W ä ld e r m achen be-W eser-Dreiecks sind h ie rvo n ve r­ störte, m indestens Ja h rh u n d e rte , w e n n ru n d 25 % d e r h e u tig e n W a ld flä c h e aus schont g e b liebe n , das heißt, seit m in d e ­ n ich t gar Jahrtausende w ä h re n d e Bo­ (Tab. 8). H o ch w a ld ä h n lich e H u te w ä lstens 200 Jahren k o n tin u ie rlic h b e w a l­ d e n e n tw ic k lu n g d u rc h g e m a c h t haben. der, m eist a u f den besseren B uchenc) eine la n g z e itig e öko lo gisch e det. und E ichenstandorten, haben d abei m it K o n tin u itä t h insichtlich des Bestandesb) Forstliche M aß nahm en, insbeson­ ü b e r 6 0 % vergleichsw eise besser ü b e r­ in n enklim a , und w e ite re r Faktoren dere E ntw ässerung und U m w a n d lu n g le b t. V on den Bruch- un d S u m p fw ä l­ n a tu rn a h e r La ubw aldgesellschaften in aufw eisen. d e rn sind n u r noch 2 0 % e rh a lte n g e ­ d) Ökosysteme da rste lle n , ü b e r die N adelholzbestä n d e haben e b e n fa lls e i­ b lie b e n (K eim in diesem H eft). sich im Laufe m e h re re r H u n d e rte r, nige P flanzen vo rko m m e n ve rn ic h te t. V on den ru n d 16800 ha, die im U n­ Insgesam t sind a b e r die n ä h rs to ffre i­ w ahrscheinlicher Tausender von Jahren Lebensgem einschaften g e b ild e t ha ­ te rs u ch u n g sg e b ie t als historisch a lte r chen F e u chtw ä ld e r h ie rvo n w e n ig e r be­ ben, die in dieser historisch gew achse­ W a ld ü b e rd a u e rt haben, e n tfa lle n tr o ffe n als die W a ldgesellschaften a u f n ä h rs to ffä rm e re n S ta n d o rte n . Tab. 8. Anteile der historisch alten u nd d e r natu rn ah en W aldfläche an d e r G e s a m tw a ld flä ­ Ganz w esen tlich sind nach K orneck und Sukopp (1988) zudem auch f o l­ che des Untersuchungsgebietes g ende C harakte ristika , die insbeson­ Davon naturnah Waldfläche Davon histc>risch alt dere a u f g e fä h rd e te P fla n ze n a rte n zu­ absolut in % in % absolut in % gesamt tr e ffe n und deren Ü berleben sow ie von Waldfl. von histo­ Aus- und V e rb re itu n g zum Teil e rh e b ­ gesam t risch alt lich erschw eren. Diese A spekte sind be­ 1.700 10 25 6.800 40 17.200 Staatl. Forstämter reits bei W u lf (1992) um fassend e rlä u ­ 2 0 2.500 5 25 1 0 .0 0 0 50.600 Übrige W ald­ te r t w o rd e n und w e rd e n deshalb hier besitzarten n u r ku rz ge n a n n t: 1. Stenözie (eng b e g re n zte H abi­ 16.800 4.200 6 25 67.800 25 Summe ta tansprüche) 45

W u lf/K e im • Z ur B e d e u tu n g „h is to ris c h a lte r W ä ld e r" f ü r d en N a tu rs c h u tz -U n te rs u c h u n g e n n a tu rn a h e r W ä ld e r im Elbe-W eser-D reieck

e tw a 6800 ha a u f Staatsw ald, 10000 ha a u f an dere W a ld b e s itz a rte n (Tab. 8). 13.2 Situation naturnaher, historisch alter W älder Eine besonders g roß e B e d e u tu n g fü r den N a tu rsch utz bzw. den d a u e rh a fte n F o rtbestand von W a ldökosystem en h a t d ie N a tu rn ä h e d er W älder. Die u n te r­ suchten P flan ze n a rte n k o m m e n n ä m ­ lich ü b e rw ie g e n d in n a tu rn a h e n Be­ stän den vor, auch noch in b e d in g t na ­ tu rn a h e n , also n u r le ic h t ve rä n d e rte n W ä ld e rn . Dabei sind d ie W ä ld e r um so n a tu rn ä h e r, je w e n ig e r die H a b ita tk o n ­ tin u it ä t u n te rb ro c h e n o d e r g e s tö rt w u rd e . Solche Bestände fin d e n sich fa st ausschließlich a u f historisch a lte n W a ld s ta n d o rte n . Jedoch haben z.T. auch a u f a lte n W a ld s ta n d o rte n Ein­ g r iffe w ie B o d e n b e a rb e itu n g , Entw äs­ serung, a n th ro p o g e n e S to ffe in trä g e o d e r A n b a u g e b ie ts fre m d e r B aum ar­ te n d ie K o n tin u itä t d e r Lebensbedin­ g u n g e n m e h r o d e r w e n ig e r n a c h h a ltig g e s tö rt. Eine flä ch e n d e cke n d e Bestandsauf­ nah m e n a tu rn a h e r W a ld b e stä n d e fe h lt bislang, ebenso eine K a rtie ru n g der ve rb lie b e n e n historisch a lte n W a ld flä ­ chen insgesam t. Beides w ä re z.B. im Rahm en de r Lan d sch a ftsra h m e n p la ­ n u n g m ö glich , w o b e i eine e in h e itlic h e , s ta n d o rtb e z o g e n e D e fin itio n n a tu rn a ­ her W ald gesellsch a fte n h ilfre ic h w äre. So m uß vo re rst a u f d ie Ergebnisse der W a ld b io to p k a rtie ru n g e n in den s ta a tli­ chen F orstäm tern des U ntersuchungs­ g ebiete s z u rü c k g e g riffe n w e rd e n (K eim 1986-1988, Mskr.). Im S taatsw ald sind e tw a 1700 ha na­ tu rn a h bestockt, das sind 2 5 % d e r h i­ storisch a lte n W a ld flä c h e und 10% der h e u tig e n F orstam tsfläche (K eim 1 9 8 6 1988, Mskr.). H inzu ko m m e n ru n d 1.150 ha b e d in g t n a tu rn a h e Bestände, also w e ite re 7 %. Im P riva tw a ld ist d e r A n te il n a tu r­ nah b e sto ckte r Flächen gerin g e r, es lie ­ gen h ie rzu je doch n u r a u f T eilflächen (Landkreis Stade) U ntersu ch u n g e n vo r (K eim 1986-1988, Mskr.). Schätzungs­ w eise sind von den kn a p p 10000 ha h i­ storisch a lte W a ld flä c h e noch e tw a 2500 ha, also ru nd 2 5 % d e r historisch a lte n , entsprechend 5 % d e r h e u tig e n W a ld flä c h e als n a tu rn a h e in zu s tu fe n (Tab. 8). Besonders interessant ist d e r V er­ 46

gleich des A nteils n a tu rn a h e r Bestände zu r p o te n tie lle n S tandortsfläche der ein ze ln e n W aldgesellschaften, d .h . der Fläche, d ie sie a u fg ru n d der S ta n d o rte e in n eh m e n k ö n n te n (Tab. 3, Kap. 5). Dabei z e ig t sich, daß der relative A n te il n a tu rn a h e r W älder um so g rö ß e r ist, je n ä h rs to ffre ic h e r die Standorte sind. Da­ fü r kö n n e n fo lg e n d e G ründe a n g e fü h rt w e rd e n : ■ Historisch alte W ä ld e r sind insbeson­ dere a u f feuchten, n ä h rsto ffre ich e n S ta n d o rte n besser e rh a lte n als a u f ä r­ m eren, da a u f ersteren die Regenera­ tio n s e n e rg ie (V e rjü n g u n g skra ft) gegen Ü b e rn u tz u n g stärker w a r und sie g rö ­ ßere B edeutung als H u te w a ld h a tte n . ■ A u f n ä h rsto ffre ich e n S tandorten ist die n a tü rlic h e W aldgesellschaft w ir t ­ schaftlich ertragreich, n ä h rs to ffä rm e re und -arm e Laubw aldgesellschaften w u rd e n und w erden in e rtra g re ich e n N a d e lw a ld u m g e w a n d e lt. Des w e ite re n können nachstehende a llg e m e in e Gründe zu r E rklärung h e r­ a n g ezogen w erden: ■ Je g rö ß e r der A n te il historisch alter, z. B. ehem als kö n ig lich e r W ä ld e r ist, de ­ sto h ö h e r ist in der Regel der La u b h o lz­ a n te il. ■ U m g e k e h rt ist der N a d e lh o lza n te il um so höher, je m ehr H eideflächen a u f­ g e fo rs te t w u rd e n . Dieses w ird bei den B ruchw äldern n ic h t so de u tlich, da sie u n a b h ä n g ig von d e r N ährsto ffve rso rg u n g alle m e h r o d e r w e n ig e r durch Entwässerung g e ­ fä h rd e t sind. Im n ä h rs to ffa rm e n Be­ reich w u rd e n hier auch sekundär be­ w a ld e te , nasse Birken- und K ie fe rn b rü ­ che zum natu rn a h e n W ald gezählt. 13.3 Gefährdungen naturnaher, historisch alter W älder im Elbe-Weser-Dreieck Der Fortbestand des W aldes a llg e m e in , und s o m it auch der historisch a lte n W a ld sta n d o rte , ist h e u te durch gesetz­ liche Regelungen (§6, 13-17 Landes­ w a ld g e se tz) w e itg e h e n d gesichert. W a ld u m w a n d lu n g e n in andere N u t­ zungen sind danach von e iner G eneh­ m ig u n g abhängig, die in der Regel n u r im ü b e rg e o rd n e te n Interesse als A llg e ­ m e in w o h l e rte ilt w ird (z.B. S traßen­ bau). W a ld u m w a n d lu n g e n , z.B. in G rü n ­ land, die durch W e id e v ie h e in trie b in m eist n ä h rsto ffre ich e F euchtw älder in

frü h e re n Ja h rh u n d e rte n zu groß en V er­ lusten g e fü h rt haben, sind heute ille ­ gal. Als „ schleichende W a ld u m w a n d ­ lu n g " fü h r t d e r V ie h e in trie b jedoch auch h e u te noch zu lo ka le n Devastieru n g e n von K le in s tw ä ld e rn und Ge­ hölzen, aber auch durch S to ff ei nträge, V e rm ü llu n g , v o r allem m it la n d w irt­ sch a ftlich e n A b fä lle n sind die Flächen g e fä h rd e t (K lo h n 1986). N a turnahe, historisch a lte W a ld re ­ lik te nehm en im Elbe-W eser-Dreieck insgesam t höchstens 5000 ha ein, was e tw a 7 % d e r h e u tig e n W a ld flä ch e und n u r ru n d 0 ,7 % d e r gesam ten Landesflä­ c h e e n ts p ric h t. In den Landesforsten ist die Erhal­ tu n g d e r n a tu rn a h e n Bestände im Rah­ men n a tu rs c h u tz o rie n tie rte r B e w irt­ sch a ftu n g h e u te gesichert und aus­ drückliches Ziel d e r Niedersächsischen L a n d e sfo rstve rw a ltu n g , w ie es in den G rundsätzen d e r la n g fris tig e n ö k o lo ­ gischen W a ld e n tw ic k lu n g fe s tg e le g t ist (Niedersächsische Landesregierung 1991). In den W ä ld e rn ü b rig e r Besitzarten, die im Elbe-W eser-Dreieck rund 75% , im gesam ten Land Niedersachsen rund 2A d e r W a ld flä c h e umfassen, sind, bis a u f w e n ig e A usnahm en, n a tu rn a h e W a ldgesellschaften m e h r o d e r w e n ig e r stark im R ückgang b e g riffe n . Von den im U n te rsu ch u n g sg e b ie t v o rk o m m e n ­ den W a ld g e sellsch a fte n müssen im Pri­ v a tw a ld a lle als stark g e fä h rd e t, z.T. so­ g a r als vom A ussterben b e d ro h t e in g e ­ s tu ft w e rd e n . H a u p tg e fä h rd u n g su rsa ­ chen sind die U m w a n d lu n g in N adel­ holzbestände, E ntw ässerung, Boden­ b e a rb e itu n g u nd Kahlschlag. D e m z u fo lg e ist es n u r konsequent, daß Jahn (1982) und auch Preising (1984) alle n a tu rn a h e n W aldgesell­ schaften des N orddeutschen Flachlan­ des als m e h r o d e r w e n ig e r stark g e fä h r­ d e t ein s tu fe n . 13.4 Schutz naturnaher, historisch al­ te r W älder Der Schutz bzw. die E rh a ltu n g der u n ­ te rsu ch te n , z.T. g e fä h rd e te n P flanzen­ a rte n historisch a lte r W ä ld e r ist nu r durch eine um fassende E rhaltung d ie ­ ser Ökosystem e m ö g lich . W a ld n a tu rs c h u tz k o n z e p te müssen a u f d e r G ru n d la g e des Ö kosystem schut­ zes fo rs tlic h e B e w irts c h a ftu n g sko n ­ ze p te b e in h a lte n , d ie d ie n a chhaltige

W u lf/K e im • Z ur B e d e u tu n g „h is to ris c h a lte r W ä ld e r" fü r den N a tu rs c h u tz -U n te rs u c h u n g e n n a tu rn a h e r W ä ld e r im E lbe-W eser-D reieck

Sicherung der je w e ilig e n W ald g e sell­ schaft im Rahmen e in er n a tu rn a h e n Be­ w irts c h a ftu n g e rm ö g lich e n . N ur in Aus­ n a h m e fä lle n w ird eine v ö llig e N u t­ zungsaufg abe e rfo rd e rlic h sein. 13.5

Rechtliche Grundlagen

E m p fe hlu ng des M in is te rk o m ite e s des Europarates Das M in is te rk o m ite e des Europarates h a t am 13.06.1988 die E m p fe hlun g Nr. R (88) 11 ausgesprochen, die die Re­ g ie ru n g e n der M itg lie d s ta a te n a u ffo r­ d e rt (g e kü rzte D arstellung): 1. unve rzüglich P rogram m e z u r Er­ h a ltu n g von m ö g lich st vielen a lte n W ä l­ d e rn 1 zu starten und zu diesem Zweck a) d ie B e w irts c h a ftu n g eines rep rä­ se nta tive n A n te ils d e r im n a tü rlich ste n Zustand b e fin d lic h e n a lte n W a ld b e ­ stände so zu b etre ib e n , daß die A u s w ir­ kungen m enschlicher T ä tig k e ite n be­ g re n z t bleiben, um die E rh altu ng n a tü r­ licher öko lo gisch e r A b lä u fe zu e rm ö g ­ lichen, b) die w ic h tig s te n a lte n W a ld b e ­ stände a u f ihrem H o h e its g e b ie t zur A u fn a h m e in das europäische N etz­ w e rk b iogenetisch e r Reservate-auszuw eisen, c) w e ite re Forschungsarbeit im Zu­ sam m enhang m it a lte n W a ld be stä nd en zu fo rd e rn , (...). 2. so w e itg e h e n d w ie m ö g lich den Ersatz a lte r W a ld be stä nd e durch schnellw achsende B aum arten zu be­ schränken. 3. fo rs tw irts c h a ftlic h e M aß nahm en e in z u fü h re n , die g e g e b e n e n fa lls auch die W ie d e rh e rs te llu n g von B e d in g u n ­ gen fö rd e rn , die an den N aturzusta nd n äher herankom m e n , (...). 4. da, w o eine W ie d e ra u ffo rs tu n g e rfo rd e rlic h ist, m ö g lichst einheim ische B aum arten zu verw e n d en . Landesw aldgesetz Das Landeswaldgesetz schü tzt zw a r w e itg e h e n d den Bestand des W aldes an sich, läßt jedoch je g lic h e Form en der ordnungsgem ä ß e n W a ld w irts c h a ft zu

1 In d e r E m p fe h lu n g des M in is te rk o m ite e s w ir d im englischen O rig in a lte x t vo n a n cie n t w o o d la n d s gesprochen, in d e r deu tsch e n Ü b e rse tzu n g w ird h in g e g e n stets vo n a lte n W ä ld e rn gesprochen.

und schützt d a m it d ie n a tu rn a h e n h i­ storisch alten W ä ld e r n ic h t v o r Devastie rung und Z e rstö ru n g , z.B. durch U m w andlung in Bestände g e b ie ts fre m ­ der Baumarten. Bei der nächsten N o v e llie ru n g des Landeswaldgesetzes ist eine M in d e stschutz-Klausel fü r historisch a lte W ä l­ der, insbesondere fü r n a tu rn a h e Be­ stände e rfo rd e rlic h , d ie Kahlschlag, B od enbearbeitung, E ntw ässerung und U m w andlung in Bestände m it n ic h t­ heimischen u n d /o d e r n ic h t s ta n d o rtg e ­ mäßen B aum arten u n te rs a g t. Naturschutzgesetz §28a des niedersächsischen N a tu r­ schutzgesetzes sc h ü tz t n u r Schlucht-, Bruch-, Sumpf- un d A u e n w ä ld e r sow ie W ä ld e r tro c k e n w a rm e r S ta n d o rte . Die na turnahen W a ld g e sellsch a fte n der m esotrophen S ta n d o rte sind d a ­ m it nach w ie vo r u n g e sch ü tzt, zudem läßt die „ F o rstw irtsch a ftskla u se l" (§ 1, Abs. 3) einen w e ite n „ S p ie lra u m " fo rs t­ licher M aßnahm en zu. Es ist eine E rw e ite ru n g des § 28a n o tw e n d ig , die a lle n a tu rn a h e n Be­ stände um faßt, d e re n p fle g lic h e Be­ w irts c h a ftu n g w e ite rh in zugelassen bleiben sollte. N aturschutzgebiete Einige historisch a lte W ä ld e r sind als N aturschutzgebiete ausgew iesen w o r­ den. Als Schutzzweck ist d ie E rh a ltu n g bzw. E ntw icklung n a tu rn a h e r W a ld g e ­ sellschaften und d e re n n a tu rn a h e Be­ w irts c h a ftu n g im s o g e n a n n te n „ n a tu r­ nahen W a ld " v e ro rd n e t, z.T. auch die eigendynam ische E n tw ic k lu n g o hne Pflege und N utzung im „ N a tu rw a ld " . Diese Schutzform ist w e g e n des sehr um ständlichen u nd la n g w ie rig e n V er­ fahrens nicht im n ö tig e n U m fa n g re a li­ sierbar. Die w ic h tig s te n G e b ie te m üß ­ te n jedoch als N a tu rs c h u tz g e b ie te ge ­ schützt w erden, w o b e i d ie sch u tzb e ­ d ü rftig e n P riva tw ä ld e r V o rra n g haben sollten, da im S taatsw ald d ie S chutzbe­ d ü rftig k e it w e itg e h e n d e n tfä llt. Im Staatswald sind d ie n o tw e n d ig e n B e w irtsch a ftu n g sp rin zip ie n fü r n a tu r­ nahe, historisch a lte W ä ld e r im la n g ­ fris tig e n ökologischen W a ld e n tw ic k lungs-Program m e n th a lte n , ebenso A n ­ sätze fü r ein K o n ze p t z u r E n tw ic k lu n g des übrigen, n ic h t n a tu rn a h e n h is to ­

risch a lte n W aldes (Niedersächsische Lande sre g ie ru n g 1991). Forstliches S ch u tzko n ze p t Die im Rahmen von W a ld b io to p k a rtie ­ run g e n , s ta n d o rts k u n d lic h e r un d w a ld ­ g e schichtlicher U n te rsu ch u n g e n e rm it­ te lte n historisch a lte n W a ld flä c h e n soll­ te n g ru n d s ä tz lic h anders b e h a n d e lt w e rd e n als die N e u a u ffo rs tu n g e n der le tz te n zw ei J a h rh u n d e rte . W ä h re n d fü r die n e u z e itlic h e n W a ld flä c h e n d ie re g io n a le W a ld b a u ­ p la n u n g d e r L a n d e s fo rstve rw a ltu n g (O tto 1989) eine g u te G ru n d la g e d a r­ ste llt, so llte n e n tsp re chend d e r EGE m p fe h lu n g f ü r historisch a lte W a ld flä ­ chen u n te n s te h e n d e G rundsätze a n g e ­ s tre b t w e rd e n . Für die W ä ld e r in P rivat­ o d e r K o m m u n a l-E ig e n tu m w ä re n e n t­ sprechende R egelungen ü b e r eine N o­ v e llie ru n g des Landeswaldgesetzes, entsprechende F o rtsch reibung d e r För­ d e rric h tlin ie n o d e r V e re in b a ru n g e n als V e rtra g s-N a tu rsch u tz a nzustreben. 1. Die noch v o rh a n d e n e n n a tu rn a ­ hen Bestände w e rd e n d urch d ie Forst­ e in ric h tu n g als B io to p sch u tzflä ch e n „n a tu rn a h e r W a ld " ausgew iesen und w ie d e ra rtig e N a tu rs c h u tzg e b ie te be­ h a n d e lt. Das h e iß t, die B estände w e r­ den n a tu rn a h b e w irts c h a fte t und w ie ­ d e r a u f die je w e ilig e n a tü rlic h e W a ld ­ gesellschaft v e rjü n g t. Es d a rf kein Kahlschlag, keine B o d e n b e a rb e itu n g , keine E ntw ässerung und keine E in b rin ­ g u n g von n ic h t zu r p o t. nat. Veg. g e h ö ­ renden B aum arten s ta ttfin d e n , deren V e rjü n g u n g w ird z u rü c k g e d rä n g t. 2. B e d in g t n a tu rn a h e Bestände w e rd e n so b e w irts c h a fte t, daß sich ih r Zustand d e r n a tü rlic h e n W a ld g e se ll­ schaft a n n ä h e rt. 3. Zur S icherung ö ko lo g isch e r K on­ tin u itä t, die insbesondere aus A rte n ­ sch u tzg rü n d e n e rfo rd e rlic h sein kann, ist u n te r U m ständen auch die B e ibehal­ tu n g d e r durch bisherige bzw. h is to ri­ sche N u tzu n g e n e n ts ta n d e n e n h e im i­ schen B aum a rte n zu sam m ensetzung e rfo rd e rlic h , w ie z.B. im Falle von durchgew achsenen E ic h e n -M itte lw ä ld ern a u f n a tü rlic h e n B uch e n sta n d o r­ te n . Gleiches kann in E in zelfällen fü r h i­ storische N u tz u n g s fo rm e n g e lte n , z.B. N ie d e rw a ld . 4. A u f a lle n ü b rig e n historisch a lte n W a ld s ta n d o rte n so llte die n a tü rlic h e W aldgesellschaft, u n te r E inbeziehung 47

W u lf / Keim • Z ur B e d e u tu n g „h is to ris c h a lte r W ä ld e r" f ü r d e n N aturschutz - U n te rsu ch u n g e n n a tu rn a h e r W ä ld e r im E lbe-W eser-D reieck

n a tü rlic h e r E ntw icklungsprozesse, als v o rra n g ig e r B etrie b szie ltyp a n g e s tre b t w e rd e n . Insbesondere a u f den A n b a u von fre m d lä n d isch e n B aum arten sow ie a u f B o d e n b e a rb e itu n g und a ndere s tö ­ rende E in g riffe so llte v e rz ic h te t w e r­ den.

14. Z u sam m e n fassu n g M it H ilfe der flo ristisch e n K a rtie ru n g vo n 450 W a ld flä ch e n im Elbe-W eserD reieck (N o rd w e std e u tsch la n d ) w u rd e fü r 37 P flan ze n a rte n g e p rü ft, in w ie ­ w e it sie an historisch a lte W ä ld e r g e ­ b u n d e n sind, also an W a ldbestände, die m indestens seit d e r Z e it d e r K u rh a n n o ­ verschen Landesaufnahm e (um 1770) bestehen. Dabei w u rd e fe s tg e s te llt, daß bei 27 A rte n m indestens 9 5 % a lle r V o rk o m ­ m en in historisch a lte n W ä ld e rn liegen. Bei den ü b rig e n 10 A rte n sind ru n d 81 % bis 94% ih re r V o rko m m e n in historisch a lte n W ä ld e rn fe s tg e s te llt w o rd e n ; sie w u rd e n zum Teil auch in Hecken, Ge­ büschen, W iesen o d e r H o ch sta u d e n rie ­ d e rn g e fu n d e n . Es w ird d a ra u f h ingew iesen, daß in d e r L ite ra tu r m ehrfa ch die Beobach­ tu n g beschrieben w ird , daß dem A lte r des W a ld sta n d o rte s beziehungsw eise d e r öko lo gisch en K o n tin u itä t d e r W a ld ­ flä ch e besondere B e d e u tu n g fü r das V o rko m m e n b e stim m te r P fla n ze n a rte n z u k o m m t. Ferner w ird fe s tg e s te llt, daß typische W a ld p fla n z e n rezente W a ld ­ flä ch e n in n e rh a lb von 200 Jahren o d e r m e h r n ic h t zu besiedeln ve rm ö g e n, o b ­ w o h l alle ih nen o ffe n k u n d ig zusagen­ den S ta n d o rtb e d in g u n g e n g e g eben sind. A u fg ru n d d er w e se n tlich e n Bedeu­ tu n g historisch a lte r W ä ld e r fü r den Er­ h a lt n a tu rn a h e r W a ldökosystem e und v ie le r seltener P flan ze n a rte n w e rd e n G e fä h rd u n g e n a u fg e z e ig t und V o r­ schläge zu r Verbesserung ihres Schut­ zes gem acht, die von e n tsprechenden G esetzesnovellierungen bis zu fo r s tli­ chen B e w irtsch a ftu n g sg ru n d sä tze n re i­ chen.

15. L ite ra tu rv e rz e ic h n is Alpers, F, 1875: B eiträge zu r Flora d e r H e rz o g tü m e r Brem en und V erden, u n te r b esonderer B e rücksichtigung der U m g e b u n g von Stade. - A b h . N atu rw . Ver. Brem en 4/3: 305-381. 48

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W u lf/K e lm ■Z ur B e d e u tu n g „h is to ris c h a lte r W ä ld e r" fü rd e n N a tu rs c h u tz -U n te rs u c h u n g e n n a tu rn a h e r W ä ld e r im E lb e -W e se r-D re ieck

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N N A -B e ric h te 3 /9 4

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Zur Waldgeschichte des Elbe-Weser-Dreiecks von Hans-Jürgen Keim 1. E in le itu n g Für die B e u rte ilu n g des h e u tig e n Zu­ standes de r W älder, ih re r ö kologischen B e d e u tu n g und E ntw icklungschancen bis hin zum V erständnis d e r V e rb re i­ tu n g s m u s te r von zah lre ich e n W a ld ­ p fla n ze n , sind Kenntnisse d e r W a ld g e ­ schichte unseres Raumes von z e n tra le r B e d e u tu n g . Ganz besonders w ic h tig ist 50

ein m ö g lich st d e ta illie rte s und lange zurückreichendes Wissen zur in d iv i­ d u e lle n Geschichte des einzelnen W a l­ des bzw. Bestandes.

2. W ald g esch ichtlich e D o ku m en tatio n O hne E influß des Menschen w ä re n w e ite Teile M itte le u ro pa s m it W ald

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A n sc h rifte n der A u to re n Dr. M o n ik a W u lf ZALF e.V. In s titu t fü r W ald- und F o rstö ko lo g ie D r.-Zinn-W eg • 16225 Eberswalde Hans-Jürgen Keim Försterei Pretzetze 29484 L a n g e n d o rf

bedeckt. Pollenanalysen aus M o o ra b la ­ g e ru n g e n sind die w e se n tlichen frü h e n w a ld g e sch ich tlich e n D o ku m e n te (z.B. O verbeck 1975, Schwaar 1988, Behre 1986). Sie w e rd e n durch archäologische B efunde (Pertsch 1970, Behre 1986) und später auch durch sc h riftlic h e W a ld b e ­ schreibungen und Karten p räzisiert. Zu den ältesten D o ku m e n te n ge­ h ö rt die von Lohm eyer (1951) z itie rte K arte de r E ilenriede (bei H annover), die bis 1300 n. Chr. zu rü ckre ich t. W e rtv o lle G rundlagen zu r W a ld g e ­ schichte des nordw e std e u tschen Flach­ landes haben u n te r anderem Hesmer un d S chröder (1963), K rem ser (1990),

Keim ■Z ur W a ld g e sch ich te des Elbe-W eser-D reiecks

Abb. 1. H eutige W aldflächen im Elbe-Weser-Dreieck, schwarze Flächen = „historisch a lte r W ald", p u n k tie rte Flächen = nach 1770 en tsta n ­ dener Wald.

51

K eim • Z ur W a ld g e s c h ich te des Elbe-W eser-Dreiecks

O verbeck (1975), Pertsch (1970) und Schw aar (1988) zusa m m e n ge ste llt. Hesm e r und S chröder (1963) z itie re n in u m ­ fa n g re ich e n A rch ivs tu d ie n zusam m en­ g e ste llte W a ld - un d Bestandesbeschrei­ b u n g e n von historisch a lte n W ä ld e rn des W eser-Em s-Gebietes ab 1500, die dem Elbe-W eser-Dreieck (A b g re n z u n ­ gen siehe W u lf un d K eim in diesem H e ft) w estlich b e n a c h b a rt un d in v ie le r H insicht v e rg le ic h b a r sind. Pertsch (1970) h a t solche aus dem G e b ie t der Zevener Geest zu sa m m e n g e ste llt und m acht d a rü b e r hinaus Aussagen zu r siedlungsgeschichtlichen V e rg a n g e n ­ h e it de r W älder. 2.1 Historische W aldkarten Die älteste R e g io n a lk a rte des Gebietes m it n a ch vo llzie h b a re n B e nennungen d e r ein zelnen W ä ld e r ist d ie B ild k a rte des A m tes Bederkesa, d ie 1604 vom B rem er C hronisten W ilh e lm D ilich a n ­ g e fe r tig t w u rd e (Landkreis Cuxhaven 1984). Erste d e ta illie rte W a ld k a rte n m it flächensch arfe n A n g a b e n zu B aum ar­ te n , B estandesalter u nd -zustand, z.T. sogar m it A n g a b e n zum Boden, liegen aus den dam als „h e rrs c h a ftlic h e n " W ä l­ dern ab 1755, v e rm e h rt ab e tw a 1770 vor. U n te r dem E indruck eines w a ld v e r­ n ich te n d e n N utzungsdrucks und a k u ­ te n H olzm angels b e g a n n e n fo rs tlic h e B em ühungen zu r E rh a ltu n g d e r le tz te n W ald reste und zu d e re n R e generation. Die h e rrsch a ftlich e n W ä ld e r w u r­ den dam als e rstm a lig system atisch vermessen, k a rtie rt und beschrieben. Anschaulich e rg ä n z t w e rd e n die K arten durch tabe llarisch e Beschreibungen, d .h . erste F o rste in ric h tu n g s w e rk e so­ w ie durch „B e re itu n g s p ro to k o lle ", in denen Aussagen zu B estandesgrößen, H o lz q u a litä t, N u tzu n g sa rte n , „B e re ch ­ tig u n g e n de r U n te rth a n e n ", M ast (A n ­ zahl der zu m ästenden Schweine), V er­ jü n g u n g s v e rfa h re n und k ü n ftig e n Pla­ nun g e n g e tro ffe n w e rd e n Diese W erke sind Zeugnisse des W aldzustandes im U m bruch von aus­ beutender, d e s tru k tiv e r la n d w irts c h a ft­ lich g e p rä g te r Ü b e rn u tz u n g des W aldes zu e in e r a u f W a ld re g e n e ra tio n und W iederb ew a ld ung ausgerichteten, nach­ h a ltig e n F o rstw irtsch a ft. G leichze itig sind diese B eschreibun­ g e n w e rtv o ll als „L e g e n d e " fü r d ie 1764 52

bis 1786 a u fg e n o m m e n e K u rh a n n o ve r­ sche Landesaufnahm e (KHL). Die h e u te im M aßstab 1:25000 e r­ h ä ltlic h e KHL e rm ö g lic h t fü r w e ite Teile Niedersachsens einen ersten flä c h e n ­ decke n d e n Ü berblick über den Land­ schaftszustand und die W a ld v e rte ilu n g in e in e r Zeit, die noch von m itte la lte rli­ chen ü b e rko m m e n e n S tru ktu re n und W irtschaftsverhältnissen g e p rä g t ist. Nach Schnath (1963) kann der Landschaftszustand des 18. bzw. b e g in ­ n e nden 19. Jahrhunderts zu einem e r­ h e b lich e n Maße in w e it zurü cklie g e n d e Z eiten ü b e rtra g e n w erden, da die V er­ te ilu n g vo n K u ltu rla nd , W ald, M o o r u nd H eide bis dahin seit Jahrh u n d e rte n kaum e in e V eränderung e rfa h re n h a tte - sie h t m an von der v o rü b e rge h e n d e n W a ld z u n a h m e der W üstu n g sp e rio d e des ausgehenden M itte la lte rs ab (Ost­ m ann 1993). Pertsch (1970) b e le g t fü r die Zeve­ ner Geest anhand archivalischer U n te r­ lagen, a lte r W aldbeschreibungen und F lu rnam enforschung einerseits und p rä h isto risch e r bis frü h g e sch ich tlich e r Funde vo n Grab- und S iedlungsstätten andererseits, daß die meisten historisch a lte n W a ld flä ch en bis zurück ins N e o li­ th ik u m nie besiedelt w aren. Behre (1986) w e ist dagegen fü r zw ei in d e r K H Lverzeichnete und auch h e u te noch v o rh a n d e n e W ä ld e r n o rd w e stlich Bederkesa N utzungen als Acker nach; in e inem Fall aus einer neolithischen Sied­ lungsphase, ab etw a 2400 v. Chr. bis zu r frü h e n Bronzezeit, im anderen eine m itte la lte rlic h e N utzungsphase von 7 0 0 -1 4 0 0 n. Chr. Es ist je doch davon auszugehen, daß viele zu r Z e it der KHL ka rtie rte n W ä ld e r R elikte g rö ß e re r W a ld g e bie te sind, de ­ ren U rsprünge bis vo r die Jungsteinzeit zu rückreichen. Z e ich n e t man die maßstabsgleich v o rlie g e n d e KHL a u f a k tu e lle TK 25 000 K a rte n durch, e rk e n n t man d e u tlic h den Landschaftsw andel der v e rg a n g e ­ nen zw e i Jahrhunderte. W ic h tig ist dabei das m öglichst o b ­ je k tn a h e „E in n o rd e n " der K arten, um F e h lin te rp re ta tio n e n durch M e ß u n g e ­ n a u ig k e ite n zu verm eiden. G ut g e e ig ­ n e te F ixpunkte sind Flüsse, Brücken, K irchen, a lte O rtskerne u.ä. in g rö ß t­ m ö g lic h e r Nähe zum W ald. Der Vergleich m it den ersten Forst­ k a rte n dieser Zeit aus den A rchiven der F o rstve rw a ltu n g b e le g t die hohe Ge­

n a u ig k e it d e r KHL in d e r D arstellung d e r W a ld a u ß e n g re n ze n . Diese fin d e n sich auch he u te o ft noch als W all und Graben, als G renzstein o d e r Grenzeiche im G elände w ieder. W e n ig e r g rü n d lic h sind in d e r KHL D etails im W alde selbst k a rtie rt w o rd e n - w ie z . B . Blößen, W iesen e tc .-, was bei dem g rö b e re n M aßstab n ic h t anders zu e rw a rte n ist.

3. E n tw ic k lu n g d er W a ld flä ch e n se it 1770 Für das Elbe-W eser-Dreieck e rg ib t die A u s w e rtu n g der KHL einen W a ld a n te il von e tw a 4 ,6 % an der Landschaft, de r d a m it kn a p p die H ä lfte d e r h e u tig e n W a ld flä c h e u m fa ß t. Der h e u tig e Kreis Stade w a r 1770 m it n u r 2,9 % die w a ld ­ ärm ste Region, die Kreise R otenburg und V erden m it 6,6% etw as w a ld re i­ cher (Tab. 1). Von den um 1770 vo rh a n d e n e n ru n d 32200 ha sind bis 1986 rund 15 500 ha g e ro d e t w o rd e n . Lediglich 52 % sind auch g e g e n w ä rtig noch W ald, en tsp re ­ chend 25 % d e r h e u tig e n W a ld flä ch e a l­ ler B esitzarten (ges. 67 850 ha). Von den landeseigenen W ä ld e rn , die im U n te r­ such u n g sg e b ie t (UG) m it ru nd 17 200 ha 2 5 % d e r gesam ten W a ld flä ch e um fas­ sen, sind e tw a 4 0 % k o n tin u ie rlic h be­ w a ld e t, 21 % im Forstam t O sterholzScharm beck und 55 % im Forstam t Har­ sefeld. Eine z w e ite W a ld in v e n tu r e rfo lg te in den h e rrsch a ftliche n W ä ld e rn z w i­ schen 1820 u nd 1838, w ie d e ru m m it u m fa n g re ic h e n D eta ila n g a ben. M ittle rw e ile hat es g ru n d le g e n d e V e rä n d e ru n g e n gegeben. Die N u t­ zu ngsrechte w u rd e n durch Flächenab­ tre tu n g e n a b g e fu n d e n , G renzlinien a rro n d ie rt un d N e u a uffo rstu n g e n d u rc h g e fü h rt. Forstliche S pezialkarten belegen besonders im Staatsw ald in im m er dich ­ te re r z e itlic h e r Folge (seit e tw a 1960 a lle 1 0 J a h re )d ie W a ld e n tw ic k lu n g . G a n zflä ch ig sind ab e tw a 1895 im UG d ie Preußische Landesaufnahm e u nd fo lg e n d e M e ß tis c h b lä tte r fü r das N achzeichnen d e r L a ndschaftsentw ick­ lu n g vo n B edeutung. Z w ei Typen von W ä ld e rn müssen a u fg ru n d ih re r V e rg a n g e n h e it g ru n d ­ sätzlich u n terschieden w e rden:

Keim • Z ur W a ld g e sch ich te des E lbe-W eser-D reiecks Tab. 1. W aldverteilung im Elbe-Weser-Dreieck um 1770 und heute

Landkreis

W a ld 1770 (ha)

A n te il an Gesam t­ flä ch e (% )

W ald 1986 (ha)

A n te il an Gesamt­ fläche (% )

1770und 1986 bew a ld e te Fläche (ha)

A n te il an W a ld flä ch e 1770

1986

(% )

(% )

1 330 4180 1 760

51 61 46

19 27 23

O sterholzScharm beck Cuxhaven Stade R o te n b u rg / W üm m e V erden

600 800 3 800

4,0 3,2 2,9

6900 15 500 7 700

1 0 ,6

13 800 5 200

6 ,6

28 560 9140

13,8 1 1 ,6

7 590 1 890

55 36

27

6 ,6

Summe

32 200

4,6

67 800

9,8

16750

52

25

2 6

1. H istorisch a lte W ä ld e r (a n cie n t w o p d la n d s) [D ef. s. W u lf\n diesem H e ft] U n a b hä n g ig vom a k tu e lle n Bestandes­ a lte r sind dieses solche Flächen, die seit alters her k o n tin u ie rlic h b e w a ld e t sind (kn a p p 2 5 % der h e u tig e n W a ld flä ch e des U ntersuchungsgebietes). M aß stab h ie rfü r ist die K u rh a n n o ­ versche Landesaufnahm e, d ie zu r w a ld ­ ärm sten Z e it e n tsta n d , oder, so w e it vo rh a n d e n , ge nauere F orstkarten aus dieser Zeit. 2. N e uzeitlich e W ä ld e r (recent w oo d la n d s) „N e u z e itlic h e W ä ld e r" sind aus H eide­ o d e r A c k e ra u ffo rs tu n g bzw. n a tü rli­ cher Sukzession nach 1770, ü b e rw ie ­ gend ab 1800, e n tsta n d e n . Im Elbe-Weser-Dreieck sind das ru n d 75 % d e r heu­ tig e n W ald flä ch e. K ennzeichnend fü r sie ist, daß sie fa st im m e r a u f ja h rz e h n te - bis ja h rh u n ­ d e rte la n g w a ld fre ie n , m e h r o d e r w e n i­ g e r stark d e g ra d ie rte n o d e r zu m in d e st ve rä n d e rte n Böden stocken. N a tu rn a h e Bestände im Sinne d e r p o te n tie lle n na­ tü rlic h e n V e g e ta tio n fin d e n sich hier sehr w e n ig e . Große Flächen d e r ä lte re n K ie fe rn w ä ld e r zeigen je d o ch n a tu r­ nahe Sukzessionstrends zum Eichen­ o d e r B uchenw ald.

7,3 5,9

20

1963, Kremser 1990, O verbeck 1975, Pertsch 1970). Hesmer und Schröder (1963) u n te r­ te ile n die W a ld e n tw ic k lu n g nach A rt und Intensitä t d e r m enschlichen E in w ir­ kungen in drei Phasen: U rw a ld z e it W a ld v e rw ü s tu n g s z e it-W a ld b a u z e it. a) U rw ald ze it Die le tzte Phase d e r „U rw a ld " z e it, be­ vo r die m enschlichen E in g riffe den W ald ganzflä ch ig n a c h h a ltig zu ve rä n ­ dern begannen, ist z e itlich und re g io n a l unterschiedlich zu d a tie re n . Sie lie g t nach Hesmer und S chröder e tw a z w i­ schen der m ittle re n und jü n g e re n Nach­ w ä rm e z e it (ca. 100 v. Chr. bis 1000 n. Chr.), gebietsweise aber auch e rh e b lich später. Im nordw estdeutschen Flachland d ü rfte n seit der E in w a n d e ru n g d e r Bu­ che B uchenw älder a u f den M in e ra lb ö ­ den vorherrschend gewesen sein, a b g e ­ sehen von den fü r Buchen zu nassen Böden. In den Ü bergangsbereichen gab es M ischw älder aus Buche m it e n tsp re ­ chend anderen L a u b b a u m a rte n . N adel­ bäum e spielten - abgesehen von Kie­ fe rn an M o o rrä n d e rn - eine u n te r­ g e o rd n e te Rolle. Die Fichte re ich te w o h l n u r m it e in ig e n In selvorkom m en bis in den Raum B re m e n /B re m e rh a ve n (Sch w a a r 1985). b) W a ldve rw ü stu n g sze it

3.1 Geschichte der historisch alten W älder Vom B eginn der nacheiszeitlichen W ie ­ d e rb e w a ld u n g an b e e in flu ß te der Mensch d ie W a ld e n tw ic k lu n g in zu n e h ­ m endem Maße (H esm er und Schröder

Von der U rw a ld z e it g ib t es flie ß e n d e Ü bergänge zur W a ld ve rw ü stu n g sze it. Seit dem le tzte n D ritte l des vo rig e n Jahrtausend w u rd e n die in den w e itlä u ­ fig e n W äldern gele ge n e n S iedlungsin­ seln v e rg rö ß e rt und v e rm e h rt, die an ­

g re n ze n d e n W ä ld e r d u rch B e w e id u n g u nd P laggenhieb g e lic h te t. Das V o rd rin g e n d e r S ie d lu n g e n bzw . d ie U rb a rm a ch u n g des W aldes e r­ fa ß te zunächst h a u p tsächlich tro c k e ­ nere W a ld g e sellsch a ften d e r le ic h te n Böden, w ie die ärm eren Buchen- un d Eic h e n -B u ch e n w ä ld e r d e r Geest (K rem ser 1990). Die A u flic h tu n g b e n a c h te ilig te d ie w e n ig stockausschlagfähigen Bäum e w ie d ie Buche und v e rh a lf d e r Eiche a u f d ie n a tü rlic h e n B u ch e n sta n d o rte . M it zu n e h m e n d e r B e vö lke ru n g s­ d ic h te nahm en die verschiedensten N u tz u n g e n im m e r m e h r den C h a ra k te r vo n Raubbau an, so daß sich d e r W a ld ­ zustand n ic h t n u r a llg e m e in v e r­ schlechterte, sondern g ro ß e Flächen v ö llig e n tw a ld e t w u rd e n . W a ld w e id e u nd P laggenhieb v e rh in d e rte n die W a ld v e rjü n g u n g , H olz w u rd e als Bau­ m a te ria l und e in z ig e r E n e rg ie trä g e r zum tä g lic h e n B e d a rf g e n u tz t. D er R oh­ s to ff H olz bekam seit d e r ersten H ä lfte des 16. Ja h rh u n d e rts e in e im m e r g rö ­ ßere w irts c h a ftlic h e B e d e u tu n g . V erh e e re n d e A u s w irk u n g e n a u f die W ä ld e r h a tte auch d e r 3 0 jä h rig e Krieg. Der A u fb a u d e r Kriegs- un d H andels­ flo tte n tru g besonders in K ü stennähe massiv zu r W a ld v e rn ic h tu n g bei. Für den Bau eines m itte lg ro ß e n K riegsschif­ fes b e n ö tig te m an a lle in 4000 ausge­ w achsene Eichen (K rem ser 1990)! Der Raubbau s te ig e rte sich d a n n noch, als Eichen- und B u chenstabholz fü r Faßdauben den europäischen H o lz­ m a rk te ro b e rte . Der H ö h e p u n k t d e r E n tw a ld u n g lag zw ischen dem 16. und 18. J a h rh u n d e rt. H esm er und S chröder (1963) be­ schreiben die D e g ra d a tio n als Sukzes­ sion vom S ch a tth o ch w ald (z.B. Buche) ü b e r den L ic h th o lz w a ld (z. B. Eiche und Birke), das Ausschlaggebüsch, d ie H eide o d e r das Grasland bis zum v e g e ta tio n s ­ losen M in e ra lb o d e n . c) W a ld b a u z e it Nach Hesm er und S chröder (1963) w u r ­ den im w estniedersächsischen Flach­ land bereits im 16. J a h rh u n d e rt beson­ ders Eichen und Buchen, a b e r auch a n ­ d ere Laubbäum e gesät o d e r g e p fla n z t. Die pla n m ä ß ig e , kü n stlich e W a ld ­ v e rjü n g u n g begann je d o ch erst in d e r z w e ite n H ä lfte des 18. J a h rh u n d e rts in den k ö n ig lic h e n W ä ld e rn . Die entschei53

K eim ■Z ur W a ld g e s c h ich te des Elbe-W eser-Dreiecks

de n d e Voraussetzung fü r d ie R egenera­ tio n de r staatlichen W ä ld e r w a r d ie A b ­ lösung d e r p riva te n N utzu n g sre ch te (S e rvitute) zum H olzsam m eln, V ie h ­ e in trie b und S treuharken, d ie durch A b ­ tr e tu n g e rh e b lich e r W a ld flä c h e n te u e r e rk a u ft w u rd e n (B u rc k h a rd t 1864). Die A b fin d u n g s te ilu n g e n zu B eginn des 19. Jahrhunderts b ild e te n den le tz te n g ro ß e n F lächenverlust d e r historisch a l­ te n kö n ig lic h e n W älder, m it ru n d 10% (B u rc k h a rd t 1864). Danach w u rd e n die ve rb lie b e n e n W a ld flä c h e n in H o ch w ä l­ d e r ü b e rfü h rt. In vielen n ich tsta a tlic h e n W ä ld e rn nahm die U m w a n d lu n g durch N u t­ z u n g sinte n sivie ru n g , insbesondere U m ­ w a n d lu n g in G rün la n d , je d o ch w e ite r zu und d rä n g te v o r allem reichere F e u ch tw ä ld e r w e ite r zurück. So w u rd e zw ischen 1770 und 1980 m e h r als 1/3 des ehem als 670 ha um fassenden Braken (südl. H arsefeld, Landkreis Stade) in G rü n la n d u m g e w a n d e lt, was e tw a e i­ nem H ektar pro Jahr e n ts p ric h t. Davon

w a r d e r g rö ß te Teil n ä h rs to ffre ic h e r Eich en-H ainbuchenw ald a u f staunassem Geschiebem ergel (Keim und Sturm 1988). Die „schleichende W a ld u m w a n d ­ lu n g " ist vie le ro rts noch h eute ein ak­ tu e lle s Problem. M it dem Beginn der n a ch h a ltig e n F o rstw irtsch a ft fo lg te der W a ld ze rstö ­ rungsphase der W ie d e ra u fb a u . S o w e it sie nicht in N adelw ald u m ­ g e w a n d e lt w u rd e n , re g e n e rie rte n sich die Lau b w ä ld e r nach B eendigung der W a ld w e id e . Diese E n tw icklu n g w u rd e b e g ü n s tig t durch die damals sehr g e rin ­ gen W ild d ic h te n . So w u rd e n in den Forstäm tern des d a m a lige n Regierungsbezirkes Stade im Jahre 1885 nur 44 Rehe geschossen (Quaet-Faslem 1885), entsprechen 0,3 Stück/100 ha, 1992 dagegen fa st 1400 (8,3 Stück/100 ha). In dieser v e rb iß a r­ men Z e it sind einige tausend H ektar Ei­ chenm ischw älder herangew achsen u n te r d e rze itig e m V erbißdruck n u r h in ­

Tab. 2. B e w aldu ng skon tinu ität verschiedener „historischer W aldtypen"

Landkreis

H ochw ald um 1770

O sterholzScharmbeck Cuxhaven Stade R o te n b u rg / W üm m e V erden Gesam t in P rozent

Stüh

B ruchw ald

Summe

davon Rest h e u te

um 1770

davon Rest h eute

um 1770

davon Rest heute

1 770 3 800 2 570

1 020 2 950 1 520

500 620 680

130 140 100

330 2 380 550

190 1 090 140

8440 3 040

5 840 1 060

3 640 1 140

760 270

1

1 720 020

19 620

12 390 63

580

1 400

6

000

6

21

um 1770

davon Rest h eute

600 6800 3 800

1 340 4 180 1 760

990 550

13 800 5 200

7 590 1 880

2 960 49

32 200

16750 52

2

Tab. 3. Die zehn g rö ßte n „H o ltzu n g e n "im Elbe-Weser-Dreieck um 1770

TK25

2521 2522/23 2318 2623 2320 2523 2618 2920 2822 2521 Summe

54

Bezeichnung

B e ve rn e rW a ld Braken D ra n g s te d te rW a ld T h ö re n w a ld W e ste rb e rg N e u klo ste rh o lz Im Schrum Euter Holz Luhne H o rn e r Holz

Größe um 1770 (ha)

Davon noch 1990 be­ w a ld e t (ha)

V erlust (ha)

670 670 530 430 380 330 250 250 230

570 420 470 410 350 230 70 200

180 250 30

220

220

0

3 960

2 940

100

250 60 20

30 100

0

1

020

te r a u fw e n d ig e n w ild s ic h e re n Zäunen d e n k b a r!

4. H isto risch e W a ld ty p e n Auch im E lbe-W eser-D reieck e rre ich te die W a ld v e rw ü s tu n g e tw a in der M itte des 18. J a h rh u n d e rts ih re n H ö h e p u n kt. Historische K arten u n d W a ldbeschrei­ b u n g e n lassen zu dieser Z e it drei u n te r­ schiedliche W a ld ty p e n e rkennen: 1. h o c h w a ld ä h n lic h e H u te w ä ld e r a u f M in e ra lb o d e n (H o ltz, H o ltzu n g, W o h ld ), 2. S um pf- und B ruchw älder, o ft N ie­ d e rw a ld (B rook, Brock, Bruch), 3. zum Buschwald d e g ra d ie rte r Eichen-Birken(Buchen-)Stockausschlag a rm e r Böden (Stüh, Löh, im K üsten­ bereich auch „ K r a t t" g e n a n n t). 4.1 „Holtzungen" (H oltz, W ohld) A m besten d o k u m e n tie rt ist der Zu­ stand d e r so g e n a n n te n „H o ltz u n g e n "; dies w a re n h o c h w a ld ä h n lic h e H u te w ä l­ d e r d e r m äßigen bis g u t n ä h rs to ffv e r­ sorgten Böden, o f t im kö n ig lich e n Be­ sitz. So schreibt Pertsch (1970), daß a u f der Zevener Geest die M ehrzahl der W ä ld e r aus Buchen und Eichen ge­ m ischt w a re n . Dabei ü b e rw o g e n im a ll­ ge m e in e n die Buchenbestände, Eichen w a re n besonders in den tie fe n fe u c h te ­ ren Lagen v e rtre te n . A n d ere B aum ar­ te n w e rd e n fü r diese W ä ld e r seltener e rw ä h n t, w a re n a b e r sicher auch v o r­ handen. Es d ü rfte n fa s t ausschließlich a u to c h th o n e Bestände gewesen sein, da S a a tg u ttra n s p o rt a u f w e ite n W egen un w a hrsch e in lich w ar. V e rjü n g t w u rd e durch H e is te rp fla n z u n g e n und A u s n u t­ zen von M asten, w ie es in einer D arstel­ lu n g d e r k ö n ig lic h e n Forsten des Am tes B rem ervörde b e le g t ist: Die zu v e rjü n ­ gend e n Bestände w u rd e n a u fg e lic h te t und in „Zuschlag g e le g t", d .h . gegen W a ld w e id e g e zä u n t. Zur E inarbeitung d e r frischen Bucheckern oder Eicheln trie b m an die zu v o r a n d e rnorts sa ttg e ­ m ästeten Schweine ein, o d er die Mast w u rd e e in g e h a c k t (A n o n ym u s um 1780). Im Elbe-W eser-Dreieck w a re n um 1770 noch rd. 20000 ha dieses W aldtyps v o rh a n d e n . Diese lagen in m ehr als 600 E inzelflächen von d u rch sch n ittlich rund 30 ha G röße in u n te rsch ie d licher Dichte v e rte ilt.

Keim • Z ur W a ld g e sch ich te des E lbe-W eser-D reiecks

Abb. 2. Beispiel fü r eine „H o ltzu n g " um 1770 (heute: Beverner Wald).

Die 10 g rö ß te n G ebiete sind in Ta­ b elle 3 a u fg e fü h rt. Etwa 2/3 der a lte n H o ltz u n g e n , also ru n d 12400 ha, sind auch g e g e n w ä rtig b e w a ld e t, der g rö ß te Teil davon k o n ti­ n u ie rlich seit m ehreren h u n d e rt Jahren. N a tu rn a h e Bestände stocken a lle rd in g s n u r a u f erheblich kle in e re n Teilflächen. 4.2 Brock (Brook, Bruch) Ü ber d ie fe u c h te n bis nassen, in d e r Kur­ hannoverschen Landesaufnahm e als Brook, Brock, Bruch, seltener auch Busch bezeichneten L a u b w ä ld e r liegen w e n ig e r w aldge sch ich tlich e D o ku m e n ­ te vor, es sind nu r e in ze ln e h e rrs c h a ftli­ che Forsten daru n te r. Zum Teil w a re n es b a ch b e g le ite n d e

„G a le rie w ä ld e r", zum Teil a b e r auch g roß flächigere Bestände. S tandörtlich decken sie n ic h t n u r die eig e ntliche n B ru ch w ä ld e r a u f N ie d e r­ m o o r ab, die v o r 200 Jahren in den Bach- und F lu ß n ie d eru n g e n bereits g rö ß te n te ils in G rü n la n d u m g e w a n d e lt w aren. Auch stark g ru n d - o d e r stauw as­ serbeeinflußte W ä ld e r a u f Lehm - und T onstandorten sow ie quellnassen Geesthängen tra g e n diese Bezeich­ nung. Die K a rte n s ig n a tu r s te llt m eist dichte, niedrige L aubgehölze, z.T. u n ­ terschiedlicher H öhe dar, h ä u fig von o f ­ fe n e n Feuchtbereichen d u rch se tzt. V erm utlich w a re n es g rö ß te n te ils N iederw älder, im N ie d e rm o o r ü b e rw ie ­ gend aus Erlen und B irken zusam m en­ gesetzt, a u f nassen M in e ra lb ö d e n ka­

men w o h l auch z.T. M itte lw ä ld e r aus H ainbuchen, Eschen, A spen und Hasel sow ie w e ite re n G e h ö lz a rte n vor, z.T. auch m it Eiche. Ein Teil dieser W älder, insbesondere d e r reicheren S ta n d o rte ist noch e rh a l­ te n und h a t sich zu a rte n re ic h e n Eichen­ o d e r E schen-M ischw äldern e n tw ic k e lt. Ein g ro ß e r Teil d e r u n te rs u c h te n Be­ stände von W u lf und K e im (in diesem H e ft) ist aus solchen „B rü c h e n " h e r­ vo rg e g a n g e n . Im E lbe-W eser-D reieck g a b es davo n z u r Z e it d e r K u rh a n n o verschen Landes­ a u fn a h m e kn a p p 6600 ha in 350 E inzel­ beständen m it e in e r d u rc h s c h n ittlic h e n Größe von 20 ha. Die 10 g rö ß te n Brüche sind in Ta­ b elle 4 a u fg e fü h rt. 55

K e im • Z ur W a ld g e s c h ich te des E lbe-W eser-D reiecks

A b b . 3. Beispiel fü r einen Brook um 1770 (heute: Rosebruch).

A b b . 4. Beispiel fü r einen Stüh um 1 /7 0 (heute: Hinzel).

56

Keim • Zur Waldgeschichte des Elbe-Weser-Dreiecks Tab. 4. Die zehn grö ßten F euchtw älder („Brüche") im Elbe-Weser-Dreieck um 1770

TK25

2923 2923 2724 2521 2618 2711 2711 2318 2623 2711

B ezeichnung

H a rtb ö h n Rosebruch G lüsinger Bruch Brock B ille rb e ckta l S agenhorst Barchen Brock H ellers Bruch B re d e n h o rn P o itze n b ro ck

Summe

Insgesam t ein F ü n fte l d e r historisch a lte n „B ru c h "w a ld flä c h e ist h e u te noch b e w a ld e t. Bis a u f Reste sind sie a lle r­ dings durch Entw ässerung u nd N adel­ h olza nb a u ge stö rt. Sie sind z.T. auch h e u te noch d u rc h -g rö ß te n te ils ille g a le - W a ld u m w a n d lu n g b e d ro h t (m eist durch B ew eidung w ie z.B. im Braken, K eim und S turm 1988). 4.3 Stüh, Stühbusch, Löh Die Bezeichnung „S tü h " fin d e t sich h ä u fig in der K urhannoverschen Lan­ desaufnahm e, z.T. ist sie bis h e u te als Flur- o d e r auch O rtsnam e e rh a lte n ge­ blieben. Als Stüh bezeichnete man die le tzte Phase der W a ld d e g e n e ra tio n . M eist w a r es buschiger, lo cke re r bis lich te r K ru m m h o lz w a ld aus Eichen-, B irken- o d e r seltener auch Buchen­ stockausschlag a u f ä rm eren, o f t a u f tro cke n e re n S tan d o rte n .

Größe um 1770 (ha)

Davon noch 1990 be ­ w a ld e t (ha)

V erlust (ha)

190 140 130 110 110 90 90 90 90 90

60 50 70 0 30 20 5 0 5 10

130 90 60 110 80 70 85 90 85 80

1 130

250

880

Durch ständigen V erbiß des W e id e ­ viehs, H eidebrände und B re n n h o lz­ sch nitt geschädigt, g in g e n viele S tüh­ büsche in Heide über. Im Elbe-W eser-Dreieck g ab es um 1770 rund 6000 ha Stühbusch, e n tsp re ­ chend knapp 1 % d e r Landschaft bzw. rund 20% der da m a lig e n W a ld flä ch e. Die Fläche se tz t sich aus e tw a 17Ö Beständen zusam m en, entsprechend ein er D urchschnittsgröße von ru n d 30 ha. Die 10 g rö ß te n G ebiete sind in Ta­ belle 5 a u fg e fü h rt. Nach A u fg a b e d e r H e id e w irts c h a ft veränderte sich d ie S itu a tio n d e r S tüh­ büsche drastisch. D er g rö ß te Teil w u rd e e n tw e d e r in A cker u m g e w a n d e lt o d e r m it N adelbäum en - m eist K ie fe rn ü b e rp fla n zt; so z.B. d e r Stüh im Forst­ a m t B rem ervörde ab 1760, d e r Hinzel ab 1766. W eniger stark d e g ra d ie rte Be­ stände nahm man in Zuschlag; diese Flä­

Tab. 5. Die zehn g rö ßten „Stüh-Büsche" im Elbe-Weser-Dreieck um 1770

TK25

2320 2420 2320 2921 2822 2921 2522 2718 2318 2720 Summe

Bezeichnung

Zuschlag H inzel Rahden H a b e rlo h e r Busch D e e p en g ru n d S teinberg W edel H eilshorn Dicke Busch n o rd ö s tlic h W e n te l

Größe um 1770 (ha)

Davon noch 1990 be ­ w a ld e t (ha)

V erlust (ha)

300 290 180 160 160 160 160 140 130 130

180 280 20 120 20 100 2 110 100 110

120 10 160 40 140 60 158 30 30 20

1 810

1 042

768

chen sind z.T. h e u te noch als L a u b w a ld e rh a lte n . N ich t selten h aben sich auch in den K ie fe rn a u ffo rs tu n g e n Reste des Laubw aldes b e h a u p te n k ö n n e n , so daß a u f diese Weise auch v e rm u tlic h a u to c h th o n e V o rk o m m e n , z.B. d e r T ra u b e n ­ eiche im Raum Bederkesa, ü b e rd a u e rn k o n n te n . Die H ä lfte d e r d a m a lig e n S tü h ­ buschfläche ist auch h e u te noch be­ w a ld e t, a lle rd in g s m it w e n ig e n A us­ nahm en als N a d e lw a ld .

5. A u s w irk u n g e n frü h e re r N u tzu n g en A lle W ä ld e r-s o w o h l d ie H o lz u n g e n als auch d ie Brüche u nd S tühbüsche - w a ­ ren vie le J a h rh u n d e rte a u f v ie lfä ltig e A rt u nd Weise in te n s iv g e n u tz t, w e it intensiver, als es h e u te d e r Fall ist. Die d a m a lig e n N u tz u n g e n ü b e rtra fe n d ie R e p ro d u k tio n s k rä fte des W aldes bei w e ite m , d e r W a ld z u s ta n d w u rd e d e m ­ entsprechend m eist als „s c h le c h t" und „im W e rt g e rin g " beschrieben. Die W ä ld e r d ü rfte n e rh e b lic h lic h te r und d a m it v e rm u tlic h gras- u n d k ra u t­ reicher gew esen sein. Geschlossener H ochw ald, w ie er h e u te g ro ß flä c h ig v o rk o m m t, w a r selten. J a h rh u n d e rte ­ lange A u s b e u tu n g , insbesondere du rch W a ld w e id e , haben e in e n re g io n a l sta rk u n te rsch ie d lich e n S e le ktionsdruck, z. B. a u f v e rb iß e m p fin d lic h e A rte n ausge­ ü b t, d e r im e in ze ln e n schw er n a ch zu ­ w eisen ist. Sehr w a h rsch e in lich w u rd e n ty p i­ sche W a ld p fla n z e n u nd -tie re z u g u n ­ sten d e r A rte n h a lb o ffe n e r Lebens­ räum e z u rü c k g e d rä n g t un d sind m a n ­ cherorts ganz ve rsch w u nden. T o th o lz d ü rfte angesichts des a k u ­ te n H olzm angels ka u m v o rh a n d e n g e ­ wesen sein. In fo lg e d e r sta rke n V e rin se lu n g d e r R estw aldflächen ist d ie W ie d e rb e s ie d ­ lu n g g e e ig n e te r Lebensräum e zum Teil e rh e b lich erschw ert. T rotz dieser B e lastungen sind d ie h i­ storisch a lte n W ä ld e r im V erg le ich zu a l­ len ü b rig e n L a n d n u tz u n g s fo rm e n (a n ­ th ro p o g e n e Ö kosystem e) d ie je n ig e n m it d e r g rö ß te n K o n tin u itä t, so fe rn sie n ich t zw isch e n ze itlich massive fo r s tli­ che V e rä n d e ru n g e n , w ie z.B. V o llu m ­ bruch o d e r A n b a u g e b ie ts fre m d e r B aum arten, e rfa h re n haben.

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Keim • Zur Waldgeschichte des Elbe-Weser-Dreiecks

6. N e u a u ffo rs tu n g e n n e u ze itlic h e W ä ld e r Im UG begann m an e tw a ab 1760 m it ersten A u ffo rs tu n g e n , was zunächst zu e in e m kaum m erklich e n A n stie g der W a ld flä c h e fü h rte . Erst ab e tw a 1850/60 nahm der W a ld a n te il d e u tlic h zu (A bb. 5). Zunächst w u rd e n nach A blö su n g d e r P laggenhieb- und W e id e b e re c h ti­ g u n g e n „ f r e i" w e rd e n d e „g e rin g e H e id b lö ß e n " in n e rh a lb de r La u b w ä ld e r m eist m it K ie fe rn „b e s a m t", s o w e it d o rt d e r L a ubho lza n b a u m iß lang. Ebenso b e h a n d e lte m an die verkleide­ te n W a ld rä n d e r und im Zuge von G re n z b e g ra d ig u n g e n h in z u g e w o n n e ­ ne Flächen. Nach dem Zusam m enbruch d e r b äu­ e rlich e n H e id e w irts c h a ft A n fa n g des 19. Ja h rh u n d e rts w u rd e n auch in der d a m a lig e n Landdrostei Stade große, sta a tlich g e fö rd e rte A u ffo rs tu n g s p ro ­ je k te realisiert, deren U m fang a lle r­ d ing s bei w e ite m n ic h t den in d e r Lüne­ b u rg e r H eide erreich te . Der K ie fe rn a n b a u erw ies sich a u f den d e g ra d ie rte n H e ideböden als be­ stes M itte l zur W ie d e rb e w a ld u n g . Dies k o m m t auch deren n a tü rlic h e r Sukzes­ sion nahe (Griese 1986). Schon 1785 w u rd e in der ersten F o rste in ric h tu n g des Forstam tes Bre­ m e rvö rd e die w e ite re Perspektive a u f­ g e z e ig t. In de r Beschreibung des Bo­

denzustandes im Hinzel h e iß t es: „D u rc h g e h e n d m it Sand verm ischt, ve r­ ö d e t u nd m it Heide überzogen, w e il er seit vie le n Jahren vom H oltze e n tb lö ß t und vom W in d e und der Sonne ausge­ d ö rr t ist. Durch den A nzug der Fuhren w ird er v e rw a n d e lt und zum Laubh o ltz e w ie d e r tra g b a r und g u t." (A n ­ onym us um 1780). Tatsächlich e n tw ic k e lt sich in vielen a lte n K iefernbeständen im UG die nächste W a ld g e n e ra tio n beinahe n u r aus Laubholz, meist Birke, Eiche, Eber­ esche und Faulbaum. Läßt man diese E n tw ic k lu n g zu und u n te rs tü tz t sie w a ld b a u lic h , kann als zw e ite W a ld g e ­ n e ra tio n ein Eichenmischwald h e ra n ­ wachsen. Solche W a ld b ild e rs in d im UG h ä u fig zu sehen. A u f na tü rlich e n Buchen­ s ta n d o rte n ist es dann eine Frage der Z e it u nd d e r E ntfernung zum nächsten B uchenaltbestand oder Einzelbaum , bis d ie Buche den Eichenwald u n te rw a n ­ d e rt, um ih n schließlich im Laufe w e n i­ g e r Ja h rh u n d e rte zu verdrängen - so­ fe rn sich d e rze itig e E n tw icklungstrends fo rts e tz e n . In U m ke h ru n g der von Hesmer und S chröder (1963) beschriebenen W a ld ­ d e g e n e ra tio n sstu fe n v e rlä u ft die Ent­ w ic k lu n g seit 200 Jahren w ie d e r „ a u f­ w ä rts ", im Idealfall w ie fo lg t: Heide —> K ie fe rn w a ld -> Eichenwald Bu­ c h e n w ald. N icht selten w ird die Eichenphase

A bb. 5. E ntw icklung d e r W aldflächen im ehem aligen Regierungsbezirk Stade (= Landdrostei S tade) nach Kurhannoverscher Landesaufnahm e (um 1770), Quaet-Faslem (1885), Brünger (19 54 ) u n d Niedersächsisches M inisterium s fü r Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (19 80 u n d 1990).

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bei g ü n stig e n A u s b re itu n g s b e d in g u n ­ gen d e r Buche o d e r bei d e re n k ü n s tli­ cher E in b rin g u n g ü b e rsp run gen. A u f diese Weise k ö n n e n sich auch m anche d e r n e u ze itlich e n W ä ld e r zu n a tu rn a h e n Beständen e n tw ic k e ln . Länger als die Rückkehr d e r B aum arten d a u e rt a lle rd in g s d ie R e g e neration des gesam ten Ökosystems, so fe rn dieses ü b e rh a u p t jem als m ö g lich ist.

7. W a ld u m b a u p h a se Die Z e it des W a ld a u fb a u s g e h t seit m e h re re n Jahrzehnten in eine U m b a u ­ phase über, deren Z ie lric h tu n g un d In­ te n s itä t u.a. auch stark a b h ä n g ig ist von d e r A rt des W aldbesitzes. Im S taatswald bekam eine m ö g ­ lichst intensive A u sn u tzu n g d e r W uchs­ k ra ft des Bodens (B o d e n re in e rtra g s­ lehre) ü b e r Jahrzehnte herrschende B e d e u tu n g . Sie g ip fe lte im so genann­ te n „B u c h e n e rla ß " von 1964, w onach m äß ig- und g e rin g w ü ch sig e Buchenbe­ stände (ab Leistungsklasse 5 und tie fe r) g rö ß te n te ils in Fichte u m zu w a n d e ln w a re n . Insbesondere viele d e r o h n e h in seltenen, ärm eren D rahtschm ielenund T raub e n e ich e n -B u ch e nw älder fie ­ len diesem D enken zum O pfer. Spätestens der O rkan des Jahres 1972, von dem insbesondere die n ich t n a tu rn a h e n , e inschichtigen N a d e lh o lz­ bestände b e tro ffe n w a re n , le ite te eine T re n d w e nd e ein. A u f d e r Basis von S ta n d o rts k a rtie ru n g e n w ird seit 1973 im Landeswald d ie re g io n a le W a ld b a u ­ p la n u n g a u f öko lo gisch e r G rundlage b e trie b e n (Krem ser und O tto 1973). Nach d e rz e itig e m Stand ist in den niedersächsischen Landesforsten eine E rhöhung des L a u b w a ld anteiles von g e g e n w ä rtig 37% la n g fris tig a u f 65% vorgesehen (O tto 1992). Die E rhaltung d e r n a tü rlic h e n re g io n a le n W a ld g e ­ sellschaften, insbesondere a u f alten, nie anders g e n u tz te n W a ld b ö de n , ist im Landeswald im Rahmen eines W a ld ­ schutzgebietskonzepts vorgesehen (M i­ n is te riu m fü r L a n d w irts c h a ft u n d For­ sten 1994). In den W ä ld e rn d e r ü b rig e n W a ld ­ besitza rte n , die 75 % d e r Fläche des U n­ tersuchungsgebietes umfassen, ist die S itu a tio n w esentlich kom plexer. W ä h re n d die S taatsw aldfläche von 1770 bis h eute um das 2,5fache zu ­ nahm , e rh ö h te sich d e r p riva te W ald u nd d e r sonstiger B esitzarten - g rö ß ­

Keim • Zur Waldgeschichte des Elbe-Weser-Dreiecks te n te ils durch H e id e a u ffo rs tu n g e n um das Fünffache. D em entsprechend höher ist hie r der N a d e lw a ld a n te il. Im P rivatw ald g ib t es je d o ch n a tu r­ nahe Bestände a u f a lte n W a ld s ta n d o r­ ten, die einen e rh e b lich e n A n te il an dem fü r den N a tu rsch u tz w e rtv o lle n W ald ausmachen. Einige Bestände sind seit la n g e r Zeit u n g e n u tz t und haben N a tu rw a ld q u a ­ litä t, bedeuten d e V o rk o m m e n g e fä h r­ d e te r A rte n und W a ldgesellschaften fin d e n sich hier.

8. Z u sam m en fassu n g M it H ilfe historischer K arten w u rd e der W aldzustand zur Z e it des E n tw a ld u n g s­ h öhepunktes (im 18. J a h rh u n d e rt) im Elbe-W eser-Dreieck re k o n s tu ie rt. Um 1770 b e tru g der W a ld a n te il n u r 4,6% (32200 ha) der Landschaft. H iervon ist knapp die H ä lfte bis in d ie G e g e n w a rt g e ro d e t w o rd e n , w ä h re n d sich die ge­ samte W ald flä ch e durch N e u a u ffo r­ stungen m ehr als v e rd o p p e lt hat. Nur 25% (15 500 ha) des h e u tig e n W aldes (67850 ha) sind historisch a lt, also seit 1770 k o n tin u ie rlic h b e w a ld e t. Viele dieser W ä ld e r d ü rfte n R elikte ja h rta u ­ sendealter W a ld g e b ie te sein. Trotz te ilw e is e e x p lo ita tiv e m N u t­ zungsdruck der ve rg a n g e n e n J a h rh u n ­ d e rte sind historisch a lte W ä ld e r die am w e n ig sten ve rä n d e rte n Landökosy­ stem e unseres Raumes. H eute noch na­ tu rn a h e rh a lte n g e b lie b e n e G ebiete d ü rfte n zu den le tz te n N a tu rre lik te n gehören.

9. L ite ra tu rv e rze ich n is A nonym us, um 1780: Tabellarische Be­ schreibung d e re r säm tlichen im A m te B rem ervörde b e fin d lic h e n herrschaftliche n Forsten: 12 S. Behre, K.E., Kucan, D., 1986: Die Refle k tio n archäologisch b e k a n n te r Siedlungen in P o lle n d ia g ra m m e n verschiedener E n tfe rn u n g - Bei­ spiele aus d e r S iedlungskam m er Flögeln, N o rd w e std e u tsch la n d . In: Behre, K. E. (Ed.): A n th ro p o g e n ic Indicators in p o lle n Diagram s. -

A. A. Balkema, R o tte rd a m , Boston: 95-114. Brünger, F., 1954: Forsten und Ö dland in Niedersachsen 1800-1952. - Neues A rchiv Nieders. 7/9. Burckhardt, H., 1864: Die fo rs tlic h e n Verhältnisse des K önigreichs H an­ n o v e r.-H a n n o v e r: 171 S. Griese, F, 1986: Die K ie f e r - e in p rä g e n ­ des Elem ent in d e r Landschaftsge­ schichte des niedersächsischen Flachlandes. - Neues A rch iv fü r Nieders., Bd. 33, H e ft 3: 260-282. Hesmer, H., Schröder, F.-G., 1963: W a ld ­ zusam m ensetzung und W a ld b e ­ handlung im Niedersächsischen T iefland w e stlich d e r W eser und in der M ünsterschen Bucht bis zum Ende des 18. Ja h rh u n d e rts. - Decheniana (Bonn), Beih. 11: 304 S. Keim, H.-J., Sturm , K., 1988: W a ld g e ­ schichte und W a ld n a tu rs c h u tz im R egierungsbezirk Lüneburg G rundlagen un d Ziele. - Jb. N aturw . V er.Fstm .Lbg. 3 8 :4 7 -8 2 . Kremser, W., 1990: Niedersächsische Forstgeschichte. R o te n b u rg e r Schriften, S onderband 3 2:965 S. Kremser, W., O tto , H.-J., 1973 : G ru n d la ­ gen fü r die la n g fris tig e , re g io n a le w a ldba u lich e P lanung in den n ie ­ dersächsischen Landesforsten. - Aus dem W alde 2 0 :4 9 6 S. Landkreis Cuxhaven, 1984: Burg Be­ derkesa. - B rem erhaven, 64 S. Lohmeyer, W., 1951: Die P flanzengesell­ schaften der E ilenriede bei H a n n o ­ ver. - A ngew . P flanzensoziol. (Stolzenau/W eser) 3: 72 S. Niedersächsiche Landesregierung, 1991: Niedersächsisches P rogram m zur la n g fristig e n ö ko lo gisch e n W a ld ­ e n tw ic k lu n g in den Landesforsten. Hannover: 49 S. Niedersächsisches M in is te riu m fü r Er­ nährung, L a n d w irts c h a ft u n d For­ sten, 1980: W a ld - und F o rs tw irt­ schaft in Niedersachsen, H annover: 72 S. Niedersächsisches M in is te riu m fü r Er­ nährung, L a n d w irts c h a ft u n d For­ sten, 1990: W a ld - und F o rs tw irt­ schaft in Niedersachsen: 113 S. Niedersächsisches M in is te riu m fü r Er­

n ä h ru n g , L a n d w irts c h a ft u n d For­ sten, 1994: R underlaß la n g fris tig e , ö ko lo gisch e W a ld b a u p la n u n g fü r d ie Niedersächsischen L a n d e sfo r­ sten. - Hannover, 38 S. O stm ann, U., 1993: Die Ü b e rn a h m e d e r historischen L a n d n u tzu n g sa rte n aus K arten des 18. un d 19. J a h rh u n ­ derts in das Niedersächsische Bo­ d e n in fo rm a tio n s s y s te m . - Geol. Jb. H 2 7 :1 4 5 -1 8 2 . O tto , H.-J., 1992: L a n g fris tig e ö k o lo g i­ sche W a ld e n tw ic k lu n g : G ru n d la g e n des R e g ie rungsprogram m s. - AFZ 1 1 :5 6 6 -5 6 8 . Overbeck, F, 1975: B o ta n is c h -g e o lo g i­ sche M o o rk u n d e u n te r b e sonderer B erü cksich tigu n g d e r M o o re N o rd ­ w e std e u tsch la n d s als Q u e lle n zu r V e g e ta tio n s-, K lim a- u n d Sied­ lungsgeschichte. Karl W achh o ltz -V e rla g , N eum ünster: 719 S. Pertsch, R., 1970: L a n d sch a ftse n tw ick­ lu n g und B o d e n b ild u n g a u f d e r Sta­ d e r Geest. - Forsch. Dtsch. Landeskde., Bd. 2 0 0 :189S. Quaet-Faslem , G. F, 1885: Der fo r s tw ir t­ sch a ftlich e B etrieb. F estschrift zu r 5 0 jä h rig e n J u b e lfe ie r des P rovinz ia l-L a n d w irtsch a ftsve re in s zu Bre­ m ervörde. Schwaar, J., 1985: Subfossile K leinseg­ gen rie d e r, versunkene H ochm oore, n a tü rlic h e K ie fe rn v o rk o m m e n und bis in das M itte la lte r ü b e rd a u e rn d e U lm e n m isch w ä ld e r bei Lauenbrück, Krs. R o te n b u rg /W ü m m e . - Jb. Na­ tu rw . Ver. Fstm. Lbg. 3 7 :1 6 1 -1 7 5 . Schwaar, J., 1988: N acheiszeitliche W a ld e n tw ic k lu n g in d e r L ü n e b u r­ g e r Heide. - Jb. N aturw . Ver. Fstm. Lbg. 3 8 :2 5 -4 6 . Schnath, G., 1963: Die älte ste n to p o g ra ­ phischen L andesaufnahm en und Flurverm essungen in N iedersach­ sen. Stand un d F o rtgang ih re r n e u ­ z e itlic h e n W ie d e rg a b e . Neues A rch. Nieders. 1 2 :9 4 -1 0 3 .

A n s c h rift d es V e rfa sse rs Hans-Jürgen Keim Försterei P retzetze 29484 L a n g e n d o rf

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NNA-Berichte 3/94

D ie L a n d n u tzu n g s a rte n in to p o ­ g rap h isch en K arte n des 18. und 19. J a h rh u n d e rts als s ta n d o rtk u n d lic h e B e iträ g e zu m N a tu rs c h u tz vo n U lrik e O stm ann 1. E in le itu n g Die E rh a ltu n g und W ie d e rh e rs te llu n g vo n b io lo g isch /ö ko lo g isch w e rtv o lle n Lebensräum en ist eine w ic h tig e A u f­ gab e fü r N a tu rsch u tz und Land­ schaftspflege. B estim m te B io to p e ge ­ nießen a u fg ru n d ih re r B e d e u tu n g fü r den N a tu rh a u s h a lt in Niedersachsen gese tzlichen Schutz, w ie z.B. H och­ m oo re , Bergw iesen, Bruch-, S um pf- und A u w ä ld e r. A m Beispiel historisch a lte r W ä ld e r w ird d e u tlich , daß d a rü b e r h in ­ aus noch andere Lebensräum e schutz­ b e d ü rftig sind. Das A lte r d e r Lebensge­ m e insch aften h a t h ie rb e i h ä u fig eine besondere B e deutu n g . A lle sch u tz w ü rd ig e n Lebensräum e w e rd e n im Rahmen von B io to p k a rtie ­ ru n g e n e rfa ß t, o d e r es la u fe n Bem ü­ h u n g e n , diese B io to p e in B io to p e rfa s ­ sungsp ro g ra m m e zu in te g rie re n . Das A u ffin d e n bzw. A b g re n z e n d e r schüt­ zensw e rten Lebensraum typen ist durch die e xtre m e n Landschaftsveränderun­ gen d e r le tz te n Ja h rh u n d e rte o ft n u r m ühsam zu b e w e rk s te llig e n . Der Inven­ t u r d e r B io to p e g e h t im m e r ein in te n s i­ ves K a rte n s tu d iu m voraus, bei dem h i­ storische K arten, also a lte to p o g ra p h i­ sche K arten v e rg a n g e n e r Ja h rh u n d e r­ te, e in b e zo g e n w e rd e n so llte n . B e tra ch te t m an d ie historische Ent­ w ic k lu n g d e r agrarischen L a n d n u t­ zu n g , so ist fe stzu ste lle n , daß sie von p ro b le m lo s zu b e a rb e ite n d e n Böden zu m e lio ra tio n s b e d ü rftig e n Böden v e rlie f. Die M e lio ra tio n sm a ß n a h m e n des 19. und 20. Ja h rh u n d e rts (z.B. D ü n g un g , D ränu ng, M o o rk u ltiv ie ru n g ) b e w irk ­ te n starke V e rä n d e ru n g e n des Land­ schaftsbildes. Landschaftsökologische K rite rie n b lie b e n v ö llig u nberücksich­ tig t. Die n a tü rlic h e n S ta n d o rtu n te r­ schiede w u rd e n w e ite s tg e h e n d n ive l­ lie rt und d a m it n a tü rlic h e Landschafts­ zusam m enhänge übe rd e ckt. Die historischen K a rte n geben im V ergleich m it m o d e rn e n K arten erste 60

H inw eise a u f Lage und A b g re n zu n g na­ tu rb e la sse n e r oder n a tu rn a h e r G ebiete u nd auch a u f den N utzungsw andel, dem diese charakteristischen Lebens­ ra u m ty p e n u n terlagen. Neben A rch iva ­ lien b ie te n die von der Historischen K om m ission fü r Niedersachsen und dem Niedersächsischen und auch Hessi­ schen Landesvermessungsamt von 1956 bis h e u te herausgegebenen groß m aß s tä b ig e n K arte n w e rke des 18. und 19. Ja h rh u n d e rts M o m e n ta u fn a h m e n des Landschaftszustandes der v o rin d u ­ s trie lle n A g ra rla n d sch a ft. Letztere k ö n ­ nen nach Schnath (1963) „ m it der n ö ti­ gen V o rs ic h t" zu einem erheblichen M aße in w e it zurückliegende Zeiten ü b e rtra g e n w erden. Die V e rte ilu n g von W ald, F euchtgebieten und K u ltu rla n d h a tte bis dahin seit Jahrh u n d e rte n kaum ein e V eränderung e rfahren, w e il die a n th ro p o g e n e Landnutzung noch eng an das n a türliche S ta n d o rtp o te n ­ tia l g e b u n d e n war. Aus dem z u le tz t Gesagten e rg ib t sich d e r W e rt der historischen K arten fü r d ie b o d e n ku n d lich e Landesauf­ nahm e. Die K enntnis der V e rb re itu n g von A lta c k e rs ta n d o rte n (z.B. Plaggenesche) und ehe m a lig e n F euchtgebieten ist fü r d ie b o d e n k u n d lic h e Landesaufnahm e von e rh e b lic h e r B edeutung. Seit 1980 w e rd e n aus diesem Grund am N ieder­ sächsischen Landesamt fü r B o d e n fo r­ schung (NLfB) topographische K arten des 18. u n d 19. Jahrhunderts ausge­ w e rte t (Eckelm ann 1980). Die in den A ltk a rte n darg e ste llte n L andnutzungs­ a rte n w e rd e n m ittle rw e ile nach ve r­ schiedenen A u fb e re itu n g ssch ritte n d i­ g ita l e rfa ß t und in die Flächendaten­ b a n k des niedersächsischen B o denin­ form ationssystem s (NIBIS), F achinfor­ m ationssystem Bodenkunde, a u fg e ­ n o m m e n . Zur Zeit sind die historischen L a n d n u tzu n g sa rte n fü r ca. 20% der Landesfläche Niedersachsens d ig ita l e r­ fa ß t (A bb.1).

2. To p o g rap h isch e K a rte n ­ w e rk e ve rg a n g e n e r Ja h rh u n d e rte Von den groß en re p ro d u z ie rte n o d e r n e u b e a rb e ite te n K a rte n w e rke n des 18. und 19. Jahrhunderts, die fa st a lle im g e w ü nsch te n M aßstab 1:25000 neu herausgegeben w o rd e n sind, w e rd e n im NLfB d e rz e it fo lg e n d e a u fb e re ite t un d e rfa ß t: ■ H istorische K arte des Landes B raun­ schw eig im 18. J a h rh u n d e rt, 17461784; hrsg. in 41 Karten von de r H is to ri­ schen Kom m ission fü r Niedersachsen, W o lfe n b ü tte l, 1956-1971 (V ertrieb: Niedersächsisches Landesverw altungs­ a m t-L a n d e sve rm e ssu n g , H annover) ■ K urhannoversche Landesaufnahm e des 18. Jahrhunderts, 1764-1786; hrsg. in 172 B lä tte rn vom Niedersächsischen Lan d e sve rw a ltu n g sa m t - Landesver­ messung, H annover (d o rt auch V er­ trie b ) und von d e r Historischen K om ­ mission fü r Niedersachsen, H annover, 1959-1963 ■ O ld enburgische V o g te ika rte um 1790, 1782-1799; hrsg. in 12 K arten und 5 B lä tte rn von d e r H istorischen K om ­ mission fü r Niedersachsen, O ld e n b u rg , 1961-1981 (V ertrieb: Ernst V ölker, Kar­ to g ra p h is c h e r Verlag, O ld e n b u rg ) (zu­ sätzlich w e rd e n die noch n ich t re p ro d u ­ z ie rte n O ldenburgischen V o g te ik a rte n aus dem Niedersächsischem Staatsar­ chiv, O ld e n b u rg herangezogen) ■ Gaußsche Landesaufnahm e d e r 1815 d u rch H a n n o ve r e rw o rb e n e n G ebiete, 1827-1860; hrsg. in 61 B lä tte rn von der H istorischen Kom m ission fü r N ieder­ sachsen u nd Bremen und vom N ieder­ sächsischen L a n d esverw altungsam t Landesvermessung, H annover (d o rt auch V e rtrie b ), 1963-1980 ■ N ive a u ka rte vom K u rfü rs te n tu m Hessen, 1840-1861; hrsg. vom Hessi­ schen Landesvermessungsam t, W iesba­ den (d o rt auch V e rtrie b ) B e tra c h te t man die Lage der A ltk a r­ te n in Niedersachsen (A bb. 2), so w ird d e u tlic h , daß im w ese n tlich en fü r Teile des O ld e n b u rg e r M ün ste rlandes und fü r den gesam ten ostfriesischen Raum ke in e a lte n to p o g ra p h isch e n K arten im M aßstab um 1:25000 v o rlie g e n . Für diese G ebiete w ird die re la tiv ju n g e , g eodätisch recht genaue und ganz N ie­ dersachsen abdeckende ■ Preußische Landesaufnahm e, 18801913 (Erstausgabe der h e u tig e n TK25,

Ostmann • Die Landnutzungsarten in topographischen Karten des 18. und 19. Jahrhunderts als standortkundliche Beiträge zum Naturschutz

1B

-

1:TK25 N ie d e rsa c h sen

2 B

-

2 TK25 B la tts c h n itt

3

4

B

_ - 3 :G re n z e N ie d e rsa c h sen NIBIS

Abb. 1. Bestand an d ig ita l vorliegenden Historischen Landnutzungsarten im NIBIS des NLfB, Hannover.

medersächsisches G ebiet); Neuausgabe vom Niedersächsischen Landesverw al­ tu n g s a m t-L a n d e s v e rm e s s u n g , H anno­ ver hera ngezogen. A n u n v e rö ffe n tlic h te n A rc h iv k a rte n w e rd e n am NLfB fo lg e n d e a u fb e re ite t und e rfa ß t:

■ O ldenburgische V o g te ika rte n , 17821799 im M aßstab 1:20000, Niedersäch­ sisches Staatsarchiv, O ld e n b u rg (eine Lageübersicht d e r O rig in a le und d e r im Druck erschienenen N e u b e a rb e itu n g e n im B la ttsch n itt d e r TK 25 s. O stm ann 1993)

■ K a rte d e r S chaum burg Lippischen Ä m te r S ta d th a g e n u n d H agen b ü rg von J. C. Giesler, 1754 im M aß stab 1:24000; Niedersächsisches Staatsarchiv, B ücke­ b urg Einen Ü b e rb lick ü b e r d ie g e d ru c k ­ te n historischen L a ndesaufnahm en 61

Ostmann ■Die Landnutzungsarten in topographischen Karten des 18. und 19. Jahrhunderts als standortkundliche Beiträge zum Naturschutz

Oldenburgische Vogteikarte

X

X

X

X

X

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X

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X

X

Landesvermessung des Fürstbistums Osnabrück

Niveaukarte vom Kurfürstentum Hessen

Gaußsche Landesaufnahme

Von zwei ausgewiesenen Kartenwerken dargestellt

Abb. 2. Die geographische Lage d e r A ltk a rte n in Niedersachsen, bezogen a u f den Blattschnitt d er TK 2 5 (aus O stm ann 1993).

Niedersachsens geben K ost (1955), S chnath (1963) und S e e d o rf (1982). K a rte n in h a lt, ka rto g ra p h isch e D arstel­ lu n g und geodätische G e n a u ig k e it der a n g e fü h rte n K a rte n w e rk e sind bei Ost­ m a n n (1993) beschrieben. A n V e rö f­ fe n tlic h u n g e n zu e in ze ln e n neu heraus­ gegebenen K arte nw e rke n sind Kleinau, Penners und V o rth m a n n 1956 (K arte des Landes B raunschw eig), E ngel 1978, 62

Schnath 1968, Bauer 1993 (K u rh a n n o ­ versche Landesaufnahm e) und Harms 1961 (O ldenburgische V o g te ik a rte ) zu nennen. Der W erdegang der Gauß­ schen Landesaufnahm e w ird bei Gera rd y (1955) ausführlich e rlä u te rt. A lle g e n a n n te n K a rte n w e rke be­ d ü rfe n v o r ihrer d ig ita le n Erfassung ei­ ner Ü b e ra rb e itu n g , deren S chw erpunkt in d e r E ntzerrung bzw. Einpassung der

L a n d n u tzu n g sa rte n in d ie m oderne T K 25 lie g t. Die Größe des dabei a n fa l­ lenden A rb e its a u fw a n d e s ist abhängig vom K a rte n w e rk und in n e rh a lb der K a rte n w e rk e auch vo n den je w e ilig e n B lä tte rn . Die S pa n n w e ite lie g t zwischen dem jü n g s te n A ltk a rte n w e rk , der Kö­ n ig lich Preußischen Landesaufnahm e, und dem ältesten, u n b e a rb e ite t heraus­ ge g e b e n e n K a rte n w e rk, d e r K urhan-

Ostmann • Die Landnutzungsarten in topographischen Karten des 18. und 19. Jahrhunderts als standortkundliche Beiträge zum Naturschutz noverschen Landesaufnahm e. W ä h ­ rend bei ersterem d e r S ch w e rp u n kt der A rb e ite n a u f dem A usgleich des Papier­ verzuges lie g t, sind bei der K u rh a n n o ­ verschen Landesaufnahm e F achkennt­ nisse e rfo rd e rn d e , z e ita u fw e n d ig e Ein­ passungsarbeiten zu leisten, um die unsystem atischen, aus Vermessungs­ fe h le rn resultie re n d e n L a g e ungenau­ ig k e ite n zu e lim in ie re n . Eine besondere B ed e u tu n g k o m m t bei den u n v e rö ffe n tlic h te n A rc h iv k a r­ te n und auch bei d e r K u rh a n n o v e r­ schen Landesaufnahm e dem K a rte n le ­ sen zu, also de r D e k o d ie ru n g d e r in den B lä tte rn z.T. s u b je k tiv -in d iv id u e ll ge ­ sta lte te n K artenzeichen und d eren Um ­ setzung in V o rste llu n g e n ü b e rG e lä n d e fo rm und N utzu n g sa rte n .

3. Die K u rh a n n o v e rsch e Lan d es­ a u fn a h m e Die K urhannoversche Landesaufnahm e ist das g rö ß te fü r Niedersachsen v o rlie ­ g ende A ltk a rte n w e rk und im G egen­ satz zu anderen u n g e fä h r gleich a lten, von de r H istorischen Kom m ission fü r Niedersachsen herausgegebenen Kar­ te n w e rk e n n ich t ü b e ra rb e ite t, sondern led ig lich in klein e re m M aßstab (O rig i­ nalm aßstab 1:21 333V3) re p ro d u z ie rt w o rd e n . Das K a rte n w e rk w u rd e in den Jahren 1959-63 als Schwa rz w e iß -O ffsetdruck herausgebracht. Von den 172 B lä tte rn d e r K urhannoverschen Lan­ d esaufnahm e sind bis he u te le d ig lic h 23 B lä tte r auch fa rb ig re p ro d u z ie rt w o r­ den. Die D e ko d ie ru n g d e r S ig n a tu r und besonders die Einpassung d e r L a n d n u t­ zu ngsarten in die TK 25 sind bei diesem K a rte n w e rk am a rb e its a u fw e n d ig s te n und b e d ü rfe n e in ig e r E rfa h ru n g . Zahl­ reiche A spekte w u rd e n bereits in Ost­ m ann (1993) da rg e ste llt. 3.1 Signaturendeutung Im a llg e m e in e n sind die S ignaturen des K arte n w e rks g u t lesbar. S ch w ie rig ke i­ te n b e re ite t led ig lich d ie D iffe re n z ie ­ rung von „B ru c h " und „W e id e ". Da h ie ru n te r alle ö ko lo gisch und b o denku n d lich bedeutsam en F euchtflächen (einschließlich B ruchw älder) fa lle n , die n ich t e in d e u tig als M o o r anzusprechen sind o d e r als Wiese g e n u tz t w e rd e n , soll im fo lg e n d e n h ie ra u f n äher e in g e g a n ­ gen w e rd e n .

Abb. 3. Die Lage d e r Landnutzung in d e r Kurhannoverschen Landesaufnahm e am Beispiel eines Gebietes aus d e r östlichen Lüneburger Heide, M aß stab 1:25000. K artengrundlage: Kurhannoversche Landesaufnahm e, B latt 73 Lüneburg. Herausgegeben vom Niedersächs. Landesverw altungsam t - Landesvermessung - u nd von d er Historischen Kommission fü r Niedersachsen, Hannover. V ervielfältig t m it Erlaubnis des Niedersächsischen Landesver­ waltungsam tes - Landesvermessung - B4-05/93.

Eine aus b re ite n , w a a g e re c h t ver­ la u fe n d e n Pinselstrichen zusam m enge­ setzte Flächensignatur (s. A b b . 3 und 4) b e d e u te t nach d e r Z e ich e n e rklä ru n g zu r S chwarzweiß-Ausgabe (E ngel 1978) „B ru c h ". Diese In te rp re ta tio n w u rd e bei der B earbeitung des K a rte n w e rks am NLfB (s. o.) ü b e rn o m m e n . M ittle rw e ile ist die Z e ich e n e rklä ­ rung zu den fa rb ig e n R e p ro d u k tio n e n der K urhannoverschen L a ndesaufnah­ me (Bauer 1993) erschienen. Diese Zei­ chenerklärung ist eng an H o g re w e (1806), einen le ite n d e n B e a rb e ite r des Vermessungswerks, a n g e le h n t, d e r in einem Beispiel fü r die o ben g e n a n n te S ignatur zwischen (G ras-)W eide (grün), M o o rw e id e o der Bruch (b ra u n -g rü n ) und nassem Bruch (b ra u n -b la u ) d iffe ­ re n ziert. Bauer ( 1993) ü b e rn im m t diese D iffe renzie ru n g un d fü h r t obe n g e ­ n a n nte S ignatur so w o h l u n te r dem

O b e rb e g riff „ M o o r " (M o o rw e id e ) als auch „ W e id e " (W eide, M o o rw e id e , Bruch, nasser Bruch) an. „B ru c h " ta u c h t bei B auer als O b e rb e g riff n ic h t a u f. Die D iffe re n z ie ru n g vo n H o g re w e und B auer ist n a tü rlic h bei d e r S chw arz­ w e iß -A usgabe n ic h t n a chzuvo llzieh en , und selbst bei d e r Farbausgabe b e re ite t sie zum g roß en Teil u n ü b e rw in d lic h e S ch w ie rig ke ite n . Die F arbgebung (g rü n e und b ra u n e Farbe) v a riie rt eher von B la tt zu B la tt, als in A b h ä n g ig k e it vom d a rg e s te llte n In h a lt. B auer (1993) w e is t a llg e m e in d a ra u f hin, daß die in den je w e ilig e n K a rte n b lä tte rn b e n u tz ­ te n Zeichen etw as v o n e in a n d e r a b w e i­ chen kö n n e n . V e rg le ic h t m an z.B. die fa rb ig e R e p ro d u k tio n des B lattes 116 Langenhagen m it dem südlich a n g re n ­ zenden B la tt 122 Hannover, sie h t man, daß die A b w e ic h u n g d e r h ie r bespro­ chenen S ig n a tu r sogar b e trä c h tlic h ist. 63

LANDNUTZUNG _FLAECHENGRENZE _KARTENRAHMEN ACKER (HL) ACKER - LAUBBAEUME (HL) BRUCH (HL) GARTEN, SIEDLUNG (HL) HEIDE (HL) HEIDE - KLEINER BUSCH (HL) KLEINER BUSCH (HL) LAUBWALD (HOLZUNG) (HL) MOOR (HL) ? ?

?

7 ?

NICHT IDENTIFIZIERBARE SIGNATUR (HL) WIESE (HL)

Maßstab 1: 25000 ^ km 1 . 0

2. 0

Abb. 4. Die Lage d er historischen Landnutzungsareale des in Abb. 3 dargestellten Ausschnitts nach der Entzerrung bzw. Einpassung in die TK25 2729 Scharnebeck (hier m itabgebildet), M aßstab 1:25000. Kartengrundlage: Topographische Karte 1:25000,2729(1990). Vervielfältigt m it Erlaubnis des Herausgebers: Niedersächs. L an desverw altungsam t-Landes­ vermessung - B4-05/93.

O stm ann ■Die L a n d n u tzu n g sa rte n in to p o g ra p h is c h e n K a rte n des 18. und 19. Ja h rh u n d e rts als s ta n d o rtk u n d lic h e B e iträ g e zum N aturschutz

cn

1

_FLAECHENGRENZE

2

_KARTENRAHMEN

3

ACKER (HL)

4

ACKER - LAUBBAEUME (HL)

5

BRUCH (HL)

6

GARTEN, SIEDLUNG (HL)

7

HEIDE (HL) HEIDE - KLEINER BUSCH (HL)

9

GIROS - PK

Maßstab 1: 2 5 0 0 0 ^ km 2.0 Abb. 5. Geodätische U ngenauigkeiten in d er Kurhannoverschen Landesaufnahme, dargestellt durch die Überlagerung d er eingepaßten Landnutzungsareale (s. Abb. 4 ) m it hochgezeichneten, ausgew ählten Landnutzungsarealgrenzen (gestrichelte Linien) aus d er Kurhannoverschen Landesaufnahm e (s. Abb. 3), M aßstab 1:25000.

ui

KLEINER BUSCH (HL)

10

LAUBWALD (HOLZUNG) (HL)

11

MOOR (HL)

12

NICHT IDENTIFIZIERBARE SIGNATUR (HL)

13

WIESE (HL)

O stm ann • Die L a n d n u tzu n g sa rte n in to p o g ra p h isch e n Karten des 18. u n d 19. Ja h rh u n d e rts als s ta n d o rtk u n d lic h e B e iträ g e zu m N a tu rs c h u tz

LANDNUTZUNG

Ostmann ■Die Landnutzungsarten in topographischen Karten des 18. und 19. Jahrhunderts als standortkundliche Beiträge zum Naturschutz Ferner k o m m t a u f den bisher fa rb ig re­ p ro d u z ie rte n B lä tte rn die S ignatur „nasser B ruch" (b ra u n -b la u e Pinsel­ striche) n u r einm al in e in e r kle in e n Flä­ che a u f dem B la tt 120 Fallersleben vor. W ä h re n d E ngel m it d e r D e u tu n g „ B r u c h " die B e to n u n g a u f die B oden­ b edeckung bzw. den S ta n d o rt le g t und n u r F euchtgebiete a n g e z e ig t w e rd e n , lie g t sie m it de r D e u tu n g „W e id e " a u f d e r B o d e n n u tz u n g und kann w ie „W ie s e " z.B. an B erghängen auch a u f tro c k e n e n S ta n d o rte n V orkom m en. Das P roblem w ird d e u tlic h : W eder sind alle B ruch- bzw. F euchtflächen W e id e flä ­ chen, noch alle W e id e flä che n Bruch­ flä ch e n . Eine E rklä ru n g s m ö g lic h k e it fü r diese unpräzise S ign a tu r lie g t in dem U m stand, daß zu r d a m a lig e n Z e it n ich t u n b e d in g t zu e rke n n e n war, ob eine F euchtfläche b e w e id e t w u rd e o d e r n ic h t. Eine U m setzung dieser S ig n a tu r in d ie L e g e n d e n e in h e it „B ru ch o d e r W e id e " w ä re sicherlich k o rre k t. A n d e ­ rerseits g in g e dadu rch auch w e rtv o lle In fo rm a tio n ve rlo re n : U n te r der Be­ rü cksich tig u n g , daß sow ohl in der M arsch, Geest als auch in der Löß-Börde d ie W eiden in den F euchtgebieten la­ gen, ergeben sich aus der Enge/schen In te rp re ta tio n in diesen Landschaften ke in e Fehler. H in te r der L e gendenein­ h e it „B ru c h " ve rb e rg e n sich h ie rs o w o h l b e w e id e te als auch u n b e w e id e te F e u chtstandorte. Ä hnliches g ilt fü r W ä ld e r: Die Frage, w elche B edeutung d ie F lächensignatur „b re ite Pinselstri­ c h e " in K o m b in a tio n m it d e r W aldsi­ g n a tu r (d ic h te r B aum bestand) haben, w ird w e d e r bei H o g re w e (1773 und 1806) noch bei E ngel (1978) o d e r B auer (1993) g e k lä rt. Nach dem am NLfB in ­ te n siv b e trie b e n e n K a rte n stu d iu m lä ß t sich m it zie m lich e r S icherheit sagen, daß G ebiete, in denen die Tiere in den W a ld g e trie b e n w u rd e n , n ic h t als W eld e flä ch e n d a rg e s te llt w u rd e n . L e tzte ­ res t r i f f t n u r fü r die e n tw a ld e te n H ude­ flä c h e n zu. M it d e r M ischsignatur „ b r e ite Pinselstriche in n e rh a lb der H o lz u n g s s ig n a tu r" sind also in d e r Re­ gel F e u c h tw ä ld e r o d e r fe u ch te W ald­ s ta n d o rte angesprochen w o rd e n . Feh­ le rh a ft kann die In te rp re ta tio n „B ru c h " im M itte lg e b irg e w e rd e n , w o das Vieh s o w o h l a u f fe u c h te T alstandorte als auch a u f tro c k e n e B erghänge g e trie ­ ben w u rd e . Bei de r B e a rb e itu n g der fa rb ig re­ p ro d u z ie rte n K arten am NLfB ze ig te n 66

sich d o rt schon zu Beginn der A rb e ite n die obe n a n g e fü h rte n S chw ierigkeiten bei d e r In te rp re ta tio n dieser S ig n a tu ­ re n ) . Es w u rd e dazu übergegangen, bei M ischsignaturen alle in n e rh a lb e i­ ner Fläche vorkom m enden E inzelsigna­ tu re n zu erfassen, also a u f eine v o rg e ­ schaltete K lassifizierung im Sinne von „F e u c h tflä c h e n " verzichtet. So w u rd e z.B. d ie Legendeneinheit „B ruch, Heide, L a u b w a ld " e in g e fü h rt, um bei E rkenntniszuw achs über die Bedeu­ tu n g unterschiedlicher Signaturen eine re la tiv einfache K o rre k tu rm ö g lic h k e it d e r d ig ita l erfaßten K arten zu haben. Für K arten des südniedersächsi­ schen Raumes w ird zur V e rm eidung von M ißverständnissen am NLfB fü r die h ie r besprochene Signatur m it A usnahm e d e r F euchtw älder die Leg e n d e n e in h e it „B ru ch o d e r W eide" e in g e fü h rt.

3.2 Entzerrung S chw ierig ist auch die E ntzerrung bei d e r o h n e „m o d e rn e " T ria n g u la tio n a u f­ g e n o m m e n e n Kurhannoverschen Lan­ desaufnahm e. Die V erzerrung v ie le r B lä tte r dieses K artenw erks, w elches m e h r als die H älfte der Landesfläche Niedersachsens abdeckt, ist w esentlich größer, als bisher in der L ite ra tu r (vgl. E ngel 1978: 25f.; Kost 1955: 119; See­ d o r f 1982: 414f.) a n g e fü h rt. Die g rö ß ­ te n Fehler sind in u nübersichtlichem und u nzugänglichem Gelände, also im h o hen M itte lg e b irg e (Harz) und in den M o o rg e b ie te n des Flachlandes g e ­ m acht w o rd e n . Das je w e ilig e K önnen des vermessenden O ffiziers w ir k t a u f diese Aussage m o d ifizie re n d , so daß es in schw ierigem Gelände auch genaue und in übersichtlichem Gelände auch sehr ungenaue A u fn a h m e n geben kann. Aus den unterschiedlichen A u f­ n a h m e q u a litä te n , aber auch aus u n te r­ schiedlicher Ansprache der a u fz u n e h ­ m enden Flächen können B la ttra n d d is ­ k o n tin u itä te n innerhalb des K a rte n ­ w erks resultieren. Letztere w e rd e n bei unte rsch ie d lich e r L a n d n u tzu n g sa rta n ­ sprache übernom m en oder müssen bei V e rze rru n g ausgeglichen w erden. Die Einpassung der d a rg e ste llte n Landnutzungsareale in die m oderne TK 25 ist fa s t im m er m öglich. H ierbei müs­ sen a lle rd in g s h ä u fig Z u sa tzin fo rm a ­ tio n e n , z.B. jü n g ere to p o g ra p h isch e K arten w ie die Preußische Landesauf­ nahm e (1891-1912), seltener auch g e o ­

logische K arten h e ra n g e zo gen w e rd e n . Dieses V e rfa h re n ist bei O stm ann (1993) bereits a u sführlich a n hand von zw ei Beispielen aus dem Harz und der H an­ noverschen Geest beschrieben w o rd e n und soll h ie r kurz an einem Beispiel aus d e r östlichen L ü n e b u rg e r Heide, B la tt 73 Lüneburg der K urhannoverschen Landesaufnahm e (A bb. 3) und 2729 Scharnebeck der TK 25 (s. A bb. 4) e rö r­ te rtw e rd e n . A b b ild u n g 5 z e ig t die Lageabw ei­ chung der e in g ep a ß te n L a n d nutzungs­ areale von den 1774 k a rtie rte n Flächen. Als P a ß „p u n k t" w u rd e h ie rbei die O rts­ lage H o rn d o rf (B re ite n ste in) g e w ä h lt. Die Einpassung des V a s to rfe r Holzes e r­ fo lg te m it H ilfe d e r Preußischen Lan­ desaufnahm e, B la tt N eetze (1901). Eine d o rt im Bereich des V a sto rfe r Holzes ve rze ich n e te G em eindegrenze spiegelt die Umrisse des W aldes zu einem g ro ­ ßen Teil genau w ie d e r und ist z.T. auch noch 1990 in der TK 25 vo rh a n d e n (s. A bb. 4). Auch fü r die Einpassung d e r üb rig e n Flächen g ib t die Preußische Landesauf­ nahm e durch die d o rt ve rze ichnete V er­ te ilu n g von Äckern, H eide und beson­ ders Bruch, M oor, S u m p fg e b ie te n , w ie auch W eg e n e tz H inw eise a u f deren k o rre k te Lage. So w u rd e z.B. der süd­ liche Bereich der sich e lfö rm ig e n Bruch­ flä ch e am lin ke n Rand des K artenaus­ schnittes (M itte ) m it H ilfe eines 1901 verze ich n e te n Feuchtgebietes e in g e ­ paßt. Der n ö rd lich e Bereich der Bruch­ flä ch e (Bruch im Sinne von F euchtflä­ che, s. Kap. 3.1) ist a lle rd in g s zu dieser Z e it u n te r A cke rn u tz u n g . B ehielte man bei d e r E ntzerrung die O rig in a lg rö ß e des k a rtie rte n B ruchgebietes bei, w äre d e r A bstand zu dem n ö rd lic h liegenden W ald g rö ß e r als 1774 k a rtie rt. Da die m o d e rn e TK 25 aber in diesem fla ch e n Talschlußbereich w ie d e r W iese aus­ w eist, d rä n g t sich d ie S ch luß folgerung au f, daß die Feuchtfläche g rö ß e r als in d e r D arstellung von 1774 war, und der A b sta n d zum W ald w ird u n te r V e rg rö ­ ßerung d e r Fläche a u fg ru n d dieser In d i­ zien be ib eh a lte n . Bei der B e tra ch tu n g des A bstandes zw ischen H o rn d o rf und dem V a sto rfe r H olz (R ichtung NE-SW, A b b . 4 u. 5) fä llt d ie V e rrin g e ru n g d e r D istanz in d e r e n t­ ze rrte n D arstellung a u f. A n diesem Bei­ spiel w ird d e u tlich , daß d e r V erzug der Kurhannoverschen Landesaufnahm e n ic h t systematisch ist: Bei g rö ß e re n V er­

Ostmann • Die Landnutzungsarten in topographischen Karten des 18. und 19. Jahrhunderts als standortkundliche Beiträge zum Naturschutz m essungsfehlern haben die je w e ilig e n O ffizie re die Fehler unterschiedlich ausgeglichen. Es k o m m t in solchen Be­ reichen sow ohl eine v e rm itte ln d e Dar­ stellung vor, d.h. d e r Fehler w ird a u f m ehrere Flächen v e rte ilt, als auch - und das ist h ä u fig e r d e r Fall - ein Fehleraus­ gleich ü ber eine Fläche, w ie in diesem Beispiel über den südw estlich vo n H orn­ d o rf liegenden Acker, d e r n u r ha lb so gro ß gewesen sein kann, als er in der K arte erscheint. Bei solchen Fehleraus­ g leich ungen durch d ie verm essenden O ffiz ie re w u rd e n unrealistische Flä­ chengröß en und e ig e n w illig e Flächen­ fo rm e n p ro d u z ie rt. In diesen Bereichen b le ib t bei der E n tze rru n g o f t eine Restunsicherheit, die bei d e r Bearbei­ tu n g am NLfB in e inem In fo rm a tio n s ­ te xt, w e lch er zu je d e r K arte (TK 25) an­ g e fe rtig t w ird , s c h riftlic h fe s tg e h a lte n w ird .

4. E rlä u te ru n g z u r W a ld ­ d arstellu n g Die a lte n to p o g ra p h is c h e n K arten im M aßstab 1:25000 geben im V ergleich m it jü n g e re n und a k tu e lle n K a rte n w e r­ ken d e u tliche H inw eise d a ra u f, w o fü r den N aturschutz w ic h tig e Bereiche im 18. und 19. J a h rh u n d e rt vo rh a n d e n w a ­ ren und sich z.T. h e u te noch b e fin d e n . Sie geben n u r w e n ig A u s k u n ft darüber, w e lch er N u tzu n g z.B. d e r W ald z w i­ schenzeitlich u n te rw o rfe n war. Zw ar können e hem alige, z.B. in d e r K u rh a n ­ noverschen Landesaufnahm e verzeichn ete L aubw ä ld e r in d e r Preußischen Landesaufnahm e (ca. 1900) als Nadel­ w ä ld e r und in d e r m o d e rn e n TK 25 als M ischw ald ausgewiesen sein, aber selbst dann sind n u r d rei M o m e n ta u f­ nahm en gegeben. W egen der in d iv id u e ll u n te rsch ie d ­ lich gesta lte te n K a rte n w e rk e und auch der K a rte n b lä tte r d e r K u rh a n n o v e r­ schen Landesaufnahm e w ird in d e r am NLfB erste llten G e n e ra lle g e n d e nicht zwischen d ich te m und lockerem Baum­ bestand d iffe re n z ie rt. Eine saubere K lassifizierung ist h ie r n ic h t m öglich. Auch d e r Zustand d e r Bestände (H ochw ald, N ie d e rw a ld , Kahlschläge) ist bei den in den A ltk a rte n w e rk e n ver­ w e n d e te n S ig na tu re n n u r selten zu er­ kennen und w ird n ic h t a u fg e n o m m e n . M it A usnahm e de r B raunschweigischen Landesaufnahm e (s.u.) ist in a llen Kar­ te n w e rk e n zw ischen Laub- und Nadel­

holz d iffe re n z ie rt. W ie sauber diese D if­ fe re n zie run g bei d e r K u rh a n n o v e r­ schen Landesaufnahm e e rfo lg te , ist nicht sicher. Denecke (1984) w e is t in sei­ nen E rläuterungen zu B la tt 160 M ü n ­ den der Kurhannoverschen Landesauf­ nahm e d a ra u f hin , daß e in ig e in den herrschaftlichen Forsten bereits v o r­ handene F ich te n a u ffo rs tu n g e n n ic h t aufgenom m en w o rd e n sind. W ie bereits a n g e fü h rt, w e rd e n am NLfB M ischsignaturen w ie z.B. „H o l­ zung - H eide" e rfa ß t, die a u f einen lokkeren Baum bestand h inw eisen. A u ß e r­ dem w ird die D iffe re n z ie ru n g Laub-, Nadel-, M ischw ald und Büsche ü b e r­ nom m en, w enn diese in den A ltk a rte n vorgenom m en w o rd e n ist. Die N e u b e a rb e itu n g d e r B raun­ schweigischen Landesaufnahm e, die Karte des Landes B raunschw eig im 18. Jahrhundert, e n th ä lt an Bestandsarten Laubwald, N adelw ald, M ischw ald und Buschwerk. Den flä c h e n m ä ß ig w e ita u s g rö ß ten A n te il n im m t a b e r als Beson­ d e rh e it g e g e n ü b e rd e n ü b rig e n K a rte n ­ w erken die L e g e n d e n e in h e it „W a ld m it u nbekanntem B estand" ein. Bei den zur le tztg e n a n n te n E in h e it g e h ö re n d e n Flächen ist die L a n d n u tzu n g s- und Le­ bensraum art im In nern d e r W ä ld e r u n ­ klar: Größere B ergw älder, die in der Neuausgabe m it d e r obe n a n g e fü h rte n S ignatur b e le gt w u rd e n , sind von der Braunschweigischen Landesvermessung n icht e rfa ß t w o rd e n . K a rtie rt w u rd e n lediglich die äuß eren G renzen und m anchm al noch E in tra g u n g e n im W a ld ­ randbereich (s. K leinau, Penners und V orthm ann 1956: 5). Nach S e e d o rf (1982: 416) d ü rfte n diese W ä ld e r des Berglands auch Blößen, W aldw iesen und -äcker e n th a lte n haben. Berück­ sich tigt man andererseits, daß die in den W äldern a n g e le g te n Käm pe h ä u fig schnell w ie d e r a u fg e g e b e n w o rd e n sind, sagt auch ein in d e r K u rh a n n o v e r­ schen Landesaufnahm e ve rze ich n e te r W aldacker nichts ü b e r dessen Bestands­ dauer aus.

5. A u to k a rto g ra p h isch e A u sg a b e der g esp eich erten D aten Für die graphische R e p ro d u k tio n der gespeicherten D aten k ö n n e n in b e lie b i­ gen A usgabem aßstäben sogenannte G raphik-M eta-Files e rz e u g t w e rd e n , die anschließend a u f e inem a u to m a ti­ schen Z eichengerät ausgegeben w e r­

den kö n n e n . Die e rw ä h n te n D arstel­ lu n g s p ro g ra m m e e rm ö g lich e n ein w e i­ tes S p e ktru m k o m b in ie rb a re r, k a rto ­ g ra p h isch e r D a rs te llu n g sfo rm e n , z. B. ■ G re n z lin ie n e n tw ü rfe m it Flächen­ e in sch re ib u n g e n ■ F lä ch e n d a rste llu n g e n m itte ls Schraf­ fu re n , S ig n a tu re n und V o llfa rb e ■ F a rb d iffe re n z ie ru n g verschiedener L in ie n typ e n ■ fre i p la z ie rb a re T e xte in sch re ib u n ­ gen etc. Es k ö n n e n fa rb ig e und schw arz­ w e iß e A u sze ich n u n g e n von L in ie n g ra ­ p h ik e n (z.B. zu K o n tro llz w e c k e n ) w ie auch v o llfa rb ig e F lä chendarstellungen e rz e u g t w e rd e n .

6. L ite ra tu r D enecke, D., 1984: M ü n d e n und U m ge­ b u n g im Jahre 1785. E rlä u te ru n g e n zum B la tt 160 d e r K u rh a n n o v e r­ schen Landesaufnahm e des 18. Jahrhunderts. Eckelm ann, W., 1980: Plaggenesche aus Sanden, S chluffen und Lehm en so­ w ie O b e rflä c h e n v e rä n d e ru n g e n als Folge d e r P la g g e n w irts c h a ft in den Landschaften des Landkreises Os­ n abrück. - Geol. Jb „ F l0: 95 S., 27 A b b ., 3 Tab., 10 Taf., H annover. Engel, E, 1978: Die K urhannoversche Landesaufnahm e des 18. J a h rh u n ­ derts. - V e r ö ff. Hist. K om m . Nieders. Brem en, 26, 2. A u fl.: 29 S., H a n n o ­ ver. Gerardy, Th., 1955: Die T ria n g u la tio n des K önigreichs H annover durch C. F. Gauß (1821-1844). - In: N ie d e r­ sächsische Vermessungs- u n d K a ta ­ s te rv e rw a ltu n g (Hrsg.): C. F. Gauß u nd die Landesvermessung in N ie­ dersachsen: 83-114. H annover (N ie­ dersächsisches Landesverm essungs­ am t). Harms, O., 1961: Die a m tlich e T o p o g ra ­ p h ie in O ld e n b u rg und ihre k a rto ­ g raphischen Ergebnisse. Teil 1: Die Landesvermessung von 1781. - O ld enb. Jb. 6 0 :1 -3 8 , O ld e n b u rg . H o g re w e , J. L., 1773: Praktische A n w e i­ sung z u r to p o g ra p h is c h e n Verm es­ sung eines ganzen Landes. - H a n n o ­ ver u nd Leipzig: 159 S. [N iedersäch­ sische L a n d e s b ib lio th e k H annover]. H o grew e, J. L , 1806: T heoretischer und p ra ktisch e r U n te rric h t zur to p o g r a ­ phischen A u fn a h m e o d e r Verm es­ sung eines ganzen Landes. - H anno67

NNA-Berichte 3/94 ver [Niedersächsische La n d e sb ib lio ­ th e k H annover]. K leinau, H., Penners, Th., V orth m a n n , A ., 1956: H istorische K arte des Lan­ des B raunschw eig im 18. Ja h rh u n ­ d e rt. E rlä u te ru n g e n in historischer und te chnischer Sicht. - V e rö ff. Hist. Kom m . Nieders. Brem en, 23: 13 S., H ildesheim [zugle ich a b g e d ru c k t im Nieders. Jb. fü r Landesgeschichte 28,1 956]. K lelnn, H., W lfS n i'. Die R e p ro d u k tio n d e r Landesvermessung des Fürstbis­ tum s O snabrück (1784-1790) von J.W. Du Plat. - W estf. Forsch. 28: 181-184. M ünster. Kost, W., 1955: Z ur to p o g ra p h is c h e n K a rto g ra p h ie im niedersächsischen Raum von 1764-1863. - In: N ie d e r­

sächsische Vermessungs- u n d K a ta ­ s te rv e rw a ltu n g (Hrsg.): C. F. Gauß u nd d ie Landesvermessung in N ie­ dersachsen: 115-140. Hannover (Niedersächs. Landesvermessungsamt). O stm ann, U., 1993: Die Ü bernahm e d e r historischen Landnutzungsarten aus K arten des 18. und 19. J a h rh u n ­ de rts in das Niedersächsische Bo­ deninfo rm a tio n ssyste m . - Geol. Jb., F 27, 145-183, 11 A bb., 2 Tab.; H an­ nover. Schnath, G., 1963: Die ältesten to p o g ra ­ phischen Landesaufnahm en und Flurverm essungen in N iedersach­ sen. Stand und Fortgang ih re r n e u ­ z e itlic h e n W iedergabe. - N. A rch. Nieders. 12 (K urt-B rüning-G edächtn isschrift): 94-103, G ö ttin g e n .

Die Geschichte des historisch alten Waldes „Oberhaverbecker Holz" im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide in den letzten 250 Jahren von H olgerT em pel* 1. E in le itu n g Seit de r n e o lith isch e n R e volution, als die b o d e n g e b u n d e n e W irtsch a ftsw e ise einsetzte, p rä g te d e r Mensch entschei­ d end die Landschaft in M itte le u ro p a . D urch die seitdem z u n e h m e n d e Siedlungs- und A n b a u tä tig k e it b ü ß te die n a tü rlich e , nahezu geschlossene und in d e r n o rd deutsch e n Tiefebene von Laubbäum en g e p rä g te W a ld la n d s c h a ft im m e r m e h r an Fläche ein (P o rt 1992). Im h e u tig e n N a tu rs c h u tz g e b ie t „L ü ­ n e b u rg e r H e id e " w a r d e r H ö h e p u n k t d e r W a ld re d u z ie ru n g im 19. Ja h rh u n ­ d e rt e rre ic h t (P elzer 1975). Zur Z e it der K urhannoverschen Landesaufnahm e von 1776 w a rd e rW a ld m it einem A n te il von 6 % an d e r G esam tfläche n u r noch in se la rtig a u f den besseren Böden (m eist m ittle re und reichere Geschie­ * Auszug aus einer Diplomarbeit am Geo­ graphischen Institut und am Institut fü r Geobotanik der Universität Hannover. 68

be le hm e ) vorhanden (siehe A bb. 1). In­ fo lg e d e r sta n d o rtb e d in g te n höheren R e g e n e ra tio n s fä h ig k e it ko n n te n die W ä ld e r d o rt den m a n n ig fa ltig e n a n ­ th ro p o g e n e n und a n th ro p o z o o g e n e n E in g riffe n w iderstehen. D o m in ie re n ­ d e r Landschaftsbestandteil w a r 1776 d ie H eide m it einem A n te il von 7 7 % . S tellenw eise w a r diese a u fg ru n d von Ü b e rn u tz u n g derm aßen d e va stie rt w o rd e n , daß es große Sandflächen gab, d ie im m e rh in fast 4 % der Fläche aus­ m achten. Bis 1850 re d u zie rte sich der W a ld a n te il zugunsten der Heide a u f 5 % . Danach setzten g e w a ltig e A u ffo r­ stu n g e n ein, die das Landschaftsbild e n tsch e id e n d veränderten. 1899 h a tte d e r W a ld , d e r überw ie g e n d aus N adel­ h o lz bestand, m it 43 % fa st die Flächen­ g rö ß e d e r Heide erreicht. Bis 1960 w a r d e r W a ld a n te il bis a u f 65 % ang e w a ch ­ sen (P elzer 1975). Das Landschaftsbild h a tte sich entscheidend ge w a n d e lt. Aus e in e r H eidelandschaft w a r eine W a ld ­ la n d s c h a ft entstanden.

Schnath, G., 1968: Die Kurhannoversche Landesaufnahm e des 18. Ja h rh u n ­ derts und ih re K a rte n w erke. - In: Schnath, G.: A u sg e w ä h lte B eiträge zu r Landesgeschichte Niedersach­ sens, 258-279, Hildesheim . Seedorf, H., 1982: Der W e rt historisch­ to p o g ra p h is c h e r K arten fü r die Lan­ deskunde in Niedersachsen. - N. A rch. Nieders. 31, 4: 408-423, G ö t­ tin g e n .

A n s c h rift d er V e rfasse rin D ipl.-G eogr. U lrike O stm ann Niedersächsisches Landesamt fü r B odenforschung S tille w e g 2 30655 H annover

Die W ä ld e r e rlitte n seit dem N eoli­ th ik u m n ic h t n u r q u a n tita tiv e V erän­ d e ru n g e n , sondern der Mensch ve rä n ­ d e rte auch q u a lita tiv ihre floristischen und physiognom ischen S tru ktu re n . So g ib t es in N orddeutschland keine u n ­ b e e in flu ß te n , n a tü rlic h e n W ä ld e r mehr. Sie sind je nach A rt, In te n s itä t und D auer d e r E in w irku n g e n und je nach e ig e n e r R e g e n e ra tio n s fä h ig ke it m ehr o d e r w e n ig e r a n th ro p o g e n ü b e rfo rm t w o rd e n (P o rt 1990). Im fo lg e n d e n w ird nun m itte ls der A n g a b e n der a u ffin d b a re n archivalischen U n te rla g e n die Geschichte eines historisch a lte n W aldes im N a turschutz­ g e b ie t „L ü n e b u rg e r H e id e " in den le tz ­ te n 250 Jahre d a rg e ste llt.

2. W a ld g esch ich tlich e M a te ria lie n Die w a ld g e sch ich tlich e n In fo rm a tio n e n w u rd e n fü r die Z e it vo r 1860 v o r allem aus A rch iva lie n g e w o n n e n , die im N ie­ dersächsischen H auptstaatsarchiv H an­ n o ve r (NSA) v o rlie g e n . Um 1860 w u rd e das zu stä n d ig e Forstam t Sellhorn g e ­ g rü n d e t. Seitdem w u rd e n als G ru n d ­ lage fü r d ie lä n g e rfris tig e fo rs tlic h e Pla­ n u n g 1860, 1879, 1897, 1922, 1928, 1935,1959,1971,1978 und 1988 in Forst­ e in ric h tu n g e n um fassende Bestands­ a u fn a h m e n d u rc h g e fü h rt. Diese U n te r­ lagen einschließlich e in e r Forstam ts­ c h ro n ik (seit 1870) sind fa st vo lls tä n d ig im Forstam t Sellhorn vo rh a n d e n .

Tempel • Die Geschichte des historisch alten Waldes „Oberhaverbecker Holz" in Naturschutzgebiet Lüneburger Heide in den letzten 250 Jahren

Abb. 1. Das O berhaverbecker H olz und seine Um gebung im Jahre 1776 (Ausschnitt aus d er Kurhannoversche Landesaufnahm e, B la tt 76 Bispingen, M aß stab 1:25000).

3. Lage und N a tu rra u m ­ a u ssta ttu n g Das zum F orstam t S ellhorn g ehörende, heute ru n d 80 ha g ro ß e O be rh a ve r­ becker Holz lie g t 2,5 km SSW von W il­ sede im Südosten des N a tu rsch u tzg e ­

bietes „Lüne b u rg e r H eide" (siehe A bb. 2). Das Gelände s te ig t von ca. 90 m Höhe im Südosten a u f 135 m Höhe im N ordw esten an und ist dem saaleeis­ ze itlichen H öhenpleistozän z u z u o rd ­ nen (L ü ttig 1988). Entsprechend b ild e n g rö ß te n te ils reiche Geschiebelehm e

das S ubstrat. S tellenw eise sind sie von G eschiebedecksanden ü b e rla g e rt. H in ­ sichtlich d e r W asserversorgung sind die Böden g rö ß te n te ils als frisch bis nach­ h a ltig frisch e in z u s tu fe n . Sie sind ü b e r­ w ie g e n d schwach p s e u d o ve rg le yt. Bod e n ty p o lo g is c h haben sich je nach F e u c h tig k e it und S ubstrat m e h r o d e r w e n ig e r p o d so lie rte , schwach pseudov e rg le y te B raunerden a u s g e b ild e t. Das Klim a a u f dem H ö h e n p le isto zä n ist k ü h l-fe u c h t ausg e p rä gt. Der m ittle re Jahresniederschlag lie g t bei 860 m m (N iederschlagsstation S ellhorn), die m ittle re J a h re ste m p e ra tu r bei 8 ,0 °C (Harnstein und S turm 1986). Als h e u tig e p o te n tie lle n a tü rlic h e V e g e ta tio n w ird fü r das O b e rh a ve r­ becker Holz ü b e rw ie g e n d ein D ra h tschm ielen-B uchenw ald (A ve n e llo -F a g e tu m ) a n g e n o m m e n (Jahn 1986).

4. Die G e sch ich te d es O b e rh a v e r­ b ecker H olzes bis 1828 Abb. 2. Das O berhaverbecker H olz u nd seine Um gebung im Jahre 1990 (Ausschnitt aus der Topographische Karte 1:2 50 00, Nr. 28 2 5 Behringen, 1991).

Das O b e rhaverbecker H olz w a r re c h t­ lich gesehen ein k ö n ig lic h e r Interes­ 69

Tempel • Die Geschichte des historisch alten Waldes „Oberhaverbecker Holz" in Naturschutzgebiet Lüneburger Heide in den letzten 250 Jahren se n te n fo rst. Der W a ld w a r z w a r im la n ­ desherrlichen Besitz, w o d u rc h er beson­ ders geschützt war, aber d ie B ew o h n e r d e r u m lie g e n d e n D ö rfe r w a re n zur W eid e - und M a s tn u tz u n g b e re c h tig t1. Ferner d u rfte n die B e re ch tig te n auch ih r „n o td ü rftig e s " N utz- und Bauholz nach v o rh e rig e r A n w e isu n g daraus e n tn e h m e n . A uch stand ih n e n die fre ie N u tzu n g des „L e s e h o lz e s " und te il­ w eise die N u tzu n g des „W e ic h h o lz e s " zu, w o m it ih r B edarf an B re n n h o lz fü r den H ausbrand g e d e ckt w u rd e 2. Ü ber­ dies w a re n sie zum P laggenhieb in n e r­ h a lb der W ä ld e r b e re c h tig t3. Dagegen h a tte de r Landesherr die fre ie , zunächst u n e ingeschränkte H o lz n u tz u n g inne. Das O berhaverb e cke r Holz g e h ö rte zu den „H a ve rb e cke r und U n d e lo h e r H o lz u n g e n ". Die frü h e s te bisher a u fg e ­ fu n d e n e B eschreibung dieser H o lzu n ­ gen sta m m t aus dem Jahre 16494. Da­ nach w e rd e n die H o lzu n g e n als „h o h e h a rte Elchen- u n d B u c h e n h o ltz e r", w e l­ che „ i n untersch ie d lich e n Ö h rte r" ze r­ s tre u t liegen, beschrieben. D e m zu fo lg e ga b es zu dieser Z e it schon keine groß en, zusam m enhängenden W a ld ­ g e b ie te mehr. Der W a ld w a r durch starke Ü b e rn u tz u n g bis a u f Restflächen z u rü c k g e d rä n g t w o rd e n . Erstmals k o n k re t beschrieben w u rd e das O berha ve rb e cke r Holz im Zuge der F orstb e re itu n g des Jahres 1744: „ O ben an d e r H öhe heraus; s te h e t n u r e inzelne Buchen- u n d etw as Eich e n -H o ltz von 2 .3 . b is 4 Spann (ca. 15,5 cm, 23 cm, 31 cm Durchmesser; d. V.) stark, h e ru n te rw ä rts a b e r nach d e r H eide zu, fin d e t sich h o rstw e ise ju n g e s Buchen u n d Eichen H oltz, welches le tz ­ te re vom S tam m ausgeschlagen. Son­ sten sin d in dieser H o ltz u n g viele bloße Plätze, w o ra u f n u r w e n ig e r verbissener Buchen- u n d E ichenaufschlag5 vo r­ handen, ...M .6 Die H o lzu n g w a r d e m ­ nach stark devastie rt. N ur im N o rd w e ­ sten w aren noch w e n ig e ä lte re und stärkere Bäume vo rh a n d e n . Die ü b ri­ gen v e rlic h te te n Flächen w iesen ü b e r­ h a u p t keine stärkeren Bäume m e h r auf, h ie r lagen te ilw e is e n ie d e rw a ld a rtig e S tru k tu re n vo r (Eichen-Stockausschlag). Der 1744 vo rh a n d e n e H o lz v o rra t b e tru g m axim al 23 m 3 p ro H e kta r (Tem­ p e l 1993). Im S taatsforst Sellhorn lie g t h e u te der N o rm a lv o rra t je ha bei ge ­ m ischten Eichen-Buchenbeständen je nach U m trie b sze it und B o d e n g ü te bei 70

ru n d 150 bis 200 fm bzw. m 3. 1744 w a ­ ren dem nach m axim al 15% des h e u ti­ gen d u rch sch n ittlich e n H olzvorrates pro H e kta r vorhanden. Die H olzung wies auch fü r die d a m a ­ ligen V erhältnisse in der Region einen besonders schlechten Zustand auf, denn d e r d urchschnittliche H o lzvo rra t der aus 20 Forstorten bestehenden „H a ­ verbecker und U nd e lo h e r H o lzu n g e n " w a r 1744 rund d reim al so groß w ie der des O berhaverbecker Holzes (Tempel 1993). Die dam alige a u ß e ro rd e n tlich schlechte B eschaffenheit des O berha­ verbecker Holzes ist neben der üblichen Ü b e rn u tz u n g a u f spezielle Um stände z u rü c k z u fü h re n . Nach der K u rh a n n o ­ verschen K arte von 1776 (Abb. 1) gab es zu dieser Z e it in und rings um diesen W ald vie le Äcker. Die zu deren D ün­ g u n g b e n ö tig te n Plaggen w u rd e n a u f­ g ru n d ihres hohen Gewichtes in näch­ ster Nähe g e w o nn e n (Pelzer 1975). Da­ neben d e u te n die zw ei a u f ein e r Karte aus dem Jahre 18237 in n e rh a lb der H ol­ zung e ingezeichneten Schafställe, die sicherlich schon länger vorh a n d e n w aren, a u f einen besonders intensiven P laggenhieb und eine starke S tre u n u t­ zung im O berhaverbecker H olz hin, w o ­ durch d e r W ald stark geschädigt w u rd e . Die Heidschnucken w u rd e n fü r die N acht im m e r in die Schafkoben g e trie ­ ben (K rem ser 1990). Selbst w e n n a n zu ­ nehm en ist, daß die Bauern m ehrere S chafkoben besaßen und nicht je den tä g lic h b e n u tzte n , w u rd e deren U m ge­ bung durch an- und abziehende Her­ den regelm äß ig äußerst stark verbis­ sen. Als H auptursache fü r den trostlosen Zustand des O berhaverbecker Holzes m achte d ie F orstbereitungskom m ission von 1744 jedoch die au ß e rg e w ö h n lich hohen H olzdiebstähle v e ra n tw o rtlic h . Sie b e fü rc h te te , „d a ß w ann die starke H olz-D ieberey, w elche dem A u g e n ­ schein nach in diesem ganzen O rte sehr ü b e rh a n d genom m en, n ic h t ve rh in d e rt w ürde, derselbe zu e in e r vö llig e n H o lz­ b löße w e rd e n w ü rd e "8. A b e r auch in der Folgezeit w u rd e w ie d e rh o lt berichtet, daß die B ew oh­ ner von O berhaverbeck „e n o rm e H o lz v e rw ü s tu n g e n " im O berhaver­ becker H olz ausgeübt hä tte n , o b w o h l m ehrm als h a rte Strafen ausgesprochen w u rd e n 9. Durch die w ie d e rh o lte n H olz­

d ie b stä h le w a r d e r W ald derm aßen ver­ w ü s te t w o rd e n , daß man 1746 „k e in e n e in tz ig e n Stam d e r V h Fuess im D urch­ s c h n itt" (= U m fa n g von 43,8 cm = Durchmesser von 13,9 cm!, d. V.) h ie lt, m e h r d a rin fin d e n k o n n te 10. Das O b e r­ haverbecker H olz w a r also g rö ß te n te ils zum Busch d e g ra d ie rt w o rd e n . Samen­ bäum e w a re n zu dieser Z eit n ich t m ehr v o rh a n d e n .

1

V e rze ich n is d e r H o ltz u n g e n u nd G ehege

im A m b t W insen vo n 1649 (NSA, Celle Br. 64, Nr. 13 u n d Celle Br. 61, Nr. 783). 2

L a u t „B e sch re ib u n g d e r A m ts fo rs te n nach

d e r F o rs tb e re itu n g 1744" (NSA, Hann. 76a, Nr. 981 u n d Hann. 74 W insen/L., Nr. 2386) u n d b e zü g lich des Leseholzes auch nach dem G e n e ra lte ilu n g sre ze ß (Fuß note 3).

Leseholz : Holz, w elches a u f n a tü rlic h e m W ege,

m eist

d u rch

V e rtro c k n u n g

oder

W in d fa ll, vo m Stam m a b g eb ro ch e n ist und in fo lg e de sse n n u r a u fg e n o m m e n zu w e rd e n b ra u ch te . Als H artholz g a lte n fr ü h e r b lo ß Buchen und Eichen. A lle ü b rig e n B a u m a rte n w u rd e n als

W eichhölzer b e ze ich n e t. Dazu g e h ö rte n ne­ ben d en L a u b h o lz a rte n (B irken, Erlen, W e i­ den, Pappeln, H a in b u ch en u.a.) auch d ie Na­ d e lh ö lz e r (Fichten, K ie fe rn u.a.) (Borchers u n d Schmidt 1973). 3

Rezeß ü b e r d ie G e n e ra lte ilu n g d e r In te re s­

s e n te n fo rs te n vo n U n d e lo h u n d H averbeck vo m 2 5 .8 .1 8 2 8 (NSA, Hann. 74 W insen/L., Nr. 3516). 4

V e rze ich n is d e r H o ltz u n g e n u nd G ehege

im A m b t W in se n vo n 1649 (NSA, Celle Br. 64, Nr. 13 u n d Celle Br. 61, Nr. 783). 5

Aufschlag n e n n t m an im G egensatz zu A n ­

flu g d ie aus schw erem u n g e flü g e lte n Samen n a tü rlic h

e n ts ta n d e n e n

B a u m p fla n ze n

(Kremser 1990). 6

„B e sch re ib u n g d e r A m ts fo rs te n nach d er

F o rs tb e re itu n g 1744" (NSA, H ann. 74 W in ­ sen/L., Nr. 2386 u n d H ann. 76a, Nr. 981). 7

„K a rte d e r K ö n ig lic h e n In te re s s e n te n fo r­

sten des U n d e lo h e r Forstbeganges im A m te W in se n an d e r Luhe, F o rstin s p e k tio n Bör­ s te l", 1823 (NSA, 32n U n d e lo h /1 -2 m ; Forst­ a m t). 8

„B e sch re ib u n g d e r A m ts fo rs te n nach d er

F o rs tb e re itu n g 1744" (NSA, Hann. 76a, Nr. 981 u n d H ann. 74 W insen/L., Nr. 2386). 9

H o ld ie b s tä h le in d e n G e m einden O b e r­

und

N ie d e rh a ve rb e ck

1731-1754

(NSA,

H ann. 74 W insen/L., Nr. 2367). 10

B e rich t des A m te s W insen an d ie K ö n ig li­

che C am m er vom 18 ten Febr. 1746 (NSA, H ann. 74 W insen/L., Nr. 2367).

Tempel • Die Geschichte des historisch alten Waldes „Oberhaverbecker Holz" in Naturschutzgebiet Lüneburger Heide in den letzten 250 Jahren W ahrscheinlich w u rd e die erste Na­ d e lh o lz k u ltu r der „U n d e lo h e r und Haverbecker H o lz u n g e n " M itte des 18. Ja hrh underts im O b e rhaverbecker Holz a n g e le g t, da dieser F orstort einen be­ sonders schlechten Zustand aufw ies. H ier stand a u f k ö n ig lic h e m Forstgrund eine grö ß ere n ich t o d e r n u r äußerst schlecht bestockte Fläche zu r V e rfü ­ g ung, die a u fg ru n d des Fehlens von Sa­ m enbäum e n in absehbarer Z e it m it H ilfe von N a tu rv e rjü n g u n g n ich t m ehr instand zu setzen war. Diese „T a n n e n B esaam u ng" w u rd e 1772 in einem Be­ reisu ngsbericht ü b e r die W ä ld e r de r Lü­ n e b u rg e r Heide ausdrücklich als gutes, fü r die N achkom m en nützliches Bei­ spiel h e rv o rg e h o b e n 11. Sie w ä re „ im b e ß te n S ta n d ", w a r ve rg rö ß e rt w o rd e n und so llte la u t d e r F orstbesichtigungsm o ta ta von 177312 da, „ w o das Terrain zu A n z ie h u n g des h a rte n Laubholzes n ic h t geschickt is t", noch w e ite r ausge­ w e ite t w e rd e n . Ferner w u rd e 1773 geschildert, daß durch einen Brand ein b e trä c h tlic h e r Teil des W aldes a n g e g riffe n w o rd e n war. Da g le ich ze itig ü b e r den g u te n Zu­ stand d er im Süden lie g e n d e n „T ann en-B esa am u ng" b e ric h te t w u rd e , m u ß te das Feuer in den L a u b w a ld b e ­ ständen im N orden des O berhaverbekker Holzes g e w ü te t haben. N o rm a le r­ w eise sind L a u b w ä ld e r n ic h t sehr fe u ­ e rg e fä h rd e t, aber d ie h ie r v o rh a n d e ­ nen sehr deva stie rte n Bestände w aren so h o c h g ra d ig m it tro c k e n e m H eide­

11

P ro to k o ll v o m 2 0 .1 0 .1 7 7 2 ü b e r d ie B erei­

sung d e r W ä ld e r Im Bereich d e r h e u tig e n F o rstä m te r

Buschewald,

S ellhorn,

ehern.

G a rls to rf, R aubcam m er u n d L ü n e b u rg (A r­ chiv des Forstam tes). 12

F o rs tb e s ic h tig u n g sm o ta ta im A m te W in ­

sen an d e r Luhe vo m Jahre 1773 (F orstam t u nd NSA, F oto 3, Pl/206). 13

„ K a rte d e r K ö n ig lich e n In te re s s e n te n fo r­

sten des U n d e lo h e r Forstbeganges im A m te W in se n an d e r Luhe, F o rstin sp e ktio n Bör­ s te l", 1823 (NSA, 32n U n d e lo h /1 -2 m ; Forst­ am t). 14

G e n e ra lte ilu n g d e r In te re sse n te n fo rste n

von U n d e lo h u n d H averbeck vom 25. 8 .1 82 8 (NSA, Hann. 74 W in se n /L ., Nr. 3516). 15

„V erm ess-R egister d e r bei d e r T h e ilu n g

d e r U n d e lo h e r In teressenten Forsten von d e r a .g . H e rrsch a ft zu r p riv a tiv e n B e n u t­ z u n g a c q u irirte n R e vie re", a u fg e s te llt im Juli 1827 (NSA, H ann. 74 W in s e n /L , Nr. 3516).

Oberhaverbecker Holz die übrigen

Undeloher und Haverbecker Holzunoen

(ca. 84 ha)

(zusammen ca. 293 ha) Abb. 3. Die Flächenanteile d er Bestandstypen des O berhaverbecker Holzes u n d d e r übrigen „U ndeloher und H averbecker H o lzun g en " im Jahre 1823. (D atenquellen: 1. „K a rte d e r Kö­ niglichen Interessenten forsten des U n d eloh er Forstbeganges im A m te W insen an d e r Luhe, Forstinspection Börstel, 1823"; NSA, 3 2 n U n d e lo h /1 -2 m . - 2 . „Verm ess-Register d e r b e i der Theilung der Undeloher Interessenten Forsten von d e ra . g. Herrschaft z u r p riv a tiv e n B enut­ zung acquirirten Reviere", a u fg e s te llt im Juli 1827; NSA, Hann. 74 W insen/L., Nr. 35 16 )

k ra u t durchsetzt, daß die B ra n d g e fa h r hoch war. 1823 w u rd e das O b e rh a ve rb e cke r Holz w ie auch die a n deren „H a v e rb e k ker und U ndeloher H o lz u n g e n " e xa kt vermessen und erstm als bestandsw eise k a rtie rt13. Danach w a r das O b e rh a ve r­ becker Holz m it e in e r G esam tgröße von 110 ha der bei w e ite m g rö ß te F o rsto rt der „H averbecker und U n d e lo h e r H o l­ z u n g e n ". Der hohe B lö ß e n a n te il von über 20% w e ist nochm als a u f den schlechten Zustand des W aldes hin. A l­ lerdings w ird aus den A lte rsa n g a b e n überw iege n d 6 0 -9 0 jä h rig e H o c h w a ld ­ bestände - ersichtlich, daß sich d ie be­ stockt gebliebenen Flächen in den v o r­ ausgegangenen Jah rze h n te n e rh o lt h atten. Aus dem oben beschriebenen, M itte des 18. Jahrhunderts v o rh a n d e n e n Busch h a tte sich z u m in d e st w ie d e r ein lich te r W ald e n tw ic k e lt. In dieser Pio­ nierphase der W a ld e n tw ic k lu n g w a r die anspruchslosere L ic h tb a u m a rt Eiche geg enübe r der Buche b e g ü n s tig t. Ent­ sprechend nahm en 1823 in dem W ald E ichenreinbestände und Eichen-Buchen-M ischbestände einen h o hen A n ­ te il an der Bestockung ein (siehe A b b . 3). W ährend im O b e rh a ve rb e cke r Holz n u r a u f 22 % der Fläche B uchen-Reinbeständen stockten, herrschten in den ü b rigen „U n d e lo h e r und H averbecker H o lzunge n " die B uchenreinbestände m it einem A n te il von 56 % vor.

5. Die E n tw ic k lu n g nach d er G e n e ra lte ilu n g vo n 1828 Bei d e r 1828 abgeschlossenen G eneral­ te ilu n g d e r „U n d e lo h e r und H averbekker In te re s s e n te n fo rs te n " fie le n dem S taat 71 % des O b e rh a ve rb e cke r Holzes z u 14. Einschließlich d e r z u r A b ru n d u n g aus d e r G e m e in h e it z u g e le g te n H eid­ flä ch e n b e tru g die G esam tfläche ru n d 80 ha, w o v o n 8 0 % b e w a ld e t und 2 0 % Blößen w a re n 15. Um d ie B e sitzve rh ä lt­ nisse d e u tlic h zu m achen un d den H ir­ te n die W e id e g re n ze n a u fzu ze ig e n , w u rd e n die G renzen des G ebietes, w ie zu je n e r Z e it üblich, m it W a ll und Gra­ ben g e ke n n ze ich n e t. A u f dieser von a l­ len B e re ch tig u n g e n b e fre ite n Fläche h a tte nun d e r Staat d ie a lle in ig e N utzungs- und V e rfü g u n g s g e w a lt. A b d ie ­ sem Z e itp u n k t w a r das w e s e n tlich e Ziel d e r B e w irts c h a ftu n g d ie H o lz p ro d u k ­ tio n im Rahmen e in e r g e re g e lte n F o rstw irtsch a ft. Die diesem Ziel e n tg e ­ genste h e n d e n W a ld n u tz u n g s fo rm e n , w ie W eide-, Mast-, P laggen- und S tre u n u tzu n g , w u rd e n n ic h t m e h r be­ trie b e n . 5.1 Der Neuaufbau des W aldes (1828-1878) Eine halbe W a ld g e n e ra tio n v o r den e i­ g e n tlic h e n H e id e a u ffo rs tu n g e n k o n n te der Staat m it dem W ie d e ra u fb a u des O b e rhaverbecker Holzes b e g in n e n . Die 71

Tempel • Die Geschichte des historisch alten Waldes „Oberhaverbecker Holz" in Naturschutzgebiet Lüneburger Heide in den letzten 250 Jahren am stärksten d e vastie rte n L a u b w a ld b e ­ stände w u rd e n a b g e trie b e n u nd diese w ie auch die v o rh a n d e n e n Blößen z u ­ nächst m it re in e r K ie fe r und d ann m it K ie fe rn -F ich te n -M is c h k u ltu re n a u fg e ­ fo rs te t. Von 1823 bis 1878 w u rd e n 7 1 ,6 % (= 57,4 ha) des W aldes h a u p t­ sächlich m it N ade lh o lz neu a u fg e fo r­ s te t o d e r v e rjü n g t. Dieses ist d ie e n t­ scheidende Ursache fü r d ie in A b b il­ d u n g 4 d a rg e s te llte n V e rä n d e ru n g e n d e r Flächenanteile d e r B aum arten. Das W a ld b ild h a tte sich g ra v ie re n d g e ­ w a n d e lt. Aus einem v o rw ie g e n d m it sehr lich te m Laubholz bestandenen u nd von vielen Blößen d u rch se tzte n W a ld w u rd e ein g rö ß te n te ils vo n ju n ­ gen N a delholzbe stä n d e n g e p rä g te r Forst. 5.2 Entwicklung von 1878 bis 1922 In A b b ild u n g 4 sind f ü r diesen Z e itra u m keine einschneidenden V e rä n d e ru n g e n zu b eobachten. Es w u rd e n z w a r im g rö ­ ßeren U m fang B uch e n a ltb e stä n d e ve r­ jü n g t, aber d e r F lächenanteil d e r Laub­ bäu m e v e rrin g e rte sich n u r g e rin g fü ­ g ig . Jedoch gab es nach dem 1922 a u f­

g e s te llte n B etriebsw erk kaum noch re in e Laubholzbestände (n u r a u f kn a p p 8 % d e r Fläche), s ta tt dessen ü b e rw ie ­ g end Laubholz-N adelholz-M ischbestände. Diese E ntw icklung b e ru h te a u f fo lg e n d e Ursachen: ■ Ergänzung von L a u b h o lz n a tu rv e r­ jü n g u n g e n m it Fichten, ■ F ich te n a n flu g in L a u b h o lz k u ltu re n u nd A ltbeständen, ■ F örderung von Eichen in den N adel­ holzbeständen durch F reistellungen, ■ U n te rb a u der ä lte re n K ie fe rn b e ­ stände m it Buchen und Eichen. 5.3 Das Geschehen im Oberhaver­ becker Holz zwischen den W eltkriegen Die E n tw icklu n g von 1922 bis zum 2. W e ltk rie g w a r durch die starke Redu­ zie ru n g des K iefernanteils und durch den A n stie g des F ichtenanteils an der G esam tfläche geke n n ze ich n e t (siehe A b b . 4). Ferner e rreichten erstm als „a n d e re " Baum arten einen w e s e n tli­ chen A n te il (ca. 4 % ). Hier h in te r v e r­ b irg t sich vo r allem die Europäische Lärche, die a u f Saumschlägen in die

ln %

Buche

H — E lche

~X~ Fichte

Kiefer

-B~ A ndere

-X-- unbestockt

A bb. 4. Die Entw icklung d e r Flächenanteile d e r Baum arten im Oberhaverbecker Holz in den le tz te n 2 5 0 Jahren. (D aten qu ellen : 1. „Beschreibung d er Am tsforsten nach der Forstberei­ tu n g 1744“; NSA, Hann. 74 W in se n /L , Nr. 23 86 u. Hann. 76a, Nr. 9 8 1 .-2 . „Karte d er Königli­ chen Interessenten forsten des U n d eloh er Forstbeganges im A m te Winsen an d er Luhe, Forstinspection Börstel, 1823"; NSA, 3 2 n U n d e lo h /1 -2 m . - 3. „Tabellarische Übersicht d er ver­ messenen u nd unverm essenen Forsten des Bremenschen Ober-Forst-Departements, a u f g e ­ s te llt nach Ä m te rn anno 1832"; NSA, Hann. 76a Nr. 563. - 4 . Vorbericht z u r Forsteinrichtung von 1860 und Forsteinrichtungsw erke von 1879, 1897, 1922, 1928, 1935, 1959, 1971,1978, 1988)

72

a lte n K ie fe rn -F ich te n b e stände e inge­ b ra ch t w u rd e . Entsprechend den A u fla ­ gen d e r inzw ischen g e lte n d e n N a tu r­ s c h u tzg e b ie tsve ro rd n u n g und den R ich tlin ie n der D a u e rw a ld id e e w u rd e n w ä h re n d dieses Z eitraum es bis a u f schmale Saumschläge keine Kahl­ schläge d u rc h g e fü h rt, sondern die N u t­ zung e rfo lg te einzelstam m w eise. Da­ bei w u rd e n v o rw ie g e n d ü ber 80jährigen K iefern, d ie ihre A u fg a b e als Pio­ n ie rb ä u m e e rfü llt h a tte n , aus den M ischbeständen herausgeschlagen. G le ich ze itig w uchsen in den K iefernF ichten-M ischbeständen die a n g e flo ­ genen F ic h te n n a tu rv e rjü n g u n g e n in den H au p tb e sta n d h in e in . Der L a u b h o lz a n te il k o n n te im Sinne des N aturschutzes le ic h t g e ste ig e rt w e rd e n , indem in n e rh a lb der M ischbe­ stände d ie Laubbäum e g e fö rd e rt w u r­ den. 5.4 Die Entwicklung vom 2. W eltkrieg bis 1971 Nach dem 2. W e ltk rie g kam es zur A b ­ k e h r von d e r D a u e rw a ld id e e w ie d e r hin zu r K ahlschlagsw irtschaft. Bis 1971 w u rd e n ü b e r 3 6 % d e r Bestände des O b erhaverbecker Holzes a b g e trie b e n und neu k u ltiv ie rt. Der Flächenanteil d e r v o r 1828 u nd in d e r W ie d e ra u fb a u ­ p e rio d e (1828-1878) b e g rü n d e te n Be­ stände re d u z ie rte sich a u f u n te r 50 %. O b w o h l auch Buchen im größ eren M aßstab a n g e b a u t w u rd e n , e rfu h re n in dieser Periode v o r a lle n D ingen Fichten sow ie die beiden schnellw achsenden fre m d lä n d isch e n B a um arten Japani­ sche Lärche (L arix k ä m p fe ri) und D ou­ glasie (Pseudotsuga m e n ziesii) eine be­ sonders starke F örd e ru n g (in A bb. 4 u n ­ te r „A n d e re "). K ie fe rn w u rd e n stark z u rü c k g e d rä n g t. Nach N u tzu n g von F ich te n -K ie fe rn -M isch b e ständen w u r­ den A n fa n g d e r 50er Jahre N adelholz­ m ischbestände und N adelholz-Laub­ holzm ischbestände, in denen die Fichte sich g u t b e h a u p te te bzw. ausbreitete, und in den 60er Jahren v o r allem Fich­ te n re in b e s tä n d e b e g rü n d e t. Ferner setzten sich in den FichtenK ie fe rn a ltb e s tä n d e n m it z u n e h m e n ­ dem A lte r die Fichten g e g e n ü b e r den K ie fe rn durch. Die Fichte k o n n te ihren Flächenanteil in d en ve rb lie b e n e n Beständen der W ie d e ra u fb a u p e rio d e (1828-1878) bis 1971 um w e it über die H ä lfte steigern. Z udem kam es überall

Tempel ■Die Geschichte des historisch alten Waldes „Oberhaverbecker Holz" in Naturschutzgebiet Lüneburger Heide in den letzten 250 Jahren d o rt, w o es die Lichtverhältnisse z u lie ­ ßen, zu F ich te n n a tu rv e rjü n g u n g e n , die dam als meistens to le rie rt w u rd e n . 1971 erreich te die Fichte m it einem A n te il von über 40 % an d e r G esa m tflä ­ che des O berhaverbecker Holzes ihre m axim ale V e rb re itu n g (A bb. 4). In der H ä lfte a lle r Bestände des O b e rh a ve r­ becker Holzes herrschte die Fichte vor. A uß e rd e m w a r sie in fa st a llen anderen Beständen m it einem A n te il von m in d e ­ stens 10% an d e r Baum schicht b e te i­ lig t. Ü berdies w a r diese S ch a ttb a u m a rt nahezu überall im U n te rw u ch s v o r­ handen. Da sie w e itg e h e n d vom W ild gem ieden w u rd e , h a tte sie sich tr o tz des hohen W ildbestandes g u t v e rjü n ­ gen können, zum al d e r k o n k u rrie re n d e B uchennachwuchs stark verbissen w u rd e . Aus dem im 18. J a h rh u n d e rt stark d e vastierten Laubw ald e n tsta n d ü ber das S tadium eines vo n K ie fe rn be­ herrschten Forstes (2. H ä lfte des 19. Jahrhunderts und A n fa n g des 20. Jahr­ hunderts) bis 1971 ein von Fichten ge­ p rä g te r W irtsch a fts w a ld . Das Laubholz (Eiche und Buche) h a tte n u r noch einen Flächenanteil von etw as ü b e r 3 0 % und w a r v o rw ie g e n d in M ischung m it Na­ d e lh o lz z u fin d e n . 5.5 Die Phase des Waldumbaus (seit 1972) D urch den O rkan 1972 w u rd e im O b e r­ haverbecker Holz de r g rö ß te Teil d e r ca. 100 bis 140jährigen N a d e lh o lzm isch b e ­ stände d e r W ie d e ra u fb a u p e rio d e ver­ n ic h te t o d e r so stark geschädigt, daß sie in d e r Folge w e ite re n K a la m itä te n (z. B. Sturm 1976) n ic h t m e h r s ta n d h a lte n k o n n te n . Der A n te il d e r Bestände der W ie d e ra u fb a u p e rio d e (1828-1878) sank von 42% (1971) a u f n u r noch 17,5% . Fast 20% d e r G esam tfläche w u rd e in den le tz te n 20 Jahren neu k u ltiv ie rt. Entsprechend den neuen w a ld b a u lich e n Z ie lv o rs te llu n g e n e r­ fo lg te die W ie d e ra u ffo rs tu n g ve rs tä rk t m it Laubholz, neben d e r Buche auch m it Eiche. Da zudem in den v e rb lie b e ­ nen A ltb e stä n d e n zu g u n ste n des Laub­ holzes e in g e g riffe n w u rd e , h a tte n 1988 erstm als seit d e r G e n e ra lte ilu n g im Jahre 1828 Bestände m it fü h re n d e m Laubholz einen h ö h e re n Flächenanteil als die Bestände m it vorherrschendem N adelholz. Entsprechend stieg der id eelle F lächenanteil vo n Buche und

%

Alter H i Buche

I----- 1E lche

EHUD Fich te

L_J K ie fe r

I___l Andere

Abb. 5. D er A ltersaufbau u n d die je w e ilig e n Flächenanteile d e r Baum arten des O b e rh av er­ becker Holzes im Jahre 1992. (D atenquelle: A ng ab en des Betriebsw erks 1988 in Verbindung m it Kartierung 1992)

ven R e g e n e ra tio n s fä h ig k e it w e s e n tli­ chen A n te il an d e r V e g e ta tio n g e h a b t haben und so bei nachlassender N u t­ zung g e g e n ü b e r den Buchen im V o rte il gewesen sein. Zudem w a re n d ie Buchen beim W ie d e ra u fb a u in diesem o ffe n e n Busch m it den stark d u rch P la g g e n n u t­ zung d e va stie rte n Böden g e g e n ü b e r den anspruchsloseren Eichen e n tsch e i­ dend b e n a c h te ilig t. Erst m it z u n e h m e n ­ dem Bestandesschluß un d ste ig e n d e r R e generation d e r Böden w uchs die 6. Betrachtung e in e s ca. 220jäh ri- K o n k u rre n z fä h ig k e it d e r Buche g e g e n ­ ü b e r der Eiche. W ie d ie fo lg e n d e n Aus­ gen Eich en -Bu ch en -Bestan d es fü h ru n g e n belegen, g r if f d e r M ensch 1992 w aren nur noch a u f kn a p p 6 % der je d o ch im m e r w ie d e r in diesen n a tü r li­ Fläche des W aldes Bestände v o rh a n ­ chen S ukzessionsablauf zu g u n ste n de r Eiche ein. den, die schon v o r d e r G e n e ra lte ilu n g Aus d e r b u s c h fö rm ig e n B estockung von 1828 e xistierten. Es h a n d e lt sich hauptsächlich um d ie A b te ilu n g 34b, e i­ h a tte sich bis 1823 ein Buchen-E ichenM ischbestand e n tw ic k e lt. Dieser nahm nen 4 ha großen M ischbestand aus v o r­ herrschenden ca. 2 2 0 jä h rig e n Eichen 1823 eine Fläche von ü b e r 38,5 ha ein. (Quercus pe tra e a ) u nd eingem ischten, Der Bestand w a r sehr lic h t und gle ichalte n Buchen (Fagussylvatica). schlechtw üchsig. Infolgedessen w u rd e er nach d e r G e n e ra lte ilu n g vo n 1828 Der relativ w e ite Stand, die h ä u fig a b g e trie b e n . E rhalten tie f angesetzten b re ite n K ronen, V er­ g rö ß te n te ils wachsungen, die fü r das A lte r v e rh ä lt­ b lie b e n v o rlä u fig n u r d ie am besten be­ stockte Fläche, ru n d 17 ha. A b e r auch nismäßig gerin g e Dicke d e r Bäume und das V orhandensein v ie le r Eichen d e u ­ d e r von Buchen d o m in ie rte Restbe­ stand w a r in ein e m so schlechten Zu­ te n a u f einen in d e r E ntstehungsphase des Bestandes h o h e n W a ld v e rw ü ­ stand, daß er nach d e r W ie d e rb e s to k stungsgrad hin. D abei d ü rfte n die Ei­ ku n g der ü b rig e n Flächen des O b e r­ chen a u fg ru n d ih re r hö h e re n v e g e ta ti­ haverbecker Holzes v e rjü n g t w e rd e n Eiche an der G esam tfläche des O b e rh a ­ verbecker Holzes a u f zusam m en fa st 50 % (Abb. 4). Nach 160 Jahren w a r die Buche m it einem A n te il von ca. 29% knapp vo r der Fichte w ie d e r d ie fü h ­ rende B aum art des O b e rhaverbecker Holzes. Der A lte rsa u fb a u des O b e rh a ve r­ becker Holzes im Jahre 1992 sp ie g e lt die in den vo ra n g e h e n d e n K a p ite ln aufgezeig te n Ereignisse w id e r (A bb. 5).

73

Tempel • Die Geschichte des historisch alten Waldes „Oberhaverbecker Holz" in Naturschutzgebiet Lüneburger Heide in den letzten 250 Jahren sollte. In den fo lg e n d e n Jahren e rfo lg ­ te n zu r F örderung d e r N a tu rv e rjü n ­ g u n g von Ost nach W est fo rts c h re i­ te n d e Lichtschläge. Dabei w u rd e n die sta rk s ch attenden Buchen in einem w e ­ sentlich stä rkeren U m fang als d ie Ei­ chen eingeschlagen (Abb. 6), so daß sich das M ischungsverhältnis zu Gunsten d e r Eiche v e rä n d e rte (Abb. 7). In den a u fk o m m e n d e n B u ch e n ve rjü n g u n g e n w u rd e n Eichen durch H e is te rp fla n z u n ­ gen e in g e sp re n g t. 1922 und 1959 w u rd e n bereits ve r­ jü n g te Bereiche von d e r bisherigen W irts c h a fts fig u r als eigene U n te ra b te i­ lu n g e n a b g e tre n n t. In dem je w e ils ve r­ b lie b e n e n A ltb e sta n d w u rd e die Eiche g e fö rd e rt. Bei den bis 1962 e rfo lg te n Einschlägen w u rd e n m e h r Buchen als Eichen e n tn o m m e n (siehe A bb. 6). Aus N a tu rsch u tzg rü n d e n nahm das Forst­ a m t A n fa n g d e r 70er Jahre den v e rb lie ­ benen Restbestand fa ktisch aus der N u tzu n g . Ein n o rm a le r Einschlag des a l­ te n Laubholzes fa n d n ic h t m ehr sta tt. A b e r e in g e d ru n g e n e N adelhölzer, im w e se n tlich e n d ie im niederschlagsrei­ chen K lim a de r H ohen Heide b e g ü n ­ s tig te Fichte, w u rd e n m ehrfach e n t­ fe rn t. Da sie fa st ausschließlich im Be­ reich der w e n ig e r stark schattenden Ei­ chen in den K ron e n ra u m aufw uchsen, fü h r te d ie E n tfe rn u n g d e r Fichten zu e i­ ne r re la tive n E rhöhung des M ischungs­ a n te ils de r Eiche (siehe A b b . 7). . H eute d o m in ie rt die Traubeneiche m it e inem F lächenanteil von ü b e r 6 0% in der Baum schicht. Buchen sind stam m - u nd tru p p w e is e eingem ischt, stellenw e ise bedrä ng e n sie die Eichen. Die A u s b ild u n g eines U nterstandes w a r u nd ist hie r a u fg ru n d des hohen Ei­ che n a n te ils g ru n d sä tzlich m öglich. Eine z w e ite Baum schicht ist aber n ic h t v o r­ handen, da zum einen ein A ufw achsen von Laubholz durch W ild v e rb iß v e rh in ­ d e rt w u rd e und zum anderen die u n te r den Eichen aufgew achsenen N a d e lh ö l­ zer e n tfe rn t w u rd e n . Da d e r W ild d ru c k in den le tz te n Jahren re d u z ie rt w u rd e , sind neben Fichten v o r allen D ingen vie le Buchen in der V erjüngungsschicht zu fin d e n . Die B uche n ju n g p fla n ze n b il­ den o ft geschlossene Herden, w elche sich k ra n z fö rm ig um die von der K rone d e r M u tte rp fla n z e beschattete Fläche g ru p p ie re n . Eichennachwuchs t r i t t in ­ fo lg e des W ildverbisses n u r in g e rin g e m U m fa n g auf. Die Geschichte dieses A ltbestandes 74

fm pro ha

1878 -1887

1888 1898 1920 1937 -1897 -1908 -1927 -1958

WM Buche

1961 Elche

1962 !

1976

1977

1986

1991

I Nadelholz

Abb. 6. Holzeinschläge im Buchen-Eichen-Altbestand des O berhaverbecker Holzes. (Da­ tenquellen: Betriebswerke 1878, 1897, 1922, 1928, 1935, 1959, 1971, 1978, 1988 u nd Z w ischenprüfung 1887 u. 1908)

z e ig t d e u tlic h , daß an diesem O rt die T raubeneiche mindestens seit Ende des le tz te n Jahrhunderts massiv durch den M enschen g e fö rd e rt w u rd e . Ohne des­ sen E in g re ifen w äre die Eiche so w o h l von den gle ich a lte n Buchen als auch von den a u fg ru n d des W ilddruckes e in ­

Buche

~+~~ Eiche

zig nachw achsenden Fichten g rö ß te n ­ te ils ausgeschaltet w o rd e n . Bei e in e r z u k ü n ftig u n g e stö rte n E n tw ic k lu n g w ü rd e sich dieser BuchenE ichenw ald in R ichtung eines D rahtschm ielen-Buchenw aldes e n tw icke ln , w ie er schon a u f gle ich e m S ta n d o rtty p

~e ~ Nadelholz

Birke

Abb. 7. Die Entwicklung des Mischungsverhältnisses im Buchen-Eichen-Altbestand des O berhaverbecker Holzes (Abt. 34b). (D atenquellen: Betriebsw erke 1878, 1897, 1922, 1928, 1935. 1959, 1971,1978, 1988 und Zw ischenprüfung 1887 u. 1908)

Tempel ■Die Geschichte des historisch alten Waldes „Oberhaverbecker Holz" in Naturschutzgebiet Lüneburger Heide in den letzten 250 Jahren im benachbarten „H e im b u c h e r H o lz" ausg e b ild e t ist. A lle rd in g s w e rd e n sich besonders die tru p p w e is e zusam m en­ stehenden A lte ich e n n un d e r starken K o n ku rre n z der g le ic h a lte n Buchen er­ w e h re n können, den n d ie Buchen ha­ ben im Gegensatz zu den Eichen ih r na­ türlich es H öchstalter (200-300 Jahre) fa st e rre ich t und w e rd e n d a h e r in den nächsten Jahrzehnten a bsterben. Die nachw achsenden Buchen, d ie sich a u f­ g ru n d des v e rm in d e rte n W ild d ru cke s e n tw icke ln , w e rd e n je d o ch la n g fris tig aus dem U nterstand in den K ro n e n ­ raum der A lte ic h e n e in d rin g e n und diese ve rdrä ngen . Nach den Beobach­ tu n g e n im Forstam t S ellhorn k ö n n te n n ur e inige ebe n fa lls s c h a tte n e rtra ­ gende Fichten m it den Buchen zusam ­ men aufw achsen (H anstein und Sturm 1986), da sie im U n te rw u ch s in d e r Ju­ gend sehr starke W u ch sle istu ng e n zei­ gen und ein allen an d e re n B aum arten überlegenes H öhenw achstum a u fw e i­ sen (Leuschner 1993). A lle rd in g s d ü rfte la n g fris tig ih r A n te il an d e r V e rjü n ­ gungsschicht g e rin g e r w e rd e n , denn die Fichte ist n ic h t so s c h a tte n to le ra n t w ie die Buche (R ö h rig u nd Bartsch 1992). Die K o n k u rre n z k ra ft d e r Fichte g e g e n ü b e r der Buche v e rm in d e rt sich um so mehr, je geschlossener u nd d a m it lichtu ndurch lässig e r d e r Schirm d e r ä l­ te re n Bäume w ird . In d e r Baum schicht kann das starke H ö h e nw a ch stu m der Fichte zum V erhängnis w e rd e n , w e il da­ durch ihre a u fg ru n d des v e rh ä ltn is m ä ­ ßig flachen W urzelsystem s u nd des g a n zjä h rig e n d ic h te n N adelkleides o h ­ nehin e rh ö h te S tu rm a n fä llig k e it noch zusätzlich g e ste ig e rt w ird . S om it w ü rd e sich la n g fris tig de r F ich te n a n te il in dem B uchenw ald reduzieren.

W aldcharakter m e h r a ufw ies, sondern eher einem lichten Busch g lich . Der Bo­ den des O berhaverbecker Holzes w u rd e überall durch P laggenhieb, S tre u n u t­ zung, B od e n b e a rb e itu n g u nd k ü n s tli­ che Lichtstellung in seiner E n tw icklu n g stark gestö rt und v e rä n d e rt, so daß er n icht m ehr als ein gew achsener a lte r W aldboden b e ze ichn e t w e rd e n kann. Der H öhepu n kt d e r D evastierung des O berhaverbecker Holzes w a r M itte des 18. Jahrhunderts e rre ic h t. A nschlie­ ßend kam es u n te r dem E influß der F orstbereitung vo n 1744 (siehe auch Schade 1961) und d e r sich h ä u fe n d e n Inspektionsreisen (so z.B. 1771, 1772, 1773) zu einer langsam en Verbesserung des Zustandes de r H o lzu n g . Aus dem stark d e va stie rte n W ald entstand nach A u fg a b e d e r W aldnebennutzun g e n u nd dem Einsetzen der g eregelten F o rstw irtsch a ft (1828) in der zw e iten H älfte des 19. J a h rh u n d e rts ein von Kiefern b e h e rrschte r Forst. A n ­ schließend e n tw ic k e lte sich ein h a u p t­ sächlich von Fichten g e p rä g te r W ir t­ schaftswald (M itte des 20. J a h rh u n ­ derts). Seit A n fa n g d e r 70er Jahre m it den neuen w a ld b a u lic h e n Zielen im niedersächsichen Staatsw ald w ird die Fichte zunehm end zu g u n ste n der Laub­ hölzer reduziert. Bei der B e tra c h tu n g eines ca. 220jährigen Buchen-Eichen-M ischbestandes ko n n te g e z e ig t w e rd e n , daß der heute noch vo rh a n d e n e hohe A n ­ te il der Eichen rein a n th ro p o g e n be­ d in g t ist. A u f den reichen G eschiebeleh­ men sind Buche und auch Fichte den Ei­ chen in der Schlußw aldphase bei u n g e ­ stö rte r E ntw icklu n g übe rle g e n .

7. Z u sam m en fassu n g

Borchers, K., S chm idt, K., 1973: Nach­ weis der H e rk ü n fte fü r die d e rz e iti­ gen K ie fe rn v o rk o m m e n im n ö rd li­ chen Niedersachsen (= Aus dem W alde 21), H annover: 422 S. Hanstein, U., S turm , K., 1986: W a ld b io ­ to p k a rtie ru n g im Forstam t S ellhorn - N atu rsch u tzg e b ie t L ü n e b u rg e r Heide (= Aus dem W a ld e 40), Han­ nover: 195 S. Jahn, G., 1985: Zum N a d e lb a u m a n te il an der p o te n tie lle n n a tü rlic h e n Ve­ g e ta tio n d e r L ü n e b u rg e r Heide. Tuexenia 5: 377-389, G ö ttin g e n .

Aus de r Geschichte des O berh a ve rb e kker Holzes w ird d e u tlic h , daß dieser h i­ storisch alte W a ld im Laufe d e r le tzte n 250 Jahre m ehrfach d e u tlic h e V e rände­ ru n g e n seiner S tru k tu r d u rch g e m a ch t hat. M it de r V e rä n d e ru n g d e r W a ld ­ s tru k tu r e rfu h re n auch d ie Biozönosen eine V eränderung. Dieser h eute als „h is to ris c h a lte r W a ld " bezeichnete e h e m a lig e K ö n ig li­ che In te resse nte n fo rst w a r z e itw e ilig derm aßen d e g ra d ie rt, daß er keinen

8.

Literatu r

Jahn, G., 1986: Die n a tü rlic h e V e g e ta ­ tio n . - In: H anstein, U., S turm , K., 1986: W a ld b io to p k a rtie ru n g im F orstam t S ellhorn - N a tu rsch u tzg e ­ b ie t L ü n e b u rg e r H eide (= Aus dem W a ld e 4 0 ), 18-30, Hannover. Kremser, W., 1990: Niedersächsische Forstgeschichte. R o te n b u rg /W ü m me: 965 S. Leuschner, Ch., 1993: W a ld d y n a m ik a u f S andböden in d e r L ü n e b u rg e r H eide (N W -D eutschland). - P hytoco e n o lo g ia 22, im Druck. L ü ttig , G., 1988: Neues z u r G e o lo g ie um W ilse d e r Berg und T o te n g ru n d . V e rh a n d lu n g e n N a tu rw isse n sch a ft­ lich e r V erein N. F. 30: 489-504, H a m burg. Peltzer, H., 1975: U n te rsu chung zu r E nt­ w ic k lu n g des Landschaftsbildes im N a tu rp a rk L ü n e b u rg e r H eide. - In­ s titu t fü r Landespflege und N a tu r­ schutz Hannover, u n v e rö ffe n tlic h t, 69 S. Pott, /?., 1990: V e rä n d e ru n g e n von W a ld la n d s c h a fte n u n te r dem Ein­ flu ß des M enschen. - N N A -B erichte 3: 3 ,1 1 7 -1 3 1 , S chneverdingen. P ott, R., 1992: Die E n tw ic k lu n g d e r K u l­ tu rla n d s c h a ft N o rd w e std e u tsch ­ lands u n te r dem E in flu ß des M e n ­ schen. - Uni H annover, 19, 1, 348, H annover. R öhrig, E., Bartsch, N., 1992: Der W ald als V e g e ta tio n s fo rm un d seine Be­ d e u tu n g fü r den M enschen. - In: D engler, A .: W a ld b a u a u f ö k o lo g i­ scher G ru n d la g e , Band 1, 6. A u fl. H a m burg, B erlin: 350 S. Schade, G., 1961: U n te rsu ch u n g e n zur Forstgeschichte des a lte n A m tes W insen an d e r Luhe. - Diss. Forstl. Fak. Univ. G ö ttin g e n : 179 S. Tempel, H., 1993, u n v e rö ffe n tlic h t: Die W a ld e n tw ic k lu n g d e r z e n tra le n Lü­ n e b u rg e r H eide in den le tz te n 250 Jahren - d a rg e s te llt am Beispiel des S taatsforstes S ellhorn. - D ip l.-A rb e it, Geogr. In s titu t u. In s titu t fü r G e o b o ta n ik , U n iv e rs itä t H annover: 116 S.

A n sc h rift des V e rfa sse rs H o lg e r Tempel F erdinand-Schultz-Straße 4 19055 Schwerin

75

NNA-Berichte 3/94

B indung v o n G e fä ß p fla n z e n an W ä ld e r a lte r W a ld s ta n d o rte im nördlichen H a rz v o rla n d N ied ersach sen s­ ein Beispiel fü r d ie B ed eu tu n g des A lte rs vo n B io to p en fü r den P fla n ze n a rte n s c h u tz von Dietmar Zacharias 1. E in le itu n g Das V o rko m m e n e in e r Pflanze an einem b e stim m te n W u ch s o rt zu einem be­ s tim m te n Z e itp u n k t ist im m e r an zw ei G run dvoraussetzun g e n g e b u n d e n : e r­ stens h a t die P flanze a u f irg e n d e in e m W eg den W u ch so rt e rre ich t, und z w e i­ tens k o n n te sie sich h ie r bis zu dem be­ sagten Z e itp u n k t b e h a u p te n . So selbst­ ve rständlich diese Tatsache auch sein m ag, w e rd e n die sich hieraus zw angs­ lä u fig erg e b e n d e n F o lg e ru ng e n h ä u fig n ic h t ausreichend g e w ü rd ig t. W ill man das P o te n tia l an A rte n u nd Lebensge­ m ein schaften in einem N a tu rra u m si­ chern, so m uß die h ie rfü r n o tw e n d ig e Spanne an S ta n d o rtb e d in g u n g e n , in K u ltu rla n d s c h a fte n auch an b e stim m ­ te n N u tzu n g sfo rm e n , so e rh a lte n bzw. g e fö rd e rt w e rd e n , daß A rte n und Le­ bensgem einschaften k o n tin u ie rlic h e Ü b e rle b e n sm ö g lich k e ite n haben. Für Biozönosen, d ie sich durch eine sehr g e rin g e räu m lich e M o b ilitä t und E ta b lie ru n g s fä h ig k e it auszeichnen, ist eine W ie d e ra ü s b re itu n g u nd Regene­ ra tio n nach Z erstö ru n g d e r P o p u la tio ­ nen und des S tandortes tr o tz S chaffung g ü n s tig e r A u sg a n g sb e d in g u n g e n hä u ­ fig g a r n ic h t o d e r n u r ü b e r sehr lange Z e iträ u m e m ö g lich (s. z.B. K aule 1991, Riecken 1992). Dies b e tr if ft in besonde­ rem M aße W ä ld e r d e r Region, deren biotisches P o te n tia l sich im Zuge der nach eiszeitlichen W ie d e rb e w a ld u n g in Jahrtausenden e in g e s te llt hat, und g ilt n ic h t n u r fü r tro p is c h e Regenw älder, de re n A rte n sch w u n d durch N u tzu n g d e r P rim ä rw ä ld e r a u s fü h rlic h b e le g t ist. U ntersuchungen zu r B ed e u tu n g des A lte rs von W a ld s ta n d o rte n fü r die sie besiedelnde L e b e w e lt haben insbeson­ dere in G ro ß b rita n n ie n eine längere 76

T ra d itio n , deren Ergebnisse Peterken (1993) zusamm en m it S ch lu ß fo lg e ru n ­ gen fü r den W aldnaturschutz in um fas­ sender Form zusam m engestellt h a t (s. a. seinen B eitrag in diesem H eft). Aus Po­ len lie g e n zu diesem Thema um fassen­ dere A rb e ite n von D zw onko (1989), D z w o n k o und Loster (1988, 1989) und aus Belgien von H erm y und Stieperaere (1981) u nd H erm y (1989) vor. In D eutschland haben sich bisher n u r w e ­ nig e A u to re n ausführlich m it der Be­ d e u tu n g a lte r W ald sta n d o rte beschäf­ t ig t (vgl. W u lf 1992,1993). E ingehender ist aus N ordw estdeutschland die Be­ d e u tu n g d e r W a ld n u tzu n g sfo rm e n fü r Flora u n d V e g e ta tio n b e le gt (P o tt und H ü p p e 1991). Die verschiedenen A rb e i­ te n sind in diesem Tagungsband w ie ­ d e rg e g e b e n bzw. z itie rt und w e rd e n d a h e r an dieser Stelle n ich t w ie d e rh o lt a u fg e lis te t. Für W ä ld e r a lte r W a ldstandorte, die nach H inw eisen aus historischen Kar­ te n , Bestandesbeschreibungen o d e r a u fg ru n d sonstiger Indizien m in d e ­ stens seit m ehreren h u n d e rt Jahren k o n tin u ie rlic h existieren, fin d e t d e r Be­ g r iff „h isto risch alte W ä ld e r" zu n e h ­ m end V e rw e n du n g . Dieser ist dem e n g ­ lischen Term inus „a n c ie n t w o o d la n d s " a n g e le h n t, d e r sow ohl prim äre W a ld ­ flä ch e n , d ie nie a n d e rw e itig g e n u tz t w u rd e n , als auch vo r 1600 b e g rü n ­ d e te S eku ndärw älder einschließt. Für D eutschland reichen annähernd flä ­ chendeckende historische K a rte n w e rke n u r bis in das 18. Ja h rh u n d e rt zurück, so daß a u f deren Basis die Existenz v ie le r W ä ld e r in d e r Regel n u r ab diesem Z e it­ raum zu belegen ist (Ostm ann 1993). Es d ü rfte sich aber bei den allerm eisten W a ld g e b ie te n , die bereits a u f den ä lte ­ sten K a rte n d a rg e ste llt sind, um P rim är­ w ä ld e r handeln, da diese vielfach la n d ­

w irts c h a ftlic h kaum n u tz b a re S tand­ o rte besiedelten o d e r h e rrschaftliche B a n n w ä ld e r w a re n (vgl. P o tt und H ü p ­ p e 1991). Einer m ehr o d e r w e n ig e r in ­ te n sive n N u tzu n g u n te rla g e n jedoch auch diese. Es h a n d e lt sich so m it auch bei diesen P rim ärw äldern n ich t um u n ­ b e rü h rte U rw älder. Die W ä ld e r a u f ehe­ m a lig e n Acker- o d e r G rü n la n d sta n d o r­ te n w e rd e n im fo lg e n d e n als S ekundär­ w ä ld e r bezeichnet. Die h e u tig e n W ä ld e r im n ö rd lich e n H a rzvo rla n d Niedersachsens besiedeln ü b e rw ie g e n d a lte W a ld s ta n d o rte , fü r d ie keine zw ischenzeitliche N u tzu n g als A cker o d e r G rünland (im w e ite ste n Sinne) b e le g t ist. Dies g ilt insbesondere fü r a lle g röß eren W a ld g e b ie te . Flora und W a ld v e g e ta tio n von 44 historisch a lte n W ä ld e rn des n ö rd lic h e n H arzvor­ landes Niedersachsens m it e in e r Flä­ ch e n g rö ß e von 9,3 bis 8579 ha sind bei Zacharias (1993a) d a rg e s te llt. Aus d ie ­ ser A rb e it sind die w ic h tig s te n Aussa­ gen ü b e r V e rb re itu n g und H ä u fig k e it d e r w aldspezifischen G e fä ß p fla n ze n a r­ te n a lte r W a ld g e b ie te und die hieraus zu zie h e nd e n S ch lu ß fo lg e rungen w e i­ te r u n te n zusam m engefaß t. A u f bauend a u f d ie U ntersuchungen von Zacharias (1993a) w u rd e n in 1993 e lf jü n g e re S e ku n d ä rw ä ld er flo ristisch u n te rs u c h t und deren Bestand an Ge­ fä ß p fla n z e n m it d e m je n ig e n der W ä l­ d e r a lte r W a ld s ta n d o rte v e rglichen. Da d ie S e ku n d ä rw ä ld e r n u r Flächengrö­ ßen vo n 2 bis 158 ha aufw eisen, w u rd e n diese den e lf kleinsten der historisch al­ te n W ä ld e r g e g e n ü b e rg e s te llt (Tab. 1, A b b . 1). Beide G ruppen bedecken a n n ä ­ h e rn d dieselbe W a ld flä ch e, so daß ein E in flu ß d e r Flächengröße a u f den A r­ te n re ic h tu m und das A rte n p o te n tia l ausgeschlossen w e rd e n kann. Die Spanne d e r S ta n d o rtb e d in g u n g e n der m ite in a n d e r verg lich e n e n W a ld g e b ie te w e is t gro ß e Ü b e re in stim m u ngen a u f. Ziel dieser neueren U ntersuchun­ gen ist es, 1. die B e deutung d e r E rh altung a lte r W a ld s ta n d o rte fü r den N aturschutz an e inem R egionalbeispiel zu be le ­ gen, 2. In d ik a to ra rte n fü r a lte W a ld s ta n d ­ o rte zu e rm itte ln , 3. das flo ristisch e P o te n tia l von jü n g e ­ ren S e ku n d ä rw ä ld e rn zu e rm itte ln und h ie ra u f au fb a u e n d 4. d ie Z e iträ u m e fü r die W ie d e rb e sie d ­ lu n g von S e ku n d ä rw äldern m it

Zacharias • Bindung von Gefäßpflanzen an Wälder alter Waldstandorte im nördlichen Harzvorland Niedersachsens

Abb. 1. Lage der untersuchten Waldgebiete im nördlichen Harzvorland Niedersachsens. w aldspezifischen Gefäßpflanzenar­ ten zu erm itteln bzw. abzuschätzen, 5. Schlußfolgerungen für den Natur­ schutz zu ziehen.

2. U n te rsu ch u n g sg e b ie t und M eth od e 2.1 Lage und natürliche Grundlagen des Untersuchungsgebietes Die Abgrenzung des Untersuchungsge­ bietes im nördlichen Harzvorland Nie­ dersachsens ist in Abbildung 1 w ieder­ gegeben. Es liegt im Übergangsbereich der atlantisch beeinflußten nordwest­ deutschen Tiefebene zum subkontinen­ talen mitteldeutschen Trockengebiet und weist insgesamt eine deutliche W ärm etönung auf (Klima-Atlas von

Niedersachsen 1964, Görges 1969). Diese Sonderstellung spiegelt sich auch im f loristischen Inventar wider (Brandes 1978). Das Gebiet umfaßt die forstli­ chen Wuchsbezirke der nordw estdeut­ schen Berglandschwelle (O tto 1991) un­ ter Einschluß des östlichen unteren Weser-Leine-Berglandes. Die natur­ räumlichen Einheiten sind Tabelle 1 zu entnehmen. Mesozoische und känozoische A b­ lagerungen, die vor allem in Mulden von bis zu mehrere Meter mächtigen Lößlehmauflagen überdeckt sind, prä­ gen das colline (ca. 75-323 m ü. NN) Gebiet. Neben geologisch vielfältigen Schmalsätteln sind vor allem die Breit­ sättel kontinuierlich waldbedeckt ge­ wesen. Sekundärwälder w urden über­ wiegend im Bereich von Auenablage-

rungen der Oker in den letzten hundert Jahren begründet (vgl. Tab. 1, Abb. 1). Die wichtigsten Bodentypen sind Para­ braunerden, Braunerden und Schw arz­ erden, Pseudogleye und Gleye bzw. Pelosole sowie Rendzinen. Das nördliche Harzvorland gehört zu einem alten Siedlungsgebiet. Die äl­ testen Spuren dauerhafter W o hn bau ­ ten der Linienbandkeramiker, also von ackerbautreibenden M enschen, w e r­ den auf 5500 v. Chr. datiert (Hässler 1991). Heute bestimmen große A cker­ flächen das Landschaftsbild, das durch die bewaldeten Kuppen sow ie Bachund Flußläufe gegliedert ist. Man kann davon ausgehen, daß viele der heuti­ gen W aldflächen seit Jahrhunderten voneinander isoliert sind. Die W alden t­ wicklung und W aldnutzung im nördli77

Zacharias • Bindung von Gefäßpflanzen an Wälder alter Waldstandorte im nördlichen Harzvorland Niedersachsens Tab. 1. A u flistun g d er m itein an d e r verglichenen 11 S ek u nd ärw äld erun d 11 W älder a lte r W aldstandorte m it A ngaben zu r Göße, Sippenzahl (A n zah l d e r2 7 8 Sippen, deren Vorkom m en in je d e m W aldgebiet ü be rp rü ft wurde), N aturraum u nd Geologie

lfd .

Nr.

Bezeichnung des W a ld g e bie te s

Fläche A n za h l (ha) Sippen

G eologie

N aturraum - Nr. m

S ekundärw älder S 1 W ald N des D orm an d e r Straße Rennau-Barm ke S 2 W ald E der Asse am W ild e n ta l S 3 W ald E D o rsta d t S 4 W ald S des Schapener Forstes S 5 W ald S H einingen S 6 W ald bei T e m p e lh o f S 7 W ald E bei H e iningen S 8 W ald W H ed w ig sb u rg S 9 W aldS D orsta d t S10 W ald W de r Straße C rem lingenH o rd o rf am D estedter G utsforst S11 W ald am H eidberg E W endhausen W ä ld e r a lte r W a ld s ta n d o rte 1 N ußberg, S tadt Braunschw eig 2 T hieder Lind enberg 3 A h m s to rfe r Holz 4 W ald W B odenstedt 5 Lagholz bei H ö tzu m 6 H e ilig e n h o lz bei Im m e n ro d e 7 N ordheß 8 G roß -Lafferd e r Holz 9 W a rn e h o lz 10 W ald N und S Buchladen 11 M eiersberg N N euenkirchen

2,0 5,0 6,7 9,5 13,0 18,0 20,5 22,5 36,0

44 29 42 42 39 20 43 30 33

624 512 624 512 511 512 512 512 512

47,0

75

512

158,0

74

624

9,3 14,8 18,8 25,0 26,1 30,4 31,3 45,5 48,7 60,7 63,1

75 107 104 67 113 99 101 91 100 103 99

624 512 624 520 512 510 379 520 510 510 510

kr qf qi Tb qL

0,4 1,8

. G .

k

(k) .

k G (k) . ■ (k) G G G G G

G (k)

k

.

G

G k k . . G .

k

J a h rd e r ersten E n tfe rn u n g D arstellung in zum e iner Karte nächsten (D arstellung a lte n W a ld ­ in h e u tig e r s ta n d o rt Flächenaus­ (km ) dehnung)

k

k

k

k

1,1 1,5 1,0

1957 1956 1901 1900 1901 1901 1901 1901 1901

0 ,0 !

1900 (1900)

0,5

1900 (1900)

2,1 0,1 0,9 3,7

(1957) (1966) (1906) (1900) (1966) (1950) (1901) (1974) (1901)

■ (k) k . k . k k . G . k . k ■ (k) . k

k

. . . . . . . ■

G G k k k G G k G G (k)

Die geologischen F o rm a tio n e n m it dem je w e ils g rö ß te n Flächenanteil sind durch ein „G ", die k le in flä c h ig e r a u ftre te n d e n du rch ein „ k " und die le d ig lic h p u n k tu e ll ausstreichenden durch ein „( k )" g e ke n n ze ich n e t. G eologische A n g aben (nach Lo ok 1984): s = B untsandstein kr = Kreide Tb = B eckenton des Pleistozän m = M uschelkalk qL = Löß incl. p le isto zän e n Fließerden m it qf = Sande und Kiese des Pleistozän k = K euper = G eschiebelehm ,-m ergel des hohem L öß anteil qi Pleistozän j = Jura f = A u e n a b la g e ru n g e n d e s Q u a rtä r Das gesam te U n te rsu ch u n g sg e b ie t w ird bei n eueren Übersichten dem Berg- und H ü g e lla n d angeschlossen (vgl. A b g re n ­ zu ng Berg- und H ü g elland g e g e n ü b e r Tief- bzw. Flachland bei Garve 1993, siehe auch Görges 1969. N a tu rrä u m lich e E inheiten nach M e yn e n und Schm ithüsen (1957-1961): 379 Innerste b e rg la n d 512 O stbraunschweigisches H ügelland 510 H arzb u rg e r H arzvorland 520 Braunschw eig-H ildesheim er Lößbörde 511 Großes Bruch 624 O stbraunschweigisches Flachland

chen H arzvorland ist bei Zacharias (1993a) d a rg e ste llt. Die w a ld b e d e ck te Fläche im n ö rd li­ chen H arzvorland Niedersachsens be­ s te h t zu m ehr als 95 % aus W ä ld e rn a l­ te r W a ld sta n d o rte . Diese sind la u b h o lz ­ 78

d o m in ie rt und w eisen große n a tu rn a h e Bereiche a u f. Neben R otb u ch e n w ä l­ dern (Carici-Fagetum , H ordelym o-, G alio o d o ra ti- und Luzulo-Fagetum ) b estim m en E ichen-H ainbuchen-M ittelw ä ld e r in ein e r w e ite n s ta n d ö rtlich e n

Spanne das Bild. Erlen-Eschen-(Eichen-) w ä ld e r und E ichen-H ainbuchenw älder sind a u f Feucht- und N aßstandorten a sp e k tb ild e n d . Die S e kundärw älder w eisen insbesondere Bestände von Esche (Fraxinus excelsior), Pappel (Po-

Zacharias • Bindung von Gefäßpflanzen an Wälder alter Waldstandorte im nördlichen Harzvorland Niedersachsens pulus nig ra hyb.), Fichte (Picea abies) und Stiel-Eiche (Quercus ro b u r) au f. Na­ tu rn ä h e re Bestände, die den Traubenkirschen-Eschenw äldern flo ristisch und s tru k tu re ll nahestehen, sind v o r allem in den S e kundärw ä ld e rn des O kertales a n z u tre ffe n . V iele S e ku n d ä rw ä ld e r sind sehr strauchreich und w eisen eine flä ch endecke nde k ra u tig e V e g e ta tio n n itro p h ile r Saum arten auf. Neben der G roßen Brennessel (U rtica d io ica ) sind A e g o p o d iu m p o d a g ra ria , Lam ium maculatum , Glechom a hederacea und an­ dere N itro p h y te n s te tig ve rtre te n . Die 44 historisch a lte n W a ld g e b ie te sind bereits in den ältesten flä ch e n d e kkenden K a rte n w e rk e n d e r Region (Hi­ storische K arte des Landes B raun­ schw eig 1746-1784, K urhannoversche Landesaufnahm e 1764-1786, s.a. Ost­ m ann 1993) und seitdem k o n tin u ie rlic h als W ä ld e r d a rg e s te llt. Die allerm eisten S e ku ndärw äld er sind e rstm a lig in den to p o g ra p h isch e n K arten d e r Preußi­ schen Landesaufnahm e (herausgege­ ben 1900 und 1901) a u f Flächen ve r­ zeichnet, die in ä lte re n K arten A cker­ o d e r G rü n la n d s ig n a tu re n aufw iesen. Sie d ü rfte n vo r ca. 100 Jahren b e g rü n ­ d e tw o rd e n sein (vgl. Tab. 1). 2.2 M ethoden Die flo ristisch e K a rtie ru n g von G efäß­ p fla n ze n in den W ä ld e rn a lte r W a ld ­ sta n d o rte w u rd e im w e se n tlich e n in den Jahren 1987-1990 d u rc h g e fü h rt (Zacharias 1993a). E rfaß t w u rd e in je ­ dem der 44 W a ld g e b ie te eine A usw ahl von Sippen, die re g io n a l eine m e h r o d e r w e n ig e r d e u tlic h e B in d u n g an W ä ld e r zeigen bzw. durch ein h äufiges A u ftre ­ te n in diesen ausgezeichnet sind. H ierin eingeschlossen sind neben allen G ehöl­ zen die k ra u tig e n W a ld a rte n der Querco-Fagetea sow ie d ie d e r S chlagfluren (E pilo bie te a) und Säume (Trifolio-G eranietea, A usw ahl d e r G alio-Calystegieta lia m it S ch w e rp u n kt im A llia rio n ). Gehölze, die im G ebiet re ze n t aus­ schließlich a u f s y n a n th ro p e V o rk o m ­ men zu rü ckgehe n (z.B. Syringa v u lg a ­ ris, A in u s incana), b lie b e n u n b e rü ck­ sich tig t. W e ite rh in ist das A u ftre te n e in ig e r T re nnarte n der W aldgesellschaften n o tie rt: C ardam ine am ara, Crepis paludosa, Holcus m ollls, P hyteum a n ig rum , P rlm ula veris, Ranunculus tu b e rosus, Vacclnlum m y rtillu s u.a. Die aus­

g e w ä h lte n Sippen weisen re g io n a l eine H a b ita tb in d u n g o d e r doch z u m in d e st eine gewisse Präferenz fü r W ä ld e r e in ­ schließlich des W aldrandes a u f. Insge­ sam t k onn te n 278 d e r b e rü cksich tig te n Sippen fü r die u n te rsu ch te n W ä ld e r durch eigene G elän d e u n te rsu ch u n g e n e rg ä n z t durch V o rin fo rm a tio n e n bestä­ t ig t w erde n (Zacharias 1993a). 1993 w u rd e zusätzlich d e r G esam tarten be­ stand an G efäß pflanzen in 11 jü n g e re n S ekundärw äldern im Rahmen von Kar­ tie ru n g e n der Fachbehörde fü r N a tu r­ schutz erfaßt. Bei d e r D a rste llu n g und A u sw e rtu n g w ird je d o ch n u r das A u f­ tre te n von A rte n aus d e r G ruppe d e r 278 w aldspezifischen A rte n b e rü ck­ sich tigt. Für jedes der 55 W a ld g e b ie te w u rd e eine eigene F lorenliste e rs te llt. H ierbei sind auch A rte n im Bereich des W a ld ­ randes m it eingeschlossen, w e n n sie den W ald m a n te l o d e r den im H alb­ schatten der G ehölze b e fin d lic h e n kra u tig e n Saum besiedeln. Jedes W a ld ­ g e b ie t w u rd e m ehrfach zu verschiede­ nen Jahreszeiten aufgesucht. A n n ä ­ hernd die gesamte Fläche k o n n te n u r in den kleinsten W ä ld e rn abgesucht w e rd en. Um dennoch eine m ö g lich st vo llständig e flo ristisch e In ve n ta risie ­ rung zu g e w ährleisten, ist d ie Berück­ sich tigung unte rsch ie d lich e r S ta n d o rte und S trukturen bei d e r K a rtie ru n g es­ sentiell: Spanne der geologischen und edaphischen G ege b e n h e ite n ; sehr re­ lie fre iche A bschnitte; S o n d e rsta n d o rte w ie Q uellen, Bäche, S teilhänge usw. Die N o m e n k la tu r ric h te t sich nach Garve und Letschert (1991). Bei d e r Er­ fassung kritischer Sippen w u rd e in e in i­ gen Fällen lediglich d ie A rte n g ru p p e in A n le h n u n g an E h re n d o rfe r (1973) n o ­ tie rt.

3. Ergebnisse 3.1 Häufigkeit und Verbreitung der waldspezifischen G efäßpflanzen­ arten in 44 historisch alten Waldgebieten Zwischen allen W a ld g e b ie te n sind U n­ terschiede im A rte n b e s ta n d fe s tz u s te l­ len (Zacharias 1993a). Die A n za h l d e r Sippen streut von 67 in e inem ca. 25 ha großen W a ld g e bie t, das in n e rh a lb d e r Lößbörde gelegen geologisch und sta n d ö rtlich sehr e in h e itlic h ist, bis 214 (77% der 278 insgesam t k a rtie rte n

Sippen) im Elm, d e r m it m e h r als 8500 ha re g io n a l g rö ß te n zu sa m m e n hä n g e n d w a ld b e d e c k te n Fläche. Die Sippenzahl s te ig t m it d e r Flä­ chengröß e (A bb. 2, s. a. B randes un d Za­ charias 1990). Lediglich in W a ld g e b ie ­ te n m it m e h r als 500 ha ist ein sehr großes, gebietsspezifisches In v e n ta r von G e fä ß p fla n ze n m it e in e r H a b ita t­ p rä fe re n z fü r W ä ld e r a n z u tre ffe n (Za­ charias und Brandes 1989). Bei ein fa ch lo g a rith m is c h e r D a rste llu n g e rg ib t sich eine s ig n ifik a n te K o rre la tio n zw ischen Sippenzahl und Flächengröße, w ie sie in bezug a u f W ä ld e r auch vo n a n deren A u to re n b e s tä tig t w u rd e (z. B. P eterken und Game 1984, D z w o n k o un d Loster 1988) . Zwei kle in e re W ä ld e r w eisen bei g le ic h e r F lächengröße s ig n ifik a n t h ö ­ here Sippenzahlen a u f als ein gleich großes einzelnes W a ld g e b ie t (Zacharias und Brandes 1990, s.a. Jä rvin e n 1982, Game und P eterken 1984, S im b e rlo ff und G o te lli 1984, D z w o n k o u nd Loster 1989) . Die selteneren Sippen, u n te r ihnen zahlreiche z.T. stark b e d ro h te A rte n , zeigen je doch eine P räferenz f ü r groß e W a ld g e b ie te m it d e u tlic h e m Schwer­ p u n k t in solchen ü b e r 500 ha Fläche (s.a. D z w o n k o und Lo ster 1989, Zacha­ rias und Brandes 1990). Die ü b e rw ie g e n d e A n za h l d e r Sip­ pen z e ig t eine g e rin g e o d e r eine sehr hohe Frequenz in den 44 W a ld g e b ie ­ te n . Dies e n ts p ric h t dem V e rte ilu n g s ­ m o d e ll von H anski (1982) fü r H a b ita t­ isolate. 15 Sippen k o n n te n in a lle n W ä l­ d ern b e s tä tig t w e rd e n : Die B aum arten Fagussylvatica, C arpinus b e tu lu s, Q u e r­ cus ro b u r und Fraxinus excelsior, die V e rlich tu n g sze ig e r S a m bucusnigra und Rubus idaeus sow ie d ie k ra u tig e n W a ld und Saum sippen A n e m o n e nem orosa, Poa nem oralis, Festuca g ig a n te a , S tellaria holostea, Stachys sylvatica, R um ex sanguineus, Geum u rb a n u m , G eranium ro b e rtia n u m und D actylis g lo m e ra ta agg. Die g rö ß te G ruppe ste lle n die a u f ein o d e r zw ei W a ld g e b ie te beschränk­ te n A rte n dar, was vo n a n d e re n A u to ­ ren fü r W ä ld e r im E lbe-W eser-D reieck (W u lf 1992) bzw. in S üdostpolen (D z w o n k o und Loster 1989) b e s tä tig t w e rd e n k o n n te . A rte n d e r Q uerco-Fagetea m it ein e r re la tiv w e ite n ö ko lo gisch e n A m p litu d e sind in e in ig e n W a ld g e b ie te n n ic h t ve r­ tre te n o d e r zeigen V e rb re itu n g slü cke n 79

Zacharias • Bindung von Gefäßpflanzen an Wälder alter Waldstandorte im nördlichen Harzvorland Niedersachsens 3.2 Vergleich der Gefäßpflanzenflora von historisch alten und jüngeren Sekundärwäldern

Sippenzahl

Fläche (1000 ha)

S ip p e n z a h l und F lä c h e n g rö ß e lin e a r d a rg e ste llt

Sippenzahl

S ip p e n z a h l lin e a r, F lä c h e n g rö ß e lo g a rith m isch d a rg e s te llt; R e g re s s io n : S = 16,75 + 4 9 ,0 7 (r = 0,78; p < 0,001) Abb. 2. Beziehung zwischen Sippenzahl u nd Flächengröße der 44 W älder a u f alten W ald­ standorten.

in n e rh a lb de r W älder, die n ic h t ohn e w e ite re s a u f das Fehlen g e e ig n e te r S ta n d o rte z u rü c k z u fü h re n sind (s.a. W in te rh o ff 1977). Dies g ilt z. B. fü r H ordelym us europaeus, M iliu m e ffu su m o d e r L iliu m m a rta g o n . Der V ergleich d er a k tu e lle n K a rtie ­ ru n g m it den L ite ra tu ra n g a b e n m acht d e u tlic h , daß es sich bei den Funden zu ­ m in d e st der historisch g u t b e le g te n V o rko m m e n seltener A rte n ü b e rw ie ­ gend um B estätigun g e n a lte r A n g a b e n h a n d e lt (Zacharias und Brandes 1990). So w ird z. B. der W u ch so rt des h e u te in Niedersachsen vom A ussterben be­ 80

d ro h te n W ald-G edenkem eins (O m phalodes scorpioides) bereits von Griese­ bach (1847) angegeben. Royer (1648) und C hem nitus (1652) fü h re n in ihren Floren das nordw estlichste V orkom m en des e b e n fa lls vom Aussterben b e d ro h ­ te n Im m enblattes (M e littis melissop h y llu m ) aus der Asse a u f (Brandes 1984, R andig 1992). Für zahlreiche ge ­ fä h rd e te A rte n ko n n te fü r das G ebiet fe s tg e s te llt w erden, daß ehem alige V o rko m m e n heute n ich t m ehr b e s tä tig t w e rd e n können (s.a. H a e u ple r 1976, Ganze 1994).

Die e lf S e ku n d ä rw ä ld e r weisen bei ver­ g le ic h b a re r Flächengröße d e u tlich g e ­ rin g e re A n za h le n an h a b ita ts p e z ifi­ schen A rte n a u f als d ie e lf W ä ld e r a lte r W a ld s ta n d o rte (A bb. 3). Ihre m ittle re A rte n z a h l ist s ig n ifik a n t geringer. Das sekundäre W a ld g e b ie t am Deste d te r G utsforst h a t die höchste A n ­ zahl w a ld sp e zifisch e r Sippen, o b w o h l es w e n ig e r als ein D ritte l d e r Fläche des g rö ß te n S ekundärw aldes bei W e n d ­ hausen e in n im m t. Es s te llt den einzigen u n te rsu ch te n S eku n d ä rw a ld dar, der im u n m itte lb a re n K o n ta k t zu einem a lten W a ld s ta n d o rt b e g rü n d e t w u rd e . Peterken und Game (1984) k o n n te n zeigen, daß sekundäre W a ld flä c h e n m it K on­ ta k t zu historisch a lte n W ä ld e rn höhere A n za h le n h a b ita tsp e zifisch e r A rte n a u fw e isen als stä rke r isolierte. Durch eine in bezug a u f d ie Flächengröße sehr h ohe A rte n z a h l ist auch der kleinste Se­ k u n d ä rw a ld n ö rd lic h des D orm ausge­ zeichnet, d e r a u f einem kalkreichen K e u p e rs ta n d o rt ge le ge n erstm alig 1957 in e in e r to p o g ra p h is c h e n K arte ve rze ich n e t w u rd e . Von 195 insgesam t e rfa ß te n Sippen tre te n 70 ausschließlich in W ä ld e rn a l­ te r W a ld s ta n d o rte a u f. W e ite re 92 Sip­ pen haben h ie r ih re n S chw erpunkt, w ä h re n d n u r 8 A rte n a u f d ie S ekundär­ w ä ld e r beschränkt sind und 11 w e ite re h ie r den S ch w e rp u n kt ih re r V o rko m ­ men haben (Tab. 2). Die B indung an W ä ld e r a lte r W a ld s ta n d o rte z e ig t sich noch de u tliche r, w e n n man die k ra u ti­ gen Q u e rco-F agetea-A rten als W a ld a r­ te n im engeren Sinne b e tra ch te t. 63 der 69 entsprechenden A rte n zeigen eine P räferenz fü r a lte W a ld s ta n d o rte ; a llein 34 Sippen sind a u f diese beschränkt. In Tabelle 3 ist die S te tig k e it des A u f­ tre te n s d e r k a rtie rte n Sippen g e tre n n t nach a lte n und nach sekundären W ä l­ dern im e in ze ln e n .w ie d e rg e g e b e n . Eine B in d u n g an a lte W a ld sta n d o rte zeigen zahlreiche A rte n , fü r die ein e n t­ sprechendes V e rh a lte n auch von a nde­ ren A u to re n b e le g t ist. So nennen in diesem Z usam m enhang z.B. P eterken und Game (1984) d ie A rte n G alium o d o ra tu m *, Luzula pilosa, M ercu ria lis p e re n n is *, Paris q u a d rifo lia * (A bb. 4), Sanicula e u ro p a e a *, Viola reichenbachiana, S tellaria hoiostea, A n e m o n e

Zacharias ■Bindung von Gefäßpflanzen an Wälder alter Waldstandorte im nördlichen Harzvorland Niedersachsens Sippenzahl 140 120 100 alte Waldstandorte

80

Sekundärwälder 60 40

-A__▲_

20 0 100

0,2 0,4 0,6 0,8 101

1,2 1,4 1,6 1,81Q2

2,2 2,4

Fläche (ha) Sippenzahl linear, Flächengröße logarithmisch dargestellt; der Unterschied der mittleren Artenzahlen ist signifikant (t=8,02; p<0,001) A bb. 3. Beziehung zw ischen Sippenzahl und Flächengröße von Seku nd ärw äld ern im Ver­ gleich zu W äldern a lte r W aldstandorte.

Abb. 4. Die Einbeere (Paris quadrifo ü a) ist eine Indikatorart für a lte W aldstandorte. Tab. 2. A n zah l habitatspezifischer Sippen, g etre n n t nach Präferenz fü r die untersuchten W äld e r a lte r W aldstandorte o d e r die Sekundärw älder

A n za h l Sippen

V o rko m m e n n u r in W ä ld e rn a lte r W a ld s ta n d o rte

7 0 (3 4 )*

in W ä ld e rn a lte rW a n d s ta n d o rte m indestens d o p p e lt so h ä u fig w ie in S e ku n d ä rw ä ld e rn

62(25)

in W ä ld e rn a lte rW a n d s ta n d o rte häufiger, a b e rw e n ig e ra ls d o p p e lt so h ä u fig w ie in S e ku ndärw äldern

30 ( 4)

gleich h ä u fig in W ä ld e rn a lte r W a n d s ta n d o rte w ie in S ekundärw äld e rn

13 ( 3)

in S ekundärw ä ld e rn h ä u fig e r, a b e rw e n ig e ra ls d o p p e lts o h ä u fig w ie in W ä ld e rn a lte r W a ld s ta n d o rte

11 ( 2)

n u r in S ekundä rw ä ld e rn

8 ( 1) Summe:

195(69)

* in K lam m ern ist die A n za h l beschränkt a u f die kra u tig e n W a ld a rte n d e r Q uerco-Fagetea w ie d e rg e g e b e n .

nem orosa und Carex sylva tica * als Zei­ ger a lte r W a ld sta n d o rte in G ro ß b rita n ­ nien. U.a. fü r d ie m it e in e m * g e k e n n ­ zeichneten A rte n be legen W u lf und Keim (im D ruck) in ih re r in diesem H e ft v e rö ffe n tlic h te n A rb e it aus dem ElbeW eser-Dreieck deren B in d u n g an h is to ­ risch a lte W ä ld e r (s.a. H e rm y und Stiep e raere 1981, K u b iko va 1987, D z w o n k o und Loster 1988, P e te rke n 1993). Treten A rte n m it P räferenz fü r a lte W a ld s ta n d o rte in S e ku n d ä rw ä ld e rn auf, sind sie in diesen o f t n u r in kle in e n P o p u la tio n e n und p u n k tu e ll v e rb re ite t. So be d e ckt z. B. das B usch-W indröschen (A n e m o n e nem orosa) in dem 158 ha g roß en S e ku n d ä rw a ld bei W endhausen auch a u f frischen bis fe u c h te n S ta n d o r­ te n n u r w e n ig e Q u a d ra tm e te r, w ä h ­ rend die A rt in ve rg le ic h b a re n W ä ld e rn a lte r W a ld s ta n d o rte im F rü h ja h r g ro ß ­ flä c h ig a sp e k tb ild e n d ist. In dem k le i­ nen S e k u n d ä rw a ld g e b ie t östlich d e r Asse t r it t A n e m o n e nem orosa in k le i­ nen S pro ß g ru p p e n k re is fö rm ig um g e ­ p fla n z te Laubbäum e a u f, was a u f eine Einschleppung m it P fla n z g u t h in d e u ­ te t. V e re in z e lt w u rd e d ie A rt auch im Bereich vo n a b g e la g e rte n G a rte n a b fä l­ len im W a ld ra n d b e re ic h v o rg e fu n d e n . Von den a u f S e ku n d ä rw ä ld e r be­ schränkten A rte n w e is t ke in e eine h ohe Frequenz au f. Das A u ftre te n in n u r e i­ nem o d e r zw ei W ä ld e rn (S te tig k e it 9 bzw. 18% ) kann a u f Z u fä llig k e ite n be­ ruhen und ist n ic h t sehr au ssa g e krä ftig . Der S albei-G am ander (Teucrium scoro d o n ia ), d e r im G e b ie t n u r in zw ei Se­ k u n d ä rw ä ld e rn n o tie rt w u rd e , w ird je ­ doch auch vo n P eterken und Game (1984) als typische A rt von S ekundär­ w ä ld e rn g e n a n n t. A u ffä llig ist das h ä u ­ fig e A u ftre te n von n itro p h ile n S aum ar­ te n und V e rlic h tu n g s z e ig e rn in den Se­ k u n d ä rw ä ld e rn des n ö rd lic h e n H arz­ vorlandes Niedersachsens. Diese e rre i­ chen h ie r n ic h t n u r h o h e S te tig k e ite n , sondern sind o f t auch in d e r K ra u t­ sch ic h ta s p e k tb ild e n d . H ä u fig sind auch die Farne D ry o p te ris carthusiana, D. d ila ta ta und D. fllix-m a s v e rtre te n (P eter­ ken 1993). Die fo lg e n d e V e g e ta tio n s ­ a u fn a h m e aus ein e m lich te n Eschenbe­ stand im W a ld südlich D o rsta d t, de r flo ristisch un d s tru k tu re ll den T ra u b e n kirschen-Eschenwäldern n a h e ste h t (vgl. Dierschke, D ö rin g und H üners 1987, Z a­ charias 1993a), g ib t e in e n typischen Se­ k u n d ä rw a ld b e s ta n d des O kertales w ie ­ der (s.a. A b b . 5 und 6). 81

Zacharias • Bindung von Gefäßpflanzen an Wälder alter Waldstandorte im nördlichen Harzvorland Niedersachsens Tab. 3. S te tig k e it des A uftretens d er 195 habitatspezifischen Sippen in W äldern a lte r W aldstandorte bzw. in Sekundärw äldern

Stetigkeitdes Auftretens der Sippen (%) Sippen

W ä lde ra lte r W aldstand­ orte

82

Sippen sekundäre W älder Verbascum thapsus Veronica teucrium Vinca m in or

N u r in W ä ld e rn a lte r W a ld s ta n d o rte :

Campanula trachelium Pulm onaria obscura Galium odora tu m Lonicera xylosteum Primula ela tio r Ranunculus lanuginosus Hieracium m urorum Lilium m artagón Corydaliscava E pilobium m ontanum Hieracium sabaudum Luzula pilosa M élica nutans M ercu rial is perennis Paris qu ad ri folia Astragalus glycyphyllos Crepis paludosa Hepática nobilis Phyteuma spicatum Sanícula europaea Clematis vitalba Gagea spathacea Galium verum Geranium palustre La th y rus vernus Listera ovata Luzula luzuloides M yosotis sylvatica Ranunculus tuberosus Rosa corym bifera Tri fo liu m m edium A lliu m ursinum Chrysosplenium a lte rn ifo liu m Dactylorhiza maculata agg. D igitalis purpurea Geum rivale Malussylvestris M elam pyrum nemorosum P ote ntilla sterilis Sorbus torm inalis Vicia sylvatica A co n itu m vulparia A g rim o n ia procera A q u ilegia vulgaris Asarum europaeum Bromus benekenii Campanula persicifolia Carexbrizoides Chrysosplenium op po sitifolium Corydalis interm edia Daphne mezereum D ianthus armería Dipsa cus pilosus Epipactis helleborine agg. Equisetum sylvaticum Equisetum telm ateia G ym nocarpium dryopteris Hieracium lachenalii Hieracium um bellatum Lathraea squamaria Lathyrus sylvestris M edicago x varia Orchis mascula Phyteuma nigrum Rosa m icrantha Senecio sylvaticus Sol ida go virgaurea

Stetigkeitdes A uftretens der Sippen (%)

100 91 82

73 73 73 55 55 45 45 45 45 45 45 45 36 36 36 36 36 27 27 27 27 27 27 27 27 27 27 27 18 18 18 18 18 18 18 18 18 18 9 9 9 9 9 9 9 9 9 9 9 9 9 9 9 9 9 9 9 9 9 9 9 9 9 9

W älderalter W aldstand­ orte

sekundäre W älder

9 9 9

In W ä ld e rn a lte r W a ld s ta n d o rte m indestens d o p p e lt so h ä u fig w ie in S e ku n d ä rw ä ld e rn :

Arum m aculatum Corylus avellana Crataegus laevigata agg. Festuca gigantea Viola reichenbachiana Carpinusbetulus Fagus sylvatica Rumex sanguineus stellaria holostea Anem one nemorosa Euonymus europaeus Geranium rob ertia num Poa nemoralis Rubus idaeus Stachys sylvatica Carex sylvatica Hederá helix Vicia sepium Lonicera periclym enum Polygonatum m u ltiflo ru m Ranunculus auricomus agg. Brachypodium sylva ticum Sorbus aucuparia Prumus avium Mélica uniflora Viburnum opulus Acer campestre A rctium nemorosum Cornus sanguínea Convallaria majalis Adoxa moschatellina M ilium effusum Hypericum p e rfo ra tu m Lapsana communis Crataegus m onogyna agg. Anem one ranunculoides Galium sylvaticum Lamium galeobdolon agg. Quercuspetraea Viola riviniana Epilobium an gu stifo liu m Circaea lutetiana Rosa canina Gagea lutea Ulmusglabra Oxalisacetosella M aianthem um b ifo liu m Salixcaprea Fragaria vesca Carex rem ota Mycelismuralis Senecio ovatus Hypericum hirsutum Rhamnus catharticus Carex p ilu life ra Agrim onia eu pa to ri a Clinopodium vulgare Elymuscaninus Leucojum vernum Viola hirta Aethusa cynapiumssp. cynapiodes Primula veris

100 100 100 100 100 100 100 100 100 100 100 100 100 100 100 91 91 91 91 91 91 91 91 91 82 82 82 82 82 82 82 82 82 82 82 73 73 73 73 73 73 73 73 64 64 64 64 64 55 55 55 55 45 45 45 36 36 36 36 27 18 18

9 9 18 18 18 27 27 27 27 36 45 45 45 45 45 9 18 18 27 27 27 27 36 45 9 9 9 9 9 27 27 27 45 45 45 9 9 18 27 27 27 27 36 9 9 18 27 27 9 18 27 27 9 9 18

9 9 9 9 9 9 9

Zacharias • Bindung von Gefäßpflanzen an Wälder alter Waldstandorte im nördlichen Harzvorland Niedersachsens Tab. 3. Fortsetzung

Stetigkeitdes Auftretens der Sippen (%) Sippen

W älderalter W aldstand­ orte

Stetigkeitdes A u ftre ten s der Sippen (%) Sippen

W ä lde ra lte r W aldstand­ orte

sekundäre Wälder

sekundäre W älder

In W ä ld e rn a lte r W a ld s ta n d o rte h ä u fig e r, aber w e n ig e r als d o p p e lt so h ä u fig w ie in S e ku n d ä rw ä ld e rn :

In W ä ld e rn a lte r W a ld s ta n d o rte ebenso h ä u fig w ie in S e ku n d ä rw ä ld e rn :

Rubus fruticosus agg. A egopodium podagraria Geum urbanum Ranunculus ficaria Scrophularia nodosa Dactylisglom erata agg. Fraxinus excelsior Quercus ro b u r Sambucus nigra Betula pendula Ribes uva-crispa Acer pseudoplatanus Chaerophyllum tem ulum Verónica chamaedrys A thyriu m filix-fem ina Cirsium vulgare Prunus spinosa Calamagrostis epigeios Rubus caesius Sambucus racemosa Acer platanoides Populus trém ula Viola odorata Deschampsia flexuosa Holcus m ol lis Ribes rubrum agg. Frángula alnus Ligustrum vulgare Stellaria nem orum

Glechoma hederacea M oehringia trinervia A llia ria pe tio la ta Dryopteris carthusiana Tori lisjapónica Dryopteris dilatata Cruciata laevipes Hieracium laevigatum Hordelymus europaeus A tro p a belladonna Rosa rubiginosa Galeopsisspeciosa Campanula rapunculoides

100 100 100 100 100 100 100 100 100

91 91 91 82 82 73 73 73 73 64 64 64 55 55 45 45 45 45 27 27

64 73 73 73 73 82 82 82 91 55 55 82 64 64 45 45 55 64 36 36 55 45 36 27 27 27 36 18 18

91 91 82 64 64 55 45 18 9 9 9 9 9

91 91 82 64 64 55 55 18 9 9 9 9 9

In S e ku n d ä rw ä ld e rn h ä u fig e r als in W ä ld e rn a lte r W a ld s ta n d o rte :

Lamium maculatum Tilia cordata Impa tiens pa rvi flora Alnus glutinosa Prunus padus Im patiens noli-tangere Dryopteris filix-mas Silene dioica Stellaria aquatica Humulus lupulus Carex muricata agg. Tilia platyphyllos

64 45 36 36 36 27 27 27 27 27 18 9

73 55 45 64 64 36 45 45 73 82 36 27

N u r in S e ku n d ä rw ä ld e rn :

Teucrium scorodonia Trientalis europaea M elam pyrum pratense P teridium aquilinum Ulmus laevis Stellaria neglecta Cardamine flexuosa Ribes nigrum

V e g e ta tio n s a u fn a h m e (D e cku n g sw e rte nach Braun-Blanquet 1964): Eschenbestand im O ke rta l in dem S e ku n d ä rw a ld südlich D orstadt. 13.05.1993. 500 qm Fläche. A rte n z a h l 29. Höhe Baum schicht 1: 18-25 m, Baum schicht 2: 10 m, Strauchschicht: 1 -5 m. D eckung Baum schicht 1: 3 0 % , B aum schicht 2: 2 % , Strauchschicht: 4 0 % . K ra u tschicht: 6 0 % , M oosschicht: 5 % Baum schicht 1: Fraxinus excelsior 3. Baum schicht 2: Fraxinus excelsior +. Strauchschicht: Prunus p a d us 3, Sambucus nigra 2, Fraxinus excelsior + K ra u t- und M oosschicht: G ehölze in d e r K ra u tsch ich t: Fraxinus excelsior 2, Prunus padus 1, Sambucus nigra 1, Hu-

mulus lupulus + b e z e ich ne n d e A r t d e r S e k u n d ä rw ä ld e r im O ke rta l: Cardaminopsis ha lle ri 2 A rte n n itro p h ile r Säume: Silene dioica 2, Glechoma hederacea 2, Galium ap a ri ne 2, M oehringia trinervia 2, A llia ria p e tio la ta 2, Chaerophyllum tem ulum 2, Veronica hederifolia agg. 2, Urtica dioica 2, Carduus crispus 1, Aegopodium podagraria 1, Lamium maculatum 1, G aleopsistetrahit + k ra u tig e W a ld a rte n : Ranunculus f icaria 3, Impatiens nolitangere 1, A nem one nemorosa +, Scrophularia nodosa + Sonstige: Campanula rapunculoides 2, Veronica chamaedrys 2, Poa trivialis 2, Ranunculus repens 1, Filipéndula u l m aria + M oose: Brachythecium ru ta b u lu m 1, Plagiomnium undulatum +, Eurhynchium sw a rtzii +

18 18 9 9 9 9 9 9

U nter den vier krautigen W ald­ arten, die in dem aufgenom m enen Be­ stand Vorkommen, zeigt lediglich /Ane­ mone nem orosa einen deutlichen Schwerpunkt in W äldern a lter W ald­ standorte (s. Tab. 3). Die A rt t r it t in dem Sekundärwald südlich D orstadt nur ver­ einzelt auf. Im p a tie n s n o li-ta n g e re , Ranun cu lu s fica ria und S crophularia n o ­ dosa sind w eniger stark an W älder ge­ bunden. Die beiden letztgenannten Arten haben in diesen zw ar ihren Schwerpunkt, besiedeln jedoch auch unbeschattete Standorte. Bemerkens­ w e rt ist das Vorkom men von P la g io m ­ n iu m u n d u la tu m . Das Moos hat im nördlichen Harzvorland einen d e u tli­ chen Schwerpunkt in Auenw aldgesell83

Zacharias • Bindung von Gefäßpflanzen an Wälder alter Waldstandorte im nördlichen Harzvorland Niedersachsens schäften des A ln o -U lm io n (vgl. Zachar/as 1993 a). U n te r den za h lre ich e n a s p e k tb il­ dend e n S aum arten sind fü r S tandorte im Bereich de r A ue n Silene dioica, Lam iu m m a cu la tu m u nd Carduuscrispus besonders charakteristisch. Typisch fü r die S e ku n d ä rw ä ld e r im Bereich de r O keraue ist das A u ftre te n von Hallers Schaumkresse (C ardam inopsis h a lle n ). Die A r t h a t ihren S ch w e rp un kt in Schw erm etallrasen und im G rü n la n d des Harzes, w a n d e rt e n tla n g d e r O ker je d o ch bis n ö rd lich des S tadtgebietes von Braunschweig (A b b .6 , Garve 1994). U n te r den k ra u tig e n W a ld a rte n , die in d er R oten Liste d e r G efä ß p fla n ze n von Niedersachsen ve rze ich n e t sind (Garve 1993), w u rd e le d ig lic h d e r M ä r­ zenbecher (Leucojum v e rn u m ) in einem d e r e lf S e k u n d ä rw ä ld e r g e fu n d e n . In den e lf W ä ld e rn a lte r W a ld s ta n d o rte k o n n te n bei g le ic h e r Flächengröße zah lreiche W uch so rte von insgesam t zehn g e fä h rd e te n G e fä ß p fla n z e n a rte n b e s tä tig t w e rd e n .

4 . D isk u ssio n

Abb. 5. Ä lte re r Eschenbestand in einem

Abb. 6. Zwischen d er nitrophilen Roten

S ek u n d ärw a ld südlich Dorstadt im O kertal,

Lichtnelke (Silene dioica) sind die kleinen

d er

den

Traubenkirschen-Eschenwäldern

anzuschließen

ist.

Neben

der

Blüten von Hallers Schaumkresse (Cardami-

üppigen

nopsis h alle n ) zu erkennen. Die A r t h a t ihren

Strauchschicht ist eine Krautschicht aus

S chw erpunkt in Schwerm etallrasen u n d im

nitrop h llen Saumarten aspektbildend.

G rünland des Harzes, tritt ab er auch h äu fig in den S ekundärw äldern des O kertales auf.

Die 44 W ä ld e r a lte r W a ld s ta n d o rte zeichnen sich durch ein sehr reiches flo ristisches In v e n ta r h a b ita tsp e zifisch e r A rte n aus. Der V ergleich m it L ite ra tu r­ angaben ü b e r frü h e re W u ch so rte und das auch von andere n A u to re n b e le gte nahezu v o lls tä n d ig e Fehlen der k ra u ti­ gen W a ld a rte n in S e ku n d ä rw ä ld e rn las­ sen den Schluß zu, daß d e r rezente Be­ stand an W a ld a rte n z u m in d e st zu e r­ heblichen A n te ile n in den historisch a l­ te n W ä ld e rn d e r R egion vo rh a n d e n war, als der Mensch begann, diese durch R odungen zu isolieren (vgl. Pete rk e n 1974, P eterken und Game 1984, D z w o n k o und Loster 1988, W u lf 1992, 1993). Ein Indiz h ie rfü r ist auch, daß die Ä h n lic h k e it d e r Flora z w e ie r a lte r W a ld ­ g e b ie te p rim ä r von d eren Größe und s ta n d ö rtlic h e r V ie lfa lt un d n ic h t von ih re r E n tfe rn u n g z u e in a n d e r a b h ä n g t (Zacharias 1993 a). Den z.T. m e h r als 100 Jahre a lte n Se­ k u n d ä rw ä ld e rn fe h le n nahezu v o lls tä n ­ d ig die k ra u tig e n W a ld a rte n d e r Q uerco-Fagetea, o b w o h l sie a u f Teilflächen S tru ktu r- und a rte n re ic h e Bestände sta n d o rth e im isch e r B a u m a rte n und p o ­ te n tie ll g e e ig n e te S ta n d o rtb e d in g u n ­ gen aufw eisen. G e fä h rd e te W a ld a rte n 84

fin d e n sich fast ausschließlich in den W ä ld e rn a lte r W a ld sta n d o rte (s.a. M alyshev 1980, Spencer und K irb y 1992). Die re g io n a l seltensten u n te r ihnen ze i­ gen e in e B indung an die grö ß te n a lte n W a ld g e b ie te . Dies w ird u n te r anderem durch de re n große edaphische V ie lfa lt und das V orhandensein von extrem en S ta n d o rte n (steile Südwesthänge, Q u e lltö p fe etc.) b e d in g t. M it zu n e h ­ m e n d e r Flächengröße sinkt aber auch die W a h rscheinlichkeit, daß durch ein e in m a lig e s Ereignis w ie z. B. k u rz z e itig e intensive B ew eidung die gesamte Po­ p u la tio n e in e r A rt ausgelöscht oder d e r e in zig e p o te n tie lle S tandort z e rs tö rt w ird (vgl. B ru n e t 1992). Für d ie W iederbesiedlung von Se­ k u n d ä rw ä ld e rn m it dem g e b ie ts ty p i­ schen In v e n ta r an G efäßpflanzen w u r­ den sehr g roß e Z eiträum e e rm itte lt. So n im m t Peterken (1977) an, daß es m e h r als 800 Jahre bis zur W ie d e rh e rste llu n g d a u e rt. Rackham (1980) b e le g t fü r 3 5 0 -6 0 0 jä h rig e W ä ld e r einen g e rin g e ­ ren R eichtum an W a ld a rte n als in noch ä lte re n W a ld g e b ie te n . Falinski (1986) g ib t fü r ein e n Linden-H ainbuchenw ald m e h r als 350 Jahre an, bis sich in diesem

eine a rte n re ich e W a ld v e g e ta tio n w ie ­ d e re in g e s te llt hat. Ob d ie in den g e n a n n te n Beispielen b e le g te W ie d e rb e sie d lu n g von Sekun­ d ä rw ä ld e rn auch in d e r h e u tig e n Land­ schaft u n te r ve rä n d e rte n R ahm enbe­ d in g u n g e n m öglich ist, m uß zunächst o ffe n b le ib e n . Eine Zunahm e des lo k a ­ len A ussterbens von P o p u la tio n e n ins­ besondere re g io n a l seltener A rte n in den le tz te n Jahrzehnten ist belegt, w ä h re n d über eine A u s b re itu n g dieser Sippen keine gesicherten Erkenntnisse v o rlie g e n (Zacharias 1993a). Ein Bei­ spiel s te llt das g e fä h rd e te W u n d e r-V e il­ chen (Viola m ira b ilis) dar. Der V ergleich d e r fü r Niedersachsen aus dem Z e it­ raum 1982-1992 b e s tä tig te n V o rk o m ­ m en d e r A rt m it den A n g a b e n bis 1981 v e rd e u tlic h t ih re n starken Rückgang (Garve 1994). Die rezenten W uchsorte des W under-V eilchens sind im n ö rd li­ chen H a rzvo rla n d a u f a lte W a ld sta n d ­ o rte beschränkt. Einen G rundstock an h a b ita ts p e z ifi­ schen Sippen b ild e n in den S ekundär­ w ä ld e rn n itro p h ile Saum arten, die o f ­ fe n b a r ü b e r e ffe k tiv e re A u sb re itu n g s­ m echanism en und bessere E tablie-

Zacharias ■Bindung von Gefäßpflanzen an Wälder alter Waldstandorte im nördlichen Harzvorland Niedersachsens ru n g sm ö g lich ke ite n v e rfü g e n (Peterken und Game 1984). Die a s p e k tb ild e n ­ den Saum arten in den S e ku n d ä rw ä l­ dern des O kertales zw ischen Schladen und Braunschw eig entsprechen de n ­ je n ig e n , die O p p e rm a n n und Brandes (1993) als h o c h fre q u e n te A rte n des O kerufers in diesem A b s c h n itt e rm itte lt haben. Die A u to re n geben fü r die u n ­ te rsu ch te n U fe rb e re ich e der O ker im gesam ten F luß ve rla u f zahlreiche W a ld ­ a rte n an und e rw ä h n e n , daß A u e n ­ w a ld a rte n als K e im lin g e und Jung­ p fla nzen durchaus a u f S chotterinseln a u ftre te n , die durch d ie D ynam ik des Abb. 7. Unw iederbringliche Zerstörung eines a lte n W aldstandortes im Füm m elser H o lz durch den Bau der A u to b a h n A 3 9 5 b ei W olfenbüttel. Flusses entsta n d e n sind (s.a. Dierschke 1984, Schwabe 1991). Die B eobach tu n g e n in S ekundär­ nehm en und u n te rs tre ic h t deren be­ chengröß e a u f die flo ristisch e n U n te r­ schiede auszuschließen. E inige W a ld ­ w ä ld e rn d e r Region lassen v e rm u te n , sondere B edeutung fü r den A rte n - und a rte n , die im n ö rd lic h e n H a rzvo rla n d Biotopschutz. daß d ire k te a n th ro p o g e n e Einflüsse fü r Niedersachsens a u f die g rö ß e re n W ä l­ die A u sb re itu n g von W a ld a rte n über A u fg ru n d d e r ö rtlic h e n G egeben­ h e ite n ko n n te im n ö rd lic h e n H arzvor­ d e r beschränkt sind, k ö n n e n e b e n fa lls grö ß ere E n tfe rn u n g e n in d e r h e u tig e n als In d ik a to ra rte n a lte r W a ld s ta n d o rte land Niedersachsens n u r eine g e rin g e Landschaft eine e n tscheidende Rolle spielen. Zu nennen w ä re n d ie V e rb re i­ A nzahl von e lf S e ku n d ä rw ä ld e rn m it g e w e rte t w e rd e n . Für fo lg e n d e A rte n tu n g von Diasporen (auch g rö ß e re r Po­ W ä ldern a lte r W a ld s ta n d o rte v e rg li­ aus dieser G ruppe k o n n te z. B. auch Kub iko va (1987) eine e n tsprechende Z ei­ p u la tio n e n ä lte re r In d iv id u e n ) im W u r­ chen w erden, da le tz te re in d e r Region g e rfu n k tio n b e stätigen: Festuca h e te zelb allen von G e h ö lzp fla n ze n , m it Erd­ vorherrschen. T ro tz d e r g e rin g e n A n ­ reich o d e r in G a rte n a b fä lle n , ein u n b e ­ zahl an V ergleichsflächen ergeben sich ro p h ylla , M e littis m e lisso phyllum , V iola a b s ic h tig te r T ransport durch F orstfahr­ d e u tliche U nterschiede im F lo re n p o ­ m irabilis, A ctaea spicata und N e o ttia nidus-avis. zeuge, aber auch das g e z ie lte E in b rin ­ te n tia l, die den Ergebnissen a n d e re r A u to re n w e itg e h e n d entsprechen. Un­ gen von Pflanzen (H o fm e is te r 1974). 5. S ch lu ß fo lg e ru n g e n fü r den Zur Z e it de r N a tu rla n d s c h a ft gab es te r der großen G ruppe von re g io n a le n In d ik a to ra rte n fü r a lte W a ld s ta n d o rte N atu rsch u tz in N ied e rsa ch se n andere M echanism en d e r F ernverbrei­ tu n g , die zusätzlich zu den m o rp h o lo g i­ (Tab. 3) sind za h lre ich e A rte n , fü r die W ä ld e r a lte r W a ld s ta n d o rte g e h ö re n in schen E in rich tu n g e n d e r Diasporen als ein entsprechendes V e rh a lte n bereits d e r h e u tig e n niedersächsischen K u ltu r­ fü r andere N a tu rrä u m e in Europa be­ A u s b re itu n g s h ilfe (M ü lle r-S ch n e id e r la n d scha ft in bezug a u f den S ta n d o rt 1986) w irksam gew esen sein müssen. le g t ist (vgl. H e rm y und S tieperaere 1981, Peterken und Game 1984, K u b iAuch in n e rh a lb g ro ß e r geschlossener und die Biozönose m it zu den n a tu r­ nächsten Landschaftselem enten. Sie kova 1987, D z w o n ko und Loster 1988, W a ld g e b ie te k o n n te n sich A rte n m it 1989, H erm y 1989, W u l f ^ I , 1993, Pe- w eisen ein hohes P o te n tia l e in e r spezia­ e n g e r s ta n d ö rtlic h e r B in d u n g w ie z.B. lisie rte n Flora auf, die sich in J a h rh u n ­ te rke n 1993, W u lf u nd K eim im Druck). die A u e n w a ld a rte n des A ln o -U lm io n Das A u ftre te n e in e r ein ze ln e n In d i­ d e rte n in ih re r typischen A rte n z u s a m ­ o d e r d ie je n ig e n d e r T rockenhang-B um ensetzung e n tw ic k e lt hat, und sind k a to ra rt sollte als Indiz fü r das V o rh a n ­ ch e n w ä ld e r des C arici-Fagetum n ich t R e fu g ialrä u m e fü r w e n ig g e s tö rte Bö­ n u r in kle in e n S chritten a usbreiten, son­ densein eines a lte n W a ld sta n d o rte s den, Wasser- und N ä h rs to ffk re is lä u fe dern müssen in einem S ch ritt größ ere n ich t ü b e rb e w e rte t w e rd e n . Treten je ­ unserer terrestrischen Landschaft, die doch zahlreiche Z e ig e ra rte n in g rö ß e ­ D istanzen bis zum nächsten g e e ign e te n durch eine hohe K o n tin u itä t d e r S tand­ ren P opulationen in einem W a ld g e b ie t W u ch so rt z u rü c k g e le g t haben. auf, kann man m it g ro ß e r S icherheit d a ­ o rte n tw ic k lu n g g e k e n n z e ic h n e t sind. In W ä ld e rn d e r K u ltu rla n d s c h a ft, Dies g ilt in besonderem M aße fü r die ein R elikt e in e r ehem als g ro ß flä ­ von ausgehen, daß es sich bei diesem um einen alten W a ld s ta n d o rt h a n d e lt. n a tu rn a h e L a u b w a ld b estände a u f a l­ chig v o rh a n d e n e n Lebensgem einschaft te n W a ld s ta n d o rte n , w ie z.B. die des darstellen, ist zu m in d e s t fü r h a b ita ts p e ­ Die beste In d ik a to rfu n k tio n haben n ö rd lic h e n H arzvorlandes. Den g rö ß e ­ zifische A rte n eine h ö h e re A ussterbe­ k ra u tig e W a ld a rte n d e r Q uerco-Fageren historisch a lte n W a ld g e b ie te n ra te anzunehm e n , als durch Z u w a n d e ­ tea. Die allerm eisten Z e ig e ra rte n fe h ­ k o m m t zusätzlich eine h o h e B e d e u tu n g len allerdings a u fg ru n d ih re r S ta n d o rt­ ru n g entsprech e n d e r Sippen k o m p e n ­ fü r den speziellen P fla n ze n a rte n sch u tz ansprüche a u fs e h r basenarm en, sauren sie rt w ird . Im gü n stig ste n Fall kann das zu, da die re g io n a l am stä rksten g e fä h r­ flo ristisch e In ve n ta r eines W a ld g e b ie ­ S tandorten. d e te n W a ld a rte n a u f diese beschränkt Die großen W a ld g e b ie te a lte r W a ld ­ tes ü ber lange Z e iträ u m e , ve rm u tlic h sind. Ein großes ha b ita tspezifisches A r ­ m e hrere Ja h rh u n d e rte o d e r Ja h rta u ­ sta n d o rte k o n n te n in den V ergleich m it sende, e rh a lte n b le ib e n . Letzteres ist den S ekundärw äldern n ich t e in b e z o ­ te n p o te n tia l ist je doch auch in k le in e ­ ren W ä ld e rn v o rh a n d e n , d ie h ä u fig d ie v o r allem fü r gro ß e W a ld g e b ie te a nzu­ gen w erden, um einen E influß d e r Flä­ 85

Zacharias Bindung von Gefäßpflanzen an Wälder alter Waldstandorte im nördlichen Harzvorland Niedersachsens le tz te n Reste n a tu rn a h e r V e g e ta tio n in e in e r inte nsiv g e n u tz te n A g ra rla n d ­ schaft darstellen. Im n ö rd lic h e n Harz­ v o rla n d Niedersachsens w u rd e n neben Bereichen in n e rh a lb d e r gro ß e n W ä ld e r auch zahlreiche der k le in e re n W ä ld e r a lte r W a ld sta n d o rte als V o rra n g flä c h e n fü r den N aturschutz e in g e s tu ft (K arten d e r fü r den N aturschutz w e rtv o lle n Be­ reiche in Niedersachsen, vgl. D rachen­ fels und M e y 1991). W ä ld e r a lte r W a ld s ta n d o rte sind n ic h t n ur vo r d ire k te m Flächenverlust zu b ew ahren, sondern auch in ih re r Q u a litä t zu e rh a lte n bzw. zu fö rd e rn (vgl. Zacharias 1993b). A lte W a ld s ta n d ­ o rte m it ih re r in d iv id u e lle n A usprä­ g u n g und spezifischen L e b e w e lt k ö n ­ nen in d er h e u tig e n K u ltu rla n d s c h a ft n ic h t „n e u e rz e u g t" w e rd e n . Durch A u ffo rs tu n g e n a u f e in e r ben a ch b a rte n A cke rflä ch e ist de r F lächenverlust an W a ld im w e ite re n Sinne ersetzbar. Die entsprechende Biozönose w ird sich je ­ doch erst nach Ja h rh u n d e rte n bzw. ü b e rh a u p t n ich t w ie d e r e in ste lle n (z. B. K aule 1991, Ri ecken 1992, Peterken 1993). A lle E rfahru n g e n m it Versuchen, a lte a rtenre iche B io to p e kü n stlich neu zu b e g rü nden, belegen, daß dies auch bei groß em A u fw a n d n u r sehr e in g e ­ schrä nkt m öglich ist und eine nach h a l­ tig e E ta blie rung a rte n re ic h e r B io zö n o ­ sen kaum g e lin g t (vgl. Gödde, Diesing un d W ittig 1985). Z erstö ru ngen o d e r e rh e b lich e Be­ e in trä c h tig u n g e n von W ä ld e rn a lte r W a ld s ta n d o rte sind im Sinne d e r Ein­ g riffs re g e lu n g grun d sä tzlich n ic h t aus­ g le ich b a r (A bb. 7, vgl. B re u e r 1991), und auch ein Ersatz d e r b e e in trä c h tig ­ te n W erte und F u n ktio n e n e n tsp re ­ chen der B ioto pe ist n u r b e d in g t m ö g ­ lich und erst nach sehr langen Z e iträ u ­ m en (m ehrere Ja h rh u n d e rte ) zu e r­ w a rte n , vorausgesetzt, es g e lin g t, eine ve rg le ich b a re sta n d ö rtlic h e V ie lfa lt als A usg ang sb e d in g u n g zu schaffen. Der W e rt a lte r W a ld s ta n d o rte ist bei fläche n b e zo g e n e n Planungen der F o rstw irtsch a ft und des N aturschutzes angemessen zu berücksichtigen. Sie ha­ ben u n a b h ä n g ig von ihrem a k tu e lle n Zustand eine B ede u tu n g fü r den Na­ tursch u tz. Dies g ilt insbesondere fü r a lte W a ld sta n d o rte , die von n a tu rn a ­ hen W aldgesellschaften be sie de lt w e r­ den und die das n a tu rra u m - und sta n d ­ ortspe zifische A rte n p o te n tia l a u fw e i­ sen. In N a tu rrä u m e n m it sehr g e rin g e m 86

Flächenanteil entsprechender B iotope, w ie z.B. in den Börden und im n ie d e r­ sächsischen Tiefland, sind diese v o ll­ ständig als V o rrangflächen fü r den Na­ tu rs c h u tz e inzustufen. Hieraus ist u m ­ g e k e h rt n ic h t a b zuleiten, daß Sekun­ d ä rw ä ld e r grundsätzlich keinen W e rt fü r den N aturschutz haben. Je nach A l­ ter, S tru ktu r, A rte n p o te n tia l und der re­ g io n a le n S ituation kann ihnen eine Be­ d e u tu n g zukom m en. Eine G rundvoraussetzung fü r die Er­ h a ltu n g a lte r W a ld sta n d o rte ist deren ka rto g ra p h isch e Erfassung, die u n a b ­ h ä n g ig vo n Einzelplanungen in e iner Ü bersicht fü r Niedersachsen e rs te llt w e rd e n sollte. K o n ze p te zur Sicherung, zum Schutz u nd zur B e w irtsch a ftu n g m it dem Ziel d e r E rhaltung von S tandort, Biozönose und deren n a tü rlic h e r D yna­ m ik sind zu e n tw icke ln . H ierbei sollten die w ic h tig s te n W a ld g e b ie te a lte r W a ld s ta n d o rte in ein Schutzgebietssy­ stem von N aturw aldreservaten und W a ld n a tu rs c h u tz g e b ie te n einbezogen w e rd e n . Ist eine B e w irtsch a ftu n g v o r­ gesehen, sollte diese den E rhalt o d e r die E n tw icklu n g n a tu rn a h e r Bestände u n te r B evorzugung sta n d o rth e im isch e r B aum arten zum Ziel haben; in E inzelfäl­ len sind daneben bestim m te historische W a ld n u tz u n g s fo rm e n a u fg ru n d ih re r besonderen B edeutung fü r den A rte n und B iotopschutz zu erh a lte n . Dies g ilt insbesondere fü r N aturräum e m it ge ­ rin g e n Flächenanteilen a lte r W a ld ­ s ta n d o rte . S ta n d o rtve rä n d e ru n g e n im Sinne e in e r N ive llie ru n g der n a tü rlich e n s ta n d ö rtlic h e n V ie lfa lt, w ie z.B. durch E ntw ässerung oder B o d e n bearbeitung, müssen u n te rb le ib e n . N aturschutzbezogene Forschung ü b e r W ä ld e r a lte r W a ld sta n d o rte , Se­ k u n d ä rw ä ld e r und die D ynam ik der sie besiedelnden Lebew elt ist zu fö rd e rn . Sie s te llt eine G rundlage fü r K onzepte und M aßnahm en des W a ld n a tu rs c h u t­ zes da r (Peterken 1993, Rackham 1993).

6. Z u sam m en fassu n g Im n ö rd lic h e n H arzvorland Niedersach­ sens w u rd e die habitatspezifische Ge­ fä ß p fla n z e n flo ra (278 Sippen) in 44 W ä ld e rn a lte r W a ld sta n d o rte und 11 S e kundärw äldern e rfa ß t. Große W a ld ­ g e b ie te a lte r W a ld sta n d o rte zeichnen sich durch ein hohes P otential an W a ld ­

a rte n aus. In ih nen lie g t das Gros der W u ch so rte h o ch g ra d ig g e fä h rd e te r A rte n . In S e ku n d ä rw ä ld e rn tre te n ge­ fä h rd e te A rte n n u r ve re in ze lt auf. Sie haben bei g le ich e r Flächengröße ein s ig n ifik a n t geringeres P o te ntial an ha­ b ita tsp e zifisch e n W a ld a rte n . K rautige W a ld a rte n d e r Querco-Fagetea fe h le n auch in e tw a 10 0 jä hrig e n S ekundärw äl­ dern nahezu v o lls tä n d ig . Der flo ris ti­ sche Vergleich e rg ib t eine große A nzahl re g io n a le r In d ik a to ra rte n fü r alte W a ld s ta n d o rte . In S ekundärw äldern sind vo r allem n itro p h ile Saum arten a sp e ktb ild e n d . Die K o n tin u itä t von S ta n d o rt und Biozönose b e d in g t den W e rt von W ä ld e rn a lte r W a ld sta n d o rte fü r den A rte n - und B iotopschutz. Aus den Ergebnissen w e rd e n S chluß folge­ ru n g e n fü r den N aturschutz a b g e le ite t.

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Z u r V e rä n d e ru n g und S c h u tzfä h ig k e it historisch a lte r W ä ld e r in S ch lesw ig -H o lstein v o n W e rn e r H ä rd tle

1. E in le itu n g Der B e d e u tu n g historisch a lte r W ä ld e r fü r den A rte n sch u tz haben sich - insbe­ sondere seit Beginn d e r 80er Jahre eine w achsende Zahl von U n te rsu ­ ch un gen g e w id m e t (vgl. u.a. P eterken 1981; P eterken und Game 1981, 1984; D z w o n k o und Loster 1988; D ü lg e 1988; H e rm y 1989; W u lf 1993). Als ü b e re in ­ stim m endes Ergebnis zeigen sie, daß die V o rko m m e n e in e r V ie lza h l ch a ra k­ te ris tisch e r W a ld a rte n ü b e rw ie g e n d und te ilw e is e sogar ausschließlich a u f historisch a lte W a ld s ta n d o rte b e g re n z t ble ib e n . Im Rahmen eines la n g fris tig e n Schutzes von W aldle b e n sg e m e in sch a f­ te n k o m m t historisch a lte n W ä ld e rn so­ m it eine S onderstellung zu. 88

Z ugleich erw eist sich ein w irksa m e r Schutz d e r fü r historisch a lte W ä ld e r charakteristischen Flora als p ro b le m a ­ tisch. Im Norddeutschen T iefland geben W ie d e rh o lu n g s k a rtie ru n g e n H inw eise d a ra u f, daß sich die V e g e ta tio n his­ to risch a lte r W älder d e u tlic h v e rä n d e rt h a t und einzelne, gerade fü r diese W a ld g e b ie te charakteristischen A rte n zu n e h m e n d seltener w u rd e n (vgl. Herrn. E llenberg 1986, 1989; H e rin g 1986; H ä rd tle 1990a; W u lf 1992). D em ­ gem äß fin d e t sich ein Teil der an his­ to risch a lte W älder g e b u ndenen Sippen zu g le ich a u f der Roten Liste g e fä h r­ d e te r G efäßpflanzen. Ziel v o rlie g e n d e r Studie ist, am Beis­ piel historisch a lte r W ä ld e r in Schles­ w ig -H o ls te in das Ausmaß entsprechen­

Floristical data analysis o f 44 iso­ la te d w o o d s in N o rth w e ste rn Ger­ m a n y .-V e g e ta tio 88: 21-29.

D an ksag u n g Das V o rhaben d e r U ntersuchung von W ä ld e rn a lte r W a ld s ta n d o rte in der K u ltu rla n d s c h a ft des n ö rd lich e n Harz­ vorlandes ist ein T e ilp ro je k t eines For­ schungsvorhabens, in dem u n te r der L e itu n g von Prof. Brandes (TU Braunschw eig) un te rsch ie d liche H abi­ ta tis o la te ve rg le ich e n d geobotanisch u n te rsu ch t w e rd e n . Für d ie B etreuung m e in e r A rb e it im Rahmen dieses V or­ habens danke ich H errn Prof. Brandes. Für H inw eise zum M a n u s k rip t danke ich H errn O la f von D rachenfels (H annover) sow ie H errn Eckhard Garve (H annover).

A n s c h rift des V e rfa sse rs Dr. D ie tm a r Zacharias Niedersächsisches Landesam t fü r Ö k o lo g ie A b te ilu n g N aturschutz Scharnhorststraße 1 30175 H annover

d e r V e rä n d e ru n g e n a u fzu ze ig e n und w e se n tlich e Ursachen dieser E ntw ick­ lu n g zu benennen. Z ugleich g ilt es, im H in b lick a u f g e g e n w ä rtig w irksam e Ge­ fä h rd u n g s fa k to re n M aß n a hm en zum Schutz sow ie d ie S c h u tz fä h ig k e it e n ­ tsp re ch e n d e r W a ld le b e n sg em einschaf­ te n zu d isku tie re n .

2. M eth oden Als historisch a lte W ä ld e r (ancient w o o d la n d s) w e rd e n solche Flächen be­ zeichnet, die ü b e r e inen gewissen M in ­ d e stze itra u m bis h in zu r G e g e n w a rt eine d u rch g e h e n d e Bestockung m it W a ld zeigen. In d e r Regel w ird der Nachweis hierzu m itte ls historisch a lte r K arten e rb ra ch t. Für das w estbaltische J u n g m o rän e n g e b ie t (D änem ark, Schles­ w ig -H o ls te in ) w u rd e n genaue T opogra­ phische Karten (im M aßstab von e tw a 1:25000 und 1:100000) e rstm a lig zu Be­ g in n des 19. Ja h rh u n d e rts e rs te llt (K arte des H erzogtum s Schleswig von Du Plat 1804/1805, K arte der „D änischen Gesellschaft der W issenschaften" um 1800). Da G e lä n d e a rb e ite n zu r A u f-

H ä rd tle • Zur V e rä n d e ru n g u n d S c h u tz fä h ig k e it h istorisch a lte r W ä ld e r in S ch le sw ig -H o lste in

Abb. 1. W aldverteilung im Landesteil Schleswig um 1650 (gezeichnet nach Karten d er Landesbeschreibung von D a n c kw erth 1652; schwarz: Ausdehnung d e r W aldflächen).

nähm e dieser K arten ü b e rw ie g e n d im le tz te n V iertel des 18. Jah rh u n d e rts s ta ttfa n d e n , läß t sich a n h a n d des ge ­ n a n n te n und in d e r F o lg e ze it e n ts ta n ­ denen K artenm a te ria ls (bspw. Karte d e r „Preußischen L a n d e saufnahm e" von 1878) eine W a ld b e sto cku n g e n t­ sprechender Flächen ü b e r e inen Z e it­ raum von 200 bis 225 Jahren belegen. V erg le ich bare Z e iträ u m e als „h isto risch a lt" zu w e rte n d e r W ä ld e r lie g e n auch U ntersuchungen von H e rm y u nd Stiep era e re (1981) und W u lf (1993) zu­ g ru n d e . A b b ild u n g 1 z e ig t am Beispiel des n ö rd lich e n Schlesw ig-Holstein, w elche B ew aldungsverhältnisse zum Ausgang des 18. Jahrhunderts bestanden (re k o n ­ s tru ie rt nach A n g a b e n d e r K arte der Dänischen Gesellschaft d e r W issen­ schaften). Für einzelne G ebiete S chlesw ig-H ol­ steins kann m it H ilfe d e r - to p o g ra ­ phisch a llerdings w e n ig e r genauen K a rte n von J. M e je r (in D a n ckw e rth

1652) ein W aldbestockungs-N achw eis über eine Dauer vo n e tw a 350 Jahren e rbracht w e rden (K a rte n a u ssch n itt fü r den Landesteil Schleswig vgl. A b b . 2). Zur Einschätzung q u a lita tiv e r Ver­ änderungen im A rte n in v e n ta r w u rd e die B indungsstärke solcher W a ld p fla n ­ zen an historisch a lte W a ld s ta n d o rte untersucht, die zu g le ich a u f d e r Roten Liste g e fä h rd e te r G e fä ß p fla n ze n (nach M ie rw a ld 1990) g e fü h rt w e rd e n . Eine A u sw ertu n g flo ris tis c h e r K a rtie ru n g e n in Schleswig-Holstein (vgl. Raabe e t al. 1982; Raabe 1987; H ä rd tle 1993) gab fü r diese Sippen A u fsch lu ß darüber, w ie stark sich deren P o p u la tio n sg rö ß e n ve r­ ä n d e rt haben u nd w e lch e H au p tu rsa ­ chen d a fü r be n a n n t w e rd e n kö n n e n .

3. Zur Veränderung der V egetation historisch a lte r W ä ld e r Für Teile des N ord w e std e u tsch e n T ie f­ lands (StaderGeest) k o n n te W u lf 0 9 9 3 ) zeigen, daß P o p u la tio n e n verschie­

dener, ü b e rw ie g e n d an historisch a lte W ä ld e r g e b u n d e n e r P fla n ze n a rte n in ihrem Fortbestand m e h r o d e r m in d e r stark g e fä h rd e t sind. V e rg le ich b a re Verhältnisse e rgeben sich f ü r historisch a lte W ä ld e r in S chlesw ig-H olstein. W ie Tabelle 1 z e ig t, kö n n e n 17 W a ld a rte n d e r Roten Liste b e n a n n t w e rd e n , die bezogen a u f W a ld flä c h e n d e r n ö rd li­ chen Landeshälfte - eine d e u tlic h e B in­ d u n g an historisch a lte W a ld s ta n d o rte aufw eisen. S tic h p ro b e n a rtig in H o l­ stein und D änem ark d u rc h g e fü h rte U n­ tersu ch u n g e n d e u te n an, daß die g e g e ­ bene Einschätzung zu deren H a b ita t­ p rä fe re n z fü r das gesam te w e s tb a lti­ sche M o rä n e n g e b ie t z u tr ifft. Für einen Teil dieser Sippen liegen z e itlich d iffe re n z ie rte K arten ü b e r F u n d p u n kte in S chlesw ig-H olstein vo r (Raabe e t al. 1982; Raabe 1987). Danach lä ß t sich fü r acht d e r insgesam t 17 g e ­ n a n n te n A rte n in S chlesw ig-H olstein ein drastischer B estandesrückgang w ä h re n d d e r ve rg a n g e n e n f ü n f Jahr89

H ä rd tle • Z ur V e rä n d e ru n g u n d S c h u tz fä h ig k e it h isto risch a lte r W ä ld e r in S chlesw ig-H olstein

A bb. 2. W aldverteilung im Landesteil Schleswig um 1800 (gezeichnet nach Karten d er „Dänischen Gesellschaft der Wissenschaften").

A rt

C arexpendula H ieracium fuscocinereum Lathyrus vernus N e o ttia nidus-avis P o lyg o n a tu m v e rtic illa tu m Luzula sylvatica B rom us ram osus P rim ula vulgaris Orchis mascula A ctaea spicata T helypteris lim bosperm a B rom us b e n e k e n ii C am panula la ti fo lia Circaea alp in a H epatica n o b ilis Carex d ig ita ta A lliu m ursinum * nach M ie rw a ld (1990)

G e fä h rd u n g n .R .L *

B indung der A rt an historisch alte W ä ld e r (in % ihrer G esam tvorkom m en)

A nzahl a k tu e lle r V o rkom m en (abs.)

4 4 2 2 1 4 3 3 3 4 2 3 3 2 2 4 4

100 (?) 100 (?) 100 100 100(?) 96 88 88 87 80 80 (?) 79 75 75 (?) 75 67 (?) 58

2 2 6 10 4 23 17 147 70 20 5 19 72 4 8 3 12

( ? ) E in s c h ä t z u n g a u f g r u n d d e r g e r i n g e n P r ä s e n z d e r b e t r a c h t e t e n A r t ( a k t u e l l f ü n f o d e r w e n i g e r V o r k o m m e n im U S G ) u n s ic h e r

90

Tab. 1. G efährdungsgrad u nd Bindungs­ stärke von 17 W aldarten an historisch alte W älder (nördl. Schleswig-Holstein)

ze h n te belegen. B e tro ffe n sind Be­ stände von Carex p e n d u la , Lathyrus vernus, N e o ttia nidus-avis, P olygonatu m ve rtic illa tu m , T helypteris lim b o sperm a, Circaea a lpina, Carex d ig ita ta und A lliu m ursinum . Tabelle 2 zeigt, daß in dieser Zeit näherungsw eise z w i­ schen 30 und 70% ehem als b e k a n n te r V o rko m m e n dieser A rte n erloschen sind. Ein Beispiel fü r die Bestandesent­ w ic k lu n g e in ig e r fü r das H o rd e lym o Fagetum (Lathyrus vernus-Subassoziatio n s-G ru p p e ) be ze ichn e nder A rte n g ib t A b b ild u n g 3. Die skizzierte Ent­ w ic k lu n g s te h t s te llv e rtre te n d fü r an­ dere, o ben g e n a n n te Sippen und läßt d e u tlic h e V e rä n d e ru n g e n im A rte n in ­ v e n ta r historisch a lte r W ä ld e r e rw a r­ te n .

H ä rd tle • Zur V e rä n d e ru n g u n d S c h u tz fä h ig k e it h isto risch a lte r W ä ld e r in S ch le sw ig -H o lste in

Abb. 3. Ehemalige (O ) u nd ak tu e lle (9) Vorkommen einiger bezeichnender A rten des Hordelym o-Fagetum (Lathyrus vernus-Subassoziations-Gruppe; Carex d ig itata, Hepatica nobilis, Lathyrus vernus; nach Dierssen e ta l. 1988).

4. H au p tu rsach e n fü r V e rä n ­ d eru n g e n im A rte n in v e n ta r h isto risch a lte r W ä ld e r Im Rahmen flo ris tis c h e r W ie d e rh o ­ lu n g ska rtie ru n g e n lassen sich h ä u fig Ursachen fü r Rückgang o d e r A usfall e inzelner Sippen am b e tra ch te te n

W uchsort benennen. Da n ic h t in jedem Fall Analysen z u r V e rä n d e ru n g e in e r vorm als gegebenen Bestandessituation m öglich sind, sei m it Tabelle 3 eine q u a lita tiv e Einschätzung zu r W irk u n g ein zelner G e fä h rd u n g s fa k to re n geg e ­ ben. Diese b e ru h t a u f flo ristisch -ve g e ta tio n s k u n d lic h e n V e rgleichsuntersu­

chungen, d ie in e tw a 220 L a u b w a ld g e ­ b ie te n Schlesw ig-Holsteins d u rc h g e ­ fü h r t w u rd e n (H ä rd tle 1993). Aus Tabelle 3 ist e rsichtlich, daß v o r­ ra n g ig fo rs tlic h e M aß n ahm en (G ehölz­ a rte n w a h l, D u rc h fo rs tu n g und H o lz­ b rin g u n g ) als G e fä h rd u n g s fa k to re n h e u te se lte n e r W a ld sippen w irksa m 91

H ä rd tle • Z ur V e rä n d e ru n g u n d S c h u tz fä h ig k e it h isto risch a lte r W ä ld e r in S chlesw ig-H olstein Tab. 2. Vorkom m ensrückgang ein ig er W aldarten in Schleswig-Holstein w ährend der ver­ g angenen fü n f Jahre

A rt

A n za h l e he­ m a ls b e k a n n te r V o rko m m e n d e rS ip pe (bis 1960)

A n za h l heute noch b e ka n n te r V orkom m en derS ippe in SchleswigH olstein

V orkom m ens­ rückgang (in %)

C a re xp endula Lathyrus vernus N e o ttia nidus-avis P o lyg o n a tu m v e rtic illa tu m T helypteris lim b o sp e rm a Circaea a lp in a Carex d ig ita ta A lliu m ursinum

8 48 95 15 78 73 50 40

4 25 39 5 25 25 27 27

50 48 59 67 68 66 46 32

sind und diese dem gem äß ganz w e ­ sentlich a u f die S c h u tz fä h ig k e it e in z e l­ ner A rte n E in flu ß n ehm en. Der geschil­ d e rte B efund w ird d u rch U nte rsu ch u n ­ gen von Thielcke (1978), H eydem ann (1982) und W in te rh o ff e t al. (1984) be­ s tä tig t.

Für e in ig e Sippen kann a n g e n o m ­ men w e rd e n , daß sich K o n ku rre n zb e ­ d in g u n g e n in fo lg e a llo c h th o n e r N ähr­ s to ffe in trä g e (insbesondere N-Depositio n e n ) verschlechtert haben (vgl. Zeile 3 in Tab. 3). Für das nordöstliche Schles­ w ig -H o ls te in belegen W ie d e rh o lu n g s-

F 250 —I

I x I

I2 I3 I4 I5 I6 I7 I8 I9 I N -Z e ig e rw e rte

Abb. 4. K u m ulative Frequenz (F, y-Achse) al­

Abb. 5. Darstellung d er kum ulativen Fre­

le r A rten m it gleichem S ticksto ffzeigerw ert

q uenz a lle r 1985 auftretenden A rten in b e ­

(x-Achse) fü r 33 untersuchte L au bw ald flä­

zu g a u f d ie Artenzusam m ensetzung 1958 /

chen

Schleswig-Holstein

1959 (kum ulative Frequenz aller 1958/1959

(nach H ering 1986 u nd Herrn. Ellenberg

im

nördlichen

au ftre te n d e n Arten = 1 0 0 %; nach Hering

1987); — = nach Vegetationsanalysen in den

1986 u nd Herrn. Ellenberg 1987).

Jahren 1958/1959, — = nach Vegetations­ analysen im Jahr 1985, X = Pflanzenarten m it unbestim m tem Verhalten im N -G radienten (Z eige rw erte nach Ellenberg e ta l. 1991). 92

k a rtie ru n g e n von H e rin g (1986), daß sich d ie A rtenzusam m ensetzung der Feldschicht historisch a lte r W ä ld e r im V e rla u f von knapp drei Jahrzehnten stark zugu n ste n von S tickstoffzeigern verschoben hat. Der U ntersuchung des A u to rs liegen flo ristisch e A nalysen von 33 A u fn a h m e flä c h e n zu g ru nde, d ie sich a u f insgesam t zehn historisch alte W a ld g e b ie te ve rte ile n . Diese w u rd e n e rstm a lig in den Jahren 1958/1959 und e rn e u t im Jahr 1985 a u fg e n o m m e n . Er­ re ch n e t man die ku m u la tive Frequenz (= S te tig k e it) a lle r V o rko m m en e in ze l­ ner Sippen und tr ä g t diese gegen ihren S tic k s to ff-Z e ig e rw e rt (nach E llenberg e t al. 1991) auf, so e rg ib t sich fü r die e n tsprechenden U ntersuchungsjahre d ie in A b b ild u n g 4 g e ze igte V e rte ilu n g . Danach h a t v o r allem die Präsenz sol­ cher A rte n zugenom m en, die N -Zeiger­ w e rte zw ischen 7 und 9 (nach E llenberg e t al. 1991 d e u tlic h e S tickstoff-Z eiger) a u fw e isen . Noch a u g e n fä llig e r w ird dieser E n tw icklu n g stre n d , w e n n die k u ­ m u la tiv e Frequenz d e r in den Jahren 1958/59 vo rh a n d e n e n Sippen als 100% b e tra c h te t und u n te r Bezug h ie ra u f je n e d e r 1985 gegebenen A rte n v e rte i­ lu n g e rre c h n e t w ird . Das Ergebnis d ie ­ ser Berechnung v e rd e u tlic h t A b b ild u n g 5. Im V ergleich zur A usgangssituation nahm v o r allem die k u m u la tiv e Fre­ q u e n z solcher A rte n zu, die N-Zeigerw e rte vo n 8 -9 aufw eisen. Es sei an d ie ­ ser Stelle e rw ä h n t, daß E llenberg (in El­ le n b e rg e t al. 1991) die Z u o rd n u n g von S ticksto ffza h le n zu P flanzenarten n u r als „V e rsu ch " b e tra c h te t, die a u fg e ­ ze ig te n Ergebnisse dem gem äß n u r H in ­ weise a u f m ö g lich e E u tro p h ie ru n g s­ prozessegeben. Von fo rs tlic h e n M e lio ra tio n s-, na­ m e n tlic h E ntw ässerungsm aßnahm en (vgl. Zeile 5 in Tab. 3) sind v o rra n g ig A u e n - un d B ru ch w ä ld e r und d a m it Po­ p u la tio n e n d e r an diese W ald g e sell­ schaften g e b u n d e n e n A rte n b e tro ffe n (im G e b ie t Carex p e n d u la , Orchis mascula, Circaea a lp in a ). A m Beispiel de r B o rn h ö ve d e r Seenkette - einem von N a tu r aus Bruch- und A u e n w a ld -re i­ chen G e b ie t d e r sch le sw ig-holsteini­ schen J u n g m o rän e - k o n n te n S chrautz e r e t al. (1991) zeigen, daß G rundw as­ serspiegelsenkungen einen krassen W a n d e l im A rte n g e fü g e d o rt v o r­ kom m ender, ü b e rw ie g e n d historisch a lte r W ä ld e r nach sich zogen. Ü ber die H ä lfte d e r h e u te noch bestehenden

H ä rd tle ■Z ur V e rä n d e ru n g u nd S c h u tz fä h ig k e it historisch a lte r W ä ld e r in S c h le s w ig -H o ls te in

++ ++ ++ + + + + 0

+ 0

+ 0

+ 0

A lliu m ursinum

Carex d ig ita ta

Clrcaea alpina

C am panula la tlfo lia

Hepática nobilis

++ ++ + + + 0

++ + 0 0

+ 0

+ +

+ 0

+ 0

+ +

0

0

0

++ 0

0

0

++ ++ ++ +

+

+

+

++ +

+

+ 0

+ +

+ +

++ + 0 0

+ +

+ 0

++ 0

0

+

0

0

+

+

++ 0

+

++ ++ ++ +

+

++ ++ ++ ++ ++ +

Brom us b e n e ke n ii

++ ++ ++ ++ + + + + + 0

+ 0

+

Thelypteris lim bosperm a

Orchis mascula

++ ++ + + + 0

Actaea spicata

Prim ula vulgaris

Bromus ramosus

Lu zula syIva tica

P olygonatum v e rtic illa tu m

N e o ttia nidus-avis

Lathyrus vernus

Carex p e n dula 1: H olzeinschlag/ H olzrücken 2: W aldbesucher 3: A llo ch . N ä h rs to ffe in tra g /E u tro p h . 4: W ild b e sta n d 5: E ntw ässerung/ B o d e n m e lio ra tio n 6: D u rch fo rstu n g (F reistellung) 7: N adelholz-/ Pappelanbau 8: B odenverw undung (fü r N atu rverj.) 9: S a m m e la k tiv itä t v. W aldbesuchern

H ieracium fuscocinereum

Tab. 3. Beurteilung verschiedener G efährdungsfaktoren (Zeilen 1 -9 ) fü r die betrachteten W aldarten in Schleswig-Holstein

+ 0

++ ++ ++ ++ +

++ ++ ++ ++ ++ ++

0

0

0

0

0

+

0

0

0

0

++ 0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

0

++ +

0

0

+

0

++ 0

0

0

++: in S chlesw ig-H olstein w e se n tlich e r G e fä h rd u n g sfa kto r fü r die b e tra c h te te Sippe +: in S chlesw ig-H olstein m ö g lic h e r G e fä h rd u n g sfa kto r fü r die b e tra c h te te Sippe 0: G e fä h rd u n g s fa k to r d e rz e it ohn e erkennbaren E influß a u f d ie P o p u la tio n d e r b e tra c h te te n Sippe

Bruch- und A u e n w a ld flä c h e w e is t e i­ nen a-m eso- bis e u h e m e ro b e n Zustand a u f (H e m e ro b ie stu fe n 3 un d 4 im Sinne vo n S chrautzer 1988, vgl. A b b . 6). H isto ­ risch a lte und zugleich w e n ig g e s tö rte Bruch- und A u e n w ä ld e r haben im Ge­ b ie t R e liktch a ra kte r (11 [Flächen-] % d e rz e it m it e in e r H e m e ro b ie stu fe von 1 [-2 ] = olig o h e m e ro b ).

5. Fo lg eru n g en fü r P fle g e -u n d S ch u tzm a ßn a h m e n F ü h rt man sich g e g e n w ä rtig w irksa m e G e fä h rd u n g s fa k to re n s e lte n e r u nd an historisch a lte W ä ld e r g e b u n d e n e r P fla n ze n a rte n v o r A u g e n , so w ird d e u tlic h , daß bereits im Rahm en e in e r „n a tu rg e m ä ß e n W a ld w irts c h a ft" w e ­ sentlichen Zielen des A rte n - und B io­ topschutzes entsprochen w e rd e n kann (vgl. Fischer 1992). Im fo lg e n d e n seien d a h e r s tic h w o rta rtig und m it H in b lic k a u f Ziele des A rtenschutzes w ic h tig e G rundsätze dieser Form d e r W a ld n u t­ zung a u fg e z e ig t: ■ Ausschließliche V e rw e n d u n g s ta n d ­ ortsgerechter, im B ezugsgebiet a u to c h th o n e r B aum arten o d e r B aum ar­ te n m isch u n g e n . ■ Keine Kahlschlag- o d e r G ro ß flä ­ ch e n w irts c h a ft. ■ M ö g lic h s t ho h e r A n te il an a lte n , s ta r­ ken Bäumen; N u tzu n g nach Z ie ld u rc h ­ messern (-stärke) von E inzelbäum en und n ic h t nach Z ie la lte r vo n flä c h ig e n Beständen.

40 35 -

I

C a ric i e l o n g a t a e - A l n e t u m s p h a g n e t o s u m ,

Var. von C a r e x p s e u d o c y p e r u s II

C a ric i e l o n g a t a e - A l n e t u m s p h a g n e t o s u m ,

Var. von R u b u s id a e u s III

C a r ic i e lo n g a t a e - A l n e t u m ty p ic u m ,

IV

C a r ic i e lo n g a t a e - A l n e t u m t y p ic u m ,

V

A in u s g lu tin o s a -G e s e W s c h a ft,

VI

A in u s g lu t i n o s a - Gesellschaft,

Var. v o n C a r e x p s e u d o c y p e r u s

Var. von R u b u s id a e u s

Ausb. von L o n ic e ra p e r ic ly m e n u m

Ausb. von P o a tr iv ia lis VII F r a x in o - A ln e t u m VIII B e t u la p u b e s c e n s - Gesellschaft, Ausb. von S p h a g n u m s q u a r r o s u m Hemerobiestufe Gefährdungsgrad

1

II

III

IV

V

VI

VII

VIII

IX

1-2

2 2

1 3

2 3

3 4

4 4

1 3

2 2

3 4

1

IX

B e t u la p u b e s c e n s - Gesellschaft,

Ausb. von L o n ic e ra p e r ic ly m e n u m

Abb. 6. Flächenanteile von Bruch- und A u en w äld e r verschiedener Hem erobiestufen u nd Gefährdungsgrade an d er gesam ten Feu ch tw a ld ­ fläche im G ebiet d e r Bornhöveder Seen k e tte (Schleswig-Holstein; aus Schrautzer e ta l. 1991). 93

H ä rd tle • Z ur V e rä n d e ru n g u n d S c h u tz fä h ig k e it h istorisch a lte r W ä ld e r in S chlesw ig-H olstein

■ Die V e rjü n g u n g eines Bestandes s o llte w e itg e h e n d der N a tu r überlassen w e rd e n , denn auch v o rh a n d e n e Lücken w e rd e n durch N a tu rv e rjü n g u n g im Laufe von Jahrzehnten ausgeglichen. ■ Boden- und b e sta ndespflegliche H o lz b rin g u n g ; v e rs tä rk te r Einsatz von P ferden und S eilverfahren zum V o rrü k ken von Holz. Breite Rückegassen m it B o d e n ve rw u n d u n g und -V erdichtung fü h re n zur V erinselung e in z e ln e r W a ld ­ bereiche und können ü b e r Jahrzehnte B o d e n b io lo g ie , V e g e ta tio n s e n tw ic k ­ lu n g und N a tu rv e rjü n g u n g b e e in ­ trä c h tig e n . ■ A n la g e und Pflege w e itg e h e n d g e ­ schlossener W aldaußenränder. ■ R ücksichtnahm e a u f a lle S o n d e rb io ­ to p e und -S tandorte (g e g e b e n e n fa lls N utzungsverzicht a u f k le in e re n Flä­ chen). ■ V erzicht a u f M e lio ra tio n s m a ß n a h ­ m en (w ie z.B. A nlage, U n te rh a ltu n g o d e r Ausbau von Entw ässerungsgrä­ ben sow ie B o d e n v e rw u n d u n g e n zur F örderung der N a tu rv e rjü n g u n g ). ■ S teigerung des T o th o lza n te ils, Tole­ rie ru n g von Inseln a lte r o d e r a b ste rb e n ­ d e r Bäume in W irts c h a fts w ä ld e rn (ins­ besondere w enn diese R e lik tp o p u la tio ­ nen seltener A rte n aufw eisen). ■ R egulierung der S ch a le n w ild b e ­ stände, um Z ielsetzungen e in e r n a tu r­ nahen F o rstw irtsch a ft v e rw irk lic h e n zu kö n n e n . A lle rd in g s lassen sich in W irts c h a fts ­ w ä ld e rn (selbst bei n a tu rn a h e r N u t­ zu n g ) Ziele des W a ld b io top sch u tze s n ic h t in vollem U m fang realisieren, da diese fü r sich genom m en dem A nspruch e in e r „m u ltifu n k tio n a le n B e d e u tu n g " h e u te vo rh a n d e n e r W a ld flä c h e n n ic h t g e re ch t w e rd e n (vgl. S turm 1989; H ä rd tle 1990b). In dieser H insicht kom m t N atu rw a ld re se rva te n eine Schlüsselrolle zu. Im Rahmen von Reser­ vatsausw eisungen so llte n - den geschil­ d e rte n floristische n B esonderheiten Rechnung tra g e n d - historisch a lte W ä l­ d e r m itb e rü c k s ic h tig t o d e r - sofern m ö g lich - diese in bestehende Schutz­ g e b ie te e in g eb u n d e n w e rd e n . A n s p rü ­ chen des A rte n - und Biotopschutzes w ü rd e d a m it in ide a le r Weise e n ts p ro ­ chen. Als Ergebnis e in e r ü b e r m ehrere Ja h rh u n d e rte w ä h re n d e n E n tw ic k ­ lungsgeschichte sind Lebensgem ein­ schaften historisch a lte r W ä ld e r n ic h t ersetzbar (vgl. H erm y 1989; W u lf 1992); ein „ö k o lo g is c h e r A u sg le ich " durch 94

N e u g rü n d u n g von W ä ldern w ä re auch bei größ erer G esam tw aldfläche und sta n d o rtsg e re ch te r B a um arten­ w a h l - n ic h t gegeben. A u sb re itu n g sb e ­ d in g u n g e n von R e lik tp o p u la tio n e n kö n n e n vo r allem dann verbessert w e rd e n , w e n n W a ld n e u g rü n d u n g e n im u n m itte lb a re n K o n ta k t zu historisch a lte n W a ld flä ch en vo rg e n o m m e n w e rd e n . So zeigen rezente W ä ld e r eine s ig n ifik a n t höhere A nzahl bezeichnen­ d e r W aldsippen, w e n n diese an h isto ­ risch a lte W a ld sta n d o rte grenzen (Pete rk e n und Game 1984; D zw o n ko und Loster 1988). Das Ausmaß der fü r W aldökosy­ stem e to le rie rb a re n S tickstoff-D eposi­ tio n e n kann - in N äherung - durch „c ritica l lo a d s"-W e rte angegeben w e rd e n . Danach d ü rfe n - um V e rä nderungen im A rte n g e fü g e la n g fris tig ausschließen zu kö n n e n - jä h rlic h e G esam tstick­ s to ff-E in trä g e in W ä ld e r m äßig saurer S ta n d o rte (z. B. W aldgesellschaften des Fagion) einen W e rt von 10 bis 15 kg/ha n ic h t überschreiten (vgl. Boxman e t al. 1988; L ilje lu n d und Torstensson 1988). Für Schleswig-Holstein b e tragen die jä h rlic h m it Freilandniederschlag d e p o ­ n ie rte n G esam tstickstoffm engen d e r­ z e it e tw a 17-20 kg/ha (Blum e e t al. 1985; Twenhöven 1992). Gesetzliche S chutzbestim m ungen (z.B. a u f d e r G rundlage des Landesna­ turschutzgesetzes) fü r Feucht- und B ru ch w ä ld e r verfehlen ih r Ziel, solan­ ge S tandortsveränderungen w ie a llo ch th o n e N ä h rs to ffe in trä g e und G ru n d ­ w asserspiegelsenkungen g ro ß flä ch ig w irksam sind. Daher zielen h eute g ü l­ tig e Schutzvorgaben (V erbot d ire k te r E in g riffe ) am tatsächlichen G e fä h r­ d u n g s p o te n tia l vorbei. Die im Landes­ naturschutzgesetz m it der „L a n d w irt­ schaftsklausel" a tte s tie rte S onderrolle d e r la n d w irts c h a ftlic h e n B o d e n n u t­ zung w e ic h t zudem die in te n d ie rte n Schutzziele auf. Nur solche Bestände er­ w eisen sich heute noch als schutzfähig, die in g ro ß flä ch ig extensiv g e n u tz te Landschaftsbereiche e in g e b e tte t sind und in denen V eränderungen des ak­ tu e lle n Grundwasserregim es u n te rb le i­ ben (S chrautzer e t al. 1991). V egeta­ tio n s k o m p le x e historisch a lte r W ä ld e r a u f m ineralischen und o rg a n o g e n e n Böden b ild e n dem gem äß w e rtv o lls te Bausteine in einem System von W a ld ­ schutzgebieten, w e n n dieses anhand a u sg e w ä h lte r Beispiele das n a tü rlich e

W a ld b ild der schlesw ig-holsteinischen M o rä n e n la n d s c h a ft v o lls tä n dig reprä­ sentieren soll.

5. Z u sam m en fassu n g A u fg ru n d ihres Reichtum s an w aldspe­ zifischen A rte n k o m m t historisch alten W ä ld e rn ein besonderer Schutzw ert zu. Ihre S c h u tz fä h ig k e it scheint dem g e ­ g e n ü b e r g e g e n w ä rtig n ic h t o d e r nu r te ilw e is e gegeben. V o rlie g e nde Studie versucht, am Beispiel historisch a lte r W ä ld e r Schlesw ig-Holsteins das Aus­ maß flo ris tis c h e r V e rä n d e rungen a u f­ zu ze ig en und w e se n tlich e Ursachen dieser E n tw icklu n g zu benennen. Im H in b lick a u f g e g e n w ä rtig w irksam e Ge­ fä h rd u n g s fa k to re n w e rd e n M aß nah­ men zum Schutz historisch a lte r W ä ld e r d is k u tie rt. Im U n te rsu ch u n g sg e b ie t kom m en 17 W a ld a rte n vor, die a u f der Roten Li­ ste g e fä h rd e te r G efä ß p fla n zen g e fü h rt w e rd e n und zugleich eine hohe Bin­ d u n g an historisch a lte W a ld sta n d o rte zeigen. A u fg ru n d z e itlic h d iffe re n z ie r­ te r K arten ü b e r F u n d p u n kte in Schles­ w ig -H o ls te in lä ß t sich fü r acht A rte n belegen, daß diese w ä h re n d der ver­ ga n g e n e n fü n f Jahrzehnte zw ischen 30 und 7 0 % ih re r e h e m a lig e n V o rko m ­ men v e rlo re n haben. Als w e se n tlich e G e fä h rd u n g s fa k to ­ ren dieser A rte n sind g e g e n w ä rtig fo rs tlic h e M aß n a h m e n (G ehölzarten­ w a h l, D u rc h fo rs tu n g , V e rfahren der H o lz b rin g u n g ) w irksam . V ergleichskar­ tie ru n g e n zeigen, daß überdies alloc h th o n e r S tic k s to ffe in tra g zu d e u tli­ chen V erschiebungen im A rte n in v e n ta r d e r Feldschicht historisch a lte r W ä ld e r g e fü h rt hat. In F euch tw ä ld ern haben G rundw asserspiegelsenkungen einen A u sfa ll b e ze ichn e n d e r W a ld a rte n zur Folge. Zielen des A rtenschutzes in W ir t­ sch a ftsw ä ld e rn kann bereits dann w e it­ g e hend e n tsprochen w e rd e n , w e n n diese u n te r G esichtspunkten einer „n a ­ tu rn a h e n W a ld w irts c h a ft" g e n u tz t w ü rd e n . Z ugleich so llte n historisch alte W ä ld e r im Rahmen von Reservatsaus­ w e isu n g e n m itb e rü c k s ic h tig t oder in bestehende Reservate einbezogen w e rd e n . Im H in b lick a u f N -D epositionen k ö n n e n V e rä n d e ru n g e n im A rte n ­ in v e n ta r la n g fris tig n u r dann ausge­ schlossen w e rd e n , w e n n diese W e rte von 10 bis 15 kg/ha a (critical load) n ich t

H ä rd tle • Zur V e rä n d e ru n g u n d S c h u tz fä h ig k e it h istorisch a lte r W ä ld e r in S c h le sw ig -H o lste in

überschreiten. F e u ch tw ä ld e r sind d e r­ ze it la n g fris tig n u r dann schutzfähig, w e n n diese in g ro ß flä c h ig extensiv ge­ n u tz te Landschaftsbereiche e in g e b e t­ te t sind und V e rä n d e ru n g e n des ak­ tu e lle n G rundw asserregim es u n te r­ b leiben.

on w e t soils is o n ly p ro te c ta b le , w h e n these w o odlands are co m p o n e n ts o f n o t o r w eakly fe rtiliz e d landscapes and changes in g ro u n d w a te r level are p re ­ vented.

6. A b stra c t

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A n c ie n t w o o d la n d s are w ith re g a rd to th e ir species richness p a rtic u la rly v a lu ­ able fo r n a tu re conservation. However, a lo n g -te rm p ro te c tio n o f these w o o d ­ lands seems to be d iffic u lt o r even im ­ possible a t present. This study describes th e e x te n t o f flo ris tic a l changes in an­ cie n t w o o d la n d s o f Schlesw ig-H olstein (N o rth e rn Germ any) and sum m arizes th e m ain reasons fo r th is d e ve lo p m e n t. In th e area in ve stig ate d 17 w o o d ­ land species are b o th species o f th e red d ata b o o k and closely associated w ith a n cie nt w o odla n d s. For 8 o f these spe­ cies maps are a vailable s h o w in g th e ir fo rm e r and actual occurrence in Schlesw ig-Holstein. A cco rd in g to th a t maps b e tw een 30 and 7 0 % o f fo rm e r k n o w n stands have disappeared d u rin g th e last fiv e decades. On th e basis o f 220 in ve stig ate d w o o d la n d s it could be concluded, th a t silvicu ltu ra l tre a tm e n t (e.g. th in n in g o f forests, tre e species co m p o s itio n , me­ th o d s o f w o o d rem oval) m a in ly affects d e v e lo p m e n t and a b ility o f p ro te c tio n o f rare w o o d la n d species. In a d d itio n , a llo c h th o n n itro g e n supply leads to a q u a lita tiv and q u a n tita tiv change in th e species co m p o sitio n o f th e h erb layer o f a n cie nt w o o d la n d s (e.g. by fa v o u rin g U rtica dioica and Im p a tie n s n o lita n g e re ). As a consequence o f d ra in a g e species typical fo r co m m u n itie s o f th e A ln io n and A ln o -U lm io n w e re replaced, m a in ly by Rubus idaeus o r U rtica dioica. M ost o f w o o d la n d species w h ic h are rare to d a y are p ro te c ta b le u n d e r c o n d i­ tio n s o f a "n a tu ra l silv ic u ltu ra l tre a t­ m e n t". A set up o f fo re s t reserves should in te g ra te those stands o f an­ cie n t w o o d la n d s sh o w in g a n a tu ra l tree co m p o sitio n and stru ctu re . Lo n g -te rm changes in species c o m p o sitio n may n o t occur due to a llo c h th o n n itro g e n sup­ ply, w h e n d e p o s itio n rates ("c ritic a l lo ads") d o e sn 't exceed values be tw e e n 10 and 15 kg/ha a (w ith re gard to Fagion-com m unities). A t present th e flo ris tic richness o f a n c ie n t w o o d la n d s

7. Litera tu r

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N N A -B e ric h te 3 /9 4

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Der Einfluß von Waldnutzung und Waldgeschichte auf die Vegetation südschwedischer Laubwälder v o n Jörg B ru n e t

E in fü h ru n g Die Flora de r südschwedischen Laub­ w ä ld e r ist das Ergebnis eines E in w a n ­ derungsprozesses nach d e r le tz te n K a ltz e it. Schon re la tiv frü h z e itig aber, e tw a seit d e r B ronzezeit, begann d e r Mensch, die V e rb re itu n g s m u s te r d e r P flanzen d ire k t o d e r in d ire k t zu b e e in ­ flussen. A n fa n g s w a r dieser E influß durchaus von loka le m C h a ra kte r und w u rd e im m e r w ie d e r von Phasen n a tü r­ lich e r E n tw icklu n g u n te rb ro c h e n . M it dem B eginn de r starken Siedlungs- und K o lo n is a tio n s tä tig k e it seit dem frü h e n M itte la lte r aber setzte eine W a ld n u t­ zung ein, die nahezu alle L a u b w a ld g e ­ b ie te u m fa ß te (Emanuelsson e t al. 1985). Die bäuerliche L a n d n u tzu n g b lie b d abei in ihren G run d la g e n vom M itte l­ 96

a lte r bis um etw a 1800 konstant. Um das D o rf als Zentrum bäuerlichen Le­ bens w a re n die intensiv g e n u tz te n Flä­ chen belegen, die Äcker und W iesen. Die Flurstücke w u rd e n von den Bauern e in ze ln b e w irtsch a fte t. Diese soge­ n a n n te in m a rk w u rd e n u r nach d e r E rnte b e w e id e t. Die M ähw iesen w a re n o f t zu einem erheblichen Teil m it Bäu­ m en und Büschen bestanden. Solche G ebiete m it k o m b in ie rte r M ahd und H o lz n u tz u n g w erden in der L ite ra tu r a llg e m e in als Laubwiesen (lö vä n g ) be ­ zeichnet. Der flächenm äß ig g rö ß te Teil des Landes, die utm ark, w u rd e dagegen als gem einschaftliches W eideland g e ­ n u tz t (A llm ende). Eine Ü bergangsstel­ lu n g zw ischen u tm a rk und in m a rk n a h ­ men e ingezä u n te W e id e g eb ie te (h a g e ) ein, die eine bessere K o n tro lle des W e i­ deganges e rm ö g lich te n . W ald gab es

ö ff. Natursch. Landschaftspfl. Bad.W ü rtt. 11:467-477, K arlsruhe. W in te rh o ff, W. und M ita rb e ite r, 1984: V o rlä u fig e Rote Liste d e r G roßpilze (M a kro m yze te n ). - Beih. V eröff. Natursch. Landschaftspfl. Bad.W ü rtt. 11:161-167, Karlsruhe. W ulf, M., 1992: V e g e ta tio n sku n d lich e und ökologische U ntersuchungen zum V o rko m m e n g e fä h rd e te r P flan ze n a rte n in F euchtw äldern N ordw estdeutschlands. - Diss. Bot. 185:1-245, B e rlin /S tu ttg a rt. W ulf, M., 1993: Zur B e d e u tu n g histo­ risch a lte r W a ld flä c h e n fü r den P flanzenartenschutz. - Verh. Ges. Ö kol. 22:2 6 9 -2 7 2 , Zürich.

A n sc h rift des V e rfa sse rs Dr. W e rn e r H ärdtle U n ive rsitä t Lüneburg FB 3, Ö ko lo g ie W ilsch e n b ru ch e r W eg 84 21335 Lüneburg

so w o h l in in m a rk, u tm a rk und hage (Emanuelsson e ta l. 1985). Die un te rsch ie d lich e N u tzu n g der W ald b e stä n d e als W e id e la n d (u tm a rk ; hage) o d e r Laubwiese (in m a rk ) b e d in g t u nterschiedliche L ebensbedingungen fü r den W a ld u n te rw u ch s. Die W a ld ­ w e id e b e in h a lte t einen k o n tin u ie rli­ chen E ffe k t a u f die K ra u ts ch ich tp fla n ­ zen durch Biom asseverlust und T ritt­ schäden. T ritt- un d ve rb iß re sistente A r­ te n b re ite n sich a u f Kosten e m p fin d li­ cher K rä u te r aus. W a ld w e id e fü h r t auch zu e in e r a llm ä h lich e n V e rlic h tu n g der Bestände, w o d u rc h F re ila ndpflanzen g e g e n ü b e r W a ld a rte n g e fö rd e rt w e r­ den. Die L a u b w ie se n w irtsch a ft w a r inso­ fe rn w e n ig e r intensiv, als der h a u p t­ sächliche Biom asseentzug durch M ahd erst im H ochsom m er e rfo lg te und T ritt­ schäden n u r in sehr b e g re n zte m Aus­ maß w ä h re n d der kurzen Z eit d e r Nach­ w e id e a u ftra te n . Die Busch- und Baum ­ v e g e ta tio n w u rd e a b e r in den L a ubw ie­ sen m eist kurz g e h a lte n , so daß a u f vie­ len Flächen eher F reiland- als W a ld ­ klim a herrschte. Die n ieder- o d e r m it­ te lw a ld a rtig e B e w irts c h a ftu n g der Laubwiesen d ie n te d e r V ersorgung m it

B ru n e t • Der E influß von W a ld n u tz u n g u n d W a ld g e sch ich te a u f d ie V e g e ta tio n südschw edischer L a u b w ä ld e r

SO

100

Abb. 1. Lage d er G ebiete in Südschweden, von denen Artenlisten a u s g e w e rte t w urden (Studie 2). F ig . 1. L o c a t io n o f a r e a s in s o u t h S w e d e n o f w h ic h s p e c ie s lis ts w e r e e v a l u a t e d ( s t u d y 2 ) .

B rennholz, Z a u n m a te ria l o d e r Laubheu (vor allem Eschenlaub). In n e rh a lb Süd­ schwedens nahm d ie B e d e u tu n g der Heu- und S c h n e ite lw irts c h a ft g e g e n ­ ü b e r d e r H o lz n u tz u n g von Südwest nach N ordost hin zu (B e rg e n d o rff u n d Emanuelsson 1982). Im N ord o ste n w a r d ie W e id e p e rio d e durch stre n g e re W in ­ te r kü rze r und d e r E rtrag von Gras- und Laubheu entscheidend d afür, w ie vie l V ieh durch den W in te r g e b ra c h t w e r­ den ko n n te . Im Südwesten dagegen w a r w ä h re n d m ild e r W in te r ein g a n z­ jä h rig e r W e id eg an g a u f d e r u tm a rk m öglich . Das h a tte eine stä rke re W a ld ­ ve rw ü s tu n g zur Folge, und d e r H o lze r­ tra g d e r Laubwiesen g e w a n n an Be­ d e u tu n g . Eine g e n a u e r g e re g e lte Nie­ d e rw a ld w irts c h a ft w ie in E ngland (Pete rk e n 1981) o d e r W e stfa le n (P o tt 1985) h a t es w o h l a b e r in Südw est­ schw eden n ich t g egeben. Die n ie d e r­ w a ld a rtig e N u tzu n g ä h n e lte d e rje n i­

gen in O stholstein (Clausen 1974). Nur sehr w en ig e W ä ld e r e n tg in g e n e iner N utzung als W eide- o d e r W iesenland. Dabei ha ndelte es sich v o r allem um schwer zu gängliche b e w a ld e te Steil­ hänge od e r B lockhalden. W ä h re n d der Zeit intensivster W a ld n u tz u n g im 18. und 19. J a h rh u n d e rt w a re n dagegen viele Gebiete ganz w a ld fre i, die h eute w ie d e r b e w a ld e t sind (Emanuelsson e t al. 1985). Die große M e h rza h l d e r La u b w ä ld e r in Südschweden w ird h e u te als Hoch­ w a ld (ohne B e w e id u n g ) b e w irts c h a f­ te t. Die über viele Ja h rh u n d e rte d a u ­ ernde N utzung vo n W ä ld e rn als W ie ­ sen- und W eideland h a t d ie V e g e ta tio n aber w ahrscheinlich n a c h h a ltig b e e in ­ flu ß t. Ziel der v o rlie g e n d e n A rb e it ist es deshalb, den E in flu ß vo n B ew eidung, M ahd und B e standsauflichtung a u f die K rautschichtflora in südschwedischen Laubw äldern zu untersuchen.

M ate rial und M eth o d en Studie 1 Der E influß d e r W a ld k o n tin u itä t a u f die K ra u ts c h ic h tv e g e ta tio n w u rd e m it H ilfe von 354 V e g e ta tio n sa u fn a h m e n (ca. 2 0 x 2 5 m) aus L a u b w ä ld e rn der Provinz Skäne u n te rsu ch t (B ru n e t 1993). Für die A u fn a h m e flä c h e n , in d e ­ nen auß er B ru ch w ä ld ern alle Laub­ w ald-G esellschaften Skänes v e rtre te n sind, w u rd e e rm itte lt, o b die b e tre f­ fe n d e Fläche w ä h re n d d er ersten H ä lf­ te des 19. Ja h rh u n d e rts von W ald be­ d e ckt war. Dabei w u rd e n Skänska R ekognosceringskartan (1812-1820, 1:30000) und Svenska G eneralstabskarta n (1865, 1:100000) v e rw e n d e t. Diese K arten eig n en sich g u t zu r Ü b e rp rü ­ fu n g d e r W a ld k o n tin u itä t, w e il die Zurü c k d rä n g u n g und Ü b e rn u tz u n g der W ä ld e r in Skäne um 1800-1870 k u lm i97

B ru n e t • Der E in flu ß vo n W a ld n u tz u n g u n d W a ld g e sch ich te a u f die V e g e ta tio n südschw edischer L a u b w ä ld e r

n ie rte (Bergm an 1960). Z e ig t d e r u n te r­ suchte Bestand W a ld b e de cku n g a u f beiden Karten, ist es w ahrscheinlich, daß es sich um a lte W ä ld e r (ancient w o o d la n d , P eterken 1981) h a n d e lt. F ehlt die W a ld m a rk ie ru n g a u f beiden K arten, kann man davon ausgehen, daß d ie Fläche eine längere Periode w a ld lo s w ar. A lle A rte n , die in m e h r als 5 % der Flächen a u ftre te n , w u rd e n a u f ih r V or­ kom m e n in Beständen m it (n = 290) und o h n e (n = 64) W a ld k o n tin u itä t u n te r­ sucht. Für e in ig e seltene, aber in diesem Z usam m enhang interessante A rte n

(Actaea spicata, Campanula la tifo lia , C am panula trachelium , Paris q u a d rifo lia) w u rd e n zusätzlich 80 V e g e ta tio n s­ a u fn a h m e n aus U lm en-Eschenw äldern (B ru n e t 1991) in gleicher Weise ausge­ w e rte t. Studie 2 Der E influ ß von M ahd und B ew eidung a u f d ie V e g e ta tio n w u rd e m it H ilfe von A rte n lis te n aus 89 Laubwiesen, W e i­ d e w ä ld e rn , u n b e w irtsch a fte te n und als H ochw ald b e w irtsch a fte te n Beständen

Tab. 1. Frequenz (% ) von Krautschichtarten in südschwedischen Laubwäldern m it (K) bzw. o hn e (O ) K o n tin u itä t w äh re nd d er Phase stärkster E n tw aldung 1820-1870.

Table 1. Frequency (%) o f field layer species in south Swedish deciduous woodlands w ith (K) and w ithout (O) continuity during a period o f deforestation between 1820 and 1870.

98

Zahl der

K

O

Zahl der

K

O

Aufnahm eflächen

290

64

Aufnahmeflächen

290

64

C Crepis paludosa Urtica dioica Fragaria vesca Polygonatum verticlllat. Dactylis glomerata Geum urbanum Juncus effusus Convallarla majalis Epllobium montanum Taraxacum sp. Lathyrus montaus Mélica nutans Dryopteris carthusiana Deschampsia flexuosa Moehringia trinervia Ranunculus repens Campanula persicifolia Filipéndula ulmaria Geum rivale Campanula trachelium Galium aparine Campanula latifolia Ag rostís cap i1laris Epilobium angustifolium Veronica chamaedrys

8 30 12 8 28 28 5 34 13 10 13 6 33 43 22 6 5 8 5 7 10 12 17 9 12

8 31 13 9 33 33 6 42 16 13 17 8 45 64 33 9 8 13 8 11 17 20 30 16 22

D Solidago virgaurea Melampyrum pratense Trientalis europaea Stellaria media Campanula rotundifolia Anthoxanthum odoratum Poa pratensis Galium saxatile Vaccinium myrtillus Pteridium aquilinum Vaccinium vitis-idaea Rumex acetosa Polypodium vulgare Hieracium vulgatum Potentilla erecta Hypericum maculatum

4 14 14 6 6 9 7 11 11 3 3 5 5 3 3 3

8 30 30 13 13 22 17 27 28 8 8 16 17 11 13 14

A Galium odoratum Actaea spicata Circaea lutetiana Scrophularia nodosa Hederá helix Paris quadrifolia Melica uniflora Stellaria nemorum Lamium galeobdolon Vicia sepium Viola reichenb./riviniana Milium effusum Bromus benekenii Dentaria bulbifera Stachys sylvatica Anthriscus sylvestris Stellaria holostea Gymnocarpium dryopt. Pulmonaria officinalis

20 6 15 11 7 13 31 27 58 12 65 32 11 11 11 13 32 6 18

2 1 3 3 2 4 10 9 23 5 28 14 5 5 5 6 16 3 9

B Rubus saxatilis Carex sylvatica Sanícula europaea Mycelis muralis Festuca gigantea Oxalis acetosella Mercurialis perennis Hepática nobilis Holcus mollis Polygonatum multiflorum Dryopteris filix-mas Geranium robertianum Veronica officinalis Aegopodium podagraria Maianthemum bifolium Luzula pilosa Galeopsis tetrahit/bifida Poa nemoralis Deschampsia cespitosa Rubus idaeus Poa trivialis Silene dioica Roegneria canina Allium ursinum Carex pilulifera Athyrium filix-femina

11 16 5 14 13 73 37 16 9 28 28 18 7 30 42 32 32 54 38 48 6 7 10 12 24 24

6 9 3 9 8 48 25 11 6 20 20 13 5 23 36 27 27 44 33 45 5 6 9 11 23 23

u n te rsu ch t. Die G ebiete liegen in den südschwedischen Provinzen Skäne, B lekinge, Hailand, Smäland, Ö land und G o tla n d (Abb. 1). Ein v o llständiges Q uellenverzeichnis fü r die v e rw e n d e ­ te n A rte n lis te n ist beim Verfasser e r­ h ä ltlic h . Die Größe der G ebiete v a riie rt von u n te r einem H e kta r bis zu über 100 Hektar. Es w u rd e n vo r allem N a tu rsch u tzg u ta ch te n und P flege­ pläne fü r S chutzgebiete a u sg e w e rte t. Fast alle G utachten w u rd e n in den Jah­ ren 1970-1990 e ra rb e ite t. Die A u sw e r­ tu n g b e z ie h t sich a u f dieselben A rte n w ie im o b ig e n M a te ria l. D a rüber hinaus w u rd e n Carex d ig ita ta , G eranium sylvaticum , Im patiens n o li-ta n g e re , Lathyrus vernus und Viola m ira b ilis b e rü ck­ s ic h tig t. Für jedes G ebiet w u rd e (1) die h e u tig e N u tzu n g (H ochw ald, [W a ld ]w e id e o d e r Laubwiese, n = 75) e rm it­ te lt, sow ie (2) das V o rko m m en bzw. Fehlen von größ eren, fü r W e idevieh u n ­ zu g ä n g lich e n Partien w ie S teilhängen, Felsen und Blockhalden (n = 89). Die N o­ m e n k la tu r der G e fäß pflanzen ric h te t sich nach Lid (1987).

Erg eb n isse Studie 1 - W aldkontinuität Die unte rsu ch te n A rte n zeigen eine re ch t u nterschiedliche A b h ä n g ig k e it von W ä ld e rn m it K o n tin u itä t (Tabelle 1). A rte n g ru p p e A m it d e u tlich e m V er­ b re itu n g s s c h w e rp u n k t in a lten W ä l­ d e rn beste h t fa st ausschließlich aus s c h a tte n ve rträ g lich e n L a u b w a ld -A rte n w ie G alium o d o ra tu m , M elica u n iflo ra o d e r D e n ta ria b u lb ife ra . G ruppe B m it le ic h te r H ä u fu n g in a lte n W ä ld e rn b e in ­ h a lte t e b e n fa lls zahlreiche Laubw aldA rte n w ie M e rcu ria lis p e re n nis und Hep a tic a n o b ilis sow ie A rte n m it V o rk o m ­ men so w o h l in Laub- als auch in N adel­ w ä ld e rn w ie Oxalis acetosella und M a ia n th e m u m b ifo liu m . In G ruppe C h in ­ gegen, w o A rte n m it le ic h te r P räferenz fü r sekundäre W ä ld e r zusam m enge­ fa ß t sind, w ird das W a ld -E le m ent d e u t­ lich schwächer, und vie le lic h tb e d ü rf­ tig e A rte n o ffe n e r S ta n d o rte kom m en hinzu. A rte n m it d e u tlic h e m Schwer­ p u n k t in sekundären W ä ld e rn (G ruppe D) sind fa st d u rch w e g re la tiv lic h tb e ­ d ü rftig e Elem ente m e h r o d e r w e n ig e r o ffe n e r H eiden und Rasen w ie e tw a C am panula ro tu n d ifo lia o d e r Poa p ra ­ tensis.

B ru n e t ■Der E influß vo n W a ld n u tz u n g u n d W a ld g e sch ich te a u f d ie V e g e ta tio n südschw edischer L a u b w ä ld e r

Studie 2 - W aldnutzung Die untersuchte n W a ld b o d e n p fla n z e n unterscheiden sich e b e n fa lls in ihrer R eaktion a u f die A rt d e r W a ld n u tz u n g (Tabelle 2). Eine Reihe von A rte n scheint e m p fin d lic h a u f so w o h l M ahd als auch B ew eidung zu re a g ie re n (G ruppe A). Die A rte n dieser G ruppe kom m en

h eute vor allem in als H ochw ald b e w irt­ schafteten Beständen vor. Gemeinsam ist den meisten A rte n dieser G ruppe auch, daß man sie vo r allem in Bestän­ den m it unzu g ä n g lich e n Partien fin d e t (Tabelle 2). Hier sind u.a. zu nennen: G alium o d o ra tu m , S tellaria n e m o ru m o d e r M elica u n iflo ra . Die A rte n in G ruppe B sind in b e w e i-

d e te n G ebieten seltener als in h e u te unb e w e id e te n H och w ä ld ern. W ir fin d e n h ie r L a u b w a ld -A rte n w ie A ctaea spicata, Lathyrus vernus o d e r P olygonatu m m u ltiflo ru m . Die W e id e e m p fin d ­ lic h k e it der m eisten A rte n aus G ruppe B w ird auch durch ih r bevorzugtes V o r­ ko m m e n in W ä ld e rn m it u n z u g ä n g li­ chen Partien a n g e d e u te t. Im G egensatz

Tab. 2 . F r e q u e n z ( % ) v o n K r a u ts c h ic h t a r t e n in s ü d s c h w e d is c h e n L a u b w a ld g e b ie t e n m i t u n t e r s c h ie d lic h e r N u t z u n g . 1. W e i d e w a l d ( W ) , 2 . L a u b w ie s e m i t M a h d ( M ) , 3 . u n b e w e i d e t e r H o c h w a ld (H ). (n = 7 5 , 14 d e r 8 9 A r t e n l is t e n k o n n t e n n i c h t v e r w e n d e t w e r d e n , w e i l b e w e i d e t e u n d u n b e w e id e t e G e b ie t e z u s a m m e n u n te r s u c h t w o r d e n s in d ). E b e n fa lls a u f g e f ü h r t is t d ie F r e q u e n z ( % ) d e r s e lb e n A r t e n in G e b ie t e n (n = 8 9 ) m i t u n z u g ä n g lic h e n P a r tie n (S te ilh ä n g e u. ä ., S ) s o w ie G e b ie t e n o h n e s o lc h e P a r t ie n (E ).

Table 2. Frequency (%) o f field layer species In south Swedish deciduous woodlands as related to management. 1. Wood-pasture (W ), 2. wood­ ed meadow (M ) , 3. ungrazed high forest (H ). Given is also frequency (%) o f the species in areas w ith inaccessible parts (steep slopes etc., S ) and areas lacking such parts (E). Zahl untersuchter Gebiete

W 19

M 14

H 42

S 22

E 67

A Arten, die bei Beweidung und Mahd abnehmen: Allium ursinum Bromus benekenii Carex digitata Circaea lutetiana Dentaria bulbifera Galium odoratum Impatiens noli-tangere Hederá helix Mycelis muralis Melica uniflora Mercurialis perennis Pulmonaria officinalis Pteridium aquilinum Silene dioica Stellaria nemorum

0 0 0 5 5 0 0 5 16 11 26 16 11 11 5

8 0 0 0 8 0 0 0 25 17 25 8 8 8 0

19 12 17 24 21 19 12 17 57 50 52 33 26 33 33

23 18 45 18 59 41 27 32 82 59 59 32 59 45 55

10 6 4 15 7 7 6 7 37 27 36 24 15 21 12

50 68 77 86 41 91 59 55

13 30 61 28 16 40 25 43

27 32 82 27 36 91 23 18 77 27 64

21 31 54 24 33 57 15 24 30 25 27

B Arten, die vor altem bei Beweidung abnehmen: Actaea spicata Carex pilulifera Epilobium angustifolium Gymnocarpium dryopt. Lathyrus vernus Melica nutans Milium effusum Polygonatum multiflorum C

5 16 26 16 0 26 11 16

17 42 67 33 25 67 25 50

21 40 69 40 24 55 45 57

Arten, die vor allem bei Mahd abnehmen:

Campanula latifolia Crépis paludosa Dryopteris carthusiana Holcus mollis Lamium galeobdolon Moehringia trinervia Polygonatum verticiIIat. Sanícula europaea Stachys sylvatica Stellaria holostea Trientalls europaea

16 21 37 26 32 53 21 26 26 32 21

8 8 33 8 8 33 0 8 0 8 17

29 38 69 19 40 69 21 24 50 29 38

D Arten, die relativ unempfindlich gegenüber Beweidung und Mahd sindAegopodium podagraria Anthriscus sylvestris Athyrium fllix-femina Campanula trachellum Campanula persicifolia Carex sylvatica Convallarla majalis

37 74 53 32 37 21 42

50 92 42 42 50 33 100

62 81 79 48 36 24 74

68 86 91 45 77 14 91

52 81 63 42 36 28 67

Zahl untersuchter Gebiete

W 19

M 14

H 42

S 22

E 67

Dactylis g lome rata Deschampsia cespitosa Deschampsia flexuosa Dryopteris fillx-mas Epilobium montanum Festuca gigantea Filipéndula ulmaria Galeopsis tetrahit/bifida Galium aparine Galium saxatile Geranium robertianum Geum urbanum Hepática nobllls Hleracium vulgatum Juncus effusus Lathyrus montanus Luzula pilosa Maianthemum bifollum Melampyrum pratense Oxalis acetosella París quadrlfolia Poa nemoralis Poa trivialis Polypodium vulgare Roegneria canina Rubus idaeus Rubus saxatilis Scrophularla nodosa Solidago virgaurea Stellaria media Urtica dioica Vaccinium myrtillus Vaccinium vitis-idaea Vicia sepium Viola mirabilis Viola reichenb./riviniana

84 84 58 58 53 26 79 42 63 32 74 74 47 42 53 63 37 47 47 47 37 68 63 26 47 42 26 53 26 47 89 37 26 58 11 74

92 92 58 67 33 25 84 25 33 17 42 50 75 75 25 67 75 67 92 67 67 84 42 33 42 67 75 58 58 25 50 50 42 67 17 92

90 83 79 79 60 36 79 48 60 24 69 86 55 60 45 60 64 81 69 83 38 86 57 40 36 83 48 67 43 26 76 48 29 55 19 95

86 86 95 100 73 41 77 64 55 50 82 86 82 73 73 77 82 95 82 95 55 95 64 86 50 91 59 82 59 50 82 82 59 59 27 100

93 85 67 67 52 31 84 42 57 28 67 76 52 60 43 64 58 66 67 70 46 79 57 30 39 69 48 57 39 36 79 45 30 60 16 88

E Arten, die durch Beweidung und Mahd eher zunehmen: 89 Agrostis capillaris Anthoxanthum odoratum 100 Campanula rotundifolia 79 74 Fragaria vesca 37 Geranium sylvaticum 84 Geum rivale Hypericum macuiatum 58 89 Poa pratensis 84 Potentilla erecta 84 Ranunculus repens Rumex acetosa 89 Taraxacum vulgatum 95 68 Veronica officinalis 84 Veronica chamaedrys

92 100 67 92 50 84 67 100 84 75 92 100 84 100

64 68 59 68 36 68 41 50 59 59 55 73 50 82

77 77 77 82 27 77 82 73 77 77 82 73 82 91

79 85 66 75 36 76 55 78 75 73 79 87 63 85

99

B ru n e t • D er E in flu ß vo n W a ld n u tz u n g u n d W a ld g e sch ich te a u f die V e g e ta tio n südschw edischer L a u b w ä ld e r

Diskussion

A b b . 2 . L a u b w ie s e m i t g e s c h n e ite lt e n E s c h e n im N S G Ir e in d e r P r o v in z B le k in g e . V ie le d e r h e u t i g e n E d e l la u b w ä ld e r in S ü d s c h w e d e n h a b e n sic h a u s n ic h t m e h r b e w ir t s c h a f t e t e n L a u b w ie s e n e n t w ic k e lt .

Fig. 2. Wooded meadow w ith pollarded ashes at Ire, Blekinge. Many deciduous woodlands in south Sweden have a past as wooded meadows. dazu besteht G ruppe C aus A rte n , d ie in b e w irts c h a fte te n Laubwiesen n u r sel­ te n a u ftre te n . Lam ium g a le o b d o lo n und Sanicula europaea sind z.B. Laub­ w a ld a rte n , die durch n ie d rig e n W uchs re la tiv w e id e fe s t sind (vgl. B ru n e t 1992). Sie haben dagegen w o h l grö ß e re S chw ierigkeiten, sich in d e r d ic h te n und hohen V e g e ta tio n in Laubwiesen zu be h a u p te n . V iele A rte n zeigen keine d e u tlich e Beziehung zu r g e g e n w ä rti­

gen W a ld n u tz u n g (G ruppe D). Zum Teil h a n d e lt es sich hier um sch a tte n ve rträ g ­ liche W a ld a rte n , die gle ich ze itig w e id e und m ahdresistent sind. Zum anderen tau ch e n h ie r lic h tb e d ü rftig e A rte n auf, die in H eiden und Rasen als auch in lich ­ te n W ä ld e rn v e rb re ite t sind. Gruppe E beste h t v o r allem aus W iesen- und Ra­ senarten, d ie im Laufe e in e r S ekundär­ sukzession zu W ald hin langsam ab ­ nehm en.

A b b . 3 . A l t e H u t e b u c h e a u f d e r e h e m a lig e n A llm e n d e w e id e im N S G J ä lla b jä r in d e r P r o v in z S k ä n e . V ie le s o lc h e r W e id e g e b ie t e m i t lo c k e r e m B a u m b e s t a n d e n t w ic k e lt e n sich n a c h A u f ­ g a b e d e r B e w e id u n g w i e d e r z u g e s c h lo s s e n e n W ä ld e r n .

Fig. 3. Old beech in wood pasture at Jällabjär, Skäne. Many former wood pastures in south Sweden turned into woods with closed canopy after grazing had ceased. 100

Eine zu intensive N u tzu n g als W e id e ­ land o d e r Laubwiese ist vo r allem d a fü r v e ra n tw o rtlic h , daß viele h eute w ie d e r b e w a ld e te G ebiete in ve rgangenen J a h rh u n d e rte n w a ld lo s w aren. Deshalb k o m m t m an auch zu sehr ähnlichen Er­ gebnissen so w o h l w e n n man die Reak­ tio n d e r A rte n a u f M ahd und Beweid u n g als auch a u f W a ld k o n tin u itä t u n te rsu ch t. D ie je n ig e n W a ld b o d e n ­ p fla n ze n , die so w o h l in sekundären W ä ld e rn fe h le n als auch e m p fin d lic h a u f M a h d und B ew eidung reagieren, sind g u te In d ik a to re n fü r natu rn a h e , a lte W älder. Als solche A rte n w ären fü r Südschweden v o r allem zu nennen: Galiu m o d o ra tu m , A ctaea spicata, Hedera helix, M e l ¡ca u n iflo ra , Circaea lu te tia n a , S tellaria n e m o ru m , Brom us benekenii, D e n ta ria b u lb ife ra , M iliu m effusum , Stachys sylvatica, P ulm onaria o ffic in a lis. Pettersson und Fiskesjö (1992) k o m ­ men zu e in e r ä h n lich e n A rte n lis te fü r Südschweden, in d e m sie vo r allem fo rs tlic h e V a ria b ein w ie Bestandesalter, H o lzvo rra t, V o rko m m e n von Totholz, B aum schw äm m en und sehr a lte n Bäu­ men a u sw erten. U n te r den selteneren W a ld a rte n , die n ic h t in die vo rlie g e n d e A rb e it m it e in b e zo g e n sind, g ib t es w e i­ te re Beispiele fü r N a tu rw a ld -In d ik a to ren: H ordelym us europaeus, Festuca altissim a, Brom us ramosus, Circaea inte rm e d ia , Lunaria rediviva, P rim ula elat io r u nd Veronica m o n ta n a (B ru n e t 1993, Pettersson u nd Fiskesjö 1992). Die S e lte n h e it dieser A rte n ist o ft eine Folge ih re r E m p fin d lic h k e it g e g e n ü b e r frü h e re r L a n d n u tz u n g (B ru n e t 1993). Die Ergebnisse m achen auch de u tlich, w ie w ic h tig u n zu g ä n g lich e Steilhänge, B lockhalden u.ä. fü r die E rhaltung der W a ld flo ra w a re n . Fast alle w e id e e m p ­ fin d lic h e n A rte n sind stark an solche S ta n d o rte g e b u n d e n und haben d o rt w a h rsch e in lich Perioden intensiver N u tz u n g ü b e rd a u e rt. Einige A rte n , d ie m ahd- und w e id e ­ e m p fin d lic h zu sein scheinen, zeigen je ­ doch keine A b h ä n g ig k e it von alten W ä ld e rn , w e il sie v e rm u tlic h eine g u te V e rb re itu n g s fä h ig k e it besitzen und rasch n ic h t m ehr b e w e id e te G ebiete ko lo n isie re n . D ie je n ig e n A rte n , die se­ k u n d ä re W ä ld e r anzeigen, sind zum g rö ß te n Teil auch w e id e fe s t (vgl. Fogelfors 1982, Olsson 1975, Steen 1954). Da

B ru n e t • Der E in flu ß von W a ld n u tz u n g u n d W a ld g e sch ich te a u f d ie V e g e ta tio n südschw edischer L a u b w ä ld e r

diese A rte n n ic h t sch a tte n ve rträ g lich sind, gehen sie zurück, sobald sich das K ronendach schließt, kö n n e n aber noch lange Z e it in g e rin g e re m U m fa n g ü b e r­ d a uern (Ekstam und Forshed 1992). Die m ehr o d e r w e n ig e r starke Reak­ tio n d e r A rte n g e g e n ü b e r M ahd o d e r B ew eidung kann unte rsch ie d lich e Ur­ sachen haben. W a ld a rte n kö n n e n in Laubwiesen übe rle b e n , w e n n sie ihre E n tw ick lu n g vo r d e r M ahd abschließen o d e r sich, ebenso w ie a u f W eiden, im Schutz von den in Schweden w e it ve r­ b re ite te n Lesesteinhaufen b e h a u p te n . W a ld a rte n , die auch bei B ew eidung V orkom m en, zeichnen sich o ft durch an den Boden g e p re ß te n W uchs aus, b il­ den kle in e rw ü ch sig e W e id e fo rm e n aus (B ru n e t 1992, H a eggström 1990) o d e r w e rd e n vom W eidevieh gem ie d e n . Ob gewisse A rte n b e w e id e t w e rd e n o d e r nicht, h ä n g t jedoch in hohem M aße von der A rt und In te n s itä t d e r B ew eidung ab. Bei hohem W e id e d ru ck w e rd e n fa st alle A rte n b e w e id e t (H aeggström 1990). Im A nschluß an diese Studie s te llt sich die Frage, w ie N a tu rw a ld -In d ik a to ren a u f die M e th o d e n m o d e rn e r Forst­ w irts c h a ft reagieren. Eine der w e n ig e n U ntersuchunge n zu diesem Them a aus Südschweden ze ig t, daß e in ig e A rte n w ie G alium o d o ra tu m und M elica u niflo ra n e g a tiv a u f E in g riffe reagieren, w ä h re n d andere w ie M iliu m effu su m und S tellaria n e m o ru m w e n ig e r e m p ­ fin d lic h sind (F a lkengren-G rerup und Ty/er 1991). Die h ie rv o rg e le g te n Ergebnisse m ö­ gen eine erste Ü bersicht bie te n , aber das re la tiv g ro b e U ntersuchungsraster und die stark u n te rschiedliche Größe de r G ebiete in S tudie 2 lassen n u r be­ g re n z te S ch lu ß fo lg e ru n g e n zu. Durch genauere U ntersuchungen ließe sich sicherlich ein d e utlicheres Bild fü r vie ­ le A rte n fin d e n . In d e r G ruppe d e r Na­ tu rw a ld -In d ik a to re n d ü rfte sich a lle r­ dings n u r w e n ig ändern, da m ehrere A nsätze ähnlich e Ergebnisse g e lie fe rt haben.

Danksagung Für d ie B e re itste llu n g u m fa n g re ich e n D a te nm aterials d anke ich Prof. Germ und Tyler und Claes B e rg e n d o rff. Für fin a n z ie lle U n te rs tü tz u n g d anke ich dem W o rld W id e Fund fo r N ature (WWF).

Abstract Im p a ct o f w o o d la n d m a n a g e m e n t a n d h is to ry on the fie ld la y e r v e g e ta tio n in south Swedish deciduous w o o d la n d s U n til th e 19th century, m ost w o o d la n d s in south Sweden w e re e ith e r grazed o r m ow ed. In o rd e r to study th e re la tio n betw een fo rm e r w o o d la n d m a n a g e ­ m e n t and fie ld layer v e g e ta tio n , species d is trib u tio n was com pared in: (1) w o o d ­ lands w ith or w ith o u t canopy c o n tin u ­ ity d u rin g a p e rio d o f d e fo re s ta tio n 1820-1870, (2) w o o d la n d s m anaged as w o o d pasture, w o o d e d m e a d o w o r high forest, (3) w o o d la n d s w ith parts in ­ accessible to g ra zin g anim als, as ravines and bo u ld e r areas, o r w o o d la n d s lack­ ing these features. A g ro u p o f fie ld layer species in d ica ted b o th w o o d la n d co n tin u ity, sensitivity to g ra z in g and dependence on refuges w ith in w oods. These species w h ic h can be used as in ­ d ic a to r species fo r re la tiv e ly undis­ tu rb e d deciduous w o o d la n d s in south Sweden are: A ctaea spicata, Brom us benekenii, Circaea lu te tia n a , D e n ta ria b u lb ifera , G alium o d o ra tu m , H edera helix, Melica u n iflo ra , M iliu m effusum , P ulm onaria o fficin a lis, Stachys sylvatica and Stellaria ne m o ru m .

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Anschrift des Verfassers Dr. Jörg B runet • D e p a rtm e nt o f Ecology U niversity o f Lund • Ecology B u ild in g S-223 62 Lund • Sweden 101

N N A -B e ric h te 3 /9 4

The definition, evaluation and manage­ ment of ancient woods in Great Britain von George F. Peterken Introduction The an cie nt w oods o f B rita in w e re firs t p ro te c te d as a d is tin c t ty p e in 1877, w h e n th e w ood-pa stu re s o f th e New Forest w e re saved fro m fe llin g . N o w all ancient, sem i-natura l w o o d s have some p ro te c tio n u n d e r th e G o ve rn m e n t's 1985 Broadleaves Policy. This paper describes h o w a n cie n t w o o d la n d s are d e fin e d , recognised, eva lu ate d and p ro te c te d in B rita in . T h e ir survival and past m a n a g e m e n t is also o u tlin e d . G reater d e ta il on m ost o f th e p oints m ade here is given in W o o d ­ la n d C onservation a n d M a n a g e m e n t (second e d itio n ) (Peterken 1993b).

Definitions W h e n historical approaches to w o o d ­ land ecology and conservation d e ve l­ ope d a b o u t 1970, w e d istin g uish e d be­ tw e e n p rim a ry and secondary w o o d ­ land. " P rim ary w o o d la n d s " w e re those w h ich had never been cleared o f trees and w e re th e re fo re m o d ifie d rem nants o f th e o rig in a l forests. "S econdary w o o d la n d s " occupied sites w h ic h had been c o m p le te ly cleared o f trees and had g ro w n up on u n w o o d e d g ro u n d . The date and character o f th is clearance was im p o rta n t, fo r small, te m p o ra ry clearances in densely w o o d e d la n d ­ scapes are eco logica lly in s ig n ific a n t. For a w o o d to be secondary, th e clearance had to extend to th e tim e w h e n th e w o o d la n d o f th e area had becom e fr a g ­ m en te d and th e cleared land was used as fa rm la n d (Peterken 1993 b). U n fo rtu n a te ly , these te rm s w e re d if­ fic u lt to use, because it is very d iffic u lt to d e m o n stra te th a t a p a rtic u la r w o o d was prim ary. We th e re fo re deve lop e d an a lte rn a tiv e pair o f term s, a n cie n t w o o d la n d and recent w o o d la n d , w h ic h are m ore useful, sim ply because it was possible to prove th a t a w o o d was an ­ c ie n t o r recent. " A n c ie n t w o o d s " are w o o d s occu­ pyin g sites w h ich have been w o o d e d c o n tin u o u s ly since a t least 1600. They are "m e d ie va l w o o d s " w h ic h have sur­ 102

vived in la te r times. This does n o t neces­ sarily mean th a t th e trees are m ore th a n 393 years old, th o u g h in some w oods th is is th e case, b u t th a t w o o d la n d has been present on th e site w ith o u t in ­ te rv e n in g periods u nder o th e r land uses. N or does it mean th a t a n cie nt w o o d s have been unto u ch e d fo r fo u r centuries. In fa ct alm ost all a n cie nt w o o d s have been cut d o w n and have re­ g ro w n (o r have been pla n te d ) m any tim e s since 1600. "R ecent w o o d s" are those w h ic h have g ro w n up on u n ­ w o o d e d land a fte r 1600 (Plate 1). A ll re­ ce n t w o o d s are secondary and all p rim ­ ary w o od s are ancient, b u t th e re are "a n c ie n t, secondary w o o d s", w h ich g re w up on unw o od e d g ro u n d b e fo re 1600. B ritish ecologists also use a te rm "s e m i-n a tu ra l w o o d la n d " w h ich is som etim es confused w ith "a n c ie n t w o o d la n d ". Sem i-natural w oods are stands composed p re d o m in a n tly o f n a t­ ive trees and shrubs, w h ich have n o t been p la n te d . By "n a tiv e " w e m ean loc­ a lly native, i.e. to th a t d is tric t and site typ e . Thus, th e beechwoods o f n o rth ­

ern B rita in are n o t sem i-natural, be­ cause beech d id n o t spread n a tu ra lly beyond so u th e rn B rita in . A ll n o rth e rn beechw oods w e re p la n te d o r o rig in a te fro m p la n te d trees. "A n c ie n t" and "s e m i-n a tu ra l" have som etim es been used as synonyms, b u t th is is q u ite w ro n g . A ncientness refers to th e site as w o o d la n d , w hereas n a tu r­ alness refers to th e stand g ro w in g on th a t site. The tw o te rm s are indepen­ d e n t. They can fo rm fo u r m ain co m b i­ nations, b u t w ith in te rm e d ia te types. Figure 1 summarises th e relationships and gives exam ples fro m th e main types.

Developm ent of the concept of ancient w oodland The concept o f a n c ie n t w o o d la n d has becom e p ro m in e n t in B rita in in th e last 25 years, s tim u la te d p a rtic u la rly by th e w ritin g s o f Rackham (1976,1980,1986), b u t it is n o t a n e w idea. In fact, th e Board o f A g ric u ltu re Reports o f 1790-1813 d istin g u ish e d betw een n a tu ra l w o o d s and p la n ta tio n s, th e fo r ­ m er be in g a n cie n t and th e la tte r being secondary w o o d s o rig in a tin g a fte r 1600 (Jones 1961). Foresters in th e early 19th ce n tu ry recognised a n c ie n t w oods and clearly a p p re cia te d th a t some w oods w e re possibly rem nants o f th e o rig in a l fo re s t (W atkins 1988). Ecologists and

P la te 1. S e c o n d a r y w o o d s p l a n t e d o n tr e e le s s f a r m la n d in t h e 1 8 th c e n tu r y , E y f o r d P a rk , G lo u c e s te rs h ir e .

Peterken • The d e fin itio n , e v a lu a tio n and m a n a g e m e n t o f a n c ie n t w o o d s in G re a t B rita in

Ecological status o f ancient w oods Decreasing age o f w o o d la n d i. e. d u ra tio n o f w o o d la n d on th e site

PRIMARY

SECONDARY

ANCIENT

RECENT 1600



_C

SEMI-NATURAL

ANCIENT, SEMI-NATURAL

RECENT, SEMI-NATURAL

PLANTATIONS

ANCIENT WOODS TREATED AS PLANTATIONS

RECENT, PLANTATIONS

ro

o +-> fD

C

cn

_c

l/l

fD
F ig . 1. S u m m a r y o f t h e r e la t io n s h ip s b e t w e e n " A n c ie n t" , " P r im a r y " a n d " S e m i- n a t u r a l " w o o d la n d , a s d e f in e d f o r u s e in G r e a t B rita in .

and conservation (e.g., W atkins 1990) foresters in th e early 20th ce n tu ry w ere are available. P opular s u p p o rt fo r p ro ­ w e ll aw are th a t m any se m i-natural w o ods had an cie nt o rig in s (e.g. W a tt te ctin g ancient w o o d s is n o w substan­ tia l: recently th e plan to b u ild a road 1923-25, Tansley 1939), th o u g h th e y th ro u g h south-east London was a b a n ­ rarely studied th e h isto ry o f in d iv id u a l doned because it w o u ld have c u t th e w oods. ancient Oxleas W o o d in to tw o pieces The sig n ific a n t change d u rin g th e (8/ack 1991). last 30 years o r so has been an in te re st by ecologists in w o o d la n d h isto ry and in lin k in g historical ecology to n a tu re con­ servation policies and practices. The early exponents o f th is w o o d la n d his­ to ric a l ecology w e re Steven and Carlisle (1959) in th e p in e w o o d s o f Scotland (Plate 2) and Tubbs (1964, 1968) in th e N ew Forest (Plate 3). O th e r ecologists fo llo w e d this lead, in c lu d in g m yself (e.g., P eterken and Tubbs 1965, P eter­ ke n 1969, 1993b) and Rackham (e.g., 1971, 1975,1976, 1980). For a fe w years ecologists pre fe rre d th e te rm "p rim a ry w o o d la n d " (e.g., P ig o tt 1969), b u t R ackham 's b o o k on a n c ie n t w oods (1976) was so p o p u la r and th e concept o f a n cie nt w oods was so m uch m ore useful th a n "p rim a ry w o o d s ", th a t "a n ­ cie n t w o o d la n d " became established. By 1985 ancient w o o d s w e re recognised in th e G overnm ent's fo re s try p o licy (see be lo w ). Today, ancient w o o d s are a p rio rity P la te 2 . A n c ie n t S c o ts p i n e (P in u s s y lv e s tr is ) fo r n a tu re conservation. P opular books R o th ie m u r c h u s F o re s t, N . E. S c o tla n d . on th e ir ecology (e.g., M a rre n 1990)

The a n c ie n t w o o d s c e rta in ly in clu d e m any secondary stands, w h ic h g re w up on fa rm la n d in th e m edieval p e rio d o r on fie ld systems and pastures a b a n ­ d o n e d by th e Romans and e a rlie r in ­ h a b ita n ts. These a n cient, secondary w oods can be id e n tifie d fro m h isto rica l sources and a rch a e o logical rem ains. Typically, do cu m e n ts and maps sho w th a t th e y existed b e fo re 1600, b u t th e rem ains o f fie ld systems and b u ild in g s u n d e r th e w o o d s h o w th a t th e w o o d was once cleared (e.g. Fasham 1983). Pollen analysis o f deposits in sm all h o l­ lows has show n th a t some a n c ie n t w o o d s w e re very o p e n in p re h is to ric tim es (Day 1991). It seems th a t m o st o f th e a n c ie n t w o o d s on chalk and lim e ­ stone in s o u th e rn England are second­ ary. However, m any a n c ie n t w o o d s a p ­ pear to be rem nants o f th e o rig in a l n a tu ra l fo re s t. They show no sign o f a l­ te rn a tiv e use and th e y fo rm p a rt o f landscapes w h ic h w e re c e rta in ly w e llw o o d e d u n til la te in th e process o f land s e ttle m e n t. Nevertheless, w e d o n o t k n o w h o w m any a n cie n t w o o d s are prim ary. A fe w have been sho w n by p o l­ len analysis to have existed c o n tin u ­ ously (e.g. Birks 1970, Birks 1982), b u t fo r m ost w e k n o w o n ly th a t th e w o o d has existed fo r a t least 900 years and

- j u n i p e r (J u n ip e r u s c o m m u n is ) w o o d s in

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P e te rken • The d e fin itio n , e v a lu a tio n a nd m a n a g e m e n t o f a n cie n t w o o d s in G reat B rita in

secondary w o o d la n d is co m plicated by th e ecological ch a ra cte r o f th e w o o d ­ land (Plate 4). Being in o r close to th e boreal zone, th e w o o d s are d o m in a te d by lig h t-d e m a n d in g trees and are n a tu ra lly m ore d istu rb e d . They have also lo n g been subjected to pasturage, th e in te n s ity o f w h ich has flu c tu a te d over th e centuries. The result has been th a t in d iv id u a l w o o d s have expanded and contra cte d .

Id e n tify in g a n cie n t w o o d s

P la te 3. A n c ie n t w o o d -p a s tu re s in D e n n y W o o d , N e w Forest, H am pshire, com p o sed m a in ly o f b ee c h (Fagus s y lv a tic a ) u p to 3 5 0 y e a rs o ld .

th a t no evidence o f e a rlie r clearance has been fo u n d . Tilia cordata was once a b u n d a n t in prim aeval fo re s t (Greig 1982) and is n o w u n a b le to colonise se­ cond ary w o o d la n d (P ig o tt und H u n tle y 1978-82), so it seems lik e ly th a t w oods

c o n ta in in g this species are a t least p a rtly prim ary. I suspect th a t no m ore th a n 5 0 -6 0 % o f all an cie nt w o o d s in B rita in are, in fact, primary. In n o rth e rn B ritain th e d is tin c tio n b e tw e e n a n c ie n t/p rim a ry and re c e n t/

P la te 4. Birch (B e tu la p u b escen s) w o o d la n d s in n o r th e rn S cotland. The core o f th e w o o d n e a r th e riv e r m a y b e a n c ie n t, b u t th e w o o d has e x p a n d e d o v e r a b a n d o n e d fa rm la n d in th e valley, a n d o n to th e m o o rla n d a b o v e .

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Existing w oods can be recognised as " a n c ie n t" by a ccu m u la tin g evidence fro m a v a rie ty o f sources. Each source is usually in c o m p le te o r a m b ig u o u s by it ­ self, b u t co m b in a tio n s o f sources may prove th e p o in t beyond reasonable d o u b t. It is fa r easier to prove th a t a w o o d is secondary th a n th a t it is p rim ­ ary, because th e evidence is positive. One reason w h y th e te rm "a n c ie n t w o o d " is m ore useful th a n "p rim a ry w o o d " is th a t it is fa r easier to prove th a t w o o d la n d has existed co n tin u o u sly over th e last 400 years th a n o ver th e last 3000 years. The m ain sources are: (a) D o cu m e n ta ry records. In d iv id ­ ual w o o d s are recognisable in w ritte n records fro m th e 7 th century, excep­ tio n a lly , and usually fro m th e 13th cen­ tu ry onw ards. The firs t w o o d la n d sur­ vey was u n d e rta k e n fo r th e Domesday Survey in 1086 (D a rb y 1952), and th is is o fte n th e earliest in d ic a tio n th a t a w o o d existed. M onastic records are im ­ p o rta n t th ro u g h th e M id d le Ages and Estate Records o fte n survive fro m th e 18th ce n tu ry onw ards. N a tio n a l a r­ chives c o n ta in num erous legal and ad­ m in is tra tiv e records w h ic h may m en­ tio n w o o d la n d s. Local c o u rt proceed­ ings also record w oods. (b) Maps. Maps becom e available a fte r 1570 and fre q u e n tly survive fro m th e e arly 17th c e n tu ry (Plate 5). Estate maps are im p o rta n t u n til th e early 19th century. C ounty maps w e re m ade fro m th e 16 th to 19 th centuries, b u t m any are u n re lia b le o r to o small. Scottish w oods w e re recorded on a m ilita ry survey o f Scotland in th e m id -1 8 th century. The O rdnance Survey sta rte d a co m p re h e n ­ sive, d e ta ile d and accurate survey in 1799. W o o d la n d h isto ry fo r th e last 190 years can be d e te rm in e d fro m succes­ sive e d itio n s o f these maps.

Peterken • The d e fin itio n , e v a lu a tio n and m a n a g e m e n t o f a n c ie n t w o o d s in G re a t B rita in

(c) Banks, ditches a n d o th e r a rte ­ facts. Maps o f th e banks, ditches, mounds, hollow s, ponds and o th e r a rti­ ficia l a lte ra tio n s o f th e site can be used to in te rp re t th e d e ta ile d h isto ry o f in d i­ vidual w oods. Large, sinuous m edieval boundary banks (Plate 6) can o fte n be clearly distin g uish e d fro m smaller, stra ig h te r m ode rn b o u n d a ry banks and ditches. Some w o o d s are p a rtly an cie nt and p a rtly recent: b a n k -a n d -d itc h sur­ veys and o ld maps he lp to d e fin e th e ex­ act b o u n d a ry b e tw e e n parts o f w oods w ith d iffe re n t history. (d) T opographical analysis. A n c ie n t w oods are usually located a g a in st par­ ish boundaries and in th e re m o te r parts o f m anorial lands. They may occur as p a rt o f a g ro u p o f o ld enclosures w ith small fields w ith sinuous boundaries, w h ich them selves w e re carved o u t o f a larg er ancient w o o d in th e M id d le Ages. A n cie n t w o o d s are o fte n associ­ ated w ith fie ld names m e a n in g "w o o d ­ land cle a rin g ". (e) In d ic a to r species o f fa u n a an d flo ra . M any plants and some anim als have been recognised as a n c ie n t w o o d ­ land in d ic a to r species (see b e lo w ) (Plates 7 and 8). If present in a w o o d , th e y are regarded as evidence th a t a w o o d is ancient. W h e n , m any such in ­ dicators occur in a w o o d , th is fo rm s a stro ng in d ica tio n , b u t n o t p ro o f. These slow colonists are ra re ly a b s o lu te ly con­ fin e d to ancient w oods. The degree to w h ich th e y are associated w ith an cie nt w o ods varies fro m one re g io n to an­ other, so it is o fte n necessary to devise a list o f indicators fo r each d is tric t. Indica­ to r species are m ost useful in lo w la n d regions w h e re a n c ie n t w o o d s are small and w id e ly separated, and th e y are use­ less in densely w o o d e d regions w h e re all new secondary w o o d s are close to a n cie nt w oods. (f) W o o d la n d s tru c tu re a n d com ­ p o s itio n . M ixed coppices and w o o d pastures w ith trees d a tin g fro m b e fore 1750 are usually a n c ie n t w oods. A fe w w oods w e re p la n te d as coppices in th e 19th ce n tu ry and m ost w o o d -p a stu re s had been m ade in to landscape parks w ith o rn a m e n ta l fo re ig n trees. (g) S oil p ro file s a n d p o lle n analysis. Soil p ro file s and p o lle n in soils have been used to id e n tify w o o d s w hich have fo rm e d on ope n h e a th la n d s (D im b le b y 1962). Pollen p ro file s in peat deposits w ith in small h o llo w s have

P late 5. G re tto n W o o d s, N o rth a m p to n s h ire in 1587. This la rg e coppice w a s d iv id e d in to m a n y n a m e d p arts , s o m e o f w h ic h w e re o p e n to d e e r g ra z in g in 1587, w h e ra s o th e rs w e re enclo sed b y te m p o ra ry fences. Access to th e w o o d s w a s a lo n g g ra s s y rides. This is p a r t o f a n u n u su a lly e a rly a n d d e ta ile d m a p m a d e w h e n th e Q u e e n 's c h a n c e llo r a c q u ire d a n e w e s tate.

enabled th e local h isto ry o f in d iv id u a l w oods to be recon stru cte d in g re a t de ­ ta il (Bradshaw 1988). A w o o d can be te n ta tiv e ly id e n tifie d as ancient by inspe cting th e series o f O rdnance Survey maps fro m 1800 on-

w ards and analysing h o w it relates to th e s u rro u n d in g fie ld p a tte rn (sources b, d). This conclusion can be re in fo rc e d o r re fu te d on a site visit by inspecting th e b o u n d a ry banks, stand s tru ctu re and co m p o sitio n (sources c, e, f). Exam-

P late 6. The e d g e o f B ra d fie ld W oods, S u ffo lk , s h o w in g th e m assive b o u n d a r y b a n k , a p o lla rd ash (Fraxinus ex c els io r) o n th e o th e r sid e o f th e b a n k , a n d a s m a ll c o p p ic e d a re a in th e distance.

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P eterken • The d e fin itio n , e v a lu a tio n and m a n a g e m e n t o f a n cie n t w o o d s in G reat B rita in

P la te

7. O x lip (P rim u la e la tio r), o n e o f th e m o s t re lia b le ind icato rs o f a n c ie n t w o o d la n d

th r o u g h o u t its ra n g e in e a s te rn E n g lan d , w h e r e i t g ro w s o n p o o rly -d ra in e d n e u tra l a n d a lk a lin e clay soils.

in a tio n o f o ld docum ents and maps - if available - may prove th a t a w o o d has existed c o n tin u o u s ly fo r 900 years o r m ore, and g ive some de ta ils o f its c o n d i­ tio n a t various dates in th e past. O nly a study o f p o lle n deposits can prove th a t a w o o d is prim ary.

P ast m an ag em en t o f ancien t woods B rita in has no virg in forests, i.e. w o o d s w h ic h have never been a lte re d by peo p le . A ll ancient w oods have been m anaged, and some have been m a n ­

aged fo r over 3000 years (Rackham 1980). The main types o f m a n a g e m e n t w e re tra d itio n a lly w o o d -p a stu re and coppice. H igh fo re s t was rare b e fo re 1700. W ood-pastures w e re p e rm a n e n tly ope n fo r pasturage (Plate 9). The w o o d ­ land was o fte n open and th e shrub s tra tu m was sparse. M ost trees w ere p o lla rd e d , i.e. re p e a te d ly lo p p e d and g re w n e w crowns. The m ain trees w ere oak, b u t also som etim es beech, w ych elm , ash, ald e r o r sm all-leaved lim e. C haracteristically, w o o d -p astures con­ ta in e d m any a n cie nt trees w ith h o llo w tru n k s . They w ere u s u a lly fo u n d in royal forests, deer parks and w o o d e d com ­ mons. The best surviving exam ple is th e N ew Forest (Plate 3), b u t o th e r g o o d ex­ am ples rem ain in, fo r exam ple, W in d so r Forest and G reat Park and S taverton Park. Coppices w e re cu t on ro ta tio n s o f 5-30 years, d e p e n d in g on th e m arkets th e y supplied (Plate 10). M ost coppices in clu d e d "s ta n d a rd s ", i.e. tim b e r trees, usually oaks, w h ich w ere used fo r b u ild in g . The u n d e rw o o d was usually a m ix tu re o f trees and shrubs, m ost o f w h ic h w e re never p la n te d, th e com ­ m o n e st being hazel, ash, fie ld m aple, ho rn b e a m , ald e r and sm all-leaved lim e in th e low lands, and sessile and p e d u n ­ cu la te oaks in th e uplands. From th e 18th ce n tu ry onw ards, m any coppices w e re "im p ro v e d ", i.e. m ade m ore p ro fita b le by m o d ify in g th e stru c tu re o r c o m p o sitio n (Boys 1794, T itte n so r 1970) (Plate 11). A t th is tim e , some w e re m ade in to m o n ocu ltu re s o f n a tive species, such as hazel o r oa k (Ed­ w ards 1986). In others, th e n a tive m ix­ tu re o f species was replaced by chest­ n u t. Coppices on lim estone soils in parts o f s o u th e rn England w e re changed in to beech h ig h fo re st, having previously been m ixtures o f oak, ash hazel and beech. A t th e same tim e m any w o o d pastures w e re changed to oak o r beech p la n ta tio n s , o r d ive rsifie d by p la n tin g o rn a m e n ta l trees. These w oods are still "a n c ie n t", b u t th e ir degree o f n a tu ra l­ ness has been reduced (Fig. 1).

P la n t and an im al sp ecies a sso ­ ciated w ith a n cie n t w o o d la n d s P la te 8. L ily -o f-th e -v a lle y (C o n v a lla ria m ajalis), w h ic h g ro w s o n dry, a lk a lin e soils in w e s te rn B rita in a n d a c id sands in e a s te rn B rita in . In b o th re g io n s i t is s tro n g ly associated w ith a n c ie n t w oods.

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D u rin g th e 19th c e n tu ry foresters and n a tu ra lists realised th a t th e com posi­ tio n o f a w o o d p a rtly reflected its o ri­

P eterken The d e fin itio n , e v a lu a tio n a nd m a n a g e m e n t o f a n c ie n t w o o d s in G re a t B rita in

gins. The Board o f A g ric u ltu re Reports o f 1790-1813 (Jones 1961) d is tin g u ­ ished coppice w o o d s (= a n c ie n t w oods) fro m p la n ta tio n s (= recent secondary w oods) and some 19th ce n tu ry n a tu ra l­ ists kn e w th a t m ixed hedges w e re th e surviving borders o f (ancient) w o o d ­ lands th a t had been cleared to fields. Several herbs w e re id e n tifie d as characteristic o f n a tiv e (i.e . an cie nt se m i-natural) p in e w o o d s (W h ite 1898). M ore recently, B eevor (1925) concluded a study o f th is h isto ry o f w o o d la n d s in N o rfo lk by n o tin g th a t E ndym ion n o n scriptus was fo u n d o n ly in th e an cie nt w oods, and B o y c o tt (1934) recognised a w h o le class o f M ollusca w h ic h w ere "a n th ro p o p h o b ic ", i.e., c o n fin e d to w o o d la n d and o th e r 'o rig in a l' ha b ita ts and u nable to colonise n e w w oods. Ratc llffe (1968) believed th a t m any oceanic B ryophyta w e re re stricte d to sites fro m w h ich trees had never been cleared, and P ig o tt (1969) concluded th a t Tilia cordata and some associated herbs m arked th e sites o f p rim a ry w o o d la n d on lim estone in Derbyshire. If these e a rlie r studies w e re based on th o ro u g h , in d e p e n d e n t in vestiga­ tio n s o f th e h isto ry o f th e w oodlands, th e details w e re n o t published, and th e w o ods w ere a p p a re n tly assumed to be ancient. Even so, th e re is no reason to d o u b t any o f th e ir conclusions. In a study in Lincolnshire, how ever, w e care­ fu lly id e n tifie d a n c ie n t w o o d s fro m his­ to ric a l sources and d e te rm in e d th e pe rio d d u rin g w h ic h each secondary w o o d o rig in a te d and com pared th e dis­ tr ib u tio n o f w o o d la n d herbs w ith w o o d la n d o rig in s (P eterken and Game 1984, Peterken 1993a). This d e m o n ­ strated: ■ th a t m any w o o d la n d herbs w e re al­ m ost re stricte d to a n c ie n t w oods ( " a n c ie n t w o o d la n d in d ic a to rs ") and w e re e v id e n tly u n a b le to colonise sec­ o n d a ry w oods, o r d id so o n ly slow ly (Table 1) (Plates 7 and 8); ■ th a t p o p u la tio n s o f some slow -col­ o n isin g w o o d la n d species could survive o utsid e w o o d la n d s in a n c ie n t hedges, a lo n g stream banks and in o th e r "s e m i-w o o d la n d " h a b ita ts; ■ th a t a n c ie n t w o o d s w e re ge n e ra lly richer th a n recent w oods, except those b e lo w a b o u t 3 ha; ■ th a t secondary w o o d s o rig in a tin g in th e 18th c e n tu ry w e re no richer th a n th ose o rig in a tin g in th e 19th and 20th

P late 9. B rad g a te Park, Leicestershire, a s u rv iv in g m e d ie v a l d e e r p a r k in w h ic h lo p p e d p e d u n c u la te oaks (Q uercu s ro b u r) g r o w o v e r b ra c k en (P te rid iu m a q u ilin u m ) - rid d e n p a s ­ tu re.

P la te 10. S w a n to n N o ve rs G re a t W o o d , N o rfo lk , w h e r e o a k (Q u ercu s ro b u r ) a n d ash (Fraxinus excelsior) s ta n d a rd s g r o w o v e r m ix e d co p pice o f h a z e l (C orylu s a v e lla n a ), lim e (T ilia cordata), ash, m a p le (A c e r cam p e stre), a ld e r (A ln u s g lu tin o s a ), b ir d c h e rry (P ru n u s p ad u s ) a n d o th e r species. The succession o f tim b e r trees has n o t b e e n r e n e w e d . The h ig h -c u t coppice stools m a y b e a response to r a b b it g ra zin g .

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P e te rken • The d e fin itio n , e v a lu a tio n and m a n a g e m e n t o f an cie n t w o o d s in G reat B rita in Table 1. Vascular p la n t species m o s t s tro n g ly a s s o c ia te d w ith a n c ie n t w o o d la n d in c e n tra l L in coln shire (Source: P e te rk e n 1 9 9 3 a )

O nly th e 32 species w ith 80 % o r m ore o f th e ir localities in a n cie n t w o o d s are listed. Species accuring in fe w e r th a n 7 sites are in clu d e d if evidence fro m elsew here in th e re g io n indicates th a t th e ir b ia s to a n cie n t w oods is s ig n ific a n t. A n e m o n e nem orosa C alam agrostis canescens C am panula tra ch e liu m (6 sites only) Carex pallescens Carex p e n d u la Carex re m o ta C arexstrigosa (4 sites only) C hrysosplenium a lte rn ifo liu m (4 sites only) C onvallaria m ajalis Dipsacus pilosus P la te 11. O v e rg ro w n c o p p ic e -w ith -s ta n d a rd s in C ra n b o rn e Chase, D o rs e t, w ith a c a rp e t o f

E quisetum sylvaticum (2 sites only) G alium o d o ra tu m Lam iastrum g a le o b d o lo n Lathraea squam arla (1 site o nly) Lathyrus m o n ta n u s Luzula pllosa Luzula sylvatlca Lysimachia n e m o ru m Lyslmachla vulgaris M a ia n th e m u m b ifo liu m (1 site only) M e la m p y ru m prate n se M elica u n iflo ra M iliu m e ffusum N e o ttia nidus-avis Oxalis acetosella Paris q u a d rifo lia P la ta n th e ra c h lo ra n th a P o te n tilla sterilis Sorbus to rm in a lis Tilia co r data Vicia sepium Vicia sylvatica (3 sites only)

centuries, and th e re fo re th a t secondary w o o d s w ere n o t be co m in g richer as th e y g o t older; ■ th a t th e secondary w o o d s w h ic h con­ ta in e d s ig n ific a n t num bers o f a n cie n t w o o d la n d in d ic a to r species w e re those w h ic h w ere less isolated ecologically, i.e. w h ich g re w close to an a n cie n t 108

d o g 's m e rc u ry (M e rcu ria lis p erenn is). The p u re h a z e l (C o rylu s a v e lia n a ) u n d e r w o o d w a s u sed to m a k e w a ttle hurdles. I t m a y h a v e b e e n p la n te d , o r a t le a s t e n c o u ra g e d b y re m o v a l o f o th e r cop pice species.

w o o d , a n cie n t hedge o r se m i-w o o d ­ land h a b ita t. D e ta ile d analyses o f th e d is trib u tio n o f M e rcu ria lis perennis (Peterken and Game 1981), A n e m o n e nem orosa (P eterken 1981) and Sorbus to rm in a lis (P eterken 1983) in Lincolnshire w e re published. Rackham (1980) com pared an early list o f indicators in Lincolnshire w ith those in East A n g lia . It is clear th a t species change th e ir b e h a vio u r fro m one p a rt o f B ritain o f another, and th e re fo re th a t th e indicators in one re­ g io n w ill n o t necessarily be indicators elsew here. For example, th e E ndym ion non-scriptus w hich is a w eak a n cie nt w o o d la n d in d ic a to r in eastern England g row s a b u n d a n tly in m o n ta n e pastures in n o rth e rn and w estern B ritain. In B rita in , th e concept o f a n cie nt w o o d la n d in d ic a to r has been extended to m any groups. It has long been ap ­ p lied to e p ip hytic lichens (Rose 1992) and to saproxylic invertebrates (H a rd ­ in g and Rose 1986). M any w o o d la n d b u tte rflie s are poor colonists, e.g., M e llicta a th a lia ( W arren 1987). In general, th e an c ie n t coppices co n ta in th e largest n u m b e r o f in d ic a to r herbs, w hereas th e a n cie n t w ood-pastures su p p o rt m ost re lic t p o p u la tio n s o f saproxylic species.

R ecen t ch an g e s in e x te n t and m anagem ent T ra d itio n a l w o o d -p a s tu re m anage­ m e n t d e clined a fte r th e 16th century, b u t coppice m a n a g e m e n t rem ained p ro fita b le u n til th e late 19th century. Since th e n th e area o f coppiced w oods has d e clined greatly. By 1970 no m ore th a n 30000 ha w e re coppiced in th e w h o le o f B rita in . M ost w e re sim ply ne g ­ lected (Plate 12). Recently, th e re has been a small revival o f coppicing, p a rtly s tim u la te d by n a tu re conservation in ­ terests. W ith th e d ecline o f coppicing, m any a n c ie n t w o o d s have been to ta lly changed fro m n a tive m ixtures o f cop­ piced trees to p la n ta tio n s o f coniferous species (e.g., N o rw a y spruce, Douglasfir, Corsican pine, W estern redcedar in lo w la n d s and Sitka spruce in uplands) o r broadleaves (e.g., beech, sycamore). These w o o d s have all been tre a te d as h ig h fo re s t. The change was achieved by c le a r-c u ttin g th e fo rm e r coppice and o fte n p o iso n in g th e stumps. A b o u t 50 years a go England and W ales had 429703 ha o f a n cie nt w o o d ­ lands, a lm o st all o f w h ic h was semi­ n a tu ra l (Spencer and K irb y 1992). Since

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th a n 8 % has been cleared fo r a g ric u l­ tu re , houses, roads, etc., 37 % has been co nve rte d in to p la n ta tio n s and perhaps 10% is still m anaged tra d itio n a lly , th e balance o f 4 5% being la rg e ly n eg­ lected. M ost o f th e w o o d s still coppiced co m m ercially are ch e stn u t m o n o c u l­ tures p la n te d a b o u t 1800. V ery fe w w o o d s have had an u n b ro ke n h isto ry o f co ppicing d u rin g th e 2 0th ce n tu ry: th e best exam ple o f a large coppice in w h ich a vestige o f tra d itio n a l m anage­ m e n t has always survived is B ra d fie ld W oods, S uffolk. S im ilar changes have ta ke n place in S cotland (R oberts e t al. 1992). Today, a b o u t 4 0 % o f all an cie nt w o o d s are stocked w ith m o d e rn evenaged p la n ta tio n s . W e have no precise fig u re s fo r th e rest, b u t it is lik e ly th a t 25 % o f an cie n t w o o d s are "im p ro v e d " m ixture s and m o n o cu ltu re s o f n ative and natu ra lised trees and o n ly 35 % are still m ixture s o f n a tive trees and shrubs w h ich have never been p la n te d . An-

P late 12. O v e rg ro w n cop pice in B ra d fio le d W oods, S u ffo lk , co m p ris in g birch (B e tu la p u b escens) a n d h a z e l (C orylu s a v e lla n a ). The tim b e r trees w e re a ll c u t o u t a t th e la s t c o p p ic in g a n d n o t re n e w e d .

Fig. 2. D is trib u tio n o f a n c ie n t w o o d s in th e c o u n ty o f S om erset, E n g la n d , in 1983. From th e th e N a tu re C onservan cy Council's In v e n to r y o f A n c ie n t W o o d lan d s .

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Peterken • The d e fin itio n , e v a lu a tio n and m a n a g e m e n t o f a n cie n t w o o d s in G reat B rita in

cient, se m i-natu ral w o o d la n d s covers 1.6% o f England and W ales: a n cie n t w o o d la n d (in clu d in g p la n ta tio n s on an cie n t w o o d la n d sites) covers 2 .6 % . M ost a n cie nt w oods are very small: In England and Wales w e have 27688 separate a n cie nt w oods, o f w h ic h 83 % are no m o re th a n 20 ha (Fig. 2).

E v a lu a tin g a n cie n t w o o d s O nly 16.2% o f all a n cie n t w o o d s are p ro te cte d as n a tu re reserves o r some o th e r conservation d e sig n a tio n (Spencer and K irb y 1992). The acquisi­ tio n o f w o ods as reserves is p a rtly d e te r­ m ined by o p p o rtu n ity and p a rtly by ex­ a m in in g a large n u m b e r o f w o o d s and d e ciding w h ich are "b e s t" fo r w ild life , n a tu ra l features, scie n tific in te re st, his­ to ric a l associations, and o th e r features. M any a tte m p ts have been m ade to fo r ­ malise th e process o f e v a lu a tio n and m ake it m ore q u a n tita tiv e and "o b je c ­ tiv e " .

Table 2. A sam p le o f th e a n c ie n t w o o d la n d in v e n to ry , lis tin g th e a n c ie n t w o o d s in an a re a o f 5 k m b y 10 km in S o m erset

W o o d name

U pper V obster W ood L ittle Batcom be W ood Breach W ood M elcom be W ood Asha m W ood Cobby W ood Studley Farm W ood U p to n W ood A lice S treet W ood B a rro w Copse H ig h e r Bitcom be W ood B a re w W o o d Low er Bitcom be W ood Post le b u ry W ood R a ilfo rd W ood

Area o f w ood about 50 years ago (ha)

A rea o f wood now (ha)

A rea o f A rea o f W o o d la n d sem i­ p la n ta tio n cleared in th e last n a tu ra l (ha) 50 years w o o d la n d (ha) (ha)

A

B

C

D

E

3 8 62 50 240 5 3 8 2 2 39 13 21 89 30

3 8 50 50 194 5 3 8 2 2 39 13 21 89 30

3 8 7 23 194 0 0 8 2 0 3 8 0 87 30

0 0 43 27 0 5 3 0 0 2 36 5 21 2 0

0 0 12 0 46 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0

N ote: B = C + D, A = E + B

P olicies fo r co n servin g a n cie n t w oods The firs t a tte m p ts to preserve a n cie n t w oods, as such, fo rm e d p a rt o f th e m o ve m e n t in th e second h a lf o f th e 19th ce n tu ry to preserve com m ons and ope n spaces fo r th e increasingly u rb a n ­ ised p o p u la tio n to e n jo y (Eversley 1910). The N ew Forest A c t (1877) p re ­ served th e "A n c ie n t and O rn a m e n ta l W o o d s", i.e. th e unenclosed, beechoak w ood-pastures, w h ich w e re d o m i­ nated by trees o rig in a tin g b e tw e e n 1550 and 1750 (Plate 3). The Epping For­ est A ct (1878) preserved a large area o f an cie n t oak-beech-h o rn b e a m w o o d pasture n o rth o f London. The same m o ve m e n t helped to preserve o th e r an­ c ie n t forests, such as A sh d o w n Forest and B urnham Beeches, m a in ly by th e m echanism o f preserving com m on rig h ts and p re ve n tin g enclosure. M ost o f th e w o o d la n d n a tu re re­ serves w h ich w ere established in th e 2 0th c e n tu ry w ere an cie n t w oods, b u t it was n o t u n til th e last 25 years th a t th e y w e re preserved because th e y w e re an­ c ie n t w oods. U n til re ce n tly reserves w e re chosen fo r th e ir rich w ild life o r o u ts ta n d in g n a tu ra l fea tu re s, b u t fe w peo p le recognized th a t th e w o o d s w e re rich p a rtly because th e y w e re prim ary, o r a t least ancient. Likewise, th e g re a t 110

In th is district, th e area o f 13 o f th e 15 w o o d s rem ained unchanged o v e rth e last 50 years, b u t 9 ex 15 w ere w h o lly (4 w oods) o r p a rtly (5 w o o d s) changed fro m se m i-n a tu ra l to plan ta tio n s. m a jo rity o f th e woods w h ich have been scheduled as "Sites o f Special S cientific In te re s t" (i.e . th e m ost im p o rta n t sites fo r w ild life and na tu ra l features, m ost o f w h ic h are n o t n a tu re reserves) are in

fa c t a n c ie n t w oods, th o u g h th e y w ere n o t chosen fo r th is reason. In m o d e rn tim es, fo re s t conserva­ tio n policies based on h istorical ideas sta rte d w ith special provisions fo r th e

Table 3. The Broadleaves Policy, 1985

This is, in effect, th e British G overnm ent's policy fo r n a tive w o o d la n d s. A. Provisions sought by Nature Conservancy Council in 1982. 1. A ll existing broadleaved w oods to rem ain broadleaved, i.e . no fu rth e r conversion to co n ife r p la n ta tio n s. 2. M ost w oods to be actively m anaged, i. e. o n ly a very small p ro p o rtio n to rem ain as unm anaged n a tu re reserves. 3. P rom ote a general policy o f g ro w in g u tilisa b le tim b e r and w o o d using locally native tre e species. 4. T ra d itio n a l m anagem ent (or derivatives fro m it) should be an im p o rta n t c o m p o n e n t o f fo re s t m a n a g e m e n t practices, i.e. coppice to be re ta in e d o r restored. 5. But, th e need fo r a substantial change fro m coppice to h ig h fo re s t was recognised. 6. Graded response, i.e. th e m ost im p o rta n t w o o d s fo r n a tu re conservation should be subject to th e g reatest re strictio n s on forestry. B. Key provisions for nature conservation of 1985 Broadleaves Policy. 1. 2. 3. 4.

M in im a l fu rth e r clearance o f w o o d la n d to a g ric u ltu re . Expansion o f broadleaved area, m a in ly by p la n tin g . R ecognition o f special im p o rta n ce o f ancient, se m i-n a tu ra l w oods. M a n a g e m e n t guidelines issued fo r m a n a g e m e n t o f a n c ie n t w oods.

Peterken ■The d e fin itio n , e v a lu a tio n and m a n a g e m e n t o f a n c ie n t w o o d s in G re a t B rita in

a n cie n t pine w o o d s in S cotland (Plate 2). Steven and Carlisle (1959) had recog­ nised a b o u t 30 separate p in e w o o d s as a n cie n t and se m i-n a tu ra l and substan­ tia l e ffo rts w ere m ade to p ro te c t these fe w sites. In a b o u t 1978 th e Forestry Commission agreed to special measures to p ro te c t and e n la rg e these w o o d s th e firs t instance o f a site-specific con­ servation policy a ffo rd in g e x p lic it re c o g n itio n to ancient, se m i-n a tu ra l w oods. B y th a ttim e th e N a tu re Conservancy C ouncil was te s tin g th e p o ssib ility o f id e n tify in g , surveying and assessing all th e ancrent w oods in a c o u n ty (G o o d fe llo w und P eterken 1981). In 1981 w e sta rted to com pile th e In v e n to ry o f A n ­ c ie n t W oodlands fo r th e w h o le o f Great B rita in , p a rtly because w e needed a bas is fo ra n a tio n a l p o lic y to p ro te c ta ll an ­ c ie n t w oods. This to o k u n til 1992 to co m p le te (Spencer and K irb y 1992, Roberts e ta l. 1991), b u t by 1985 e n o u g h had been done to convince th e Forestry Com m ission th a t it co u ld be co m p le te d . Each co u n ty in v e n to ry lists all th e an ­ c ie n t w oods and gives sim ple in fo rm a ­ tio n a b o u t each: name, area, p ro p o r­ tio n w h ich is se m i-n a tu ra l o r p la n ta ­ tio n , and conservation status (if any) (Table 2, Fig. 2). They w e re co m p ile d by using old O rdnance Survey maps, fo r ­ estry records, a ir p h o to g ra p h s and re­ cent ecological surveys. In 1985 th e G o ve rn m e n t a d o p te d a n e w Broadleaves Policy, w h ic h was e f­ fe c tiv e ly a policy fo r n a tive w o o d la n d s (FC 1985) (Table 3). For th e firs t tim e an­ c ie n t w oods w e re recognised as a dis­ tin c t and im p o rta n t c a te g o ry in fo re s try p o licy w hich re q u ire d special p ro te c ­ tio n . Measures w e re in tro d u c e d to m i­ nim ise th e rate a t w h ic h th e y w ere cleared to a g ric u ltu re and to ensure th a t th e y rem ained as broadleaved w o o d lands, i.e. n o t fe lle d and replaced by c o n ife r p la n ta tio n s. M a n a g e m e n t g uid elines w ere a d o p te d fo r a ncient w o o d s w h ich aim ed to p ro te c t th e ir special features. The special provisions specificaIly fo r a n cie n t w o o d s w e re only possible because th e NCC had already p roduced a provisional n a tio n a l in ve n ­ to ry o f ancient w oods. * The 1985 m a n a g e m e n t g u idelines w e re very general and th e re was no ad­ d itio n a l fin a n cia l s u p p o rt fo r an cie nt w o o d la n d m anagem ent. F o llo w in g a re vie w o f progress, special m anage­

Table 4. The types o f a n c ie n t s e m i-n a tu ra l w o o d la n d re c o g n is e d b y th e fo r e s try a u t h o r it y in m a n a g e m e n t g u id es ( F C 1994)

W oodland type

M a in s o il types

D is trib u tio n M a in fo rm s (zones o f o f h isto ric m anagem ent F ig .3)

Emphasis in fu tu re m anagem ent HF (WP)

1. Oak-beech w o o d s

acid

4

C, WP

2. Beech-ash w o o d s

a lka lin e

4

C, HF

HF

3. Low land m ixed broadleaved w o o d s

w id e range

3 ,4

C

C, HF

4. U pland mixed ash woods

a lka lin e

2

C, HF

HF (C)

5. U pland oak w o o d

acid

2

C, HF, grazed

HF

6. U pland birch w o o d s

acid

1,2

HF, grazed

HF, grazed

7. Pinew oods

acid

1

HF, grazed

HF, grazed

8. W et w oods o f a ld e r and w illo w

w id e range o f w e t sites

1 ,2 ,3 ,4

C, n eglect

N o n -in te r­ v e n tio n

C = Coppice and co p p ice-w ith -sta n d a rd s, WP = W o o d -p a stu re , HF = H igh fo re st, Grazed = Indicates th a t m ost w oods are open to sheep and deer, N o n -in te rv e n tio n = Implies th a t w o o d s are n o t m anaged.

m ent grants w e re in tro d u c e d in 1992, w hich gave a d d itio n a l s u p p o rt fo r a p ­ p ro p ria te m anagem ent. A t th e same tim e a decision was ta k e n to produce

A u th o r ity fo r th e m a n a g e m e n t o f an c ie n t, s e m i-n a tu ra l w o o d s . -

A ld e r -w illo w

w et

w o o d s (1, 2, 3, 4 ) - P in e w o d s (1 ) - Birchw o o d s ( 1 , 2 ) - U p la n d m ix e d ash w o o d s (2 )

-

U plan d oakw oods (2) - L o w la n d m ix e d b ro ad ­ leaves ( 3 ,4 ) - B eech-ash (4 )

- O a k -b e e c h (4).

d e ta ile d gu id an ce on a n c ie n t w o o d ­ land m a n a g e m e n t w h ich was e co lo gic­ ally and re g io n a lly specific (Table 4, Fig. 3). A fte r extensive co n su lta tio n s w ith w o o d la n d ow ners, conservation in te re st and o th e r groups, these g u id e ­ lines are due to be p u b lish e d s h o rtly (FC 1994). C urrently, s u p p o rt fo r p ro te c tin g and m a n a g in g a n cie nt, se m i-n a tu ra l w oods comes fro m several sources: 1. N a tio n a l fo re s try policy, a d m in is te r­ ed by th e Forestry A u th o rity , w h ic h applies co n tro ls and gives advice and grants. 2. C onservation le g is la tio n , w h ic h e n ­ ables s ta tu to ry co n se rva tio n a g e n ­ cies to schedule th e m ost im p o rta n t w o o d s as Sites o f Special S cientific Interest, a d m in is te r co n tro ls and give advice and grants. 3. N a tio n a l Parks, Areas o f O u ts ta n d ­ ing N a tu ra l Beauty, E n v iro n m e n ta lly Sensitive Areas, m any o f w h ich are w e ll w o o d e d . G rants and practical help is a va ila b le fro m various G ov­ e rn m e n t agencies. 4. N ature reserves a cq u ire d by v o lu n ­ ta ry n a tu re c o n se rvation o rg a n isa ­ tio n , such as th e W o o d la n d Trust and N ature C onservation Trusts. 5. Public ope n spaces m anaged by local a u th o ritie s . 6. W o o d la nd s m anaged by th e Forest E nterprise p a rt o f th e Forestry C om ­ mission as n a tu re reserves and co n ­ servation areas. 111

P e te rke n • The d e fin itio n , e v a lu a tio n a nd m a n a g e m e n t o f a n cie n t w o o d s in G reat B rita in

M a n a g e m e n t o f a n cie n t w o o d s Nature Reserves In a n c ie n t w o o d s m anaged as n a tu re re­ serves th re e m ain approaches to m an­ a g e m e n t have been a d o p te d , n a tu ra l, tr a d itio n a l and designed (O v in g to n 1964, P eterken 1991). 1. N a tu ra l W ood s are le ft unm a n a g e d in o rd e r to a llo w a n a tu ra l stru c tu re and com posi­ tio n to be restored (Plate 13). In British c o n d itio n s m ost unm a n a g e d w o o d s d e ­ v e lo p closed canopies, large trees and e v e n tu a lly - dead w o o d h abitats, b u t o p e n spaces are lost. Decisions may be re q u ire d on (i) w h e th e r to a llo w n a tu ­ ralised species to invade and (ii) w h e th e r to restore species w h ic h w e re once present. 2. T ra d itio n a l The m ain fe a tu re s o f past m a n a g e m e n t are re ta in e d o r restored. This should p e rp e tu a te th e species w h ich are p re ­ sent, fo r th e y have already proved th e ir capacity to co-exist w ith tra d itio n a l m a n a g e m e n t in th e past. In practice, th is means re sto rin g co p p icin g o r w o o d -p a s tu ra g e . Num erous practical pro b le m s arise. Past m a n a g e m e n t o fte n changed over th e centuries, so th e re m ay be some d o u b t a b o u t w h ic h fo rm o f past m a n a g e m e n t to restore. 3. D esigned The im p o rta n t fe a tu re s o f a w o o d la n d reserve are id e n tifie d . M a n a g e m e n t is designed specifically to p ro te c t these fe a tu re s. The im p o rta n t fe a tu re s may be in d iv id u a l rare species, ta x o n o m ic g ro u p s (e.g., b ird o r b u tte rflie s ), fu n c ­ tio n a l groups (e.g., saproxylic species) o r h a b ita t fe a tu re s (e.g., open spaces). M a n a g e m e n t fo r these fe a tu re s may resem ble " n a tu ra l" o r " tr a d itio n a l" m a n a g e m e n t, b u t th e p rio rity is d if­ fe re n t. M o s t o f th e la rg e r a n cie n t w o o d la n d n a tu re reserves co m b in e these ap ­ proaches. For exam ple, in M onks W ood NNR th e tra d itio n a l coppice m anage­ m e n t has been restored to th e core o f th e w o o d , o th e r parts are th in n e d to d e v e lo p in to h ig h fore st, areas o f black­ th o r n scrub are cu t on long ro ta tio n to p ro v id e su ita b le h a b ita t fo r th e black 112

P la te 13. O v e rg ro w n coppice o f lim e (T ilia c o rd a ta ) o n lim e s to in e in th e lo w e r W y e Valley, G w e n t. This has n o t b ee n c u t fo r o v e r 7 0 y e a rs a n d is s ta r tin g to d e v e lo p a m o re n a tu ra l, h ig h fo re s t s tru c tu re , w ith s m a ll gaps.

h a irstre a k b u tte rfly , th e re m a in d e r o f th e w o o d e d g ro u n d is le ft unm anaged, and large clearings and rides are k e p t o pen fo r species o f grassland and marsh h abitats.

O th e r a n cie n t w o o d s M o st a n c ie n t w oods are n o t n a tu re re­ serves. They are o w n e d by farm ers,

la rg e estates, com m unities, fo re s try in ­ v e stm e n t organisations, and m any others. O wners range fro m those w h o w a n t to m anage th e w o o d s fo r tim b e r a t a p r o fit to those w hose m ain in te re st is sport, p u b lic access to th e countryside o r m a in ta in in g an a ttra c tiv e landscape. G o ve rn m e n t fo re s try policy e n co u r­ ages all ow ners and m anagers to re ta in a n c ie n t sem i-natural w o o d s as sem i­

Peterken ■The d e fin itio n , e v a lu a tio n a nd m a n a g e m e n t o f a n c ie n t w o o d s in G rea t B rita in

natu ra l w oods. In a d d itio n to controls on clearance to a g ric u ltre , fe llin g and re p la n tin g , th e Forestry A u th o rity o f­ fers advice and g u id an ce on m anage­ m e n t o p tions. E ig h t b ro a d types o f an­ cie nt sem i-natu ra l w o o d la n d have been recognised (Table 4, Fig. 3) and a gu id e b ook w ill be a va ila b le fo r each ty p e ex­ p la in in g its characteristics, m anage­ m e n t o p tio n s and te ch n iq u e s (F C 1994). A range o f o p tio n s w ill be p e rm itte d , b u t intensive m e th o d s o f tim b e r p ro ­ d u ctio n using fo re ig n species w ill be ruled o u t. This principles on w h ic h th is g u id ­ ance is based are: ■ M anaged w o o d s are m o re re silie n t socially, e co nom ica lly and e co lo gica lly th a n unm anaged w oods. ■ The n a tive m ixtu re s o f trees should be re ta in e d in a p p ro x im a te ly th e ir ex­ isting patterns. ■ M a n a g e m e n t sh ould in c o rp o ra te th e m ain h a b ita t c o n d itio n s in h e rite d fro m tra d itio n a l m a n a g e m e n t, i.e. any m a n agem ent change should be e vo lu ­ tionary, n o t re v o lu tio n a ry . ■ A balanced age-class d is trib u tio n should be created and m a in ta in e d , w hich yields a re g u la r p ro d u c t as tim b e r and w o o d and m a in ta in s a dynam ically stable range o f h a b ita ts fro m young g ro w th to m a tu re fo re st. ■ Open spaces in w o o d s should be re­ ta in e d . ■ Small w oods sh o u ld be e n la rg e d by n a tu ra l re g e n e ra tio n o r p la n tin g on ad­ ja ce n t gro u n d . A n c ie n t w oo d s w h ic h have been converted to p la n ta tio n s in th e last 50 years w ill m ostly be re ta in e d p rim a rily fo r tim b e r p ro d u c tio n , b u t enco u ra g e ­ m e n t is given to in clu d e locally native broadleaves in n e w p la n tin g .

C o nclusio ns The p rio rity in w o o d la n d n a tu re conser­ v a tio n in B ritain is n o w firm ly id e n tifie d as th e preservation and p ro p e r m an­ a g e m e n t o f a n c ie n t sem i-natural w oods. These have been id e n tifie d and listed. M ost have been surveyed by eco­ logists. G o ve rn m e n t provides some cash incentives to h e lp w ith m anagem ent. The prospects fo r th e ir conse rva tio n are n o w reasonably go o d , and m uch b e tte r th a n th e y w ere 25 years ago. The main th re a ts a p p e a r to be: 1. th e loss o f h a b ita ts on fa rm la n d ,

2.

3.

4.

5.

w h ich has g re a tly increased th e iso­ la tio n o f each w o o d th e spread o f deer, w h ic h destroy re­ g enera tio n and graze th e g ro u n d veg e ta tio n c ontinu e d heavy g ra z in g by sheep and deer in th e w o o d s o f th e u p la nd districts in n o rth e rn and w e ste rn B ritain. w idespread p o llu tio n , e u tro p h ic a ­ tio n and land d ra in a g e , w h ic h may be alte rin g th e character o f th e site. continu e d pressure fro m tim b e r grow ers to c o n v e rt se m i-n a tu ra l w oods to p la n ta tio n s and to include conifers in m ix tu re w ith native broadleaves.

Z u sam m en fassu n g U n ter „a n c ie n t w o o d s " v e rs te h t man W älder, die m indestens seit 1600 k o n ti­ n uierlich bestehen. M itg e fa ß t sind die Reste o rig in ä re r N a tu rw ä ld e r („p rim a ry w o o d s "). Sie k ö n n e n als solche e rk a n n t w erden, indem m an d ie A ussagekraft unterschiedlicher Q u e lle n zusam m en­ fü h rt, so z.B. ü b e r historische D o k u ­ m ente, alte K arten, archäologische Funde, Analyse d e r Landschaftsge­ schichte, über W a ld s tru k tu re n und A r­ tenzusam m ensetzung sow ie ü b e r Bo­ d e n p ro file und P ollenanalysen. Die meisten dieser W ä ld e r w u rd e n bis in das 20. J a h rh u n d e rt h in e in als N ie d e r­ w a ld ode r W a ld w e id e g e n u tz t. Für viele einheim ische Tier- und P flanzenar­ te n ko n n te inzw ischen g e z e ig t w e rd e n , daß sie in ihrem V o rko m m e n fa s t aus­ schließlich a u f „a n c ie n t w o o d s " be­ g re n z t sind, d .h . sie sind n ic h t in der Lage, a u f vorm als w a ld fre ie n S ta n d o r­ te n neu e n tstandene W ä ld e r zu besie­ deln, o d e r sie tu n dies z u m in d e st sehr langsam. W egen ihres n a tü rlic h e n Ur­ sprungs, w egen des historischen In te r­ esses und w egen h ä u fig is o lie rte r V o r­ kom m en seltener A rte n w e rd e n „a n ­ cie n t w o o d s" als d ie fü r Schutz und Er­ h a lt bedeutsam sten W ä ld e r angese­ hen. Seit 1985 h a t d ie Britische Forstpo­ litik spezielle R egelungen fü r ihren Er­ halterlassen.

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A u th o r's address Dr. G eorge F. Peterken C o n su lta n t Ecologist Forestry A u th o rity o f Great B ritain B eechw ood House St. Briavels C om m on, Lydney GLOSGL156SL, UK

N N A -B e ric h te 3 /9 4

N a tu rn a h e A ltw ä ld e r und d eren Sch u tz w ü rd ig k e it v o n R icha rd P o tt*

1. E in le itu n g ln M itte le u ro p a g ib t es n u r noch w e ­ nige U rw ä ld e r im s trengen Sinne, in de­ nen nachw eislich keine d ire k te n an­ th ro p o g e n e n E in g riffe s ta ttg e fu n d e n haben (s. u.a. Z u k rig l e t al. 1963, Prusa, E. 1985, M a ye r e t al. 1987, L e ib u n d g u t 1993, P o tt 1993). Diese W ä ld e r sind a u f die hohen M itte lg e b irg e und a u f den A lp e n ra u m beschränkt, w o sie n u r noch an steilen o d e r sehr ste in ig e n u n zu ­ g änglich e n H ängen V orkom m en. Die b e quem er erre ich b a re n und n u tzb a re n W ä ld e r de r fla ch e re n M itte lg e b irg e o d e r der T ie flä n d e r u n te rlie g e n seit lan­ gem dem v ie lfä ltig e n m enschlichen E influß. Die W a ld v e g e ta tio n v e rg a n g e n e r Zeiten ist das R esultat eines n a tü rlich e n W andels von klim a - und sukzessionsbe­ d in g te n V e g e ta tio n s fo lg e n . Die n a tü rli­ chen E ntw icklu n g svo rg ä n g e w u rd e n aber bereits zur E ichenm ischw aldzeit im A tla n tik u m (ca. 6000-3000 v. Chr.) durch die S ie d lu n g s tä tig k e it des ju n g ­ s te in ze itlich e n M enschen g e s tö rt und te ilw e ise sogar v e rh in d e rt. Der Mensch g r iff n ich t in einen statischen V egeta­ tio n szu sta n d d a m a lig e r W a ld la n d ­ schaften, sondern in ein dynamisches Geschehen ein, das noch längst n ich t zum Abschluß g e ko m m e n war. Tanne, Buche und H ainbuche h a tte n sich bei­ spielsweise zu dieser Z e it im H o lza rte n ­ in ve n ta r noch n ic h t v o lls tä n d ig e ta ­ b lie rt, und so m it stand d ie F orm ierung dieser A rte n zu N adelm ischw äldern, zu Buchen-, Buchenm isch- und EichenH a in b u ch e n w ä ld e rn , die h e u te zu den d o m in ie re n d e n p o te n tie lle n W a ld g e ­ sellschaften za h lre ich e r Regionen ge­ hören, noch v ö llig aus. Seit dem jü n g e ­ ren A tla n tik u m , so zum Beispiel ab 4500 v. Chr. a u f den Löß börden Süd- und M it­ te le u ro p a s bzw. 3200 v.Chr. a u f den G eestflächen N ordw esteuropas, ve r­ za hnten sich also n atürliches E n tw ick­ lungsgeschehen d e r V e g e ta tio n sow ie d e r um gesta lte n d e E influß des M e n ­ schen, und seitdem kann von e in e r flä ­ chendeckenden u rsp rü n glich e n n a tü r­ lichen W a ld la n d s c h a ft m it entsp re ­

chender V e g e ta tio n n ic h t m e h r die Rede sein. Die N a tu rla n d sch a ft als prim ä re W aldland sch a ft w u rd e m it z e itw e ilig e n Rückschlägen und m it sie d lu n g sp e rio ­ dischen B indungen an b e stim m te Na­ tu rrä u m e schrittw eise und re g io n a l ve r­ schieden zur K u ltu rla n d s c h a ft u m g e ­ s ta ltet. V egetations- und Landschafts­ b ild e r verschiedener ve rg a n g e n e r Epo­ chen und der h e u tig e n Z e it sind also entscheidend und m it verschiedenen In tensitäte n d e r B eeinflussung durch den Menschen g e p rä g t. Das t r i f f t be­ sonders fü r die W ä ld e r in der K u ltu r­ landschaft zu.

2. P räh isto risch e und h isto risch e W ald n u tzu n g en a u f e x te n siv e r Basis Seit den ersten Landnahm ephasen des Menschen und seinem E in g riff in die u r­ sprüngliche W a ld la n d sch a ft e rfo lg te n neben den q u a n tita tiv e n Einbußen des W aldes insgesam t auch m e h r o d e r w e n ig e r q u a lita tiv e V e rä n d e ru n g e n in den noch verb lie b e n e n W a ld g e b ie te n . Die ursprüngliche W a ld v e g e ta tio n w u rd e je nach A rt, In te n s itä t und D auer an ­ th ro p o g e n e r E in w irku n g e n und je nach der eigenen R e g e ne ra tio n s fä h ig k e it stärker oder schwächer ü b e rfo rm t. Die Folgen dieser Ü b e rfo rm u n g s ­ prozesse hinsichtlich d e r E ntstehung neuer V eg e ta tio n styp e n und P flanzen­ gesellschaften zeichnen sich in vielen Fällen noch h e u te im a k tu e lle n V ege­ ta tio n s - und Landschaftsbild ab. Sie w e rd e n in ihrer physiognom ischen und floristisch-soziologischen S tru k tu r n u r dann verständlich, w e n n man sie zu spezifischen B e trie b sfo rm e n des landund w a ld w irts c h a fte n d e n Menschen vergangener Z eiten in kausale Bezie­ hungen setzt. D e ra rtig e a n th ro p o -z o o gene Faktoren lassen sich als W ir t­ schaftssysteme zw ei groß en Epochen zuordnen : die erste Periode d e r E xten­ siv w irts c h a ft u m fa ß t die v o rg e s c h ic h tli­ che Zeit, das gesam te M itte la lte r und d a uerte bis in die N euzeit h in e in . Der Z eitabsch n itt seit dem 18./19. J a h rh u n ­

d e rt w ird im a llg e m e in e n d e r n e u z e itli­ chen Periode d e r In te n s iv w irts c h a ft zuge re ch n e t. Beide W irtschaftssystem e un d N u tz u n g s m o d a litä te n u n te rsch e i­ den sich v o n e in a n d e r e rh e b lich durch ve rsch ie d e n a rtig e b ä u e rlich e oder fo rs tlic h e B e trie b sfo rm e n un d zeigen entsprechende A u s w irk u n g e n a u f die Zusam m ensetzung des je w e ilg e n Ve­ g e ta tio n s - und Landschaftsbildes. So h a tte d e r E in g riff des p rä h is to ri­ schen Menschen in d ie ehem als g e ­ schlossene, w e n ig d iffe re n z ie rte W a ld ­ lan d scha ft zunächst eine Ö ffn u n g des W aldes m it H e ra u sb ild ung k le in rä u m ig d iffe re n z ie rte r g e h ö lz a rm e r o d e r g e ­ h ö lz fre ie r Ersatzgesellschaften zu r Folge. Dieser Ö ffn u n g s p ro ze ß , d e r eine Phase a n th ro p o g e n e r V e g e ta tio n s b e ­ re ich e ru n g und -d iffe re n z ie ru n g e in ­ le ite t, d e ckt sich im w e se n tlich e n m it d e r Periode d e r v o rin d u s trie lle n Extensiv w irts c h a ft. Z ahlreiche S e k u n d ä rb io ­ to p e in Form von Hecken, W iesen und W eiden, Brachen, Feldern un d b e b a u ­ te n Flächen k o n n te n sich als n e u a rtig e S iedlungsräum e k o n s titu ie re n und stabilisieren. Daraus e rg ib t sich fü r ex­ te n siv g e n u tz te K u ltu rla n d s c h a fte n eine B ereicherung an Ö kosystem en (vgl. die A b b ild u n g e n bei P o tt 1993). V iele e h e m a lig e W aldsystem e m it Ex­ te n s iv n u tz u n g e n w ie z.B. die H udeund S ch n e ite lw ä ld e r sind h e u te a u f­ g ru n d ihres R e liktch a rakters w ic h tig e F orschungsobjekte zu r D e u tu n g und A u fh e llu n g solcher W irts c h a fts fo rm e n und deren A u s w irk u n g e n a u f das Ve­ g e ta tio n s - und Landschaftsbild in w e i­ te n Teilen M itte le u ro p a s und d a rü b e r hinaus. Z ahlreiche aufgelassene und re ­ ze n te G em einschaftsw älder, die sich meistens aus m a rk e n a rtig e n V erfassun­ gen des M itte la lte rs vom A llm e n d - zum B annw ald je w e ilig e r Landesherren e n t­ w ic k e lt haben, w eisen in ih re r h e u tig e n B estandsstruktur noch vie lfa ch Spuren d e r W a ld h u d e m it ih re n N e b e n n u tz u n ­ gen a u f. M eistens w e rd e n solche W ä l­ d e r im V olksm und w e g e n ih re r v e r­ w achsenen und u rtü m lic h a n m u te n d e n B a u m fo rm e n und ih re r p le n te ra rtig e n S tru k tu r als „U rw a ld " bezeichnet, aber genau das G e genteil ist d e r Fall; es h a n ­ d e lt sich dabei d u rc h w e g um ehem als stark ü b e rfo rm te W älder, w e lch e h e u te * V e r ö ffe n tlic h u n g

der

A r b e its g e m e in ­

s c h a ft f ü r B io lo g is c h -Ö k o lo g is c h e L a n d e s e r­ fo rs c h u n g A B Ö L , Nr. 104, M ü n s te r.

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P o tt ■N a tu rn a h e A ltw ä ld e r u n d d e re n S c h u tz w ü rd ig k e it

te ilw e is e w ie d e r das Bild e in e r n a tü rli­ chen Sukzessionsabfolge b ie te n . A uch die a lte n extensiv g e n u tz te n W ä ld e r v e rm itte ln in ih re r h e u tig e n Be­ sta n d e sstru ktu r und in ih re r p h ysiognom ischen E igenart o ftm a ls den Eindruck vo n N a tü rlic h k e it und U rsp rü n g lich ­ k e it. Trotz und w e g e n ih re r eh e m a lig e n Ü b e rfo rm u n g b ie te n sie vie lfa ch h e u te w ie d e r das Bild e in e r n a tü rlic h e n Suk­ zessionsabfolge, und das m a ch t o ft ih ­ ren Reizaus. E s g ib ta b e ra u c h e in d e u tig d e fin ie rb a re K rite rie n d e r b io logischen u nd s ta n d ö rtlich e n D ive rsitä t solcher W a ld flä ch e n , die in d e r h e u tig e n in te n ­ siv g e n u tz te n K u ltu rla n d s c h a ft w ie In­ seln m it h ö h e re r B io to p - u nd A rte n v ie l­ f a lt a u sg e sta tte t sind und als Reste na­ tü rlic h e r, h a lb n a tü rlic h e r o d e r n a tu rn a ­ h e r V e g e ta tio n se in h e ite n einem g ro ­ ßen A n te il einheim isch e r Pflanzen und T iere den g e e ig n e te n Lebensraum b ie ­ te n . Dazu k o m m t ihre k u ltu rh is to ris c h e B edeutung. Ein Blick in die je w e ilig e W a ld g e ­ schichte und die W a ld n u tz u n g frü h e re r Z eiten ist n ic h t n u r spannend und in ­ teressant, e rw e c k ta u c h Verständnis fü r syndynam ische Z usam m enhänge und f ü r Phänom ene de r E n tw ic k lu n g von P flanzengesellschaften und W a ld b e ­ ständen. D a m it w e rd e n Fragen d e r ak­ tu e lle n A rte n v ie lfa lt, d e r E in w a n d e ­ ru n g und A u s b re itu n g von P fla n ze n a r­ te n sow ie der S tru k tu r von W a ld ö ko sy­ stem en ursächlich verstä n d lich . Be­ s tim m te W a ld b ild e r lassen sich d a rü b e r hinaus besser verstehen und m it ganz a n deren A u g e n sehen (s. auch Rackham 1980, P eterken 1981, P o tt und H üppe 1991). In vielen neuen A rb e ite n w e rd e n die Z usam m enhänge zw ischen S tandort, V e g e ta tio n , S tru k tu r und D ynam ik sol­ cher W ä ld e r d a rg e s te llt (s. z.B. K oop 1989, P o tt 1981, 1985, 1988a, P o tt und H ü p p e 1991). Die B e d e u tu n g solcher R estw älder (Bannw älder, S chneitelw älder, H udew älder, N iederw älder, R a m h o lzw ä ld e r und Hecken) fü r den A rte n - und B iotopsch u tz sow ie fü r b iozö nologische Forschungen, z.B. über d ie H abitatansprüch e von T ierarten, k o m m t neuerdings auch in v ie lfä ltig e n N a tu r- und Ö kosystem schutzbem ühun­ gen zum A usdruck (vgl. B u n d e sn a tu r­ schutzgesetz § 20c vom 12. 3. 1990). 1 D e r V e rfa s s e r a r b e it e t b e i d e r ESF in d e r K o o r d in a tio n : P r o je k t „ A n c ie n t w o o d la n d " .

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Auch die European Science F o u n d a tio n (ESF, Brüssel, S traßburg) h a t in e in e r A r­ b e its g ru p p e Forest Ecosystem Research N e tw o rk (FERN) verschiedene A k tiv itä ­ te n zu r w issenschaftlichen B earbeitung solcher W a ld typ e n e n tfa c h t (s. z.B. 5a/b ita n o 1988, P o tt 1988 b, Schüler 1988, Emanuelsson 1988, Peterken 1988, W atkins 1988 sowie Teller 1990). Die A r­ b e itsg ru p p e „A n c ie n t W o o d la n d " lie ­ fe r t D aten zur W ald- und Forstge­ schichte, zu r V egetations- und Land­ sch a ftse n tw icklu n g sow ie zur p rä h is to ­ rischen und historischen L a n d n u tzu n g im europäischen Vergleich (s. Teller 1990, S.104)1. Der B e g riff „a n c ie n t w o o d la n d " fü r W a ldparzellen m it ein e r nachw eislichen B e sto cku n g sko n tin u i­ tä t vo r dem Stichjahr 1600 n.Chr. (ssu. Peterken und Game 1981, 1984) läßt sich n ic h t k o n k re t und sprachlich e in ­ w a n d fre i in die deutsche Sprache ü b e r­ setzen; es m üßte m it den B e g riffe n „ a l­ tes W a ld la n d ", „aus a lte r Z eit stam ­ mendes W a ld la n d ", bzw. „a lte r tü m li­ ch e " o d e r „e h e m a lig e W ä ld e r" g le ich ­ g esetzt w e rd e n . Die B e g riffe „h is to ­ risch a lte W ä ld e r" und „historisch alte W a ld flä c h e n ", w ie sie ebenfalls m an­ cherorts ve rw e n d e t w erden, entspre­ chen als V e rd o p p lu n g „h is to ris c h " und „ a lt " einem Pleonasmus und sind des­ halb sprachlich zu ve rw e rfe n . Deshalb schlage ich den B e g riff „ A ltw a ld " , „ A ltw ä ld e r " oder „a lte s W a ld la n d " fü r die tra d itio n e ll g e n u tz te n W a ld flä ch en in der K u ltu rla n d s c h a ft vor. Diese sind nachw eislich über einen Z e itra u m von m ehr als 400 Jahren k o n tin u ie rlic h m it W a ld bestockt, tra g e n d e m zu fo lg e alte, tie fg rü n d ig e W aldböden m it entspre­ chender V e g e ta tio n und unterscheiden sich dadurch von den jü n g e re n Forsten und W a ld p fla n z u n g e n (= recent w o o d ­ land, ssu. Rackham 1976, 1980, PeterAren 1981). 2.1 Extensive Waldnutzungen und daraus resultierende W aldbilder Der W ald spielte hinsichtlich der A rt und In te n s itä t bäuerlicher o d e r fo rs tli­ cher Nutzungsansprüche auch eine e n t­ scheidende k u ltu rp o litis c h e Rolle: Er d ie n te als Landreserve fü r Siedlungsan­ sprüche und als d ire k te Reserve fü r K u ltu rla n d , er w a r ü ber Ja h rh u n d e rte in te g ra le r Bestandteil ein e r A g ra rv e r­ fassung, d ie a u f W a ld w e id e und M ast­

n u tz u n g sow ie a u f S tre u n u tzu n g e n an­ gew iesen war. D a rü b e r hinaus g a lt der W a ld seit je h e r als W e rk s to fflie fe ra n t, als B a u h o lz lie fe ra n t un d als E nergielie­ fe ra n t schlechthin. Der W ald h a tte fü r den p rä h is to ri­ schen und historischen Menschen som it eine e rh e b lich v ie lse itig e re B edeutung als h e u te . Neben seiner F unktion als H o lz lie fe ra n t fü r v ie lfä ltig e Zwecke im M itte l- und N ie d e rw a ld b e trie b d ie n te er im ü b e rtra g e n e n Sinne zur H a u p te r­ n ä h ru n g s g ru n d la g e fü r das Vieh als W iese und W eide, als Streu- und D ün­ g e lie fe ra n t, zu r P la g g e n d ü ngung und gebietsw eise sogar als ro ta tio n s m ä ß i­ g e r Acker. Die extensiven W irtsch a fts­ fo rm e n d e r W a ld w e id e , des K o p fh o lz ­ b etriebes und der S ch n e ite lw irtsch a ft standen dabei in engem Zusam m en­ hang: d ie H ude als F u tte rw irts c h a ft fü r den S om m er und d e r S ch neitelbetrieb in Form von L a u b h e u g e w in n u n g als V o rra ts w irts c h a ft fü r den W inter. In vie ­ len G ebieten w a rd ie W a ld h u d e m it Ein­ schluß d e r M a s tn u tz u n g fü r die Schwei­ n e h a ltu n g die H a u p tn u tz u n g s a rt des W aldes (A bb. 1 und 2). Schon im Laufe des M itte la lte rs w a ­ ren zum Schutz d e r Ressourcen w a ld ­ schonende M aß nahm en n o tw e n d ig , die R odungen w u rd e n E inschränkun­ gen u n te rw o rfe n und an G en e h m ig u n ­ gen g e b u n d e n . Das d ie n te zum einen d e r Festigung e ig e n e r V e rfü g u n g s­ rechte d e r je w e ilig e n W aldeigner, der Landesherren, des Adels o d e r der kirch ­ lichen In s titu tio n e n , d e r Sicherung von P achteinnahm en fü r W eideund M a stn u tz u n g e n , zum Schutz o d e r zur A bsich e run g ja g d lic h e r Interessen so­ w ie zu r S icherung der H olzversorgung zum Hausbrand d e r B evölkerung, w ie auch zu r S icherung des H olzbedarfes fü r g e w e rb lic h e und in d u strie lle Zwecke. Den N ie d e rg a n g d e r W ä ld e r k o n n ­ te n aber die ersten w a ldschonenden F o rs to rd n u n g e n m it ih re n E inzelm aß­ nahm en z u r W ie d e ra u ffo rs tu n g und W a ld p fle g e tro tz d e m n ic h t a u fh a lte n , den n von A usnahm en abgesehen, fü h r­ te n d ie h e rk ö m m lic h e n N u tzu n g sw e i­ sen n ic h t n u r zu den b e k a n n te n Um ­ schichtungen in der H o lz a rte n k o m b i­ n a tio n (vgl. P o tt 1981,1985, 1991), son­ d e rn auch zum a llm ä h lich e n Ruin des W aldes. Ihre A u s w irk u n g e n w aren be­ sonders in den A llm e n d e n und den ge­ m einen M a rk e n w ä ld e rn so verheerend,

P o tt • N a tu rn a h e A ltw ä ld e r u n d d e re n S c h u tz w ü rd ig k e it

Abb. 1. Hasbruch a u f d er D elm enhorster Geest. D er als kom binierter H ude- u nd Bann w a ld ü ber Jahrhunderte g e n u tzte Eichen-Hainbuchenw a ld z e ig t noch h eu te die Spuren d e r ehem aligen seit dem Jahre 1231 kontinuierlich nachgew iesenen Nutzungen. Abb. 2. Bestandesaufbau und S tru ktu r eines Bannwaldes: die höchsten M a s t­ eichen überragen den W aldesaspekt; eine unterständige Bannschicht b e ­ ste h t vo rw ieg en d aus K opfhainbu­ chen, d ie d er Kopfschneitelung fü r die Laubheugew innung o der einfach n u r d er K op fho lzn u tzun g unterlagen. D ie­ se Form d e r W aldnutzung h a tte ver­ schiedene Vorteile, denn derselbe Wald­ bestand konnte so w o h l als Hude- w ie auch als Schneitelw ald g e n u tz t w e r­ den, da die G ertenaustriebe b ei den üblichen Schneitelhöhen von 2 -2 ,5 0 m nicht m e h r durch Viehverbiß g e fä h r­ d e t w urden. Eine m ehrjährige B ew eidungs-Schonfrist

konnte

u nte rb le i­

ben, u nd d er Hude w a ld w a r gleichzei­ tig in d rei Etagen unterschiedlich zu nutzen, unten als W eide, in Über­ m annshöhe

als

Laubheuproduzent

und g an z oben als M as tprod u zen t (nach Burrichter 1984). 117

P o tt • N a tu rn a h e A ltw ä ld e r u nd d e re n S c h u tz w ü rd ig k e it

b e trie b s fo rm e n o d e r d ie m eist ungep la n te n W a ld n u tz u n g e n essentiell, und sie w e rd e n deshalb im fo lg e n d e n kurz zusam m engefaß t. 2.2

Landwirtschaftliche Nutzungen des Waldes

A ckerbau und V ie h h a ltu n g als Existenz­ g ru n d la g e der Bauern w a re n über Jahr­ h u n d e rte a u f d ie W a ld m a rke n ange­ w iesen. T riftflä c h e n haben sich zw angs­ lä u fig aus der W a ld w e id e e n tw ic k e lt, w o b e i V erbiß d e r W a ld g e h ö lze und ständiges A b w e id e n ihres Jungwuchses durch das W eidevieh z u r a llm ählichen A u flic h tu n g des W aldes und le tztlich zu r E ntstehung p a rk a rtig e r V egeta­ tio n ssta d ie n g e fü h rt haben. Je nach na­ tu rrä u m lic h e r S itu a tio n und je nach Bew e id u n g s in te n s itä t und -m o d a litä t nehm en dabei m it Gras o d e r H eide­ k ra u t bewachsene Flächen m ehr oder w e n ig e r groß en Raum ein (A bb. 4 und

5).

Abb. 3. M eh rh u n d ertjä h rig e M astbuchen m it Kallusüberwucherungen und Verbißspuren im ehem aligen H u d e w a ld Tinner Loh b e i M eppen/Em sland. Das W ort „Loh" bezeichnet im ursprünglichen Sinn einen lichten W ald o d e r einen m it H olz bestandenen W eideplatz. D ie­ ser W ald ist archivalisch seit 1667 nachgew iesen (P o tt u n d Hüppe 1991).

daß es d o rt v o r Beginn d e r M a rk e n te i­ lun g en gebietsw eise n u r noch stark g e ­ lic h te te B u sch w ä ld e ro h n e Kernw üchse gab, u n te rb ro ch e n von w e iträ u m ig e n T rift- und H eideflächen (B u rric h te r 1984). A nders w a r die S itu a tio n bei den P riva tw ä ld e rn d a m a lig e r Zeiten, w e l­ che aus d er gem e in e n M a rk ausgeson­ d e rt (z.B. C u m u lativg e h ö lze , S ündern) und m it verschiedenen N u tz u n g s e in ­ 1 18

schränkungen und B annvorschriften b e le g t w a re n (Abb. 3). A u f diese Weise k o n n te n die Extensivnutzungen in ge ­ m ä ß ig te Bahnen g e le n k t und die d ro ­ hende D evastierung der b e tre ffe n d e n W ä ld e r v e rh in d e rt w erden. Fürdas h e u ­ tig e Erscheinungsbild vie le r ehemals ex­ te n siv g e n u tz te r B annw älder m it o d e r ohne landesherrliche N u tzu n g svo r­ s c h rifte n sind die tra d itio n e lle n W a ld ­

Als in der z w e ite n H ä lfte des 18. Jah rh u n d e rts die S ta llfü tte ru n g und der H a ckfru ch ta n b a u v e rm e h rt e in g e ­ setzt w u rd e n , v e rlo r de r W ald seine tr a ­ d itio n e lle B e deutung fü r die V ieher­ n ä h ru n g und es kam m it d e r Trennung von W ald und Feld zu einem b e trie b li­ chen und la n d scha ftlich e n S tru k tu r­ w a n d e l. Durch die kü n stlich e D üngung w u rd e die W a ld w e id e meistens ganz überflüssig. Die G ro ß vie h w eide ( W ald­ hude) w u rd e vie le ro rts im Laufe des 18. Jah rh u n d e rts e n tb e h rlic h . Von da an w u rd e n die W iesen z u r G rasheugew in­ n ung v e rm e h rt a n g e le g t, besser ge­ p fle g t und g e n u tz t. M it dem A n b a u von F u tte rp fla n z e n (Klee, Luzerne, K a rto f­ fe ln ) w a r die w in te rlic h e S ta llfü tte ru n g gesichert. Die Schweinem ast im W alde w u rd e bis w e it in das 19. J a h rh u n d e rt ausge­ ü b t. Die M a s tn u tz u n g m it Eicheln und Bucheckern w a r sogar bis zum Ende des M itte la lte rs von h o h e r v o lk s w irts c h a ft­ licher B edeutung, denn aus archivalischen U n te rla g e n g e h t hervor, daß z.B. bei Eichelmasten m it 20000 Schweinen (was fü r groß e W a ld u n g e n n ic h t selten w a r) p ro W a ld b e z irk bis zu 30000 Gul­ den Erlös e in g e trie b e n w e rd e n ko n n te . Viele W ä ld e r zeigen h eute die R e likt­ fo rm e n d e r Hude- u n d M a stn u tzu n g e n (Abb. 6 und 7). Die M a s tn u tzu n g h a tte aber auch fü r die E rh a ltu n g und Rege­ n e ra tio n des W aldes zw ei p ositive Ei-

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Abb. 4. H udebedingte Parklandschaft im Borkener Paradies/Emsland m it zo ne na rtig angeordneten Vegetationskom plexen aus Triftrasen, Säumen, Gebüschmänteln u nd W ald (aus Pott und Hüppe 1991).

genschaften: einm al die a n th ro p o g e n e Förderung und A n p fla n z u n g von Bu­ chen und Eichen als b e g e h rte M ast­ bäum e, zum anderen d ie A u flo c k e ru n g des W aldbodens durch d ie W ü h ltä tig ­ k e it der Schweine, d ie dem H o lz ju n g ­ wuchs ein günstiges K e im b e tt ver­ sch affte und o b e n d re in w aldschädliche Insekten d ezim ie rte .

Die Ziegen- und Schafw eide w aren N u tzungsform en m it u n te rsch ie d lich e r w aldschädigender W irk u n g . Seit Jahr­ hu n derten ist d ie w a ld v e rn ic h te n d e W irk u n g der Z ie g e n w e id e beka n n t, und diese w u rd e schon frü h z e itig im W ald verboten. Erste V e rb o te gehen in N orddeutschland a u f das Jahr 1538 zu­ rück (B u rrich te r e t al. 1980). Für viele

T e rrito rie n un d W a ld m a rk e n w u rd e die Z ie g e n w e id e m eist im V e rla u f des 16. J a h rh u n d e rts a m tlich e rseits ve rb o te n , z. B. in d e r G ra fsch a ft M a rk 1538, in de r G rafschaft Ravensberg 1550, in den G rafschaften S a yn -W ittg e n ste in und L ip p e -D e tm o ld 1579 sow ie im M ü n s te r­ land im Jahre 1583 (nach H esm er und S chroeder 1963). T ro tzdem w u rd e n

Abb. 5. Schematische Darstellung des Gesellschaftsgefüges im H u d ew ald-V egetationskom plex Borkener Paradies (aus P o tt u nd H üppe 1991). 1 19

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A bb. 6. Verbuschungsformen an Buchen im H u d e w a ld b e i Rams-

Abb. 7. G ekappte M asteiche im H u d ew ald b ei Ram sdorf/Borken in

d orf/B orken in W estfalen (aus P o tt 1991).

W estfalen (aus P o tt 1991).

diese V e ro rd n u n g e n im m e r w ie d e r ig n o rie rt, und tr o tz a lle r V e rb o te w e i­ d e te n Z iegen stellenw eise noch bis ins 19. J a h rh u n d e rt in den W ä ld e rn . W esentlich g e rin g e r und unschädli­ cher ist dagegen die S ch a d e in w irku n g du rch Schafe; im G egenteil, die landes­ h e rrlich e n S chäfereien w u rd e n h ä u fig g e fö rd e rt und g e stü tz t, um d ie a u fb lü ­ hende T uchindustrie m it W o lle zu ve r­ sorgen. Das H e id e b a u e rn tu m in der Lü­ n e b u rg e r Heide, im w e stlich e n M ü n ­ ste rla n d und in der Senne basierte v ie l­ fa ch a u f Schafzucht und H eidschnukk e n b e trie b in V e rb in d u n g m it starkem A n b a u von fa s e rlie fe rn d e n Pflanzen w ie Flachs (Linum u sitatissim um ) und H a n f (Cannabis sativa). Besonders seit d em D re iß ig jä h rig e n Krieg w u rd e n die S chafzucht und m it ih r die W a ld w e id e m it Schafen g e fö rd e rt. Zahlreiche B orstgrasheiden, C alluna-H eiden und W a ch o ld e rh e id e n a u f Kalk- und S ilika t­ u n te rg ru n d zeugen noch h e u te von dieser extensiven W a ld n u tz u n g vom 120

Flachland bis in die höchsten Lagen d e r M itte lg e b irg e (s. Landschaftsdarstel­ lu n g en A b b . 8 und 9 bei P o tt und H üppe 1991 sow ie H üppe 1993). Die W a ld stre u n u tzu n g g e la n g te zu sta rke r B edeutung beim Ü bergang von d e r re in e n W a ld w e id e zur S ta llfü tte ­ ru n g . Der W a ld w u rd e zw ar vom d ire k ­ te n E in flu ß der W e id e tie re e n tla ste t, d a fü r h o lte man nun die w e rtv o lle Streu (Laub- und N adelholzstreu) aus dem W ald. Die W ä ld e r leiden te ilw e ise noch h e u te u n te r den Folgen der S tre u n u t­ zung m it ständigem N ä h rs to ffe n tz u g und d a m it einh erg e h e n d e r Bodenver a rm u n g u nd Podsolierung. Diese N ähr­ s to ffv e rla g e ru n g durch S tre u n u tzu n g fü h rte in V e rb in du n g m it P la g g e n w irt­ schaft un d S chafhaltung zur n a c h h a lti­ gen E rtragsm inderung der Sandböden, d ie h e u te in Flachlandregionen m it K ie­ fe r und in m onta n e n Landschaften v o r­ zugsweise m it Fichten a u fg e fo rs te t w e rd e n .

2.3 Niederholz- und Kopfholz­ w irtschaft als extensive W ald­ nutzungsformen Die N ie d e rw a ld n u tz u n g w a r und ist in den B a u e rn w ä ld e rn eine c h a ra k te ris ti­ sche B e trie b sfo rm zu r E rzeugung von S tangenholz, von K o h lh o lz sow ie zur P ro d u k tio n von G e rb e rlo he fü r die k le in b e trie b lic h e L e d e rfe rtig u n g und L e d e rb e a rb e itu n g . Der N ied e rw a ld ist also ein Ausschlagswald, eine durch die A r t d e r B e w irtsch a ftu n g b e d in g te S tra u c h fo rm a tio n , die in N orddeutsch­ land als „S tü h b u s c h " b e ze ichnet w ird . Im E influß bereich des Meeres, u n te r Salzschliff, entstehen e in se itig v e r­ fo r m te B u schform ationen, die als „ K r a t tw a ld " b ezeichnet w e rd e n (A bb. 1 0 u nd 11). Neben der v ie lfä ltig e n N ie d e rh o lz­ v e rw e rtu n g spielte bis in die historische N e u ze it h in e in d ie K o p fh o lz n u tz u n g fü r die K le in h o lz- und L a u b h e u g e w in ­ n u n g eine w esentliche un d h e u te viel-

P o tt ■N a tu rn a h e A ltw ä ld e r u n d d e re n S c h u tz w ü rd ig k e it

A b b . 8. H e id e la n d b e i H a l t e r n in W e s t fa le n m i t C a llu n a -H e id e n u n d W a c h o ld e r n a n s t e lle d e s u r s p r ü n g lic h e n b o d e n s a u r e n E ic h e n -, B ir k e n ­ o d e r B u c h e n -E ic h e n w a ld e s (F o to a r c h iv W e s tf. M u s e u m f. N a t u r k u n d e M ü n s t e r ) .

fach in V ergessenheit g e ra te n e Rolle (s. A bb. 12 sow ie g e naue Beschreibung bei Brockm ann-Jerosch 1936 sow ie B u rrich ­ te r und P o tt 1983). Die Stockausschläge w e rd en bei d e r B e trie b sfo rm des Schneiteins in sehr ku rze n U m trie b sze i­ te n von e tw a 3 -4 Jahren v o r d e r Laub­ ve rfä rb u n g a b g e trie b e n , locker g e b ü n ­ d e lt und g e tro c k n e t, um sie, w ie heute das Grasheu, als W in te rfu tte r fü r das Vieh zu gebra u ch e n . A u fg ru n d der k u rz fris tig e n U m trie b sze ite n bestand

fo rtw ä h re n d ein kü n stlich erzeugtes und a u fre ch te rh a lte n e s U n g le ich g e ­ w ic h t zwischen Stockausschlägen und Wurzelmasse. D adurch w u rd e so w o h l die a n fallen d e L a u bheum enge in fo lg e von V ergrö ß e ru n g d e r B la tts p re ite n als auch Länge, S chlankheitsgrad und Ela­ s tiz itä t der S ch neiteiloden g e fö rd e rt. Diese V orte ile kam en e inm al d e r w ir t ­ schaftlichen P ro d u k tio n des Laubheus zugute, zum a n d e re n gab es h ä u fig e N ebennutzu n g sm ö g lich ke ite n e n tla u b ­

te r G erten fü r alle m ö g lich e n Flecht­ w e rke , die u.a. als G e fa ch fle ch tw e rke fü r a lle F achw erkbauten d ie n te n . G esch n e ite lt w u rd e n u n te r w e itg e ­ h e n d e r S chonung d e r M astbäum e a u f­ g ru n d ih re r besonderen L a u b q u a litä t u nd R e g e n e ra tio n s fä h ig ke it ü b e rw ie ­ gen d H ainbuchen und, s o w e it v o rh a n ­ den, auch Eschen. In den E ichen-Birkenw ä ld e rn u nd B uchen-E ichenw äldern d e r n o rd w e std e u tsch e n Geest und in den S ilik a tb u c h e n w ä ld e rn der M itte l-

A b b . 9. H e id e la n d s c h a f t im H ü m m l in g b e i Gr. B e r ß e n (J u li 1 9 31, F o t o a r c h iv W e s t f. M u s . f. N a t u r k u n d e , M ü n s t e r ) .

121

P o tt • N a tu rn a h e A ltw ä ld e r u n d d e re n S c h u tz w ü rd ig k e it

A b b . 10. B iz a r r e S t a m m d e f o r m a t io n e n a n E ic h e n im N S G „ B a u m w e g “ b e i A h lh o r n i. O ld e n b u r g (a u s P o t t u n d H ü p p e 1 9 9 1 ).

A b b . 11. K r a t t w a l d a ls n a h e z u u n d u r c h d r in g lic h e r B u s c h w a ld m i t s t a r k e n W in d s c h u r -E ffe k ­ te n a m K a p A rc o n a a u f R ü g e n .

122

g e b irg e , wo keine h o c h w e rtig e n S ch neiteigehölze vo rh a n d e n w aren, sch n e ite lte man m it B evorzugung der A u e n b ä u m e nahezu alle H olzarten, n ö ­ tig e n fa lls und v e rb o ts w id rig auch Bu­ chen un d Eichen. Im A lp e n rau m w u rd e v o rn e h m lic h d ie Esche (Fraxinus excelsior) g e sch n e ite lt. A lle rd in g s lassen die S chneitelbäum e in den a lte n H u d e w ä l­ d ern in g e g e n w ä rtig e m Zustand n ich t m e h r e in d e u tig erkennen, o b sie durch die tra d itio n e lle n B etriebsarten der L a ubschneitelung o d e r d e r einfachen K o p fh o lz n u tz u n g ü b e rfo rm t w o rd e n sind. M it zu rü ckg e h e n d e r B edeutung des F u tte rla u b e s am Ende des ve rg a n ­ genen J a h rh u n d e rts und m it zu n e h ­ m e n d e r V e rb a n n u n g der Laubschneite­ lu n g aus den M a rk e n w ä ld e rn ve rla ­ g e rte m an sich a u f Brenn- und W e rk ­ h o lz n u tz u n g e n , w o b e i die le tzte re Be­ trie b s fo rm im Laufe d e r N euzeit die e r­ ste re ablöste. Die U m trie b sze ite n beim N ieder­ w a ld ric h te te n sich je nach de r H o lza rt

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und dem v ie lfä ltig e n V e rw e n du n g s­ zw eck de r Stockausschläge. Sie u m fa ß ­ te n Zeitspannen von e in ig e n Jahren bis zu m ehreren Jahrzehnten, also vom G erten- bis zum S tangenhalter, und zum Teil d a rü b e r hinaus. V o rra n g ig w a r in den m eisten N ie d e rw a ld g e b ie te n die bäuerliche und g e w e rb lic h e B re n n h o lz­ n u tz u n g zum H ausbrand sow ie zur Salz- und Pottaschesiederei. Sie er­ fo lg te im a llg e m e in e n nach B edarf und h a tte da h e r - w ie gesagt - va ria b le U m triebszeiten. Die A u s w irk u n g e n des N ie d e rh o lz­ betriebes kö n n e n bei be stim m te n W a ldgesellschaften m it d e r Z e it so w e it gehen, daß säm tliche H o lza rte n und viele A rte n der K ra u tv e g e ta tio n durch andere ersetzt w e rd e n . So sind za h lre i­ che K a lk b u c h e n w ä ld e ra u f frischen m itte lg rü n d ig e n Böden bei k u rz fris tig e m und lang a n h a lte n d e m U m trie b in e i­ chen- und h a in bu ch e n re ich e N ieder­ holzbestände u m g e w a n d e lt w o rd e n . In a llen diesen W ä ld e rn w ird die Rolle der Buche w e itg e h e n d von d e r H ainbuche ü b e rn o m m e n („H a in b u c h e n e ffe k t"), und an z w e ite r Stelle s te h t m eist die Ei­ che (s. P o tt 1981,1985). Im Bereich des Eichen-Birkenw aldes und des B uchen-Eichenw aldes g ib t es noch kle in e re o d e r m itte lg ro ß e Parzel­ len m eist bäue rlich e n Besitzes m it ex­ tensiv g e n u tz te n S tockausschlagwäl­ dern; sie die n en noch h e u te bei kurz- bis m itte lfris tig e m U m trie b d e r B renn­ h o lz n u tz u n g . Solche Q u e rc io n -ro b o rip e tra e a e -W ä ld e r2 w u rd e n schon seit prähistorischer Z e it g e ro d e t, b e w e id e t, g e p la g g t und schließlich fa st üb e ra ll in H eideflächen u m g e w a n d e lt. N ur w e ­ n ig e k rü p p e lig e , te ilw e is e als N ieder­ w a ld e rh a lte n e Stühbüsche sind noch ü b rig g e b lie b e n und stellenw eise u n te r N atu rschutz g e s te llt (A bb. 10). Ein v ö llig a n d e rs a rtig e r H o lza rte n ­ w a n d e l v o llz ie h t sich im Bereich d e r Si­ lika tb u ch e n w ä ld e r. W ie u.a. P ott(1 9 8 5 , 1990) am Beispiel der S iegerländer Hau­ berge m it ih re r m o d ifiz ie rte n N ieder­ w a ld w irts c h a ft zeigen k o n n te , w ird h ie r die Buche ausnahmslos v e rd rä n g t und durch Eiche und Birke ersetzt. Un­ te r n a tü rlic h e n B e d in g u n g e n d o m in ie ­ ren aber nach w ie vo r im Bergland und in G ebieten m it z u n e h m e n d a tla n ti­ schem K lim a e in flu ß die Buche und in d e r Ebene die beiden Eichenarten, Stielu nd Traubeneiche. Sie sind als w ic h tig e M a stbäum e und, was die Eichen be­

A b b . 12. R e lik te e h e m a lig e r K o p f h o l z w i r t s c h a f t a n H a in b u c h e n ( = S c h n e it e lh a in b u c h e n ) im B e n t h e im e r W a ld .

tr if f t , auch als o b lig a te B a u h o lz lie fe ­ ra nten vom Menschen g e fö rd e rt w o r­ den. A u fg ru n d spezieller N u tzu n g svo r­ schriften zur Schonung der Buche kam es vielerorts im Laufe der J a h rh u n d e rte n icht zu einer sukzessiven V e rd rä n g u n g von Fagus sylvatica aus den N ie d e r­ w ä ld e rn ; denn u n te r B e ib e h a ltu n g la n ­ ger U m triebszeiten von m e h r als 30 Jah­ ren w urd e n zur d a u e rh a fte n E rh a ltu n g d e r Buchenstöcke A b le g e rv e rfa h re n d u rc h g e fü h rt. Dabei w u rd e n e in ig e Triebe der Stockausschläge in die Erde eingesenkt, w o sie sich im Laufe de r Z eit

b e w u rz e lte n und m it T o c h te rk o lo n ie n o d e r W u rze lh a lsa u strie b e n den Stock fo rts e tz te n . Solche B u ch e n sto ckko lo ­ nien sind schon h ä u fig fü r den w e s te u ­ ropäischen und besonders fü r den n o rd w e std e u tsch e n Raum beschrieben w o rd e n (vgl. u.a. P o tt 1981, 1985); sie g e h ö re n zum Form enkreis b ä u e rlic h e r W a ld n u tz u n g e n und g eben d e ra rtig e n E xtensivw äldern ein charakteristisches G epräge (A bb. 13). 2

P fla n z e n s o z io lo g is c h e

B e g riffe

e r fo lg e n

n a c h P o tt (1 9 9 2 ).

123

P o tt ■N a tu rn a h e A ltw ä ld e r u n d d e re n S c h u tz w ü rd ig k e it

A b b . 13. N i e d e r w a l d m i t B u c h e n s to c k k o lo n ie n , d ie a u s A b le g e r w ir t s c h a f t e n t s t a n d e n s in d . S o lc h e N i e d e r w ä l d e r g e h ö r e n z u m ty p is c h e n F o r m e n k r e is b ä u e r lic h e r W a ld n u t z u n g e n .

3. M itte la lte rlic h e W a ld n u tz u n ­ gen und w a ld e rh a lte n d e M a ß ­ n ah m en als G ru n d la g e fü r d ie h e u tig e E x iste n z n a tu rn a h e r A ltw ä ld e r A lle bisher geschilderten Z ustände des W aldes und de r W a ld la n d sch a fte n t r e f­ fe n im w e se ntlich en fü r die G ebiete der A llm e n d e n , d.h. d e r g e m e in e n M arken zu. Eine a llg e m e in e W ende d e r B e w irt­ sch a ftu n g d er W ä ld e r w u rd e durch die M a rk e n te ilu n g b e w irk t, d ie im w e s e n t­ lichen in de r le tzte n H ä lfte des 18. Jahr­ h u n d e rts begann, sich a b e r g e b iets­ w eise bis in das 19. J a h rh u n d e rt e r­ streckte. Diese A llm e n d te ilu n g e n be­ d e u te n g le ic h z e itig den B eginn m e h r o d e r w e n ig e r g e re g e lte r W ald- und F o rstw irtsch a ft, so daß a u f die Phase d e r W a ld ve rw ü stu n g sze it je tz t die Phase der W a ld b a u z e lt fo lg te . Es gab aber auch schon v o r d e r M a r­ k e n te ilu n g an vielen Stellen soge­ n a n n te „p riv a te G e h ö lze ", d ie von den 124

„c u m u la tiv e n G ehölzen" unterschie­ den w u rd e n . Zwischen den beiden G ru n d fo rm e n , der Gem einen M a rk a u f d e r einen und dem P riva tg e h ö lz a u f der anderen Seite, bestanden alle d e n kb a ­ ren Ü bergänge. Die P rivatgehölze w a ­ ren g rö ß te n te ils Besitz der Landesher­ ren, des Adels oder der kirchlichen In­ s titu tio n e n . Sie w u rd e n , was ihre Priva­ tis ie ru n g b e trifft, e n tw e d e r aus M arken-V erfassungsstrukturen ü b e rfü h rt o d e r aus d e r gem einen M a rk ausgeson­ d e rt (Sündern, Tiergärten), bzw. lagen von v o rn e h e re in a u f angestam m tem P rivatbesitz. Die C um ulativgehölze sind a lte W a ld flä ch en a u f M a rke n g ru n d , die in der Regel einer geschlossenen Gesell­ schaft von B erechtigten g e h ö rte n und an denen d ie je w e ilig e n Landesherren einen A n te il hatten. Im a llgem einen w a re n die W a ld ve r­ w ü s tu n g e n so verheerend, daß sich schon im S p ä tm itte la lte r zahlreiche In­ s titu tio n e n oder die je w e ilig e n Landes­ herren g e n ö tig t sahen, in e in ig e n A ll­

m e n d b e zirke n ihres H errschaftsberei­ ches alle N utzungsbefugnisse an sich zu ziehen u nd neben ih re m Privatbesitz u m fa n g re ic h e Flächen m it B annvor­ sch rifte n zu belegen, denen n ich t selten ja g d lic h e Interessen zu g ru n d e lagen. A u f diese Weise k o n n te die Extensiv­ n u tz u n g in g e m ä ß ig te Bahnen g e le n k t und d ie d ro h e n d e D evastierung der be­ tre ffe n d e n W ä ld e r und Landstriche ver­ h in d e rt w e rd e n . Zu solchen B annw äl­ d e rn g e h ö rte n z.B. im w aldarm en N o rd d e u tsch la n d der B entheim er W ald, d e r N e u e n b u rg e r W ald bei Varel i. O., der Hasbruch bei D e lm enhorst und das G ebiet B aum w eg n o rd ö stlich C lop­ p e n b u rg (A bb. 1 u.10). Ä h n lic h e und v e rg le ich b are besitz­ re ch tlich e Ü b e rfü h ru n g e n und Ein­ schränkungen m arkengenossenschaft­ lich e r N utzu n g sre ch te zu B annw äl­ d e rn sind fü r a lle R egionen M itte l­ europas vie lfa ch beschrieben und d o ­ k u m e n tie rt w o rd e n (u.a. Hesm er und Schröder 1963, P o tt u nd B u rrich te r

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1983, M a n te l 1990, P o tt und H üppe 1991, P o tt 1993). In den P riva tw ä ld e rn stand ge ­ w ö h n lic h je g lich e N u tzu n g a lle in dem E inzelbesitzer zu, a ber d ie a llg e m e in e B e w eidung w a r m it b e stim m te n Ein­ schränkungen in vielen Fällen üblich. Schon m it Beginn des 12. un d 13. Jahr­ hu n d e rts ü b ern a h m e n zahlreiche Lan­ desherren die N u tzu n g sb e fu g n is a lle r ehem a lig e n M a rk e n w ä ld e r ihres H err­ schaftsbereiches und b e le g te n groß e G ebiete m it dem Jagd- o d e r W ild b a n n , dem Rode- und B aubann (V erbot, u n ­ k o n tr o llie r t Eichen zu schlagen) sow ie dem M astbann. Diese E inschränkungen w a re n bis in die N e u ze it h in e in be­ sonders d o rt sehr streng, w o es um die ja g d lic h e n Interessen d e r ein ze ln e n Landesherren g in g , und in solchen G ebieten e xistie rte n noch n a tu rn a h e H o ch w ä ld e r als Z u flu c h ts tä tte n des G roßw ildes. B a n n verord n u n g e n g a lte n z.B. fü r d ie Schonung von Eichen und Buchen zu r M a stn u tzu n g o d e r auch zu r Bau­ h o lz g e w in n u n g (Eichen), d ie bereits im M itte la lte r einsetzte. Diese fü r d ie M ast w ic h tig e n W ald b e stä n d e w a re n v ie l­ fach d a h in a b g e w a n d e lt, daß als le tz te Reste des W aldes schließlich n u r noch ü b e ra lte rte Eichen- o d e r B uchenhoch­ stäm m e aus ve rlic h te te n Buschbestän­ den herausragten, m it deren n a tü rli­ chem A b g a n g dann a lle rd in g s auch hier das Ende des W aldes g e ko m m e n war.

3.1 Laubholz-und Nadelholz­ anbauten Neben de r Schonung d e r M astbäum e e r g r iff d e r Mensch aber auch noch eine Reihe anderer M aß nahm en, die der W a ld ve rw ü stu n g e n tg e g e n w irk e n soll­ te n . Seit dem 14. J a h rh u n d e rt sind Ein­ schränkungen des H olzeinschlages so­ w ie Laub h o lza n b a u te n nachgew iesen. Die erste N achricht ü b e r L a u b h o lza n ­ bau - zugleich die frü h e s te fü r ganz D eutschland - s ta m m t aus D o rtm u n d vom Jahre 1343. W ä h re n d des 16.18. Jahrhunde rts w u rd e n diese M aß­ nahm en dann ve rstä rkt; ih re E ffe k tiv i­ tä t reichte aber n ic h t im e n tfe rn te s te n aus, d ie la w in e n a rtig anw achsende W a ld ze rstö ru n g a u fz u h a lte n . Ein w irk lic h p la n m ä ß ig e r W aldbau, d er als W ende zw ischen W a ld v e rw ü ­ stungszeit und W a ld b a u z e it angesehen w e rd e n kann, setzte erst um die M itte

des 18. Jahrhunderts ein. In dieser Z e it w u rd e n überall in den e in ze ln e n T erri­ to rie n A u ffo rs tu n g s e d ik te erlassen. Sie o rd n e te n fü r g e w ö h n lic h e inen p la n ­ m äßigen Laubholzanbau in solchen Ge­ b ieten an, deren W ä ld e r z w a r devastiert, aber noch v o rh a n d e n w a re n . Für die o ffe n e n Flugsandflächen und H ei­ den w aren g ro ß rä u m ig e W ie d e ra u ffo r­ stungen ebenfalls m it Lau b h o lz v o rg e ­ sehen. Nach den ersten ve rg e b lich e n Versuchen ging man a b e r zum N adel­ holzanbau über, d e rv o ra lle m a u f Sand­ flächen m it Kiefern m e h r E rfo lg z e ig te . Beim Laubho lza n b a u stand d ie Ei­ che fast überall an erster Stelle; im 16. Ja hrhund e rt w u rd e sie fa s t ausschließ­ lich angebaut. A n z w e ite r Stelle fo lg t die Buche. Sie w u rd e v o r a lle m in den W äldern g e p fla n zt, d ie bereits von Na­ tu r aus Buchenanteile an d e r H o lz a rte n ­ k o m b in a tio n e n th ie lte n . Im B ergland w u rd e dagegen die Buche gebietsw eise bevorzugt, zusätzliche A n b a u te n von N ebenholzarten h a tte n d e m g e g e n ­ ü ber n u rg e rin g e B e d e u tu n g . Als A n b a u ve rfa h re n fü r das Laub­ holz g a lt im w e se n tlich e n von alters her die Pflanzung. Die P flanzen w u rd e n e n tw e d e r als W ild lin g e in W ä ld e rn aus­ gegraben oder eigens in S aatkäm pen (Telgenkäm pe) aus Samen gezogen. Die W ild lin g s v e rw e n d u n g ist dabei das älteste V erfahren. Um B eschädigungen durch das W eidevieh zu ve rm e id e n , w u rd e n m indestens m annshohe o d e r noch größere H eister a u sg e p fla n zt. Trotzdem m ußten auch diese Pflanzen m eist noch m it D o rnen g e gen das Vieh geschützt w erden. Zu Freilandaussaa­ te n an O rt und Stelle g in g m an erst nach der M a rke n te ilu n g über, als die W a ld ­ w e id e abgeschafft w ar. V o rh e r h ä tte dieses V erfahren ja auch seinen Zweck v e rfe h lt. Über N a d e lh o lz a u ffo rs tu n g e n lie ­ gen die ersten N achrichten aus Süd­ deutschland vor. Bereits 1368 o rd n e te der N ürnberger Rat e rstm a lig k ü n s tli­ che A u ffo rs tu n g e n durch K iefernsaa­ te n größeren Ausmaßes an. Im 15. Jahr­ h u n d e rt fo lg te F ra n k fu rt/M a in diesem Beispiel, w ä h re n d fü r N o rd w e s t­ deutschland ve re in z e lte A n b a u te n von N adelholz erst aus dem 17. Ja h rh u n d e rt ü b e rlie fe rt sind. Eine verstärkte A n b a u tä tig k e it m it N a d e lh o lza u ffo rstu n g e n setzte zu Be­ gin n der M a rk e n te ilu n g in d e r le tz te n H ä lfte des 18. J a h rh u n d e rts ein. D ann

nahm sie a lle rd in g s in schneller E nt­ w ic k lu n g bis zum Ende des Ja h rh u n ­ derts einen re ch t b e a ch tlich e n U m fang an, so daß d e r L a u b h o lza n b a u in vielen G ebieten d a h in te r zu rück blie b . Das H a u p ta n lie g e n des N adelholzanbaus war, die a u sg e d e h n te n H eiden und W a n d e rd ü n e n a u fz u fo rs te n und fe s t­ zulegen. D a fü r h a tte sich d ie K ie fe r als besonders zw e ckm ä ß ig erw iesen. So e n tsta n d e n d ie u m fa n g re ich ste n Kiefe rn -M o n o k u ltu re n d ann auch in den ausgesprochenen S a ndgebieten, die g rö ß te n te ils n a tü rlic h e p o te n tie lle A re a le des E ichen-B irkenw aldes sind. Im Gegensatz zum L a u b h olzanbau nahm man die N a d e lh o lz a u ffo rs tu n g e n bis a u f w e n ig e A u snahm en durch Frei­ landsaaten an O rt und S telle vor. Das S aatgut w u rd e d a fü r g rö ß te n te ils aus den n a tü rlic h e n K ie fe rn g e b ie te n B ran­ denburgs, S üdw estdeutschlands o d e r T h ü rin g en s bezogen. Neben d e r K ie fe r w u rd e zu B eginn des stä rke re n N a d e lholzanbaus g e ­ bietsw eise auch die Fichte g e fo rs te t. N a tü rlich e F ich te n vo rko m m en au ß e r­ halb des geschlossenen F ichtenw uchs­ gebietes sind bislang m it v e g e ta tio n s ­ geschichtlichen M e th o d e n n u r fü r den G ip fe lb e re ich des Harzes, v ie lle ic h t aber auch fü r d ie K a m m re g io n e n e in ­ ze ln e r H o c h s a ue rla n d gebirge sow ie in ­ selartig in d e r L ü n e b u rg e r H eide nach­ gew iesen. Als sich in N o rd w e std e u tsch ­ land beispielsweise h erausstellte, daß die Fichte zu r A u ffo rs tu n g d e r D ü n e n ­ sande und d e r a u sg e la u g te n H eide­ sandböden g e g e n ü b e r d e r K ie fe r w e n i­ g e r g e e ig n e t war, g in g ih r A n te il z u ­ rück. D e m g e g e n ü b e r w u rd e n die Sandstein- und S ilik a tb ö d e n des B erg­ landes, von N a tu r aus v o rw ie g e n d p o ­ te n tie lle G ebiete des H ainsim sen-B u­ chenw aldes, nach und nach D om änen d e r Fichte. Die N a d e lh o lz a u ffo rs tu n g e n n e h ­ men m it B eginn des 19. Ja h rh u n d e rts zu, bis die g rö ß te P eriode d e r A u ffo r ­ stungen e tw a um die M itte des v o rig e n Ja h rh u n d e rts v o n s ta tte n g in g . So ä n ­ d e rte sich das Landschaftsbild in dieser Zeit. W o frü h e r sta n d o rtg e m ä ß e Laub­ w ä ld e r stockten, so a u f den Sandbö­ den d e r n o rd w e ste u ro p ä isch e n Geest, wachsen je tz t a u s g e dehnte K ie fe rn ­ fo rste n , und a u f den e h e m a lig e n Bu­ c h e n sta n d o rte n d e r M itte lg e b irg e d o ­ m in ie re n schon seit e in em J a h rh u n d e rt e in tö n ig e F ic h te n -M o n o k u ltu re n . 125

P o tt • N a tu rn a h e A ltw ä ld e r u nd d e re n S c h u tz w ü rd ig k e it

3.2 Bannwälder als kombinierte Hude- und Schneitelwälder A llm ä h lic h e besitzre ch tlich e Ü b e rfü h ­ ru n g e n g e e ig n e te r W a ld p a rze lle n von den m a rk e n a rtig e n Verfassungen des M itte la lte rs zu B a n n w ä ld e rn g in g e n o ftm a ls m it starken E inschränkungen der ehe m a lig e n m arkengenossen­ schaftlichen N utzu n g sre ch te einher, un d das w a r le tz tlic h die V oraussetzung dafür, daß zahlre ich e W a ld flä c h e n zw a r extensiv g e n u tz t, aber n ic h t to ta l ü b e r­ n u tz t w u rd e n . So spielten bei den n u t­ z u n g sb e d in g te n U nterschieden d ie je ­ w e ilig e n M arkenverfassungen eine ausschlaggebende Rolle. W a ld m a rk e n m it landesherrlich e n A n te ils re c h te n w a re n m eist aus ja g d lic h e n G ründen a u f S chonung und E rh a ltu n g des B aum ­ bestandes ausgerich te t, w ä h re n d in den g e m e in en M arke n m it ih re n m e h r o d e r m in d e r o ffe n e n H u tu n g e n d e r ex­ tensiven W e id e w irts c h a ft m e h r Bedeu­ tu n g zugemessen w u rd e als dem F o rt­ bestand des W aldes. K leine W ald bestä n d e erste re r A rt g ib t es noch in N o rd w e std e u tsch la n d , z. B. im H erre n h o lz bei G olde n ste d t, das seit 1350 u n u n te rb ro c h e n b e w a ld e t ist, w e ite rh in v o r alle m im Emsland u n d a u f d e r O ld e n b u rg e r Geest, von w o sie u m ­ fassend durch P o tt und H üppe (1991) beschrieben sind. Restbestände m itte l­ a lte rlic h e r M a rke n m it V ie h w e id e n sind e b e n fa lls im Emsland g e h ä u ft: das Borke n e r Paradies (A b b .4 ), das Versener Paradies, d e r H aselünner W a c h o ld e r­ hain und d e r W a ch o ld e rh a in B orgen, die Sand- und H eid elandschaften des H üm m lings und bei M eppen w ie auch die K o p fb u chenbe stä n d e des T in n e r Loh sow ie die Eichenstühbüsche und E ichenw älder, die a llesam t als R elikte aus den Z eiten de r a n th ro p o -z o o g e n e n F läch enreduzie ru ng des W aldes ü b rig g e b lie b e n sind (s. A b b ild u n g e n bei P o tt und H üppe 1991 sow ie P o tt 1993). In ihrem s tru k tu re lle n A u fb a u ze i­ gen vo r a lle m die B a n n w ä ld e r a u ffä l­ lige G em einsam keiten, d ie m it ih re r v ie h w irts c h a ftlic h e n P ro d u k tio n in en ­ gem Z usam m enhang stehen. Die h öch­ sten M astbäum e üb e rra ge n im W a l­ desaspekt; eine u n te rs tä n d ig e B aum ­ schicht b e ste h t vo rw ie g e n d aus a lte n K o p fh a in b u ch e n , die d e r K opfsch n e ite lu n g fü r die L a u b h e u g e w in n u n g o d e r auch ein fa ch d er K o p fh o lz n u tz u n g u n ­ te rla g e n (s. A b b. 2 u. 12). Diese Form der 126

W a ld n u tz u n g h a tte verschiedene V o r­ te ile ; denn derselbe W a ldbestand k o n n te sow ohl als Hude- w ie auch als S ch n e ite lw a ld g e n u tz t w e rd e n , da die G erte n a u strie b e bei den ü b lichen S chneitelhöhen von 2,00-2,50 m n ic h t m e h r durch Viehverbiß g e fä h rd e t w u r­ den (B u rric h te r 1984). Eine m e h rjä h rig e B ew eidungsschonfrist k o n n te u n te r­ b le ib e n , und der H udew ald w a r g le ic h ­ z e itig in drei Etagen unterschiedlich zu n u tz e n : un te n als W eide, in Ü ber­ m annshöhe als L a u b h e u p ro d u ze n t und g anz obe n als M a stp ro d u ze n t (A bb. 2). Diese k o m b in ie rte W irts c h a fts fo rm ist dem m odernen M ä h w e id e b e trie b v e rg le ich b a r; ihre verschiedene N u t­ z u n g v o llz o g sich allerdings n ich t im z e itlic h e n Wechsel, sondern in verschie­ d e nen Ebenen. H äufig w u rd e n solche B a n n w ä ld e r auch in G renzregionen belassen: es w a r gewisserm aßen eine g ro ß e n a tü rlich e P ufferzone zwischen T e rritorialinteressen: der Hasbruch und d e r N e u e nb u rg e r U rw ald liegen in den G renzm arken des ehem aligen G roß­ h e rzo g tu m s O ldenburg zu seinen N achbarn. Der B entheim er W ald m a r­ k ie rt d ie G renzlage zwischen den B ent­ h e im e r Fürsten und den M ü n ste ra n e r Bischöfen; der Sachsenwald lie g t a u f d e r holsteinisch-hannoverschen G ren­ ze; d e r Bialowiecza-W ald in Polen lie g t im G re n zg e b ie t zu W eiß ruß land usw. V ie lfa ch w aren es auch n a tu rrä u m lic h re ch t uninteressante oder u n w irtlic h e W a ld g e b ie te : Vielfach gehören sie zum G esellschaftkom plex der fe u ch te n Eiche n -H a in b u ch e n w ä ld e r vom Typ des S te lla rio -C a rp in e tu m . Diese W ä ld e r k o n n te n auch w egen ih re r staunassen und v e rg le yte n Lehm böden erst v e r­ gleichsw eise s p ä t- im M itte la lte r - d a u ­ e rh a ft in K u ltu r genom m en w e rd e n . Sie haben sich außerdem durch ihre hohe R e g e ne ra tio n skra ft m ittle rw e ile sehr schnell nach A blösung der extensiven W a ld - und H olznutzungen von den e h e m a lig e n Schäden schnell e rh o lt und inzw ischen zw ar n ich t das Bild n a tü rli­ cher, aber doch n a tu rn a h e r W ä ld e r angenom m en.

4. S ch u tz w ü rd ig k e it n a tu rn a h e r A ltw ä ld e r Es ist klar, daß die um gestaltenden Ein­ g riffe des Menschen und seiner Haus­ tie re neben räum lichen V e rä n d e ru n ­ gen auch s ig n ifik a n te V eränderungen

im B estandsaufbau d e r W ä ld e r zur Folge h a tte n und h e u te noch haben. A lle n a tü rlic h e n La u b w ald- und N adelw aldgesellschaften, aus denen w ir he u te die p o te n tie lle n a tü rlich e Ve­ g e ta tio n h e rz u le ite n versuchen, sind W irtsch a ftsw ä ld e r, d eren P hysiogno­ m ie und S tru k tu r durch vergangene und m o d e rn e N u tz u n g sve rfahren g e ­ p rä g t w o rd e n sind. Sie w e rd e n durch G le ic h a ltrig k e it und G le ic h fö rm ig k e it im B estandesaufbau g e ke nnzeichnet. Der n a tü rlic h e u n g e n u tz te W ald zeich­ n e t sich - w ie gesagt - durch einen Baum bestand u n te rsch ie d lichen A lters und durch V ie lg e s ta ltig k e it aus. Lich­ tu n g e n , die durch U m stürzen ä lte re r Bäume gerissen w u rd e n , w echseln m it scha ttig e n Partien ab. D aher herrscht ein räum liches M osaik von Lichtungs-, Pionier-, O p tim a l- und A ltersphasen vor, die neben den b e k a n n te n s chatten­ lie fe rn d e n A rte n unserer W irtsch a fts­ w ä ld e r vo rü b e rg e h e n d lic h tlie b e n d e n A rte n W a ch stu m sm ö g lich keiten b ie ­ te n . Der n a tü rlic h e W ald ist im G egen­ satz zu unseren fo rs tw irts c h a ftlic h ge­ p rä g te n W ä ld e rn m it e in h e itlic h e r Phy­ s io g n om ie ein m ehr o d e r w e n ig e r ko m ­ plexes G ebilde. Neben dem A rte n - und B io to p ­ schutz als v o rra n g ig e m Zw eck bieten und fo rd e rn g leicherm aß en die de rze i­ tig e n H ude- und T riftla n d s c h a fte n so­ w ie die Reste d e r e rh a lte n e n a lte n Ex­ te n s iv w a ld u n g e n (B annw älder, Schnei­ te lw ä ld e r, N iederw älder, R am holzw älder, Hecken) w e ite re S ch u tzkrite rie n . W ie P o tt und H üppe (1991) ausführlich schildern, kö nnen solche W ä ld e r aus g e o b o ta n isch e r Sicht als G ru ndlage fü r ve g e tationsgeschichtliche, pflanzensoziologisch-system atische, syn ö ko log ische und u m w e ltb e z o g e n e Studien die n en . G le ich ze itig b ild e n sie aus la n d scha ftsö ko lo g isch -g e o g ra p h isch e r Sicht verschiedene M u ste rbeispiele fü r Typen d e r historischen Landschaft, denn d ie P flanzendecke z e ig t noch h e u te ü b e ra ll die Zeugnisse und Spuren frü h e re r N u tzu n g . M an kann sogar so­ w e it gehen, w irtschaftsspezifische Ve­ g e ta tio n s e in h e ite n frü h e re r Epochen zu re k o n stru ie re n u nd die a k tu e lle Ve­ g e ta tio n danach zu in te rp re tie re n . Die h e u tig e n V e g e ta tio n sla n d sch a fte n be­ sitzen eine durch ih re e h e m a lig e N u t­ zungsgeschichte b e d in g te In d iv id u a li­ tä t (s. D e il 1993). A lle extensiven W irts c h a fts fo rm e n

P o tt • N a tu rn a h e A ltw ä ld e r u n d d e re n S c h u tz w ü rd ig k e it

in W ald und Feld g e h ö re n im w e s e n tli­ chen d e r v o rin d u s trie lle n Z e it an und haben sich stellenw eise bis h e u te als prägende S tru k tu re n in e in ig e n Land­ strichen g e halte n ; sie fa lle n a b e r zuse­ hends d e r m o de rn en Land- u nd Forst­ w irts c h a ft zum O pfer, und das Wissen um die tra d itio n e lle n W irts c h a fts w e i­ sen g e rä t im m e r m e h r in Vergessen­ h eit.

4.1 Die Bedeutung für Pflanzen und Tiere Da sich in der h e u tig e n K u ltu rla n d ­ schaft noch im m e r ein drastischer Schwund an landschaftsspezifischen A rte n und Lebensgem einschaften a u f allen intensiv b e w irts c h a fte te n Flächen vo llz ie h t, dienen die in s e lh a ft ü b e r die Landschaft v e rte ilte n extensiv g e n u tz ­ te n W aldreste, H eiden und M agerrasen zu r Z eit vo r allem dem b e w a hre n d e n N aturschutz. Da a ber viele G ebiete un ­ te r extensiver land- u nd w a ld w irt­ sch aftlich er N u tzu n g e n tsta n d e n sind, sind sie auch in ihrem F ortbestand von d er tra d itio n e lle n N u tz u n g a b h ä n g ig . A u f den Zustandserfassungen und Ent­ w icklungsp ro gno se n a u fb a u e n d müs­ sen fü r die je w e ilig e n W a ld flä c h e n und G ebiete natu rra u m sp e zifisch e Schutz-, Pflege- und E ntw icklu n g sm a ß n a h m e n e ra rb e ite t und in w e ite re P lanungen in ­ te g rie rt w e rden. 4.1.1 Die B edeutung d e r N ie d e rw ä ld e r In Kalkbereichen d e r n ö rd lic h e n M itte l­ g e b irg e sowie an lo k a lk lim a tis c h be­ g ü n s tig te n S teilhängen m it K alkschot­ te rn , w o an m anchen Stellen noch das n a tü rlich e C arici-Fagetum und ve re in ­ ze lte S es/er/o-Fageium -B uchenw älder stocken, k o m m t es nach extensiver H o lzn u tz un g durch N iederw aldschlag und B e w irtsch a ftu n g zu besonders na ch h a ltig e n S ta n d o rtsve rä n d e ru n g e n zu gunste n th e rm o p h ile r Eichen-Hainbuche n -N ie d e rw ä ld e r (s. P o tt 1992). Es h a n d e lt sich bei diesen th e rm o p h ile n B uschwäldern im n ö rd lic h e n und n o rd östlichen N o rd rh e in -W e stfa le n ausschließlich um d e g ra d ie rte Buchen­ w ä ld e r und n ich t um R elikte o d e r e x tra ­ zo nale V orposten su b m e d ite rra n e r F laum eichenw älder {Lithosperm o-Q uerce tu m ) bzw. w ä rm e lie b e n d e r s u b k o n ti­ n e n ta le r G alio-C arpinetum -\N ä\6er, w ie es in den T rockengebieten Süddeutsch­

lands oder e ve n tu e ll noch an lo k a lk li­ matisch b e g ü n stig te n Stellen in der Ei­ fe l bzw. im Rheinischen S chiefergebirge der Fall ist (vgl. u .a . auch Braun-Blanq u e t 1929, Rühl 1956, 1960, Schwickera th 1958, Förster 1968, P o tt 1985). Ei­ nige A rte n x e ro th e rm e r V e g e ta tio n ­ seinheiten, w ie z. B. Sesleria varia, Coron illa m ontana, H ip p o cre p is comosa, A n th e ricum lilia g o , Seseli lib a n o tis, Pyrus pyraster, Berberis vulgaris o d e r Ligustrum vulgare, w e rd e n aber im G ebiet an Felsen, S teinhalden und anderen schwer zu g änglichen Stellen von N atur aus im m er v e rtre te n gewesen sein, von w o aus sie sich se ku n d ä r in a u fg e lic h ­ te te W älder a u s g e b re ite t haben. Der lichte U n te rw u ch s solcher Se­ kundärgehölze b e h e rb e rg t m eist eine üppige Strauchschicht von Crataegus-A rten , die m it w ä rm e lie b e n d e n Elem enten (z.B. Sorbus to rm in a lis , Daphne m ezereum , V ib u rn u m lantana, Ligustrum vulgare und Pyrus pyra ste r) durchsetzt sind. Als th e rm o p h ile , te il­ weise xerophytische K ra u ta rte n tre te n in verstärktem M aße p fla n z e n g e o g ra ­ phisch interessante V e rtre te r des sub­ m editerranen F lorenelem entes w ie Lithosperm um p u rp u re o -c o e ru le u m , Vincetoxicum h iru n d in a ria , Inula conyza, H ypericum m o n ta n u m , Tanacetum corym bosum o d e r Rosa to m e n to sa auf. Von den m ehr ö stlich bis südöstlich ver­ b re ite te n A rte n fin d e n sich z.B. M elica nutans, B u pleurum lo n g ifo liu m , Viola m irabilis, Fragaria viridis, L iliu m m a rta g on und Asarum e u ro p a e u m . H eutige Arealgrenzen dieser g e m ä ß ig te n k o n ti­ nentalen Elem ente, die te ilw e is e sogar als D iffe re n tia la rte n des G alio-C arpinetu m angesehen w e rd e n , ve rla u fe n von der Eifel durch den Südosten W est­ falens und setzen sich ü b e r SüdostNiedersachsen nach N ordost-D eutsch­ land fo rt. Eine A re a la u s w e itu n g im Zuge la n g w ä h re n d e r W a ld a u flic h tu n ­ gen steht dabei w o h l außer Frage. Auch die Ram holz- o d e r S tickholz­ bestände des Rheinlandes zeigen an trockeneren südlich g e n e ig te n Stand­ o rte n v e rb re ite t Pyrus pyraster, M alus sylvestris, Sorbus aria und Sorbus to r ­ m inalis. Sogar d e r S peierling (Sorbus dom estica), ein w ä rm e lie b e n d e r Ver­ w a n d te r der Eberesche, fin d e t h ie r in den g elich tete n N ie d e rw ä ld e rn seinen Platz. Die ve rm e h rte n V o rko m m e n von Lithosperm um p u rp u re o -c o e ru le u m , Prim ula veris ssp. canescens, P olygonum

m u ltiflo ru m , D aphne m ezereum und Li­ liu m m a rta g o n sind alle sam t an die N ie­ d e rw ä ld e r g e b u n d e n , w e lche d ie V o r­ aussetzug ih re r Existenz schaffen. Die flo ristisch e D iffe re n z ie ru n g der th e rm o p h ile n N ie d e rw a ld ty p e n ist sehr schwach (R a m h o lzw ä ld er); die Sorbus to rm in a lis -d o m in ie rte n W ä ld e r im R heintal un d in d e r Eifel zeigen a b e r m it v e re in z e lte n Quercus x pubescens-Ba­ starden und Sorbus dom estica-V o rk o m men o ftm a ls eine nahezu g le ich e A r­ te n k o m b in a tio n , w ie d ie von B raunB la n q u e t (1929) beschriebenen L ith o s p e rm o -Q u e rc e tu m -Bestände aus de r Eifel. W enn sich eine nach N ord e n hin a u sklin g e n d e V e rza h n u ng des subm e­ d ite rra n e n Flaum eichenw aldes noch ü b e r die Rhein- und M osel-S traße bis in die Eifel h in e in re k o n s tru ie re n ließe (vgl. S chw ickerath 1958, H a rtm a n n und Jahn 1967), so b le ib t de r n a tü rlic h e are a lg e o g ra p h ische A nschluß dieser W a ld ty p e n in N o rd d e u tsch la n d doch sehr u n w a hrsch e in lich . In ä lte re n , aufgelassenen N ie d e r­ w ä ld e rn v e rjü n g t sich h e u te auch stel­ lenw eise d ie Buche, d ie zusam m en m it G alium o d o ra tu m und e in e r w e ite re n b e trä c h tlic h e n A n za h l an F a g e ta lia -Ele­ m e n te n d a ra u f hinw eisen, daß tr o tz sta rke r Ü b e rfo rm u n g e n noch eine g e ­ wisse flo ristisch e V e ra n ke ru n g dieser E ichen-E lsbeeren-N iederw älder im Fag io n besteht, aus dem sie e n tsta n d e n sind (P o tt 1981, 1985). Die a llm ä h lic h e R ü cke n tw icklu n g zu B uch e n w ä ld e rn w ü rd e im Laufe d e r Z e it alle diese th e r­ m o p h ile n G e o elem ente aus den N ie­ d e rw ä ld e rn v e rd rä n ge n , und das re c h t­ fe r tig t den Schutz und auch d ie fo r tg e ­ setzte H o lz n u tz u n g dieser W älder. Neben d e r B e w a h rung vo n a lth e r­ g e b ra ch te n W irtsch a ftsw e ise n sind des­ h a lb E rhalt und E n tw ic klu n g w e rtv o lle r W a ld b io to p e ein v o rd rin g lic h e s Ziel des w issenschaftlichen N aturschutzes. W ir haben fe rn e r gesehen, daß beispiels­ w eise d e r Buche in ih re r p o te n tie lle n n a tü rlic h e n V e rb re itu n g eine w e ita u s g rö ß e re Rolle z u k o m m t, als w ir es h e u te in d e r in te n siv g e n u tz te n K u ltu r­ la n d scha ft w a h rn e h m e n . Bei Fragen und P roblem en n a tu rn a h e r Bestokku n g von Forstflächen o d e r bei W ie ­ d e ra u ffo rs tu n g e n von e h e m a lig e m K u ltu rla n d s o llte dieser Tatsache Rech­ n u n g g e tra g e n w e rd e n . A uch d ie Erfas­ sung und B e w e rtu n g der nach § 20c BNatSchG g eschützten B io to p e sollte 1 27

P o tt • N a tu rn a h e A ltw ä ld e r u nd de re n S c h u tz w ü rd ig k e it

sich an den V e g e ta tio n s - und Landschaftskom plexen d e r W älder, d e r spe­ zifischen Gebüsch- und K leingehölze sow ie der M agerrasen in den je w e ilig e n p o te n tie lle n n a tü rlic h e n W a ld re g io n e n o rie n tie re n . 4.1.2 Die B ede u tu n g d e r H u d e w ä ld e r und B a n n w ä ld e r fü r den B io to p und A rte n sch u tz W ir haben ebenfalls gesehen, daß sich hinsich tlich ih re r N utzungsgeschichte d ie je n ig e n W älder, die vom M itte la lte r bis hin zum B eginn d e r N euzeit im Be­ sitz des je w e ilig e n Landesherrn, and e ­ rer A d e lig e r o d e r von K löstern w aren, o f t d e u tlic h von d e n je n ig e n u n te r­ scheiden, die von S iedlungsbeginn bis ins 18. J a h rh u n d e rt h in e in zur a llg e m e i­ nen M a rk g e h ö rt haben, d.h. im Besitz d e r G esam theit de r Bauern e in e r Bau­ ern sch a ft o d e r eines D orfes standen. Letztere u n te rla g e n näm lich za h lre i­ chen, o ft einschneidenden N utzungen und w a re n d a h e r zum Ende der M a r­ k e n w irts c h a ft (2. H ä lfte des 18. Jahr­ h underts) e n tw e d e r v ö llig e n tw a ld e t o d e r aber tru g e n n u r noch lockere Buschwälder. Stenöke W a ld a rte n h a t­ te n da h e r in den w e n ig e r intensiv ge ­ n u tz te n „H e rrs c h a fts w ä ld e rn " bessere Ü berlebenschancen als in den W ä ld e rn d e r g em einen M a rk (vgl. Hesm er und S chroeder 1963, E m anuelson e t al. 1985, P o tt und H üp p e 1991, P o tt 1991, W ittig 1991). Solche „ A ltw ä ld e r" sind d em entsprechend w e rtv o lle R e likt­ s ta n d o rte fü r stenöke W a ld a rte n . Stel­ lenw eise k o n n te n sich diese A rte n m it B eginn d e r m o d e rn e n F o rstw irtsch a ft von h ie r aus in b e n a ch b a rte W ä ld e r w ie d e r ausbreiten, n ic h t selten aber sind sie im m e r noch a u f diese R e likt­ sta n d o rte o d e r zu m in d e st deren en ­ gere U m gebung beschränkt. O ft kann m an die ehe m a lig e n Besitzverhältnisse bereits am Namen des W aldes e rke n ­ nen. B ezeichnungen w ie „K lo s te rh o lz ", „P a te rh o lz ", „P ape n b u sch ", „N o n n e n ­ busch", „R e ich sw a ld ", „K ö n ig s fo rs t" und „H e rre n h o lz " w eisen un m iß ve r­ ständlich a u f die frü h e re n Besitzver­ hältnisse hin. Der Name „T ie rg a rte n " ze ig t, daß die b e tre ffe n d e W a ld u n g dem Landesherrn o d e r anderen A d e li­ gen als Jagdrevier d ie n te . Die Ja g d w äl­ der w a re n in der Regel e in g e frie d ig t und so m it vo r d e r fü r d ie D e g ra d a tio n der A llm e n d w ä ld e r besonders b e d e u t­ 1 28

samen W a ld w e id e (vgl. P o tt 1991) g e ­ schützt. Sie gehören daher h e u te zu den a rtenreichsten W a ld s ta n d o rte n (D in te r 1991). A lte W ä ld e r stellen h ä u ­ fig auch d ie „S ü n d e rn " dar, denn sie w u rd e n , w ie der Name sagt, bereits frü h vo n den A d eligen aus der a llg e ­ m e inen M a rk ausgesondert und zum P rivatbesitz e rklä rt. Es h a n d e lt sich bei ihnen also ebenfalls um „H e rrsch a fts­ w ä ld e r". Sie zeigen allesam t die ty p i­ sche, im m e r w ie d e rke h re n d e und noch lange nach ihrer Auflassung e rk e n n ­ bare S tru k tu r im Bestandsaufbau (A bb. 1, 2, 3 u. 10). Die h a lb o ffe n e n , stark dynam ischen H udelandschaften sind als tra d itio n e ll g e n u tz te Flächen m it ihren o ffe n e n T rifte n , m it bebüschten o der p a rk a rti­ gen Strichen, gelockerten B aum bestän­ den un d den e igentlichen R estw äldern in d e r h e u tig e n K u ltu rla n d sch a ft be­ deutsam als biologische R eservatland­ schaften. Das zeigen nicht nur die vegeta tio n sku n d lic h -flo ris tis c h e n A rb e ite n von B u rric h te r e t al. (1980) sow ie von P o tt und H üppe (1991), sondern auch die neueren, a u f die vo rig e n a u fb a u ­ enden, vo rw ie g e n d biozönologisch o rie n tie rte n A rb e ite n aus der Osnabrü cke r A rb e itsg ru p e von K ra to c h w il (1993). Eindrucksvoll sind in diesem Zu­ sam m enhang die Ergebnisse der U n te r­ suchungen von Assmann (1991) zu den C oleopterenzönosen u nterschiedlicher H u d e w a ld b io to p e . Der E influß h is to ri­ scher Prozesse auf das h e u tig e A rte n g e ­ fü g e d e r C oleopteren, die P o pulations­ s tru k tu r un d die geographische D iffe ­ re n z ie ru n g von R eliktarten stehen d a ­ bei im V o rd e rg ru n d der B etrachtungen. Die m itte la lte rlic h e n H udelandschaf­ te n des Emslandes, w ie sie von P o tt und H ü ppe (1991) zusammenfassend d o k u ­ m e n tie rt sind, weisen eine Reihe von besonderen Teillebensräum en auf, die in d e r um gebenden h e u tig e n K u ltu r­ la n d scha ft fast ausnahmslos v e r­ schw unden sind. Zu diesen H a b ita tty ­ pen g e h ö re n Tot- und A lth o lzb e stä n d e , die von vielen X ylo b io n te n b e w o h n t w e rd e n . Da d ie meisten A rte n dieser Le­ bensform d iffe re n z ie rte A nsprüche an ih re n E n tw icklu n g so rt stellen (bspw. g ü n s tig e Exposition o der R in d e n ve rle t­ zung an Bäumen), sind u n te rsch ie d li­ che Synusien bei den vie lg e sta ltig e n W u ch sfo rm e n der M ast- und S o litä r­ bäum e zu erw a rte n . In den b io zö n o logischen U ntersuchungen der Osna-

b rü cke r A rb e its g ru p p e sind bereits eine Reihe stark g e fä h rd e te r A rte n fü r diese H u d e w ä ld e r nachgewiesen, von denen h ie r n u r C olydium e lo n g a tu m , H arpalus neglectus und Harpalus seripes o d e r Elaphrus aurens e rw ä h n t sein sollen (s. auch Assm ann 1991). Silvicole T ierarten sind als R elikte fü r die groß en B annw äl­ d e r (z.B. T inner Loh, B aum w eg, Benth e im e r W ald, Hasbruch, N e u e nb u rg e r U rw a ld , s. P o tt und H üppe 1991) cha­ rakteristisch. H ierzu g e h ö ren beispiels­ w eise die W a ld a rte n Carabus g la b ra tu s (s. auch A rn d t 1989, H ockm ann e t al. 1992 sow ie Assmann in diesem H eft), d ie L a u fk ä fe r Pterostichus m etallicus, A b a x ovalis und auch d e r Feuersala­ m a n d e r (Salam andra salam andra, vgl. F eldm ann 1981). Diese seit g e ra u m er Z e it - w ahrscheinlich seit den m itte la l­ te rlic h e n W üstungs- und W a ld ve rn ich ­ tu n g s p e rio d e n -v o n e in a n d e r isolie rte n P o p u la tio n e n solcher w a ld b e w o h n e n ­ den A rte n sind n ich t nu r in faun istisch e r H insicht, sondern auch in e v o lu tio n s ­ b io lo g isch e r H insicht herausragend; n ic h t n u r die genetische V a ria b ilitä t, sondern auch Isola tio n sphänom ene dieser stenöken T ie rp o p u la tio n e n k ö n ­ nen in den a lte n R estw äldern u n te r­ sucht w e rd e n . Erste spannende E rgeb­ nisse d e r genetischen V a ria b ilitä t bei Carabus g la b ra tu s und A b a x ovalis zei­ gen auch die A rb e ite n von Assm ann (1990a, 1990b, Assm ann e t al. 1992). N ich t n u r die w a ld b e w o h n e n d e n K äfer ste lle n eine B esonderheit dar, auch die als Baum eister typ isch e r Landschaft­ s tru k tu re n (s. A bb. 14) b e k a n n te n A m e i­ sen (vor allem die Gelbe A m eise Lasius flavus) und deren syndynam ische W e ch se lw irku n g e n m it speziellen S andtrockenrasengesellschaften (vg. P o tt und H üppe 1991) w e rd e n h in s ic h t­ lich d e r K o n g ru e n z von S am m elverhal­ te n dieser sta a te n b ild e n d e n Insekten und W achstum svergleichen von ty p i­ schen am eise n ve rb re ite n d e n P flanzen­ a rte n u n te rsu ch t (K ra to c h w il 1993). Das zu e rw a rte n d e Ergebnis ist eine S tudie z u r In te ra k tio n von Pflanzen und A m e i­ sen (M yrm ecochorie) in H e id e la n d ­ schaften. Auch d ie Blütenbesucher-G e­ m ein sch a fte n von W ild b ie n e n in ausge­ w ä h lte n typischen P flanzengesellschaf­ te n des H udelandschaft-M osaiks (z.B. S pergulo C o ryn e p h o re tu m canescentis, A ire tu m praecocis, D ia n th o -A rm e rie tu m , C orno-P runetum ) e rg eben span­ nende Einblicke in die W echselbezie-

P o tt • N a tu rn a h e A ltw ä ld e r u n d de re n S c h u tz w ü rd ig k e it

hungen vo n P flanzengesellschaften und speziellen T ie rp o p u la tio n e n . Die m eisten W ild b ie n e n ze igen ein n u r w e ­ nig ausgeprägtes M ig ra tio n s v e rh a lte n . Sie sind in d e r Regel auch n u r sehr w e ­ nig a u s b re itu n g sfä h ig , so daß „V e rin se lu n ge n " besonders le ic h t m öglich sind (vgl. auch K ra to c h w il 1983, 1984, 1988). Auch die T a g falter-G em einschaften in H u delandschaften sind vie lfa ch w e ­ gen ih re r N a hru n g sp fla n ze n -P rä fe re n zen sow ohl im A d u lt- als auch im Lar­ venstadium an b e s tim m te V e g e ta tio n s­ e in h e ite n g e b u n d e n . D a ru n te r b e fin ­ den sich z. B. re ch t seltene A rte n , d ie a u f diesen Lebensraum sp e zia lisie rt sind, z.B. nach B athke (1994): H ipparchia semele, Lycaena phlaeas, Plebejus argus, P olym m atus icarus, Celastrina arg io lu s und Hesperia com m a. V iele Tag­ fa lte r zeigen e b e n fa lls ein n u r w e n ig ausgeprägtes M ig ra tio n s v e rh a lte n , so daß auch h ie r „V e rin s e lu n g e n " Vor­ kom m en kö nne n . A vifa u n istisch e Un­ tersu ch ungen stecken in den A n fä n g e n (vgl. die A n gabe n bei P o tt und H üppe 1991); erste Ergebnisse zu den Bestan­ desgrößen, z u r H a b ita tw a h l und zur H a b ita tn u tz u n g heim ischer M eisen (Paridae und A e g ith a lid a e ) in den H ude­ landschaften von N ie m a n n (1994) las­ sen vielversprechende neue E rkennt­ nisse in der Z u k u n ft e rw a rte n . Schon im m e r w u rd e auch a u f die be­ sondere Rolle d e r A ltw ä ld e r, vo r allem der a lte n B a n n w ä ld e r m it ihren m e h r­ h u n d e rtjä h rig e n B aum beständen und den a lte n W a ld b ö d e n , h in gew iesen (s. u.a. Hesm er und S chröder 1963, Ellen­ b erg 1986, H erm y 1989, H e rm y und S tieperaere 1981, P eterken und Game 1984, B ru n e t 1992). W ie bereits er­ w ä h n t, fin d e n viele charakteristische W a ld p fla n z e n - v o r a lle m w a ld b e w o h ­ nende Gräser, Farne und spezielle cha­ rakteristische F a g e ta lia -A rte n , w ie auch Moose, Pilze und Flechten - ty p i­ sche R e lik ts ta n d o rte in diesen B annw äl­ dern (z. B. Lathyrus vernus, A ctaea splcata, H epatlca n o b ilis, A n e m o n e nemorosa, Paris q u a d rlfo lia , G allum odora tu m , M ercuria lis perennis, Gagea spathacea, S tellarla h o lo ste a ). Von den W ald g rä se rn sind in diesem Z usam m enhang besonders M iliu m effusum , H ordelym us europaeus, Bromus ramosus, B. b e n e kil, M eiica u n lflo ra und Festuca altissim a zu nennen. Das ist im G runde g e n o m m e n nichts Besonde­

A b b . 14. K le in m o s a ik im S a n d tr o c k e n r a s e n d u r c h A m e is e n - S a n d h ü g e l in d e r M e p p e n e r K u h w e i d e (a u s P o t t u n d H ü p p e 1 9 9 1 ).

res und w ird aus d e r E n tw icklu n g und der langen, m eist m o d e ra te n N u tzu n g dieser alten W a ld p a rz e lle n auch ve r­ ständlich. Pollenanalysen aus K leinstm ooren in der U m g e b u n g solcher W ä l­ der und aus B o d e n p ro file n bezeugen die E inw anderungszeiten und Ü berdauerungsraten solcher Pflanzen (vgl. u.a. Isenberg 1979, A a b y 1983, O 'Conn e ll 1986, Behre 1988, H üppe e t al. 1989, Elerie e t al. 1993, P o tt 1993). Es sind v o ra lle m d ie W a ld p fla n z e n , die be­ reits im A tla n tik u m m it d e r A u sb re i­ tu n g der Laubw ald-E lem ente aus ih re n eiszeitlichen R e fu g ia lg e b ie te n m it den E dellaubw äldern (Eiche, Ulme, Esche, Linde, Erle usw.) w e it nach N orden bis an ihre h e u tig e n A re a lg re n ze n v o rg e ­ d ru n gen sind un d sich se ith e r an e n t­ sprechenden W a ld s ta n d o rte n an O rt und Stelle halten k o n n te n . Im Zuge d e r nacheiszeitlichen N o rd a u s b re itu n g der Buche und ihrer B e g le ite r w u rd e n dann

viele d e r te ilw e is e lic h tb e d ü rftig e n Fa­ g e ta lia -A rte n a u f die E ichen-H ainbuch e n w ä ld e r (S te lla rio -C a rp in e tu m ) und a ndere F e uchtw älder (H ang- o d e r S c h lu ch tw ä ld e r des T ilio -A ce rio n ) a b ­ g e d rä n g t. D o rt haben sie sich an e n t­ sprechend b e w a ld e te n S ta n d o rte n bis h e u te g e h a lte n (z. B. die H öheren P flan­ zen S tellarla holostea, Carex sylvatlca, Circaea lu te tla n a , Gagea spathacea, Sa­ nícula europaea, Festuca g ig a n te a , Stachys sylvatlca sow ie die M oose Isothecium m yosuroldes und T h u ld iu m ta m a riscin u m ) und andere A rte n , w ie sie in den V e g e ta tio n s ta b e lle n d e r B a n n w ä l­ der Hasbruch, B e n th e im e r W ald, N e u e n b u rg e r U rw ald, B aum w eg und T in n e r Loh bei P o tt und H üppe (1991) a n g e fü h rt sind. Diese A rte n fe h le n in d e r Regel in den S e ku n d ä rw ä ld e rn ; die P o p u la tio n e n solcher W a ld e le m e n te erreichen an P rim ä rsta n d orte n o f t ein A lte r von 200-300 Jahren (z. B. H epática 129

P o tt • N a tu rn a h e A ltw ä ld e r u n d d e re n S c h u tz w ü rd ig k e it

n o b ilis und Sanicula europaea, In g he und Tamm 1985); das m a ch t ih re Emp­ fin d lic h k e it gegen W a ld v e rn ic h tu n g e n u nd S ta n d o rtve rä n d e ru n g e n e rklä rlich . A u ffä llig reich je d o ch sind solche A ltw ä ld e r an a lte n Zier- o d e r K u ltu r­ pfla n ze n , die sich noch h e u te als „W a ld p fla n z e n " h a lte n k ö n n e n : da w ä re insbesondere das m ittle rw e ile e in g e b ü rg e rte Im m e rg rü n (Vinca m in o r), das aus dem Kaukasus und Turkm enien stam m ende, eurasisch-kontin e n ta le A lliu m p a ra d o x u m , die e ben­ fa lls e in g e b ü rg e rte , m e h r s u b m e d ite r­ rane A kelei (A q u ile g ia vu lgaris) und der o st-su b m e d ite rra n e W in te rlin g (Eranthis hiem alis) zu nennen. H ier k o m m t den n a tu rn a h e n A ltw ä ld e rn w ie d e ru m die entscheidende Rolle als R efugialgeb ie t zu. V ielfach w e rd e n diese W a ld ­ p fla n ze n geradezu als „In d ik a to re n " f ü r solche a lte n W ä ld e r b e ze ichn e t das ist n a tü rlich w e g e n des R efugialcharakters dieser A rte n n ic h t ganz k o r­ re k t die je w e ilig e n o f t lo ka le n V o r­ kom m en von W a ld p fla n z e n sind te il­ w eise in d iv id u e ll be g rü n d b a r. Jede d ie ­ ser H udelandschaften und B a n n w ä ld e r h a t ihre te ilw e ise ganz speziellen anth ro p o -z o o g e n e n N u tz u n g e n e rfa h ­ ren, w elche je w e ils eine eig e ne in d iv i­ d u e lle Sukzession o d e r B estandsstruk­ t u r zur Folge g e h a b t haben. S om it h a t je d e r W ald durchaus seine eig e ne h is to ­ rische E n tw icklu n g m it a lle n Ver­ g le ic h b a rk e ite n , ab e r auch m it allen E igenheiten. In d ik a to re n fü r diese W ä l­ d e r sind v ie lm e h r d ie Z eiger d e r tr a d i­ tio n e lle n Hude- und S ch n e ite ln u tzu n gen, w ie das g e h ä u fte V o rko m m e n ve rb iß - und trittre s is te n te r A rte n (z. B. Prunus spinosa, Crataegus m o n o g yn a , C. oxyacantha, Rosa canina, lle x a q u ifo liu m ) und die d u rch w e g v e rä n d e rte S tru k tu r dieser W ä ld e r (s. Tab. 1). Das u n te rsch e id e t sie auch d e u tlic h von den m o d e rn en W irts c h a fts w ä ld e rn (s. A bb. 1 u. 10 sow ie P o tt und B u rric h te r 1983). Insgesam t w ird a ber o ffe n s ic h tlic h , daß neben dem A rte n - u nd B io to p ­ schutz (auch nach dem § 20c NatG) als vo rra n g ig e m Zweck die d e rz e itig e n H ude- und T riftla n d s c h a fte n sow ie die Reste d er e rh a lte n e n a lte n E xtensivw al­ d u n g e n (B annw älder, S chneitelw älder, N iederw älder, R am holzw älder, Hecken) w e ite re S ch u tzkrite rie n b ie te n und fo r ­ d e rn (s. auch Zacharias und Brandes 1990, K napp und Jeschke 1991, K oop 1991, W o lf u n d B ohn 1991, Z u k rig l 130

1991, P o tt 1993). Solche W ä ld e r kö nnen aus g e o b o ta n isch e r Sicht als G rundlage fü r vegetationsgeschichtliche, p fla n zensoziologisch-system atische, synökologische und um w e ltb e zo g e n e Studien die n en . G leichzeitig b ilden sie aus landschaftsökologisch-geographischer Sicht verschiedene M usterbeispiele fü r Typen d e r historischen Landschaft, der B a n n w ald - und H udelandschaften so­ w ie d e r biologischen Reservatland­ schaften. Die A n fo rd e ru n g e n an den W aldN aturschutz bzw. Schutz von W a ld la n d ­ schaften lassen sich in vier H a u p tp u n k ­ te n ku rz zusammenfassen: ■ E rh a ltu n g der n a tü rlich e n bzw. na­ tu rn a h e n W aldgesellschaften zur Siche­ ru n g ih re r ökologischen und ö k o n o m i­ schen F u n ktio n e n (B io to p sch u tz), ■ E rh a ltu n g a lle r da rin v o rk o m m e n ­ den charakteristischen Pflanzen- und T ie ra rte n (N a tu r- u n d A rtenschutz), ■ S chaffung bzw. E rhaltung u n b e e in ­ flu ß te r W aldökosystem e, die als Reser­ vate bzw. als R egenerationsflächen in d e r K u ltu rla n d s c h a ft w e rtv o lle Funk­ tio n e n ausüben (Ökosystemschutz), ■ E rh a ltu n g und M ana g e m e n t der h a lb n a tü rlic h e n , ehemals extensiv ge ­ n u tz te n W aldla n d sch a fte n und W a ld ty ­ pen (evtl, als N aturdenkm äler, n a tu rund ku ltu rh is to ris c h w e rtv o lle Schutz­ g e b ie te o d e r als Landschaftschutzge­ biete). Ihr ästhetischer W e rt k o m m t dazu (vgl. Wöbse 1993). A lle extensiven W irtsch a ftsfo rm e n in W ald und Feld gehören im w e s e n tli­ chen d e r v o rin d u s trie lle n Z eit an und haben sich stellenweise bis heute als p rä g e n d e S tru ktu re n in e inigen Land­ strichen geh a lte n ; sie fa lle n aber zu ­ sehends der m odernen Land- und F o rs tw irts c h a ft zum Opfer, und das Wissen um die tra d itio n e lle n W ir t­

schaftsweisen g e rä t im m er m ehr in V ergessenheit. Die a lte n W a ld g e b ie te , die niem als v ö llig ü b e rn u tz t o d e r n a c h haltig verän­ d e rt und z e rs tö rt w o rd e n sind, zeigen o f t - w ie gesagt - als sogenannte s tru k ­ tu rre ic h e D a u e rw aldinseln das ge b iets­ typische Floren- und Fauneninventar. A lle rd in g s ist dabei eine M in d e s tflä ­ ch e n g rö ß e vorauszusetzen: nach Za­ charias und Brandes (1989, 1990) sow ie Zacharias (1993) ist eine M indestgröß e von ca. 500 ha fü r einen n a tu rn a h e n u nd s tru k tu rre ic h e n W aldbestand o p ­ tim a l. W ie d e rb e sie d lu n g e n von Sekun­ d ä rw ä ld e rn m it gebietstypischen W a ld ­ a rte n d a u e rn g e w ö h n lic h sehr lange; je nach R e g e n e ra tio n s k ra ft der W a ld ty ­ pen von 350 Jahren (bei v ita le n Carpin/'on-W äldern, s. Falinski 1986) bis zu ei­ ner Z eitspanne von 600-800 Jahren bei bodensauren Q uercion ro b o ri-p e tra e a e -W ä ld e rn (vgl. P eterken 1977, Rackham 1980). Ein H a u p tziel des V e g e ta tio n sö ko ­ logisch o rie n tie rte n Naturschutzes sind a b e r die sogen a n n te n N a tu rw a ld ze lle n o d e r N a tu rw a ld re se rva te , an denen bei A usschaltung von E in g riffe n a lle r A rt d ie Einflüsse von U m w e ltv e rä n d e ru n ­ gen o d e r a ber auch die ökosystem aren Z usam m enhänge e xa kt analysiert w e r­ den kö n n e n (vgl. u.a. auch R em m ert 1989, P lachter 1991, S turm 1993). In d ie ­ sem Fall ric h te n sich je g lich e m enschli­ che E in g riffe , auch in „w a ld p fle g e ri­ scher" oder „la n d e s p fle g e risch e r" H insicht, d ie vielfach das „O rga n isie re n eines B io to p s " zum Ziel haben, gegen d ie dynam ischen Prozesse der Natur. H e rkö m m lich e N a turschutzgebiete, in d e nen d ie la n d - und fo rs tw irts c h a ftli­ chen N u tzu n g e n m eist u n g e h in d e rt w e ite rg e h e n , können die eben g e n a n n ­ te n F u n k tio n e n n ich t e rfü lle n .

Tab. 1. S t r u k t u r u n t e r s c h ie d e im B e n t h e im e r W a ld (a u s P o t t u n d B u r r ic h t e r 1 9 8 3 )

W irtsch a ftsh o ch w a ld

E hem aliger H ude- und S chneitelw ald

1. G le ic h a ltrig e r und g le ich ­ m ä ß ig e r Bestandesaufbau

1. V e rs c h ie d e n a ltrig e r und u n g le ich m ä ß ig e r B estandesaufbau (Wechsel von Lichtungen und s c h a ttig e n P artien)

2. G ering ausgebildete Strauchschicht

2. A u s g e p rä g te und u n re g e lm ä ß ig v e rte ilte S trauchschicht

3. W e n ig b e w e h rte S trä u ch e r

3. Ü b e rw ie g e n d b e w e h rte Sträucher m it fa zie sb ild e n d e m lle x a q u ifo liu m

4. R elativ gleichm äß ig ve rte ilte K ra u tflo ra

4. U n re g e lm ä ß ig v e rte ilte K ra u tflo ra m it stark u n te rsch ie d lich e n D eckungsgraden

P o tt • N a tu rn a h e A ltw ä ld e r und d e re n S c h u tz w ü rd ig k e it

5. Z u sam m en fassu n g Für den Menschen ve rg a n g e n e r Jahr­ h u n d e rte h a tte n die W ä ld e r eine ganz a ndere B edeutung als h e u te fü r uns. A u ß e r als H olzq u e lle d ie n te n sie als V ie h w e id e und z u r L a u b stre u g e w in ­ n ung. W e ite rh in w u rd e die Laubstreu gesam m elt, um zusam m en m it den Ex­ kre m e n te n des Viehs als D ü nger fü r die Felder zu dienen. Im V ergleich a lle r da­ m a ligen W a ld n u tz u n g e n ist die W a ld ­ w e id e als d ie je n ig e anzusehen, die ins­ gesam t gesehen den stärksten E influß a u f das Landschaftsbild a usgeübt hat. Die u rsprün glich in M itte le u ro p a w e itg e h e n d geschlossene W alddecke w u rd e durch den prähistorischen und m itte la lte rlic h e n M enschen in ein M o ­ saik aus sehr verschiedenen h a lb n a tü r­ lichen, h a lb o ffe n e n V e g e ta tio n s s tru k ­ tu re n u m g e w a n d e lt, z.B. W eiden, Hecken, Gebüsche, w a c h o ld e rd u rc h ­ setzte H eiden und eine groß e A nzahl ve rsch ie d e n a rtig e r W a ld ty p e n . Diese E rhöhung der S tru k tu rv ie lfa lt fü h rte auch zu e in e r d e u tlic h e n A n re ich e ru n g von Flora und V e g e ta tio n . Diese W ä ld e r besitzen heute als b iologische Reservat­ landschaften eine herausragende Be­ d e u tu n g . Sie sind R e fu g ia lg e b ie te fü r zahlreiche P flanzen- und Tierarten. Noch sind in unserer Landschaft e in ig e Zeugen de r a lte n N u tzu n g sfo rm e n er­ halte n . Da ihre Zahl k o n tin u ie rlic h ab ­ n im m t, ist aber d e r Z e itp u n k t abzuse­ hen, an dem sie v ö llig aus unserer Land­ schaft verschw unden sein w e rd e n . Der exem plarische Schutz dieser le tzte n Zeugen a lth e rg e b ra c h te r N utzungs­ w eisen ist dahe r u n te r A n w e n d u n g a l­ ler M ö g lic h k e ite n und Kenntnisse der Landschafts- und F orstplanung und e i­ nes ökologische n M anagem ents u n te r d e r Leitung entsprechend au sg e b ild e ­ te r B iologen bzw. Ö ko lo g e n zu e m p ­ fe h le n .

6. A b stra c t A n c ie n t W o o d la n d W o rth P ro te ctin g The fo re s t m e a n t so m e th in g com ­ p le te ly d iffe r e n t to man fo rm e r tim es th a n it does to us today. Besides p ro v id ­ ing w o o d fo r various purposes, th e p rim a ry and secondary forests also served as coppiced w o o d , as c a ttle pas­ tu re and le a f c o n trib u to rs ; litte r and m anure w e re also g a th e re d in o rd e r to

fe rtiliz e th e fie ld s w ith pla g ge n . Con­ sidering all th e co n ve n tio n a l u tiliz a tio n m ethods, th e w o o d pasture was th e longest lasting and th e one w h ic h had th e greatest im pact on th e landscape. M an created in p re h isto ric and m e­ dieval tim es a mosaic o f very d iffe re n t sem inatural, h a lf open v e g e ta tio n structures fro m closed v irg in w ild w oods, e.g. pastures, hedges, shrubs and J u n ip e ru s -in filtra te d h e athlands and a lo t o f ancient types o f forests. This phenom enon resulted in a considerable e n rich m e n t o f flo ra and v e g e ta tio n and m any old trees and a n cie nt w o o d la n d s are still bearing th e im p rin t o f conven­ tio n a l w o o d u tiliz a tio n m ethods. Be­ cause th e ir n u m b e r is co n s ta n tly de­ creasing th ro u g h o ve rm a tu rity , th e tim e can be foreseen w h e n these old witnesses o f se m in a tu ral and c u ltu ra l history w ill co m p le te ly vanish. T here­ fo re w e recom m end th e p ro te c tio n o f extensively used landscapes and th e e m p lo ym e n t o f all possibilities o f la n d ­ scape- and w o o d la n d -p la n n in g and m anagem ent on ecological base. It is necessary to fo llo w e xp e rt advice fro m biologists and ecologists.

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A n sc h rift d es V e rfa sse rs Univ. Prof. Dr. R. P ott In s titu t fü r G e o b o ta n ik U n ive rsitä t H annover N ie n b u rg e r Straße 17 30167 H annover

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N N A -B e rich te 3 /9 4

In d ik a to ra rte n d e r Fauna fü r historisch a lte W ä ld e r v o n A x e l S sym ank

1. E in le itu n g Bevor man sich dem Problem von In d i­ k a to ra rte n fü r „h isto risch a lte W ä ld e r" näh e rn kann, sind zunächst e in ig e g ru n d le g e n d e B em erkungen zu r Be­ g riffs d e fin itio n ange b ra ch t. A lte W ä l­ d e r w e rd e n sehr unterschiedlich d e fi­ n ie rt; e in ig e M ö g lic h k e ite n sind: ■ W ä ld e r m it hohem T o th o lz- und A lth o lz a n te il, ■ k o n tin u ie rlic h seit la n g er Z e it b e w a l­ d e te S ta n d o rte (m it untersch ie d lich e n Festlegungen zum Zeitraum ), ■ K o n tin u itä t des Vorhandenseins von W a ld o d e r dessen D e g ra d a tio n s fo rm e n in e in e r Region, o hne den genauen Nachweis e in e r a u f derselben Fläche k o n tin u ie rlic h e n B ew aldung. A ll diese D e fin itio n e n sind A n n ä h e ­ ru n g e n an die Frage nach d e r N a tu r­ nähe und de r ze itlich e n K o n tin u itä t u n ­ serer in Europa ve rb lie b e n e n W älder, und d a m it ih re r B ed e u tu n g fü r den Na­ tu rsch u tz. G eht man zunächst von d e r z e itli­ chen K o m p o n e n te aus, so g ib t es p ri­ m äre W älder, die als W aldreste d e r u r­ sp rü n g lich w e itg e h e n d zusam m enhän­ g e n d e n W alddecke in M itte le u ro p a vo r B eginn der R o d u n g s tä tig k e ite n ü b e r­ d a u e rt haben. D em g e g e n ü b e r stehen sekundäre W älder, die a u f ehemals e n t­ w a ld e te n S ta n d o rte n neu b e g rü n d e t w u rd e n o d e r durch Sukzession nach A u fg a b e a n d e rw e itig e r (m eist la n d ­ w irts c h a ftlic h e r) N u tzu n g e n e n ts ta n ­ den sind. Leider existieren n u r sehr sel­ te n D o k u m e n te übe r den W ald zu sta n d eines Gebietes von A n b e g in n m enschli­ cher S ie d lu n g stä tig k e ite n . In der Praxis ist d a h e r eine E in te ilu n g in a lte („h is to ­ risch a lte ") W ä ld e r und ju n g e W ä ld e r besser, w elche den ze itlich e n S chnitt ins M itte la lte r le g t. W ä h re n d in England ab ca. 1600 flä chend e cke n d e A n g a b e n ü b e r W älder, o ftm a ls m it ge n a u e r B aum artenzusam m ensetzung, v o rlie gen, sind in D eutschland e n tsp re ­ chende D aten h ä u fig erst ab ca. 1800 v e rfü g b a r (z.B. K urhannoversche Lan­ d esa ufnahm e 1760-1786, K a rtie ru n g d e r R heinlande von T ranchot und 134

M ü fflin g , 1803-1820). Danach sind historisch a lte W älder solche, die die m itte la lte rlic h e n Rodungsphasen ü b e r­ standen haben und seither k o n tin u ie r­ lich b e w a ld e t w aren (Peterken 1983). A lte W ä ld e r umfassen som it per D e fin i­ tio n a lle prim ären, als „U rw a ld re s te " besonders artenreichen W älder. D ennoch spielen fü r den N a tu r­ schutz, den A rte n re ic h tu m und die Q u a litä t a lte r W älder w e ite re w e s e n tli­ che F aktoren eine Rolle. A lte Karten oder D o ku m e n te sagen m eist w e n ig über die B e w irtsch a ftu n g s­ fo rm e n aus. Hier haben v.a. S tru k tu r­ v e rä n d e ru n g e n und V eränderungen in d e r B aum artenzusam m ensetzung als w e se n tlich e B io to p q u a litä te n eine hoh e B edeutung. Historische W a ld ­ b e w irts c h a ftu n g s fo rm e n , insbeson­ dere N ieder- und M itte l W a ld w irtsch a ft, W a ld w e id e und S treunutzung, ebenso w ie die h e u tig e Hoch W a ld w irtsch a ft haben zahlreiche V eränderungen na­ tu rn a h e r W älder zur Folge g e h a b t. Dazu g e h ö re n v.a.: ■ n ic h t standortsgerechte bzw. ökosy­ ste m fre m d e Baum artenzusam m ensetz­ ung, ■ A ltersklassenw älder m it 1-2 A lte rs ­ klassen, ■ U n te rd rü cku n g von A lters- und Zer­ fallsphasen. A m a u g e n fä llig ste n ist der g e rin g e A n te il d e r in M itte le u ro p a u n te r h e u ti­ gen klim atischen B edingungen von Na­ tu r aus vorherrschenden H a u p tb a u m ­ a rt, d e r Rotbuche, von n u r ca. 17% (B u n d e sw a ld in ve n tu r 1990) am gesam ­ te n bundesdeutschen W ald. An ih re r Stelle stehen heute i.d.R . N adelforste, a lle n vo ran die Fichte. Da sich W a ld e n t­ w ic k lu n g e n und Sukzessionen ü b e r m e h re re B aum generationen erstrekken und Jahrhunderte dauern, so llte n Forsten m it gru n d le g e n d ve rä n d e rte r Baum artenzusam m ensetzung zunächst n ic h t in d ie fo lg e n d e n Ü b erlegungen e in b e zo g e n w erden. D a m it fasse ich den B e g riff „h is to ­ risch a lte W ä ld e r" w ie fo lg t: W älder, die die m itte la lte rlic h e n Ro­ dungsphasen überstanden haben und

se ith e r k o n tin u ie rlic h (nachw eislich seit m in d . 1780) b e w a ld e t w a re n . Aus fa u nistischer Sicht haben insbesondere k o n tin u ie rlic h n a tu rn a h b e w a ld e te W ä ld e r eine hohe B e d e u tu n g, d .h . de­ ren B aum artenzusam m ensetzung zu­ m in d e st n ich t g ru n d le g e n d g e ä n d e rt w u rd e .

2. S itu a tio n sa n a ly se W o sind W ä ld e r auch nach d er m itte la l­ te rlic h e n Rodungs- und D e g ra d a tio n s­ phase noch u n a n g e ta s te t geblieben? D eutschland w a r u rsp rü n glich ein w e itg e h e n d von L a u b w ä ld e rn (Buche und E ichenm ischw äldern) bedecktes Land. Die K arten der p o te n tie lle n na­ tü rlic h e n V e g e ta tio n g e ben n u r ein u n ­ gefähres Bild d e r d a m a lig e n S ituation, da a u fg ru n d von K lim a ve rä n d e ru n g e n und E in w a n d e ru n g e n von B aum arten h e u te andere B e d in g u n g e n herrschen, die die Buche als H a u p tb a u m a rt b e g ü n ­ s tig t haben. G le ich ze itig ist die D yna­ m ik d e r A uen und F lu ß tä le r w e itg e ­ hend v e rlo re n g e g a n g e n (H auptsied­ lu n g slin ie n ). W ald w u rd e zunächst n u r in u n m itte lb a re r S iedlungsnähe als la n d w irts c h a ftlic h e N u tz flä ch e g e ro ­ d e t. Erst m it zu n e h m e n d e r B edeutung d e r H o lz p ro d u k tio n s fu n k tio n erre ich ­ te n im M itte la lte r die W a ld ro d u n g e n und -devastierungen in ganz M itte le u ­ ropa verheerende Ausm aße. Holz w u rd e b e n ö tig t im Bergbau, als Bau­ holz, zu r A sch e g e w in n u n g fü r G lashüt­ te n und fü r die a u fk o m m e n d e Eisen­ v e rh ü ttu n g . Ganze h e u te w ie d e r (te il­ weise) b e w a ld e te G ebirgszüge w aren v o llk o m m e n e n tw a ld e t. S ow eit noch W ald vo rh a n d e n war, h a tte n W a ld ­ w e id e und S tre u n u tzu n g sow ie h is to ri­ sche N u tzu n g sfo rm e n w ie z.B. N ie­ d e rw a ld - (B re n n h o lz n u tz u n g ), M it­ te lw a ld - o d e r E ich enschälw aldnutzung (G erbereien) ein übriges dazu beig e ­ tra g e n , daß n u r w e n ig e Restbestände n a tu rn a h e r W ä ld e r o f t an v ö llig u n zu ­ g ä n g lich e n o d e r e n tle g e n e n Stellen (steile Felswände, S ch lu ch tw älder u.a.) ü b e rd a u e rn ko n n te n . M it d e r E in fü h ­ ru n g der ersten Forstgesetze im 18. Jhd. und dem a llm ä h lich a u fk o m m e n d e n P rinzip d e r N a c h h a ltig k e it der H o lz p ro ­ d u k tio n gela ng e n p la n m ä ß ige N e u a u f­ fo rs tu n g e n a u f g ro ß e r Fläche. H ierzu w a re n die N adelbäum e a u fg ru n d ih re r W uchsleistungen und der V e rfü g b a r­ k e it von Samen bzw. P fla n zg u t p rä d e ­

Ssymank In d ik a to ra rte n d e r Fauna fü r historisch a lte W ä ld e r

stin ie rt. Daher sind h e u te ru n d zw ei D ritte l der bundesdeutschen W a ld flä ­ che m it Fichte u nd K ie fe r bestockt, W aldreste m it n a tu rra u m ty p is c h e r B a u m a rte n k o m b in a tio n und w e n ig ­ stens a u f T eilflächen einem höheren A lt- und T o th o lz a n te il als d u rc h s c h n itt­ liche W irts c h a fts w ä ld e r nehm en u n te r 6 % der B undesfläche ein. Die im Laufe d e r Z e it e ntsta nd en e V erinselung n a tu rn a h e r W ä ld e r h a t zu einem allm ä h lich e n A ussterben z a h lre i­ cher W a ld a rte n , insbes. za hlre ich e r sap ro xylo p h a g e r A rte n g e fü h rt. Dieser Prozeß des Aussterbens ist w e itg e h e n d u n d o k u m e n tie rt m it de r R odung e in ­ hergegangen: So fü h r t G irlin g (1982) z. B. fü r England 20 sap roxylop ha ge Kä­ fe ra rte n m it b ro n z e z e itlic h e n V o rk o m ­ men an (fossile Nachweise), die noch vo r Beginn der system atischen A rb e ite n von Linné ausgestorben w are n. Da die groß en m itte la lte rlic h e n R odungs- und W alddevastierungsphasen lange vor der intensiven B esch äftig un g d e r Na­ tu rw isse nschaftle r m it vielen Insekten­ g ru p p e n lagen, sind n u r vage S chätzun­ gen ü ber den V erlust ehem als w e it ver­ b re ite te r w irb e llo s e r W a ld a rte n m ö g ­ lich. Zahlreiche sa p ro xylo ph ag e A rte n zeigen heute in M itte le u ro p a eine ex­ tre m d isju n kte V e rb re itu n g , die in den m eisten Fällen a u f R e lik tv o rk o m m e n ei­ nes ehem als geschlosssenen Areals zu­ rückgehen (vgl. S p e ig h t 1989).

3. V o rau ssetzu n g en fü r In d ik ato r­ a rte n vo n a lte n W ä ld e rn A llg e m e in e G rundvorraussetzungen fü r In d ik a to re n und d eren U m setzung in die planerische Praxis sind in der L ite ra tu r a usfü h rlich d a rg e s te llt (z.B. Riecken e t al. 1990, Riecken 1992). Hier sollen n u r die speziellen A n fo rd e ru n ­ gen an In d ik a to ra rte n fü r historisch alte W ä ld e r b e h a n d e lt w e rd e n . Der E uroparat n e n n t in einem S c h w e rp u n k th e ft zum Schutz von sap ro xylo p h a g e n W irb e llo se n (S peig ht 1989) fo lg e n d e A u s w a h lk rite rie n fü r eine Liste europäischer B io in d ik a to re n fü r q u a lita tiv h o c h w e rtig e n a tu rn a h e W älder: ■ B indung an d ie „K lim a x "b a u m a rte n europäischer W ä ld e r ■ B indung an T o t-u n d A lth o lz ■ stark eingesch rä n kte V e rb re itu n g , R estvorkom m en ■ m ittle re bis gro ß e A rte n

■ re la tiv leichte N a ch w e isb a rke it und B estim m barkeit Nach diesen K rite rie n sind rund 200 In d ik a to ra rte n aus verschiedenen ta xo nomischen G ruppen zusam m engestellt w o rd e n . D arauf a u fb a u e n d w u rd e ein erster E n tw u rf e in e r Liste e u ro p a w e it bedeutsam er W ä ld e r e ra rb e ite t. Eine Durchsicht dieser Liste e rg ib t, daß sich dieser Ansatz w e itg e h e n d m it der Su­ che nach historisch a lte n W ä ld e rn deckt (fast alle g e n a n n te n W ä ld e r sind seit m indestens 500 Jahren b e w a ld e t). G leichzeitig w u rd e d e u tlic h , daß solche W äld e r nur noch in G ebirgslagen bzw. M itte lg e b irg e n e rh a lte n g e b lie b e n sind, w ährend W ä ld e r in der planaren Stufe fehlen. A nalysiert man die Faktoren, die fü r In d ik a to ra rte n historisch a lte r W ä ld e r von B edeutung sind, etw as um fassen­ der, so ge la n g t m an zu fo lg e n d e r Ü ber­ sicht, die w e it ü b e r x y lo b io n te W irb e l­ losengruppen hin a usg e h t. 1. B indung an w aldspezifische S truktu re n ■ Primär: lebende Bäume und deren M ik ro h a b i­ ta te R indenbew ohner, S tam m fauna K ronenfauna H olzbe w o h n e r sonstige M ik ro h a b ita te (P hytotelm en, B a u m h u m u s ...) Tot- und A lth o lz w aldspezifische S trauch- und K rautve­ g e ta tio n holzzersetzende Pilze bestim m te M oos- u. F lechtenarten W aldin n e n klim a B odenparam eter ■ Sekundär: Sekundärbesiedler von Fraßgängen N utzung verlassener B aum höhlen Kommensalen in z. B. Am eisen- u. H um ­ m elnestern Parasiten u. P arasitoide an w a ld g e b u n ­ denen A rten 2. Geringe o d e r fe h le n d e M o b ilitä t a lle r Stadien 3. B indung an d en Lebensraum W ald a) alle Stadien e n tw ic k e ln sich im W ald b) bestim m te S tadien sind m it be­ stim m ten Bedürfnissen an den W ald gebunden, z.B.:

■ N a h ru n g s h a b ita t (A d u lte o d e r Präim a g in a lsta d ie n ) ■ B ru t-/N is th a b ita t ■ Ü b e rw in te ru n g s h a b ita t So g ib t es a u ffä llig viele W a ld a rte n m it D o p p e lb io to p b in d u n g , z.B. Saum und W ald, W aldw iese etc. Die G ründe dieser B indung an W ä l­ d e r kö n n e n v ie lfä ltig sein und b e in h a l­ te n o ft eine K o m b in a tio n von a b io tischen m ik ro k lim a tis c h e n , p e d o lo g ischen und s tru k tu re lle n A nsprüchen. 4. Keine regelm äß igen „ long -distance " A u s b re itu n g s m ö g lic h k e ite n ■ z.B. A n e m o c h o rie b e i P flanzen ■ keine S aisonalw anderer o d e r D ism i­ g ra n te n m it g ro ß e r W a n d e rn e ig u n g bei Insekten etc. ■ keine e p izo och o re n A rte n bzw . p h o retische Lebensweise. 5. A llg e m e in e A n fo rd e ru n g e n an In d ik a to ra rte n h in sich tlich le ic h te r N a c h w e isb a rke it u n d B e s tim m b a rk e it so w ie einem M in d e s tm a ß an G rundkenntissen ü b e r d ie B io lo g ie d e r A rte n .

4. Die B ed eu tu n g vo n T o t-u n d A lth o lz Ein w esentliches M e rkm al historisch a l­ te r W ä ld e r lie g t im V o rhandensein von Tot- und A lth o lz . Ein V ergleich von W irts c h a fts w ä ld e rn m it n a tu rn a h e n m itte l- und südeuropäischen W ä ld e rn z e ig t den drastischen V erlust dieser ö k o ­ logischen Nische: N a tu rn a h e W ä ld e r haben T o th o lz v o rrä te zw ischen 50 und 200, lokal bis 300 fm /h a (L ich tu n g e n , Z erfallsphasen) (A lb re c h t e t al. 1988, P fa rr 1990), ausgesprochen to th o lz r e i­ che ca. 100jährige F ich te n fo rste n liegen bei ca. 30 fm /h a , d e r N o rm a lfa ll unserer Forsten h a t n u r noch 1-5 fm T o th o lz ­ v o rrä te (Rauh und S c h m itt 1991). A u fg ru n d d e r besonderen B edeu­ tu n g von Tot- und A lth o lz fü r historisch a lte W ä ld e r seien h ie r e in ig e g ru n d le ­ g e nde besie dlu n g sb e stim m ende F a kto ­ ren im V ergleich n a tu rn a h e r W ä ld e r m it W irts c h a fts w ä ld e rn ku rz zusam m en­ g e fa ß t. A u s fü h rlic h e D a rste llu n g e n f in ­ d e t m an in zah lre ich e n P u b lik a tio n e n und Sam m elbänden (z.B. N a tu rsch u tz­ z e n tru m N o rd rh e in -W e stfa le n , Semi­ n a rb e ric h te 1988 und 1990, Forstwiss. C e n tra lb l. 110 [1991 ], S p e ig h t 1989). 135

Ssymank • In d ik a to ra rte n d e r Fauna f ü r h istorisch a lte W ä ld e r Tab.

1. B e s ie d lu n g s b e s tim m e n d e

F a k to r e n

fü r

T o th o lz

in

u n te r s c h ie d lic h

g e n u tz te n

W ä ld e r n u n d F o rs te n

1. B aum artenzusam m ensetzung - H a u p tb a u m a rt -P io n ie rb a u m a rte n 2. H olzdim ension - S tarkholz - m ittle re s/sch w a ch e sH o lz - A sth o lz 3. A b io tisch e R ahm e n b e d in g u n g e n , P osition - stehende to te Bäume - lie g e n d e Bäum e/S tam m holz - W urzelstöcke - liegendes A sth o lz 4. T o th o lz p a rtie n le b e nd e r Bäume - Astlöcher, K e rn fä u le n - P h yth o te lm e n in A stlöchern - Schleimflüsse durch P ilz in fe k tio n e n + (+) W h is t. Feinh. Fex

= = = = = =

W h is t.

Feinh.

Fex

(+) (+) (+)

+ + -

+ -

(+) + (+) + (+) (+)

-

-

(+) +

(+) +

-

-

(+) + +

(+) + +

(+) -

(+) -

(+)

(+)

re gelm ä ß ig vo rh a n d e n bzw. n a tu rn a h e rh a lte n selten o d e r n u r in be stim m te n Beständen vorhanden selten, fe h le n d o d e r stark v e rä n d e rt W ä ld e r m it historischen B e w irtsch a ftu n g sfo rm e n Forsten m it einheim ischen sta ndortstypischen Gehölzen Forsten m it s ta n d o rtsfre m d e n G ehölzen/E xoten

W esentliche, die faunistische Be­ siedlung von T o th o lz /A lth o lz bestim ­ m ende Faktoren u nd ih r V o rh a n d e n ­ sein bzw. ihre V erä n d e ru n g in W irt­ schaftsw äldern g e g e n ü b e r n a tu rn a h e n W ä ld e rn z e ig t Tabelle 1. Ein w e ite re r w ic h tig e r Faktor fü r die

B uche F lie g e n

Besiedlung von T otholz neben den in Tabelle 1 gen a n n te n ist der Zerset­ zungsgrad sow ohl fü r saprophage Pilze als auch fü r die spezifische Fauna. Da­ m it e rg e b e n sich typische Sukzessions­ a b fo lg e n m it zunehm ender H olzzer­ setzung (z.B. Derksen 1941, Vité 1951

E iche Käfer

5. In w e lc h e n G ild en sind In d ik a to ra rte n fü r histo risch a lte W ä ld e r zu e rw a rte n ?

F ichte S p in n e n tie re

S o n s tig e

A b b . 1. V e r te ilu n g d e r T o th o lz fa u n a a u f d ie v e r s c h ie d e n e n T ie r g r u p p e n (n a c h R a u h u n d S c h m it t 1 9 9 1 , v e r ä n d e r t ) .

1 36

u.a.), d ie je doch im Prinzip in Forsten und in n a tu rn a h e n W ä ld e rn gleich ab­ la u fe n . Die N ischenvielfalt, die sich durch d ie a b g e s tu fte K o m b in a tio n der o .g . Faktoren e rg ib t, ist sehr groß , al­ lein aus ko le o p te ro lo g is c h e r Sicht u n ­ te rs c h e id e t Geiser (zit. nach A lb re c h t 1991) 52 M ik ro h a b ita tty p e n . G ru n d ­ sätzlich fe h le n a ber den W irtsch a fts­ w ä ld e rn b e stim m te G ruppen von Totund A lth o lz fa st ganz. Von diesen ist insbesondere S tarkholz a u fg ru n d der im In neren sehr k o n sta n ten a b io tischen Lebensbedingungen (A b p u ffe ­ ru n g von T em peratur- und F euchtig­ keitssch w a nku n g e n ) fü r entsprechend sensible bzw. angepaß te T ie ra rte n von B e d e u tu n g . Zu den S tarkholz besie­ d e ln d e n A rte n g e h ö re n z.B. H irschkä­ fer, E ichenheldbock, A lp e n b o ck o d e r V ie rfle ckb o ck. Ferner ist das Fehlen von dickem T o th o lz sicher auch ein w e se n t­ lich e r G rund fü r den Rückgang und die G e fä h rd u n g za h lreicher P orlinge und se ku n d ä r d e r an diesen Pilzen lebenden Insekten (e n d o p h y to p h a g e A rte n ). W e ite re w esentliche M ik ro h a b ita te a lte r Bäume e ntstehen durch die A n ­ sam m lung von Humus in A stgabeln und H öhlen (Baum hum us), u n te r sich a b lö ­ sender Rinde und durch die Prim ärbesiedler des to te n Holzes selbst (Pilze, Fraßgänge etc.). Die B ed e u tu n g des Tot- und A lth o l­ zes fü r unsere Fauna und Flora ist erst ansatzw eise e rk a n n t. Nach Schätzun­ gen sind a lle in ru n d 1500 h öhere Pilze und ca. 1340 K ä fe ra rte n (je ca. 25 % des deutschen A rte n sp e ktru m s) x y lo b io n t (Geiser 1989, A lb re c h t 1991). Die V e rte i­ lu n g d e r T o th o lz fa u n a w ird anhand von E kle k to rfä n g e n , w ie sie z. B. im Rahmen d e r faunistischen In ve n ta risie ru n g von N a tu rw a ld z e lle n e in g ese tzt w erden, d e u tlic h (A bb. 1). Dabei stellen die D i­ p te re n , g e fo lg t von den C oleopteren den H a u p ta n te il d e r A rte n (Rauh und S c h m itt 1991). Die In d iv id u e n d ich te n sind bei den einheim ischen H a u p t­ b a u m a rte n Buche und Eiche m it ca. 38 Tieren/I bzw. 15 Tieren/I am g rö ß te n .

■ P hytophage G ruppen m it m ono- bis o lig o p h a g e r Lebensweise, e n d o p h a g e r Lebensweise, an hö h e re n Pflanzen, an (H o lz)p ilze n

Ssymank • In d ik a to ra rte n d e r Fauna f ü r h isto risch a lte W ä ld e r Tab.2 . L is te g e e i g n e t e r S c h w e b f lie g e n (D lp te r a , S y r p h id a e ) a ls I n d ik a t o r a r t e n f ü r h is to ris c h a l t e W ä ld e r in D e u t s c h la n d

Vorbemerkung A n h a n d v o n L i t e r a t u r a u s w e r t u n g e n m i t m e i s t n u r E in z e l a n g a b e n a u s D e u t s c h l a n d is t k e i n e v o l l s t ä n d i g a b g e s i c h e r t e I n d i k a t o r a r t e n ­ lis t e h is t o r is c h a l t e r W ä l d e r m ö g l i c h . A b g e s i c h e r t e D a t e n l i e g e n a u s E n g la n d ( S t u b b s 1 9 8 2 ) v o r . W i c h t i g e H i n w e i s e g i b t e i n e Ü b e r s ic h t s ­ lis t e x y l o b i o n t e r I n s e k t e n v o n S p e i g h t ( 1 9 8 9 ) f ü r E u r o p a . F ü r D e u t s c h l a n d f e h l e n u m f a n g r e i c h e v e r g l e i c h e n d e U n t e r s u c h u n g e n v o n h i ­ s to r is c h a l t e n u n d j u n g e n W ä l d e r n . D a d e r I n d i k a t o r w e r t z u d e m r e g i o n a l v a r i i e r e n k a n n u n d v o n d e r G e s a m t s i t u a t i o n d e r L a n d s c h a f t ( e n g e r e B i n d u n g in L a n d s c h a f t e n m i t g e r i n g e m W a l d a n t e i l u n d i s o l i e r t e n h is t o r is c h a l t e n W ä l d e r n ) a b h ä n g t , is t d i e f o l g e n d e L is te a ls e r s t e r E n t w u r f s e h r k n a p p g e h a l t e n . M i t r e g i o n a l e r G ü l t i g k e i t u n d m i t z u n e h m e n d e m K e n n t n i s s t a n d la s s e n s ic h s ic h e r k ü n f t i g w e i t e r e I n d i k a t o r a r t e n f i n d e n . D i e N o m e n k l a t u r r i c h t e t e s ic h i . w . n a c h D o c z k a l e t a l. ( 1 9 9 3 ) .

Erläuterungen: L a rv .: L a r v a l e r n ä h r u n g ; p : p h y t o p h a g ; sx: s a p r o x y l o p h a g in c l. s e m i a q u a t . F o r m e n ; sb : a n B a u m s c h l e i m f l ü s s e n ; z : z o o p h a g ; s: R e s t s a p r o p h a g ; H a b : H a b i t a t p r ä f e r e n z ; L: L a u b w ä l d e r ; N : N a d e l w ä l d e r ; G B : G r a d d e r B i n d u n g a n h is t o r is c h a l t e W ä l d e r f ü r E n g l a n d n a c h S t u b b s ( 1 9 8 2 ) . E u r: In d ik a t o r a r t e n d e s E u r o p a r a ts f ü r a lt e n a t u r n a h e W ä ld e r n a c h S p e i g h t ( 1 9 8 9 ). 1. A r t e n m i t e n g e r B in d u n g a n h is t o r is c h a l t e W ä l d e r : s e h r a n s p r u c h s v o ll e W a l d a r t e n in b e z u g a u f d a s A l t e r ( je n s e it s ü b l i c h e r U m ­ t r i e b s z e i t e n ) u n d d i e S t r u k t u r d i v e r s i t ä t ; d i e h is t o r is c h e K o n t i n u i t ä t v o n b e s t i m m t e n H a b i t a t e n ( m e i s t T o t - u . A l t h o l z ) is t a u s s c h l a g g e ­ b e n d , w o b e i d e r W a l d s e lb s t a u c h p a r k a r t i g a u f g e l o c k e r t o d e r d e g r a d i e r t s e in k a n n . L a rv

H ab

C a l lic e r a a u r a t a (R o s si, 1 7 9 0 )

sx

L

C e r i a n a c o n o p s o id e s ( L i n n a e u s , 1 7 5 8 )

sx

L?

P s ilo t a a n t h r a c i n a M e i g e n , 1 8 2 2 P s a ru s a b d o m i n a l i s { F a b r ic iu s , 1 7 9 4 )

P? ?

T e m n o s t o m a m é r i d i o n a l e K r iv o s h . & M a m a e v , 1 9 6 2

sx

GB

Eur

1

V V V V V

2 L

2 . A r t e n m i t m i t t l e r e r B in d u n g a n h is to ris c h a lt e W ä ld e r : S c h w e r p u n k t in a l t e n W ä l d e r n , g e l e g e n t l i c h a u c h in j ü n g e r e n W ä l d e r n a u f t r e t e n d .

1

B r a c h y o p a b i c o l o r ( F a ll e n , 1 8 1 7 )

sb

B r a c h y o p a in s e n s il is C o ll in , 1 9 3 9

sb

L

B ra c h y o p a d o rs a ta Z e tte rs te d t, 1 8 3 7

sb

L

B ra c h y o p a p a n z e r i G o ffe , 1 94 5

sb

B r a c h y p a lp u s c h r y s ite s E g g e r , 1 8 5 9

sx

B r a c h y p a lp u s v a lg u s (P a n z e r , [ 1 7 9 8 ] )

sx

B r a c h y p a l p o i d e s le n t u s ( M e i g e n , 1 8 2 2 )

sx

L

B r a c h y p a lp u s l a p h r i f o r m i s (F a ll e n , 1 8 1 6 )

sx

L

C a l i p r o b o l a s p e c io s a (R o s si, 1 7 9 0 )

sx

L

1

C a l lic e r a a e n e a ( F a b r ic iu s , 1 7 7 7 )

sx

L

3

V V V

L

1

C a l lic e r a s p i n o l a e R o n d a n i, 1 8 4 4

sx

L

3

C h a lc o s y r p h u s e u n o t u s ( L o e w , 1 8 7 3 )

sx

L

1

C h a lc o s y r p h u s f e m o r a t u s (L i n n a e u s , 1 7 5 8 )

sx

L

C h a lc o s y r p h u s v a lg u s ( G m e l i n , 1 7 9 0 )

sx

L

C h e ilo s i a s e m i f a s c ia t a B e c k e r, 1 8 9 4

p

L

C h e ilo s i a m o r i o ( Z e t t e r s t e d t , 1 8 3 8 )

N

C r i o r h i n a a s ilic a ( F a ll e n , 1 8 1 6 )

p sx

C r i o r h i n a f lo c c o s a ( M e i g e n , 1 8 2 2 )

sx

L?

C r io r h in a r a n u n c u li (P a n z e r, [1 8 0 4 ])

sx

L

C r io r h in a p a c h y m e r a E g g er, 1 8 5 8

sx z

E u m e r u s o r n a tu s M e ig e n , 1 8 2 2

p sb

L

H a m m e r s c h m i d t i a f e r r u g i n e a ( F a ll e n , 1 8 1 7 ) H e r i n g ia h e r i n g i ( Z e t t e r s t e d t , 1 8 4 3 )

z

L

M a l l o t a f u c i f o r m i s (F a b r ic iu s , 1 7 9 4 )

sx

M y o l e p t a d u b i a (F a b r ic iu s , 1 8 0 5 )

sx?

L

M y o le p t a v a r a (P a n z e r, [1 7 9 8 ])

sx?

L

N e o c n e m o d o n b r e v id e n s (E g g e r, 1 8 6 5 )

z

N e o c n e m o d o n la t it a r s is (E g g e r , 1 8 6 5 )

z

O l b io s y r p h u s la e t u s (F a b r ic iu s , 1 7 9 4

z

P i p i z a lu t e i t a r s i s Z e t t e r s t e d t , 1 8 4 3

z ?

L

P o c o t a p e r s o n a t a ( H a r r is , [ 1 7 8 0 ] ) S p h ix im o r p h a s u b s e s s i lis ( I N ig e r in R ossi, 1 8 0 7 )

sb

L

S p i l o m y i a m a n i c a t a ( R o n d a n i, 1 8 6 5 )

sx

T e m n o s t o m a a p i f o r m e ( F a b r ic iu s , 1 7 9 4 )

sx sx

X y l o t a f l o r u m (F a b r ic iu s , 1 8 0 5 )

sx

L

L L

X y lo t a ta r d a M e ig e n , 1 8 2 2

sx

L N?

V o l u c e l la i n f l a t a (F a b r ic iu s , 1 7 9 4 )

sb?

V V

2 V

2 2

L

sx

sx

3

V

sx sx

2

2

X y lo t a ig n a v a (P a n z e r, [1 7 9 8 ])

X y lo t a tr ia n g u la r is Z e tte r s te d t, 1 8 3 8

1

L

X y l o t a m e i g e n i a n a S t a c k e ib e r g , 1 9 4 6

X y lo t a x a n th o c n e m a C o llin ,1 9 3 9

V V V V V V

2

D o r o s p r o f u g e s (H a r r is , [ 1 7 8 0 ] )

X y lo t a a b ie n s M e ig e n , 1 8 2 2

V

3

V V V V

2 1 V

2 2 2

Z a h l r e i c h e w e i t e r e A r t e n s in d z w a r t y p is c h e W a l d a r t e n , sie t r e t e n j e d o c h a u c h in j ü n g e r e n W ä l d e r n o d e r a u ß e r h a l b v o n W a l d g e b i e t e n a u f , o d e r ü b e r ih r e V e r b r e i t u n g u n d H a b i t a t b i n d u n g in D e u t s c h l a n d is t z u w e n i g b e k a n n t , u m s ie d e r z e i t a ls I n d i k a t o r a r t e n w e r t e n z u können.

137

Ssym ank • In d ik a to ra rte n d e r Fauna fü r historisch a lte W ä ld e r

W aldarten (Syrphidae) Larvalernährungstypen

Indikatorarten n = 172

für alte W älder

n=48

Aqu. Aqu. S aprophag (4,7%)

Phytophag (12,2%)

S aprophag (0,0%)

P hytophag (8,3%)

Terr. S aprophag

Zoophag (12,5%)

(36,0%)

Rest (2,1%)

Z oophag (47,1%) Terr. S aprophag (77,1%) A b b . 2. L a rv a le rn ä h ru n g s s p e k tru m vo n W a ld a rte n b e i d e n S c h w e b flie g e n .

■ X y lo b io n te A rte n g ru p p e n i.w .S. ■ an lebenden Bäum en: R inden­ bew ohner, S tam m fauna, B a u m kro ­ nenfa una; ■ in B aum stäm m en: x y lo p h ag e A rte n ; ■ a n / in T oth olz: X ylo sa p rop h a g e A rte n g ru p p e n ■ Spezialisierte Z oophage: K om m ensalen, P arasitoide etc. m it entsp re ch e n ­ d e r Spezialisierung ■ D e trito p h a g e B o d e n b e w o h n e r

6. F allb e isp ie l: S ch w e b flie g e n (D ip te ra , S y rp h id a e ) a ls p o te n tie lle In d ik a to re n fü r h isto risch a lte W ä ld e r in D eu tsch lan d Die S chw ebfliegen (D ip te ra , Syrphidae) e ig n e n sich als eine G ruppe m it ca. 440 A rte n in D eutschland m it sehr u n te r­ schiedlicher Lebensweise ih re r Larven und zahlreichen an W ä ld e r g e b u n d e ­ nen A rte n als exem plarisches Beispiel f ü r die E ra rb eitung e in e r In d ik a to rlis te fü r historisch a lte W älder. In d ik a to rli­ sten fü r S chw ebfliegen existieren bis­ he r aus England (Stubbs 1982) fü r h is to ­ risch a lte W ä ld e r („a n c ie n t w o o d s ") und im Rahmen d er Erfassung e u ro p a ­ w e it bedeutsam er W ä ld e r fü r d ie Gilde d e r x y lo b io n te n A rte n (S p e ig h t 1989). H ier w ird d e r Versuch ge m a ch t, anhand e in e r u m fa n g re ich e n L ite ra tu rre c h e r­ che eine In d ik a to rlis te fü r historische a lte W ä ld e r fü r D eutschland a u fz u s te l­ len u n te r E in te ilu n g des Grades de r Bin­ d u n g in zw ei S tufen (Tab. 2). In D eutschland sind ru n d 4 0 % a lle r S yrph id enarten W a ld a rte n im w e ite re n Sinn. D a ru n te r ist je d o ch ein g ro ß e r Teil e u ry to p e r W a ld a rte n m it n u r schw a­ cher B indung an W ä ld e r un d re la tiv h o ­ he r M o b ilitä t, die in d e r Regel m it zoo138

p h a g e r bzw. a p h ido p h a g e r Ernährung d e r Larven v e rk n ü p ft ist. Gerade viele „S a u m a rte n " gehören zu dieser G ruppe. Solche A rte n sind als In d ik a to r­ a rte n fü r historisch a lte W ä ld e r n ich t g e e ig n e t. Die V e rte ilu ng der W a ld a rte n a u f die E rnährungstypen z e ig t A b b il­ d u n g 2. M it Ausnahm e e chter Parasiten sind in der Fam ilie der Schw ebfliegen u n te r den W a ld a rte n alle o .g . Gilden re p rä ­ se n tie rt. So g ib t es p h yto p h a g e A rte n in h ö h e re n Pflanzen (z.B. Cheilosia fasciata m in ie rt in A lliu m u rsin u m ) und in Pilzen (Cheilosia scutellata, Ch. ru ffipes), m yrm e ko p h ile A rte n (M ic ro d o n e g g e ri) und spezialisierte Zoophage (H e rin g ia h e rin g i le b t z. B. als Larve von g a llb ild e n d e n Blattläusen). Den H a u p t­ a n te il d e r ca. 50 In d ik a to ra rte n b ilden

je d o ch d ie sa p roxylophagen A rte n (larvale B in d u n g ) und A rte n an Baum ­ w u n d s ä fte n (Schleimflüssen: Brachyopa, S pixim o rp h a subsessilis, vgl. A b b .3). Dabei ist ein breites S pektrum von M ik ro h a b ita te n vom festen, fa st unzersetzten H olz (T em nostom a) bis hin zu sem iaquatischen Form en in H olzm ulm v e rtre te n . Der K e nntnisstand zu r B iologie ist bisher je d o ch bei vie le n A rte n noch u n zu reichend, u nd eine Ü b e rp rü fu n g dieser In d ik a to rlis te an hand von geziel­ te n A u fs a m m lu n g e n in verschieden a l­ te n n a tu rn a h e n W ä ld e rn ist eine lo h ­ nende A u fg a b e . V iele dieser A rte n sind e u ro p a w e it vom Rückgang o d e r Aus­ sterben b e d ro h t.

A b b . 3. S p h ix im o rp h a subsessilis, e in e s e lte n e S c h w e b flie g e n a r t a n e in e r B a u m w u n d e .

Ssymank • In d ik a to ra rte n d e r Fauna f ü r histo risch a lte W ä ld e r

7. Taxo zö n o sen und ihre Eig n un g a ls In d ik ato re n fü r h isto risch a lte W ä ld e r

Vögel V ögel m it starker A ffin itä t zu T o th o lz und S ch w e rp un kt in a lte n n a tu rn a h e n W ä ld e rn sind v.a. H ö h le n b rü te r (Blab e t al. 1989 u. 1991, S te in b o rn 1982, u. a.). Dabei w ird Laubholz d e u tlic h (U tschik 1991, K n e itz 1961) b e v o rz u g t. Die höchsten V o g e ld ich te n w e rd e n in k le i­ nen T o th o lzg ru p p e n von 8 -1 0 absterb e n d e n /to te n Bäumen erre ich t. M it a b g e s tu fte r B indung an alte W ä ld e r m it hohen A lt- und T o th o lz a n ­ te ile n können z. B. fo lg e n d e V o g e la rte n g e n a n n t w e rd e n (Blab e t al. 1989, Utsch ik'\9 9 '\ u.a.): ■ A u e rh u h n , D reizehenspecht, W eiß ­ rückenspecht ■ Schwarzspecht, R auhfußkauz, H o h l­ ta u b e , Schwarzstorch fe rn e r ev. W eidenm eise, W a ld b a u m lä u ­ fe r und W in te rg o ld h ä h n c h e n . Die Bin­ d u n g an historisch a lte W ä ld e r ist a u f­ g ru n d der hohen M o b ilitä t n u r b e d in g t gegeben. Zum Teil lie g t eine kom plexe B in dung p rim ä r an b e stim m te S tru k tu r­ m osaike bzw. H a b ita tm o sa ike w ie z.B. beim A u e rh u h n vor.

Säuger U n te r den Säugetieren sind die Fleder­ mäuse eine der w ic h tig s te n G ruppen m it an W ä ld e r g e b u n d e n e n A rte n . B aum höhlen w e rd e n z.T. n u r als Som­ m e rq u a rtie r (z.B. W asserflederm aus, M y o tis d a u b e n to n i; Bechstein- und Fransenflederm aus, M y o tis bechsteini, M. n a tte re ri) g e n u tz t, andere A rte n n utze n B aum höhlen je doch auch als W in te rq u a rtie r w ie d e r K leine und G roße A bendse g le r (N yctalus leisleri, N. n o c tu la ) (7üc/es 1990). D a m it ist eine ge­ wisse B indung an a lte W ä ld e r tr o tz ho ­ her M o b ilitä t a u fg ru n d e in e r z.T. hohen O rtstre u e der F le d e rm a u sp o p u la tio n e n gegeben. W e ite re an W ä ld e r g e b u n ­ dene Säugetiere sind z. B. B aum m arder (M a rtes m artes), Haselmaus (M uscardinus a ve lla nariu s) und Gelbhalsm aus (A podem u s fla v ic o llis ) (vgl. Blab e t al. 1989). Ü ber eine B in d u n g an historisch a lte W ä ld e r ist le id e r w e n ig beka n n t. Für viele Säugetiere ist die Größe und U n g e s tö rth e it d e r W a ld k o m p le x e ein w ic h tig e r Faktor, w ä h re n d die h is to ri­ sche K o n tin u itä t des Lebensraums eine u n te rg e o rd n e te Rolle spielt.

Käfer (Coleoptera) Geiser (1986) schätzt, daß von den ca. 1300 x y lo b io n te n K äfern in d e r Bundes­ re p u b lik Deutschland ru n d 6 0 % ge­ fä h rd e t sind und 250 A rte n als ausge­ storben bzw. vom A ussterben b e d ro h t e in g e s tu ft w erden müssen. X y lo b io n te K äfergruppen g ib t es in zahlreichen Familien, z. B. P rachtkäfer (Buprestidae), B ockkäfer (Cerambycidae), S chnellkä­ fe r (Elateridae), B o rk e n k ä fe r (Scolytidae), Pochkäfer (A n obiidae), Schwam m ­ kä fer (Cisidae) und H irschkäfer (Lucanidae). Gerade die S tarkholzspeziali­ sten haben o ft beachtliche K ö rp e rg rö ­ ßen, was sicherlich dazu b e ig etra g e n hat, daß über to th o lz b e w o h n e n d e Kä­ fe rg ru p p e n m ehr b e k a n n t ist als über viele andere Insektengruppen. Es g ib t zahlreiche „U rw a ld re lik ta rte n " m it h o ­ hen Spezialisierungen (Paulus 1980). Dazu zählen z. B. der Schw arzkäfer (Bius thoracicus) und der P la ttk ä fe r (Laem ophloeus abietis), Rhyssodes g e rm a ri und R. sulcatus (Rhyssodidae), Tenebrio apacus, M enephilus cylindricus (Tenebrionidae), Dicerca a ln i und D. acum inata (Buprestidae) und die Schnellkäfer E later cardinalis, E. nigerrim us, um nur einige Beispiele aus unterschiedlichen Familien zu nennen. W esentliche Gründe fü r die starke R adiation d e r xy­ lo b io n te n Käfer sind sicherlich im p h y lo ­ genetischen A lte r der G ruppe einerseits und den k o n tin u ie rlic h vo rh a n d e n e n re­ la tiv konstanten Lebensbedingungen andererseits zu sehen. So können sich o ft mehrere G enerationen e in e r K ä fe r­ a rt in demselben T o th o lz e n tw icke ln , und ein evo lu tiver Druck a u f hohe M o ­ b ilitä t bestand in n a tu rn a h e n W äldern a u fg ru n d des im m e r in u n m itte lb a re r Nähe vorhandenen Totholzes nicht. Heute w erden aber insbesondere solche A rte n sehr selten, die von dickem T ot­ holz abhängig sind, w ie z.B. Hirschkä­ fe ra rte n (Ceruchus chrysom elinus, Lucanus cervus u.a.), viele große B ockkäfer­ arten (z.B. Cerambyx cerdo, Leptura erythroptera, Necydalis u lm i) usw. Hinzu kom m t die g e rin g e A u sb re itu n g s­ potenz vieler „U rw a ld re lik ta rte n " (vgl. Geiser 1989), denn i.d.R . reichte in der ursprünglichen m itte le u ro pä isch e n W aldlandschaft eine kurze Distanz, um von einem morschen Baum zum näch­ sten zu gelangen. Das breite Spektrum der besiedelten M ik ro h a b ita te an Bäumen und ihre re­ lative B edeutung w ird an U ntersu­

chungen aus N a tu rw a ld re se rva te n d e u tlich. Als Beispiel sei K ö h le r (1990) g e n a n n t, der in fü n f n o rd rh e in -w e s tfä ­ lischen N a tu rw a ld z e lle n kn a p p 700 x y lo b io n te K ä fe ra rte n nachw eisen ko n n te . Die b e d e u te n d sten G ilden stel­ len im Holz, u n te r d e r Rinde, im H olz­ m ulm und von H o lzp ilzen lebende A r­ te n . K äfer sind auch a u fg ru n d ih re r g u ­ te n B e stim m b a rke it und zu m in d e st bei vielen Bockkäfern, Hirsch-, P racht- und S chnellkäfern ih re r K ö rp e rg röß e als p o ­ te n tie lle In d ik a to ra rte n g e e ig n e t.

Zweiflügler (Diptera) Die D ipteren g e h ö re n zur w ic h tig s te n to th o lz b e w o h n e n d e n In v e rte b ra te n ­ g ru p p e und viele A rte n zeigen d a m it eine Bindung an n a tu rn a h e W älder. Da­ bei sind die S pezialisierungen a u f M i­ k ro h a b ita te in vielen Fällen n ic h t so aus­ g e p rä g t w ie bei den C ole o p te re n . Zu den x y lo b io n te n o d e r xylosaprophagen G ruppen gehören v.a. V e rtre te r de r Myc e to p h ilid a e (Pilzm ücken), C ecidom yiidae, T ip u lid a e und K e ro p latid a e . A b e r auch in vielen anderen D ip te re n fa m i­ lien g ib t es e inzelne V e rtre te r, die eng an alte W ä ld e r g e b u n den sind. Ein Bei­ spiel mag die W a ffe n flie g e C lite lla ria e p h ip p iu m sein, die m it de r A m eise Lasius fu lig o n o s u s assoziiert ist. Einschränkend m uß man jedoch sa­ gen, daß viele D ip te re n g ru p p e n a u f­ g ru n d von D e te rm in a tio n sp ro b le m e n und einem a llg e m e in g e rin g e n e n K enntnisstand zu r B io lo gie und V e rb re i­ tu n g d e rze it n u r b e d in g t als In d ik a to ­ ra rte n in B etracht kom m en. Eine Aus­ nahm e sind die Familie S yrphidae (s.o.) und einzelne V e rtre te r a n d e re r D ip te ­ re n fa m ilie n .

Hautflügler (Hymenoptera) Bei den H ym enopteren g ib t es za h lre i­ che an W ä ld e r bzw. T o th o lz g e b u n d e n e A rte n (Preuss 1980, W estrich 1989,1990, Brechtei 1991), u n te r denen sich sicher eine Reihe g e e ig n e te r In d ik a to ra rte n fü r historisch a lte W ä ld e r b e fin d e n . Da­ bei w e rd e n groß e B aum höhlen z. B. von e inigen B ienenarten (z.B. Bom bus h yp n o ru m ) und der Hornisse (Vespa cabro) g e n u tz t, w o b e i le tz te re bei N ist­ p latzm angel auch in M auselöcher aus­ w e ich t. U n te r den s o litä r lebenden Hy­ m en o p te re n g ib t es Tot- und A lth o lz b e ­ w o h n e r v.a. bei den Faltenw espen (Vespoidea), den Grab- und W egw es139

Ssym ank • In d ik a to ra rte n d e r Fauna f ü r h isto risch a lte W ä ld e r

pen (Sphecoidea, P om piloidea), den A m eisen (Form icoidea) und den Bienen (A p o id ea ) (vgl. Tab. 3). Dabei g ib t es zw e i unterschiedlich e G ilden: ein Teil d e r A rte n ist F olgen u tze r von B o h rg ä n ­ gen a n d e re r H o lzb e w o h n e r (v.a. Kä­ fe rlö ch e r), andere A rte n b o h re n sich ih re B ru trö h re n selbst im Holz. Bei den Bienen sind an T o th o lz ge ­ b u n d e n e A rte n v.a. in den G a ttu n g e n Osmia (M auerbiene n ), Hylaeus (M as­ ke n b ien e n ) und M e g a ch ile (B la tt­ schneiderbienen) zu fin d e n . Dazu ge ­ hö re n aber auch die entsprechenden S chm arotzerbienen . Ebenfalls an Holz g e b u n d e n sind ein ig e G ruppen der S ym phyta, z.B. die H olzw espen (Siricidae).

Schnecken (Gastropoda) Zusam m enfassende Ü bersichten über d ie B indung von Schnecken an a lte W ä l­ der sind m ir n ich t b e ka n n t. Es g ib t je ­ doch e in ig e Schneckenarten, die an h i­ storisch a lte W ä ld e r g e b u n d e n sind, w o b e i ve rm u tlic h m ik ro k lim a tis c h e V erhältnisse und die E rnährung von Pil­ zen entscheidend sind. Beispiele sind B ienenkörbchen (Sperm odea la m e lla ta), W eiße S treifenglanzschnecke (A/eso vitre a p e tro n e lla ), Schwarzer Schnegel {U m ax c in e re o n ig e r) und d e r Pilzschnegel {M alacolim a x tenellus). Von Flechten und M oosaufw uchs a lte r Bäum e leben z.B. Lacinaria p lic a ta und Balea perversa (F a lte n lip p ig e und K leine Baum schraube) {Bayer. Landes­ a m t fü r U m w eltsch u tz 1981, zit. nach Blab 1993). W e ite re w ic h tig e In v e rte b ra te n ­ g ru p p e n , in denen es A rte n m it e in e r engen B indung an historisch a lte W ä l­ d e r g ib t, sind die Spinnen und e in ig e S ch m e tte rlin g sg ru p p e n (K leinschm et­ te rlin g e [v.a. Tineidae], e in ig e N acht­ fa lte r).

8. S ch lu ß b e tra ch tu n g und Z u sam m en fassu n g Die Frage nach dem Schutz historisch a l­ te r W ä ld e r ste h t ebenso w ie U ntersu­ chungen ü b e r ge e ig n e te In d ik a to r­ g ru p p e n de r Fauna in D eutschland noch ganz am A n fa n g . Es w e rd e n a llg e ­ m eine K rite rie n fü r die Eignung von In­ d ik a to ra rte n fü r historisch a lte W ä ld e r d is k u tie rt u nd an einem Fallbeispiel (Fa­ m ilie Syrphidae) eine In d ik a to ra rte n li­ ste a u fg e s te llt. Die B edeutung des A lt140

Tab. 3. A n W a ld g e b u n d e n e H a u tflü g le r a rte n (H y m e n o p te ra ) u n d ih re N is tw e ls e , z u s a m ­ m e n g e s te llt nach B rech tei (19 9 1 ), W estrich (1 9 8 9 ,1 9 9 0 ) u n d B u sch ing er (1 9 9 0 )

Vespoidea Sphecoidea P om piloidea Form icoidea A p o id e a

A rte n z a h l

in T o th o lz

ca. 78 ca. 225 ca. 96 85 ca. 500

39 92 12 51 ca. 55

und Totholzes als besonderer Lebens­ raum in a lte n W äldern w ird h e rvo rg e ­ hoben, g e fo lg t von einem Ü berblick ü b e r G ilden und Taxa, in denen eine be­ sondere Bindung an T otholz v o rlie g t o d e r eine B indung an historisch a lte W ä ld e r in d e r L ite ra tu r v e rm u te t w ird . A bschließ end sei noch a u f die Forschungs- und S chutzdefizite v.a. bei den fü r M itte le u ro p a typischen B uchenw äl­ d ern m ittle re r S tandorte hingew iesen. K ü n ftig sollten gerade tie rö k o lo g is c h e A spekte in der Forschung z. B. in N a tu r­ w a ld z e lle n einen größ eren Raum e in ­ nehm en. Die Forschung in N a tu rw a ld ze lle n o rie n tie rt sich bisher m eist an veg e ta tio n s k u n d lic h e n und w a ld b a u lich e n M e th o d e n ; stru k tu re lle Analysen der Baum schicht und ve g e ta tio n sku n d lich e Sukzessionsabläufe stehen im V o rd e r­ g ru n d . So sucht man selbst in dem u m ­ fassenden Sammelband „N a tu rw a ld ­ reservate" {BFANL 1991) Hinweise a u f zoologische Forschungsarbeiten ve r­ geblich. Im Zusam m enhang m itd e rT o tund A lth o lz p ro b le m a tik und Fragen des n a tu rn a h e n W aldbaus sind in z w i­ schen einzelne zoologische Erfassun­ gen von N a tu rw a ld ze lle n d u rc h g e fü h rt w o rd e n , ein durchgängiges Foschungsk o n z e p t aus tie rö k o lo g is c h e r Sicht w ä re je doch gerade im H inblick a u f die B indung an historisch a lte W ä ld e r d rin ­ gend n o tw e n d ig . G leichzeitig müssen aber auch R eferenzflächen in jü n g e re n W ä ld e rn vorliegen. Tiere sind als w e rtv o lle In d ik a to re n gerade dieser besonderen Lebens­ ra u m q u a litä t, der historischen K o n ti­ n u itä t in W äldern besonders g u t g e e ig ­ n e t und können d rin g e n d n o tw e n d ig e S chutzbem ühungen um unsere le tzte n n a tu rn a h e n erhaltenen W aldreste u n ­ te rm a u e rn .

Dank Für die kritische Diskussion der In d ik a ­ to ra rte n lis te der Schw ebfliegen danke

Z im m e re r

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F olgenutzer + + + + +

ich Prof. P. G oeldlin, Lausanne, W. Bar­ kemeyer, O ld e n b u rg und D. Doczkal, Malsch. Für A n re g u n g e n und D urch­ sicht des M a n u skrip ts d anke ich J. Blab u nd U. Riecken, Bonn.

9. L ite ra tu r A n m e rk u n g : Eine v o lls tä n d ig e Lite ra ­ tu rlis te w a r im H in b lic k a u f die z a h lre i­ chen kle in e n P u b lik a tio n e n , die fü r die A u fs te llu n g der In d ik a to ra rte n lis te S chw ebfliegen a u s g e w e rte t w u rd e n , h ie r n ic h t m öglich. A lb re c h t, L., 1991: Die B e d eutung des to te n Holzes im W ald. - Forstw. Cbl. 110:106-113, Berlin. A lb re c h t, L., Am m er, U., Geissner, W., Utschik, H., 1986: T a g fa lterschutz im W ald. - Ber. ANL 10: 171-183, Laufen. A m m er, U. u.a. (Hg.), 1991: Schwer­ p u n k tth e m a : Lebensraum T otholz. Forstwiss. Cbl. 1 10:105-157. BFANL, 1991: N a tu rw a ld re se rva te . S chriftenr. f. V e g e ta tio n sku n d e H. 21, B undesforschungsanstalt fü r Na­ tu rs c h u tz und Landschaftsökologie, 247 S., Bonn-Bad G odesberg. Blab, J., Terhardt, A ., Zsivanovits, K.-R, 1989: T ie rw e lt in der Z ivilisations­ landschaft. Teil I: R a u m einbindung und B io to p n u tz u n g bei S äugetieren und V ögeln im D rachenfelser Ländchen. - S chriftenr. f. Landschafts­ p fle g e u. N aturschutz H. 30, Bundes­ fo rsch u n g sa n sta lt fü r N aturschutz und Landschaftsökologie, 223 S., Bonn-Bad Godesberg. Blab, J., 1993: G ru n d la g e n des B io to p ­ schutzes fü r Tiere. - S chriftenr. f. Landschaftspflege u. N aturschutz H. 24, B undesforschungsanstalt fü r Na­ tu rs c h u tz und Landschaftsökologie, 4. A u fl., 479 S., B onn-Bad Godes­ berg. Brechtei, F, 1990: Z ur Lebensweise und B estandssituation h o lz b e w o h n e n ­ d e r W espenarten in M itte le u ro p a und Konsequenzen fü r ihren

Ssymank • In d ik a to ra rte n d e r Fauna f ü r h isto risch a lte W ä ld e r

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A n s c h rift des V e rfa sse rs Dr. Axel Ssymank B undesam t fü r N a tu rschutz • In s titu t fü r B io to p sch u tz u nd L a n d schaftsökologie M a llw itz s tra ß e 1-3 • 53177 Bonn 141

N N A -B erich te 3 /9 4

Epigäische Coleopteren als Indikatoren für historisch alte Wälder der Nordwestdeutschen Tiefebene von Thorsten Aßmann* 1. E in le itu n g Die h e u tig e , ü b e rw ie g e n d intensiv ge ­ n u tz te Landschaft ist das P ro d u kt na­ tü rlic h e r u nd a n th ro p o g e n e r Prozesse. M it z u n e h m e n d e r Siedlungs- und Land­ b a u tä tig k e it des M enschen kam es d a ­ bei zu e in e r fo rts c h re ite n d e n Reduk­ tio n des Flächenanteils von W ä ld e rn durch R odung und andere la n d s c h a ftli­ che Ü berform ungsprozesse. Den H öhe­ p u n k t e rre ich te diese E n tw icklu n g in N ordw e std e u tsch la n d ve rm u tlic h in der M itte des 18. Jahrhunderts, als die W a ld flä ch e ein M in im u m e rre ich te (H esm er u nd S chroeder 1963). Hoch­ w ä ld e r im h e u tig e n Sinne gab es da ­ mals kaum , da W ald frü h e r e in e r erh e b ­ lich vie lse itig e re n N u tzu n g ausgesetzt w a r als heute : Neben dem H o lze in ­ schlag d ie n te n W ä ld e r g le ic h z e itig auch der H ude- und S ch n e ite lw irtsch a ft als W eide o d e r W iese und als Streu- und D ü n g e lie fe ra n t d e r Fallaub- bzw. Plag­ g e n n u tz u n g (B u rric h te re t al. 1980). Re­ g io n a l e rfo lg te in n e rh a lb geschlosse­ ne r W a ld g e b ie te sogar eine v o rü b e r­ gehende, ackerbauliche N u tzu n g (R o ttw irts c h a ft). A u fg ru n d dieser N u t­ zu n g sfo rm e n d e g ra d ie rte n die v e rb lie ­ benen Bestände - m it A usnahm e h e rr­ sch a ftlich e r B an n w ä ld e r - zu Busch-, lich te n H u d e w ä ld e rn o d e r a u fg ru n d von V ie h trie b und P la g g e n w irtsch a ft sogar zu H eiden. Das Ausm aß dieser historischen W a ld v e rn ic h tu n g w a r im N o rd w e st­ deutschen T ie fla n d unterschiedlich: W ä h re n d im W eser-Em s-Gebiet W ä l­ d e r n u r k le in flä c h ig e rh a lte n blieben, w ies das W eser-Elbe-G ebiet noch be­ d e u te n d g rö ß e re W a ld flä ch en a u f (vgl. K arten d e r K urhannoverschen Landesaufnahm e des 18. Ja hrhunderts [1 7 6 4 -1 7 8 6 ] u nd von v. Lecoq [1 7 9 7 -1 8 0 3 ]; eine Zusam m enfassung dieser K arten e n th ä lt das Niedersächsi*

V e r ö ffe n tlic h u n g

s c h a ft

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A r b e its g e m e in ­

B io lo g is c h -Ö k o lo g is c h e

e r f o r s c h u n g , A B Ö L , N r. 1 0 2 , M ü n s t e r .

142

Landes­

sehe Landschaftsprogram m 1989: 14f.). Im O snabrücker Hügel-, Weser- und Lei­ n e b e rg la n d sowie im Harz w aren re la tiv g ro ß e W a ld g e b ie te auch vo r ca. 200 Jahren e rh a lte n . Im Anschluß an den „T ie fp u n k t" der W a ld e n tw ic k lu n g setzte d e r planm äßige W ald- bzw. Forstbau ein, in dessen Folge zahlreiche Flächen insbesondere m it K iefern und Fichten a u fg e fo rs te t w u rd e n . D adurch v e rv ie lfa c h te sich die w ald b e sta n d e n e Fläche im Weser-Ems-Gebiet, w ä h re n d sie im W eser-Elbe-G ebiet u n g e fä h r eine V e rd o p p e lu n g erfuhr. Für das gesam te N ordw estdeutsche Tiefland w u rd e durch A u ffo rs tu n g e n und A nlage von Hecken eine g ro ß flä ch ig a n g e le g te „B io to p v e rn e tz u n g " d u rc h g e fü h rt. In den südlich angrenzenden H ügel- und M itte lg e b irg s la n d s c h a fte n b lie b die W a ld flä c h e in den le tzte n beiden Jahr­ h u n d e rte n nahezu unverändert. A u fg ru n d ihrer Geschichte lassen sich dem nach zwei g rundsätzliche W a ld ty p e n unterscheiden: (1) H isto­ risch a lte W älder, die schon vo r über 200 Jahren, also zum Z e itp u n k t der ersten ka rto g ra p h isch e n Landesaufnahm en (s. o b e n ) als W a ld sta n d o rte existierten, und (2) ju n g e W älder, die erst nach d ie ­ sem Z e itp u n k t entstanden. Diese D e fi­ n itio n historisch a lte r und ju n g e r W ä l­ d e r ä h n e lt d a m it sehr d e rje n ig e n von ,a n c ie n t w o o d la n d s' bzw. ,recent w o o d la n d s 1 durch Peterken und Game (1981, 1984) und Peterken (1993). A u f­ g ru n d fe h le n d e r fläch e n d e cke n d e r K a rte n w e rke , die den Landschaftszu­ stand vo r ca. 1780 do ku m e n tie re n , m uß als B ezug sze itp u n kt fü r den n o rd w e s t­ deutschen Raum deshalb ein späterer Z e itp u n k t herangezogen w e rden als in England, w o ausw ertbare D oku m e n te re g io n a l sogar aus dem M itte la lte r v o r­ liegen (vgl. Peterken und Game 1981). W u lf (1993) bezieht sich fü r das ElbeW eser-Dreieck deshalb a u f die K arten d e r Kurhannoversche Landesaufnahm e des 18. Jahrhunderts (1764-1786). D ie­ ser ka rtographische Bezug kann auch fü r das ü b rig e W eser-Elbe-Gebiet g e l­

te n . Für das W eser-Em s-Gebiet m uß die erste g ro ß flä c h ig e (und g le ich ze itig ausreichend genaue) Landesaufnahm e, die v. Lecoq zwischen 1797 und 1803 d u rc h fü h rte , herangezogen w e rden. Die B e deutung des A lte rs von W ä l­ d e rn fü r die V e g e ta tio n u nd V e rb re i­ tu n g bezeichnender P flanzenarten w u rd e in England bereits in tensiv u n ­ te rsu ch t. So k o n n te n P eterken und Game (1984) fü r zahlreiche P flanzenar­ te n zeigen, daß sie ausschließlich o d e r ü b e rw ie g e n d in historisch a lte n W ä l­ d e rn a u ftre te n (z. B.C arexpendula, M ela m p y ru m pratense, Paris q u a d rifo lia ). Eine herausragende B e deutung von anc ie n t w o o d la n d s fü r den N aturschutz e rg ib t sich d a m it (Peterken 1977). Für das N orddeutsche T ie fla n d k o n n te e b e n fa lls nachgewiesen w e rd e n , daß m anche P flanzenarten v e rgleichbare P räferenzen w ie in England aufw eisen (z.B. W u !fW B 3 ). In England b e a rb e ite te n bereits za h lre ich e Z oologen die Fauna h isto ­ risch a lte r W älder. Ein b e m e rke nsw e r­ tes Ergebnis dieser U ntersuchungen ist, daß - neben Tot- und A lth o lz b e w o h ­ nern (vgl. H a m m o n d 1974) - besonders epigäische A rte n an historisch alte W a ld s ta n d o rte g e b u n d e n sind: So s te llte B o y c o tt schon 1934 fest, daß e in ig e M o llu s k e n -A rte n fü r an cie nt w o o d la n d s in England charakteristisch sind (z.B. Ena m on ta n a , S perm odea la m e lla ta ). P a u l(1975,1978) k o n n te zu­ dem fü r historisch a lte W ä ld e r in der U m g e b u n g von C am bridge eine g rö ­ ßere A rte n z a h l an Landschnecken nachw eisen als fü r ju n g e W ä ld e r a u f ve rg le ich b a re n S tan d o rte n . U n te r den a u f den Britischen Inseln v o rk o m m e n ­ den C h ilopoden b e sitzt nach B arber und Keay (1988) L ith o b iu s curtipes e i­ nen In d ik a to rw e rt fü r solche W a ld ­ s ta n d o rte . Für das N orddeutsche T ie fla n d (w ie fü r das ü b rig e M itte le u ro p a ) existieren keine verg le ich b a re n U ntersuchungen. H inw eise a u f einen m ö g lichen Zusam­ m en h a n g zwischen dem V o rko m m e n von C arabiden und dem A lte r von W ä l­ d e rn e n th a lte n e in ig e fa u n istische A r­ b e ite n , in denen V o rko m m e n fa u n istisch b e m e rke nsw e rte r A rte n als Re­ lik te an einem a lten W a ld s ta n d o rt ge­ d e u te t w e rd e n . Zu diesen A rte n g e h ö rt A b a x ovalis (Abb. 1), der ein R e liktvo r­ ko m m e n im Ham bacher Forst (N ie d e r­ rh e in ) a u fw e is t (A n t e t al. 1984). Aus

A ß m a n n • Epigäische C ole o p tere n als In d ik a to re n fü r h istorisch a lte W ä ld e r d e r N o rd w e std e u tsch e n T ie fe b e n e

A b b . 1. A b a x ovalis.

A b b . 2. Carabus g la b ra tu s .

A b b . 3. A b a x p a ra llelu s .

dem W eser-Em s-Gebiet w u rd e n zwei F undorte g e m e ld e t, die e b e n fa lls in a lten W ä ld e rn lie g e n (Horstbüsche, Hasbruch, W iepken 1883). H inw eise a u f ve rgle ichbare V o rko m m e n ergaben sich auch fü r Carabus g la b ra tu s (A bb. 2) a u fg ru n d e ig e n e r fa u n istisch e r U n te r­ suchungen im Emsland und a u f der C lo pp e n b u rg e r Geest sow ie durch Fundangaben von A. S untrup, G ö t­ tin g e n , (m dl. M itt.) und D ü lg e (1992). In ein er u m fa n g re ic h e n B e a rbeitung der C arabidenfa u n a vo n G eestw äldern nö rd lich von Brem en p o s tu lie rte D ülge (1992) auch eine ä h n lich e B in d u n g an alte W a ld s ta n d o rte fü r A b a x p a ra lle lu s (A bb. 3). Diese A rt w u rd e bei d e r b e tre f­ fe n d e n U ntersuchung n u r in einem al­ te n W ald in zw ei In d iv id u e n nachge­ w iesen. W e ite rg e h e n d e U ntersuchun­ gen w a re n deshalb bei dieser w ie bei den anderen beiden A rte n n o tw e n d ig , um den In d ik a to rw e rt zu ü b e rp rü fe n .

R. D ü l g e , B r e m e n , h e r z l i c h d a n k e n . M e i n e n

A ttra k tiv itä t aufw eisen (Speiseessig, R otw ein). Bei den E xpositionszeiten w u rd e d a ra u f g eachtet, daß die Fang­ te rm in e m it den H a u p ta k tiv itä ts z e ite n von A b a x ovalis, A b a x p a ra lle le u s und Carabus g la b ra tu s ü b e re in stim m e n . Zusätzlich w u rd e die re le va n te fa u nistische L ite ra tu r fü r das Niedersächsi­ sche T ie fla n d a u sg e w e rte t: W iepken (1883), H o rio n (1941), B lu m e n th a l (1953, 1969), Lohse (1954, 1981), Gersd o r f und K u n tze (1957), Janßen (1982), S ie b a rt (1984), K retschm er und Schau­ e rm a n n (1991), M ossakow ski (1991), D ülge (1992) und Vossel (1994)1. Funde aus den Sam m lungen des N a tu rk u n d li­ chen Museums O snabrück, des S ta a tli­ chen Museum s fü r N a tu rk u n d e in O l­ d e n b u rg sow ie aus der P rivatsam m lung von B. Rensch (h e u te im Besitz von F. W eber, M ü n ste r) fa n d e n e b e n fa lls A u f­ nahm e in die V e rb re itu n g ska rte n .

F ü r H i n w e i s e a u f e m s l ä n d is c h e V o r k o m ­ m e n v o n C a r a b u s g la b r a t u s u n d z a h lr e ic h e D is k u s s io n e n m ö c h t e ic h d e n H e r r e n D i p l . B io l. A . S u n t r u p , G ö t t i n g e n , u n d D ip l .- B io l .

D a n k m ö c h t e ic h a u c h H e r r n P r o f . D r. F. W e ­ b e r a u s s p re c h e n , d e r m ir d e n Z u g a n g z u F u n ­ d e n a u s d e r S a m m l u n g v o n P r o f . D r. B e r n ­ h a r d R en sch e r m ö g lic h te .

2. M aterial und M eth o d e Zwischen 1981 und 1993 w u rd e die Ca­ rabidenfau n a von 29 historisch a lten und 32 nach 1800 a u fg e fo rs te te n W ä l­ dern im niedersächsischen T ie fla n d m it Barber-Fallen e rfa ß t. Bei L a n g ze itu n ­ tersuchungen kam en pro Fangstelle in der Regel 10 Fallen zum Einsatz, die e n t­ w e d e r eine o d e r zw e i V e g e ta tio n sp e ­ rioden fä n g ig w a re n und m it K on­ se rvierungsfangflüssigkeiten (4 % ige Formaldehyd-Lsg. o d e r Ethanol-Eisessig-Glycerin-Gemisch nach R enner 1982a, b) beschickt w a re n . A n Fang­ stellen, die n ich t w ä h re n d e in e r ganzen V e getation sp e rio d e u n te rsu ch t w e rd e n ko n nten, e n th ie lte n die m indestens d reim al fü r je 20 Tage e x p o n ie rte n Bar­ ber-Fallen K ö d e rflü ssig ke ite n , die fü r Carabus- und A ö a x -A rte n eine hohe

1

E in z e lfu n d e

fa n d e n

k e in e

B e r ü c k s ic h t i­

gung.

1 43

A ß m a n n • Epigäische C o le o p te re n als In d ik a to re n f ü r h isto risch a lte W ä ld e r d e r N o rd w e std e u tsch e n T ie fe b e n e

3.

Erg eb n isse

3.1 Verbreitung von A b a x ovalis Die b e ka n n te n V o rko m m e n von A b a x ovalis aus dem niedersächsischen T ie f­ land sind in A b b ild u n g 4 zu e in e r P u n kt­ ve rb re itu n g s k a rte zusam m engefaß t. A u ffä llig ist de r V e rb re itu n g ssch w e r­ p u n k t im W eser-Elbe-G ebiet. Aus dem W eser-Em s-Gebiet sind n u r zw ei Popu­ la tio n e n b e k a n n t (H orstbüschen bei Ra­ stede und Hasbruch bei D elm enhorst; W iepken 1883, G e rsd o rf und K untze 1957). Das Hasbruch s te llt v e rm u tlic h n ic h t n u r einen alte n , sondern w a h r­ scheinlich einen p rim ä re n W a ld s ta n d ­ o r t dar (P o tt und H ü ppe 1991). Die re la ­ tiv zahlreichen V orko m m e n in d e r Lü­ n e b u rg e r H eide und dem Elbe-WeserD reieck spiegeln ve rm u tlic h den Grad d e r E n tw a ld u n g und den historischen Zustand der W ä ld e r w id e r: Im WeserEms-Gebiet w a r die gesam te W a ld flä ­ che um 1800 viel stä rke r re d u z ie rt als im W eser-Elbe-G ebiet. B em erkensw ert ist zudem , daß die beiden F u n d p u n kte des Weser-Ems-Gebietes in d e r U m gebung O lde nburgs liegen. Schon im 16. Jahr­ h u n d e rt w a re n die W ä ld e r d e r G ra f­ schaft O ld e n b u rg im klö ste rlich e n o d e r herrschaftlichen Besitz und u n te rla g e n d a m it entsprechenden S chutzvor­ schriften. Die A u flic h tu n g dieser W ä l­ d e r w a r deshalb sicherlich n ic h t so stark w ie in den m eisten a nderen Teilen des Weser-Ems-Gebietes. Von den 15 b e k a n n te n F u n d p u n k­ te n liegen 13 in historisch a lte n W ä l­ dern (87 %). Die beiden P o p u la tio n e n in W ä ld e rn , die nach 1800 a u fg e fo rs te t w u rd e n , b e fin d e n sich in d ire k te r Nach­ barschaft zu a lte n W a ld s ta n d o rte n bzw. in n e rh a lb eines geschlossenen W aldgebietes, das auch historisch a lte W a ld s ta n d o rte a u fw e is t (Geest bei Bre­ m en und Lün e b u rg e r Heide, E hrhorner D ünen).

3.2 Verbreitung von Carabus g la b ra tu s

Carabus g la b ra tu s w u rd e im WeserEms-Gebiet ausschließlich in a lte n W ä l­ dern g e fu n d e n , die in d e r e h em aligen G rafschaft O ld e n b u rg (in k l. D elm en­ horst) o d e r im H ü m m lin g bei Sögel lie ­ gen. Den w e n ig e n Funden aus dem w estlichen Teil des U ntersuchungsge­ bietes stehen 22 aus dem W eser-Elbe144

A b b . 4. V e rb re itu n g von A b a x o valis im n ied ersächsischen T ie fla n d . G e fü llte K reise k e n n ­ z e ic h n e n N a c h w e is e aus historisch a lte n W ä ld e rn , o ffe n e K reise N a c h w e is e aus h istorisch ju n g e n W ä ld e rn . Funde aus d e m W eser- u n d L e in e b e rg la n d s o w ie d e m H a rz w u rd e n n ic h t b erü c k s ic h tig t.

G ebiet g e g e n ü b e r (Abb. 5). Der einzige b e k a n n te F u n d p u n kt in n e rh a lb e in e r A u ffo rs tu n g der le tzte n 200 Jahre (Ehr­ h o rn e r D ünen, Lohse 1981) lie g t in n e r­ halb eines geschlossenen W a ld g e b ie ­ tes, das große, seit historischer Zeit m it W a ld bestandene Flächen e n th ä lt (vgl. Kap. 4.). Die übrigen A ngaben aus der L ite ra tu r (Lohse 1954, B lu m e n th a l 1953, 1969, S ie b a rt 1984, D ülge 1992) o d e r den S am m lungen beziehen sich w ie die von m ir en td e ckte n P o pulationen aus­ schließlich a u f historisch alte W älder. Da 96 % d e r bekannten P opu la tio n e n in historisch a lte n W ä ldern leben, e rg ib t sich fü r diese A rt ein b e m erkensw erter In d ik a to rw e rt. Der südliche H üm m ling wies als be ­ vo rzu g tes herrschaftliches Jagdgebiet m ehrere isolierte B annw älder a u f (vgl. Hesm er u nd Schroeder 1963). Der Erst­ nachweis von Carabus g la b ra tu s fü r e i­ nen solchen W ald im H üm m ling e r­ fo lg te bereits 1954 durch Rensch: „P ark, S ögel" (23 Exemplare, 3. 8.1954, leg. B. Rensch, Sammlung Weber, M ü n ­ ster). Diese Funde stam m en höchst­ w ah rsche in lich aus dem selben W ald, in dem auch der A u to r die A rt nachweisen k o n n te : C lem ensw erther Gehölz, das in

N achbarschaft des Jagdschlosses Cle­ m e n sw e rth lie g t und einen p a rk a rtig e n C h a ra kte r a u fw e is t. Die z w e ite be­ k a n n te P o p u la tio n des südlichen H ü m m lin g le b t im Sprakeler Holz, e i­ nem re la tiv kle in e n W ald, d e r auch a u f d e r K arte von v. Lecoq ve rzeichnet ist (A bb. 7). Die a u ffä llig e n G renzw älle, die im Z e n tru m des h e u tig e n W a ld g e ­ bietes liegen, kennzeichnen dieses Ge­ b ie t als einen B annw ald, der v o r zu in ­ te n sive r B e w e id u n g geschützt w u rd e (vgl. H inw eise a u f a lte, k o n tin u ie rlic h m it W a ld b estockte Flächen bei W u lf '\r\ diesem Band). Carabus g la b ra tu s besie­ d e lt im S prakeler Holz h e u te n ich t n u r den a lte n Buchenbestand, sondern auch d ie F ic h te n -A u ffo rs tu n g e n und re la tiv tro c k e n e n Eichen-Birken-Bestände. In a n deren W ä ld e rn des sü d li­ chen H ü m m lin g , die m it h o h e r W a h r­ sch e in lic h k e it ebe n fa lls historisch a lt u nd z. T. archivalisch bereits aus dem 16. J a h rh u n d e rt b e le g t sind (vgl. Hesm er u nd S chroeder 1963), k o n n te Carabus g la b ra tu s tr o tz in te n siver Nachsuche genauso w e n ig nachgewiesen w e rd e n w ie in den nach 1800 a u fg e fo rs te te n W ä ld e rn u nd Forsten.

A ß m a n n • Epigäische C ole o p tere n als In d ik a to re n f ü r h istorisch a lte W ä ld e r d e r N o rd w e std e u ts c h e n T ie fe b e n e

3.3 Verbreitung von A b a x p a ra lle lu s Von dieser A rt sind bisher 21 P o p u la tio ­ nen aus dem n o rd w e std e u tsch e n T ie f­ land b e k a n n t (A bb. 6). B e m e rke n sw e rt ist h ie r - besonders im V ergleich zu A b a x ovalis und Carabus g la b r a tu s - der h o h e A n te il an Funden aus dem W eserEms-Gebiet (neun N achweise). Ö stlich d e r W eser sind z w ö lf F u n d p u n k te be­ k a n n t, von denen n u r e in e r in e in e m h i­ storisch ju n g e n W a ld lie g t (E h rh o rn er D ünen, K retschm er u nd S chauerm ann 1991; vgl. auch Kap. 4). 9 5 % d e r be­ k a n n te n P o p u la tio n e n leben d a m it in historisch a lte n W ä ld e rn .

4. D isku ssio n

A b b . 5. V e rb re itu n g von C arabus g la b ra tu s im niedersächsischen T ie fla n d . G e fü llte K reise k e n n z e ic h n e n N a c h w e is e aus historisch a lte n W ä ld e rn , o ffe n e K reise N a c h w e is e aus h is to ­ risch ju n g e n W ä ld e rn . F u n d e aus d e m W eser- u n d L e in e b e rg la n d s o w ie d e m H a rz w u rd e n n ic h t b erü c k s ic h tig t.

V e rb re itu n g und lokales V o rk o m m e n vo n T ie ra rte n k ö n n e n so w o h l durch ö ko lo gisch e als auch historische F a kto ­ ren b e s tim m t w e rd e n . W enn h is to ri­ sche F aktoren das V o rk o m m e n e in e r A rt begrenzen, so sind V oraussetzun­ gen fü r ein la n g fris tig e s Ü berle b e n auch a u ß e rh a lb d e r A re a lg re n z e n g e ­ geben. In diesem Fall h a t d ie Z e it fü r eine K o lo n isa tio n de r p o te n tie lle n Sied­ lu n g sge b ie te (noch) n ic h t ausgereicht. Die B e a rb e itu n g d e r Frage, w e lc h e r d e r Faktoren aus- u nd v e rb re itu n g s b e s tim ­ m end ist, h a t sich zu ein em H a u p ta n lie ­ gen in d e r B io g e o g ra p h ie e n tw ic k e lt (vgl. z.B. E n d le r 1982). - Im fo lg e n d e n soll deshalb die H a b ita tb in d u n g d e r be­ a rb e ite te n A rte n nach L ite ra tu ra n g a ­ ben und e igenen B e o b a ch tu n g e n cha­ ra k te ris ie rt w e rd e n un d m it d e rje n ig e n vo n Carabus p ro b le m a tic u s (A bb. 9) ve rg lich e n w e rd e n , d e r - im G egensatz zu den a n deren drei A rte n - neben h i­ storisch alte n , auch ju n g e W ä ld e r be­ siedelt. Durch diese G e g e n ü b e rste llu n g e rgeben sich v ie lle ic h t H inw eise a u f die bestim m e n de n F aktoren (u ltím a te und p ro x im a te Faktoren).

Habitatbindung von A b a x o valis

A b b . 6. V e rb re itu n g vo n A b a x p a ra lle lu s im niedersächsischen T ie fla n d . G e fü llte K reise k e n n z e ic h n e n N a c h w e is e aus historisch a lte n W ä ld e rn , o ffe n e K reise N a c h w e is e aus h is to ­ risch ju n g e n W ä ld e rn . F un de aus d e m W eser- u n d L ein e b e rg la n d s o w ie d e m H a rz w u rd e n n ic h t b erü c k s ic h tig t.

A b a x ovalis ze ich n et sich w ie e in ig e a n ­ dere P terostichinen d u rch B ru tfü rs o rg e d e r W eibchen aus (vgl. B ra n d m a yr 1977). W ä h re n d des Sommers bauen sie kle in e B ru th ö h le n im Erdreich. D urch A u fz u c h te n u n te r L a b o rb e d in g u n g e n k o n n te Lam pe (1975) zeigen, daß A b a x ovalis so w o h l in n a tü rlic h e m Boden aus A ltb u ch e n b e s tä n d e n als auch im T o rf sich e rfo lg re ic h re p ro d u z ie re n kann. 145

A ß m a n n • Epigäische C o le o p te re n als In d ik a to re n f ü r h istorisch a lte W ä ld e r d e r N o rdw estd e u tsch e n T ie fe b e n e

Diesem B efund entsprechen auch d ie in d e r L ite ra tu r m itg e te ilte n H a b ita ta n ­ gaben: W ä ld e r a u f untersch ie d lich ste n B odentypen (z.B. ro h h u m u sre ich e r Podsol, Rendzina, Ranker) von der Ebene bis in h o ch m o n ta n e und subal­ pin e Lagen (B arne r 1954, H e itjo h a n n 1974, Lohse 1981, M a rg g i 1992). Die tro ck e n ste n S tando rte w e rd e n je doch genauso gem ieden w ie staunasse, h ä u ­ fig ü b e rflu te te Böden.

Habitatbindung von Carabus g la b ra tu s Carabus g la b ra tu s be sie de lt im N o rd ­ deutschen T ief- und H ü g e lla n d aus­ schließlich W älder, an deren e d a p h ische Faktoren er n u r sehr g e rin g e A n ­ sprüche zu stellen scheint: Im T e u to b u r­ g e r W ald besiedelt d ie A r t N ord- und S üdhänge des P länerkalkzuges (M e liA b b . 7. V e rb re itu n g von C arabus g la b ra tu s im sü d lic h e n H ü m m lin g . G e fü llte Kreise k e n n ­ co-F agetum ) w ie auch d ie bodensauer z e ic h n e n N ach w eise, o ffe n e Kreise F an g s te llen , a n d e n e n d ie A r t n ic h t n a c h g e w ie s e n w e r ­ v e rw itte rn d e n Böden a u f B untsand­ d e n k o n n te . stein (Luzulo-F agetum ) (G/'ers 1973, e i­ gene B eobachtungen). D ü lg e (1992) Carabus gla b ra tu s muß d a m it als re la tiv N orddeutschen Tieflandes w ird die A rt f ü h r t aus dem T ie fla n d des Elbe-Wesere u ry to p e W a ld a rt angesehen w e rd e n . re g e lm ä ß ig g e fa n g e n (z.B. S chiller Dreiecks drei V o rko m m e n in g ro ß flä c h i­ 1973, H e itjo h a n n 1974, Gries e t al. 1975, gen W ä ld e rn an, die durch das A u ftre ­ Habitatbindung von vgl. auch A b b . 7). Nach U ntersuchun­ te n von M o lin ia coerulea als re la tiv Carabus p ro b le m a ticu s gen in d e r n ie derländischen D renthe ist fe u c h t g e ke n n ze ich n e t sind. Lohse sie je d o ch n ic h t in d e r Lage, sich in d ie ­ (1981) g ib t einen B u chenhochw ald a u f Ebenfalls in unterschiedlichen W a ld ty ­ sem Lebensraum e rfo lg re ic h fo r tz u ­ e in e r Sanddüne als Lebensraum an. p fla n ze n . Die in dieser H eide g e fa n g e ­ pen t r i t t Carabus p ro b le m a ticu s auf, Dem A u to r sind w e ite re V o rko m m e n der auch N adelholzforste n ich t m e id e t nen Tiere e n tsta m m e n ausschließlich aus unterschiedlich e n W a ld ty p e n be­ b e n a ch b a rte n W ä ld e rn (R ijnsdorp (Tietze 1966, Schiller 1973, Giers 1973, ka n n t, zu denen so w o h l bodensaure, Gries e t al. 1975, Janßen 1982, eigene 1980). rohh um usreiche B u chenaltbestände als B eobachtungen). Im G ebiet zwischen auch staunasse E ichen-H ainbuchenEms und Elbe verm ag die A r t- o ff e n b a r Carabus g la b ra tu s und Carabus im G egensatz zu den V erhältnissen im W ä ld e r zu zählen sind. B e m erkensw ert p ro b le m a tic u s : zwei eurytope M itte lg e b irg s ra u m - auch ausgeprägt ist, daß Carabus g la b ra tu s auch in Na­ Waldarten mit unterschiedlicher d e lh o lz fo rs te n (Pinus, Picea, Larlx) sehr staunasse W ä ld e r zu bew o hn e n (Q uerVerbreitung in Nordwestdeutschland h ä u fig a u ftre te n kann (vgl. auch Kap. co-C arpinetum , Pruno-Fraxinetum ; z. B. Hasbruch: Janßen 1982, B entheim er 3.2). - In S kandinavien (L in d ro th 1945) H insichtlich d e r H a b ita tb in d u n g ähneln W ald: Vossel 1994; H errenholz, N euen­ sich Carabus g la b ra tu s u nd Carabus und den A lp e n (eigene B e o bachtungen a u f d e r K oralpe, S te ie rm a rk/K ä rn te n ) b u rg e r U rw ald: eigene B e obachtun­ p ro b le m a tic u s d a m it a u ffä llig : Beide w e rd e n o b e rh a lb d e r W a ld g re n z e zu­ g e n )2. W ie Carabus g la b ra tu s besiedelt A rte n sind im n o rd w e s tlic h e n M itte le u ­ die b e tra c h te te A rt in h o ch m o n ta n e n dem b a u m fre ie Bereiche besiedelt. In ropa als e u ry to p e W a ld a rte n zu cha­ den niederschlagsreichen M itte lg e b ir­ Lagen auch Heiden, in der subalpinen ra kte risie re n . Ihre V e rb re itu n g s b ild e r gen k o m m t die A rt - diesen V e rh ä ltn is ­ und a lp in e n Stufe auch b a u m fre ie M a t­ unterscheiden sich je doch d e u tlich : Die te n (Sauerland: Grosseschallau 1981, sen v e rg le ic h b a r- n ic h t n u r in W ä ld e rn , P o p u la tio n e n von Carabus gla b ra tu s sondern auch in H eiden d e r h o c h m o n ­ B a lke n o h l 1981, B a lkenohl und Grosse­ stehen in e n g e r B eziehung zu historisch ta n e n S tufe vo r (Sauerland: B a lke n o h l schallau 1985; Harz, Berge in den Ost­ a lte n W ä ld e rn , w ä h re n d Carabus p ro ­ 1981, B a lke n o h l und Grosseschallau pyrenäen: eigene Beobachtungen). In blem aticus die „B io to p -v e rb in d e n d e n ", 1985; Harz: eigene B eobachtungen). Skandinavien w ird Carabus p ro b le m a ti­ la n dschaftsverändernden A u ffo rs tu n ­ cus als ausgesprochen xe ro p h ile A rt gen d e r le tz te n 200 Jahre nutzen 2 In S c h l e s w i g - H o l s t e i n is t C a r a b u s p r o b l e c h a ra kte risie rt, die d o rt Ca//una-Heik o n n te und h e u te in den m eisten W ä l­ den p rä fe rie rt (L in d ro th 1945). Im n ö rd ­ dern zw ischen Ems und Elbe a n z u tre f­ m a t i c u s n u r lo k a l v e r b r e i t e t u n d b e s i e d e l t lichen M itte le u r o p a d e u te t sich diese fe n ist (vgl. Lohse 1954, G e rsd o rf und d o r t n e b e n tr o c k e n e n W ä ld e r n a u c h - u n d V e rä n d e ru n g der H a b ita tb in d u n g be­ K u n tze 1957, B lu m e n th a l 1969). U n te r­ z w a r a u to c h th o n H e id e g e b ie te (L o h s e reits an: In den H eidegebieten des 1 9 5 4 , H e y d e m a n n 1 9 5 8 ). schiede im A u s b re itu n g s p o te n tia l der 146

A ß m a n n • Epigäische C ole o p tere n als In d ik a to re n f ü r historisch a lte W ä ld e r d e r N o rd w e std e u ts c h e n T ie fe b e n e

Im Gegensatz zu A b a x ovalis und Ca­ rabus g la b ra tu s haben vo n A b a x p a ra llelus m ehr P o p u la tio n e n im Weser-Emsals im W eser-Elbe-G ebiet ü b e rle b t. Da die m eisten, insbesondere d ie gro ß e n B a nnw älder des w e stlich e n N iedersach­ sens fe u c h te E ich e n-H ainbuchen-W älder d arstellen (P o tt und H üppe 1991), w a re n in solchen Beständen fü r A b a x p a ra lle lu s die Ü berlebenschancen o f ­ fe n b a r g ü n s tig e r als fü r die ausge­ p rä g te Staunässe m e id e n d e n A rte n Ca­ rabus g la b ra tu s und A b a x ovalis. D ü lg e (1 9 9 2 ) n im m t a u f g r u n d v o n z w e i V o rk o m m e n

in d e n G e e s t w ä l d e r n

v o n B re m e n a n , d a ß n e b e n d e m

n ö r d lic h A lte r des

W a ld e s a u c h d ie G r o ß f lä c h ig k e it e in e V o r ­ a u s s e tz u n g f ü r d a s Ü b e r le b e n v o n A b a x p a ­

A b b . 8. V e rb re itu n g von C arab us p ro b le m a tic u s im südlichen H ü m m lin g . G e fü llte Kreise

r a l l e l u s d a r s t e l l e n . D ie m e i s t e n

b e k a n n te n

P o p u la tio n e n

der Tat

b e fin d e n

s ic h

in

in

g r o ß flä c h ig e n W a ld g e b ie t e n (z .B . B e n th e i-

k e n n z e ic h n e n N a c h w e is e , o ffe n e K reise F an gstellen , a n d en e n d ie A r t n ic h t n ac h g e w ie s e n

m er

w e rd e n k o n n te . D e r F u n d o rt a u ß e rh a lb eines W a ld g e b ie te s b e fin d e t sich in d e r S p ra k e le r

V e c h t a : e i g e n e B e o b a c h t u n g ) . Es g i b t j e d o c h

H e id e .

W a ld :

Vossel

1994,

H e r r e n h o lz

a u c h A u s n a h m e n : S o l e b t in e i n e m

bei

k le in e n ,

v ö llig is o lie r te n W ä ld c h e n ( 2 5 0 0 0 m 2 G r ö ß e ) im

A rte n können deshalb fü r d ie u n te r­ schiedlichen V e rte ilu n g s g m u s te r ver­ a n tw o rtlic h sein. Für ein hohes A u sb re i­ tu n g s p o te n tia l bei Carabus p ro b le m a ti­ cus sprechen auch die Funde in H eide­ g e b ie te n , die als E n tw ic k lu n g s o rt fü r die A rt w ahrscheinlich n ic h t in Frage kom m e n (s. oben), sow ie in fo rs tlic h re­ k u ltiv ie rte n G ebieten des Rheinischen B raunkohlenre vie rs (N e um ann 1971).

Faktoren fü r die V e rb re itu n g dieser A rt bestim m end sind3. M ö g lic h ist, daß n u r alte W a ld sta n d o rte die spezifischen edaphischen V oraussetzungen fü r die A rt erfüllen .

e in e

bei

S c h le d e h a u s e n

A bax

(L d k r.

p a r a lle lu s - P o p u la ­

tio n . A u s d e r U m g e b u n g

is t d i e A r t n i c h t

b e k a n n t , s o d a ß m a n e in Ü b e r d a u e r n d e r A r t in d i e s e m W a l d a n n e h m e n m u ß .

Ökologische und historische Gründe als verbreitungs­ bestimmende Faktoren bei Carabiden V o rko m m e n und A b u n d a n z v ie le r L auf­ kä fe r hängen von u nte rsch ie d lich e n abiotischen und b io tischen B e d in g u n ­ gen ab. B e m e rke n sw ert ist d ie B reite der F a k to re n p a le tte , a u f d ie C arabiden reagieren. W elche kausalen Zusam ­ m enhänge zu diesen d iffe re n z ie rte n R eaktionen fü h re n , ist o f t noch u n g e ­ k lä rt. So k o n n te g e z e ig t w e rd e n , daß neben F e u c h tig k e it u n d T e m p e ra tu r (Thiele 1977) auch a n d e re Faktoren eine u n e rw a rte t g roß e B e d e u tu n g ha­ ben können, w ie z.B. d e r p H -W e rt des Bodens (Paje und M o ssakow ski 1984). H istorische Faktoren sp ie lte n als Forschungsgegenstand in de r Carabid o lo g ie bisher n u r eine u n te rg e o rd n e te Rolle. A usnahm en b ild e n n u r w e n ig e

Habitatbindung von A b a x p a ra lle lu s W ä h re n d fü r A b a x ovalis und Carabus g la b ra tu s die L ite ra tu ra n g a b e n w ie auch d ie eigenen B eoba ch tu n g e n a u f eine re la tiv groß e ö ko lo gisch e Plastizi­ tä t schließen lassen, ist A b a x p a ra lle lu s als ste n o to p e r W a ld la u fk ä fe r e in zu ­ stu fe n : In N ord d e u tsch la n d w e rd e n ü b e rw ie g e n d fe u c h te L a u b w ä ld e r a u f le hm ig e n Böden (Q uerco-C arpinetum , P runo-F raxinetum ) und n u r selten Na­ d e lh o lz fo rs te n b e w o h n t (B a rn e r 1954, Janßen 1982, S ie b a rt 1984, K retschm er und S chauerm ann 1991). Im H ü g e l-u n d B ergland w e rd e n ü b e rw ie g e n d W ä ld e r a u f Kalk besiedelt (z.B. G/'ers 1973). A u fg ru n d des ausg e p rä g te n F euchtig­ keitsbedürfnisses to le rie rt d ie A rt e in ­ schneidende E ntw ässerungen n ich t (vgl. Vossel 1994, eigene B e o b a ch tu n ­ gen bei Sögel). D a m it ist die A n n a h m e n ahelie gend, daß b o d e n ö ko lo g isch e

O s s e n b ro c k

O s n a b rü c k )

3

H is t o r is c h e

F a k to re n

a ls

D e te r m in a n te n

f ü r d a s V o r k o m m e n v o n A b a x p a r a l l e l u s s in d

A b b . 9. Carabus p ro b le m a tic u s .

d a m i t n i c h t a u s g e s c h lo s s e n ( s ie h e u n t e n ) .

1 47

A ß m a n n • Epigäische C o le o p te re n als In d ik a to re n f ü r h istorisch a lte W ä ld e r der N o rd w e std e u tsch e n T iefe b e n e

A rb e ite n (z. B. L in d ro th 1949, H oldhaus 1954). Die B edeutung dieser Faktoren bele gen jedoch auch U ntersuchungen aus den le tz te n Jahren: So beschrieb T e rlu tte r (1991) einen Esterase-Allelh ä u fig k e its g ra d ie n te n bei d e r W a ld a rt Carabus a u ro n ite n s in der W e s tfä li­ schen T ie fla n d sb u ch t und in te rp re ­ tie rte ihn als Folge e in e r A re a la usw e i­ tu n g seit e tw a 100 Jahren (sekundäre K o n ta k tz o n e zuvor iso lie rte r P opula­ tio n e n ). A ß m a n n e t al. (1994) u n te r­ suchten m it p o p u la tio n sg e n e tisch e n M e th o d e n die postglaziale A u sb re i­ tu n g von Carabus a u ro n ite n s u nd k o n n ­ te n zeigen, daß sich eiszeitliche Refu g ia lp o p u la tio n e n w ahrscheinlich in ih re m A u s b re itu n g s p o te n tia l u n te r­ scheiden. Eine Analyse von V e rb re i­ tu n g sa re a le n und H a b ita tb in d u n g e n m acht dieses Phänom en auch fü r w e i­ te re europäische C ara b id e n -A rte n w ahrsch e in lich (A ß m a n n 1993). W ie oben bereits a u sg e fü h rt, sind historische Faktoren fü r die V e rb re i­ tu n g von Carabus g la b ra tu s und A b a x ovalis im nordw estd e u tsch e n T ie fla n d w ahrsch e in lich von g ro ß e r B e deutung. N im m t man die G egenhypothese, also öko lo gisch e Faktoren an, m uß man be­ stim m te H abitat-spezifische A n fo rd e ­ ru n g e n po stu liere n , die n u r in historisch a lte n W a ld sta n d o rte n , aber n ic h t in ju n g e n W ä ld e rn v e rw irk lic h t sind. Da b eide A rte n n ic h t n u r in Laubw äldern, sondern sogar a u f N a d e lh o lzflä ch e n h i­ storisch a lte r W a ld s ta n d o rte V o rko m ­ m en, ist eine solche B indung u n w a h r­ scheinlich. E ndler (1982) h a t bereits e in d rin g ­ lich a u f die N o tw e n d ig k e it der Ü ber­ p rü fu n g von a lte rn a tiv e n Hypothesen in d e r B io g e o g ra p h ie hingew iesen. Dies b e tr if ft auch Fälle, in denen eine g e ­ wisse „P la u s ib ilitä t" in d e r A rg u m e n ta ­ tio n besteht. In de r Regel sind die A lte r­ n a tivh yp o th e se n jedoch n ic h t d ire k t testbar. W ic h tig ist deshalb, a u f den Hy­ pothesen a u fb a u e n d , A n n a h m e n zu e n tw ic k e ln bzw. V orhersagen a b z u le i­ te n , die e in e r em pirischen Ü b e rp rü fu n g z u g ä n g lich sind (vgl. E ndler 1982). W e n n die unterschiedlichen V e rb re i­ tu n g e n von Carabus g la b ra tu s und Ca­ rabu s p ro b le m a tic u s historisch und n ic h t ö kologisch b e g rü n d e t sind, so m uß m an unterschiedliche A u sb re i­ tu n g s p o te n tia le fü r die beiden A rte n p o stu lie re n . Diese A n n a h m e lä ß t sich re la tiv 148

A b b . 10. A k tiv itä ts p h ä n o g ra m m e von C arab us g la b ra tu s (g e s tric h e lte L in ie ) u n d C arabus p ro b le m a tic u s (d u rc h g e zo g e n e L in ie) im B a u m w e g b e i D e lm e n h o rs t 1986.

le ic h t te ste n , indem die B ew egungsm u­ ster h in sich tlich O rie n tie ru n g und A k ti­ v itä t durch Telem etrie fü r beide A rte n b e s tim m t w erden (vgl. W allin und Ekb o m 1988, Hockm ann e t al. 1989,1992). A b e r n ic h t n u r die pro Z e ite in h e it z u ­ rü c k g e le g te Strecke ist fü r das A u sb re i­ tu n g s p o te n tia l entscheidend, sondern auch, w ie lange eine A rt im Jahr a k tiv ist. In dieser Hinsicht unterscheiden sich Carabus pro b le m a ticu s und Carabus g la b ra tu s d e u tlich vorneinander, o b ­ w o h l beide A rte n typische H e rb s tb rü te r im Sinne von Larsson (1937, vgl. auch Thiele 1977) sind: W ährend Carabus g la b ra tu s eine eng begrenzte jahres­ z e itlic h e A ktivitätsphase aufw e ist, die ü b e rw ie g e n d den M o n a t A u g u st u m ­ fa ß t, ist Carabus pro b le m a ticu s sow ohl im F rü h ja h r und Frühsom m er (M ai, Juni) als auch im Herbst (besonders im S eptem ber) aktiv (Abb. 10)4. Die im F rü h ja h r gefangenen Tiere sind o ft noch n ic h t ausgehärtet und stellen des­ ha lb w ahrscheinlich die frisch g e ­ s c h lü p fte n N achkom m en der sich im H erbst fo rtp fla n z e n d e n G e neration dar. Auch w e n n durch die in A b b ild u n g 10 m itg e te ilte n Barber-Fallen-Ergebnisse n ic h t die Länge der in d iv id u e lle n A ktivitä tsp h a se , sondern n u r die des gesam ten Bestandes von Carabus p ro ­ b le m a ticu s e rm itte lt w u rd e , ist es doch

w ahrscheinlich, daß die e in ze ln e n In d i­ vid u e n - schon a u fg ru n d d e r T rennung in zw ei A k tivitä tsp h a se n - lä n g er a k tiv sind als d ie von Carabus g la b ratus. Eine lä ngere A k tiv itä ts p e rio d e von Carabus p ro b le m a tic u s k ö n n te zu einem g rö ß e ­ ren A u s b re itu n g s p o te n tia l b e itra g e n . Ein geringes A u s b re itu n g s p o te n tia l kann auch erklä re n , w eshalb Carabus g la b ra tu s und A b a x ovalis in n e rh a lb ge­ schlossener W a ld g e b ie te , die aus h isto ­ risch a lte n W ä ld e rn und A u ffo rs tu n g e n bestehen, sich - w e n n auch n u r in be­ scheidenem Ausm aß ausbreiten k o n n te n . V ie lle ic h t lie g t ein e n tsp re ­ ch e n d e r Fall bei den E h rh o rner D ünen (NSG Lü n e b u rg e r Heide) vor, die coleop te ro lo g isch bereits u n te rsu ch t w u r­ den. Dieses erst ab 1800 w ie d e rb e w a l­ d e te D ü n e n g e b ie t (H anstein 1991) w e is t die d rei fü r historisch alte W ä ld e r charakteristischen A rte n a u f (Carabus g la b ra tu s und A b a x ovalis nach Lohse 1981, A b a x p a ra lle lu s nach K retschm er 4

V e r g l e i c h b a r e U n t e r s c h i e d e im j a h r e s z e i t ­

lic h e n A k t iv it ä t s m u s t e r z w is c h e n d e n A r t e n g i b t a u c h S i e b a r t ( 1 9 8 4 ) f ü r W ä l d e r in d e r U m gebung

von

B r a u n s c h w e ig a n . A u f d ie

k u r z e A k tiv itä ts p h a s e v o n C a ra b u s g la b ra tu s w e is e n

auch

P u illia in e n

et

a l.

(1 9 9 3 )

fü r

N o r d o s t f in n la n d u n d H o u s to n (1 9 8 1 ) f ü r d a s n ö r d l i c h e E n g la n g h i n .

A ß m a n n • Epigäische C ole o p tere n als In d ik a to re n f ü r h istorisch a lte W ä ld e r d e r N o rd w e std e u ts c h e n T ie fe b e n e

und Schauerm ann 1991). W enn man keine Ü berdau e ru n g in e inem kleinen, ca. 20000 m 2 gro ß e n , w e stlich von Ehr­ h orn gelegenen W a ld re st a n n im m t, m uß man eine E in w a n d e ru n g aus e i­ nem angrenzenden, historisch a lte n W ald p ostuliere n . Eine entsprechende F u nktion als „A u s b re itu n g s z e n tru m " kö n n te hier das M e n in g e r H olz ü b e r­ nom m en haben, aus dem Carabus glab ratus und A ba x ovalis b e k a n n t sind. Geschlossene W a ld g e b ie te , d ie aus historisch a lte n W ä ld e rn und A u ffo r ­ stungen he rvo rg e g a n g e n sind, b ieten die M ö g lich ke it, d ie o ben vo rg e s te llte Hypothese zum A u s b re itu n g s p o te n tia l zu ü b e rp rü fe n : In d e r Nähe d e r p o te n ­ tie lle n Refugien so llte n A rte n m it g e rin ­ gem A u s b re itu n g s p o te n tia l noch Vor­ kom m en, w ä h re n d in den e n tfe rn te re n G ebieten n u r noch A rte n m it großem A u s b re itu n g s p o te n tia l zu e rw a rte n sind. A n d i e s e r S t e lle s e i d a r a u f h i n g e w i e s e n , d a ß a u c h f ü r c h a ra k te ris tis c h e P f la n z e n a r ­ t e n h is t o r is c h a l t e r W ä l d e r e i n e i n g e s c h r ä n k ­ te s A u s b r e it u n g s p o t e n t ia l u n d e rs t s e k u n d ä r ö k o l o g i s c h e F a k t o r e n a ls G r u n d f ü r d i e B in ­ dung

an

e n ts p re c h e n d e

W u c h s o rte

ange­

n o m m e n w e r d e n (P e te r k e n u n d G a m e 1 9 8 1 , W u lf W S ) .

W enn das V e rb re itu n g s b ild von Ca­ rabus g la b ra tu s da g e g e n ökologisch und n ich t historisch b e g rü n d e t ist, so so llte die In d iv id u e n d ic h te einer G ruppe von Tieren z u m in d e s t ü b e r e i­ nige G eneratio n e n a b n ehm en, w e n n sie in einem ju n g e n W ald ausgesetzt w u rd e . Für ein solches E xp e rim e n t b ie ­ te n sich „e n clo su re s" (geschlossene Tiergehege) an, d ie von den K äfern n ich t verlassen w e rd e n k ö n n e n . Durch Fang und W ie d e rfa n g in d iv id u e ll m ar­ k ie rte r Tiere sow ie anschließende Mes­ sungen (vgl. M ü h le n b e rg 1989, A lt h o f f e t al. 1992) b e ste h t die M ö g lic h k e it, p o p u la tio n sb io lo g is c h e P aram eter w ie In d ivid ue n d ich te , R e p ro d u k tio n , M o r­ ta litä t usw. zu b estim m en.

5 D e r d r itte

F u n d p u n k t b e z i e h t s ic h l e d i g ­

lic h a u f e in I n d i v i d u u m , d a s im

M ä rz 1935

(w a h r s c h e in lic h n a c h e in e m H o c h w a s s e r ) a m E l b u f e r g e s i e b t w u r d e (J e e k e l 1 9 6 4 ) . D a m i t is t f ü r d ie s e s G e b i e t n o c h k e i n e P o p u l a t i o n n a c h g e w ie s e n .

Weitere epigäische Tierarten als potentielle Indikatoren historisch alter Wälder in Norddeutschland Da aus dem m itte le u ro p ä is c h e n Raum bis je tz t noch keine g ru n d le g e n d e n A r­ b e iten über die B in d u n g von E vertebrate n an historisch a lte W a ld s ta n d o rte vo rliegen, besteht z.Z. n u r die M ö g ­ lichkeit, a u f p o te n tie lle In d ik a to ra rte n hinzuw eisen. Zu diesen A rte n g e h ö rt der C hilopode L ith o b iu s curtipes, der fü r die Britischen Inseln w ie fo lg t cha­ ra k te ris ie rt w ird : „A n e x a m in a tio n o f th e actual sites indicates th a t a h ig h P ro p o rtio n o f th e m , possibly all, are ancient w o o d la n d and it may be th a t w e are here d ealing w ith an a n cie n t w o o d ­ land species" (B a rb e r und Keay 1988: 99). Aus N orddeutschland sind n u r zw ei P opulationen dieser A rt b e k a n n t ge ­ w o rd e n : Forst B e im o o r (n ö rd lic h von H am burg, Jeekel 1964) und B e n th e im e r W ald (G rafschaft B entheim , Vossel 1994)5. B em erkensw ert ist hie rb e i die K ongruenz zw ischen dem L ith o b iu s curtipes- und dem Carabus g la b ra tu sV orkom m en im Forst B eim oor (vgl. Lohse 1954). A u f den Britischen Inseln sind m eh­ rere M o llu ske n -A rte n in ihrem V o rk o m ­ men a u f historisch a lte W ä ld e r be­ grenzt. B em erkensw ert sind besonders zw ei Schnegel (Lim ax c in e re o n ig e r und M alacolim ax te n e llu s), die in so u n te r­ schiedlichsten W a ld ty p e n w ie dem süd­ englischen K alk-B uchenw ald o d e r dem schottischen H o ch la n d -K ie fe rn w a ld Vorkom m en. U n a b d in g b a re Vorausset­ zung fü r P o p u la tio n e n dieser A rte n sind d o rt jedoch groß e, historisch a lte W älder. Eine v e rg le ich b a re B in d u n g ist fü r den norddeutschen Raum ebenfalls m öglich. Erste H inw eise a u f eine ve r­ gleichbare B in d u n g bei M o llu ske n e r­ gaben sich bei e in e r B e a rb e itu n g u n te r­ schiedlich a lte r W ä ld e r am T e u to b u rg e r W ald bei Osnabrück: „E in e W ie d e rb e ­ siedlung des lange Z e it e n tw a ld e te n Gebietes w a r n u r w e n ig e n A rte n m ö g ­ lich. A lle anspruchsvolleren A rte n fe h ­ le n " {A n t 1963: 90). U nter den epigäisch a ktive n C oleo­ pteren eignen sich v ie lle ic h t auch w e i­ te re A rte n als In d ik a to re n fü r historisch alte W älder: So w ird Trichotichnus laevicollis nicht n u r aus dem H am bacher Forst am N ie d e rrh e in (A n t e t al. 1984) gem eldet, sondern auch aus W ä ld e rn n ö rdlich des W eser- und Leineberglan-

des. Eine d e ta illie rte Erfassung d e r Po­ p u la tio n e n im T ie fla n d erscheint des­ ha lb aussichtsreich. Sehr u n v o lls tä n d ig ist unsere K enntnis ü b e r die Faunistik d e r m eisten a nderen K ä fe rfa m ilie n , so daß fü r diese G ru ppen z.Z. n u rS p e k u la tio n e n m ö g lich sind. W ahrscheinlich w e rd e n d ie C o le o p te re n je d o ch noch w e ite re A rte n au fw e isen, die ü b e rw ie ­ gen d in historisch a lte n W ä ld e rn Vor­ kom m en. Aussichtsreich erscheint m ir fü r zu ­ k ü n ftig e U n te rsu ch u ngen auch eine zo o zö n o lo g isch e B e tra ch tu n g , da in za h lre ich e n a lte n W ä ld e rn n ic h t n u r eine In d ik a to ra rt a u ftr itt, sondern in d e r Regel gleich m ehrere. So leben im C le m e n sw e rth e r G ehölz Carabus g la ­ b ra tu s u nd A b a x p a ra lle lu s zusam m en. Gleiches g ilt auch fü r e in ig e W ä ld e r in d e r L ü n e b u rg e r Heide, w o Carabus g la ­ b ra tu s b e v o rz u g t m it A b a x ovalis zu ­ sam m en v o rk o m m t. W enn w e ite re In d i­ k a to ra rte n b e k a n n t w e rd e n , e rg ib t sich v ie lle ic h t d ie M ö g lic h k e it, m it H ilfe von A rte n k o m b in a tio n e n die z e itlic h e K on­ stanz von W a ld s ta n d o rte n a u f fa u n istisch-ökologischer Ebene zu c h a ra k te ­ risieren.

5. A b stra c t Epigeic C ole o p te ro u s as in d ica to rs fo r a n c ie n t w o o d la n d s in th e lo w la n d o f n o rth w e s te rn G erm any In a n c ie n t and re ce n t w o o d la n d s o f th e lo w la n d o f n o rth w e s te rn G erm any (L o w e r Saxony) th e d is trib u tio n o f some carabid species is s tu d ied. A b a x ovalis, Carabus g la b ra tu s and A b a x p a ra lle lu s are m a in ly re stricte d to a n cie n t w o o d ­ lands, w hereas Carabus p ro b le m a tic u s p ro fite d by th e a fo re s ta tio n and lives in re ce n t w o o d la n d s, to o . In p rin cip le , b o th , h isto rica l and e cological fa cto rs can y ie ld such d iffe r e n t d is trib u tio n p a tte rn s. Because Carabus g la b ra tu s and Carabus p ro b le m a tic u s are e u ro ­ to p ic species, it is m ore lik e ly th a t th e consequences o f th e h istorical fa cto rs are m o re im p o rta n t. In th e case o f Cara­ bus g la b ra tu s a very lo w p o w e r o f dis­ persal is to be p o stu la te d .

6. L ite ra tu r A lth o ff, G., Ewig, M., Hem m er, J., H ockm ann, R, Klenner, M ., Niehues, F.-J., Schulte, R., Weber, F, 1992: Er­ gebnisse eines Zehn-Jahres-Zensus 149

A ß m a n n • Epigäische C o le o p te re n als In d ik a to re n f ü r h isto risch alte W ä ld e r d e r N o rd w e std e u tsch e n T ie fe b e n e

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A n sc h rift des V e rfasse rs D ipl.-B iol. Dr. Thorsten A ß m ann Fachgebiet Ö ko lo g ie Fachbereich B iologie/C hem ie Barbarastraße 11 49069 Osnabrück

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N N A -B erich te 3 /9 4

Historisch alte Wälder - ihre Berücksichtigung in Konzepten und Programmen von Ludwig Stegink-Hindriks 1. E in le itu n g Der B e g riff „H istorisch a lte r W a ld " w ird im fo lg e n d e n analog des englischen Be­ g riffe s „A n c ie n t w o o d la n d s " v e rw e n ­ d e t. Dieser lie g t de r EG-Ratsem pfehlung : „R e co m m e n d a tio n No. (88) 11 o f th e C o m m itte e O f M inisters To M e m b e r States on A n c ie n t n a tu ra l and sem i­ n a tu ra l W o o d la n d s" vom 13.06.1988 z u g ru n d e . Diese B e g riffsb e stim m u n g g e h ta u f P eterken 1977 zurück. Danach w ä re n u n te r „H isto risch a lte n W ä l­ d e rn " solche W a ld g e b ie te zu verste­ hen, die unserer K enntnis nach ü b e r die J a h rh u n d e rte h in w e g e rh a lte n und von R odungen verschont w o rd e n sind. Viele von ihnen d ü rfte n in N ord d e u tsch la n d seit der nacheiszeitlichen W ie d e rb e ­ w a ld u n g k o n tin u ie rlic h als W ald be­ standen haben (Pertsch 1977). T rotz u n ­ terschiedlichster historischer W a ld b e ­ w irts c h a ftu n g s fo rm e n , z.B. W a ld ­ w e id e , M itte l- und N ie d e rw a ld w irt­ schaft, w a r die V e g e ta tio n stets noch w a ld ä h n lic h . Die Böden dieser W ä ld e r w u rd e n a u f ü b e rw ie g e n d e r Fläche durch zusätzliche N u tzu n g sfo rm e n n ic h t stark ve rä ndert. Um M ißverständnissen bezüglich d e r B e g riffsin h a lte vo rzu b e u g e n , sei a u f e in ig e le ich t verw echselbare Ter­ m in i hingew iesen. Von den „H istorisch a lte n W a ld g e b ie te n " zu u nterscheiden sind „U rw ä ld e r" („P rim a ry W o o d la n d s " nach P eterken 1977)- i m Sinne d e r vom M enschen v ö llig u n b e rü h rte n W älder. Solche W ä ld e r existieren in M itte le u ­ ropa heute n ich t mehr. Im Laufe d e r Ge­ schichte ist h ie r jedes d e r ve rb lie b e n e n W a ld g e b ie te in irg e n d e in e r Weise vom M enschen b e e in flu ß t w o rd e n (V ieh­ e in trie b , H olzernte, L a u b stre u n u tzu n g etc.). Der in der o ffiz ie lle n deutschen Ü bersetzung der eingangs g e n a n n te n EG -E m pfehlung (Nr. R „8 8 " 11) v e rw e n ­ d e te B e g riff „a lte n a tü rlic h e W a ld g e ­ b ie te " fü r „A n c ie n t W o o d la n d " v e rm it­ t e lt a llz u le ic h t den Eindruck, es seien in de r EG -Em pfehlung solche u n b e rü h r­ te n „U rw a ld g e b ie te " g e m e in t. 152

Ein w e ite re r A nlaß fü r M iß ve rstä n d ­ nisse bezüglich des B egriffs „H istorisch a lte W ä ld e r" ist der Bezug zum A lte r des entsprechenden W aldgebietes. N icht das A lte r der Bäume ist bei der be­ g rifflic h e n A b g re n zu n g g e m e in t, son­ dern die D a u e rh a ftig k e it - die K o n ti­ n u itä t de r Existenz eines W aldes. Die U nterscheidung des B egriffs „H istorisch alte W ä ld e r" von „N a tu r­ n a h e n " bzw. „H a lb -n a tü rlic h e n " W ä l­ d ern (vgl. dazu Dierschke 1984,1989) ist von besonderer B edeutung. Die Ein­ schätzung der „N a tu rn ä h e " b e zie ht sich a u f d ie a ktu e lle B aum artenzusam ­ m ensetzung eines W aldes, n ic h t a u f die K o n tin u itä t des W aldgebietes an sich. Die beiden B egriffe „H istorisch a lte r W a ld " un d „N a tu rn a h e r" bzw. „H a lb ­ n a tü rlic h e r W a ld " sind u n a b h ä n g ig vo neinander. So h a t sich eine jew eils u n a b h ä n g ig e rfo lg e n d e Einschätzung b e id e r K rite rie n in der Praxis b e w ä h rt (P eterken 1993, Keim 1994 in diesem H eft; S turm und W estphal 1991). Die k o n kre te Einzelentscheidung, in ­ w ie w e it ein heutiges W a ld g e b ie t „ H i­ storisch a lte r W a ld " ist o d e r nicht, ist m it ausreichender Sicherheit n u r an ­ hand historischer K arten u n d /o d e r an ­ d e re r A rch iva lie n zu belegen. Die in d i­ re kte K ennzeichnung dieser W ä ld e r durch „Z e ig e ra rte n " fü r „H istorisch alte W ä ld e r" ist n u r eingeschränkt und a u f e her re g io n a l o rie n tie rte r Ebene m ö g ­ lich (vgl. H e rm y W u lf 1992) Deshalb gehen Peterken 1977 und W atkins 1990 bei d e r A b g re n zu n g der „A n c ie n t w o o d la n d s " von „re c e n t w o o d la n d s " nicht so sehr von „Z e ig e r­ a rte n " aus, sondern legen den Schwer­ p u n k t a u f klarer abgrenzbare Daten. Sie n u tze n a lte Karten und A rchivalien und d e fin ie re n den S chnitt zwischen „H istorisch a lten W ä ld e rn " und „n e u ­ z e itlich e n W ä ld e rn " deckungsgleich m it dem Z e itp u n k t der früh e ste n , w e it­ g e hend flächendeckend e rfo lg te n Landesvermessung. D a m it w ä h le n sie als T re n n lin ie den frü h e ste n Z e itp u n k t, an dem ein ehe m a lig e r Landschafts­

zustand durch dam als flä c h e n h a ft e r­ h o b e n e D aten (i.w . K arten) h e u te re­ k o n s tru ie rb a r ist. So e m p fe h le n P eter­ ken 1977 u nd W atkins 1990 die K arten d e r ersten a llg e m e in e n Landesauf­ nahm e vo n 1600-1640 als M aßstab fü r ihre Beschreibung der britischen „ A n ­ c ie n t w o o d la n d s ". Für das Niedersächsische Flachland e m p fie h lt K eim 1994 die K u rh a n n o ve r­ sche Landesaufnahm e (e ra rb e ite t: 1772 bis 1810) als M aßstab. W a ld g e bie te , die zu dem d a m a lig e n Z e itp u n k t als a lte L a u b w a ld g e b ie te d a rg e s te llt w u rd e n und danach n ic h t e n tw a ld e t w o rd e n sind, g e lte n als „H istorisch alte W a ld ­ g e b ie te ". Je g e rin g e r d e r W a ld a n te il de r Ge­ sam tlandschaft, desto d e u tlic h e r m a n i­ fe s tie rt sich die N a tu rsch u tzb e d e u tu n g der,,H istorisch a lte n W a ld g e b ie te ". So fin d e n sich speziell in diesen W ä ld e rn seltene hochspezialisierte O rganism en m it schwach e n tw ic k e lte n A usb re i­ tu n g s m ö g lic h k e ite n . Diese W a ld g e ­ b ie te fu n g ie re n als R e fu g ia lsta n d o rte fü r viele dieser w e n ig vagilen O rga­ nism en. P eterken 1993 b e m erkt, daß das Phänom en d e r W a ld -R e likta rte n (G e fä ß p fla n ze n ) in m itte le u ro pä isch e n Landschaften m it einem W a ld a n te il von m e h r als 30 % o ffe n b a r n ich t m ehr so d e u tlic h h e rv o rtritt, w ie in Land­ schaften m it g e rin g e re m W a ld a n te il. So d ü rfte auch zu v e rm u te n sein, daß das Phänom en „H isto risch a lte r W ä ld e r" im (g e rin g b e w a ld e te n ) n o rd w e s td e u t­ schen Flachland stä rke r h e rv o rtritt als z. B. im Bergland. Ein w e ite re r N aturschutzaspekt „H i­ storisch a lte r W ä ld e r" ist in derTatsache zu sehen, daß sich in diesen G ebieten d ie (re la tiv ) g e rin g s t v e rä n d e rte n Bö­ den des europäischen Flachlandes be­ fin d e n (vgl. B all un d Stevens 1981). Zu­ sam m enfassend lä ß t sich die Bedeu­ tu n g d e r „H isto risch a lte n W ä ld e r" fü r den N aturschutz fo lg e n d e rm a ß e n da r­ stellen. Es sind: 1. G ebiete m it h ä u fig sehr lange w ä h ­ re n d e r H a b ita tk o n tin u itä t. 2. G ebiete m it den (re la tiv ) u n g e stö rte ­ sten Böden unserer K u ltu rla n d ­ schaft. 3. Lebensstätten von A rte n m it h ä u fig eng b e g re n z te n V e rb re itu n g sa re a ­ len („ra re localised species"). 4. Lebensräum e von A rte n m it schwa­ chem A usbreitungsverm ögen („slo w co lo n isin g species").

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5. Lebensräum e von (seltenen) A rte n m it B indung an tra d itio n e ll to th o lz r e i­ che W älder. 6. G ebiete m it R e lik tp o p u la tio n e n fü r eine e ve n tu e lle spätere Rückbesied­ lu ng d e r U m gebung. 7. F ixp unkte fü r ve rg le ich e n d e Studien ü b e r W irk u n g verschiedener U m w e lt­ einflüsse a u f W ä ld e r und Böden.

2 . H isto risch a lte W ä ld e rih re B ed eu tu n g in K o n ze p te n d es N atu rsch u tze s Da es schw ierig ist, fü r das A n lie g e n des N aturschutzes eine ausreichend präzise und a llg e m e in a n e rka n n te Zielsetzung zu fo rm u lie re n (P lachter 1991, 1992, El­ lenberg , Herrn. 1992, Z iem en 1985), ist es n ic h t w e ite r ve rw u n d e rlic h , daß auch fü r den W ald h ä u fig w id e rs tre ite n d e N atu rsch utzziele fo rm u lie rt w e rd e n (W a ld e n spu h l 1991, S turm 1989). So be­ ste h t denn auch kein M a n g e l an na­ tu rsch u tzb e zo g e n e n F o rd erungen. Im G egente il: Es g ib t deren so viele, daß sie h ä u fig in K o n ku rre n z zu e in a n d e r tr e ­ te n - j e m e hr e n g a g ie rte B estrebungen zum Schutz, desto ko n tro v e rs e r die A u se inanderse tzu n g e n um das „ric h ­ tig e " H andeln a u f stets allzu b e g re n z­ te r Fläche. A b er: N ur aus klaren, in sich w id e r­ spruchsfreien Z ie ld e fin itio n e n lassen sich klare, h a n d lu n g s o rie n tie rte K on­ ze p te e n tw icke ln . Deshalb w ird im fo l­ genden auch d e r k o n z e p tio n e lle H in­ te rg ru n d zu „H istorisch a lte n W ä ld e rn " a u sg eleuch te t und in bezug zu d e rz e it ü b lichen N a tu rsch u tzko n ze p te n ge­ setzt. Letztere o rie n tie re n sich bei ge­ nauerem Hinsehen auch h e u te noch an „R o te n Listen" d e r fü r g e fä h rd e t g e h a l­ te n e n P flanzen- und T ie ra rte n . M ittle r­ w e ile w u rd e n zusätzlich in ä h n lich e r W eise „R o te Listen von B io to p e n " e n t­ w ic k e lt (C.E.C. 1991, R ieken und Blab 1989, D rachenfels und M e y 1990), die nun zum G egenstand d e r S chutzbem ü­ h u n g e n w e rd e n . W o aber lie g e n die G renzen und Schwachstellen eines sol­ chen Vorgehens? Kann das im fo lg e n ­ den näher zu beschreibende K o n ze p t „H istorisch a lte r W ä ld e r" einen neuen A nsatz erm öglich e n ?

2.1. Grundlagen eines Konzeptes zum Schutz „Historisch alter W älder" Das Thema N a tu r- un d K u ltu rg e ­ schichte von Lebensräum en sp ie lt im N aturschutz zur Z e it n u r eine u n te r­ g e o rd n e te Rolle. Bei d e r B e tra ch tu n g des A lters der „H istorisch a lte n W ä ld e r" k o m m t der bisher u n b e rü c k s ic h tig te N aturschutzaspekt d e r T ra d itio n s a b ­ h ä n g ig k e it von Lebenräum en zum Tragen. G rundlage fü r eine System ati­ sierung dieses Param eters k ö n n te n die Ü berlegungen und E rfa h ru n g e n sein, die zur F orm ulierung des 3. B io z ö n o tischen G rundprinzips g e fü h rt haben (Franz 1952/53, T hienem ann 1954): „Je k o n tin u ie rlic h e r sich d ie M ilie u b e d in ­ g u ngen an einem S ta n d o rt e n tw ic k e lt haben, je länger er g le ic h a rtig e U m ­ w e ltb e d in g u n g e n a u fg e w ie se n hat, um so arte n re iche r ist seine Lebensge­ m einschaft, um so ausge g lich e n e r und sta biler ist sie." Die systematische B erücksichtigung des A lters von Lebensgem einschaften bei der praktischen N a tu rs c h u tz a rb e it ist dabei nicht n u r fü r W ä ld e r b e d e u t­ sam. Auch fü r M o o re (H aaren 1988), Seen (M ü lle r 1980; H aaren 1988), Hekken (Z w ö lfe r et. al. 1981), M agerrasen (AG A rte n s c h u tz p ro g ra m m B erlin 1984) sind ä h n lich e A b h ä n g ig k e ite n a u fg e z e ig t w o rd e n . Für d ie Praxis der N a tursch u tzka rtie ru n g e n h e iß t dies: Durch den Param eter „ A lte r " k ö n n te die individ u e ll e n tsta n d e n e N aturaus­ sta ttu n g , die Geschichte des E inzelob­ jektes in d ire k t b e rü c k s ic h tig t w e rd e n . G rundlage fü r diese Ü b e rle g u n g e n ist die Erkenntnis, daß sich d ie M ö g lic h ­ keiten einer z u k ü n ftig e n (Lebensraum-) E ntw icklung im m e r aus den Zuständen nährt, die die V e rg a n g e n h e it geschaf­ fe n hat. So triv ia l diese Aussage auch k lin g t: Diese Tatsache fin d e t im N a tu r­ schutz nu r selten eine d e r B ede u tu n g entsprechende B erücksichtigung. Das in der V e rg a n g e n h e it E n tw ik ke lte ist in seiner A u sp rä g u n g G rundsubstanz/A usgangsszenario fü r zu ­ k ü n ftig e M ö g lic h k e ite n . In diesem Sinne gehen alle N aturprozesse n u r in eine Richtung: von der (fa k tis c h e n /a b geschlossenen) V e rg a n g e n h e it in eine (noch offe n e ) Z u k u n ft. N a tü rlich e Pro­ zesse sind som it irreversible Prozesse, die sich jedesmal u n te r a nderen Rah­ m en- und ve rä n d e rte n in n e re n B edin­ gungen der Systeme abspielen. Im

Sinne dieses Zeitverständnisses kann es keine R e ve rsib ilitä t im a b so lute n Sinne geben. Es g ib t keine ab so lute W ie d e r­ h e rs te llb a rk e it von N a tu rzu stä n d e n in d e r R e a litä t des N aturgeschehens. Na­ tu r ist das „im m e r w ie d e r Neues H er­ v o rb rin g e n d e ". „Jedes ö ko lo g isch e Sy­ stem ist ein U n ik a t und als solches n ic h t w ie d e rh o lb a r", R e m m e rt 1989. Die „N ic h t-w ie d e r-H e rs te llb a rk e it" „H is to ­ risch a lte r W ä ld e r" lä ß t sich u n te r dem A sp e kt ih re r S c h u tz b e d ü rftig k e it f o l­ g e nderm aß en fo rm u lie re n : W ir k ö n ­ nen n u r die le tz te n Reste d e r ü b e r Jahr­ h u n d e rte g e rin g s t b e e in flu ß te n W ä l­ d e r schützen - denn w ir haben keine M ö g lic h k e ite n , e in fa ch neue h e rz u ­ stellen. In d e r K onseqeuenz dieser Tatsa­ chen ist N aturschutz dazu a u fg e fo r­ d e rt, die E n tw ic k lu n g s fä h ig k e it vo n Na­ tu re rsch e in u n g e n zu schützen. D a m it m uß d e r Schutz von n a tü rlic h e n Prozes­ sen in den V o rd e rg ru n d e in e r e in d e u tig o rie n tie rte n N atu rschutz-Z ielsetzung tre te n , w ie R e m m e rt bereits 1988 g e ­ fo r d e rt hat. Für den W a ld -N a tu rs c h u tz h a t S turm 1993 ein K o n z e p t zu r B erück­ sich tig u n g d e r S e lb st-E n tw icklu n g sfä ­ h ig k e it von W ä ld e rn e n tw o rfe n , in dem er den Schutz ö ko lo g is ch e r Prozesse als H a u p tziel fü r einen ö ko lo gisch o rie n ­ tie rte n N aturschutz in W ä ld e rn d a r­ ste llt. S turm 1993: „N a tu rs c h u tz als Pro­ zeßschutz (...) b e d e u te t, daß p rim ä r n ich t Zustände, sondern E n tw ic k lu n g s ­ b e d in g u n g e n zu schützen s in d ." Ö k o lo ­ gisch o rie n tie rte s N a tu rsch u tzm a n a g e ­ m e n t d a rf n ic h t n u r e in e r a n d e re n A rt von Z e rstö ru n g des Ö kosystem s V o r­ schub leisten. Seine A u fg a b e ist es, die W aldökosystem e a n g e p a ß t w e ite r­ zu e n tw ic k e ln . Diese an g e p a ß te W e ite r­ e n tw ic k lu n g m uß z w a n g s lä u fig danach fra g e n , was den n bisher zum Entstehen des O bjektes b e ig e tra g e n , w e lch e Ein­ flüsse es in den je tz ig e n Z ustand v e r­ setzt haben. Es ist d ie Frage nach der Geschichte d e r O b je kte . N a tu rsch u tz in diesem Sinne so llte d ie R a h m e n b e d in ­ g u n g e n fü r Anpassung un d w e ite re E vo lu tio n m ö g lich st v ie le r A rte n in m ö g lich st n a tu rn a h e n Ö kosystem en zu e rh a lte n suchen. Die M a ß n a h m e n dazu so llte n w e n ig e r re v o lu tio n ä r als viel eher e v o lu tio n ä r g e p rä g t sein.

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S te g in k -H in d rik s • Historische W ä ld e r - ih r e B e rü cksich tig u n g in K o nzepten und P ro g ra m m e n

2.2. Handlungsziele fü r den Schutz „Historisch alter W älder" Als H auptziel fü r den Schutz „H istorisch a lte r W ä ld e r" lä ß t sich aus dem v o rh e r G enannten der „S chutz d e r ö k o lo g i­ schen Prozesse" fe s tle g e n . Dabei sind je n e E n tw icklu n g s b e d in g u n g e n (z.B. auch S törungsarten, S tö ru n g s h ä u fig ­ ke ite n , A u s b re itu n g s b e d in g u n g e n von P o p u la tio n e n etc.) zu berücksichtigen, d ie in d e r V e rg a n g e n h e it bei d e r Entste­ h u n g dieser W ä ld e r eine Rolle g e sp ielt haben. U n te r den h e u te v e rä n d e rte n R ahm e n b e d in g u n g e n (H y p e rtro p h ie ­ ru n g , Im m issionen, Bodenversauerung etc.) sollten vo rn e h m lich aus d e r Ent­ w icklungsgeschichte des Gebietes ab ­ g e le ite te N utzungsw eisen bzw. P flege­ ko n z e p te e n tw ic k e lt w e rd e n . Für die o p e ra tio n a le n Z ie lse tzu n ­ gen in „H istorisch a lte n W ä ld e rn " las­ sen sich drei Z ie lko n z e p te u n te rsch e i­ den. Jede dieser drei K o n z e p tio n e n ist m it unterschiedlich e n S ch w e rp un kte n einzusetzen und h a t ihre spezifischen S tärken und Schwächen (siehe A b b . 1). Für die ko n kre te , h a n d lu n g s o rie n ­ tie r te Z ielsetzung ist am E in ze lo b je kt ein e K o m b in a tio n aus den d rei Z ie lk o n ­ ze p te n n ö tig , um d e r je w e ils sehr in d i­ v id u e lle n N a tu ra u s ta ttu n g dieser Ge­ b ie te g e re ch t w e rd e n zu können. 2.3. Bisherige NaturschutzansätzeN otw endigkeiten und Grenzen von Modellen Seit B eginn de r system atischen Land­ sch a ftska rtie ru n g e n sind pragm atisch a n w e n d b a re Kartierschlüssel e n tw ik k e lt w o rd e n . Sie sind fü r die praktische N a tu rs c h u tz a rb e it von besonderer Be­ d e u tu n g . A usgehend von d e r K a rtie ­ ru n g seltener A rte n , w u rd e n im Laufe d e r Z e it auch besonders a u sgew ählte, fü r g e fä h rd e t g e h a lte n e B io to p e zum G egenstand von Erfassungen und S chutzbem ühungen . Um m ethodologisch vergleichbare, von den subjektiven Einschätzungen u n ­ terschiedlicher B earbeiter w e itg e h e n d u n b e e in flu ß te Ergebnissezu erh a lte n , ist es n o tw e n d ig , stand a rd isie rte K a ta lo g e von K a rtie re in h e ite n zu e n tw ic k e ln . Ihre G liederungssystem atiken w e rd e n a u fg ru n d pra ktisch n o tw e n d ig e r Ü ber­ le g u n g e n erste llt. Die T ypisierung der E in h e ite n w ird an vo r O rt le ich t sich tb a ­ ren P aram etern o rie n tie rt. Dabei n u tz t 154

Zielkonzept

Handlungen

a) Natürliche Entwicklung

"Nichts tun"

b) Traditionelle Behandlung

c) Gestaltende Behandlung

Probleme

Welche Art der Natürlichkeit wird erwartet: Frühere oder künftige natürliche Waldgesell­ schaft, - oder Schutz natürlicher Prozesse ? "Mache das, was in der Vergan­ Viele früher wirksame Umwelt­ genheit gemacht worden ist" bedingungen haben sich verän­ dert Es gibt keinen Markt für die traditionellen (Holz)-produkte aus "Historisch alten Wäldern" "Mache das, was einzelne Ar­ Naturschutzinterne Konflikte: ten/ Populationen/ Biotope nötig Förderung welcher Spezies; haben" auf Kosten anderer, in ihrer Ökologie völlig unzureichend bekannter Arten? Generell: Fehlende Kenntnisse

Abb. 1.

man die z.T. vorhandenen G liederungs­ system atiken d e skrip tiv a rb e ite n d e r b io lo g isch e r Disziplinen. Um im Rah­ men überschaubarer Z eiträum e e in ­ h e itlic h e Aussagen zu bekom m en, w e r­ den die B io to p ty p e n /V e g e ta tio n s e in h e ite n d e fin ito risch - und d a m it als sta­ tisch - fe stg e le g t. Beide Aspekte fü h r ­ te n von A n fa n g an zu e iner re la tiv e in ­ se itig e n O rie n tie ru n g an p fla n ze n so ­ ziologischen V e g e ta tio n sg lie d e ru n g e n {BFANL 1986, Rieken und Blab 1989). Den bis je tz t e n tw ic k e lte n „B io ­ top-V erzeichnissen" fe h lt es a lle rd in g s an d e r grundsätzlichen A u se in a n d e r­ setzung m it den Grenzen der zu g ru n d e g e le g te n deskriptiven M e th o d ik . Diese A useinandersetzung fin d e t z.B. in d e r klassischen P flanzensoziologie z w a r s ta tt (vgl. L ite ra tu rb e i Trepl 1987), stö ß t a b e r o ffe n b a r a u f w e n ig Interesse bei einem G roßteil der n a tu rsch u tz­ o rie n tie rte n A nw ender. Die E rarbeitung von Standards fü r d ie Beschreibung von „ B io to p e n " / „G e se llsch a fte n " e rfo lg t zum eist nach ä h n lich e m Muster. „Typische Gesell­ s c h a fte n " o d e r „B io to p e " /„B io z ö n o sen" w e rd e n a u fg ru n d von Ä h n lic h k e i­ te n d e r a ktu e lle n A rtenzusam m enset­ zung (o d e r auch des Standortes o d e r d e r Physiognom ie) durch A b g re n zu n g m itte ls d om inanter, charakteristischer o d e r d iffe re n z ie re n d e r A rte n g e o rd ­ net. Die daraus a b g e le ite te n A b g re n ­ zu n g e n zwischen verschiedenen Typen b ie te n dabei keine G ew ähr dafür, daß g erade diese Grenzen fu n k tio n a l Zu­ sam m engehöriges von fu n k tio n a l n ic h t Z usam m engehörigem tre n n e n (W a lte r un d Breckle 1983). Es w ird dabei auch auß er acht gelassen, daß Bestände im a llg e m e in e n w e d e r in der Z eit noch im Raum eine „o b je k tiv " d e fin ie rb a re

Grenze haben (vgl. auch Trepl 1987). S o w e it diese T y p e n b ild ungen rein pragm atische B e g riffsb e g re n zu n g e n w ie d e rg e b e n , m ögen sie to le rie rt sein. Leider e n tw ic k e ln sie je d o ch m eist eine E igendynam ik und täuschen im Ökosy­ stem n ic h t w irk lic h vorh a ndene Ge­ m einschaften vor. So w ird z.B. in der praktischen N a tu rsch u tzp la n u n g die V e rw irk lic h u n g dieser a b stra kte n Ty­ pen h ä u fig zum Ziel von Pflege- oder Er­ satzm aßnahm en (LK-O snabrück 1992). Bei diesem V orgehen se tzt m an fä lsch li­ cherw eise voraus, daß d ie N a tu r ein ko n kre te s Ziel h ä tte . Daß sie an jedem O rt und zu je d e r Z e it unsere Idealtypen m it dem „v o lls tä n d ig e n " o d e r eben „ty p is c h e n " A rte n in v e n ta r entstehen ließe. Dabei setzt man stets gleiche U m ­ w e ltb e d in g u n g e n voraus. A b e r gerade in dieser V oraussetzung lie g t de r Fehl­ schluß: U m w e ltb e d in g u n g e n w irk e n in d e r R e a litä t unserer Landschaften nie in g le ich e r bzw. w ie d e rh o lb a re r K om bi­ n a tio n o d e r In te n s itä t. Sie w irk e n in e i­ ner g ru n d sä tzlich u n vorhersagbaren, z u fa lls b e e in flu ß te n und n ic h t w ie d e r­ h o lb are n A rt und W eise. Die d e fin ito rische Festlegung eines „B io to p e s " w ird dieser n a tü rlic h e n D yn a m ik von Ökosy­ stem en n ic h t gerecht. Die d e fin ie rte n B io to p ty p e n sind g e d a n k lic h e M o d e ll­ v o rste llu n g e n . Den in n e rh a lb dieses M odells k o n s tru ie rte n „B io to p e n " k o m m t keine R e a litä t zu. Es h a n d e lt sich um ausschließlich a b stra kte Beg rifflic h k e ite n . Die „B io to p e " sind g e nausow enig das v o rw e g g e n o m m e n e Ergebnis einer tatsächlich a b la u fe n d e n Sukzession. Ein realer Sukzessionsablauf in e in e r dy­ nam isch-lebendigen Landschaft w ird n ic h t diese k o g n itiv k o n s tru ie rte n , ab­ s tra kte n „B io to p e " v e rw irk lic h e n . Suk-

S te g in k-H in d riks • H istorische W ä ld e r - ih r e B e rü cksich tig u n g in K o n ze p te n u n d P ro g ra m m e n

Zession in ein e r L a n d sch a ftsre a litä t e n t­ w ic k e lt sich aus dem V o rh a n d e n e n , und zw a r ohne vorhersagbare Zielzustände. Und auch u n a b h ä n g ig davon, ob w ir A u sgangssituation und Ergebnis fü r „n a tu rn a h " o d e r „n a tu r fe r n " h a lte n w ü rd e n . Als Konsequenz aus dem Gesagten lassen sich fo lg e n d e A sp e kte herausstellen: ■ V erzeichnisse/K ataloge von B io to ­ pen können der S ta n d a rd isie ru n g des Vorgehens bei n a tu rsch u tzb e zo g e n e n Landschaftska rtie ru n g e n d ie n en . Sie ve rm ögen dabei aber n u r pragm atisch b e g rü n d b a re B egrenzungen fe s tz u le ­ gen. Aussagen ü b e r die ö kologische F u n k tio n a litä t k o n k re te r Landschafts­ e lem ente ode r ihre ö ko lo gisch be­ g rü n d b a re B e w e rtu n g sind n ic h t m ö g ­ lich. ■ „B io to p ty p e n " sind reine k o g n itiv k o n s tru ie rte A b s tra k tio n e n , d ie in der u n endlichen V ie lfa lt d e r N aturerschei­ n ungen eine O rie n tie ru n g fü r die p ra k ­ tische N a tu rsch u tza rb e it e rm ö g lich e n sollen. Die „E n ts te h u n g " g e ra d e dieser „B io to p ty p e n " ist eben ke in e in d e r Na­ tu rv o rh a n d e n e R ealität. ■ A llgem eine , ü b e rre g io n a le Typen­ beschreibungen kö n n e n kaum als Ziel­ vorg aben fü r k o n k re te H a n d lu n g e n in N a tu ro b je k te n die n en (z.B. in bezug a u f die Schaffung von „V o lls tä n d ig ­ k e it" der A rte n eines B iotopes), da sie die grundsätzlich in d iv id u e lle n M uster d e r in de r R ealität vo rh a n d e n e n N a tu r­ erscheinungen u n b e rü c k s ic h tig t lassen (müssen). ■ S trenggenom m en ist in d e r Typen­ b ild u n g kein Z e itb e zu g v o rh a n d e n , der die in der R ealität a b la u fe n d e n zu fa lls­ b e e in flu ß te n N aturprozesse m it a bzu­ b ild e n verm ag. D a m it b le ib t zu b e m e r­ ken, daß all diese G lie d e ru n g sko n ze p te die Ergebnisse de r e in z e lo b je k tb e z o g e ­ nen (in d ivid u e lle n , z u fa lls b e e in flu ß ­ te n ) Entstehungsgeschichte a p rio ri ausschließen. 1

E m p fe h lu n g e n sind p o litis c h e E rklä ru n ­

gen

m it

schwachem

re ch tsve rb in d lich e n

C harakter. Es b le ib t d en M itg lie d s ta a te n überlassen, die a u fg e fü h rte n Z iele zu ve r­ fo lg e n . 2

R ic h tlin ie n haben re c h tlic h e V e rb in d lic h ­

k e it in allen M itg lie d s ta a te n h in sich tlich der in ih n e n fe s tg e le g te n Ziele. Die W a h l der Form und M itte l zu ih re r U m se tzu n g ist Sa­ che des je w e ilig e n M itg lie d s ta a te s .

W ährend d e r vie lfa ch noch d o m i­ nierende „B io to p ty p e n "-A n s a tz da ­ nach fra g t, in w ie w e it ein W ald a b stra k­ te n T ypenbeschreibungen ä h n e lt, g re ift die Fragestellung der „H istorisch alten W ä ld e r" am g leichen O b je k t den dia m etral e n tg e g e n g e se tzte n P unkt auf: In w ie w e it ist dieser W a ld in seiner In d iv id u a litä t ke n n tlic h ? Das K o n ze p t „H istorisch A lte r W ä ld e r" kann h ier e i­ nen g e w ich tig e n A k z e n t in d e r Diskus­ sion um N aturschutzziele setzen, da seine A n w e n d u n g z w a n g s lä u fig in die A useinandersetzung m it d e r in d iv i­ duellen O bjektgeschichte fü h rt.

11 o f th e C o m m itte e O f M in iste rs To M e m b e r States on A n c ie n t n a tu ra l and se m i-n a tu ra l W o o d la n d s " in d e r a m tli­ chen, deutschen Fassung als „E m p fe h ­ lu n g ... ü b e r a lte n a tü rlich e , bzw. in e i­ nem n a tu rn a h e n Zustand b e fin d lic h e W ä ld e r" übersetzt. b) Die E m p fe hlung des EG -M inisterrates: „R e c o m m e n d a tio n No. (88) 10 o f th e C o m m itte e O f M inisters To M e m b e r States on th e p ro te c tio n o f sap ro xylic organism s and th e ir b io to p e s " die als „E m p fe h lu n g ... zum Schutz saproxylischer O rganism en und ih re r Le­ be n srä u m e " in D eutschland v e rö ffe n t­ lic h tw u rd e . Daß beide E m p fe h lu n g e n kaum Be­ 3. Erfassu n g und S ch u tz d er rücksich tig u n g in den deutschen Na­ „H isto risch a lte n W ä ld e r" tu rs c h u tz b e m ü h u n g e n fa n d e n , lie g t hauptsächlich an d e r a llg e m e in u n ü b e r­ Seit 1987 g ib t es B e m ühungen a u f e u ro ­ päischer Ebene, d e r B e d e u tu n g der „H i­ sichtlichen In fo rm a tio n s s tru k tu r z w i­ storisch alten W ä ld e r" fü r das g e m e in ­ schen den EU-Organen und den M it­ g lie d staa te n . Zum Teil m ag auch die e t­ schaftliche N a tu re rb e m e h r G ew icht was m iß verständliche deutsche Ü ber­ zu verleihen (E G -M in is te rra t 1988a, setzung d e r englischsprachigen Urfas1988b). Dazu d ie n te n u.a. auch die von der EG-Kommission in A u ftra g g e g e b e ­ sung b e id er D o ku m e n te eine Rolle g e ­ s p ie lt haben. In beiden Texten ist de r nen Gutachten von Heiss 1987 und S peight 1989. A lle rd in g s h a t auß er Eng­ B e g riff „A n c ie n t ... w o o d la n d s " als „a lte ... W ä ld e r" ü bersetzt. N ur a llz u ­ land bisher keiner d e r a n deren e u ro p ä i­ le ich t w ird so d e r E indruck v e rm itte lt, es schen M itg lie d s ta a te n k o n k re te Erfassungs- bzw. S ch u tzp ro g ra m m e fü r „H i­ g in g e um den Schutz von u n b e rü h rte n U rw ä ld e rn o d e r um den Schutz von storisch alte W ä ld e r" d u rc h g e fü h rt (Peterken 1993). So g ib t es auch in Deutsch­ A lth o lz b e s tä n d e n . Der e ig e n tlic h e Be­ g riffs in h a lt d e r „A n c ie n t W o o d la n d s " land derze it keine R echtskategorie, die fa n d je d e n fa lls keine g e e ig n e te E nt­ „H istorisch a lte W ä ld e r" als solche sprechung in den a m tlich e n Ü berset­ schützt. W eder das N a tu rsch u tzre ch t noch die W ald- u nd F orstgesetzgebun­ zungen. gen nehmen a u f ih re S c h u tz b e d ü rftig ­ O b w o h l beide E m p fe h lu n g e n m it u n g e w ö h n lic h klaren F ord eru ng en ke it Bezug. Zw ar g ib t es in d e r Gesetzes­ a n w endung (z.B. N a tu rsch u tzg e b ie ts­ zum Schutz „H isto risch a lte r W ä ld e r" verordnun g e n nach N aturschutzrecht, abschließen, sind ihre A n lie g e n n ic h t in B annw aldausw eisung nach Landes­ anderen, w e se n tlich v e rb in d lic h e re n N a tu rsch u tzre g e lu n g e n d e r G em e in­ w aldgesetz in e in ig e n B undesländern) u n te r den d o rt a u sg e w ä h lte n G ebieten schaft a u fg e g riffe n w o rd e n . im m er w ie d e r e inm al auch „H istorisch Die b e d e u te n d ste N a tu rschu tzR ich tlin ie 2 d e r EG seit In k ra fttre te n d er a lte W ä ld e r". Insgesam t a ber ist hier „V o g e ls c h u tz -R ic h tlin ie " vom 0 2 .0 4 .7 9 nur ein k le in e r A ussch n itt „H istorisch a lte r W ä ld e r" - und zudem v ö llig unsyr ist die „R ic h tlin ie zu r E rh a ltu n g d e r Na­ stematisch - geschützt. tü rlic h e n Lebensräume, sow ie d e r w ild ­ lebenden Tiere und P fla n ze n " vom 21. 3.1. Erfassung und Schutz der 05.1992 (auch „F F H -R ich tlin ie " - von F lora-F auna-H abitat). Leider n im m t „Historisch alten W älder" auf europäischer Ebene diese R ich tlin ie (noch) k einen Bezug a u f die „H istorisch a lte n W ä ld e r". Nach d e r FFH-Richtlinie sind in a llen Im Jahre 1988 e rg in g e n vom EG -M ini­ M itg lie d s ta a te n b e s tim m te Lebens­ ste rrat zwei E m p fe h lu n g e n 1 m it d e u tli­ ra u m typ e n , Tier- und P fla n ze n a rte n als chem Bezug zu „H isto risch a lte n W ä l­ Teil des N aturerbes d e r U n io n zu be­ d e rn ": a) Die E m p fe h lu n g des EG-M ini-w a h re n . In den A n h ä n g e n l - V d er R ichtlinie sind diese L ebensraum typen sterrates: „R e co m m e n d a tio n No. (88) 1 55

S te g in k -H in d rik s • Historische W ä ld e r - ih r e B e rü cksich tig u n g in K onzepten und P ro g ra m m e n

und A rte n je w e ils a u fg e lis te t, w o b e i auch R egelungen zum A rte n sch u tz (H andel und In ve rk e h rb rin g e n be­ s tim m te r A rte n etc.) e n th a lte n sind. Ziel d e r FFH-Richtlinie ist es u.a., ein k o h ä ­ rentes Schutzgebietssystem „N a tu ra 2000" zu e n tw icke ln . D a m it sollen die d e rz e it ca. 12 unterschiedlichen Schutz­ g e b ie ts k a te g o rie n d e r EG g e b ü n d e lt und übersich tlich e r g e s ta lte t w e rd e n . Der in unserem Zusam m enhang in ­ teressierende A n h a n g I FFH-Richtlinie: „N a tü rlic h e Lebensräum e von g e m e in ­ schaftlichem Interesse, fü r deren Erhal­ tu n g besondere S chutzgebiete ausge­ w iesen w e rd e n m üssen" fü h r t u n te r dem K apitel „W ä ld e r" W a ld ty p e n an, die vo rn e h m lich nach ge o g ra p h isch ­ pflanzensoziologische n G esichtspunk­ te n g e g lie d e rt sind (siehe A b b . 2 ). In dieser A u fs te llu n g b lieben die „H istorisch a lte n W ä ld e r" tr o tz der E m p fe h lu n g e n des E U -M inisterrates von 1988 bisher un b e rü cksich tig t. Zur Z e it w ird a lle rd in g s schon an e iner Neu­ fassung de r A n h ä n g e g e a rb e ite t. Ein Ä n d e ru n g s e n tw u rf von deutscher Seite sie h t z.B. den H inw eis a u f die Bedeu­ tu n g „H istorisch a lte r W ä ld e r" in der Präam bel zum A rtik e l „W ä ld e r" des A n h a n g I FFH-Richtlinie 1992 vo r (BfN 1993). Dies h ä tte den N achteil, daß im ­ m er noch der Ü be re in stim m u n g sg ra d von W ä ld e rn m it th e o re tisch e n „B io ­ to p ty p e n " v o rra n g ig fü r eine Schutzbe­ d ü rftig k e it w äre. Das Faktum „H is to ­ risch a lte r W a ld " w ä re in e in e r Präam­ bel le d ig lich ein K rite riu m u n te r vielen. Dies w ü rd e aber d e r besonderen Be­ d e u tu n g des Phänomens n ic h t gerecht. G e e ig n e te r erscheint es, eine eigene K a te g o rie „H istorisch a lte r W a ld " als sog. „p rio ritä re s H a b ita t" in einen neuen A n h a n g I de r FFH-Richtlinie e in ­ zu fü g e n . D a m it basiert die Einschät­ zung eines W aldes als „H istorisch a lte r W a ld " a lle in a u f dem A sp e kt H a b ita t­ tr a d itio n und ist v ö llig u n a b h ä n g ig da­ von, ob die a k tu e lle V egetationszusam ­ m ensetzung m it den th e o re tisch e n „B io to p ty p e n " ü b e re in s tim m t. So w ä re g e w ä h rle is te t, daß je d e r „H istorisch a lte W a ld " durch die FFH-Richtlinie in seiner B edeutung fü r das europäische N a tu re rb e und entsprechend der EGM in iste rra ts-E m p fe h lu n g e n von 1988 g e sch ü tzt w äre. Um einen m öglich st w e itre ic h e n d e n Schutz de r „H istorisch a lte n W ä ld e r" zu e n tw ic k e ln , sollten auch die M ö g lic h ­ 1 56

Auswahl aus Anhang I der FFH-Richtline der EU vom 21.05.1992 : "Natürliche Lebensräume von ge­ meinschaftlichem Interesse, für deren Erhaltung besondere Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen:"

"Wälder des gemäßigten Europa" Präambel: "Naturnahe und natürliche Wälder mit einheimischen Arten im Hochwaldsadium einschließlich Mittelwald mit typischem Unterholz, die den Nachstehenden Kriterien entsprechen: - Selten oder - Restbestände und / oder - Vorkommen von Arten von gemeinschaftlichem Interesse

(Code *)

(Auswahl einiger Wald-Habitattypen)

41.11 41.13 41.16 41.24 41.4 41.51

Hainsimsen-Buchenwald (Luzulo-Fagetum) Waldmeister-Buchenwald (Aspcrulo-Fagetum) Orchideen-Buchenwald (Cephalanthero-Fagetum) Stemmieren-Eichen-Hainbuchenwald (Stellario-Carpinetum) Schlucht- und Hangmischwälder (Tilio-Acerion) Alte bodensaure Eichenwälder mit Quercus robur auf Sand­ ebenen Moorwälder Restbestände von Erlen- und Eschenw äldern an Fließge­ wässern (Alnion glutinoso-incanae) Eichen-, Ulmen-, Eschen-Mi sch Wälder am Ufer großer Flüsse

4 4 .A l- 44.A4 44.3 44.4

Montane und subalpine Nadelwälder 42.21 bis 42.23

"Code

:

Bodensaure Fichtenwälder (Vaccinio-Piceetea)

Die hierarchische Einstufung der Lebensräume im Rahmen des Programms CO RINE (C O R IN E BIO TO PE : Entschei­

dung 8 5 / 3 38 / E W G des Rates vom 27Juni 1985) stellt für diesen Anhang der FFH-Richtlinie die Bezugsgrundlage dar Die meisten genannten natürlichen Lebensraumtypen sind vom entsprechenden CO RINE-Code begleitet, der im "Technical handbook, Band 1, Seiten 7 3-109, C O R IN E / B IO T O P E /8 9 /2 .2 , 19th May 1968, partially updated, February 14,1969f', aufgeführt ist.(CORINE = Coordination de l'information du l'enviroment)

Abb. 2.

ke ite n e in e r Europäischen F o rs tp o litik b e rü c k s ic h tig t w erden. Eine g e m e in ­ schaftliche F o rstp o litik ist a u f EG-Ebene zu r Z e it z w a r nicht e rke n n b a r (Volz 1993). Dennoch g ib te s e in ig e z .T . u n a b ­ h ä n g ig vo n e in a n d e r entstandene Re­ g e lu n g e n fü r die europäischen W älder, die auch fü r die E rhaltung der „H is to ­ risch a lte n W ä ld e r" Bedeutung e rla n ­ gen k ö n n e n . So fa n d die 1. M in is te rk o n ­ fe re n z zum Schutz der W ä ld e r in Eu­ ropa 1991 in Straßburg sta tt. D o rt w u r­ den sechs R esolutionen v e rfa ß t - u.a. zu r „E in ric h tu n g eines europäischen Netzes vo n D auerbeobachtungsflächen im Ö kosystem W a ld ", zur „E rh a ltu n g d e r genetischen Ressourcen des W a l­ des" und zu einem „E uropäischen For­ schungsnetz über W aldökosystem e". Die N ach fo lge -K o n fe re n z 1993 in H el­ sinki schloß m it w e ite re n R esolutionen ab. Die bedeutsam sten fü r eine S trate­ gie z u r E rhaltung „H istorisch a lte r W ä ld e r" sind die „A llg e m e in e n R ichtli­ nien fü r d ie E rhaltung der B io d ive rsitä t d e r W ä ld e r Europas" und die sog. „H1 "-R e so lu tio n : „A llg e m e in e R ichtli­ nien zu r nach h a ltig e n B e w irtschaftung d e r W ä ld e r Europas". W enngleich die In h a lte d e r Resolutionen a llgem ein ge ­ h a lte n sind, so setzt besonders die z u ­

le tz t g e n a n n te „H1 "-R e so lution neue A k ze n te . Die E rhaltung der b io lo g i­ schen V ie lfa lt, der P ro d u k tiv itä t, d e r Re­ g e n e ra tio n s fä h ig k e it und d e r V ita litä t w e rd e n d o rt als g le ic h ra n g ig e Z iele fü r d ie B e w irtsch a ftu n g der W ä ld e r E uro­ p a sg e n a n n t. W e ite re M ö g lic h k e ite n k ö n n te n sich aus d e r g e z ie lte n (U m -)Lenkung von s tru k tu rp o litis c h e n und fo r s tw ir t­ sch a ftlich e n F ö rd e rm itte ln aus d e r EG fü r d ie E rhaltung „H isto risch a lte r W ä ld e r" ergeben (siehe auch B ader u nd M a y 1993). 3.2. Gesetzlicher Schutz fü r „Historisch alte W älder" in Deutschland? W e d e r die N aturschutzgesetze noch die W a ld g e setzg e b u n g D eutschlands n e h ­ m en Bezug a u f die S c h u tz b e d ü rftig k e it „H isto risch a lte r W ä ld e r". Nach Landes­ re ch t g ib t es die M ö g lic h k e it, „H is to ­ risch a lte W ä ld e r" nach N a tu rsch u tzg e ­ setz als N a tu rsch u tzg e b ie te au szu w ei­ sen. Der tatsächliche S chutzzw eck z ie lt a b e r zum eist a u f den Schutz von beson­ deren A rte n u n d /o d e r Lebensräum en (seltene W aldgesellschaften, H ude­ o d e r M itte lw ä ld e r etc.). So w ird im

S te g in k-H m d riks ■H istorische W ä ld e r - ih re B e rü cksich tig u n g in K o n ze p te n u n d P ro g ra m m e n

In h a lt k o n k re te r S ch u tzg e b ie tsve ro rd ­ n ungen bis je tz t auch n ic h t a u f den be­ sonderen S chutzzw eck „H isto risch a lte r W a ld " Bezug g e n o m m en . Eine w e ite re naturschutzgesetzliche M ö g lic h k e it be­ stünde durch die A u fn a h m e e in e r K ate­ g o rie „H istorisch a lte r W ä ld e r" in §20c BNatSchG bzw. in die entsprechenden der nach Landesrecht „B esonders ge­ schützten B io to p e ". Nach B undes-W aldgesetz g ib t es g rundsä tzlich die M ö g lic h k e it, Schutz­ w ä ld e r auszuw eisen (§ 12 BWaldG). Doch ist diese R ahm envorgabe in den einzelnen B undesländern unte rsch ie d ­ lich um g esetzt w o rd e n . W ä h re n d es in S üddeutschland historisch b e d in g t eine längere T ra d itio n im Bereich der S chutzw aldausw eisung u n te r N a tu r­ schutzgesichtspunkten g ib t (z.B. die „B a n n w ä ld e r" B ade n -W ü rtte m b e rg s), ist dieses In s tru m e n t in N orddeutsch­ land kaum e n tw ic k e lt. D a m it die Forst­ w irts c h a ft eine g la u b w ü rd ig e re Rolle fü r einen e ig e n s tä n d ig e n N aturschutz­ b e itra g ü b e rn e h m e n kann, s o llte sie ihre rechtlichen R ahm e n b e d in g u n g e n gem einsam m it dem N aturschutz zu m o d ifiz ie re n suchen. In s p ie g e lb ild li­ cher A n a lo g ie zu r „L a n d w irts c h a fts ­ klausel" des N aturschutzrechtes kö n n te eine „N a tu rs c h u tz k la u s e l" im W aldgesetz e in e r n a tu rs c h u tz o rie n tie r­ te n F orstw irts c h a ft zu m e h r gesell­ schaftspolitischer G la u b w ü rd ig k e it ve rh e lfe n . Eine solche R egelung e rm ö g ­ lic h t zugleich ein e n gesellschaftlich le­ g itim ie rte n B eitrag d e r F o rstw irtsch a ft zu m ehr N a tu rs c h u tz q u a litä t im Rah­ m en e in e r n a c h h a ltig e n N a tu r-N u t­ zung. Ein fo rs ts e itig in itiie rte s Pro­ gram m zum Schutz „H isto risch a lte r W ä ld e r" w äre in b esonderer Weise ge­ eig net, einen e ig e n s tä n d ig e n Beitrag zum N aturschutz zu lie fe rn . Erste A n ­ sätze fü r eine solche E n tw icklu n g fin ­ den sich in Niedersachsen („P ro g ra m m zur la n g fris tig e n Ö kologischen W aldE n tw ic k lu n g " NDS-ML 1992) und N ord­ rh ein -W estfa len („W a ld w irts c h a ft 2000" bzw. „B u c h e n w a ld k o n z e p t NRW " NRW-MURL 1990). 3.3. Schutz „Historisch alter W älder" durch N aturw aldreservate A ndere P rogram m e, d ie fü r den Schutz de r „H istorisch a lte n W ä ld e r" heute schon einen B e itra g zu leisten ve rm ö ­ gen, sind die im ersten europäischen

N aturschutzjahr 1970 b e g o nnenen Ausweisungen von N a tu rw a ld re se rva ­ te n . Das Ziel dieser P rogram m e ist die E ntw icklu n g eines b u n d e sw e ite n , re­ präsentativen Systems von N a tu rw a ld ­ reservaten. In diesen N a tu rw a ld re s e r­ vaten sind je g lich e N utzu n g e n , aber auch P fle g e e in g riffe ausgeschlossen, denn diese G ebiete die n en als Refe­ renzflächen fü r den U rw a ld von m o r­ gen. W ährend d ie K o o rd in a tio n der A usw ahl durch das Bundesam t fü r Na­ tu rschutz - BfN - ü b e rn o m m e n w u rd e , b e te ilig te n sich v o r allem auch die Lände r-F orstve rw a ltu n g e n an diesem Pro­ gram m . Schließlich w u rd e 1988 a u f Be­ schluß der W a ld b a u re fe re n te n des Bun­ des und d er Länder sow ie des Ständigen Ausschusses der A rb e itsg e m e in sch a ft F orsteinrichtung die P ro je k tg ru p p e „N a tu rw a ld re s e rv a te " g e g rü n d e t. Die Ausw ahl d e r G ebiete w a r p rio ritä r an na tü rlich e n W a ldgesellschaften und an einer rä u m lich ausgew ogenen V e rte ilu ng der Reservate a u f Ebene der fo rstlich e n W uchsbezirke o rie n tie rt. In den neuen „E m p fe h lu n g e n fü r die Ein­ ric h tu n g und B e tre u u n g von N a tu r­ w a ld reservaten in D e u tsch lan d " (Pro­ je k tg ru p p e N a tu rw a ld reservate 1993) w ird die B erücksichtigung m ö g lich st w e n ig ve rä n d e rte r „ a lte r W a ld s ta n d ­ o rte " bei der A usw ahl g e e ig n e te r Ge­ b iete e m p fo h le n . D a m it w ird z w a r der A spekt „H istorisch a lte r W a ld " zu e i­ nem Teil be rü cksich tig t, aber ein syste­ m atischer Schutz w ird d a m it n ic h t e r­ reicht. Ein eigenständiges bundesw eites Program m fü r die E rh a ltu n g und den Schutz „H istorisch a lte r W ä ld e r" e rü b ­ rig ts ic h d a m it nicht. 3.4. Erfassung „Historisch alter W ä l­ der" durch Biotopkartierungen Seit M itte der 70er Jahre w e rd e n in d e r B undesrepublik B io to p k a rtie ru n g e n d u rc h g e fü h rt. Es h a n d e lt sich um be­ schreibende E lem ente des B io to p ­ schutzes, die einen Ü berblick ü b e r den Zustand und die V e rte ilu n g von B io to ­ pen erm öglichen. Nach o b je k tb e z o g e ­ nen S chw erpunkten lassen sich B io to p ­ k a rtie ru n g e n in d e r fre ie n Landschaft von W a ld b io to p k a rtie ru n g e n in w a ld ­ b e to n te n G ebieten unterscheiden. W ährend die B io to p k a rtie ru n g e n d e r fre ie n Landschaft sich als In s tru m e n t der N aturschutz-Fachbehörden e n tw ik -

k e lt haben (D rachenfels und M e y 1988, Eder et. al. 1988, Rieken und Blab 1989), sind die W a ld b io to p k a rtie ru n g e n in e in ze ln e n B undesländern von den fo rs tlic h e n F achbehörden (H anstem und S turm 1986) bzw. durch fo rs tlic h e In s titu te (A m m e r und U tschik 1982) e n tw ic k e lt und auch d u rc h g e fü h rt w o r ­ den (W a ld e n sp u h l 1990). „H isto risch a lte W ä ld e r" w e rd e n von den B io to p k a rtie ru n g e n d e r fre ie n Landschaft in keinem d e r d e rz e itig e n V e rfa h re n systematisch e rfa ß t. Um eine solche Erfassung „H isto risch a lte r W ä l­ d e r" zu e rm ö g lich e n , m ü ß te n die Bioto p typ e n -S ch e m a ta v e rä n d e rt w e rd e n und z.B. bei den W a ld ty p e n das A lte r des b e tre ffe n d e n W a ld g e b ie te s m it a n ­ gegeben w e rd e n . Zur V e re in fa c h u n g kann m an sich a u f fe s tz u le g e n d e Fixda­ te n beziehen. Für Niedersachsen z.B. a u f „W a ld g e b ie te , die v o r 1780 schon b e w a ld e t w a re n " und „W a ld g e b ie te , d ie erst nach 1780 a u fg e fo rs te t w o rd e n s in d " (vgl. Keim 1994, in diesem H eft). Diese U n te rg lie d e ru n g w ird im Rahmen d e r fo rs tlic h e n W a ld b io to p k a rtie ru n g Niedersachsens (K a s tle t. al. 1986) u n te r dem K a rtie rk rite riu m „N a tu rn ä h e des S ta n d o rte s" seit 1985 ein g ese tzt. D a m it v e rfü g t d ie W a ld b io to p k a rtie ru n g N ie­ dersachsens z w a r schon ü b e r u m fa n g ­ reiche D atenbestände in bezug a u f n ie ­ dersächsische „H isto risch a lte W ä ld e r" - doch b le ib e n die Privat-, K o m m u n a lund K ö rp e rsch a ftsw ä ld e r h ie rb e i bisher v ö llig u n b e rü c k s ic h tig t. Der a u f B un­ desebene o rg a n is ie rte „A rb e its k re is fo rs tlic h e Landespflege in d e r Länder­ a rb e itsg e m e in sch a ft F o rs te in ric h tu n g " b e a rb e ite t das Them a „W a ld b io to p k a r­ tie ru n g e n - V e rfa h re n un d S tandards" seit 1990. Dieser A rb e itskre is e m p fie h lt die system atische Erfassung d e r „H is to ­ risch a lte n W ä ld e r" fü r die B undeslän­ d e r im Rahmen von W a ld b io to p k a rtie ­ ru n g e n . Die W a ld b io to p k a rtie ru n g e n sind - was die Erfassung d e r „H isto risch a lte n W ä ld e r" a n g e h t - d ie d e rz e it ausg e re ifte s te n V e rfa h re n. Da tr o tz des flä ­ chendeckenden Anspruches m ancher fo rs tlic h e r W a ld b io to p k a rtie ru n g le­ d ig lic h n u r Teile d e r G esam tlandschaft und te ilw e is e auch n u r e in ze ln e W a ld ­ be sitza rte n (in Niedersachsen z.B. fa st ausschließlich Lan d e sw aldflächen) e r­ fa ß t w e rd e n , ist es e rfo rd e rlic h , auch die B io to p k a rtie ru n g d e r fre ie n Land­ schaft durch die N aturschutz-F achbe­ h ö rd e n a u f Bundes- un d Länderebene 157

S te g in k -H in d rik s • H istorische W ä ld e r - ih r e B e rü cksich tig u n g in K o n ze p te n und P rogram m en

um eine Erfassung „H isto risch W ä ld e r" zu ergänzen.

a lte r

3.5. Behandlung „Historisch alter W älder" H andlungsziel in „H isto risch a lte n W ä ld e rn " ist die E rh a ltu n g d e r H a b ita t­ k o n tin u itä t (bzw. eine W ie d e ra n k n ü p ­ fu n g daran). Im w e se n tlich e n g e h t es dabei um die G ew ä h rle istu n g d e r K on­ tin u itä t historisch gew achsener Bau­ m artenzusam m ense tzu n g e n , des (be­ e in flu ß b a re n ) historischen S törungsre­ gim es (H istorische W a ld -N u tz u n g s fo r­ m en und -in te n s itä te n ) bzw. ih re r W ir­ k u n g e n a u f das rä u m lic h -fu n k tio n a le G efüge in „H istorisch a lte n W ä ld e rn ". K o n tin u itä t der B au m artenzusam m en­ setzung ist zum eist auch durch n a tu r­ nahe W aldgesellschaften (= e in e r p o ­ te n tie ll n a tü rlich e n W a ldgesellschaft entsprechend) g e p rä g t, deren V o rk o m ­ m en im niedersächsischen Flachland fa s t ausschließlich in „H isto risch a lte n W ä ld e rn " zu fin d e n sind (vergl. Keim und W u lf 1994, in diesem H eft). Ein generelles Einstellen d e r B e w irt­ sch a ftu n g ist zur E rh a ltu n g dieser W ä ld e r n u r in A u sn a h m e fä lle n sinn­ v o ll. Die n o tw e n d ig e n B e h a ndlungen müssen alle rd in g s d e r besonderen Ei­ g e n a rt de r G ebiete a n g e p a ß t e rfo l­ gen. Solche O rie n tie ru n g schließt in je ­ dem Falle in „H istorisch a lte n W ä ld e rn " aus: ■ B o d e n b e a rb e itu n g e n , Entwässe­ ru n g e n und sonstige E in g riffe in den Boden, die die B o d e n la g e ru n g s v e rh ä lt­ nisse verändern. ■ Eine E in b rin g u n g / D u ld u n g von B aum arten, die in dem b e tre ffe n d e n W u ch sg e b ie t seit w e n ig e r als 400 Jah­ ren V orkom m en („a llo c h th o n e A rte n " bzw . „N e o p h y te n " i. S. v. Sukopp und K o r neck 1988). Die in diesem Rahmen e rfo lg e n d e fo rs tlic h e N u tzu n g m uß b o d e n - u nd be­ standesschonend e rfo lg e n und a u f V o r­ ko m m e n seltener A rte n , n a tü rlic h e r S tru k tu rv ie lfa lt u.ä. Rücksicht nehm en. W e ite rg e h e n d e w irts c h a ftlic h e Ein­ schränkungen kön n e n e rfo rd e rlic h sein, w e n n z. B. das b e tre ffe n d e G ebiet g le ic h z e itig eine hohe H a b ita ttra d itio n fü r to th o lz b e w o h n e n d e O rganism en a u fw e is t. H ier sollte die fo rs tlic h e Pla­ n u n g z. B. auch eine K o n tro lle de r Nach­ h a ltig k e it von T otho lzsu b stra te n , ih re r rä u m lich e n V e rte ilu n g und z e itlic h be­

158

d in g te n V e rfü g b a rk e it gew ä hrle iste n können.

4 . Z u sam m en fassu n g Die B e deutung „H istorisch a lte r W ä l­ d e r" und des ökologischen Faktors „Z e it" w ird in bezug a u f die T raditions­ a b h ä n g ig k e it k o n k re te r Lebensräume e rlä u te rt. Es w ird a u f die N o tw e n d ig ­ k e it hingew iesen, die z e itlic h -rä u m li­ che K o n tin u itä t von Lebensräumen bei n a tu rsch utzre le va n te n B etrachtungen zu beachten. Die diesbezüglichen, m e­ th o d o lo g is c h b e d in g te n Beschränkun­ gen b isheriger B iotop typ e n b e sch re i­ b u n g e n w e rd e n angesprochen. K on­ k re te Zielsetzungen fü r die B ehandlung „H isto risch a lte r W ä ld e r" w erden v o r­ g e ste llt. D arüber hinaus w ird die Be­ d e u tu n g d e r „H istorisch alten W ä ld e r" fü r das europäische N aturerbe, ih r re ch tlich e r Status a u f europäischer und n a tio n a le r Ebene d a rg e ste llt. Aus d ie ­ sen D arstellungen w e rd e n Vorschläge zu r Verbesserung des rechtlichen Schut­ zes und de r Erfassung der „H istorisch a l­ te n W ä ld e r" a b g e le ite t.

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S te g in k-H in d riks • Historische W ä ld e r - ih r e B e rü cksich tig u n g in K o n ze p te n u n d P ro g ra m m e n

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topschutz. - Shr.R. V e g e ta tio n skd e . 19. 210 S. Bonn-Bad G odesberg. Sturm , K., 1989: Was b rin g t die n a tu rg e ­ mäße W a ld w irts c h a ft dem N a tu r­ schutz? NNA-Ber. (2) 3 :1 5 4 -1 5 8 . Sturm , K., W estphal, 1991: G a n zflä ­ chige W a ld b io to p k a rtie ru n g im Saarland (u n v e rö ff. Mskr. 140 S.). Sturm , K., 1993: Prozeßschutz als N a tu r­ s ch u tzko n ze p t fü r eine n a tu rs c h u tz ­ gerechte W a ld w irts c h a ft, Landschaftsökol. u. Natursch. 3: 9 8-116. Thienem ann, 1954: Ein d ritte s b io z ö n o tisches G ru n d p rin zip . - A rch. Hyd ro b io l. 4 9 :4 2 1 -4 2 2 . Trepl, 1987: Geschichte de r Ö k o lo g ie . 368 S. Berlin. Volz, 1993: F o rstw irtsch a ft und F orstpo­ litik in den Europäischen G em ein­ s c h a fte n .-H o lz Z e n tra lb l. 110:17221726 u. 116:1805-1808. W aldenspuhl, 1991: W a ld b io to p k a rtie ­ ru n g sverfahren in der B undesrepu­ b lik D eutschland. - Diss. Forstwiss. Fak. Univ. Freiburg. 261 S. Walter, Breckle, 1983: Ö k o lo g ie der Erde -1 8 6 S. Bd. 1, S tu ttg a rt. W atkins, C, 1990: W o o d la n d M a n a g e ­ m e n t and C onservation. - 156 S. London. W ulf, M ., 1992: V e g e ta tio n s k u n d lic h e und ökologische U ntersuchungen zum V o rko m m e n g e fä h rd e te r P flanzenarten in F e u chtw äldern N ordw estdeutschlands. - Diss. bot. 185, 246 S. B e rlin /S tu ttg a rt. Ziem en, S chützt die N a tu r v o r den Na­ tu rsch ü tze rn . N a tu r 6: 54-57. Z w ö lfe r et. al., 1984: Die T ie rö k o lo g i­ sche B edeutung und B e w e rtu n g von Hecken. - Beih. 3, Teil 2. Ber. d. ANL. 155 S. Laufen/Salzach.

A n sc h rift des V e rfa sse rs L udw ig S te g in k-H in d riks A m G oldberg 5 D-27798 Hude

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Veröffentlichungen aus der NNA M itteilun g en aus der NNA* 1. Jahrgang (1990) H e ft 1: S e m in a rb e iträ g e zu den Them en - N a tu rn a h e G e sta ltu n g vo n W e g - u n d F eldrainen - D o rfö k o lo g ie in d e r D o rfe rn e u e ru n g - B e a u ftra g te fü r N a tu rsch u tz in Niedersachsen: A nspruch u nd W irk lic h k e it - B od e n a b ba u : fa ch lich e u n d re c h tlic h e G ru n d la g e n (T ä tig k e its b e ric h t vo m FÖJ 1988/89) H e ft 2: (v e rg riffe n ) B e iträ g e aus dem Sem inar - D er L a n dsch a ftsrah m e n p lan : L e itb ild u n d Z ie lk o n ­ z e p t, 14./15. M ärz 1989 in H a n n o ve r H e ft 3: S e m in a rb e iträ g e zu d en Them en - Landschaftsw acht: A u fg a b e n , V o llz u g s p ro b le m e und Lösungsansätze - N a tu rs c h u tz p ä d a g o g ik Aus d e r la u fe n d e n Forschung an d e r NNA - B elastung d e r L ü n e b u rg e r H eide d u rch m a n ö ve r­ b e d in g te n S ta u b e in tra g - A u ftre te n u n d V e rte ilu n g vo n L a u fk ä fe rn im P ie tz m o o r u n d Freyerser M o o r H e ft 4: K u n sta u sste llu n g ska ta lo g „ In te g r a tio n " H e ft 5: (v e rg riffe n ) H e lft Nordsee und Ostsee - U rla u b e r-P a rla m e n t S ch le sw ig -H o lste in - B e rich t über d ie 2. S itzung am 24./25. N o ve m b e r in Bonn

2. Jahrgang (1991) H e ft 1: B e iträ g e aus dem Sem inar - Das Niedersächsische M o o rs c h u tz p ro g ra m m - e in e B ila n z -2 3 ./2 4 . O k to b e r 1990 in O ld e n b u rg H e ft 2: B e iträ g e aus d en Sem inaren - O b stb äu m e in d e r Landschaft - B io to p k a rtie ru n g im b e sie d e lte n Bereich - S icherung d ö rflic h e r W ild k ra u tg e s e lls c h a fte n E in z e lb e iträ g e zu be so nd e re n T hem en - Die H a rth o lza u e u n d ih r O b s tg e h ö lz a n te il - Der Bauer in d e r In d u strie g e se llsch a ft Aus d e r la u fe n d e n P ro je k ta rb e it an d e r NNA - Das P ro je kt S tre u ob stw ie se 1 9 8 8-1990 H e ft 3: B e iträ g e aus dem Fachgespräch - Feststellung, V e rfo lg u n g u n d V e ru rte ilu n g von V e rg e he n nach M ARPO LI, II u n d V B e itra g vom 3. A d v e n ts k o llo q u iu m d e r NNA - S ynethie u n d A llo e th ie bei A n a tid e n Aus d e r la u fe n d e n P ro je k ta rb e it an d e r NNA - Ö k o lo g ie vo n K leingew ässern a u f m ilitä risch e n Ü bu n g sfläch e n - U n te rsu ch u n g e n zu r K ra n k h e its b e la s tu n g vo n M ö w e n aus N o rd d e u tsch la n d - Ergebnisse des „B eached Bird S urvey" H e ft 4: B e iträ g e aus den S em inaren - B o d e n e n tsie g e lu n g - N a tu rn a h e A n la g e u n d Pflege vo n G rü n a n la g e n - N a tu rs c h u tzg e b ie te : K o n tro lle ih re r E n tw ic k lu n g u n d Ü b e rw a ch u n g H e ft 5: B e iträ g e aus den Sem inaren - N a tu rsch u tz in d e r R a u m p la n u n g - N a tu rsch u tzp ä d ag o g isch e A n g e b o te u nd ih re N u tz u n g d u rch Schulen - Extensive N u tz tie rh a ltu n g - W e g ra in e w ie d e re n td e c k e n Aus d e r la u fe n d e n P ro je k ta rb e it an d e r NNA - Flederm äuse im NSG L ü n e b u rg e r Heide -

U n ters u ch u n g en von R e h w ild p o p u la tio n e n im Bereich d e r L ü n e b u rg e r H e id e

H e ft 6: B e iträ g e aus den Sem inaren - H e rb iz id v e rz ic h t in S tä d te n u n d G e m e in d e n E rfa h ru n g e n und P roblem e - R e n a tu rie ru n g vo n Fließgew ässern im n o rd ­ deutschen Flachland

- Der K re is b e a u ftra g te f ü r N a tu rsch u tz im Spannungs­ fe ld vo n B e h ö rde n , V e rb ä n d e n u n d Ö ffe n tlic h k e it B eitrag vom 3. A d v e n ts k o llo q u iu m d e r NNA - Die Rolle d e r Z o o lo g ie im N a tu rsch u tz H e ft 7: B e iträge aus dem F a ch ve rw a ltu n g sle h rg a n g L andespflege f ü r R e fe re n d a re d er F ach rich tu ng L andespflege aus den B u n d e slä n d ern v o m 1. bis 5. 10. 1990 in H a n n o ve r

3. Jahrgang (1992) H e ft 1: B e iträ g e aus dem F a ch ve rw a ltu n g sle h rg a n g L andespflege (F o rtse tzu n g ) - L a n d w irts c h a ft u n d N a tu rsch u tz - O rd n u n g sw id rig ke ite n und S tra fta te n im Naturschutz H e ft 2: B e iträ g e aus den S em inaren - A llg e m e in e r B iotopschutz - Um setzung des § 37 NNatG - L a n dsch a ftsp la n u ng d e r G e m e in d e n - B a u le itp la n u n g und N a tu rsch u tz B e iträge vo m 3. A d v e n ts k o llo q u iu m d e r NNA - N a tu r p ro d u z ie re n - e in neues P ro d u k tio n s p ro g ra m m fü r den Bauern - O rn ith o p o e s ie - V e rg le ich e n d e U n te rsu ch u n g d e r L ib e lle n fa u n a im O b e rla u f d e r Böhm e

4. Jahrgang (1993) H e ft 1: B e iträge aus d en S em inaren - N a tu rn a h e A n la g e und Pflege von Rasen- und W iesenflächen - Zur S itu a tio n des Naturschutzes in d e r Feldm ark - Die Z u k u n ft des N a tu rsch u tzg e b ie ts L ü n e b u rg e r Heide S o n d e rh e ft „E in e r tra g e des A n d e re n Last" 12782 Tage S olta u -Lü n e b u rg A b ko m m e n H e ft 2: Beiträge aus dem Sem inar - Betreuung von Schutzgebieten u. schutzw ürdigen Biotopen - Aus d e r la u fe n d e n P ro je k ta rb e it an d e r NNA - T ritt- und R uderalgeseilschaften a u f H o f M ö h r - Eulen im S ie d lu n g sg e biet d e r L ü n e b u rg e r Heide - B ib lio g ra p h ie S ä u g e tie rku n d e H e ft 3: Beiträge aus den Sem inaren - V ollzug der E in g riffsre g e lu n g - N aturschutz in d e r U m w e ltv e rträ g lic h k e its p rü fu n g - B a u le itp la n u n g und N aturschutz H e ft 4: Beiträge aus den Sem inaren - N aturschutz bei Planung, Bau u. U n te rh a ltu n g vo n Straßen - M o d e lle d e r K o o p e ra tio n zw ischen N aturschutz u nd L a n d w irtsch a ft - N aturschutz in d e r L a n d w irtsch a ft H e ft 5: Beiträge aus den Sem inaren - N aturschutz in d e r F orstw irtsch a ft - B io lo g ie und Schutz d e r Flederm äuse im W ald H e ft 6 : Beiträge aus den Sem inaren - Positiv- und Erlaubnislisten - neue W ege im A rte n schu tz - N orm en u nd N a tu rsch u tz - S ta n d o rtb e s tim m u n g im N a tu rsch u tz Aus d e r la u fe n d e n P ro je k ta rb e it an d e r NNA - Die P fla n z e n k lä ra n la g e d e r N N A -B e tr ie b und U n te r­ suchungsergebnisse

5. Jahrgang (1994) H e f t l: B e iträ g e aus den Sem inaren - N a tu rsch u tz als A u fg a b e d e r P o litik - G e n te ch n ik u n d N a tu rsch u tz H e ft 2: B e iträge aus den Sem inaren - N a tu rs c h u tz s ta tio n e n in Niedersachsen - M a ß n a h m e n zum Schutz vo n Hornissen, H u m m e ln u nd W espen - A k tu e lle Them en im N a tu rsch u tz u n d in d e r L a n d ­ sch a ftspfle g e

* Bezug über die NNA; e rfo lg t a u f Einzelanforderung. A lle H e fte w erden gegen eine Schutzgebühr abgegeben (je nach Um fang zwischen 5 , - D M und 15,- D M ).

Veröffentlichungen aus der NNA NNA-Berichte*

Band 5 (1992)

H e ft 1: (v e rg riffe n ) Der L a n dsch a ftsrah m e n p lan • 75 Seiten H e ft 2: M ö g lic h k e ite n , P ro b le m e u nd A ussichten d er A u s w ild e ­ ru n g von B irk w ild (Tetrao te trix ); Schutz u nd Status der R a u h fu ß h ü h n e r in Niedersachsen ■60 Seiten

H e ft 1: (v e rg riffe n ) Z iele des N aturschutzes - V e rä n d e rte Rah­ m e n b e d in g u n g e n e rfo rd e rn w e ite rfü h re n d e K o n z e p te • 8 8 Seiten H e ft 2: N a tu rs c h u tz k o n z e p te f ü r das E u ro p are se rva t D ü m m e r a k tu e lle r Forschungsstand u n d P erspektive • 72 Seiten H e ft 3: N a tu ro rie n tie rte A b w a sse rb e h a n d lu n g • 6 6 Seiten H e f t 4: E xte n sivie ru ng d e r G rü n la n d n u tz u n g - Technische u n d fa ch lic h e G ru n d la g e n • 80 Seiten

Band 2 (1989)

Sonderheft (vergriffen)

H e ft 1: E u tro p h ie ru n g - das g ra vie re n d ste Problem im U m w e ltsch u tz? ■70 Seiten H e ft 2: 1. A d v e n ts k o llo q u iu m d e r NNA • 56 Seiten H e ft 3: N aturgem äße W a ld w irts c h a ft und Naturschutz • 51 Seiten

B e tre u u n g u nd Ü b e rw a ch u n g vo n S ch u tzg e b ie te n • 96 Seiten

Band 1 (1988)

Band 3 (1990) H e ft 1: O b stb äu m e in d e r L a n d s c h a ft/A lte Haustierrassen im n o rd d e u tsch e n Raum • 50 Seiten H e ft 2: (v e rg riffe n ) E xte n sivie ru ng und F läch e n stille g u n g in d e r L a n d w irt­ s c h a ft/B o d e n o rg a n is m e n u nd Bodenschutz • 56 Seiten H e ft 3: N a tu rsch u tzfo rsch u n g in D eutschland ■70 Seiten

Sonderheft B io lo g isc h -ö k o lo g isch e B e g le itu n te rs u c h u n g zum Bau u n d B e trie b von W in d k ra fta n la g e n - E n d b e richt • 124 Seiten

Band 4 (1991) H e ft 1: (v e rg riffe n ) Einsatz und u n k o n tro llie rte A u sb re itun g frem dländischer Pflanzen - Florenverfälschung oder ökologisch bedenkenlos?/N aturschutz im G e w e rb e g e b ie t ■8 8 Seiten H e ft 2: N a tu rw ä ld e r in Niedersachsen - B edeutung, Behand­ lung, Erforschung • 80 Seiten

Band 6 (1993) H e ft 1: L a n dsch a ftsä sth etik - e ine A u fg a b e f ü r d e n N a tu r­ schutz? -48 Seiten H e ft 2: „R a n g e r" in S ch u tzg e b ie te n - E h re n a m t o d e r s ta a tlic h e A u fg a b e ? • 114 Seiten H e ft 3: M e th o d e n u n d a k tu e lle P roblem e d e r H e id e p fle g e • 80 Seiten

Band 7 (1994) H e ft 1: Q u a litä t u n d S te lle n w e rt b io lo g is c h e r B e iträ g e zu U m w e ltv e rträ g lic h k e its p rü fu n g u n d Lan dsch a fts­ p la n u n g ■114 Seiten H e ft 2: E n tw ic k lu n g d e r M o o re ■104 Seiten H e ft 3: B e d e u tu n g historisch a lte r W ä ld e r fü r d en N a tu rs c h u tz • 159 Seiten

* Bezug ü ber die NNA; e rfo lg t a u f E inzelanforderung. A lle H e fte w erden gegen eine Schutzgebühr ab g eg eb en (je nach U m fan g zw ischen 5,- D M und 15,- DM ).

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