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ADAC Reiseführer Berlin Museen ∙ Architektur ∙ Märkte ∙ Plätze ∙ Parks Aussichtspunkte ∙ Nachtleben ∙ Hotels ∙ Restaurants Sonderedition! ADAC R...

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ADAC

Reiseführer

Berlin Museen ∙ Architektur ∙ Märkte ∙ Plätze ∙ Parks Aussichtspunkte ∙ Nachtleben ∙ Hotels ∙ Restaurants

Sonderedition!

ADAC

Reiseführer

Berlin  Potsdam mit Sanssouci  Museen ∙ Architektur ∙ Märkte ∙ Plätze ∙ Parks  Aussichtspunkte ∙ Nachtleben ∙ Hotels ∙ Restaurants  Die Top Tipps führen Sie zu den Highlights

 von Ulrike Krause

Intro Berlin Impressionen

25 B  erliner Abgeordnetenhaus und

6

Die junge Wilde – glorreiche Renaissance einer fabelhaften Hauptstadt > Reise-Video Berlin 11

Geschichte, Kunst, Kultur im Überblick

12

Vom märkischen Dorf zur deutschen Metropole

26 27 28 29 30

Detlev-Rohwedder-Haus 47 Museum für Kommunikation  48 Martin-Gropius-Bau 48 Topographie des Terrors  48 Checkpoint Charlie  49 Ehem. Anhalter Bahnhof  50

Kulturforum, Botschaftsviertel und Tiergarten – Kultur, Politik und Natur in 52 schöner Eintracht 31 St.-Matthäus-Kirche 52 32 Gemäldegalerie 53 33 Kupfer­stichkabinett und

Unterwegs

­Kunstbibliothek  54

Brandenburger Tor und Reichstag, ­ Unter den Linden und Friedrichstraße – das alte Preußen lässt grüßen 18 1

Brandenburger Tor  18 > Reise-Video Brandenburger Tor 20 2 Pariser Platz  20 3 Reichstag 21 > Reise-Video Reichstag 23 4 Regierungsviertel 23 5 Holocaust-Mahnmal 24 > Audio-Feature Holocaust-Mahnmal 24 6 Unter den Linden  25 7 Staatsbibliothek zu Berlin (Bau 1)  und Denkmal Friedrichs des Großen  27 8 Humboldt-Universität  28 9 Neue Wache  28 10 Deutsches Historisches Museum  29 > Audio-Feature Deutsches Historisches Museum 29 11 Kommandantenhaus, Kronprinzen­palais und Prinzessinnenpalais 29 12 Friedrichswerdersche Kirche  – Schinkelmuseum 30 13 Staatsoper Unter den Linden  31 14 Bebelplatz 32 15 Gendarmenmarkt 33 16 Friedrichstraße 34

Lustgarten, Museumsinsel und Schlossplatz – preußische Prachtbauten und weltberühmte Museen 36 17 Lustgarten 36 18 Berliner Dom  37

> Audio-Feature Berliner Dom 38

19 Museumsinsel 38

34 Kunstgewerbemuseum 54 35 Musikinstrumenten-Museum 55 36 Berliner Philharmonie  55 37 Staatsbibliothek zu Berlin (Bau 2)  56 38 Neue Nationalgalerie  56 39 Gedenkstätte Deutscher

Widerstand  57

40 Bauhaus-Archiv – Museum für

Gestaltung 57 Botschaftsviertel 58 Tiergarten 58 Siegessäule 59 Schloss Bellevue  60 Hansaviertel 60 Haus der Kulturen der Welt  61

41 42 43 44 45 46

Zwischen Alexanderplatz und Märkischem Ufer – Alt-Berlin und Zukunftstrends

62

47 Alexanderplatz 62 48 Fernsehturm 64

> Reise-Video Fernsehturm 64 Berliner Rathaus (Rotes Rathaus)  64 St. Marienkirche  65 DomAquarée 65 Nikolaiviertel und Nikolaikirche  66 > Reise-Video Nikolaiviertel 68 53 Ephraim-Palais und Knoblauchhaus 68 54 Palais Schwerin  68 55 Altes und Neues Stadthaus  69 56 Parochialkirche 69 57 Ehem. Franziskanerklosterkirche  70 58 Amtsgericht Mitte  70 59 Ermeler Haus  70 60 Märkisches Museum  71 49 50 51 52

> Reise-Video Museumsinsel 41

Vom Scheunenviertel zur Bernauer Straße – Kiez, Kultur und Orte des Gedenkens72

Rund um den Potsdamer Platz – der Nabel der Stadt gestern und heute

61 62 63 64 65 66

20 Schlossplatz 42 21 Breite Straße  43 22 Brüderstraße 43

23 Potsdamer Platz  44

> Reise-Video Potsdamer Platz 46

24 Leipziger Platz  46

44

Volksbühne 72 Hackesche Höfe  73 Sophienstraße 74 Alter Jüdischer Friedhof  74 Oranienburger Straße  75 Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum 77

67 D  eutsches Theater und

­Kammerspiele  77

68 Berliner Ensemble  78 69 Charité 78 70 Berlin Hauptbahnhof  79 71 Hamburger Bahnhof –

Museum für Gegenwart – Berlin  80

72 Museum für Naturkunde  81 73 Dorotheenstädtischer Friedhof  82 74 Gedenkstätte Berliner Mauer  82

Prenzlauer Berg und Friedrichshain – Lifestyle in alten Arbeitervierteln

84

75 76 77 78 79 80 81 82 83

Jüdischer Friedhof  84 Kollwitzplatz und Synagoge  85 Prater Garten  86 KulturBrauerei 86 Gethsemanekirche 87 Zeiss-Großplanetarium 87 Volkspark Friedrichshain  88 Karl-Marx-Allee 88 Warschauer Straße und East Side Gallery  89 84 Oberbaumbrücke 90

Kreuzberg – Kunst und Architektur zwischen Kiez und In-Szene

92

85 Paul-Lincke-Ufer und Maybachufer  92 86 Mariannenplatz 93 87 Werkbundarchiv – Museum der

Dinge 94

88 Zeitungsviertel 94 89 Berlinische Galerie  95 90 Jüdisches Museum Berlin  95

> Reise-Video Jüdisches Museum 96 Friedhöfe Hallesches Tor  96 Riehmers Hofgarten  97 Bergmannstraße 97 Viktoriapark  98 Deutsches Technikmuseum  98

91 92 93 94 95

Von Hohenschönhausen nach Friedrichs­felde und Treptow-Köpenick – Streifzüge durch den Berliner Osten 100 96  Gedenkstätte Berlin-Hohenschön­

hausen 100

97  Tierpark und Schloss Friedrichsfelde 102 98 Altstadt Köpenick  104 99 Schloss Köpenick  106 100 Adlershof 108 101 Anna-Seghers-Gedenkstätte 108 102 Großer Müggelsee  109 103 Treptower Park  109

Rund um den Ku’damm – flanieren, kaufen, schauen 104 105 106 107 108 109

112

Kurfürstendamm 112 Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis­kirche  115 Europa-Center 115 Käthe-Kollwitz-Museum 116 Jüdisches Gemeindehaus  117 Theater des Westens  117

110 Museum für Fotografie – Helmut



Newton Stiftung  118

111 Zoologischer Garten  119 112 KaDeWe 120

Rund um Schloss Charlottenburg – erste Adressen für Kunstfreunde

122

113 Schloss Charlottenburg  122

> Reise-Video Charlottenburg 126 Museum Berggruen  127 Sammlung Scharf-Gerstenberg  127 Bröhan-Museum 128 Rathaus Charlottenburg  128

114 115 116 117

Das Westend – von Welthandel und guter Aussicht geprägt

130

118 CityCube und Internationales Congress

Centrum (ICC)  130

119 Messe Berlin  131 120 Funkturm 131 121 Haus des Rundfunks  132 122 Georg Kolbe Museum   132 123 Le-Corbusier-Haus 132 124 Olympiastadion 133

Spandau und Reinickendorf – Seenidylle zwischen Zitadelle und Flughafen 125 126 127 128

134

Altstadt Spandau  134 Zitadelle Spandau  135 Tegeler Fließ  136 Tegeler See  136

Grunewald und Wannsee – Gartenkunst und Malerei in herrlicher Naturkulisse 138 129 130 131 132 133 134 135 136

Villenkolonie Grunewald  138 Teufelsberg 138 Jagdschloss Grunewald  139 Großer Wannsee  140 Villenviertel Alsen  140 Pfaueninsel 141 Blockhaus Nikolskoe  144 Schloss Glienicke  144

Dahlem und Zehlendorf – Exotisches aus Kunst, Kultur und Botanik

Leserforum Die Meinung unserer Leserinnen und Leser ist wichtig, daher freuen wir uns von Ihnen zu hö­ren. Wenn Ihnen dieser Reiseführer gefällt, wenn Sie Hinweise zu den Inhalten haben – Ergänzungsund Verbesserungsvorschläge, Tipps und Korrekturen –, dann kontaktieren Sie uns bitte: Redaktion ADAC Reiseführer Travel House Media GmbH Grillparzerstr. 12, 81675 München [email protected]

137 138 139 140 141 142

146

Botanischer Garten  147 Museen Dahlem  148 Freilichtmuseum Domäne Dahlem  150 Brücke-Museum 150 Freie Universität Berlin  150 Museumsdorf Düppel  151

Potsdam und Babelsberg – Glanz, Gloria und ganz großes Kino 143 Altstadt Potsdam  152 144 Schloss Sanssouci  154 145 Russische Kolonie Alexandrowka,

Pfingstberg und Volkspark  158

152

Berlin multimedial erleben

146 Neuer Garten 159 147 Hans Otto Theater 160 148 Babelsberg 160

1 Tag in Berlin/ 1 Wochenende in Berlin

191

Berlin Kaleidoskop Schatten der Vergangenheit in der Wilhelmstraße 46 Die Berliner Mauer – Geschichte und Geschichten 50 Das Scheunenviertel – heißes Pflaster für junge Kunst 75 Friedrichstadtpalast – Glamour, Glitzer, lange Beine 76 Absolute Kontrolle? Von Aufstieg und Fall der Stasi 90 Frechheit siegt – der Hauptmann von Köpenick 105 Aus Gründen der Staatsräson 107 Von Feinden zu Freunden – die Alliierten in Berlin 110 Heinrich Zilles spitzer Stift 128 Bahnbrechendes Bauen – das Erbe der Berliner Moderne 137 Ein Prominentenfriedhof 151 Besser als das Original 169 Film ab! 172

Mit Ihrem Smartphone, Tablet-PC oder Computer können Sie viele Sehenswürdigkeiten Berlins nun auch in bewegten Bildern erleben. Ergänzt wird das multimediale Angebot durch Hörstücke voller Hintergrundinformationen über die Spreemetropole.

Q Im Buch finden Sie bei ausgewählten Sehenswürdigkeiten QR-Codes sowie Internet-Adressen. > Reise-Video

Berlin QR-Code scannen oder dem Link folgen: www.adac.de/rf0117

W Öffnen Sie den QR-Code-Scanner auf Ihrem Handy und scannen Sie den Code. Gut geeignet sind Apps wie barcoo oder Scanlife.

Karten und Pläne Berlin Mitte Umschlagklappe vorn Berlin City Umschlagklappe hinten Treptow-Köpenick 102/103 Berlin – Westliche Außenbezirke 142 Potsdam 158 Berlin Übersicht 164 S- und U-Bahnnetz Innenstadt 184/185

Service Berlin aktuell A bis Z

163

Die meisten Apps schlagen Ihnen nun ein Programm zum Öffnen von Film oder Audio-Feature vor. Das iPhone startet sie automatisch. Am flüssigsten laufen die Filme bei einer WLANoder 3G-Verbindung.

Vor Reiseantritt 163 Allgemeine Informationen 163 Anreise 163 Service und Notruf 164 Bank und Post 165 Einkaufen 165 Essen und Trinken 167 Feiertage 171 Festivals und Events 171 Klima und Reisezeit 173 Kultur live 173 Nachtleben 176 Sport 178 Stadtbesichtigung 179 Statistik 180 Unterkunft 181 Verkehrsmittel 183

Register Bildnachweis 190 Impressum 190

E

R 187

Sollten Sie kein Smartphone besitzen, dann nutzen Sie bitte die neben dem QR-Code stehende Internet-Adresse. Bitte beachten Sie, dass beim Aufruf der Filme und Audio-Features über das Handy Kosten bei Ihrem Mobilfunkanbieter entstehen können. Im Ausland fallen RoamingGebühren an.

Berlin Impressionen Die junge Wilde – glorreiche Renaissance einer fabelhaften Hauptstadt Berlin (3,5 Mio. Einw.) ist eine Stadt mit dem gewissen Etwas, eine Stadt der Kontraste: Man findet hier elegante Boulevards und alterna­tive Szeneviertel, königliche Palais und bröckelnde Mietshausfassaden, heißes Nachtleben in der City und Idylle pur an Wannsee und Tegeler Fließ, vornehme Villen in Grunewald und Straßenstrich an der Oranienburger Straße, dörf­liches Leben in Lübars und städtebauliche Innovationen rund um den

Tiergarten. Berlin ist eine Stadt mit Tempo, Temperament und Turbulenzen. Dazu passt die bekannt schnoddrige Berliner Schnauze, Zwischentöne kennt diese Stadt kaum. »Uns kann keener«, sagt der Berliner. Wie auch, in dieser bärenstarken Stadt? Ach ja, der Bär ist den Berlinern Wappen und Wahrzeichen zugleich. Aber der Bär steht noch für viel mehr. In Berlin ist er los, hier steppt er. Berlin war immer schon ein biss­chen unmöglich! »Berlin ist mehr ein Weltteil als eine Stadt«, berichtete der Dichter Jean Paul. Er lebte 1800/01 in Berlin, das schon damals eine Metropole von europäischem Rang war. Eine Stadt, der Schiller »Ungezwungenheit im bürgerlichen Leben« attestierte, ein Ort aber auch, der DurchOben: Berlins Bühnen bieten Unterhaltung, Hintergründiges und Provokantes Rechts oben: Spaziergang durch das Brandenburger Tor – Symbol des neuen Berlin Rechts: Kontraste am Kulturforum – CalderSkulptur und Neue Nationalgalerie geben den Blick frei auf die St.-Matthäus-Kirche

6

setzungskraft verlangte. Man brauche Haare auf den Zähnen und müsse mitunter etwas grob sein, um sich in Berlin über Wasser zu halten, empfahl der sonst so gar nicht zimperliche Goethe. Andererseits solle in Berlin, wie überhaupt in seinem Staat, ›jeder nach seiner Façon glücklich werden‹ – meinte zumindest der Alte Fritz. Und die von Paul Lincke 1904 musikalisch ver­ewigte ›Berliner Luft, Luft, Luft‹ war und ist ohnehin dufte! An 40 Jahre Teilung in West- und Ostberlin erinnern in der Stadt heute nur noch einige Mauerstücke und zwei Grenz­wachtürme. Die kahlen Flä­chen des ehemaligen Todesstreifens sind weitgehend ver­schwun­­den. Berlin, bis 1989 Insel im Ostblock, dann Nahtstelle zweier Systeme, zeigt heute ein weltoffenes Hauptstadtgesicht. Seit dem Umzug der Bundesregierung ist Berlin auch wieder Verwaltungs- und Wirtschaftszentrum. Ob Pariser Platz oder Friedrichstraße, Potsdamer Platz oder in­ne­rer Spree­bogen – die neuen Regierungs­bauten und Geschäftshäuser, Shopping-Passagen und Designerhotels haben die Stadt veränes, faszinierendes dert und ihr ein neu­ Erscheinungs­bild gegeben, das mit vi­

talem Formenmix und gro­ ßen Ges­ ten grenzenlos begeistert.

Die Linden und der Alex Der beste Ausgangspunkt, um Berlin kennen und verstehen zu lernen, ist das geografische und historische Zentrum der Stadt, der Bezirk Mitte. Hier blickt auf dem großen Boulevard Unter den Linden das Reiterstandbild von Fried­rich dem Gro­ßen nach Osten zum Lustgarten auf der Museumsinsel. Dort stand einmal das Berliner Stadtschloss, offizielle Residenz des Alten Fritz, Zentrum der Stadt

und des preußischen Staates. Im Zweiten Weltkrieg wurde es schwer beschädigt und Anfang der 1950er-Jahre vollends abgerissen. Auf einem Teil des so frei gewordenen Areals ließen die DDR-Machthaber den Palast der ­Republik errichten. Er stand nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung lange leer und wurde schließlich seinerseits abgerissen. Nach kontroversen Diskussionen wurde 2013 der Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses beschlossen, als ›Humboldtforum‹ kombiniert mit moderner Architektur. Ende 2014 wurde der Rohbau im Wesentlichen fertiggestellt,

bis 2019 soll das Humboldtforum hier einziehen und dann das Ethnologische Museum und das Museum für Asiatische Kunst aufnehmen. Beide sind derzeit noch im Museumskomplex Dahlem be­ heimatet. Der Lust­gar­ten selbst liegt auf der von Spree und Kupfergraben gebildeten und im frühen 19. Jh. von Karl Fried­rich Schinkel konzipierten Museums­­insel. Das Alte Mu­seum mit der Antikensammlung am Nordrand des Gartenareals war als Ge­ genstück zum Stadtschloss geplant: So

8

standen Kul­tur und Politik ei­nan­der ge­ genüber. Schin­kel war über 25 Jahre lang oberster preu­ßi­scher Bau­beamter gewe­ sen und prägte in dieser Zeit das Gesicht des his­to­rischen Stadt­zen­trums wie kein anderer Architekt vor ihm. Beispielsweise entwarf er die klassizistische Neue Wache, die Schloss­brü­cke, die Fried­richs­ wer­der­sche Kir­che, die Bau­aka­demie und den Vorgängerbau des Berliner Doms. Doch zurück zur Museums­insel: Sorg­ fältig restauriert oder noch im Aus- und Umbau locken hier Per­gamonmu­seum, Alte Nationalgalerie, Bode-Museum, Neues Museum und Altes Museum ein Millionenpublikum mit weltberühmten Schätzen an, darunter die Nofretete-Büs­ te, der Pergamonaltar (bis vorauss. 2019 wg. der bis 2025/2026 geplanten Renovie­ rung großer Teile des Pergamonmuse­ ums nicht zugängl.), der Schatz von Troja, das blauglasierte babylonische IschtarTor oder der geheimnisvolle bronzezeit­ liche Berliner Goldhut. Ganz zu schwei­ gen von den unzähligen weiteren Höhe­ punkten des Kunstschaffens der Alten Welt, die hier versammelt sind, allen vo­ ran Meisterwerke der europäischen Ma­ lerei des 19. und 20. Jh. Östlich der Museumsinsel und des Lustgartens, jenseits der Spree, lagen in alter Zeit die beiden Keimzellen der Stadt, die Siedlungen Cölln und Berlin. Vom al­ ten Cölln blieb kaum ­etwas, doch Teile des alten Berlin wurden im Nikolaiviertel wieder aufge­baut. Nördlich davon setzen das Rote Rathaus, der Fernseh­turm und

Links oben: Gegen das Vergessen und für die Zukunft steht das Holocaust-Mahnmal Links: Entdeckerfreuden für Groß und Klein, hier im Deutschen Historischen Museum Unten: Beschwingte Pracht in Potsdam: Schloss Sanssouci mit Weinbergterrassen Oben: Berlins Scheunenviertel ist ein bekannter Spielplatz der jungen Kreativen

vor allem der Alexanderplatz städtebauliche Akzente. Manche Stadtplaner und Besucher irritiert dieser von kühlen sozialisti­schen Bauriegeln und Hochhäusern geprägte Platz, andererseits ist er noch immer ein beliebter Treffpunkt für Berliner und Besucher. Gemütli­che­res Ambiente bietet das einstige Scheu­nen­ viertel. Hier bummelt man durch die Ha­ cke­schen Höfe mit ihren Jugendstilfassaden, die von Gründerzeitbauten ge­

prägte Sophien­stra­ße und die trendige Auguststraße. Dabei kann man sich von der vielfältigen Galerienszene inspirieren lassen, in der Oranienburger Straße die ­Neue Synagoge bestaunen oder eines der vielen gemütlichen Cafés und Res­tau­rants aufsuchen. Wer dem Boulevard Unter den Linden von der Schloss­brü­cke Richtung Westen folgt, passiert die Monumentalbauten der Hohenzollern und das als königliche Residenz geplante Forum Fridericianum, den heutigen Bebelplatz. Klassizistische Formen prägen die Staatsoper Unter den Linden, das Alte Palais, die Alte Bibliothek, Humboldt-Universität und Staatsbibliothek. Eine Augenweide ist der nahe Gen­dar­men­­­markt, einer der schöns­ten Plätze Berlins, mit seinen zwei D ­ omen und dem Schinkelschen Schauspielhaus, das nun Konzerthaus heißt. Über die ebenso berühmte Friedrichstraße, Flanier- und Unterhaltungsmeile seit Kaisers Zeiten und heute zudem eine Restaurant- und Einkaufsmeile, geht es zurück zur Prachtstraße Unter den Linden. Sie führt direkt dem Wahrzeichen Berlins entgegen, dem von der rosselenkenden Viktoria bekrönten Brandenburger Tor. Der Pariser Platz ringsum, der schon früher als ›Salon‹ der Hauptstadt galt, wurde nach der Wiedervereinigung nach historischen Vorbildern neu bebaut. Nun verwöhnt hier das rekons­truierte Hotel ­Adlon wieder Gäste aus aller Welt wie schon zu Beginn des 20. Jh. Aus dem architektonischen Rahmen fällt hier das schnittige moderne Architekturdesign der benachbarten Akademie der Künste mit viel Glas und Treppengewirr. Zum Weltstadtambiente des Pariser Platzes ge­ hören ferner edle Bankhäuser, Botschaften und Caféterrassen. 9

Nur wenige Meter entfernt liegt mit dem Holocaust-Mahnmal eine der berühmtesten Gedenkstätten Berlins. Das riesige Stelenfeld zur Erinnerung an die ermordeten Juden Europas wurde im Jahr 2005 eingeweiht

Tiergarten und Ku’damm Unweit nordwestlich des Pariser Platzes erhebt sich der Reichstag, seit 1999 Sitz des Deutschen Bundestags. Mit seiner begehbaren Glaskuppel ist er eine der bekanntesten und beliebtesten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Am benachbarten Spree­bogen setzen das Kanz­leramt und Parlamentsbauten wie das Paul-Löakzente. be-Haus moderne Architektur­ Jen­seits der Spree zieht der gewaltige Glaspalast des Berliner Hauptbahnhofs die Bli­­cke auf sich. Einen gewissen Kontrapunkt dazu bildet westlich des Brandenburger Tors der Tiergarten, der größte innerstädtische Park Berlins mit Siegessäule und Goldelse. Am Südrand des Parks erstreckt sich als

10

weiteres High­ light für Architekturfans das Botschaftsviertel. Mit seinen zahlreichen originellen Baubeispielen aus aller Welt gibt es Anschauungsunterricht in moderner Konstruktion. Weit oben auf der Liste vieler Berlin­ besucher steht der Pots­damer Platz. Nach Jahrzehnten, die das einstige Amüsierzentrum der Stadt im geteilten Berlin als ödes Brachland fristen musste, wurde die Fläche nach der Wiedervereinigung neu bebaut. Namhafte internationale Architekten schufen hier eine unverwechselbare, kontrastreiche Skyline, darunter das Sony Center mit seinem gläsernen Zeltdach, die riesige DaimlerChrysler-City und das kühne DB-Hochhaus. Heute flaniert man hier wieder durch Einkaufspassagen, sitzt in Cafés, geht ins Theater oder Kino und bei der Berlinale posieren die Filmstars der Gegenwart auf dem Marlene-Dietrich-Platz vor dem Filmpalast – fast wie in alten Zeiten. Etwas im Schatten des neuen Pots­ damer Platzes liegt das benachbarte Kultur­forum. Seine in den 1960/70er-Jahren bahnbrechende Architektur birgt har­ Prominentes wie die Berliner Phil­ monie und die Neue Nationalgalerie (zzt. geschl.) mit Kunst der Moderne. Die Gemäldegalerie begeistert mit Meisterwerken von Rembrandt, Rubens, Raffael und Tizian. Ein Besuch des Zentrums von Westberlin beginnt am besten an der KaiserWilhelm-Gedächtniskirche. Dieses sinnfällige Ensemble aus Kriegsruine und Architektur der 1960er-Jahre steht am Scheitelpunkt von Tauentzienstraße und Kur­fürs­ten­damm: erstere eine der gro­

ßen Einkaufsstraßen Berlins mit dem berühmten Kaufhaus KaDeWe, die zweite Straße eine der be­lieb­tes­ten Flaniermeilen. Hier am Ku’damm finden sich legendäre Cafés wie das Kranzler, Einkaufstempel, Res­tau­rants, Luxushotels, Nachtklubs und Kinos. Mit dem Käthe-Kollwitz-Museum in der Fasanenstraße und dem Museum für Fotografie – Helmut Newton Stiftung am Bahnhof Zoo wird auch der Kunst gehuldigt. Familien zieht es in den Zoologischen Garten, einen der artenreichsten Tierparks der Welt.

Schlösser, Seen und Museen Berlin hat auch außerhalb der City viele Attraktionen zu bieten. Im Westen etwa erhebt sich inmitten eines schönen Parks Schloss Charlottenburg, das einzige erhaltene Stadtschloss der Hohenzollern. Unweit südlich lockt das Museum Berggruen mit Spitzenwerken von Picasso, Matisse und Klee. Den Surrealisten widmet sich das Museum Scharf-Gers­ tenberg gleich gegenüber. Ein Ausflug an die Havel und auf die Pfaueninsel zeigt dem Reisenden die Mark Brandenburg – eine Landschaft mit Sandboden, Flüssen und Seen. Im Süd­ osten lohnt der ausgedehnte Stadtwald zwischen Müggelsee und Müggelbergen einen Besuch. Ein Bootsausflug nach Potsdam und die Besichtigung der dortigen Schlösser Sanssouci und Babelsberg (bis vorauss. 2020 geschl.) bieten weitere Einblicke ins preußische Arkadien. 1990 wurden die Schlösser und Parks in Berlin und Potskultur­ erbe erdam zum UNESCO-Welt­ klärt.

Feiermeilen der Stadt ist die Warschauer Straße nördlich der Oberbaumbrücke. In unmittelbarer Nähe schlagen zudem die Kunstwerke und Mauer-Malereien der berühmten East Side Gallery entlang der Spree eine Brücke in die Vergangenheit dieser zu allen Zeiten großartigen Stadt. Reise-Video Berlin QR Code scannen [s.S.5] oder dem Link folgen: www.adac.de/rf0117 Links oben: Zeitenwende – Leuchtreklame statt Scheinwerfer am Checkpoint Charlie Links unten: Trabis sind mittlerweile ein seltener Anblick – außer im DDR-Museum Unten: Sommerlich-südliche Abendstimmung im Monbijoupark an der Spree Ganz unten: Berliner können auch gut 'mal loslassen – und die Badehose einpacken

Hier steppt der Bär auch nachts! Einige Viertel im feierfreudigen Berlin sind besonders angesagt. Mitte zum le­ rien und Klubs, Beispiel lockt mit Ga­ Trend-Boutiquen und viel Fuß­volk. Prenzlauer Berg, zu DDR-Zeiten Treffpunkt und Zufluchts­ort von Künstlern und Dissidenten, präsentiert inzwischen ein bun­ tes Gemisch aus Kneipen, Restaurants und Kult-Läden. Und Kreuzberg, Heimat der alternativen Szene, ist durch die Wie­ der­ver­einigung erneut ins Zentrum der Stadt gerückt. Nicht weniger cool geht es im Szeneviertel Fried­richshain zu. Übrigens hält das aufregende Berliner Nacht­leben, was sein legendärer Ruf verspricht. Jede Nacht der Woche bieten die zahllosen Klubs Party bis zum Morgengrauen. Eine der meist frequentierten 11

Geschichte, Kunst, Kultur im Überblick Vom märkischen Dorf zur deutschen Metropole um 8000 v. Chr.  Erste Be­ siedlung in der Altsteinzeit. um 700 n. Chr.  Frühger­ manische Besiedlung. 6./7. Jh. n. Chr.   Besiedlung durch west­slawische Stäm­ me. 1134–70  Albrecht der Bär, graf von Bran­ erster Mark­ denburg aus dem Haus der Askanier. 1197   Erste urkundliche Er­ wähnung von Spandau. 1237  Der Ort Cölln wird zum ersten Mal urkundlich er­wähnt, 1251 folgt Wedding, 1264 Schöneberg. 1244   Erste urkundliche Er­ wähnung Berlins als Stadt. 1307  Vereinigung von Cölln und Berlin. 1308–19  Markgraf Walde­ mar der Große. 1320  Ende der AskanierHerr­schaft. 1338  Erste Verwendung des Berliner Bären als Signet für eine Ratsurkunde. 1369  Berlin erwirbt das Münzrecht. 1376/1380   Bei zwei gro­ßen Bränden werden weite Teile der Stadt zerstört. 1415  Das Haus Hohenzol­ lern wird mit dem Kurfürs­ tentum Brandenburg be­ lehnt: Neuer Landesherr ist Friedrich IV. von Hohenzol­ lern, nun Kurfürst Fried­rich I. von Brandenburg. 1443  Kurfürst Friedrich II., ›Eisenzahn‹ genannt, legt den Grundstein für das Ho­ henzollernschloss in Cölln. 1470 Das Cöllner Hohenzol­ lernschloss wird kurfürstli­ che Residenz. 1539  Die Reformation setzt sich durch. 1576–1611  Pestjahre: Die Cöllner Stadtschreiber registrieren 4000 Pesttote für das Jahr 1576; 1598 sind es 3000 und 13 Jahre später 2000. Um das Jahr 1600 leben

12

10 000– 12 000 Einwohner in der Stadt. 1618–48   Dreißigjähriger Krieg, Berlins Vor­städte wer­ den niedergebrannt. 1648 leben 6000 Menschen in der Stadt. 1640–88  Der ›Große Kur­ fürst‹ Friedrich Wilhelm gibt Impulse für den Aufstieg Brandenburg-Preußens.

Seine Bauten prägten Berlin:  Karl Friedrich Schinkel

1647   In Berlin entsteht ei­ ne Allee vom Stadtschloss zum Tiergarten, die später als ›Un­ter den Linden‹ Be­ rühmtheit erlangt. 1658  Berlin wird zur Fes­ tung ausgebaut. 1662–69   Mit dem Bau des Fried­r ich-Wilhelm-Kanals zwischen Spree und Oder entsteht eine durchgängig schiffbare Wasserstraße von Breslau nach Hamburg. 1685  Das Edikt von Pots­ dam regelt die Ansiedlung aus Frankreich vertriebener Hugenotten. 1688–1713  Kurfürst Fried­ rich III. Er krönt sich 1701 in Königsberg eigenhändig zum König in Preußen und nennt sich Fried­ rich I. Die Friedrichstadt wird angelegt.

1700  Gründung der Preu­ ßischen Aka­demie der Wis­ senschaften. 1709  Berlin, Cölln, Fried­ Dorotheen­ richs­werder, stadt und Friedrichstadt wer­den zur Königstadt Ber­ lin vereinigt. 1710  60 000 Einwohner hat Berlin nun, darunter 6000 Franzosen, 5000 Schweizer und 500 Pfälzer. 1713–40 Regierungszeit von Kö­nig Friedrich Wilhelm I., genannt ›Soldatenkönig‹. 1717   Einführung der all­ge­ meinen Schul­­pflicht. 1740–86  Friedrich II., ›der Große‹, macht Preußen zu einer europäischen Groß­ macht und zu ­einem Zentrum der Aufklärung. Kultur und Wis­senschaft blühen. 1756–63  Siebenjähriger Krieg: Österreichische und russische Truppen besetzen Berlin. 1786–97  Regierungszeit Friedrich Wil­helms II. um 1790   Berlin wird eines der geistigen Zentren der deutschen Romantik. 1797–1840  Regierungszeit Friedrich Wilhelms III. um 1800   Berlin ist – nach London und Paris – die dritt­ größte Stadt Europas. 1806–08   Die Truppen Na­ poleons besetzen Berlin. 1813  6000 Berliner ziehen als Freiwillige in die Befrei­ ungskriege. 1816  Architekt Karl Frie­d­ rich Schin­kel, Gartenarchi­ tekt Peter Joseph Lenné und Bildhauer Christian Da­ niel Rauch gestalten nach den Befreiungskriegen das neue Berlin. Das erste in Deutschland konstruierte Dampfschiff fährt auf der Spree. Beginn der industri­ ellen Revolution. 1826   Zum ersten Mal wird der Boulevard Unter den

Könige Friedrich Wilhelm I. und Friedrich der Große, Reichskanzler Otto von Bismarck (v. l.n.r.)

Linden durch Gaslaternen beleuchtet. 1838/39   Eröffnung der Ei­ senbahnstrecke Berlin–Pots­ dam und der ersten Berliner Pfer­deomnibus­linie. 1840–61  Regierungszeit Friedrich Wil­helms IV., ge­ nannt ›der Romantiker auf den Thron‹. Berlin ent­wi­ ckelt sich zu einer bedeu­ tenden Industriestadt. 1847  Der erste Vereinigte Landtag von Preußen tagt in Berlin. 1848  18. März: Ausbruch der Märzrevolution. 22. Mai: Eröffnung der Preußischen Nationalversammlung (die am 5. Dezember aufgelöst wird). 23. August: 1. deut­ scher Arbeiterkongress. 1861–88  Regierungszeit Wilhelms I. als König von Preu­ßen. 1862  Otto von Bismarck wird preußischer Minister­ präsident. 1867  Berlin ist die Haupt­ stadt des Norddeutschen Bundes. 1870/71  Deutsch-Französi­ scher Krieg. 1871  Preußens König Wil­ helm I. wird in Versailles zum Deutschen Kaiser pro­ klamiert. Bismarck erhält das Amt des Reichskanzlers (bis 1890). Berlin wird (mit inzwischen 823 000 Einwoh­

nern) Hauptstadt des neuen Deutschen Reiches. 1872  Dreikaisertreffen in Berlin (Franz Joseph I. von Österreich, Alexander II. von Russland und Wilhelm I.). 1879   Werner von Siemens führt auf der Gewerbeaus­ stellung in Moabit die ers­te elektrisch betriebene Eisen­ bahn der Welt vor. 1881  Erster Telefonbetrieb (mit 45 Teilnehmern). In Lichterfelde fährt die welt­ weit erste Straßenbahn mit Elektromotor. 1888  Wilhelm I. stirbt, sein Sohn, Kaiser Friedrich III., nach nur 99 Tagen Regie­

rungszeit ebenfalls. Es folgt Kaiser Wilhelm II. (bis 1918). 1890  Wilhelm II. entlässt Reichskanzler Bis­marck. 1894  Der Reichstag wird eingeweiht. 1900  Berlin zählt 1,9 Mio. Ein­wohner. 1902   Erste Hoch- und Un­ tergrundbahn (von der War­ schauer Brücke zum Zoo). 1905  Die ersten städti­ schen Autobusse verkehren. Max Reinhardt übernimmt das Deutsche Theater. 1912   Die Büste der Nofre­ tete wird im Ägyptischen Museum ausgestellt. 1914–18  Erster Weltkrieg.

Barrikaden für Bürgerrechte: Märzrevolution von 1848

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1918  Revolution: Nachdem am 9. No­vember der Sozial­ demokrat Philipp Scheide­ mann von einem Fenster des Reichs­­tags die Re­publik ausgerufen hat, kündigt der Marxist Karl Liebknecht im Lustgarten die Räte­repub­lik an. Am 10. November dankt Kaiser Wilhelm II. ab. 1919  Spartakus-Aufstand. 15. Januar: Freikorpssolda­ ten ermorden Karl Lieb­ knecht und ­ Rosa Luxem­ burg, die beiden bedeuten­ den Führer der Kommunisti­ schen Partei Deutsch­lands. 11. Februar: Wahl Friedrich Eberts (SPD) zum ers­ ten Reichs­prä­si­denten der neu­ en Weimarer Republik. 1920  Kapp-Putsch: Rechte Freikorpssoldaten besetzen das Regierungsviertel. ab 1923  Berlin wird zu­neh­­ mend zum politischen, kul­ turellen, wirt­ schaft­lichen und gesell­schaft­lichen Zentrum Mitteleuropas. 1924  Erste Funkausstellung. 1929  Weltwirtschaftskrise: in Berlin leben 600 000 Ar­ beits­lose. 1933  30. Januar: Machter­ greifung Adolf Hitlers. Ende Fe­bruar: Reichstagsbrand. 1. Ap­ril: Erster Boykott jüdi­ scher Geschäfte. 10. Mai: Bücherverbrennung auf dem heutigen Bebelplatz. 1936   XI. Olympische Spie­ le in Berlin. 1938  9./10. November: In der Reichspogromnacht zerstören Nationalsozialis­

ten die Berliner Synagogen. 1939  Beginn des Zweiten Weltkriegs; Berlin hat 4,3 Mio. Einwohner. 1940   Erster Luftangriff auf Berlin am 25. August. 1941  Erste Deportationen jüdischer Bürger aus Berlin. 1942   20. Januar: Wannsee­ konferenz: die massenhafte Ermordung von Juden in Europa wird von NS-Dienst­ stellen organisatorisch ko­ ordiniert. 1943    NS-Pro­p a­g an­d a­m i­ nis­­ter Joseph Goebbels kün­ digt im Sport­palast den ›to­ talen Krieg‹ an. 1. März: ers­ ter großer Luftangriff der Alliierten auf Ber­lin. 1945   30. April: Selbstmord Hitlers. 2.  Mai: Einmarsch der Roten Armee. 8. Mai: Kapitulation der deutschen Wehrmacht in Karls­ horst. Berlin hat bei Kriegsende 2,8 Mio. Einwohner. 32 % des Wohnungsbestandes sind zerstört, es häufen sich ca. 80 Mio. m³ Trümmerschutt. Im Juni wird die in vier Sek­ toren geteilte Stadt Sitz des Alliierten Kontrollrates. 1946  13. August: Die Alli­ ierten erlassen die Vorläu­ fige Verfassung von GroßBerlin und setzen Wahlen an. Berlin wird Stadtstaat. 1947  Der Preußische Staat wird per Kontrollratsgesetz von den Alliierten aufgelöst. 1948  Währungsreform in den drei Westsektoren von Berlin. 24. Juni: Beginn der sowjetischen Blockade West­

berlins und der Luftbrücke der Alliierten. 1949  12. Mai: Ende der Blockade. 7. Oktober: Grün­ dung der DDR mit Ost-Ber­ lin als Hauptstadt. 1950  1. Oktober: Die demo­ kratische (West-)Berliner Ver­ fassung tritt in Kraft. 1951   Eröffnung der ersten Internationalen Filmfest­ spiele Berlins (›Berlinale‹). 1953  17. Juni: Volksaufstand in Ost-Berlin und der DDR. Er wird mithilfe von Sowjet­ panzern niedergeschlagen. 1957  Willy Brandt wird Re­ gierender Bürgermeister von West-Berlin. 1958  Das Berlin-Ultimatum: Kreml­chef Chru­sch­tschow: fordert den Abzug der Westalliierten aus Berlin. 1961  13. August: Beginn des Mauerbaus. Die Mauer wird 155 km lang, 43,1 km davon quer durch Berlin. 16. August: Über eine halbe Million Menschen demons­ trieren vor dem Schöneber­ ger Rathaus gegen die Tei­ lung Berlins. Rund 60 000 Ost-Berliner sind von ihren Arbeitsplätzen im Westen der Stadt abgeschnitten. 1963   Besuch von US-Präsi­ dent John F. Kennedy in Berlin. – 17. Dezem­ber: Erstes Passierscheinabkommen. Nach zwei Jahren besuchen West-Berliner erstmals wie­ der Verwandte in Ost-Berlin. 1967/68  Studentenunru­ hen. – 11. April 1968: Der rechtsgesinnte Hilfsarbeiter

Rückblick auf 1903: Schlossbrücke, Berliner Dom, 1950/51 gesprengtes Stadtschloss (v.l.n.r.)

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Die Welt hält den Atem an: Mauerfall, 9. November 1989

Josef Bachmann verübt ein Attentat auf den Studenten­ führer Rudi Dutschke. 1971  Unterzeichnung des Viermächte-Abkommens: An­ erkennung des Status quo Berlins. Das Transit-Abkom­ men zwischen DDR und der Bundesrepublik tritt in Kraft. 1987  750-Jahre Berlin: Ost wie West feiern. 1989  7. November: Rück­ tritt der DDR-Regierung. – 9. November: Maueröffnung. 1990  3. Oktober: Auflö­ sung der DDR durch Beitritt zur Bundesrepublik. – 2. De­ zember: Ost- und West-Ber­ liner wählen zum ersten Mal gemeinsam: CDU und SPD bilden eine Große Koalition. 1991  20. Juni. Der Deut­ sche Bundestag beschließt, dass Berlin wieder die deut­ sche Hauptstadt sein wird. 1994  Der Bundespräsident verlegt seinen Amtssitz vom Rhein an die Spree. Juni– September: Ab­zug der alli­ ierten Streitkräfte aus Berlin. 1995  Das Künstlerehepaar Christo und Jeanne-Claude verhüllt den Reichstag.

1996  Volksabstimmung ge­ gen eine Länderfusion von Berlin und Brandenburg. 1999   Umzug von Bundes­ regierung und Parlament von Bonn nach Berlin. 2001  1. Januar: Die Anzahl der Berliner Bezirke wird von 23 auf 12 reduziert. – 16. Juni: Klaus Wowereit (SPD) wird erstmals Regierender Bür­ germeister von Berlin. 2005 10.  Mai: Einweihung des Holocaust-Mahnmals. – 21. Mai: Einweihung der neu­ en Akademie der Künste. – 22. November: Angela Merkel (CDU) wird Bundeskanzlerin. 2006  28.  Mai: Der neue Haupt­bahn­hof wird eröffnet. – Juli: Endspiel der FußballWM im Olympiastadion. – Die Loveparade, ein seit 1989 in Berlin veranstaltetes Tech­ no-Spektakel, findet letzt­ mals an der Spree statt. 2008  7. Juli: Die UNESCO erklärt sechs Wohnsiedlun­ gen der Berliner Moderne zum Weltkulturerbe. – 31. Ok­tober: Der Flughafen Tem­ pelhof wird geschlossen. 2009  Mit dem Themenjahr ›20 Jahre Mauerfall‹ erinnert die Stadt ans Ende der Tei­ lung. – 1. Mai: Schwere Kra­ walle in Berlin-Kreuzberg.

2011 Bürgermeister Klaus Wowereit setzt sich bei der Wahl zum Abgeordneten­ haus durch und bildet im November eine Große Koali­ tion aus SPD und CDU. 2013 Erneute Verschiebung des Eröffnungstermins für den Internationalen Flugha­ fen Berlin Brandenburg. – Proteste gegen erneute Ein­ griffe an der East Side Gallery. Ein Investor, der am Spree­ ufer ein Wohnhochhaus er­ richten will, lässt eine Bre­ sche in die Mauer schlagen. 2014 Hunderttausende Fuß­ ballfans feiern auf der Fan­ meile die Weltmeister-Elf von Rio de Janeiro. – Klaus Wo­ wereit erklärt nach 13-jähri­ ger Amtszeit zum Jahresen­ de seinen Rücktritt von allen politischen Ämtern. Sein Nachfolger, der SPD-Politiker Michael Müller, wird im De­ zember zum neuen Regie­ renden Bürgermeister ge­ wählt. 2017 Internationale Garten­ ausstellung (IGA) in Mar­ zahn-Hellersdorf, Wuhletal. 2019 Geplante Eröffnung der U-Bahnlinie U5 zwi­ schen Alexanderplatz und Brandenburger Tor sowie des Humboldt-Forums im neuen Stadtschloss.

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Unterwegs Blick auf die Ge­dächtniskirche am Ku'damm durch die Skulptur ›Berlin‹

Brandenburger Tor und Reichstag, Unter den Linden und Friedrichstraße – das alte Preußen lässt grüßen Der Pariser Platz war seit dem 18. Jh. – und ist es nun nach Abschluss zahlrei­ cher Bauprojekte wieder – Empfangs­ MOABIT salon der Hauptstadt Berlin. Ein Besuch Spr ee CHARLOTTENdes hiesigen Brandenburger Tors mit MITTE BURG TIERGARTEN anschließendem Spaziergang zum nahe gelegenen Reichstag gehört zu KREUZBERG den Highlights der neuen Metropole. WILMERSDORF SCHÖNEBERG Dazu kommen die im und am Spreebogen liegenden neuen Bauten des imposanten ­Regierungsviertels. Folgt man dagegen vom Pariser Platz dem Boulevard Unter den Linden nach Osten, flaniert man ins Zentrum des preußischen Berlin, das Friedrich der Große einst als Residenzstadt und zur Machtdemonstration entwerfen ließ. Heute prägen entlang der historischen Prachtstraße Adels­ palais und das Opernhaus, Museen und Cafés das Flair. Auch der klassizis­tisch gestaltete Gendarmenmarkt, ein weiterer Glanz­ punkt preußischer Baugeschichte, verströmt Eleganz. Die nahe Fried­ richstraße lockt mit Luxuskaufhäu­ sern und gediegenen Hotels. WEDDING

PRENZLAUER BERG

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Brandenburger Tor Monument für Sieg und Frieden, Symbol der Wiedervereinigung – das Wahrzeichen der Stadt. Pariser Platz S1, S2, S25 und U55 Brandenburger Tor, Bus 100, Bus 200, TXL

Am westlichen Ende des Pariser Platzes, gleichsam als fulminanter Schlusspunkt des Boulevards Unter den Linden, ragt das Brandenburger Tor auf. Da es ab 1961 im abgesperrten Niemandsland der Berli­ ner Mauer stand, galt es lange Zeit als Symbol des geteilten Deutsch­land. Seit seiner feierlichen Wiedereröffnung im Dezember 1989 sieht man es als Sinnbild für die deutsche Wiedervereinigung. Gedacht hatte es sein Auftraggeber, König Friedrich Wilhelm II., als Siegestor Das Brandenburger Tor ist Sinnbild der Vergangenheit und Versprechen für die Zukunft

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1 Brandenburger Tor

nach antikem Vorbild. Es sollte an das für Preußen erfolgreiche Ende des Sieben­ jährigen Krieges im Jahr 1763 erinnern und zugleich den 1786 verstorbenen Kö­ nig Friedrich II. ehren. 1788 begannen die Arbeiten an dem frühklassizistischen Sandsteintor nach Plänen von Carl Gotthard Langhans. Vorbild waren die Propylä­en, der prunk­ volle Torbau der Athener Akropolis. Lang­ hans nahm aber auch römische TriumphSym­bo­lik auf, nämlich die das Tor krönen­ de Qua­driga, den von vier Pferden gezo­ genen Wagen der Siegesgöttin Viktoria. Sie wird hier auch oft mit der griechi­ schen Friedensgöttin Eirene gleichge­ setzt. Die 5 m hohe kupferne Skulpturen­ gruppe stammt von Johann Gottfried Schadow. Freilich war seine Siegesgöttin, wie ihr antikes Vorbild, zunächst nackt gewesen. Dann hätte sie aber Reisenden, die sich von Westen näherten, zunächst ihr blo­ßes Hinterteil gezeigt. Auf königli­

chen Befehl wurde daher ein Unterkleid für die Göttin angefertigt. So fehlte die Quadriga noch, als der Monarch den 26 m hohen, 65,5 m breiten und 11 m tie­ fen Bau mit fünf Durchfahrten am 6. Au­ gust 1791 einweihte. Die bekleidete Vikto­ ria bezog ihren Platz erst 1793. Doch schon 13 Jahre später musste sie ihn wieder räumen: Am 27. Oktober 1806 besetzte Napoleon die Hauptstadt Preu­ ßens und ließ u. a. die Quadriga nach Paris transportieren. Den Rückweg trat die symbolträchtige Figur 1814 an, nach der napoleonischen Niederlage in den Befreiungskriegen. Zur Erinnerung an den Sieg über Frankreich erhielt Viktoria zu Lor­ beerkranz und preu­ßi­schem Adler noch ein Eisernes Kreuz. Nach dem Zweiten Weltkrieg lag die Quadriga gänzlich in Trümmern. Nur im Westteil der Stadt existierte ein Gipsab­ druck von 1942 in 5000 unnummerierten Teilen. Daraus rekonstruierten Fachleute

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