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ISSN 1860-4188 bibliotheken heute Heft 1 / 2007 Die Themen: Der demografische Wandel und die Zukunft der Bibliotheken Die Rheinische Landesbibliothe...

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ISSN 1860-4188

bibliotheken heute Heft 1 / 2007

Die Themen: Der demografische Wandel und die Zukunft der Bibliotheken Die Rheinische Landesbibliothek Koblenz stellt sich vor Leseförderung mit dem Medium PC

bibliotheken heute Herausgegeben vom Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz Gefördert vom Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur, Mainz

Herausgeber und Redaktion: Dr. Helmut Frühauf (Koblenz) Angelika Hesse M.A. (Neustadt) Elisabeth Kavala (Speyer) Gudrun Kippe-Wengler M.A. (Koblenz) Sandra Mehmeti (Koblenz) Jürgen Seefeldt (v.i.S.d.P. – Koblenz) Anschriften der Redaktionsmitglieder: Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz Büchereistelle Koblenz Bahnhofplatz 14, 56068 Koblenz Tel.: (0261) 91500-301, Telefax: (0261) 91500-302 E-Mail: [email protected] E-Mail: [email protected] E-Mail: [email protected] Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz Büchereistelle Neustadt Lindenstr. 7-11, 67433 Neustadt/Weinstr. Tel.: (06321) 3915-0, Telefax: (06321) 3915-39 E-Mail: [email protected] Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz Rheinische Landesbibliothek Bahnhofplatz 14, 56068 Koblenz Tel.: (0261) 91500-101, Telefax: (0261) 91500-900 E-Mail: [email protected]e Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz Pfälzische Landesbibliothek Otto-Mayer-Str. 9, 67343 Speyer Tel.: (06232) 9006-0, Telefax: (06232) 9006-200 E-Mail: [email protected] Homepage des Landesbibliothekszentrums Rheinland-Pfalz: www. lbz-rlp.de Druck: Druckerei Fuck, Rübenacher Str. 88, 56072 Koblenz, Tel.: (02 61)92787-3, Fax: (0261)927 87-40, E-Mail: [email protected], Homepage: www.f-druck.de

Titelbild: LBZ / Rheinische Landesbibliothek. (Foto: Foto-Gauls) Preis: Jahresabo (4 Hefte) 30,- Euro, Einzelheft 7,50 Euro (kostenpflichtig für Privatpersonen, kirchliche Bibliotheken und für Bibliotheken außerhalb von Rheinland-Pfalz)

Anzeigenpreise: siehe „Mediadaten“ unter www.lbz-rlp.de, Rubrik „Publikationen“, „bibliotheken heute“.

INHALTSVERZEICHNIS · bibliotheken heute, Jg. 3, Heft 1

Aufsätze, Vorträge





Bibliotheken und demografische Veränderungen. Von Dr. Georg Ruppelt. . . . . . . . . . . . . . 3 Leseförderung mit dem Medium PC in Schulen und Bibliotheken. Von Dr. Helga Arend. . . . . . . . . . . . . . . 7 Die FaMi-Ausbildung – Fachrichtung Bibliothek. Von Ute Bahrs . . . . . . . . . . . . . . . . . 11

Kleinere Beiträge 1. Bibliotheksporträt 20 Jahre Rheinische Landesbibliothek Koblenz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16 2. Bibliothekspolitik Bibliotheken müssen nach Büchern riechen. Interview mit Manfred Geis. . . . . . . . . . 20 3. Bibliothekspraxis Wissen um den Wert der Einrichtung. Förderverein der Stadtbücherei Frankenthal . . . . 21 Buchlieferung per Mausklick – VBRPexpress-Erweiterung . . . . . . . . . . 22 4. Internet und Neue Medien Web-Tipps . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23  „Schöne neue Bibliothekswelt“: EDV-Fachstellen-Seminar in Koblenz . . . . 24 5. Neueröffnungen, Jubiläen Gemeinsames Bibliothekssystem in der VG Bruchmühlbach-Miesau . . . . . . . . . 25 Richtige Atmosphäre für den Lesespaß: 50 Jahre Gemeindebücherei RieschweilerMühlbach . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26 6. Tagungen, Fortbildung Büchereiführung heute – Tagung der ehrenamtlich geleiteten Büchereien in Lambrecht . . 27 7. Aus den Verbänden Neues vom DBV : Bibliotheksgesetz gefordert . . . . . . . . . 28 Neues vom BIB: Berliner Bibliotheksluft . . 29 8. Schule und Bibliothek Leseecken in Grund- und Förderschulen: Erfahrungsaustausch . . . . . . . . . . . . . 32 Schulbibliothek des Carl-Bosch-Gymnasiums in Ludwigshafen . . . . . . . . . . . . . . . . . 32  Eröffnung der Leseecke in der Regional- und Grundschule Wallhalben . . . . . . . . . . . 33 Ein Parcours für die Sinne – Fortbildungen für Leseförderaktionen . . . . . . . . . . . . . . 34

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9. Auszeichnungen, Würdigungen 30 Jahre im Dienst der Pfälzischen Landesbibliothek: Dr. Vorderstemann im Ruhestand Literaturpreise in Rheinland-Pfalz . . . . . . 10. Aus dem Landesbibliothekszentrum Tag der offenen Tür am 19. Mai 2007 . . . . Biblio 2: Treffen der deutsch-französischen Arbeitsgruppe . . . . . . . . . . . . . . . .

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Leseförderung und Veranstaltungen

Bücherminis der Stadtbücherei Wittlich . . . Prinzessinnentreff in der Stadtbücherei Neustadt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Buchstabensuppe in der Gemeindebücherei Welschbillig . . . . . . . . . . . . . . . . . . Vorlesepaten-Seminar in der Gemeindebücherei Jockgrim . . . . . . . . . . . . . .

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Kurzinformationen . . . . . . . . . . . . . . 44 Broschürendienst . . . . . . . . . . . . . . . 45 Literaturdienst

1. Rheinland-Pfalz in Büchern . . . . . . . . 47 2. Literatur zum Buch- und Bibliothekswesen . . . . . . . . . . . . . . . 47

Schwarzes Brett

Ausleihangebote der Büchereistellen . . . . Fortbildungen des Landesbibliothekszentrums . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Termine und Veranstaltungen . . . . . . . . Tipps und Hinweise . . . . . . . . . . . . . .

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Orts-, Personen- und Sachregister . . . . 51



INHALTSVERZEICHNIS

Editorial: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2

Editorial

EDITORIAL Der dritte Jahrgang unserer Zeitschrift beginnt mit einem hochaktuellen Thema, das wir gern in Form einer kleinen Serie noch mehrfach im Laufe des Jahres vorstellen und ansprechen wollen: Der demografische Wandel und die Zukunft der Bibliotheken. Der erste Beitrag des namhaften Autors Georg Ruppelt liefert den Einstieg in die Thematik und Problematik und soll die Bibliotheken und ihre Führungskräfte sensibilisieren für das, was uns aller Wahrscheinlichkeit nach in zwanzig oder dreißig Jahren bevorstehen wird. Der Artikel dient zugleich als Anstoß, sich speziell auch in Rheinland-Pfalz Gedanken zu machen über die erkennbaren demografischen Veränderungen, die momentane sowie mittel- und langfristig wahrscheinliche Situation zu analysieren und aus allen Erkenntnissen sinnvolle Handlungsschritte für die nahe Zukunft zu überlegen. Aufgefordert sind unsere Leser in den Bibliotheken, uns hierzu ihre Erfahrungen und Einschätzungen mitzuteilen; wir werden sie gern veröffentlichen. Dass Leseförderung – bei uns stets verstanden als Mischung aus dem Erlernen von Lesetechniken, dem Verstehen von Texten und zugleich dem Vermitteln von Lesespaß und Lesemotivation – nicht nur mittels Buch möglich ist,

führt uns der Beitrag von Helga Arend und Anne Sattler vor Augen. Ihre mit Beispielen angereicherte Darstellung eines Projekts der Universität KoblenzLandau in Zusammenarbeit mit dem Landesmedienzentrum und Schülern eines 3. Schuljahres soll verdeutlichen, dass auch der Computer ein sinnvolles Instrument sein kann, um gerade den Heranwachsenden Spaß am Umgang mit Texten aller Art zu vermitteln – denkbare Hauptzielgruppe: Jungen. Wie wichtig die Jugend für Bibliotheken ist und bleibt, wird aus den Erfahrungsberichten über die Ausbildung zum Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste – Fachrichtung Bibliothek sichtbar. Der seit 1998 neu geschaffene Ausbildungsberuf des FaMI, der den früheren „Assistenten an Bibliotheken“ abgelöst hat, spielt für die Bibliotheksarbeit in Öffentlichen und Wissenschaftlichen Einrichtungen eine bedeutende Rolle. Aus Sicht des Landesbibliothekszentrums fasst Ute Bahrs die wichtigsten Informationen über Qualifikation, Ablauf und Ausbildungsinhalte zusammen: Dieses sollte jede(r) Interessierte wissen, der vielleicht einen solchen Berufswunsch hat, aber auch jede Bibliothek, in der überlegt wird, einen Ausbildungsplatz anzubieten. Wir lassen außerdem ehemalige und aktuelle „FaMI-Azubis“ zu

Wort kommen; sie berichten über ihre Erfahrungen und geben dabei einen ganz lebendigen Einblick in das dreijährige Theorie- und Praxis-Training in unterschiedlichen Bibliotheken. Mit einer aktuellen Darstellung über die Rheinische Landesbibliothek in Koblenz führen wir die Reihe „Bibliotheksporträts: Das LBZ stellt sich vor“ fort. Es gibt sogar einen feierlichen Anlass dazu: Die Koblenzer Landesbibliothek begeht in diesem Jahr ein kleines Jubiläum – sie wird 20 Jahre jung. Lars Jendral entwirft einen kurzen geschichtlichen Rückblick und beschreibt das Bestandsprofil der Regionalbibliothek als Teil des Landesbibliothekszentrums und was sie sonst als Serviceangebot alles für den Nutzer im nördlichen Rheinland-Pfalz zu bieten hat.

Ihr Herausgeber-Team Dr. Helmut Frühauf Angelika Hesse Elisabeth Kavala Gudrun Kippe-Wengler Sandra Mehmeti Jürgen Seefeldt (v.i.S.d.P.)

Redaktionsschluss für Heft 2/2007: 20. April 2007



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Aufsätze · Vorträge

AUFSÄTZE · VORTRÄGE

Bibliotheken und demografische Veränderungen Vortrag vom 10. Mai 2006 in der ekz Reutlingen Von Dr. Georg Ruppelt

Wenn ich es recht verstanden habe, so geht es bei der Diskussion um die Veränderung der Bevölkerungsstruktur doch wohl vor allem um vier Problembereiche, nämlich

Dr. Georg Ruppelt ist Direktor der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Bibliothek – Niedersächsische Landesbibliothek Hannover. Foto: Niedersächsische Landesbibliothek

Zunächst wollen wir nicht darauf eingehen, dass die Rede vom „Demografischen Wandel“ oder von der „Demografischen Veränderung“ falsch ist; denn es geht ja nicht um eine Veränderung der Beschreibung der Bevölkerungszahl, und nichts anderes heißt Demografie, sondern Thema ist in Wirklichkeit die Veränderung der Bevölkerungszahl selbst bzw. der Wandel der Bevölkerungsstruktur. Zum Zweiten gehört diese Thematik seit einigen Jahren tatsächlich nicht mehr nur in die Diskussion politischer Theorien oder Metatheorien, sondern die Thematik ist vielmehr eine des Alltags; es ist eine Thematik der Betriebe wie eine der Schulen, es ist eine Thematik der „Bild-Zeitung“ wie der „Zeit“. Es ist, um mit Gerhard Polt zu sprechen, „wia im richtigen Leben“.

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1. um die Tatsache, dass immer mehr Menschen immer älter werden, 2. um die Tatsache, dass immer weniger Kinder deutscher Herkunft geboren werden und in dem Zusammenhang um die Auflösung der alten Familienstrukturen, 3. um die Frage der Integration von Migranten, und vor allem von Migrantenkindern und 4. um die Bevölkerungsabnahme in einzelnen Gebieten und Kommunen auf der einen Seite und andererseits um das Wachstum der Bevölkerung in anderen Regionen. Es sei hier zudem auf ein Phänomen hingewiesen, das im Zusammenhang mit der Diskussion von Bevölkerungsentwicklungen als selbstverständlich angenommen wird, das Phänomen nämlich der langen Dauer, der langsamen und stetigen Entwicklung. Eine Entwicklung, die vielleicht jenseits der eigenen Lebenszeit wirksam und während der eigenen Lebensdauer, wenn überhaupt, nur undeutlich spürbar wird. Es erscheint alles noch so lang hin. Man meint, man habe noch viel Zeit, um sich den anstehenden Problemen in Ruhe zu widmen. Aber die bereits jetzt zu beobachtenden Gegebenheiten sollten uns klar machen, dass wir uns nicht mehr am Anfang eines Wandels befinden – den wir, weil es sich so eingebürgert hat, nun auch hier Demografischen Wandel nennen wollen – sondern, dass wir uns bereits mitten in diesem Demografischen Wandel befinden. In einer Studie, wie sie wohl von vielen Regionen und Kommunen in

Auftrag gegeben sein dürfte, heißt es über die „Arbeits-Stadt-Region Südostniedersachsen im Jahr 2030“ (diese Region umfasst die Bereiche Braunschweig, Salzgitter, Helmstedt, Wolfsburg und den Harz): „Noch werden die Herausforderungen und Problemlagen vielfach verdrängt. Eine besondere Gefahr besteht dabei darin, dass demografische Prozesse die Eigenschaft haben, eher schleichend und relativ unbemerkt abzulaufen. Sie entfalten ihre Folgen oft erst dann, wenn es für entsprechende Reaktionen zu spät ist. Da die bis zum Jahr 2030 notwendigen Maßnahmen sowohl auf ökonomischer, politischer und gesellschaftlicher Ebene kaum ad hoc zu bewältigen sein werden und eine dem Trendszenario entsprechende Entwicklungsperspektive aus Nachhaltigkeitsaspekten als nicht erstrebenswert erscheint, müssen aus einem regionalpolitischen Interesse heraus bereits in naher Zukunft notwendige Maßnahmen angemahnt, entwickelt und mit entsprechendem Vorlauf umgesetzt werden. In diesem Sinne ist es in einem ersten Schritt zwingend notwendig, bereits zum gegenwärtigen Zeitpunkt ein entsprechendes Problembewusstsein bei allen relevanten Akteuren für die kommenden Herausforderungen zu wecken, um damit die notwendigen Voraussetzungen für einen der Nachhaltigkeit entsprechenden regionalen Entwicklungsprozess zu schaffen“.1 Und wie immer bei herannahenden Veränderungen wird auch hier das alte, aber dadurch keineswegs unrichtige Sprichwort „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ seine Praxisgültigkeit unter Beweis stellen. Oder, wenn wir etwas Neuzeitlicheres zitieren wollen, Gorbatschows „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“. Gerade die Tatsache, dass es aller Voraussicht nach



AUFSÄTZE · VORTRÄGE

Die sogenannte „Demografische Veränderung“ ist zur Zeit das zentrale Thema in Politik und denkender Öffentlichkeit, und es gehört ein wenig Mut dazu, den vielen Senftöpfchen, aus denen fleißig geschöpft wird, noch ein weiteres hinzuzufügen.

Aufsätze · Vorträge

Sieger- und Verliererregionen bzw. -städte bei den bevorstehenden Veränderungen der Bevölkerungsstruktur geben wird, sollte Politik wie Verwaltung zur Eile antreiben. Denn ziemlich sicher ist, dass es einen Wettstreit zwischen einzelnen Gemeinden und Regionen gibt und immer heftiger geben wird.

les Set in der Region darstellen und da ist das Thema Bildungslandschaft ein ganz herausragender Bund. Ich meine sogar, dass man in einer Region, die in diesem Attraktivitätswettbewerb bestehen will, die Attraktivität von Arbeitsplätzen und eine first class Position in der Bildungslandschaft fast schon gleichgewichtig bewerten muss.“3

In einer kürzlich erschienen Sammlung von Essays zum Thema „Wie leben wir morgen?“ der Braunschweiger Zeitung werden den einzelnen benachbarten Städten und Landkreisen der Region ganz unterschiedliche Zukunftsprognosen gestellt. Sie reichen von einer Wachstumsquote der Bevölkerung von plus 6,5 Prozent in einigen Städten bzw. Landkreisen bis hin zu minus 9,1 Prozent in anderen. Ganz sicher ist, dass sich alle Gemeinden, um in Zukunft Bestand zu haben, vor allem um Familien mit Kindern bemühen müssen. Allein die Überschriften der Essays sprechen eine deutliche Sprache: „Jedem muss klar werden: ‚ohne Kinder haben wir keine Zukunft!’“; „Gemeinden im Wettstreit um Familien“; „Kinder sind Investitionen in Freude“; „Ich will hier boxen und Völkerball spielen“; „Wo viele Kinder leben, brummt die Wirtschaft“; „Ein Land ohne Kinder ist ein Land ohne Visionen und Träume“.2

Während in vielen der einschlägigen Untersuchungen im Zusammenhang mit Bildung die Rede ist von Kindergärten, den Schulen, den Volkshochschulen, den weiterführenden Schulen bis hin zur Universität spielen die Bibliotheken nicht die Rolle, die sie vernünftigerweise spielen sollten. Wir kennen diese Thematik seit langer Zeit; erfreulicherweise hat sich aber im Umfeld der Aktivitäten um Bibliothek 2007 einiges zum Positiven in unserem Sinne verändert.

In diesem Zusammenhang erhalten die seit langem immer wieder angeführten, aber nunmehr ganz konkret als Mittel im Konkurrenzkampf der Kommunen ins Blickfeld der Beobachter geratenen so genannten „weichen“ Standortfaktoren eine ganz harte Bedeutung. Dazu nochmals die eben schon genannte Studie über „Arbeits-Stadt-Region im Jahr 2030“: „In diesem Sinne wird der Wettbewerb der Regionen zukünftig aller Voraussicht nach verstärkt über die Arbeitsbedingungen auf der einen und insbesondere auch über die bisher oftmals noch zu wenig Beachtung findenden Lebensqualitäten, die sich unter dem Stichwort der ‚weichen Standtort-Faktoren’ subsumieren lassen, auf der anderen Seite ausgetragen werden. [...] Sie werden natürlich junge Leute nur dann in die Region bekommen, wenn sie attraktive Arbeitsplätze bieten und zu den attraktiven Arbeitsplätzen auch attraktive Lebensbedingungen kommen. [...] Dann müssen sie ein optima-



Wie begegnen nun die Regionen und Kommunen diesen großen Herausforderungen bei gleichzeitig in der Regel sinkenden oder zumindest stagnierenden Einnahmen? Es gibt Bei spiele für gelungene Kooperationen von Kommunen untereinander, etwa das Städte-Netzwerk Nordrhein-Westfalen, in dem unter dem Motto „Soziale und kulturelle Infrastruktur für Morgen“ auch die Verwaltung und der Betrieb von Bibliotheken mit Erfolg kooperativ gemanagt werden. Doch jede Bibliothek ist sicherlich gut beraten, wenn sie sich angesichts der hier behandelten Thematik die Frage von Kooperationen ganz neu stellt. Dabei soll allerdings nicht verschwiegen werden, dass selbst in Bereichen, wo man dies für selbstverständlich halten würde, die Kooperation durchaus nicht so an der Tagesordnung ist, wie es wünschenswert wäre. So ist sicherlich die Zusammenarbeit zwischen wissenschaftlichen und Öffentlichen Bibliotheken vor Ort in vielen Städten optimierbar. Auch ist z. B. nicht nachzuvollziehen, dass etwa in einer mittleren Kreisstadt eine Kreis- und eine Stadtbibliothek nebeneinander her existieren, die eifersüchtig ihre Eigenständigkeit bewachen. Zurzeit kommt erfreulicherweise einiges im Zusammenhang mit der großen Aufgabe der Leseförderung in Gang. Kooperationen, sogar Zielver-

einbarungen zwischen Öffentlichen Bibliotheken und Kindergärten, zwischen Öffentlichen Bibliotheken und Schulen bzw. deren Trägern sind vorhanden oder werden angestrebt. Auch die Zusammenarbeit zwischen kulturellen Instituten wie Bibliotheken, Archiven und Museen wird immer mehr thematisiert, wenn mir dabei auch nicht unbedingt eine Fülle von Beispielen einfällt. Sicher wird in Zukunft, schon aus Kostengründen, die Frage nach einer engen Verbindung, gar einer Einheit von Institutionen, die kulturelles Erbe bewahren und aktuelle Informationen zur Verfügung stellen, beantwortet werden müssen. All dieses würde meines Erachtens keineswegs den Untergang der Bibliotheken und ihres Kultur-, Bildungs- und Informationsauftrages bedeuten; es würde auch nicht den Untergang des Buches bedeuten. Mag sein, dass man sich in Sachen Buchkultur vielleicht auf eine elitärere Note einstellen muss. Doch, um mit Robert Gernhardt zu sprechen: „Ums Buch ist mir nicht bange, das Buch gibt es noch lange.“ Eine Kooperation zwischen Bibliotheken vor Ort, vor wenigen Jahren noch undenkbar, mittlerweile mit gutem Erfolg in einigen Kommunen zu beobachten, wird zwischen kommunalen und kirchlichen Bibliotheken praktiziert. Die Menge der vorhandenen kirchlichen Einrichtungen und ihre Leistungsbilanz (regelmäßige Sonntagsöffnungszeiten!) sollten eigentlich zu neuen Kooperationsformen jenseits aller Ideologie führen. Vielleicht ist in diesem Zusammenhang auch die schwierige Frage der Zusammenarbeit mit muslimischen Bildungsund Kultureinrichtungen oder Vereinen anzugehen. Wohlgemerkt: Dies ist kein Plädoyer dafür, die Kommunen um ihre Verantwortung für die Bibliotheken zu entlassen. Im Gegenteil, die Promovierung eines Bibliotheksgesetzes, so wie es zurzeit von den Verbänden geschieht, ist gerade in dieser Hinsicht außerordentlich wichtig. Das Stichwort Religion kann aber noch in einem anderen Zusammenhang betrachtet werden: In vielen Kommunen kommen die beiden großen christlichen Religionsgemeinschaften in die Verlegenheit, leerstehende Kirchen einer anderen Nutzung bibliotheken heute 3 (2007) 1

Aufsätze · Vorträge

zuführen zu müssen, sie zu verkaufen oder zu vermieten. Was aber würde besser zum Christentum, das wie das Judentum und der Islam eine Buchreligion ist, was also würde besser zu ihm passen, als in Kirchen, die nicht mehr für den Gottesdienst genutzt werden, Bibliotheken einzurichten? Und warum soll andererseits ein Gottesdienst nicht zwischen und unter Büchern abgehalten werden? Als Beispiel sei hier auf die Johannes a Lasco Bibliothek in Emden, die „Bibliothek des Jahres 2000“, verwiesen oder auch auf das nieder-sächsische Georgsmarienhütte, wenn es um die gemeinsame Verantwortung von Kirchen und Kommunen für die Bibliothek geht. Ein Kooperationspartner liegt aber so nahe, dass er uns vielleicht wegen vorhandener Altersweitsichtigkeit schon gar nicht mehr ins Blickfeld gerät. Ich halte Buchhandlungen für die idealen Partner beim Betreiben einer Bibliothek. Damit sind keinesfalls die üblichen Geschäftsbeziehungen oder gegebenenfalls gemeinsame kulturelle Veranstaltungen gemeint, sondern meine tatsächlich das Betreiben einer Bibliothek auf gemeinsame Kosten und Risiken. Der Nutzer, der Leser, der Kunde soll selbst entscheiden, ob er sich ein Buch, ein Medium kaufen oder ausleihen will. Klassisches Beispiel: Der Kunde leiht sich drei Reiseführer über Kanada aus. Derjenige, der ihm am besten gefällt, geht in sein Eigentum über, und zwar durch Kauf. In wie starkem Maße Buchhandlungen bereits jetzt bestimmte Angebote von Bibliotheken kopieren, zeigt sich in den großen Buchhandlungen, in denen es Leseecken, ja schon Lesesaal ähnliche Räumlichkeiten gibt. „Kommunales Kulturzentrum“ muss ja nicht nur Öffentliche Bibliothek plus Volkshochschule plus Stadtarchiv plus Familienbildungsstätte heißen. Kulturzentrum könnte auch z. B. heißen: Buchhandlung plus Bibliothek plus Antiquariat plus Gastronomie. Wir sollten auch davon wegkommen, Bibliotheken als statische, relativ eindimensional ein- und ausgerichtete Häuser, Räume oder Gebäude zu sehen. Der Fantasie hinsichtlich sachlicher wie räumlicher Nutzung von Synergieeffekten sind keine Grenzen gesetzt. bibliotheken heute 3 (2007) 1

Die teils durch die finanziellen Rahmenbedingungen vorgegebene Zentralisierung in Bibliothekssystemen hat eine andere Perspektive in den Hintergrund treten lassen, nämlich die, als Bibliothek dort hinzugehen, wo zumindest Teilaufgaben erfüllt werden und von Nutzen sein können. In dem schönen holländischen Buch „Bibliotheken 2040. Die Zukunft neu entwerfen“ wird ein faszinierendes Szenario entwickelt, die sogenannte Brabant-Bibliothek. Diese Bibliothek soll ein riesiges Bibliothekszentrum werden, in dem alle irgendwie verfügbaren Medien an einem Ort zusammengefasst sind. Gleichzeitig ist diese Bibliothek aber auch zuständig für alle dezentralen Einrichtungen, d. h. dass an vielen Orten dieser Provinz kleine Bibliotheken mit Büchern existieren, die an reizvollen Orten oder an Orten, die sozusagen in der Nachbarschaft liegen, bereitgehalten werden: „Die Brabant-Bibliothek wird alle Bibliotheken Nordbrabants in sich vereinen, doch daneben wird ein Netzwerk von Bibliotheken entstehen. Keine Bibliotheken wie wir sie jetzt kennen, aber kleine Bibliotheken mit besonderen Beständen an alltäglichen Begegnungsorten, wie Hotels, Kneipen, Bahnhöfe, Schulen und Tankstellen. Jeder Besucher kann hier in Büchern blättern, sie mitnehmen oder sogar kaufen. Mit Hilfe eines Bildschirmes können die Bücher, die gerade nicht präsent sind, gesucht, gelesen, bestellt oder ausgedruckt werden. Ein modernes Distributionsverfahren sorgt dafür, dass ein Buch aus der Brabant-Bibliothek blitzschnell an den jeweiligen gewünschten Ort der Provinz geliefert werden kann.3“ Doch auch andere Medieneinrichtungen wären wünschenswerte Kooperationspartner bzw. Mitglieder von „Wohn- oder Servicegemeinschaften“. Eine gemeinsame räumliche Unterbringung von großen oder kleinen Kinos mit Öffentlichen Bibliotheken hielte ich für optimal. An der GottfriedWilhelm-Leibniz-Bibliothek in Hannover wird zurzeit durch ein regelmäßiges Angebot von Filmen diese Idee in ganz bescheidener Weise verfolgt. Warum z. B. nicht mit dem Hotel- und Gaststättengewerbe kooperieren, das gepflegte Unterkunft und Gaumenfreuden anbietet und dessen Arbeit sprachlich synonym mit Service gleich-

gesetzt wird, arbeiten, auch und gerade in kleinen Kommunen? In dem eben erwähnten niederländischen Band „Bibliotheken 2040“ findet sich übrigens ein hübscher Beitrag zum Thema Bibliothekshotel oder Hotelbibliothek unter dem Titel „Hotel Alphabet“. Bibliotheken oder Bibliotheksdependancen sind auch denkbar in Sportstätten, Schwimmbädern etc., Einrichtungen, die in der Freizeit stark frequentiert werden. Ist denn das klassische Ideal von der Bildung des Körpers und des Geistes (mens sana in corpore sano) heute obsolet geworden? Ich sehe in den vergangenen Jahrhunderten jedenfalls trotz aller Großmäuligkeiten verderblicher Ideologien nichts, was gegen dieses Ideal spräche. Irgendwann werden die Kommunen wieder bauen können, ja bauen müssen. Warum nicht schon jetzt an diese Möglichkeit denken, vielleicht auch auf Anregung der Bibliothek diese Thematik in den Stadtrat bringen? Bibliotheken an Orten unterzubringen, an denen man sich auch aus anderen Gründen gern aufhält, stärkt zusätzlich die regionale Identifikation. Da gibt es etwas, was ich dem Gast, dem Besucher von außen zeigen kann, da gibt es etwas, an dem ich Anteil habe, das mir angehört, das für viele Menschen wichtig ist. Ganz gewiss bin ich der Meinung, dass Bibliotheken Orte des Massenvergnügens, also auch beispielsweise Freizeitparks, Einkaufszentren oder auch Einrichtungshäuser wie IKEA nicht scheuen sollten. Es sind ideale Orte, besonders für Kinder und Jugendliche. Aber sollten wir die Kinder und Jugendlichen nicht auch einmal selbst befragen, wo sie gern ihre Bibliothek sähen, wo sie sie am liebsten aufsuchen würden? Freilich gibt es auch eine andere Seite der Medaille. Eine Umfrage, die ich 1998 als DBV-Vorsitzender zum Thema „Wozu brauche ich meine Bibliothek?“ gestartet hatte, brachte ganz andere Ergebnisse. Nicht die unternehmende, nicht die laute, nicht die aufregende Event-Bibliothek war dort häufig Ziel der Begierde von Kindern und Erwachsenen, sondern die zurückgenommene, die zurückgezogene Bibliothek war gewünscht. Die Biblio-



Aufsätze · Vorträge

thek als „Insel der Seligen“, „Insel der Ruhe“, die eben nicht eine Massenvergnügungsstätte ist, sondern einen Kontrapunkt setzt, der durchaus auch elitäre Züge tragen kann, der durchaus als Fluchtpunkt im Wortsinne betrachtet werden kann, gehörte zur häufig geäußerten Wunschvorstellung. Damit aber sind wir bei einem Thema, das sozusagen auf die andere Seite der Medaille des Strukturwandels geprägt ist. War eben mehr oder weniger indirekt von der Abnahme der Zahl der jugendlichen Bibliothekskunden die Rede und davon, wie man dem begegnen könne, so ist auf der anderen Seite natürlich an die Zunahme alter und ältester Kunden zu denken: Stichwort Lebenslanges Lernen. An einen alten Seufzer sei hier in Abwandlung erinnert: „Von der Wiege bis zur Bahre – Bibliothekare, Bibliothekare!“ Unsere Kolleginnen und Kollegen in den Bibliotheken und in den Verbänden haben dieses Thema schon seit langer Zeit intensiv, mit Erfolg und mit guten Vorschlägen bearbeitet. Die aufsuchende Bibliotheksarbeit wird man hier wieder intensiver aus dem Schatz der Erfahrungen früherer Jahre herausheben können. Eine Zusammenarbeit mit möglicherweise in Zukunft riesigen Alten- und Pflegeheimen darf durchaus in Überlegungen zu dieser Thematik einbezogen werden. Doch es geht dabei nicht nur um die Betreuung im Sinne der Sozialarbeit oder der christlichen Nächstenliebe, sondern auch durchaus um Angebote von Bibliotheken für die Fortbildung auch im fortgeschrittenen Alter. Die gesellschaftliche Entwicklung scheint außerdem auf ein Anwachsen der Altersbedürftigkeit hinauszu-



laufen, das heißt, dass Menschen, die sich heute, weil noch gut abgesichert, ihre Bücher oder Medien in der Regel kaufen, dies bald nicht mehr zu tun in der Lage sein werden. Aber es geht nicht um „alte Menschen“, sagen wir um über 60jährige, allein. Tatsache ist doch, dass immer mehr Menschen wegen Mangel an Arbeit und trotz politischer Forderungen nach längeren Lebensarbeitszeiten immer weniger arbeiten – Frührentner sind schon lange keine Ausnahme mehr, sondern in einigen Kommunen die Regel. Auf diese Gruppen bibliothekarisch zu reagieren, dürfte die Arbeit der kommenden zwei Generationen unserer Kollegen bestimmen. Auch scheint mir die Idee von der Bibliothek als sozialer Ausgleichsfaktor im Kultur- und Bildungsbereich durchaus nicht mehr überholt zu sein, sondern an Strahlkraft eher zu gewinnen. Fortbildung in Sachen Medienkompetenz wird in Zukunft eine Aufgabe für Bibliotheken, die nicht nur im Bereich der Schule und Vorschule selbstverständlich sein sollte, sondern auch etwa in Medienzentren, die in oder bei Betrieben angesiedelt sind. Diese würden Menschen, wenn sie auch für ehemalige Mitarbeiter geöffnet sind, jeden Alters erreichen. Es ist die Frage, ob die Tradition der „Betriebsbibliothek“ nicht einmal unter diesen Aspekten wieder betrachtet werden könnte. Nicht angesprochen wurden hier die Aufgaben für Bibliotheken, die bisher breitflächig noch der Lösung bedürfen, die aber nicht unmittelbar mit dem demografischen Wandel zu tun haben. Gemeint ist damit ein Serviceangebot, das im Optimalfall (wie an

der UB Karlsruhe) 24 Stunden an sieben Tagen zur Verfügung steht oder in manchen Gebieten statt von 10 bis 16 Uhr, von 17 bis 24 Uhr. Die meisten Bibliothekare in allen Sparten des Bibliothekswesens sind gewiss davon überzeugt, dass ihre Arbeit den jetzigen und zukünftigen Generationen in einer Weise nachhaltig dient, wie man das nur von wenigen Berufen behaupten kann. Sie wissen aber auch, dass sie diese Überzeugung durch interne Arbeit wie entsprechende Informationen nach außen vermitteln müssen – und dass sie sich den Aufgaben von morgen bereits heute zu stellen haben.

Anmerkungen 1 Klaus Lompe und Heinrich Weis: Arbeits-StadtRegion 2030 Südostniedersachsen. Ein Forschungsprojekt im Rahmen des Ideenwettbewerbs „Stadt 2030“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Braunschweig: Technische Universität. Institut für Sozialwissenschaften, 2003. S. 114. 2 Wie leben wir morgen? Braunschweiger Zeitung Spezial. Nr. 3 (2006). 3 Winy Maas: Brabant Bibliothek. In: Rob Bruijnzeels und Nicoline van Tiggelen: Bibliotheken 2040. Die Zukunft neu entwerfen. Aus dem Niederländischen von Ute Klaassen. Bad Honnef: Bock + Herchen, 2001. S. 16 – 27. Hier S. 19.

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Aufsätze · Vorträge

Leseförderung mit dem PC in Schulen und Bibliotheken Projekt in einem dritten Schuljahr mit besonderer Berücksichtigung der männlichen Schüler1 Von Dr. Helga Arend Das Projekt Leseförderung mit dem PC fand im Rahmen eines Fachpraktikums der Universität Koblenz-Landau/Campus Koblenz statt und wurde in Kooperation mit dem Landesmedienzentrum und der Grundschule Moselweiß gestaltet. Neue Wege der Leseförderung, die besonders für die männlichen Schüler attraktiv sein sollten, wurden gesucht. Zu den Lesetexten, bei denen der erste Zugang durch auditive, visuelle und gestalterische Ansätze vermittelt wurde, erstellten die Studentinnen jeweils Arbeitsaufträge, die von den Schülerinnen und Schülern am Computer gelöst wurden.

1. Prämissen: Der PC als Lern- und Spielmedium Das Medium Computer zur Förderung der Lesemotivation wurde auf der Grundlage zweier wesentlicher Prämissen, die das gegenwärtige Schulleben prägen, eingesetzt. Die erste wichtige Tatsache, die man heute nicht mehr umgehen kann, besteht darin, dass der PC als Lernmedium eine wichtige Rolle spielt und die Schülerinnen und Schüler nicht mehr umhin können, den PC zu beherrschen. Bildung kommt gegenwärtig ohne dieses Medium nicht mehr aus. Die Lehrpläne der meisten Bundesländer berücksichtigen dies, indem sie die Arbeit mit dem PC schon ab dem ersten Grundschuljahr in ihren Richtlinien verankern.2 Eine weitere – von Pädagogen und Medien immer wieder beklagte Tatsache – besteht darin, dass Kinder auch im Grundschulalter den PC extensiv als Spiel-Medium nutzen. Es bringt keine pädagogischen Fortschritte, wenn immer nur dieser negative Aspekt des PCs aufgeführt wird und damit die positiven Möglichkeiten des Lernens, die der PC bietet, in den Hintergrund treten3. Vielmehr besteht die wesentliche Aufgabe der Schule darin, den Schülerinnen und Schülern einen Umgang mit den Medien Fernsehen und Computer beizubringen, der ihnen ermöglicht souverän mit diesen Mitteln der modernen Kommunikation umzugehen. Die negative Darstellung der von den Kindern und Jugendlichen viel genutzten Medien wirkt eher kontraproduktiv und lässt die Schülerinnen und Schüler mit den Problemen, die sich aus der Nutzung und eventuell auch dem Missbrauch ergeben, allein und ohne Hilfen. bibliotheken heute 3 (2007) 1

2. Ziele des Projektes Das wesentliche Ziel des Projekts bestand in erster Linie darin Leseleistung und Lesemotivation durch den Einsatz dieses neuen Mediums zu steigern. Die Verstärkung der Lesemotivation kann allein schon dadurch erreicht werden, dass die besprochenen Texte durch Arbeitsaufträge, die mit Hilfe des Computers bearbeitet werden können, intensiv analysiert werden, da die Nutzung des PCs das Interesse am Text vergrößert, weil die Aufgaben nicht ohne Textkenntnis gelöst werden können und der Umgang mit dem PC eine große Resonanz bei den Schülerinnen und Schülern hervorruft. Die Schülerinnen und Schüler sollten während des Fachpraktikums an die folgenden Lernziele herangeführt werden: „Sie haben erfahren, dass Lesen Vergnügen bereitet. Sie haben eine tragfähige Lesefertigkeit und grundlegende Lesetechniken erworben und dabei erfahren, dass Übung, Konzentration, Aufmerksamkeit, Bereitschaft und Interesse erforderlich sind. Sie haben erlebt, dass Lesenkönnen und Lesenwollen wichtige Grundvoraussetzungen sind zur ganzheitlichen persönlichen Weiterentwicklung.“ „Sie verfügen über Strategien und literarische Grundkenntnisse, die sie dazu befähigen, unterschiedliche Textsorten – z.B. sog. erzählende Texte, Sachtexte, lyrische Texte – zu verstehen und für sich selbst sowie zur Klärung eines Sachverhalts zu nutzen, indem sie ein Repertoire operativer und analytischer Umgangs- und Erschließungsformen kennen gelernt, erprobt und angewandt haben.“4 „Sie kennen den Umgang mit dem PC im schulischen Kontext. Schülerinnen und Schüler, die den PC als

Spielmedium nutzen, erkennen, dass mit Hilfe des PCs neue Strategien und Methoden des Herangehens an Texte möglich sind. Diejenigen Schülerinnen und Schüler, die bisher noch keinen PC benutzen, werden an den Einsatz des neuen Mediums herangeführt.“

3. Spezielle Leseförderung für Jungen Ein weiteres zentrales Anliegen des Projekts bestand darin, eine Leseförderung, die speziell auf männliche Schüler ausgerichtet ist, zu erreichen. In jüngster Zeit häufen sich Hinweise darauf, dass die Lesekompetenzen der Jungen hinter denen der Mädchen stark abfallen. So sind achtzig Prozent der Schüler mit Lese-Rechtschreibschwäche männliche Jugendliche5. Der Iglu-Koordinator und Leiter des Dortmunder Instituts für Schulentwicklungsforschung Wilfried Bos, stellt sogar die These auf, dass in den Schulen „eine systematische Tendenz zur Benachteiligung von Jungen erkennbar“6 sei. Immer wieder wird betont, dass in den Grundschulen durch die Dominanz von weiblichem Lehrpersonal die Auswahl der Lesetexte und der methodische Zugang eher auf Mädchen hin orientiert seien. „Die unterschiedlichen Vorlieben von Mädchen und Jungen für die Kommunikationsmodi Schrift und Bild sind ein bislang vernachlässigtes Gebiet in der geschlechtsbewussten Förderung der Lesekompetenz.“7 Um besonders den Neigungen von Jungen entgegenzukommen, wurde zur Innovation der Methodik der Computer eingesetzt8, da wir davon ausgegangen sind, dass die Arbeit mit dem PC die Jungen motivieren wird, weil Jungen den Computer auch privat eher nutzen. In der KIM-Studie wurde aufgezeigt, dass



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24 Prozent der Jungen die Computernutzung als wichtige Freizeitbeschäftigung angeben, während dies nur für 13 Prozent der Mädchen gilt9. So konnte auch Andrea Bertschi-Kaufmann nachweisen, dass die Benachteiligung der Jungen dann geringer ist, wenn sie zum Lesen in freien Schulstunden nicht nur auf Printmedien angewiesen sind, sondern auch elektronische Medien nutzen dürfen. „Zwar lasen auch in dieser Gruppe die Jungen weniger als die Mädchen, aber das medial erweiterte Lektüreangebot schien besonders für die Jungen aktivierend zu sein.“10 Während die Jungen durch die Vorliebe für den Computer an literarische Texte herangeführt werden, soll das Interesse der Mädchen für den PC über die Freude an Literatur geweckt werden. Während des Praktikums sollte der PC aber nicht im Mittelpunkt des Unterrichts stehen, sondern als Hilfsmittel dienen, bestimmte Aufgaben besser zu erfüllen. Der Unterrichtsgegenstand wurde ebenfalls so gewählt, dass die Interessen von Jungen Berücksichtigung fanden; bei der Textauswahl wurden Gruselgeschichten in den Mittelpunkt gestellt. Lesen in der Schule sollte immer auch im Blick haben, dass die Lesemotivation eine wesentliche Rolle spielt, wenn aus den Schülerinnen und Schülern kompetente Leserinnen und Leser werden sollen. Christine Garbe verweist ausdrücklich auf diesen Zusammenhang: „Aus der lesebiographischen und psychoanalytischen Forschung wissen wir, dass Lesen in der Kindheit und Pubertät vor allem dem Lustgewinn oder der Phantasiebefriedigung dient. Damit eine lebensgeschichtlich stabile Lesemotivation aufgebaut wird, muss das Lesen in der Kindheit, also in dem Zeitraum zwischen 8 und 12/13 Jahren (nach dem Erwerb der Lesefertigkeit in den ersten beiden Grundschulklassen und vor dem beinahe unvermeidlichen ‚Leseknick’ in der Pubertät), als eine lustgewährende Praxis erlebt werden.“11

4. Projektdurchführung Das Praktikum, das in der Grundschule Moselweiß/Koblenz in Kooperation mit Burkhard Dieme vom Landesmedienzentrum stattfand, wurde



unter der Leitung von Dr. Helga Arend zusammen mit sieben Studentinnen und der Mentorin Claudia Bastian gestaltet, wobei im ersten Teil des Praktikums von jeder Studentin eine Unterrichtseinheit durchgeführt wurde, während die Studentinnen im zweiten Teil in Team-Teaching die Schülerinnen und Schüler zu kreativen Formen des Schreibens anleiteten, so dass die selbst verfassten Gruselgeschichten, deren Layout auf dem PC erstellt wurde, zu einem Buch für die Klasse zusammengestellt werden konnten. Die Stunden der Studentinnen waren jeweils so konzipiert, dass am Beginn der Stunde das Lesen bzw. Erzählen der Geschichte stand, dann folgte meist ein Erarbeiten mit verschiedenen Sinnen und erst in der Vertiefungsphase wurde der Computer eingesetzt. Das Programm Hot Potatoes12, das mehrere ansprechende Möglichkeiten der Texterarbeitung bietet, wurde zur Erstellung der Computeraufgaben genutzt. Es können verschiedene Aufgaben zur Absicherung des Textverständnisses gestellt werden; Kreuzworträtsel, Lückentexte, Satzstellungsübungen, Zuordnungsübungen und Fragestellungen in Quizform kann der Lehrende selbst entwerfen, so dass die Arbeitsaufgaben genau passend zum erarbeiteten Text zusammengestellt werden können13. Auch sinnvolle Differenzierungen sind möglich, indem für die unterschiedlichen Leistungsbereiche verschiedene Aufgaben zur Verfügung gestellt werden oder von den Schülerinnen und Schülern selbst ausgewählt werden. Außerdem bietet das ausgewählte Programm Hilfen an, die es auch schwächeren Schülerinnen und Schülern ermöglichen, alle Fragen zu beantworten. Da die Grundschule in Moselweiß gut mit PCs ausgestattet ist, konnten immer zwei Schülerinnen bzw. Schüler an einem PC zusammenarbeiten.

5. Resümee und Nutzung der Erkenntnisse für Bibliotheken Alle Schülerinnen und Schüler kannten die technischen Grundlagen des Umgangs mit dem PC, wie z.B. Bedie-

nung der Maus, Beenden eines Programms und Eintippen von Wörtern. Wir hatten vorher angenommen, dass eventuell einige Schülerinnen und Schüler erst mit den Grundlagen des PCs vertraut gemacht werden müssten. Die geschickte Handhabung zeigte, dass der PC im Leben der meisten Schülerinnen und Schüler schon selbstverständlich verankert ist.14 Unsere Annahme, dass das Interesse der Jungen besonders angesprochen wird, wurde immer wieder bestätigt durch Nachfragen der Schüler, wann mit den Übungen begonnen würde und ob wir heute wieder am PC arbeiten könnten. Motiviert waren besonders die Jungen, bei denen in anderen Stunden eher ein nicht so großes Interesse an Literatur verzeichnet wurde. Auch die Befürchtung, dass die Übungen am Computer während eines ganzen Semesters ihre Attraktivität verlieren könnten, hat sich nicht bewahrheitet. Ein besonders positiver Aspekt der Arbeit am PC besteht darin, dass der Schüler/die Schülerin sofort ein Feedback für seine/ihre Leistung bekommt, so dass eine ähnliche Situation wie die Lehrer-Schüler-Kommunikation entsteht. Diese sofortige Bestätigung bzw. Möglichkeit zur Korrektur lässt die Motivation lange erhalten bleiben und wirkte auch insbesondere für die weniger guten Schülerinnen und Schüler so, dass die Aufmerksamkeit gesteigert wurde. Insgesamt sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass Leseförderung durch den PC sehr motivierend wirkt und sie deshalb insbesondere für die männlichen Schüler eine wichtige Rolle spielen sollte. Die Reaktionen der Schülerinnen und Schüler waren ausnahmslos – bei Mädchen wie bei Jungen – zustimmend, da aus dem abschließenden Feedback deutlich hervorging, dass der Einsatz des PCs in der Schule häufiger gewünscht wurde. Zu beobachten war die intensive Arbeit der Schülerinnen und Schüler am PC, was sich auch auf die Disziplin in der Klasse positiv auswirkte. Die Verbesserung der Disziplin kam dadurch zu Stande, dass diejenigen Jungen, die im anderen Unterricht häufig als störend erlebt wurden, am Computer zu einer ausdauernderen Arbeit fähig waren, bibliotheken heute 3 (2007) 1

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da dies offensichtlich ihren Interessen eher entgegenkam. Für Kinder- und Jugendbibliotheken könnte man diese Erkenntnisse fruchtbar machen, indem Bibliotheksrallyes entworfen werden, die Hot-PotatoesÜbungen zu literarischen Texten enthalten, um so in diesen „Entdeckungsreisen“15 durch die Bibliothek nicht nur das Umfeld Bibliothek, sondern auch die hier präsentierte Literatur für die Schülerinnen und Schüler interessant darzustellen. Bei Führungen von Schulklassen durch Bibliotheken hat man dadurch die Möglichkeit gerade auch diejenigen Schülerinnen und Schüler, die dem Medium Buch fern stehen, zu motivieren und an Literatur heranzuführen. Der nächste Schritt müsste dahin gehen, dass man für die verschiedenen Altersklassen Bibliotheksrallyes entwerfen würde, die den PC und die entsprechenden Lernübungen mit einbeziehen und den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit bieten die Bibliothek und ihr Angebot an Literatur mit Hilfe des Computers zu entdecken und kennen zu lernen.

6. Praktische Beispielstunde von Anne Sattler16 6.1 Sachanalyse des Gedichtes „Geisterstunde“ von Barbara Rhenius Im Gedicht „Geisterstunde“ von Barbara Rhenius, welches im Pusteblume-Lesebuch für das 4. Schuljahr17 abgedruckt ist, geht es um eine Gespenster- und Monsterschar, die um Mitternacht das Ulmer Münster unsicher macht. Nach dem Verstreichen dieser sagenumwobenen Stunde hat der Spuk dann mit einem Male ein Ende. Das Gedicht besteht aus sechs Strophen à zwei Zeilen, die jeweils mit einem Paarreim abschließen. Eins der beiden Reimwörter am Ende jeder Zeile lautet Gespenster, wobei je nach „Reimpartner“ der Schlussvokal in dem Wort „Gespenster“ abgewandelt wird. So werden aus Gespenstern Gespünster, Gesponster und auch Gespinster. Diese Wortspiele lassen das Schema von Paarreimen durchscheinen und auch für Kinder erkennbar hervortreten. Das Metrum ist ein vierhebiger Trochäus, was beim lauten Lesen den Eindruck eines geschilderten „Gespensbibliotheken heute 3 (2007) 1

tertanzes“ erweckt; jedenfalls wird dadurch das lebendige Treiben während der Geisterstunde unterstrichen. Der Aufbau und die Struktur des Gedichtes sind somit klar; und der Text provoziert vor allem durch die Gestaltung der Paarreime am Ende der jeweiligen Zeilen. Dieses Spiel mit dem Reim bietet sich deshalb an mit den Schülern aufzugreifen und näher zu beleuchten, wobei die Grundaussage nicht in den Hintergrund treten darf. Der lexikalische Bestand des Gedichtes entstammt vornehmlich dem Bereich der Gespenster, aber auch das Wortfeld rund um das Ulmer Münster wird aufgegriffen. Des Weiteren finden sich viele Verben, die eng mit dem schaurigen und gruseligen Tun der unheimlichen Münstergeister verbunden sind. So unterstreichen Verben wie „tanz(en)“(Z.6), „krall(en), schnaub(en)“(Z.7), „schwirr(en) (Z.8) und „heulen“(Z.10) die Geisterstimmung um Mitternacht. Auch der Bestand der Adjektive entstammt diesem Wortfeld: „duster, finster“(Z.5); „schaurig“(Z.10). Der Inhalt des Gedichtes ist im Ganzen eine „runde Sache“, da es mit dem Schlag zwölf um Mitternacht beginnt und mit Schlag eins in der Nacht konsequent endet. Das Treiben der Gespenster findet hier sein Ende. Diese Aussage wird auch durch eine Exklamation unterstrichen: „Fort sind sie, die Nachtgespünster!“. (Z.12) 6.2 Didaktische Begründung der Ziele Die zentrale Intention der Unterrichtsstunde fügt sich ein in den Kontext dieser ganzen Einheit und steht im Zeichen der Leseförderung durch das Medium PC. Das Trägermedium, mit dem ich diese Intentionen durchsetzen möchte, ist v .a. das Gedicht „Geisterstunde“ von Barbara Rhenius. Leseförderung einerseits im Sinne des Aufbaus einer „reading literacy“ verfolgt differenziert betrachtet das Ziel, die kindliche Freude am Lesen zu wecken und zu fördern, Texte Sinn entnehmend begreifen und inhaltlich wiedergeben zu können. Literarische Texte werden in diesem Kontext näher betrachtet und Möglichkeiten eröffnet, diesen persönlich zu begegnen.

„Reading literacy“ stellt eine notwendige Kompetenz zum Wissenserwerb in allen Fächern der Grundschule und darüber hinaus dar. Da diese Fähigkeit sich aber erst durch die Arbeit mit und an Sprache konkretisieren und realisieren kann, werden besonders im Deutschunterricht grundlegende Kompetenzen erworben, die für das weitere Arbeiten in anderen Bereichen erforderlich sind. Das zweite Groblernziel der Stunde stellt den Erwerb und die Festigung literarischer Grundkenntnisse dar, die ich am Beispiel des Gedichtes „Mitternacht“ für die Gattung Lyrik beleuchten möchte. Es wird dabei darauf zurückgegriffen, dass Schüler in diesem Alter „Freude an Sprachspielen, -klängen und -rhythmen“ mitbringen. „Die frühe Erfahrung von Lesefreude… kann zu einem dauerhaften Element der persönlichen Lebensgestaltung werden.“ Das Leistungsprofil Deutsch legt fest, dass die Schüler Möglichkeiten haben sollten zu erfahren, „dass Lesen Vergnügen bereitet“. Dieses übergeordnete Ziel steht im Fokus des Interesses bzgl. der Intention der Stunde. Dass durch die Arbeit mit dem PC, der zunächst zum Zweck der Leseförderung eingesetzt wird, auch die Medienkompetenz, der Umgang mit dem Medium PC, geschult wird, steht außer Frage. In einer Welt, die mediendominiert ist, kann nicht darüber hinweggesehen werden, dass Kinder Medienkompetenz entwickeln müssen, um sich in ihrer Lebenswelt zurecht zu finden und um Perspektiven für ihre Zukunft zu haben. In ihrem Alter lernen Kinder noch spielend schnell den Umgang mit dem Computer, weshalb besonders in dieser Phase dieses Kapitel nicht ausgespart, sondern gefördert werden sollte. 6.3 Exemplarische Bedeutung Das Gedicht „Geisterstunde“ steht exemplarisch für alle möglichen Gedichte oder Texte der gewählten Thematik „Grusel-Literatur“. An diesem Beispiel wird im Sinne der Leseförderung auf verschiedene motivierende Methoden zurückge-



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griffen, die diesem Ziel dienlich sind. Außerdem können an diesem Gedicht exemplarisch die literarischen Grundbegriffe erarbeitet werden, die die Kinder am Ende der Grundschulzeit kennen sollten. Da bisher vorwiegend erzählende Texte in den vorhergegangenen Stunden erarbeitet wurden, sollte zur Abwechslung auch einmal auf die Lyrik zurückgegriffen werden, um eine andere Gattung näher zu beleuchten. In der Planung der Stunde wurde darauf geachtet, dass die Schüler die Möglichkeit erhalten rezeptiv, produktiv und reflexiv gefordert zu sein. 6.4 Feinlernziele Fachlich-inhaltliche Kompetenzen In der Motivationsphase sowie beim Vorlesen der Rahmenerzählung gewinnen die Schüler/innen Sachinformationen über das wichtigste Wahrzeichen der Stadt Ulm und über die prägnanten Eckdaten des Münsters (Größe, Glockenturm,...), die einerseits für die Geschichte wichtig sind, aber auch Allgemeinwissen darstellen. Methodik: Durch das Hören des Glockenläutens des Ulmer Münsters, die Einordnung Ulms auf der Deutschlandkarte, die Bilder vom Ulmer Münster und die Basisinformationen in der Rahmenerzählung gewinnen die Kinder einerseits Sachinformationen über das Münster und andererseits erhöht sich in dieser Phase des Einstiegs die Motivation für den Verlauf der Stunde. Somit werden die Schüler in den ersten Minuten provoziert Fragen zu entwickeln und sich der Geschichte auf verschiedene Weise anzunähern. Die Spannung erhöht sich. Außerdem wird durch das Zeigen der Städte Ulm und Koblenz auf der Deutschlandkarte das räumliche Vorstellungsvermögen gefordert und die Einordnung der Stadt Ulm in Deutschland greifbar gemacht. Soziale und kommunikative Kompetenzen Die Kinder werden in dieser Stunde immer wieder dazu aufgefordert, ein Teil des sozialen Gefüges zu sein, sich der Gruppe anzupassen und Regeln einzuhalten. So sind die allgemein verbindlichen Gesprächsregeln und Rituale in der Stunde ebenso gültig wie

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alle anderen Regeln, die von der Klasse bereits aufgestellt wurden, um das soziale Miteinander stabil zu halten und zu fördern.



Die Schüler sind einerseits dazu aufgefordert, ins Gespräch mit der Praktikantin zu kommen sowie auch untereinander zu kommunizieren. Die Gruppenarbeit zur Erstellung einer eigenen Gedichtstrophe soll dazu beitragen, die Gruppe zu Gunsten der Kreativität auszunutzen und gemeinsam ein für jeden akzeptables Ergebnis zu erarbeiten. Dass hier Kooperationsfähigkeit sowie die Akzeptanz von Kompromissen gefördert werden, muss nicht näher erläutert werden. Es ist wichtig, Schülern immer wieder diese Gruppensituation „zuzumuten“, da sie so das soziale Miteinander am Beispiel einer kreativen und kommunikativen Aufgabe stärken können.

2. Was ist am Turm des Ulmer Münsters so besonders? a) Das Münster hat den höchsten Kirchturm der Welt. b) Das Münster hat den ältesten Kirchturm der Welt. c) Das Münster hat den schönsten Kirchturm der Welt. d) Das Münster hat den spitzesten Kirchturm der Welt.

Motorische Kompetenzen Die Schülerinnen und Schüler erhalten im Erarbeitungsteil die Möglichkeit, ihre motorischen Fähigkeiten zu fördern und zu üben, indem sie die Gedichtzeilen zunächst ausschneiden müssen, um im Anschluss daran diese passend (inhaltlich sowie strukturell) in das Gedichtgerüst einfügen zu können.

7. Hot-Potatoes-Beispielübungen 1. Reimwörter einsetzen Schlägt es zwölf vom Ulmer Münster, kommen sie – die Nacht(1)__________. Schau hinaus aus deinem Fenster! Siehst du sie, die Nacht(2)__________? Draußen ist es duster, finster. Klappernd tanzen die (3)__________. Vampir krallt, es schnaubt ein Monster, Geister schwirrn um Nacht(4)_________. Kommt vom Flusse Nebeldunst her, heulen schaurig die (5)__________. Dann schlägt‘s eins vom Ulmer Münster, fort sind sie, die Nacht(6)__________! 2. Das Wissens-Quiz 1. In welchem Bundesland steht das Ulmer Münster?

a) Rheinland- Pfalz b) Baden-Württemberg c) Nordrhein- Westfalen d) Bayern

3. Wie viele Stufen führen zur Spitze des Ulmer Münster? a) 120 Stufen b) 12 500 Stufen c) 58 Stufen d) 768 Stufen 4. In welche Klasse gehen Jakob und Tobias? a) Sie gehen in die 3. Klasse. b) Sie gehen in die 1. Klasse. c) Sie gehen in die 2. Klasse. d) Sie gehen in die 4. Klasse. 5. Wie heißt die Klassenlehrerin? a) Die Lehrerin heißt Frau Winter. b) Die Lehrerin heißt Frau Sommer. c) Die Lehrerin heißt Frau Köster. d) Die Lehrerin verrät ihren Namen in der Geschichte nicht. 6. Warum war das Glockengeläut früher für die Menschen so wichtig? (Hier sind zwei Antworten richtig!) a) Sie hatten noch keine Uhren und konnten am Läuten der Glocken erkennen, wie spät es ist. b) Früher gab es noch keine Musik. Deshalb haben die Leute das Glockengeläut als Konzert so sehr gemocht. c) Das Glockengeläut warnte die Menschen vor Feuer in der Stadt oder vor Feinden, die in die Stadt eindringen wollten. d) Wenn die Glocken läuteten, wussten die Menschen, dass die Kuh von Bauer Müller neue Kälbchen bekommen hatte. 3. Gedichtpuzzle Schlägt es zwölf vom (1)_____________, kommen sie – die Nachtgespünster. Schau hinaus aus deinem (2)__________! Siehst du sie – die Nachtgespenster? bibliotheken heute 3 (2007) 1

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(3)_____________ ist es duster, finster. Klappernd tanzen die Gespinster. (4)_____________ krallt, es schnaubt ein (5)_____________, Geister schwirrn um Nachtgesponster. Kommt vom Flusse (6)____________ dunst her, heulen schaurig die Gepenster. Dann schlägt´s (7)_____________ vom Ulmer Münster, fort sind sie, die Nachtgespünster. Anmerkungen 1 Der Aufsatz ist eine überarbeitete Version des folgenden Artikels: Helga Arend: Leseförderung mit dem PC – Ein Projekt der Universität Koblenz-Landau mit Schülerinnen und Schülern des dritten Schuljahres. In: LIES. Hrsg. im Auftrag des Ministeriums für Bildung, Frauen und Jugend des Landes Rheinland-Pfalz. Nr. 15, 2006, S. 24–27 2 Vgl. Brigitte Dörpinghaus: Neue Medien im Fokus positiver Schulentwicklung. In: Grundschulunterricht. Sonderheft Neue Medien. 11/2005, S. 2–3 3 Es sei an dieser Stelle auch darauf verwiesen, dass Didaktiker noch Ende des 19. Jahrhunderts versuchten die Vielleserei der Jugend zu unterbinden. Der Pädagoge Heinrich Wolgast

prangerte in der Schrift Elend unserer Jugendliteratur die Lesesucht der Kinder an und „erbittert beklagte er, daß Kinder zwei bis drei Stunden täglich läsen, um ein Unterhaltungsbedürfnis zu befriedigen.“ Zitat aus: Elisabeth K. Paefgen: Einführung in die Literaturdidaktik. Stuttgart/Weimar 1999, S. 11 4 Rahmenplan Grundschule, Teilrahmenplan Deutsch, Rheinland-Pfalz, 2005, www.grundschule.bildung-rp.de, S. 10 5 vgl. Deutscher Bildungsserver, www.dbs.schule.de/db/mlesen.html (13.3.2006) 6 Marion Schmidt: Hilfe für die schwachen Starken. Jungs sind in der Schule systematisch benachteiligt – das wollen Politiker und Pädagogen nun ändern. In: Süddeutsche Zeitung, 13.3.2006, S. 16 7 Katja Haug: Geschlechtsbewusst zur Leselust: Jungen erlangen Lesekompetenz anders als Mädchen, www.forumbildung.de/templates/ imfokus_inhalt.php (15.3.2006) 8 A.a.O. wird dies zur Leseförderung der Jungen empfohlen. 9 Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (Hg): KIM-Studie 2003. Kinder und Medien. Computer und Internet. Basisuntersuchung zum Medienumgang 6- bis 13-Jähriger. www.forumbildung.de/files/kim_2003.pdf (15.3.2006) 10 Andrea Bertschi-Kaufmann: Lesen und Schreiben in einer Medienumgebung. Die literalen Aktivitäten von Primarschulkindern. Aarau 2000, S. 143 11 Christine Garbe: Mädchen lesen ander(e)s als Jungen. Unterschiedliche Leseinteressen und

Leseweisen – Empirischer Befund und Erklärungsansätze. www.querellesnet.de/forum/ forum10-2.shtml (15.3.2006) 12 Das Programm ist frei verfügbar und kann unter www.hotpotatoes.de heruntergeladen werden. 13 Möglich wäre es auch, die Schülerinnen und Schüler selbst Aufgabenstellungen anfertigen zu lassen. Siehe dazu: Barbara Schuster: Lernen durch Lehren. In: Grundschulunterricht. Sonderheft: Neue Medien, 11/2005, S. 55–61; hier: S. 53 14 Diese Beobachtung deckt sich nicht ganz mit den Zahlen der KIM-Studie 2003 (siehe oben), die feststellt, dass zwei Drittel aller Acht- bis Neunjährigen Computererfahrungen hätten. Diese Abweichung kann wahrscheinlich darauf zurückgeführt werden, dass der Standard sich in den letzten Jahren wieder geändert hat und inzwischen fast alle Grundschulkinder Erfahrungen mit dem Computer gesammelt haben. 15 Vgl. dazu auch: Helga Arend: Entdeckungsreisen in der Kinder- und Jugendbibliothek – Gemeinsames Projekt der Universität und der Stadtbibliothek Koblenz. In: die bücherei. Zeitschrift für Öffentliche Bibliotheken in Rheinland-Pfalz. Heft 2, 2001, S. 157–165 16 Das praktische Beispiel ist die Unterrichtsvorbereitung der Studentin Anne Sattler, deren Stunde besonders gelungen war (Kapitel 7) 17 Wolfgang Menzel (Hg.): Pusteblume – das Lesebuch. Schroedel Schulbuchverlag. Hannover 1995

Die Ausbildung Fachangestellte/r für Medien- und Informationsdienste (FaMI) – Fachrichtung Bibliothek Von Ute Bahrs Zum 1. August 1998 trat der neugeordnete Ausbildungsberuf Fachangestellte/r für Medien- und Informationsdienste in Kraft. Die neue dreijährige Berufsausbildung löste im Bibliothekswesen den bis dahin gültigen zweijährigen Ausbildungsberuf „Assistenten an Bibliotheken“ ab, der 1975 ins Leben gerufen worden war, sowie die in einigen Ländern übliche Ausbildung zum Bibliotheksassistenten an wissenschaftlichen Bibliotheken nach Laufbahnverordnungen für den mittleren Bibliotheksdienst.1 Integration von fünf Fachrichtungen In diesen neuen Ausbildungsberuf wurden fünf Fachrichtungen integriert: Bibliothek, Archive, Information und Dokumentation, Bildagentur sowie Medizinische Dokumentation. Allen Einrichtungen liegen folgende Hauptaufgaben zugrunde: Beschaffen, Erschließen, Aufbewahren und Vermitteln von Informationen und Medien. In weiten Teilen stimmt das Anforderungsprofil in der Qualifikation überein. Dies wurde bei der neuen Ausbildungsverordnung berücksichtigt. „Die Ausbildung nach dem Fachrichtungsmodell sieht zwei Drittel gemeinsame Qualifikation in allen vier Fachrichtungen und ein Drittel spezifische Qualifikation in der gewählten bibliotheken heute 3 (2007) 1

Fachrichtung vor.“ Die Ausbildung findet an den Lernorten Betrieb und Berufsschule statt. Die Ausbildungsbetriebe können sowohl in öffentlicher als auch privatwirtschaftlicher Hand liegen: Im Bereich der Bibliotheken reicht die Spannweite von der großen Staatsbibliothek über die kleine Gemeindebücherei bis hin zur Firmenbibliothek. Die Fachrichtung Bibliothek bildet den Schwerpunkt bei der FaMIAusbildung, da hier die meisten Ausbildungsplätze angeboten werden.2 Berufliche Qualifikationen mit der Fachrichtung Bibliothek Laut den Erläuterungen des Bundesinstituts für Berufsbildung sehen die beruflichen Qualifikationen für

Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste mit der Fachrichtung Bibliothek wie folgt aus: „[Sie] • nutzen bibliographische Informationsmittel für die Erwerbung von Medien, • kontrollieren und bearbeiten Lieferungen und Rechnungen, • bearbeiten Medien nach Regeln der formalen Erfassung, • wirken bei der inhaltlichen Erschließung mit, • statten Medien bibliothekstechnisch aus, • ordnen und verwalten Bestände, • bearbeiten Ausleihe, Rücknahmen, Mahnungen und Vorbestellungen von Medien, • beschaffen Informationen und Medien für Kunden mittels elektro-

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nischer und konventioneller Liefersysteme, • wirken bei Ausstellungen und Veranstaltungen mit.“3 Nach der Verordnung sollten zumindest folgende Fertigkeiten in der Fachrichtung Bibliothek vorliegen: 1. Erwerbung 2. Erschließung 3. Bearbeiten von Medien, Bestandspflege 4. Benutzungsdienst und Informationsvermittlung In der Abschlussprüfung muss der/ die FaMI nachweisen, dass er/sie in der Lage ist, „Arbeiten selbständig zu planen, durchzuführen und das Arbeitsergebnis zu kontrollieren.“4 Die Ausbildung dauert drei Jahre. Es besteht jedoch die Möglichkeit der Verkürzung während der Ausbildungszeit. Grundlage: Vorkenntnisse durch einen vollzeitschulischen Bildungsgang wie z.B. Abitur oder Fachabitur. Der/die Auszubildende kann einen Antrag auf Begrenzung der Ausbildungszeit stellen, wenn die Leistungen dies rechtfertigen. Ausbildender und Berufsschule sollten dies befürworten.5 Jede/r FaMI muss ein Berichtsheft in Form eines Ausbildungsnachweises führen. Die Ausbildungseinrichtung muss die Zeit dafür gewähren und ist verpflichtet, das Heft regelmäßig zu kontrollieren.6 Praktika und Projekte Die Ausbildungsinhalte für die Fachangestellten werden durch verschiedene Praktika und Projekte ergänzt. Die angehenden FaMIs sollen über den Tellerrand der eigenen Ausbildungsinstitution schnuppern können. Daher sind im Ausbildungsplan Praktika vorgesehen. Die Bibliothekswelt ist vielseitig: Wer in einer öffentlichen Bibliothek ausgebildet wird, kann über Praktika Einblick in die Vielfalt der wissenschaftlichen Bibliotheken nehmen und umgekehrt. Wer in einer kleinen öffentlichen Bücherei ausgebildet wird, lernt im Praktikum die Vielfalt eines großstädtischen Bibliothekssystems kennen. Auszubildende im Bereich wissenschaftliche Universalbibliotheken, wie z.B. Landes- oder Universitätsbibliotheken, wählen als eine Praktikumsstation eine wissen-

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schaftliche Spezialbibliothek. Oder es besteht die Gelegenheit die Arbeit in einer Einrichtung der anderen Fachrichtungen kennen zu lernen (Archiv, Dokumentation, Bildagentur).7 Auch ein Auslandspraktikum ist möglich, wofür jedoch eine genaue Planung notwendig ist.8 Im Mittelpunkt von Projektarbeit steht die Förderung von Eigeninitiative und Selbständigkeit. Daher spielt der Berufsbezug nur eine nachgeordnete Rolle. Ob eine nicht-berufsbezogene Projektarbeit für Auszubildende möglich ist, hängt von der Ausbildungsinstitution bzw. deren organisatorischem Rahmen ab. Ausbildungsbibliotheken innerhalb größerer Rahmenorganisationen wie z.B. Bundesministerien oder Wirtschaftseinrichtungen bieten hier evtl. mehr Chancen für Projektthemen außerhalb des eigenen Berufsfeldes.9 Prüfungen Die Zwischenprüfung findet in der Mitte des zweiten Ausbildungsjahres statt. Sie dient der Überprüfung des Wissensstands des Auszubildenden – für ihn/sie selbst und für den Ausbildenden. Es handelt sich um eine schriftliche Prüfung, die keinerlei rechtliche Folgen für die Fortsetzung des Ausbildungsverhältnisses hat, sie fließt auch nicht in das Ergebnis der Abschlussprüfung mit ein.10 „Die Abschlussprüfung ist in einen schriftlichen und einen mündlichen Teil gegliedert [...]. [Sie] umfasst drei Prüfungsbereiche, die schriftlich zu absolvieren sind, sowie einen vierten Prüfungsbereich, der mündlich (als praktische Übung) absolviert werden muss.“11 In drei der vier Prüfungsbereiche müssen mindestens ausreichende Leistungen erbracht werden, um die Abschlussprüfung zu bestehen. Ein „Ungenügend“ reicht, um durch die Abschlussprüfung zu fallen.12 Berufsschule und Fortbildungsmöglichkeiten Es gibt leider keine bundeseinheitlichen Standards im Bereich des Unterrichts an den Berufsschulen und bei den Benotungen. Ein Lehrbuch für die Fachrichtung Bibliothek gibt es ebenfalls noch nicht.13

Die Fortbildungssituation für FaMIs ist bisher unbefriedigend. Der Fachbereich ABD (Archive, Bibliotheken, Dokumentationseinrichtungen) bei der Gewerkschaft ver.di und die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) verabschiedeten 2005 eine Empfehlung zur Fachwirtfortbildung. Der neue Abschluss zum/zur „Geprüften Fachwirt/in für Informationsdienste (IHK)“ soll wie die anderen IHK-Fachwirt-Abschlüsse berufsbegleitend erworben werden. Das kostenpflichtige Angebot sieht zwei Abschlüsse vor: „Absolventen, die primär in die Wirtschaft gehen wollen, werden einen IHK-Abschluss erhalten. Absolventen, die primär in den öffentlichen Dienst eintreten wollen, streben dann einen BAT/TvöD-affinen Abschluss an.“14 Nach einer ver.di-Stellungnahme sollen aufgrund der Ausrichtung der DIHK in erster Linie Stellen im Bereich der Freien Wirtschaft betroffen sein. Aber eben nicht nur. Der Abschluss als Fachwirt soll das Niveau des Bachelors erreichen und auch Bewerbungen im Öffentlichen Dienst ermöglichen, wo Betriebswirtschafts- und Managementkenntnisse gewünscht sind.15 An der Rahmenplanerstellung wird seit Oktober 2005 gearbeitet – ohne die Mitarbeit der einzelnen Fachverbände, die gravierende Bedenken gegenüber der von DIHK und ver.di initiierten Fachwirtweiterbildung hegen.16 Die Fachverbände und natürlich auch die Vertreter der entsprechenden Hochschuleinrichtungen fürchten die Konkurrenzsituation zum Fachhochschulabschluss Bachelor.17 Die Fachwirtfortbildung öffne Seiteneinsteigern ohne fachliche Grundausbildung den Einstieg in die mittlere Führungsebene ohne den Nachweis fundierter Sachkenntnisse. Der Rahmenplan für die IHK-Fortbildung legt mit mehr als fünfzig Prozent einen Schwerpunkt bei den berufsfeldübergreifenden Qualifikationen (z.B. BWL, Rechnungswesen, Recht, Steuern, Personalwirtschaft) gegenüber berufsfeldspezifischen Qualifikationen.18 Die einzelnen Fachverbände sind sich einig, dass es eine anerkannte Weiterqualifikation für die mittlere Qualifikationsebene geben muss. Die Einführung einer Doppelstruktur, wie von DIHK und ver.di geplant, lehnen sie als nicht sinnvoll ab. Stattdessen bibliotheken heute 3 (2007) 1

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sollen „bereits vorhandene qualifizierte Hochschul- und Fortbildungsstrukturen genutzt werden.“19 So bietet die FH Potsdam erstmals seit WS 2006/2007 die Möglichkeit eines Fernstudienganges für die Fachrichtung Bibliothek an.20 Sowohl der Abschluss „Fachwirt (IHK)“ als auch der Fernstudiengang erfordern von den Interessenten einen erheblichen zeitlichen und finanziellen Aufwand, da sie berufsbegleitend laufen. Es bleibt abzuwarten, ob sich dieser Aufwand für die Betreffenden gerade im öffentlichen Sektor im Endergebnis lohnt, d.h. ob die entsprechenden Aufstiegschancen im Eingruppierungsrecht gewährleistet werden.21 Die Ausbildungssituation im Landesbibliothekszentrum (LBZ) Auch die im LBZ zusammengeschlossenen Einrichtungen bilden Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste aus: in den Landesbibliotheken in Speyer (seit 2001) und Koblenz (seit 2000) ebenso wie in den Büchereistellen in Neustadt (seit 2001) und Koblenz (seit 1999)22. Die Ausbildungssituation unterscheidet sich in den einzelnen Dienststellen grundlegend, da die Büchereistellen eindeutig im Bereich „Öffentliche Bibliotheken“ arbeiten, die Landesbibliotheken zu den Wissenschaftlichen Bibliotheken gehören. Alle Einrichtungen bieten die Möglichkeit für Gastpraktika an. Im September 2006 wurden in der Rheinischen Landesbibliothek in Koblenz zwei neue auszubildende FaMIs eingestellt, in der Pfälzischen Landesbibliothek in Speyer und der Büchereistelle in Neustadt werden zum 1. September 2007 jeweils zwei neue Auszubildende anfangen. • Büchereistellen Innerhalb der Büchereistellen unterscheidet sich die Ausbildungssituation. Die Büchereistelle in Neustadt/ Weinstraße bildet in der Dienststelle aus. Die angehenden FaMIs werden in landesweite Aktivitäten eingebunden und lernen auf diese Weise die Strukturen des Öffentlichen Bibliothekswesens im Land Rheinland-Pfalz kennen. Eine weitere Besonderheit der Ausbildung in Neustadt: Die Auszubildenden werden in die Planung bibliotheken heute 3 (2007) 1

von Veranstaltungen für Bibliotheken mit eingebunden, dazu gehören auch bibliothekarische Fortbildungen. Die Arbeit in einer Bibliothek lernen sie aber auch kennen, denn es sind viele Gastpraktika in Stadt- und Gemeindebibliotheken unterschiedlicher Größe vorgesehen. Die Büchereistelle in Koblenz ordnet ihre Auszubildenden an eine feste Ausbildungsbibliothek ab (aktuell: Stadtbibliothek Boppard). • Landesbibliotheken Die Landesbibliotheken in Speyer und Koblenz gehören zu den sogenannten wissenschaftlichen Universalbibliotheken, d.h. sie sammeln Medien zu allen Wissensgebieten. Eine Besonderheit der Ausbildung in einer Landesbibliothek ist der Einblick in die spezifische Aufgabe der Landeskunde und -bibliographie sowie die aus dem Pflichtexemplarrecht erwachsenden Aufgaben.23 • Berufsschulunterricht Im Bereich der theoretischen Ausbildung muss zwischen Nord und Süd unterschieden werden: Die Auszubildenden in Neustadt und Speyer nehmen am Blockunterricht der HermannGundert-Schule24 teil, d.h. sie wohnen und lernen mehrmals für einige Wochen in Calw (Baden-Württemberg), dem Standort der Landesfachklassen für Baden-Württemberg, das Saarland und den südlichen Teil von RheinlandPfalz. Wer im Norden von RheinlandPfalz ausgebildet wird, fährt dagegen einmal wöchentlich nach Köln zum Joseph-DuMont-Berufskolleg.25 Erfahrungsberichte von angehenden und geprüften FAMIs Sarah Moll, 21 Jahre, wurde von 2003–2006 im Landesbibliothekszentrum / Rheinische Landesbibliothek in Koblenz als Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste ausgebildet. Seit 2006 arbeitet sie dort im Lesesaal und in der Abteilung Pflicht und Landeskunde:

„Die Ausbildung zur FaMI ist eine duale Fachausbildung. Die Berufsschule ist zwar in Köln, doch kann der lange Fahrtweg auch gut zum Lernen genutzt werden. Meine Ausbildungsstätte war die Rheinische Landesbibliothek, die seit dem 01.09.2004 Teil des neugegründeten Landesbibliothekszentrums Rheinland-Pfalz ist. Alle drei Jahre werden in der RLB zwei neue Auszubildende eingestellt. Im ersten Teil des ersten Lehrjahres werden den angehenden FaMis das Berufsbild sowie Rechte und Pflichten, Gesetze und das Ausbildungsziel nahe gebracht. Im zweiten Teil des ersten Ausbildungsjahres lernt man den Geschäftsgang von Monographien und Periodika kennen. Im zweiten Lehrjahr kommt man zunächst in die Abteilung Pflicht und Landeskunde. Diese Abteilung findet man nicht in jeder Bibliothek, sondern nur in denen, die auch unter das Pflichtabgabegesetz fallen. Hier werden Zeitschriften und Zeitungen zum einen auf regionale Literatur und zum anderen auf sogenannte „Graue Literatur“, d.h. Literatur, die nicht über den Buchhandel zu bekommen ist, ausgewertet. Diese Informationen fließen z.T. auch in die Datenbanken RPB (Rheinland-Pfälzische Bibliographie) und RNAM (Rheinische Namensdatei). Da das Berufsbild des FaMIs sich auf fünf Einsatzbereiche erstreckt (Bibliothek, Archiv, Information und Dokumentation, medizinische Dokumentation und Bildagentur), in denen man nach Beendigung der Ausbildung überall arbeiten könnte, wird bei der Zwischenprüfung auch dementsprechend umfangreich geprüft. Um das theoretische Wissen, was einem in der Schule beigebracht wurde, auch besser verstehen zu können, haben wir diverse Außenpraktika getätigt. So kamen wir in das Landeshauptarchiv, in das Landesmedienzentrum (beides in Koblenz) sowie in das Informationszentrum GESIS in Bonn. Nach der Zwischenprüfung fängt der differenzierte Unterricht in der Berufsschule an. Der Schwerpunkt der letzten eineinhalb Jahre liegt im Benutzungsbetrieb. So werden im Lesesaal u.a. die Bestellwünsche der „kleineren“ Bibliotheken via Fernleihe getätigt. In der

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Aufsätze · Vorträge

Informationsabteilung werden Auskünfte jeglicher Art beantwortet. Weitere Abteilungen wie das Magazin, die Fernleihe, die Sacherschließung und die Verwaltung runden mit weiteren Außenpraktika in anderen Bibliotheksformen (Stadtbibliothek Koblenz, Bundesanstalt für Gewässerkunde Koblenz sowie die Universitätsbibliothek in Mainz) die Ausbildung ab.“ Isabel Wagner, 21 Jahre, ist von der Büchereistelle Koblenz an die Stadtbücherei Boppard abgeordnet: „Gute Voraussetzungen für den Beruf Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste – Fachrichtung Bibliothek sind der Spaß am Lesen und die Liebe zu Büchern. Allerdings beinhaltet die Ausbildung nicht nur den Umgang mit Büchern. Auch „neuere“ Medien wie CD-ROMs, Hörbücher und DVDs zählen zum Bestand der Bibliothek und erfreuen sich bei vielen Nutzern großer Beliebtheit. Ebenso das Internet, welches gerne von Schülern für Referate oder von ausländischen Touristen zum Abrufen der E-Mails in Anspruch genommen wird, worin aber auch wir selbst schon die Antwort auf die ein oder andere Frage unserer Nutzer gefunden haben. Das Bereitstellen und Vermitteln von Medien und Informationen, das ist die Grundaufgabe unseres Berufs. Ein großes Anliegen ist es uns, schon die Kinder zum Lesen zu animieren. Hierfür beteiligt sich die Stadtbücherei Boppard an verschiedenen Aktionen der Büchereistelle wie der „Adventskalender-Aktion“ oder der „Aktion Schultüte“. Zusätzlich veranstaltet die Stadtbücherei einmal pro Monat eine Vorlesestunde, bei der nach dem Lesen noch etwas zum Thema des Buches gebastelt oder ein Spiel gespielt wird, für Kinder im Kindergarten- oder Grundschulalter. Da die Stadtbücherei Boppard relativ klein ist, geht es oft ziemlich familiär zu. So hatte es auch gar nicht lange gedauert, bis ich mich dort eingelebt

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hatte, denn man bekommt gleich vom ersten Tag an alles mit und erhält automatisch Einblick in die vielfältigen Tätigkeiten, die in einer Bibliothek anfallen, von Buchreparatur über Ausleihe bis hin zur Verwaltung einer Bibliothek und Öffentlichkeitsarbeit. Zur Berufsschule geht es ein oder zwei Mal wöchentlich nach Köln, was anfangs etwas gewöhnungsbedürftig war, mittlerweile aber zum Alltag geworden ist. Dort lernt man die Theorie zur Praxis und natürlich bekommt man die Grundlagen zu den anderen Fachrichtungen unseres Berufes – Bildagentur, Information und Dokumentation, Archiv und medizinische Dokumentation – vermittelt. Denn eigentlich ist gedacht, dass man später nicht nur in seiner eigenen Fachrichtung arbeiten, sondern sich mit wenig Aufwand auch in einer der anderen Fachrichtungen zurechtfinden kann.“ Tobias Bauer, 19 Jahre, seit 2005 der erste Auszubildende an der Bibliothek der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaft (DHV) in Speyer: „Der Informationsbedarf in Wirtschaft und Gesellschaft steigt ständig an und parallel dazu steigt auch die Informationsflut. Daher werden vermehrt lnformationsspezialisten gebraucht, die Medien und Informationen beschaffen können. Zu diesen Spezialisten zählen Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste, die zum Beispiel in Bibliotheken, Archiven, Informations- und Dokumentationsstellen, Einrichtungen des Gesundheitswesens und bei Bildagenturen arbeiten. Meine Hauptaufgabe besteht darin, Medien aller Art mit Hilfe moderner Informations- und Kommunikationstechniken zu beschaffen, aufzuarbeiten und zu vermitteln. Hier an der DHV gefällt es mir sehr gut. Das liegt zum einen am Arbeitsklima und den netten Kolleginnen und Kollegen, welche mich hervorragend ausbilden und stets ein offenes Ohr für meine Fragen haben, und an der Lage der Hochschule inmitten einer

gepflegten Grünanlage. Doch auch die Berufsschule in Calw leistet gute Arbeit, sodass ich das dort theoretisch Gelernte sofort in die Praxis umsetzen kann. In meiner dreijährigen Ausbildung durchlaufe ich in der Bibliothek die vier Referate Sachkatalogisierung, Alphabetische Katalogisierung, Erwerbung und Benutzung. Zu Beginn eines Ausbildungsabschnittes wurde mir stets alles erklärt und ich wurde mit der entsprechenden Software und den Arbeitsvorgängen vertraut gemacht. Von Zeit zu Zeit durfte ich dann richtig mitarbeiten. Positiv finde ich die Fortbildungsangebote, um meine Kenntnisse noch weiter zu intensivieren. So konnte ich im Juni 2006 an einem RAK-Kurs (RAK = Regeln für die alphabetische Katalogisierung) teilnehmen, und somit meine Kenntnisse in Sachen Alphabetische Katalogisierung vertiefen. Interessant war auch die Woche, die ich in der Verwaltung der Hochschule verbrachte. Die Zusammenarbeit der Bibliothek und der Verwaltung erfolgt reibungslos, was es natürlich noch erfreulicher macht hier zu arbeiten. Neben der praktischen Ausbildung im Betrieb besuche ich blockweise die Hermann-Gundert-Schule in Calw. Im aktuellen Schuljahr unterrichten an unserer Schule 80 haupt- und nebenamtlich eingestellte Lehrer insgesamt 1.270 Schüler. Die Unterbringung der Berufsschüler ist in einem Wohnheim, welches von einem in unmittelbarer Nähe liegenden Krankenhaus betreut wird. Zum Empfang der Mahlzeiten in der Krankenhauskantine sind es etwa zwei Minuten Fußmarsch. Zur Berufsschule geht es dann mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem eigenen PKW. Die Hermann-Gundert-Schule befindet sich im Ortsteil Wimberg und ist in ca. 15 Autominuten zu erreichen. Je nach Laune und Witterung kann man auch den Fußweg zur Schule nehmen – der Weg dorthin ist jedoch ziemlich steil. Zur Berufsschule gehören verschiedene Gebäude mit mehreren Stockwerken. Es finden hier auch die Ausbildungen für die Berufe Koch, Friseur und Verwaltungsfachangestellter sobibliotheken heute 3 (2007) 1

Aufsätze · Vorträge

wie eine kaufmännische Ausbildung statt. Schüler, die am Nachmittagsunterricht teilnehmen (z.B. Fachhochschulreife), haben die Möglichkeit eine Kantine neben dem Gebäudekomplex zu nutzen. Die Verpflegung ist ausreichend, jedoch geschmacklich nicht jedermanns Sache. Wer sonst noch Lebensmittel braucht, kann das in der Innenstadt in Calw erledigen. Die Einkaufsmöglichkeiten sind gut und schnell zu erreichen. Ich bin sehr froh, dass ich diese Ausbildung in Speyer machen kann, da die DHV auch über die deutschen Grenzen hinaus einen hohen Bekanntheitsgrad hat, und ich denke, dass die Ausbildung hier ein gutes Sprungbrett für meinen weiteren Lebensweg ist, da es Medien auf der ganzen Welt gibt und es Menschen braucht, die im Umgang mit diesen vertraut sind. Ich kann nur sagen, dass es ein toller Beruf ist, auch wenn dies für den einen oder anderen langweilig erscheinen mag. Denn bis ein Buch, eine Information oder ein anderes Medium beim Benutzer ankommt, ist es oftmals ein langer Weg. Und dieser Weg von der Bestellung bis hin zur Ausleihe ist sehr interessant und vielfältig, auch weil die Vorgänge mit hohem EDV- und Technikaufwand verbunden sind.“

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formationsdienste in Esslingen.“ In: Information. Wissenschaft & Praxis 5/2006, S. 268 ---: „FaMI-Lehrer. Bundestagung in Esslingen.“ In: BuB 58.2006 (9), S. 590 Angelika Gronmeyer: „Ausbildung zum FaMI: Schlechtere Prüfungsergebnisse, gleiche Bewertung.“ In: BuB 58.2006 (6), S. 435f. Karin Holste-Flinspach: „Etikettenschwindel oder Aufstiegschance? Der geplante Fachwirt für Informationsdienste: Ein chronologischer Abriss“. In: BuB 58.2006 (2), S. 99f. ---: „Vom Fachwirt bis zu Bewertungsmaßstäben. Zuständige Stellen tagen in Köln“. In: BuB 58.2006 (7/8), S. 513+515. ---: „FaMIs. Beim Bund, in Hessen und Sachsen notenmäßig im Vorteil.“ In: BuB 58.2006 (7/8), S. 518f. ---: „Mittlerer Bibliotheksdienst: Ein Auslaufmodell?“ In: BuB 58.2006 (9), S. 588f Ute Krauß-Leichert: „Ausbilden für die Zukunft. Welche Mitarbeiter braucht die Bibliothek 2007?“ In: BuB 58.2006 (4), S. 292–298 Hans-Dieter Kübler: „Studienreform. Der Bachelor kann (so) nicht das Ende sein.“ In: BuB 58.2006 (6), S. 432–435 Wolfgang Ratzek: „Bachelor, Diplom, Fachwirt und andere Scheingefechte. Einige Anmerkungen zur Reform der bibliothekarischen Ausbildung.“ In: BuB 58. 2006 (4), S. 317-320. „Spezialisten für die moderne Informationsgesellschaft. Eine gemeinsame Presseerklärung von BID und VdA.“ In: BuB 58.2006 (9), S. 587. Ebenfalls in: Bibliotheksdienst 40.(2006), H. 8/9, S. 945f. „Weiterbildung für FaMIs. Kurs an FH Potsdam angekündigt.“ In: BuB 58.2006 (9), S. 588

Literatur:

Anmerkungen

• Cornelia Awenius, Claudia Hartmann: „Eigeninitiative und Selbstständigkeit fördern.“ In: BuB 58.2006 (7/8), S. 543f. • Bundesinstitut für Berufsbildung (Hrsg.): Erläuterungen zur Verordnung über die Berufsausbildung zum Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste / zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste in der Fachrichtung Archiv, in der Fachrichtung Bibliothek, in der Fachrichtung Information und Dokumentation, in der Fachrichtung Bildagentur vom 3. Juni 1998. Nürnberg: BW Bildung und Wissen Verl. U. Software GmbH, 1999 • Ursula Georgy: „Die KIBA sucht Kontakt zu Praxis und Öffentlichkeit. Konferenz der bibliothekarischen und informatorischen Ausbildungseinrichtungen richtet sich neu aus.“ In: BuB 58.2006 (4), S. 322–324 • Ursula Görlitz; Sabine Thurnberg: „Qualitätssicherung des Unterrichts. 6. Bundestagung für Lehrerinnen und Lehrer für Fachangestellte für Medien- und In-

1 Bundesinstitut für Berufsbildung (Hrsg.): Erläuterungen zur Verordnung über die Berufsausbildung zum Fachangestellten für Medienund Informationsdienst / zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste in der Fachrichtung Archiv, in der Fachrichtung Bibliothek, in der Fachrichtung Information und Dokumentation, in der Fachrichtung Bildagentur vom 3. Juni 1998. – Nürnberg: Verlag und Software GmbH, 1999, S 10 2 Karin Holste-Flinspach: „Vom Fachwirt bis zu Bewertungsmaßstäben. Zuständige Stellen tagen in Köln.“ In: BuB 7/8 2006, S. 513 3 Bundesinstitut: Erläuterungen, S. 11 4 dito, S. 21 5 dito, S. 16–17 6 dito, S. 22 7 Wer sich für konkrete Anlaufadressen für Praktika in Rheinland-Pfalz und den angrenzenden Regionen interessiert, kann sich gerne an die Ausbildungsleiterinnen im Landesbibliothekszentrum wenden. Dies sind: Sieglinde Schu (Büchereistelle Koblenz, Tel. 0261/91500-310), Dr. Barbara Koelges (Rheinische Landesbibliothek, Tel. 0261/91500-474), Angelika Hesse (Büchereistelle Neustadt, Tel. 06321/3915-14) und Monika Kloos (Pfälzische Landesbibliothek, Tel. 06232/9006-224).

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8 Vgl. Praktikumserfahrung in Toronto in Cornelia Awenius, Claudia Hartmann: „Eigeninitiative und Selbstständigkeit fördern.“ In: BuB 58.2006 (7/8), S. 543f. 9 Vgl. Awenius, Hartmann, S. 543f. 10 Bundesinstitut: Erläuterungen, S. 22–23 11 dito, S. 25 12 dito, S. 27. 13 Ursula Görlitz; Sabine Thurnberg: „Qualitätssicherung des Unterrichts. 6. Bundestagung für Lehrerinnen und Lehrer für Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste in Esslingen.“ In: Information. Wissenschaft & Praxis 5/2006, S. 268. Dies.: „FaMI-Lehrer. Bundestagung in Esslingen.“ In: BuB 58.2006 (9), S. 590. Angelika Gronmeyer: „Ausbildung zum FaMI: Schlechtere Prüfungsergebnisse, gleiche Bewertung.“ In: BuB 58.2006 (6), S. 435f. Karin Holste-Flinspach: „FaMIs. Beim Bund, in Hessen und Sachsen notenmäßig im Vorteil.“ In: BuB 58.2006 (7/8), S. 518f. 14 Wolfgang Ratzek: „Bachelor, Diplom, Fachwirt und andere Scheingefechte. Einige Anmerkungen zur Reform der bibliothekarischen Ausbildung.“ In: BuB 58.2006 (4), S. 318. 15 Ratzek, S. 318f. Vgl. Ute Krauß-Leichert: „Ausbilden für die Zukunft. Welche Mitarbeiter braucht die Bibliothek 2007?“ In: BuB 58.2006 (4), S. 292f. 16 „Spezialisten für die moderne Informationsgesellschaft. Eine gemeinsame Presseerklärung von BID und VdA.“ In: BuB 58.2006 (9), S. 587 17 Ursula Georgy: „Die KIBA sucht Kontakt zu Praxis und Öffentlichkeit. Konferenz der bibliothekarischen und informatorischen Ausbildungseinrichtungen richtet sich neu aus.“ In: BuB 58.2006 (4), S. 322f. 18 Karin Holste-Flinspach: „Etikettenschwindel oder Aufstiegschance? Der geplante Fachwirt für Informationsdienste: Ein chronologischer Abriss“. In: BuB 58.2006 (2), S. 99f. Vgl. HansDieter Kübler: „Studienreform. Der Bachelor kann (so) nicht das Ende sein.“ In: BuB 58.2006 (6), 434f. 19 „Spezialisten ...“, S. 587. 20 Der Kurs ist voll belegt. Der Fernstudiengang dauert ca. 4 Jahre. Anschließend können sich die Teilnehmer/innen zur Externenprüfung anmelden und einen Abschluss als Diplombibliothekar (FH) erlangen. Der Kurs für die Fachrichtung Bibliothek wird vermutlich ca. 26 Module umfassen, die jeweils ca. 220 Euro kosten. Es besteht eine Präsenzpflicht von 4 x 2 Tagen. Wann ein weiterer Kurs angeboten wird, ist noch unklar. Weiterbildungswillige sollten ihr Interesse durch Zusendung ihrer Bewerbungsunterlagen bekunden, um sich rechtzeitig einen Platz zu sichern. Für die FH bedeutet diese Vorgehensweise natürlich auch Planungssicherheit. In: „Weiterbildung für FaMIs. Kurs an FH Potsdam angekündigt“. In: BuB 58.2006 (9), S. 588 21 Holste-Flinspach, BuB 58.2006, (2), S. 100. Laut TvöD steigen FaMIs bei EG 5 ein, Diplombibliothekare (FH) bei EG 9. Wo ein künftiger Fachwirt angesiedelt werden kann, steht noch nicht fest. 22 Die Bibliotheca Bipontina in Zweibrücken bildet nicht aus. 23 Verkürzt dargestellt: Jeder Verleger, jede Institution, aber auch jede Privatperson, die in Rheinland-Pfalz ein Medienwerk veröffentlicht, ist verpflichtet der jeweiligen Pflichtexemplarbibliothek unentgeltlich je ein Exemplar (Pflichtexemplar) abzuliefern. In RheinlandPfalz ist das Pflichtexemplar regional aufgeteilt auf vier Pflichtexemplarbibliotheken: die Stadtbibliotheken in Mainz und Trier sowie die Landesbibliotheken in Speyer und Koblenz. 24 www.hgs-calw.de/hgs/index.htm 25 www.jdbk.de/

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Kleinere Beiträge ·Bibliotheksporträts

KLEINERE BEITRÄGE 1. Bibliotheksporträts

20 Jahre Rheinische Landesbibliothek Koblenz 1987 – vor nunmehr 20 Jahren – wurde die Rheinische Landesbibliothek in Koblenz errichtet. Im damaligen Regierungsbezirk Koblenz fehlte einer Analyse des Kultusministeriums zufolge eine allgemein zugängliche wissenschaftliche Bibliothek, die den wachsenden Ansprüchen an eine solide wissenschaftliche Literaturversorgung gerecht werden konnte. So kam es als Pendant zur im Süden von Rheinland-Pfalz schon seit 1921 existierenden Pfälzischen Landesbibliothek im Norden des Landes zu einer der letzten großen Bibliotheksneugründungen der alten Bundesrepublik.

KLEINERE BEITRÄGE

Im offiziellen Errichtungserlass vom 11. Mai 19871 zählte die Versorgung der Bevölkerung, der kulturellen Einrichtungen, Wirtschaftsbetriebe und Behörden mit wissenschaftlicher Literatur zur vorrangigen Aufgabe. Dazu wurde der RLB die Aufgabe der Pflichtexemplarbibliothek für den Regierungsbezirk Koblenz sowie der Pädagogischen Zentralbibliothek für das gesamte Land übertragen. Zum damaligen Aufgabenbereich gehörte auch die Funktion als Zentralbibliothek für die Hochschulen des Koblenzer Raums, Leitbibliothek für den überregionalen Leihverkehr sowie die Verantwortung für einen Gesamtkatalog aller bibliothekarischer Einrichtungen in Koblenz.2 Mit dem Dienstantritt des ersten Direktors Ernst-Ludwig Berz nahm die Neugründung reale Formen an: in Ermangelung eines bezugsfähigen Dienstgebäudes wurde vorerst eine leerstehende Fabrikhalle im Rauental angemietet, in der die ersten vier Mitarbeiter ihre Arbeit aufnahmen. Was den Buchbestand betraf, musste allerdings nicht bei Null angefangen werden: einer Vereinbarung gemäß hatte die Stadt Koblenz dem Land die wissenschaftliche Literaturversorgung übertragen und damit auch den gesamten wissenschaftlichen Buchbestand der Stadtbibliothek sowie den wertvollen Altbestand (Nachlass Lang) der neugegründeten Landesbibliothek als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. Nicht betroffen von dieser Abgabe waren die Sammlungen zur städtischen Geschichte. Ungefähr 111.000 Bände wurden in die Bestände der Rheinischen Landesbibliothek übernommen. Neben den Büchern aus der Stadtbibliothek bildete die Pädagogische

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Zentralbibliothek Rheinland-Pfalz, die zuvor im Marstall des ehemaligen kurfürstlichen Schlosses in Koblenz-Ehrenbreitstein untergebracht gewesen war, mit ca. 67.000 Bänden den Grundstock für die Sammlung der neuen Landesbibliothek. Es handelte sich um eine Ausleihbibliothek speziell für Lehrer und Studierende der Pädagogischen Hochschule aus der Region. Parallel zu der Übernahme dieser beiden Großbestände begann der reguläre Buchkauf aus eigenen Haushaltsmitteln. Um die Masse insbesondere der Altbestände möglichst zügig zu katalogisieren und der Benutzung zur Verfügung zu stellen, war die Frage zu klären, welchem Bibliotheksverbund sich die Rheinische Landesbibliothek anschließen sollte. Nur das Hochschul-

bibliothekszentrum (hbz) in Köln, das für die nordrhein-westfälischen Bibliotheken zuständig war, konnte zu diesem Zeitpunkt nennenswerte Fremdleistungen zur Verfügung stellen. Deswegen fiel Ende 1988 die Entscheidung zugunsten des hbz, obwohl Koblenz in Fragen des Leihverkehrs – wie große Teile des Landes – ursprünglich zum hessischen Zentralkatalog und damit zum Einzugsbereich des hessischen Verbunds HEBIS gehörte. Im Gefolge dieser Entscheidung wurde der Regierungsbezirk Koblenz ab dem 1. September 1989 dem Zentralkatalog Nordrhein-Westfalen zugeordnet. Im Oktober 1989 konnte die Rheinische Landesbibliothek in das fertiggestellte neue Domizil in der Hohenfelder Straße einziehen. Das

Dr. Ernst-Ludwig Berz (2. v. r.), erster Direktor der Rheinischen Landesbibliothek und Ministerpräsident Carl-Ludwig Wagner (r.) bei der feierlichen Eröffnung der Rheinischen Landesbibliothek im Jahr 1990. Foto: Foto-Gauls bibliotheken heute 3 (2007) 1

Kleinere Beiträge ·Bibliotheksporträts

sparenden Kompaktus-Regalanlage musste bereits 1991 ein erstes Außenmagazin angemietet werden. Das verzögerte naturgemäß die Bereitstellung der dort untergebrachten Bestände für die Benutzung.

Die Anfänge der Rheinischen Landesbibliothek in der Fabrikhalle in der Moselweißer Straße 4. umgebaute Bürogebäude in der Koblenzer Innenstadt bot auf 3.100 qm Nutzfläche Raum für Benutzungsbereich, Büros und Magazine. War bereits in der Fabrikhalle eine dreistündige Öffnung täglich möglich, konnte die Bibliothek nach der feierlichen Eröffnung am 5. März 1990 durch den damaligen Ministerpräsidenten Carl-Ludwig Wagner mit ganz anderen Serviceangeboten aufwarten. Neben großzügigen Öffnungszeiten und der Sofortausleihe aller Bestände bot die Rheinische Landesbibliothek seitdem einen Direktbestelldienst an. Insbesondere aufgrund der zentralen Lage wurde das Angebot der neugegründeten Landesbibliothek schnell angenommen, so dass die Benutzungszahlen sich beachtlich entwickelten: 1996 wurde die Zahl von 200.000 Entleihungen bereits überschritten. Vergleichbar hoch lagen auch die Zahlen der gebenden und nehmenden Fernleihe.3

Als sich die Überlegungen, am bestehenden Standort die dringend benötigten zusätzlichen Räumlichkeiten anzumieten, zerschlugen, war bereits eine andere Immobilie als Alternative ins Blickfeld gerückt. 1999: Einzug in das neue Gebäude am Bahnhofplatz 14 Die ehemalige Hauptpost am Bahnhofplatz4 stand nach Verlagerung der zentralen Postverteilung zu großen Teilen leer. Nach intensiven Umbauten konnten in dem von 1957–1962 errichteten Gebäudekomplex 6.400 qm angemietet werden, die sich über den gesamten Nordtrakt, das erste Geschoss des Verbindungsbaus sowie den größten Teils der ehemaligen Lagerhalle entlang der Bahngleise erstreckten. In diesem Flügel wurde neben dem Großteil der Büros eine freitragende Hochregalanlage installiert, die es erlaubte alle Bestände der Bibliothek mit großzügigen Zuwachsmöglichkeiten wieder an nur einem Ort anzubieten. Auch die öffentlich zugänglichen Be-

reiche mit dem Informationszentrum im Erdgeschoss sowie Lesesaal und Freihandbereich konnten erheblich erweitert werden. Obwohl der neue Standort für Koblenzer Verhältnisse nur als Innenstadtrandlage bezeichnet werden kann, ist die Bibliothek bis heute durch den unmittelbar angrenzenden Bahnhof sowie den Busbahnhof optimal an den öffentlichen Nahverkehr angeschlossen. Nach einer siebenwöchigen Umzugsphase im Sommer 1999 wurde die Landesbibliothek im neuen Gebäude am 27. September durch Ministerpräsident Kurt Beck feierlich eröffnet. Im Frühjahr 2001 wurde ein spezieller Schulungsraum eingerichtet, der mit Beamer sowie acht Übungsrechnern ausgestattet ist. Für zahlreiche Führungen und Veranstaltungen hat er sich als sehr vorteilhaft erwiesen. Am Ende desselben Jahres wurde damit begonnen, den nördlichen Teil der Magazinhalle um zwei weitere Stockwerke aufzustocken. Nachdem Ernst-Ludwig Berz im Mai 2004 aus dem Dienst ausgeschieden war, wurde die Rheinische Landesbibliothek von Dr. Helmut Frühauf bis zur

Da der zugesagte Personalaufbau des Hauses stagnierte und mit den Benutzungszahlen nicht Schritt hielt, wurde rasch auf die Ablösung des Zettelkatalogs sowie des konventionellen Bestellsystems gesetzt. Seit Ende 1991 ist das EDV-gestützte Lokalsystem SISIS im Einsatz. Ausgehend vom Benutzerkatalog wurden in den nächsten Monaten und Jahren konsequent die Ausleihe und die Erwerbung auf EDV-Basis gestellt. Ein grundlegendes Raumproblem ließ sich nicht lange übersehen: mit nur 690 qm Magazinfläche war das Gebäude für eine rasch wachsende Bibliotheksneugründung zu klein bemessen. Trotz des Einbaus einer platzbibliotheken heute 3 (2007) 1

Die Rheinische Landesbibliothek 1990 in ihrem ersten Sitz in der Hohenfelder Straße. Foto: Foto-Gauls

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Kleinere Beiträge ·Bibliotheksporträts

te zudem die Aufstockung der Magazinanlage6 abgeschlossen werden, die auf nunmehr drei Etagen hinreichend Raum für den Buchzugang der nächsten Jahre bereithält. Die Bestände

Das Landesbibliothekszentrum / Rheinische Landesbibliothek heute am Bahnhofplatz in Koblenz (2007). Foto: Foto-Gauls

Der Lesesaal der Rheinischen Landesbibliothek. Foto: Foto-Gauls Gründung des Landesbibliothekszentrums Rheinland-Pfalz am 1. September 2004 geleitet. Ab diesem Zeitpunkt wurde die Rheinische Landesbibliothek neben der Pfälzischen Landesbibliothek, der Bibliotheca Bipontina sowie den Büchereistellen in Neustadt und Koblenz Teil dieser neu gegründeten Einrichtung. Direktor wurde Dr. Helmut Frühauf. Sitz der Direktion, der neugeschaffenen zentralen Verwaltung sowie der zentralen IT-Abteilung wurde Koblenz.5 Zu diesen strukturellen Veränderungen der LBZ-Gründung kamen zahlreiche bauliche Veränderungen, um auch die Büchereistelle Koblenz, die im Görres-Haus in der Koblenzer Innenstadt untergebracht war, im Komplex am Bahnhofplatz anzusiedeln. Der bislang nicht ausgebaute Trakt der ehemaligen Lagerhalle südlich des Büchermagazins wurde angemietet und termingerecht hergerichtet. Dem Einzug der Büchereistelle in die Räume am 30. Juni 2006 stand somit nichts mehr im Wege. Auch die Buchbinderei der Rheinischen Landesbibliothek zog in den neuen Trakt ein. Ende 2006 konn-

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20 Jahre nach ihrer Gründung bietet die Rheinische Landesbibliothek ihren Nutzern einen Gesamtbestand von 569.368 Medien7. Dazu zählen neben Büchern, Noten, Mikrofiches, Karten und ca. 3.500 laufend gehaltenen Zeitschriften auch DVDs und Netzpublikationen. Im Jahr 2005 standen dem Haus 447.984 Euro an Erwerbungsmitteln zur Verfügung. Neben dem normalen Buchkauf wurden seit den Übernahmen von Pädagogischer Zentralbibliothek und den Übernahmen aus der Stadtbibliothek durch die Jahre zahlreiche kleinere Behördenbibliotheken und andere Abgaben eingearbeitet. Zuletzt konnte ein großer Teil einer traditionsreichen Fachbibliothek, der „Bibliothek zur deutschen Landeskunde“8 (auch bekannt als Emil-MeynenBibliothek), in den Bestand der Landesbibliothek übernommen werden. Aufgrund der Funktion als Pflichtexemplarbibliothek für den ehemaligen Regierungsbezirk Koblenz sammelt, erschließt und vermittelt die Rheinische Landesbibliothek die gesamte Literatur aus und über den Regierungsbezirk Koblenz seit 1987 nahezu lückenlos. Auch Karten, Pläne und Materialien, die nicht über den Buchhandel vertrieben werden, wie etwa Firmenschriften und Vereinsfestschriften sowie Zeitungen aus dem ehemaligen Regierungsbezirk Koblenz und Amtsdruckschriften des Landes Rheinland-Pfalz sind in der Landesbibliothek zu finden. Als eine der ersten Regionalbibliotheken in Deutschland hat die Rheinische Landesbibliothek 2002 in Kooperation mit dem hbz Köln begonnen, Netzpublikationen und landeskundlich interessante Websites auf einem Archivserver namens edoweb9 zu sammeln und dauerhaft zur Verfügung zu stellen. Zusammen mit den drei anderen rheinland-pfälzischen Bibliotheken mit regionalem Sammelauftrag – den Stadtbibliotheken in Mainz und Trier sowie mit der mittlerweile ebenfalls zum LBZ gehörenden Pfälzischen Lan-

desbibliothek – erstellt sie federführend seit 1991 die Rheinland-Pfälzische Bibliographie10, die als Datenbank seit 1996 über das Internet zugänglich ist (www.rpb-rlp.de). Zukünftiger Schwerpunkt der Arbeit wird es sein, die vor 1991 erschienene landeskundliche Literatur in einer gemeinsamen Datenbank zusammenzuführen.11 Als besonderer Sammelschwerpunkt hat sich in den letzten Jahren die Literatur zur Geschichte und Landeskunde des Mittelrheingebietes und der angrenzenden Regionen herausgebildet. Die Bibliothek bemüht sich, durch Antiquariats- und Auktionskäufe die Bestände der Pflichtexemplare und zur Landeskunde auch rückwärtig zu ergänzen. Seit 1988 konnten beispielsweise einige Drucke der Offizin Rodler des Pfalzgrafen Johann II. von PfalzSimmern erworben werden. Ebenso besitzt die Bibliothek eine umfangreiche Sammlung von Baedeker-Reiseführern aus der Zeit des Koblenzer Verlagssitzes (1827-1872) sowie eine bedeutende Sammlung von illustrierten Rheinbüchern aus der Zeit zwischen dem 16. und dem ausgehenden 19. Jahrhundert, die 1998 mit Unterstützung der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur von Professor Fritz Hellwig erworben wurde. Neben diesen gedruckten Werken verfügt die Landesbibliothek über eine beträchtliche Anzahl von Handschriften und Autographen, die von Persönlichkeiten aus der Region stammen oder im inhaltlichen Bezug dazu stehen. Als prominentestes Beispiel sei hier das Besselicher Stundenbuch genannt, eine illuminierte Handschrift von 1488 aus dem ehemaligen Kloster Besselich bei Urbar. Insbesondere diese und andere Schätze werden zukünftig verstärkt digitalisiert und ins Internet gestellt, nicht zuletzt um die Originale zu schonen. Der Katalog Alle Bestände des Standorts Rheinische Landesbibliothek – selbst die Rara und Handschriften – sind bereits seit Anfang 1995 via Modem und seit 1996 über das World Wide Web recherchierbar. Seit Dezember 2005 werden sie mit den Beständen der Pfälzischen bibliotheken heute 3 (2007) 1

Kleinere Beiträge ·Bibliotheksporträts

Landesbibliothek sowie denen der Bibliotheca Bipontina im gemeinsamen LBZ-Katalog nachgewiesen (www.lbzrlp.de). Zeitgleich wurde ein neuer Service realisiert: Kostenfrei können seitdem nicht nur die Medien des eigenen Standorts bestellt werden, sondern auch diejenigen aus den anderen beiden Häusern. Mittels eines Containerversands wird die Bereitstellung der Bücher zwischen den Standorten ermöglicht. In der Regel liegt am übernächsten Tag das Buch aus Speyer für den Koblenzer Kunden bereit. Das Serviceangebot der Rheinischen Landesbibliothek Das Haus verfügt über 65 Arbeitsplätze im Lesesaal, vier KundenInternetsarbeitplätze, Readerprinter für Mikroformen sowie Abspielgeräte für audiovisuelle Medien. Zudem ist der kostenlose Zugriff auf zahlreiche Datenbanken in den Räumen der Bibliothek möglich. In wöchentlichen Führungen werden interessierte Nutzer in die Finessen der Katalogrecherche eingeführt. Ergänzt wird dieses Angebot durch zahlreiche Führungen für Schüler und Studierende, die individuell auf die Unterrichtsinhalte abgestimmt werden. Seit 2005 werden zudem Volkshochschulkurse angeboten, welche in die Bibliotheksarbeit allgemein einführen oder spezielle Aspekte beleuchten.12 Neben den seit Gründung des Hauses veranstalteten Ausstellungen wird seit 2005 ein Veranstaltungsprogramm angeboten, das regelmäßig neben Lesungen auch Vorträge zu vorwiegend regionalen Themen aufweist. Danach gibt es für die Zuhörerinnen und Zuhörer immer Gelegenheit, bei einem guten Glas Wein über das Erfahrene zu diskutieren. Im ländlich geprägten RheinlandPfalz erfreut sich eine andere Dienstleistung besonderen Zuspruchs: Interessierte können sich bei ihrer örtlichen Gemeindebücherei als Nutzer der Landesbibliothek registrieren lassen und direkt Bestellungen auf die Bestände der RLB aufgeben. Die bestellten Medien werden dann kostenfrei an die Gemeindebücherei versandt und können dort vom Kunden entgegengenommen werden. bibliotheken heute 3 (2007) 1

Als dieses Angebot im Februar 1995 freigegeben wurde, handelte es sich um einen neuartigen Ansatz im Aufgabenspektrum einer wissenschaftlichen Landesbibliothek: mit Sondermitteln des Landes wurden die kleineren Büchereien in kommunaler oder konfessioneller Trägerschaft mit Modem und ISDN-Anschlüssen ausgestattet, um auf den Katalog zuzugreifen und somit Bestellungen zu ermöglichen. Darüber hinaus war auf diesem Wege sogar die Recherche in den in der RLB vorhandenen CD-ROM-Datenbanken möglich. Außerdem nimmt die Landesbibliothek seit ihrer Einrichtung im März 2000 am rheinland-pfälzischen Lieferservice VBRPexpress als Liefer- und Vermittlerbibliothek teil. Eine Vorreiterrolle nahm die Rheinische Landesbibliothek bei der Einführung der automatischen Online-Fernleihe ein: Über die Digitale Bibliothek des hbz ist es seit Oktober 2001 für jeden Kunden möglich, seinen Fernleihwunsch online abzusetzen. Insbesondere die Lieferung von Zeitschriftenartikeln hat sich durch Scannen und Versand als WWW-Lieferung ungemein beschleunigen lassen: teilweise innerhalb eines Tages wird der gewünschte Artikel im Internet zur Abholung bereitgestellt. Dieser schnelle Service ist allerdings durch die aktuell geplanten Änderungen des Urheberrechts hochgradig gefährdet. Nicht nur zur Abwicklung der Fernleihe ist die Digibib ein wertvolles Hilfsmittel. Die Metasuche erlaubt es, außer in den großen Verbundkatalogen auch in zahlreichen Datenbanken zu recherchieren. Aus der Trefferliste kann anschließend über die Verfügbarkeitsrecherche eine Bestellung aufgegeben werden. Dies ist für die eingetragenen Nutzer der Landesbibliothek auch vom heimischen Internetplatz aus durchführbar. Die Benutzungszahlen Die Ausleihzahlen der Rheinischen Landesbibliothek haben sich seit ihrer Gründung beachtlich entwickelt.13 Die Einbeziehung der Speyerer und der Zweibrücker Bestände über den LBZKatalog hat die Ausleihzahlen 2006 jedoch noch einmal deutlich ansteigen

lassen: 133.497 Medien wurden an die Kunden ausgeliehen; allein 41.106 davon kamen aus den anderen Standorten. Rückläufig entwickeln sich konsequenterweise die Zahlen bei der Fernleihe: waren 2005 noch 40.00014 Bestellungen bei der nehmenden Fernleihe zu verzeichnen, blieben sie 2006 mit 33.000 deutlich hinter dem Vorjahr zurück. Ein Grund für diesen Rückgang liegt sicher darin, dass sich viele Literaturwünsche in den anderen Standorten des Landesbibliothekszentrums befriedigen lassen. Fazit: Der gemeinsame Katalog und der kostenfreie Versand zählen zu den großen Pluspunkten des Landesbibliothekszentrums. Lars Jendral Anmerkungen 1 Staatsanzeiger für Rheinland-Pfalz 1987, Nr. 23, 15.06.1987, S. 602. 2 Diese Aufgaben sind heute entweder obsolet geworden oder liegen im Verantwortungsbereich der entsprechenden Einrichtungen. 3 Berz, S. 126f. 4 Die Angaben beziehen sich sämtlich auf: Helmut Frühauf: Koblenz, Rheinische Landesbibliothek. In: Landesbibliotheksbau in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Neubauten, Erweiterungen und Umnutzungen zwischen 1975 und 2002. Hrsg. v. Detlev Hellfaier. Frankfurt 2003, S. 112–121. 5 Helmut Frühauf: Zur Gründung des Landesbibliothekszentrums Rheinland-Pfalz. In: Bibliotheken heute 1 (2005) 1, S. 5–7. 6 Bei der Aufstockung des Buchmagazins 2006 kamen 1782 qm an Fläche hinzu. 7 Aktuelle Zahlen für das Jahr 2005. 8 Der überwiegende Teil mit 25.000 Bänden ist mittlerweile Teil der Universitätsbibliothek Trier. Vgl. Trier: Bibliothek zur deutschen Landeskunde in der UB vollständig erschlossen. In: Bibliotheksdienst 40 (2006), S. 646. 9 Elektronische Dokumente und Websites Rheinland-Pfalz. Vgl. hierzu Heidrun Wiesenmüller; Lars Jendral: Netzpublikationen an Landesbibliotheken: Lösungswege für ein neuartiges Sammelgut. In: Die Regionalbibliographie im digitalen Zeitalter. Deutschland und seine Nachbarländer. Hrsg. v. Ludger Syré und Heidrun Wiesenmüller. Frankfurt 2006, S. 165–178. 10 Lars Jendral, Ekkehard Langner: Die Rheinland-Pfälzische Bibliographie 1991 bis heute. In: Die Regionalbibliographie im digitalen Zeitalter, S. 319–334. 11 Wichtigste Bestandteile sind die maschinenlesbar vorliegenden Teile der „Bibliographie der Pfalz und des Saarlandes“ (http://217. 198.244.66:8080/cgi-bin/acwww25/maske. pl?db=pb2750) sowie die komplette Mittelrhein-Moselland-Literaturdokumentation (www.rlb.de/rpb/mml-info-kurz.htm). 12 So werden in einem Kurs die Kostbarkeiten der Bibliothek präsentiert, Recherchemöglichkeiten für Familienforscher oder die Arbeit in der Buchbinderei erklärt. 13 2005: 116.511; 2004: 118.722. 14 Zahl inklusive der Direktbestelldienste etc.

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Kleinere Beiträge · Bibliothekspolitik

2. Bibliothekspolitik

„Bibliotheken müssen auch in Zukunft nach Büchern riechen“ – kulturelles Erbe bewahren und erhalten Im folgenden Interview spricht sich Manfred Geis, kulturpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion und Vorsitzender des DBV-Landesverbandes Rheinland-Pfalz, für die Bewahrung und Erhaltung des kulturellen Erbes aus. Das Interview führte Dr. Barbara Koelges.

erzeugnisse aus vielen Jahrhunderten gesammelt, die unsere besondere Aufmerksamkeit verdienen. Dem Erhalt dieses Kulturguts kommt eine hohe Bedeutung zu. Der Landtag hat nun beschlossen, für den Erhalt des kulturellen Erbes in den Bibliotheken des Landes Mittel in Höhe von je 25.000 Euro für die Jahre 2007 und 2008 für konkrete Restaurierungsvorhaben zur Verfügung zu stellen. Wie wird entschieden, welche Restaurierungsprojekte gefördert werden?

Manfred Geis Herr Geis, die SPD hat bei den Haushaltsberatungen Ende 2006 im Landtag zwei Anträge aus dem Kulturbereich eingebracht, einer bezog sich auf die Bewahrung kulturellen Erbes in Bibliotheken. Worum geht es da genau? Manfred Geis: In vielen rheinland-pfälzischen Bibliotheken werden wertvolle mittelalterliche Handschriften und Druck-

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Manfred Geis: Das sollten die Fachleute aus den Bibliotheken koordiniert vom Landesbibliothekszentrum selbst entscheiden, finde ich. Die Politik musste ja auch beileibe nicht die Bibliotheken auf die Problematik des Erhalts des kulturellen Erbes hinweisen. Im Gegenteil, eine Ausstellung der Stadtbibliothek Mainz hat uns im Herbst des letzten Jahres im Landtag eindrucksvoll gezeigt, dass es viele Initiativen für die Restaurierung in den Häusern selbst gibt. Dabei werden zahlreiche gute Ideen entwickelt, neben der Verpflichtung der Träger auch Unterstützung durch private Spender und die Wirtschaft zu erhalten.

Nun ist ja diese Unterstützung durch den Landtag nicht unbedingt selbstverständlich in Zeiten, in denen wie kürzlich in Karlsruhe, über die Veräußerung wertvoller Handschriften aus Bibliotheksbeständen nachgedacht wird. Können Sie kurz den Hintergrund erläutern? Manfred Geis: Für mich persönlich will ich gerne gestehen, dass dieser peinliche Vorschlag der baden-württembergischen Landesregierung eine besondere Motivation war, ein anderes Zeichen, ein Gegenbild, in Rheinland-Pfalz setzen zu wollen. Dazu das Bewusstsein und das Engagement der Bibliotheken selbst – der Antrag der SPD-Fraktion war also nur folgerichtig. Der Landtag hat den Beschluss dann auch einstimmig gefasst, ein gutes Zeichen! Wir, Bibliotheksfachleute und Politiker, haben gemeinsam die Verantwortung, einmalige Kulturgüter zu bewahren, zu erhalten und in geeigneter Weise der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Sie tragen zum Gedächtnis der Kulturnation bei. Wir müssen auch weiterhin schöne Bücher sehen und lesen können – und Bibliotheken müssen auch in Zukunft nach Büchern riechen.

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Kleinere Beiträge · Bibliothekspraxis

3. Bibliothekspraxis

„Wissen um den Wert der Einrichtung“ Förderverein der Stadtbücherei Frankenthal: Alternativer Geldgeber in Zeiten knapper Kassen In Zeiten knapper Kassen müssen sich öffentliche Einrichtungen wie die Stadtbücherei nach anderen Geldquellen umsehen, um den Bestand an Medien auch weiterhin aktuell halten zu können. Die Frankenthaler Stadtbücherei fand ihren alternativen Geldgeber im 1994 gegründeten „Förderverein Stadtbücherei Frankenthal (Pfalz) e.V.“ Im Frühjahr 1994 baten der damalige Oberbürgermeister Peter Popitz und die Leiterin des Städtischen Kulturamtes Waltraud Schanding Bernd Weifenbach zur Unterstützung der Frankenthaler Stadtbücherei einen Förderverein zu gründen. Weifenbach war, wie er im Gespräch mit Frankenthal lokal erzählt, von der Idee begeistert. Er kontaktierte bereits existierende Fördervereine, analysierte deren Satzungen und fertigte einen ersten eigenen Satzungsentwurf an. Dann informierte er die 350 häufigsten Büchereinutzer in einem Brief über die Pläne der Fördervereinsgründung, um so erste Mitglieder zu werben. Am 23. November 1994 war es so weit: In einer gut besuchten Versammlung wurde der Förderverein Stadtbücherei Frankenthal (Pfalz) e.V. mit 19 Mitgliedern gegründet und am 29.

März 1995 in das Vereinsregister eingetragen. Der Stadtbücherei unter die Arme greifen

gramm etabliert hat. Der Verein unterstützt hierbei die Mitarbeiter der Stadtbücherei beim Auf- und Abbau und beim Verkauf. Regelmäßige Autorenlesungen

Ziel des Fördervereins war und ist es, der Stadtbücherei bei der Beschaffung von Medien und der erforderlichen Ausstattung unter die Arme zu greifen und damit ihre Attraktivität zu erhalten und möglichst noch zu verbessern. Der Verein verfolgt von Anfang an ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke, ist mithin parteipolitisch und konfessionell neutral. Manchmal nur „Geldgeber“ Seit seiner Gründung ist der Förderverein an vielen Aktionen der Stadtbücherei beteiligt, manchmal „nur“ als Geldgeber, manchmal aber auch mit tatkräftiger Unterstützung. „Die heutige Zeit ist sehr schnelllebig und jährlich werden etwa knapp 600.000 neue Bücher in Deutschland veröffentlicht“, sagt der Vorsitzende Bernd Weifenbach. Da nicht alle angeschafften Bücher im Bestand bleiben können – der Stauraum ist natürlich begrenzt – veranstalten Stadtbücherei und Förderverein viermal jährlich einen Bücher-Flohmarkt, eine Aktion, die sich inzwischen fest im Veranstaltungspro-

Darüber hinaus organisiert der Förderverein regelmäßig Autorenlesungen und andere Veranstaltungen. Die Honorare für Autoren werden dabei teilweise vom Verein, durch Sponsoren, wie etwa Buchhandlungen, zum Teil aber auch von der Bücherei selbst getragen. Außerdem unterstützt der Förderverein eine bis zwei Kinderveranstaltungen und stellt jedes Jahr den Weihnachtsbaum auf. „Einkünfte“ verschafft sich der Verein auch durch den Verkauf von Stofftaschen und von Getränken bei Lesungen und anderen Veranstaltungen in der Stadtbücherei. „So konnte im Laufe der Jahre ein Betrag von insgesamt 29.000 Euro erwirtschaftet werden“, berichtet Bernd Weifenbach nicht ohne Stolz. Das größte Einzelvorhaben des Fördervereins konnte im Jahr 2001 realisiert werden: Auf Initiative von Oberbürgermeister Theo Wieder beteiligte sich der Verein mit einem nennenswerten Betrag an dem Bürgerprojekt „Einrichtung des Lesecafés in der Stadtbücherei“, dessen Betreiber der Förderverein ist. In einem dafür abgegrenzten Bereich der Stadtbücherei liegen aktuelle Zeitungen und Zeitschriften aus, in denen die Besucher lesen und schmökern können. Dazu stehen Getränke bereit, die für einen geringen Obolus konsumiert werden können. Etwa 60 verschiedene Zeitschriften aus vielen Wissens- und Interessensgebieten stehen hier zur Auswahl. Kleinigkeiten unbürokratisch regeln

Eines der größten umgesetzten Projekte ist die Einrichtung des Lesecafés. Foto: Schwertner bibliotheken heute 3 (2007) 1

„Es gibt häufig Kleinigkeiten, die von Seiten des Vereins unbürokratisch

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Kleinere Beiträge · Bibliothekspraxis

geregelt werden können, was eben auch nur durch die Tatsache möglich ist, dass wir ein Verein sind“, erklärt Bernd Weifenbach. Eine enge Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern der Bücherei sei dabei unverzichtbar, gerade auch wenn es um Neuanschaffungen, die Ausrichtung verschiedener Veranstaltungen oder das Betreiben des Lesercafés gehe. Eine weitere Aktion, die mit Hilfe des Fördervereins umgesetzt werden konnte, ist die „Aktion Lesebrille“: Jeder kann sich gut vorstellen, wie ärger-

lich es ist, wenn man - auf einen Besuch in der Bücherei eingestellt - erst vor Ort merkt, dass man seine Lesebrille vergessen hat. Ihren Besuchern diesen Ärger zu ersparen, sind Stadtbücherei und Förderverein eine Kooperation mit einem Frankenthaler Optiker eingegangen: Der stellt den Besuchern Lesebrillen in verschiedenen Sehstärken zur Verfügung, die in der Bücherei kostenlos genutzt werden können.

geringer sei sie, wenn es sich hierbei um eine städtische Einrichtung handele. „Ich würde mich freuen, wenn mehr das amerikanische System greifen würde. In Amerika gibt es mehr Engagement für öffentliche Einrichtungen“, wünscht sich Bernd Weifenbach. „Die meisten Menschen wissen nicht, welchen Wert diese Einrichtung hat“. Gisela Schwertner

„Die Bereitschaft, heute in einem Verein engagiert tätig zu sein, ist sehr gering“, sagt Bernd Weifenbach. Noch

Buchlieferung per Mausklick Der rheinland-pfälzische Lieferdienst VBRPexpress jetzt auch mit saarländischen Bibliotheken Von jedem Internet-Arbeitsplatz aus Medien aller Themenkreise suchen und bestellen – dies ist für die Bürgerinnen und Bürger mit dem rheinland-pfälzischen Lieferdienst VBRPexpress (www. vbrpexpress.de) seit 2000 möglich. Seit November 2006 nehmen auch Öffentliche und Wissenschaftliche Bibliotheken aus dem Saarland teil. Durch die Schließung des Staatlichen Büchereiamtes des Saarlands im Sommer 2005 wurde der regionale Leihverkehr im Saarland eingestellt. Der Deutsche Bibliotheksverband, Landesverband Saarland, beantragte daher die Teilnahme saarländischer Bibliotheken an VBRPexpress beim Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz, das für die Betreuung und Weiterentwicklung des Lieferdienstes zuständig ist. In einem ersten Schritt wurden die Bestandsnachweise der Saarländischen Universitäts- und Landesbibliothek Saarbrücken, der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes, der Stadtbibliothek Saarbrücken und der Bibliothek des Internationalen Begegnungs- und Forschungszentrums für Informatik in Wadern / Dagstuhl in die Suchmaske von VBRPexpress eingebunden.

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Suchmaske der virtuellen Bibliothek. Hier können die Bibliothekskataloge, die durchsucht werden sollen, ausgewählt werden. Die Einbindung der Web-Kataloge, basierend auf der KVK-Technologie der Universitätsbibliothek Karlsruhe1, erfolgt über eine html-Schnittstelle. Mit dem „Regionalkatalog“ der Saarländischen Hochschulstandorte wurde erstmalig ein PICA-Katalog2, mit dem

Katalog der Stadtbibliothek Saarbrücken erstmalig ein Libero-Katalog integriert. Im Laufe des Jahres soll die Integration des „Saarland-OPAC“ erfolgen, in dem überwiegend die Bestände der Öffentlichen Bibliotheken verzeichnet sind. bibliotheken heute 3 (2007) 1

Kleinere Beiträge · Bibliothekspraxis

Die Anzahl der teilnehmenden Bibliotheken hat sich dadurch um 18 Öffentliche und Wissenschaftliche Bibliotheken auf insgesamt 148 Bibliotheken erhöht. Diese sind über eine Karte nach Regionen leicht zu ermitteln. Auf die Karte können die Literatur Suchenden von der Startseite aus und auch während des Bestellvorgangs zugreifen, um die nächstgelegene Bibliothek zu ermitteln, bei der das bestellte Medium abgeholt werden kann.

einem Verbundkatalog Öffentlicher Bibliotheken im Gebiet der Deutschsprachigen Gemeinschaft. Spätestens dann muss ein neuer Name gefunden werden. Vorschläge sind willkommen und können dem Landesbibliothekszentrum mitgeteilt werden. Susanne Lehnard-Bruch

Anmerkungen 1 Uwe Dierolf, Michael W. Mönnich: KVK – Karlsruher Virtueller Katalog, Zwei Jahre virtuell in: BIT online 1(1998), 3. S. 159-168 2 Regionaler Auszug aus der PICA-Verbunddatenbank des Südwestdeutschen Bibliotheksverbundes (SWB) 3 vgl. Landtag Rheinland-Pfalz: Drucksache 15/143 vom 31.07.2006, S. 39 (www.landtag. rlp.de/landtag/drucksachen/143-15.pdf)

Durch die Ausweitung von VBRPexpress auf das Saarland wurden die Inhalte der Homepage und die VBRPexpress-Rahmenbedingungen angepasst. Nicht mehr aktuell ist der Name des Lieferdienstes. VBRP ist ein Akronym für „Virtuelle Bibliothek RheinlandPfalz“. Da die regionale Beschränkung auf Rheinland-Pfalz aufgehoben wurde, wird der Lieferdienst mittelfristig umbenannt. Die Entscheidung wurde zurückgestellt, da der Teilnehmerkreis voraussichtlich im Laufe des Jahres noch um einen weiteren Partner erweitert wird. Im Rahmen der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zwischen Rheinland-Pfalz und der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens3 laufen Vorbereitungen zur Integration der „Media-DG“ (www.mediadg.be),

Teilnehmende Bibliotheken nach Regionen.

4. Internet, Neue Medien

Web-Tipps Büchersuche

Literaturdatenbank mit Kinderbibeln

Justbooks.de durchforstet die Bestände von über 100.000 Buchhändlern im In- und Ausland und greift auf einen Fundus von mehr als 100 Millionen neuen und gebrauchten Büchern zurück. Über eine im schlichten Design gehaltene Maske kann nach Autor, Titel oder ISBN recherchiert werden. Die Ergebnisse werden nach Preisen sortiert aufgelistet.

Eine Literaturdatenbank mit Kinderbibeln bietet das Comenius Institut auf seinem Internetauftritt an. Enthalten sind ca. 1.150 Titel zum Thema Kinderbibeln und Kinderbibelforschung, darüber hinaus auch Zeitschriftenaufsätze, Monografien, Aufsätze aus Sammelwerken und Rezensionen zum Thema Kinderbibel.

www.justbooks.de bibliotheken heute 3 (2007) 1

www.comenius.de; Menüpunkte biblio-infothek / Online-Datenbanken

Ratgeber für Computer- und Konsolenspiele „Wissen was gespielt wird!“ lautet der Slogan des virtuellen pädagogischen Ratgebers zu Computer- und Konsolenspielen aus Nordrhein-Westfalen. Viele Kinder und Jugendliche verbringen heute einen großen Teil ihrer Freizeit begeistert mit Spielen vor dem Bildschirm. Eltern und Pädagogen können diese Faszination nicht immer nachvollziehen und sind verunsichert.

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Kleinere Beiträge · Internet, Neue Medien

Sie wissen nicht, ob die virtuelle Welt Kindern in ihrer Entwicklung schadet oder sie fördert. Ein Anhaltspunkt bei der Diskussion darüber, ob ein Kind ein Spiel spielen darf, sind die gesetzlichen Altersfreigaben, die von der zuständigen Selbstkontrolle USK gemeinsam mit den Jugendministerien der Länder erteilt werden. Sie geben jedoch keinen Hinweis darauf, wie ein Spiel pädagogisch zu bewerten ist. Der OnlineRatgeber hilft hier weiter. Er liefert Eltern und Pädagogen Informationen über die pädagogische Eignung sowie Anregungen für Diskussionen in der Schule und zu Hause. Foren und Chats bieten zudem die Möglichkeit, Fragen an Experten zu stellen. Ziel ist, die Hemmschwelle von Eltern und Pädagogen zur Auseinandersetzung mit einem Thema, bei dem sie sich kaum auskennen, zu überwinden und ihre Medienkompetenz zu verbessern. www.spieleratgeber-nrw.de TV-Literatursendungen im Internet Hier eine Auswahl an TV-Literatursendungen im Internet. Die Sendeter-

mine sind auf den entsprechenden Internetseiten zu finden. Bookmark (3sat, Moderation: Helmut Markwort) Sachbuch-Empfehlungen, Bestsellerlisten, Video-Dateien vergangener Sendungen und Verlosung der in der Sendung besprochenen und handsignierten Bücher. www.3sat.de/bookmark Bücherjournal (NDR, Moderation: Paul Kersten) Literaturmagazin mit Berichten und Rezensionen rund um die Welt der Bücher. Das Spektrum der Themen ist weit gefasst: anspruchsvolle Romane neben qualitätsvoller Unterhaltungsliteratur, Biographien, historische und politische Bücher sowie naturwissenschaftliche Titel, soweit sie interessante Forschungsergebnisse allgemeinverständlich darstellen. Auf der Internetseite sind Buchtipps enthalten, darüber hinaus auch Video- und mp3Dateien. www.ndr.de/tv/buecherjournal Druckfrisch (ARD, Moderation: Denis Scheck) Populär-unterhaltsame Kommentierung von Bestsellern sowie Bestseller-

listen, Buchrezensionen und Gewinnspiele. www.daserste.de/druckfrisch/ Fröhlich lesen (MDR, Moderation: Susanne Fröhlich) Rückblick auf die vergangenen Sendungen, Buchvorstellungen und -besprechungen auch als mp3-Download. www.mdr.de/froehlich-lesen Lesen! (ZDF, Moderation: Elke Heidenreich) Buchrezensionen, letzte Sendung als Video-Datei, Medientipps für Kinder, Newsletter und aktuelle Hinweise und Themen rund um das Buch. www.zdf.de Literatur im Foyer (SWF, Moderation: Martin Lüdke; Thea Dorn) Buchtipps und SWR-Bestenliste. www.swr.de/literatur-im-foyer Quergelesen (KIKA, Moderation: Josefine Preuß) Büchermagazin für Kinder und Jugendliche: Buchtipps und Rezensionen, Diskussionsforum, Newsletter, letzte Sendung als Video-Datei. www.rbb-online.de/quergelesen Sandra Mehmeti

„Schöne neue Bibliothekswelt – welche Rolle spielt die IT in der Bibliothek von heute und morgen?“ Bundesweite bibliothekarische Fortbildung vom 13.–15. Juni 2007 in Koblenz Die „Fachkonferenz der Bibliotheksfachstellen in Deutschland“ führt jährlich ein dreitägiges EDV-Seminar für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bibliotheksfachstellen zur Weiterbildung und zum Erfahrungsaustausch durch. Vom 13. – 15. Juni 2007 findet das Seminar im Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz in Koblenz statt. Erstmals ist die bundesweite Fortbildungsveranstaltung auch an einem Tag für interessierte Kolleginnen und Kollegen aus den Bibliotheken geöffnet: Am 14. Juni 2007 informiert eine Ganztagsveranstaltung über aktuelle Themen rund um den EDV- und Interneteinsatz in Bibliotheken und Fachstellen. Titel der Veranstaltung: „Schöne neue Bibliothekswelt – welche Rolle

spielt die IT in der Bibliothek des 21. Jahrhunderts?“ Themen werden u.a. sein: Selbstverbuchung, RFID, Homepage-Gestaltung und EDV-Einsatz in Mittelstadtbibliotheken. Referieren werden namhafte Referenten wie Prof. Dr. Achim Oßwald (Fachhochschule Köln), Frank Daniel (Stadtbibliothek Köln), Bernd Henrichs (Stadtbücherei Lüdenscheid) und Ulla Wimmer/Andrea Osterode (DBV/ KNB Berlin), die Fachstellen werden Projekte aus den jeweiligen Bundesländern vorstellen. Den genauen Programmablauf und ein Anmeldeformular für den 14. Juni 2007 finden Sie auf dem Fachstellen-

server unter www.fachstellen.de sowie im neuen „Fortbildungskalender 2/2007“ (April–September 2007) der Büchereistellen im LBZ und unter www.lbz-rlp.de. Die Teilnahmegebühr beträgt pro Person 25 Euro. Rückfragen und Anmeldungen an: Alexander Budjan Hessische Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken bei der Hessischen Landesbibliothek Wiesbaden Rheinstraße 55–57 65185 Wiesbaden Tel.: 0611/334-2690 Fax: 0611/334-2655 E-Mail: [email protected] Jürgen Seefeldt

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Kleinere Beiträge · Neueröffnungen, Jubiläen

5. Neueröffnungen, Jubiläen

Gemeinsames Bibliothekssystem als Ziel Verbandsgemeinde Bruchmühlbach-Miesau ordnet Bibliothekswesen neu Unter dem Dach der Verbandsgemeinde Bruchmühlbach-Miesau werden zurzeit die Bibliotheken in den Schulen und Gemeinden zusammengefasst – ein Modellprojekt für eine gemeinsame effektivere Bibliotheksarbeit. Medienzentrum Martinshöhe Am Anfang stand ein Antrag der Grundschule Martinshöhe für eine Leseecke im Rahmen des Förderprogramms für Ganztagsschulen in Rheinland-Pfalz. Im Schulgebäude befand sich bereits die Gemeindebücherei Martinshöhe. Allerdings war hier seit einiger Zeit weder angemessen in die Aktualisierung des Bestandes noch in die Attraktivität des Raums investiert worden. In den Planungsgesprächen entstand daher bald der Gedanke, anstelle von separater Bücherei und Leseecke eine wesentlich attraktivere, kombinierte Lösung anzustreben. Etwas später entschloss sich auch die katholische Kirchengemeinde St. Martin, ihre Bücherei mit in dieses Projekt einzubringen. Gemeinsam mit der Büchereistelle Neustadt wurde ein Konzept für die Einrichtung und Nutzung des zukünftigen Medienzentrums erstellt.

Dieses umfasste auch den Erwerb neuer Bücher und Medien sowie die Einführung der Bibliothekssoftware „Bibliotheca 2000“. Der Raum – ein ehemaliger Klassensaal – wurde ansprechend renoviert und mit neuen Bibliotheksmöbeln eingerichtet. Dazu gehörten auch eine EDV-gerechte Ausleihtheke sowie Möbel zur Präsentation von Hörbüchern, CD-ROMs und DVDs. Ein sehr schöner Blickfang ist die Bilderbuch-Lokomotive, die schon bei den kleinsten Besucherinnen und Besuchern Spaß am Stöbern und Lesen weckt. Für die Kinder wurde ein zweistufiges Sitzpodest eingebaut, so dass jetzt auch für die Nutzung in Klassenstärke oder für Veranstaltungen ausreichend Sitzmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Nach der Zusammenführung der Bestände von Gemeindebücherei und Katholischer Öffentlicher Bücherei wurde von der Büchereistelle Neustadt eine Bestandsrevision vorgenommen. Somit brauchten die engagierten Mitarbeiterinnen des Medienzentrums im Vorfeld der Eröffnung nur noch die aktuellen Titel in der EDV zu erfassen. Die neu erworbenen Medien wurden von der

Freuen sich über die neue Bibliothek und die neuen Bücher: Ortsbürgermeister von Martinshöhe Klaus Sprengard (links) und Ortsbürgermeister von Bruchmühlbach-Miesau Klaus Neumann mit Sohn (vorne im Bild). bibliotheken heute 3 (2007) 1

Büchereistelle Neustadt ausleihfertig bearbeitet und bereits komplett mit den Katalogdaten ausgeliefert. Am 1. Juli 2006 konnte schließlich – eingebettet in ein von Schulkindern und Lehrkräften liebevoll ausgearbeitetes Programm – vor zahlreichen Gästen eine moderne, leistungsfähige Bibliothek eröffnet werden. In ihren Grußworten hoben Ortsbürgermeister Klaus Sprengard, Verbandsbürgermeister Werner Holz, Schulleiter Andreas Rapp, Schulrat Erwin Stephan und der stellvertretende Leiter des Landesbibliothekzentrums Günter Pflaum die Bedeutung der Bibliothek als moderne pädagogische Einrichtung für die Schule insbesondere zur Förderung von Lese- und Medienkompetenz hervor. Das Medienzentrum steht jetzt allen Schülerinnen und Schülern sowie den Bürgerinnen und Bürgern von Martinshöhe zur Verfügung. Mit der Eröffnung ging die Trägerschaft der in das neue Medienzentrum eingeflossenen Bibliotheken an die Verbandsgemeinde über. Medienzentrum Miesau Durch die positiven Impulse aus der Planung des Medienzentrums in

Verbandsbürgermeister Werner Holz (Bildmitte) bei der Eröffnung des neuen Medienzentrums mit Leseecke in Martinshöhe.

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Kleinere Beiträge · Neueröffnungen, Jubiläen

Martinshöhe bestärkt, wurde für den Ortsteil Miesau ein ähnliches Modell ausgearbeitet und im Verbandsgemeinde- und Gemeinderat beschlossen. Hier befanden sich Gemeindebibliothek, Grundschule und Regionale Schule in unmittelbarer Nachbarschaft. Die für die Regionale Schule Miesau als Ganztagsschule ebenfalls vorgesehene große Leseecke wurde deshalb von Anfang an als kombinierte Lösung für alle drei Einrichtungen geplant und entsprechende geeignete Räumlichkeiten ausgewählt. Zentral zwischen beiden Schulen gelegen, bietet der neue Raum auch für die Öffnung des Medienzentrums außerhalb der Schulzeiten eine gute Erreichbarkeit für alle Besucherinnen und Besucher. Die Eröffnung des Medienzentrums Miesau mit Leseecke fand am 4. November 2006 vor großem Publikum statt: über 500 Eltern, Kinder und weitere Interessierte waren anwesend. Die Regionale Schule und die Grundschule hatten gemeinsam ein sehr abwechslungsreiches Veranstaltungsprogramm auf die Beine gestellt, von dem nicht nur die Ehrengäste, wie zum Beispiel Landtagsabgeordnete Margit Mohr, sondern alle Anwesenden begeistert waren. Die Vorführungen mit Schülerchor, weiteren Musikauftritten, Gedichten, Schattenspiel und der Ge-

winnerziehung des Antolin-Wettbewerbs fanden großen Anklang.

das von einem Büchereiteam geleitet wird.

Das erfreuliche Interesse durch die vielen Eltern und Schüler betonte den Stellenwert, den die neue Einrichtung für die Schulen und die gesamte Gemeinde hat. Der stellvertretende Leiter des Landesbibliothekszentrums, Günter Pflaum, lobte insbesondere die enge Kooperation aller Verantwortlichen in Bruchmühlbach-Miesau, „die Vorbildcharakter auch für andere Gemeinden in Rheinland-Pfalz hat“. Die Unterstützungsleistungen des Landesbibliothekszentrums bei der Konzeption, Einrichtungsplanung, EDVEinführung und der ausleihfertigen Buch- und Medieneinarbeitung wurden insbesondere von Verbandsbürgermeister Werner Holz ausführlich gewürdigt, der sich dafür und für die finanzielle Förderung des Landes ausdrücklich bedankte.

Ausblick

Nach dem Veranstaltungsprogramm und den Eröffnungsreden wurde das neue Medienzentrum vor allem von den Kindern und Jugendlichen gestürmt. Die Einrichtung wirkt freundlich und lädt zusammen mit den Sitzmöglichkeiten zum Aufenthalt ein. Neben Büchern und modernen Medien wie Hörbücher und CD-ROMs werden auch Zeitschriften angeboten. Insgesamt sind acht Öffnungsstunden für das Medienzentrum vorgesehen,

Auch die Gemeindebüchereien in Bruchmühlbach und Lambsborn sollen 2007 in die Trägerschaft der Verbandsgemeinde Bruchmühlbach-Miesau übergehen. Mit den Ortsgemeinden wurden bereits entsprechende Abmachungen getroffen. In beiden Fällen wird dieses einhergehen mit der Umgestaltung bzw. Erweiterung der Bibliotheksräume, der Aktualisierung der Bestände und der Einführung eines EDV-Systems. Vorgesehen ist die Vernetzung und Koordination aller vier Einrichtungen zu einem gemeinsamen Bibliothekssystem für die Verbandsgemeinde. Möglich war die bisherige Entwicklung nur, weil in der Verbandsgemeinde Bruchmühlbach-Miesau die Ortsgemeinden und Schulen mit der Verbandsgemeinde an einem Strang ziehen und die gemeinsamen Interessen über persönliche Eitelkeiten gestellt wurden. Zum Aufbau eines gemeinsamen, koordinierten Bibliothekssystems werden weitere Anstrengungen und Investitionen in Sachmittel und Personal notwendig sein. Thomas Oberholthaus, Günter Pflaum

Richtige Atmosphäre für den Lesespaß: Die Gemeindebücherei Rieschweiler-Mühlbach besteht seit 50 Jahren Die Gemeindebücherei Rieschweiler-Mühlbach feierte im letzten Jahr ihr 50-jähriges Bestehen mit einer Festschrift und mehreren Veranstaltungen. Anlässlich des Jubiläums erschien am 26. Sepmteber 2006 in der Pirmasenser Zeitung der nachfolgende Beitrag, den wir mit freundlicher Genehmigung der Redaktion abdrucken. Seit einem halben Jahrhundert gibt es jetzt die Gemeindebücherei in Rieschweiler-Mühlbach. Für die Wissensvermittlung und die Weiterbildung leistet damit die Gemeinde seit einem halben Jahrhundert einen wichtigen Beitrag. Wie auf das Jubiläum selbst kann die Gemeinde zudem stolz auf Büchereileiter Günter Helfrich sein, denn dieser versieht bereits im 38. Jahr den verantwortungsvollen Dienst in der Ge-

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meindebücherei. Die Liebe Helfrichs zu dieser Aufgabe ist sogar in der ansprechenden Bücherei spür- und sichtbar. Auf den ersten Blick ist die Gemeindebücherei von Rieschweiler-Mühlbach eine Bücherei, wie sie wohl in vielen Ortsgemeinden anzutreffen ist. Doch das ist nur der erste Blick, denn beim näheren Umschauen sind Unterschiede feststellbar. Geräusche dämpfender Bodenbelag, eine große, lichtdurchlässige Scheibenfront und an dieser Fens-

terseite mit den Oberlichtern auf die gesamt Länge hin eine Tischbank zum Niederlassen und Schmökern. Zum Sitzen finden die Büchereibesucher Lesesessel aus Chromrohr mit Sitz- und Anlehnflächen aus Leder. Sie vermitteln Behaglichkeit, animieren geradezu zum Sitzen. Alle, die sich mal kurz in ein Buch einlesen wollen, werden das zu schätzen wissen. „Das habe ich alles selbst gemacht“, erklärt Günter Helfrich nach einigem bibliotheken heute 3 (2007) 1

Kleinere Beiträge · Tagungen, Fortbildungen

Nachfragen fast entschuldigend und lächelt auf seine Art: „Ich wollte für alle Besucher etwas Atmosphäre schaffen.“ Doch nicht nur das ist Helfrich gelungen. Die Gemeindebücherei strömt Atmosphäre aus, die Dorfbewohner wissen das zu schätzen, wie an den Ausleihzahlen der vorgehaltenen Medien zu erkennen ist. 5.663 Printmedien sind es, davon 3.500 Kinder- und Jugendbücher. Dazu 1.257 Sachbücher, 906 schöne Literatur, 241 Tonträger, 107 CD-ROMs, also elektronische Medien, und 41 Spiele, Lernspiele überwiegend. Dass er die Bücherei einmal so lange verantwortlich führen sollte, hätte sich Günter Helfrich damals im Jahr 1968 nicht träumen lassen, als er anfing. Die damalige Oberlehrerin Anna Wenzel schied aus dem Schuldienst aus, der gebürtige Pirmasenser wurde Büchereinachfolger. 41 Jahre als Pädagoge, davon 32 Jahre als Schulleiter oder in der Schulleitung, hat Helfrich bereits hinter sich. Die 40 Jahre als Büchereileiter möchte dieser ebenso noch erreichen. Dann sei es bestimmt ein guter Zeitpunkt, um die Verantwortung in andere Hände zu legen.

Günter Helfrich leitet die Gemeindebücherei seit 38 Jahren. Foto: Norbert Schwarz Doch bis dahin finden die Erwachsenen und insbesondere die Schüler in Günter Helfrich noch den aufmerksamen, wissenden und doch zurückhaltenden Leiter, wie an diesem Morgen etwa der siebenjährige Dorian Weber, der gerne Krimis und Harry Potter liest. Oder Felix Lembcke vom Hitscherhof, der sich für Fußballgeschichten begeistert und hie und da auch mal CDs

ausleiht. Die kleine Franziska Schwarz mag die Serie „Wilde Kerle“, liest schon mal gern im Bett und mag „Hexe Lilli“. Eine regelrechte Leseratte ist Maria Langner, die demnächst acht Jahre alt wird. Eine eifrige Leserin, die hie und da schon mal von der Mutter mit den Worten gesucht wird: „Warum ist es so still, was machst du?“ Und die Antwort lautet: „Ich lese...“ (nos)

6. Tagungen, Fortbildungen

Büchereiführung heute – Zweitägiges Fortbildungsseminar in Lambrecht Sehr breit gefächert war das Themenspektrum des zweitägigen Seminars für ehrenamtliche Büchereileiterinnen und -leiter in der Pfalzakademie Lambrecht, das vom 24. bis 25. November 2006 stattfand. In diesem Jahr stieß die Einladung der Büchereistelle Neustadt auf besonders große Resonanz. Mit fast 50 Teilnehmern war der große Raum der Pfalzakademie gut gefüllt. Erfahrungen aus „erster Hand“ gab es am Freitag, als Büchereileiterin Heike Walther aus Sprendlingen berichtete, wie aus einer kleinen, kaum bekannten Gemeindebücherei innerhalb der letzten Jahre eine anerkannte kommunale Einrichtung wurde. Dass dies nur mit Idealismus und Hartnäckigkeit zu erreichen war, wurde deutlich, als Walther über Details dieser Entwicklung berichtete. Eigenleistungen beim Renovieren, Kooperationen mit anderen Einrichtungen bei der Organisation bibliotheken heute 3 (2007) 1

von Veranstaltungen, Jahresberichte, die dem Gemeinderat einen Eindruck von der in der Bücherei geleisteten Arbeit vermitteln, Beteiligung an lan-

desweiten Aktionen und die Zusammenarbeit mit den Schulen – all dies waren und sind die Bausteine, die die Besucher- und Nutzerzahlen sprunghaft nach oben steigen ließen. Online-Angebote für kleine Bibliotheken, neue Kinder- und Jugendbücher, Informationen über neue Angebote des Landesbibliothekszentrums und Veränderungen beim Leihverkehr sowie Tipps für die Einführung der Doppik standen an diesem Wochenende ebenfalls noch auf dem Programm.

Madeleine Giese sorgte für einen spannenden Abend. Foto: Dietle

Am Freitagabend stellte die in Kaiserslautern lebende Autorin Madeleine Giese ihren Kriminalroman „Die Antiquitätenhändlerin“ vor. Giese ist ausgebildete Schauspielerin und verstand es, durch Textauswahl und Vortrag die Zuhörenden in ihren Bann zu ziehen. Angelika Hesse

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Kleinere Beiträge · Aus den Verbänden

7. Aus den Verbänden

Neues vom DBV-Landesverband Rheinland-Pfalz Landesvorstand fordert für Rheinland-Pfalz ein Bibliotheksgesetz Auf seiner Sitzung am 30. Januar 2007 hat der Vorstand des DBV-Landesverbandes in Speyer den Entwurf eines Landesbibliotheksgesetzes beraten und nach eingehender Diskussion verabschiedet. Vorangegangen war ein mehrwöchiger fachlicher Abstimmungsprozess, der in der Formulierung eines ersten Gesetzesentwurfs mündete. In Gesprächen mit dem Kulturstaatssekretär im zuständigen Bildungsministerium will der DBVVorstand die Möglichkeiten einer gesetzlichen Regelung zur besseren Verankerung der Öffentlichen und Wissenschaftlichen Bibliotheken in Rheinland-Pfalz erörtern. Weshalb gerade jetzt ein „Bibliotheksgesetz“ wichtig ist, wird in der „Begründung“ ausführlich dargelegt. Der DBV-Landesvorstand schreibt hierzu auszugsweise: Die Öffentlichen Bibliotheken in Rheinland-Pfalz (wie auch in ganz Deutschland) verstehen sich als wichtige Partner für Bildung und Information, Leseförderung und lebenslanges Lernen. Sie ermöglichen jedermann den Zugang zu Informationen aller Art und sind als Einrichtung zur Sicherung von Informationsund Meinungsfreiheit unabdingbar für eine funktionierende demokratische Grundordnung und für die Verbreitung von Wissen. In vielen Orten sind Öffentliche Bibliotheken zentrale Stätten der Begegnung und der Kommunikation. Unbeschadet ihrer mancherorts unterschiedlichen Aufgabengewichtung und je nach Auftrag ihres kommunalen bzw. kirchlichen Trägers bilden sie in ihrer Gesamtheit einen elementaren Baustein des Kultur- und Bildungslandes Rheinland-Pfalz. Neben den Öffentlichen Bibliotheken aller Träger fungieren die verschiedenen Wissenschaftlichen Bibliotheken in Trägerschaft des Landes (Universitäts-, Hochschul-, Landesbibliotheken) als Grundpfei-

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ler der Informationsversorgung für die wissenschaftliche Forschung, für Studium und Lehre, für Wirtschaft und Arbeitswelt sowie als Stätte zur Bewahrung, Erschließung und Vermittlung historischer Medienbestände zum Erhalt des kulturellen Erbes in Rheinland-Pfalz. Ziel der Anstrengungen, welche die Landesregierung im Zusammenwirken mit den Kommunen und den freien Trägern erreichen sollte, ist es, das Bibliothekswesen in seiner Gesamtheit zu fördern und auf sinnvolle Weise miteinander zu vernetzen, damit auf kooperativer Basis eine bestmögliche Literatur-, Medienund Informationsversorgung aller Gruppen der Bevölkerung entstehen kann. Während durch Erlasse und Rechtsvorschriften des Landes die Wissenschaftlichen Bibliotheken im Wesentlichen rechtlich abgesichert sind, wirkt sich das Fehlen von gesetzlichen Vorgaben für die kommunalen Öffentlichen Bibliotheken in vielen Regionen des Landes seit Jahrzehnten negativ auf die Entwicklung der öffentlichen Literatur- und Informationsversorgung aus. Das Netz der kommunalen Bibliotheken in den rund 2.300 Gemeinden in Rheinland-Pfalz wird immer grobmaschiger; seit 1990 hat sich die Zahl der kommunalen Öffentlichen Bibliotheken von über 500 auf heute nur noch 370 reduziert. Hinzu kommen 400 kirchlich getragene Büchereien unter nahezu ausschließlich ehrenamtlicher Leitung. Die Auftragsgrundlage zur Förderung von Öffentlichen Bibliotheken durch Kommunen und das Land Rheinland-Pfalz ist in der Landesverfassung Artikel 37, Satz 1 festgeschrieben: Dort heißt es: „Das Volksbildungswesen einschließlich der Volksbüchereien und Volkshochschulen soll von Staat und Gemeinden gefördert werden....“. In der

Realität reicht dieser Verfassungsartikel jedoch nicht aus, um eine ausreichende Bibliotheksförderung im Land sicherzustellen. Auch die Verwaltungsvorschrift des damaligen Ministeriums für Bildung und Kultur zur „Förderung des öffentlichen Bibliothekswesens in Rheinland-Pfalz“ vom 18.1.1994 hat nur vereinzelte, insgesamt aber unzureichende Impulse geben können. Das Kernproblem ist dabei: Der Empfehlungscharakter aller bisherigen Vorgaben hat für die öffentlichen Träger keine Rechtsverbindlichkeit. Viele engagierte Bürgermeister und Gemeinderäte haben Probleme, die örtliche Bibliothek, da eine „freiwillige Leistung“, mit den entsprechenden erforderlichen finanziellen Aufwendungen von den staatlichen Aufsichtsbehörden genehmigt zu bekommen. Die Folge: Unzureichende Bibliotheken, häufig weit unterhalb des Bundesdurchschnitts und deutlich unterhalb der Standards in vielen europäischen Nachbarländern. Nach wie vor nimmt das Land Rheinland-Pfalz im Bundesvergleich eine Schlussposition im letzten Viertel ein, legt man in den Öffentlichen wie auch Wissenschaftlichen Bibliotheken die Kennzahlen Bibliotheksgröße, Ausstattung mit Personal und Medien sowie Erwerbungsetat zugrunde; besonders wird diese Schieflage im Bezug auf die Einwohnerzahlen deutlich. Die vom Schock der PISA-Studie der OECD seit 2002 ausgelösten Diskussionen und die daraufhin einsetzenden Bestrebungen zur Verbesserung der schulischen Ausbildung von Schülern, u.a. in den Kernkompetenzen Lesefähigkeit und Leseverständnis, führen inzwischen zu der Erkenntnis, dass die Schule allein nicht in der Lage ist, um der heranwachsenden Generation alle notwendigen Fertigkeiten und Kompetenzen zu vermitteln. So ist es sicherlich kein Zufall, dass PISA-Sieger Finnland gleichzeitig auch eines der bibliotheken heute 3 (2007) 1

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besten Bibliothekssysteme der Welt hat. Als zweiter entscheidender Bildungsort kristallisiert sich mehr und mehr die Bibliothek heraus, die eng mit Kindergarten, Vorschule und Schule, Hochschule und Betrieb sowie Einrichtungen der Erwachsenenbildung kooperiert. Die jüngste Föderalismusreform mit den Änderungen im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland hat den einzelnen Bundesländern eine

deutliche Stärkung ihrer Kompetenzen und damit auch der Verantwortung im Bereich von Bildung und Kultur gebracht. Angesichts der aktuellen Bildungsdebatten und ihrer hohen politischen Priorität, auch angesichts der nach wie vor dürftigen PISA-Ergebnisse in Deutschland und der bundesweit geführten Diskussionen um das „Kulturelle Erbe“ eines Landes etc. ist ein Landes-Bibliotheksgesetz die bestmögliche Antwort zur Stärkung der Bibliotheken

und ihrer Leistungen für das Land. Da zwei Drittel der EU-Länder heute über ein eigenes Bibliotheksgesetz verfügen und damit bildungspolitische Erfolge nachweisen können, ist der Zeitpunkt gekommen, dass auch die Bundesländer einen solchen Schritt realisieren. RheinlandPfalz kann damit eine Vorreiterrolle in Deutschland übernehmen. Jürgen Seefeldt

Neues vom BIB Reise der BIB-Landesgruppen Rheinland-Pfalz und Saarland in die Bundeshauptstadt Die von Petra Tremmel (Vorsitzende Landesgruppe BIB Rheinland-Pfalz) und Petra Klotz (Vorsitzende Landesgruppe BIB Saarland) initiierte Reise führte 21 Mitglieder des BIB im Oktober 2006 nach Berlin. Im Organisationsteam waren Petra Pauly (Mitglied des Vorstands Landesgruppe RP), Petra Tremmel und Petra Klotz. Die Teilnehmerin Michaela Reinhard verfasste folgenden Reisebericht. Philologische Bibliothek der FU Berlin Gleich am ersten Tag gab es nach fünf Stunden Zugfahrt, die zum gegenseitigen Kennenlernen genutzt wurde, schon das erste architektonische Highlight: Die von dem Architekturbüro Sir Norman Forsters geplante Philologische Bibliothek der Freien Universität Berlin. Die im Berliner Volksmund „The Brain“ genannte Bibliothek ist im Anschluss an die „Rostlaube“ (wegen der rostfarbigen Fassade) der FU errichtet. Marianne Drewek gab uns in einem Vortrag vor der Bibliothek Einblicke in die Geschichte der Philologischen Bibliothek, denn die besondere Architektur bringt es leider mit sich, dass in der Bibliothek nur sehr leise Gespräche möglich sind. Der Forster-Bau ist eine große Halle mit offenen Eben, auf denen sich die Regale und ca. 600 Arbeitsplätze für die Benutzer befinden. Im Eingangsbereich befinden sich die Empfangs- und Ausleihtheke, die Stehterminals für Recherche in Katalogen und Datenbankzugriff und etwas versteckt hinter dem Treppenaufgang die Auskunftstheke. Die Philologische Bibliothek vereint unter einem Dach die philologischen Wissenschaften. Die Bestände (700.000) stammen aus den ehemaligen sprachwissenschaftlichen bibliotheken heute 3 (2007) 1

Institutsbibliotheken (einige kleinere sind noch nicht integriert) und sind zum größten Teil noch nicht nach RVK systematisiert. Die Umsystematisierung wird wohl noch Jahre dauern. Der größte Teil des Bestands, außer Rara und Handschriften, ist frei Hand aufgestellt. Es handelt sich um eine reine Präsenzbibliothek, ausleihen übers Wochenende dürfen nur Dozenten und Studierende, die ihren Abschluss machen. Bei der Philologischen Bibliothek sind 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon 14 Bibliothekarinnen und Bibliothekare beschäftigt. Gearbeitet wird in Teams je nach Fachgebiet. Die Alphabetischen Kataloge der Institutsbibliotheken wurden eingescannt und sind im „ipac“ recherchierbar. Teilweise finden sich noch Katalogisate nach den Preußischen Instruktionen (PI). Mit der kombinierten Suche kann man alle Kataloge gleichzeitig abfragen. Freie Internetrecherche ist mit Authentifizierung möglich. Notebooks können mitgebracht und angeschlossen werden. In der Bibliothek befindet sich ein Kopiershop, der von einer externen Firma betrieben wird. Die nach oben offene Medienkabine kann man nur mit Kopfhörer benutzen. Die Geräuschkulisse aus Gesprächen und den Geräuschen der Geräte wird von den

Benutzern als störend empfunden, deshalb gibt es eine Einteilung von leisen und lauten Arbeitsplätzen. Nach dieser Führung hielt Stefan Rogge vom Bibliotheks- und Kulturamt Berlin-Mitte in der FU einen kurzweiligen Vortrag über den Verbund der öffentlichen Berliner Bibliotheken – VÖBB. Der Verbund geht auf einen Bibliotheksentwicklungsplan aus dem Jahre 1995 zurück und hat nach zwischenzeitlichem Beinahe-Aus doch eine Entwicklung erlebt. Für die Benutzer der einzelnen Bezirksbibliotheken brachte der VÖBB mit sich, dass sie nur ein einziges Benutzerkonto mit einem Ausweis haben müssen, um in jeder Bibliothek Bücher und Medien ausleihen und auch abgeben zu können. Dafür zahlt der Benutzer 10 Euro im Jahr. Wenn man aus einer anderen Bezirksbibliothek bestellt, muss man insgesamt 2,75 Euro pro Transport und Bereitstellung zahlen. Dieser Extra-Service wird von einer externen Firma geleistet und kommt gut an, es gibt ca. 250.000 Transporte im Jahr. Die Abholbestätigung für vorgemerkte Bücher kann über SMS aufs Mobiltelefon oder per E-Mail versandt werden. Die Entwicklung des VÖBB findet modulweise statt. Zunächst stand die Ausleihe im

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Kleinere Beiträge · Aus den Verbänden

Vordergrund. Es gibt keinen gemeinsamen Internetauftritt und keinen gemeinsamen Veranstaltungskalender. Ein gemeinsames Portal ist aufgrund der Berliner Verwaltungsstruktur recht kompliziert für die Benutzer.

Leserarbeitsplätze in der Philologischen Bibliothek der Freien Universität Berlin. Foto: Ralf Niemeyer Bibliothek des Deutschen Bundestags Der zweite Tag der Berlinreise war geprägt vom Deutschen Bundestag. Am Vormittag konnten wir die Bibliothek des Deutschen Bundestags im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus gegenüber dem Abgeordnetenhaus besichtigen. Renate Körber erläuterte uns die Geschichte und Aufgaben der Bibliothek. Europas größte Parlamentsbibliothek hat einen Bestand von 1,7 Millionen Bänden. Die Bibliothek ist nicht öffentlich. Benutzer sind vorwiegend Mitarbeiter des Deutschen Bundestags, die in den Büros der Abgeordneten und Wahlkreisbüros arbeiten, und Mitarbeiter der Bundestagsverwaltung. Hauptsächliche Sachgebiete: Politik, öffentliche Verwaltung, Recht, Wirtschaft, Sozialwissenschaften sowie Neuere Geschichte. Dazu kommt Literatur aus anderen Gebieten, die für eine aktuelle, möglichst komplette Information der Benutzer auch wichtig sind. Weitere Benutzerkreise sind: Mitarbeiter von Bundes- und Landesbehörden in Berlin, von Verbänden, Journalisten der Bundespressekonferenz, Diplomaten und in genehmigten Aus-

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nahmen Wissenschaftler, die aber nur als Präsenzbibliothek nutzen dürfen. Der Katalog und auch ausgewertete Literatur ist für jedermann im Internet einsehbar. Ganz wichtig für die Arbeit im Bundestag sind so genannte Dossiers, die von allen Fachbereichen des Bereichs Information und Dokumentation erarbeitet werden. Der wissenschaftliche Dienst erstellt dazu längere Ausarbeitungen zu einem bestimmten Thema. Die Bibliothek liefert für solche Dossiers Literatur- und Linklisten. Vom Sach- und Sprechregister kommen die relevanten parlamentarischen Dokumente und das Statistische Bundesamt liefert entsprechende Daten. Die Bibliothekarinnen und Bibliothekare müssen auch Zitate überprüfen und finden, zum Beispiel während einer Aussprache im Plenum. Über die verschiedenen Ebenen verteilt sind Lese- und Arbeitsplätze mit Anschluss ans Intranet, Internet und Drucker. In der Bibliothek sind 600 Zeitschriftentitel aufgestellt. Die Hefte weniger gängiger Titel sind in Hängeregisterkästen einsortiert. Das Magazin im Untergeschoss bietet Platz für die nächsten zwanzig Jahre. Am Nachmittag besichtigten wir auf Einladung von MdB Gustav Herzog den Reichstag. Er gewährte uns während eines einstündigen Gesprächs im SPD-Fraktionssaal Einblicke in die Arbeit eines Bundestagsabgeordneten.

Im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus befinden sich u.a. die Parlamentsbibliothek und das Parlamentsarchiv. Foto: Ralf Niemeyer Stadt- und Landesbibliothek Potsdam und die Bibliothek Friedrichs des Großen Am nächsten Tag fuhren wir mit der S-Bahn über Wannsee nach Potsdam.

Die Stadt- und Landesbibliothek Potsdam bietet leider von außen einen erschreckenden Anblick. Der 1974 als „Wissenschaftliche Allgemeinbibliothek“ errichtete Funktionalbau wurde seit Jahren nicht mehr gestrichen, Farbe und Putz blättern überall ab. Auch von innen ist der Eindruck der Bibliothek eher bedrückend, hier ist ganz klar ein Sanierungsstau zu erkennen. Marion Mattekat, Leiterin beider Bibliotheken, ist optimistisch, dass die Sanierung, die baldmöglichst in Angriff genommen werden soll, gelingen wird. Die beiden Institutionen wurden 1968 fusioniert und sollen auch weiterhin so bestehen. Aufgrund eines Gutachtens von Prof. Konrad Umlauf wurde eine Entwicklung in Gang gebracht, die eine fortschreitende Technisierung mit sich bringt. Ziel ist: Personal abzubauen, dabei soll aber der Medienetat erhöht werden. Die Stadt- und Landesbibliothek beherbergt die Brandenburgica-Sammlung, die einzige öffentliche Musikbibliothek in Brandenburg, die Gottfried Benn Bibliothek (Spende), eine Artothek (nur noch Altbestand), eine Postkartensammlung, ein Sprachkabinett. Ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm rundet das Bild einer Dienstleistungs- und Kulturinstitution ab. Zusammen mit Lutz Sanne, stellvertretender Vorsitzender der BIB-Landesgruppe Brandenburg, der die Gruppe schon durch die Stadt- und Landesbibliothek begleitete, fuhren wir mit dem Bus zum Park von Schloss Sanssouci, um dort die Bibliothek Friedrichs des Großen im neuen Palais anzuschauen. Sabine Scheidler von der Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten erzählte uns von den sechs Bibliotheken, die Friedrich der Große besaß. Im „Neuen Palais“ war in einem Seitenflügel die Privatwohnung des Königs, in der auch ein Raum mit den Bücherschränken war. Diese Bibliothek bestand aus 2.200 Bänden und es fehlen nur 91. Die Bücher haben die Jahrhunderte sehr gut überstanden, eine kleine Anzahl ist durch Holz („Bücher-“) würmer beschädigt. Nahezu alle Bücher sind in französischer Sprache. Damals wurden die Bücher ohne Einband veröffentlicht, der König ließ sie einheitlich in dunkelrotes Leder ohne viel Schmuck binden. Friedrich mochte nur handliche Bücher, die er auch auf seinen Reisen mitnehmen konnte, desbibliotheken heute 3 (2007) 1

Kleinere Beiträge · Aus den Verbänden

halb wurden dicke Bücher geteilt und großformatige auf Satzspiegelgröße beschnitten. Sogar Karten in den Büchern ließ er auf das handliche Format falten und einbinden. Das Interesse für die französische Sprache wird durch die vielen Nachschlagewerke offenkundig. Die Bibliotheken Friedrichs des Großen sind heute für Wissenschaftler zugänglich, wobei die Bestände nicht in dem Sinne einzigartig sind, dass die Titel nicht in anderen Bibliotheken zu finden wären. Es gibt auch keine Autographen in den Büchern, die eventuell für die Forschung von Interesse sein könnten. Uni-Bibliothek im Volkswagenhaus Der letzte Tag unserer Reise führte uns wieder in einen neuen Bibliotheksbau, die Universitätsbibliotheken im Volkswagenhaus. Bibliotheksdirektor Dr. Wolfgang Zick gab einen Einblick in die Baugeschichte des Hauses. Im Volkswagenhaus, weil die Volkswagen AG den Bau mit fünf Millionen Euro gesponsert hat und vertraglich zugesichert bekam, dass eine Leuchtschrift am Haus angebracht wird. In dem rechteckigen Backsteingebäude sind die Universitätsbibliotheken der TU und der Universität der Künste untergebracht. Das von einem Industrie-Architekten geplante Gebäude wurde, um Kosten zu reduzieren, stark normiert gebaut. Im ganzen Haus sind

die Leitungen sichtbar und damit auch jederzeit veränderbar, was sich als sehr praktisch herausgestellt hat. Auch in diesem Gebäude ist die Farbe Grau stark vertreten, alles wirkt nüchtern und sachlich. Im Ein- und Ausgangsbereich der Bibliothek befinden sich Ausleihtheke und Selbstverbuchungsanlage. Auf der ersten Etage sind die Arbeitsplätze mit freiem Internetzugang. Im ganzen Haus sind 650 Arbeitsplätze (bei Bedarf mit abschließbaren Beistellwagen) verteilt, auch hier kann man sein Notebook anschließen. Die offene Architektur im Freihandbereich bringt auch hier Probleme mit sich. Beratungsgespräche der Mitarbeiter der Etagenteams müssen nahezu flüsternd geführt werden. Die fast ununterbrochenen Glasfronten lassen das Licht bei niedrigem Sonnenstand bis weit in das Innere des Gebäudes. 40 Prozent der Bestände (2,1 Millionen Medieneinheiten) sind in Freihand, die Wartezeit für Magazinausleihe kann bis zu zwei Stunden dauern. Die Bestände der Bibliothek der TU vereinigen 22 Bereichsbibliotheken und sollen nach und nach auf RVK umsigniert werden. Die Bestände der Bibliothek der UdK wurden so belassen, weil die RVK-Systematik nicht ausreicht. Für Angehörige beider Institutionen steht hier ein mit digitaler Technik ausgestatteter Raum zur Verfügung. Hier können AV-

Medien der Bibliothek zum Zweck von Studium und Lehre in Gruppen von bis zu 16 Personen benutzt werden. Auf die urheberrechtlichen Bestimmungen und deren Einhaltung werden die Benutzer stets hingewiesen. Insgesamt verfügen die beiden Bibliotheken über 140 Personalstellen, mit sechs Auszubildenden. Das Personal ist in mehreren Teams organisiert: Buchbearbeitungsteam, Auskunfts- bzw. Etagenteams, Zeitschriftenteam, Leitstellenteam (Etagenkoordinationsstelle). Die Bibliothek arbeitet mit ALEPH 500. Scan- und Kopierdienste werden hier wie in der Philologischen Bibliothek von einer Firma übernommen, deren verschiedene Servicepunkte sich über das Haus verteilen. Nach dreieinhalb Tagen traten wir am frühen Nachmittag die Rückreise an. Die Bibliotheksreise war bestens organisiert und bot sehr viel an Information. Berlin als Reiseziel hat sich auf jeden Fall gelohnt, nicht nur aus rein bibliothekarischer Sicht. Ich für meinen Teil bin motiviert auch die nächste Bibliotheksreise mitzumachen. Der Austausch mit Kollegen und die Sicht auf andere Bibliotheken haben mir Impulse für meine Arbeit als Bibliothekarin in einer OPL gegeben. Michaela Reinhard

Schnupperten in die Bibliotheken der Bundeshauptstadt hinein: Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Bibliotheksreise des BIB. bibliotheken heute 3 (2007) 1

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Kleinere Beiträge · Schule und Bibliothek

8. Schule und Bibliothek

Leseecken in Grund- und Förderschulen Erster Erfahrungsaustausch am 30. November 2006 in Neustadt Lehrerinnen und Lehrer aus 22 Ganztagsschulen in Rheinhessen-Pfalz nahmen am 30. November 2006 im Casimiranum in Neustadt a.d. Weinstraße an einem ersten Erfahrungsaustausch zum Thema „Leseecken“ teil. Auch Frank Schnadthorst vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur war eigens nach Neustadt gekommen, um zu erfahren, wie das Projekt „Leseecken in Ganztagsschulen“ in den Schulalltag hineinwirkt. Einen ersten Eindruck von den unterschiedlichen Leseecken lieferte eine Fotosammlung. Zu sehen waren schön gestaltete Sitzecken, kindgerechte Regalmodelle, „Lese-Oasen“, „LeseDschungel“, um nur einige der Beispiele zu nennen. Als Einführung in die Thematik stellten Andrea Grube und Bettina Milbradt von der Salierschule in Bad Dürkheim die Entwicklung der Leseecke in ihrer Schule vor1. Bei einer Vorstellungsrunde wurde deutlich, dass eine gute Betreuung und ausreichende Öffnungszeiten der Leseecken nur durch überdurchschnittliches Engagement einiger Lehrkräfte sowie zahlreicher ehrenamtlicher Helfer, überwiegend Mütter, aber auch Schülerinnen und Schüler, möglich sind. Günter Pflaum, stellvertretender Leiter des Landesbibliothekszentrums, moderierte das Treffen und griff die in einer Vorstellungsrunde genannten Probleme auf. Neben der dünnen Personaldecke in den Schulen wurde

vielerorts der mangelnde Etat für den weiteren Ausbau der Buch- und Medienbestände genannt. Hier wies Pflaum noch einmal deutlich darauf hin, dass man auch in anderen Fachräumen z.B. in der Physik oder der Chemie Materialien ersetzen muss. Gleiches gelte für die Leseecken. Heike Steck, verantwortliche Bibliothekarin für die Schulbibliotheken in der Büchereistelle Neustadt, stellte die Möglichkeiten vor, die Bestände von Leseecken oder Schulbibliotheken mit Leihbeständen aus der Ergänzungsbücherei der Büchereistelle zu ergänzen. Sie machte jedoch auch klar, dass diese Leihbestände keinen Ersatz für einen eigenen Buch- und Medienetat darstellen können. Sehr positiv wurde bewertet, dass mit den Leseecken in der Schule Orte geschaffen wurden, die zum freiwilligen Lesen, zum Lesen aus Spaß also, einladen. In vielen Schulen hat sich die Leseecke innerhalb kurzer Zeit bereits zu einer zentralen Einrichtung entwickelt, die regelmäßig von Klassen, Gruppen und einzelnen Schülerinnen und Schülern aufgesucht und genutzt wird. Dennoch, und das bedauerten die anwesenden Lehrerinnen und Lehrer sehr, gäbe es Eltern, die nicht wünschten, dass ihre Kinder Bücher aus der Leseecke mit nach Hause bringen, wohl aus Angst, bei Verlust dafür gerade stehen zu müssen. Als hilfreich empfanden Lehrerinnen und Lehrer aus Schulen, deren Leseecke demnächst eröffnet wird, die praktischen Tipps und Erfahrungen, die Kolleginnen und Kollegen aus anderen Schulen schon

im laufenden Betrieb gesammelt haben. Die Verwaltung der Leseecken mit einer „richtigen“ Bibliothekssoftware, nämlich Bibliotheca der Firma BOND, wurde einhellig begrüßt. Nach einer kurzen Einweisung sei es möglich, die Büchereiverwaltung mit diesem System zu bewältigen. Weitere Themen, die im Laufe des Nachmittags noch angesprochen wurden, waren die Ausleihzeiten, die Benutzungsordnung und die Einbindung der Leseecken in den Unterricht. Zum Abschluss der Tagung führte Beate Schellenberg, die im Rahmen ihres Bibliothekswesen-Studiums an der Hochschule der Medien in Stuttgart ein Praxissemester bei der Büchereistelle absolviert, ein Bilderbuchkino vor. Diese abfotografierten Bilderbücher können bei der Büchereistelle ausgeliehen werden und eignen sich für Veranstaltungen in den Grundund Förderschulen. Der Erfahrungsaustausch, so die fast einhellige Meinung am Schluss der Tagung, war wichtig und hilfreich und sollte auch in Zukunft vom Landesbibliothekszentrum angeboten werden. Angelika Hesse Anmerkungen 1 Vgl. auch Stoffel, Andrea: Von der Bücherei zum Lesedschungel: Erfahrungsbericht zum Projekt „Leseecken in Ganztagsschulen“ / u. Bettina Mildbradt. In: bibliotheken heute, 2(2006), H. 3, S. 139 ff.

Schulbibliothek des Carl-Bosch-Gymnasiums in Ludwigshafen Nach einer feierlichen Eröffnung am 9. September 2006 hat die neue Schulbibliothek im Erdgeschoss des Gymnasiums, die zugleich eine Zweigstelle der Stadtbibliothek Ludwigshafen ist, ihren Betrieb aufgenommen. Das Carl-Bosch-Gymnasium in der Innenstadt von Ludwigshafen wird

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zurzeit von 1.100 Schülerinnen und Schülern besucht. Das Lehrerkollegium umfasst 83 Damen und Herren. Neben naturwissenschaftlichem, musikalischem oder sprachlichem Schwerpunkt, mit bilingualem Unterricht, bietet das Gymnasium auch die Möglichkeit der Schulzeitverkürzung im Rahmen der Begabtenförderung so-

wie seit dem Schuljahr 2006/2007 das Angebot der Ganztagsschule für die Klassen 5 bis 7 an. Um den damit gewachsenen Anforderungen gerecht zu werden, hat die Schulbibliothek des Carl-BoschGymnasiums einen neuen Weg eingeschlagen. In Kooperation von Schule, bibliotheken heute 3 (2007) 1

Kleinere Beiträge · Schule und Bibliothek

Stadtbibliothek und der BASF wurde die Bibliothek reorganisiert und völlig neu gestaltet. Drei Räume mit ansprechender Möblierung stehen jetzt mit insgesamt 136 qm zur Verfügung. Ein zusätzlicher Raum, der sich direkt an die Schulbibliothek anschließt, soll im nächsten Schuljahr vor allem als Leseecke für die Ganztagsschülerinnen und -schüler eingerichtet werden. Die Schulbibliothek wurde organisatorisch zu einer Zweigstelle der Stadtbibliothek Ludwigshafen, die ausschließlich von den Schülern und Lehrern des Carl-Bosch-Gymnasiums genutzt werden kann. Für die Schulbibliothek und die Stadtbibliothek mit ihren Stadtteilbibliotheken gelten ein einheitlicher Benutzerausweis und die gemeinsame Benutzungsordnung. Dies bedeutet, dass den Nutzern der Schulbibliothek auch der gesamte Bestand der Stadtbibliothek zur Verfügung steht. Die Anpassung der Systematik der Schulbibliothek an die der Stadtbibliothek machte es erforderlich, den gesamten Bestand des Carl-Bosch-Gymnasiums neu zu systematisieren. Um die spezielle Nutzung in der Schule zu erleichtern, wurden zusätzlich zu den ASB-Gruppen Interessenaufkleber vergeben, die den Schulfächern entsprechen, wie Sozialkunde, Biologie, Deutsch u. Ä. Für die Lernenden und Lehrenden stehen zurzeit etwa 7.000 Medien zur Verfügung, die zum größten Teil bereits in den Computer eingegeben wurden und somit auch im Internet recherchierbar sind. Zum Einsatz kam hier wie in der Stadtbibliothek die Software Bibliotheca 2000. Bei den

vorhandenen Medien handelt es sich nicht nur um Materialen für Unterricht und Hausaufgaben, sondern auch um Titel für die Freizeitlektüre, die zum Lesen verführen wollen. So gibt es über 700 Jugendbücher, deren Bestand im Rahmen der Ganztagsschule gerade aufgestockt wird.

Die Schulbibliothek – Treffpunkt für Lehrende und Lernende. Die Schulbibliothek ist an allen Unterrichtstagen von 10.25 Uhr bis 13.55 Uhr geöffnet. Während dieser Zeit können Medien entliehen werden und die Schulbibliothekarin steht für Fragen zur Verfügung. Für Klassenführungen, Gruppenarbeiten im Klassenverband und Oberstufenschülerinnen und -schüler gelten weiterreichende Öffnungszeiten. Die Schulbibliothek erfreut sich bei Unter-, Mittel- und Oberstufe großer Beliebtheit. Besucherzahlen von über 200 Schülern an einem Schultag sind keine Seltenheit und zeigen, wie gut dieses Angebot angenommen wird. Besonders umlagert sind die fünf Computerarbeitsplätze mit Internetzugang, deren Benutzung aufgrund der großen Nachfrage manchmal zeitlich begrenzt werden muss. Neben

der reinen Ausleihe finden natürlich Führungen für einzelne Klassen und Kurse statt. Oft werden die schön und gemütlich ausgestatteten Räume auch für den Unterricht selbst genutzt. Hier bewähren sich die 24 Leseplätze mit Tischen, die auch für Gruppenarbeiten ideal sind. Vor allem die Schülerinnen und Schüler der Ganztagsklassen verbringen ihre Mittags- und Lernzeit gerne in den Räumen der Schulbibliothek. Die große positive Resonanz, die die Schulbibliothek von Seiten der Schülerschaft, der Eltern und des Lehrerkollegiums erfahren hat, rechtfertigt den Einsatz, den alle zum Aufbau der neuen Schulbibliothek erbracht haben. Die BASF hat durch ihr großzügiges Sponsoring einen Großteil der finanziellen Lasten dieses Projektes, vor allem für die Möblierung und die Kosten einer bibliothekarischen Fachkraft während der Aufbauphase, übernommen. Die Stadtbibliothek hat mit Personaleinsätzen und Know-how den Bestand mit gesichtet, bei der Katalogisierung mitgeholfen und bei der Erstellung eines Konzeptes der Kooperation zwischen Schulbibliothek und Bibliothekssystem der Stadt Ludwigshafen maßgeblich mitgewirkt. Schulleitung und viele engagierte Kolleginnen und Kollegen haben unzählige Stunden eingebracht und nicht zuletzt haben viele auch ehrenamtlich bei der technischen Buchbearbeitung mitgeholfen. So hat sich aus der Lehrer- und Schülerschaft inzwischen ein Bibliotheksteam gebildet, das sich auch bei Veranstaltungen wie Vorlesewettbewerb, Schulfest oder Tag der Offenen Tür für die Schulbibliothek engagiert. Barbara Fischer

Buntes Programm zur Eröffnung der Leseecke in der Regional- und Grundschule Wallhalben Am Freitag, den 29. September, war es endlich so weit: die neue Leseecke wurde offiziell eröffnet. Auch vorher gab es schon eine Bibliothek in der Schule, die von der Lehrerin Eva Winter betreut wurde. Die Leseförderung hat seit langem einen hohen Stellenwert im pädagogischen Konzept der Schule. Es fanden in den letzten Jahren mehrere Autorenlesungen statt, unterbibliotheken heute 3 (2007) 1

stützt vom Friedrich-Bödecker-Kreis. Außerdem führte Winter in der Schule das Projekt „Lesescouts“ der Stiftung Lesen durch und gewann damit zahlreiche Schülerinnen und Schüler für die Mitarbeit in der Bibliothek. Im Rahmen des Investitionsprogramms des Bundes „Zukunft, Bildung und Betreuung“ bewilligte das

rheinland-pfälzische Ministerium für Bildung, Frauen und Jugend der Regional- und Grundschule Wallhalben 2005 eine große Leseecke im Wert von 17.000 Euro. 1.700 Euro musste der Schulträger zur Verfügung stellen, 15.300 Euro wurden aus Fördermitteln finanziert. Der Raum, in dem die Schulbibliothek untergebracht ist, konnte mit diesen Geldern neu gestaltet und

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Kleinere Beiträge · Schule und Bibliothek

mit attraktiven Möbeln ausgestattet werden. Aus den Auswahllisten des Landesbibliothekszentrums wurden Bücher für die Aktualisierung des Bestands ausgewählt. Auch Hörbücher können jetzt von den Schülerinnen und Schülern ausgeliehen werden. Rund 2. 000 Bücher und Medien zum Schmökern, Nachschlagen und, oder für den Gebrauch im Unterricht stehen Schülern und Lehrern mittlerweile zur Verfügung. Modern ist auch die Verwaltung der neuen Schulbibliothek. Dafür gibt es einen PC mit der Bibliothekssoftware Bibliotheca, die auch in den meisten öffentlichen Bibliotheken in Rheinland-Pfalz eingesetzt wird. Für die Kinder hat das einen großen Vorteil, denn die Ausleihe in der Schule funktioniert nun genauso wie in der nahe gelegenen Stadtbücherei Zweibrücken, die viele Kinder bereits kennen. Im Vorlauf der Eröffnung wurden Projekttage zum Thema Leseecke durchgeführt. Jede Klasse hatte somit Gelegenheit, die Eröffnung mitzugestalten. Während der Projekttage fanden außerdem für alle Klassen der Regionalschule Bücherrallyes in der Leseecke statt. Bereits am frühen Vormittag wurde der Lesewettbewerb der 6. Klassen ausgerichtet. Danach begann das Eröffnungsprogramm. Nach den Ansprachen vom Schulleiter Hans Lenhard und der Lehrerin Eva Winter, welche die in die Schulbibliothek integrierte Leseecke betreut, folgte ein musikalisches Programm. Der Grundschulchor

und eine 6. Klasse beteiligten sich mit dem Bücherei-Rap und eine weitere Klasse führte das Mäuse-ABC auf. Im Anschluss gab es Kaffee und Kuchen für die Gäste. Die Leseecke war zur Besichtigung geöffnet und es fand in den einzelnen Klassenräumen ein buntes Programm statt. Es gab Theaterstücke zu sehen und Texte von Bertolt Brecht wurden vorgetragen. Die Schülerinnen und Schüler sowie die Gäste konnten an Ratekrimis teilnehmen und humoristische Mundart-Vorträge genießen. Dazu kamen eine naturwissenschaftliche Ausstellung, Plakate mit Zitaten rund ums Lesen und Stellwände mit Arbeiten zum Thema Buch. Im Werkunterricht waren kunstvolle Buchstützen hergestellt worden, die zur Unterstützung der Leseecke verkauft werden. Für eine Leserrallye waren verschiedene Lese-Orte im Haus hergerichtet worden: ein Stück Strand, eine Sitzbank im Wald, eine Baustelle, ein Warteraum, ein Wohnzimmer und andere einige mehr. Überall lagen Bücher oder Zeitschriften aus, zu denen Fragen beantwortet werden mussten. Zum Abschluss der Veranstaltung wurde der Sieger des Lesewettbewerbs bekannt gegeben. Schulrätin Hildegund Lewark war von der Vielfalt des Programms, dem Engagement der Schule und natürlich von der neuen Leseecke beeindruckt und wünschte für die weitere Arbeit mit der Leseecke viel Erfolg. Eine runde, gelungene Aktion, so dass die Lesecke auch in Zukunft sicher eine rege Nutzung erfährt. Beate Schellenberg

Grundschüler tragen das Mäusealphabet vor. Foto: Eva Winter

Der „Leseort Strand“ war eine Station der Eröffnungs-Bücherrallye. Foto: Beate Schellenberg

Der „Leseort Wald“ war eine Station der Eröffnungs-Bücherrallye. Foto: Eva Winter

Ein Parcours für die Sinne Fortbildungen für Leseförderaktionen im Rahmen des Projektes „Leseecken an Ganztagsschulen“ mit Claudia Rouvel (LesArt, Berlin) Bereits im Mai 2006 fanden sehr erfolgreiche und spannende Fortbildungen zur Leseförderung mit Leseecken von LesArt statt, an denen ich teilnehmen durfte. Daher freute ich mich besonders, dass das LBZ Claudia Rouvel für weitere Fortbildungen gewinnen konnte. LesArt wurde 1993 von der „Gemeinschaft zur Förderung von Kinder- und

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Jugendliteratur e.V.“ gegründet und ist eine der renommiertesten Einrichtungen für Leseförderung in Deutschland und weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Ein großer Vorteil der Arbeitsmethoden die Claudia Rouvel in ihren Fortbildungen vorstellt besteht darin, dass sie bereits alle mit Kindern und Jugendlichen erprobt wurden.

Von Alphabet bis Zauberwort – kreativer Umgang mit Bildern und Büchern „Von Alphabet bis Zauberwort – kreative Formen des Umgangs mit Bildern und Büchern“ war der Titel der Fortbildung, die am 7. November 2006 für Lehrkräfte der Primarstufen aus Ganztagsschulen mit Leseecken in Neustadt an der Weinstrasse stattfand. Und der bibliotheken heute 3 (2007) 1

Kleinere Beiträge · Schule und Bibliothek

Titel war Programm! Gemeinsam mit ihrem Partner Rudolf Wenzel nahm Claudia Rouvel uns Teilnehmer/innen mit auf eine Reise für Augen und Ohren. Empfangen wurden wir mit einer Rauminstallation mit Bildern aus dem Buch „Die ganze Welt“ von Katie Couprie und Antonin Louchard. In mehreren Übungen zeigte Claudia Rouvel auf, wie vielfältig diese Bilder für die Arbeit in Leseecken eingesetzt werden können. Zum Beispiel kann man Buchstaben mit den Bildern assoziieren oder die verschiedenen Techniken, Farben und Formen berücksichtigen. Mir hat besonders die Möglichkeit mit diesen Bildern eine Bildergeschichte zu erzählen gefallen: Mit einem Bild wurde die Geschichte eröffnet und dann durfte jede/r Teilnehmer/in die Geschichte um ein Bild erweitern und weitererzählen. Danach stellte Claudia Rouvel die Geschichte „Leseratte Paul“ aus dem Buch „Ich lach mir einen Ast“ von Hans Gärtner und Gabriele Kernke vor. Daraus entstand unter anderem ein Kofferpackspiel, ein Spiel, das allein durch die ständigen Wortwiederholungen einen großen Wortschatz im Kopf verankert. Auch wies Claudia Rouvel darauf hin, wie literarische Figuren für Lese-Rituale, z.B. als Maskottchen, eingesetzt und Dialogpartner werden können. Im Anschluss wurden mehrere Bücher vorgestellt, die mit Reimen arbeiten: „1, 2, 3, Tier“ und „Trauriger Tiger toastet Tomaten“ von Nadia Budde, das „Tier-ABC“ von Paul Maar und das Gedicht „Ein Fest am Nil“ von Margaret Klare. Nach der Mittagspause wurden wir durch Requisiten wie z.B. eine rote Kappe, drei Schweinchen und einem Körbchen zu dem Thema Wolfsmärchen geführt. Nun ging es darum herauszufinden, wie sich der Wolf in den Geschichten darstellt, welchen Eindruck die Figuren in den Illustrationen hinterlassen und wie einzelne Worte und Illustrationen auf den Inhalt der Geschichten schließen lassen. Dazu standen die Bücher „Steinsuppe“ von Anais Vaugelade, „Ich bin der Stärkste im ganzen Land“ von Mario Ramos, „Was der Wolf dem Mond erzählt“ von Lucia Scuderi und „Ein Schaf fürs Leben“ von Maritgen Matter zur Verfügung. bibliotheken heute 3 (2007) 1

Die Zeit verging wie im Flug. Claudia Rouvel teilte als Erinnerungsstütze Literaturtipps zum Programm aus, denn so viele Anregungen und Titel, mit denen man arbeiten kann, konnte man sich kaum merken. Eine Teilnehmerin sagte mir in einem späteren Gespräch: „Ich bin gleich losgegangen und habe mir alle Titel in der Buchhandlung bestellt!“

Einstieg ins Thema über Requisiten. Foto: Eva Mühl-Lang Wörterwelten – Bilderwelten Die Fortbildung für Lehrkräfte der Sekundarstufe aus Ganztagsschulen mit Leseecken fand einen Tag später, am 8. November 2006, in Mainz statt. Diese Fortbildung wurde zentral für Teilnehmer/innen aus den Zuständigkeitsgebieten der Büchereistellen Koblenz und Neustadt angeboten und fand in den Räumlichkeiten des Ministeriums für Bildung, Frauen und Jugend Rheinland-Pfalz statt. Der Titel lautete „Wörterwelten – Bilderwelten oder: Wie mache ich mit allen Sinnen auf Bücher neugierig?“. Als Einstieg teilte Rudolf Wenzel an jede/n Teilnehmer/in Teile des Gedichtes „Ich“ von Hans Manz aus. Gemeinsam versuchten wir das Gedicht in die richtige Reihenfolge zu legen. Dabei konnte man sich an der Zugehörigkeit einzelner Adjektive und auch an der Interpunktion orientieren. Nachdem uns dies gelungen war, wurden wir in Gruppen aufgeteilt und bekamen unterschiedliche Aufgaben: Eine Gruppe durfte etwas tasten, die nächste etwas schmecken, die dritte etwas sehen und die letzte etwas riechen und alle

Gruppen kamen zum selben Ergebnis: hier ging es um den Apfel! Vom Wort „Apfel“ war es nicht weit zum Symbol „Schlange“ und zur Assoziation „Paradies“. Nummerierte Karten mit bereits vorgegebenen Anfangsbuchstaben wurden ausgeteilt und alle durften ein Wort zum Thema „Paradies“ aufschreiben und anschließend vorlesen und begründen. Als die Karten dann in der richtigen numerischen Reihenfolge vor uns lagen, konnten wir den Titel eines Buches erkennen: „Als die Welt noch jung war“ von Jürg Schubiger. Anhand dieses Buches zeigte Claudia Rouvel verschiedene männliche und weibliche Klischees auf und regte zur Diskussion über Geschlechterrollen, Rollenumkehrung und Perspektivenwechsel an. Nach der Mittagspause stellte Claudia Rouvel die dazu passenden Jugendbücher vor: „Millionen“ von Frank Cottrell Boyce, „Lucas“ von Kevin Brooks, „Hundsfrau“ von Melvin Burgess, „Die Kurzhosengang“ von Victor Caspak und Yves Lanois, „Winn-Dixie“ von Kate DiCamillo, „35 Kilo Hoffnung“ von Anna Gavalda, „Wir Goonyas, ihr Nungas“ von Phillip Gwynne, „Wir alle für immer zusammen“ von Guus Kuijer, „Liebe Tracey, liebe Mandy“ von John Marsden, „Lilis Leben eben“ von Valerie Dayre, „Bloße Hände“ von Bart Moeyaert und „Karel und das wahre Leben“ von Sheila Och. Damit ging diese Fortbildung zu Ende. Wieder war es Claudia Rouvel gelungen eine abwechslungsreiche, aber stimmige Veranstaltung zu gestalten. Dadurch, dass ich alles selbst ausprobieren und mitgestalten durfte, konnte ich ganz neue Ansätze für mich kennen lernen und ich hatte den Eindruck, den anderen Teilnehmer/innen ging es genauso. Und ich kann mich der Aussage einer begeisterten Teilnehmerin nur anschließen: „Das war die beste Fortbildung, auf der ich je war. Das müsste noch viel öfter angeboten werden!“ Beide Fortbildungen haben mich begeistert und ich denke, die Teilnehmer/innen konnten in jedem Fall einen großen Schatz an Ideen und Gestaltungsvorschlägen mitnehmen, der sicher in den Leseecken gehoben wird. Beate Schellenberg

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Kleinere Beiträge · Auszeichnungen, Würdigungen

9. Auszeichnungen, Würdigungen

30 Jahre im Dienst der Pfälzischen Landesbibliothek Dr. Jürgen Vorderstemann in den Ruhestand verabschiedet Pfälzischen Landesbibliothek ernannt. Von August 2003 leitete Dr. Vorderstemann die Pfälzische Landesbibliothek kommissarisch, die am 1. September 2004 Teil des Landesbibliothekszentrums wurde.

Machte sich um die Pfälzische Landesbibliothek verdient: Dr. Jürgen Vorderstemann. Dr. Jürgen Vorderstemann war Bibliotheksdirektor und Standortleiter der Pfälzischen Landesbibliothek im Landesbibliothekszentrum RheinlandPfalz. Er studierte von 1963–1969 Germanistik und Romanistik in Marburg. In Marburg blieb er bis 1974 und arbeitete als wissenschaftlicher Angestellter im DFG-Projekt Kritische Ausgabe von Wolfram von Eschenbachs „Willehalm“. Die Bibliothekslaufbahn schlug Jürgen Vorderstemann 1974 an der Hessischen Landes- und Hochschulbibliothek Darmstadt ein. Dort entdeckte er eine bis dahin unbekannte Handschrift des Nibelungenliedes (Sigle: n). Nach Abschluss des Bibliotheksreferendariats kam er 1976 als Fachreferent nach Speyer an die Pfälzische Landesbibliothek. Er übernahm im selben Jahr die der Pfälzischen Landesbibliothek übertragene Leitung der „Geschäftsstelle zur Durchführung der Landesverordnungen über die Ausbildung und Prüfung für die bibliothekarischen Dienste in Rheinland-Pfalz“, die für die Ausbildung aller Laufbahnen des Bibliothekswesens zuständig ist. In dieser Funktion war er auch Mitglied des Beirats für wissenschaftliche Bibliotheken beim Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur. 1983 wurde er zum Bibliotheksdirektor und stellvertretenden Leiter der

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Es ist schwer, die Fülle seiner Aufgaben und Verdienste in dreißig Dienstjahren für die Pfälzische Landesbibliothek in kurzen Worten zusammenzufassen. So hat sich Dr. Vorderstemann insbesondere um die Rara-Bestände der Bibliothek verdient gemacht. Inzwischen sind Handschriften, Autographen und Nachlässe sowie weitere Sondermaterialien der Pfälzischen Landesbibliothek, der Bibliotheca Bipontina in Zweibrücken und der Bibliothek des Gymnasiums am Kaiserdom in Speyer in einem eigenen Online-Katalog (HANS) erfasst und über das Internet recherchierbar. Auch die Inkunabeln der Pfälzischen Landesbibliothek werden seit Ende 2006 in INKA über das Internet nachgewiesen. Außerdem war Dr. Vorderstemann für eine Vielzahl von Ausstellungen in der Landesbibliothek und die dazugehörigen Publikationen verantwortlich. Zu seinen Forschungsschwerpunkten in der Pfälzischen Landesbibliothek gehörte u.a. Leben und Werk von Sophie von La Roche (1730–1807). Er ist einer der Mitinitiatoren der „Grünen Stube“ im Hohenfeldschen Haus in Speyer, einer Gedenkstätte zum Wirken der aufklärerisch-empfindsamen Schriftstellerin. Als Vorsitzender des Literarischen Vereins der Pfalz, Sektion Speyer, hat er im Laufe der Jahre viele interessante und bekannte Schriftstellerinnen und Schriftsteller zu Lesungen nach Speyer eingeladen, auch in die Pfälzische Landesbibliothek. Eine weitere Funktion nimmt er als Schriftleiter der „Pfälzer Heimat“ wahr, der Zeitschrift der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften in Verbindung mit dem Historischen Verein der Pfalz. Am Donnerstag, den 21. Dezember 2006 wurde Dr. Jürgen Vorderstemann von zahlreichen Kolleginnen und Kollegen aus dem Bibliothekswesen sowie

Gästen aus Wissenschaft und Kultur sowie Politik feierlich in die Alterszeit verabschiedet. Ihm zu Ehren sprachen Dr. Helmut Frühauf (Direktor des Landesbibliothekszentrums RheinlandPfalz), Adelheid Schumacher (Leiterin der Kulturabteilung des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur in Mainz), Ralf Wildermuth (Vorsitzender des Beirats für wissenschaftliche Bibliotheken beim Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur in Mainz), Werner Schineller (Oberbürgermeister der Stadt Speyer) sowie Petra Dietz (für den Personalrat). Dr. Vorderstemann bedankte sich mit einem Eröffnungsvortrag zu der von ihm konzipierten Ausstellung „Manu propria – Aus der Autographen-Sammlung der Pfälzischen Landesbibliothek“. Die Gäste waren anschließend zu Brezeln und Wein in die Ausstellung und zu Gesprächen geladen. Zu den wichtigsten Veröffentlichungen von Dr. Jürgen Vorderstemann zählen: • Die Fremdwörter im „Willehalm“ Wolframs von Eschenbach (1974) • Johann Hartliebs Alexanderbuch, eine unbekannte illustrierte Handschrift ... (1976) • Eine unbekannte Handschrift des Nibelungenliedes ... (1976) • Speyerer Buchdruck in 500 Jahren (Hg. 1981) • Sophie von La Roche: „Pomona für Teutschlands Töchter“ (Hg. mit e. Vorw. 1987) • August Becker 1828–1891, ein pfälzischer Berufsschriftsteller im 19. Jh. (1991) • Sophie von La Roche (1730–1807), eine Bibliographie (1995) • Das Nibelungenlied nach der Handschrift n (Krit. Ausg. 2000) • „Meine liebe grüne Stube“. Die Schriftstellerin Sophie von La Roche in ihrer Speyerer Zeit (Hg. zus. mit K. Haag, 2005). Ute Bahrs bibliotheken heute 3 (2007) 1

Kleinere Beiträge · Auszeichnungen, Würdigungen

Literaturpreise Carl-Zuckmayer-Medaille Mit der Carl-Zuckmayer-Medaille 2007 zeichnete Ministerpräsident Kurt Beck am 18. Januar in Mainz den Rockmusiker Udo Lindenberg aus. Mit der Zuckmayer-Medaille ehrt das Land Persönlichkeiten, die sich um die deutsche Sprache verdient gemacht haben. Ministerpräsident Beck lobte, dass Lindenberg der Rockmusik eine eigene Sprache gegeben und dadurch viele junge Musiker ermutigt habe, Texte in deutscher Sprache zu verfassen. Verbunden mit der Medaille ist auch ein 30-Liter-Fass mit Wein aus Zuckmayers Geburtsort Nackenheim. Hermann-Sinsheimer-Preis Peter Scholl-Latour erhält 2007 den Hermann-Sinsheimer-Preis der Stadt Freinsheim. Der Preis ist mit 2.500 Euro dotiert und wird alle zwei Jahre vergeben. Die Preisverleihung findet am 18. März statt. Der 1924 in Bochum geborene Journalist war einige Jahre Chefredakteur des Magazins „Stern“ und berichtete unter anderem für die ARD aus den Krisenregionen der Welt. Sehr erfolgreich sind seine Sachbücher. Zuletzt erschienen ist der Sachbuch-Bestseller „Russland im Zangengriff. Putins Imperium zwischen Nato, China und Islam“. Stadtschreiber von Mainz 2007 wird Ilija Trojanow Stadtschreiber in Mainz. Dieser Literaturpreis ist mit 12.500 Euro dotiert. Außerdem kann der Preisträger für ein Jahr eine Wohnung im Mainzer GutenbergMuseum beziehen. Finanziert wird der Preis gemeinsam von ZDF, 3sat und der Stadt Mainz. Mit dem Roman „Der Weltensammler“ wurde der 1965 in Bulgarien geborene Schriftsteller Ilija Trojanow im letzten Jahr einem größeren Publikum bekannt. Für diesen Roman erhielt der Schriftsteller den „Preis der Leipziger Buchmesse 2006“. Außerdem stand der Roman auf der Nominierungsliste zum „Deutschen Buchpreis“. Angelika Hesse bibliotheken heute 3 (2007) 1

Kleinere Beiträge · Aus dem Landesbibliothekszentrum

10. Aus dem Landesbibliothekszentrum

Tag der offenen Tür im Landesbibliothekszentrum am 19. Mai 2007

LESEFÖRDERUNG UND VERANSTALTUNGEN

Am Samstag, dem 19. Mai 2007 werden alle Landesbehörden und Landeseinrichtungen von 10 bis 17 Uhr zum Tag der offenen Tür für die Bürgerinnen und Bürger in Rheinland-Pfalz ihre Pforten öffnen. Das Landesbibliothekszentrum beteiligt sich mit allen fünf Einrichtungen an diesem Tag der offenen Tür. Die Besucher erwartet ein reichhaltiges Programm mit Führungen, Ausstellungen und Vorträgen. Veranschaulicht werden auch Arbeiten hinter den Kulissen. In der Bibliotheca Bipontina in Zweibrücken werden Einführungen in die Recherchemöglichkeiten der Bibliothek angeboten. Darüber hinaus finden vier Vorträge zum Thema „Alte Bücher lassen Geschichte lebendig werden“ statt. Die Vorführung einer Power-Point-Präsentation zur Geschichte der Bibliotheca Bipontina, ein Bücherbasar und das Projekt „Kinder malen Bücher“ runden das Programm ab.

Die Pfälzische Landesbibliothek in Speyer bietet allgemeine Bibliotheksführungen sowie Führungen durch die Restaurierungswerkstatt an. Es finden Schulungen für den Online-Katalog und die Datenbankangebote sowie die Präsentation der neuen „Rheinland-Pfälzischen Personendatenbank“ statt. Im Ausstellungsraum wird eine Auswahl Autographen gezeigt. Eine Malecke sowie eine Puppenaufführung richten sich an die kleinen Gäste. In Koblenz präsentieren sich die Rheinische Landesbibliothek und die Büchereistelle Koblenz im gemeinsamen Gebäude. Die Ausstellung „Literarisches Leben in Rheinland-Pfalz 1947-1956“ im Rahmen der Landesausstellung zum 60-jährigen Bestehen des Landes, wird an diesem Tag eröffnet. Auf dem Programm stehen unter anderem Führungen durch die Bibliothek und die Büchereistelle, Präsentation des LBZ-Kataloges und der neuen „Rheinland-Pfälzischen Personenda-

tenbank“ sowie ein Blick in die Schatzkammer und die offene Buchbindewerkstatt. Darüber hinaus werden Leseförderaktionen in Rheinland-Pfalz vorgestellt. Die Besucher erhalten auch Anleitungen zum Foliieren und Reparieren von Büchern. Kleine und große Gäste werden zu einem Sommerfest im Innenhof mit Kinderprogramm willkommen geheißen. In der Büchereistelle Neustadt steht die Ergänzungsbücherei mit ihren Medien und Leseförderangeboten allen Besuchern offen Es finden Kurzführungen und Vorträge zum Thema „Leseförderung“ statt. Bücherkisten und kleinere Leihbestände können von Bibliotheken, Schulen und Kindergärten ausgeliehen werden. Das endgültige Programm und die genauen Uhrzeiten werden auf der Homepage des Landesbibliothekszentrums bekannt gegeben: www.lbz-rlp.de

Biblio 2 – Treffen in Truchtersheim Ein Treffen der deutsch-französischen Arbeitsgruppe „biblio 2“ fand am 12. Dezember 2006 in der Bibliothèque Départementale Bas Rhin (BDBR) in Truchtersheim statt. André Hincker, früherer Direktor der BDBR, jetzt Direktor der Straßburger

Stadtbibliothek, begrüßte die Gäste. Thema des Treffens war der Aufbau einer bilingualen gemeinsamen Homepage der BDBR und des Landesbibliothekszentrums. Hincker betonte, dass die grenzüberschreitende Zusammenarbeit vom Conseil Général der Region Bas Rhin (Nord-Elsass), der Träger

der BDBR ist, ausdrücklich unterstützt wird. Dr. Helmut Frühauf, Direktor des Landesbibliothekszentrums, dankte Hincker im Namen der deutschen Gäste für die stets angenehme und konstruktive Zusammenarbeit seit Gründung von „biblio 2“ im Jahr 2003.

LESEFÖRDERUNG UND VERANSTALTUNGEN

Bücherminis – Leseförderung von klein auf mit der Stadtbücherei Wittlich Ausgangssituation Die Grundlagen für eine gute Sprach- und Lesefähigkeit der Kinder werden bereits im Elternhaus gelegt. Die Stadtbücherei Wittlich möchte deshalb mit dem Projekt „Bücherminis“ alle Wittlicher Eltern unmittelbar und zu einem frühen Zeitpunkt auf die Bedeutung der sprachlichen

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Kommunikation (sprechen, singen, vorlesen) für die weitere Entwicklung ihres Kindes aufmerksam machen. Vorbilder Die britische Kampagne „Bookstart“ ist ein herausragendes Beispiel für eine umfassende und nachhaltige Frühförderung von Kindern im Bereich der

Sprach- und Leseförderung. Bookstart will Eltern und ErzieherInnen ermuntern, Kinder frühzeitig an Bücher und das Lesen heranzuführen. Im Rahmen des Projekts wird jedes Baby in Großbritannien mit einem Bookstart-Paket mit kostenlosen Büchern und Informationsmaterial ausgestattet. Die Kooperation zwischen Gesundheitsbehörden und Bibliotheken macht es möglich, bibliotheken heute 3 (2007) 1

Leseförderung und Veranstaltungen

Kinder aller Schichten zu erreichen. Beim routinemäßigen Gesundheitscheck der Kinder im Alter von 7 bis 9 Monaten erhalten die Eltern von Mitarbeitern der Gesundheitsbehörden einen „Books for Babys“- Beutel, in dem sich zwei Bücher und Informationen der örtlichen Bibliothek befinden. Die Flyer geben Auskunft über frühe Möglichkeiten der Lese- und Sprachförderung, die örtliche Bibliothek, deren Nutzungsmöglichkeiten und Programmangebote für Kleinkinder. Um auch die zahlreichen Migrantenfamilien mit diesem Angebot zu erreichen, liegt das Infomaterial inzwischen in 14 verschiedenen Sprachen vor. In den vergangenen fünf Jahren wurden zwei Millionen Bookstart-Pakete an Babys verteilt. Wissenschaftliche Studien zogen in Großbritannien eine sehr positive Bilanz: „Bookstart“-Kinder erbrachten bei der Einschulung im Durchschnitt bessere sprachliche, mathematische und soziale Leistungen. Der Erfolg der „Bookstart“-Kampagne führte zu einer Vielzahl ähnlicher Projekte weltweit. In Deutschland steckt diese Idee noch in den Kinderschuhen. Als Pilotprojekt kann die Aktion „Bücherbabys“ der Stadtbibliothek Brilon gelten. Dort wird seit Januar diesen Jahres allen Eltern der im Briloner Krankenhaus geborenen Kinder ein Paket mit der von der Stadtbibliothek Brilon entwickelten „Leselatte“, einem Erstbilderbuch und Info-Broschüren mitgegeben. Die Leselatte ist eine ca. 90 cm lange Messlatte aus Hartplastik, die mit Zentimeterangaben von 60 bis 150 cm (für Kinder im Alter von 0 bis ca. 10 Jahren) bedruckt ist. Herkömmliche Messlatten für Kinderzimmer beschränken sich auf die Größenangaben und kindgerechte Illustrationen. Die Leselatte gibt Eltern zusätzlich zu den Zentimeterangaben und dem entsprechenden Durchschnittsalter der Kinder kurze, markante Tipps zur Sprach- und Leseförderung. Sie ist mit „buchnahen“ farbigen Zeichnungen illustriert. Da diese Messlatten über Jahre hinweg genutzt werden, begleiten die vermittelten Inhalte Kinder und Eltern über einen langen Zeitraum. Die Kampagne „Bücherbabys“ wird von der Stiftung Lesen begleitet, die bibliotheken heute 3 (2007) 1

kürzlich im Auftrag des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales selbst mit dem Modellprojekt „Lesestart“ begonnen hat. Dieses wird im gesamten Bundesland Sachsen durchgeführt und lehnt sich inhaltlich eng an das englische „Bookstart“-Programm an.

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cherei Wittlich (Gültigkeitsdauer: 1 Jahr) eine Leselatte ein erstes Bilderbuch eine Broschüre mit Buchtipps für „Bücherminis“ eine Baumwolltasche mit dem Logo der Initiative.

Umsetzung in Wittlich Die „Büchermini“-Initiative der Stadtbücherei Wittlich startete am 1. Januar 2007. Eltern erhalten anlässlich der Geburt ihres Kindes ein Paket mit Materialien und Informationen zur Sprach- und Leseförderung, das Lust auf das gemeinsame Sprechen und Lesen machen soll und die Familie über Jahre begleitet. Zielgruppe sind die Eltern aller Wittlicher Neugeborenen. Ausgegeben werden die Pakete bei der Anmeldung des Kindes im Einwohnermeldeamt. Leider können nur Eltern mit dem Hauptwohnsitz Wittlich dieses Paket erhalten, eine Ausweitung auf alle Geburten im Wittlicher Krankenhaus ist zur Zeit finanziell (noch) nicht zu leisten. Das Büchermini-Startpaket enthält im Einzelnen: – einen Infoflyer mit Elternbrief und einem Gutschein für einen kostenlosen Leserausweis der Stadtbü-

Übersetzungen des Infoflyers sowie der Texte der Leselatte in türkischer und russischer Sprache liegen vor und können bei Bedarf mitgegeben werden. Parallel erhalten alle Personen, Gruppen und Institutionen, die mit und für Kinder/n arbeiten, ein Exemplar der Leselatte, so dass diese Kindern und Eltern immer wieder „begegnet“: beim Kinderarzt, in der Krabbelgruppe, im Krankenhaus, ergotherapeutischen und logopädischen Praxen, im Kindergarten usw. (Die kostenlose Zusammenstellung und Ausleihe allgemeiner oder thematischer Medienkisten an Institutionen wird von der Stadtbücherei Wittlich zusammen mit der Kreisergänzungsbücherei Bernkastel-Wittlich seit Jahren intensiv praktiziert.) Ziele der „Büchermini“-Initiative – Bücher sollen als Alltagsmedium in die Familien (wieder) eingeführt werden. – Das Vorlesen soll sich als Ritual in den Familien etablieren. – Freude an Büchern und am Lesen soll als Gemeinschaftserlebnis gefördert werden. – Familien aus „bildungsfernen Schichten“ und mit Migrationshintergrund (Erleichterung des Zweitspracherwerbs) sollen auf die Bedeutung des Sprechens, Singens und Vorlesens für die sprachliche Entwicklung ihrer Kinder aufmerksam gemacht werden. – Hemmschwellen für einen späteren Büchereibesuch sollen abgebaut werden. – Familien sollen als Büchereikunden gewonnen werden. Ausblick Um auch in Wittlich die Wirkungen des Projekts nachhalten zu können, wird die Stadtbücherei in Zusammen-

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Leseförderung und Veranstaltungen

arbeit mit den Kindergärten eine Umfrage vorbereiten. Diese soll erstmals im Frühjahr 2007 durchgeführt und während der Laufzeit des Projekts jährlich wiederholt werden. Sollte das Projekt von allen Beteiligten positiv aufgenommen und bewertet werden, wird die Stadtbücherei ein Finanzierungskonzept für die Folgejahre aufstellen. Hingewiesen

sei hier darauf, dass das Projekt das erste seiner Art in Rheinland-Pfalz ist. Von Seiten des Landesbibliothekszentrums sowie des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur Rheinland-Pfalz wird dies mit Interesse verfolgt. Eventuell findet sich für die Folgejahre eine gesamt-rheinland-pfälzische Lösung (ähnlich dem Lesestart-Projekt der Stiftung Lesen für Sachsen).

Weiterführende Links www.buecherbabys.de www.stadtbibliothek-brilon.de www.stiftunglesen.de www.bookstart.co.uk www.literacytrust.org.uk Annette Münzel

Büchermini-Flyer der Stadtbücherei Wittlich

„Ich will heute Prinzessin sein!“ – Ein märchenhafter Nachmittag in der Stadtbücherei Neustadt an der Weinstraße Seit einigen Jahren lädt die Tourist-Information der Stadt Neustadt zur Zeit des Neustadter Weihnachtsmarktes unter dem Titel „www.Winter-Wunder-Welt für Kids“ alle Kinder von Neustadt und Umgebung zu einem umfangreichen Programm ein, das Aktionen von Töpfern bis Feuerjonglage umfasst. Wie jedes Jahr hat sich die Stadtbücherei auch im Dezember 2006 an diesen Aktionen beteiligt

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und sechs- bis siebenjährige Mädchen eingeladen. Die Teilnehmerinnenzahl war auf sechzehn begrenzt und zum Kummer einiger zu spät gekommener Kinder waren alle Plätze innerhalb kürzester Zeit vergeben. Die nötigen Vorbereitungen – backen eines Schneewittchenkuchens, ausräumen und dekorieren des Lesesaals mit passenden Krepppapier-

bahnen, die einen Teil der Regale verbargen, und einem Thron, bestehend aus einem kleinen vorhandenen Podest und einem mit einem Goldtuch verkleideten Sessel – waren abgeschlossen, als die sechzehn Mädchen nachmittags um 15 Uhr erschienen. Sie wurden begrüßt von den verkleideten Büchereimitarbeiterinnen Ute und Petra von der Bücherburg.

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Leseförderung und Veranstaltungen

In der Einladung wurden die Mädchen gebeten, in vorhandenen Prinzessinnenkleidern oder alternativ in weiß, rosa, lila oder roter Kleidung in die Stadtbücherei zu kommen. So war es für uns ein Leichtes, mit bereitliegenden Stoffen und Gardinen das Outfit der Mädchen zu vervollständigen. Nach einem kleinen Begrüßungsspiel wurden die von uns vorbereiteten Spitzhüte von den kleinen Prinzessinnen mit Stoff und Goldfolie verziert und eine „echte“ Perlenkette aufgefädelt. Nebenbei bemerkt, letztes Jahr haben wir Kronen gebastelt, was in der Vorbereitung wesentlich weniger zeitaufwändig war. Anschließend wurde das Buch „Heute will ich Prinzessin sein“ von Franziska Gehm1 vorgelesen. In dem Buch geht es um ein kleines Mädchen, das gern eine Prinzessin sein möchte und von einem Frosch auf ihre Echtheit geprüft wird. Doch leider erfüllt die kleine Sofie die Anforderungen, die der Frosch stellt, nicht: Der Zopf ist zu kurz, der goldene Schuh passt nicht und Sofie kann nicht von einem Prinzen wachgeküsst werden, weil sie vor lauter Aufregung erst gar nicht einschlafen kann. Der Frosch verschwindet und Sofie bleibt weinend auf ihrem Bett zurück. Doch sie bleibt nicht liegen, denn irgendetwas drückt und macht das Liegen unbequem – nach einigem Suchen findet sich eine Erbse unter der Matratze... Ist Sofie vielleicht doch eine Prinzessin? Da es nach dem Basteln und Vorlesen an der Zeit war, den Bewegungsdrang der Prinzessinnen zu befriedigen, stand als Nächstes ein mehr oder we-

niger improvisierter Kreistanz auf dem Programm. Auf ein Musikstück von Angelo Branduardi fassten wir uns an den Händen und gingen oder hüpften gemeinsam, zu zweit oder allein im Kreis, verbeugten uns voreinander und so weiter... Da Bewegung natürlich durstig und hungrig macht, gab es anschließend Schneewittchenkuchen, Lebkuchen, Mandarinen und wahlweise Apfelsaftschorle mit und ohne Zaubertrank (Johannisbeersaft aus einer Karaffe). So gestärkt, konnte das Märchenratespiel beginnen. Fehlerhafte Märchentexte wurden vorgelesen oder kurze Rätselreime vorgetragen, die dem passenden Märchen zugeordnet werden mussten. Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit konnten geplante Spiele, wie zum Beispiel kleine Märchenszenen nachspielen oder Gegenstände aus Märchen zeichnen und erraten lassen, nicht mehr gespielt werden.

Der Andrang bei der Anmeldung, die überaus positiven Rückmeldungen seitens der Kinder und Eltern und der dringende Wunsch der Tourist-Information Neustadt, diese Veranstaltung nächstes Jahr im Rahmen der www. Winter-Wunder-Welt für Kids möglichst zweimal durchzuführen, haben uns sehr gefreut und bewiesen, dass wir mit unserer „Prinzessinnen-Veranstaltung“ bei den Mädchen ins Schwarze getroffen haben. Ute und Petra von der Bücherburg werden sich nächsten Jahr wohl wieder die Krone aufsetzen und erwartungsvolle Mädchen in der Bücherei Neustadt an der Weinstraße begrüßen! Ute Pantschitz-Harke, Petra Mohr

Zum Schluss durften die Prinzessinnen noch gruppenweise die in der gesamten Bücherei von einem Räuber verlorenen Edelsteine suchen, aufsammeln und in die Schatzkiste zurücklegen. Da Suchspiele Kindern immer viel Spaß machen, ließen sich da bestimmt noch andere Spieleinheiten „erfinden“. Nach drei Stunden, die wie im Flug vorübergegangen sind, wurden die Prinzessinnen glücklich und vielleicht etwas müde mit ein paar Goldtalern verabschiedet und von den Eltern abgeholt.

Mit Spannung verfolgten die Mädchen die Geschichte, die Ute von der Bücherburg vorlas. Foto: Stadtbücherei Neustadt

Buchstabensuppe – köstliche Wortkreationen für pfiffige Kinder Einen vergnüglichen Workshop rund um Sprache für kreative und pfiffige Kinder gestalteten die Gemeindebücherei Welschbillig und die Kreisvolkshochschule (KVHS) im Oktober 2006. Gabriele Grewenig, Leiterin der Gemeindebücherei, verrät in diesem Beitrag das Rezept für die Buchstabensuppe. Die Viertklässler der Grundschule Welschbillig waren zur „Buchstabensuppe“ eingeladen. Frau Pomowski ist Referentin der KVHS Welschbillig und bibliotheken heute 3 (2007) 1

begleitet die Klasse seit der Einschulung als Lesepatin. Sie hatte sich ein abwechslungsreiches „Menü“ für die Kinder erdacht und Gabriele Grewenig assistierte bei der Durchführung. Gemeinsam mit den um einen großen Tisch versammelten Kindern wurde der Zusammenhang zwischen dem Kochen einer essbaren Suppe und einer Buchstabensuppe geklärt. Beides besteht aus vielen Zutaten. Bei der Buchstabensuppe sind es Buchstaben, z.B. Vokale: a, e, i, o und u. Bei dem

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Leseförderung und Veranstaltungen

Spiel „Ich koche eine Buchstabensuppe und ich nehme als Zutat...“ wählten die Kinder Zutaten aus, die mit einem bestimmten Vokal, z.B. „a“ beginnen. Die Auswahl war abenteuerlich, diese Suppe würde schwer im Magen liegen, aber alphabetisch war alles korrekt. Als Anschauungsmaterial für das gehäufte Vorkommen einzelner Vokale trugen Kinder und Erwachsene abwechselnd Gedichte vor, z.B.: War mal ein Lama In Alabama, das wünschte sich dringend einen Pyjama von seiner Mama. Welch ein Drama! In Yokohama gibt´s den Pyjama. In Alabama friert das Lama. Anschließend lernten die Kinder Gedichte kennen, in denen sie Reimwörter suchen sollten, z.B.: Frau Quan sagt: „Kinder müssen toben. Aber lasst die Lampe ---. Im Glasschrank fehlen zwar zwei Scheiben, doch wir können Freunde --–.“ Dies war für alle eine leichte und vergnügliche Übung! Aber man kann auch Buchstaben in Wörtern vertauschen, so dass sie einen anderen Sinn ergeben, z.B.: Herd wird Dreh, Emil wird Leim, Riese wird Reise. Eine einfache Sache, aber dann wurde es ernst: Jedes Kind durfte in die gläserne Zauberkugel greifen und einen Zettel entnehmen. Es gibt Zettel, die als Joker fungieren, so dass man

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keine Aufgabe erfüllen muss, aber es gibt auch Zettel mit härteren Brocken. Während sich einige beruhigt zurücklehnen konnten, wurden bei anderen die grauen Zellen ordentlich gefordert. Ein Junge zeigte ratlos einen Zettel vor, auf dem im Kreis angeordnete Wörter einen Satz bildeten und in der Mitte des Kreises stand geschrieben: „Satz, der sich in den Schwanz beisst“ von Hans Manz. – Was sollte denn dies bedeuten? Als der Junge die im Kreis laufenden Wörter vorlas, war das Rätsel schnell gelöst. Die Botschaft lautete: Weiß der Himmel, wer da wieder Zucker verstreut hat, der Küchenboden ist ganz weiß. Und nun kann man den Satz, der mit dem gleichen Wort beginnt und endet in einer Endlosschleife lesen. Da kann einem ganz schwindlig werden! Ein schöner Spaß. Andere Zettel enthielten Buchstabenrätsel (das Gegenteil von hoch ist t..f, Lärm oder Krach nennt man auch R...u) und zeigten Anagramme auf. Als Frau Pomowski das folgende Gedicht von Hans Manz vortrug, kicherten alle Kinder: Kleiner Streit „Ich bin 2fellos größer als du“, sprach zum Einer der Zweier. „3ster Kerl, prahle nicht so!“, knurrte der größere Dreier. „Und ich!“ rief der Einer, „bin zwar der kl1te, aber dafür bestimmt auch der f1te“. „Nein, mir gibt man sogar noch den Schn0er“, piepste der Nuller.

Zum Abschluss ließen sich die Kinder ein ganz langes Wort mit vielen Buchstaben einfallen: Man wählte das Wort „Lampenschirm“ gemeinschaftlich aus und jeder schrieb es in Druckbuchstaben auf ein Blatt Papier. Die Buchstaben des Wortes sollte jedes Kind so umstellen, dass mindestens 15 neue Wörter entstehen können. Nun war es mucksmäuschenstill. Alle experimentierten, reimten, schrieben und waren ganz bei der Sache. Danach konnte jedes Kind seine Wörter vorlesen und mit den Ergebnissen der anderen vergleichen. Wörter, die mehrere Schüler gefunden hatten, wurden gemeinschaftlich gestrichen. Die übrig gebliebenen Wortschöpfungen wurden neu gezählt. Wer die meisten aufzuweisen hatte, wurde mit einer lauten Beifallrakete gefeiert. Am Ende der Veranstaltung machten die Kinder einen zufriedenen, aber auch müden Eindruck. – Eine „Buchstabensuppe“ zu kochen macht sichtlich viel Spaß, kostet aber auch einige Konzentration. Gelohnt hat es sich allemal, sowohl für die Kinder als auch für die Veranstalterinnen! Die im Workshop verwendete Literatur können interessierte Kinder und Erwachsene in der Gemeindebücherei ausleihen. Wärmstens zu empfehlen ist das Buch „Neun nackte Nilpferddamen“ oder „Wie Unsinn Spaß machen kann“. Das Buch enthält köstliche Gedichte, Reime und mehr.

Gabriele Grewenig

Ein nettes Gedicht, auch für Nichtmathematiker.

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Rheinpfalz, 20. September 2006

Leseförderung und Veranstaltungen

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Kurzinformationen

KURZINFORMATIONEN

KURZINFORMATIONEN

Bad Bergzabern (Kreis Südliche Weinstraße). Gertrud Müller, Leiterin der Stadtbücherei Bad Bergzabern, gab dieses Amt nach 25 Jahren zum 31. Dezember 2006 ab. Als sie die Leitung der Bücherei ehrenamtlich übernahm, war die Bücherei in zwei kleinen Räumen in der Marktstraße untergebracht. Der Bestand umfasste gerade einmal 600 Bände. Mit dem Umzug ins alte Rathaus 1981 gab es wesentlich mehr Platz. Nachdem auch die AOK aus dem Gebäude ausgezogen war, konnte die Bücherei auf mittlerweile 180 qm erweitert werden. 15.000 Medien stehen jetzt zur Ausleihe zur Verfügung. Die Arbeit ließ sich mittlerweile nur noch im Team bewältigen, zu dem neben dem Ehemann Wolfgang Müller, Isolde Schmitt und Elke Timmermann gehörten.

gen. Der bisherige Raum im Rathaus wurde vom Gemeinderat benötigt, so dass für die Bücherei nach einer anderen Unterbringung gesucht wurde. Neues Domizil ist die frühere Poststation in der Schulstraße. Dieses Haus wurde gemeinsam von der Ortsgemeinde und der Kirchengemeinde renoviert und wird auch gemeinsam genutzt. Im Obergeschoss befinden sich die Räume der Kirchengemeinde. Ebenerdig untergebracht ist jetzt die Gemeindebücherei. Ein Raum ist den Kinder- und Jugendbüchern vorbehalten, in einem weiteren Raum sind die Bestände für die Erwachsenen zu finden. Büchereileiterin Elke Redenius-Kleen möchte für die Besucher in Zukunft auch einen Internet-PC zur Verfügung stellen.

Müller machte sich insbesondere für die Leseförderung stark und baute den Bestand an Kinder- und Jugendliteratur kontinuierlich aus. Für die Erwachsenen gab es allerdings ebenfalls eine breite Auswahl an Romanen und Sachbüchern. Nicht vorhandene Bücher bestellte Müller aus der Ergänzungsbücherei der Büchereistelle Neustadt oder aber über den Leihverkehr.

Koblenz. „Werden Sie Buchpate“ – unter diesem Motto starteten die Stadtbibliothek Koblenz und die Buchhandlung Reuffel eine gemeinsame Aktion. In den Buchhandlungen sind Bücher mit einem sogenannten „Patenzettel“ gekennzeichnet. Diese Bücher können gekauft und der Stadtbibliothek gestiftet werden, indem sie an der Kasse für die Stadtbibliothek abgegeben oder nach der Lektüre in die Stadtbibliothek gebracht werden.

Auch im Bereich der Veranstaltungsarbeit engagierte sich Müller schon seit vielen Jahren. So fand 2006 die fünfte „Bad Bergzaberner Buchlese“ statt, ein Kooperationsprojekt von Stadtbücherei, Buchhandlungen und anderen kulturellen Einrichtungen. Nachfolgerin von Gertrud Müller wird die bisherige Mitarbeiterin Isolde Schmitt. u Diez (Rhein-Lahn-Kreis). Seit Dezember 2006 ist Monika Scharf neue Leiterin der Stadtbücherei Diez. Die bisherige Leiterin, Gudrun Held, übernimmt die stellvertretende Leitung. Die Stadtbücherei Diez wird derzeit als Pilotprojekt des Landes gefördert. u Dreisen (Donnersbergkreis). Die Gemeindebücherei Dreisen ist umgezo-

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Die Koblenzer Stadtbibliothek präsentiert ihren Bestand in einem modernisierten Online-Bibliothekskatalog. Die übersichtliche und ansprechende Gestaltung des Kataloges „Zones“ ermöglicht eine einfachere Handhabung als bisher. Der Bibliothekskunde kann neben der Recherche und der eigenen Kontoverwaltung ein individuelles Suchprofil erstellen, ganz nach seinen eigenen Interessen. Einige Bestandsgruppen lassen sich in der Menüleiste direkt aufrufen (z.B. Neuerwerbungen, Schülerhilfen, Literaturpreisträger). Für die kleinen Bibliothekskunden präsentiert sich die „KidsZone“ des Kataloges bunt, peppig und kindgerecht. Sie soll dem Lesenachwuchs das Suchen und Finden von Medien erleichtern. Der neue Online-Katalog ist auf den Internetseiten der Stadtbibliothek zu finden unter: www.stb.koblenz.de

Lingenfeld (Kreis Germersheim). Mit Beginn des Jahres hat Diplom-Bibliothekarin Inge Böhmler die Leitung der Gemeindebücherei Lingenfeld übernommen. Sie hat das Studium der Bibliotheks- und Informationswissenschaft im Sommer 2006 in Leipzig abgeschlossen. Vor ihrer Ausbildung zur Bibliothekarin hatte sie bereits in Karlsruhe eine Ausbildung zur Erzieherin abgeschlossen und zwei Jahre Erziehungswissenschaften in Freiburg studiert. Mit der Stelle in Lingenfeld erfüllt sie sich nun den Wunsch, wieder „im Süden“ von Deutschland zu wohnen. Gegenüber der Presse betonte Böhmler, dass sie die gute Zusammenarbeit mit der Kindertagesstätte und der Schule fortführen will. Aber auch die erwachsenen Leser hat sie im Blick: mit einer kleinen Zeitschriften- und Leseecke will sie die Bücherei für diese Nutzergruppe attraktiver machen. u Ludwigshafen. Auf große Resonanz stieß die Aktion „Ein Buch und sein Pate“ des Förderkreises der Stadtbibliothek Ludwigshafen. Im Dezember hatte die Vorsitzende des Förderkreises, Monika Kleinschnitger, die Bürger von Ludwigshafen dazu aufgerufen, die „Patenschaft“ für ein Buch zu übernehmen. Wer ein Buch kaufte und dies der Stadtbibliothek stiftete, durfte dies signieren und das Buch mit dem „Patenstempel“ versehen. In den Buchhandlungen der Stadt gab es eine Liste mit Titeln, die die Bibliothek benötigte. Die Aktion war ein voller Erfolg. 103 Paten haben 153 Bücher oder Hörbücher im Wert von rund 2.000 Euro gekauft und der Stadtbibliothek geschenkt. Die Aktion fand in der Presse große Resonanz, zumal sich viele Prominente, wie z.B. die Sängerin Julie Neigel, an der Aktion beteiligten und dafür Werbung machten. Förderverein und Stadtbibliothek haben bereits geplant, diese Aktion im nächsten Jahr noch einmal zu wiederholen.

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Kurzinformationen

Queichhambach (Kreis Südliche Weinstraße). Unter dem Motto „Lesen für jedermann“ hat Helmut Seebach in Queichhambach (Stadtteil von Annweiler) den „ersten öffentlichen Bücherschrank der Pfalz“ eingerichtet. Im zum Bücherschrank umfunktionierten Elektroverteilerkasten, der von der Firma Prego Services GmbH (Saarbrücken) gespendet wurde, warten Abenteuer-, Jugend- und Kriminalromane sowie Sach- und Fachbücher auf Leser. Den Grundstock für diese ungewöhnliche Bibliothek bilden Bücherspenden. Germanist und Mundartdichter

Bruno Hain aus Böhl-Iggelheim nahm die Auswahl und die Sortierung des „Lesefutters“ vor. Leser können die Bücher nicht nur zu jeder Tages- und Nachtzeit entleihen, sondern auch tauschen und ergänzen. Die Bibliothek im Stromkasten stellt eine Bürgerinitiative zur Förderung der Lesekultur im öffentlichen Raum dar. u Waldleiningen (Kreis Kaiserslautern). Den fünften Geburtstag feierte die Gemeindebücherei Waldleiningen (ca.

500 Einwohner) im November 2006. Die auf Initiative von Büchereileiter Heinz Scheuermann gegründete Bücherei hat einen Bestand von fast 2.500 Büchern und zählt sowohl Kinder und Jugendliche als auch Erwachsene zu ihren Nutzern. Anlässlich des Jubiläums nahmen etwa 30 Kinder an einer Lesenacht in der Bücherei teil. Für die Erwachsenen las Bernd Franzinger aus seinem neuesten Krimi „Bombenstimmung“.

Die hier angezeigten Broschüren können in Bibliotheken zur kostenlosen Mitnahme für Kunden ausgelegt werden. Bitte bestellen Sie die hier angezeigten Broschüren unter der angegebenen Bezugsadresse.

Budgetkompass für Jugendliche Geld ist bei Jugendlichen ein besonders knappes Gut. Deshalb kommt es entscheidend darauf an, mit aktivem Budgetmanagement das Beste aus dieser Situation zu machen. Wie, zeigt der „Budgetkompass für Jugendliche“. Er hilft den Weg zur finanziellen Unabhängigkeit zu organisieren – mit Tipps, Informationen, Checklisten und Anlaufadressen. Themen sind u. a. Taschengeld, Nebenjobs, Beihilfen für Azubis, Finanzhilfen für Schülerinnen und Schüler oder Studentinnen und Studenten, Schulden, Sparen usw.

Ca. DIN A5, 28 S., zahlreich farbig illustriert

Budgetkompass für Singles Wer als Single seinen eigenen Haushalt führt, muss alle Entscheidungen – auch die finanziellen – in der Regel allein treffen. Das erfordert ein kluges Budgetmanagement, damit die finanziellen Herausforderungen erfolgreich bewältigt werden können. Der „Budgetkompass für Singles“ zeigt ihnen wie‘s geht. Er richtet sich an Ein-Personen-Haushalte, die ihren finanziellen

Spielraum optimal nutzen wollen. Die Themen sind: Budgetkontrolle, Konsumgewohnheiten, Preis und Leistung, der Umgang mit Schulden, Vermögen bilden u.v.m. Ca. DIN A5, 32 S., zahlreich farbig illustriert Bezugsadresse: Geld und Haushalt Beratungsdienst der SparkassenFinanzgruppe Postfach 80 04 48 70504 Stuttgart Online-Bestellung: www.geld-und-haushalt.de

Steuertipp: Mini-, Midi- und Aushilfsjobs Viele Menschen arbeiten als Aushilfs- oder Teilzeitkräfte. Immer wieder taucht dabei die Frage auf: Wie werden solche Arbeiten besteuert? Diese Broschüre gibt hierzu einen Überblick. Der Schwerpunkt liegt bei den Minijobs, diese betreffen vor allem Aushilfskräfte in der Land- und Forstwirtschaft, sowie Schülerinnen und Schüler, Studentinnen und Studenten. DIN A5, 36 S., illustriert Bezugsadresse: Ministerium der Finanzen Kaiser-Friedrich-Straße 5 55116 Mainz Online-Bestellung: www.fm.rlp.de bibliotheken heute 3 (2007) 1

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BROSCHÜRENDIENST

BROSCHÜRENDIENST

Broschürendienst

Bezugsadresse: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung 51101 Köln Online-Bestellung: www.bzga.de

38201 Salzgitter E-Mail: [email protected]

Seltene Erkrankungen – Millionen Patienten Von den ca. 30.000 bekannten Krankheiten werden über 7.000 zu den „seltenen Erkrankungen“ gezählt. Eine Erkrankung gilt als „selten“, wenn weniger als einer von 2.000 Menschen darunter leidet. Ihre häufigste Ursache sind Fehler im Erbgut. Insgesamt sind diese Erkrankungen aber kein seltenes Phänomen – allein in Deutschland gibt es mehrere Millionen Betroffene. Zehn Erkrankungen, deren Erforschung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird, werden im vorliegenden Faltblatt erläutert. Faltblatt, farbig illustriert

Kinderspiele Diese Broschüre richtet sich an Eltern von Kleinkindern und befasst sich damit, inwieweit Spielen der körperlichen und seelischen Gesundheit von Kindern förderlich ist. Zahlreiche Anregungen zur gesunden Entwicklung vom Baby bis Kindergartenkind sind enthalten. In sieben Fallbeispielen werden Entwicklungsstufen des Spielens mit Spielvorschlägen aufgeführt. Ein Expertenkommentar ergänzt jedes Fallbeispiel. DIN A4, 59 S., zahlreich farbig illustriert

Bezugsadresse: Bundesministerium für Bildung und Forschung Postfach 30 02 35 53182 Bonn Online-Bestellung: www.bmbf.de

Mobilfunk: Wie funktioniert das eigentlich? Millionen Deutsche besitzen ein Mobiltelefon. Für die meisten ist es selbstverständlich geworden, unterwegs erreichbar zu sein. Zugleich protestieren immer mehr Menschen gegen die Errichtung von Mobilfunkanlagen und sehen in der elektromagnetischen Strahlung, die von Mobiltelefonen ausgeht, die Ursache für gesundheitliche Störungen und Erkrankungen. Diese Broschüre informiert zum Einen über die Mobilfunktechnik und zum Anderen über den Stand der Forschung über die Auswirkungen hoch frequenter Strahlung, die vom Mobilfunk ausgeht. Die Broschüre schließt ab mit weiteren informativen Tipps rund um das mobile Telefonieren. 11 x 21 cm, 20 S., überwiegend farbig illustriert Bezugsadresse: Bundesamt für Strahlenschutz Postfach 10 01 49

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Literaturdienst

LITERATURDIENST

1. Rheinland-Pfalz in Büchern

Tobias Busch, Kommunalpolitiker und Jurist aus Frankenthal, legt nach „Wenn der Schein trügt“ (2006) seinen zweiten Regionalkrimi vor. In diesem Roman gerät Frankenthal in die Schlagzeilen, als die Mitarbeiterin eines renommierten Friedensforschungsinstituts während der Frankenthaler Kulturnacht ermordet wird. Welche Beziehungen die Ermordete zur Bundesregierung oder zum Bundesnachrichtendienst hatte, dieser Frage gehen Kommissar Thomas Schubert und Kommissarin Karla Müller nach. Die Ermittlungen führen außerdem nach Afghanistan und Israel. Für die Aufklärung des Falls müssen die Ermittler also nicht nur kriminalistische Kleinarbeit erledigen, sondern auch die derzeitigen weltpolitischen Konflikte und Verwicklungen in Betracht ziehen. (ah) Kißener, Michael: Kleine Geschichte des Landes Rheinland-Pfalz 1945 – 2005: Wege zur Integration eines „Nachkriegsbundeslandes“. – 1. Aufl. – Karlsruhe: G. Braun Verlag, 2007. - 223 S.: Ill. – (Regionalgeschichte – fundiert und kompakt) - ISBN der Verlagsausgabe: 978-3-7650-8345-3: geb. 16,90 Euro Der Band ist kostenlos zu beziehen über die Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz, Telefon: 06131 162970, E-Mail: [email protected] politische-bildung-rlp.de

Rechtzeitig zum Verfassungsjubiläum ist eine kleine, gut lesbare Geschichte des Landes Rheinland-Pfalz erschienen. Der Verfasser Michael Kißener ist Professor am Historischen Seminar der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Schwerpunkt seiner Darstellung ist die politische Geschichte des Landes – von der schwierigen Gründungsphase gleich nach dem Krieg bis hin zur Landtagswahl 2006. Die verschiedenen Ministerpräsidenten und deren Politik werden dargestellt, besondere Problemfelder der Landespolitik, wie z.B. die Rüstungskonversion, werden benannt. Nur kurz angerissen werden die Schul- und Hochschulpolitik, die Kunstund Kulturpolitik oder die Verkehrsund Wirtschaftspolitik. Der Band wird durch ein detailliertes Inhaltsverzeichnis gut erschlossen. Ergänzt wird die Darstellung durch eine Zeittafel und ein Literaturverzeichnis mit weiterführender Literatur. Ein Personenregister ist leider nicht vorhanden. Grundbestand für Öffentliche Bibliotheken in Rheinland-Pfalz. (ah) Passian, Walter: Endstation Mäuseturm – Hamm/Rheinhessen: Kehl, 2006. – 231 S. – (Der Rheinhessen-Krimi; 5). - ISBN : 978-3-935651-24-0: kt. 11,00 Euro Ein weiterer Krimi, in dem der Wormser Privatdetektiv Lui Fischer in einem Kriminalfall ermittelt. Dieses Mal wird ein Lebensmittelhändler aus Bingen entführt. Ob diese Entführung etwas mit der alten Sage vom Binger Mäuseturm zu tun hat? (ah)

Röth, Helmut: Auf Schienen zwischen Odenwald und Pfalz : Fotografien 1955 – 1976 . – 1. Aufl. – Ludwigshafen am Rhein: Pro Message, 2006. – 168 S. : überw. Ill. ISBN 978-3-934845-18-3; ISBN 3934845-18-5 Helmut Röth, geboren 1938, ist seit frühester Jugend Eisenbahnfotograf. Seine Streifzüge führten den Eisenbahnfreund aus Heidelberg-Kirchheim an die Haupt- und Nebenstrecken zwischen Odenwald und Pfalz. Aber auch die Straßenbahnen in Heidelberg, Mannheim und Ludwigshafen bannte Helmut Röth auf Film. So entstand seit den 1950er Jahren bis heute die wohl bedeutendste Bilddokumentation der Entwicklung des Schienenverkehrs im Rhein-Neckar-Raum. Vielfach fanden die gefragten Bilder von Helmut Röth schon Eingang in Baureihenbücher und Veröffentlichungen zur regionalen Eisenbahn- und Straßenbahngeschichte. Nun werden erstmals 285 Schwarzweiß- und zwölf Farbfotos des begeisterten Eisen- und Straßenbahnfotografen in einem Band veröffentlicht. Die Fotos dokumentieren das Ende der Dampflok-Zeit und den Beginn des elektrischen Betriebs bei der Bahn. Sie zeigen längst stillgelegte Strecken und erinnern an verschwundene Straßenbahnlinien. Die insgesamt fast 300 Abbildungen, nach Strecken gegliedert, bieten ein lebendiges Bild des Schienenverkehrs vom Odenwald bis in die Pfalz zwischen 1955 und 1976. (ek)

2. Literatur zum Buch- und Bibliothekswesen Kinzel, Anneli: So funktioniert eine Bibliothek: Erkundungen und Lernspiele / Anneli Kinzel. – Mülheim: Verlag an der Ruhr, 2005. – 58 S.: Ill. - ISBN 978-3-86072-963-2: kt. 16,00 Euro bibliotheken heute 3 (2007) 1

Bei dieser Anleitung, die sich vor allem an das Lehrpersonal an Grundschulen richtet, handelt es sich um eine Arbeitshilfe, die in ähnlicher Form bereits 1996 unter dem Titel „Zwischen

Büchern zu Hause“ erschienen ist. Alle Informations- und Arbeitsblätter wurden überarbeitet und in der seit August 2006 gültigen neuen Rechtschreibung verfasst. Auf den Informationsblät-

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LITERATURDIENST

Busch, Tobias: Jenseits des Friedens: Roman. – Nierstein: latros Verlag, 2007. – 300 S. – ISBN 978-3-937439-44-0: kt. 16,00 Euro

Schwarzes Brett

tern begleitet man die Ratte Luka auf ihrem Weg durch die Bibliothek. In knappen Sätzen und mit comicartigen Zeichnungen werden Fragen nach der Anmeldung in einer Bibliothek, nach der Regalordnung oder der Systematik sowie der Katalogrecherche beantwortet. Zu jedem dieser Kapitel gibt es Kopiervorlagen mit Spielen und Rätseln, mit denen die Kinder ihre Bibliothek spielerisch erkunden können und Begriffe aus der Welt der Bücher kennen lernen.

SCHWARZES BRETT

Auch wenn die Vorlagen vor allem für Lehrer gedacht sind, die den Bibliotheksbesuch mit ihren Schülern vorbereiten wollen, so bietet das Heft auch jede Menge Ideen und Vorlagen für die Vorbereitung von Klassenführungen durch das Bibliothekspersonal. Allerdings: eine Bibliothek ohne EDV-Verwaltung kommt in dieser Arbeitshilfe nicht mehr vor. Und die Online-Recherche als Möglichkeit, Bücher zu suchen, zu bestellen oder vorzumerken, wird als selbstverständlich vorausgesetzt.

Kein Grund für kleine Bibliotheken, auf diese Arbeitshilfe zu verzichten. Eher sollte man die Bibliothek endlich modernisieren – damit die Bibliothek zu dem wird, was sie nach Ansicht der Autorin für viele Kinder sein kann: „Die Bücherei als Tor zur Welt“. (ah)

• Für Mädchen verboten! Aber auch die Mädchen sollen nicht zu kurz kommen:

Themenkisten können von Schulen, kommunalen Öffentlichen Bibliotheken und Schulbibliotheken der ehemaligen Regierungsbezirke Koblenz und Trier ausgeliehen werden. Wir stellen auch thematisch nicht gebundene Leihbestände nach Ihren Wünschen zusammen (Umfang: ca. 100 Bände).

SCHWARZES BRETT

Ausleihangebote des Landesbibliothekszentrums/ Büchereistelle Koblenz Neue Themenkisten ab April 2007: Wir tragen den demographischen Wandel Rechnung und bieten zwei weitere Bestände zu diesem Thema an: • Generation Plus – Medien für ältere Menschen Ca. 60 Medien aus Schöner Literatur und Sachliteratur zu Gesundheit, Finanzen, Recht, Computer, Persönlichkeit, Pflege, betreutes Wohnen und Sterbebegleitung. • Genussvoll lesen – Bücher in großer Schrift Es handelt sich bei den 25 Bänden im Wesentlichen um das Angebot eines Verlages, der seit Herbst 2006 neue Großdruck-Bücher anbietet. Ein weiterer Bestand (25 Bände) soll besonders Jungen zum Lesen verlocken:

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• Freche Mädchen – freche Bücher Lesefutter für Teenager (2 Bestände zu je 45 Bänden) • Haustiere – unsere besten Freunde! Wir bieten zu diesem Thema zwei Bestände an: einen für Kinder in Kindergarten und Grundschule und einen gemischten Bestand für alle Altersgruppen mit Ratgeberliteratur rund um Haustiere.

Neue Bilderbuchkinos:

Bestellung von Leihbeständen und Themenkisten: Ruth Jansen, Tel.: (0261) 91500–301, E-Mail: [email protected]

• Wie Findus zu Pettersson kam • Das Traumfresserchen • Der wunderbarste Platz auf der Welt

Bestellung von Bilderbuchkinos, Kniebüchern und Klassensätzen:

• Freunde fürs Leben

Mona Eltgen, Tel.: (0261) 91500-305, E-Mail: [email protected]

• Robbi regt sich auf • Der kleine Weihnachtsmann geht in die Stadt

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Schwarzes Brett

Ausleihangebote des Landesbibliothekszentrums/ Büchereistelle Neustadt Beim Landesbibliothekszentrum / Büchereistelle Neustadt können von öffentlichen Bibliotheken und Schulen in Rheinhessen-Pfalz Medien zur Ergänzung des eigenen Bestands oder für einzelne Projekte und Veranstaltungen ausgeliehen werden. Zu den Ausleihangeboten gehören: • Themenkisten • Lesespaßkisten (für Schulen und Kindergärten) • englische Medienkisten • französische Medienkisten • Klassensätze • Bilderbuchkinos, Schirmbücher • Blockbestände mit Hörbüchern, CD-ROMs oder DVDs

Vormerkungen und Bestellungen für alle Angebote: Ursula Drost, Tel. (06321) 3915 - 22, E-Mail: [email protected] oder Cornelia Dietle, Tel. (06321) 3915 - 21, E-Mail: [email protected] Komplette Titellisten der Themenkisten, Bilderbuchkinos und Klassensätze können bei der Büchereistelle angefordert werden.

23. April 2007, Bitburg: Frühjahrstagung der hauptamtlich geleiteten Bibliotheken im nördlichen Rheinland-Pfalz 25. April 2007, Neustadt/Weinstraße: Katalogisieren mit Bibliotheca 2000 Referentinnen: Ursula Drost und Erika Weiß, LBZ / Büchereistelle Neustadt 7. Mai 2007, Koblenz: Bücher richtig foliieren und einfache Reparaturen selbst durchführen Referentinnen: Gisela Bergner und Marie-Evelyn Hene, LBZ / Büchereistelle Koblenz 7. Mai 2007, Neustadt/Weinstraße: Kommunale Doppik in RheinlandPfalz Referentin: Angelika Hesse, LBZ / Büchereistelle Neustadt 8. Mai 2007, Koblenz: Katalogisieren mit Bibliotheca 2000 – Grundschulung Referentin: Sieglinde Schu, LBZ / Büchereistelle Koblenz 16. Mai 2007, Neustadt/Weinstraße: Ausleihe mit Bibliotheca 2000 Referentinnen: Petra Brenzinger und Ursula Drost, LBZ / Büchereistelle Neustadt 12. Juni 2007, Koblenz: Lernstandards für das Lernen in der Schulbibliothek (Teil 1) Referenten: Kurt Cron, Ulrike Kalbitz, Gabriele Schütz

13. Juni 2007, Mainz: Klassenführungen in der Bibliothek – altersgerecht und mit System. Referentin: Heike Daume, Stadtbibliothek Villingen-Schwenningen 14. Juni 2007, Koblenz: Schöne neue Bibliothekswelt - EDVFachstellen-Seminar, öffentlicher Teil. Eine Veranstaltung der Fachkonferenz der Bibliotheksfachstellen in Deutschland. Programm und Anmeldedaten unter: www.fachstellen.de 18. Juni 2007, Neustadt/Weinstraße: Lernstandards für das Lernen in der Schulbibliothek (Teil 1) Referenten: Kurt Cron, Gabriele Schütz, Dr. Michael Thomas Weitere Fortbildungsangebote, Terminänderungen und Online-Anmeldung auf den Unterseiten der Büchereistellen, Menüpunkt „Fortbildung“ unter: www.lbz-rlp.de

Termine und Veranstaltungen

22. – 25. März 2007, Leipzig: Leipziger Buchmesse

Die ausführlichen Angebote für kommunale öffentliche Bibliotheken und Schulbibliotheken sind auf den Internetseiten des Landesbibliothekszentrums unter der jeweiligen Büchereistelle zu finden: www.lbz-rlp.de

Fortbildungen des Landesbibliothekszentrums 18. April 2007, Germersheim: Frühjahrstagung der hauptamtlich geleiteten Bibliotheken in Rheinhessen-Pfalz bibliotheken heute 3 (2007) 1

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Schwarzes Brett

28. März 2007, Speyer (ab 19.30 Uhr): Harfenkonzert mit Rito Pedersen Der Harfenist Rito Pedersen aus Paraguay ist in ganz Südamerika bekannt und wurde 1988 in Buenos Aires als bester Harfenspieler Südamerikas ausgezeichnet. Im Jahr 2002 wurde der Harfenist von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Sein erstes Instrument bekam Pedersen im Alter von acht Jahren, finanziert von Nachbarn und Freunden der Familie. Er spielt und komponiert bis heute ohne Notenkenntnisse. Pedersens Klänge verzaubern weltweit das Publikum – in Süd- und Nordamerika, Asien, Afrika und Europa. An diesem Abend will Rito Pedersen das Publikum im Landesbibliothekszentrum / Pfälzische Landesbibliothek verzaubern. 19. April 2007, Koblenz (19 Uhr bis 20.30 Uhr): Der Buchbinderin über die Schulter geschaut Nach einer Führung durch die Buchbindewerkstatt der Rheinischen Landesbibliothek in Koblenz haben Sie die Gelegenheit, selbst kreativ mit Papier

und anderen Buchbindematerialien zu arbeiten. Sie können unter Anleitung einer Buchbindemeisterin eine Sammelmappe zur liebevollen Aufbewahrung ihrer Briefe, Gedichte oder Rezepte anfertigen. Wenn Sie ein Bezugspapier Ihrer Wahl haben, das Ihre persönliche Mappe zieren soll, bringen Sie es einfach mit. – Eine Veranstaltung des LBZ / Rheinische Landesbibliothek und der Volkshochschule Koblenz. (Anmeldung bei der VHS Koblenz.) 19. Mai 2007, Koblenz, Neustadt/ Weinstraße, Speyer und Zweibrücken: Tag der offenen Tür im Landesbibliothekszentrum 10 – 17 Uhr

Weitere Veranstaltungstermine des Landesbibliothekszentrums unter www.lbz-rlp.de

Tipps und Hinweise Criminale 2007 In diesem Jahr findet das Festival deutschsprachiger Kriminalliteratur vom 18. bis 22. April 2007 in den Orten entlang der Deutschen Weinstraße in der Pfalz statt. Zu Gast in der Region werden viele bekannte deutschsprachige Kriminalautorinnen und -autoren sein. Organisiert wird die Criminale mittlerweile zum 21. Mal von der Autorengruppe „Syndikat“. Im Rahmen der Criminale wird auch in diesem Jahr wieder einer der begehrtesten Literaturpreise für Kriminalschriftsteller verliehen, der mit 5.000 Euro dotierte Friedrich-Glauser-Preis. Alle Informationen zu den Veranstaltungen im Internet unter www.diecriminale.de.

Das Heft enthält folgende Werbeanzeigen: Buchhandlung Reuffel, Koblenz Schulz-Speyer Bibliothekstechnik, Speyer Lotto-Rheinland-Pfalz, Koblenz Höll-Dekor, Freigericht-Horbach BOND Bibliothekssysteme, Böhl-Iggelheim Wir danken den Werbepartnern.

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Orts-, Personen- und Sachregister

ORTS-, PERSONEN- UND SACHREGISTER Arend, Dr. Helga

7

Ausbildung, FaMI

11

Ausleihangebote, Büchereistellen

Jendral, Lars

16

Pantschitz-Harke, Ute

40

Jockgrim

43

Pfälzische Landesbibliothek

36

Pflaum, Günter

25

Reinhard, Michaela

29

Rheinische Landesbibliothek

16 26

48 Kavala, Elisabeth

47

Koblenz Bahrs, Ute

11, 36

16, 44

Koelges, Barbara

20

Berlin

29

Rieschweiler-Mühlbach

BIB

29

Ruppelt, Dr. Georg

Bibliotheksgesetz

28

Lambrecht

27

Bruchmühlbach-Miesau

25

Buchstabensuppe

41

Landesbibliothekszentrum, Neuigkeiten

38

Schellenberg, Beate

33ff.

Bücherminis

38

Lehnard-Bruch, Susanne

22

Schulbibliothek

32ff.

Leseecken DBV-Landesverband

28

Demografischer Wandel

32 ff., 38

Leseförderung

7

Ludwigshafen

32

Martinshöhe

25

Schwertner, Gisela Seefeldt, Jürgen

3

21 24, 28

3 Tagungen

27

Fischer, Barbara

32

Mehmeti, Sandra

Frankenthal

21

Miesau

25

VBRPexpress

22

Fortbildungen, LBZ

49

Mohr, Petra

40

Veranstaltungen, LBZ

49

Münzel, Annette

38

Vorderstemann, Dr. Jürgen

36

Vorlesepaten

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Wallhalben

33

Welschbillig

41

Wittlich

38

Geis, Manfred

20

Grewenig, Gabriele

41

Hesse, Angelika

27, 32, 37

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Neustadt/Weinstraße

Oberholthaus, Thomas

23, 45

32, 40

25

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* ! n e f l e h d n Spiele Denkmalschutz

rstützung

Sport- und Behindertenunte

Natur-und Umweltschutz

Wohlfahrtspflege

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17.11.2006 14:59:24 Uhr

Im „Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz“ (LBZ) sind die Rheinische Landesbibliothek in Koblenz, die Pfälzische Landesbibliothek in Speyer, die Bibliotheca Bipontina in Zweibrücken sowie die beiden Staatlichen Büchereistellen in Koblenz und Neustadt/Weinstraße zu einer neuen bibliothekarischen Dienstleistungseinrichtung, die den Zugang zu weltweiten Informationsangeboten und die Nutzung moderner Informationstechnologien ermöglicht, vereint. Zusammen bilden die fünf Einrichtungen ein leistungsstarkes Kompetenzzentrum für alle Fragen im Bereich Medien- und Informationsvermittlung. In enger Abstimmung arbeiten sie gemeinsam am Aufbau eines leistungsfähigen Bibliothekssystems für das Land Rheinland-Pfalz und fördern die Kooperation und Vernetzung der Bibliotheken im Land unter anderem durch die Koordinierung landesweiter und regionaler Bibliotheksprojekte. Auch die Aus- und Fortbildung von Bibliotheksfachkräften ist ein wichtiges Anliegen des LBZ.

Aufgabenschwerpunkte innerhalb des LBZ: Die beiden Landesbibliotheken und die Bibliotheca Bipontina  stellen der Bevölkerung, den Kultur- und Bildungseinrichtungen, den Wirtschaftsbetrieben und Behörden in Rheinland-Pfalz ein reiches und breitgefächertes, wissenschaftlich ausgerichtetes Literatur-, Medien- und Informationsangebot zur Verfügung  bieten allen Bürgerinnen und Bürgern den Zugang zu elektronischen Fachinformationen und Datenbanken  sammeln, erschließen, bewahren und vermitteln die Rheinland-Pfalz-Literatur, erhalten die historischen Buchbestände in Rheinland-Pfalz und erstellen die Landesbibliographie als Datenbank und Nachweis des gesamten kulturellen Schaffens des Landes  koordinieren in weiten Teilen des Landes den Leihverkehr zwischen wissenschaftlichen und öffentlichen Bibliotheken und beschaffen am Ort nicht vorhandene Bücher und Dokumente aller Art. Die beiden Büchereistellen sind die Serviceinstitutionen des Landes für die rund 400 öffentlichen Stadt- und Gemeindebibliotheken und für viele hundert Schulbibliotheken. Sie stehen mit ihrem Fachpersonal den Städten, Gemeinden und Landkreisen für Beratung und Auskünfte in allen Büchereifragen zur Verfügung. Sie beraten    

bei der Gründung, Einrichtung und Ausstattung von Büchereien bei Fragen der Büchereiverwaltung und –technik bei der Veranstaltungs- und Öffentlichkeitsarbeit beim Auf- und Ausbau der Medienbestände und deren Erschließung.

Ferner leisten die Büchereistellen praktische Hilfen und Dienstleistung 

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bei Auswahl und sachgerechtem Aufbau von Medienbeständen sowie bei der Beschaffung, Katalogisierung und ausleihfertigen Bearbeitung der Medien bei der Bestandsergänzung durch Leihbestände bei der Vermittlung von Veranstaltungen bei der Aus- und Fortbildung von Büchereipersonal durch Einzelberatungen, Arbeitstagungen, Schulungen, schriftliche Arbeitshilfen.

Das Büchereistellen verteilen gezielt Zuwendungen des Landes Rheinland-Pfalz an die Träger der öffentlichen Büchereien im Lande, sie fördern die Zusammenarbeit von Öffentlichen Bibliotheken, Schulbibliotheken und Schule durch vielfältige Projekte und wirken bei der landesweiten Planung im Bereich des öffentlichen Bibliothekswesens inkl. der Schulbibliotheken mit.

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