Bildung gegen Extremismus - Donau-Universität Krems

Bildung gegen Extremismus - Donau-Universität Krems

Bildung K8 SAMSTAG/SONNTAG, 10./11. JÄNNER 2015 MBA-Kurs mit wenigen Tagen Anwesenheit Das AIM bietet MBA-Kurse mit hohem Onlineanteil. „Presse“ ve...

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Bildung

K8

SAMSTAG/SONNTAG, 10./11. JÄNNER 2015

MBA-Kurs mit wenigen Tagen Anwesenheit Das AIM bietet MBA-Kurse mit hohem Onlineanteil. „Presse“ vergibt Stipendien. Das Austrian Institute of Management (AIM), das Weiterbildungsinstitut der Fachhochschule Burgenland, hat neben anderen Angeboten insgesamt elf MBA-Lehrgänge im Programm. Für zwei davon – „General Management“ und „Strategic Financial Management“ vergibt „Die Presse“ jeweils ein Stipendium für Frauen. Zielgruppe sind weibliche Mitarbeiter in ersten und mittleren Führungspositionen, Projekt- und Teamleiterinnen. Der MBA General Management vermittelt umfassendes Kernwissen der Unternehmensführung. Der MBA Strategic Financial Management setzt den Schwerpunkt auf die finanzielle Steuerung und Entwicklung von Unternehmen. Beide Lehrgänge dauern 14 Monate und sind berufsbegleitend konzipiert. Vereinbarkeit mit Familie Die Inhalte werden in einem Blended-Learning-Modell zu großen Teilen mithilfe von E-Learning-Modulen vermittelt. In Seminarblöcken (insgesamt zwölf Präsenztage) wird das Erlernte unter Anleitung erfahrener Lektoren praktisch angewandt. Die letzten zwei Monate sind für das Verfassen einer Abschlussarbeit vorgesehen. Der hohe E-Learning-Anteil soll die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Weiterbildung begünstigen, der für die Zielgruppe besonders relevant ist. Zulassungsvoraussetzungen sind ein abgeschlossenes Studium an einer international anerkannten Hochschule, alternativ können auch Vorbildung und mehrjährige Berufspraxis anerkannt oder ein schriftlicher Aufnahmetest absolviert werden. Die Entscheidung über die Zulassung obliegt der Lehrgangsleitung. Unterrichtssprachen sind Deutsch und Englisch. Die Programme starten am 27. März (General Management) beziehungsweise 17. April (Strategic Financial Management). Informationsabende finden am 22. Jänner an der FH Burgenland sowie am 19. Jänner im Redaktionsgebäude der „Presse“ in Wien statt. Die Kosten der genannten MBA-Lehrgänge am AIM betragen je 8900 Euro. Die Presse vergibt zwei Teilstipendien zu je 4450 Euro, ausschließlich an Frauen. Bewerbungen mit Motivationsschreiben, CV und den erforderlichen Nachweisen bis 23. Februar an: [email protected] Web: http://aim.ac.at

IMPRESSUM: WEITERBILDUNG Redaktion: Daniela Mathis, Andreas Tanzer Telefon: 01/51414-361, 01/51414-236 Anzeigen: Alexandra Ahorn, Anna-Lisa Strauß Telefon: 01/51414-601, 01-51414-267 E-Mail: [email protected] Die Bildung im Internet: diepresse.com/bildung

Bildung gegen Extremismus Radikalisierung. Auf die Ratlosigkeit angesichts jihadistischer Jugendlicher im Westen reagieren erste Lehrgänge speziell für Pädagogen, Jugendarbeiter und Imame. VON ERIKA PICHLER

M

edial zelebrierte Enthauptungen durch die Salafisten des Islamischen Staates oder der jüngste Terror in Paris sind nur zwei von vielen Erscheinungsformen extremer Gewaltbereitschaft, durch die islamistische Strömungen weltweit Entsetzen auslösen. Nicht weniger schockiert die Einsicht, dass auch etliche in der westlichen Welt sozialisierte junge Männer und Frauen offen für solche Bewegungen sind. Gegenstrategien müssen rasch entwickelt werden, so sie nicht ohnehin zu spät kommen. Neue Zugänge „Der IS stellt unter anderem deshalb eine neue Stufe und Qualität des Jihadismus dar, weil er das Projekt einer Staatsbildung betreibt und weil er die Nutzung des Internets und sozialer Medien wie YouTube, Twitter oder Facebook für eine global orientierte Propaganda professionalisiert“, sagt Ernst Fürlinger vom Zentrum Religion und Globalisierung der Donau-Universität Krems. „Durch die gezielte Rekrutierung vor allem von jungen Leuten und durch das Image besonderer Radikalität, erfolgreicher Eroberung und beginnender Staatsbildung repräsentiert der IS ein ungleich höheres Bedrohungspotenzial als andere radikalislamistische, jihadistische Organisationen.“ Fürlinger hat an der DonauUniversität einen Weiterbildungslehrgang mitentwickelt, der auf diese Bedrohung reagiert. „NeoSalafistischer Islamismus. Grundlagen – Analyse – Prävention“ nennt sich das Programm, das im März startet und sich vor allem an

Manchen radikalisierten Jugendlichen erscheint sogar der Jihad erstrebenswert. Bildungs- und Beratungszentren hinterfragen die Motive und bieten Hilfe für Betroffene und Angehörige. [ Fotolia/Oleg Zabielin ]

Menschen richtet, die in der Schuloder Jugendarbeit tätig sind. Zweiter Lehrgangsleiter ist der muslimische Religionspädagoge Moussa al-Hassan Diaw, der sich wissenschaftlich mit dem Phänomen des politischen Salafismus beschäftigt. Unter den Vortragenden ist etwa Claudia Dantschke von der Beratungsstelle Hayat in Berlin, die seit Jahren praktische Erfahrungen in der Beratung von Familien sammelt. In Wien hat Lehrgangsleiter Diaw eine ähnliche Beratungsstelle aufgebaut. Das Netzwerk Sozialer Zusammenhalt und Deradikalisierung, das er gegründet hat, betreut derzeit als NGO einige Dutzend Fälle und bietet auch Fortbildungen an, die auf der Homepage des Vereines aufgelistet sind. Sie bein-

halten eine Einführung zu Themen wie „Politische und jihadistische Salafiyya“ und „Radikalisierung“, aber auch Workshops für Schüler. Der Verein werde von Familienangehörigen, oft Müttern, aber auch Geschwistern, Sozialarbeitern, Direktoren oder Lehrern kontaktiert, sagt Diaw. Man führe erste Beratungsgespräche durch, aber auch – falls bestimmte Befürchtungen sich konkretisieren – Interventionsgespräche oder einen präventiven Workshop. „Bei Interventionen dekonstruieren wir die Ideologie, Weltanschauungen und Feindbilder, der sie nun folgen, und decken mit den Klienten Widersprüche auf“, sagt Diaw. Abgesehen von dieser kognitiven Ebene seien auch die sozialen Verhältnisse und die

„Krise der Autorität im Islam“ Interview. Ernst Fürlinger, Leiter des Zentrums für Religion und Globalisierung an der Donau-Universität Krems, über Hintergründe und Umgang mit dem Islamismus. Die Presse: Die Salafisten beziehen sich direkt auf den Islam der Frühzeit. Inwieweit wird dadurch der Grundstein für den heutigen Fundamentalismus gelegt? Ernst Fürlinger: Die Fokussierung auf eine imaginäre, idealisierte Frühzeit der ersten Generationen der Muslime durch den Salafismus geht mit einer Abtrennung von der islamischen Tradition und der jahrhundertealten Auslegungstradition des Koran einher. Die Entwurzelung von der Kultur des Islam wird zum Einfallstor für Radikalisierung und den Fundamentalismus der „heiligen Einfalt“ (Olivier Roy), die aus der Vielstimmigkeit und Ambiguität des Koran ein geschlossenes, eindeutiges Rezept für ein muslimisches Leben im Alltag und ein politisch-ideologisches Manifest macht. Für viele ist das sicherlich eine Entlastung von den Ansprüchen, in einer komplexen pluralen Lebenswelt gläubig zu sein. Ist nicht die eigentliche Wurzel des Problems das Fehlen einer allgemeingültigen, zeitgemäßen Interpretation des Koran? Die islamische Welt befindet sich

mitten in einer harten internen Auseinandersetzung über die Frage des Verständnisses und der Interpretation des Koran in der Moderne, bei der Ansätze einer neuen Koran-Hermeneutik, wie von Abu Zaid, Fazlur Rahman, Abdulkarim Soroush etc., gegenwärtig am Rand stehen und die Reformdenker durch islamistische Gruppen unter Druck kommen. Gleichzeitig handelt es sich um eine Krise der Autorität im Islam: Die muslimischen Gelehrten und Theologen weltweit, die dem IS rechtlich und theologisch die Legitimität absprechen, werden von

ZUR PERSON

Ernst Fürlinger, geb. 1962, studierte Katholische Fachtheologie an der Universität Salzburg sowie Religionswissenschaft an der Uni Wien, an der er sich auch für das Fach habilitierte. Er ist Leiter des Zentrums Religion und Globalisierung an der Donau-Universität Krems und Dozent an der Universität Wien. [ Donau-Universität Krems.]

den Jihadisten schlicht verachtet und ignoriert. Wie kommt man als selbst nicht muslimischer Wissenschaftler damit zurecht, auch kritische Aussagen über den heutigen Islam machen zu müssen? Der zeitgenössische radikale Salafismus und Jihadismus ist keine Sache, die allein Muslime betrifft, sondern wirkt sich auf ganze Gesellschaften aus – nicht zuletzt, weil diese Vorgänge die Beziehungen und das Zusammenleben von Muslimen und Nichtmuslimen auch bei uns enorm belasten. Im Lehrgang geht es um Fragen, wie verhindert werden kann, dass junge Menschen unserer Gesellschaft in eine Radikalisierungsspirale geraten, ebenso um eine wissenschaftliche, kritische Auseinandersetzung mit Aspekten des Islamismus und Jihadismus. Die Kritik bezieht sich dabei nicht auf den Islam als Weltreligion, sondern auf totalitär orientierte, gewalttätige Bewegungen und Ideologien, die sich auf den Islam beziehen. Diese Unterscheidung ist in einem verschärften gesellschaftlichen Klima, wenn es um den Islam geht, besonders wichtig.

Gefühlsebene zu berücksichtigen. „Da können auch die von uns geschulten Peers zum Einsatz kommen.“ Wie dünn derzeit Weiterbildungsangebote zum Thema religiöser Extremismus gesät sind, zeigt die Tatsache, dass es auch in Deutschland noch keinen einzigen akademischen systematischen Lehrgang zu diesem Thema gibt. Noch im Jänner soll allerdings am Institut für Islamische Theologie (IIT) der Universität Osnabrück ein Programm für „Jugendarbeit in Moscheegemeinden und Extremismusprävention“ starten. Die einjährige Fortbildung richtet sich insbesondere an Imame und das seelsorgerische Personal in Moscheegemeinden. „Im universitären Rahmen war und ist unser Angebot deutschlandweit einmalig. Nach meinem Wissen ist Ähnliches für aktive Imame in den Gemeinden an anderen Hochschulen nicht geplant“, sagt der Islamwissenschaftler und Leiter des IIT Bülent Ucar. Als derzeitige Probleme mancher Imame in der (Jugend-)Arbeit nennt Ucar derzeit an erster Stelle „fehlende Sprachkompetenz, adressatengerechte Dialogfähigkeit und pädagogische Eignung“, aber auch die Schwierigkeit des Umgangs mit prekären sozialen Hintergründen sowie religiösem Extremismus und Salafismus. Web: www.derad.at, www.islamische-theologie.uni-osnabrueck.de www.donau-uni.ac.at/religion/salafismus

LEXIKON Islamismus: Überbegriff für Strömungen im Islam, die Staat und Gesellschaft nach islamischen Normen gestalten wollen. Bekanntes Beispiel: Moslembruderschaft. Wahhabismus: Eine der Hauptströmungen des Islamismus, eng mit dem saudischen Königshaus verbunden. Ultrakonservative Auslegung des Islam. Salafismus: Aus dem Wahhabismus hervorgegangen, Orientierung ausschließlich an Koran, Sunna und Lebensweise der ersten drei IslamGenerationen („Salaf“). Aufgesplittert in politische und militante Gruppen. Jihadismus: betrachtet den offensiven militärischen Jihad als individuelle Pflicht aller Muslime – im Widerspruch zur islamischen Rechtstradition.