Bischofsdekret - Uni Trier

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Hirten, Diener und wahre Väter Das Dekret „Christus Dominus“ erinnert an das biblische Profil des Bischofs und legt zugleich zahlreiche Weisungen zur ...

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Hirten, Diener und wahre Väter Das Dekret „Christus Dominus“ erinnert an das biblische Profil des Bischofs und legt zugleich zahlreiche Weisungen zur rechtlichen Strukturierung des bischöflichen Dienstes vor. Bereits in den Jahren vor dem II. Vatikanischen Konzil war immer wieder die Notwendigkeit betont worden, die Lehren des I. Vatikanischen Konzils (1869-1870) über die Kirche zu ergänzen. Der wegen politischer Umstände vollzogene Abbruch der Kirchenversammlung hatte es seinerzeit unmöglich gemacht, den Primat des Papstes im Kontext des gesamten Episkopates zu positionieren. So nahm Papst Paul VI. dieses Anliegen in seiner Eröffnungsansprache zur 2. Sitzungsperiode am 29. September 1963 auf und betonte deren Bedeutung, „da sie unter Wahrung der dogmatischen Erklärungen des Ersten Vatikanischen Ökumenischen Konzils über das römische Bischofsamt nun die Lehre über den Episkopat, seine Funktionen und seine Beziehungen zu Petrus vertiefen muß“. Aus diesem Bemühen sind die Aussagen sowohl der Kirchenkonstitution „Lumen Gentium“ (LG) als auch des Dekrets über die Hirtenaufgabe der Bischöfe in der Kirche „Christus Dominus“ (CD) hervorgegangen. Während sich „Lumen Gentium“ dem Profil des Bischofsamtes sowie dem Verhältnis des Episkopats zum Primat des Papstes angenommen und so in die gesamte Sicht der Kirche integriert hat (18-27), konkretisiert „Christus Dominus“ diese Vorgaben mit Blick auf rechtliche Strukturen des bischöflichen Dienstes. Darunter finden sich viele Neuerungen, die im Konzil ihren Ursprung besitzen und heute zu einer Art „Grundbestand“ im Leben und Wirken der Bischöfe gehören. Biblisches Profil des Bischofs Das Bild, das das Konzil vom Bischof zeichnet, besitzt ein vornehmlich biblisches Profil. Es nimmt am Apostel des Herrn Maß. So ist der Bischof Hirte, dazu auserwählt, „die Herde des Herrn zu weiden“ (LG 21); er ist geistlicher Vater, der sich „durch den Geist der Liebe und der Sorge für alle“ auszeichnet (CD 16); er steht „an Gottes Stelle“ den Gläubigen vor, als „Lehrer in der Unterweisung, als Priester im heiligen Kult, als Diener in der Leitung“ (LG 20). Als „rechtmäßige Nachfolger der Apostel“ ist er „gemeinsam mit den übrigen Bischöfen mitverantwortlich für die apostolische Aufgabe der Kirche“ (CD 6). Durch Handauflegung und Gebet der

Bischofsweihe wird sichtbar, dass die Bischöfe „die Aufgabe Christi selbst, des Lehrers, Hirten und Priesters, innehaben und in seiner Person handeln“ (LG 22). Vier wesentliche Klärungen Für das Verständnis des Bischofsamtes in und für die Kirche brachte das Konzil vier wesentliche Klärungen hervor. Diese bauen aufeinander auf und bestimmen sowohl das Wesen des Bischofsamtes als auch das Verhältnis von Bischöfen und Papst in ihrer Bedeutung für die Teil- und Universalkirche. Dazu gehören: Sakramentalität der Bischofsweihe: Die Frage, ob die Bischofsweihe sakramentalen Charakter besitze, wurde im Mittelalter und auf dem Konzil von Trient nicht eindeutig beantwortet. Mit der Überzeugung, „daß durch die Bischofsweihe die Fülle des Weihesakraments übertragen wird“ (LG 21), verortet das Konzil den bischöflichen Hirtendienst zweifelsfrei im Sakrament und nicht in einer rein jurisdiktionellen Beauftragung durch den Papst. Gleichwohl wird die in der Weihe empfangene Vollmacht durch die Gemeinschaft mit dem Papst in die Kirche eingeordnet, insbesondere durch die Zuweisung eines konkreten bischöflichen Amtes. Handeln im Namen Christi: Die Bischofsweihe bevollmächtigt die Bischöfe, ihr Amt „im Namen Christi“ auszuüben. Ihre Vollmacht ist daher eine „ordentliche, eigenständige und unmittelbare Gewalt […], die zur Ausübung ihres Hirtenamtes erforderlich ist“ (CD 8a) und die sie „unter der Autorität des Papstes“ (CD 11) ausüben. Bedeutung der Teilkirche: Mit dem Bischofsamt wird zugleich die Bedeutung der Diözese geklärt. Sie ist „der Teil des Gottesvolkes, der dem Bischof in Zusammenarbeit mit dem Presbyterium zu weiden anvertraut wird“ (CD 11); sie bildet „eine Teilkirche, in der die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche Christi wahrhaft wirkt und gegenwärtig ist“. Der bischöflichen Vollmacht wird dabei das Prinzip der „Konsiliarität“ zugeordnet. In der Ausübung des Hirtenamtes ist der Bischof auf die Beratung der Gläubigen verwiesen, so dass die gemeinsame Verantwortung aller für die Diözese und ihre Sendung erkennbar wird. Träger höchster Vollmacht in der Kirche: Zusammen bilden die Bischöfe mit dem Papst das Bischofskollegium der Kirche. In ihm besteht das Apostelkollegium fort. Daher sind alle Bischöfe „gemeinsam mit ihrem Haupt, dem Bischof von Rom, und niemals ohne dieses Haupt gleichfalls Träger der höchsten und vollen Gewalt über die ganze Kirche“ (CD 4; LG 22). In feierlicher Weise wird sie im Ökumenischen Konzil oder durch eine „gemeinsame Handlung der räumlich getrennten Bischöfe“ (CD 4) ausgeübt. Konkretisierungen Das Dekret „Christus Dominus“ konkretisiert nun die Lehre über die Bischöfe im Leben der Kirche durch eine Vielzahl von rechtlichen Bestimmungen. In drei Kapiteln werden dafür die Bereiche „Die Bischöfe und die Gesamtkirche“ (CD 4-10), „Die Bischöfe und die Teilkirchen oder Diözesen“ (CD 11-35) sowie „Die Zusammenarbeit der Bischöfe zum gemeinsamen Wohl mehrerer Kirche“ (CD 36-43) in den Blick genommen. Zahlreiche Aufgaben und Funktionen der Bischöfe finden hier ebenso Erwähnung wie die unterschiedlichen Formen des Bischofsamtes, die Bedeu-

tung der Pfarreien für die Diözese oder die verschiedenen Gruppen und Gemeinschaften von Gläubigen. Bis heute nachhaltig geprägt hat das Dekret das Leben der Kirche jedoch durch innovative Einrichtungen, die auf den Weg gebracht wurden. Dazu gehören die Bischofssynode als Beratungsorgan des Papstes (CD 5), die im kommenden Oktober in Rom zum Thema „Ehe und Familie“ tagen wird, die Bischofskonferenzen (CD 38), in denen die Bischöfe ihren Dienst kollegial ausüben, der Diözesanpastoralrat (CD 27), in dem Laien und Kleriker den Bischof in allem, „was die Seelsorgsarbeit betrifft“ beraten, oder auch die Bischofsvikare (CD 27), die vom Diözesanbischof für einen konkreten Bereich (z.B. Seelsorge für ausländische Christen) spezielle Vollmachten übertragen bekommen. Aber auch viele Einzelentscheidungen des Dekrets verdeutlichen die ekklesiologische „Aufwertung“, die das Bischofsamt durch das Konzil erfahren hat, so beispielsweise die Berufung von Diözesanbischöfen in die römische Kurie (CD 9-10), die Dispensvollmacht der Diözesanbischöfe für kirchliche Gesetze vorbehaltlich der dem Papst reservierten Vollmachten (CD 8) oder die stärkere Internationalisierung kirchlicher Behörden und Apostolischer Nuntiaturen (CD 10). Notwendige Fortschreibungen Der bekannte Kirchenrechtler Klaus Mörsdorf betonte in seinem Kommentar zu „Christus Dominus“ kurz nach Abschluss des Konzils, dass dieses mit seinen Weisungen „wie kein anderes Konzilsdokument in die rechtliche Ordnung der Kirche“ eingegriffen habe. Von daher war es verständlich, dass seine Leitlinien erst mit der Reform des kanonischen Rechts im heute geltenden kirchlichen Gesetzbuch (Codex Iuris Canonici) zur vollen Auswirkung kamen. Dass das promulgierte Recht in seiner Zielsetzung einer fortlaufenden Durchdringung und Entfaltung bedarf, macht jene Bischofssynode deutlich, die sich im Oktober 2001 mit dem Thema „Bischof“ befasste. Sowohl das nachsynodale Schreiben „Pastores gregis“ (2003) als auch das „Direktorium für den Hirtendienst der Bischöfe“ (2004) schreiben „Christus Dominus“ in gewisser Weise geistlich fort, vor allem dort, wo die unbestrittene bischöfliche Vollmacht durch die notwendige Kategorie der Glaubwürdigkeit ergänzt und durch das Prinzip der Kollegialität nochmals geschärft wird. Daraus entsteht schließlich das Gesamtbild des Bischofs: In der Nachfolge der Apostel und in Gemeinschaft mit allen Gliedern des Bischofskollegiums sowie mit seinem Haupt, dem Papst als Bischof von Rom, ist er Hirte, Diener und wahrer Vater für die ihm anvertrauten Menschen mit jener Autorität Jesu, die in einem glaubwürdigen Leben und Dienst ganz zum Tragen kommt. ___________________________________________________________________________ Prof. Dr. Christoph Ohly Professor am Lehrstuhl für Kirchenrecht, Theologische Fakultät Trier