Brücken verbinden… - Dompfarre St. Stephan

Brücken verbinden… - Dompfarre St. Stephan

72. JAHRGANG · NR. 1 · OSTERN 2017 Pfarrblatt Brücken verbinden… Schwerpunkt Dompfarre Spirituelles Literatur Über Brücken von Mensch zu Mensch, zw...

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72. JAHRGANG · NR. 1 · OSTERN 2017

Pfarrblatt Brücken verbinden…

Schwerpunkt Dompfarre Spirituelles Literatur

Über Brücken von Mensch zu Mensch, zwischen Tod und Leben, Himmel und Erde 500 Jahre Reformation · Historisches „Chorglöckl“ · Aus dem Pfarrgemeinderat Heiliger Johannes Nepomuk · Fest Christi Himmelfahrt Glauben kommt vom Verstehen – zur Einheitsübersetzung der Bibel

Editorial

■ Editorial

2

■ Wort des Dompfarrers ■ Ich bin der Weg

3 4

■ Brücken statt Mauern

5

■ Gottes Bogen in den Wolken

6

■ Wenn Brücken abgebrochen werden

7

■ Leben aus der Wirklichkeit der Auferstehung

8

■ Die Übung vom guten Tod

10

■ Eine Geste des Überlebens

11

■ Ein Künstler als Brückenbauer: Christo

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■ Troubled Water

14

■ Erzählen und Denken

14

■ Papst Franziskus – Brückenbauer zwischen Himmel und Erde 16 ■ Brücken bauen im Dienst von Frieden und Verständigung

17

■ Hoffnung auf eine Brücke und ein friedliches Miteinander

18

■ Kann Geld Menschen miteinander verbinden?

19

■ Europa fängt in der Gemeinde an 20 ■ Wir fragen Prominente

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■ In den Schuhen des Orients

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■ Wer eine Brücke bauen will

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■ Die Brücken in Wien

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■ Martin Luther

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■ Rückschau auf die vergangene Pfarrgemeinderats-Periode

30

■ Das historische »Chorglöckl«

30

■ Blitzlichter aus St. Stephan

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■ Herzensanliegen Adventmarkt

34

■ Eingehüllt in eine Rettungsdecke 35 ■ Chronik ■ Dasein für andere

36 37

■ Don Camillo und Peppone

37

■ Glauben kommt vom Verstehen 38

Brücken zum anderen

Meine Liebe zu Brücken wurde mir – da ich aus einer Bauingenieursfamilie stamme – quasi mit in die Wiege gelegt. Und die Faszination für technische Errungenschaften und großartige Bauwerke ist mir bis heute geblieben. Brücken verbinden, was vorher getrennt war. Das Besondere an einer Brücke ist, dass dadurch ein Standpunkt geschaffen wird, den es zuvor noch nicht gab. Wenn man sich auf eine Brücke begibt, lässt man seinen persönlichen Ausgangspunkt zurück und kann diesen aus der Perspektive seines Gegenübers betrachten. Es erschließt sich eine neue Sicht auf seinen eigenen Standpunkt und gleichzeitig kommt man seinem Gegenüber näher – was für eine wunderbare Erfahrung! Bedeutet Fastenzeit nicht, Abstand von sich selbst gewinnen, das eigene Leben mit den festen Gewohnheiten kritisch betrachten und zurücklassen, um dadurch Gott näher zu kommen? Und feiern wir nicht zu Ostern, dass Gott die scheinbar unüberbrückbaren Grenzen von Tod und Leben, Zeit und Ewigkeit, Diesseits und Jenseits überwunden hat?

■ Steffl

39

■ Fest Christi Himmelfahrt

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Wir leben nicht für uns allein

■ Heiliger Johannes Nepomuk

41

■ Termine Karwoche und Ostern

42

■ Termine zum Vormerken

44

■ Zum Nachdenken ■ Impressum

48 48

Gott ist uns in Jesus entgegengekommen, hat Leid und alle Schuld auf sich genommen und uns ganz konkret gezeigt: Wir leben nicht für uns allein. Wer wirklich leben will, der lebt für andere: er wendet sich seinem Nächsten zu, baut

2 Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Ostern 2017

Brücken zum anderen durch einen liebevollen Blick, ein gutes Wort, eine versöhnende oder helfende Hand. Es gibt so viele Leute, die auf ganz unterschiedliche Art und Weise Menschen miteinander verbinden. Viele in unserer Pfarre engagieren sich für andere, verschenken ihre Zeit an die, die Zuwendung brauchen. Mögen wir auch in der Kirche das Gemeinsame über das Trennende stellen, den Mut haben, uns mit gegenteiligen Meinungen auseinanderzusetzen und andere Wege zu Gott gelten zu lassen. Weltweit gedenken heuer viele Christen der Reformation vor 500 Jahren – für uns Katholiken ein schwieriges Jubiläum. Gerade deshalb möchten wir dieses Jahr auch Vertreter anderer Kirchen zu Wort kommen lassen. So wünsche ich uns allen, dass der Glaube an die Auferstehung uns den Mut gibt, über so manchen Abgrund hinweg Brücken zu bauen, um unseren Mitmenschen und Gott näher zu kommen. Folgender Text kann uns dabei die Begrenztheit unserer Zeit vor Augen führen: Noch bist du da Wirf deine Angst in die Luft Bald ist deine Zeit um bald wächst der Himmel unter dem Gras fallen deine Träume ins Nirgends Noch duftet die Nelke singt die Drossel noch darfst du lieben Worte verschenken noch bist du da Sei was du bist Gib was du hast (Rose Ausländer)

Ihre Birgit Staudinger

Foto: Titelseite: Karin Domany | Staudinger: privat

Inhalt

Wort des Dompfarrers

Liebe Freunde! Brücken erfordern Mut und Demut

Es soll ja Leute geben, die den Weg über Brücken meiden, sich am liebsten immer nur auf sicherem festem Boden bewegen. Dazu gehöre ich nicht. Brücken haben es mir immer schon angetan. Wie schlimm war zwar die Erfahrung des Einsturzes der Reichsbrücke, zeitgleich mit dem schrecklichen Unfall von Niki Lauda. Aber dann wurde sie wieder aufgebaut, und sie ist heute für mich als Autofahrer, wenn ich aus dem Norden kommend in die Innenstadt Wiens fahre, gleichsam ein Visier für den Stephansdom. Genau in der Mitte der Brücke eröffnet sich der Blick auf den Dom als wirkliche Stadtmitte. In Studententagen, nach den Trainingseinheiten in Wasserturmspringen im Stadthallenbad war die Brücke auch ein willkommener Anlass, das Erlernte in das Gewässer der Entlastungsgerinne der Donau auszuprobieren. Eine Brücke kann ein Wagnis sein, aber vor allem verbindet sie.

Auf unserem letzten Pfarrausflug in den Nationalpark Donauauen ließ ich mich von einer Hängebrücke – eigentlich eher für Kinder gedacht – gerne verlocken, auch selbst den etwas wackeligen Weg anzutreten. Ich musste mich kleiner machen, damit ich den Handlauf erreichen konnte und um den Halt nicht zu verlieren. Es braucht Mut, über Brücken zu gehen: Mut, Neues zu wagen, weil erst im Aufbrechen das neue Ufer erreicht werden kann. Aber nicht nur Mut, sondern auch Demut verbinde ich mit Brücken. Demut, weil manches letztlich unsicher bleibt, und wirklich ein Mut zum Dienen dahinter stecken muss: auf einen anderen zugehen, zuhören, sich selbst zurücknehmen und sich auf das Gegenüber einlassen. Im Johannesevangelium fordert Jesus seine Jünger auf: „… ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt.“ (Joh 15,16) Diese Bereitschaft zum Aufbruch hat wirklich schon viele Früchte hervorgebracht. Und vorher Unverbundenes miteinander zusammengebracht und dort und da auch versöhnt. Mit den besten Segenswünschen für eine fröhliche Osterzeit grüßt Sie ihr dankbarer

Dompfarrer Toni Faber

Foto: Dompfarrer: Suzy Stöckl | Schaub-Walzer / PID

Hinweis der Redaktion Wir bitten Autoren und Leser um Verständnis, dass wir aus Gründen der besseren Lesbarkeit und der Unversehrtheit der Sprache Bezeichnungen wie „Christ“, „Katholik“ etc. so wie das ebenfalls grammatikalisch maskuline Wort Mensch als inklusiv, also geschlechtsneutral verstehen und verwenden.

Reaktionen Wenn Sie uns etwas mitteilen wollen, zögern Sie nicht: Schreiben Sie an: Dompfarre St. Stephan, „Pfarrblatt“, Stephansplatz 3, A-1010 Wien, oder per E-Mail: [email protected]

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Ostern 2017 3

Brücken verbinden

Ich bin der Weg… Zu Ostern feiert die Kirche den Frühling und das damit neu entstehende Leben, die Schöpfung, die Befreiung Israels aus Ägypten (das Pascha), vor allem aber die Auferstehung Jesu. Die brennende Osterkerze wird in die dunkle Kirche getragen und ausgehend von der kleinen Flamme wird alles mit Licht erfüllt, so wie die Begegnung mit Jesus Christus, dem Auferstandenen, uns Menschen nach und nach erleuchtet und verändert. Diese Begegnung mit Jesus ist für alle, die Ostern feiern, spürbar. Sie ist die eigentliche Mitte des christlichen Glaubens.

Hubert Philipp Weber, Theologe, Sekretär des Erzbischofs von Wien und Leiter des Sekretariats, lehrt an der Kath.-Theologischen Fakultät dogmatische Theologie Im Johannesevangelium finden sich Abschiedsreden Jesu vor seinem Leiden. Thomas fragt Jesus: „Wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie können wir dann den Weg kennen?“ Die Antwort Jesu: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich“ (Joh 14,5-6). Jesus geht seinen Weg, der ihn zuerst zum Kreuz führt, dann aber vom Tod zum Leben beim Vater. Der Zuspruch ist, dass derselbe Weg auch die Apostel, die Christen, uns, dich und mich zu Gott, dem Vater führt.

Jesus ist der Sohn des Vaters Der Evangelist Johannes trägt in der Ostkirche den Beinamen „der Theologe“, weil seine Aussagen besonders pointiert und theologisch dicht sind. Jedes Wort hat eine Bedeutung, die sich erst erschließt, wenn man die Zusammenhänge mit der Bibel Israels kennt. Jesus sagt:

„Ich bin der Weg...“; anderswo: „Ich bin das Brot des Lebens“ (Joh 6,35 vgl. V. 41.48.51); und „Ich bin das Licht der Welt“ (8,12). Mit den Anfangsworten „Ich bin“ schließen diese Wendungen an die Gottesoffenbarung an Mose am Berg Horeb an. Dort zeigt sich Gott als der, der sein Volk in der Not sieht und es in die Freiheit führen wird. Schließlich nennt Gott seinen Namen: „Ich bin, der ich bin“ (Ex 3,14), wie die neue Einheitsübersetzung wiedergibt, oder der „Ich bin da“, oder wie Franz Rosenzweig und Martin Buber übersetzen: „Ich werde dasein, als der ich dasein werde.“ Im Namen sprechen sich die Zusage Gottes an sein Volk und die Erfahrung seines Volkes mit Gott aus. Gott ist der, der für sein Volk da ist, besonders in der Not. Die Worte Jesu schließen daran an. Das bedeutet: Alle, die sich an ihn – Jesus - halten, erfahren Gott, so wie Mose am Berg Horeb. Jesus kam in die Welt, um die Not der Sünde zu wenden, das Reich Gottes zu errichten und das Leben zu erneuern. Er verwendet dazu ganz lebensnahe Bilder: Brot ist das Lebensnotwendige, die Nahrung, die wir täglich brauchen. Licht ist für die Orientierung unerlässlich und für die Gesundheit. Der Weg ist Bild für das Leben, das nicht ziellos herumirrt, sondern seiner Erfüllung entgegengeht, ein wahrhaftiges Leben.

Die Offenbarung Gottes Das Christentum ist eine Offenbarungsreligion. Offenbarung ist nicht die Mitteilung von irgendwelchen Sätzen, Aussagen oder Anweisungen. Vielmehr zeigt sich Gott selbst, so wie er ist. Die Theologie spricht deshalb von der Selbstoffenbarung Gottes. Sie lässt sich in der Bibel finden, in der Schöpfung, im gelungenen Miteinander oder im Handeln der Kirche. Der Höhepunkt der Offenbarung ist Jesus Christus selbst, Gottes Sohn, der als Mensch in die Welt gekommen ist. Gott ist sichtbar, hörbar, greifbar geworden.

4 Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Ostern 2017

Daher ist Christus der einzige Weg, der zur Erkenntnis Gottes führt, der Sohn ist der Weg zum Vater, wie er sagt. Der Glaube gibt dem Leben einen Sinn. Sinn bedeutet ursprünglich die Ausrichtung auf ein Ziel. Jesus Christus selbst ist dieses Ziel. Christsein bedeutet, sich an ihm zu orientieren, zu leben wie er und das eigene Leben von ihm verwandeln zu lassen. Jesus sagt zu Gott Vater und lehrt seine Jünger, das auch zu tun. Wie er sollen auch wir Söhne und Töchter Gottes werden, damit wir an der Gemeinschaft des Dreifaltigen Anteil erhalten, durch Jesus mit dem Vater im Heiligen Geist. Das ist die österliche Hoffnung. ■

Foto: EDW / Stephan Doleschal

In Jesus Gott begegnen. Von Hubert Philipp WEBER

Fotos: Steindl-Rast: Anna Maya Oelke [email protected] | Peter Wm. Gray, P.S.S., Ph.D.

Brücken statt Mauern Unsere polarisierte Welt fordert uns alle heraus, Brücken zu bauen statt Mauern. Für uns Christen wäre das zugleich ein Brückenschlagen auf die Kirche der Zukunft hin. Ein Blick auf Jesu Tod und Auferstehung kann uns das nahebringen. Von Bruder David STEINDL-RAST Was war der Grund für Jesu Kreuzigung? Geschichtswissenschaftlich ist die Antwort klar: Jesus wurde als politischer Verbrecher hingerichtet. Die Kreuzesstrafe war ausschließlich Aufrührern und davongelaufenen Sklaven vorbehalten. Ihr Verbrechen: Sie unterminierten die Grundlage der römischen Machtpy-

Die Schlüsselbotschaft Jesu nach seiner Auferstehung: „Fürchtet euch nicht!” (Mk 16,6). Ein Bild des Auferstandenen vom Künstler und Priester Peter Wm. Gray P.S.S.

ramide. Und genau das hatte Jesus sich zuschulden kommen lassen. Um die Gottesherrschaft mitten unter uns (Lk 17,21) aufzurichten, zog Jesus David Steindl-Rast durch Galiläa und organisierte eine von OSB ist der römischen Besatzungsmacht unterdrückte und ausgebeutete Unterschicht Benediktinermönch, Autor und zur Selbsthilfe. Er sandte auch MitarbeiMitbegründer von ter aus (Lk 10,1), um das Reich Gottes dankbar-leben.org ganz gezielt im Gegensatz zur Machtpyramide Roms als Vernetzung kleiner Der Auferstandene siegt durch gläuNetzwerke aufzubauen. Trotz aller Gebiges Vertrauen auf Gott über alle Furcht gensätze zwischen Kaiphas und Pilatus, der Welt. Furcht müssen wir dabei freisaßen beide an der Spitze der Pyramide, lich von Angst unterscheiden. Angst ist die Jesus zu erschüttern drohte, wenn er unvermeidlich. Sie ist die Enge, in die uns sagte: „Der Größte von euch soll euer das Leben immer wieder führt. Furcht Diener sein“ (Mt 23,11). Die Gewalthaber sträubt sich und bleibt in der Angst stemachten also gemeinsame Sache und cken. Der Glaube geht voll Vertrauen „eliminierten“ den Revolutionär. weiter und auch die engste Passage Was war die Botschaft Gottes führt zu einer neuen Geburt. Jesus selbst durch die Auferstehung? schwitzt Blut vor Todesangst (Lk 22,44), Ein Jude verstand sich mit Gott durch furchtlos aber vertraut er dem Vater und seine Zugehörigkeit zum auserwählten wird so zum „Erstgeborenen von den ToVolk verbunden. Da die höchste religiöse ten“ (Offb 1,5). Autorität seines Volkes Jesus ausgestoFurcht baut Mauern, ßen hatte, mussten seine Jünger annehVertrauen baut Brücken men, dass er auch von Gott verdammt Beides – und das ist die Tragik der Kirwar. Aber das Umwerfende der Osterchengeschichte – finden wir innerhalb botschaft war: Gott hat Jesus auferder einen Kirche. Sie wurzelt in der Preweckt und so das Herzstück seines Wirdigt Jesus vom Reich Gottes, verweltlicht kens, die Aufrichtung der Gottesherraber zur Machtpyramide und baut Mauschaft gerechtfertigt. Das sendet die ern von Furcht, Ausgrenzung und HabApostel als Zeugen für das Reich Gottes sucht. Immer wieder aber bauen Erneuin alle Welt. erungsbestrebungen (wie die des hl. FranWas ist die Botschaft ziskus und unseres Papstes Franziskus) des Auferstandenen? Brücken der Vernetzung durch VertrauEin Schlüsselwort der Auferstehungsen, Zusammenarbeit und freudiges Teibotschaft ist: „Fürchtet euch nicht!“ (Mk len. 16,6). Auf Furcht setzt das Grundmodell Unzählige Menschen guten Willens der vorherrschenden Weltordnung: die suchen heute Jesus Christus, stoßen sich Machtpyramide. Bei Johannes heißt sie aber an kirchlichen Mauern. Wollen wir darum einfach „die Welt“ – nicht die als Christen für das eintreten, wofür JeWelt, die Gott so sehr geliebt, sondern sus gekreuzigt wurde und wozu der Aufdie Welt, die ihn nicht erkannt hat. Von erstandene uns aussendet? Wenn wir ihr sagt Jesus Christus: „In der Welt habt Zeugen werden für das Reich Gottes, ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die dann bauen wir zugleich die einzig gangWelt überwunden“ (Joh 16,33). Auch für bare Brücke zur Zukunft unserer Kirche. uns gilt: „Dies ist der Sieg, der die Welt Die Liturgie von Jesu Christi Tod und Aufüberwindet: unser Glaube“ (1 Joh 5,4). erstehung ruft uns wieder dazu auf. ■ Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Ostern 2017 5

Brücken verbinden

Im Alten Testament kommt das Wort „Brücke“ nicht vor, dafür jedoch ein wirkmächtiges Zeichen, das sehr an die Form einer Brücke erinnert: der Regenbogen. Wir haben Bibelwissenschafter Ludger SCHWIENHORST-SCHÖNBERGER gebeten, dieses Symbol zu erläutern: Über Leid, Sünde, und Zeichen der Hoffnung Für viele von uns ist das Leid der Welt das Schlimmste aller Übel. Täglich hören wir in den Nachrichten vom unermesslichen Leid der Welt. Alles muss getan werden, so wird uns gesagt, um das Leid der Menschen zu lindern. Auch von der Theologie wird erwartet, dass sie leidsensibel sei. Wenn sich das Sterben schon nicht vermeiden lässt, so soll es doch wenigsten schmerzfrei sein. Für die Bibel ist nicht das Leid, sondern die Sünde das schlimmste aller Übel. Das Leid ist eine Folge der Sünde. Jesus ist nicht gekommen, um uns vom Leid zu erlösen, sondern von der Sünde. So zumindest sieht es der Apostel Paulus und so wird es in vielen Variationen im

Neuen Testament wiederholt. Eine der ältesten christlichen Glaubensformeln beginnt mit den Worten: „Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift“ (1 Kor 15,3). In der Geburtsgeschichte bei Matthäus heißt es, dass Jesus „sein Volk von seinen Sünden erlösen wird“ (Mt 1,21). Auch in der Kirche sind wir bisweilen so sehr vom Leid und von der Not der Menschen in Anspruch genommen, dass uns die Kraft und der Mut fehlen, nach den Ursachen des Leids zu fragen. Deshalb ist es gut und wichtig, das Alte Testament zu lesen und dabei besonders auf den Anfang des ersten Teils der Heiligen Schrift zu achten. In der Urgeschichte wird uns in beeindruckenden Bildern ein Durchblick durch die ganze Bibel und ein Einblick in das gegeben, was in der Welt eigentlich vor sich geht. Deshalb bezeichnen wir diesen Teil der Schrift auch als Protoevangelium. Nun haben es aber ausgerechnet diese Erzählungen schwer in unserer Zeit. Die Geschichten von Adam und Eva, von Noach und der Sintflut werden gerne als mythologische Restbestände einer überwundenen Kulturgeschichte be-

6 Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Ostern 2017

lächelt und vielleicht noch als für einen bunten Kindergottesdienst geeignet angesehen. Die Verdrängung dieser Erzählungen dürfte damit zusammenhängen, dass uns in Genesis 3 eine Geschichte vor Augen geführt wird, die eines der wichtigsten biblischen Zeugnisse für die Lehre von der Erbsünde bildet. Nichts dürfte dem modernen Bewusstsein fremder sein als der Glaube an die Erbsünde. Die Bibel erzählt im 3. Kapitel des Buches Genesis, dass das erste Menschenpaar etwas getan hat, was Gott zu tun ihm verboten hatte. Ihre Tat, die ihrem Wesen nach als eine Abwendung von Gott zu verstehen ist, konstituiert eine Wirklichkeit, die über den unmittelbaren Vollzug der bösen Tat hinausreicht. Mit ihr ist die Sünde in der Welt. Sie ist eine Macht, die auf den Menschen zugreift und seine Lebenswelt nachhaltig stört. Eines ihrer ersten Opfer ist Kain. Die Sünde lauert wie ein Dämon am Eingang. Gott warnt Kain mit den Worten: „Sie hat Verlangen nach dir, doch du sollst über sie herrschen“ (Gen 4,7). Kain gelingt es nicht, gegenüber der Sünde dicht zu machen.

Foto: Hans Peter Dehn / pixelio.de

Gottes Bogen in den Wolken

Er fällt ihr zum Opfer und dadurch wird er zum Täter. Er tötet seinen Bruder Abel. Die Erzählung führt uns anschaulich vor Augen, was unter Erbsünde zu verstehen ist. Mit Hilfe der modernen Wissenssoziologie können wir besser begreifen, was damit gemeint ist. Niemand lebt in einem luftleeren Raum. Die Welt, in der wir aufwachsen, ist eine durch menschliches Handeln geprägte Welt, eine gesellschaftliche Wirklichkeit, die sich jeder Mensch im Laufe seiner Menschwerdung als Natur aneignet. Jeder Täter ist immer auch Opfer einer durch die Sünde kontaminierten Wirklichkeit. Und wir alle sind Opfer und Täter zugleich. Eine Welt, die aus dieser Wirklichkeit heraus lebt, ist letztlich dem Untergang geweiht. Davon erzählt die Sintflut. Die Erde war voller Gewalttat (Gen 6,13): „Der HERR sah, dass auf der Erde die Bosheit des Menschen zunahm und dass alles Sinnen und Trachten seines Herzens nur böse war“ (Gen 6,5). Mit der Sintflut fällt die Erde in ihr uranfängliches Chaos zurück. Von einem Haus des Lebens wird sie zu einem Haus des Todes.

Zeichen der Hoffnung Allerdings gibt es auch ein Zeichen der Hoffnung. Für einen untadeligen und gerechten Mann und seine Familie gibt es Rettung: „Noach fand Gnade in den Augen des HERRN“ (Gen 8). Die Arche wird zu

Foto: Schwienhorst-Schönberger

Ludger Schwienhorst-Schönberger ist Professor für Alttestamentliche Bibelwissenschaft an der Kath.-Theologischen Fakultät der Universität Wien einem Bild der Rettung. Sie wird mit dem gleichen hebräischen Wort bezeichnet wie das Binsenkästchen, in das später Mose gelegt wird, um im Wasser des Nils vor den Verfolgungen des Pharao zu überleben (Ex 2,3). Sie verweist zugleich auf das später zu bauende Heiligtum. Arche, Bin-

senkästchen und Heiligtum sind Bilder der Rettung und der Hoffnung in einer Welt, die von der Sünde beherrscht wird. Am Ende der Sintfluterzählung hat Gott eingesehen, dass er die Welt nicht einfach dem Menschen überlassen kann. Die Schöpfung muss nachjustiert werden. Zwar war alles am Anfang sehr gut eingerichtet (Gen 1,31), doch der Mensch hat versagt. Gott sieht ein, „dass das Trachten des menschlichen Herzens böse ist von Jugend an“ (Gen 8,21). Er gibt Noach und seiner Nachkommenschaft die Zusage, nie wieder eine Flut über die Erde kommen zu lassen. Als Zeichen dieser Zusage setzt Gott seinen Bogen in die Wolken. Mit dem Bogen ist wahrscheinlich der Kriegsbogen gemeint, mit dem in einigen altorientalischen Religionen die Gottheit das Chaos bekämpft, das die Schöpfung zu vernichten droht. In der Tat geht es nach der Sintflut nicht mehr ganz ohne Gewalt. Die Gewalt muss durch Gewalt in Grenzen gehalten werden: „Wer Blut eines Menschen vergießt, um dieses Menschen willen wird auch sein Blut vergossen. Denn als Bild Gottes hat er den Menschen gemacht“ (Gen 9,6). Die Gewalt wird an das Recht gebunden, und das Recht wird mit Gewalt ausgestattet, damit es das Unrecht in Grenzen halten kann. Damit ist der Sache nach die Idee des Rechtsstaates geboren, ein erster, wichtiger zivilisatorischer Schritt, um das Schlimmste zu verhindern. Der Bogen in den Wolken ist zugleich ein Zeichen dafür, dass Gott nun die Welt auch als seinen Herrschaftsbereich ansieht. Er hat erkannt, dass er sich noch nicht als Deus emeritus zur Ruhe setzen kann. Er muss sich auf die Welt einlassen, wenn sie sich nicht selbst zugrunde richten soll. Dazu braucht er Menschen, die diesen Weg mit ihm gehen. Noach war ein solcher Mensch, „der mit Gott ging“ (Gen 6,9). Ein solcher wird gerettet. In Jesus geht Gott noch einen bedeutenden Schritt weiter auf die Welt und die Menschen zu. Er wird selbst ein Mensch und lädt Menschen ein, mit ihm zu gehen, um ihnen zu zeigen, was es heißt, mit Gott zu gehen. Zum Zeichen seiner Herrschaft wird das Kreuz. ■

Wenn Brücken abgebrochen werden …. Fragen angesichts von Tod, Verlust und Schmerz. Von Thomas HOPPE Darf man das sagen? Vor einiger Zeit haben uns ein schwerer Verlust und das Gedenken an einen Freund gemeinsam in den Stephansdom geführt. Im Zuge der perfekten Zeremonie und der warmen Worte, die uns die Perfektion des Verblichenen schildern, fragt man sich: „Darf man auch sagen, dass die Gesellschaft und das, was sie von einem verlangt, dazu geführt hat, dass einer aus unserer und ihrer Mitte sich nicht mehr in der Lage sah, den Anforderungen gerecht zu werden? Darf man auch sagen, dass es heutzutage vielleicht nicht mehr reicht, nur gut zu sein und sich zu bemühen, sondern, dass es vielleicht zu große, zu viele und zu sprunghafte Veränderungen im Berufsleben gibt? Darf man im Zuge des Gedenkens auch darauf hinweisen, dass der Verlust vielleicht zu verhindern gewesen wäre, wenn wir alle lernen würden, darüber zu sprechen, dass es uns in Wirklichkeit doch nicht so gut geht, wie es nach Außen hin immer scheint, wir das aber aufgrund des Verdrängungswettkampfs am Arbeitsmarkt nicht zugeben können?" Bevor noch mehr von uns glauben, keine Chance mehr zu haben und ohne andere um Hilfe zu bitten, aufgeben, darf man es nicht nur sagen, sondern muss man es sagen. Wir sind eine Gemeinschaft, die daran glaubt, dass wir noch einen besseren Platz haben, zu dem wir gehen werden, aber wir sind auch eine Gemeinschaft von Mitmenschen mit der Aufgabe, uns gegenseitig in Wahrheit zu unterstützen und erst den letzten Weg gehen zu lassen, wenn es tatsächlich soweit sein soll. Aber bis wir diesen Punkt der scheinbar perfekten Oberfläche und der Inszenierung überwunden haben, werden wir, so fürchte ich, noch viele Verluste beklagen müssen. ■

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Ostern 2017 7

Brücken verbinden

Leben aus der Wirklichkeit der Auferstehung Der Tod lässt fast alle Brücken abbrechen. Tod bedeutet Begrenzung unseres irdischen Lebens. Aber auch Ängste grenzen unser Leben ein. Der Glaube an die Auferstehung hingegen führt uns auf einen Weg zum Leben. Nicht nur nach dem Tod. Gedanken über die Auferstehung von Regina POLAK

Europa steht vor unzähligen Herausforderungen: Kampf gegen die Ursachen von Armut, Umweltzerstörung, Krieg und Migration; Aufbau gerechter ökonomischer Strukturen; Einsatz für Demokratie und Menschenrechte. Viele Menschen in Europa reagieren auf diese Herausforderungen mit Angst: Angst vor sozialem Abstieg, Ausschluss und Armut; Angst vor Einsamkeit, Leid und Krankheit; Angst vor dem Verlust

der ihnen vertrauten Lebenswelten und um die Zukunft ihrer Kinder. Diese Angst hat berechtigte Gründe. Der Psychoanalytiker Horst-Eberhard Richter erkennt in all diesen Formen von Angst die Angst vor dem Tod: vor dem physischen Tod am Ende des Lebens, aber auch vor dem psychischen und dem sozialen Tod, der einen bereits mitten im Leben ereilen kann. Konsum und Unterhaltungsindustrie haben diese Angst bisher betäubt. Aber in Krisenzeiten wie heute dringt sie an die Oberfläche.

Neue Perspektiven des Lebens In dieser Situation kann der christliche Glaube an die Auferstehung neue Perspektiven des Lebens eröffnen. Denn Auferstehung beschreibt eine Wirklichkeit, die nicht erst nach dem Tod, sondern bereits hier und heute das Leben verändern kann. Wer an die Auferstehung glaubt, lebt aus der Gewissheit, dass keine der vielen Formen des Todes das letzte Wort hat. Denn Gott kann Totes und Tote zum Leben erwecken. Wer aus diesem Glauben lebt, kann sich be-

Auferstehung – das Leben ist stärker als der Tod. Darstellung des Auferstandenen an der Außenseite des Doms 8 Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Ostern 2017

Foto: Staudinger

Die Sorgen der Menschen und die Angst

Regina Polak ist Professorin für Praktische Theologie und Religionsforschung an der Universität Wien reits im Leben für das Leben einsetzen und sich den anstehenden Aufgaben stellen. Laut Europäischer Wertestudie glaubt allerdings nur mehr ein Drittel der Europäerinnen und Europäer an die Auferstehung. Selbst Menschen, die der Kirche angehören, haben diesen Glauben verloren oder glauben an Reinkarnation. Christinnen und Christen stehen also vor der Aufgabe, diesen Glauben besser verständlich zu machen. Die Bedeutung des Glaubens an die Auferstehung erschließt sich in untrennbarem Zusammenhang mit der Praxis, die ihn begleitet. So ist der Auferstehungsglaube nicht nur eine von vielen tröstlichen Lehren über ein Weiterleben nach dem Tod, sondern beschreibt eine Wirklichkeit: die jetzt schon wirkmächtige Präsenz Gottes, der die Macht des Todes überwinden kann. In der Auferweckung des Jesus von Nazareth durch Gott hat diese Wirklichkeit Gestalt angenommen: Jesus Christus ist von den Toten auferstanden. Aus dieser Glaubenserfahrung lebt die Kirche. Wie wird sie in ihrem Wirken sichtbar?

Foto: Joseph Krpelan

Glaube schenkt Kraft Der Glaube an die Auferstehung kann zur Quelle werden, sich bereits in dieser Welt den Mächten und Gewalten des Todes zu widersetzen und das Leben für alle lebenswerter zu gestalten: vor allem das Leben jener, deren Leben zerbrechlich, bedroht und in Gefahr ist. Der Glaube an die Auferstehung hat daher immer auch eine soziale und eine gesellschaftliche Dimension. Er schenkt eine Kraft, aus der heraus man sich für das Leben –

insbesondere das Leben anderer - einsetzen kann. Diesen Glauben kann und muss man auch praktisch lernen und einüben. Dies geschieht z.B. wenn sich Menschen in der Nachfolge Christi für je besseres Leben engagieren. Es ist ein Wechselspiel: Aus dem Glauben erwächst das Handeln, im Handeln erschließt sich der innere Sinn des Glaubens. Gläubige müssen dazu ihre Angst nicht ausblenden oder schönreden. Aber sie lassen sich von ihr nicht den Mut rauben. Denn „in Christus“ wissen sie sich bereits auferstanden. Kraft der Taufe haben sie jetzt schon An-

teil an der Wirklichkeit der Auferstehung. Das gibt auch Mut zum Scheitern, Leiden und sogar zum Sterben. Angst gehört zum Leben. Es gibt sogar eine Angst, zu der man angesichts realer Probleme ethisch verpflichtet ist, nämlich, diese in selbstlose Furcht und Praxis zu verwandeln. Um solcher Angst standzuhalten, bedarf es eines größeren Lebenshorizontes. Der Glaube an die Auferstehung eröffnet einen solchen – auch für die Unzahl der ins Haus stehenden Probleme. ■ Literatur: Horst-Eberhard Richter: Umgang mit Angst. Gießen 2008 (1992).

Hinweis zum Artikel „Weihnachten: noch lange nicht zu Ende“ Mit meinen Überlegungen zum Begriff der „Menschwerdung“ im Pfarrblatt der Dompfarre St. Stephan zur Weihnachtsausgabe 2016 habe ich mit einigen problematischen, weil missverständlichen Formulierungen einige Menschen vor den Kopf gestoßen. Der erste Satz mit dem Begriff der Häresie ist schlichtweg falsch. Das tut mir leid. In meinem Beitrag wollte ich – ausgehend von pastoraltheologischen Motiven – auf problematische Vorstellungen hinweisen, die sich mit dem deutschen Wort der „Menschwerdung“ verbinden können. Ich orientiere mich dabei an der Wirkung dogmatischer Begriffe, die immer auch Bilder freisetzen. So kann das Sprachbild von der „Menschwerdung“ in der deutschen Sprache im Horizont einer Kultur, die Begriffe nicht selten „materialistisch“ interpretiert, die Vorstellung freisetzen, dass Gott sich in ein Kind verwandelt hat wie dem Mythos entsprechend Zeus in einen Stier. Eine solche Vorstellung aber entspricht nicht dem biblischen Zeugnis und der dieser entfaltenden christlichen Lehre. Ebendiese Vorstellung, wie sie sich in der Pastoral, insbesondere im Gespräch mit Menschen, denen die Kirche fremd ist, manchmal finden lassen, habe ich kritisch reflektiert. Es ist ein pastoraltheologisches Anliegen. Das kirchliche Dogma zu leugnen oder gar „umzustürzen“ lag niemals und liegt nicht in meiner Absicht, im Gegenteil: Ich versuche, dieses im Kontext zeitgenössischer Wahrnehmung- und Denkformen besser verstehbar zu machen. Dabei haben mir meine Erfahrungen im christlich-jüdischen Dialog geholfen. Nicht zuletzt die Wirkungsgeschichte eines unzureichend verstandenen Begriffes von „Menschwerdung“ mit Blick auf den christlichen Antijudaismus verpflichtet zudem, mit dem Begriff „Menschwerdung“ achtsam umzugehen und verstehen zu lernen, welche Glaubenswirklichkeit damit verstanden sein will. Dies sehe ich als wichtige Aufgabe für Katechese und Verkündigung. Denn in einem Verständnis, das die Differenz in der Einheit zwischen Gott und Christus ausblendet – das christliche Dogma beschreibt diese Wirklichkeit höchst differenziert – kann dieses Wort nach wie vor antijudaistische Tendenzen bergen. Der Begriff Inkarnation hingegen kann ein besseres wechselseitiges Verständnis ermöglichen. Die Unterschiede zwischen Judentum und Christentum werden damit keinesfalls aufgehoben. Aber sie können sachgemäßer und sensibler beschrieben werden. Eine ausführliche Darstellung meiner Anliegen und Motive sowie die Grenzen der Interpretationen meines Beitrags können Sie auf dieser Webseite nachlesen: https://pt-ktf.univie.ac.at/index.php?id=35282

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Ostern 2017 9

Brücken verbinden

Die Übung vom guten Tod Eine entscheidende „Brücke“ im Leben eines jeden Menschen ist das Sterben: jene Brücke, auf der wir von dieser Welt in jene gelangen, die wir erhoffen. Der hl. Johannes Bosco empfahl seinen Jugendlichen und Mitbrüdern einmal im Monat die sogenannte „Übung vom guten Tod“. P. Josef WEBER SDB schildert, wie Don Bosco Jugendliche und Salesianer auf einen guten Tod vorbereitete. Eine gute Übung – damals wie heute Der hl. Johannes Bosco (1815–1888) war der größte katholische Jugenderzieher im 19. Jahrhundert. Er schuf in Turin für heimat- und arbeitslose Jugendliche ein Zentrum, in dem bis zu 600 Buben Aufnahme und Förderung erfuhren. Ihnen nur ein Dach über dem Kopf und ein warmes Essen anzubieten, war ihm zu wenig. Er entwickelte eine moderne Form der Jugendpastoral, um die Jungen zu „verantwortungsvollen Bürgern und guten Christen“ heranzubilden. Der von ihm gegrün-

dete Orden der Salesianer Don Boscos ist heute in 132 Ländern der Erde fast ausschließlich in der Jugendarbeit tätig.

„Das ganze Leben sei eine Vorbereitung auf den letzten Tag in dieser Welt.“ Es war ein besonderes Anliegen Don Boscos, Jugendliche wie Mitbrüder auf „einen guten Tod“ vorzubereiten. Sein Beichtvater, der hl. Giuseppe Cafasso, hatte ihm dazu geraten. Damals starben

P. Josef Weber ist Salesianer Don Boscos und Dozent für Christliche Spiritualität und Biblische Theologie in Benediktbeuern in seinem Jugendzentrum im Stadtteil Valdocco hin und wieder junge Menschen, so dass die Buben unmittelbar mit dem Tod konfrontiert wurden. Der Jugendapostel mahnte oft seine Buben: „Das ganze Leben sei eine Vorbereitung auf den letzten Tag in dieser Welt.“ Worin bestand nun diese Gebetsform der „Übung vom guten Tod“? Don Bosco hat sie auf den letzten Tag jeden Monats festgelegt und dieser Tag sollte kein trauriger Tag sein. Er ließ besseres Essen als sonst auftischen und verteilte die Frühstückssemmeln mit Salami selber an die Buben. In der ersten Ordensregel der Salesianer lesen wir: „Jeder lasse, soweit möglich, alle Arbeiten ruhen und halte sich diesen Tag zur Besinnung frei.“

Der heilige Don Bosco inmitten seiner Jugendlichen und einiger Mitbrüder im Jahr 1886 in Barcelona 10 Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Ostern 2017

Der Tag war von einer weihevollen Stimmung geprägt und wurde als Besinnungstag gehalten. Ein Vortrag über die letzten Dinge leitete am Nachmittag die gemeinsame Gebetszeit ein. „Man denke wenigstens eine halbe Stunde über den vergangenen Monat nach, über Fortschritte und Rückschritte im geistlichen Leben“, so Don Bosco. Dabei gab er vier Punkte zu bedenken: Erstens: wenn ich morgen sterben würde, was würde ich dann in meinem Leben noch in Ordnung bringen? Zweitens: Was habe ich in die-

Fotos: Don Bosco | Weber: privat

„Wenn ich morgen sterben würde …“

Eine Geste des Überlebens sem Monat am meisten vernachlässigt? Drittens: Wo habe ich im vergangenen Monat Fortschritte gemacht? Viertens: Wenn ich jetzt sterben würde, was bereute ich am meisten? An diese Gewissenserforschung schloss sich der Empfang des Beichtsakramentes. Danach konnte jeder Jugendliche und Mitbruder für den kommenden Monat einen Heiligen als Patron wählen. Den Abschluss bildete eine Andacht mit einem Gebet zum hl. Josef für eine gute Sterbestunde und mit einer Litanei, die an die einzelnen Phasen des Sterbens erinnerte. Auf jede dieser Anrufungen antwortete man mit: „Gütiger Jesu, dann erbarme dich meiner!“ Den Abschluss bildete der eucharistische Segen.

Fotos: Sabine Hoffmann

Jeder kann auf diese Weise sein Leben ordnen Don Bosco war überzeugt, dass jeder Jugendliche und Erwachsene auf diese Weise sein Leben ordnen und in den Dienst Gottes stellen könne. An Tommaso Pentore, einen jungen Salesianer, schrieb er 1878: „Unterlasse nie die monatliche Übung vom guten Tod und prüfe, was du hinzufügen, korrigieren oder unterlassen sollst, um ein guter Christ zu sein. Empfange die Beichte, als wäre sie die letzte in deinem Leben! Empfange die Kommunion, als wäre sie deine Wegzehrung!“ Nach dem II. Vatikanischen Konzil wurde diese „Übung vom guten Tod“ in allen Salesianerhäusern durch einen monatlichen Besinnungstag ersetzt, der nicht mehr unter dem Thema christlichen Sterbens stand. Doch das Anliegen Don Boscos bleibt auch in unserer Zeit aktuell. Wir denken nicht gern an den Tod. Und doch gehört er wesentlich zu unserem Leben. Wissen wir doch, dass wir alle einmal sterben müssen. Der Tod stellt zwar das Leben nicht in Frage, aber er hinterfragt das Leben. Darum dürfen wir ihn nicht verdrängen! Der Gedanke, sich auf eine gute Sterbestunde vorzubereiten, hat also seinen Platz – nicht nur in der österlichen Bußzeit. ■

Für viele ist der Umgang mit schwer Kranken und Sterbenden schwierig. Arno GEIGER zeigt in einem Beitrag in dem Buch „Der Mensch braucht den Menschen“ Wege auf, wie es möglich ist, Brücken zu einem Menschen, der immer mehr verfällt, zu bauen: durch Zuneigung, Respekt und Freundlichkeit Mein Vater ist im Juni 2014 gestorben, vor eineinhalb Jahren. Er wurde 88 Jahre alt. Ich bin froh, dass ich Der alte König in seinem Exil, das Buch über ihn, zu seinen Lebzeiten geschrieben habe. Auf einer der letzten Seiten des Buches heißt es, dass ich das Buch schreiben wollte, solange mein Vater lebt, weil jeder Mensch ein Schicksal verdient, das offen bleibt. In Der alte König in seinem Exil bleibt das Schicksal meines Vaters offen, und das ist gut so. Man muss immer an die Zukunft glauben, im Leben wie beim Schreiben. Ein Schreiben ohne zukunftsträchtiges Denken ist nicht lohnenswert. Das gilt nicht weniger, wenn jemand mit einer schweren, zum Tod führenden Krankheit

konfrontiert ist. Das Schlimmste ist es, sich aufzugeben, zu glauben, das Schicksal sei besiegelt. Und natürlich setzt eine schwere Krankheit einen neuen, finsteren Rahmen. Aber innerhalb dieses Rahmens gibt es Spielräume, und wenn diese Spielräume genutzt werden, gibt es eine Zukunft, so kurz sie auch sein mag, für die Betroffenen und für die Angehöri-

Arno Geiger ist Schriftsteller und mehrfacher Literaturpreisträger

gen, von Moment zu Moment. Würde ich das Buch über meinen Vater, der an Demenz erkrankt war, heute, nach seinem Tod schreiben, gäbe es den Glauben an die Zukunft nicht. Was sollte ich – ohne den Glauben an die Zukunft – schreiben? Was könnte ich meinem Vater hinterher rufen? Bis zum letzten Tag, den mein Vater gelebt hat, habe ich an seine Zukunft geglaubt, an den nächsten Moment. Der alte König in seinem Exil erschien im Frühjahr 2011. Das Buch bekam sehr viel Aufmerksamkeit und wurde von vielen Menschen gelesen. Einen Monat nach Erscheinen des Buches war ich in Leipzig auf der Buchmesse. Von dort fuhr ich nach Wolfurt. Ich berichtete meinem Auszüge aus: „Der Mensch braucht den Menschen“, Vater, was ich in Leipzig Texte über Leben und Abschied von Barbara Frischmuth, erlebt hatte. Ich sagte: Gerhard Roth, Marlene Streeruwitz, Arno Geiger, „Ich soll dir von ungePhilipp Harnoncourt, Valerie Fritsch und Hospizmitarbeitern. fähr hundert Leuten Edition Kleine Zeitung, € 19,80 schöne Grüße aus- ▶ Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Ostern 2017 11

Brücken verbinden ▶ richten.“ Mein Vater schaute mich ungläubig an. Ihm war anzusehen, was er dachte: Hundert Leute … das ist viel … das ist nicht glaubhaft. Ich sagte: „Du bist den Leuten sympathisch.“ Er schaute weiterhin erstaunt. Dann fragte er: „Und hat man ihnen das sagen müssen oder sind sie so schlau und von selbst draufgekommen?“ Ich sagte: „Sie sind von selbst draufgekommen.“ Zu dieser Zeit war es auch, dass mein Vater wieder – wie schon oft – sagte: „Ich bin nichts mehr. Ich bin nichts mehr.“ Und dass er mich anschaute und, was er noch nie getan hatte, sich korrigierte: „Nein, nicht nichts, nicht mehr viel.“ In diesem „nicht nichts, nicht mehr viel“ steckt etwas Selbstbewusstes. Mein Vater spürte, dass er wieder „mehr“ war als zuvor, weil ihm mehr Respekt entgegengebracht wurde, ihm, dem kranken und verwirrten Mann. Die Menschen in seiner Umgebung gingen mit einer anderen Körpersprache auf ihn zu, unbefangener, sie klopften ihm auf die Schulter. Plötzlich glaubten die Menschen wieder an die Zukunft dieses alten und kranken Mannes. Und er korrigierte sich und sagte: „Nein, nicht nichts, nicht mehr viel.“ Zuneigung, Respekt und Freundlichkeit lassen einen Menschen „mehr“ werden. Respekt und Aufmerksamkeit können den Lebensraum eines Menschen, der vor eine kurze und schlechte Zukunft gestellt ist, bewohnbar halten. Mit Zuneigung, Respekt und Freundlichkeit geht vieles. Es heißt, Gottes Wille hältst du mit den Händen nicht auf. Aber die Schrecken von Krankheit, Verfall und Sterben kann man mit den Händen aufhalten, und sei’s für einen Moment, durch eine Umarmung. Eine Umarmung verweist in die Zukunft, eine Umarmung ist eine Geste des Halts, eine Geste des Überlebens. […] Ich hatte oft Angst, meinem Vater könnte ein schreckliches Sterben beschieden sein. Ich stellte mir vor, er würde jahrelang bettlägerig sein, unfähig zu sprechen, unfähig zu lächeln. Bettlägerig war er letztlich nie, aber gesprochen hat er in den letzten Monaten nur mehr wenig, was ich als traurig empfand. Doch er lächelte bis zuletzt und drückte Hände und suchte immer wieder den Blick und sagte „danke“ und „Servus“. Wir versuchten, ihm das Gefühl zu geben, dass er genug ist, nicht unzureichend, nicht mangelhaft, sondern genug und mehr als nur das, ein geliebter Mensch, „mein bester Mann“, wie ich oft zu ihm sagte. […] Entscheidend war, dass wir noch kurz vor dem letzten Atemzug meines Vaters an seine Zukunft glaubten, an den nächsten Moment und dass alle bemüht waren, meinem Vater den nächsten Moment, trotz Schwere seines Schicksals, leichter zu machen. ■ 12 Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Ostern 2017

Ein Künstler als Brückenbauer: Christo Eines der schönsten Kunstereignisse des vergangenen Jahres war „The Floating Piers“, eine Reihe temporärer (schwimmender) Brücken auf dem oberitalienischen Lago d’Iseo, die es den Besuchern ermöglichten, auf dem See zu wandeln. Christoph THUN-HOHENSTEIN über einen Künstler, der es versteht, Brücken zu bauen und seine außergewöhnliche Kunstinstallation Wer die Fotos im Internet ansieht, entdeckt strahlende Gesichter – fröhliche Menschen, die gemeinsam etwas Außergewöhnliches erleben. „The Floating Piers“ beruht auf einer Idee, die der bulgarische Künstler Christo und seine französische, 2009 verstorbene Frau Jeanne-Claude bereits 1970 erstmals entwickelten, und vermittelt genau das, was seit jeher das künstlerische Hauptanliegen dieser großen Partnerschaft ist: Kunst als Ausdruck von Freude und Schönheit!

Für ein gemeinsames Erleben von Kunst im öffentlichen Raum Christo und Jeanne-Claude waren in jeder Hinsicht ein bemerkenswertes Paar: Exakt am selben Tag in unterschiedlichen Teilen der Welt geboren, verschlossen sie sich bald den üblichen Lockungen der Kunstwelt und machten alles anders. Der Verkauf von Zeichnungen und Collagen (im Vorfeld von Projektrealisierungen) an Museen und Sammler ermöglichte ihnen, auch die komplexesten und teuersten ihrer Projekte, wie etwa „The Gates“ im New Yorker Central Park 2005, völlig ohne öffentliche Subventionen und privates Mäzenatentum eigenständig zu finanzieren und damit unabhängig zu bleiben. Sie bewiesen Geduld und Hartnäckigkeit, selbst wenn sich Projekte mangels Genehmigungen über Jahrzehnte nicht realisieren ließen. Vor allem aber ging es ihnen um die Menschen, das gemeinsame Erleben von Kunst im

Fotos: Thun-Hohenstein: Sabine Hauswirth/MAK | Christo / Wolfang Volz

Kunstinstallation von Christo: „The Floating Piers“ – eine schwimmende Seebrücke auf dem Iseo-See (Italien) im Sommer 2016

öffentlichen Raum! Wer Christo und River. Project for the Arkansas River, Jeanne-Claude kennenlernen durfte, State of Colorado“ trotz bereits angefalspürte ihren Antrieb, Kunst vom Podest lener Kosten von rund 15 Mio. Dollar auf der Unnahbarkeit herunterzuholen, sie Eis legte. demokratisch zugänglich und verwanDas Beispiel Christo und der überdelbar zu machen. Gerade das Fantaswältigende Erfolg von „The Floating tisch-Irrationale ihrer Projekte, die Unverhältnismäßigkeit zwischen dem Christoph Thunenormen zeitlichen und finanziellen AufHohenstein ist wand und der auf wenige Tage beGeneraldirektor schränkten realen Präsenz ihrer Werke, und wissenschaftentzieht sich gängigen kapitalistischen licher GeschäftsWertvorstellungen und macht ihre führer des MAK Kunst gerade dadurch besonders interessant: Indem sie nicht von Profitstre- (Österr. Museum für ben oder gar Gier geleitet wird, sondern angewandte Kunst/ Gegenwartskunst) von der Ermöglichung einzigartigen gemeinsamen Erfahrens von Menschsein. Es versteht sich von selbst, dass Christo Piers“ zeigen, dass Kunst Brücken bauen diesen Weg konsequent weitergeht; so kann, wenn sie nicht nur kreativ, sondern setzte der im kommunistischen Bulgaauch ehrlich ist und damit als authenrien aufgewachsene Künstler angesichts tisch wahrgenommen wird. Gerade heuder neuen politischen Verhältnisse in te – im Zeitalter uns perfekt steuernder den USA ein klares Zeichen, indem er das Algorithmen und wachsender Verroseit 20 Jahren verfolgte Projekt „Over the hung der menschlichen Zivilisation –

brauchen wir Erfahrungen, Sehnsüchte und Träume, die uns nachhaltig berühren und zusammenführen. Kunst kann und muss dabei eine zentrale Rolle spielen und daher noch viel stärker in unser Leben eingreifen. Oder mit den Worten Christos: „We live in an essentially economic, social, and political world. Our society is directed to social concerns of our fellow human beings. ... That, of course, is the issue of our time, and this is why I think any art today that is less political, less economic, less social, is simply less contemporary art.“ („Wir leben in einer dem Wesen nach ökonomischen, sozialen und politischen Welt. Unsere Gesellschaft ist auf die sozialen Sorgen unserer Mitmenschen gerichtet. … Das, natürlich, ist die Fragestellung unserer Zeit, und das ist, warum ich denke, dass jede Art von Kunst, die weniger politisch, weniger ökonomisch, weniger sozial ist – einfach weniger zeitgenössische Kunst ist.“ (Übersetzung der Redaktion) ■

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Erzählen und Denken Ein Brückenschlag vom Mythos zur Philosophie. Von Konrad Paul LIESSMANN deren Welt zu orientieren, wenn sie wieder auftauchen, sorgt dies eher für Unruhe und Besorgnis.

Blick auf unsere eigenen Anfänge Was können uns Geschichten wie etwa die von Zeus, dem Blitzeschleuderer, im Zeitalter des Blitzableiters überhaupt noch sagen? Niemand geringerer als Karl Marx hatte sich diese Frage gestellt, und der engagierte Sozialrevolutionär und Verteidiger des technischen Fortschritts fand auch eine Antwort. Die alten Mythen zeigen die Menschheit gleichsam am Stande ihrer geschichtlichen Kindheit, hier erleben wir uns als vielleicht naiv, aber noch unberührt von den späteren Entwicklungen, und wie beim Betrachten eines alten Kinderfotos übt der Blick in unsere eigene kulturelle Vergangenheit einen unwiderstehlichen Reiz aus: Wir sehen uns, wie wir waren, wir

Troubled Water Trennungen innerhalb von Familien und Beziehungen hinterlassen oft tiefe Spuren und Verletzungen. Seelsorger und Psychotherapeut Arnold METTNITZER über ganz persönliche Brüche in seinem Leben sowie über die Brücke der Liebe und des Verzeihens Das eheliche Glück meiner Eltern war bereits nach wenigen Monaten verflogen. Trotzdem sollte es noch Jahre dauern, bis meine Mutter - nicht zuletzt durch den Beistand eines behutsam an der Not seiner „Schäfchen“ orientierten Seelsorgers – den Mut fasste, sich von meinem alkoholkranken Vater zu trennen. Keine leichte Entscheidung für eine achtundzwanzigjährige Frau mit sechs Kindern im Alter von zwei bis acht Jahren. Keine leichte Entscheidung in einem

werfen einen Blick auf unsere eigenen Anfänge. Erklärt dies aber unsere ungebrochene Lust am Erzählen und Zuhören? Der Philosoph Hans Blumenberg hat einmal die Bemerkung gemacht, dass Geschichten erzählt werden, um etwas zu vertreiben. Entweder – und das ist eher harmlos – die Zeit; oder – und das ist schon schwerwiegender – die Furcht. Geschichten sollen uns zerstreuen und uns dabei

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ländlich-katholischen Umfeld, dem zumindest nach außen hin an „ordentlichen Verhältnissen“ gelegen war. Geredet hat Mama (fast) nie darüber, oder besser gesagt, nur in der ihr eigenen Art eines vielsagenden Schweigens. Und so hat sich unter uns Geschwistern ein stilles Übereinkommen darüber ergeben, die Mutter mit Fragen nach unserem Vater nicht zu überfordern. Mir als dem Ältesten fiel das besonders schwer. Nicht zu wissen, wie es meinem Vater geht, hat mir wehgetan. In meinen Gymnasialjahren habe ich dann begonnen, ihn regelmäßig zu besuchen, mit ihm zu „watten“ und ihn dabei möglichst oft gewinnen zu lassen. Beim Kartenspiel gegen seinen Sohn zu verlieren, konnte er schwer verkraften, ebenso, wenn er bemerkte, dass sein Gegner ihn trotz besserer Karten gewinnen lassen wollte. Insofern waren

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Konrad Paul Liessmann ist Professor für Methoden der Vermittlung von Philosophie und Ethik an der Uni Wien und Autor zahlreicher Bücher

meine Besuche bei ihm alles andere als einfach, oft schwierige Gratwanderungen zwischen Zumutung und verletztem Stolz. Manchmal aber wurden daraus kleine Sternstunden, in denen er aus seinem Leben erzählt und dabei immer wieder darüber geredet hat, wie sehr er „sein Ingele“, unsere Mutter, geliebt habe. Im Sommer 1994, kurz nach seinem 64. Geburtstag, so alt wie ich heute bin, wird mein Vater mit akuter Multiorganschwäche ins Krankenhaus eingeliefert. Bei meinem Besuch dort wird mir sehr schnell der Ernst seiner Erkrankung bewusst. Und als ich ein paar Tage später von der dramatischen Verschlechterung seines Zustandes erfahre, bin ich gerade mit meiner Mutter im Auto unterwegs und entschließe mich, ihn sofort zu besuchen. Dass meine Mutter zu ihm mitkommen will, überrascht mich, ist sie doch all die Jahre

Foto: Zsolnay / Heribert Corn

Warum faszinieren uns aufgeklärte Mitglieder einer rationalen und wissenschaftsorientierten modernen Gesellschaft noch immer die alten und ganz alten Geschichten? Die Mythen der Antike, die Geschichten aus der Bibel, die Sagen und Märchen unterschiedlicher Kulturen? Gehören diese Erzählungen nicht längst einem vergangenen Zeitalter an, dem die Natur noch eine Bedrohung, der Mensch und seine Psyche ein Rätsel und dessen Götter für Ordnung und Beruhigung sorgen sollten? Wir haben die Natur gebändigt, durch Technik gefügig gemacht und stellenweise ersetzt, die Psyche des Menschen analysiert, vermessen und dem korrigierenden Einfluss von Therapien und Medikamenten unterworfen, und aus unserem Alltag sind die Götter weitgehend verschwunden. Zumindest benötigen wir sie nicht mehr, um uns in dieser oder auch in einer an-

Foto: Claudia Prieler

Literaturhinweis: Gemeinsam mit dem Schriftsteller und Erzähler Michael Köhlmeier veröffentlichte der Philosoph Konrad Paul Liessmann im Hanser Verlag das Buch „Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist, Adam? Mythologisch-philosophische Verführungen“ auch mit Erfahrungen und Irritationen versöhnen, die uns ängstigen. Die biblischen und mythischen Geschichten, die unzähligen Märchen, Sagen und Legenden wurden nicht nur erzählt, variiert und tradiert, um die Gefahren der Natur zu bannen. Dazu benötigen wir sie tatsächlich nicht mehr. Aber sie wurden auch erzählt, um uns von jenen inneren Ängsten zu befreien, die sterbliche, unzulängliche, getriebene und stets von Einsamkeit bedrohte Menschen immer noch befallen können. Mythen enthalten keine wissenschaftlichen Wahrheiten in einem faktischen Sinn. Sie verweisen aber auf Fragen und Probleme unsers Lebens und Zusammenlebens, auf Grundformen der Liebe und das Hasses, des Neides und der Eifersucht, der Lust und des Schmerzes, der Trauer und der Freude, des Lebens und des Todes, deren beunruhigendes Potential nicht wegrationalisiert werden kann.

Nachdenken über unser Dasein

nach ihrer Scheidung meinem Vater kein einziges Mal mehr persönlich begegnet. Allein trete ich an sein Sterbebett und sage ihm, dass auch Mama mitgekommen wäre und draußen warte. „Soll nur draußen bleiben“, lautet sein kurzer Kommentar. Als ich mich später von ihm verabschiede, frage ich meinen Vater, ob Mama hereinkommen dürfe. „Wenn sie unbedingt meint, dann soll sie halt kommen“, antwortet er knapp. Angespannt betritt meine Mutter das Krankenzimmer. „Inge!“ ruft ihr mein Vater entgegen! Ich schließe hinter ihr die Türe und lasse die beiden allein. Als Mama nach einer guten Stunde herauskommt, hat sie Tränen in den Augen. Als würde sie mich gar nicht wahrnehmen, sagt sie halblaut vor sich hin: „Nie hätte ich gedacht, dass ich diesem Menschen nach 34 Jahren so aus ganzem Herzen verzeihen kann!“

Ein paar Tage später, am 25. Juli 1994, stirbt mein Vater im Krankenhaus in Spittal an der Drau. Ich bin überzeugt davon, dass er im Grunde seines Herzens auf diese Begegnung gewartet hat, um versöhnt und im Frieden sterben zu können.

Sich mit diesen Geschichten auseinanderzusetzen, sie zu hören, sie zu deuten, darüber nachzudenken, kann uns zu noch immer hilfreichen und erhellenden Einsichten in die Grundstruktur unseres Daseins führen. Die biblische Geschichte von der Erschaffung des Menschen und seiner Vertreibung aus dem Paradies etwa enthält im Kern eine noch immer aufregende These: Dass es einen untrennbaren Zusammenhang zwischen Freiheit, Selbstbewusstsein und dem Bösen gibt. Und man sage nicht, dass diese Geschichten in einem technischen Zeitalter nichts mehr verloren hätten. In der antiken Mythologie wimmelt es von Zwischenwesen, Chimären und künstlichen Lebensformen, die durchaus an die Versuche erinnern, die aktuell in den Labors der Bioingenieure stattfinden. Erzählen wir uns diese Ge-

Sehnsucht des Menschen nach dem anderen Vergeben und Verzeihen gehören zu den innigsten Kulturleistungen des Menschen. Ohne die Kunst der Versöhnung, ohne die Kraft der Vergebung, ohne gelebtes Verzeihen verlieren die kleinen und großen Gemeinschaften in unserer Gesellschaft ihren inneren Halt. Nach nichts hat ein Mensch mehr Sehnsucht als nach dem anderen Menschen, der sich ihm vor allem an den entscheidenden Wegkreuzungen des Lebens als Mensch erweist. Schon Paracelsus wuss-

schichten; und denken wir auch darüber nach. Schlagen wir die Brücke von diesen alten poetischen Imaginationen zu den Herausforderungen und Konflikten unserer Zeit. ■

Arnold Mettnitzer ist Theologe und Psychotherapeut in Wien te, dass „der Mensch des Menschen beste Medizin“ ist und „das beste Maß dafür die Liebe“ bleibt. Diese Liebe weist im Vergeben und Verzeihen „like a bridge over troubled water“ (Paul Simon) über diese Welt hinaus. ■ 1 übersetzt: aufgewühltes Wasser

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Papst Franziskus – Brückenbauer zwischen Himmel und Erde Was bedeutet der Titel „Pontifex Maximus“? Wie wird Papst Franziskus diesem Titel gerecht? Andreas R. BATLOGG SJ über einen Brückenbauer, der nicht nur Brücken zwischen Menschen baut

Papst Franziskus erinnert, dass Gott Menschen niemals im Stich lässt Metzger wollte Jorge Mario Bergoglio werden, als er so alt war wie sie, schrieb er der achtjährigen Basia in Polen in einem Brief1. Mit zwölf schickte er einer Jugendfreundin einen Liebesbrief, zusammen mit einer Zeichnung – er wollte Amalia ein Haus mit rotem Dach bauen, wenn sie ihn heiraten würde. Schließlich erwarb er ein Diplom als Chemietechniker. Dann wurde er Seminarist. Und zwei Jahre später, im März 1958, trat er in den Jesuitenorden ein. Novizenmeister und Provinzial, Rektor und Spiritual waren einige seiner Tätigkeiten. Dass er einmal Weihbischof in Buenos Aires und Generalvikar, Koadjutor und schließlich Erzbischof und dann Kardinal werden sollte, hätte er sich wohl nicht träumen lassen. Und schon gar nicht, dass er vom Konklave im März 2013 nicht nach Argentinien zurückkehren würde, sondern als Papst Franziskus in Rom bleiben sollte.

(2016) zeigt, dass Integrieren und Begleiten wichtiger ist als Ausschließen oder Abwerten. Nicht alle in der Kirche erleben diesen Papst als Brückenbauer: vermittelnd und aufbauend. Er kann scharf werden, er kann drastische Bilder verwenden – weil er rot sieht, wenn klerikale Überheblichkeit pastorale oder theologische Lösungen verhindern oder blockieren. Dafür steckt er auch teils harsche Kritik ein.

Einer der Titel des Papstes lautet „Pontifex Maximus“ (oberster Brückenbauer). Eine exklusive Bezeichnung für den Bischof von Rom ist das erst seit dem 5./6. Jahrhundert. Bis dahin verstand man darunter den Sprecher der sakralen Beamten (pontifices); der Kaiser war der Pontifex Maximus. Ab dem 4. Jh. wurde der Begriff Pontifex als Synonym für Bischof gebraucht, ein Metropolit wurde „Summus Pontifex“ genannt. Wichtiger als Titulaturen ist, was sie besagen. Papst Franziskus macht sich nicht viel aus Titeln. Aber seit seiner Andreas R. Batlogg Wahl vor vier Jahren ist jeden Tag erleb- SJ ist Chefredakteur bar, wie er sich als echter Brückenbauer der Kulturzeitschrift erweist: Franziskus baut Brücken – zu „Stimmen der Zeit“ und Mitarbeiter denen, die sich von der Kirche, warum an der Citykirche auch immer, abgewendet haben; zu deSt. Michael nen, die von der Kirche im Stich gelassen in München wurden, weil das Recht wichtiger war als Theologie; zu Atheisten oder Freikirchen; Aus meiner Sicht ist Papst Franziskus zu anderen christlichen Kirchen (Orthoein Segen für die Kirche. Nicht weil er Jedoxe, Lutheraner, Anglikaner, Waldensuit ist; auch wenn diese Sozialisation ser). Er streckt die Hand nicht nur phyeine Rolle spielt, besonders in Entscheisisch aus, um den Skandal der Spaltung dungsfindungsprozessen, wie die beiden optisch zu überbrücken. Er geht neue Familiensynoden zeigen. Sondern weil er Wege und nimmt dafür auch Spannunauf Menschen unterschiedlicher Einstelgen in Kauf. lungen, Ansichten und Religionen zugeGott reißt keine Brücken ab hen kann und mit ihnen ins Gespräch Wo nichts mehr zu gehen schien, hat kommt. Eben weil er ein Brückenbauer Franziskus Bewegung hineingebracht: in zwischen Himmel und Erde sein will – abgebrochene Dialoge oder festgefahreund darin erinnert, dass Gott Menschen ne Positionen. Außerhalb der katholiniemals im Stich lässt. Papst Franziskus schen Kirche scheint das mehr geschätzt wirbt für den Weg Jesu, der für ihn mit zu werden als innerhalb. Mit seinem proBarmherzigkeit zu tun hat. Wir tun gut phetischen Schreiben „Evangelii gaudidaran, seine Reformen der Kirche betend um“ (2013) hat er ein Programm für miszu unterstützen. ■ sionarische Seelsorge vorgelegt. Die Öko1 Vgl. Lieber Papst Franziskus. Der Papst Enzyklika „Laudato si’“ (2015) sorgt sich antwortet auf Briefe von Kindern aus aller mit enormer Sachkompetenz um die ZuWelt. Von Papst Franziskus und den Kindern kunft unseres Planeten. Und das nachsydieser Welt in Zusammenarbeit mit Antonio Spadaro SJ. München 2016, 55. nodale Schreiben „Amoris laetitia“

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Fotos: Franziskus: kathbild.at/Christoph Hurnaus | Batlogg: Christian Ender

Und plötzlich Papst …

Brücken bauen im Dienst von Frieden und Verständigung Botschafter Alfons KLOSS über das Brückenbauen zwischen verschiedenen Staaten und was die Diplomatie des Heiligen Stuhls kennzeichnet In der täglichen Gestaltung der Beziehungen zwischen den Staaten ist das Brückenbauen ein essentielles Anliegen: nur ein System, das auf Dialog, Verständigung und Begegnung beruht, kann auf Dauer Frieden und eine positive internationale Entwicklung sicherstellen. Mit dieser Einsicht wurde auch nach den Schrecken des zweiten Weltkriegs auf unserem Kontinent die europäische Integration gegründet; 1945 wurden im selben Geist die Vereinten Nationen als Neubeginn für eine kooperative Weltordnung ins Leben gerufen. Die Staaten waren damals davon überzeugt, dass eine bessere Zukunft nur gemeinsam zu bauen sein würde und nicht im Wege von Isolation oder nationaler Sonderwege.

Foto: BMEIA

Diplomatie ist wie ein Handwerk Was ist in diesem Zusammenhang die Diplomatie? Mir scheint sie wie ein Handwerk, das Ausdauer, einiges an Übung, viel Einfühlungsvermögen und eine Portion Bescheidenheit erfordert. Die „großen Würfe“, die wir uns oft wünschen, sind in der Geschichte weit seltener als die mühsam erarbeiteten Einigungen, wo jede Seite nachgeben musste. Für diese zähe Arbeit ist „Brücken bauen“, das Motto dieses Pfarrblatts, sicher ein gutes Leitmotiv. Verhandlungen sind ja deshalb erforderlich, weil zwei Seiten mit unterschiedlichen Positionen zu einem gemeinsamen Ergebnis kommen wollen. Wenn jeder an seinen Vorstellungen „unüberbrückbar“ festhält, wird man letztlich nicht weit kommen. Eine Diplomatie wird umso überzeugender sein, wenn sie berechenbar ist und sich auf klare Prinzipien stützt. Natürlich hat jeder Staat Eigeninteressen, die es zu berücksichtigen gilt. Ein Land wie Österreich hat sich aber darüber hinaus stets auch für allgemein anerkann-

te Prinzipien wie Beachtung der Menschenrechte, Eintreten für Frieden und Abrüstung sowie für eine Politik des Dialogs und der Verständigung eingesetzt. Diese Prinzipien sind heute angesichts der zahlreichen Konflikte und der zunehmenden Komplexität in unserer multipolaren Welt umso wichtiger.

Diplomatie des Heiligen Stuhls: Kultur der Begegnung Was die Diplomatie des Heiligen Stuhls betrifft, die ich derzeit aus der Nähe beobachten kann, so hat Papst Franziskus vom Anbeginn seines Pontifikats daran erinnert, dass dem christlichen Gesellschaftsbild eine konkrete „Kultur der Begegnung“ zugrunde liegen sollte; ein „auf den Anderen zugehen“. Der Heilige Stuhl hat sich zuletzt deutlich in die globale Agenda eingebracht, wo es um drängende Anliegen der Menschheit geht. So hat etwa Papst Franziskus mit seiner viel beachteten Enzyklika „Laudato si‘“ zu mehr Anstrengungen betreffend Klima- und Umweltschutz sowie zu verstärkter sozialer Verantwortung gegenüber den benachteiligten Mitmenschen aufgerufen. Weitere Impulse wurden vom Heiligen Stuhl etwa zu den Themen Abrüstung, Migration oder Kampf gegen den Menschenhandel gesetzt. Es entspricht der Tradition des Heiligen Stuhls, auch in regionalen Konflikten als klassischer Vermittler und Brückenbauer zu agieren. So etwa in dem Disput zwischen Chile und Argentinien betreffend den Beagle-Kanal in den 1970er und

Alfons M. Kloss ist Österreichischer Botschafter beim Heiligen Stuhl 1980er Jahren oder rezenter bei der Beendigung der „Eiszeit“ in den Beziehungen zwischen den USA und Kuba, wo sich Papst Franziskus auch persönlich eingeschaltet hatte. Hier zählt nicht nur das moralische Gewicht des Papstes sondern auch die Tatsache, dass der Heilige Stuhl nicht traditionelle strategische Interessen eines Staates verfolgt sondern sich v.a. dem „bonum commune“ verpflichtet fühlt. Die Brückenbauer dürfen in dieser Welt nicht müde werden, sich mit Geduld und Überzeugung zu engagieren. Dies gilt besonders für eine Zeit wie die unsere, wo manche bisherige Sicherheiten fragiler und die Perspektiven für die Zukunft unklarer geworden sind. Denn

»Ich rufe euch auf, keine Mauern, sondern Brücken zu bauen, Böses nicht mit Bösem zu vergelten, in Frieden mit allen zu leben.« Papst Franziskus das Brückenbauen ist nicht nur eine christliche Verantwortung, sondern ein Imperativ für das gedeihliche und v.a. friedliche Zusammenleben der Völker und Staaten. ■

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Hoffnung auf eine Brücke und ein friedliches Miteinander Die Zerstörung von Brücken gilt in kriegerischen Auseinandersetzungen als wichtiges militärisches Ziel. Botschafter Martin SAJDIK berichtet von einer zerstörten Brücke in der Ostukraine und die mühevollen kleinen Schritte auf dem Weg zu einem friedvollen Zusammenleben in dieser Region den letzten drei Jahren künstlich gezogenen Trennlinien nur weiter vertieft – zwischen ethnischen Russen und Ukrainern, zwischen Bürgern der Ukraine und der selbst ernannten „Volksrepubliken“, und auch zwischen der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats auf der einen und des Kiewer Patriarchats (und anderen christlichen Religionsgemeinschaften) auf der anderen Seite.

Das wichtigste Kapital für eine nachhaltige Konfliktlösung: Vertrauen Die faktische Teilung zementieren, alle Brücken abbrechen – dieses Szenario findet beiderseits der Kontaktlinie Anhänger. Stellt sich die Frage: Welche Zukunft hätte ein geteilter Donbass? Auf beiden Seiten leben Ukrainer und Russen mit ei-

ner gemeinsamen Geschichte. Nicht nur ethnische, sprachliche und kulturelle Identitäten sind hier komplex miteinander verwoben. Auch ökonomisch ist die Region quasi unteilbar. Bis heute fließen Wasser und Strom über die Kontaktlinie, sind Betriebe und Kraftwerke von Rohstoffen der jeweils anderen Seite abhängig. Die Zerstörung der Infrastruktur lässt Menschen auf beiden Seiten ohne Wasser und Heizung zurück. Eine Wirtschaftsblockade schadet dem ganzen Land und zerstört das wichtigste Kapital für eine nachhaltige Konfliktlösung: Vertrauen. Unsere Bemühungen haben ein klares Ziel: Am Ende des Prozesses muss eine umfassende politische Regelung stehen, die ein friedvolles Zusammenleben in einer geeinten Ukraine ermöglicht und eine wirtschaftliche Perspektive für

Botschafter Martin Sajdik mit seinem ehemaligen politischen Berater, Christian Schläpfer (Schweiz), bei einer Pressekonferenz in Minsk mit einer Tafel in der Hand, auf der steht: „Völlige Waffenruhe in der ersten Schulwoche“

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Foto: OSZE / Büro Botschafter Sajdik

Es war ein erschütterndes Bild: Mit einer Patrouille der OSZE-Sonderbeobachtungsmission fuhr ich im Dezember 2015 nach Stanyzja Luhanska in der äußersten Ostukraine. Infolge der Kämpfe war dort die Zufahrt zur Brücke über den Fluss Siwerskiy Donez gesprengt worden. An ihrer Stelle hatte man behelfsmäßig zwei steile Holzrampen („Hendlstiegen“) errichtet, über die sich nun täglich hunderte Menschen, meist alte Frauen mit schwerem Gepäck, quälten. Aus wirtschaftlichen Zwängen oder um Angehörige zu besuchen, nehmen die Menschen den beschwerlichen Weg und stundenlange Wartezeiten im Freien in Kauf. Bis heute ist dies der einzige legale Übergang über die sogenannte Kontaktlinie im Umkreis von hundert Kilometern. Dieses Beispiel zeigt: Auch im Konflikt in der Ostukraine leidet vor allem die Zivilbevölkerung. Zehntausend Menschen, davon mindestens zweitausend Zivilisten, kamen in den letzten drei Jahren ums Leben. Noch immer wird die geltende Waffenruhe missachtet, sind jede Woche Tote oder Verletzte zu beklagen. Durch die Verhandlungen der Trilateralen Kontaktgruppe (TKG, bestehend aus Vertretern der Ukraine, Russlands und der OSZE) und den Abschluss des Minsker Maßnahmenpakets im Februar 2015 gelang es, die Opferzahlen zumindest deutlich zu senken. Im Mai 2015 gründete die TKG vier Arbeitsgruppen, um mit Vertretern aller Konfliktparteien Lösungen für dringende Probleme in den Bereichen Sicherheit, Politik, Humanitäres und Wirtschaft zu finden. Die Teilnehmer treffen sich alle zwei Wochen in Minsk. Unser Prozess will ein erneutes „Heißlaufen“ des Konflikts verhindern, aber richtet sich zugleich gegen sein „Einfrieren“. Denn dadurch würden die in

Kann Geld Menschen miteinander verbinden? Die meisten von uns haben sie jeden Tag in der Hand, wir bezahlen damit unser Frühstückskipferl und den Liter Milch. Tagtäglich zahlen Millionen von Menschen mit Euro-Banknoten. Ewald NOWOTNY auf die Frage, ob und wie der Euro die Menschen in Europa verbindet

Foto: OSZE / Büro Botschafter Sajdik | Novotny: OeNB

Brücken sind schnell abgebrochen und zerstört. Sie wieder aufzubauen dauert lange. So wie der mühsame Weg zum Frieden. Es wird noch dauern, bis die Brücke bei Stanyzja Luhanska in der Ostukraine wieder vollständig hergestellt ist. den Donbass schafft. Aber derzeit geht es uns auch und gerade um kleine Schritte, um das Leben der Menschen in der Ostukraine zu verbessern. Dies gelingt uns – den Vertretern der OSZE – etwa durch die Koordinierung einer lokalen Waffenruhe, um Strom- und Wasserleitungen zu reparieren. Durch Vermittlung beim Austausch von Gefangenen. Oder durch Maßnahmen zur Reduzierung der Wartezeiten an den Übergängen. Seit meinem Besuch in Stanyzja Luhanska ist mir auch die Reparatur der dortigen Brücke ein besonderes Anliegen. Eine wichtige Voraussetzung dafür wären Entminung und Entflechtung (der Rückzug von Waffen und Kämpfern). Bisher gelang dies noch nicht. Aber ich glaube, wir sind es den Menschen dort schuldig, es immer wieder zu versuchen. ■ Botschafter Martin Sajdik ist seit Juni 2015 der Sonderbeauftragte des amtierenden OSZE-Vorsitzenden (in diesem Jahr der österreichische Außenminister Sebastian Kurz) in der Ukraine und in der Trilateralen Kontaktgruppe. Zuvor war er Ständiger Vertreter der Republik Österreich bei den Vereinten Nationen in New York und Vorsitzender des UN-Wirtschafts- und Sozialrats (ECOSOC).

Geld kann Menschen im Guten wie auch im Bösen miteinander verbinden. Meine Frau und ich haben seit Beginn unserer Ehe, also seit fast 50 Jahren, eine gemeinsame Haushaltskasse und erfreulicher Weise nie über Geld gestritten. Geld kann Menschen auch in Form von Gläubiger-Schuldner-Beziehungen verbinden. Ohne Geld- und Kreditwirtschaft ist ein modernes Wirtschaftsleben nicht möglich – hier bieten sich aber schon sehr viel mehr Konfliktpotentiale. Als Notenbank-Gouverneur steht für mich die gesellschaftliche Funktion des Geldes im Vordergrund – das heißt, die Notwendigkeit, den Menschen ein sicheres und stabiles Geldsystem bereitzustellen. Für Österreich geschieht dies durch die Mitgliedschaft Österreichs in der Europäischen Währungsunion, der Eurozone. Seit 1. Jänner 2002 ist der Euro unser Bargeld und ist seither dank der konsequenten Stabilitätspolitik der Europäischen Zentralbank zu einer Weltwährung geworden. Unser Geld genießt auch über den Euroraum hinaus hohe Akzeptanz. Zu Recht wird die Euro-Einführung als eines der erfolgreichsten Kapitel der europäischen Integration angesehen. Für uns Bürger ist der Euro eine stabile Währung und die auf mittlere Sicht sehr niedrige Inflation sichert ihren Wert.

Geld braucht Vertrauen Geld – unser Euro – braucht Vertrauen. Das Vertrauen der Menschen darin, dass man für eine Banknote auch einen Gegenwert bekommt. Dies ist für den Euro gegeben. Zwei Drittel aller Österreicherinnen und Österreicher haben Vertrauen in unsere Währung. Der Euro – also Geld – verbindet 330 Millionen Menschen in 19 Ländern auf

unserem gemeinsamen Kontinent. Das war nicht immer so in der Geschichte Europas. Die gemeinsame Währung ist aber nur der sichtbare Ausdruck einer viel tiefer liegenden Idee. Nach den beiden großen Weltkriegen des 20. Jahrhunderts, die hauptsächlich auf europäischem Boden geführt wurden und unermessliches Leid über die Völker brachten, sollte nie wieder Krieg von Europa aus gehen. Es war die Geburtsstunde der Europäischen Union. Völker, die miteinander wirtschaftlich verbunden sind, eine gemeinsame Währung haben, bekriegen sich nicht.

Ewald Nowotny ist Gouverneur der Österreichischen Nationalbank Die EU steht derzeit aber zweifelsohne vor großen Herausforderungen. Hohe Arbeitslosigkeit und soziale Ungleichheit sowie hohe Staatsverschuldung in vielen Ländern tragen dazu bei und verschärfen die Situation. Wirtschaftlich hat sich der Kontinent – vor allem in Südeuropa – noch nicht von den Folgen der Finanzund Staatsschuldenkrise erholt. In der Frage der Flüchtlingszuwanderung werden die engen Grenzen der gelebten Solidarität und – leider – die Vorherrschaft nationaler Interessen wieder sichtbar. Das Vertrauen in die EU und in die Fähigkeit ihrer Institutionen und Organe, ▶

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Brücken verbinden

Europa fängt in Die EU ist das weltweit größte Friedens-, Freiheits- und Wohlstandsprojekt seit dem Zweiten Weltkrieg in Europa. Außerdem bietet die EU den jungen Menschen (in der EU gibt es rund 100 Millionen junge Menschen im Alter zwischen 15 und 29 Jahren) große Chancen und Möglichkeiten, z.B. Studien- und Reisemöglichkeiten. Die EU hat aber auch ihre Schwächen, deswegen ist es wichtig, dieses Projekt gemeinsam weiter zu entwickeln. Über das Brückenbauen in Europa. Von Bahri TROJER Die Brücken aus bestimmten Stilepochen auf den Euro-Banknoten stehen symbolisch für die kulturelle Gemeinsamkeit der Völker Europas ▶ die Probleme zu lösen, ist stark gesunken. Der noch zu verhandelnde Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU (Brexit) ist ein wichtiges Indiz für tiefes Unbehagen vieler Bürgerinnen und Bürger. Dabei haben die europäische Integration und der Euro erhebliche Vorteile für Österreichs Bevölkerung und Wirtschaft. Viele diese Vorteile sind uns gar nicht mehr bewusst.

Brücken – Symbole für die kulturelle Gemeinsamkeit Österreich hat zum Euro eine ganz besondere Verbindung. Mit Robert Kalina, der als Gewinner für das erste EuroBanknoten-Design hervorging, gelang es der Österreichischen Nationalbank eine EURO-Banknotenserie zu entwerfen, die die Gemeinsamkeiten Europas darstellt. Bewusst verzichtete Herr Kalina bei der Gestaltung der Euro-Banknoten auf prominente Köpfe oder berühmte nationale Bau- und Kunstwerke. Die Rückseite unserer Euro-Geldscheine zeigt jeweils eine Brücke aus einer bestimmten Stilepoche. Die Brückensymbole stehen sinngemäß für Redewendungen, wie „Brücken schlagen“ und stellen Symbole für die kulturelle Gemeinsamkeit der Völker

Europas dar. Die Brücke soll Menschen untereinander, Länder, Völker und Kulturen verbinden, Gegensätze versöhnen und zusammenwachsen lassen. Da der Euro unser monetäres Bindeglied ist, ist es wichtig, die gemeinsame Währung nachhaltig stabil zu halten, um Frieden, Wohlstand und Sicherheit für die Menschen in Europa weiterhin zu sichern. Wir sollten auch nicht vergessen, dass der Euro in der Krise des Jahres 2008 ein wirksamer Schutzschild gewesen ist. Kein europäisches Land für sich allein wäre in der Lage gewesen, die Finanzspekulationen gegen die eigene Währung zu bestehen. Wir müssen in Europa eine neue Balance finden. Für das Geldwesen bedeutet das nichts anderes, als dass wir den Rahmen dafür verbessern müssen, wie alle Europäer mit einer gemeinsamen Währung leben können. Die wirtschaftlichen Ungleichgewichte zwischen dem Norden und dem Süden sind derzeit teilweise noch sehr groß und mancherorts wird der Euro als Ursache für die Probleme eines Landes angesehen. Das ist die Sicht von Populisten und die Aussicht auf Besserung ist meist nur kurzfristig. Der Euro ist eine Erfolgsgeschichte, das kann nicht oft genug betont werden. ■

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Das Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres und die Vertretung der Europäischen Kommission in Österreich haben im Jahr 2010 die Initiative „Europa fängt in der Gemeinde an“ ins Leben gerufen. Ihr Ziel ist es, in möglichst vielen österreichischen Städten und Gemeinden Bürgermeister und Gemeindevertreter als sogenannte EuropaGemeinderäte zu gewinnen. Diese lokalen Europa-Beauftragten stehen in regelmäßigem Kontakt mit dem Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres und erhalten Informationen über die aktuellen Entwicklungen in Europa. Die Europa-Gemeinderäte (derzeit gibt es österreichweit rund 900 Gemeinderäte) verfügen über Wissen, Erfahrung und Kontakte, die als „EuropaBeauftragte“ – ähnlich wie Gemeindereferenten für Umwelt- oder Jugendfragen – als Ansprechpartner und Drehscheiben für EU-Themen in den Gemeinden fungieren sollen. So wird Europa für österreichische Bürger greifbarer, Sorgen können kompetent besprochen und Fragen beantwortet werden. Das Ziel ist es, dass es in allen österreichischen Gemeinden einen EU- Gemeinderat gibt.

Für ein gemeinsames Europa Das erste Mal habe ich die EU-Institutionen über das Projekt „Zusammen: Österreich“ als Integrationsbotschafter be-

n der Gemeinde an sucht. Mich hat die geniale Idee vom französischen Außenminister Robert Schuman für die Schaffung einer Europäischen Gemeinschaft fasziniert. Das Projekt „Europa“ wurde als Friedensprojekt nach dem 2. Weltkrieg gegründet, und es ging damals in erster Linie darum, durch wirtschaftliche Kooperation Frieden und Stabilität zu schaffen und künftigen Kriegen vorzubeugen. Am Anfang war die EU mehr oder weniger ein regionales Projekt und jetzt nach über 60 Jahren ist sie aber zu einem globalen Akteur geworden. Für die Gemeinderäte ist es eine ehrenamtliche Zusatztätigkeit und gleichzeitig eine Bereicherung. Als EU-Gemeinderat ist man immer wieder bei den Veranstaltungen vom BMEIA „Europa fängt in der Gemeinde an“ dabei. Es geht auch um den Erfahrungsaustausch. Und wir in Österreich sind europaweit die ersten mit so einer Initiative und ich bin sehr stolz darauf, diese Aufgabe zu haben, ein Ansprechpartner für Themen der EU zu sein.

Herausforderungen für die EU

Fotos: Trojer: Österreichischer Integrationsfonds | Stephanie Hofschlaeger/pixelio.de

Es gibt viele Herausforderungen für die EU wie: EU-interne Konflikte und Spannungen, Aufschwung populistischer Parteien, Flucht/Migration/Integration, Zu-

sammenleben in der multikulturellen Gesellschaft, demographische Entwicklung und Auswirkungen auf unsere Gesellschaft, Kampf gegen internationalen Terrorismus, Sicherheitspolitik, Umgang mit militantem Islamismus, Verhältnis zu Russland und zur Ukraine, Überwindung der Wirtschaftskrise, Stabilisierung Eurozone, Arbeitslosigkeit, nachhaltige Energieversorgung etc. und die Frage ist: Können die Nationalstaaten diese Probleme alleine lösen? Ich denke nicht. Aber wir müssen offen sagen, dass die EU nur so stark sein kann, wie die Mitgliedstaaten sie stark sein lassen. Das EU-Projekt kann nur funktionieren, wenn nicht nur EU-Institutionen und Beamte in Brüssel die europäische Idee weiter betreiben und verteidigen, sondern wenn auch die Bürger in jeder Gemeinde oder Region, hinter dem Projekt stehen und sich damit identifizieren. Genau das tun die EU-Gemeinderäte.

Werte der Europäischen Union Als ÖIF (Österreichischer Integrationsfonds) Integrationskoordinator bin ich landesweit in den Gemeinden, Schulen, Institutionen und Organisationen unterwegs, ich habe sehr viele Kontakte mit Menschen aus verschiedenen Commu-

Bahri Trojer ist EU-Gemeinderat, Integrationskoordinator (ÖIF) und Integrationsbotschafter nitys und natürlich versuche ich bei jeder Gelegenheit, die EU und ihre Werte den Bürgern näher zu bringen: Achtung der Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit von Frauen und Männern, Rechtsstaatlichkeit, Solidarität und die Wahrung der Menschenrechte einschließlich der Rechte der Personen, die Minderheiten angehören. Überhaupt jetzt ist es wichtig, diese Werte auch an alle Zuwanderer, die in den letzten Jahren nach Europa gekommen sind, zu vermitteln. Der ÖIF bietet z.B. seit Jänner 2016 Wertekurse für Flüchtlinge und Asylberechtigte in Österreich an, die sehr gut angenommen werden. Es gibt viele EU-Skeptiker und es ist nicht immer leicht, diese zu überzeugen, aber die EU-Gemeinderäte leisten auch hier eine hervorragende Aufklärungsarbeit über die Ziele der Europäischen Union, nämlich den Frieden, ihre Werte und das Wohlergehen ihrer Völker zu fördern. Ich finde es schön, dass sehr viele Gruppen aus Österreich nach Brüssel fahren und die EU- Institutionen und Abgeordneten im Europäischen Parlament besuchen. Meine Erfahrung ist, dass alle Besucher die dort waren, begeistert heimfahren, auch die EU-Skeptiker. Ich denke, dass es sehr wichtig wäre, dass Lehrer mehr EU-Projekte in den Schulen machen und auch Klassenfahrten nach Brüssel organisieren, auch ein eigener Lehrer/Beauftragte für Europa-Fragen an jeder Schule wäre toll. Wenn viele zwischenmenschliche Brücken und Beziehungen entstehen, kann Europa immer mehr zusammenwachsen. ■

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Brücken verbinden

Gregor Henckel Donnersmarck OCist ist em. Abt des Zisterzienserstifts Heiligenkreuz

Papst Franziskus – Pontifex Maximus „Die Kirche wird ihre Glieder – Priester, Ordensleute und Laien – in die Kunst der Begleitung einführen müssen, damit alle stets lernen, vor dem heiligen Boden des anderen sich die Sandalen von den Füßen zu streifen.“ (Vgl. Ex 3,5) Mit diesen Worten hat mich unser Pontifex Maximus Papst Franziskus in seinem apostolischen Schreiben „ Evangelii gaudium“ zutiefst angesprochen. Der Papst geht dabei von der alles verändernden Begegnung des Mose mit dem Herrn im brennenden Dornbusch aus, und überträgt die von Mose geforderte Ehrfurcht vor Gott auf die Ehrfurcht, die jeder einzelne von uns auch heute dem Ebenbild Gottes im Nächsten entgegen zu bringen hat. Diese achtsame und respektvolle Einstellung dem Mitmenschen gegenüber errichtet eine tragfähige Brücke zum Kontakt und zum Gespräch. Der „Pontifex Maximus“ will also auch, dass jeder von uns „Pontifex“ (Brückenbauer) ist und so die biblische Botschaft im hier und jetzt realisiert. Dieselbe Tendenz sehe ich im nachsynodalen Schreiben „Amoris laetitia“, in welchem Papst Franziskus von der Realität der heutigen Zeit ausgeht, um so möglichst viele Menschen doch wieder in Beziehung zu Christus und seiner Kirche zu bringen. Er gibt keines der wertvollen Prinzipien der kirchlichen Botschaft auf, will aber nicht, dass diese Lehre wie schwere Felsbrocken auf die Schultern der Menschen gelegt werde. Er stellt Richtungspfeile auf, die – manchmal vielleicht auch über Brücken 22

– auf das Ideal hinweisen, verkennt aber nicht, dass es eben oft passiert, dass trotzallem viele das ideale Ziel nicht erreichen, sondern in ihrer menschlichen Beschränktheit stolpern, hinfallen, sich verirren, zu langsam gehen … und trotzdem will Papst Franziskus, dass auch diese Menschen wissen und spüren, dass Gott sie liebt und dass daher auch die Kirche mehr mit Liebe und Barmherzigkeit anstatt mit Sanktionen vorgeht. Den Papst als Brückenbauer habe ich auch in seiner historischen Begegnung mit dem Patriarchen Kyrill von Moskau in Havanna auf Kuba erlebt, obwohl ich natürlich auf Havanna ein wenig eifersüchtig bin, weil die Begegnung zwischen dem Papst und dem Patriarchen von Moskau ja eigentlich 1997 in Heiligenkreuz hätte stattfinden sollen! Als Ehrenkaplan im Souveränen Malteserritterorden bin ich auch unheimlich froh und dankbar, dass es dem Papst und seinem Kardinal-Staatssekretär Parolin gelungen ist, einen Versuch zum „Brückenabriss“ von Seiten bestimmter Kräfte schnell und energisch zu verhindern. So wird Papst Franziskus in großartiger Weise seinem Ehrentitel als „größter Brückenbauer“ gerecht! Margit Kraker ist Präsidentin des Österr. Rechnungshofes und Generalsekretärin der Internat. Organisation der Obersten Rechnungskontrollbehörden

Anne Marie Wicher – eine Brückenbauerin in der Behindertenpolitik Gerne folge ich der Einladung des Dompfarrers, für das Pfarrblatt von St. Stephan ein paar Zeilen über einen Brückenbauer zu schreiben. Natürlich denke auch ich zuallererst an die „großen“ Brückenbauer wie die Päpste von Johannes

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XXIII. bis Franziskus oder den Wiener Kardinal Franz König. Ich möchte aber bewusst eine Frau vorstellen, die ich als große Brückenbauerin in Erinnerung habe – Anne Marie Wicher (1934–2014). Die Grazerin war nach einer Viruserkrankung ab ihrem 35. Lebensjahr querschnittsgelähmt. Vor diesem Schicksalsschlag war sie steirische Basketball-Meisterin. Nach ihrer Erkrankung gab sie nicht auf, sondern fand im Rollstuhl-Tischtennis „ihre“ Disziplin und wurde sogar zweimal Siegerin bei Paraolympischen Spielen. Seit den 1970erJahren engagierte sie sich in Behindertenorganisationen. Ich lernte Anne Marie Wicher 1996 im Landtag Steiermark kennen, dem sie als unabhängige Kandidatin bis 2009 angehörte. In dieser Zeit war sie maßgeblich an Gesetzesvorhaben auf Landes- und auf Bundesebene beteiligt, die zu jener Behinderten-Gleichstellung führten, wie wir sie heute kennen. Es ist ihr gelungen, – im wahrsten Sinn des Wortes – Barrieren abzubauen und Brücken aufzubauen. Dies war nur möglich, weil sie als Vermittlerin zwischen der Welt der Behinderten und der Welt der Nicht-Behinderten mit viel Engagement und Geduld ihre Projekte verfolgt hat. Ich habe Anne Marie Wicher als eine außergewöhnliche Frau wahrgenommen, die sich trotz ihrer schwierigen Lebenssituation nicht zurückzog, sondern gesellschaftlich und kulturell engagierte. Von ihrer Menschlichkeit und Fröhlichkeit bin ich bis heute beeindruckt.

Danke!.. Bei der heurigen Dreikönigsaktion konnten in unserer Pfarre € 11.812,81 gesammelt werden. Wir danken allen Spendern, den Sternsingern der Jungschar, den Domministranten und den EU-Integrationsbotschaftern sowie den Begleitpersonen. Ein besonderer Dank gilt Carlotta Kelber und Marie-Therese Störck für die Gesamtorganisation.

Fotos: Henckel Donnersmarck: Stift Heiligenkreuz | Kraker: Rechnungshof/Achim Bieniek

Wir fragen Prominente: »Wer sind für Sie

Menschen, die Brücken bauen?« Elisabeth Stadler ist Generaldirektorin der Vienna Insurance Group

europäischer Orientierungslosigkeit, nicht aktueller sein. Ihr Titel: „Europa braucht ein neues geistiges Antlitz“. Wegen seiner Menschlichkeit und Weisheit, aber auch aufgrund seiner Ausstrahlung stand Franz Kardinal König auch international in hohem Ansehen. Seine Worte wurden gehört, verstanden und respektiert. Er ist für viele Menschen so wie für mich bis heute ein Vorbild geblieben.

Fotos: Stadler: Sebastian Reich | Petritsch: Christian Husar

Franz Kardinal König – Inbild eines Brückenbauers Für mich ist der im Jahr 2004 im hohen Alter von 98 Jahren verstorbene Franz Kardinal König das Inbild eines Brückenbauers. Es freut mich, dass der ehemalige Erzbischof von Wien ebenso aus Niederösterreich stammt wie ich. Während meine Heimat Langenlois ist, war Kardinal König ein Kind der kleinen Ortschaft Rabenstein an der Pielach. Unersättliche Neugier und ein unstillbarer Wissensdurst waren für den Werdegang Kardinal Königs seit den Anfängen kennzeichnend. Er trachtete nicht nur nach einem tieferen Verständnis der menschlichen Existenz, weshalb er sich für das Studium der Philosophie entschied, sondern war auch zeitlebens vom Verlangen getrieben, sich andere Kulturen und Religionen eingehend zu erschließen. Kardinal König leistete als hoher geistlicher Würdenträger auch einen wichtigen Beitrag, um die katholische an die evangelische Kirche heranzuführen. Nach einem einschneidenden Erlebnis in seinem Leben, einem schweren Verkehrsunfall Anfang der 1960er Jahre, verwandte er auch viel Zeit und Energie darauf, eine Brücke zu den Ostkirchen zu schlagen. Schließlich war er in Österreich auch maßgeblich daran beteiligt, eine Aussöhnung zwischen der Kirche und der Sozialdemokratie herbeizuführen. Neben seinen unzweifelhaften Qualitäten als Brückenbauer erwies er sich aber auch als wacher und hellsichtiger Beobachter des politischen Geschehens in Europa. Seine Eröffnungsrede bei den Salzburger Festspielen 1998 könnte heute, in Zeiten

Wolfgang Petritsch ist Präsident der Österreichischen Marshallplan Stiftung

Jakob Finci – der Brückenbauer im geteilten Bosnien An Bosnien zu denken heißt immer noch an Krieg und Verwüstung erinnert zu werden. Die Tragödie des Bruderkrieges vor nunmehr einem Vierteljahrhundert hat in vielen Köpfen und Herzen immer noch kein Ende gefunden. Die Wunden, niemals behandelt, schwären weiter und verhindern die Versöhnung der seit Jahrhunderten zusammenlebenden Menschen der abrahamischen Religionen der Katholiken, Orthodoxen und Muslime in Bosnien. Dies ist die eine – traurige – Seite des Zerfalls Jugoslawiens. Es hat jedoch stets und überall Menschen gegeben, die trotz Hass und Vernichtung den Sinn für Gerechtigkeit und Versöhnung nicht verloren haben. Bei meinen zahllosen Treffen mit den Überlebenden des Krieges war ich stets aufs Neue tief bewegt von den sogenannten einfachen Menschen – gleich welcher Ethnie und Religion – die trotz erfahrenen Leides das Leid der anderen nicht vergessen haben. Kein Krieg kann – dies die tröstliche Erkenntnis – die menschliche Empathie

für den anderen auslöschen. Eine Persönlichkeit ragt dabei besonders heraus – seine vorbildliche Funktion als Brückenbauer in düsteren Zeiten werde ich niemals vergessen. Es handelt sich um Jakob Finci, den Vorsitzenden der kleinen jüdischen Gemeinde in Sarajevo, der mit seiner humanitären Organisation Benevolencija während der fast vierjährigen Belagerung der Hauptstadt, und auch seither, allen Bedürftigen gleichermaßen geholfen hat; ohne Ansehen der Herkunft, Religion oder ethnischen Zugehörigkeit. Jakob Finci habe ich seit meiner Tätigkeit in den unmittelbaren Nachkriegsjahren ungemein schätzen gelernt. Ja ich darf sagen, dass ich ihn als wirklichen Freund betrachte. Als Nachfahre der aus Spanien vertriebenen sephardischen Juden, denen das Osmanische Reich nach 1492 Asyl und Schutz gewährt hatte, wird Jakob Finci, der Bürger Bosnien und Herzegowinas, von allen drei Volksgruppen – und weit darüber hinaus – gleichermaßen respektiert. Ohne ihn wäre mir vieles nicht möglich gewesen. Immer wieder habe ich auf Jakob Finci zurückgegriffen, wenn es galt, besonders schwierige Fragen der Rückführung der zwei Millionen Flüchtlinge und Vertriebenen zu lösen. Ihn konnte ich mit wichtigen staatspolitischen Aufgaben betrauen, wenn sich die nationalistischen Politiker misstrauisch gegenüberstanden. Mit seiner sanften Art hat Jakob Finci den Panzer der Feindschaft durchbrochen und den Menschen damit Mut zum Weiterleben gemacht. Heute, da in anderen Weltgegenden Mord und Vertreibung vorherrschen und wir im saturierten Europa in egoistischem Kleinmut verharren, ist es wichtig an Brückenbauer wie Jakob Finci zu erinnern. Mit ihnen lebt die Hoffnung auf eine gerechtere Welt. Wolfgang Petritsch war Botschafter bei der UNO und der OECD sowie Hoher Repräsentant in Bosnien und EU Chefver▶ handler für Kosovo.

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Brücken verbinden

Menschen mit Zivilcourage, die auf andere zugehen



Nachdem ich in Österreich geboren wurde, dann aber meine gesamte Schulzeit in Ungarn verbracht habe, ehe mich das Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien wieder hierher zurückführte, bin ich gewissermaßen auf beiden Seiten der Staatsgrenze aufgewachsen. Und ich habe Menschen, die zwischen Österreich und Ungarn Brücken gebaut haben, immer sehr geschätzt, weil sie etwas verbunden haben, was in meinem Kopf und Herzen immer zusammengehört hat. Allen voran natürlich mein Vater in seiner Funktion als Leiter des Kulturinstituts an der österreichischen Botschaft in Budapest. Die Ungarn waren auch die ersten, die Ende der achtziger Jahre erkannt haben, dass es an der Zeit ist, die Grenzen zu öffnen und statt Mauern Brücken zu bauen. Mit viel Mut und Engagement hat Ungarn als kleines Land einen bedeutenden Betrag zum Fall des Eisernen Vorhangs 1989 geleistet. Und es erhielt dabei auch tatkräftige Unterstützung von österreichischer Seite. Zu diesen Brückenbauern zählten damals natürlich Politiker, aber eben nicht nur. Und auch heute noch sind es für mich vor allem jene Menschen, die Zivilcourage zeigen, Barrieren überbrücken und auf andere zugehen. Menschen, die für Werte einstehen, gerade in Zeiten wie diesen, wo das soziale Klima rauer geworden ist und viele auf den Erhalt der sozialen Kluft im eigenen Interesse setzen, statt diese mit Brücken zu überwinden. So, wie die Ungarn damals die physischen Barrieren zerstört haben, sehe ich es heute als unser aller Aufgabe, Barrieren in unseren Köpfen niederzureißen, vorurteilsfrei für einander da zu sein und „Brücken der Menschlichkeit“ zu bauen.■

In den Schuhen des Orients Oft ist die Kommunikation zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturkreise nicht so einfach und von vielen Vorurteilen begleitet. Die Initiative CEURABICS versucht, durch Vorträge und Workshops Wissen zu vermitteln und Brücken zu bauen. Von Sanna PLIESCHNEGGER „Muslimische Frauen wollen Männern nicht die Handgeben“ – „Die Scharia ist ein unveränderliches Gesetzbuch“ – „Alle arabischen Länder haben das islamische Recht implementiert“. Haben Sie solche und weitere Aussagen auch

schon einmal gehört? Wir sind tagtäglich mit solchen Stereotypen und Falschaussagen konfrontiert und haben daraufhin beschlossen, dies nicht mehr so hinzunehmen. Die Initiative CEURABICS wurde ins Leben gerufen. Der gemeinnützige Verein CEURABICS (das Center for European-Arab und Islamic-Christian Studies), engagiert sich für interreligiösen und interkulturellen Dialog, mit Schwerpunkt auf dem arabischen Raum. Unser Verein organisiert einerseits Projekte, die den persönlichen Kontakt und Dialog zwischen Menschen aus dem arabischen Raum und Österreich fördern. Auf der anderen Seite vermitteln wir, in Form von Vorträgen und Workshops, Wissen über die arabischen Traditionen und Religionen und bauen so Brücken zwischen den Kulturen. Politische und gesellschaftliche Entwicklungen haben den arabischen Raum zu einem hochaktuellen Thema in Politik,

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Medien, verschiedenen Institutionen (wie Krankenhäuser, Schulen…) und weiteren Bereichen der Gesellschaft werden lassen. Vor allem die Migration von Arabern und Araberinnen seit Sommer 2015 stellt Menschen in Österreich, die vor allem in sozialen Bereichen beruflich tätig sind, vor neue Herausforderungen. Fragen über die kulturellen Hintergründe, Traditionen, Religionen, Kommunikationsstile der Menschen aus dem arabischen Raum wurden bisher in diesen Sektoren wenig bis gar nicht thematisiert. Die polarisierte und einseitige Berichterstattung über den Nahen Osten schürte des Weiteren Angst und teilweise Ablehnung gegenüber Menschen arabischer Herkunft. Die Vielfältigkeit und Inhomogenität des arabischen Raumes wird oftmals ausgeklammert und versucht, die Menschen allein auf ihre Religion zu reduzieren und ihre Andersartigkeit aufzuzeigen. Die Mitglieder von CEURABICS erkennen die Notwendigkeit einer Versachlichung der aufgeheizten Debatte und erarbeiteten den Workshop „In den Schuhen des Orients“. Im Zuge des Workshops vermitteln wir Einblicke in Geografie, Religion, ethnische Verhältnisse wie auch in grundsätzliche Wertediskussionen und Umgangsformen des Alltags. Im Zentrum stehen aber auch das Hinterfragen der eigenen Werte, der Austausch von Erlebtem und Raum für Diskussionen um eigene Muster und stereotype Vorstellungen zu hinterfragen. Das Ziel unserer Vereinsarbeit ist es daher nicht nur Brücken zwischen den österreichischen und arabischen Kulturen und Subkulturen zu bauen, sondern vor allem auch schon bestehende Brücken bzw. Gemeinsamkeiten, aufzuzeigen. ■ Sanna Plieschnegger ist Religionswissenschaftlerin und arbeitet in der Geschäftsführung des Vereins CEURABICS Infos & Kontakt: www.ceurabics.com

Foto: Glatz-Kremsner: Casinos Austria | CEURABICS

Bettina GlatzKremsner ist Vorstandsdirektorin der Casinos Austria und der Österreichischen Lotterien

Wer eine Brücke bauen will… Im vorliegenden Pfarrblatt berichten wir viel über „symbolische Brücken“. Aber welche Arten von Brücken gibt es, die von Menschenhand aus Stein oder anderen Materialien gemacht sind? Wir haben bei der Landesinnung Bau Wien nachgefragt, Innungsmeister Rainer PAWLICK und Peter AUSSERLECHNER geben uns einen kleinen Einblick in den Brückenbau. Menschen überwinden Hindernisse der Natur schon seit tausenden von Jahren. Schon im alten Babylon soll es eine Holzbrücke über den Euphrat gegeben haben. Wirkliche Meister des Brückenbaus waren jedoch die Römer. Man denke an die vielen Aquädukte und Viadukte, die noch heute teilweise erhalten sind. Von den acht im antiken Rom gebauten Steinbrücken existieren heute noch sechs. Die älteste Brücke Österreichs (aus dem 2. oder 3. Jahrhundert nach Christus) im Gemeindegebiet Frohnleiten in der Steiermark stammt ebenfalls von den Römern und steht seit 1967 unter Denkmalschutz.

Foto: Fotolia Straka0019

Brückentechnik Die meisten Brückenkonstruktionen beruhen auf einem Überbau, auch Tragwerk genannt, das den waagrechten Teil der Brücke, also Fahrbahn oder Gehweg darstellt. Gestützt wird dieser Teil von den darunter befindlichem Hauptträger. Tiefbau-Fachmann Peter Außerlechner erklärt: „Der Unterbau setzt sich aus Widerlager, Pfeiler und dem Fundament zusammen, der die Lasten auf den Baugrund abträgt.“ Brückenpfeiler werden aus Mauerwerk, Stahl- oder Spannbeton oder Stahl hergestellt. Eine Herausforderung des Brückenbaus sind tiefe und oft auch reißende Wasser, deren tragfähiger Grund erst in tiefen Bodenschichten erreicht wird. Hier müssen Pfahlgründungen oder Caissongründungen durchgeführt werden. Bei der Caissongründung wird ein versenkbarer, unten offener Kasten aus Stahl oder Stahlbeton mit Druckluft wasserfrei gehalten. In ihm wird der Boden ausgehoben und der Caisson dadurch immer tiefer bis zum tragfähigen Grund getrieben. „Die Aufgabe von Roll- und Kippelementen ist es, die Auflage des Tragwerks auf dem Widerlager bei Belastungen, Bewegungen und Temperaturschwankungen

zu gewährleisten“, erläutert Herr Außerlechner.

Brückenarten Einen kurzen Überblick über die Brückenarten von Innungsmeister der Landesinnnung Bau Wien, Herrn DI Dr. Rainer Pawlick: „Die einfachste Brückenkonstruktion ist die Balkenbrücke, die eine klare Trennung von Brückenträger und den Stützen durch ein Lager aufweist. Durch die Lastverteilung mittels der Lager vom Überbau auf den Unterbau verleihen sie dem Brückenträger die erforderliche Bewegungsmöglichkeit.“ Im Unterschied zur Balkenbrücke ist bei der Rahmenbrücke der Unterbau fest mit dem Überbau verbunden. Diese Art wird oft bei Autobahnübergängen genutzt, da ein tragender Mittelpfeiler nicht erforderlich ist. Die Bogenbrücke, die meistens aus massiven Baustoffen wie Stein oder Beton errichtet wird, ist auf Grund der hohen Druckfestigkeit sehr stabil. Zur Überwindung tiefer Täler werden Stahlbögen eingesetzt, die Stützweiten bis zu 500 Meter zulassen. Hängebrücken kommen bei Stützweiten von über 800 Metern zum Einsatz, neigen jedoch zu starker Verformung und eignen sich daher nicht für Eisenbahnbrücken. Zudem sind sie auch sehr Wind anfällig und können durch starke Böen Schwankungen erreichen, die die Brücke einstürzen lassen. Statikmäßig ist die Hängebrücke ähnlich einer Bogenbrücke. Die für Stabilität sorgenden Seile verlaufen von den Mittelpfeilern (Pylonen) zur Fahrbahn. Bei der Schrägseilbrücke werden die senkrechten Kräfte der Brücke über die Seile in den Mittelpfeiler geleitet, von wo aus sie als Druckkräfte in den Untergrund eingebracht werden, wodurch die Brücke besondere Stabilität und Steifig-

Symbol der Hoffnung: die wiedererrichtete Brücke von Mostar in Herzegowina

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Brücken verbinden

▶ keit erlangt und als Eisenbahnbrücke gut geeignet ist. Zu erwähnen sind die beweglichen Brücken, die eine Durchfahrt von Schiffen ermöglichen und deren Bau günstiger ist als eine Brücke mit entsprechender Durchfahrtshöhe. Waren es im Mittelalter Zugbrücken, werden heute Klappbrücken eingesetzt. Die berühmteste, mit einer Länge von 244 Metern, ist die Tower Bridge in London, deren Baskülen (die klappbaren Bauteile) bis zu 83 Grad nach oben geklappt werden können. Zum Schluss darf ich noch kurz auf Schwimm- oder Pontonbrücken eingehen, die meist als Hilfsbrücken eingesetzt werden. Die eng beieinander liegenden Schwimmkörper sind wiederum mit kleinen Brücken verbunden. Die Einsetzbarkeit dieses Brückentyps ist stark vom Wasserstand und -strömung abhängig. Dass so eine Brücke auch als dauerhafte Lösung verwendet werden kann, zeigt die 1.614 Meter lange „Nordhordlandsbrua“ über den Salhusfjord bei Bergen in Norwegen.“ Brücken sind nicht nur Verbindungen von Orten, sondern auch von Völkern und Kulturen, wie die Bosporusbrücke in Istanbul, die Europa mit Asien verbindet. Als Symbol der Hoffnung gilt die nach dem Balkankrieg zerstörte und mit Internationalen Geldern wieder aufgebaute Brücke von Mostar, die als Zeichen der Gemeinsamkeit von Christen und Moslems steht. ■

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Die Brücken in ihre Geschichte und ihre symb Bedeutung Von Rudolf SCHICKER Kaum ein Bauwerk hat stärkeren Symbolcharakter als die Brücke. Sie ist nicht nur in Redewendungen verankert, sondern ruft auch unterschiedliche Assoziationen hervor. Man kann die Zeit „überbrücken“, „goldene Brücken bauen“, um jemandem die Anpassung seiner Vorgangsweise zu erleichtern, um Gräben zu überwinden, werden “Brücken geschlagen“ – im symbolischen wie im Sinne der Wörter. Schließlich leitet sich auch der Titel des Papstes als „Pontifex“ – oberster Brückenbauer – von Brücken her und Euro-Banknoten werden von Brücken geziert. Seit Jahrtausenden sind Brücken Orte der Verbindung und der Begegnung. In friedlichen Zeiten sind Brücken und deren Brückenköpfe Orte für Ansiedlungen, Märkte, Prosperität und verbinden die beiden Seiten von Flüssen, Gräben, ja sogar Kontinenten. Anders ist das in kriegerischen Zeiten; Brücken werden zu besonders gefährdeten Zielen, weil sie eben gerade für Heere besonders wichtige Infrastruktur sind.

Wiener Brücken Auch für unsere Stadt trifft beides zu. Donaukanal, früher der Hauptstrom der Donau, und der Wienfluss waren schon früh in unserer Stadtgeschichte mit Brücken überwunden worden, damit die Stadt die Wirtschaftsbeziehungen Richtung Osten und Norden ausbauen konnte. Gerade kriegerische Ereignisse haben den Bestand an Brücken in Wien hart getroffen. Sämtliche Brücken über den Donaukanal und fast alle Brücken über die Donau wurden zerstört oder schwer be-

Wien – olische

Foto: Schicker: christian.fürthner_SPW | Diana Dworzack

schädigt. Lediglich die Reichsbrücke – von den Befreiern Wiens, der Sowjetarmee, in Brücke der Roten Armee umbenannt – konnte vor den Sprengkommandos der flüchtenden Deutschen Armee und SS gerettet werden. Brücken in Wien sind deshalb zum überwiegenden Teil nach dem Zweiten Weltkrieg neu errichtet worden – auch die Reichsbrücke nach ihrem Einsturz im Jahr 1976. Aber der Reihe nach: Donaukanal und Wienfluss und die Wienerwaldbäche erhielten spätestens im Mittelalter Brücken. Das rasante Wachstum der Stadt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte zunächst durch die Überbauung des Wienflusses und den Bau der Eisenbahnen, der Vorortelinie und der Stadtbahn viele neue Brücken für unsere Stadt erbracht. Die berühmten Otto Wagner-Brücken der Stadtbahn und über den Wienfluss prägen unser Stadtbild und stehen völlig berechtigt unter Denkmalschutz. Trotzdem hat erst das Wirtschaftswachstum nach dem Zweiten Weltkrieg dem Brückenbau den stärksten Impuls gegeben, Straßenbahnund U-Bahn-, Autobahn-, Eisenbahnbrücken und in den letzten Jahrzehnten auch Fußgänger- und Radfahrerbrücken

Rudolf Schicker ist Koordinator für den Bereich „Capacity Building and Cooperation“ im Rahmen der Europäischen Strategie für den Donauraum

haben den Bestand stark ausgeweitet, 2010 waren in Wien mehr als 1.700 Brücken in Betrieb. Und der Ausbau der UBahn sowie die Verbesserung der Fußgänger- und Radfahrverbindungen lässt die Zahl der Brücken weiter wachsen.

Die Brücken im Ersten Bezirk Einer der ältesten Standorte ist die Hohe Brücke. Schon im 13. Jh ist eine Brücke über den Tiefen Graben, damals Flussbett des Alsbaches und früher des Ottakringer Baches, urkundlich erwähnt. Heute ist die Hohe Brücke ein Schmuckstück des Wiener Jugendstils, geplant von Josef Hackhofer und 1903/4 errichtet. Bei der Generalsanierung 1979/81 wurde die Vergoldung der Jugendstilornamente wieder hergestellt. Der Wienfluss verläuft zwar ein langes Stück unterirdisch, tritt beim Stadtpark aber wieder an die Oberfläche, eingefasst von der wunderschönen Ohmannschen Wienflussverbauung. Danach queren noch 7 Brücken den Fluss und vernetzen den Ersten Bezirk mit der Landstraße. Vier Brücken führen vom Ersten Bezirk über den Donaukanal in die Leopoldstadt: die Salztorbrücke, die Marienbrücke, die Schwedenbrücke und die Aspernbrücke. Während Salztor- und Schwedenbrücke bereits im Mittelalter Flussübergänge waren, ist die Aspernbrücke ein Produkt des Ringstraßenbaus. Alle 4 Brücken über den Donaukanal wurden im Zuge des Wiederaufbau Wiens als Zweckbauten ohne schmückendes Beiwerk errichtet. Die nächtliche Beleuchtung aus dem vergangenen Jahrzehnt bleibt das einzig Schmückende. Aus katholischer Sicht kommt der Marienbrücke hohe Bedeutung zu: Sie ist zwar erst 1905 über den Fluss gespannt worden, die Mitte der Brücke zierte eine Marienstatue, 1909 von Weihbischof Marschall geweiht. 1951 bis 53 wurde die heutige Brücke als erste Stahlbetonbrücke in Wien errichtet. Anlässlich des Katholikentages 1983 wurde die Marienstatue wieder an ihren ursprünglichen Platz gebracht und 1988 auch von Papst Johannes Paul II gemein-

sam mit Bürgermeister Dr. Zilk besucht. Wiener Brücken sind so betrachtet nicht nur Verbindungen zwischen den Ufern, sondern vielfach auch architektonische und bautechnische Besonderheiten, einige von ihnen haben auch stark religiösen Bezug. ■ Rudolf Schicker war zwischen 4/2001 und 11/2010 als amtsführender Stadtrat für Stadtentwicklung und Verkehr auch für die Wiener Brücken zuständig.

Blick über den Wienfluss Richtung Stephansdom

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Ostern 2017 27

500 Jahre Reformation

Martin Luther 2017 ist für Lutheraner, Reformierte und Methodisten ein besonderes Jahr. Gemeinsam feiern sie das 500-Jahr-Jubiläum der Reformation, das zurückdatiert wird auf den Anschlag der 95 Thesen von Martin Luther 1517. Aus diesem Anlass haben wir die Pfarrerin der Lutherischen Stadtkirche Wien Ines KNOLL gebeten, über ihren persönlichen Zugang zu Martin Luther zu schreiben. Einige Gedanken – aus evangelischer Sicht – über diesen faszinierenden und zugleich streitbaren Mann

mit gott zu reden ist beschwerlich er spricht so leise schweigt so gern zu reden über ihn gefährlich so viele bilder nicht erklärlich doch ohne ihn wird reden schal weil zungen wie von feuer fehlen die unser reden erst beseelen beim lauschen staunen und erzählen wo menschen das gemeinsam wagen erleben sie dialogie sogar der theologe verzichtet gern auf monologe stellt nur fragen und hört die andern andre fragen fragen so hat ein jeder jedem was zu sagen die beste antwort auf das fragen ist und bleibt das fragen… arnold mettnitzer

Warum Martin Luther? Es ist, dass er an alle Grenzen geht mit seinem ganzen Leben. Es ist, dass er an der Schraube des Glaubens so gedreht hat, dass der Glaube in seine Stunde fiel: in die Wahrheit der Liebe Gottes. Es ist, dass er – in Gott geheiligt – sein Werk vollführt, ein Unheiliger in seiner Nich- Ines Charlotte Knoll ist Pfarrerin tigkeit und Schuldverfallenheit, die Zerrissenheit einer Seele und alles Mensch- an der Lutherischen Stadtkirche Wien lichen in sich tragend, aber genau so die Welt bis heute verwandelnd. lohnt. „Luthers Rede von Gott in seiner Eine neue Unverlorenheit Verborgenheit hält die Gottesfrage […] So wie Martin Luther mit seinem ganzen offen. Es könnte ja eben sein“, meint Leben bedeutete – wiewohl so viele Hans Martin Barth, „dass die scheinbare wunderbare Reformbewegte vor und neNichtexistenz Gottes nur eine Weise seiben ihm ihre Sehnsucht nach der Reinner Verborgenheit darstellt“. Luther verheit des gelebten Glaubens ihrer Kirche mute die Verborgenheit Gottes „in alformuliert hatten bis in schrecklichste lem Widerständigen und Unerklärlichen Tode hinein. Doch so wie Martin Luther wie auch in schockierenden Ereignissen mit seinem ganzen Leben bedeutete, des eigenen Lebens und der Weltgedass die Zerrissenheit und die Ängste schichte.“ Das hat sein eigenes Leben und alle Teufel nicht und nie die Verlogetröstet und es kann das Leben so vierenheit des Menschen und der Welt meiler verzweifelter Sucher trösten. Deren nen, sondern ein ganz Anderes, so hatte Suche in die Leere ging und sich im das vor und nach ihm kaum einer oder Nichts zerrann. Ja, auch an diese Grenze eine gesagt. Dafür liebe ich ihn. Zu eigeht sein Glaube, an die Mystik Eckharts nem Heiligen will ich ihn wirklich nicht erinnernd und in die Theologie des 20. stilisieren. Und die ganze lutherische Kirund 21. Jahrhunderts vorausweisend che verwehrt sich, oder sie mahnt sich und in alle Zukunft. selbst dazu, aus Luther keinen Heiligen Wir mit unseren zu machen. Und das dürfen wir auch Taschenaltären sind gemeint nicht. Vor Augen muss man sich halten, dass Gott in seiner Verborgenheit es Luther um die Seelsorge ging. Er Aber in der Erkenntnis dessen, dass alhatte die Not der Menschen seiner Zeit les, „was in Gott gefasst ist“ heilig sein wahrgenommen und sehnte sich mit muss – nämlich auch Sie, verehrte Leser Haut und Haar nach einem Gott, der dieser Glaubenshommage im schönen, ihm gnädig wäre. „Wie bekomme ich seltensten Gedenkjahr – hat Martin Lueinen gnädigen Gott?“ Und wenn er ther den Deus absconditus in besondesagte, „Woran du aber dein Herz rer Weise, in seiner Gegenüberstellung hängst, das ist dein Gott“, dann wissen

28 Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Ostern 2017

Foto: Knoll: privat

fragen (apg 2,3 & joh 16.23)

zum Deus revelatus, dem sich offenbarenden Gott, entdeckt und in der Verborgenheit Gottes einen unglaublichen Trost gefunden, eine neue Unverlorenheit, die Wirkmacht hat und haben kann für einen Menschen, der unter neuen Vorzeichen sucht nach dem, was trägt und hält, und wofür zu wirken es sich

Die Autoren

Foto: Franz Josef Rupprecht/kathbild.at

wir Heutigen, dass wir uns nach dem Geldgott sehnen und dass alles Unglück dieser Zeit sich dieses tragischen Irrtums von Sein und seinem Blütentreiben verdankt. Wir rennen, fahren oder fliegen durch dieses Leben mit unseren Taschenaltären, dem Smart phone und ähnlichen Attributen, und wir wollen sein wie Gott, aber tief im Inneren sehnen wir uns nach Gnade und dass wir Zerrissenen dennoch geliebt sind, dass wir ankommen in der Liebe. Das war unter anderen Vorzeichen zur Zeit der Reformation genau so und es war in biblischen Zeitaltern so und es wird immer so sein, dass wir Menschen uns verfehlen. Aber kein Ablass hilft uns da raus. Es ist allein der Glaube, allein das sich in Gott-hineinFallen-Lassen, oder wie Luther es an sich erfahren hatte: „Ex nihilo omnia“ – „Aus nichts alles“!

Das tiefe heimliche Ja Das nur muss ein Mensch: „das tiefe heimliche Ja unter und über dem Nein mit festen Glauben auf Gottes Wort fassen.“ Dieses Ja findet Luther in der Heiligen Schrift, die uns Gott in Jesus Christus offenbaren will und in den Sakramenten, deren es für Luther nach der Schrift nur zwei gibt, die Taufe und das Abendmahl. Diese Konzentration auf das Wesentliche mahnt mich heute immer wieder inmitten der Zeichen unserer Zeit. Und selbst das Scheitern dieses begnadeten Theologen am jüdischen Volk Gottes und an den Bauern mahnt mich und zeigt mir, dass wir immer in der Gefahr sind, uns zu verlieren. Immer sind wir auch fehlbar, „simul justus et peccator“, Gerechter und Sünder. Darum schließe ich mit einem Wort von Luther: „Wir sollen Menschen und nicht Gott sein.“ ■

Dr. Andreas R. Batlogg SJ, Chefredakteur „Stimmen der Zeit“, Mitarbeiter an der Citykirche St. Michael in München Dr. Johannes Berchtold, Leiter der Männerpolitischen Grundsatzabteilung im Sozialministerium, PGR Vorsitzender Mag. Karin Domany, Religionspädagogin in Pens., PGR St. Stephan Toni Faber, Dompfarrer von St. Stephan Arno Geiger, freier Schriftsteller Mag. theol. Arno Gerig, Religionslehrer am BG Maroltingergasse Mag. Bettina Glatz-Kremsner, Vorstandsdirektorin Casinos Austria und Österreichische Lotterien Gregor Henckel Donnersmarck OCist, Abt em. von Stift Heiligenkreuz Reinhard H. Gruber, Domarchivar von St. Stephan Arch. Dipl.-Ing Thomas Hoppe, HOPPE architekten Ziviltechniker GmbH Anneliese Höbart, Pfarrgemeinderätin Prof. em. Walter Kirchschläger, f. Exegese des Neuen Testaments, Universität Luzern Dr. Alfons M. Kloss, Österreichischer Botschafter beim Heiligen Stuhl Dr. Ines Charlotte Knoll, Pfarrerin an der Lutherischen Stadtkirche Wien Dr. Margit Kraker, Präsidentin des Rechnungshofes, Generalsekretärin der Intern. Organisation der Obersten Rechnungskontrollbehörden Mag. Markus Landerer, Domkapellmeister St. Stephan Univ. Prof. Dr. Konrad Paul Liessmann, Inst. f. Philosophie, Professur für Methoden der Vermittlung von Philosophie und Ethik Universität Wien Dr. Arnold Mettnitzer, Theologe, Psychotherapeut Univ.-Prof. Dr. Ewald Nowotny, Gouverneur Österreichische Nationalbank DI Dr. Rainer Pawlick, Innungsmeister der Landesinnnung Bau Wien Dr. Wolfgang Petritsch, Botschafter a.D., Präsident der Österreichischen Marshallplan Stiftung Mag. Sanna Plieschnegger, Geschäftsführung des Vereins CEURABICS Ass.- Prof. MMag. Dr. Regina Polak, MAS, Inst. für Praktische Theologie, Pastoraltheologie und Kerygmatik, Universität Wien Dr. Martin Sajdik, Sonderbeauftragte d. OSZE-Vorsitzenden in der Ukraine und in der Trilateralen Kontaktgruppe Dipl.-Ing. Rudolf Schicker, Koordinator für den Bereich „Capacity Building and Cooperation“ im Rahmen der Europäischen Strategie für den Donauraum Univ.-Prof. Dr. Ludger Schwienhorst-Schönberger, Vorstand d. Inst. f. Alttestamentliche Bibelwissenschaft an der Kath.-Theol. Fakultät der Uni Wien Pfarrer Mag. Dipl. Ing. Konstantin Spiegelfeld, Pfarre St. Johann Nepomuk, 1020 Wien Prof. Elisabeth Stadler, Vorstandsvorsitzende der Vienna Insurance Group Mag. Birgit Staudinger, Redaktionsleiterin David Steindl-Rast OSB, Benediktinermönch, Autor Mag. Bahri Trojer, EU-Gemeinderat, Integrationskoordinator (ÖIF), Integrationsbotschafter von ZUSAMMEN:ÖSTERREICH DDr. Christoph Thun-Hohenstein, Generaldirektor und wissenschaftlicher Geschäftsführer, MAK Prof. P. Dr. Karl Wallner OCist, Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke missio in Österreich, Rektor der Hochschule Stift Heiligenkreuz Dr. Hubert Philipp Weber, Sekretär des Erzbischofs von Wien und Leiter des Sekretariats, Lehrbeauftragter am Institut für Dogmatische Theologie an der Uni Wien P. Dr. Josef Weber SDB, Dozent für Christliche Spiritualität und Biblische Theologie in Benediktbeuern

Redaktion. Redaktionsleitung: Mag. Birgit Staudinger Lektorat: Mag. Birgit Doblhoff-Dier, Mag. Karin Domany, Reinhard H. Gruber, Daniela Tollmann Redaktionsteam: Dompfarrer Toni Faber, Diakon Erwin Boff, Mag. Karin Domany, Mag. Heinrich Foglar-Deinhardstein, Reinhard H. Gruber, Anneliese Höbart

Martin Luther, Darstellung aus 1545. Erzbischöfliche Bibliothek, Wien Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Ostern 2017 29

Aus der Dompfarre

Das historische »Chorglöckl« läutet wieder Wie eine der ältesten Glocken Wiens wieder zum Läuten gebracht wurde. Von Domkapellmeister Markus LANDERER

Im Krieg verschont geblieben, dann aber vergessen Im Jahr 1942 musste sie abgenommen und bei der „Reichsstelle für Metalle“ abgeliefert werden. Was für ein Glück, dass sie letztlich doch nicht zur Produktion von Kriegsgerät eingeschmolzen wurde,

Hinweis.. Das Chorglöckl findet auch Beachtung in folgender Filmdokumentation: „Mysterien von St. Stephan – Der unbekannte Dom“ Regie: Günter Schilhan Sendetermin: 17. April, 20.15 Uhr ORF III Die 60-minütige Dokumentation beschäftigt sich mit den weitgehend unbekannten Seiten des Domes, seinen Schätzen, Geheimnissen und historischen Rätseln. Der Film ist gleichzeitig eine Reise von der Turmspitze bis zur Virgilkapelle unter der Erde. In einer Computersimulation wird erstmals gezeigt, wie der Nordturm ausgesehen hätte, wäre er vollendet worden.

sondern 1946 unversehrt nach St. Stephan zurückgeholt werden konnte. Jedoch galt nach dem Brand von 1945 alle Anstrengung dem Wiederaufbau des Domes und so geriet das „Chorglöckl“ in Vergessenheit. Später wurde es als stummes Museums-Stück auf dem Nordturm zu Füßen der Pummerin aufgestellt. Die Glocke stammt aus den Jahren nach dem großen Stadtbrand von 1276 und wurde mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit vom Glockengießer Konrad von München gegossen, von dem sich auch in Wiens ältester Kirche, der Ruprechtskirche unweit des Stephansdoms, eine hochwertige Glocke aus der selben Zeitperiode erhalten hat. Das „Chorglöckl“ wieder zum Klingen zu bringen war mir schon längere Zeit ein Anliegen. Daher bat ich im vergangenen Jahr zu meinem Geburtstag statt Geschenken um Spenden für dieses Vorhaben. Es gelang tatsächlich dieses Projekt dadurch vollständig zu finanzieren. Die Glocke hat einen Durchmesser von 62 cm, wiegt 212 kg, hat einen besonders reinen Ton (zweigestrichenes G) und einen schönen Nachhall mit über 40 Sekunden. Der in der Barockzeit erneuerte Klöppel war die letzten 75 Jahre in einer Mauernische der Glockenstube des nördlichen Heidenturms verborgen und konnte nun wieder eingebaut werden.

Zum Abendgebet läuten Zu Beginn der Fastenzeit wurde das „Chorglöckl“ wieder an seinem ursprünglichen Platz montiert und wird zur Vesper am Ostersonntag erstmals offiziell nach 75 Jahren wieder erklingen. Gemeinsam mit den anderen fünf historischen Glocken im nördlichen Heidenturm wird es ab dann jeden Samstag und Sonntag um 16.50 Uhr zur Vesper läuten. ■

30 Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Ostern 2017

Rückschau auf Von Johannes BERCHTOLD Mein kurzer Rückblick auf die vergangene PGR-Periode und mein Wirken in der Pfarre verbinde ich mit zweierlei Grundgedanken: Der zusammenfassenden Übersicht, die nur andeuten kann, was alles an pfarrlichen Aktivitäten stattfand und dem Dank für all diese Arbeit, die Vielzahl an Inspirationen und das gemeinsame Wirken. Auch für die gemeinsamen Feste. Unser Dompfarrer Toni Faber wird – insbesondere im Rahmen des Festmahls für den Nächsten – nicht müde zu betonen, dass wir Pfarrmitglieder, die u. a. zu Weihnachten die Einsamen und Obdachlosen im Curhaus verköstigen und mit ihnen singen und beten, die eigentlich Beschenkten sind. Als Beschenkter, nunmehr schon zehn Jahre als Pfarrgemeinderat und zuletzt auch als stellvertretender Vorsitzender des Pfarrgemeinderats sehe ich auch meinen Rückblick und bitte zugleich alle PGR-Mitglieder um Verzeihung, dass ich nicht den ganzen Reichtum pfarrlichen Wirkens hier ausbreiten kann. Der Stephansdom ist freilich Kunstwerk, Wahrzeichen der Stadt, Konzertraum, aber selbstverständlich in erster Linie Ort des Gebetes und Bischofskirche, Kapitelkirche und – Pfarrkirche in einem. Wie die meisten Pfarrgemeinderäte stamme auch ich nicht aus dem Pfarrgebiet. Ähnlich verhält es sich mit den Messbesuchern und den am Pfarrleben Teilhabenden. Das Angebot einer Kinder-

Fotos: Glocke: Verein „Unser Stephansdom“ | Domany

Das „Chorglöckl“ von St. Stephan ist ein besonderer Schatz: es stammt aus dem 13. Jahrhundert und zählt zu den ältesten Glocken Wiens. Über Jahrhunderte hatte diese Glocke ihren Platz im nördlichen Heidenturm.

Fotos: Franz Josef Rupprecht/kathbild.at

die vergangene Pfarrgemeinderats-Periode messe in der Unterkirche führte meine Frau und mich mit unserem damals noch kleinen Sohn in den Stephansdom. Da die „von auswärts Kommenden“ als wesentlicher Teil der Identität der Dompfarre betrachtet werden und das Pfarrleben aktiv mitgestalten, waren wir schnell herzlich aufgenommen in der Pfarre. Als ich vor zehn Jahren meine Mitwirkung im Pfarrgemeinderat begann, staunte ich, wie vielfältig und zahlreich die Aktivitäten der Dompfarre waren, obwohl die Sorge für die Erhaltung des Kirchengebäudes vom Kirchenmeisteramt übernommen wird. Unzählige Gottesdienste, Andachten, Segnungen und Feiern finden in der Domkirche statt. Ich möchte nur die „gewöhnliche“ Pfarrfamilienmesse am Sonntag um 9.00 Uhr erwähnen, die mir oft ein Ort der Muße war. Auch die Marienmessen in der „heimeligen“ Curhauskapelle sind mir ein unvergessliches Erlebnis. Wir alle kennen den Begriff des „Platzhirschen“. Ich möchte diesen von mir hier in sehr positiver, wertschätzender und freilich auch humorvoller Weise gebrauchten Begriff erweitern – nämlich absehen von der Person des Dompfarrers, der dies von Amts wegen zu sein hat - auf die Pfarrgemeinderäte/innen, die schon vor mir in der Pfarre tätig waren und auch jetzt nach meinem Abschied – ohne Namen zu nennen – weiterhin als Stützen der Dompfarre unver-

zichtbar sind. Sie betreuen das Budget, die Weihnachts- und Flohmärkte, die Firmvorbereitung, die Caritas und vieles mehr mit viel Erfahrung und Geschick. Es ist einfach ein beruhigendes Gefühl, einem Budgetentwurf blind vertrauen zu können, was nicht heißt, dass darüber keine Diskussion stattfindet. Dieses eingespielte Vertrauen ist eine Basis für ein gedeihliches Pfarrleben. Meine „Steckenpferde“ in der Dompfarre waren die Durchführung der Nacht der Mystik sowie die Leitung des Kulturgesprächskreises. Beeindruckt hat mich auch hier, mit welch selbstverständlichem Vertrauen ausgestattet, diese Initiativen von mir selbständig umgesetzt werden konnten. In dieser Zeit ergaben sich wie von selbst Kooperationen, für die ich besonders dankbar bin. Ohne die Unterstützung seitens der Pfarrkanzlei wäre all das selbstverständlich nicht umzusetzen. Das Kirchenmeisteramt bzw. die Mesner sind ebenfalls immer zur Stelle, wenn Not am Mann ist. Die Nacht der Mystik war mir ein Herzensanliegen, um in Zeiten, in welchen „Brot und Spiele“ vieles zu dominieren drohen, dem Brot des Himmels genügend Aufmerksamkeit zu schenken. Vom berühmten Theologen Karl Rahner stammt der folgende Ausspruch, den wir nicht ernst genug nehmen können: „Der Fromme von morgen wird ein ‚Mystiker‘ sein, einer, der etwas ‚erfah-

ren‘ hat, oder er wird nicht mehr sein, weil die Frömmigkeit von morgen nicht mehr durch die im Voraus zu einer personalen Erfahrung und Entscheidung einstimmige, selbstverständliche öffentliche Überzeugung und religiöse Sitte aller mitgetragen wird, …“ (K. Rahner, „Frömmigkeit früher und heute“, in: ders., Schriften zur Theologie, VII (Einsiedeln, 19712, 22–23.) 2014 fand eine Visitation der Pfarren des Stadtdekanats 1 statt. Weihbischof Helmut Krätzl leitete die Visitation der Dompfarre St. Stephan in einer sehr beeindruckenden, wohlwollenden und die Dompfarre unterstützenden Weise. Seine Persönlichkeit, sein analytischer Blick gepaart mit geistreichem Sprachwitz bleiben mir neben der Diskussion all unserer pfarrlichen Tätigkeiten, unserer Stärken aber auch der Sorgen und Anliegen in schöner Erinnerung. Das Angebot der Aktivitäten, die es in St. Stephan gibt, ist sehr groß, es sollte für jeden etwas dabei sein. Ich hoffe, dass meine teilweise doch aus persönlicher Perspektive gestaltete Rückschau bei vielen das notwendige Interesse weckt und Mut macht, den Schritt zu tun und ihre Mithilfe anzubieten. Sie werden beschenkt werden. Denn letztlich wissen wir: Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken ■ (vgl. Römer 8,32)?

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Ostern 2017 31

Aus der Dompfarre

Blitzlichter aus St. Stephan

Beim Friedensgottesdienst am 1. Jänner 2017 stand im Mittelpunkt das Thema, dass Gerechtigkeit und Friede zusammen gehören. Es gibt keinen dauerhaften Frieden ohne Gerechtigkeit.

Es hat sich inzwischen zu einem beliebten Ritual entwickelt: die Segnung Liebender am Valentinstagsabend. Viele sind wieder am 14. Februar in den Dom gekommen, um Gottes Segen und Liebe zu erbitten.

Mesnerreise 20.–24. Februar 2017: Unsere Mesner von St. Stephan kurz vor der Abfahrt nach Florenz, wohin auch schon Sakristeidirektor Msgr. Anton Berger im Jahr 1986 eine solche Reise organisierte. 32 Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Ostern 2017

Fotos: Jugend St. Stephan | Weihnacht: Rosemarie Hofer | Friedensgottesdienst: Reisenbichler | Valentinstag: Thomas Ruth | Mesnerreise : Rejda

Bei der sehr gut besuchten JU-nite am 2. Dezember 2016 konnten rund € 4.500,– gesammelt werden, die der Aktion „White Helmets“, einer humanitären Hilfsorganisationen in Syrien zugutekommen. Herzlichen Dank an die Jugend von St. Stephan, Stefan Domany und seinem Team.

Die Weihnacht der Einsamen am 24. Dezember ist jedes Jahr ein besonderer Moment des gegenseitigen Beschenkens. Wir danken allen, die dazu beigetragen haben, besonders Murat Sari mit seinem Team vom Ristorante Da Capo und den ehrenamtlichen Helfern rund um Maja Keglević.

Dompfarrer Toni Faber segnete den neuen Atlantik-Tunnel im Haus des Meeres. Im größten Meeresaquarium Österreichs kann man nun mitten durch das Meer wandern und Gottes wunderbare Schöpfung bestaunen.

Frauen_Impuls Der Frauen_Impuls lädt regelmäßig zu interessanten Vorträgen und geselligen Abenden ein. Herzlichen Dank an Rosemarie Hofer und ihrem Team für die Organisation! Nächstes Treffen: Do, 11. Mai 2017, 16.30 Uhr „Die Curhausbibliothek und die Curhauskapelle“ – Führung mit Domarchivar Reinhard Gruber

Fritz-Grünbaum-Platz 1 1060 Wien I U3 Neubaugasse 09.00 -18.00, Do 09.00 - 21.00 Uhr

Fotos: Domany

www.haus-des-meeres.at

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Ostern 2017 33

Aus der Dompfarre

Herzensanliegen Adventmarkt: neue Projektmitarbeiter gesucht Von Anneliese HÖBART Der Adventmarkt der Dompfarre im Curhaus ist mir seit 1982 ein Herzensanliegen. Seit dieser Zeit organisiere ich ihn alljährlich am 1. Adventwochenende, um mit dem Erlös die Caritas-Arbeit von St. Stephan mit einem wichtigen finanziellen Beitrag zu unterstützen. Das bedarf naturgemäß vieler Vorbereitungen, und eigentlich sind einige

Frauen das ganze Jahr über damit beschäftigt, für die Besucher des Marktes ein breites und attraktives Warenangebot zusammenzustellen. Allen voran ist das die „InpruggGruppe“, die aus zehn fleißigen Frauen, teils auch deren Ehemännern, besteht. Liebevoll fertigt sie Stick- und Strickarbeiten. Rund um Rikki Hach sind in den vergangenen 18 Jahren von derselben Gruppe jährlich aber auch zwischen 80 und 100 kg (!) köstliche Kekse, Lebkuchen, Apfelbrot, Vanillekipferln, Kokosbusserln gebacken worden. Nicht nur das: Sie wurden fix fertig verpackt und ausgepreist geliefert, so dass wir alles lediglich schön platzieren mussten. Darüber hinaus entstanden in dieser häuslichen Manufaktur Liköre, Schnäpse, Öle, rund 400 Gläser diverser Marmeladesorten, sowie Bärlauchpesto, Wurzelwerk, Kräutertees, Kräutersalz – „g’sund“ und bio gefertigt. Da können wir nur staunen und dankbar sein für so viel Kompetenz, Liebe und Durchhaltevermögen. Ein großes, herzliches Vergelt’s Gott! Leider sind die Damen und Herren nun teilweise gesundheitlich angeschlagen und in einem Alter, das sie diese Leistungen nicht mehr im gewohnten Umfang mühelos erbringen lässt. Eine

ebenso traurige Tatsache ist aber auch, dass ein Adventmarkt ohne Ess- und Trinkwaren viel von seiner Beliebtheit einbüßt. Die letzten Jahre haben zudem leider gezeigt, dass Handarbeiten zwar gekauft werden, kaum jemand allerdings bereit ist, den tatsächlichen Wert zu bezahlen. Deshalb ist die Dompfarre auf der Suche nach motivierten Frauen und Männern, die Freude daran haben, Weihnachtsbäckerei für den Adventmarkt zu fertigen. Einige weitere Anregungen darüber, was alles erstellt / gebacken / eingekocht werden kann, finden Sie in der obigen Aufzählung. Doch wenn jemand gute neue Ideen hat und sie umsetzen möchte, sind wir natürlich offen dafür! Wer sich unverbindlich informieren möchte, kann sich gerne mit mir in Verbindung setzen: Anneliese Höbart, Tel. 0664/253 22 56. Es wäre wirklich großartig, wenn der Adventmarkt weiterhin bestehen würde und wir so die Caritas-Arbeit der Dompfarre unterstützen könnten! An dieser Stelle danke ich allen, die seit 1982 ihren Beitrag zu diesem Erfolgsprojekt geleistet haben: den Helfern, den Verkäufern, den Spendern und den Einkäufern. Dankeschön! ■

Mit diesem Namen offenbart sich Jahwe dem Mose auf dem Berg Horeb im brennenden Dornbusch. Gottes „Ich bin da“ gilt gestern, heute und morgen. Und Gott ruft zu allen Zeiten Menschen, für andere da zu sein. Die Sorge um andere, das Mitfühlen, das Dasein für andere in allen Lebenslagen gehört zu den großen christlichen Werten. So hat Jesus es uns vorgelebt, so hat er selbst den Menschen gedient. Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts. Sie ist auf Menschen angewiesen, die bereit sind anderen zu dienen und Verantwortung zu übernehmen. Die Dompfarre ist dankbar, dass sich für die heurige Pfarrgemeinderatswahl 13 Personen zur Verfügung gestellt haben: Sigi Czychowski, Karin Domany, Rainer Michael Hawlicek, Christian Herrlich, Eva Maria Hirschl, Anneliese Höbart, Rosemarie Hofer, Maja Keglevic, Benjamin Raimerth, Yousif Rasho, Marie-Therese Störck, Agneska Turek, Ernst Wally Nachdem die Wahl am 19. März nach Redaktionsschluss stattfand, werden wir die neuen Pfarrgemeinderäte im nächsten Pfarrblatt im Herbst vorstellen.

34 Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Ostern 2017

Foto: Susanne Leibrecht

„Ich bin da“

Eingehüllt in eine Rettungsdecke Seit Beginn der Fastenzeit 2017 zeigen sich 37 Heiligenfiguren im Stephansdom verhüllt, das Hochaltarbild ist von einem Fastentuch aus Gobelintüll verdeckt. Das ist Teil eines dreiteiligen Kunstprojektes der Wiener Künstlerin Victoria Coeln: LEBENSZEIT – HERKUNFT – GESCHLECHT I. LEBENSZEIT Victoria Coeln ersetzt das traditionelle katholische Fastentuch durch hellen Tüll, der als Projektionsfläche für Videosequenzen dient. Diese Form des Tuchs verstellt den Blick und weist den Besucher zunächst auf sich selbst zurück. Coeln hat gemeinsam mit der Schweizer Künstlerin Susanne Lyner eine filmische Arbeit konzipiert, die kein Betrachter jemals in voller Länge sehen kann, da sie 81,5 Jahre dauert – das entspricht der durchschnittlichen Lebenserwartung in Mitteleuropa.

II. HERKUNFT 108 Säulenheilige gibt es im Dom. Ihre multikulturelle Herkunft, unter anderem aus zahlreichen Ländern des Nahen Ostens, die heute teilweise Kriegsgebiete sind, ist Thema des zweiten Teils der Tri-

logie. 37 Heilige (die Zahl 37 ist eine architektonische Grundzahl des Stephansdomes) sind nun in neue Gewänder gekleidet. Victoria Coeln hüllt sie in Rettungsdecken, wobei Gesichter und individuelle Attribute der Figuren ausgespart bleiben. Wenn nun Sonnenlicht oder Coelns chromotopes Licht auf die Skulpturen fällt, beginnen sie im Halbdunkel des gotischen Kirchenraumes zu glitzern und zu funkeln. In diesem Fall verdeckt die Verhüllung weniger, als sie durch das auffällige Material, das auf der Innenseite silbern und auf der nach außen gekehrten Seite golden ist, an Aufmerksamkeit auf sich zieht – gewissermaßen ein Verstecktes entbirgt. Damit wird auf die existenzielle Notlage von Schutzsuchenden hingewiesen und Bezug auf die lange Tradition der Anrufung von Schutzheiligen in Notsituationen genommen.

III. GESCHLECHT Der dritte Teil der Trilogie, der im traditionellen Frauenmonat der katholischen Kirche, also im Mai eröffnet wird, ist eine künstlerische Infragestellung der gesellschaftlich vorherrschenden Geschlechterverhältnisse. Männliche Säulenheilige werden mit halbtransparenten Tüchern verhüllt, weibliche Skulpturen und

Foto: www.coeln.at | Ma. Grün: Ewald Judt

Wallfahrt nach Maria Grün Herzliche Einladung zur traditionellen Wallfahrt der Dompfarre nach Maria Grün am Dienstag, den 6. Juni 2017: 14.00 Uhr Reisesegen beim Wiener Neustädter Altar 15.30 Uhr Feierlicher Einzug in die Kirche Maria Grün und Maiandacht. Anschließend gemütlicher Ausklang Geistliche Leitung: Domkurat Timothy McDonnell Begleitung: Rosemarie Hofer (keine Anmeldung erforderlich)

Mariendarstellungen mit spezifischen Lichtinszenierungen besonders sichtbar gemacht. Herzliche Einladung zur Eröffnung des dritten Teils dieser Kunstintervention am 11. Mai 2017 um 19.30 Uhr im Stephansdom! ■ www.coeln.at

Gedächtnisprobleme und Demenz gemeinsam bewältigen . Herzliche Einladung zu einem Vortrag über Demenz Am 25. April 2017 um 19 Uhr im Curhaus Pfarrcafé, Stephansplatz 3, 1010 Wien Ein Infoabend für Interessierte oder betroffene Angehörige ▶ Information zu Demenzerkrankungen ▶ Vorstellung des Caritas Projekts „Treffpunkt Zeitreise“ ▶ Persönliche Beratung im Anschluss an den Vortrag ReferentInnen Magª. Alexandra Propst, Klinische- und Gesundheitspsychologin, Mag. (FH) Norbert Partl, Sozialarbeiter, akad. Experte für Demenz Anmeldung unter: 0664/621 72 30

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Ostern 2017 35

Aus Chronik der Dompfarre Seit dem letzten Pfarrblatt zu Weihnachten wurden getauft: Aurelia Windisch, Oscar Vogrin, Akihiro Alexander, Matthäa Mössler, Vinuka Malwattage, Mary Malwattage, Constantin Neumaerker, Simon Grundtner, Martin Logar, Leon Diep, Luca Diep, Oskar Roch, Valentin Schweiger, Sarka Bejlekova, Jakob Wieser, Matthias Orthacker, Ferdinand Koller, Quentin Wakefield, Jakob Schneider, Annika Schuster, Emma

Schuster, Benjamin Deimel, Fabian Piber, Livia Santer, Rosario Duchateau, Franziskus Lehnert und Luis Hawelka

Getraut wurden: Mohammed Dahab mit Mag. Hiam Wadie Adel Azer mit Ahlam Yakob und Rostand Engueno Noumbou mit Clara Maria Pitzinger BA

Danke! Wir danken Mag. Rudi Fleck für seinen Dienst als Domkurat in St. Stephan sehr herzlich und wünschen ihm Gottes Segen für seine vielfältige seelsorgliche Tätigkeit im Weinviertel.

Neues aus dem Domkapitel

Von uns gegangen sind: Mag. Erwin Mayr, Diethilde Rudisch, Georg Peter Unteregger, Rosa Schlögl, Martha Schultes-Neubauer, Johann Breiteneder, Marianna Stöckl, Franziska Wunderl, Friederike Moser, Andreas Glück MBA, Klaus Wildbolz, Michael Kloiber, Mag. Reinhard Ortner, Mariana Bloch, Emma Veg, Dr. Maria Stemberger, Judith Richter, Karl Jirasek

Immer für die anderen da..

Wir trauern um:

Zum Gedenken an Andreas GLÜCK. Von Arno GERIG

Konsistorialrat Pater Kryspin Zygmunt Kacprzak OFM. Er war Domkurat und wirkte als Beichtvater in St. Stephan.

Am 19. Jänner 2017 ging uns völlig unerwartet Andreas Glück in die Ewigkeit voraus. Andreas zeichnete die Freundlichkeit und Herzensgüte aus, die wir auch an seinem Vater so schätzten. Im Schatten des Domes aufgewachsen, war Andreas ein sein Christsein sehr bewusst lebender Mitmensch. Der Tradition mit allen Fasern seines Daseins verbunden, vermochte er allerdings auch die positiven Aspekte der Moderne für sich und sein Lebensumfeld fruchtbar zu machen. Der Dom war seine Kirche, seine Familie verstand er als Heimat, das familiäre Haus in Pötzleinsdorf, das er mit seiner Johanna bewohnte, war ihm Oase der Ruhe. Behalten wir ihn so in Erinnerung: Lebensfroh, treu und wahr. Am 16. Februar begleiteten wir ihn zu seiner irdischen Ruhestätte. Möge er teilhaben am ewigen Gastmahl beim Vater.

Pater Prof. Dr. Bernhard (Johann) Demel OT, der in seiner Funktion als Rektor der Deutschordenskirche jahrelang auch Pfarrgemeinderat von St. Stephan war. Frau Hilde Hebauer, unsere ehemalige Mitarbeiterin, die mit großer Sorgfalt und Verlässlichkeit in der Pfarrkanzlei von St. Stephan gearbeitet hat und stets mit St. Stephan verbunden geblieben ist.

36 Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Ostern 2017

In der Sitzung des Domkapitels vom 16.11. 2016 wurde Dompropst Apost. Protonotar Mag. Liz. Dr. Ernst Pucher zum neuen Domkustos gewählt. Er ist somit seit Jänner 2017 für die finanziellen und personellen Angelegenheiten von Kirchenmeisteramt und Dombauhütte zuständig.

Am 8. März wurde der Regens des Wiener Priesterseminars Dr. Richard Tatzreiter feierlich in den Dienst des Domkapitels aufgenommen („installiert“). Der neue Domkapitular erhielt das Kapitelkreuz, den Ring und das Birett. Wir freuen uns auf gute Zusammenarbeit und bitten um Gottes Segen für beide Domkapitulare bei ihren wichtigen Aufgaben.

Fotos: Demel: Deutscher Orden | Pucher: Franz Josef Rupprecht/kathbild.at | Tatzreiter: Staudinger

Im Jahr 2016 durften wir in unserer Pfarre 100 Personen wieder in die Kirche aufnehmen.

»Herr, wie konntest du das zulassen?« Im Wiener Ronacher läuft noch bis Ende Juni das neue Musical „Don Camillo & Peppone“. Dompfarrer Toni FABER über leidenschaftliche Gebete zum lieben Gott, sein Bodenpersonal, den Pfarrer von Boscaccio und dessen Gegenspieler

Fotos: Don Camillo: VBW / Deen van Meer | Festmahl: Domany | Fastensuppenessen: Rosemarie Hofer | Kindermesse: Sigi Czychowski

Die Geschichte des streitlustigen, impulsiven katholischen Pfarrers Don Camillo, und seines nicht weniger schlagkräftigen Kontrahenten Peppone, dem kommunistischen Bürgermeister des italienischen Dorfes Boscaccio, anno 1947, hat schon vielerlei künstlerische Bearbeitungen erlebt. Als Grundlage dienten die Romane von Giovannino Guareschi, der mit lustigen Wortgefechten ein ernstes Thema behandelt: den Zwiespalt zwischen tradierten Werten, gesellschaftlicher Aufbruchsstimmung und politischer Rivalität in der Nachkriegszeit.

Zentrale Momente des Stückes sind die Gespräche Don Camillos mit seinem Herrn am Kreuz. Auch wenn er sich noch so fromm gibt – leidenschaftlicher Ärger, Zorn, Wut, Streit, Hass- und Rachegedanken können in einem echten Gebet nicht ausgeklammert werden. Dass Gott sich nicht täuschen lässt, muss die menschlich berührende Gestalt des streitbaren Dorfgeistlichen immer wieder aufs Neue erfahren. Der Gekreuzigte entlarvt seine oberflächlichen Scheinheiligkeiten und den Versuch, bei anderen einen Wunderglauben zu inszenieren.

Liebe und Vernunft Auch wenn die beiden herzhaft streiten, handeln Peppone als auch Don Camillo im Grunde aus Liebe zum Ort und seinen Bewohnern. Fast sentimental besingt der beliebte Andreas Lichtenberger alias Don Camillo dessen Überzeugung, von Gott die 36 Häuser und 170 Seelen des

Ortes anvertraut bekommen zu haben. Und so siegt am Ende die Vernunft bei den beiden Hauptkontrahenten, denn das Wichtigste ist doch das Wohl der ihnen Anvertrauten. „Don Camillo & Peppone“ ist nicht nur etwas für fromme Katholiken, sondern auch für alle, die unter den vielen lauten Stimmen unserer Zeit die Stimme des Herrn heraushören wollen. ■ doncamillo.musicalvienna.at

Dasein für andere … bei der Kindermesse ▶ … beim Fastensuppenessen. Dank der exzellenten Suppen von Hans Walzl, der vielen Helfer beim Austeilen und der zahlreichen Gäste wurden € 1.523,– für die CaritasArbeit der Dompfarre gesammelt. ▶ … beim Festmahl für den Nächsten ▼

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Ostern 2017 37

Buchempfehlung

Glauben kommt vom Verstehen Zur Einheitsübersetzung der Bibel. Von Walter KIRCHSCHLÄGER

Neues aus dem Kulturgesprächskreis

digung und Glaubenspraxis. Und das beginnt bei der Sprache.

Einheitsübersetzung Schon ein Jahr vor Konzilsbeginn, also 1961, wurde die Erstellung einer neuen, zeitgemäßen Übersetzung für den gesamten deutschen Sprachraum beschlossen. Dieses weite Einzugsgebiet gab der in den Folgejahren (1961–1980) entstandenen Übersetzung den Namen „Einheitsübersetzung“. Dass ein Großteil davon in ökumenischer Zusammenarbeit erarbeitet wurde, passt gut zu dieser Bezeichnung. In der Liturgie, im Religionsunterricht und in anderen Formen der Verkündigung wurde seither diese Einheitsübersetzung herangezogen. Von Generation zu Generation verändern sich nicht nur die Menschen, sondern auch ihre Sprache. Wer nach Jahrzehnten Sprachdokumente hört oder liest, kann dies nachspüren. Diese Entwicklung macht auch vor einem so großen Sprachwerk wie einer Bibelübersetzung nicht halt, im Gegenteil.

Revision

Diese Gesprächsrunde will den Wegen der Kunst, sich Gott zu nähern, nachspüren. Im Mittelpunkt stehen Impulsreferate und Diskussionen über Beispiele aus Musik, Literatur und Malerei u.a. Wir danken Johannes Berchthold, der diese regelmäßigen Veranstaltungen initiiert und geleitet hat. Manfred Eggner übernimmt nun die Leitung des Kulturgesprächskreises, der bis Ende des Jahres immer montags stattfinden wird: Mo 1. Mai, 19 Uhr, im Dorr-Zimmer, Thema: Frühling Mo 12. Juni, 19 Uhr, im Dorr-Zimmer, Thema: Weltkulturerbe

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In einem durch die Katholische Bibelanstalt Stuttgart 1998 angeregten Gutachten wurde die Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit einer Überarbeitung der Einheitsübersetzung unterstrichen. Damit war der Entscheidungsprozess zur Revision dieser Übersetzung eingeleitet. Die Aufgabe wurde schließlich 2005 unter der Leitung eines vierköpfigen Bischofsgremiums etwa 50 Bibelwissenschaftlern anvertraut, die jeweils eine (oder mehrere) biblische Schriften zu bearbeiten hatten. Dabei sollte auf umgangssprachliche Entwicklungen und auf das heutige Sprachempfinden der Menschen Rücksicht genommen werden. Es galt, Fehler in der bestehenden Übersetzung zu korrigieren und Fortschritte der Bibelwissenschaft hinsichtlich Textüberlieferung und Textverständnis einzuarbeiten, wobei insbesondere die Tendenz

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Ostern 2017

zu beachten war, die Eigenart der Originalsprachen und der einzelnen verfassenden Persönlichkeiten (wieder) stärker erkennbar zu machen. Die revidierte Einheitsübersetzung

Walter Kirchschläger ist emeritierter Prof. f. Exegese des Neuen Testaments an der Universität Luzern und Revisor des Matthäusevangeliums will keine Neuübersetzung sein. Auf den ersten Blick sind die Änderungen kaum erkennbar. Auffällig sind sie in den neuen Hinführungen zu den einzelnen biblischen Schriften, im (gekürzten) Anmerkungsapparat und in den beigegebenen Erklärungen und Übersichten. Erst der genaue Vergleich zwischen der bisherigen und der überarbeiteten Fassung erschließt auch das „Neue“ dieser Übertragung. Das Motto heißt also: „Nimm und lies!“ Hier müssen einige Beispiele genügen.

Konkrete Beispiele Mit der Formulierung „Maria hat den guten Teil erwählt“ (Lk 10,42 gegenüber bisher: „den besseren Teil“) wurde ein schlimmer Übersetzungsfehler korrigiert. Durch die Beachtung der Signalworte „(und) siehe“ (und anderer) wird in den Evangelien die Absicht deutlich, bei den Lesenden Aufmerksamkeit hervorzurufen (z. B. Mt 2,13; 3,16.17; 4,11; 28,20; Lk 1,36.44, usw.). In der Sichtbarmachung der Frauen im Text wurde mit der Anrede „Brüder und Schwestern“ in den Briefen und mit der Benennung der Junia (Röm 16,7) zumindest ein wichtiger Anfang gemacht. Das Ungewohnte kann neue Freude am Bibellesen bringen. Es wäre zu wünschen! ■

Fotos: Kirchschläger: Universität Luzern | Buch: Peter Smola/pixelio.de

Die Bibel ist in Hebräisch (AT) und Griechisch (Teile des AT und NT) geschrieben. Mit den Namen Erasmus von Rotterdam und Martin Luther (beide 15./16. Jh.) werden erste maßgebliche Übersetzungen ins Deutsche verbunden. Bis ins 20. Jh. wurde im katholischen Gottesdienst die Bibel in lateinischer Sprache gelesen. Pius Parsch (Klosterneuburg) führte drei Jahrzehnte vor dem Konzil mit der Praxis der „Betsingmesse“ die deutschsprachige Verkündigung von Lesung und Evangelium ein. Gemeinsam mit anderen wurde er zum Vorreiter der Liturgiereform des II. Vatikanischen Konzils. Diese Kirchenversammlung legte ausdrücklich Wert auf neue modernsprachliche Übersetzungen aus den Ursprachen der Bibel. Denn das Verstehen der Heiligen Schrift ist eine grundlegende Voraussetzung für Glaubensverkün-

Ein- und Ausblicke

»Und schaut der Steffl lächelnd auf uns nieder…«

Foto: Franz Josef Rupprecht/kathbild.at

Seien Sie gegrüßt! Ich hab’s genau beobachtet. Vor nicht allzu langer Zeit hat die engagierte und fähige Kinderführerin Margareta eine Gruppe Erstkommunionkinder durch den Dom geführt und dann vor dem Hauptaltar mit ihnen einen Kreis gebildet. Dann haben sie gesungen: „Von Mensch zu Mensch eine Brücke bau’n, dem andern in die Augen schauen. In jedem Menschen das Gute seh’n und nicht, an ihm vorüber geh’n!“ Dazu haben die Kinder noch entsprechende Gesten und Bewegungen gemacht. Es war schön, zu sehen, wie sie sofort die Botschaft dieses einfachen Liedes verstanden haben. Und da hab‘ ich alter Steffl mich gefragt, wie das denn mit dem Dom ist. Kann er auch ein Brückenbauer sein? Freilich, die altehrwürdige Stephanskirche ist einigendes Symbol unseres Landes, mit dem sich die meisten Österreicher identifizieren und er ist auch das meistbesuchte Bauwerk Österreichs. Das ist sehr schön und gut so. Neben den vielen Gläubigen, die zum Gottesdienst und persönlichem Gebet kommen, gibt es natürlich auch die tausenden Touristen, die die Kunstwerke und Architektur bewundern. Im vergangenen Jahr gab es aber auch ganz spezielle Führungen: Bewohner eines Pflegeheimes in Niederösterreich, die mit ihren Rollstühlen in den Dom gebracht wurden; Flüchtlinge, die im Rahmen ihres Integrationskurses St. Stephan besuchten, sich in Kleingruppen dafür vorbereitet und dann einzelne Kunstwerke vorgestellt haben und eine Gruppe von Strafgefangenen im Maßnahmenvollzug ist gekommen. Einer von ihnen hat gemeint: „Eigentlich bin ich nur mitgegangen, um einmal raus zu kommen. Aber jetzt bin ich echt froh. Das war wirklich schön und ich werde das nicht vergessen.“ Und auch die Flüchtlinge, die am Stephansplatz ihre Notunterkunft gefunden hatten und

nun in Wohnungen untergebracht sind, kommen immer wieder, zeigen Freunden St. Stephan. Einer von ihnen ist Hajem. Er spricht mittlerweile gut Deutsch, lernt fleißig und bezeichnet sich selbst mit einem Augenzwinkern als „Österreicher“. Er möchte nun eine Ausbildung zum Krankenpfleger machen, weil er meint, dass er dadurch Österreich etwas von dem zurückgeben kann, was ihm unser Land Gutes getan hat. Er kommt immer wieder zum Dom. „Hier habe ich ein Stück Heimat gefunden. Und dahin will ich immer wieder zurück.“ St. Stephan, ein Ort der Begegnung, der Heimat und Geborgenheit schenkt weit über konfessionelle Grenzen hinweg! Was für eine Chance bietet sich hier. Vielleicht ist es uns gar nicht so bewusst, wie wichtig der Stephansdom für die Menschen dieser Stadt ist. Und so schließt sich der Kreis zum Beginn meiner Überlegungen. Damit dies so bleibt, gilt es, dies auch den Kindern zu vermitteln. Sie sind jene Generation, die einmal St. Stephan erhalten und mit Leben erfüllen wird. Deshalb ist es so wichtig, dass es gute Führungen, entsprechende Literatur und ein offenes Tor für unsere Kinder gibt: „Porta patet – magis Cor!“ schrieb der heilige Augustinus an einen Freund in Not. Das gilt auch für St. Stephan und für alle, die am Dom ehrenamtlich oder hauptamtlich wirken: „Die Tür steht offen – mehr noch das Herz!“ Wenn das gelingt, dann kann der Dom seiner Funktion als Brückenbauer und Ort der Begegnung auch in Zukunft gerecht werden. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein „offenes Herz“ und gesegnete Ostern! Mit einem herzlichen „Grüß Gott!

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Feste im Kirchenjahr

Jesus geht, – um zu bleiben! Vierzig Tage nach Ostern feiern wir das Fest Christi Himmelfahrt. Pater Karl WALLNER OCist über die Heiligkeit der Zahl 40, das Fortgehen Jesu aus dieser Welt und die Bedeutung dieses Festes für uns heute der konkreten Kleinheit der Hostie beten wir die universale Fülle des verklärten Gottessohnes an.

tives, etwas Gutes. Darauf hat Jesus seine Jünger schon geradezu eingeschworen, wenn er sagt: „Es ist gut für euch, dass ich fortgehe.“ (Johannes 16,10)

Warum ist Christi Himmelfahrt „gut“?

Verabschiedung aus dieser Welt

Weil Christus anders wiederkommt, weil er nur so universal gegenwärtig werden kann: Neun Tage später öffnet sich über den betenden Aposteln im Abendmahlsaal der Himmel und Gottes pfingstlicher Geist kommt in Feuerzungen herab. Auf wen? Auf die Jünger, auf die Frauen, auf die Gemeinschaft, die fortan nach dem „Kyrios“ benannt wird. „Kirche“ kommt etymologisch von „kyriake“, „die dem Herrn Gehörige“. Zu Pfingsten universalisiert sich der konkrete Christus kraft des Geistes in die Herzen der Gläubigen – durch Feuerzungen und Wassertaufe. „In seiner Kirche Pilgerkleid, da schreitet

Zurück zur Himmelfahrt. Was bei der Menschwerdung begonnen wurde (der unfassliche Gott wird fasslich) wird scheinbar bei der Himmelfahrt aufgehoben (der fassliche Gott wird wieder un- P. Karl Wallner OCist fasslich). Der auferstandene Herr verun- ist Nationaldirektor der Päpstlichen sichtbart sich in die Herrlichkeit Gottes, Missionswerke in „zur Rechten des Vaters“. Wäre es nicht Österreich schön gewesen, wenn sich die trostreiund Rektor der che „sichtbare“ Gegenwart des AuferHochschule standenen fortsetzen würde? Warum Heiligenkreuz hat er uns am 40. Tag verlassen? Wo liegt da die Vollendung? Tatsächlich verfallen Christus durch die Zeit.“ Wir Glieder der die Jünger in Traurigkeit und kehren depressiv in den Abendmahlsaal zurück. Kirche tragen daher seit der Taufe ChrisAuch die Tonalität der Hymnen des Gretus in uns, weil er in uns konkrete Gestalt gorianischen Chorals zu Christi Himmelannehmen möchte. Die heiligen „Vierzig“ fahrt ist extrem melancholisch! Und die von Christi-Himmelfahrt heben also die Volksliturgie gestaltet die drei Tage vor Menschwerdung Gottes in Christus nicht der Himmelfahrt als „Bitt-Tage“, an deauf, sondern sie leiten deren Universalinen die Gläubigen in sehnsüchtigen Litasierung ein. Anders gesagt: Jeder Christ, neien dem Herrn noch alle Sorgen und jeder Getaufte, hat durch den „guten Anliegen in den Himmel mitgeben. HimFortgang“ Christi nunmehr die Chance, melfahrt heißt eben, dass sich der konselbst zu einem „Concretum Universale“ krete Jesus aus dieser Welt verabschiezu werden: zu einem Ort, wo der unendlidet. Und doch ist genau das der Startche Gott konkret in dieser Welt Gestalt schuss für etwas Schönes, etwas Definiannehmen möchte. ■

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Fotos: Wallner: Karl Wallner | Darstellung von Christi Himmelfahrt auf dem nordöstlichen Chorfenster im Dom (um 1340): Domarchiv

Der Inhalt des Festes Christi Himmelfahrt ist theologisch gesehen spannend, denn er entschlüsselt das Wesen unseres eigenen Christ-Seins. Es ist daher schön, dass dieses Fest bei uns in Österreich ein Feiertag ist – einer von neun kirchlichen Festtagen, die zugleich staatliche Feiertage sind. Damit wird die biblische Chronologie eingehalten, denn Lukas berichtet, dass Jesus am 40. Tag nach der Auferstehung vor den Augen der Jünger am Ölberg in den Himmel entrückt wird. Chronologie ist in dem Fall schon Theologie, denn „vierzig“ ist in der Bibel eine wahrhaft heilige Zahl: Vierzig Tage dauert die Sintflut; vierzig Jahre zieht Israel durch die Wüste und vierzig Tage ist Mose vor dem Antlitz Gottes auf dem Sinai; vierzig Tage ist Elija auf der Flucht vor Isebel in der Wüste; vierzig Tage fastet Jesus… Die Heiligkeit der Vierzigzahl kommt daher, dass auch ein Kind bis zu 40 Wochen im Leib seiner Mutter ist, bevor es geboren wird. Vierzig ist also die Zahl des Neuwerdens. Vierzig bringt die definitive Vollendung. Der springende Punkt des Christentums ist der – religionswissenschaftlich einzigartige – Glaube an die Menschwerdung Gottes. Dass der un-endliche Gott endlich wird, dass der Zeitlos-Ewige in unsere Zeit kommt (die wir Christen fortan ab seiner Geburt rechnen), dass der un-fassliche Gott in der Gestalt eines einzelnen Menschen fassbar wird, ist eine „Torheit“, ja eine „Provokation“. Der heilige Bernhard von Clairvaux († 1153) spricht von einer Liebestorheit Gottes, der sich auf Krippen- und Kreuzeslänge verkürzt. Nach dem Schweizer Theologen Hans Urs von Balthasar († 1988) begegnen wir in Jesus dem „Universale Concretum“: In einem konkreten Menschen, Jesus von Nazareth, ist die universale Fülle des Göttlichen gegenwärtig. Übrigens kristallisiert sich diese christologische Provokation in unserem katholischen Umgang mit der Eucharistie: in

Heilige im Dom

Heiliger Johannes Nepomuk Unzählige Statuen und Bilder vom hl. Johannes Nepomuk zieren Brücken in ganz Europa. Wie es dazu kam und warum er auch heute noch als Brückenheiliger von Bedeutung ist. Von Pfarrer Konstantin SPIEGELFELD „Tacui“ – ich habe geschwiegen! Wie oft haben ich oder andere Menschen, die vor dem riesigen Fresko von Leopold Kuppelwieser in unserer Pfarrkirche an der Praterstraße gestanden sind, erklärt, warum um den Kopf des hl. Johann Nepomuk, der bekleidet mit Talar und Rochett von Engeln in den Himmel gehoben wird, fünf Sterne gemalt sind. Bei einer Reise unserer Pfarrgemeinde nach Prag im Herbst 2015 habe ich viel gelernt. Dabei überquerten wir nicht nur die berühmte gemauerte gotische Karlsbrücke über die Moldau mit der wohl bekanntesten Darstellung des Heiligen in der Mitte, sondern besuchten auch die deutschsprachige röm. kath. Pfarre St. Johann Nepomuk am Felsen, die vom Wiener Redemptoristenpriester P. Martin Leitgöb geleitet wird.

Foto: Herbert Tichova

Die beiden Legenden und die Geschichte 1393 soll gemäß der Beichtlegende der eifersüchtige König Wenzel IV. den Beichtvater seiner Angetrauten unter Folter dazu genötigt haben, ihm zu erzählen, was ihm diese im Beichtstuhl mitgeteilt hatte. Als er dies aber mit dem Hinweis auf das Beichtgeheimnis beharrlich verweigerte, ließ ihn der grimmige Monarch schließlich in der Moldau ertränken. Historisch ist die am 20. März 1393 auf Geheiß Wenzels erfolgte Ermordung des Kirchenmannes jedoch damit zu begründen, dass er als Generalvikar und Gefolgsmann des Prager Erzbischofs zwischen die politischen Fronten geriet. Die Auffindung des Leichnams des nachmaligen Brückenheiligen ist ebenfalls legendär: Als dieser nach Wochen im trüben Moldauwasser entdeckt wurde, sollen sich darüber fünf Sterne befunden haben. Diese wurden mit den fünf Buchstaben von „tacui“ oder mit den Sternen der Muttergottes in Verbindung gebracht. Im Zuge des Heiligsprechungsprozesses wurde der im Prager

aus der tschechischen, deutschen und jüdischen Kultur. Die Geschichte dieses Landes und die Geschichte der Hauptstadt sind unsere gemeinsame Geschichte. Der hl. Johannes Nepomuk ist eigentlich ein Patron Europas.“

Konstantin Spiegelfeld ist Pfarrer der Wiener Pfarre St. Johann Nepomuk im zweiten Bezirk

Ein Brückenheiliger

Veitsdom befindliche Sarg des ermordeten Priesters geöffnet. Als man ein rötliches Gewebe entdeckte und als unverweste (verschwiegene) Zunge interpretierte, war das Wunder perfekt.

Die Gegenreformation Johannes ist ein typischer Heiliger der Gegenreformation. Bis weit ins 16. Jh. hinein wurde der Reformator Jan Hus (verbrannt 1415 beim Konzil von Konstanz) in Böhmen wie ein Heiliger verehrt. Nach der Schlacht am Weißen Berg 1620 startete in Böhmen unter Kaiser Ferdinand II. die Gegenreformation, die unter dem starken Einfluss der Jesuiten stand. Man suchte ein neues Identifikationssymbol für das christliche Böhmen an Stelle von Jan Hus und fand es in Johannes Nepomuk. Beide trugen den Namen Johannes, beide lebten ungefähr in der selben Zeitepoche, beide wurden gewaltsam getötet, beide waren Priester – der eine wurde in der Gegenreformation bewusst als Ketzerpriester dargestellt, der andere – Johannes Nepomuk – als vorbildlicher Priester, auch darum die Beichtlegende.

Heute ein Patron Europas Kardinal Duka hielt beim Festgottesdienst anlässlich der Pfarrerhebung der deutschen Gemeinde am 4. Dezember 2016 neben seiner Predigt ein vielbeachtetes Schlusswort. Darin hieß es: „Die deutsche Sprache war die Muttersprache des heiligen Johannes Nepomuk. Unsere Hauptstadt Prag ist entstanden

▶ Der Heilige hat die unterschiedlichen Wirklichkeiten und geistigen Quellen, die Trennung von Kirche und Staat, als Priester gelebt, ist unermüdlich und mit viel Geschick dafür eingetreten. ▶ Das Sakrament der Versöhnung, die hl. Beichte ist ganz kostbar. Als Priester wird mir darin viel anvertraut, ich bin aber „nur“ Mittler zwischen Gott und dem konkreten Menschen. Jesus selbst schenkt Vergebung! ▶ Brücken verbinden, ermöglichen gegenseitiges Verstehen, eröffnen Beziehungen. Sie erfordern den persönlichen Entschluss, Altes, Vertrautes zurückzulassen und Neues kennenlernen zu wollen. ■

Gedenktag: 16. Mai , Priester, Märtyrer geboren um 1345 in Pomuk bei Pilsen (Tschechien) – gestorben am 20. März 1393 in der Moldau in Prag Patron: von Tschechien, von Böhmen, der Stadt Salzburg; der Beichtväter, Priester, Schiffer, Flößer, Müller; der Brücken; des Beichtgeheimnisses; gegen Wassergefahren; bei Zungenleiden; für Verschwiegenheit Darstellung: auf Brücken; als Priester mit Talar und Rochett, das Birett auf dem Kopf; Märtyrerpalme, Buch und Kruzifix in der Hand; Finger auf Mund; Sternenkranz um den Kopf. Im Stephansdom ist ein nördl. Kredenzaltar (1723) dem Johannes Nepomuk geweiht. In der Reliquienkapelle findet sich eine Knochenreliquie des Heiligen.

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Ostern 2017 41

Aus der Dompfarre

Die Karwoche und Ostern in St. Stephan Palmsonntag, 9. April 2017 08.45 Uhr 09.45 Uhr ca. 10.15 Uhr

Pfarrmesse Palmweihe bei der Dreifaltigkeitssäule Am Graben, Palmprozession zum Dom Pontifikalamt mit Kardinal Schönborn. Reinthaler: Matthäus-Passion; Solisten, Wiener Domchor

Montag, 10. April 2017 18.00 Uhr

Chrisammesse – Weihe der Heiligen Öle. Kardinal Schönborn in Konzelebration mit Priestern aus der Erzdiözese; Gesänge aus dem Gotteslob

Gründonnerstag, 13. April 2017 08.00 Uhr 19.00 Uhr

Der Dom ist von 7–24 Uhr geöffnet.

Laudes mit Kardinal Schönborn; Gregorianische Choräle Hl. Messe vom Letzten Abendmahl und Fußwaschung. Kardinal Schönborn in Konzelebration mit Seelsorgern der Domkirche. Rheinberger: Missa Sancti Crucis und Motetten von Duruflé, Habel, Bruckner und Stopford; Wiener Domchor

anschließend ca. 21.00 Uhr

Ölbergandacht mit Motetten zum Gründonnerstag; Vokalquartett Anbetung beim Wiener Neustädter Altar bis Mitternacht Keine anderen Gottesdienste an diesem Tag

Karfreitag, 14. April 2017

Der Dom ist von 7–24 Uhr geöffnet. Trauermette mit Kardinal Schönborn; Gregorianische Choräle, Choralschola St. Stephan Kreuzweg mit Passionsmotetten, Vokalquartett Feier vom Leiden und Sterben Christi mit Kardinal Schönborn Wortgottesdienst, große Fürbitten, Kreuzverehrung und Kreuzprozession durch den Dom, Kommunionfeier Schütz: Johannes-Passion, Motetten von Palestrina, Gallus, Haydn, Bruckner und Landerer; Solisten, Vokalensemble St. Stephan Anbetung beim Wiener Neustädter Altar bis Mitternacht Keine anderen Gottesdienste an diesem Tag 08.00 Uhr 14.30 Uhr 18.00 Uhr

Karsamstag, 15. April 2017

Der Dom ist von 7–24 Uhr geöffnet. 08.00 Uhr Trauermette mit Kardinal Schönborn; Gregorianische Choräle, Choralschola St. Stephan Grabwache beim Wiener Neustädter Altar bis 20.00 Uhr 21.00 Uhr Feier der Osternacht mit Kardinal Schönborn. Segnung des Osterfeuers im Hof des Erzbischöflichen Palais (Stephansplatz 7) Währenddessen bleibt der Dom geschlossen. Prozession in den Dom, Lichtfeier mit Exsultet, Wortgottesdienst, Eucharistiefeier, Geläute der Pummerin Musik für Chor, Bläser und Orgel; Vokalensemble St. Stephan, Wiener Dombläser Keine anderen Gottesdienste an diesem Tag

Ostersonntag, 16. April 2017 09.00 Uhr 10.15 Uhr

16.30 Uhr 21.00 Uhr

Hochfest der Auferstehung des Herrn Pfarrmesse mit anschließender Segnung der Osterspeisen Pontifikalamt mit Kardinal Schönborn Haydn: Theresien-Messe; Solisten, Wiener Domchor, Wiener Domorchester Geläute der Pummerin Feierliche Vesper mit Kardinal Schönborn. Mozart: Vesperae solennes de Dominica; Solisten, Vokalensemble St. Stephan, Wiener Domorchester Hl. Messe mit Domprediger Huscava; Musik für Trompete und Orgel

Ostermontag, 17. April 2017 10.15 Uhr 42

Gottesdienstordnung wie an Sonntagen Hochamt mit Dompropst Pucher. Mozart: Orgelsolo-Messe; Solisten, Wiener Domchor, Wiener Domorchester

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Ostern 2017

und im Pfarrgebiet von St. Stephan Franziskanerkirche

Deutschordenskirche

St. Ruprecht

8.45 Uhr 10.00 Uhr 11.30 Uhr

9.00 Uhr deutsch 11.00 Uhr ungarisch

Gottesdienst mit Palmprozession am Vorabend um 17 Uhr, anschl. Konzert um 19.30 Uhr anlässlich 30 Jahre Gemeinde St. Rupprecht

— 18.00 Uhr deutsch 19.30 Uhr für seelisch Leidende

— 20.00 Uhr Eucharistiefeier

8.00 Uhr 10.00 Uhr 16.00 Uhr

— — 15.00 Uhr deutsch 17.00 Uhr für seelisch Leidende 19.00 Uhr ungarisch

— — 20.00 Uhr Karfreitagsliturgie

8.00 Uhr 20.00 Uhr

— 18.00 Uhr deutsch 20.00 Uhr für seelisch Leidende 22.00 Uhr ungarisch

9.30 Uhr Gebet am Kreuz

8.45 Uhr 10.00 Uhr 11.30 Uhr

9.00 Uhr deutsch 11.00 Uhr ungarisch

4.00 Uhr Liturgie der Osternacht, anschließend Osterfrühstück

8.45 Uhr 10.00 Uhr 11.15 Uhr

9.00 Uhr deutsch 11.00 Uhr ungarisch

Palmsonntag Hl. Messe

Gründonnerstag Laudes 8.00 Uhr Hl. Messe v. letzten Abendmahl 18.00 Uhr

Karfreitag Trauermette Kreuzwegandacht Feier vom Leiden und Sterben Christi

Karsamstag Trauermette Feier der Osternacht

Ostersonntag Hl. Messe

Ostermontag Hl. Messe



Herzliche Einladung zu den Flohmärkten der Dompfarre St. Stephan:

Foto: privat

Bücherflohmarkt am 20.–21. 5. 2017 (NUR Bücher, CDs, DVDs, Schallplatten ) ▶ Warenabgabe ab Freitag, 12. 5. bis Donnerstag, 18. 5. ▶ Verkauf: im Klemenssaal, 1010 Wien, Stephansplatz 3, Sa 10–16 Uhr, So 10–15 Uhr Kleiderflohmarkt am 30. 9.–1. 10. 2017 (NUR Kleidung, Schuhe, Taschen, Hüte) ▶ Warenabgabe ab Freitag, 22. 9. bis Donnerstag, 28. 9. ▶ Verkauf: im Klemenssaal, 1010 Wien, Stephansplatz 3, Sa 10–17 Uhr, So 10–15 Uhr

Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Ostern 2017 43

Aus Chronik der Dompfarre

Einige Termine zum Vormerken April SA 22.4. MO 24.4. DO 27.4. SO 30.4.

18.00 Uhr 20.00 Uhr 18.00 Uhr 20.00 Uhr 9.00 Uhr

Hl. Messe mit Teilnehmern des Vienna City Marathons, mit Dompfarrer Faber Nacht der Barmherzigkeit (bis Mitternacht) Hochamt zum Domweihetag mit Dompropst Pucher Gebetsstunde für die Anliegen der Dompfarre (Barbarakapelle) Pfarr-Erstkommunion mit Dompfarrer Faber

Mai TÄGLICH (MO-SA) MAIANDACHT UM 17.00 UHR MO 1.5. 17.00 Uhr Maiandacht mit Weihbischof Scharl – Chorgestaltung und Predigt DO 4.5. 17.00 Uhr Spendermaiandacht des Vereins „Unser Stephansdom“ mit Domdekan Rühringer 18.00 Uhr Messe in den Anliegen des Hl. Vaters 19.00 Uhr Messe für Leidende und Kranke mit Dompfarrer Faber FR 5.5. 19.00 Uhr Herz Jesu Messe SA 6.5. 18.00 Uhr Requiem zum 1. Todestag von Prof. Maetzl mit Kardinal Schönborn SO 7.5. 9.00 Uhr Erstkommunion der Volksschule am Judenplatz DI 9.5. 17.00 Uhr Maiandacht mit P. Benno Mikocki OFM – Chorgestaltung und Predigt DO 11.5. 19.30 Uhr Präsentation von Teil III der Verhüllungsinstallation von Victoria Coeln FR 12.5. 19.00 Uhr Stunde der Barmherzigkeit SA 13.5. 17.30 Uhr Marien-Feier „Unsere Liebe Frau von Fatima“ mit Erzbischof Kothgasser. Beginn in der Franziskanerkirche; Festandacht und Rosenkranz, Lichterprozession zum Dom, Pontifikalamt SO 14.5. 9.00 Uhr Erstkommunion der Volksschule am Judenplatz MI 17.5. 17.00 Uhr Maiandacht mit Dompfarrer Faber – Chorgestaltung und Predigt DO 18.5. 12.00 Uhr Hl. Messe der Silbernen Priesterjubilare mit Kardinal Schönborn MO 22.5. 17.00 Uhr Maiandacht mit Segnung und Verteilung der Marienrosen mit Pfarrer Kaiser MI 24.5 – BIS MO 5.6. STEFFL-KIRTAG 2017 findet heuer aufgrund der Generalsanierung des Stephansplatzes Am Hof und im Dom statt (Programm: siehe www.dompfarre.info bzw. auf den Kirtags-Foldern im Dom) DO 25.5. – CHRISTI HIMMELFAHRT 10.15 Uhr Pontifikalamt mit Kardinal Schönborn SA 27.5. 17.00 Uhr Marien-Feier: Festandacht und Rosenkranz, Lichterprozession, feierliches Hochamt mit Propst Kroisleitner DI 30.5. 12.00 Uhr Hl. Messe der Goldenen Priesterjubilare mit Kardinal Schönborn MI 31.5. 17.00 Uhr Maiandacht mit Pfarrer Brei – Chorgestaltung und Predigt 20.00 Uhr Gebetsstunde für die Anliegen der Dompfarre (Barbarakapelle)

Juni DO 1.6.

18.00 Uhr 19.00 Uhr FR 2.6. 19.00 Uhr SA 3.6. 9.00 Uhr 18.00 Uhr SO 4.6. PFINGSTEN 10.15 Uhr 13.30 Uhr 16.30 Uhr DI 6.6. 14.00 Uhr MI 7.6. FR. 9.6.

18.00 Uhr 18.00–0.30 Uhr

Messe in den Anliegen des Hl. Vaters Hl. Messe für Leidende und Kranke mit Dompfarrer Faber Herz Jesu Messe Diözesanfirmung mit Domdekan Rühringer und Dompfarrer Faber Festgottesdienst zum Steffl-Kirtag mit Dompfarrer Faber und Priestern der Erzbischöflichen Cur Hochamt mit Prälat Weismayer Festgottesdienst anlässlich des 75. Pennälertags, mit Kardinal Schönborn Vesper Wallfahrt nach Maria Grün (Reisesegen) (Die 17-Uhr-Andacht im Dom entfällt) Ökumenischer Gottesdienst mit Teilnehmern des Österr. Pflegekongresses Lange Nacht der Kirchen

44 Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Ostern 2017

30+

+ Die Sommerordnung der Gottesdienst- und Beichtzeiten gilt von So 1.7. bis So 3.9.

Juli

Druckerei Zimmer & Zimmer GmbH FN084623x

19.00 Uhr

Herz Jesu Messe Herzlichen Dank für Ihre Pfarrblatt-Spende!

FR 7.7.

August FR 4.8. 19.00 Uhr Hl. Messe zum Tag des Priesters FR 15.8. – MARIÄ HIMMELFAHRT 10.15 Uhr Hochamt SA 26.8. 13.00 Uhr „Ungarn“-Messe DI 29.8. 10.00 Uhr Fiacrius-Messe

Das ist es mir wert . Danke, dass Sie unser Pfarrblatt lesen! Die Produktion eines Heftes kostet rund 5 Euro. In den vergangenen Jahren konnten wir mit den eingelangten Spenden im Schnitt etwa ein Viertel der anfallenden Jahreskosten decken. Wenn Sie uns weiterhin unterstützen möchten, überweisen Sie bitte Ihren finanziellen Beitrag mit Zahlschein auf unser PfarrblattKonto! Herzlichen Dank!

BSSWATWW

Herz Jesu Messe Mariazeller Fest Mariä Namen-Feier mit Erzbischof Lackner SO 13.9. 15.00 Uhr Mariä Namen-Feier mit Kardinal Schönborn (Kurzfristige Änderungen vorbehalten!)

AT81 1919 0000 0022 4568

19.00 Uhr 17.00 Uhr 15.00 Uhr

Dompfarramt St. Stephan, Pfarrblatt

September FR 1.9. SA 2.9. SA 9.9.

+

Pontifikalamt mit Kardinal Schönborn, anschl. Prozession durch die Innenstadt SA 17.6. 9.30 Uhr Priesterweihe mit Kardinal Schönborn DO 22.6. 20.00 Uhr Gebetsstunde für die Anliegen der Dompfarre (Barbarakapelle) FR 23.6. – HOCHFEST HERZ JESU 18.00 Uhr Hochamt mit Dompropst Pucher SA 24.6. – JOHANNES DER TÄUFER 12.00 Uhr Hochamt mit Domkapitular Prokschi DO 29.6. – HLL. PETER UND PAUL 18.00 Uhr Hochamt

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DO 15.6. – FRONLEICHNAM 8.30 Uhr

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Pfarrfirmung mit Dompfarrer Faber

AT81 1919 0000 0022 4568

16.00 Uhr

Dompfarramt St. Stephan, Pfarrblatt

SA 10.6.

19.00–20.15

The Longfield Gospel Workshop

Ein 80-köpfiger Chor singt die bekanntesten Gospel-Songs und Spirituals. Leitung: Georg Weilguny. www.longfield.at

20.30–21.45

Stunde der Barmherzigkeit

Musik–Anbetung–Stille Leitung: Angelika Huber und Rainer Hawlicek www.dompfarre.info

22.00–23.00

Anton Bruckner: Messe in d-moll

Solisten, Wiener Domchor, Wiener Domorchester Leitung: Domkapellmeister Markus Landerer www.dommusik-wien.at

23.15–00.30

Timna Brauer & Elias Meiri Ensemble: Songs from Jerusalem

Mit „Songs from Jerusalem“ schöpfen die Wiener Sängerin Timna Brauer und ihr langjähriger musikalischer Partner Elias Meiri aus dem überaus reichen Schatz jüdischer Musiktradition. www.brauer-meiri.com

Zur gleichen Zeit im Dom 19.00–00.30 Verhüllungen Lebenszeit – Herkunft – Geschlecht Kunstinstallation von Victoria Coeln. www.coeln.at

19.00–22.00

Gräbergang in St. Stephan

Meditativer Rundgang durch die Katakomben www.stephanskirche.at

19.00–22.00

Offene Dombauhütte

Dombaumeister und Steinmetze informieren. Die Dombauhütte ist von außen begehbar. http://dombauwien.at/

19.00–22.00

343 Stufen in die Türmerstube

Besteigung des Südturms. www.stephanskirche.at

In der Curhauskapelle 18.30–19.15 Maximilianische Hofmusik Ensemble „Music For A While“ Vokal/Instrumental mit Gamben, Posaune, Zink, Dulzian

19.30–20.00

Orgelwerke Barocker Meister

mit Domorganist Ernst Wally

20.15–21.00

Geistliche Musik des Frühbarocks

Ensemble „OPUS ULTIMUM“ Vokal/Instrumental mit Zink, Violone, Orgel

Foto: Franz Josef Rupprecht/kathbild.at

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! Pfarrblatt Dompfarre St. Stephan · Ostern 2017 47

Zum Nachdenken

So erreichen Sie uns: Dompfarrer

Lebenszeichen In der Wüste des Tages wird Dir eine Blume geschenkt. Uns sieh mal an: die Kraft dieser Blume schafft Dir eine Oase, eine Quelle, einen Mittagsschatten. In der Sprachlosigkeit des Tages bringt ein Bote Dir einen Brief. Und sieh mal an: die Kraft dieser Worte baut Dir eine Brücke über Abgründe des Schweigens. Im Kleinkrieg des Tages wird Dir eine Hand gereicht. Und sieh mal an: die Kraft dieser Handreichung macht Deinen Kriegsschauplatz zum Tal des Friedens.

Toni Faber 51552-3521 [email protected]

In der Verlassenheit der Nacht auf Deinem traurigen Heimweg gibt Gott Dir einen Tagesanbruch. Und sieh mal an: aus Deinem Weltuntergang wird erster Schöpfungstag, wird Morgen der Auferstehung.

Pfarrkanzlei Mo. bis Fr. 9.00–15.00 Uhr www.dompfarre.info [email protected] www.facebook.com/Dompfarre Fax: 51552-3720 Christian D. Herrlich 51552-3136 [email protected] Susanne Leibrecht 51552-3535 [email protected] Barbara Masin 51552-3530 [email protected] Birgit Staudinger 51552-3530 [email protected] Tauf- und Trauungsanmeldung Anna Jeż (zusätzlich Fr. 14.00–18.00 Uhr) 51552-3534 [email protected]

Sieh mal an: die geschenkte Blume, das umarmte Wort, die vielsagende Hand, den aufleuchtenden Tag. Joop Roeland

Pfarrcaritas, Seniorenpastoral Mariette Auersperg 51552-3544 Mi. und Do. 9.30–11.30 Uhr [email protected]

Domarchiv

Liebe Leser, wir wünschen Ihnen ein gesegnetes Osterfest, viele Zeichen der Freude, Mut zum Brückenbauen und die Begegnung mit dem Auferstandenen!

Wenn Sie Exemplare irrtümlich doppelt zugeschickt bekommen oder Name und/oder Adresse falsch geschrieben sind, senden Sie bitte das durch gestrichene oder korrigierte Adress feld an uns. Danke für Ihre Mithilfe!

Ihr Dompfarrer Toni Faber und das Redaktionsteam

Reinhard H. Gruber 51552-3531 Unter matricula-online.eu Einsicht in Altmatriken (persönl.: Do. 13.00–15.00 Uhr) [email protected] [email protected] Domsakristei 51552-3536

Kirchenmeisteramt/Führungen Finanz- und Verwaltungsdirektion 51552-3767 Führungsanmeldung 51552-3054 www.stephanskirche.at [email protected] Führungen für Klein und Groß 0664/46 22 007 Dombausekretariat 51552-3714 Portier des Curhauses 51552-3540 Dommusik www.dommusik-wien.at [email protected] Domkapellmeister Markus Landerer 51552-3573 [email protected] MMag. Ernst Wally 51552-3193 [email protected] Dommusikus Mag. Thomas Dolezal 0699/1500 21 31 [email protected] Impressum P.b.b. Erscheinungsort Wien, Verlagspostamt 1010 Wien Sponsoring Post GZ 02Z031920 S Impressum: Offenlegung nach §25 Mediengesetz, St. Stephan – Mitteilungsblatt der Dompfarre St. Stephan, Herausgeber, Alleininhaber und Redaktion: Dompfarre St. Stephan, 1010 Wien, Stephansplatz 3, DVR 0029874 (1766) Grundsätzliche Richtung: Informations- und Kommunikationsorgan der Dompfarre St. Stephan, unterstützt die Glaubensverkündigung und die Seelsorge. Für den Inhalt verantwortlich: Dompfarrer Toni Faber. Namentlich gekennzeichnete Artikel müssen nicht mit der Ansicht des Herausgebers übereinstimmen. Autorenverzeichnis Seite 29. Gestaltung und Satz: Charly Krimmel | www.sonderzeichen.at Druck: Zimmer Offset- und Digitaldruckges. mbH, 1160 Wien. Gedruckt auf Offsetpapier, chlorfrei gebleicht.