Braucht Deutschland Einwanderer? Und was ist zu tun? - Heimatkunde

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Dietrich Thränhardt Braucht Deutschland Einwanderer? Und was ist zu tun? Die demographische Herausforderung und der Einwanderungsbedarf über dreißi...

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Dietrich Thränhardt

Braucht Deutschland Einwanderer? Und was ist zu tun?

Die demographische Herausforderung und der Einwanderungsbedarf

über dreißig Jahren liegen sie bei 1,3-1,4 Kinder pro Frau. Es werden also nur etwa zwei Drittel der Kinder geboren, die zur Aufrechterhaltung des Bevölkerungs-

Deutschland braucht Einwanderung. Seit fünf Jahren ist

standes notwendig wären. Die Bevölkerung in den neu-

der Bevölkerungsrückgang keine Prognose mehr, son-

en Ländern hat sich nach höheren Geburtenzahlen in

dern Realität. Jahr für Jahr geht die Bevölkerungszahl

den letzten Jahrzehnten der DDR und einem radikalen

um mehr als hunderttausend Menschen zurück. In eini-

Rückgang nach der Wiedervereinigung an diesen Stand

gen Bereichen Ostdeutschlands und in strukturschwa-

angepasst (siehe Schaubild 1).

chen Gegenden Westdeutschlands führt das zu dramatischen Schrumpfungen, mit der Konsequenz, dass sich

Trotz einer breiten Diskussion werden die politischen

eine Spirale nach unten entwickelt: weniger Menschen,

Maßnahmen nicht kohärent entwickelt, zudem sind Ge-

weniger Investitionen, weniger Chancen, weniger Dy-

burtenentwicklungen nicht kurzfristig radikal veränder-

namik. Seit 2009 ist zudem zu beobachten, dass die

bar. Eine derartige demografische Entwicklung entfaltet

Zahl der Berufseinsteiger in Ostdeutschland rapide

ihre eigene Dynamik. Folgen zwei Generationen auf-

sinkt – eine Folge der Halbierung der Geburtenzahlen

einander, die sich nur zu zwei Dritteln reproduzieren, so

in den neuen Ländern nach der Wiedervereinigung

schrumpft die Geburtenzahl damit insgesamt schon um

(Schaubild 1).

mehr als die Hälfte. Auch die meisten Einwanderergruppen passen sich nach einer Generation weitgehend

Damit leidet die wirtschaftliche Entwicklung unter einer

an dieses generative Verhalten an.

zusätzlichen Restriktion. Zu dem Kreislauf von Nachfragemangel und Investitionsschwäche kommt der

Schaubild 1:

Mangel an geeigneten Arbeitskräften, mit der Folge, dass Investitionen ausbleiben und in Länder fließen, in denen all dies zur Verfügung steht, ob es sich nun um Niedriglohnländer wie Polen, China oder Vietnam handelt oder um Hochlohnländer wie die Schweiz, in denen sich eine dynamische Entwicklung um Unternehmenszentralen und Forschungsstandorte abspielt, und zwar mit Hilfe einer starken, flexiblen und motivierten Einwanderung, unter anderem aus Deutschland. Wenn es nicht gelingt, der demographischen Schwäche durch Einwanderung oder durch höhere Effektivität zu begegnen, könnte die negative Entwicklung, die wir heute in einigen Landesteilen erleben, Vorbote für die Entwicklung im ganzen Land sein. Tabelle 1: Bevölkerungszahl Deutschlands 2005-2008 (in Tausenden)

Dementsprechend prognostiziert das Statistische Bundesamt (2009): • “Die Bevölkerungszahl wird von heute 82 Millionen

2005 2006 2007 2008 2009 82 438,0 82 314,9 82 217,8 82 002,4 81 800 (Schätzung) - 276,9 - 97,1 - 215,4 - 202,4 (Schätzung)

• 2060 werden über 500.000 mehr Menschen sterben,

Es ist nicht zu erwarten, dass sich die Geburtenzahlen

• 65 Jahre oder älter ist heute jeder Fünfte, 2060 wird

auf 65 bis 70 Millionen im Jahr 2060 zurückgehen. als Kinder geboren werden. • 2060 wird es fast so viele 80-Jährige und Ältere geben wie unter 20-Jährige.

in Deutschland entscheidend verändern werden. Seit DOSSIER Mobility and Inclusion- Managing Labour Migration in Europe Heinrich-Böll-Stiftung, February 2010

es jeder Dritte sein.

1

• Die Bevölkerung im Erwerbsalter wird besonders

Südeuropa ökonomisch nur bedingt negativ zu Buche

rapide im kommenden Jahrzehnt altern: Von den 20-

schlägt, legt die Analyse der Auswanderung in die erst-

bis 64-Jährigen insgesamt werden um das Jahr 2020

genannten Länder nahe, dass es hier um die Auswan-

40% zwischen 50 und 64 Jahre alt sein.

derung gut ausgebildeter Fachkräfte im besten Arbeits-

• Die Bevölkerung im Erwerbsalter von 20 bis 64 Jah-

alter geht. Allein die Auswanderung von 2.439 Ärzten

ren wird von heute 50 Millionen auf 33 bis 36 Millio-

im Jahr 2007 lässt sich mit einem Verlust an Ausbil-

nen im Jahr 2060 zurückgehen.

dungskosten in Höhe von 1,060 Milliarden € berechnen,

• 2060 werden etwa doppelt so viele Personen im Rentenalter auf 100 Personen im Erwerbsalter ent-

wenn man die Ausbildung eines Mediziners mit 435.000 € kalkuliert.

fallen wie heute.” (Statistisches Bundesamt 2009) Für die Jahre 2001-2008 zusammengenommen wären dies 7,9 Mrd. €. Die Steuern, die Deutschland damit

Im Gegensatz zu früher ist die Einwanderung gering

entgangen sind, liegen bei 2,6 Mrd. bzw. 19,6 Mrd. €,

In dieser Prognose ist bereits eine hohe Zuwanderung

keit 1,08 Mio. € Steuern zahlt. 2007 gingen 647 Ärzte in

enthalten. In den letzten Jahren ist die Einwanderung

die Schweiz, 269 nach Österreich, 195 in die USA und

allerdings sehr zurückgegangen und fast zum Stillstand

101 nach Großbritannien. All diese Angaben sind

gekommen. Über Jahrzehnte hatte sie das bundes-

selbstverständlich Schätzungen, sie geben aber einen

deutsche Geburtendefizit ausgeglichen, das schon seit

Eindruck von der Bedeutung solcher Bewegungen in

1972 besteht. Dieser Rückgang betrifft die vom Staat

nur einer Berufsgruppe. Während die Abwanderung

organisierte Zuwanderung ebenso wie die unregulierte

deutscher Ärzte nach Großbritannien zum Stillstand

Zuwanderung im Rahmen der Europäischen Union oder

kommen dürfte (Hoesch 2009), ist weiterhin mit Migrati-

anderer offener Systeme.

on in die Schweiz, nach Österreich und auch nach

wenn man annimmt, dass ein Arzt im Lauf seiner Tätig-

Norwegen zu rechnen (OECD 2007; SVR 2009). Mit dem Zuwanderungsgesetz von 2005 ist die Zuwanderung von Aussiedlern ebenso wie die von Juden aus

Tabelle 2: Abwanderung von Ärzten aus Deutschland

der ehemaligen Sowjetunion weitgehend zum Erliegen

Jahr

gekommen. Die Zahl der Asylbewerber ist ebenfalls

2001

1.437

zurückgegangen, nur wenige Flüchtlinge werden aner-

2002

1.691

kannt. Die Aufnahme von Kontingentflüchtlingen aus

2003

1.992

Syrien und Jordanien 2009 beschränkte sich auf weni-

2004

2.731

ge Tausend. Der Familiennachzug aus der Türkei und

2005

2.249

anderen Ländern ist mit gezielten Maßnahmen einge-

2006

2.575

schränkt worden, indem für Zuwanderer aus Visums-

2007

2.439

ländern besondere Sprachanforderungen gestellt wur-

2008

3.065

den.

2001-2007

18.179

Gleichzeitig hat die Zuwanderung aus den alten Mit-

Zahl der Ärzte

Quelle: Bundesärztekammer; BAMF 2008, 142; Kopetsch 2009.

gliedsstaaten der Europäischen Union (EU 15) abge-

Die seit der „Green Card“-Initiative von Bundeskanzler

nommen und tendiert im Saldo gegen Null. Nur aus den

Schröder vieldiskutierte Zuwanderung von Hochqualifi-

neuen ostmitteleuropäischen EU-Ländern, insbesonde-

zierten ist bisher nur ein dünnes Rinnsal geblieben.

re aus Polen, Rumänien und Bulgarien, kommt ein be-

2007 kamen ganze 151 Hochqualifizierte, 2008 waren

trächtlicher Strom an EinwanderInnen. Bis 2011 bzw.

es 157, zur Hälfte US-Amerikaner. Auch die Absenkung

2014 bestehen gegenüber diesen Staaten aber Restrik-

der Gehaltsanforderungen von 86.400 € auf 63.600 €

tionen bei der Zuwanderung.

dürfte an diesen geringen Zahlen nicht Entscheidendes ändern. Mehr Bedeutung hatten die Inter-Company-

Dagegen existiert ein Auswanderungsüberschuss ge-

Transfers, sie stiegen von 4.783 im Jahr 2006 auf 5.419

genüber der Schweiz, Österreich, Großbritannien, Ka-

im Jahr 2007 an, darunter allein 1710 bzw. 2225 Inder

nada und den USA, außerdem gegenüber den südeu-

(zu Konzept und Entwicklung vgl. Kolb 2004). Auch die

ropäischen Ländern Spanien, Italien, Portugal und

Zahl der zugewanderten Selbständigen war mit 891 im

Griechenland. Während die Alterswanderung nach

Jahr 2007 relativ gering.

DOSSIER Mobility and Inclusion- Managing Labour Migration in Europe Heinrich-Böll-Stiftung, February 2010

2

Die Zahl der ausländischen Studierenden („Bildungs-

gleichwohl aber in den letzten Jahren immer weniger

ausländer“) ging 2007 auf 177.852 zurück. Immerhin

Erfolg damit hatte, die EinwanderInnen effektiv in die

2.119 Absolventen nahmen im selben Jahr den neu ein-

Wirtschaft zu integrieren. Es entstand wieder der

geführten Aufenthaltsstatus in Anspruch, mit dem nach

sprichwörtliche Effekt, dass gut ausgebildete Spezialis-

dem Studium eine Beschäftigungsmöglichkeit gesucht

ten Taxi fahren oder Teller waschen (Schmidtke 2008,

werden kann. 644 von ihnen stammten aus China.

2010). Die kanadische Regierung ist daraufhin bemüht, die Anerkennung von Zeugnissen zu verbessern und

Im Gegensatz zu den 1970er, 1980er und 1990er Jah-

die Anwerbung direkter auf die wirtschaftlichen Bedürf-

ren und im Gegensatz auch zu erfolgreichen Einwande-

nisse des Landes und seine Unternehmen abzustellen

rungsländern wie der Schweiz (mit einem ähnlichen

(O’Shea 2009), was das Punktesystem schrittweise

Geburtendefizit) gleicht die Einwanderung das Gebur-

aushebelt.

tendefizit in Deutschland nicht mehr aus. Eine Ironie dieser Entwicklung besteht darin, dass Deutschland

In Deutschland ist das Problem weit gravierender (so

wenig Einwanderung zulässt, seitdem es sich als Ein-

schon Loeffelholz/Thränhardt 1996), Nicht-EU-Quali-

wanderungsland bekennt. Gleichzeitig bestehen be-

fikationen werden wenig anerkannt. Die Bundesagentur

gründete Zweifel daran, dass die Einwanderung das

für Arbeit berücksichtigt sie in ihrem großen System

Qualifikationsniveau der deutschen Bevölkerung erhöht.

überhaupt nicht und auf dieser defizienten Grundlage entstehen die problematischen Meldungen über die

Geringe Wertschätzung ausländischer Qualifikationen in Europas Einwanderungsländern Seitdem die Süssmuth-Kommission die Aufmerksamkeit darauf gelenkt hat, dass „ein weltweiter Wettbewerb um die besten Köpfe entstanden ist, der durch die gestiegene Mobilitätsbereitschaft dieser Personen ver-

geringen Qualifikationen der Zuwanderer. Ein Augsburger Team hat ein ganzes Buch über die mangelnde Anerkennung von Qualifikationen aus dem Ausland zusammengestellt (Englmann/Müller 2007). Besonders abgeschottet sind Bereiche wie der öffentliche Dienst und die Ärzteschaft.

schärft wird“ (BMI 2001), haben die meisten OECDLänder Programme entwickelt, um wirtschaftliche Eliten ins Land zu holen. Deutschland muss sich also in Bezug auf seine Attraktivität dem internationalen Wettbewerb stellen. Dabei hängt der Erfolg nicht einfach davon ab, ein klug konzipiertes Punkte-System oder andere Anwerbe-Maßnahmen zu entwickeln, sondern entscheidend sind die Offenheit von Wirtschaft, Gesellschaft und Politik und vor allem die effektive Platzierung

Das führt dazu, dass hochqualifizierte MathematikLehrerinnen aus Russland putzen gehen und Ärztinnen von der Bundesagentur mit öffentlichen Mitteln zu Altenpflegerinnen umgeschult werden, während gleichzeitig über Mangel an MathematiklehrerInnen und ÄrztInnen geklagt wird. Es findet eine enorme Verschwendung von Arbeits- und Lebenspotentialen statt, mit negativen Folgen nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für die Gesamtgesellschaft.

der Einwanderer. Faktoren wie das Image des Landes, die Akzeptanz und Einschätzung von Zeugnissen und Qualifikationen, die kulturelle Offenheit, die Langfristperspektive und die Einbürgerungsmöglichkeiten sind entscheidend (Doo-

Diese Entwicklung muss aktiv korrigiert werden, ehe man sich neuen Anwerbeideen zuwendet. Sonst läuft man Gefahr, dass auch die neu Angeworbenen nicht optimal eingesetzt werden, außerdem wird die Kunde von den suboptimalen Chancen von ZuwanderInnen in

mernik/Koslowski/Thränhardt 2009).

Deutschland über Netzwerke weitergegeben und erAuch wenn es gelänge, viele der bestqualifizierten Spe-

reicht potenzielle NeueinwanderInnen.

zialisten nach Deutschland zu holen, würde dies noch nicht garantieren, dass sie auch erfolgreich eingesetzt würden. Instruktiv dafür ist das Beispiel Kanadas, das nach einem ausgefeilten Punktesystem auswählt, gut qualifizierte EinwanderInnen bekommt, ein über sehr positives internationales Renommee für Multikulturalismus, Offenheit und Toleranz und über einen breiten gesellschaftlichen

Einwanderungskonsens

Trotz aller politischen Bekenntnisse zur Integration hat sich die strukturelle Integration der Zugewanderten in den letzten Jahren nicht verbessert, sondern eher verschlechtert. So ist der Anteil vollzeiterwerbstätiger Türkeistämmiger zwischen 1999 und 2008 zurückgegangen (Schaubild 2).

verfügt,

DOSSIER Mobility and Inclusion- Managing Labour Migration in Europe Heinrich-Böll-Stiftung, February 2010

3

60

50

als 40

Vollzeiterwerbstätig Teilzeiterwerbstätig Geringfügig beschäftigt Nicht erwerbstätig

30

20

10 die von deutschen Staatsangehörigen. 0 1999

2000

2001

2002

2003

2004

2005

2006

2008

Schaubild 2: Erwerbstätigkeit türkeistämmigen Einwanderer 1999-2008 – nur NRW (Prozentwerte) Schaubild: Martina Sauer/ Dirk Halm, Erfolge und Defizite der Integration türkeistämmiger Einwanderer - Entwicklung der Lebenssituation 1999 bis 2008. Essen: Zentrum für Türkeistudien 2009.

Die Ausbildungsbeteiligung von Jugendlichen mit aus-

78.000 Eingebürgerten auf einen neuen Tiefststand

ländischer Staatsangehörigkeit ist seit 1993 Jahr für

gefallen ist (SZ 22, 28.1.2010) – ein Ergebnis einer ge-

Jahr niedriger geworden (Schaubild 3) - besorgniserre-

zielten Erschwerung der Einbürgerung durch mehrere

gend auch deshalb, weil ihre Studienbeteiligung eben-

administrativ aufwendige Maßnahmen.

falls sehr viel geringer ist als die von deutschen StaatsDie niedrige Zahl von Einbürgerungen ist für unseren

angehörigen

Zusammenhang aus zwei Gründen besonders probleSchaubild 3: Ausbildungsbeteiligung von Deutschen und

matisch:

Ausländern (18 bis 21 Jahre), 1993-2006 (Prozentwerte)

• Erstens zeigen Untersuchungen einen positiven Zu80

sammenhang zwischen Staatsangehörigkeit und

70

Einkommenserfolg und

60 50 40 30

Gesamt Deutsche Ausländer

• zweitens hat die Staatsangehörigkeit neben ihrer rechtlichen Funktion auch eine identifikatorische

20 10

Komponente, bindet also an das Gemeinwesen.

19 93 19 94 19 95 19 96 19 97 19 98 19 99 20 00 20 01 20 02 20 03 20 04 20 05 20 06

0

Hinzuzufügen ist, dass der gegenwärtige Integrationsdiskurs eine stark paternalistische Färbung hat und die

Quelle: Integrationsbeauftragte, 7. Bericht der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration über die Lage der Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland, Berlin 2007.

Die Einbürgerungsquoten Deutschlands liegen nach wie vor weit unter denen der meisten europäischen Nachbarländer (Thränhardt 2008) – in Schaubild 4 dar-

MigrantInnen, insbesondere diejenigen aus islamischen Ländern, häufig als zivilisierungsbedürftig dargestellt werden – nicht nur in Ausfällen wie denen Sarrazins. Üben sie anspruchvolle Tätigkeiten aus, so löst das oft Erstaunen aus – keine gute Basis für Bewerbungen und Akzeptanz.

gestellt am Beispiel des Vergleichs mit den Niederlanden. Es wird geschätzt, dass die Zahl im Jahr 2009 mit

DOSSIER Mobility and Inclusion- Managing Labour Migration in Europe Heinrich-Böll-Stiftung, February 2010

4

Schaubild 4: Einbürgerungsquoten Deutschland* und

und unnötige Einschränkungen braucht Deutschland

Niederlande 1997-2008

eine Freisetzung der Initiative im offenen europäischen Raum und darüber hinaus.

10%

9%

8%

7%

Literatur

6% Deutschland

5%

Niederlande

BAMF 2008: Migrationsbericht des Bundesamtes für

4%

Migration und Flüchtlinge im Auftrag der Bundesre-

3%

gierung. Migrationsbericht 2007, Nürnberg: BAMF.

2%

BMI 2001: Zuwanderung gestalten, Integration för-

1%

dern. Bericht der Unabhängigen Kommission Zu-

0% 1997

1998

1999

2000

2001

2002

2003

2004

2005

2006

2007

2008

wanderung, Berlin: Bundesministerium des Innern. * Ohne Aussiedler. Quellen: Statistisches Bundesamt, Centraal Bureau voor de Statistiek, eigene Berechnungen.

Doomernik, Jeroen/Koslowski, Rey/Thränhardt, Diet-

(pink = Niederlande; blau = Deutschland)

rich 2009: The Battle for the Brains. Why Policy is not Enough to Attract the Highly Skilled, Washington D.C.: Transatlantic Academy.

Der offene europäische Raum bietet Chancen

Doomernik, Jeroen/Koslowski, Rey/Laurence, Jona-

Was ist zu tun? Die oben angesprochenen Erfahrungen

than/Maxwell,

Kanadas machen skeptisch gegenüber großen plan-

hardt, Dietrich 2009: No Shortcuts: Selective Migra-

wirtschaftlichen Ansätzen und vor allem gegenüber

tion and Integration. A Report to the Transatlantic

Einwanderung ohne konkrete Aussicht auf einen Ar-

Academy, Washington D.C.: Transatlantic Academy.

Rahsaan/Michalowski,

Ines/Thrän-

beitsplatz (Kolb 2008). Andererseits bietet die gegenwärtige weltweite Wirtschaftskrise Chancen auf neues Interesse vieler qualifizierter Menschen aus den europäischen Nachbarländern an Arbeit in Deutschland. Die Öffnung des Arbeitsmarktes für Polen, Balten, Tsche-

Englmann, Bettina/ Müller, Martina 2007: Brain Waste. Die Anerkennung von ausländischen Qualifikation in Deutschland, Augsburg: Tür an Tür Integrationsprojekte.

chen, Slowaken, Ungarn und Slowenen im Jahr 2011

Hoesch, Kirsten 2009: Was bewegt Mediziner? Die

wird bürokratische Hindernisse beseitigen. Die europäi-

Migration von Ärzten und Pflegepersonal nach

sche „Blue Card“ bietet darüber hinaus eine Öffnungs-

Deutschland und Großbritannien, Münster: Lit.

perspektive für gut ausgebildete Menschen von außerhalb der EU.

Kolb, Holger 2004: Einwanderung zwischen wohlverstandenem Eigeninteresse und symbolischer Po-

Wichtig dabei sind Offenheit, eine attraktive, durch-

litik, Münster: Lit.

schaubare und effiziente Arbeits- und Sozialpolitik, ein-

Kolb, Holger 2008: Plan oder Markt? Sind Punkte-

fache und kalkulierbare Aufenthalts- und Einbürge-

systeme und andere etatistische Instrumente der

rungsregelungen und ein diskriminierungsfreies Klima –

Königsweg zum Erfolg? in: Dietrich Thränhardt Hg.,

also insgesamt eine gute Ausgestaltung des Wirt-

Entwicklung und Migration, Berlin: Lit, 79-99.

1

schafts- und Gesellschaftsstandortes Deutschland . Die Haltung der Bundesagentur für Arbeit gegenüber ZuwanderInnen muss gründlich überprüft werden, ähnli-

Kopetsch, Thomas 2009: Arztzahlentwicklung: Hohe Abwanderung ins Ausland – sehr geringe Arbeitslosigkeit, in: Deutsches Ärzteblatt, 106(16).

ches gilt für viele andere Institutionen im staatlichen und parastaatlichen Bereich, vor allem die Kammern.

Loeffelholz, Hans Dietrich von/Thränhardt, Dietrich

Statt der Stilllegung der Aktivität durch Arbeitsverbote

1996: Kosten der Nichtintegration ausländischer Zuwanderer. Gutachten im Auftrag des Ministeriums für

1

Gegenwärtig scheint die Tendenz eher dahin zu gehen, monströse und unsinnige bürokratische Auswüchse zu schaffen, so etwa die Gesundheitsprämie , bei der ein beträchtlicher Teil durch Verwaltungskosten aufgebraucht wird, das Auseinanderziehen der Hartz 4 Verwaltungen in zwei voneinander unabhängige Einheiten oder die unglaublich komplexe Regelung für die „Optionskinder“ bei Volljährigkeit. DOSSIER Mobility and Inclusion- Managing Labour Migration in Europe Heinrich-Böll-Stiftung, February 2010

Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf: MAGS. OECD 2007: International Migration Outlook. Annual Report. 2007 Edition, Paris: OECD.

5

O’Shea, Edwina, 2009: Missing the Point(s): The De-

Statistisches Bundesamt 2009: Pressekonferenz

clining Fortunes of Canada’s Economic Immigration

“Bevölkerungsentwicklung in Deutschland bis 2060”,

Program, Washington DC.: Transatlantic Academy.

18.11.2009, Berlin.

Schmidtke, Oliver 2008: Die Einwanderungspolitik

Thränhardt, Dietrich 2008: Einbürgerung. Rahmen-

Kanadas – beispielgebend für Deutschland? in: Diet-

bedingungen, Motive und Perspektiven des Erwerbs

rich Thränhardt Hg., Entwicklung und Migration, Ber-

der deutschen Staatsangehörigkeit, Bonn: Friedrich-

lin: Lit, 51-78.

Ebert Stiftung.

Schmidtke, Oliver 2010: Canadian Multiculturalism as an Ethos, Policy and Conceptual Lens for Immigration Research, in: Dietrich Thränhardt/Michael Bommes Hg., National Paradigms of Migration Research, Göttingen: V & R Unipress, 41-60.

Dietrich Thränhardt ist emerierter Professor am Institut für Politikwissenschaft der Universität Münster. Er hat weitreichend im Bereich Migrations – und Integrationsforschung publiziert.

SVR 2009: Qualifikation und Migration: Potenziale und Personalpolitik in der „Firma Deutschland“, Berlin: Sachverständigenrat deutscher Stiftungen.

DOSSIER Mobility and Inclusion- Managing Labour Migration in Europe Heinrich-Böll-Stiftung, February 2010

6