christus - St. Stephan Breisach

christus - St. Stephan Breisach

2,50€ 2011 EINZELPREIS Auflage: 1000 Stück DIE INFORMATIONSSCHRIFT DES MÜNSTERBAUVEREINS BREISACH E.V. Nr. 46 2011 Münster bauverein Breisach e.V...

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2,50€

2011

EINZELPREIS Auflage: 1000 Stück

DIE INFORMATIONSSCHRIFT DES MÜNSTERBAUVEREINS BREISACH E.V.

Nr. 46 2011

Münster bauverein Breisach e.V.

unser Münster-Thema Glocken im Südturm

Gebt

CHRISTUS EINE STIMME

»Gebt CHRISTUS eine Stimme « – Das Stephansmünster erstrahlt in neuem Glanz

Anne-Christine Brehm bringt TEXT Licht in die Münster-Baugeschichte

Grußwort an die Leserinnen und Leser von unser Münster Werner Bauer, Pfarrer und Vorsitzender des Münsterbauvereins Breisach e. V.

12. Dezember 2010, Sonntag Gaudete

Das Stephansmünster erstrahlt in neuem Glanz



24

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von Hermann Metz



von Emil Göggel

»Freude dieser Stadt bedeute, Friede sei stets ihr Geläute.“ Ihr Pfarrer

Seite 2

Das Breisacher Münster ist ein sensibles Gotteshaus. Auch nach langer Renovierung ist es auf Ihre Hilfe angewiesen. Der Münsterbauverein Breisach e. V. ist für jede Spende dankbar. Kontonummern siehe Impressum auf der Umschlag-Rückseite

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St.Stephan Die Zeichnung ist einer Schadenskartierung des Landesdenkmalamts Baden-Württemberg entnommen. Sie zeigt die Schäden am Hochchormauerwerk (rot) des Breisacher Münsters. Die Karte ist Grundlage für die Außenrenovierung, 1. Abschnitt.

Münster Sankt Stephan Breisach am Rhein

Sonntag

Gaudete 3. Advent 12. Dezember 2010

Pontifikalamt die Münsterpfarrei feiert mit Herrn Erzbischof Dr. Robert Zollitsch die Vollendung der Außenrenovation

n

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Auf die Frage: »Wozu Kirche taugen soll?« antwortete der Erfurter Bischof und Visionär Joachim Wanke (für mich ein Heiliger mitten unter uns) mit einem Bibelvers: »Den Duft der Erkenntnis Christi an allen Orten verbreiten« (2 Kor 2,14). Wer die Frage: »Wozu taugen Glocken?« stellt, dem sei geantwortet: »Den Klang der Erkenntnis Christi an allen Orten verbreiten«. Schillers letzte Zeile leicht verändernd schließe ich mit einem von Herzen kommenden Wunsch:

2

ph

Mit der Schöpfungsglocke ehren wir Gott den Vater, der alle die in der Glocken28 Bildbericht Außenrenovierung von Martin Hau zier beispielhaft gezeigten Lebewesen geschaffen hat, 30 Entdeckung des Schongauer-Gemäldes der auch uns geschaffen von Gebhard Klein hat, der uns liebt, der zu 32 Berichte & Aktuelles seiner Schöpfung hält. So sehr wie das Schöne liebt er auch das Unheile, das Verletzte und Gebrechliche. An dem Tag, an dem Helmut Lutz die kunstvolle 27 Begrüßung von Pfarrer Werner Bauer

Aussenrenovation seit

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6

Münster Bauverein



Den 3. Sonntag im Advent feiert die Kirche als den Sonntag Gaudete. An diesem Sonntag wird die Eucharistiefeier mit dem Vers: Gaudete in Domino semper iterum dico gaudete eröffnet. Es ist die Mahnung des Apostels Paulus an die Gemeinde von Philippi zur Einigkeit und zur Freude im Herrn: Freuet Euch allezeit im Herrn und nochmals sage ich: Freuet Euch. ( Phil 4,4)

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3

Gott Vater und Gott Sohn haben wir mit unseren Glocken die Ehre erwiesen. Eines der »schönsten Geläute im süddeutschen Raum« - im Internet wird das Geläute unseres Münsters zu den acht schönsten gezählt - wurde noch schöner. Hinab in die Stadt, hinaus ins Land schweben harmonisch die sanft-mächtigen Klänge. Könnten wir nicht auch Gott dem heiligen Geist gleiche Ehre erweisen? Gott, der Heilige Geist schenkt uns Frieden, Einigkeit, Begeisterung, Freude, Mut, Durchhaltevermögen und Glaubensweite.

Von Dr. Erwin Grom

Breisach



Zier für die Christusglocke gestaltete, am 11. März 2011, bebte in Japan die Erde, tobte der schreckliche Tsunami, der unübersehbar viel zerstörte und verwüstete. Im urspünglich gezeichneten Dornenkranz sehen wir jetzt ungeheuerliche Wogen. Und mitten drin erkennen wir Christi Gesicht und seine Hände, die er nach den Ertrinkenden ausstreckt. Jesus Christus ist in die Wogen des Lebens, in unsere Ängste und schlaflosen Nächte, in unsere Krankheiten und Verzweiflungen, in unsere Hoffnungslosigkeit und Sinnleere, in unseren Tod herabgestiegen. Das ist Erlösung. Gott lässt uns nicht allein.

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2

»Fest gemauert in der Erden - Steht die Form, aus Lehm gebrannt ...« Sie kennen alle die zwei ersten Zeilen aus dem »Lied von der Glocke« von Friedrich Schiller. Sicher gingen sie vielen von Ihnen im Lauf dieses Jahres während des Glockenprojekts der Münsterpfarrei wiederholt durch den Kopf. Alle, die den Guss der beiden neuen Glocken für den Südturm unseres Münsters in Karlsruhe miterleben durften, sehen immer wieder die langsam verblassenden Bilder dieses für die meisten einmaligen Ereignisses. Sie haben noch die schmalen Bäche glühender Schmelze vor dem inneren Auge und den Geruch von Rauch und feuchtem Sand in der Nase. Sie beginnen zu schwitzen, wenn Sie die nächsten Zeilen des Schillerschen Glockenliedes aufGrußwort von Pfarrer Werner Bauer sagen oder lesen. Unsere neuen Glocken jeStephansmünster erstrahlt in neuem Glanz doch, sie sind nicht mehr von Dr. Erwin Grom fest gemauert, sie schweben Neue Glocken im Südturm im Turm »in der Freiheit von Martin Hau, Emil Göggel & Hermann Metz heilgem Schutz« und erklinBaugeschichte: Neue Erkenntnisse gen mit sanft-mächtigem Anne-Christine Brehm Ton über unserem schönen Abschied von Pfarrer Peter Klug Münster.

en

Liebe Leserinnen und Leser dieser gelungenen Ausgabe von »unser Münster«,

Die Münsterpfarrei St.Stephan und die Stadt Breisach am Rhein feierten mit Erzbischof Dr. Robert Zollitsch den Abschluss der Münsterrenovierung

Und diese Freude war am 12. 12. 2010 nicht nur im St. Stephansmünster in Breisach, sondern auch in der ganzen Stadt mit den Händen zu greifen. Bürgermeister Oliver Rein hatte Erzbischof Dr. Zollitsch zu einem Empfang in den Bürgersaal des Rathauses eingeladen. Hier wurde der Erzbischof nicht nur von Bürgermeister Rein, sondern auch von einer großen Zahl Repräsentanten des öffentlichen Lebens, Frau Landrätin Störr-Ritter, Bürgermeister

Schweizer aus Vogtsburg und vielen Vereinsvorständen herzlich begrüßt und willkommen geheißen. In seinem Grußwort brachte Bürgermeister Rein seine große Freude über die gelungene Innen- und Außenrenovierung des St. Stephansmünster zum Ausdruck – als »Nachbarn« des Münsters haben sein Vorgänger Altbürgermeister Vonarb und er mit großem Interesse den Fortgang der nunmehr 20-jährigen umfassenden Münsterrenovierung verfolgt. Das Münster sei für ihn mehr als ein Wahrzeichen der Stadt auf dem Berge, das Heimatgefühle und auch Geborgenheit ausstrahle – es sei, so Bürgermeister Rein, »ein Ausrufezeichen unseres Glaubens, das Mut und Hoffnung macht.« Erzbischof Dr. Zollitsch dankte mit herzlichen Worten für den freundlichen Empfang so früh an einem Dezembermorgen. Er habe in all den Jahren mit großem Interesse die Münsterrenovierung verfolgt und mit dafür Sorge getragen, dass die Erzdiözese Freiburg alle ihre Möglichkeiten ausgeschöpft habe, das Breisacher Vorhaben zu unterstützen. Hierbei dankte Dr. Zollitsch auch ganz besonders dem Erzbischöflichen Bauamt mit seinem Leiter Anton Bauhofer sowie dem bauleitenden Architekt Theo Hirschbihl, die über all die Jahre mit Rat und Tat der Breisacher Pfarrgemeinde zur Seite standen. Bevor sich Dr. Zollitsch in das Goldene Buch der Stadt Breisach eintrug, überreichte ihm Dr. Erwin Grom als Vertreter des Münsterbauvereins eine prächtig

gebundene Sammlung aller Ausgaben der Zeitschrift UNSER MÜNSTER“. Dr. Zollitzsch bedankte sich sichtlich erfreut für dieses Gastgeschenk, das einen besonderen Platz bekommen werde, zumal hier in einer in der Diözese einmaligen Weise die ganzen 20 Jahre der Renovierung mit all ihren Diskussionen in vorbildlichster Weise dokumentiert worden seien. Dies mache diese Zeitschrift schon jetzt zu einem Nachschlagewerk und einer immer bedeutender werdenden geschichtlichen Quelle. Zwischenzeitlich hatte sich die Breisacher Feuerwehr zu einem Ehrenspalier aufgestellt; die Breisacher Ministranten geleiteten Erzbischof Zollitsch zusammen mit Pfarrer Peter Klug und allen Konzelebranten in das bis auf den letzten Platz gefüllte St. Stephansmünster. Auch hier in seinem Münster auf dem Berg wurde der Erzbischof herzlich begrüßt und feierte, den Introitusvers aufnehmend: Gaudete – freuet Euch, ein feierliches Pontifikalamt. In seinem Hirtenwort nahm der Erzbischof das Pauluswort auf. „Freuet euch im Herrn, nocheinmal sage ich euch: Freuet euch.“ So wie wir die Zeit des Advents als eine Zeit des Wartens und Erwartens der Ankunft Gottes in diese Welt jedes Jahr aufs Neue erleben, so habe auch die Breisacher St. Stephanspfarrei wie auch die Bewohner der Stadt Breisach eine nunmehr 20-jährige Zeit des Wartens und Erwartens durchlebt. Und nun, am heutigen Tage, könnten alle mit großer Freude und Dankbarkeit das Münster in

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CHRISTUS EINE STIMME

Glocken im Südturm Friedrich Schiller Das LIED von der GLOCKE

Vivos voco - Mortuos plango - Fulgura frango Die Lebenden rufe ich, die Toten beklage ich, die Blitze breche ich

Fest gemauert in der Erden Steht die Form aus Lehm gebrannt. Heute muß die Glocke werden, Frisch, Gesellen, seid zur Hand. Von der Stirne heiß Rinnen muß der Schweiß, Soll das Werk den Meister loben, Doch der Segen kommt von oben. Zum Werke, das wir ernst bereiten, Geziemt sich wohl ein ernstes Wort; Wenn gute Reden sie begleiten, Dann fließt die Arbeit munter fort. So laßt uns jetzt mit Fleiß betrachten, Was durch die schwache Kraft entspringt; Den schlechten Mann muß man verachten, Der nie bedacht, was er vollbringt. Das ists ja, was den Menschen zieret, Und dazu ward ihm der Verstand, Daß er im innern Herzen spüret, Was er erschafft mit seiner Hand. Nehmet Holz vom Fichtenstamme Doch recht trocken laßt es sein, Daß die eingepreßte Flamme Schlage zu dem Schwalch hinein. Kocht des Kupfers Brei, Schnell das Zinn herbei, Daß die zähe Glockenspeise Fließe nach der rechten Weise.

Von Martin Hau mit Texten von Emil Göggel und Hermann Metz Als im Mai 2010 unser Messner, Herr Tritschler, mir vom Besuch des Glockeninspektors berichtete und von seinem Vorschlag, im Südturm einen Glockenstuhl für drei Glocken einzurichten, war meine erste Reaktion: „O Gott, wir haben schon so viel zu tun mit dem Abschluss der Außenrenovation“. Sicher war ich nicht der Letzte, der so oder ähnlich dachte, als er zum ersten Mal vom Glockenprojekt der Münsterpfarrei hörte. Und doch traf der Vorschlag nicht auf taube Ohren, zuallererst bei unserem damaligen Pfarrer Peter Klug. Er sah darin die vielleicht einmalige Chance, im Zug der Renovation dem Münster einen ganz neuen „Baustein“ und dem Gotteshaus eine neue Botschaft mitzugeben. Was damals fast undenkbar schien, geht nach gerade mal eineinhalb Jahren seiner Vollendung entgegen: Der Südturm als Glockenturm. In dieser Ausgabe von „unser Münster“ wollen wir den Werdegang des Glockenprojektes nicht nacherzählen, sondern anhand von ausgewählten Quellen und Bildern das Geschehen zusammenfassend dokumentieren. So steht am Beginn dieses Berichtes folgerichtig der entscheidende Auszug aus dem Gutachten des Glockensachverständigen Johannes Wittekind vom 5. Mai 2010.

so genannte Bordunglocke würde dem Geläut Fundament geben und zur Harmonisierung des Klanges führen. Im Sinne der bestmöglichen Schonung der historischen Glocken könnten die neuen Glocken den täglichen Dienst des Angelusläutens übernehmen. Die für das Einbringen der neuen Glocken in den Südturm notwendigen Baumaßnahmen können nach Rücksprache mit dem Steinmetzmeister mit einem vertretbaren Aufwand getätigt werden. 13. Vorschlag für eine Geläuteergänzung im Südturm Nominallinie: b°– des‘ – es’ – f’ – ges‘ – as’ – b’ neue Glocke 1: b°, 0 ca. 1800 mm, Gewicht ca. 3300 kg neue Glocke 3: es‘, 0 ca. 1340 mm, Gewicht ca. 1350 kg neue Glocke 5: ges‘, 0 ca. 1120 mm, Gewicht ca. 800 kg Motiv: ausgefülltes Idealsextett, Neue Berliner Gedächtniskirche mit Oktave. GLOCKENINSPEKTION ERZBISTUM FREIBURG Eisenlohrstraße 6 _ 69115 Heidelberg _ Telefon 06221 / 146270 _ Telefax 06221 /146263

Bericht zur Turmbegehung Münster St. Stephan in Breisach Objektnummer: Turnus: Datum: Teilnehmer:

030311 Kategorie I (7-jähriger Turnus) 05.05.2010 Herr Tritschler, Messner Herr Hirschbihl, Erzb. Bauamt Freiburg Herr Wittekind, Erzb. Glockeninspektion

1. Allgemeines Die Turmbegehung findet auf Veranlassung von Herrn Hirschbihl statt. Im Zuge des letzten Bauabschnittes der umfassenden Außenrenovation des Münsters soll überprüft werden, inwieweit notwendige Sanierungsmaßnahmen an der Läuteanlage mit zu berücksichtigen sind. Die vier mittelalterlichen Glocken sind im Nordturm untergebracht. Im Südturm hängen keine Glocken. 2. Musikalische und technische Daten (weitere Details s. Inventar)

kg

Nominal

1

Georius von Speyer

1491

Bronze

1460

2200

desʼ-3

2

Stephanus Moilot

1662

1600

fʼ-3

(Basler Gießer)

1350

Bronze

1210

3

Gießer

Gussjahr

Material

1180

1100

asʼ-7

4

Hiremias Nirnberger

1583

1030

720

bʼ-9

Bronze Bronze

Ø in mm

3. Glockeninschriften und Glockenzier

Was in des Dammes tiefer Grube Die Hand mit Feuers Hilfe baut, Hoch auf des Turmes Glockenstube, Da wird es von uns zeugen laut. Noch dauern wirds in späten Tagen Und rühren vieler Menschen Ohr, Und wird mit dem Betrübten klagen Und stimmen zu der Andacht Chor. Was unten tief dem Erdensohne Das wechselnde Verhängnis bringt, Das schlägt an die metallne Krone, Die es erbaulich weiter klingt. Weiße Blasen seh ich springen; Wohl! die Massen sind im Fluß. Laßts mit Aschensalz durchdringen, Das befördert schnell den Guß. Auch vom Schaume rein Muß die Mischung sein, Daß vom reinlichen Metalle Rein und voll die Stimme schalle.

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Münsterplatz 3 - 79206 Breisach am Rhein Telefon: 07667 203 - Fax: 07667 566

Münster Sankt Stephan Breisach am Rhein

Gebt

CHRISTUS EINE STIMME

Pfarr Plattform

unser Münster-Thema

Münsterpfarrei Sankt Stephan Breisach www.st-stephan-breisach.de

12. Musikalische Beurteilung Das Breisacher Münster beherbergt im Nordturm Glocken aus vier verschiedenen Jahrhunderten. Es stellt somit ein wunderbares Zeugnis der gotischen Glockengießkunst dar. Insbesondere die „Tuba Dei“-Glocke des Georgius von Speyer zeichnet sich durch die Wärme der Tongebung und eine reiche Klangfülle aus. Im Zusammenklang aller vier Glocken erklingt das Salve Regina-Motiv. Das etwas heterogene Klangbild ist für mittelalterliche Geläute typisch, insbesondere dann, wenn – wie in Breisach – vier verschiedene Gießer die Glocken gefertigt haben. In Anbetracht der nicht genutzten Glockenstube im Südturm wäre es denkbar, das Geläut um eine oder mehrere Glocken zu ergänzen. Eine tontiefere,

Auszug aus: Deutscher Glockenatlas, Bd. 4: Baden. Deutscher Kunstverlag, München 1985. Glocke 1:

E-Mail: [email protected]

Internet: www.glockeninspektion-erzbistum-freiburg.de 1/7

Gutachten des Glockensachverständigen Johannes Wittekind vom 5. Mai 2010

Protokoll der Pfarrgemeinderatssitzung 17. Mai 2010 Bereits wenige Tage darauf diskutierte der Pfarrgemeinderat erstmals über ein Glockenprojekt: TOP 5 Aktuelle Themen und Informationen Untersuchung des südlichen Glockenstuhls, ob dort eine Glocke installiert werden kann (Machbarkeitsstudie) auf Vorschlag von Pfarrer Klug.

Einladung zur Pfarrgemeinderatssitzung 23. September 2010 In der September-Sitzung war das Glockenprojekt ein eigener Tagesordnungspunkt: TOP 2 Südturm des Münsters - ein 2. Glockenturm? – Bericht zum Sachstand: Machbarkeit – Finanzierbarkeit (Stiftungsrat berichtet). – Pastoraler Aspekt der Geläuteerweiterung. – Vorschlag zur konkreten Umsetzung der Geläuteerweiterung.

Glocke nicht wie üblich im unteren der beiden Glockengeschosse hängt, sondern im oberen. Im Mittelpunkt der Beratungen stand die technische Machbarkeit, insbesondere die Statik. Nach den Untersuchungen und Schwingungsmessungen stand Anfang November fest: Der Umbau des Südturms zum Glockenturm ist möglich.

1. Wir gehen hier über die bisherigen Aufga-

Erster Baustellentermin 28. September 2010 Am 28. September fand der erste offizielle Baustellentermin im Südturm statt. Daran nahmen teil: der Vorstand des Pfarrgemeinderates und der Stiftungsrat, Herr Westermann von der Firma Bachert, Statiker Guido Kremp, Archithekt Theo Hirschbihl sowie Steinmetzmeister Bader von der Firma Hellstern. Die Fachleute erörterten, wie der neue Glockenstuhl aufgebaut sein soll. Als Besonderheit wurde dabei festgelegt, dass die große

Auszug aus der PfarrPlattform Abschluss der Renovierungsarbeiten Die Renovierungsarbeiten sind auch am Südturm so gut wie abgeschlossen. Nur weil in den Wintermonaten die Frostsicherheit der Putzflächen nochmals begutachtet werden muss, wird das Baugerüst am Südturm stehen bleiben. Abschließende Maßnahmen betreffen den Sockel rund ums Münster und den barrierefreien Zugang. ...

28. September 2010 - (v. re.) Statiker Guido Kremp, 28. September 2010 Blick in den Südturm Archithekt Theo Hirschbihl und Zimmermannsmeister Peter Westermann, Projektleiter bei Bachert, erörtern die Planungen für die künftige Die Stiftungsräte (v. li.) Dagmar Ewert -Groh, Barbara Röllgen Glockenstube und den Glockenstuhl. sowie Pfarrer Peter Klug, Architekt Theo Hirschbihl und Dietmar Bader beim ersten Ortstermin im Südturm.

Aus dem Protokoll der PGR-Sitzung vom 23. November 2010 Beschluss Der PGR und der Stiftungsrat fassten in der Sitzung vom 23.11.2010 einstimmig nachfolgende Beschlüsse: Beschluss 1 Der PGR und die Mitglieder des Stiftungsrates beschließen, die Kosten zur Gebäudeerhaltung des Südturms zur Vorbereitung auf den Einbau von Glocken werden nach Genehmigung des Ordinariats durch Entnahme aus dem Vermögenshaushalt …finanziert. Beschluss 2 Der PGR und die Stiftungsräte beschließen, der Auftrag für die b-Glocke darf

Abschluss der Renovierungsarbeiten Die Renovierungsarbeiten sind auch am Südturm so gut wie abgeschlossen. Nur weil in den Wintermonaten die Frostsicherheit der Putzflächen nochmals begutachtet werden muss, wird das Baugerüst am Südturm stehen bleiben. Abschließende Maßnahmen betreffen den Sockel rund ums Münster und den barrierefreien Zugang. Wir feiern am Sonntag Gaudete den Abschluss der Außenrenovation. Die Stadt Breisach, alle Breisacher, die Münsterpfarrei und der Münsterbauverein dürfen stolz zurückschauen auf 65 Jahre Bautätigkeit, in der Gewissheit, dass in den nächsten 40 bis 50 Jahren keine Renovierung anstehen wird.

So sah der Südturm 1945 aus

2. Advent 2010 Auf Grundlage des PGR-Beschlusses erschien zum 2. Advent 2010 die PfarrPlattform „Gebt Christus eine Stimme“. Das Glockenprojekt wurde in den Sonntagsgottesdiensten vorgestellt.

Aus dem Protokoll der Sitzung – Begründung für das Vorhaben: ben, bei denen Bestehendes erhalten und gesichert worden ist (Restauration des Schongauer-Gemäldes, Außenrenovation) bewusst hinaus und schaffen einen neuen „Wert“ auch für die kommenden Generationen. 2. Wir wollen für die „Schönheit“ des Geläutes (ästhetischer Aspekt) und zur Ehre Gottes im Breisacher Münster etwas Zusätzliches tun. 3. Wir können einen günstigen Moment nutzen, um ein Vorhaben zu realisieren, das später nur mit viel größerem Aufwand möglich wäre. 4. Wir können etwas Bleibendes erreichen, das nicht nur über den Tag hinaus, sondern über Jahrhunderte Bestand haben kann. 5. Wir haben hier die Möglichkeit als Christen, ein äußeres Zeichen für unsere innere Haltung, und für das Christentum ein Zeichen der Hoffnung zu setzen.

nach Genehmigung durch das Ordinariat erteilt werden, sobald die Summe von 60.000 € zzgl. dann anfallender Mehrkosten zum dort gültigen Angebot auf dem Spendenkonto eingegangen sind. Bei Vorliegen der Genehmigungen durch das Ordinariat wird der Glockenstuhl gemeinsam mit der ersten b-Glocke in Auftrag gegeben … .

Über Jahre und Jahrzehnte war eine der zentralen Aufgaben der Münsterpfarrei die bauliche Erhaltung unseres Münsters. Wenn dann im Laufe des kommenden Frühjahres das letzte Baugerüst verschwunden ist, wird ein Werk beendet sein, das nicht erst 1989 mit der Restaurierung der Malereien Martin Schongauers begann, sondern schon 1945 mit dem Wiederaufbau des Münsters. Noch größer, für uns heute unermesslich größer, war die Herausforderung für die Münsterpfarrei und die Stadt nach dem Krieg, als Stadt und Münster in Schutt lagen.

7

Ein Ziel für Breisach ... Die Glocke soll nicht irgendwann in vielen Jahren zum ersten Mal erklingen. Der 26. Juni 2011, das Stadtfest der Breisacher Bürger zu Ehren unserer Stadtpatrone Gervasius und Protasius, soll der Tag sein, an dem die Glocken der Stadt und die Christusglocke erstmals erklingen. ... In unserem Spendenaufruf wenden wir uns an die Bürger der Stadt Breisach, und an alle, die ein Zeichen in unserer Zeit für ihre Überzeugung und ihren Glauben geben wollen. ... Wir glauben, dass unsere Generation, wie die Generationen vor uns, aufgerufen ist, ein solches Zeichen zu setzen. Wir, die wir 65 Jahre nach einem die Welt zutiefst erschütternden Krieg in Frieden und Wohlstand leben dürfen; in Frieden mit unserem Nachbaren über dem Rhein, im Frieden und verbunden im gemeinsamen Glauben mit unseren Schwestern und Brüdern der evangelischen MartinBucer-Gemeinde, in einer lebendigen Bürgerschaft, in der stetig wachsenden Stadt Breisach am Rhein, zu Beginn eines neuen Jahrtausends. So ist unser Spendenaufruf in erster Linie ein Aufruf an Sie persönlich: Geben Sie Christus eine Stimme - für unsere Generation und für die kommenden Generationen. Machen Sie es möglich, dass Ihre Glocke erklingen kann. ...

Denn mit der Freude Feierklange Begrüßt sie das geliebte Kind Auf seines Lebens erstem Gange, Den es in Schlafes Arm beginnt. Ihm ruhen noch im Zeitenschoße Die schwarzen und die heitern Lose; Der Mutterliebe zarte Sorgen Bewachen seinen goldnen Morgen. Die Jahre fliehen pfeilgeschwind. Vom Mädchen reißt sich stolz der Knabe, Er stürmt ins Leben wild hinaus, Durchmißt die Welt am Wanderstabe, Fremd kehrt er heim ins Vaterhaus. Und herrlich in der Jugend Prangen, Wie ein Gebild aus Himmelshöhn, Mit züchtigen, verschämten Wangen, Sieht er die Jungfrau vor sich stehn. Da faßt ein namenloses Sehnen Des Jünglings Herz, er irrt allein, Aus seinen Augen brechen Tränen, Er flieht der Brüder wilden Reihn. Errötend folgt er ihren Spuren Und ist von ihrem Gruß beglückt, Das Schönste sucht er auf den Fluren, Womit er seine Liebe schmückt. O! zarte Sehnsucht, süßes Hoffen, Der ersten Liebe goldne Zeit, Das Auge sieht den Himmel offen, Es schwelgt das Herz in Seligkeit. O! daß sie ewig grünen bliebe, Die schöne Zeit der jungen Liebe! Wie sich schon die Pfeifen bräunen! Dieses Stäbchen tauch ich ein, Sehn wirs überglast erscheinen, Wirds zum Gusse zeitig sein. Jetzt, Gesellen, frisch! Prüft mir das Gemisch, Ob das Spröde mit dem Weichen Sich vereint zum guten Zeichen.

Die Glockenstube wird hier ihren Platz finden (Zeichnung H. Metz) Vor der Sanierung: Risse im Südturm

Denn wo das Strenge mit dem Zarten, Wo Starkes sich und Mildes paarten, Da gibt es einen guten Klang. Drum prüfe, wer sich ewig bindet, Ob sich das Herz zum Herzen findet! Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang. Lieblich in der Bräute Locken Spielt der jungfräuliche Kranz, Wenn die hellen Kirchenglocken Laden zu des Festes Glanz. Ach! des Lebens schönste Feier Endigt auch den Lebensmai: Mit dem Gürtel, mit dem Schleier Reißt der schöne Wahn entzwei. Die Leidenschaft flieht! Die Liebe muß bleiben, Die Blume verblüht, Die Frucht muß treiben. Der Mann muß hinaus Ins feindliche Leben, Muß wirken und streben Und pflanzen und schaffen, Erlisten, erraffen, Muß wetten und wagen, Das Glück zu erjagen. Da strömet herbei die unendliche Gabe, Es füllt sich der Speicher mit köstlicher Habe, Die Räume wachsen, es dehnt sich das Haus. Und drinnen waltet Die züchtige Hausfrau, Die Mutter der Kinder, Und herrschet weise Im häuslichen Kreise, Und lehret die Mädchen Und wehret den Knaben, Und reget ohn Ende Die fleißigen Hände, Und mehrt den Gewinn

Abbildung folgende Seiten: Panoramaaufnahme 3. Juni 2011 - Foto und Montage © Martin Hau – Das Bild besteht aus 11 Einzelaufnahmen

2. Advent 2010

Gebt

8

Schöpfungsglocke

gegossen am 3. Juni 2011 15:07 Uhr Nominal esI-4

Gewicht 1494 kg Durchmesser 1360 mm

Christusglocke

Seite 20

Gewicht Klöppel 63 kg

gegossen am 3. Juni 2011 15:12 Uhr Nominal b°-5

Gewicht 3850 kg Durchmesser 1830 mm

Gewicht Klöppel 137 kg

Seite 21

Bürgermeister Oliver Rein und Dr. Erwin Grom überreichen im Namen des Münsterbauvereins eine romanische Säule aus dem Nordturm

Dr. Anne-Christine Brehm bringt Licht in die Baugeschichte des Breisacher Münsters Von Dr. Erwin Grom

Bilder Anne-Christine Brehm

Am 9. Dezember 2010 konnte eine große Zuhörerschar im Hotel am Münster Frau Anne-Christine Brehm auf einer faszinierenden Reise durch die Baugeschichte des Breisacher Münsters begleiten.

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Frau Brehm arbeitete zu dieser Zeit an ihrer Dissertation über: »Hans Niesenberger von Graz. Ein österreichischer Architekt am Oberrhein«. Diese Dissertation ist zwischenzeitlich abgeschlossen und Frau Brehm eine frisch gebackene Dr.... Hierzu gratulieren wir ihr ganz herzlich. Im Rahmen ihrer Studien hat Frau Dr. Brehm zusammen mit ihrem Mentor Prof. Dr. Johann Josef Böker vom Institut für Baugeschichte an der TU Karlsruhe bereits über „Die gotischen Architekturzeichnungen des Freiburger Münsterturmes“ sowie über die „Architektur der Gotik. Ulm und Donauraum“ gearbeitet. Hierbei gelangen ihr spektakuläre Entdeckungen : Bei der Auswertung der gotischen Aufrisse, die auf Pergamentbögen gefertigt wurden, konnte Frau Brehm auch den Entwurf des Hochchores des Stephansmünsters in Breisach rekonstruieren und den Baumeister identifizieren: Erwin von Steinbach. In ihrem Vortrag entwickelte die Forscherin die Baulandschaft des Oberrheins in der Blüte der Gotik. Mit

Hans Niesenberger, dessen Wirken am Oberrhein von Graz kommend Frau Dr. Brehm ihre Dissertation widmete, tritt ein begnadeter aber auch schillernder Baumeister aus dem Dunkel der Geschichte. Breisach steht mit Ulm, Straßburg, Freiburg, Basel, Thann im Elsaß und Mailand im Blickpunkt der globa-

lisierten Bauhüttentätigkeit. Einer sehr intensiven Vortrags-Diskussion folgte der Wunsch von Dr. Erwin Grom, dass Frau Dr. Brehm doch ihren Vortrag in einen Aufsatz fasse, der in unserer Zeitschrift UNSER MÜNSTER erstveröffentlicht werden könnte. Frau Brehm war von der herzlichen Aufnahme und dem großen Interesse sehr angetan. In einem weiteren intensiven Gedankenaustausch gelang es Dr. Grom, Frau Brehm für weitere Forschungen über die Baugeschichte des Breisacher

Münsters zu gewinnen. Hierbei sollte versucht werden, durch die Einbettung der politischen Geschehnisse zur Zeit der burgundischen Pfandherrschaft über Breisach mit den europastrategischen Überlegungen des letzten Burgunderherzogs Karl I („dem Kühnen“) Spuren zu suchen, die den offensichtlich geplanten Umbau unseres Münsters zu einer gewaltigen spätgotischen Hallenkirche erklären könnten – aber auch Erklärungen zu finden, warum dieses Vorhaben eingestellt wurde und zum jetzigen Bauzustand mit Westhalle und Pyramidendach geführt hat. Frau Dr. Brehm ließ sich begeistern und legte nun ein diese Fragen aufnehmendes spannendes neues Kapitel der Baugeschichte von St. Stephan vor. Dieser wegweisenden Forschungsarbeit wird der Münsterbauverein Breisach im 1. Halbjahr 2012 ein SONDERHEFT der Zeitschrift UNSER MÜNSTER widmen. Des weiteren haben wir Frau Dr.Brehm für einen Vortrag zu diesem Thema gewinnen können. Zeit und Ort werden wir allen Interessierten baldmöglichst bekannt geben. Wir danken Frau Dr. Brehm für ihr Engagement und freuen uns auf eine neue Entdeckungsreise in die Baugeschichte unseres Breisacher Münsters.

Abschied von Pfarrer Peter Klug Von Hermann Metz Am Sonntag, den 24. Juli 2011 wurde Pfarrer Peter Klug aus Breisach verabschiedet. Er hatte die Gemeinde St. Stephan 1994 übernommen. Neben seiner Aufgabe als Pfarrer stand er bis 2008 dem Dekanat Breisach-Endingen vor. Viele Jahre war Klug auch Pfarrer der Gemeinde Gündlingen. Zählt man seine Aufgaben im Münsterbauverein dazu und denkt an seine Sorge um die Jugend, kann man feststellen, dass es Pfarrer Klug in Breisach keinen Tag langweilig wurde. Hier wäre daran zu erinnern, dass er in Bezug auf die Münsterrenovierung und die Ökumene ein wohl bestelltes Haus von seinem Vorgänger Willi Braun übernehmen konnte. Seelsorgerliche Hilfe hatte er während der fast 17 Jahre in Breisach auch von seinen Mitbrüdern Pfarrer Paul Rudigier und Pfarrer Joachim Viedt, die beide speziell für Gündlingen verantwortlich waren. Auch die Diakone Bernhard Bauer, Günter Schwan und Harald Wochner waren ihm wertvolle Stützen. Neben seinen originären seelsorgerischen Aufgaben hatte Klug Zeit seines Wirkens in Breisach mit der Renovierung des Münsters zu tun. Kraft Amtes war er Vorsitzender des Münsterbauvereins Breisach. In »unser Münster« haben wir regelmäßig über Klugs Engagement für die alte Kirche berichtet.

Helga Stampfl erhält ein Gemälde als Dankeschön. Im Hintergrund der Sonnenblumenwiese erkennt man den Münsterberg mit dem Sankt Stephansmünster

Für seinen Einsatz und sein Schaffen erfuhr Peter Klug am 24. Juli eine beeindruckende Verabschiedung. In einem von Münsterchor, Kinderchor und Jugendband festlich gestalteten Sonntagsgottesdienst überreichte Bürgermeister Oliver Rein dem scheidenden Pfarrer die Bürgermedaille der Stadt Breisach. Die Verleihungsurkunde fasst Klugs Bemühungen zusammen: »In Würdigung des verdienstvollen Wirkens als ehemaliger Dekan des Dekanats Breisach-Endingen und Pfarrer der Pfarrgemeinde Sankt Stephan Breisach – insbesondere für sein Engagement zur Renovierung des St. Stephansmünsters, in der Seelsorge, der Jugendarbeit und für sein aktives Eintreten in der Ökumene«. Viele Gottesdienstbesucher trafen sich im Anschluss an die Sonntagsmesse im Pfarrhausgarten zu einer »Pfarrgartenparty«, um ihrem Pfarrer und seiner Haushälterin Helga Stampfl Lebewohl zu sagen. Münsterdienst, Frauengemeinschaft, kirchliche Sozialstation, Altenwerk und Kolpingsfamilie ebenso wie Münsterchor, Kinderchor, Kinderkirche, die beiden katholischen Kindergärten, die Ministranten, der Münsterbauverein und der Pfarrgemeinderat nutzten die Gelegenheit, sich für Klugs Einsatz, seinen seelsorgerlichen Dienst und die gute Zusammenarbeit zu bedanken. Eine große Stütze war dem Pfarrer Helga Stampfl. Im Gottesdienst hatte er sie

- an das Sonntagsevangelium anknüpfend - als »Perle« gelobt und ihr für die Partnerschaft und die Umsicht in diesen Jahren gedankt. Zusammen mit ihr bewohnt er seither das schöne Pfarrhaus in Bad Krozingen-Schlatt. Auch der Münsterbauverein Breisach dankt seinem bisherigen Vorsitzenden und wünscht ihm einen guten Lebensabend. Als äußeres Zeichen hatten ihm Vertreter des Münsterbauvereins eine der auf dem Nordturm ausgetauschten Säulen überreicht.

Pfarrer Peter Klug trägt sich als Träger der Verdienstmedaille der Stadt Breisach in das Goldene Buch ein

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Fertig montierter Glockenstuhl noch ohne Glocken

Neuer Zugang vom Hochchor zum Südturm

Sockel nordwestliche Ecke Oktogon im Südturm: Im zerschossenen und nach dem Krieg wieder aufgebauten Turmhelm blieb nur noch wenig Symmetrie übrig

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Die

Münsterrenovierung wurde endgültig abgeschlossen

3 Messstreifen am Südturm sollen überwachen, ob sich das Gemäuer während der Renovierung bewegt.

Von Martin Hau

Oben: der Autor genießt die Aussicht

Im Zuge des 6. Bauabschnitts wurde der Südturm für den Einbau des Glockenstuhles vorbereitet. Hierfür war der Einbau von 2 Ringankern erforderlich (rechte Seite). Zeitgleich wurden im Zuge des 7. Bauabschnitts Steine und Putz im Sockelbereich rund um das gesamte Münster restauriert. Diese Arbeiten boten erstmalig die Gelegenheit, den Steinmetzen sprichwörtlich „über die Schulter zu schauen“.

Stadtarchivar Uwe Fahrer ließ sich nichts entgehen

Sockel Hauptportal

28 Abriss des alten Winzerkellers und Neubebauung

Ihringer Kirchturm vom Breisacher Südturm aus gesehen

Oberer Ringanker innen

Acht Ankerbolzen werden die Schwingungskräfte der Glocken aufnehmen. Hier eine offene und eine verschlossene Ankernische

Angeregtes Gespräch: Hermann Metz und Johannes Wittekind

1,2,4,5 Die Bilder zeigen die Ringanker und das Auflager für den Glockenstuhl. 1,4,5 Ein Ringanker befindet sich im Turminnern unterhalb der oberen Maßwerkfenster. 6 Ein weiterer doppelter Ringanker wurde in die erneuerten Gesimssteine integriert. Die Ringanker verbessern die Turmstatik.

Messner Lutz Simon und Olaf Tristchler auf „ihrer“ Baustelle

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Südturm: Kupferblech zum Schutz des Mauerwerks vor Regenwasser

7 Das Auflager für den Glockenstuhl leitet die auftretenden Kräfte beim Läuten nach unten in die Außenmauern ab. Unterer Ringanker an der Außenmauer

Basis für den künftigen Glockenstuhl: Stahlprofillauflagen

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Holz für den Glockenstuhl

Gesehen am Münsterweg

Wo ist die Tafel (Bild unten) angebracht, die über einen Papstaufenthalt in Breisach berichtet? (siehe auch den Text unten)

Gründung eines Kirchbauvereins Die Breisacher Martin-Bucer-Gemeinde hat Geldsorgen

steinpatenschaften zur Renovation des Stephansmünsters in Breisach Es ist unsere Aufgabe: Erhalten, was unsere Vorfahren geschaffen haben und es an die Nachgeborenen weitergeben. In gut einem Jahrzehnt – von 2001 bis 2011 – haben die Erzdiözese Freiburg, das Staatliche Denkmalamt, die Stadt Breisach, die Münsterpfarrei St. Stephan und der Münsterbauverein Breisach ein großartiges Werk vollendet: die Außenrenovation des Sankt Stephansmünsters. Wir erinnern in Dankbarkeit an alle, die mit einer Steinpatenschaft zu diesem gemeinsamen Werk beigetragen haben.

Turmpatenschaft Schneckenturm Unser besonderer Dank gilt der

Die evangelische Martin-Bucer-Gemeinde gründete im Oktober einen Kirchbauverein. Anlass dafür ist die vorgesehene und nicht länger aufschiebbare energetische Sanierung des Kirchengebäudes.

1415: Ein Papst weilt in Breisach Wenn Papst Benedikt XVI. während seines Deutschland-Besuchs im September 2011 schon nicht nach Breisach kommen konnte, wollen wir wenigstes an einen Vorgänger erinnern, der hier 1415 sein Heil suchte. Dieser Papst mit bürgerlichem Namen Baldassare Cossa war allerdings, kirchenhistorisch gesehen, als »Gegenpapst« nicht der rechtmäßige Nachfolger Petri. In Bologna hatte man ihn in den Wirren der abendländischen Kirchenspaltung, 1410 zum Papst Johannes XXIII. gewählt. Sein Elend: Neben ihm gab es zwei weitere Päpste, die in Rom und Avignon residierten. 1414 wurde das Konzil von Konstanz einberufen, an dem Johannes XXIII. als einziges der drei Kirchenoberhäupter teilnahm. Weil das Konzil aber einen gänzlich neuen Papst wählte, musste Cossa im Frühjahr 1415 Hals über Kopf aus Konstanz fliehen. Sein Ziel war das Burgund und so kam er am 20. April nach Breisach. Fünf Tage später wurde er am Gutgesellentor verhaftet. Weil Baldassare Cossa nicht rechtmäßiger Pontifex war, konnte Angelo Giuseppe Roncalli, Papst von 1958 bis 1963, ein halbes Jahrtausend später den Namen Johannes XXIII annehmen.

Pfarrer Peter Hanselmann bezeichnete die Gründung des Vereins als ein „wichtiges Ereignis“ in der Geschichte der evangelischen Martin-Bucer-Gemeinde, dessen Vorsitz er selbst Kraft Amtes übernommen hat. Zu seinem Stellvertreter wurde aus dem Kreise des Kirchengemeinderates Tilmann Güth gewählt. Für die Verwaltung der FinanUnten, aus Heft 2010-2: Muschelskulptur am Hauseingang von Helmut Lutz an der Münsterbergstraße, 1985 entstanden. Sie steht im Zusammenhang mit seinem Mysterienwerk »Sternenweg«, in dem die Jakobsmuschel eine zentrale Rolle spielt.

zen zeichnet Mathias Böhme verantwortlich. Als Beisitzer wurden Bürgermeister Oliver Rein, Freddo Dewaldt, Wolfgang Mittl und Gerd Hoffmann gewählt, die ihr fundiertes Wissen und ihre beruflichen Erfahrungen in das anstehende Bausanierungsprojekt einbringen wollen. Laut Bürgermeister Oliver Rein ist es ein Anliegen, dass das geplante Bauprojekt von den Breisacher Bürgerinnen und Bürgern ebenso unterstützt wird wie die Arbeit des Münsterbauvereins bei der Sanierung des Breisacher Münsters. (hm)

Das meinte Bianca Pscheidl am 8. 1. 2011 in der BZ

Herzstück zwischen Münster und Rathaus Über die Weiterentwicklung der Stadt gibt es in Breisach immer wieder lebhafte Diskussionen. Dabei drehen sich die Ideen vielfach um den Marktplatz und die Rheinuferpromenade. Sicherlich sollte auch der Münsterplatz bei derartigen Überlegungen stärker berücksichtigt werden. Welcher Ort könnte das Herzstück einer Gemeinde besser verkörpern als der weitläufige Platz zwischen Rathaus und Kirche? Erst jüngst, in der Silvesternacht, haben die Bürger ... erneut bewiesen, wie viel Respekt sie vor der sensiblen Umgebung haben. Das lässt hoffen, dass bei

größeren Veranstaltungen ebenfalls ein sorgsamer Umgang mit den benachbarten historischen Gebäuden sichergestellt wäre. ... Aber es ginge ohnehin nicht darum, jede Woche ein lärmendes Fest auf diesem exponierten Platz zu feiern, sondern ihn vielmehr als Veranstaltungsort für gelegentliche Höhepunkte im Stadtkalender aufzuwerten. Beispiele andernorts, etwa der stimmungsvolle Weihnachtsmarkt in Burkheim, beweisen, dass die Besucher durchaus bereit sind, beim Weg einige Mühen auf sich zu nehmen, wenn sie dafür mit einem besonderen Flair

Ein Stempel für die Jakobspilger Einer der zahlreichen Jakobswege - Ziel ist das spanische Santiago de Compostela - führt über Breisach. Er kommt aus Schutterwald und führt über Grafenhausen, Rust und Sasbach nach Breisach und weiter nach Colmar. Weil der Weg fleißig begangen wird, fragen immer wieder Jakobspilger im Münster nach einem Nachweis für ihren Pilgerweg. Seit Anfang 2010 muss man sie im Münster nicht mehr abweisen; hier erhalten Sie den oben abgebildeten Stempel in ihren Pilgerpass. Wen Einzelheiten interessieren: Die folgende Internetseiten geben Auskunft: www.jacobusweg.com oder www.s-line.de/homepages/jakobsweg/badischer-jakobusweg.html oder Google-Suche Badischer Jakobusweg (hm) belohnt werden. Außerdem ließe sich ähnlich wie beim Weinfest mit einem kostenlosen Shuttleservice auch ohne Anfahrt mit dem eigenen Pkw ein vergleichsweise komfortabler Zugang zum Münsterplatz realisieren. Zuletzt beim Pontifikalamt im Dezember 2010 litt die festliche Stimmung in den Augen vieler Besucher darunter, dass die prächtige Prozession auf dem Weg vom Rathaus ins renovierte Gotteshaus einen großen Bogen um parkende Autos machen musste. Als Abstellplatz fürs heilig Blechle jedenfalls ist der Münsterplatz viel zu schade.

Paul-Mathis-Stiftung Bilder: Spendentafel Steinpatenschaften im nördlichen Seitenschiff

STEINPATENSCHAFT Nachdem die Aktion »Steinpatenschaften« abgeschlossen wurde, haben die Pfarrei St. Stephan und der Münsterbauverein im März 2011 die Namen aller Steinpaten auf vier Spendentafeln zusammengefasst. Sie sind nun an der Wand unter der Orgelempore im nördlichen Seitenschiff befestigt. 34

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Der Münsterbauverein im Internet:

www.st-stephan-breisach.de oder www.unser-münster.de

Redaktion: Hermann Metz, Dr. Erwin Grom Layout: Martin Hau Bilder: Privat, Pfarrarchiv; sonstige Herkunft ist angegeben.

Impressum Herausgeber: Münsterbauverein Breisach e.V. Münsterplatz 3, 79 206 Breisach, Tel. 07667/203 Fax. 566 www.st-stephan-breisach.de [email protected]

Druck: Meisterdruck, Reute Konten: Sparkasse Staufen-Breisach KTN: 6000 509 BLZ: 680 523 28 Volksbank Breisgau-Süd KTN: 25 99 18 BLZ 680 615 05

Stephanstag Montag 26. Dezember 2011 10:30 Uhr

MESSIAS

Zu Weihnachten 2011 kehrt die kleine Nirnberger Glocke nach Breisach zurück. Am Stephanstag soll die Glocke im Gottesdienst feierlich begrüßt werden. Die Kosten der Restaurierung der kleinen Glocke trägt maßgeblich der Münsterbauverein. Am Patrozinium findet auch die Investitur von Werner Bauer als Münsterpfarrer statt. Die Festpredigt hält aus diesem Anlass Dekan Gerhard Disch; er führt Pfarrer Bauer auch in sein neues Amt ein.

G.F. HÄNDEL MÜNSTERCHOR BREISACH CONSORTIUM MUSICUM CHRISTINE MÄRTIN SOPRAN CAROLIN NEUKAMM ALT ALVARO ZAMBRANO TENOR MARCELO DE SOUZA FELIX BASS LEITUNG NICOLA HECKNER

M ÜN STER ST. STE PHAN BREISACH N U M M ERIERTE SI TZP LÄTZE VO RVE RKA UF B R E I SA CH TO U R I ST I K 25.- 20.- 15.- 10.- (zzgl. VVG)

S l LV E S T E R K O N Z E R T SA. 31.12. 2 011 17 U H R

»Gebt CHRISTUS eine Stimme « – Das Stephansmünster erstrahlt in neuem Glanz