Chronologie der Naturwissenschaften - Qucosa

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Chronologie der Naturwissenschaften Chronologie der Naturwissenschaften Der Weg der Mathematik und der Naturwissenschaften von den Anfängen in das 2...

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Chronologie der Naturwissenschaften

Chronologie der Naturwissenschaften Der Weg der Mathematik und der Naturwissenschaften von den Anfängen in das 21. Jahrhundert

Im Auftrag der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig herausgegeben von Dr. Karl-Heinz Schlote

Dr. habil. Karl-Heinz Schlote ist Leiter der Arbeitsstelle Geschichte der Naturwissenschaften und Mathematik der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig.

Die Deutsche Bibliothek – CIP-Einheitsaufnahme Ein Titeldatensatz für diese Publikation ist bei Der Deutschen Bibliothek erhältlich. ISBN 3-8171-1610-1 (Buch) ISBN 3-8171-1611-X (Buch mit CD-ROM) Eine CD-ROM-Version hat nicht existiert.

Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch die der Übersetzung, des Nachdrucks und der Vervielfältigung des Buches – oder von Teilen daraus – sind vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages in irgendeiner Form (Fotokopie, MikroÀlm oder ein anderes Verfahren), auch nicht für Zwecke der Unterrichtsgestaltung, reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet werden. Zuwiderhandlungen unterliegen den Strafbestimmungen des Urheberrechtsgesetzes. Der Inhalt des Werkes wurde sorgfältig erarbeitet. Dennoch übernehmen Autoren, Herausgeber und Verlag für die Richtigkeit von Angaben, Hinweisen und Ratschlägen sowie für eventuelle Druckfehler keine Haftung.

c Wissenschaftlicher Verlag Harri Deutsch GmbH, Frankfurt am Main, 2002  Satz: Satzbüro Dr.-Ing. Steffen Naake, Chemnitz Druck: Präzis-Druck GmbH, Karlsruhe Printed in Germany

Geleitwort Mehr als je zuvor bewegen in unserer Zeit die wissenschaftlichen Entdeckungen und ErÀndungen die Gemüter der Öffentlichkeit. Besonders ihre technologischen Umsetzungen und die damit verbundenen Probleme – als Technikfolgen subsumiert – rufen wissenschaftskritische Stimmen auf den Plan, die den Wert von Forschungsergebnissen für das Wohl des Menschen, berechtigt oder nicht, jedenfalls oft aus Mangel an detaillierten Kenntnissen, anzweifeln. Andererseits kann kein Zweifel darüber bestehen, daß die Bedeutung von Entdeckungen, also Forschungsergebnissen, in gesellschaftlichen, ökonomischen, sozialen und politischen Bereichen deutlich zunimmt: „Public Understanding of Science“ in der Bevölkerung wird notwendiger denn je. Daher darf jede Art von wissenschaftsbezogener Informationshilfe als sinnvoller Beitrag für das Verstehen wissenschaftlicher Erkenntnisse willkommen geheißen werden. Unter diesen Aspekten stellt das von Herrn Dr. Karl-Heinz Schlote mit freien Mitarbeitern im Auftrage der Sächsischen Akademie der Wissenschaften erarbeitete „Jahrhundertwerk“ eine nützliche Chronik der mathematisch-naturwissenschaftlichen Entdeckungen und deren Entdecker dar. Nicht nur Schülern, Lehrern, Studenten und Hochschullehrern ist damit ein umfassendes Nachschlagewerk in die Hände gegeben. Als Informationsquelle ist es zugleich eine Orientierungshilfe in der vielgestaltigen und mit Daten angereicherten Landschaft einer heraufziehenden und daher in aller Munde geführten zukünftigen Informationsgesellschaft. Mehr als zwölftausend Einträge über Entdeckungen und ErÀndungen mit den Namen jener Wissenschaftler, die in den einzelnen naturwissenschaftlichen Disziplinen (Mathematik, Physik, Chemie, Astro- und Geowissenschaften, Biowissenschaften) Entdeckungen gemacht haben, liegen vor, nach Jahren geordnet zwischen 10 000 vor unserer Zeitrechnung bis 1990: eine Zeitreise durch die Entwicklung unseres naturwissenschaftlichen Weltbildes. Einer interessierten Leserschaft wird sie viele neue Informationen bringen, wobei die zahlenmäßig sprunghafte Zunahme von Entdeckungen in den letzten Jahrzehnten – deren wertmäßige Beurteilung ohnehin in vielen Fällen noch nicht abgeschlossen ist – den Autoren hinsichtlich der Vollständigkeit Kompromisse abverlangt und Lücken nicht auszuschließen sind. Auch bedingt die Fülle des Materials, daß weder über die Entdeckungen noch über ihre Entdecker detaillierte Angaben gemacht werden konnten, obwohl es wünschenswert wäre, wenigstens jeweils den Ort oder das Land der Geschehnisse kennenzulernen, wenn es in der vorliegenden Buchform schon aus Platzgründen nicht möglich sein kann, die wichtigsten relevanten Literaturnachweise einzufügen. Dem Unternehmen gebührt Dank und Anerkennung, auch im Namen der Wissenschaft und ihrer Forscher sowie aller Institutionen, die an der Popularisierung der meist in hochspezialisierten Publikationsorganen versteckten Ideen und Ergebnissen interessiert sind. Möge die vorliegende Datensammlung einen großen Kreis von Wißbegierigen und Nutzern Ànden. Halle, im Februar 2002

Prof. Dr. Benno Parthier Präsident der Deutschen Akademie Der Naturforscher Leopoldina

Vorwort Naturwissenschaften und Mathematik sind seit langem ein fester Bestandteil der menschlichen Kultur, und mehr denn je wird unser Leben von der Umsetzung wissenschaftlicher Ideen und Entdeckungen bestimmt. Das Voranschreiten von Naturwissenschaften und Mathematik hat einen wesentlichen und, von einigen Schwankungen abgesehen, ständig zunehmenden EinÁuß auf die Geschichte der Menschheit ausgeübt. Die Entwicklungslinien der Wissenschaften werden jedoch nur von wenigen zur Kenntnis genommen und nur ein geringer Bruchteil der wissenschaftlichen Forschungsergebnisse wird einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Erschwerend für eine stärkere Verbreitung wissenschaftlicher Resultate erweisen sich einerseits der hohe Grad der Spezialisierung, den die einzelnen naturwissenschaftlichen Disziplinen inzwischen erreicht haben und der es selbst Fachgelehrten nahezu unmöglich macht, eine der klassischen Naturwissenschaften wie Chemie oder Physik in ihrer ganzen Komplexität zu überblicken, und andererseits die Tatsache, daß die einzelnen Forschungsergebnisse in dem Begriffssystem der jeweiligen Spezialdisziplin und auf der Basis weiterer bereits vorliegender Erkenntnisse formuliert werden und somit nicht allgemein verständlich sind. Angesichts der Bedeutung, die naturwissenschaftliche Erkenntnisse für die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft haben, erscheint es wünschenswert, wichtige Ideen aus der Entwicklung der Naturwissenschaften und Mathematik einem breiteren Leserkreis nahezubringen und so auch das Verständnis für aktuelle Tendenzen und Probleme der Wissenschaftsentwicklung zu erhöhen. Chronologie der Naturwissenschaften Die vorliegende Chronologie unterstützt dieses Anliegen. Dabei stellt sie nicht nur die letzten Jahrzehnte oder das letzte Jahrhundert in den Mittelpunkt des Interesses, sondern erfaßt – in chronologischer Anordnung – den gesamten Werdegang der Naturwissenschaften (Astronomie, Physik, Chemie, Biowissenschaften, Geowissenschaften) und der Mathematik von ca. 10 000 v. Chr. bis zum Jahre 1990. So entsteht ein aus vielen kleinen Mosaiksteinen zusammengesetztes Bild der Naturwissenschaften und Mathematik, das sich, längs der Zeitachse angeordnet, ständig ändert und einen Eindruck von dem langen und komplizierten historischen Prozeß vermittelt, der von den ersten Erfahrungen und Erkenntnissen über die Natur zu einzelnen wissenschaftlichen Kenntnissen über Teilgebiete der Natur, dann zu systematischem Wissen über die Teilgebiete und schließlich zu den heutigen Naturwissenschaften und zur Mathematik führte. Die Chronologie stellt dem historisch interessierten Leser die wichtigsten Ereignisse aus der Geschichte der Naturwissenschaften und der Mathematik kompakt aber dennoch verständlich dar und dient zugleich dem Fachwissenschaftler als Anregung und ergänzendes Nachschlagewerk. Auswahl der Ereignisse Die Auswahl beschränkt sich nicht nur auf die markanten Ereignisse einer Epoche, sondern berücksichtigt auch zahlreiche jener Resultate, die das Bild einer Zeit mitprägten, auch wenn sie am heutigen Wissensstand gemessen teilweise als trivial einzustufen sind. Ebenso Àndet der Leser für die Vor- und Frühgeschichte eine Reihe von Leistungen verzeichnet, denen sicherlich mancher Gelehrter nur sehr bedingt oder gar nicht das Attribut der Wissenschaftlichkeit zuerkennen wird, deren Aufnahme aber notwendig war, um die historischen Entwicklungslinien im vollen Umfang nachzeichnen zu können. Die Geowissenschaften wurden in ihrer ganzen, auch die Länder- bzw. Völkerkunde umfassenden Breite in das Werk aufgenommen, wobei auch die Anfänge jener Entwicklungen berücksichtigt wurden, die später zu den heute oft als Humangeographie bezeichneten sozial- und geisteswissenschaftlichen Komponenten der Geowissenschaften (Sozial-, Verkehrs-, Wirtschaftsgeographie usw.) führten. Zudem fanden einige Daten aus anderen Disziplinen Aufnahme in das Buch, die einen direkten Bezug zur Entwicklung der Naturwissenschaften und Mathematik hatten. Dies betrifft etwa die frühen Universitätsgründungen, die Formierung verschiedener philosophischer Ideen und Systeme, die Entstehung

bedeutender Akademien, die Gründung von Vereinigungen der einzelnen Disziplinen, die Herausgabe von Zeitschriften und die Konstruktion von wissenschaftlichen Geräten, die – wie Mikroskop, Fernrohr oder Teilchenbeschleuniger – die weitere Forschung maßgeblich beeinÁußten. Eine besondere Rolle spielte die Umsetzung naturwissenschaftlicher Ideen in technologischen Verfahren und die sich dabei ergebenden Rückwirkungen auf den Erkenntnisfortschritt in der jeweiligen Disziplin. Durch die Fülle der Einträge erhält der Leser die Möglichkeit, sich eine Vorstellung von den bestimmenden Entwicklungslinien der einzelnen naturwissenschaftlichen Gebiete und der Mathematik in einem beliebigen Zeitraum zu verschaffen. Er kann erkennen, welchen Platz die Naturwissenschaften und die einzelnen Disziplinen in der Entwicklung der menschlichen Gesellschaft eingenommen haben und wie sich diese Rolle im Laufe der Jahrhunderte veränderte. Zugleich werden auch die Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Naturwissenschaften deutlich. Wissenschaftshistoriker können das Buch mit Gewinn konsultieren, um sich etwa über das Geschehen in den an ihre Forschungen angrenzenden Zeitepochen oder Sachgebieten zu informieren. Insbesondere kann die Chronologie der Naturwissenschaften allgemeine Darlegungen zu den historischen Entwicklungslinien in den Naturwissenschaften und der Mathematik wie auch wissenschaftstheoretische und methodologische Untersuchungen zu Fragen der Wissenschaftsentwicklung sinnvoll ergänzen. Darstellung der Ereignisse Die einzelnen Einträge zur Charakterisierung einer wissenschaftlichen Leistung sind kurz, präzise und verständlich abgefaßt. Trotzdem wird es sich nicht vermeiden lassen, daß der Leser ab und zu ein Lexikon und/oder ein Fachwörterbuch zu Rate ziehen muß, da im Interesse einer exakten und kurzen Formulierung nicht alle Fachtermini umschrieben bzw. erläutert werden konnten. Gleichzeitig mußte oft ein Kompromiß zwischen der originalen historischen Formulierung einschließlich der damals üblichen Terminologie und einer modernen Interpretation gefunden werden. Dabei wurde versucht, sich so eng wie möglich an die historische Darstellung anzulehnen. Verbesserungsvorschläge Angesichts der Fülle naturwissenschaftlicher und mathematischer Erkenntnisse, die im Verlauf der Menschheitsgeschichte erzielt wurden und werden, ist leicht einzusehen, daß eine vollständige Chronologie der Geschichte der Naturwissenschaften und Mathematik immer nur ein Versuch sein kann. Stets ist eine Auswahl zu treffen, wobei die dazu notwendige Bewertung der einzelnen Sachverhalte (vor allem solcher der jüngeren Zeit, deren Bedeutung für die weitere Entwicklung der Gebiete naturgemäß noch nicht abschließend erkennbar ist) selbst wieder Anlaß zur Diskussion gibt. Das vorliegende Buch bildet dabei keine Ausnahme. Der Herausgeber und die Autoren waren bemüht, die zentralen Ereignisse aus der Entwicklung der naturwissenschaftlichen Disziplinen und der Mathematik zu erfassen und durch hinreichend viele interessante kleinere Entdeckungen zu ergänzen, um ein umfassendes Bild vom Werdegang der Naturwissenschaften und der Mathematik zu zeichnen. Ein Jeder ist aufgerufen, durch Hinweise, Ergänzungen, Berichtigungen etc. an der Verbesserung dieser Chronologie mitzuwirken. Leipzig, im März 2002

Konstruktive Anmerkungen nehmen gerne entgegen: Herausgeber und Verlag Harri Deutsch Gräfstr. 47 D-60486 Frankfurt am Main E-mail: [email protected] http://www.harri-deutsch.de/verlag/

Dr. Karl-Heinz Schlote

Danksagung An der Fertigstellung haben viele Personen mitgewirkt. Ihnen allen gilt mein herzlicher Dank. Zunächst sei den Autoren gedankt, die mich tatkräftig unterstützt haben. Zahlreiche Gelehrte haben freundlicherweise Teile des Manuskripts kritisch durchgesehen und mit Hinweisen, Korrekturen und Ergänzungen zur Vollendung beigetragen. Ich bedanke mich dafür bei Frau Prof. E. Blumenthal, Frau Prof. K. Chemla, Frau Prof. B. Hoppe, Frau Prof. S. Rieckhoff, Frau Prof. Ch. Schubert, Frau Dr. S. Brentjes und Frau Dr. I. BuschLauer, den Herren Professoren und Privatdozenten R. Appel, J. Böhm, L. Danzer, L. Eißmann, F. R. Erkens, E. Fanghänel, H.-J. Girlich, S. Gottwald, Ch. Hänsel, H. Hennig, P. Herzig, G. Heydemann, F. Hirzebruch, E. Hlawka, G. Jackisch, H. Kaden, H. Kant, A. Kleinert, K. von Meyenn, D. Michel, E. L. Mills, O. Neumann, J. Oelsner, H. Penzlin, E. Pernicka, K. Peschel, H. Remane, M. von Renteln, H. J. Rösler, M. Rudersdorf, H. Schadewaldt, E. Schmutzer, P. Schreiber, W. Schreier, P. Slodowy, A. Uhlmann, P. Ullrich, J. Werner, L. von Wolfersdorf, H. Wußing, G. Zirnstein, H. Zwahr sowie bei Herrn Dr. F. Baumann. Ein besonderer Dank gilt der Sächsischen Akademie der Wissenschaften, speziell der Kommission für Wissenschaftsgeschichte, die das Projekt in allen Phasen stets kritisch, aber wohlwollend förderte. Sie hat großen Anteil daran, daß das Projekt als Teilleistung im Akademievorhaben zur Geschichte der Naturwissenschaften eine positive Beurteilung durch die Evaluierungskommission erfuhr und durch die Aufnahme in das Programm der Akademievorhaben die notwendige Ànanzielle Absicherung erhielt. Auch den Geldgebern sei an dieser Stelle für die gewährte Förderung herzlich gedankt. Für die Hilfe bei der Klärung biographischer Detailfragen danke ich Frau Dr. H. Kühn, Frau I. Letzel, Frau C. Motz und Frau V. Tschiersich sowie Herrn H.-J. Ilgauds. Doch was wäre ein Projekt wie die vorliegende Chronologie ohne eine entsprechende Publikationsmöglichkeit? So möchte ich einen aufrichtigen Dank an den Verlag Harri Deutsch richten, an Herrn H. Deutsch, der durch seine frühzeitige Interessenbekundung für das Projekt einen wesentlichen Beitrag zur Absicherung des Unternehmens leistete, an die Herren B. Müller und K. Horn für die angenehme, konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Leipzig, im März 2002

Dr. Karl-Heinz Schlote

Benutzerhinweise Im ausführlichen Registerteil am Ende des Buches Àndet der Leser eine Übersicht über die von den einzelnen Autoren verwendete Literatur (einschließlich einer Liste von wichtigen wissenschaftshistorischen und anderen Fachzeitschriften, die bei den Recherchen zu den einzelnen Einträgen benutzt wurden) sowie das Personen- und das Sachwortverzeichnis. Vorangestellt ist den Verzeichnissen eine tabellarische Übersicht über die Nobelpreisträger in den für die Chronologie relevanten Kategorien Physik, Chemie sowie Physiologie und Medizin. Anordnung der Ereignisse Die Ereignisse sind chronologisch geordnet. Die Aufteilung in neun Epochen und innerhalb der einzelnen Epochen nach Jahren erleichtert die Orientierung. Bei Ereignissen, für die keine genaue Datierung ermittelt werden konnte, wurde vor der Jahreszahl das Wort „um“ eingefügt. Weitere, die chronologische Anordnung ergänzende Ordnungsprinzipien ermöglichen dem Leser das rasche AufÀnden eines gesuchten Eintrags: • Innerhalb eines Jahres stehen zuerst die Ereignisse allgemeineren Charakters, wie etwa Universitätsgründungen, philosophische Strömungen etc., dann die Ereignisse für die einzelnen wissenschaftlichen Disziplinen in der Reihenfolge Mathematik, Astronomie, Physik, Chemie, Biowissenschaften, Geowissenschaften; • innerhalb eines Gebietes richtet sich die Reihenfolge nach der alphabetischen Ordnung der für das Ereignis wichtigen Person. Sind mehrere Personen für ein Ereignis von Bedeutung, so erfolgt die Einordnung bei (für das Ereignis) gleichrangigen Personen nach der im Text zuerst genannten, sonst nach der Person, die vom Autor besonders hervorgehoben wurde. Das obige Anordnungsprinzip wird auch optisch verdeutlicht: In der Kopfzeile eines jeden Eintrags Àndet der Leser das Gebiet, zu dem der Eintrag gehört sowie – falls vorhanden – die Namen der für das Ereignis wichtigen Personen. Für die Gebiete werden die folgenden Abkürzungen verwendet: W Ereignis von allgemeiner Bedeutung für die Wissenschaftsentwicklung M Ereignis aus der Geschichte der Mathematik A Ereignis aus der Geschichte der Astronomie P Ereignis aus der Geschichte der Physik C Ereignis aus der Geschichte der Chemie B Ereignis aus der Geschichte der Biowissenschaften G Ereignis aus der Geschichte der Geowissenschaften

Gehört ein Eintrag zu mehreren Gebieten, sind diese nacheinander angegeben und durch einen Punkt getrennt. So steht B • C für ein Ereignis, das sowohl zu den Biowissenschaften als auch zur Chemie gehört und in die Biowissenschaften eingeordnet wurde. Datierung früher Ereignisse Aus den Ereignissen bis ins frühe Mittelalter ist eine exakte Datierung nicht möglich, nur eine Zuordnung zu größeren Zeitabschnitten (für die Antike ist diese beispielsweise meist die erste bzw. zweite Hälfte des jeweiligen Jahrhunderts) ist gesichert. Um trotzdem die zeitliche Abfolge, das Vorher–Nachher im Schaffensprozeß eines Gelehrten bzw. in Beziehung zu anderen Gelehrten der jeweiligen Epoche darstellen zu können, wurden auch diesen frühen Ereignissen Jahreszahlen zugeordnet. Grundsätzlich gilt aber, daß für diese ersten Epochen nur die Zugehörigkeit des Ereignisses zu dem größeren Zeitintervall gesichert ist, nicht die genauere Datierung.

Schreibweise der Namen Für Personen, die unter mehreren Namen bekannt sind, wird im Text der in der Wissenschaft gebräuchliche Name verwendet. Die anderen Namen wurden im Personenregister als Verweise aufgenommen. Personennamen aus slawischen Sprachen werden im Text gewöhnlich in der transliterierten Form angeführt; das Personenregister enthält auch die eingedeutschte Form, die meist der Umschrift nach Steinitz entspricht. In wenigen Ausnahmefällen, wenn der eingedeutschte Namen des Gelehrten durch Publikationen oder nach ihm benannte Begriffe etc. sehr stark verbreitet ist, wurde diese Namensform gewählt und die transliterierte Form nur im Personenregister angegeben. Die älteren chinesischen Namen werden im Text in der Pinyin-Umschrift aufgeführt, im Personenregister Àndet der Leser auch die entsprechende Namensangabe nach Wade-Giles. Personennamen, die zur näheren Bestimmung der Person Zusätze enthalten – meist Ortsangaben wie z. B. Thales von Milet – werden in der Kopfzeile des mit der Person verbundenen Ereignisses vollständig angegeben. In den nachfolgenden Texten steht meist die allgemein gebräuchliche Kurzbezeichnung, d. h. im obigen Beispiel Thales statt Thales von Milet. Personenverzeichnis Bei der alphabetischen Einordnung mehrteiliger Personennamen erfolgt die Einordnung nach dem ersten Teil des Namens. Beispiel: La Hire, Philippe de vor Laar, Peter Conrad. Ein zusammengesetzter Name steht vor dem entsprechenden Namen, dem ein Vorname folgt. Beispiel: Albert von Sachsen vor Albert, Adrian. Wichtige abweichende Schreibweisen und Synonyme wurden durch Verweise erfaßt oder in eckigen Klammern [ ] eingefügt. Beispiel: Römer, Ole [Olaf] bedeutet, daß neben dem Vornamen Ole auch Olaf benutzt worden ist. Nach dem Namen folgen alle ermittelten Vornamen sowie die Lebensdaten der jeweiligen Person. Unsichere Daten werden mit einem Fragezeichen markiert; können die Jahresangaben in einem größeren Intervall schwanken, so ist der Jahreszahl das Wort „um“ vorangestellt. Wenn nur das Todesjahr bekannt, das Geburtsjahr aber allgemein unbekannt ist, wird ein Fragezeichen anstelle des Geburtsjahrs verwendet. Von einer ganzen Reihe von Personen lassen sich keine genauen Lebensdaten ermitteln. Nicht selten ist das angeführte Ereignis einer der wenigen Anhaltspunkte zum Leben der entsprechenden Person. Wenn man sich in der wissenschaftlichen Literatur für die jeweilige Person auf einen gewissen Zeitabschnitt als Lebenszeitraum verständigt hat, so wurde dieser ebenfalls angegeben, ansonsten erfolgte kein Eintrag zur Lebenszeit. Die Verweise erfolgen auf das Jahr und das Gebiet, in dem sich das Ereignis zu der entsprechenden Person einordnet. Das Gebiet ist dabei nach der Jahreszahl durch die Angabe des Anfangsbuchstabens vermerkt: 1854 P bezeichnet also ein Ereignis aus dem Jahre 1854, das zum Fachgebiet Physik gehört; ˜ 1000 A ein astronomisches Ereignis, das um 1000 stattfand. Für Zeitangaben, die die Zeit vor Christus betreffen, wurde der Jahreszahl der Buchstabe v angefügt: 480v M bezeichnet folglich ein Ereignis aus dem Jahre 480 v. Chr. im Fachgebiet Mathematik. Steht eine Person nicht in der Kopfzeile des Ereignisses, auf das verwiesen wird, so ist die entsprechende Jahreszahl im Register schräg gesetzt (z. B. 1894 P ). Sachwortverzeichnis Die Anordnung der Begriffe erfolgt alphabetisch nach dem Hauptwort. Die unterschiedlichen Zusätze zur genauen Bestimmung des Begriffs werden als Unterbegriffe zu dem Haupteintrag geführt, es ist also künstliche Radioaktivität unter Radioaktivität, künstliche; Victoria-See unter See, Victoria-; Hamiltonsches Prinzip unter Prinzip, Hamiltonsches eingeordnet. In der Regel ist ein Ereignis unter mehreren Begriffen im Sachwortverzeichnis verankert, so daß man auch von entsprechenden Oberbegriffen zu dem Eintrag geführt wird. Die Verweise erfolgen – wie im Personenregister – auf das Jahr und das Gebiet, in dem sich das Ereignis zu dem entsprechenden Stichwort einordnet.

Autoren und deren Beiträge Das Buch wurde im Auftrag der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig von einer Autorengruppe unter Leitung von Dr. habil. Karl-Heinz Schlote erarbeitet. Die Auswahl und Wertung der Ereignisse entsprechen in erster Linie der Meinung des jeweiligen Autors, der auch für die fachliche Korrektheit der Angaben bürgt. Dr. Michael Börngen Geowissenschaften (außer Geographie) 1971–1990 Lothar Ehrenberg Astronomie 1870–1990 Dr. Martin Franke Physik 1651–1950 Dr. Bernhard Fritscher Geowissenschaften (außer Geographie) bis 1840 sowie 1871–1900 Dr. Rainer Gärtner Physik bis 1650, Geowissenschaften vor der Zeitenwende Prof. Dr. Martin Guntau Geowissenschaften (außer Geographie) 1901–1950 Dr. Wieland Hintzsche Chemie und Biowissenschaften 1651–1990 Hans-Joachim Ilgauds Astronomie 1751–1870 Dr. Franz Köhler Geographie 1–1990 Christine Marschallek Chemie und Biowissenschaften bis 1750 Prof. Dr. Gyula Pápay Kartographie 1400–1990 Bruno Schelhaas Geographie 1951–1980 Dr. Peter Schimkat Geowissenschaften (außer Geographie) 1841–1870 Dr. Karl-Heinz Schlote Mathematik, Astronomie bis 1750 und 1901–1990, Physik 1951–1990, Geowissenschaften (außer Geographie) 1921–1970 Birgit Spalt Allgemeine Wissenschaftsgeschichte / Philosophie 1750–1990 Werden für einen Zeitraum mehrere Autoren genannt, so wurden von den einzelnen Autoren jeweils wesentliche Teilbeiträge geleistet.

Inhaltsverzeichnis Geleitwort Vorwort und Danksagung Benutzerhinweise Autoren und deren Beiträge

Epochen Vorgeschichte und frühe Hochkulturen

1

Griechisch-hellenistische Antike

19

Mittelalter

63

Renaissance, Humanismus, Reformation

127

Wissenschaftliche Revolution und Rationalismus

171

Die Zeit des Durchbruchs zur Industriewirtschaft

303

Der Industriekapitalismus am Ende des 19. und im Übergang ins 20. Jahrhundert

517

Die Herausbildung der modernen Naturwissenschaften

667

Die Zeit des kalten Krieges

775

Verzeichnisse Verzeichnis der Nobelpreisträger

935

Literaturverzeichnis

951

Personenverzeichnis

987

Sachwortverzeichnis

1117

300 000–601 v. Chr. Vorgeschichte und frühe Hochkulturen

Die Vorgeschichte umfaßt hier jene Phase der Menschheitsgeschichte, die von den Anfängen in der Altsteinzeit (Paläolithikum) bis zu den frühen Hochkulturen reicht, und beinhaltet für einzelne Regionen auch Elemente, die entsprechend der geschichtswissenschaftlichen Gliederung der Frühgeschichte der Menschheitsentwicklung zugerechnet werden. Der Zeitpunkt des Übergangs zu den einzelnen Hochkulturen war jedoch sehr unterschiedlich. Mit den frühen Hochkulturen entstanden jene Bedingungen, die für einige Menschen eine intensivere Beschäftigung mit wissenschaftlichen Sachverhalten und Erscheinungen ermöglichten und somit die Voraussetzungen für die Ausformung erster wissenschaftlicher Systeme schufen. Am Anfang dieses Zeitraumes hatten sich verschiedene Regionalgruppen des Homo erectus herausgebildet, die auch in ungünstigere Klimazonen Afrikas und Eurasiens vordrangen. Die wechselnden Umweltverhältnisse dieses größtenteils zum Eiszeitalter gehörenden Zeitabschnittes hatten einen prägenden EinÁuß auf die Lebens- und Siedlungsformen des Menschen. Lange Zeit bildeten das Jagen von Tieren und das Sammeln von Früchten die Lebensgrundlage. Die sich dabei entwickelnde wachsende Umweltbeherrschung läßt sich an der verbesserten Herstellung von Steinwerkzeugen und Jagdwaffen erkennen, die auch an Vielfalt zunahmen. Die Siedlungsplätze folgten oft den Bewegungen der Tierherden. Im Jungpaläolithikum ab 40 000 v. Chr. sind dann eine deutliche Höherentwicklung der Jagdkultur, der Einsatz von Pfeil und Bogen, verbesserte Gerätschaften und neue Bearbeitungstechniken festzustellen. Es kam zur Ausbildung fester Siedlungen. Schmuck und Kunstgegenstände wurden in größerer Anzahl gefertigt. Zahlreiche Regionalgruppen ließen sich klar voneinander abgrenzen und wiesen stärkere Entwicklungsunterschiede auf. Die Mittelsteinzeit (Mesolithikum) bedingte durch die Folgen des nacheiszeitlichen Klimawechsels eine Veränderung der Wirtschaftsweise. Die Ortsgebundenheit der Menschengruppen nahm weiter zu, und im Bereich des sog. Fruchtbaren Halbmondes (Ostkleinasien, Nordmesopotamien, Levante) begann am Ende dieses Zeitabschnitts mit dem Übergang zum PÁanzenanbau und zur Haustierhaltung ein Prozeß, der als neolithische oder agrarische Revolution einen grundlegenden Wandel in der Lebens- und Wirtschaftsweise der Menschen einleitete. In diesen Gebieten entstanden erste stadtartige Siedlungen mit hohem Kulturniveau und ausgeprägtem Handel. Bauten aus Lehmziegeln dokumentieren neue Möglichkeiten des Bauens. Von Vorderasien breitete sich die agrarische Wirtschaftsweise an der Wende zum 7. Jahrtausend v. Chr. nach Europa aus, zuerst nach Südosteuropa und in das Mittelmeergebiet. Parallel dazu und unabhängig davon entwickelte sich die neolithische Kultur in anderen Regionen der Erde, so in Ost- und Südostasien, in Ägypten sowie in Mittel- und Südamerika, und führte zur Entstehung verschiedener Kulturkreise. Die Landwirtschaft umfaßte die Haus- und Nutztierhaltung sowie den Anbau von KulturpÁanzen im Hack- und Feldanbau. Sie ermöglichte und erforderte zugleich ein Seßhaftwerden der Menschen und bedingte die Anlage fester Siedlungen einschließlich von Befestigungen sowie die Schaffung neuer AckerÁächen. Allmählich ging aus der Hauswirtschaft das Handwerk hervor, die Herstellung bemalter Tongefäße ist dafür beispielhaft. 1

Die regionalen Unterschiede waren jedoch beträchtlich. Während beispielsweise Mittel- und Westeuropa noch am Anfang der neolithischen Phase standen, benutzten die Menschen in Vorderasien bereits Metallgeräte, hatten also metallurgische Kenntnisse. Die Bevölkerung nahm deutlich zu, und allmählich wurde eine beruÁiche Spezialisierung erkennbar, die sich mit dem technischen und wirtschaftlichen Fortschritt und der Intensivierung des Handels verstärkte. Außerdem bildete sich eine politische und geistliche Führungsschicht, was die Struktur der Gesellschaft in diesen Gebieten weiter vervollständigte. In dieser Phase wurden erste wissenschaftliche Kenntnisse in Form von Erfahrungstatsachen für die Tätigkeit in dieser Gesellschaft bedeutsam und die spätere Herausbildung der Wissenschaften wurde somit eingeleitet. Auf die Jungsteinzeit folgte eine Periode, in der es durch die Verwendung von Metallen zu Gebrauchsund Schmuckgegenständen zu einem erheblichen technischen Fortschritt kam. Diese mit Kupfer(Chalkolithikum), Bronze- und Eisenzeit bezeichneten Abschnitte fanden in den einzelnen Regionen eine sehr unterschiedliche Ausprägung. Die Übergänge zwischen ihnen und zur Jungsteinzeit sind Áießend und in einigen Teilen der Erde, z. B. in Japan, West- und Südafrika, trat die Verwendung von Bronze zusammen oder sogar nach der Nutzung von Eisen auf, so daß die Unterscheidung von Bronze- und Eisenzeit nicht möglich ist. Vielfach kam es im Rahmen des fortschreitenden Einsatzes von Metallgegenständen zur Herausbildung neuer Kultureinheiten. In den beiden fortgeschrittensten Zentren, in Ägypten und Vorderasien, entstanden erste staatsähnliche Strukturen, wobei in Mesopotamien erst in einer weiteren Phase der Übergang vom Stadt- zum Territorialstaat erfolgte. Etwas später lassen sich Staatsbildungen auch in den Hochkulturen in Indien und in China, sowie am Ende des 2. Jahrtausends v. Chr. für die völlig unabhängig verlaufende Entwicklung in Mittelamerika nachweisen. Mit diesen Staatswesen entstanden für die Menschen neue Anforderungen und Möglichkeiten, die u. a. wesentlich Erkenntnisfortschritte und neue vielfältige Aktivitäten stimulierten. Obwohl die Staatsgebilde in den einzelnen Gebieten wiederholt Umbrüchen und Änderungen, z. B. durch Machtkämpfe oder den Einfall fremder Völker, unterworfen waren, setzte sich die hier begonnene Entwicklung fort und erfaßte nach und nach die zurückgebliebenen Gebiete. Am Ende des betrachteten Zeitabschnittes war diese Entwicklung, etwa für den mitteleuropäischen Raum, aber noch keineswegs abgeschlossen.

2

3

300 000 v. Chr. – 7500 v. Chr.

um 300 000 v. Chr.

C

M • W Unter den in Bilzingsleben (südlich des Kyffhäusers) gefundenen Spuren menschlicher Kultur beÀnden sich Knochen- und Steinartefakte mit Gruppen von Schnitt- und Ritzlinien in regelmäßiger Folge. Es treten Rechtecke und Halbkreise auf. Aus dem gleichen Zeitraum stammen die in Schöningen (südlich von Helmstedt) gefundenen Wurfspeere aus Nadelholz.

Erstes Auftreten von Keramik in der Janon-Kultur in Japan. B

Im Vorderen Orient, im Gebiet des Fruchtbaren Halbmondes, vollzieht sich im 9. Jahrtausend v. Chr. der Übergang vom nomadischen Leben zur agrarischen Wirtschaftsweise mit Seßhaftigkeit, Siedlungsgründung, Ackerbau und Viehzucht (neolithische oder agrarische Revolution).

um 25 000 v. Chr.

B M

Die Steinzeitmenschen in Mitteleuropa stellen Zahlen durch Kerben in Knochen bzw. Hölzern dar. Der in Vestonice (Mähren) gefundene Wolfsknochen hat 55 Kerben, wobei die ersten 25 zu Fünfergruppen zusammengefaßt sind. Analoge Funde gibt es aus Westeuropa und Indien.

um 12 000 v. Chr. B

Knochenfunde bei Bonn und bei Mallaha (Palästina) belegen die Bestattung von Hunden zusammen mit Menschen, damit ist der Hund das älteste bisher nachgewiesene Haustier. Erste gelegentliche Zähmungen von Wölfen in Mittelund Osteuropa werden auf die Zeit zwischen 40 000 und 12 000 v. Chr. datiert und gingen der Domestikation voraus. Weitere Funde bezeugen die Domestikation des Hundes im 9. Jahrtausend v. Chr. in Mesopotamien. G

Nachweis von Bergbau auf Feuerstein, der sich „bergfeucht“ am besten bearbeiten ließ.

Im Bereich des Fruchtbaren Halbmondes werden Schafe und Ziegen domestiziert. Die Wollnutzung des Schafes ist ebenfalls in diesem Gebiet zuerst belegt und tritt ab dem 4. Jahrtausend v. Chr. auf. B

In der Franchti-Höhle im Osten des Peloponnes (Griechenland) werden Wildformen von zweizeilig bespelzter Gerste, Hafer, Erbsen und Linsen als Nahrungsreste gefunden. Fast ein Jahrtausend später tritt die Gerste dann im Bereich des Fruchtbaren Halbmondes und im Süden der Türkei auf, wobei für die Zeit ab 7500 v. Chr. zunehmend kultivierte Formen nachgewiesen werden.

um 8500 v. Chr. B

Knochenfunde in Nordwyoming belegen die unabhängige Domestikation des Hundes im 9. Jahrtausend v. Chr. in Nordamerika.

um 8000 v. Chr. G

um 10 000 v. Chr. B

Im Hochtal von Oaxaca (Südmexiko) wird der gewöhnliche Kürbis angebaut. Später, im 7. bis 5. Jahrtausend v. Chr. treten weitere Kürbisarten u. a. im Tehuacan-Gebiet auf. Der Riesenkürbis kommt jedoch erst am Ende des 1. Jahrtausend v. Chr. in Peru vor, als bereits ein geregelter Ackerbau existiert.

um 9000 v. Chr.

Das mineralische Naturglas Obsidian dient im Vorderen Orient und z. T. in Mitteleuropa als Werkstoff für Gebrauchs- und Schmuckgegenstände und als Handelsgut.

um 7500 v. Chr. C

In den Siedlungen im Vorderen Orient wird Gipsputz bzw. Kalkmörtel bei einigen Häuserbauten angewandt, später auch in Indien.

C

B

Erste Verarbeitung von gediegenem Kupfer zu Schmuck- und Gebrauchsgegenständen in Anatolien.

Zwischen 7800 und 6500 v. Chr. entstehen in Anatolien (Türkei) und Palästina erste Ackerbausiedlungen.

7500 v. Chr. – 6500 v. Chr.

4 B

In der zweiten Hälfte des 8. Jahrtausends v. Chr. beginnt in Anatolien (Türkei) und in Balutschestan (Pakistan) die Domestikation des Rindes. Dabei bilden sich das vorderasiatischeuropäische Hausrind und das Zebu heraus. B

Einige Fundstätten im Bereich des Fruchtbaren Halbmondes weisen auf die Domestikation des Schweines im 8. Jahrtausend v. Chr. hin. Das Schwein spielte jedoch nur eine geringe Rolle in der frühneolithischen Ernährungswirtschaft. Die für den gleichen Zeitraum behauptete Schweinehaltung auf Neu-Guinea ist bezüglich der Datierung umstritten. B

Im östlichen Mittelmeerraum, im Nordirak und in Westiran beginnen die Menschen im Verlaufe des 8. und 7. Jahrtausends v. Chr. damit, Emmer und Einkorn anzubauen. Die Nutzung von Wildformen ist für die zweite Hälfte des 9. Jahrtausends belegt.

kultivierter Lein 1000 Jahre später in Nordmesopotamien auf. Auf den Inseln Indonesiens, insbesondere auf Neuguinea, werden Zuckerrohr, Bananen und Kokosnüsse und in Mexiko spanischer Pfeffer (Paprikaart) angebaut. B

Im östlichen Griechenland, der Südtürkei und im Gebiet des Fruchtbaren Halbmondes beginnt die Kultivierung von Wilderbsen und Wildlinsen. Um 6000 v. Chr. treten Linsen teilweise in kultivierter Form in Griechenland auf. Zusammen mit mehreren Getreidearten gelangen beide Hülsenfrüchte in der zweiten Hälfte des 5. Jahrtausends über Südosteuropa bis nach Polen.

um 6700 v. Chr. B

Schädelfunde belegen künstliche Schädelöffnungen (Trepanationen) mit Steinwerkzeugen, die von den Patienten teilweise überlebt wurden.

um 6600 v. Chr.

um 7000 v. Chr. B

Im späten 8. und im 7. Jahrtausend v. Chr. beginnt in Zentralmexiko der Übergang zur agrarischen Wirtschaftsweise, die sich unabhängig davon in Südamerika, dem Andenhochland und den Küstenlandschaften Perus, herausbildet. Der Prozeß erstreckt sich über fünf Jahrtausende, möglicherweise bedingt der geringe Anteil der Tierhaltung und das damit fehlende Wechselspiel von PÁanzenanbau und Tierhaltung eine langsamere gesellschaftliche Entwicklung. B

Die Ausgrabungsfunde aus verschiedenen Schichten von Çatal Hüyük (Anatolien) zeigen zwischen 7300 und 6800 v. Chr. eine markante Größenabnahme bei Rindern, was als deutliches Indiz für die Rinderhaltung gilt. B

Mit der Ausbreitung der agrarischen Wirtschaftsweise nach Mitteleuropa gelangt die Haltung von Schafen, Ziegen, Rindern und Schweinen als Haustiere in dieses Gebiet. B

Wildlein tritt in Çayönü (Südosttürkei) und am Zagrosgebirge (Iran) im 7. Jahrtausend v. Chr.,

B

Funde von Roggenkörnern im Vorderen Orient, u. a. in Nordsyrien, lassen eine beginnende Kultivierung dieser Getreideart vermuten. Vollständig kultivierter Roggen tritt erstmals in steinzeitlichen Siedlungen in Polen in der zweiten Hälfte des 5. Jahrtausends v. Chr. auf.

um 6500 v. Chr. A

Die Ritzungen auf einem in Ishango (Zaire) gefundenen Knochen scheinen die Zählung von Mondmonaten bzw. Mondphasen zu sein. C

Der Fund eines Armringes in Yarin Tepe (Irak) zeigt die gelegentliche Verhüttung von Bleierzen an. Es ist das früheste Auftreten der Schmelztechnologie zur Metallgewinnung. Zur gleichen Zeit ist die Verarbeitung von natürlich vorkommendem Kupfer zu Schmuck- und Gebrauchsgegenständen in Nordmesopotamien verbreitet. Der Übergang zur Verhüttung von Kupfererzen ist schwer datierbar. Die ersten Hinweise auf geschmolzenes Kupfer um 6000 bzw. 5000 v. Chr. können Zufallsprodukte sein.

5

6500 v. Chr. – 5000 v. Chr. C

B

Für die Herstellung keramischer Gefäße entwickeln die Menschen im Nordirak im 7. Jahrtausend v. Chr. spezielle Brennöfen. Mit der Buntkeramik erreicht die Töpferei im 6./5. Jahrtausend v. Chr. einen ersten Höhepunkt.

Im Verlauf des 6. Jahrtausends v. Chr. werden in Südostasien, beginnend vermutlich auf den dortigen Inseln Neuguinea, Java usw., Zitrusfrüchte angebaut. In Südalgerien dienen Binsenhirse, in Äthiopien Fingerhirse und in Zentralchina Kolbenhirse und PÀrsiche der Ernährung. In Europa tritt die Rispenhirse um 4500 v. Chr. südlich von Leipzig, nordöstlich des Harzes und bei Belgrad, die Kolbenhirse etwa 500 Jahre später im nördlichen Alpenvorland und in Portugal auf. Der Anbau kultivierter Formen von Kolben- und Rispenhirse ist für 2500 v. Chr. in Nordostchina belegt.

B

Funde von Nacktweizen belegen den Anbau für das Gebiet des Fruchtbaren Halbmondes, den Südwesten der Türkei und südlich des Kaukasus für die Zeit zwischen 6800 und 5200 v. Chr. Ein Einzelfund aus dem Tell Aswad (bei Damaskus) reicht bis in die Mitte des 8. Jahrtausends v. Chr. zurück. Bis zum 3. Jahrtausend v. Chr. breitet sich der Weizen nach Südosteuropa und entlang der nordafrikanischen Küste aus und gelangt bis nach Mitteleuropa.

B • C Die Chinchorro-Indianer an der PaziÀkküste Südamerikas mumiÀzieren Tote.

um 5500 v. Chr.

um 6000 v. Chr.

B C

Herstellung von Birkenrindenpech zur Befestigung von Pfeilspitzen. Vermutlich ist diese Methode älter und wurde schon im späten Paläolithikum angewandt. B

Die Ackerbauern in der Bergrandzone in Nordmesopotamien beginnen zum Bewässerungsackerbau überzugehen. Für den Anfang des 6. Jahrtausends v. Chr. sind bei Mandali nordöstlich von Bagdad Kanalbauten und die Nutzung von Flußwasser zur Feldbewässerung nachgewiesen. Im südlichen Mesopotamien erfolgt der Übergang zum Bewässerungsackerbau im 4. Jahrtausend, nachdem sich die Umweltbedingungen durch ein Absinken des Meeresspiegels verändert hatten. B

In China erfolgt im 6. Jahrtausend v. Chr. unabhängig von der Entwicklung in Vorderasien die Domestikation des Schweines, noch vor der von Schaf, Ziege und Rind. B

Unter dem EinÁuß ackerbautreibender Menschen werden die Kulturhafer selektiert. Hafer wird aber nicht eigens ausgesät und hat einen sehr geringen Anteil am Getreide. Ab dem 5. Jahrtausend v. Chr. tritt Saathafer unter dem Getreide nordwestlich des Schwarzen Meeres und in Polen auf.

Dinkel wird in Nordmesopotamien und am Südrand des Kaukasus im 6. und 5. Jahrtausend v. Chr. zusammen mit anderen Getreidearten angebaut. Von dort breitet er sich in der ersten Hälfte des 5. Jahrtausends v. Chr. im Prut-DnjestrGebiet und ab der Mitte des 3. Jahrtausends in Mittel- und Nordeuropa aus. B

Im 6. Jahrtausend v. Chr. werden in Peru grüne Bohnen, in Mexiko und Neumexiko Feuerbohnen angebaut. Etwa zur gleichen Zeit sind Ackerbohnen in einer Siedlung bei Nazareth (Israel) nachgewiesen.

um 5000 v. Chr. M

Gegenstände der Töpferei, Weberei und Korbmacherei werden mit geometrischen Ornamenten versehen. Funde aus Mesopotamien, Altägypten und Südosteuropa belegen, daß die Menschen ein Gefühl für geometrische Muster entwickeln. Die Anfänge der Verwendung geometrischer Muster auf keramischen Gegenständen liegen jedoch wesentlich früher. B

In der Hoabinh-Kultur, vermutlich zwischen 9. und 7. Jahrtausend v. Chr., vollzieht sich in Indochina der Übergang zu Formen der agrarischen Produktion. Die vollständige Durchsetzung dieser Wirtschaftsweise erfolgt jedoch erst am Ende des 5. Jahrtausends v. Chr. Ähnlich wie in

5000 v. Chr. – 4000 v. Chr.

6

Indochina, aber völlig unabhängig vollzog sich der Übergang zur agrarischen Wirtschaftsweise, in der Lößhügellandschaft Nordchinas im 6. Jahrtausend v. Chr. B

Im Zuge der Ausbreitung der agrarischen Wirtschaftsweise nach Ägypten wird die Haltung von Schafen, Ziegen, Rindern und Schweinen eingeführt. B

In Indien wird die Dattelpalme kultiviert.

um 4500 v. Chr. C

Ein Verfahren zur Herstellung von Fayencen wird vermutlich im Iran oder in Nordmesopotamien entdeckt. Wenig später treten Fayencen auch in Ägypten auf. Die erzeugte Temperatur beträgt 800–950 ◦ C. B

Die ältesten Taubendarstellungen aus dem syrisch-nordirakischen Raum und Palästina lassen eine Domestikation der Taube in diesem Gebiet im 5. Jahrtausend v. Chr. wahrscheinlich erscheinen. In Europa, beginnend in Griechenland, kann ihre Domestikation für das 1. Jahrtausend v. Chr. angenommen werden. B

In der mitteleuropäischen Bandkeramikkultur werden Emmer und Einkorn sowie an wenigen Orten Gerste angebaut. Der Anbau hatte sich ab dem 6. Jahrtausend v. Chr. von der Südtürkei über Kreta, Griechenland und Südosteuropa ausgebreitet. B

Im Hochlandbecken Ayacucho (Peru) werden im 5. Jahrtausend v. Chr. Baumwolle und Mais angebaut.

C • G In Varna, an der Küste des Schwarzen Meeres, beginnen die Menschen in der zweiten Hälfte des 5. Jahrtausends v. Chr., Gold zu Schmuck zu verarbeiten. Für das 4. Jahrtausend v. Chr. ist die Goldverarbeitung auch für Siedlungen im Gebiet Israels belegt, für Mesopotamien erst ab 2600 v. Chr. C • G Das durch Auswaschen gewonnene Gold wird in Ägypten seit Beginn des 4. Jahrtausends v. Chr. zu Schmuck verarbeitet. Im späten 3. Jahrtausend v. Chr. suchen ägyptische Prospekteure in Nubien und den Wadis östlich des Nils systematisch nach Gold, das jetzt aus Erzen ausgeschmolzen wird. C

Einzelne Funde, u. a. von eisernem Halsschmuck und Waffen, in Vorderasien und Ägypten bezeugen die gelegentliche Verarbeitung von Eisen. Dieses Eisen kann unter günstigen Bedingungen als Nebenprodukt beim Schmelzen von Kupfer auftreten und muß nicht notwendig meteoritisches Eisen sein. B

Weitere Tiere werden im Verlaufe des 4. Jahrtausends v. Chr. domestiziert. In Peru sind dies Lamas und Alpakas, auf dem Gebiet der heutigen Ukraine werden Pferde gezähmt. Die Pferdehaltung breitet sich rasch in Richtung Mittelasien und nach Mitteleuropa aus. B

In Ägypten und den spätkupferzeitlichen Kulturen des Vorderen Orients wird der Esel spätestens ab der ersten Hälfte des 4. Jahrtausends v. Chr. als Last-, Zug- und Reittier genutzt. Im 3. Jahrtausend v. Chr. breitet sich die Eselhaltung in die Industal-Kulturen sowie nach Kleinasien und Südgriechenland aus. B

In Indien und in Zentralmexiko wird im 4. Jahrtausend v. Chr. Baumwolle genutzt.

um 4000 v. Chr. A

Im alten Sumer sollen die jahreszeitliche Veränderung der Sternkonstellation beobachtet und für einige Sternanordnungen symbolische Namen geprägt worden sein. Erwähnt werden die Sternbilder Stier, Löwe und Skorpion. Sternkunde, Astronomie und Sterndeutung, Astrologie, sind eng miteinander verbunden.

B

In Ägypten wird Flachs angebaut. Seit dem Beginn des 4. Jahrtausends v. Chr. ist dort die Leinenweberei bekannt. B

Reis wird vermutlich am Ende des 5. Jahrtausends v. Chr. in Indochina kultiviert. Die ältesten

7

4000 v. Chr. – 3000 v. Chr.

Funde belegen den Reisanbau in Nordthailand für das 4. Jahrtausend v. Chr. B

Die Nutzung von Hanf als FaserpÁanze für Schnüre und Gewebe sowie des Hanfsamens als Nahrungsmittel und für medizinische Zwecke ist für die Yang-Shao-Kultur (China) belegt. Wann die Kultivierung der PÁanzen erfolgte ist nicht genauer bekannt. Erst im 8. Jahrhundert v. Chr. wird Hanf außerhalb Chinas verbreitet. B

Der erste Anbau von Melonen erfolgt in Ägypten in der ersten Hälfte des 4. Jahrtausends v. Chr. Funde von Melonensamen aus Nordthailand (datiert auf 10 000–5500 v. Chr.), Chi en Shan Yong (China) (2750–1000 v. Chr.), Harappa (Indien) (2200–1700 v. Chr.) und Shar-i-Sokhata (Iran) (2000 v. Chr.) könnten von gesammelten Wildfrüchten stammen.

B

In Mesopotamien und Ägypten betreiben die Menschen Weinbau und keltern Wein.

um 3300 v. Chr. B

In Ägypten wird Papyrus aus der Papyrusstaude gewonnen.

um 3200 v. Chr. B

Ägyptische Grabfunde von Knochen und Statuetten von Dromedaren aus dem 4. bis 3. Jahrtausend v. Chr. lassen auf deren frühes Auftreten in Ägypten schließen, die Domestikation wird erst mehrere Jahrhunderte später angenommen.

um 3100 v. Chr.

um 3500 v. Chr.

A C

Durch Kupellation von silberhaltigen Bleierzen wird in Mesopotamien und Anatolien Silber gewonnen. C

In Nahal Mishmar am Westufer des Toten Meeres wird eventuell noch vor der Mitte des 4. Jahrtausends v. Chr. erstmals Arsenbronze zur Herstellung von Geräten verwendet. Das Arsen war dabei wahrscheinlich eine natürliche Beimischung des Kupfererzes, es handelt sich also nicht um die bewußte Herstellung einer Legierung. Analog werden die Legierungen von Kupfer mit Blei, Antimon u. a. entdeckt und genutzt. B

Durch Rollsiegel wird die Haltung von Wasserbüffeln in der Industal-Kultur und in Mesopotamien für die zweite Hälfte des 3. Jahrtausends v. Chr. belegt. Älter, bis weit ins 4. Jahrtausend zurückreichend, sind die Belege für die Büffelhaltung in Nordostchina. B

Vermutlich im 4. Jahrtausend v. Chr. wird das Dromedar im Südosten der Arabischen Halbinsel domestiziert. Wenig später erfolgt im Gebiet Bahuchestan (Iran) und am Rande des KopetdagGebirges (Iran/Turkmenien) die Domestikation von Kamelen.

Die Ägypter benutzen einen Mondkalender, das Jahr hatte 354 Tage, geteilt in 12 Monate, in unregelmäßigem Wechsel, etwa jedes dritte Jahr, wurde ein 13. Monat hinzugefügt.

um 3000 v. Chr. W

Die Sumerer entwickeln eine Bilderschrift in Mesopotamien. Die Anzahl der Zeichen in dieser Schrift wird bis 2000 v. Chr. von mehreren Tausend auf etwa 500 verringert. Es beginnt die Wandlung zur Keilschrift. W

Die frühesten bekannten Aufzeichnungen der Sumerer für Verwaltungszwecke entstehen auf Tontafeln durch Einritzen und anschließendes Trocknen. Das Brennen der Tontafeln erfolgte später meist zufällig und war durch andere Ereignisse bedingt. W

Im alten Ägypten wird eine Schrift mittels Hieroglyphen entwickelt. Es ist keine Bilderschrift, entscheidend ist der Lautwert des Bildes bzw. Zeichens. Die Schrift unterlag mehreren, teilweise tiefgreifenden Änderungen und war in Form der demotischen Schrift bis zum 5. Jahrhundert n. Chr. in Gebrauch.

3000 v. Chr. – 2850 v. Chr.

8 M

B

Die Ägypter verwenden ein dezimales Zahlsystem mit Individualzeichen für jede Zehnerpotenz bis 106 . Bis zur Mitte des Jahrtausends werden alle wichtigen Entdeckungen gemacht, die für die ägyptische Mathematik typisch sind.

Mehrere Samenfunde aus neolithischen Siedlungen des nördlichen Alpenvorlandes dokumentieren die im 3. Jahrtausend v. Chr. beginnende Kultivierung von Rübsen.

C

Erste Kulturstufen von Mais treten in Südmexiko auf und belegen die Anfänge eines gezielten Anbaus zwischen 3400 und 2300 v. Chr.

B

In Sumer wird Bitumen bzw. Naturasphalt als Dichtungsmaterial und Klebstoff sowie zur Herstellung von Mörtel verwendet. B • C

In Ägypten werden Anfang des 3. Jahrtausends v. Chr. verschiedene Ansätze zur MumiÀzierung von Toten unternommen. Ab dem 2. Jahrtausend v. Chr. erfolgt dies, indem man die Toten nach dem Entfernen von Hirn und Eingeweiden mit Natronsalzen oder Zederprodukten behandelt. B • C In Mesopotamien und im alten Ägypten ist im 3. Jahrtausend v. Chr. die Biererzeugung bereits weit verbreitet. Dazu wird mit gemälztem Getreide gebackenes Brot in Wasser aufgelöst und vergoren. B

Ab der Mitte des 4. Jahrtausends v. Chr. breitet sich die Pferdehaltung über den Kaukasus und das Hochland von Armenien nach Ostanatolien und im 3. Jahrtausend v. Chr. über weite Gebiete Südwestasiens aus. B

Die Haltung domestizierter Zebus breitet sich im 3. Jahrtausend v. Chr. nach Mesopotamien und die Induskultur sowie spätestens im 2. Jahrtausend v. Chr. nach Ägypten aus.

B

Im 3. Jahrtausend v. Chr. werden in Nordchina im großen Umfang Reis und im Mittelmeergebiet, Griechenland, Spanien und Portugal, die Ackerbohne (Pferdebohne) als KulturpÁanzen angebaut. G

Zwischen den verschiedenen Kulturen der Jungsteinzeit in Europa bestehen durch ausgedehnten Handel enge Beziehungen. Über Europa breitet sich bereits ein Netz von Handelswegen aus. G

An mehreren Orten Mitteleuropas, von den britischen Inseln bis Polen, wird im 3. Jahrtausend v. Chr. im Bergbau Feuerstein gewonnen. Die Anfänge dieser Nutzsteinschürfungen reichen bis zum Ende des 4. Jahrtausends v. Chr. zurück und ermöglichen ein frühzeitliches Steinwerkzeugund Steingerätehandwerk.

um 2900 v. Chr. M

Im alten Sumer entsteht ein sexagesimales Zahlsystem und ein ebensolches Maßsystem.

B

Zu Beginn des 3. Jahrtausends v. Chr. werden in Indien Elefanten gezähmt. B

Im alten Mesopotamien sind im 3. Jahrtausend v. Chr. die inneren Organe verschiedener Tiere, vor allem von Schafen, u. a. aufgrund der Vorzeichenschau gut bekannt. Ihre Funktion ist jedoch weitgehend unklar. B

In Europa sind Gerste, Emmer, Flachs, Leguminosen (Hülsenfrüchte) und Einkornweizen bekannt.

A

Einführung eines neuen Kalenders in Ägypten. Das aus der Periode des Sternes Sirius (Sothis) bestimmte (Sonnen-)Jahr umfaßte 12 Monate zu je drei Dekaden sowie fünf Zusatztage, insgesamt 365 Tage.

um 2850 v. Chr. A

Der Urnen-Kalender von Troja, das wohl älteste Dokument abendländischer Astronomie, verzeichnet vier Jahreszeiten und scheint ein SonneMond-Kalender zu sein.

9

2800 v. Chr. – 2500 v. Chr.

um 2800 v. Chr. C

In Babylonien wird Öl mit PÁanzenasche zu einer seifenartigen Masse gekocht, die u. a. zur HaarpÁege verwendet wird.

M • W In der Industal-Kultur entwickeln die Menschen die sog. Indus-Schrift, eine Mischung aus Bilderschrift sowie Laut- bzw. Silbenzeichen, und bilden ein dezimales Zahlsystem aus. M

um 2700 v. Chr. Imhotep

B

Imhotep, Baumeister von König Djoser, wird von der späteren Überlieferung in medizinischen Papyri als Begründer der ägyptischen Medizin angesehen. G

Funde von Artefakten an der Südwestküste Omans belegen die von der Industal-Kultur um Harappa ab etwa 2700 v. Chr. auf dem Seeweg hergestellten Kontakte.

um 2600 v. Chr. B

Zwiebeln und Salat (Lattich) werden in Ägypten kultiviert und gehören zu den Nahrungsmitteln im alten Ägypten. Für das 6 Jahrhundert v. Chr. ist Lattich als Nahrung in Persien und Griechenland schriftlich belegt. Huang-Di

B

Die Legende schreibt dem Kaiser Huang-Di zu, Prinzipien der Heilkunde und eine Theorie des Pulses aufgestellt zu haben. Xi Ling-Shi

B

In China wird mit der Seidenraupenzucht begonnen. Der Legende nach soll die Gemahlin Xi Ling-Shi des Kaisers Huang-Di erstmals einen Kokon entrollt und die Seidenweberei und -stickerei in China begründet haben. Die ältesten Hinweise auf eine Nutzung der Seidenraupen stammen aus der Yangshao-Kultur, die Ende des 5. Jahrtausends und im 4. Jahrtausend v. Chr. am Ober- und Mittellauf des Huang He entstand.

um 2500 v. Chr. W

Die Entwicklung der Keilschrift aus der ursprünglichen Bilderschrift durch Reduzierung und Vereinfachung ist im wesentlichen abgeschlossen.

Ägyptische Bildhauer benutzen bei Arbeiten ein Netz von Hilfslinien. C

In Südmesopotamien und Nordwestanatolien werden im Verlaufe des 3. Jahrtausends v. Chr. Bronzegegenstände hergestellt, wobei die Bronze einen gewissen Prozentsatz an Zinn enthält, der vereinzelt dem idealen Anteil von 10 % nahekommt. Es handelt sich hier um die beginnende, zielgerichtete Herstellung einer Legierung. B

Die ägyptische Medizin zeichnet sich durch eine frühe Teilung in Spezialgebiete und die klare Ausrichtung auf die praktische Anwendung von Fertigkeiten und Erfahrungswissen aus. Die Wundchirurgie erzielt beachtliche Fortschritte, die theoretischen Kenntnisse sind jedoch gering. Das Ausführen von Schädeltrepanationen und Amputationen in dieser Zeit ist jedoch zweifelhaft. B

Das asiatische Bankivahuhn wird im Bereich der Industal-Kultur domestiziert. Neuere Hinweise auf eine Domestikation des Huhnes in Nordostchina in der ersten Hälfte des 6. Jahrtausends v. Chr. bedürfen noch einer Bestätigung. Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr. gelangt das Haushuhn nach Ägypten und Mesopotamien. Vom Mittelmeergebiet aus gelangte es im 7. und 6. Jahrhundert v. Chr. nach Mitteleuropa. B

Während des Alten Reiches (2830–2190 v. Chr.) beginnen die Menschen in Ägypten mit der planmäßigen Haltung von Grau- und Nilgänsen. Für den gleichen Zeitraum wird der Beginn der Gänsehaltung in Mesopotamien vermutet. In Mitteleuropa ist die Haltung von Hausgänsen erst für das zweite Drittel des 1. Jahrtausends v. Chr. sicher belegt. B

In Südamerika werden Erdnüsse als KulturpÁanze angebaut.

2500 v. Chr. – 2100 v. Chr.

10 B

Im 3. Jahrtausend v. Chr. erfolgt die Domestizierung des Wildpferdes in Nord- und Westeuropa, vermutlich unabhängig von dem analogen Prozeß im eurasischen Steppengebiet.

2296 v. Chr. A

Chinesische Astronomen sollen erstmals das Auftreten eines Kometen registriert haben.

G

In der zweiten Hälfte des 3. Jahrtausends v. Chr. weitet sich der Fernhandel der Sumerer über die Länder Vorderasiens bis nach Ägypten und Indien aus.

um 2475 v. Chr. G

Die ägyptische Küstenschiffahrt erreicht in aus libanesischen Zedern gebauten Seglern über das Rote Meer das Land Punt, um Weihrauch und Myrrhe zum kultischen Gebrauch zu erhandeln. Die Lage des Landes Punt ist umstritten, sowohl die Somaliküste als auch der Süden der Arabischen Halbinsel (Jemen) sind u. a. möglich. Seit der 5. Dynastie werden regelmäßig Expeditionen nach Punt durchgeführt.

um 2400 v. Chr. B

Bildliche Darstellungen aus Abu Gurob belegen die Bienenhaltung im alten Ägypten. Die Anfänge der Bienenzucht werden im 5. bzw. 4. Jahrtausend v. Chr. vermutet, während noch ältere Darstellungen in Çatal Hüyük (Südanatolien) wahrscheinlich noch die Wildbienennutzung beschreiben. G

Die früheste bisher bekannte babylonische Karte aus der Agade-Periode, die die damaligen Vorstellungen von der Erde darstellt, wird auf einer Tontafel überliefert.

um 2350 v. Chr. Yao

B

Dem chinesischen Kaiser Yao wird das Anlegen von Bewässerungswerken für die Reisfelder am Jangtsekiang (Changjiang) zugeschrieben.

um 2300 v. Chr. A

Chinesische Astronomen gehen vermutlich dazu über, Beobachtungen auf den Himmelsäquator und die Pole zu beziehen, eine Methode die in Europa erst mit T. Brahe eingeführt wird.

um 2250 v. Chr. Sargon von Akkad

G

Unter Sargon von Akkad beherrscht der babylonische Fernhandel die östlichen Mittelmeervölker. Die Kenntnisse der KauÁeute erweitern das babylonische Erdbild, von verschiedenen Handelsreisen werden Itinerarien angelegt.. Sargon von Akkad

G

Für Verwaltungszwecke sollen in Babylon zur Zeit Sargon von Akkads Katastervermessungen durchgeführt worden sein.

um 2200 v. Chr. A

Ägyptische Astronomen stellen eine Liste von 36 Sternbildern auf, deren Sichtbarwerden in der Morgendämmerung (heliakischer Aufgang) die Bestimmung der Jahreszeit und deren Bewegung die Einteilung der Nacht in Stunden gestattet (Sternuhren). Yu

A

Der legendäre Herrscher Yu begründet angeblich die archäologisch bisher nicht belegte erste Dynastie Hsia (Xia) und soll einen neuen Kalender eingeführt haben. Yu

B

Der legendäre Kaiser Yu soll die Seidenraupenzucht durch PÁanzung von Maulbeerbäumen und die Verteilung von Seidenraupen gefördert haben.

um 2100 v. Chr. M

Am Ende der sumerischen Periode liegt als Zahlsystem ein vollkommen ausgebildetes sexagesimales Positionssystem, jedoch noch ohne Lückenzeichen, vor. Einige arithmetische Operationen werden durch Tafeln, z. B. Multiplikations-, Reziprokentafeln, erleichtert. Es werden einfache arithmetische und geometrische Aufgaben gelöst. ʌ wird mit 3 angenähert.

11

2100 v. Chr. – 2000 v. Chr. B

C

Das Kanalsystem in Südmesopotamien wird instandgesetzt und erweitert. Neue Bewässerungsvorrichtungen werden eingesetzt und neues Kulturland wird erschlossen, um den Rückgang der landwirtschaftlichen Erträge durch Versalzung der Böden auszugleichen. Gleichzeitig begünstigt der Ausbau des Kanalsystems den Aufschwung des Handels. Ein sumerischer Text vom Anfang des 2. Jahrtausends v. Chr. reÁektiert Fragen der künstlichen Bewässerung und der Bearbeitung der Felder sowie Folgen von Wassermangel und Bodenversalzung.

Durch Reduktion mit Holzkohle wird in Ägypten und Babylonien Zinn aus dem natürlich vorkommenden Zinnoxid Kassiterit gewonnen. Zugleich beginnt mit der Herstellung echter Zinnbronzen eine neue Etappe der Metallurgie. Rezepte aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts v. Chr. belegen die Bemühungen zur Einhaltung des Legierungsverhältnisses.

um 2050 v. Chr. A

Chinesische Texte über die frühe legendäre Kaiserzeit erwähnen die Registrierung einer SonnenÀnsternis. Sie wird zwischen 2165 und 1948 v. Chr. datiert.

um 2000 v. Chr. W

Nach Angaben auf Keilschrifttafeln werden in den Schulen für Staats- und Verwaltungsbeamte in Mesopotamien u. a. Themen einer breiten Naturkunde und Medizin sowie Beschwörungsformeln behandelt, speziell umfangreiche Wortlisten mit Tier-, PÁanzen-, Körperteil-, Stern-, Gesteins- und geographischen Namen. Die Listen stellen interessante Ansätze zur Systematiserung in den entsprechenden Gebieten dar. M

In der minoischen Kultur auf Kreta wird ein dezimales Zahl- und Gewichtssystem ausgebildet. A

In China wird zur Tageszählung ein 60tägiger Zyklus benutzt, der in sechs Perioden unterteilt ist und keinen Zusammenhang mit astronomischen Beobachtungen hat. A

Die Chinesen benutzen ähnlich wie später die Babylonier für die Kalenderrechnung einen MondSonnenjahr-Zyklus von 19 Jahren. C

In Mitteleuropa beginnt unter südosteuropäischen Impulsen die Herstellung von Bronze. C

In Babylonien wird Erdöl zu Beleuchtungszwecken genutzt.

B

Der Stand der altbabylonischer Medizin wird durch eine Rezeptsammlung dokumentiert. Die Medizin ist noch frei von magischen Praktiken, und die medizinische Praxis gründet sich wesentlich auf Erfahrungswissen und die Anwendung pÁanzlicher Mittel. Genesung und Tod des Patienten werden nach äußerlichen Krankheitszeichen vorausgesagt, es werden Puls-und Blutuntersuchungen durchgeführt. Als Krankheitsursache sieht man häuÀg einen Verstoß gegen die von den Göttern geforderte Lebensweise an. In Einzelfällen werden Möglichkeiten einer Prophylaxe angedeutet. Später im 1. Jahrtausend v. Chr. wird das medizinische Wissen zunehmend von Magie und Aberglauben überwuchert. B

Bereits vor der Jahrtausendwende werden in Ägypten Heilbäder, Brech- und Abführmittel als hygienische Maßnahmen zur Krankheitsvermeidung und als Heilmethoden angewandt. Ebenso dienen Räucherungen mit wohlriechenden Essenzen außer mythischen Gründen auch der Inhalation. B

Im 2. Jahrtausend v. Chr. ist in China, Mesopotamien, Ägypten und Indien die Annahme der Urzeugung von Würmern, Fröschen Mäusen u. a., d. h. die Entstehung von Leben aus unbelebter Materie, allgemein verbreitet. B

Knochenfunde aus den Orchonhöhlen (Mongolei) belegen die Domestikation des Yaks. Eine genauere Datierung und Lokalisierung des Domestikationsprozesses fehlt bisher. B

In Mesopotamien kennt man die Zweigeschlechtlichkeit der diözischen Dattelpalme und bestäubt die weiblichen Blütenstände künstlich.

2000 v. Chr. – 1700 v. Chr.

12 B

In Iran wird die Luzerne kultiviert. G

Zwischen ägyptischen und den kanaanäischen Hafenstädten an der Ostküste des Mittelmeers herrscht reger Schiffsverkehr. G

Kretische Seefahrer erfassen mit ihrer Küstenschiffahrt den gesamten östlichen Mittelmeerraum und betreiben Handel mit Gütern vom griechischen Festland, u. a. mit Textilien, Metallen, Halbedelsteinen und Naturprodukten.

wie arithmetische Grundoperationen, wobei Multiplikation und Division durch Verdoppeln und Halbieren ausgeführt werden und nur mit ganzen Zahlen und Stammbrüchen gerechnet wird, das Lösen linearer Gleichungen sowie einfache Flächen- und Volumenberechnungen. Für ʌ wird die gute Näherung 256/81 = 3,1604 . . . verwendet. M

Herausragendes Ergebnis der altägyptischen Mathematik ist die richtige Formel für das Volumen eines quadratischen Pyramidenstumpfes.

G

Die chinesische Reichsgeographie des legendären Kaisers Yu berichtet von neun Karten, die sich auf neun metallenen Urnen befunden haben sollen. Sie galten den chinesischen Kaisern verschiedener Dynastien von etwa 2005–256 v. Chr. als heilig und wurden vom letzten Herrscher vernichtet. Es fehlt jedoch jeder historische Beleg. G

Nachdem ägyptische Prospektoren seit der Mitte des 3. Jahrtausends v. Chr. auf mehreren Expeditionen verschiedene Wadi nach Bodenschätzen erkundet hatten, werden die Expeditionen auf Nubien ausgedehnt.

um 1950 v. Chr. M

In der Industal-Kultur entsteht ein Gewichtssystem, das Merkmale einer dualen Basis, aber auch einer dezimalen Basis aufweist.

um 1920 v. Chr. M

Die Ägypter konstruieren einen rechten Winkel mittels Knotenseildreieck, das die pythagoreischen Zahlen 3, 4 und 5 als Seitenlängen hat. Aus den Maßen für die während der 6. Dynastie des Alten Reiches errichteten Pyramiden wird die Vermutung abgeleitet, daß das pythagoreische Dreieck schon um 2250 v. Chr. bekannt war.

um 1850 v. Chr. M

Mehrere ägyptische Papyri vermitteln z. T. an praktischen Aufgaben mathematisches Wissen,

um 1800 v. Chr. M

In der babylonischen Mathematik werden quadratische sowie einzelne kubische bzw. biquadratische Gleichungen und quadratische Gleichungen in zwei Unbekannten gelöst. Ein Verfahren zur Ermittlung pythagoreischer Zahlentripel, d. h. natürliche Zahlen x, y, z mit x2 + y2 = z2 , ist bekannt. Es gibt Tafeln für Quadratzahlen, Quadratund Kubikwurzeln u. a. B

Die Ägypter beginnen das Flutwasser des Nil zur landwirtschaftlichen Bewässerung zu nutzen, aber erst 1000 Jahre später entsteht ein umfassendes Schleusen- und Kanalsysteme für die überschwemmenden Nilarme sowie Eindämmungen der Überschwemmungsseen.

um 1750 v. Chr. Hammurapi

B

In der Gesetzessammlung des Königs Hammurapi von Babylon wird die rechtliche Stellung der Vertreter der Heilkunde geregelt. Es werden u. a. auch Operationen am Auge erwähnt.

um 1700 v. Chr. A

Babylonische Astronomen beginnen die Auf- und Untergänge der Venus und Erscheinungen des Mondes systematisch zu registrieren. Dies ist für die zeitliche Orientierung wichtig. Es werden Sternkataloge zusammengestellt. Auf der Basis der Venusbeobachtungen erkennen sie um 1650 v. Chr., daß es sich beim Abend- und Morgenstern um dasselbe Gestirn handelt.

13

1600 v. Chr. – 1500 v. Chr.

um 1600 v. Chr. A

Die Steinkreisanlage von Stonehenge wird vollendet. Die einzelnen Teile sollen Beziehungen zur Bewegung der Sonne und des Mondes am Himmel haben.

um 1550 v. Chr. B

Die Ägypter besitzen einfache biologische Kenntnisse wie z. B. über die Entwicklung des Skarabäus vom Ei über die Larve zum Käfer, der SchmeißÁiege aus der Larve und des Frosches aus der Kaulquappe. B

Im medizinischen Papyrus Ebers werden mehr als 40 Krankheiten und etwa 700 Arzneimittel beschrieben. Als Krankheitsursachen werden u. a. Dämonen, falsche Ernährung und Würmer angegeben. Die Diagnose erfolgt durch Abtasten und Abhören. Als therapeutische Maßnahmen werden Diät, Fasten, Massage und Hypnose empfohlen. Die ebenfalls im Papyrus enthaltenen Anfänge einer Atemlehre können als Vorläufer der bei den Griechen bedeutenden Pneumalehre gelten. B

Der Papyrus Edwin Smith aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts v. Chr. veranschaulicht die vielseitigen chirurgischen Kenntnisse der Ägypter, wie die Entfernung von Geschwüren, die Kastration und die praktische Behandlung von Frakturen und Wunden. Das Schienen von Gliedmaßenfrakturen ist bekannt.

wurde, wobei Metalloxide zur Färbung des Glases dienten, gelingt während der 18. Dynastie in Ägypten die Herstellung von klarem, durchscheinendem Glas. Man beginnt mit der Herstellung von Glasgefäßen. C

In Ägypten sind zahlreiche chemische Verfahren bekannt, bei denen u. a. Alaun, Schwefel, Erdöl, Indigo, Kalkstein, Braunstein, Bleiweiß, Carbonate und andere Salze verwendet werden. C

In den Zinnseifen von Cornwall (England) wird Zinn gewonnen. Es wird später bis in den Mittelmeerraum geliefert. B

Die Hybridenzucht von Esel und Pferd, Maultier und Maulesel, setzt sich in der ersten Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr. in Mesopotamien durch. B

Nach gelegentlichen Zähmungen von Katzen in der Zeit des Alten Reiches kommt es im Neuen Reich zur Domestikation der Katze in Ägypten. Im 1. Jahrtausend v. Chr. tritt die Hauskatze auch in Europa auf. B

Das Haushuhn gelangt im 15. Jahrhundert v. Chr. als Zuchtprodukt aus mehreren südasiatischen Wildformen von Indien aus nach China und Ägypten. B

um 1500 v. Chr. A

Astronomen in Mesopotamien teilen 36 Fixsterne und Planeten in drei Zonen bzw. „Wege“ nach den Göttern des sumerisch-babylonischen Pantheons ein. Daraus entsteht am Ende des Jahrtausends die Zuordnung von Stern- und Sternbildnamen zu bestimmten Monaten. Je drei Fixsterne und Planeten werden einem bestimmten Monat zugeordnet.

In der zweiten Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr. werden in Mesopotamien und Kleinasien Pferde, vorwiegend für militärische Zwecke, gezüchtet. B

Während der Shang-Dynastie, ab etwa dem 15. Jahrhundert v. Chr., werden in China Büffel, Rinder, Schafe, Ziegen, Schweine und Pferde gezüchtet sowie Hirse, Weizen, Gerste, Bohnen, Buchweizen, Sojabohnen und Hanf angebaut.

C

Nachdem seit dem Ende des 5. Jahrtausends v. Chr. in Ägypten und Mesopotamien teilweise zufällig Glas aus Quarzsand, Kalk und Soda erschmolzen und u. a. zu Perlen verarbeitet

Shen Nong

B

Die Sojabohne wird in der Mandschurei angebaut. Bereits der legendäre Kaiser Shen Nong soll die Sojabohne in seinem Reich kultiviert haben.

1490 v. Chr. – 1300 v. Chr.

14

um 1490 v. Chr.

um 1350 v. Chr. C

C

In Ägypten und Südosteuropa (Avalaberg bei Belgrad) ist Quecksilber bekannt und wird z. T. zum Färben verwendet.

Der sog. „Eisen-Brief“ des Hethiterkönigs an den Herrscher von Assyrien verweist auf die Eisenherstellung. Vermutlich im 13./12. Jahrhundert v. Chr. wird die Eisenmetallurgie im anatolischtranskaukasischen Gebiet in kurzer Zeit bis zur Herstellung von Schweißeisen und oberÁächengehärtetem Stahl entwickelt. Es beginnt der zunehmende Einsatz von Eisen für Waffen und Gebrauchsgegenstände. Für den gleichen Zeitraum belegen Funde die Eisenherstellung für Palästina, Zypern, Kreta und Südosteuropa. Die Datierung einiger Funde legt die Produktion von Schweißeisen für die Zeit vor 1500 v. Chr. in Südosteuropa (Slovakei) und am Ostufer des Schwarzen Meeres (Kolchis) nahe, so daß die frühe Entwicklung der Eisenmetallurgie weiterer Klärung bedarf.

um 1450 v. Chr. A

In Ägypten werden vermutlich schon längere Zeit Sonnenuhren benutzt, die die Zeit zwischen Aufund Untergang der Sonne in 12 Abschnitte teilen.

um 1400 v. Chr. A

In China beginnt man mit der Einteilung der Mondbewegung in Abschnitte, sog. Häuser. C

In Ägypten und Babylonien wird zu Schmuckzwecken Email, auf Metall aufgeschmolzenes Glas, hergestellt. C

Ein Keilschrifttext beschreibt die Herstellung von mit Kupfer gefärbter Bleiglasur. B

In Südamerika wird Maniok, und in Nordamerika werden Sonnenblumen angebaut. G

Der Handel im Mittelmeer, insbesondere zwischen den Inseln wie Zypern, Kreta, Sardinen und Thasos, sowie den Völkern Ägypten und des Vorderen Orients erfährt ab dem 14. Jahrhundert v. Chr. eine starke Ausweitung. Gehandelt werden sowohl Rohstoffe, wie Kupfer- und Silbererze, als auch Gebrauchs- und Schmuckwaren.

um 1390 v. Chr. A

Die Wasseruhr zur Zeitmessung ist vermutlich seit etwa 1540 v. Chr. in Ägypten bekannt. Es gibt Ansätze für die Einteilung des Tages in 24 gleichlange Stunden. Etwa zur gleichen Zeit werden die Uhren auch in Mesopotamien verwendet.

1361 v. Chr. A

Die erste von mehreren in der Shang-Dynastie beobachteten MondÀnsternissen wird registriert. Auch von späteren chinesischen Reichen gibt es Verzeichnisse von Finsternissen.

C

Aus der Zeit des Neuen Reiches gibt es in Ägypten erste schriftliche Zeugnisse über die Metalle Blei und tellurisches Eisen. Die Verarbeitung von Blei ist jedoch älter. Kikkuli

B

Der Mitannier Kikkuli verfaßt eine in hethitischer Sprache überlieferte Abhandlung über Pferdezucht. Sie enthält eine Dressur- und Akklimatisierungsordnung für Pferde und gilt als eines der ältesten Werke der angewandten Zoologie.

1305 v. Chr. G

Ägyptische Listen der Ramessidenzeit, die bis 1080 v. Chr. reichen, benennen eine große Zahl vorderasiatischer Ortschaften. Topographisches Wissen gehört offensichtlich zum Lehrstoff der Schreiberschulen.

um 1300 v. Chr. M

Inschriften weisen auf die Benutzung eines dezimalen Positionssystems in China hin. M

In der vedischen Literatur ist ein an Naturmaßen orientiertes Gewichtssystem belegt. B • C An den Küsten des östlichen Mittelmeeres gewinnen die Kanaanäer aus der Purpurschnecke (Murex) den Purpur zum Färben von Textilien.

15

1300 v. Chr. – 1050 v. Chr.

B • C In China wird der aus dem Kambialsaft des Lackbaumes gewonnene Lack zum Schutz und zur Verzierung von Gegenständen verwendet.

das der Idee des Differentialgetriebes entspricht, bleibt der Arm der Figur bei der Bewegung des Wagen nach Süden gerichtet.

um 1150 v. Chr.

G

Eine ägyptische Karte auf Papyrus zeigt die nubische Goldminen östlich von Kopos und enthält wohl erstmalig eine Geländedarstellung. Auf die Zeit des Mittleren Reiches geht auch der älteste bekannte Versuch zurück, die Jenseitslandschaft im Zwei-Wege-Buch kartographisch darzustellen.

Ramses IV.

G

Der Plan des Grabes von Ramses IV. gehört zu den praktischen Arbeiten ägyptischer Kartenzeichner und belegt ein ausgeprägtes räumliches Vorstellungsvermögen.

um 1140 v. Chr. A

um 1250 v. Chr. C

Die Ägypter prüfen den Goldgehalt durch eine Strichprobe am Probierstein.

In babylonischen Keilschrifttexten wird das Auftreten eines Kometen vermerkt.

um 1100 v. Chr.

G

In der Zeit der 19. Dynastie wird ein Kanal vom Nil zum Roten Meer angelegt. Der Kanal ist aber nicht schiffbar.

1223 v. Chr. A

In akkadischen Quellen aus Ugarit bei Latakia (Syrien) wird eine SonnenÀnsternis registriert. Es ist die wohl früheste Aufzeichnung eines solchen Ereignisses. Eine moderne Analyse der Tontafelinschrift ergibt, daß es sich sehr wahrscheinlich um die SonnenÀnsternis am 5. März handelt.

1217 v. Chr.

W

Das lineare phönikische Alphabet tritt auf Inschriften des 11. und 10. Jahrhunderts auf. Die Ursprünge des Alphabets sind sowohl in dem westsemitischen Alphabet als auch in dem Keilschriftalphabet von Ugarit zu sehen, die beide im 2. Jahrtausend v. Chr. entstanden. Das phönikische Alphabet hat die weitere Herausbildung von Alphabeten im Nahen Osten und Griechenland wesentlich beeinÁußt. M

Der Satz des Pythagoras ist in China für das spezielle Dreieck mit den Seitenlängen 3, 4 und 5 bekannt.

A

A

Beginn eines Verzeichnisses von SonnenÀnsternissen in China.

Babylonische Astronomen unterscheiden Fixsterne und Planeten und legen Himmelsäquator und Ekliptik fest.

1200 v. Chr. W • M

Orakelinschriften aus dem 13.–11. Jahrhundert v. Chr. belegen einen hohen Entwicklungsstand der chinesischen Schrift und den Gebrauch eines dezimalen Zahlsystems. Es werden Zahlen bis 30 000 Àxiert.

um 1160 v. Chr.

G

Die erstarkten phönikischen Stadtstaaten gründen ab dem 11. Jahrhundert v. Chr. Siedlungskolonien im Mittelmeerraum sowie ab dem 9. Jahrhundert v. Chr. an der Westküste Nordafrikas (Marokko).

um 1050 v. Chr. Wu Wang

P

Unter der Shang-Dynastie soll zur Orientierung ein sog. südwärts weisender Wagen, gebaut worden sein. Im Wagen steht eine Figur, die nach Süden weist. Durch ein System von Zahnrädern,

B

Der erste chinesische Herrscher der Zhou (Chou)Dynastie, Wu Wang, läßt einen zoologischen Garten, den „Park der Intelligenz“, anlegen, der Säugetiere, Vögel, Schildkröten sowie Fische enthält und etwa 800 Jahre besteht.

1000 v. Chr. – 750 v. Chr.

16

um 1000 v. Chr. W

In der chinesischen Mystik entwickelt sich auf der Basis empirischen Wissens über die Natur eine im Ansatz urwüchsige Dialektik und Naturphilosophie, die in die Lehre der Acht Trigramme eingeht. Ansätze hierzu gehen vermutlich noch weiter zurück.

denen Buch der Lieder Shih-Ching werden über 200 PÁanzennamen angegeben.

um 860 v. Chr. Assurnasirpal II.

A

Die Zeitrechnung der Inder basiert auf einem „idealen“ Mondjahr zu 360 Tagen, das durch willkürliche Schaltungen mit dem Sonnenstand in Übereinstimmung gebracht wird. B

B

Der assyrische König Assurnasirpal II. soll Tiergärten, im Sinne der Haltung einiger wilder Tiere, angelegt haben.

um 800 v. Chr. C

In Phrygien (Kleinasien) wird aus Kupfer und Zinkspat Messing hergestellt. Homer

B

Hafer wird in Mitteleuropa, vor allem am Niederrhein und an der Niederelbe, angebaut, aber erst im 2. Jahrhundert v. Chr. kommt es zum ersten Reinanbau von Saathafer.

Homer erwähnt den Gebrauch der Haustierexkremente als Dünger, nachdem in der Zeit davor vorwiegend die Gründüngung angewandt wurde.

B • C In Ägypten wird der aus den Indigo-PÁanzen gewonnene Indigo zur Färbung verwendet. Für Mitteleuropa ist ab Mitte des 1. Jahrtausends v. Chr. mehrfach die Verwendung von Waid (deutscher Indigo) belegt.

Die Beschreibung von Wunden und ihrer Behandlung in den Werken Homers weist auf eine relativ entwickelte Chirurgie hin.

G

Aufkommen des Schiffsverkehrs zwischen Südwestarabien und Indien.

um 950 v. Chr. Hiram von Tyros, Salomo

G

Der phönikische König Hiram von Tyros führt mit Salomo, König von Juda, eine drei Jahre dauernde Schiffsexpedition nach dem Lande Punt oder Ophir, d. h. Rotland, durch, die Gold, Silber, Edelsteine und Ebenholz heimbringt. Die Lage von Ophir ist bisher nicht endgültig geklärt, sie wird aber meist im Südwesten der arabischen Halbinsel am Roten Meer angenommen.

um 920 v. Chr. M

Sich am babylonischen Vorbild orientierend, schaffen die Juden ein Maß- und Gewichtssystem, das z. T. duodezimal gegliedert ist.

um 900 v. Chr.

Homer

B

Homer

G

Homer erwähnt im Ilias und der Odyssee wiederholt Leuchtfeuer als Seezeichen.

um 790 v. Chr. B

In Indien lösen sich die Ärzte vom Priesterstand. Es entwickelt sich ein geregelter medizinischer Unterricht u. a. mit Übungen am Phantom.

um 750 v. Chr. A

Assyrische und babylonische Astronomen führen systematisch genaue Beobachtungen und Berechnungen, z. B. von Umläufen der Planeten bzw. der Orte von SternkonÀgurationen, durch. Die Verzeichnisse von MondÀnsternissen reichen etwa von der Mitte des achten Jahrhunderts bis zum ersten Jahrhundert v. Chr. B

Höckergans und eventuell Ente werden in China im Verlauf des 1. Jahrtausends v. Chr. als Haustier gehalten. Die gelegentlich behauptete Entenhaltung für das 3. Jahrtausend v. Chr. ist umstritten.

B

B

Im dem während der Zhou-(Chou)-Dynastie zwischen dem 9. und 5. Jahrhundert v. Chr. entstan-

Im Hochland von Peru, am Titicacasee, wird mit dem Anbau von Kartoffeln begonnen.

17

720 v. Chr. – 650 v. Chr.

um 720 v. Chr. Merodachbaladan II.

B

König Merodachbaladan II. legt in Babylon einen botanischen Garten mit zahlreichen ArzneipÁanzen an.

um 715 v. Chr. Numa Pompilius

A

Nach der Legende soll der römische König Numa Pompilius ein Jahr zu 355 Tagen mit 12 festen Monaten eingeführt haben, in das alle zwei Jahre ein 13. Monat eingeschoben wird. Damit wird der zuvor im 8. Jahrhundert v. Chr. benutzte sog. altrömische Kalender um zwei Monate erweitert und erreicht ungefähr die Länge eines Mondjahres.

ein. Zur Wasserversorgung der Stadt ließ er Kanäle bauen, in denen das Wasser aus BergÁüssen herangeführt wurde, technische Meisterleitung ist dabei 691 v. Chr. die Errichtung eines Aquädukts bei Djerwan. G • C Nach der Ausbreitung der Eisenerzgewinnung und -verarbeitung von Vorderasien über Griechenland und Italien nach Europa im 8. Jahrhundert v. Chr. wird der Bereich der HallstattKultur im südlichen Mitteleuropa ein Zentrum der Metallurgie. Die Minen zur Erzgewinnung (vor allem Kupfererz) und zum bergmännischen Abbau von Salzen werden größer und weisen z. B. Strecken mit einer Tiefe von über 1 000 m auf. G

um 700 v. Chr. A

Eine Sammlung von ca. 7000 Prophezeiungen zu entsprechenden SternkonÀgurationen belegt systematische astronomische Messungen im assyrischen Reich, die bis 1100 v. Chr. zurückgehen. Zusammen mit parallelen Angaben in hethitischen und akkadischen Quellen, die bis ins 13. Jahrhundert v. Chr. zurückreichen, wird das Nachzeichnen von Entwicklungslinien möglich.

Errichtung einer Trinkwasserleitung durch Vortreiben eines bis 531 m langen Felsentunnels zwischen der Gihon-Quelle und dem Siloa-Teich bei Jerusalem mit Bronzewerkzeugen. Sanherib von Assyrien

654 v. Chr.

A

Die systematischen Mondbeobachtungen nehmen im assyrischen Reich einen Aufschwung und ermöglichen insbesondere Vorhersagen von MondÀnsternissen. Beginn einer wissenschaftlichen Astronomie. Hesiod

P

Hesiod verarbeitet in seinen Werken Vorstellungen zur Kosmogonie und Angaben zur Navigation. C

In Assyrien werden Keilschrifttafeln mit chemischen Texten verfaßt. Hesiod

B

Hesiod gibt in seinem kosmologischen Lehrgedicht Werke und Tage Anweisungen zur rationellen Landbebauung und teilt einen Bauernkalender mit. Sanherib von Assyrien

B

König Sanherib von Assyrien richtet in Ninive einen Garten mit seltenen PÁanzen und Tieren

G

Die früheste erwähnte Besteigung mehrerer hoher Berge erfolgt durch König Sanherib von Assyrien. Die bildhafte Darstellung von Bergbesteigungen reicht aber bis 2270 v. Chr. zurück.

A

Erste belegte Bestimmung der Sonnenwende mittels Schattenstab (Gnomon) in China. Aus der Höhe der Sonne zur Sommer- bzw. Wintersonnenwende errechnet man recht genaue Werte für die Schiefe der Ekliptik. Derartige Beobachtungen werden z. T. bis 1100 v. Chr. vermutet.

um 650 v. Chr. Assurbanipal

W

Unter Assurbanipal entsteht in Ninive eine keilschriftliche Tontafelbibliothek. Sie enthält viele Angaben über sumerisch-babylonisch-assyrische Religion, Heilkunde, Astrologie, Politik und Wirtschaft. Die Bibliothek, 1849 bei Ausgrabungen entdeckt, ist eine wichtige Quelle zur Wissenschaftsentwicklung in Mesopotamien. A

Aus babylonisch-assyrischen Schriften, die wohl auf altbabylonische Quellen zurückgehen, ergibt sich, daß das Universum aus Erde, Mond, Sonne,

650 v. Chr. – 604 v. Chr.

18

Jupiter, Venus, Saturn, Merkur und Mars sowie den Fixsternen gebildet wird. Glaukos von Chios

C

Glaukos von Chios wird die ErÀndung des Lötens von Eisen unter Zuhilfenahme einer leicht schmelzenden Legierung zugeschrieben. Das Löten ist in Europa seit der Hallstatt-Zeit verbreitet, im Nahen Osten bereits um 1000 v. Chr.

613 v. Chr. A

Chinesische Astronomen beginnen, das Auftreten von Kometen zu registrieren. Das Verzeichnis wird bis ins Mittelalter fortgeführt. Die Sternpositionen werden auf ein äquatoriales Koordinatensystem der Himmelskugel mit dem Polarstern als Pol bezogen. (Vgl. 2300 v. Chr.)

um 604 v. Chr. um 640 v. Chr.

Necho II. P

Erkenntnisse der Astronomie, des Zahlsystems und der Rechentechnik ermöglichen die genaue Zeitmessung durch Wasseruhren in Babylonien und Assyrien.

G

Der ägyptische König Necho II. beginnt mit dem Bau eines Schiffahrtskanals von Bubastis am Nil nach Patumos am Golf von Suez, der um 517 v. Chr. unter dem Perserkönig Dareios I. erneuert wird.

600 v. Chr.–500 n. Chr. Griechisch-hellenistische Antike

Die griechisch-hellenistische Antike gilt allgemein als jene Epoche, an deren Anfang die Mathematik und die Naturwissenschaft im Sinne eines nach gewissen logischen Regeln aufgebauten Systems von Erkenntnissen entstand. Es vollzog sich der entscheidende Übergang von der Sammlung und Sichtung von Naturerscheinungen und der Aneignung von Erfahrungstatsachen zur Suche nach den Ursachen der Erscheinungen und dem Aufbau von Erklärungsmustern in Form strukturierten Wissens. Der Ort dieses Wandels waren die griechischen Siedlungen an der Küste Kleinasiens, auf den ägäischen Inseln und auf dem griechischen Festland. Dort hatten sich seit der Jahrtausendwende u. a. durch die Nutzung des Eisens für die Herstellung von Gebrauchsgegenständen, die Entstehung von bäuerlichen Kleinproduzenten auf der Basis des Regenfelderackerbaus, des Einsatzes von Sklaven in der Produktion materieller Güter, durch den Aufschwung des Handels und die Ausweitung der Handelsbeziehungen wichtige wirtschaftliche und soziale Veränderungen vollzogen. Einer kleinen Gruppe unter den freien Bürgern war es möglich geworden, sich intensiv mit Literatur, Kunst, Philosophie, politischen Wissenschaften, Geschichte, Mathematik u. a. zu beschäftigen. Der betrachtete Zeitabschnitt umfaßt die Geschichte der griechischen Stadtstaaten und ihrer Kolonien, die Entstehung des Alexandrinischen Großreiches und die Entwicklung der Diadochenreiche, das Wachsen des Römischen Reiches sowie dessen beginnenden Zerfall. Parallel dazu und unabhängig davon verliefen die Entwicklungen der verschiedenen Kulturen auf den Gebieten des heutigen Indiens bzw. Chinas sowie in Mittelamerika und Südostasien. Die Leistungen dieser Kulturen, die im Unterschied zu den Völkern des Mittelmeerraumes eine andere wirtschaftliche und soziale Struktur aufwiesen, sind in vielen Fällen wesentlich schlechter überliefert als jene der griechischhellenistischen Antike. Auch wenn Zusammenfassung und Ordnung der wissenschaftlichen Resultate vermutlich nicht den ausgeprägten theoretischen Standard wie bei den Griechen erreichten, so waren die Einzelergebnisse nicht weniger beeindruckend, speziell die chinesischen Gelehrten erzielten sogar nicht selten ein besseres und genaueres Verständnis der untersuchten Erscheinungen. Charakteristisch für die Entwicklung in dieser Epoche war, daß viele Erkenntnisse über die Natur und Naturerscheinungen im Rahmen philosophischer Systeme hervorgebracht wurden und in diesem Kontext, aber mit der zunehmenden Tendenz zur Verselbständigung, mathematische, astronomischastrologische, geographische und medizinische Betrachtungen besonders gepÁegt wurden.

19

600 v. Chr. – 585 v. Chr.

20

um 600 v. Chr. Uddálaka

G W

In Indien entwickelt Uddálaka eine einÁußreiche, weitgehend materialistische und dialektische Naturphilosophie, in der die sog. Urelemente aus dem Seienden entstehen. M

Der Satz des Pythagoras in allgemeiner Form gilt in China als bekannt. A

Die Griechen schalten ihren Kalender nach dem Oktaeteris-Zyklus von 2922 Tagen, d. h., 8 Sonnenjahre = 99 Mondmonate = 5 Jahre zu 12 plus 3 Jahre zu 13 Monaten. A

Mehrere vedische Schriften geben ein MondSonnenjahr mit 12 Monaten zu je 30 Tagen an, das durch willkürliche Schaltung eines 13. Monats mit dem Sonnenstand in Einklang gebracht wird. A

Ähnlich wie in China dient in Griechenland und in Kleinasien ein schattenwerfender Stab (Gnomon) als einfaches astronomisches Meßgerät. P

In China scheint die Eigenschaft des Magnetsteins, Eisen anzuziehen, bereits entdeckt zu sein. P

Die griechische Physik beginnt als Naturphilosophie nach Prinzipien zu suchen, d. h. nach der Materie, aus der die Welt entstanden ist und dem Mittel, das alle Veränderungen bewirkt. Die Suche nach dem erkennbaren Zusammenhang der Erscheinungen führte in der Antike noch nicht zu einer Methode physikalischer Beobachtung bzw. zum Experiment. B

Bereits zur Zeit des legendären ersten japanischen Kaisers Jimmu-tenno sollen Massage und Akupunktur in Japan angewandt worden sein. B

Im 6. Jahrhundert v. Chr. wird in China das Getreide in Reihen ausgesät. Man kennt Unkraut jäten und Bodendüngung zur Ertragsverbesserung und wendet Räuchermittel zur Schädlingsbekämpfung an.

In der Handschrift eines unbekannten griechischen Gelehrten wird der Zustand der Erde beschrieben.

598 v. Chr. Necho II.

G

Im Auftrage des ägyptischen Pharaos Necho II. sollen phönikische Schiffer, indem sie vom Golf von Suez südwärts fahren und über Gibraltar zurückkehren, bis 595 v. Chr. erstmals ganz Afrika umsegelt haben.

594 v. Chr. Solon

A

Der Grieche Solon verbessert im Rahmen seiner Gesetzgebung die Oktaeteris des Kalenders auf 2923 1/2 Tage.

590 v. Chr. Tarquinius Priscus

G

Der römische König Tarquinius Priscus melioriert den Sumpfboden von Rom durch Kanalisation, mit der gleichzeitig die Abfallstoffe durch die Cloaca maxima in den Tiber geführt werden. Das Projekt wird etwa 510 v. Chr. unter Tarquinius Superbus vollendet.

um 580 v. Chr. Thales von Milet

P

Die Tatsache der Anziehungkraft von Naturmagneten auf Eisen und des durch Reibung elektrostatisch aufgeladenen Bernsteins auf Wollfäden ist Thales bekannt. Die Magneten sind nach ihrem Fundort bei Magnesia in Lydien (Kleinasien) benannt.

585 v. Chr. Thales von Milet

A

Thales von Milet (vgl. 580 v. Chr.) sagt für dieses Jahr auf der Basis von Wahrscheinlichkeitsschlüssen und langjährigen babylonischen Beobachtungen eine SonnenÀnsternis voraus, die am 28. 5. eintritt.

21

580 v. Chr. – 550 v. Chr.

um 580 v. Chr. Thales von Milet

W

Thales, der erste griechische Naturphilosoph, versucht erstmals, ein den herrschenden mythischen Vorstellungen entgegengesetztes Weltbild zu schaffen, und spricht vom Entstehen aus dem Wasser. Damit beantwortet er die Frage nach dem Urgrund, dem Grundprinzip, griechisch Arché, erstmals natürlich und begründet im Übergang zwischen Theogonie und Kosmogonie die ionische Naturphilosophie. Thales von Milet

M

Thales formuliert einige elementare, aber grundlegende geometrische Sätze, z. B. Dreiecke sind bestimmt durch eine Seite und zwei Winkel, die Basiswinkel im gleichschenkligen Dreieck sind gleich, der Durchmesser halbiert die KreisÁäche, und gibt für letzteren erstmals eine Plausibilitätsbetrachtung als Beweis. Die Zuschreibung des Satz des Thales ist unsicher. Thales von Milet

G

Die Erde als auf dem Meer schwimmende Scheibe ansehend, gibt Thales eine Erklärung für Erdbeben. Die Gestirne deutet er als Gesteinshaufen.

570 v. Chr. Nebukadnezar II.

G

Eine der frühesten Flußregulierungen wurde durch den babylonischen König Nebukadnezar II. durch den Bau des 600 km langen Kanals Pallokopas veranlaßt, der die Sumpfgebiete des Euphratdeltas entwässert.

Gestirnen hervorufen, während der Kern zur bewohnbaren Erde austrocknete. Dabei soll sich der Mensch aus Àschähnlichen Wesen entwickelt haben. Anaximander äußert damit eine der Grundideen der Evolutionstheorie. M

Indische Mathematiker behandeln in den Sulbasutras, wohl ältere Quellen nutzend, Probleme der Geometrie sowie eventuell der Arithmetik und Algebra, auf die sie durch die Konstruktion von Altären geführt wurden. Sie kennen den Satz des Pythagoras nebst dem Ansatz zu einem anschaulichen Beweis, eine recht genaue Näherung √ für 2 = 1,414 2 u. a. M

Im Sexagesimalsystem der babylonischen Mathematik wird ein Trennungszeichen als Ersatz für die Null in mehrstelligen Zahlen eingeführt. A • P Der Kosmos ist nach Anaximander geometrisch strukturiert. Die zylinderförmige Erde, deren Höhe ein Drittel des Durchmessers betragen soll, ist auf einer der gegenüberliegenden GrundÁächen belebt. Erde und Sonne sind gleichgroß. Nach Helligkeit angeordnet, umgeben die unbewegte Erde der Sternenhimmel von 9, der Mondkreis von 18 und der Sonnenkreis von 27 Erddurchmessern. Anaximander

Anaximander

um 550 v. Chr. Anaximander

W

Der Thales-Schüler Anaximander stellt seine Kosmogonie in der Schrift Über die Natur, dem ersten griechischen Buch zur Naturphilosophie, dar. Den allgemeinen Ursprung, das Prinzip (Arché), aller Dinge sieht er im qualitativ unbestimmten, quantitativ unbegrenzten Apeiron. Im ständigen Werden und Vergehen verursacht es alle Umwandlungsvorgänge und erzeugt Gegensätze, durch die periodisch Welten entstehen und untergehen. W • P Nach der Kosmogenese des Anaximander entstand aus der Urmasse ein feuchtkalter Kern mit trocken heißer Hülle. Letztere zerÀel in schlauchförmige Ringe, deren Löcher den Eindruck von Anaximander

A

Die Schiefe der Ekliptik soll von Anaximander erkannt worden sein.

um 550 v. Chr. Anaximander

A

Anaximander soll eine Sonnenuhr (Gnomon) nach babylonischen Vorbild in Sparta eingeführt haben und den Quadranten als astronomisches Beobachtungsgerät erfunden haben. Anaximander

G

Anaximander soll einen Himmelsglobus und eine Karte der damals bekannten Erde entworfen haben, auf der nach dem Homerischen Weltbild das Festland eine zusammenhängende, vom Weltozean umgebene Insel bildet. Die Erde wird von ihm als freischwebend in der Himmelskugel betrachtet. Er ist Begründer der griechischen Kartographie und der astronomischen Sphärentheorie.

543 v. Chr. – 520 v. Chr.

22

um 543 v. Chr. W • B Für Xenophanes ist die Erde, aus der alles bestehen und zu der alles werden soll, das allgemeine Prinzip Arché. Als Beleg für eine Vermischung mit dem Meer und im Sinne einer Evolution, interpretiert er Muschelfunde auf Bergen und Abdrücke von Fischen und Robben in den Steinbrüchen von Syrakus. Xenophanes von Kolophon

soll er die Oktaeteris verbessert und eine bessere Übereinstimmung von Sonnenjahr und Mondmonaten erzielt haben. P • A Für Anaximenes von Milet, einem Schüler Anaximanders, enstehen alle Dinge aus Verdichtungen und Verdünnungen der Luft. Diese quantitative Bestimmung der Arché durch eine bekannte Ursubstanz wird mit dem Unendlichkeitskriterium des Apeiron erweitert. Anaximenes von Milet

A • P Xenophanes von Kolophon betrachtet in dem Werk Über die Natur die Welt erstmals als Einheit. Das Weltall stellt in seiner Kosmologie eine kugelförmige, unentstandene und unbewegte, mit Gott gleichzusetzende Einheit dar. Dieser mit der Welt identische Gott, dieses Eine, ist nicht geworden und unveränderlich. Eine Rotation ist nur innerhalb des Alls möglich, z. B. in Bezug auf die Erde. Sonne und Sterne sollen täglich aus glühenden Wolken entstehen.

Die Kosmogenese des Anaximenes nimmt die Entstehung der Erde aus verdichteter Luft an, wobei die Gestirne aus zu Feuer verdünnten Erdausdünstungen entstehen sollen. Die sehr Áache Erde könnte auf der Luft ruhen und die Sonne- und Mondscheibe in der Luft schweben. Anaximenes korrigiert Anaximander und verlegt den für ihn sich über der Erde bewegenden Fixsternhimmel jenseits von Mond und Sonne.

542 v. Chr.

um 529 v. Chr.

Xenophanes von Kolophon

M

Frühformen der späteren Stäbchenziffern treten in China auf, wobei Ansätze zum Stellenwertsystem deutlich werden.

um 532 v. Chr. Pythagoras von Samos

A

Pythagoras soll, vermutlich auf der Basis babylonischer Quellen, gelehrt haben, daß Abend(Hesperos) und Morgenstern (Phosphoros) identisch sind.

532 v. Chr. Eupalinos von Megara

G

Der Wasserleitungstunnel der griechischen Stadt Samos (heute Tigari) von 1 km Länge wird nach genauem Nivellement von beiden Seiten aus vorgetrieben. Der Bau, der von Eupalinos von Megara geleitet wird, stellt eine der bedeutendsten technischen Lösungen der Antike dar.

um 530 v. Chr. Kleostratos

A

Kleostratos soll als einer der ersten Griechen, basierend auf babylonischen Daten, genaue astronomische Beobachtungen über die Sonnenwende sowie den Auf- und Untergang der Tierkreiszeichen im Jahresverlauf angestellt haben. Weiterhin

Anaximenes von Milet

Pythagoras von Samos

P

W

Pythagoras von Samos gründet in Kroton (Süditalien) eine wissenschaftliche Schule. Seine Philosophie, daß die Zahl das Wesen aller Dinge sei, führt zum quantitativen Studium der Natur.

um 520 v. Chr. M

Die pythagoreische Schule begründet das mathematische Studium von Akustik und Musik (Harmonielehre). Umfangreiche Untersuchungen über Eigenschaften von Zahlen führen auf zahlentheoretische Resultate, zur Unterscheidung von vollkommenen, befreundeten und Primzahlen. Man kennt arithmetische, geometrische und harmonische Verhältnisse sowie den Satz des Pythagoras. Skylax von Karyanda

G

Die Entdeckungsreise des griechischen Seefahrers Skylax von Karyanda (Karien) im Auftrage des Perserkönigs Dareios I. führt von der Indusmündung entlang der persischen und arabischen Küsten zur Landenge von Suez. Seine Beobachtungen faßt er in einem später verloren gegangenen sog. Periplus zusammen, den Hekataios und Herodot benutzten. Der Pseudo-Skylax, ein Periplus der Mittelmeerküsten, stammt aus dem 4. Jahrhundert v. Chr.

23

510 v. Chr. – 500 v. Chr.

um 510 v. Chr.

Konfuzius A

Die Pythagoreer beginnen, ein nichtgeozentrisches Planetenmodell zu entwickeln. Alle Himmelskörper haben Kugelgestalt.

um 500 v. Chr. W

Die altchinesische Lehre des Daoismus entsteht mit dem Dao als Urprinzip alles Seienden, das die gesamte Natur und die ihr zugrundeliegende Ordnung repräsentiert. In der Frühform hat der Daoismus materialistisch-dialektische Züge.

W

Der von Konfuzius begründete Konfuzianismus bildet sich als erstes Beispiel systematischen philosophischen Denkens in China heraus. Vardhamana Mahavira

W

Der altindische Philosoph Vardhamana Mahavira begründet den Dschainismus (Jainismus, Jinismus), dessen Wurzeln bis in die Industal-Kultur zurückgehen und der in den naturphilosophischen Teilen atomistische Vorstellungen enthält. M

Mit der Lehre vom Geraden und Ungeraden schaffen die Pythagoreer ein erstes Stück deduktiv dargestellter Mathematik.

W

Die Auffassungen vom Begriffspaar Yin und Yang, das aus primitiven chinesischen Religionen entstand und nach mehreren Bedeutungswandlungen das Gegensätzliche in der Realität bezeichnete, werden allmählich in verschiedene Philosophien übernommen. W

Im 5. Jahrhundert v. Chr. beginnt die Abtrennung einzelner Fachwissenschaften von der Philosophie. W

Bei den Griechen gibt es ein ausgeprägtes Elementarschulwesen, so daß der Anteil der Analphabeten unter der freien Bevölkerung gering ist. Heraklit

W

M

Die Mayas entwickeln ein Zahlsystem zur Basis 20. Es ist ein Positionssystem mit einem Symbol für die Null. A

Babylonische Astronomen führen vermutlich erste Vorausberechnungen der Sonnen- und Mondpositionen durch. P

Im China des 5. Jahrhunderts v. Chr. werden in speziellen mit Wasser gefüllten Bronzekugeln stehende Wellen erzeugt und religiös im Sinne des Taoismus gedeutet. B

Der Fund verkohlter Kartoffeln am Titicacasee im Hochland von Peru belegt den beginnenden Kartoffelanbau für die Zeit zwischen 750 v. Chr. und dem 1. Jahrhundert v. Chr.

Heraklit entwickelt eine dialektische Philosophie auf theistischer Grundlage. Danach besteht eine überindividuelle Vernunft, die, eingeatmet, alles lenkt sowie die Menschen denkfähig und für Wahrheit aufgeschlossen gestaltet. Nach Heraklits Schrift Über die Natur sind nur Weltvernunft und -gesetz, griechisch. logos, göttlichen, der Kosmos dagegen natürlichen Ursprungs.

Roggen wird seit der späten Hallstattzeit in Mitteleuropa als Brotgetreide angebaut. Sein Anteil am Getreide bleibt aber fast ein Jahrtausend lang gering.

W • P In seiner Kosmologie sieht Heraklit den unaufhörlichen Weltprozeß durch die Arché Feuer bestimmt, deren Phasen Luft, Wasser und Erde gesetzmäßig im Kreislauf wechseln und der durch den als Einheit betrachteten Kampf der Gegensätze in Gang gehalten wird. Das Feuer des Kosmos war, ist und besteht ewig.

Funde an verschiedenen Orten Sibiriens, u. a. im Ob-Quellgebiet, verweisen auf eine Haltung und Domestikation von Rentieren im Verlaufe des 1. Jahrtausends v. Chr. Zuvor soll es bereits als Zugtier benutzt worden sein. Die Rentierhaltung in Nordeuropa begann vermutlich erst am Ende des 1. Jahrtausends n. Chr.

Heraklit

B

B

500 v. Chr. – 480 v. Chr.

24 B

Im Mittelmeerraum existieren seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. drei berühmte medizinische Schulen, die ionischen Schulen von Kos und Knidos und die Schule von Sizilien. Alkmaion von Kroton

B

Alkmaion von Kroton entdeckt bei Sektionen den Sehnerv und die eustachische Röhre. Er erforscht die Sinnesorgane und Àndet, daß Sinneswahrnehmungen durch Kanäle, die das Gehirn mit Auge und Ohr verbinden, erfolgen. Er erklärt erstmals das Gehirn als Sitz des Verstandes. Weitere medizinische Erkenntnisse machen ihn zum Vater der griechischen Medizin. Bian Que

B

Die diagnostische Methode des Pulsfühlens und weitere medizinische Untersuchungen soll der berühmte Arzt Bian Que im 5. Jahrhundert v. Chr. entwickelt haben. Sie werden in die bedeutenden medizinischen Abhandlungen Nei Jing bzw. Nan Jing aufgenommen. Die Methode des Pulsfühlens ist aber vermutlich älter. Hippon von Rhegion

B

Hippon von Rhegion nimmt die Entstehung des menschlichen Samens im Rückenmark an. Er hält nur den männlichen Samen für zeugungsfähig, während im weiblichen Körper der Keim ernährt wird. B • C Su´sruta und Atreya, zwei legendäre Inder deren Existenz zweifelhaft ist, begründen zwei medizinische Schulen und beschreiben, teilweise auf ältere Quellen zurückgreifend, chirurgische Operationen, Probleme der inneren Medizin, die FortpÁanzung des Menschen, die Wirkung von Gegengiften sowie alchemistische Probleme. Sie nennen über 650 bzw. 600 Drogen auf pÁanzlicher, tierischer oder mineralischer Basis. ´ Susruta, Atreya

´ Susruta

B

Su´sruta soll den grauen Star des Auges operiert haben. G

Enstehungszeit einer schematischen babylonischen Erdkarte mit Babylon im Zentrum. Aristagoras von Milet

G

Der griechische Tyrann Aristagoras von Milet, der nach Sparta geÁohen war, soll, nach Herodot,

dort eine von ihm angefertigte eiserne Karte von Kleinasien vorgewiesen haben. G • B Hanno von Karthago bereist Anfang des 5. Jahrhunderts v. Chr. mit einer Flotte die Westküste Afrikas und scheint den Golf von Guinea erreicht zu haben. In seiner Reisebeschreibung, sog. Periplus, berichtet er u. a. über die Begegnung mit unbekannten Tieren, vermutlich insbesondere Gorillas. Eine zweite Flotte unter dem Seefahrer Himilkon erkundet von Cadiz aus die Zinninsel Britannien und die Westküste Europas. Hanno von Karthago, Himilkon

Hekataios von Milet

G

Die Erdkarte des griechischen Logographen Hekataios von Milet verbessert die des Anaximander und stellt die Erde als Scheibe mit dem Orakel von Delphi im Mittelpunkt dar. Er bereist die bekannte Erde von Spanien bis Indien, von der Donau bis zum Nil, fügt seiner Erdkarte z. T. auf Grund eigener Beobachtungen die ges periodos, d. h. Länderkunde von Europa und Asien bei. Hekataios begründet die Geographie, die Herodot methodisch und stofflich durch die Verbindung von Geographie, Ethnographie und Geschichte beeinÁußt.

um 490 v. Chr. Naburimanun

A

Die umfassende mathematische Durchdringung der babylonischen Astronomie beginnt. Man berechnet die Dauer des synodischen Monats auf sieben Sexagesimalstellen genau, den sog. Meton-Zyklus und den Saros-Zyklus der Stellung der Mondknoten und fertigt Ephemeridentafeln an u. a. Einiges davon geht bereits auf Naburimanun zurück. Naburimanun

A

Naburimanun entwickelt eine Methode, um die Position von Sonne, Mond und den fünf bekannten Planeten zu berechnen.

um 480 v. Chr. W • A Im Lehrgedicht Über die Natur begründet Parmenides von Elea (Unteritalien) die Ontologie, indem er das Seiende, so wie es ist, und die Welt, wie sie zu sein scheint, behandelt. Entgegen Heraklit sind für Parmenides Erfahrungstatsachen wie Bewegung und Veränderung nur Parmenides von Elea

25

480 v. Chr. – 450 v. Chr.

äußeres Bild des Weltalls, das, ungeworden, unvergänglich und unteilbar, ein kugelförmiges ruhendes Ganzes, eine Seinskugel, bildet. P • A Die Lehre von der Kugelgestalt der Erde soll auf Parmenides zurückgehen. Parmenides von Elea

Parmenides von Elea

B

Parmenides erklärt die Entstehung des Geschlechts mit der Rechts-Links-Theorie, nach der im rechten Abschnitt des Uterus männliche und im linken Abschnitt weibliche Nachkommen entstehen. Parmenides von Elea

G

Parmenides kommt über die von ihm behauptete Abhängigkeit des Denkens vom warmen oder kalten Körperzustand zur klimatologischen Grundgliederung der Erde in eine heiße, zwei gemäßigte und zwei kalte Zonen.

um 460 v. Chr. Anaxagoras

M

Anaxagoras soll Elemente der Perspektive unter Bezug auf Bühnendekorationen entwickelt haben. Hippasos von Metapont

M

Der Pythagoreer Hippasos von Metapont gibt das einer Kugel einbeschriebene Dodekaeder an. Anaxagoras

A • W

Anaxagoras erklärt die Entstehung des Universums durch einen alle Teilchen bewegenden kosmischen Wirbel. In dessen Zentrum bildet sich die Erdscheibe. Sonne und alle anderen Himmelskörper sind Gesteinsmassen, die durch den Wirbel der Erde entrissen durch die Zentrifugalkraft an die Peripherie geschleudert und z. T. zum Glühen gebracht wurden. Kugelförmige Himmelskörper lehnt er ab. Anaxagoras

A

Anaxagoras lehrt, daß der Mond sein Licht von der Sonne erhält und gibt eine richtige Erklärung für Mond- und SonnenÀnsternisse. Außerdem deutet er die Milchstraße als Projektion des Erdschattens am Himmel, wenn die Sonne während der Nacht hinter der Erde vorbeizieht. Anaxagoras

P • A Entstehen deutet Anaxagoras als Bildung von makroskopischen Dingen durch unendlich viele gleichartige sog. Homöomerien aus dem chaotischen Urgemisch des unendlichen Kosmos, Vergehen als Auflösung in Ätherdunst. Wegen unvollständiger Entmischung enthält jedes Ding alle Stoffe in Form der Homöomerien und wird vom Übergewicht einer bestimmten Teilchenart charakterisiert. Die Stofftrennung wird von einem kosmischen Wirbel bewirkt. Anaxagoras

Anaxagoras

P

Anaxagoras erklärt Entwicklung als mechanischen Prozeß und gestaltet eine der ersten Korpuskulartheorien. Er kennt Kraft und Stoff und betrachtet den Raum als stofferfüllt. Anaxagoras

P

In naiver Form nimmt Anaxagoras Erkenntnisse der Kant-Laplaceschen kosmogonischen Theorie und der Lehre von der Erhaltung des Stoffs und der Energie vorweg. Anaxagoras

G

Die periodischen Überschwemmungen des Nils erkennt Anaxagoras zutreffend als Folge des Abschmelzens der Schneeberge in Äthiopien. Diese Erklärung erwähnt bereits der griechische Dichter Aischylos in dem Drama der Hiketiden.

455 v. Chr. Herodot von Halikarnassos

G

Ausgedehnte Reisen führen den griechischen Historiker Herodot von Halikarnassos (Ionien) bis 444 v. Chr. über das nord- und hellespontische Ufer sowie das kleinasiatische Küsten- und Inselgebiet nach Westpersien, an die syrischphönikische Küste, nach Zypern, Ägypten, Kyrene (Lybien), Thrakien und Makedonien und vertiefen seine historischen, ethnographischen und geographischen Kenntnisse.

454 v. Chr. M

Die Zeichen des attischen bzw. herodianischen Zahlsystems treten auf Inschriften auf.

um 450 v. Chr.

A

W

Er erklärt, daß die MondoberÁäche bewohnt sei und Ebenen und Berge wie die Erde aufweise.

Die ältesten Zeugnisse der lateinischen Sprache entstehen.

450 v. Chr.

26 W

In der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts v. Chr. entwickelt sich in Griechenland erstmals ein umfangreicher Buchhandel. M

Die Griechen entwickeln das sog. Milesische Zahlsystem, das Buchstaben des Alphabets zur Zahldarstellung nutzt. Zenon von Elea

A

Die Babylonier teilen für astronomische Rechnungen die Sonnenbahn in die 12 Tierkreisbilder ein. Die Benennungen der entsprechenden Sternkonstellationen und ihre astrologische Deutung gehen wohl bis ins 3. Jahrtausend v. Chr. zurück. A

Die Babylonier verbessern ihren MondjahrKalender und haben eine Regel, sog. MetonZyklus, um sieben Schaltmonate in einen 19Jahre-Zyklus einzufügen. A

Hiketas von Syrakus soll die tägliche Rotation der Erde um die eigene Achse gelehrt haben. Empedokles von Akragas

P

Der griechische Philosoph Empedokles von Akragas wird zum Schöpfer der klassischen Elementelehre. Er vermittelt dabei zwischen Heraklit und Parmenides, indem er Werden, Veränderung und Sein anerkennt. Empedokles von Akragas

P

Empedokles sieht in den unveränderbaren Elementen Feuer, Wasser, Luft und Erde, die durch Mischung bzw. Trennung infolge Anziehung und Abstoßung zweier bewegender Grundkräfte verschiedene Qualitäten bilden, den Ursprung aller Dinge. Er gibt damit eine Welterklärung mit statisch-dynamischen Aspekt. Empedokles von Akragas

Empedokles von Akragas

P

Bei Gerichtsverhandlungen übliche Wasseruhren, griechisch Klepsydra, werden zuerst von Empedokles erwähnt.

M

Zenon von Elea unterstützt mit seinen Paradoxien die eleatische Seinslehre seines Lehrers Parmenides und fördert dadurch die Ausbildung der logisch und mathematisch strengen Darlegungsweise.

Hiketas von Syrakus

nachgegeben hätte. Die Sonne ist größer als der Mond, der in halber Entferung die Erde umkreist, Sonnenlicht widerspiegelt und die Sonne verÀnstern kann.

P

Empedokles äußert im Lehrgedicht Über die Natur kosmogenetische Ansichten, nach denen sich inmitten des kugelförmigen Weltalls die Erde zusammengeballt habe. Die Polneigungen entstanden, als die Atmosphäre dem Druck der Sonne

Kleoxenos, Demoklitos

P

Nach Berichten des Polybios sollen Kleoxenos und Demoklitos einen Buchstabentelegraphen erfunden haben, der noch im 3. Jahrhundert n. Chr. angewandt wurde. Das griechische Alphabet wird dabei auf 5 Tafeln mit je 5 Buchstaben verteilt. Einzelne Fackelzeichen übermitteln die Nachricht buchstabenweise. Zenon von Elea

P

Der Schüler von Parmenides, Zenon von Elea, bestreitet die Möglichkeit des Auftretens unendlich kleiner Stoffteilchen. Anaxagoras

B

Anaxagoras gelangt in seiner Zeugungslehre zu der Auffassung, daß im Samen des Vaters der vollständige Organismus im verkleinerten Maßstab präformiert ist (Präformationstheorie). Der Mutterleib ist nur der Ort, an dem der Keim ernährt wird. Anaxagoras entwickelt die RechtsLinks-Theorie des Parmenides weiter. Empedokles von Akragas

B

Empedokles erstellt mit seiner Elementelehre eine wesentliche Voraussetzung für die Herausbildung der humoralpathologischen Konzeption (Vier-Säfte-Lehre) der Hippokratiker in der Medizin und vertritt eine Evolution der Lebewesen. Empedokles von Akragas

B

Empedokles formuliert eine erste Theorie der Atmung und der Bewegung des Blutes vom und zum Herzen. Menestor von Sybaris

B

Menestor von Sybaris unterscheidet entsprechend der pythagoreischen Anschauung vom Gegensatz „warm – kalt“ warme und kalte PÁanzen, wobei die warmen PÁanzen durch ihre Fähigkeit, an kälteren Standorten zu wachsen, charakterisiert werden.

27

450 v. Chr. – 440 v. Chr. G

Prospektionshinweise chinesischer Gelehrter deuten erstmals das Wachstum und die Verbreitung von ZeigerpÁanzen in Zusammenhang mit dem Vorkommen von Erzen und Minerale im Boden.

Herodot von Halikarnassos

Hippokrates von Chios Empedokles von Akragas

G

Die vulkanischen Erscheinungen Siziliens wie Vulkane und heiße Quellen werden durch Empedokles als ersten methodisch vorgehenden Beobachter mit einer feuerÁüssigen Beschaffenheit des Erdinneren erklärt. G

Die auf Sizilien auftretenden Knochenreste fossiler Großsäuger deutet Empedokles als Überbleibsel eines ausgestorbenen Gigantengeschlechts. Yu

G

Die Reichsgeographie des legendären Kaisers Yu wird von einem Schüler des Konfuzius herausgegeben. Verschiedene Wörterbücher der Zeit enthalten ebenfalls einzelne einfache Kartenbeilagen.

um 444 v. Chr. Herodikos von Selymbria

B

Herodikos von Selymbria erklärt den medizinischen Wert der Gymnastik und formuliert das Prinzip des Ausgleichs von physischer Aktivität und Ernährung.

444 v. Chr. Herodot von Halikarnassos

G

Auf Veranlassung des Perikles beteiligt sich Herodot an der Kolonisation von Thurioi (Unteritalien) und verbrachte vermutlich dort bis 425 seine letzten Lebensjahre.

um 440 v. Chr. Mo Di

W

Die Anhänger des chinesischen Philosophen Mo Di begründen den Mohismus, unter denen die Richtung der Logiker die Grundzüge einer wissenschaftlichen Methodik formuliert, die u. a. Fragen der EmpÀndung und Wahrnehmung, des Verhältnises zwischen Teil und Ganzem, der Beziehung zwischen Ursache und Wirkung berücksichtigt. In den Dynastien nach der 1. Vereinigung Àndet der Mohismus keine Fortsetzung.

M

Hippokrates von Chios schreibt eines der ersten Bücher (Elemente), das die Geometrie systematisch, von wenigen Axiomen ausgehend darstellt, und benutzt eventuell als Erster Buchstaben zur Kennzeichnung geometrischer Figuren. Hippokrates von Chios

Empedokles von Akragas

M

Herodot erwähnt erstmals das Rechnen mit Rechensteinchen in Ägypten und Griechenland, woraus z. T. ein Rechnen auf dem Rechenbrett gefolgert wird.

M

Hippokrates von Chios führt das Problem der Würfelverdopplung auf die Einschaltung zweier mittlerer Proportionalen zwischen zwei gegebenen Strecken zurück. Zur Quadratur des Kreises wandelt er erstmals krummlinig begrenzte Flächen – Möndchen des Hippokrates – in Áächengleiche Quadrate um. Oinopides

M

Oinopides soll einige geometrische Grundkonstruktionen wohl erstmals unter Beschränkung auf Zirkel und Lineal angegeben und wichtige Vorarbeiten für die Zusammenstellung geometrischen Wissens in Elementen geleistet haben. Oinopides

A

Oinopides soll die Schiefe der Ekliptik entdeckt und das durch volle Umläufe von Mond und Sonne bestimmte „Große Jahr“ mit 59 Jahren angegeben haben. Er errechnete die Jahreslänge zu 365 22/59 Tagen. Leukipp von Milet

P

Der Schüler Zenons, Leukipp von Milet, begründet die Atomlehre, indem er statt der Seinskugel des Parmenides unendlich viele, unsichtbare Teile annimmt, die er Atome nennt. Ihre Form sei beliebig, sie enthalten keine Hohlräume und sind unteilbar. In ewiger Bewegung beÀndlich, sollen sie nur durch Druck und Stoß in Wechselwirkung treten und sich beim Zusammentreffen verÁechten. Leukipp von Milet

P

Das Vakuum wird von Leukipp als Nichtseiendes, wie er die Leere bezeichnete, zur physikalischen Wirklichkeit erklärt. Er lehrt in Abdera (Thrakien) und gründet dort um 450 v. Chr. eine eigene Philosophenschule.

444 v. Chr. – 420 v. Chr. Herodot von Halikarnassos

28

Herodot von Halikarnassos

G

Als Ergebnis seiner Reisen (vgl. 454 v. Chr.) hinterließ Herodot die Histories apodeixis, eine „Darlegung der Erkundung“, die die historische Zeit der Kämpfe zwischen asiatischen und griechischen Staaten behandelt. Das Werk verbindet pragmatisch kausal Geschichte mit Geographie und Ethnographie. Herodot gilt seit Cicero als Begründer der Historiographie.

432 v. Chr. Meton, Euktemon

A

Auf der Basis genauer Beobachtungen der Sonnenwende führen Meton und Euktemon einen Zyklus von sieben Schaltungen in 19 Jahren, den Meton-Zyklus, bei dem 235 Mondmonate 19 Sonnenjahren entsprechen, in die Kalenderrechnung ein. Dies ergibt eine Jahreslänge von 365 5/19 Tagen. Euktemon, Meton

A

Euktemon verfaßt eine Art Almanach, der astronomische und metereologische Phänomene für die Tage jedes Monats enthält.

M

Anaxagoras soll die Quadratur des Kreises, d. h. die Umwandlung des Kreises in ein Áächengleiches Quadrat aufgeschrieben oder gezeichnet haben. A • M Der chaldäische Astronom Kidinnu entwickelt in Sippur eine Methode, um die Position von Sonne, Mond und Planeten zu berechnen, wobei er für die zeitliche Änderung der Bewegung der Sonne einen anderen linearen Ansatz macht als Naburimanun. Er bestimmt die Präzession der Tag- und Nachtgleichen und die Gleichung: 251 synodische Monate = 269 anomalische Monate. Kidinnu

um 423 v. Chr. Aristophanes

Sokrates

P

In seiner Komödie Wolken erwähnt Aristophanes das Brennglas und seine Verwendbarkeit zum Feueranzünden. Plinius d. Ältere (vgl. 77 n. Chr.) berichtet in der Naturalis historia für das dritte Jahrhundert v. Chr., daß Linsen zum Ausbrennen von Wunden benutzt wurden.

W

Sokrates bereitet mit seiner Philosophie, die auf das vernünftige Begreifen des menschlichen Lebens zielt, die induktive Methode der Wissenschaften vor. Er propagiert die sog. sokratische Methode. Antiphon

M

Antiphon versucht, die Quadratur des Kreises durch einbeschriebene Polygone zu leisten. Hippias von Elis

M

Hippias von Elis löst das Problem der Winkeldreiteilung mittels einer Kurve, die Deinostratos später als Quadratrix bezeichnet. Es ist dies vermutlich die erste transzendente Kurve, die in der Mathematik benutzt wird. Philolaos

M

Philolaos kennt vier der regulären Polyeder, möglicherweise auch das Dodekaeder, und schreibt ihnen die Elemente Feuer, Luft, Erde, Wasser zu. Demokrit von Abdera

A

Demokrit soll in Fortsetzung der Lehre des Leukipp die Milchstraße als eine Anhäufung von Sternen erklärt haben. Philolaos

um 430 v. Chr. Anaxagoras

um 420 v. Chr.

C

Herodot erwähnt die Gewinnung von Bitumen aus einem NebenÁuß des Euphrat.

A

Philolaos beschreibt das nichtgeozentrische pythagoreische Planetenmodell, in dem Merkur, Venus, Mond, Erde, Gegenerde, Sonne, Mars, Jupiter, Saturn und Fixsternsphäre gleichförmige Kreisbewegungen um ein Zentralfeuer ausführen (Sphärenharmonie). A • B In seinem Geschichtswerk gibt Thukydides erstmals eine genaue Beschreibung einer SonnenÀnsternis vom 3. 8. 431 v. Chr. in Athen und eine Beschreibung der Pest in Athen (430–425 v. Chr.). Thukydides

Demokrit von Abdera

P

Demokrit von Abdera erweitert in der Schule seines Lehrers Leukipp in Abdera die Atomistik. Die Atome unterscheiden sich nach Demokrit in Größe, Anordnung, Lage und Gestalt. Sie setzen das Universum zusammen, das unendlich, unerschaffen und auch unveränderlich ist, weil Anzahl und Gestalt der Atome konstant bleiben und sich lediglich ihre Lage und Anordnung verändern. Ihr Zusammenspiel erklärt die unterschiedlichen Eigenschaften der Materie.

29

420 v. Chr. – 400 v. Chr.

Demokrit von Abdera

P

Demokrit vermutet zahllose ungleichmäßig verteilte Welten unterschiedlicher Größe und Struktur im Universum, die entstehen, schwinden sowie untergehen durch Zusammenstoß. Er verfügt über noch unklare Vorstellungen von Materieund Energieerhaltung. Das Universum erklärt er mechanistisch. Demokrit von Abdera

P

Die Atomistik des Demokrit als physikalischer Monismus führt zur Theorie der Identität von Makro- und Mikrokosmos, d. h. die prinzipielle Gleichheit in der Zusammensetzung sowohl der Lebewesen wie des Kosmos. Die Atomistik mit ihrem Kausalprinzip geht von Sinneswahrnehmungen aus und wird durch Denken als Bewegungsform überprüft. Demokrit beeinÁußt u. a. spätere biologische Lehrmeinungen. Demokrit von Abdera

P

Der Sehvorgang wird nach Demokrit durch „Bilder“ aus Atomschichten hervorgerufen, die das betrachtete Objekt emittiert und die den Sinneseindruck auslösen. Demokrit von Abdera

B

Demokrit betrachtet das Gehirn als Sitz des Denkens. Ihm wird die Einteilung des Tierreichs in Tiere mit Blut und blutlose Tiere zugeschrieben. Nach seiner Vorstellung setzt sich der im Samen beider Elternteile präformierte Nachkomme aus „Atom“-Verbindungen der Elternkörper zusammen. Hippokrates von Kos

B

Hippokrates von Kos gewinnt durch Tiersektionen genauere anatomische Kenntnisse. Er gibt Grundsätze für die Ausführung einer Schädeloperation an.

um 410 v. Chr. A

Das älteste überlieferte babylonische Horoskop entsteht. Mit der Entwicklung der mathematischen Theorien zur Berechnung der Planetenbewegungen nimmt auch die Astrologie im 5. Jahrhundert v. Chr. einen großen Aufschwung.

um 400 v. Chr. W • C Die altchinesische Theorie der Fünf Elemente, Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser, die weniger die Substanzen als die Beziehungen zwischen

ihnen betont, wird in der chinesischen Philosophie mit der Lehre von Yin und Yang verknüpft und systematisiert. Bryson von Herakleia

M

Bryson von Herakleia nähert die KreisÁäche durch ein- und umbeschriebene Polygone an und bereitet damit die Exhaustionsmethode vor. M

Innerhalb der pythagoreischen Schule werden erstmals inkommensurable, d. h. nicht im rationalen Verhältnis stehende Strecken an geometrischen Objekten entdeckt. A

Mehrere Sanskrittexte belegen die Übernahme babylonischer astronomischer Kenntnisse in Indien. Man rechnet das Sonnenjahr mit 365 Tagen, kennt verschiedene Schaltzyklen, um Sonnenund Mondbewegung in Übereinstimmung zu bringen, teilt die Ekliptik in 27 Abschnitte u. a. A

Indische Astrologen sollen in Analogie zu Sonne, Mond und den bekannten fünf Planeten eine Siebentagewoche benutzt haben. Ekphantos von Syrakus

A

Gemäß der pythagoreischen Theorie von der Bewegung von Erde, Planeten und Fixsternen um ein Zentralfeuer müßte sich von der Erde aus gesehen die Stellung der Sterne zueinander ändern, was aber nicht beobachtet wird. Um das Nichtauftreten der Sternparallaxen zu erklären, lehrt der Pythagoreer Ekphantos von Syrakus eine tägliche Drehung der Erde um ihre Achse. P

Die mohistische Optik (vgl. 440 v. Chr.) ist auf Betrachtung von Schatten gerichtet, ohne zur geometrischen Optik vorzudringen. Untersucht werden Schattengrößen in Abhängigkeit von Stellung der Lichtquelle, des beleuchteten Objekts, konkavem oder konvexem Spiegeln, Abbildungsinversion bei konkaven Spiegeln und Schattenbildung infolge mehrerer Lichtquellen. Der Brennpunkt ist bekannt. P

Erste Erwähnung des Baus von chinesischer Papierdrachen, die den Anforderungen der Luftströmung mit gekrümmter OberÁäche oder Kastenbauweise entsprechen und später u. a. zur Nachrichtenübermittlung dienen.

400 v. Chr. – 390 v. Chr.

30 P

Chinesische ErÀndung der doppelt wirkenden Kolbenpumpe zum Ansaugen und Ausstoßen von Flüssigkeiten oder Luft, z. B. eingesetzt zur gleichmäßigen Luftzuführung bei Feuerungen. C

Hippokrates von Kos

B

Bis zur Zeit des Hippokrates von Kos werden Geburtshilfe und die Behandlung von Frauenkrankheiten vorwiegend von heilkundigen Frauen ausgeführt. Hippokrates von Kos

B

Im Gebiet um Almadén (Spanien) wird im 4. Jahrhundert v. Chr. Zinnober (QuecksilberII-sulÀd) im Bergbau gewonnen. Daraus wird durch Verreiben mit Essig in kupfernen Gefäßen Quecksilber erzeugt.

Hippokrates von Kos faßt in mehreren Schriften das medizinische Wissen seiner Zeit zusammen und vermehrt es durch eigene Beiträge beträchtlich. Er prägt eine noch heute gültige ärztliche PÁichtenlehre.

C

Philolaos B • P Philolaos nimmt das Gehirn als Zentrum der Sinnesfunktionen an.

In China wird zur Fertigung verschiedenartiger Werkzeuge Gußeisen hergestellt, wobei Phosphate als Flußmittel verwendet werden. Wenig später gelingt, wie mehrere Funde belegen, die Herstellung von sog. Temperguß. Das Verfahren wird rasch verbessert und umfassend eingesetzt. Zur gleichen Zeit beginnt die Erzeugung von Stahl. Im 1. Jahrhundert v. Chr. wird dann die Technik des zehn- bzw. dreißigmaligen Schmiedens eingeführt und weiter vervollkommnet.

Polybos von Kos

B

In seiner Schrift Über die Natur des Menschen verbindet Polybos von Kos die Theorie von den vier Primärqualitäten mit der Vier-Säfte-Lehre. Die Lehre von den Körpersäften und den ihnen zugeordneten Qualitäten wird zur Arbeitsgrundlage der Medizin.

C

G

In der chinesischen Kriegsführung des 4. Jahrhunderts v. Chr. Ànden giftige Gase Anwendung, die u. a. durch Verbrennung pÁanzlicher Substanzen erzeugt werden.

Beginn regelmäßiger Niederschlagsmessungen in Indien.

B • W Nach der Lehre von Yin und Yang entstehen alle Dinge durch die Wechselwirkung der zwei Grundprinzipien Yin, einer weiblichen, passiven, dunklen Kraft, und Yang, einer männlichen, aktiven, hellen Kraft. Die Taoisten entwickeln in dem Bestreben, die Dauer des Lebens auszudehnen, insbesondere Alchemie, Diätetik und Pharmazie. B

Ktesias von Knidos

G

Der griechische Leibarzt des Perserkönigs Artaxerxes II. Mnemon, Ktesias von Knidos, verfaßt drei Bücher Indica. Neben Legenden enthalten sie eine geographische Beschreibung Indiens, besonders der Tier- und PÁanzenwelt. Ktesias berichtet als erster über Erdgasvorkommen in Karaman (Kleinasien), die von Feueranbetern und zu Heizzwecken benutzt wurden.

um 400 v. Chr.

In der medizinischen Praxis ist für die Hippokratiker die Prognose, die Beobachtung von Krankheitssymptomen und die Prophylaxe von Bedeutung. Hinsichtlich der Therapie wird eine natürliche Heilkraft des Körpers gelehrt.

Theodoros von Kyrene

B • P In den über 60 im ersten Viertel des 4. Jahrhunderts v. Chr. im hippokratischen Geist verfaßten Schriften des Corpus Hippocraticum werden das Problem der Zeugung und FortpÁanzung behandelt, eine Pangenesislehre formuliert und die Entwicklung von Menschen und Tieren mit der von PÁanzen verglichen.

Archytas von Tarent

M

Theodoros von Kyrene zeigt die √ √ √ Inkommensurabilität, d. h. Irrationalität, von 3, 5, . . . , 17.

um 390 v. Chr. M

Archytas setzt die Studien zur Proportionenlehre fort und unterscheidet u. a. arithmetisches, geometrisches und harmonisches Mittel. Für die Einschaltung zweier mittlerer Proportionalen zwischen zwei gegebene Strecken gibt er eine Konstruktion mittels Zylinderschnitten an und löst damit das Problem der Würfelverdopplung.

31

390 v. Chr. – 367 v. Chr.

Thymaridas von Paros

M

Thymaridas von Paros Àndet eine Methode zur Lösung eines speziellen Typs linearer Gleichungssysteme.

um 387 v. Chr. Platon

Platon gründet in Athen eine eigene Lehr- und Forschungsstätte, die sog. Akademie.

um 385 v. Chr. M • P Archytas arbeitet die Musiktheorie in den drei Tongeschlechtern auf der Basis seiner Proportionenlehre aus und gibt auch eine physikalische Theorie der Töne, wobei er auf die Abhängigkeit der Tonhöhe von der Schwingungszahl hinweist. Archytas von Tarent

M

Theudios verfaßt an der Akademie Platons unter Mithilfe von Menaichmos und Deinostratos ein Lehrbuch zur Geometrie Elemente, wobei er vielen speziellen Sätzen eine allgemeine Fassung gibt. Platon

A

Platon lehrt das pythagoreische Planetenmodell. Er unterstützt die These, daß Kreisbewegungen die einzig möglichen Bahnbewegungen der Himmelskörper sind. Diese Lehre gilt dann über Tausend Jahre als festgeschrieben. Archytas von Tarent

381 v. Chr. A

Eudoxos ersetzt den 19jährigen Meton-Zyklus durch einen achtjährigen Schaltzyklus, Oktaeteris, der auf einer Jahreslänge von 365 1/4 Tagen bzw. zwölf Mondmonaten beruht.

W

Euklid von Megara gründet die Philosophenschule von Megara. Seine Philosophie versucht, Ideen der eleatischen und sophistischen Lehre zu verbinden, und beeinÁußt die Entwicklung der antiken Logik.

P

Der Grieche Archytas von Tarent soll die Mechanik systematisch nach mathematischen Grundsätzen behandelt haben. Er ist möglicherweise der ErÀnder von Rolle und Schraube und gilt als Konstrukteur mechanischer Automaten, u. a. einer Áiegenden Taube. Platon

um 380 v. Chr. Euklid von Megara

M

Platon lehnt mechanische, d. h. bewegungsgeometrische Lösungen der klassischen Probleme ab und fördert die Beschränkung der Konstruktionsmittel auf Zirkel und Lineal. Theudios

W

Eudoxos von Knidos

Platon

P

Nach der Annahme Platons wird der Sehvorgang durch vom Auge ausgehende Gesichtsstrahlen ausgelöst, die den Kontakt mit dem betrachteten Objekt herstellen.

um 375 v. Chr. Theaitetos

M

Platon entwickelt seine Ideenlehre, er widerlegt den sophistischen Erkenntnisrelativismus und zeigt, wie exaktes Wissen gewonnen werden kann.

Theaitetos entwickelt eine Theorie der Irrationalitäten und die Theorie der regelmäßigen Körper, die in die Bücher X bzw. XIII der Elemente Euklids eingehen. Er entdeckt das Oktaeder und Ikosaeder.

Demokrit von Abdera

Xenophon von Athen

Platon

W

M

Demokrit hat in seinen Schriften vermutlich eine „atomistische“ Geometrie entwickelt und gibt das Verhältnis der Volumina von Kugel und Zylinder bei gleicher Höhe und GrundÁäche mit 3 : 1 an. Platon

M • W

Platon fördert die systematische deduktive Darlegung der Mathematik und ihrer einzelnen Teilgebiete, vervollkommnet die analytische Methode und führt klare, strenge DeÀnitionen ein. Praktische Anwendungen schließt er als nicht zur Mathematik gehörig aus.

B

Xenophon von Athen behandelt in seiner Schrift Oikonomikos u. a. Fragen der Landwirtschaft, in anderen Werken geht er auf die Tierzucht z. B. von Pferden und Hunden ein.

um 365 v. Chr. Eudoxos von Knidos

M

Eudoxos von Knidos begründet eine Größenlehre, die die Proportionenlehre auf inkommensurable Größen ausdehnt, und berechnet mittels der von ihm ausgeformten Exhaustionsmethode u. a. die Volumina von Kegel und Pyramide.

365 v. Chr. – 350 v. Chr.

32

Eudoxos von Knidos A • M Eudoxos gibt mit der Theorie der konzentrischen Sphären erstmals eine mathematische Darstellung der Planetenbewegungen, die versucht, Irregularitäten der Planetenbewegung quantitativ zu erfassen. Er stellt die Krümmung der ErdoberÁäche fest und teilt den Himmel in Sternbilder ein.

M

Menaichmos entdeckt die Kegelschnitte und nutzt sie, um das Problem der Würfelverdopplung zu lösen. Die Entdeckung der Kegelschnitte könnte bei der Konstruktion von Sonnenuhren erfolgt sein. Platon

A

In Ägypten wird ein 25jähriger Zyklus (= 309 Mondmonate) mit neun Schaltmonaten in die Kalenderrechnung eingeführt.

um 350 v. Chr. Aristoteles

um 360 v. Chr. Menaichmos

357 v. Chr.

P

In seinem Dialog Timaios entwickelt Platon ein mathematisches Weltbild. Er deutet die Struktur des Kosmos geometrisch durch die „platonischen Körper“. Den Elementen Feuer, Luft, Wasser und Erde entsprechen die aus unteilbaren Elementardreiecken zusammengesetzten regulären Polyeder Tetraeder, Oktaeder und Ikosaeder sowie der Würfel. Sie können mitunter ineinander übergehen.

Aristoteles M • W Aristoteles entwickelt wichtige Teile der Syllogistik, einschließlich der modernen Syllogistik, die später im Organon in den Darlegungen zum logischen Schließen und den Grundlagen einer beweisenden Wissenschaft genauer ausgeführt werden. Aristoteles

Platon

P

Platon unterscheidet leicht- und schwerÁüssige Fluide. Er ordnet die Luft den ersteren zu und nimmt an, daß sie sich in Nebel und Wolken umwandeln kann, indem das Element Luft als Oktaeder in Elementardreiecke zerfällt und diese sich neu gruppieren. Das Wesen der Kondensation bleibt ihm verborgen. Platon

G

Platon erwähnt in der Schrift Timaios den sagenhaften Untergang von Atlantis. Im Dialog Phaidon hatte er zuvor auf ein erdinneres Feuer und den Zusammenhang zwischen Erdbeben und Vulkanen hingewiesen.

Aeneas Taktikos

C

Aeneas Taktikos beschreibt einen in der Kriegsführung als Wurfgeschoß verwendeten Brandsatz aus Pech, Schwefel, Werg, Weihrauch und Kienspänen.

M

Aristoteles erkennt in seiner Theorie des Kontinuums das Potentiell-Unendliche an. Deinostratos

M

Deinostratos löst die Quadratur des Kreises mittels Quadratrix. Eudoxos von Knidos

M

Eudoxos löst das Problem der Würfelverdopplung durch Schnitt zweier Kurven. Pamphilos

M

Der griechische Maler Pamphilos hält Kenntnisse in Arithmetik und Geometrie unerläßlich für die Kunst und strebt nach rationaler Durchdringung von Form und Proportion. Pausias

360 v. Chr.

W

Aristoteles, bedeutendster Naturforscher des antiken Griechenlands, entwickelt ein an der Mathematik orientiertes Wissenschaftssystem, wobei die einzelnen Wissenschaften deduktiv dargelegte axiomatisierte, autonome Systeme sind. Er faßt das Wissen seiner Zeit auf dieser Basis zusammen und führt Ganzheitsbetrachtungen in die Wissenschaft ein. Seine Lehre hat starken EinÁuß auf die Wissenschaftsmethodologie und -entwicklung bis zur Renaissance ausgeübt.

M

Pausias entwickelt Ansätze zur perspektivischen Darstellung in der Malerei. Gan De

A

Gan De soll SonnenÁecken beobachtet und sie erstmals als Phänomen der Sonne beschrieben haben.

33 Gan De, Shi Shen

350 v. Chr. – 334 v. Chr.

Gan De, Shi Shen

A

Gan De und Shi Shen bauen einfache Armillarsphären. Gan De, Shi Shen, Wu Xian

A

Gan De, Shi Shen und Wu Xian fertigen die ersten großen Sternkataloge an. Shi Shen soll z. B. die Position von 800 Sternen bestimmt haben. Herakleides Pontikos

A

Herakleides Pontikos lehrt die einmalige Rotation der Erde um ihre Achse im Verlaufe eines Tages. Die Zuschreibung eines geoheliozentrischen Planetensystems, analog dem von T. Brahe, ist falsch. Shi Shen, Gan De

A

Shi Shen gibt eine Erklärung für SonnenÀnsternisse sowie Regeln für ihre Voraussage an. Er und Gan De bestimmen die Umläufe einiger Planeten und kennen vermutlich die Perioden der nach Meton bzw. Kallippos benannten Zyklen. Pausias

B

Diokles von Karystos verschmilzt die Theorien der medizinischen Schulen von Sizilien und Kos. Er verfaßt das vermutlich älteste griechische Kräuterbuch, ein Werk mit dem Titel Anatomie und beschreibt menschliche Embryos. Speusippos

Praxagoras von Kos

B

Speusippos klassiÀziert die Tiere und PÁanzen nach dem Prinzip der Ähnlichkeit ihrer Gestalt. G

Das chinesische Buch über Berge und Flüsse erwähnt verschiedene Minerale, PÁanzen sowie Tiere und enthält einige geographische Karten. Die darin auftretenden Fabelwesen ähneln denen, die in Europa in antiken bzw. in mittelalterlichen Karten wiederkehren.

B

Praxagoras von Kos unterscheidet Venen und Arterien und betreibt systematisch Pulsuntersuchungen.

um 339 v. Chr. M • W Xenokrates von Chalkedon tradiert die Platonische Philosophie und versucht u. a., einen Zusammenhang zwischen Geometrie und Ideenlehre zu beweisen. Dies führt zu einer Art „atomistischer Geometrie“ und wird von Aristoteles und Theophrast kritisiert. Xenokrates von Chalkedon

336 v. Chr. Alexander der Große

G

Auf Anregung von Aristoteles läßt Alexander der Große bis 323 v. Chr. erste wissenschaftliche Expeditionen durchführen. Gelehrte erweitern auf den Feldzügen in Vorderasien und Indien das griechische geographische Weltbild. Nach geplanten Feldbeobachtungen werden Länder mit unbekannten PÁanzen, wie Banane, Reis, Mangrove, Tieren und Naturerscheinungen, z. B. Gezeiten, beschrieben.

um 334 v. Chr.

C

Pausias, ein Schüler des Malers Pamphilos, trägt wesentlich zur Entwicklung der enkaustischen Technik, dem Einbrennen von Wachsfarben, bei. Diokles von Karystos

um 340 v. Chr.

A

Vermutlich bestimmen Gan De und Shi Shen bei ihren Messungen die Schiefe der Ekliptik aus den Schattenlängen zu den Sonnenwenden.

Aristoteles

A

Aus der Theorie der natürlichen Bewegung folgert Aristoteles unter Hinzuziehung zutreffender Argumente, wie die runde Form des bei MondÀnsternissen sichtbaren Erdschattens bzw. die Abhängigkeit der Höhe des Polarsterns von der geographischen Breite, die Kugelgestalt der Erde und ihre Ruhelage im Weltmittelpunkt. A • P Die Kosmologie des Aristoteles verwendet das durch Kallippos verbesserte Eudoxossche Sphärenmodell der Planeten mit dem gemeinsamen Bewegungszentrum im Erdmittelpunkt. Saturn und Jupiter werden von je vier, Mars, Merkur, Venus und Sonne und Mond von je fünf Sphären bewegt, die Aristoteles durch 22 rückrollende erweitert und mit einem ruhenden ewigen Beweger in der Fixsternsphäre ergänzt. Aristoteles

Aristoteles

P

Das Universum betrachtet Aristoteles in Abgrenzung vom geometrischen Atomismus als eine

334 v. Chr.

34

kontinuierlich mit Stoff erfüllte, räumlich begrenzbare Kugel. Leerer Raum ist für ihn physikalisch unreal. Zeit gibt es nur in Abhängigkeit von bewegungsfähigen Körpern, Bewegung und Zeit messen sich gegenseitig. Das Universum ist wegen der Kontinuität der Bewegung zeitlich unendlich. Aristoteles

P

Die Welt wird von Aristoteles in einen sublunaren Bereich vom Mittelpunkt bis zur Mondsphäre sowie in einen supralunaren Bereich vom Mond bis zur äußersten Sphäre geteilt. Der erste, vielgestaltig, wandlungsfähig, besteht aus der Elementemischung von Erde, Wasser, Luft und Feuer, der zweite enthält das besondere Element Äther, später als Quintessenz, fünftes Element, bezeichnet. Aristoteles

P

Elemente sind für Aristoteles einfache Körper aus einem Grundstoff, der sog. Urmaterie „prima materia“, geprägt von den Elementarqualitäten Warm-Kalt und Feucht-Trocken. Feuer ist warm und trocken, Luft warm und feucht, Wasser feucht und kalt, Erde kalt und trocken. Die Stoffvielfalt erklärt sich aus Mischungen der Elemente. Entstehen und Vergehen sind für Aristoteles Prozeßzyklen. Mit der Elementenlehre liefert er auch die naturphilosophische Basis der späteren Alchemie. Aristoteles

P

Nach Aristoteles ist die Fallgeschwindigkeit stets vom Gewicht des Körpers im betreffenden Medium abhängig. Von der Körperbeschaffenheit hinge es außerdem ab, inwieweit der Fall gebremst wird. Das Medium könne, wie beim Wurf, auch befördernd wirken. Auch deswegen kann sich Aristoteles kein Vakuum vorstellen. Aristoteles

P

Irdische Elementarkörper bewegen sich nach Aristoteles gemäß der Theorie der natürlichen Bewegung ungleichförmig gradlinig zur Weltmitte hin oder von ihr weg. Vorwiegend Erde und Wasser enthaltende Körper fallen, luft- und feuerartigen Stoffe steigen, aus Äther bestehende Gestirne kreisen ewig. Aristoteles

P

Die Wirkung des Hebels wird in der dem Aristoteles zugeschriebenen Mechanica mit Hilfe des Prinzips ungleicher konzentrischer Kreise

demonstriert. Neben veranschaulichenden Zeichnungen benutzt Aristoteles gelegentlich die Bezeichnung mathematischer Größen durch Buchstaben. Aristoteles

P

Aristoteles kennt die Schalleitung der Luft von der Quelle zum Ohr und lehrt, daß der Schall bei Nacht besser als bei Tag und im Winter besser als im Sommer gehört wird. Aristoteles

P

Die Erwärmung metallener Pfeilspitzen infolge Luftreibung ist Aristoteles bekannt. Aristoteles

P

Der Terminus „Natur“ bedeutet nach Aristoteles Gestalt und Material. Aristoteles

B

Aristoteles entwickelt ausgehend von der Bestimmung des Samens als Produkt des Blutes, des männlichen Geschlechts als Prinzip der Bewegung und des weiblichen Geschlechts als Prinzip des Stoffes seine Zeugungs-und Vererbungslehre. Er unterscheidet die geschlechtliche Zeugung, die parthenogenetische (Jungfern-)Zeugung, die Knospung und die Urzeugung. Aristoteles

B

Aristoteles faßt u. a. in seinen Werken De partibus animalium und De generatione animalium das zoologische Wissen seiner Zeit zusammen. Er systematisiert etwa 500 Tierformen in acht Klassen, wendet erstmals Methoden der vergleichenden Anatomie und Physiologie an und beschreibt viele Tierkrankheiten. Aristoteles

G

Fossilien werden von Aristoteles fehlinterpretiert als Nachweis für Urzeugung aus Erde und Schlamm. Er übt über die Lehre der „plastischen Kraft“ der Erde bis in die Neuzeit EinÁuß auf die Fossilienkunde aus. Aristoteles

G

In der Meteorologie verweist Aristoteles auf das im Vergleich zum Menschenleben in langen Zeiträumen ablaufende natürliche Geschehen in Zusammenhang mit dem Wechsel von Meer und Land infolge schwankender Wasserzuführung der Flüsse. Aristoteles

G

Aristoteles unterscheidet die Mineralien in Steine und Erze.

35

334 v. Chr. – 320 v. Chr.

334 v. Chr. Aristoteles

W

Aristoteles beginnt seine Lehrtätigkeit an dem von ihm gegründeten Lykeion in Athen, die institutionelle Begründung als peripatetische Schule soll erst 318 v. Chr., also nach seinem Tod, erfolgt sein.

332 v. Chr. Ptolemaios I. Soter

W

Gründung des Museions in Alexandria als wissenschaftliche Forschungsstätte durch Ptolemaios I. Soter. Es hatte später die umfangreichste Bibliothek der Antike und war Wirkungsstätte vieler bedeutender Gelehrter. Zum Museion gehörten ein Observatorium, ein zoologischer und ein botanischer Garten, Arbeitsräume u. a.

um 330 v. Chr. M

Der mohistische Kanon Mo Jing beschreibt im mathematischen Teil die Zahldarstellung mit Rechenstäbchen und einfache arithmetische Operationen mit ihnen sowie einige geometrische Sachverhalte. Aristaios der Ältere

M

Aristaios der Ältere behandelt erstmals zusammenfassend die Elemente der Kegelschnitte in fünf Büchern. Aristoxenos

M

Aristoxenos stellt mit seinem Werk Elemente der Harmonie der vorherrschenden mathematischen Behandlung der Musik entsprechend der auf bloßen Zahlenverhältnissen basierenden pythagoreischen Theorie eine an den GehörempÀndungen orientierte Lehre gegenüber. Kallippos

A

Kallippos verbessert das Sphärenmodell des Eudoxos, indem er zur genaueren Wiedergabe der Realität sieben weitere Sphären einführt. Kallippos

A

Kallippos verbessert den Meton-Zyklus des Lunisolarkalenders durch die Einführung der sog. Kallipposschen Periode: 76 Jahre = vier MetonPerioden = 27 759 Tage. P

Die chinesische Lehre des Mohismus in seinen verschiedenen Stadien wird in dem Werk Mo

Zi (Mo Tzu), einer Kompilation unterschiedlich alter Texte zusammengefaßt. Der darin enthaltene Kanon Mo Jing umfaßt auch naturwissenschaftliche Teile. Die Abschnitte zur Statik bzw. Optik behandeln u. a. Hebel, Gleichgewicht von Kräften und schiefe Ebene bzw. Camera obscura. Aristoteles

C

Aristoteles versucht, den Schmelzvorgang zu erklären und kennt die Schmelzpunkte verschiedener Metalle. Er erwähnt das Verfahren, Eisen durch wiederholtes Schmelzen rein darzustellen. Aristoteles

G

Aristoteles nimmt an, daß alles Wasser in der Erde atmosphärischen Ursprungs ist und einen ständigen Kreislauf ausführt. Ohne Regen würde die Erde völlig trocken sein. Destilliertes Meerwasser ist als Niederschlag rein, d. h. salzfrei. Die Hypothese wird später nach E. Mariotte benannt. Aristoteles

G

Die Erscheinungen des Nordlichts, der Temperaturabnahme mit der Höhe und der Taubildung sind Aristoteles bekannt. Pytheas von Massalia

G

Zur Erforschung der Ausdehnung der Erde nach Norden segelte der griechische Geograph Pytheas von Massalia von Massilia (Marseille) nach Gallien (Bretagne) und nach Britannien. Die von ihm vermutlich erreichte Insel „Thule“ am Polarkreis wird als eine der Shetlandinseln, Island oder Norwegen gedeutet. Er gilt als einer der ersten Wissenschaftler Westeuropas und liefert erste Informationen über Nordwesteuropa. Pytheas von Massalia

G

Das verlorene Werk des Pytheas Vom Ozean berichtet u. a. über Wattenmeer, Nordlicht und kurze Sommernächte im Polarbereich. Pytheas erkennt einen Zusammenhang der Gezeiten mit dem Mond und die Änderung der Polhöhe mit der geographischen Breite, mißt die Breite von Massilia (Marseille) und ermittelt mit 24◦ die Schiefe der Ekliptik sowie den Nordpol als sternelosen Punkt am Himmel.

um 320 v. Chr. Eudemos

M

Eudemos verfaßt historische Darstellungen zur Arithmetik, Astronomie und Geometrie, wobei speziell letztere eine wichtige Quelle für die Geschichte der voreuklidischen Geometrie wurde.

320 v. Chr. – 300 v. Chr. Eratosthenes

36 P

Eratosthenes berichtet, daß Dikaiarchos einen mit Diopter ausgestatteten Quadranten besessen haben soll und mit diesem Höhenwinkel von Berggipfeln gemessen habe. Theophrast von Eresos

P

Theophrast von Eresos (Lesbos) faßt die Entwicklung der griechischen Physik historischkritisch zusammen. Theophrast von Eresos C • G Theophrast kennt mineralische Kohle (Braunkohle), die Darstellung des Quecksilbers, das Verzinnen von Eisen und die Darstellung von Bleiweiß und Mennige. Theophrast von Eresos

G

Theophrast klassiÀziert in Über die Steine Gesteine morphologisch und typologisch, befaßt sich mit genetischen Untersuchungen geologischer, mineralogischer und meteorologischer Erscheinungen. Theophrast von Eresos

G

Nach Theophrast gibt es 600 Fuß abgeteufte Tiefbrunnen in der afrikanischen Wüste, aus denen Wasser durch ein Göpelwerk gehoben wird.

um 310 v. Chr. A • M Autolykos von Pitane verfaßt zwei populäre astronomische Handbücher, die u. a. die Geometrie der bewegten Himmelskugel erläutern und versuchen, einige Differenzen zwischen Beobachtungen und Folgerungen aus dem Sphärenmodell zu beheben. Autolykos von Pitane

um 305 v. Chr. Epikur von Samos

Megasthenes

P

Epikur von Samos erweitert in Anknüpfung an die Atomistik von Demokrit die Atomtheorie. Außer auf Druck und Stoß sollen Atome willkürlich die Bewegungsrichtung ändern können. Er lehrt, daß alle Dinge und Erscheinungen zufällige Aggregate von Atomen sind, die sich wieder auflösen.

G

Der Ethno- und Geograph Megasthenes führt im Auftrage König Seleukos I. Nikator bis 291 v. Chr. mehrere Indienreisen durch. Als Ergebnis entsteht sein Werk Indika, die beste antike Quelle über das Indien zwischen Indus und Ganges. Die Landeskunde behandelt insbesonders Kastenwesen, Flora und Fauna.

um 300 v. Chr. M • A Das älteste chinesische Werk zur Mathematik und Astronomie Arithmetisches Handbuch vom Gnomon und den himmlischen Kreisbahnen entsteht. Es vermittelt arithmetische Grundoperationen, enthält einen Beweis für den Satz des Pythagoras und verzeichnet eine Reihe astronomischer Daten, u. a. eine Einteilung der Ekliptik analog des Tierkreises und die heliakischen Aufgänge einiger Sterne.

G

In den Lehren der Naturphilosophen, die eine wichtige historische Quelle darstellen, formuliert Theophrast den für das Problemdenken bedeutenden Begriff der „Oikeiosis“, der „Anpassung an Umwelt und Umstände“. Theophrast von Eresos

302 v. Chr.

M

Die demotischen Papyri belegen eine genaue Kenntnis des Pythagoreischen Satzes und des Lösens von Gleichungen zweiten Grades in zwei Unbekannten durch die Ägypter. Weiterhin werden endliche Reihen summiert und Brüche verwendet. Euklid

M

Euklid faßt in Alexandria in den 13 Büchern der Elemente Teile des mathematischen Wissens seiner Zeit zusammen. Das Werk übt bis in die Neuzeit eine nachhaltige Wirkung auf die Mathematikentwicklung aus. Versuche zum Beweis des Parallelenpostulats führten z. B. zur Entdeckung nichteuklidischer Geometrien. Euklid

M

Euklid legt in den Elementen eine gemeinsame Basis für weitergehende mathematische Untersuchungen. Die Elemente sind deduktiv aufgebaut, ausgehend von wenigen Grundelementen – DeÀnitionen, Postulaten, Axiomen – werden erstmals viele wichtige Resultate zur Geometrie, Arithmetik und Zahlentheorie Àxiert. P

In China formulieren mohistische Gelehrte das Trägheitsgesetz. Eine Rezeption außerhalb dieser Schule blieb aus. Über ein Jahrtausend lang

37

300 v. Chr. – 287 v. Chr.

spielen Bewegungsprobleme in der chinesischen Physik keine Rolle. C

Das in China durch Ausglühen erzeugte schmiedbare Eisen erreicht fast die Güte von Stahl. Bolos von Mendes

C

Vermutlich im 3. Jahrhundert v. Chr. verfaßt der Neupythagoreer Bolos von Mendes, auch als Pseudo-Demokritos bekannt, zahlreiche alchemistisch-chemische Schriften, die den damaligen Stand der Metallurgie, der Tingierung (Metallfärbung), der Imitation von Edelsteinen und der Textilfärberei widerspiegeln. Maria die Jüdin

C

Maria die Jüdin soll zahlreiche chemische Geräte erfunden haben, darunter Destillationsapparaturen und Kerotakisgeräte. B

Der Anbau von verschiedenen Kohlarten in Griechenland wird durch die Beschreibung in Theophrast’ Naturgeschichte der Gewächse belegt. Kohl ist damit eine der ersten Gemüsearten, die kultiviert werden. B

In Mexiko ist der Truthahn domestiziert. Die Datierung ist jedoch umstritten. Vermutlich bestand im Südwesten der USA ein zweites unabhängiges Domestikationsgebiet. Herophilos

B

Herophilos führt im alexandrinischen Museion Sektionen an menschlichen Leichen durch und verbessert die Terminologie der Anatomie. Er entdeckt zahlreiche Organe und die Struktur von Teilen des Gehirns. Herophilos erkennt einen Zusammenhang zwischen den Nerven und dem Bewegungs- und EmpÀndungsvermögen sowie zwischen Puls und Herztätigkeit und gibt ein System der Pulslehre an. Herophilos

B

Herophilos nennt vier Grundvorgänge im Organismus: Ernährung, Erwärmung, Wahrnehmung und Denken. Theophrast von Eresos

B

Methodisch seinem Lehrer Aristoteles folgend, beschreibt Theophrast in Historia plantarum und in De causis plantarum über 500 PÁanzen, prägt botanische Fachausdrücke und kennt die

geschlechtliche Vermehrung höherer PÁanzen. Beide Werke üben einen bedeutenden EinÁuß auf die Entwicklung der Botanik aus. G

Der Seeweg zwischen Indien und China ist vermutlich malaiischen Seefahrern bekannt. Demetrios von Kallatis

G

Anfertigung des ersten seismologischen Katalogs durch Demetrios von Kallatis, der sämtliche in Griechenland beobachteten Erdbeben aufführt. Dikaiarchos von Messene

G

Der griechische Gelehrte Dikaiarchos von Messene (Sizilien) soll als mathematischer Geograph die Kugelgestalt der Erde behauptet und deren Umfang geschätzt haben. Er bestimmt die Höhe von Bergen und kennt den EinÁuß der Sonne auf die Gezeiten. Im Bios tes Hellados (Leben Griechenlands) übertrug Dikaiarchos die Lebensbeschreibung methodisch auf die Landeskunde von Griechenland. Dikaiarchos von Messene

G

Dikaiarchos, Begleiter der Alexanderfeldzüge, soll dabei neue Gebiete in eine Erdbeschreibung und eine z. T. nach eigenen Messungen gezeichnete Erdkarte aufgenommen haben. Er benutzt erstmalig eine Linie gleicher geographischer Breite und empÀehlt, auf Erdkarten eine Orientierungslinie über Gibraltar, die Straße von Messina, den Peloponnes und Kleinasien zu zeichnen.

um 295 v. Chr. Euklid

P

In der Katoptrik begründet Euklid die geometrische Optik. Er spricht von „Sehstrahlen“, lehrt aber die geradlinige Ausbreitung des Lichts, formuliert das ReÁexionsgesetz, versucht, es auf sphärische Spiegel anzuwenden und beschäftigt sich mit der Perspektive. Die Autorenschaft des Werkes ist jedoch strittig, z. T. wird Theon von Alexandria als Autor genannt.

um 287 v. Chr. Straton von Lampsakos

P

Die Experimentalphysik wird durch den Aristotelesschüler Straton von Lampsakos ansatzweise begründet. Seine Elemente sind unendlich teilbare Moleküle, die durch feinverzweigte Vakua getrennt bleiben. Ein zusammenhängendes Vakuum

287 v. Chr. – 260 v. Chr.

38

existiert nach Straton nicht. Luftdruckerscheinungen erklärt er aus dem „Horror vacui“. Straton von Lampsakos

P

Straton vergleicht die FortpÁanzung der Lichtstrahlen durch verschiedene Medien, u. a. auch Metalle, mit den elektrischen Entladungen des Zitterrochens.

um 280 v. Chr. Berossos

A

Berossos, Priester des Bel zu Babel, beschreibt in seinem Werk über Babylonien u. a. die Leistungen der babylonischen Astronomie und Astrologie und machte sie unter den Griechen bekannt. Straton von Lampsakos

G

Straton von Lampsakos interpretiert die Philosophie des Aristoteles materialistisch, indem er dessen Unterscheidung zwischen Stoff und Form durch die Verlagerung der wirkenden Kraft der Form in die Materie selbst nahezu aufhebt. Straton soll das Buch IV der Meteorologica von Aristoteles, das die Theorie der Mineralentstehung aus Erdausdünstungen enthält, verfaßt haben.

280 v. Chr. Aristarchos

A

Aristarchos

Aristyllos, Timocharis

Berossos

A

Aratos verfaßt in Anlehnung an Eudoxos (vgl. 365 v. Chr.) ein Lehrgedicht Phainomena, worin er die Astronomie populär behandelt und besonders auf Sternbilder, Planetenbewegung, Kalender und Wetterprognosen eingeht, das aber viele Fehler enthält. Dennoch wird es später mehrfach, u. a. von Cicero, ins Lateinische übersetzt und wird sehr bekannt. B • C Nikandros von Kolophon schreibt Lehrgedichte über Tier- und PÁanzengifte und ihre Heilmittel. Nikandros von Kolophon

268 v. Chr. Ashoka

W

Kaiser Ashoka setzt nach Schaffung des ersten indischen Großreichs die Lehre des Buddhismus durch, fordert aber religiöse Toleranz.

um 263 v. Chr.

A

Aristarchos vertritt ein heliozentrisches Weltbild: Sonne und Fixsterne stehen still, die Planeten samt Erde kreisen um die Sonne. Die Erde rotiert täglich um die eigene Achse. Die Fixsternsphäre ist unvergleichlich größer als die Erdsphäre.

C

Eumenes I. von Pergamon verbessert die Verarbeitung von Tierhäuten zur Herstellung des nach der Stadt Pergamon genannten Pergaments.

um 260 v. Chr. Timaios von Tauromenion

A

Der griechische Geschichtsschreiber Timaios von Tauromenion verhilft in Athen mit der Olympiadenrechnung der historischen Chronologie zum Durchbruch und sichert die Grundlagen der ethnographisch-geographischen Historiographie. B • P Erasistratos begründet die Physiologie, ausgehend vom Atomismus und dem „Horror vacui“, sowie die vergleichende und pathologische Anatomie. Er untersucht die Herzklappen, kennt die Verbindung zwischen Venen und Arterien und nähert sich der richtigen Ansicht vom großen Blutkreislauf. Erasistratos

um 270 v. Chr. Aristarchos

A

Der chaldäische Astronom Berossos soll eine spezielle hemisphärische Sonnenuhr erfunden haben.

Eumenes I. von Pergamon

um 275 v. Chr.

A

Aristyllos und Timocharis gehören zu den ersten griechischen Astronomen, die die Position mehrerer Fixsterne bestimmen (Deklination, Längendifferenz u. a.). Obwohl nicht sehr exakt, war dies wichtiges Vergleichsmaterial für Hipparch, als er das Vorrücken der Tag- und Nachtgleichen berechnete.

Aristarchos führt eine neue Beobachtung der Sommersonnenwende durch.

Aratos

A

Aristarchos erÀndet die Skaphe, eine mit Weiser versehene hohle Halbkugel, die im Vergleich zum Gnomon eine genauere Beobachtung des Sonnenstandes ermöglicht.

39

260 v. Chr. – 246 v. Chr.

Ptolemaios II. Philadelphos

G

Der unter dem Pharao Necho II. 604 geschaffene Kanal zwischen Nil und Rotem Meer, den Dareios I. fortführen ließ, wird unter dem ägyptischen König Ptolemaios II. Philadelphos vermutlich unter Verwendung von Schüttschleusen erneuert, wie Diodoros um 30 v. Chr. in seiner Weltgeschichte berichtet.

um 259 v. Chr. Ptolemaios II. Philadelphos

Archimedes von Syrakus

Archimedes von Syrakus B

Zur Zeit von König Ptolemaios II. Philadelphos werden in Ägypten Samenöle wie Sesamöl, Leinöl, Rizinusöl und Kürbiskernöl gewonnen.

um 250 v. Chr.

P

Archimedes wendet die axiomatische Darstellungsweise erstmals in der Mechanik an. Er leitet das Hebelgesetz mathematisch ab, wonach kommensurable und inkommensurable Größen im Gleichgewicht stehen, wenn ihre Gewichte ihren Hebelarmen umgekehrt proportional sind. Weiterhin Àndet er das Gesetz des Schwerpunkts. P

In seiner Schrift Über schwimmende Körper beweist Archimedes das Gesetz des hydrostatischen Auftriebs und die Berechnungsmöglichkeit der relativen Dichte von Körpern. Er erÀndet in der Folge die hydrostatische Waage zur Analyse von Metallgemischen.

M

Die Kharosthi- und Brahmi-Inschriften belegen die Existenz zweier Zahlsysteme in Indien. Das Brahmi-Zahlsystem ist dezimal aufgebaut, hat aber außer für Eins und Vier bis Neun auch für 10, 100 und deren Vielfache spezielle Symbole. Archimedes von Syrakus

M

Archimedes von Syrakus, der bedeutendste antike Mathematiker und Wegbereiter der mathematischen Physik, Àndet ein genaues Verfahren zur Approximation von Quadratwurzeln und schätzt ʌ durch 310/71 < ʌ < 31/7 ab. Archimedes von Syrakus

M

Archimedes gelingt durch virtuosen Gebrauch der Exhaustionsrechnung die Inhaltsbestimmung von zahlreichen krummlinig begrenzten Flächen und Körpern, so von Sphäroiden und Konoiden, d. h. Rotationskörpern. Archimedes von Syrakus

M

Archimedes beweist, daß sich die Inhalte von Kegel, Halbkugel und Zylinder bei gleicher Basis und Höhe wie 1 : 2 : 3 verhalten, gibt die Quadratur des Parabelsegments an, wobei er eine unendliche geometrische Reihe summiert, und untersucht Eigenschaften der nach ihm benannten Spirale. Aristarchos

A

Aristarchos versucht erstmals, das Verhältnis der Entfernungen zweier kosmischer Körper von der Erde geometrisch zu bestimmen: Er erhält als Relation von Mond- zu Sonnenentfernung 1 : 19, tatsächlich 1 : 390, und schätzt weitere astronomische Entfernungen und Größen ab, u. a. das Verhältnis von Sonnen- zu Erddurchmesser.

Archimedes von Syrakus

P

Archimedes Schrift Elemente der Mechanik ist verloren gegangen. Überliefert sind seine ErÀndungen wie Flaschenzüge mit mehreren Rollen, eine Wasserhebevorrichtung, genannt „Archimedische Schraube“, die Schraube ohne Ende, sowie verschiedene Kriegsgeräte. Der Bau großer Brennspiegel und deren Einsatz zum Feuer legen sind jedoch Legende. Archimedes von Syrakus

P

Archimedes kennt die Refraktion des Lichtstrahls. Archimedes von Syrakus

P

Archimedes soll das später als Jakobsstab bekannte geodätisch-astronomische Meßgerät benutzt und verbessert haben. B • W Der Konfuzianer Xun Qing gliedert die Natur hierarchisch und unterscheidet Lebewesen mit pÁanzlicher, tierischer und vernünftiger Seele. Xun Qing

um 246 v. Chr. Eratosthenes

G

Die Geographika des griechische Gelehrten Eratosthenes stützt sich auf Anaximander, Hekataios und die Begleiter des Alexanderzuges, bestreitet aber die Kompetenz Homers in geographischer Hinsicht. Das Lehrbuch ist nur auszugsweise in Strabos Schriften erhalten. Es umfaßt Geschichte, Begründung und Darlegung der allgemeinen Geographie.

246 v. Chr. – 230 v. Chr. Eratosthenes

40 G

Eratosthenes wird Leiter der Bibliothek in Alexandria und beginnt mit der ersten wissenschaftlichen Erdkugelvermessung. Er berechnet den Umfang methodisch vorbildlich aus der Messung des Teilmeridians zwischen Assuan und Alexandria sowie der geographischen Breite der Orte mittels Gnomon über die Sonnenhöchststände und erhält 252 000 Stadien. Die Umrechnung ist wegen des fehlenden Vergleichsmaßstabs nicht möglich. Er begründet damit die mathematische Geographie. Eratosthenes

G

Eratosthenes regt an, mehr Orientierungslinien in die Karte aufzunehmen. Ausgehend von der Erde als Kugel mit zwei Polen und einem Äquator enthält seine Karte ein Gradnetz von Längen- und Breitenkreisen. Er entwickelt erstmals eine kartographische Methode, die gekrümmte ErdoberÁäche eben abzubilden, indem er sie in Vierecke unterteilt. Eratosthenes

G

Nach Strabo soll Eratosthenes erkannt haben, daß man auf dem Atlantischen Ozean den Parallelkreis entlang von Spanien nach Indien segeln kann. Strabo ergänzt dabei um 20 v. Chr. die Möglichkeit der Entdeckung neuer Erdteile. Eratosthenes kennt fünf Klimagürtel, zwei polare, zwei gemäßigte Zonen und einen heißen.

um 245 v. Chr. Konon von Samos

um 240 v. Chr. M

Eratosthenes erÀndet ein Gerät, um zwei mittlere Proportionale zu konstruieren und damit das Problem der Würfelverdopplung zu lösen, und ein Verfahren zur Ermittlung der Primzahlen, das Sieb des Eratosthenes. Konon von Samos

A

In China wird erstmals das Auftreten des sog. Halleyschen Kometen vermerkt, der eventuell auch 467 v. Chr. beobachtet wurde.

238 v. Chr. A

In Ägypten wird eine Kalenderreform festgelegt: Einschaltung eines zusätzlichen Tages aller vier Jahre, was einer Jahreslänge von 365 1/4 Tagen entspricht. Die Reform wird aber nicht beachtet.

um 235 v. Chr. Mago von Karthago

M

Konon von Samos untersucht Schnitte und Berührungen von Kegelschnitten. Apollonios übernimmt die Resultate im Buch 4 der Conica und verbessert die kritikwürdigen Beweise.

B

Mago von Karthago verfaßt ein bedeutendes Werk in 28 Büchern über Ackerbau, Viehzucht und Tierarzneikunde.

um 230 v. Chr. Archimedes von Syrakus

M

Archimedes baut in der Methodenlehre auf den Sätzen der Statik eine übersichtliche handliche Methode zur Flächen- und Volumenbestimmung krummliniger Figuren und Körper auf. Er bestimmt damit u. a. den Schwerpunkt mehrerer Flächen und quadriert die Parabel. Er bereichert die mathematische Beweistechnik und erweitert die mathematischen Axiome und Postulate. Archimedes von Syrakus

A

Konon von Samos publiziert die Beobachtungen der Auf- und Untergänge von Sternen sowie ägyptische Daten von SonnenÀnsternissen und beeinÁußt die Entwicklung des griechische astronomischen und meteorologischen Kalenders.

Eratosthenes

240 v. Chr.

M

Archimedes vermerkt explizit, daß die natürlichen Zahlen bis ins Unendliche fortführbar seien. Er behandelt Probleme, die auf Zahlenkongruenzen bzw. kubische Gleichungen führen. Archimedes von Syrakus

A

Archimedes soll einen Himmelsglobus und ein hydraulisch bewegtes Planetarium konstruiert sowie einige astronomische Daten, wie Sonnendurchmesser, Länge des tropischen Jahres, berechnet haben. Ktesibios von Askra

P

Der griechische Mechaniker Ktesibios von Askra nutzt Luftdruck zum Betreiben mechanischer Vorrichtungen. Er erÀndet die Wasserorgel, die Druckpumpe, die Feuerspritze, das Luftdruckgeschütz und verbessert die Wasseruhr durch Zahnradgetriebe, Schwimmer und Zeiger. Er soll eine Schule alexandrinischer Mechaniker begründet haben.

41

221 v. Chr. – 200 v. Chr.

um 221 v. Chr. W • M Nach der Einigung des chinesischen Reiches und der Neueinteilung in 36 Provinzen im Rahmen der Chhin (Qin)-Dynastie werden Maß- und Gewichtssystem auf vorwiegend dezimaler Basis vereinheitlicht und die Schrift standardisiert. In dieser Zeit entsteht auch eine neue geographische Beschreibung des Reiches, der 18 Kartenblätter beigefügt sind.

wendung geometrischer Modelle in der Planetentheorie. Gemäß dem Epizykelmodell bewegen sich die Planeten auf Kreisbahnen, deren Mittelpunkte wieder auf Kreisbahnen um die Erde laufen. Eventuell leitet er bereits die Äquivalenz zum Exzentermodell ab. Qin Shi Huangdi

P

In China wird der Sinan, ein Magnetzeiger mit Nord-Süd-Richtung, besonders zu kultischen Zwecken benutzt. Er besteht aus einer schmalen Tafel mit frei schwingendem Löffel aus Magnetstein. Das Aufkommen dieses Magnetlöffels wird z. T. schon für die Dynastie der streitenden Reiche (480–221 v. Chr.) behauptet. (Vgl. 1160 v. Chr.)

um 220 v. Chr. Philon von Byzanz

P

Philon von Byzanz faßt in seiner Mechanike syntaxis die technischen Erkenntnisse und ErÀndungen seiner Zeit zusammen. Er beschreibt Kriegsgeräte, darunter im Buch über den Geschützbau ein selbst erfundenes Pfeilgeschütz, Hebezeuge, mit Saug- und Druckluft betriebene Apparate u. a. Er konstruiert eine Taucherglocke, das Thermoskop zur Temperaturmessung und hat möglicherweise das Kardan-Kreuzgelenk erfunden. Serapion von Alexandria

B

Serapion von Alexandria ist als Nachfolger des Philinos von Kos der Begründer der empirischen Ärzteschule, die jede Dogmatik in der Medizin verwirft, nur Erfahrung und Experiment gelten läßt.

um 219 v. Chr. G

In China wird ein Transportkanal mit Regulierungseinrichtungen für den Wasserspiegel, wie Überlaufkanal, ausgestattet und die Fließgeschwindigkeit unter Ausnutzung der Reliefs beeinÁußt.

Apollonios von Perge

202 v. Chr. Attalos I.

W

Die Bibliothek in Pergamon wird durch König Attalos I. als Konkurrenz zu der in Alexandria gegründet und von Attalos II. stark erweitert.

um 200 v. Chr. M

Chinesische Mathematiker benutzen beim Rechnen mit Rechenstäbchen erstmals negative Zahlen. M

In China bildet sich ein dezimales Positionssystem heraus. M

In chinesischen Texten treten magische Quadrate und einfache Elemente der Kombinatorik auf, die vermutlich auf ältere Quellen zurückgehen. M

Indische Jaina-Mathematiker benutzen zur Lösung kombinatorischer Aufgaben BinomialkoefÀzienten. Dieses Wissen geht wahrscheinlich auf ältere Kenntnisse zurück. Apollonios von Perge

A

Apollonios vollzieht mit der Einführung der Epizykeltheorie einen wichtigen Schritt bei der An-

M

Apollonios faßt in acht Büchern Conica bekanntes Wissen über Kegelschnitte zusammen. Alle Kegelschnitte entstehen durch geeignete Schnitte aus ein und demselben Kegel. Dies ist die Basis für seine einheitliche Ableitung vieler neuer Eigenschaften und Konstruktionen von Kegelschnitten. Er führt die Begriffe Ellipse, Hyperbel und Parabel ein. Apollonios von Perge

um 210 v. Chr.

G

Vollendung der ersten Reliefkarte, die in der Grabkammer des chinesischen Kaisers Qin Shi Huangdi der Qin-Dynastie aufgefunden wurde.

M

Apollonios beschäftigt sich mit mehreren allgemeinen Schnitt- und Berührungsproblemen, die später Mathematiker zu geometrischen Studien anregen werden.

200 v. Chr. – 180 v. Chr. Apollonios von Perge

42 M

C

Apollonios verbessert die von Archimedes angegebenen Schranken für die Abschätzung von ʌ.

Chinesische Alchemisten verwenden Salpeter zum VerÁüssigen unlöslicher Mineralien und als Flußmittel in metallurgischen Prozessen.

Zhang Chang, Geng Shouchang

M

Die mathematische Enzyklopädie Mathematik in neun Büchern wird unter Verwendung älterer Quellen von Zhang Chang und etwa ein Jahrhunderts später von Geng Shouchang bearbeitet. Sie behandeln Flächen- und Volumenberechnungen √ – mit ʌ = 3, später ʌ = 10 –, Proportionen, Gleichungssysteme mit einer und mehreren Unbekannten, eine allgemeine Methode zur Lösung linearer Gleichungssysteme, den Satz des Pythagoras und andere Anwendungen.

C

In China ermöglicht die Herstellung großer dünnwandiger Pfannen aus Gußeisen das Verdampfen von Salzwasser zur Salzgewinnung. C

In China soll an einzelnen Orten Erdgas und Petroleum für Heiz- und Beleuchtungszwecke sowie zum Verdampfen von Salzsole benutzt worden sein. Erst in der Han-Dynastie um 100 n. Chr. erfolgt der Einsatz im größeren Umfang.

A

B

Die Zeitrechnung der germanischen Völker beruht im allgemeinen auf Voll- und Neumondbeobachtungen und Festlegungen des Sonnenstandes mit Hilfe von Steinmarken. Später entsteht daraus ein Mondjahrkalender.

Chinesische Ärzte entdecken im weitesten Sinne den Biorhythmus des menschlichen Körpers.

P

In China werden Trommeln hergestellt, die Töne von bestimmter Frequenz abgeben. Es bestehen akustische Möglichkeiten, Töne zu verstärken. Zum Stimmen von Pfeifen werden gut abgeschirmte Räumlichkeiten errichtet. P

In einem chinesischen Buch wird erstmalig das Prinzip des Heißluftballons erwähnt. P

In China wird zum Reinigen von Getreide ein Rotationssiebgebläse erfunden. C

In China wird im 2. Jahrhundert v. Chr. begonnen, Stahl durch Einblasen von Luft in geschmolzenes Eisen zu erzeugen. Die Technologie zur Herstellung verschiedener Eisen- und Stahlsorten wird weiter verbessert. C

Im 2. Jahrhundert v. Chr. beginnt eine neue Phase der Lacktechnik in China. Es werden Verfahren zur Verzögerung des Aushärtens des aus dem japanischen Lackbaum gewonnenen Lackes entwickelt. So setzt man ihm Bestandteile aus dem Gewebe von Krebsen und Krustentieren zu bzw. härtet in feuchter Atmosphäre.

B • C Mit Hilfe alchemistischer Verfahren wie der Sublimation und der Ausfällung durch Zugabe von Fällungsmitteln gelingt es in China im 2. Jahrhundert v. Chr., Hormone der Hypophyse und Sexualhormone aus dem menschlichen Urin zu isolieren und sie medizinisch zu nutzen. G

Entsprechend den Landmassen der Nordhalbkugel der Erde vermuten griechische Geographen einen Südkontinent, später auch Südland oder Terra incognita genannt, auf der Südhalbkugel. G • B Das älteste pharmakologische Werk Chinas, das auf den legendären Kaiser Shen Nong im 3. Jahrtausend v. Chr. zurückgehen soll, behandelt 365 Arzneien. Sie werden nach ihrem therapeutischen Wert in drei Gruppen eingeteilt: 1) Mineralwässer, Alaun, Salpeter, Quarz, Stalaktiten, u. a.; 2) Schwefel, Marmor, u. a.; 3) Stalagmiten, Blei, Salz u. a. Außerdem soll Shen Nong eine PÁanzenkunde verfaßt haben. Shen Nong

um 180 v. Chr. Nikomedes

M

Nikomedes entdeckt und untersucht die Konchoide (Muschelkurve), erÀndet ein Instrument zu ihrer Konstruktion und wendet sie zur Winkeldreiteilung sowie Würfelverdopplung an. Er kennt vier Typen von Konchoiden. Außerdem leistet er mittels Quadratrix die Quadratur des Kreises.

43

175 v. Chr. – 150 v. Chr.

um 175 v. Chr. Hypsikles

153 v. Chr. M

A

Hypsikles verfaßt das sog. Buch 14 der Elemente des Euklid über Ikosaeder und Dodekaeder.

Bei einer notwendig gewordenen Neuordnung des römischen Kalenders wird der Jahresanfang vom 1. März auf den 1. Januar gelegt.

um 170 v. Chr. Hypsikles

M

Hypsikles gibt in seiner Schrift über Sternaufgänge erstmals außerhalb des babylonischen Kulturkreises die Einteilung des Kreises in 360 Grad, eine allgemeine DeÀnition der Polygonalzahlen und die Summenformel für einige arithmetische Reihen an, die er für astronomische Probleme verwendet.

168 v. Chr. L. Aemilius Paulus

G

Der Feldherr L. Aemilius Paulus ließ in Makedonien für seine durstenden Soldaten einen artesische Brunnen bohren.

165 v. Chr. Erste genauer datierte Beobachtung von SonnenÁecken in China, ab 10.5.28 v. Chr. existieren fortlaufende Aufzeichnungen der Beobachtungen bis 1638.

um 160 v. Chr. Diogenes von Babylon identiÀziert Götter mit Teilen der Welt und soll in Griechenland erstmals die aus Mesopotamien mitgebrachte richtige Reihenfolge der Planeten nach ihrem Abstand von der Erde gelehrt haben. Diese Reihenfolge bleibt in Europa bis zur Renaissance unverändert.

um 159 v. Chr. Krates von Mallos

A

Die chinesischen Astronomen vollenden ihr System, die Mondbewegung in 28 Abschnitte („Häuser“) einzuteilen. Hipparch von Nikaia

G

Krates von Mallos (Kilikien) plädiert für die kugelförmige Darstellung der Erde und vertritt die pythagoreische Theorie der vier Landmassen, die von einem meridionalen und einem äquatorialen Gürtelozean getrennt werden. Er soll den ersten Globus gebaut haben, der in Pergamon aufgestellt war. Das Abbild des Globus wird in Byzanz mit aufgesetztem Kreuz als Reichsapfel zum Symbol der Weltherrschaft.

A

Hipparch von Nikaia konstruiert einen Himmelsglobus. A

Seleukos von Babylon arbeitet die heliozentrische Theorie des Aristarchos weiter aus, erklärt die Gezeiten aus der rotierenden Erdatmosphäre, deren Bewegung durch die Stellung des Mondes bedingt werde und spricht von einem unendlichen Weltall. Marcus Porcius Cato

A

M

Dionysodoros von Amisos löst die Archimedische Aufgabe, die Kugel durch eine Ebene im vorgegebenen Verhältnis zu teilen, durch Schnitt einer Parabel mit einer Hyperbel.

Seleukos von Babylon A

Diogenes von Babylon

um 150 v. Chr. Dionysodoros von Amisos

P

M. Porcius Cato beschreibt die römische Hebelpresse und empÀehlt für den Flaschenzug oben je acht, unten je sechs Rollen C

In China wird in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts v. Chr. erstmals Papier aus Maulbeerbast, Hanf und Lumpen unter Zusatz von Wasser hergestellt. Die Herstellungsmethode wird in den folgenden Jahrhunderten mehrfach verbessert, wobei auch die Ausgangsstoffe variieren. Papier Àndet zuerst Verwendung für Kleidung, Verpackung und persönliche Hygiene, spätestens um die Zeitenwende als Schreibmaterial. Marcus Porcius Cato

C

M. Porcius Cato beschreibt Zusammensetzung und Herstellung des wahrscheinlich schon den Ägyptern und Assyrern bekannten Luftmörtels aus Kalk und Sand und erwähnt Kalkbrennöfen.

150 v. Chr. – 125 v. Chr.

44 B

Der in China lange vor der Zeitrechnung bekannte und als Heilmittel genutzte Tee soll seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. dort auch als Getränk verwendet worden sein. Marcus Porcius Cato

B

M. Porcius Cato beschreibt in De agri cultura die römische Landwirtschaft, deren beginnende Intensivierung und Spezialisierung durch verbesserte EisenpÁüge, Drei-Felder-Wirtschaft, Düngung mit Tierexkrementen u. a., sowie Fragen der römischen Medizin. Polybios

B

Der Historiker Polybios erwähnt in seiner Geschichtsdarstellung das vom Wildkaninchen abstammende Hauskaninchen. Seleukos von Babylon

G

Aus dem vermeintlichen Fehlen von Gezeiten im Indischen Ozean vermutet Seleukos von Babylon eine den Süden abschließende Landmasse, die erste Annahme eines Südpolargebietes.

139 v. Chr. Zhang Qian

G

Vom chinesischen Kaiser Wu Di der HanDynastie wird der General Zhang Qian 139 v. Chr. nach Ili gesandt, um den Beistand der Yuezhi gegen die kriegerischen Xiongnu zu erlangen. Gefangengenommen, Áieht er 10 Jahre später nach Dayuan (Fergana), erreicht um 129 v. Chr. den Staat der Yuezhi am Amu-Darja, bereist Baktrien und kehrt 125 v. Chr. zurück. Durch Zhang Qians Erkundung gelangen zentralasiatische PÁanzen und Tiere nach China sowie erstmals Nachrichten über Länder außerhalb des chinesischen Kulturkreises.

um 134 v. Chr. Hipparch von Nikaia

134 v. Chr. Hipparch von Nikaia

146 v. Chr. Hipparch von Nikaia

A

Hipparch führt von 146 bis 127 v. Chr. astronomische Beobachtungen auf Rhodes durch. Bei den Instrumenten unterteilt er den Vollkreis in 360◦ . Mago von Karthago

B

Nach der Eroberung Karthagos läßt der römische Senat das Werk des Mago von Karthago über Landwirtschaft ins Lateinische übersetzen.

um 140 v. Chr. Hipparch von Nikaia

M

Hipparch baut für astronomische Berechnungen die ebene und sphärische Trigonometrie auf und stellt eine Sehnentafel mit Schrittweite 7,5◦ auf. Agatharchides von Knidos

G

Der griechische Gelehrte Agatharchides von Knidos lebt in Alexandria und schreibt Werke der chorographischen, d. h. länderkundlichen Geographie über Asien, Europa und das „Rote Meer“, d. h. den Indischen Ozean. Er berichtet über die Nutzung des regelmäßig wehenden Monsuns für die Schiffahrt.

A

Hipparch stellt einen Fixsternkatalog des nördlichen und südlichen Sternhimmels mit über 850 Sternen auf, die er durch ihren Ort und ihre Helligkeit charakterisiert. Der Katalog wird von C. Ptolemäus erweitert und korrigiert.

A

Hipparch beobachtet das AuÁeuchten eines „neuen Sterns“ im Sternbild Skorpion.

um 130 v. Chr. Hipparch von Nikaia

A

Hipparch mißt die Mondparallaxe, baut eine Sonnen- und Mondtheorie mit umfangreichen Tafelwerk auf und berechnet einige astronomische Entfernungen, etwa Erde–Mond. Er begründet die wissenschaftliche, auf Beobachtung beruhende Astronomie und leitet mit dem Entscheid für den Geozentrismus die Dominanz dieses Systems ein. Hipparch von Nikaia

A

Hipparch setzt sich mit der Epizykel- und der Exzentertheorie für die Bewegung der Planeten auseinander und versucht, die numerischen Parameter aus Beobachtungen zu bestimmen. Er entdeckt die Präzession der Äquinoktien, schätzt sie auf 36 jährlich, unterscheidet siderisches und tropisches Jahr u. a.

um 125 v. Chr. Hipparch von Nikaia

G

Hipparch fordert, für eine neue Weltkarte nur astronomisch festgelegte Bezugspunkte zu ver-

45

124 v. Chr. – 100 v. Chr.

wenden. Seine von Strabo überlieferte scharfe, teilweise unberechtigte Kritik, insbesondere an Eratosthenes, löst einen Methodenstreit in der antiken römischen Geographie aus. Die als Gemeinschaftswerk angelegte Karte kommt über Vorarbeiten nicht hinaus.

124 v. Chr. W

In der chinesischen Han-Dynastie entstehen Ansätze eines staatlichen Schulwesens mit einer Hochschule in der Hauptstadt und Schulen in den Verwaltungszentren. Ziel ist die Ausbildung von Staatsbeamten.

122 v. Chr. Zhang Qian

G

Die zweite Reise des Gesandten Zhang Qian in diplomatischer Mission führt ihn zu dem im Iligebiet lebenden Turkvolk der Wusun und dauert bis 115 v. Chr. Die Reisen des Zhang Qian. leiteten einen regen Kultur- und Handelsaustausch Zentralasiens mit dem China der Han-Dynastie ein (vgl. 139 v. Chr.).

um 115 v. Chr. Zhang Quian

G

Die Große Seidenstraße geht von Xian aus und führt, zwischen Yumen und Kashgar in Nordund Südzweig geteilt, über Fergana nach Baktrien (Syr- und Amu-Darja-Gebiet) und Vorderasien und weiter nach Europa. Sie ermöglicht, wie der chinesische Gelehrte Zhang Quian berichtet, den regelmäßigen Verkehr zwischen China und westlichen Ländern.

104 v. Chr. Lo Xia Hong

A

Lo Xia Hong berechnet den ab 104 v. Chr. geltenden Kalender und konstruiert eine Himmelskuppel.

um 100 v. Chr. Diokles von Karystos

M

Diokles beschreibt in einem Werk über Brennspiegel die Kissoide und wendet sie zur Würfelverdopplung an. Zugleich löst er die Teilung der Kugel durch eine Ebene im vorgegebenen Verhältnis.

Zenodoros

M

Zenodoros behandelt erste isoperimetrische Probleme und zeigt z. B., bei gegebener OberÁäche ist die Kugel der Körper größten Volumens. Poseidonios

A

Poseidonios erklärt erstmals die Gezeiten durch die Einwirkung von Mond und Sonne und hebt als neue Begriffe Spring- und NippÁut hervor. Poseidonios

A

Poseidonios will auf der Basis umfangreichen Beobachtungsmaterials eine stoische Himmelsphysik begründen und bildet die vorsokratische, frühstoische These, den Kosmos als abgeschlossenen Organismus zu verstehen, konsequent durch. Poseidonios

A

Poseidonios schätzt Entfernung, Geschwindigkeit und Größe der Himmelskörper ab. Er berechnet den Sonnendurchmesser zu 3 Millionen, die Sonnen- bzw. Mondentfernung zu 500 Millionen bzw. 2 Millionen und den Erdumfang zu 240 000 Stadien. Der Erdumfangswert von umgerechnet etwa 35 640 km weist einen Fehler von 11 % auf, erschien aber den Zeitgenossen glaubwürdiger als der vermutlich genauere von Eratosthenes (vgl. 246 v. Chr.). Sima Qian

P

In den historischen Aufzeichnungen von Sima Qian ist erstmals in China eine ausführlichere Beschreibung über eine kardanische Aufhängung enthalten. B

Die Chinesen besitzen vermutlich die genauesten Kenntnisse über den Blutkreislauf beim Menschen vor W. Harvey (vgl. 1628). Sie führen erste Untersuchungen zur Länge der Blutbahn und Dauer eines Umlaufes durch. Demetrios von Apamea

B

Demetrios von Apamea (Bithynien) erwähnt den Diabetes. Krateuas

B

Krateuas verfaßt ein populär gehaltenes, weitverbreitetes Kräuterbuch sowie eine wissenschaftlich-botanische Schrift, die die Bezeichnung, Beschreibung und medizinische Verwendung der PÁanzen in alphabetischer Ordnung angibt.

100 v. Chr. – 70 v. Chr.

46 G

Der chinesische Schiffsverkehr dehnt sich bis zur Ostküste Indiens aus. G

Aus dem China des 1. Jahrhunderts v. Chr. sind Erkundungsbohrungen auf Salz und Erdgas bis zu 60 m Tiefe bekannt. Artemidoros von Ephesos

G

Seine Reisen faßt Artemidoros von Ephesos in den 11 Büchern der Geographumena zusammen, die als Periplus der Mittelmeerküsten angelegt, von Strabo oft zitiert werden Hippalos

G

und Theophrast auf den Unterschied von Ländern und Kontinenten, sondern exakter auf Breitengradunterschiede bezieht und dabei zwischen tropischer und gemäßigter Zone unterscheidet.

um 88 v. Chr. Cassius Dionysius von Utica

B

Cassius Dionysius von Utica übersetzt Mago von Karthagos Abhandlung über die Landwirtschaft ins Griechische und verfaßt ein illustriertes Werk über HeilpÁanzen und Wurzeln.

um 87 v. Chr. Archelaos

C

Der griechische Steuermann Hippalos soll die Gesetzmäßigkeit der regelmäßig wehenden Monsunwinde zwischen der afrikanischen und indischen Küste benutzt und die Hochseeschiffahrt über den offenen Indischen Ozean verbreitet haben.

Archelaos, Feldherr des Mithridates VI. von Pontos, läßt einen hölzernen Belagerungsturm durch Überstreichen mit Alaun feuerfest machen.

Poseidonios

Eine astronomische Kunstuhr wird von Poseidonios in Rom gebaut.

G

Die von Poseidonios verfaßte Meteorologie beeinÁußt maßgeblich seine Nachfolger. Poseidonios

Poseidonios

Serapion von Antiocheia

G

Serapion von Antiocheia katalogisiert die Koordinaten der bedeutendsten Städte, die mutmaßlich in die Einführung in die Geographie des C. Ptolemäus eingegangen sind.

um 90 v. Chr. G

A

um 75 v. Chr.

G

Poseidonios durchdenkt die Umschiffung Afrikas und die Möglichkeit, Indien durch eine Erdumseglung in westlicher Richtung zu erreichen (vgl. 246 v. Chr.)

Poseidonios

um 85 v. Chr.

M

Bei der Zusammenstellung und Kommentierung der Mathematik in neun Bücher in China tritt eine Methode zur Bestimmung höherer Wurzeln auf, deren Grundzüge als Vorstufe zum RufÀniHorner-Verfahren interpretiert werden können.

um 70 v. Chr. Andronikos von Rhodos

W

Andronikos von Rhodos beginnt, erstmals die Werke von Aristoteles und Theophrast in Latein herauszugeben, und kommentiert einzelne Schriften.

In seiner geographischen Schrift Über den Ozean unternimmt Poseidonios den Versuch einer Darstellung der Erdgeschichte, in der er z. B. die Entstehung von Inseln und Meeresarmen auf vulkanisch verursachte Hebungen und Senkungen zurückführt. Poseidonios beobachtet Erdbeben und Vulkanausbrüche.

Geminos bemüht sich in einem mathematischen Lehrbuch um eine verbesserte DeÀnition der Grundbegriffe und gibt eine Einteilung der Mathematik in mehrere, auch angewandte Teilgebiete.

Poseidonios

Geminos

G

In seiner Schrift über den Ozean konzipiert Poseidonios eine neue Menschen-, Tier- und PÁanzengeographie, indem er sich nicht wie Hippokrates

Geminos

M

A • M Ein elementares Lehrbuch von Geminos enthält wichtige antike Lehren zur Astronomie, meist vom Standpunkt Hipparchs erklärt.

47

70 v. Chr. – 37 v. Chr.

Asklepiades von Prusa

B

Kleopatra VII.

C

Asklepiades von Prusa führt atomistische Ideen in die Medizin ein, auf deren Basis er die Solidarpathologie begründet, und entwickelt verschiedene neue Therapieformen.

Die ägyptische Königin Kleopatra VII. soll sich mit Chemie beschäftigt und einen Destillationsapparat beschrieben haben.

um 60 v. Chr.

Die Eroberungen der Römer fördern die Entdeckung und kulturelle Erschließung Mittel-, West- und Südeuropas.

Apollonios von Kition

B

Apollonios von Kition verfaßt einen für die Kenntnis der antiken Chirurgie wertvollen Kommentar zur Schrift des Hippokrates über die Gelenke und beschreibt Behandlungsmethoden bei verschiedenen Verrenkungen.

58 v. Chr. Gaius Iulius Caesar

G

G

G

Ein lebhafter Kultur- und Handelsaustausch wird vor allem über die Seidenstraße zwischen dem Chinesischen und Römischen Reich abgewickelt.

46 v. Chr. Gaius Iulius Caesar

A

Während des gallischen Krieges bis 50 v. Chr. erobert Gaius Iulius Caesar Gallien, zieht zweimal über den Rhein und setzt ebensooft nach Britannien über. Mit dem Werk De bello Gallico berichtigt er Aussagen des Pytheas (vgl. 330 v. Chr.) über Britannien und beschreibt aus eigener Anschauung seine Bewohner.

Gaius Iulius Caesar reformiert nach Berechnungen des alexandrinischen Astronomen Sosigenes den römischen Kalender. Der neue Julianische Kalender basiert auf dem Sonnenjahr zu 365 1/4 Tagen und legt jedes vierte Jahr einen Schalttag ein.

um 55 v. Chr.

um 44 v. Chr.

Lukrez

P

Lukrez vermittelt im Lehrgedicht Über die Natur der Dinge, lat. De rerum natura, die Atomlehre von Demokrit und Epikur anschaulich-rational. Das philosophische Gedicht widerspiegelt den Höhepunkt des römischen naturwissenschaftlichen Denkens und wird vermutlich von Cicero aus dem Nachlaß vollendet. Lukrez

P

Für Lukrez ist der Kosmos ein unendlicher, unbegrenzter Raum, erfüllt von unendlichen Mengen bewegter, unvergänglicher Materie. Die Atome sind farblos. Farben entstehen unter Lichteinwirkung. Lukrez deutet Einsichten in Richtung der Selektionstheorie an.

52 v. Chr. Geng Shouchang

A

Geng Shouchang führt den ersten fest montierten Äquatorialring, d. h. einen Äquator, in die Armillarsphären ein.

G

Der Geograph Strabo von Amaseia unternimmt ab 44 v. Chr. mehrere große Reisen nach Kleinasien, Griechenland, Italien und Ägypten.

um 43 v. Chr. Marcus Terentius Varro

A

M. Terentius Varro berechnet die Gründung Roms auf das dritte Jahr der 6. Olympiade, d. i. 754/753 v. Chr., und führt die nach ihm benannte Zeitrechnung, varronische Ära, ein.

um 40 v. Chr. W • M M. Terentius Varro schreibt mehrere Bücher auf die unser heutiges Wissen über das antike Rom zurückgeht, dabei u. a. auch über Anwendung von Geometrie und Arithmetik. In den Ausführungen zur Geometrie spricht er von einer eiförmigen Gestalt der Erde. Marcus Terentius Varro

37 v. Chr.

um 50 v. Chr. Andronikos von Kyrrhestes

Strabo von Amaseia

A

Andronikos von Kyrrhestes baut in Athen eine Wasseruhr, die mit einer Sonnenuhr kombiniert ist.

Marcus Terentius Varro

B

M. Terentius Varro vermittelt in seinen Schriften über die Landwirtschaft umfangreiche Kenntnisse über PÁanzenphysiologie und Tierheilkunde.

34 v. Chr. – 10 v. Chr.

48

34/33 v. Chr. Marcus Terentius Varro

Juba II. von Mauretanien W

M. Terentius Varro klassiÀziert und interpretiert in einer Enzyklopädie die für die Erziehung eines freien Römers nötigen Fächer, die Artes liberales.

um 30 v. Chr. C

In Ägypten wird Messing erzeugt und dann von den Römern intensiv genutzt, u. a. für Münzprägungen. Das Auftreten von Messing in früherer Zeit, so im 8. Jahrhundert v. Chr. in Phrygien, im 5./6. Jahrhundert v. Chr. bei den Etruskern und in Kleinasien wird als zufälliges, nicht als bewußtes Herstellen dieser Legierung interpretiert.

28 v. Chr. Liu Xiang

Vitruv

G

Die Entstehung von Thermalquellen wird von Vitruv durch Einwirkung eines unterirdischen Feuerherdes erklärt, den nach seiner Meinung auch die kalten Quellen durchlaufen haben müßten, um dann in weiten Höhlen abgekühlt, durch eingepreßte Luft an der ErdoberÁäche auszutreten.

um 15 v. Chr. Yang Xiong

A

Mit Liu Xiang beginnt das Registrieren der SonnenÁecken. Er gibt wenig später eine richtige Erklärung der SonnenÀnsternis.

P

Erstmalige Erwähnung eines Riementriebes zur Kraftübertragung in China durch Yang Xiong.

13 v. Chr. Marcus Vipsanius Agrippa

um 25 v. Chr. A

Die Römer kennen tragbare Sonnenuhren. Vitruv

P

Vitruv faßt in seinem Werk De architectura griechisches Wissen zusammen und behandelt außer Architektur Wasserleitungs-, Uhren-, Geschützund Maschinenbau sowie Naturwissenschaften. Vitruv

P

Vitruv kennt die Dichte des Quecksilbers und das Gesetz der kommunizierenden Röhren. Vitruv

P

Vitruv erklärt Töne durch Luftbewegungen, wobei der Schall sich in konzentrischen Kreisen mit horizontaler und vertikaler Richtung fortpÁanzen würde. Er befaßt sich erstmalig mit architektonischer Akustik. Vitruv

C

Vitruv beschreibt das Goldamalgam sowie die Herstellung von hydraulischem Mörtel. Vitruv

B

Vitruv erwähnt die durch Dämpfe verursachte Bleivergiftung bei Bleihüttenarbeitern.

G

Der von Rom eingesetzte König Juba II. von Mauretanien fördert die Verbreitung der hellenistischen Kultur in Afrika, besitzt Kenntnis über den Niger und läßt die Kanarischen Inseln erkunden, die wahrscheinlich schon den Phönikiern bekannt waren und deren Zahl Juba mit fünf angibt.

G

Die unter Gaius Iulius Caesar geplante Vermessung des Römischen Reiches wird als Straßenund Wegemessung von Kaiser Augustus veranlaßt und unter der Leitung von Marcus Vipsanius Agrippa ausgeführt. Das Ergebnis, eine Straßenkarte der damals bekannten Erde, das Vorbild der Peutingerischen Tafel, wird öffentlich ausgestellt.

um 10 v. Chr. Kleomedes

A

Kleomedes schreibt ein astronomisches Schulbuch, das auf den Lehren des Poseidonios beruht, beweist die Kugelgestalt der Erde, erklärt die Mondphasen und -Ànsternisse u. a. Liu Xiang

A

Liu Xiang gibt eine genaue Beschreibung der Mondbewegung, auch wie sich die Hauptachse der Mondbahn verlagert. Diodoros von Agyrion

G

Phönikische Seeleute wollen, vom Sturm abgetrieben weit im Westen von Afrika eine fruchtbare, waldreiche Insel gefunden haben, wie der Historiker Diodoros von Agyrion (Sizilien) berichtet. Diese Entdeckung wird vereinzelt als eine der karibischen Inseln gedeutet.

49

4 v. Chr. – 20

um 4 v. Chr.

Strabo G

Eine römische Flotte erreicht die Küste von Südskandinavien.

um 1 C

Am Anfang des 1. Jahrhunderts ist in Indien die Herstellung zahlreicher chemischer Stoffe bekannt. Sie werden teilweise medizinisch genutzt, wie z. B. Salpeter, Schwefel, Arsen, Essig, Alkalien und Vitriol. B

In China bilden Salpeter und Schwefel die Ausgangskomponenten medizinischer Arzneimittel in Pulverform. B

Indische Ärzte führen Anfang des 1. Jahrhunderts Staroperationen durch, bei denen sie die Pupille entfernen. Ovid

G

Ovid spricht in seinen Metamorphosen von einer Veränderung der Lage von Land und Meer und verweist dazu auf die fern des Meeres zu Àndenden Muscheln. Er spricht von der Gestaltung des Reliefs durch das Áießende Wasser und deutet (lokale) klimatische Veränderungen an.

5 Liu Xin

M

Erster schriftlicher Nachweis einer Maßangabe als Dezimalbruch durch Liu Xin. Das Maßsystem ist schon mehrere Jahrhunderte in Gebrauch.

um 10 Strabo

G

Strabo fertigt eine teilweise überarbeitete Fassung seiner um 7 v. Chr. niedergeschriebenen Geographica an, die er um 18 abschließt und die er später auf 17 Bücher erweitert. Das hauptsächlich länderkundlich und ethnographisch orientierte Werk beruht mehr auf schriftlichen Quellen als auf eigenen Beschreibungen (vgl. 44 v. Chr.). Es ist vom Strabonischen Gedanken des EinÁusses der Landeskultur auf den Menschen beherrscht und eine der wichtigsten Quellen zur antiken Geographie, behandelt aber u. a. auch eine Reihe von Problemen der physischen Geographie, so Vulkanismus, Erdbeben, Gebirgsbildung und Fossilien.

G

Strabo behauptet, daß manche Inseln des Mittelmeeres Teile von Italien gewesen waren, bevor sie durch Erdbeben abgerissen wurden, während andere (darunter Sizilien) vulkanischen Ursprungs sind. Strabo

G

Ausgehend u. a. von Beobachtungen zum Versickern und Wiederaustreten von Flüssen im vorderasiatischen Karstgebirge, nimmt Strabo (wie zuerst wohl Platon) ein unterirdisches Stromsystem an. Die Bedeutung des Niederschlages für die Speisung der Flüsse ist ihm durchaus bewußt; deren Ursprung sieht er allerdings letztlich im Erdinneren. Strabo

G

Strabo spricht von lokalen und großräumigen Senkungen des Landes und spielt auf Hebungen des Meeresbodens an, welche ÜberÁutungen des Landes zur Folge haben. Er beschreibt auch die Ablagerung von Schlamm durch Flüsse, wodurch alluviale Ebenen und Deltas entstehen. Strabo

G

Ausgehend von der lange schon geäußerten Feststellung, daß im Landesinneren gelegene Salzlager, Meeresmuscheln und andere marine Ablagerungen auf eine ehemalige Meeresbedeckung verweisen, sagt Strabo, daß Ägypten – und überhaupt der größere Teil der Ökumene – einst unter dem Wasser gelegen hat. Strabo

G

Strabo vermerkt, daß die Vulkane gewissermaßen Sicherheitsventile darstellen, durch die die im Erdinneren enthaltenen feurigen Winde entweichen können, womit jene die ErdoberÁäche vor ansonsten stattÀndenden Erdbeben schützen. Im erdinneren Feuer sieht er auch die Ursache für die Gebirgsbildung.

um 20 Aulus Cornelius Celsus

B

In einem enzyklopädischen Werk von 20 Büchern beschreibt Aulus Cornelius Celsus, vorwiegend griechische Quellen benutzend, u. a. den Entwicklungsstand der Medizin am Beispiel chirurgischer Operationen, der Systematisierung von Hautkrankheiten, der Augenheilkunde und der Zahnheilkunde.

30 – 62

50

um 30 Philon von Alexandria

Lucilius G

Philon von Alexandria sieht in der Kraft des im Erdinneren eingeschlossenen Feuers die Ursache für die Hebung der Berge, welches zugleich den Zusammenhalt der Berge und deren Festigkeit sichert. Er spricht sich gegen deren Erosion durch Regen aus.

um 44 Pomponius Mela

G

Pomponius Mela nennt, an stoisches Gedankengut anknüpfend, drei mögliche Ursachen der Gezeiten: 1) ein Atmen des Universums, entsprechend einem Lebewesen; 2) höhlenartige Vertiefungen, in welche das Wasser abÁießt und wieder herausquillt; 3) den Mond. Ähnlich diskutiert um 360 Basilius Caesariensis die Ursachen der Gezeiten.

um 47 B • C Scribonius Largus publiziert eine Sammlung medizinischer Vorschriften meist volkstümlichen und magischen Ursprungs und gibt den frühesten Hinweis auf die Verwendung von Opium. Er nennt über 300 meist pÁanzliche Drogen. Scribonius Largus

um 50 Kleomedes

P

Der griechische Astronom Kleomedes beobachtet und beschreibt die Brechung der Lichtstrahlen, insbesondere die Erscheinung der Refraktion. Rhemnius Fannius Palaemon

P

Die Bestimmung des sog. Volumengewichts (speziÀschen Gewichts) mit Hilfe einer Waage bzw. mit Aräometer oder Baryllion bei Flüssigkeiten wird von dem Römer Rhemnius Fannius Palaemon mitgeteilt. Athenaios von Attalia

B

Athenaios von Attalia begründet die pneumatische Ärzteschule und lehrt, daß die Beschaffenheit des Pneumas und die Mischung der vier Elemente im Körper Gesundheit und Krankheit bestimmen. Er propagiert hygienische Maßnahmen wie die Filtration des Trinkwassers und gesundes Wohnen.

G

Das sehr wahrscheinlich zur Zeit Neros (also zwischen 37–68) entstandene, heute teilweise dem Lucilius, einem Freund Senecas, zugeschriebene Gedicht Aetna stellt erstmals ausführlich die antike Vulkanologie dar und beschreibt umfassend vulkanische Phänomene. Lucilius

G

Lucilius führt die Vulkane, wie vor ihm vor allem Poseidonios (vgl. 97 v. Chr.), auf große unterirdische Lager von Schwefel, Alaun und Erdpech zurück. Die im Erdinneren eingeschlossenen Winde erhitzen sich durch Reibung und erzeugen Wasserdampf; diese Gase fachen das erdinnere Feuer an, welches sich schließlich in den selbst geschaffenen Kratern einen Ausweg sucht.

54 Nero

G

Eine von Nero ausgesandte Nil-Expedition gelangt auf dem Weißen Nil bis an die PapyrusSümpfe und beobachtet Neger-Stämme.

um 60 Lucius Junius Moderatus Columella

B

Lucius Junius Moderatus Columella verfaßt ein Werk in zwölf Büchern über Landwirtschaft, in dem er das Wissen seiner Zeit zusammenfaßt und u. a. auch die Veterinärmedizin der Nutztiere behandelt.

um 62 W • G Lucius Annaeus Seneca d. J. verfaßt bis 65 eine naturgeschichtliche Enzyklopädie Naturales questiones, in der vor allem meteorologische Probleme sowie physikalische Fragen aus atomistischer Sicht und Fragen der Geographie, Geologie u. ä. basierend auf antiken Quellen behandelt werden. Sie ist eine der wesentlichen Quellen geowissenschaftlicher Kenntnisse im Mittelalter. Lucius Annaeus Seneca d. J.

Heron von Alexandria

P

In der von Heron von Alexandria gegründeten Schule für Mechaniker und Feldmesser soll nach Pappos auch „Physik“ in Sinne einer theoretischen Unterweisung gelehrt worden sein. Heron von Alexandria

P

In seinem Buch Pneumatika beschreibt Heron seine ErÀndungen. Er konstruiert u. a. Entfernungszähler für Wagen und Schiffe mit Zahn-

51

62 – 70

radübertragung, eine Wasseruhr mit Wasserstandmechanismus, viele Automaten mit Luft-, Wasser- und Dampfdruckantrieb, die besonders bei Kulthandlungen Verwendung Ànden. Heron von Alexandria

P

Heron beschreibt den Bau der Hebewinde, deren Wirkung er mathematisch aus dem Hebelgesetz ableitet, und die Theorie der einfachen Maschinen Hebel, Keil, Flaschenzug und Schraube. Heron von Alexandria

P

Heron beschreibt ein Thermoskop zur Temperaturmessung mit Wassersäule. Heron von Alexandria

P

Mit Ausdehnung, Undurchdringlichkeit, Porosität und Teilbarkeit kennt Heron vier physikalische Grundeigenschaften der Körper und greift deren Untersuchung wieder auf. Er unternimmt Schwerpunktbestimmungen, stellt hygroskopische Beobachtungen an und studiert die Elastizität. Heron von Alexandria

Lucius Annaeus Seneca d. J.

G

Lucius Annaeus Seneca d. J. führt die Bildung der Metalle und der Mineralien auf unterschiedliche Flüssigkeiten (Dämpfe, Wässer) in der Erde zurück, welche aus dem Erdinneren aufsteigen und dabei die Metalle und Mineralien ablagern, Erden und Gesteine bilden und schließlich in den Flüssen abÁießen.

um 63 P

Die Brennwirkung und Bildvergrößerung von wassergefüllten Glaskugeln ist den Römern bekannt.

um 64 P. Dioskurides

G

Lucius Annaeus Seneca d. J. analysiert die Erdbeben, ihre Dauer und Wirkungen, unterscheidet Auf- und Abbewegungen, schwingende (d. h. periodische) und vibrierende Bewegungen und differenziert bei den Ursachen zwischen Einsturzbeben (infolge von Aushöhlungen des Erdinneren, die Einstürze und Erschütterungen zur Folge haben) sowie Erdbeben. Letztere sind durch die sich im Erdinneren entwickelnden Gase und Dämpfe bedingt, die sich einen Ausweg zur OberÁäche suchen. Er nennt Geräusche in der Erde, ängstliches Verhalten der Vögel u. a. als Vorzeichen für Erdbeben und spricht von lokal beschränkten Beben und Erdbebenherden.

B

P. Dioskurides beschreibt die Anästhesie der Wundbehandlung mit Hilfe eines alkoholischen Extraktes der Mandragorawurzel.

G

Lucius Annaeus Seneca d. J. erklärt, daß Quellen und Flüsse nicht allein durch den Regen gespeist werden, sondern, wie dies schon Aristoteles gesagt hat, wesentlich auch durch eine Art Umwandlungsprozeß, vor allem von (verdichteter) Luft in Wasser, aber auch von Erde in Wasser. Lucius Annaeus Seneca d. J.

G

Nach Lucius Annaeus Seneca d. J. werden durch die Winde, die durch die Erde blasen und brennbare Materialien durch Reibung erhitzen, Feuer und Vulkane erzeugt. Vulkane betrachtet er als Kanäle, die dauernd oder periodisch eine Verbindung zwischen einem unterirdischen Glutherd und der ErdoberÁäche unterhalten.

P

Von einer Katoptrik des Heron ist lediglich eine Fassung des Grundgesetzes der LichtreÁexion mit Gleichheit der Ein- und Ausfallswinkel sowie die Eigenschaft der Lichtstrahlen, den kürzesten Weg zu wählen, erhalten. Lucius Annaeus Seneca d. J.

Lucius Annaeus Seneca d. J.

um 66 Plinius d. Ä.

P

Nach Plinius d. Ä. hat der Kaiser Nero einen geschliffenen Smaragd als Einglas verwandt. Es handelt sich um den ersten historischen Beleg für eine Sehhilfe.

um 70 Heron von Alexandria

M

Heron schreibt ein Buch über Flächen- und Voluminaberechnungen, kennt mehrere Näherungsformeln dafür und Approximationen für Quadratund Kubikwurzeln. Ein Beispiel läßt Einsichten in die Auflösung quadratischer Gleichungen vermuten. Heron von Alexandria

M

Heron stellt einige theoretische Überlegungen zur Feldmeßkunst an, beschreibt in dem Werk Dioptra ein gleichnamiges Feldmeßinstrument, ein Vorläufer des Theodoliten, und gibt die sog. Heronische Dreiecksformel an.

70 – 97

52

Heron von Alexandria

M

Heron kennt ein geometrisches Instrument, ein Vorläufer des Storchschnabels (Pantograph), das Ähnlichkeitstransformationen von Figuren ausführt. P. Dioskurides

C

P. Dioskurides beschreibt zahlreiche Substanzen und chemische Verbindungen wie Pottasche, Soda, Ätzkalk, Indigo, Schwefelantimon, Quecksilber usw., vor allem im Hinblick auf ihre pharmazeutischen Anwendungen, sowie Verfahren zu ihrer Darstellung. P. Dioskurides

B

P. Dioskurides schreibt eine Enzyklopädie De materia medica, die das griechische Wissen über zahlreiche Arzneimittel zusammenfaßt und lange als Standardwerk gilt. Er beschreibt und erklärt die medizinischen Eigenschaften von etwa 600 PÁanzen. Xenokrates von Aphrodisias

G

Xenokrates von Aphrodisias verfaßt eines der bedeutendsten Steinbücher der Antike, das Lithognomon, das neben dem Werk des Theophrast eine der wichtigsten Quellen des Plinius d. Ä. bildet.

um 77 Plinius d. Ä.

P

Der römische Gelehrte Plinius d. Ä. behandelt in seiner vielfach ältere Schriften kompilierenden, 37bändigen Naturalis historia zunächst Physik und Astronomie, dann Geographie und Ethnographie, ferner Biologie, Pharmazie, Mineralogie und Kunstgeschichte. Das Werk ist im hohem Maße der Naturbeobachtung verpÁichtet. Plinius d. Ä.

P

In seiner Naturkunde vermerkt Plinius d. Ä., daß die Geschwindigkeit des Lichts über der des Schalls liegt und betrachtet den Erdkörpers als Sphäroid. Plinius d. Ä.

C

Plinius d. Ä. beschreibt ein Verfahren zur Gewinnung von Gold aus goldhaltigem Material durch Amalgamation und anschließender Destillation des Quecksilbers. Plinius d. Ä.

C

Plinius d. Ä. unterscheidet weiche und harte Seifen. Er erwähnt das Schwefeln der Weinfässer zur Konservierung und Verbesserung des Weins.

Plinius d. Ä.

B

Plinius d. Ä. teilt in seiner Naturalis historia das Tierreich in Land-, Wasser- und Flugtiere ein. Ausschließlich aus Sekundärquellen schöpfend, handelt er zahlreiche Fabeltiere als real existierend ab. Plinius d. Ä.

G

Plinius d. Ä. erklärt Bernstein – im Hinblick auf die darin oft eingeschlossenen Tier- und PÁanzenreste – als erhärtetes Harz von Bäumen, die an der Nordküste Deutschlands wachsen. Plinius d. Ä.

G

Plinius d. Ä. gibt eine teleologische Erklärung der Gebirgsbildung. Außerdem führt er einige neue Begriffe für Gesteine ein, so „Syenites“ (ägytischer Granit von Syene), „Porphyrites“, „Ophites“ (Serpentin oder zersetzte ähnliche Grünsteine), „Basaltes“ und „Obsidianus“. Da eine genauere Beschreibung der Gesteine in der Regel fehlt, sind Vergleiche mit gleichnamigen heutigen Gesteinen nur bedingt möglich. Bei Mineralien nennt er vereinzelt die Kristallform als Charakteristikum.

84 Fu An, Jia Kui

A

Fu An und Jia Kui ergänzen die Armillarsphäre durch einen zweiten festen Ring für die Ekliptik.

85 Jia Kui

A

Jia Kui führt eine Kalenderreform in China durch.

86 Julius Maternus

G

Julius Maternus erreicht mit einer römischen Militärexpedition das Tschadgebiet.

89 Jia Kui

A

Jia Kui gibt die Schiefe der Ekliptik mit 24◦ an, nachdem er im Jahre 85 erstmals die Position des Punktes der Wintersonnenwende bestimmt hatte.

um 97 Sextus Iulius Frontinus

P

Sextus Iulius Frontinus stellt in seinem Werk über die Wasserleitungen Roms fest, daß die Menge des aus einem Gefäß ausÁießenden Wassers abhängig ist von der Öffnungsgröße und der Wasserspiegelhöhe im Gefäß.

53

98 – 120

um 98 Menelaos

M

Menelaos behandelt in der Sphaerica wichtige Sätze der sphärischen Trigonometrie, u. a. den Satz von Menelaos (Transversalensatz). Es ist der erste Ansatz zur Trennung der Trigonometrie von Stereometrie und Astronomie.

um 100 M

Die auf langer Tradition basierende, erste überlieferte chinesische Abhandlung zur Mathematik erhält ihre endgültige Form unter dem Titel Mathematik in neun Büchern. Es ist eine Sammlung von 256 Problemen und deren Lösung. Erstmals treten negative Zahlen und Dezimalbrüche auf. Balbus

Rufus von Ephesos

M

Der Neupythagoreer Nikomachos schreibt das erste erhaltene Buch, das die Arithmetik als eigenständiges Gebiet betrachtet. Er untersucht Eigenschaften von Zahlen und gibt eine Theorie der Polygonalzahlen. Das Buch und die Bearbeitung durch A. M. S. Boethius haben im Mittelalter großen EinÁuß und sind neben Euklid die Quelle, aus der mittelalterliche Autoren schöpfen. Ein weiteres Buch behandelt Probleme der Akustik aus pythagoreischer Sicht. C

Im griechisch-römischen Kulturkreis ist die praktische Gewinnung der Metalle Gold, Silber, Kupfer, Eisen, Blei und Zinn aus den Erzen bekannt.

Dioskoros

G

Dioskoros, ein griechischer Seefahrer, wird an die ostafrikanische Küste verschlagen.

105 Cai Lun

C

Der Chinese Cai Lun verfaßt einen Bericht über das Verfahren der Papierherstellung aus Maulbeerbast und Hanffasern oder Lumpen.

um 110 Marinos von Tyros

Die Chinesen sollen pulverisierte getrocknete Wucherblumen (Chrysanthemum) als Insektizid entdeckt und angewandt haben. B

Archigenes von Apamea verfaßt eine Pulslehre, die Grundlage der Pulslehre Galens wird. Caraka

B

In Indien belegen zahlreiche medizinische Schriften, die sich z. T. auf Su´sruta und Atreya beziehen, die Kenntnis der Drogengewinnung aus

G

Marinos von Tyros entwickelt eine mathematische Theorie über das Netz der Meridiane mit dem Nullmeridian bei den Kanarischen Inseln und der Breitenkreise sowie deren Abbildung durch eine Zylinderprojektion. Auf dieser Grundlage stellt er eine Gradnetzkarte her, die römische Entdeckungen berücksichtigt und auf einen Erdumfang von 180 000 Stadien beruht.

um 120 Theon von Smyrna

B

Archigenes von Apamea

B

Rufus von Ephesos verfaßt Anfang des 2. Jahrhunderts eines der ältesten Lehrbücher der Anatomie und weitere medizinische Abhandlungen. Er unterscheidet zwischen empÀndenden und bewegenden Nerven, erkennt den Zusammenhang zwischen Puls und Herzschlag und versucht erstmals, die Pathologie auf Anatomie und Physiologie zu gründen.

M

Der Agrimensor Balbus schreibt ein geometrisches Handbuch für Landvermesser, das auf Heron oder analogen Quellen basiert. Nikomachos

PÁanzen, der Embryonalentwicklung des Menschen und des Unterschiedes zwischen Wirbellosen und Wirbeltieren. Insbesondere faßt Caraka die vermutlich in der Schule des Atreya gesammelten Kenntnisse neu zusammen.

M

Theon von Smyrna stellt das nötige mathematische Grundwissen als Voraussetzung für das Studium der Philosophie zusammen und entwickelt eine von Nikomachos unabhängige, an den Pythagoreern orientierte Arithmetik. Zhang Heng

A

Zhang Heng gibt eine richtige Erklärung für Sonnen- und MondÀnsternis und spricht von etwa 14 020 Sternen, die EinÁuß auf das menschliche Schicksal haben. Sein Sternkatalog umfaßt 124 Sternzeichen und hat vermutlich weniger als 1 000 Sterne verzeichnet.

120 – 145

54

120 Theon von Smyrna

um 132 A

Im astronomischen Teil seines Handbuchs beschreibt Theon von Smyrna mehrere Planetenmodelle, die Epizyklen- und Exzentertheorie sowie mehrere astronomische Probleme. Seine Werke sind eine wichtige Quelle zur vorsokratischen Astronomie.

Zhang Heng P

In China wird die „Laterna magica“ erfunden, die die Projektion bewegter Bilder gestattet.

124

um 140 C. Ptolemäus

A

C. Ptolemäus kennt Armillarsphäre, Mauerquadrant, Astrolab und Triquetrum als astronomische Beobachtungsinstrumente. Letzteres soll er erfunden, andere verbessert haben.

um 143

125 A

Zhang Heng vervollständigt die Armillarsphäre durch Ringe für den Meridian und den Horizont.

127 Theon von Smyrna

G

Der Astronom Zhang Heng konstruiert den ersten Seismographen der Welt. Es handelt sich um einen Bronzekessel mit einem Pendelmechanismus im Inneren, mit dem sich sowohl der Zeitpunkt als auch die ungefähre Richtung des Erdbebens bestimmen lassen.

G

Der griechische Dichter Dionysios der Periheget verfaßt eine Erdbeschreibung in Hexametern in Form einer Periegese, die historischen, ethnographischen und veralteten geographischen Stoff enthält. Das Gedicht wird lateinisch bearbeitet und ist im Mittelalter Schulbuch.

Zhang Heng

A

Zhang Heng baut zwei durch einen Wasseruhrmechanismus rotierende Armillarsphären, die eine genaue Veranschaulichung der Sternbewegung geben. Ein Modell diente für Beobachtungszwecke, das andere zur Demonstration und für Berechnungen.

132

121

Dionysios der Periheget

Zhang Heng

A

Theon von Smyrna führt bis zum Jahre 132 Beobachtungen von Merkur und Venus durch, die C. Ptolemäus im Almagest verwendet.

C. Ptolemäus

M

C. Ptolemäus, gleich bedeutend als Astronom, Mathematiker und Geograph, stellt wichtige Sätze der ebenen und sphärischen Trigonometrie, darunter seinen Sehnensatz, als Teil des Almagest zusammen. Er errechnet eine Sehnentafel mit einer Schrittweite von 0,5 Grad und verwendet die Sexagesimalteilung. Aus der lateinischen Übersetzung der Untereinteilungen werden die Einheiten Minute und Sekunde abgeleitet.

um 145 um 130 Ma Xu

C. Ptolemäus A

Ma Xu verfaßt einen Sternkatalog mit fast 800 Sternen.

130 Marinos der Anatom

B

Marinos der Anatom entdeckt die Darmdrüsen, die Gaumen- und die Stimmnerven und schreibt eine sich auf eigene Beobachtungen stützende Anatomie.

A

C. Ptolemäus verfaßt den Almagest, das das wichtigste Werk und zugleich einen Abschluß der antiken Astronomie darstellt, die Etablierung der Astronomie als mathematische Theorie vollendet und über ein Jahrtausend die Wissenschaft beherrscht. C. Ptolemäus

A

C. Ptolemäus ergänzt im Almagest den Sternkatalog des Hipparch auf 1 028 Sterne. Dies ist die genaueste Beschreibung des Himmels bis ins Mittelalter. Er entdeckt die Evektion, die größte

55

145 – 180

der Störungen der Mondbahn, und versucht deren Berechnung. C. Ptolemäus

P

C. Ptolemäus faßt griechisches Wissen in seiner in lateinischer und arabischer Übersetzung erhaltenen Optik zusammen und behandelt Perspektive, Spiegel sowie Refraktion des Sternenlichts theoretisch und mißt die Einfallswinkel des Lichts für die Medien Luft-Wasser, Wasser-Glas und Luft-Glas.

149/150 A

Durch die Übersetzung griechischer astrologischer Texte in Sanskritprosa gelangen weitere Kenntnisse der griechischen und babylonischen Astronomie nach Indien.

A

C. Ptolemäus faßt im Tetrabiblos die babylonische Planeten- mit der ägyptische Fixsternastrologie zum Standardwerk der Sterndeutung zusammen.

um 162 Galen

Der Grammatiker Herodianos beschreibt das attische Zahlsystem, das bis etwa 95 v. Chr. in Gebrauch war und heute nach ihm benannt wird.

Liu Hong

A

Erstmals in China mißt Liu Hong die Schiefe der Ekliptik. C

um 152 A

C. Ptolemäus verbessert die im Almagest ausgearbeitete Theorie des Planetensystems, die Beobachtungsmaterial, Methoden und Prinzipien des Hipparch mit eigenen Beobachtungen und Ideen vereinigt. Er bildet das geozentrische Weltbild mathematisch so durch, daß die Vorhersage von Planetenpositionen für längere Zeit möglich wird.

152 C. Ptolemäus

B

Galen führt viele Tiersektionen durch und zeigt, daß die Arterien entgegen früheren Auffassungen nicht Luft, sondern Blut leiten. In Rom trägt er öffentlich über Bau und Leistung des Organismus vor, ergänzt durch entsprechende Tierexperimente.

178 M

C. Ptolemäus

B

Galen vereinheitlicht und systematisiert in einem umfangreichen Schrifttum ab 162 das anatomische und medizinische Wissen und Elemente der medizinischen Praxis seiner Zeit. Die Physiologie bereichert er durch die Vereinigung der Hippokratischen Vier-Säfte-Lehre mit der Lehre des Aristoteles von den Elementen und deren Primärqualitäten. Die Autorität Galens ist bis in das ausgehende Mittelalter weitgehend unbestritten.

150 Herodianos

M

L. Apuleius fertigt in Karthago die erste Übersetzung der Arithmetik des Nikomachos ins Lateinische an.

Galen

um 150 C. Ptolemäus

um 160 L. Apuleius

G

C. Ptolemäus gibt eine Theorie des Kartenzeichnens. Astronomisch gestützte Ortsbestimmungen werden in einer mathematisch bestimmten Projektion umgesetzt. Die ihm zugeschriebene konische Projektion ist wohl eine spätere Zufügung. Er erwähnt 8 000 Orte.

Der militärische Einsatz von reizenden Gasen, die durch Verbrennen pÁanzlicher und mineralischer Stoffe erzeugt werden, wird erstmals in China vermerkt.

um 180 B

In Alexandria entsteht am Ende des 2. Jahrhunderts unter dem Titel Physiologus ein Buch der Naturgeschichte, das in griechischer Sprache eine Sammlung von Geschichten mit christlichsymbolischen Tierbeschreibungen enthält. Pausanias

G

Pausanias verfaßt eine Landeskunde Griechenlands als Periegese von Hellas, die geographisches, historisches, mythologisches und kunstgeschichtliches Wissen vermittelt.

180 – 210

56

180 Liu Hong

A

Liu Hong erkennt die Differenz zwischen siderischem und tropischem Jahr, was für Kalenderreformen von Bedeutung ist und zur Präzession der Äquinoktien führt.

185 A

Chinesische Sternlisten verzeichnen für Oktober 185 einen „neuen“ Stern im Sternbild Centaurus, der bis Juli 186 sichtbar bleibt. Vermutlich ist es ein Komet, der bereits 134 v. Chr. registriert wurde.

um 189 Ding Huang

B

In China sind Mangelerscheinungen durch falsche Ernährung als Ursache zahlreicher Krankheiten bekannt. Tertullian

P

In China entdeckt Ding Huang die Kardanaufhängung wieder, die für Lampen und Parfümgefäße verwendet wird.

um 190 Xu Yue

C • B Der Papyrus Holmiensis aus dem 3. Jahrhundert übermittelt eine Anweisung zur Herstellung des blauen Indigofarbstoffes aus den Blättern des Indigostrauches, der ursprünglich in Indien beheimatet ist. Das Färben mit Indigo ist bereits seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. bekannt. Die vermutlich ebenfalls aus dem 3. Jahrhundert stammenden Leydener und Stockholmer Papyri enthalten überlieferte chemische und alchemistische Rezepturen der Ägypter zur Fälschung und Imitation von Edelmetallen und Edelsteinen.

M

Xu Yue soll die Darstellungen großer Zahlen im Zahlsystem angegeben haben, die auf drei unterschiedlichen Reihen von Zehnerpotenzen bis zu 1044 basieren. Die Existenz von Xu Yue ist umstritten und ist vermutlich ein Pseudonym von Zhen Luan (vgl. 570).

G

Der Kirchenschriftsteller Tertullian gibt an, daß die ganze Erde einst von Wasser bedeckt war und verweist dazu auf die auf den Bergen zu Àndenden Muscheln. Im Hinblick auf die häuÀg auf hohen Bergen im Libanon zu Àndenden fossilen Fische postuliert Eusebios von Kaisareia (um 300) einen entsprechend hohen Wasserstand der SintÁut.

um 206 Liu Hong

A

Liu Hong stellt erstmals in China Ephemeridentafeln für Sonne und Mond auf, sagt SonnenÀnsternisse voraus und entwirft einen neuen Kalender.

um 200

um 210 M

Sanskrit-Texte belegen den Gebrauch eines dezimalen Positionssystems in Indien. M

Die erste hebräische Abhandlung zur Mathematik, das zwischen 200 und 800 verfaßte Buch Mishnat ha-middot, enthält rezeptartig Regeln zur praktischen Geometrie im Stil der Agrimensoren. A

Die Mayas bilden in den ersten Jahrhunderten Bildschriftzeichen zur Numerierung der Tage innerhalb einer Periode von 260 Tagen (Tzolkin) aus. Daneben gibt es die Einteilung des Jahres nach dem Mondlauf in 18 Monate zu 20 Tagen und einen Restmonat von fünf Tagen.

Alexander von Aphrodisias

W

Alexander von Aphrodisias schreibt sehr umfangreiche, wertvolle Kommentare zu den Schriften des Aristoteles, betont den logischen Nominalismus und versucht, dessen Lehre von stoischen Tendenzen und neuplatonistischen Synkretismus zu befreien. Julius Africanus

C

Julius Africanus, Verfasser der ältesten christlichen Weltchronik, beschreibt das „automatische Feuer“ (pyr automaton), eine Mischung von Schwefel, Natriumchlorid, Harz, „Blitzstein“ oder Pyrit, Holzkohle, Erdöl und Kalk. Zhang Zhongjing

B

Zhang Zhongjing faßt die seit der Niederschrift der klassischen Werke zur inneren Medizin im

57

210 – 300

3. Jahrhundert v. Chr. erzielten Fortschritte zu einem Kompendium erprobter Behandlungen und Rezepte zusammen. Er entwickelt die dialektische Diagnosemethode zur Reife und legt die Grundlage für die klinische Therapie.

C

Chinesische Alchemisten sollen im 3. Jahrhundert die Flammenprobe zur IdentiÀzierung von Salpeter benutzt haben. Solinus

G

Alexander von Aphrodisias entwickelt in einem Kommentar zu Aristoteles’ Meteorologie eine neptunistische Theorie, nach der die Erde ursprünglich vollkommen von Wasser bedeckt war und die Festlandsmassen erst allmählich auftauchten, indem jenes durch die Einstrahlung der Sonne verdunstete.

Die Collectanea rerum memorabilium des Solinus aus dem 3. Jahrhundert, im wesentlichen ein Auszug aus der Naturgeschichte von Plinius d. Ä., sind eine wesentliche Quelle geowissenschaftlicher Kenntnisse im Mittelalter. Solinus berichtet u. a. von Funden von Muscheln in weit vom Meer entfernten Gebieten, welche er auf die SintÁut zurückführt.

um 230

um 260

Alexander von Aphrodisias

Florentinus

G

B

Florentinus schreibt eine umfangreiche Abhandlung zur Landwirtschaft in griechischer Sprache, insbesondere über die medizinische Wirkung von PÁanzen und Früchten.

um 250 Porphyrios

M

Liu Hui berechnet mittels Exhaustionsmethode ʌ auf fünf Dezimale genau zu 3,141 59 oder 3 927/1 250. Für praktische Rechnungen verwendet er ʌ = 157/50. Liu Hui

M

Liu Hui verbessert die Ermittlung dritter Wurzeln und leitet geometrisch die Vorstufe eines zum Horner-Schema analogen Verfahrens ab.

263

M

Diophantos führt in der 13 Bücher umfassenden Arithmetica einige Symbole ein und geht damit einen wichtigen Schritt von der verbalen Algebra zur algebraischen Symbolik. Diophantos

M

Liu Hui schreibt einen Kommentar zur Mathematik in 9 Büchern. Es ist einer der frühesten gesicherten Belege für die Verwendung von negativen Zahlen und Dezimalbrüchen und basiert auf längerer Tradition. Liu Hui

W

Der Neuplatoniker Porphyrios, Schüler Plotins, verfaßt in der 2. Hälfte des 3. Jahrhunderts zahlreiche Kommentare zu Werken Platons und Aristoteles’. Die erhaltene Einführung in die aristotelische Kategorienlehre (Eisagoge) lieferte in der Übersetzung des A. M. S. Boethius den Anlaß zur Auslösung des mittelalterlichen Universalienstreits. Diophantos

Liu Hui

Liu Hui

M

Liu Hui verfaßt ein Buch über rechtwinklige Dreiecke, das Probleme der praktischen Geometrie in allgemeiner algebraischer Form löst.

um 267

M

Diophantos löst in der Arithmetica bestimmte und unbestimmte Gleichungen bis sechsten Grades und in mehreren Unbekannten durch geschickte Methoden zur Graderniedrigung und zur Reduzierung der Unbekannten. Als Lösungen läßt er rationale Zahlen zu, die Einschränkung auf ganze Zahlen – diophantische Gleichungen – erfolgt später.

Eine Übersicht über die ältere Kartographie Chinas gibt die Unterweisung für die Anfertigung geographischer Beschreibungen und Karten durch den Leiter des Ministeriums für öffentliche Arbeiten, Pei Xiu.

Diophantos

Xi Han

M

Diophantos behandelt in zwei Schriften, ergänzend zur Arithmetica, die Polygonalzahlen bzw. einige zahlentheoretische Sätze.

Pei Xiu

G

um 300 B

Xi Han verfaßt das vermutlich früheste chinesische Werk zur Botanik mit einer Einteilung der PÁanzen in vier Gruppen.

300 – 340

58

Xi Han

B

Xi Han beschreibt eine Methode der biologischen Schädlingsbekämpfung in China, indem Áeischfressende Ameisen in Mandarinenplantagen eingesetzt werden.

um 310 Iamblichos M • W Iamblichos verfaßt eine Enzyklopädie der neupythagoreischen Philosophie, bringt darin die Zahlenmystik zum Höhepunkt und entwickelt die mystische Seite des Neuplatonismus. Chen Zhuo

A

Chen Zhuo vereinigt die Sternkarten von Shi Shen, Gan De und Wu Xian, stellt eine neue vollständige Karte mit 1 464 Sternen her und fügt astronomische Kommentare an. Ge Hong

B

Pappos von Alexandria P • G Pappos entdeckt die „Guldinsche Regel“ als Beitrag zur Theorie der Schwerpunktbestimmung und behandelt die fünf mechanischen Potenzen Hebel, Keil, Schraube, Rolle und das Rad an der Rolle (Wellrad). Nach C. Ptolemäus hat Pappos auch die Chorographia oikumenike, d. h. Chorographie der bewohnten Erde, die in armenischer Fassung erhalten ist, sowie „Flüsse Libyens“ verfaßt. Yen Chen-Qing

G

Die Vorstellung eines (periodischen) Wechsels von Land und Meer ist in der chinesischen Wissenschaft spätestens seit der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts vorhanden. Nach Yen Chen-Qing (vgl. 770) soll sie z. B. zusammen mit einer ausführlichen Beschreibung der Tropfsteinbildung in einem um 320 entstandenen Werk des Alchemisten Ge Hong formuliert sein.

Ge Hong verfaßt Anfang des 4. Jahrhunderts zwei medizinische Werke und beschreibt die Pocken.

330 Pappos von Alexandria

um 317 Ge Hong

C

In seinem Werk Bao Pu Zi, das u. a. alchemistische Studien und Verfahren enthält, beschreibt Ge Hong eine Rezeptur zur Herstellung von Zinn(IV)sulÀd, das als „Gold“ in der Malerei verwendet wird.

M

Pappos stellt in einer Sammlung mathematischer Schriften früheres Wissen zusammen, ergänzt durch Kommentare und neue Sätze über Kegelschnitte, die klassischen Probleme der Antike, Kurven doppelter Krümmung, das Pappossche Problem, isoperimetrische Fragen u. a. Die Sammlung ist eine der wichtigsten Quellen zur antiken Mathematik seit dem 4. Jahrhundert v. Chr.

um 320 um 334

W

Beginn des christlichen Klosterwesens, das später eine große Rolle bei der Tradierung des Wissens spielt. Pappos von Alexandria

M

Der Grieche Pappos von Alexandria schreibt zuverlässige Kommentare zum Almagest des Ptolemäus und zu den Elementen Euklids.

Iulius Firmicus Maternus

um 340 Ge Hong

Pappos von Alexandria

M

A

Iulius Firmicus Maternus beginnt die seit der Antike umfassendste Zusammenstellung zur Astrologie in acht Büchern, die eventuell erst 354 abgeschlossen wird.

P

In Fortführung Euklidischer Werke formuliert Pappos den Satz von Pappos und im wesentlichen die Invarianz des Doppelverhältnisses bei Projektionen.

Der chinesische Polyhistor Ge Hong beschreibt Flüge von Menschen mit Drachen nach dem Gleiterprinzip unter Nutzung des thermischen Auftriebs. Auch eine Verwendung der Luftschraube als waagerechter Rotor wird erwähnt.

Yu Xi

Apsyrtos von Bithynien

A

Yu Xi entdeckt die Präzession der Äquinoktien und gibt sie mit 1◦ in 50 Jahren an.

B

Apsyrtos von Bithynien beschreibt zahlreiche Tierkrankheiten, insbesondere der Pferde.

59

350 – 380

um 350 Sun Zi

Basilius Caesariensis M

In seinem arithmetischen Handbuch löst Sun Zi erstmals Probleme der unbestimmten Analysis mit linearen Kongruenzen und erläutert das chinesische Zahlsystem und die arithmetischen Operationen. Sun Zi

P

Sun Zi beschreibt das chinesische Maß- und Gewichtssystem und die Dichte einiger Metalle und Steine. Rutilius Taurus Aemilianus Palladius

B

Rutilius Taurus Aemilianus Palladius verfaßt ein Werk über Landwirtschaft De re rustica, in dem er u. a. das Pfropfen, die Drainage und die Düngung des Bodens mit Meeresgewächsen beschreibt.

350 Stephan von Byzanz

G

Stephan von Byzanz erarbeitet ein geographisches Lexikon, das stark auf Strabo basiert.

um 357 A

Die Mayas kennen in ihrer Kalenderrechnung verschiedene Perioden, die u. a. auf Beobachtungen der Mond- bzw. Venusbewegung zurückgehen.

um 360 Oribasios

B

Oribasios schreibt eine medizinische Enzyklopädie, in der er systematische Auszüge aus Werken älterer Autoren wie z. B. Galen kompiliert. Basilius Caesariensis, Gregor von Nazianz

G

In den Hexaemera der Kirchenväter wird mehrfach auf kosmologische Theorien und naturwissenschaftliche Erklärungen zurückgegriffen, so bei Basilius Caesariensis und Gregor von Nazianz hinsichtlich des Auftauchens der Festlandsmassen und des Entstehens der Gebirge, der Verteilung von Land und Wasser sowie des Entstehens der Quellen und Flüsse, des Regenbogens usw.

G

Basilius Caesariensis erklärt die Entstehung heißer Quellen dadurch, daß zunächst der erdinnere Wind das Wasser nach oben treibt. Wenn das Wasser dann durch Erdreich Áießt, das reich an Metalladern ist, erwärmt es sich und kann sogar siedend heiß werden. Er erwähnt auch, daß solche Quellen meist auf Inseln oder in Küstennähe vorkommen.

369 A

Chinesische Chronisten berichten im Februar über einen „neuen“ Stern, vermutlich eine Supernova, die bis Juli sichtbar bleibt.

um 370 B • W Basilius Caesariensis gründet in Cäsarea ein großes Krankenhaus. In dieser Zeit wird auch in Rom das erste Krankenhaus der westlichen Welt eröffnet. Basilius Caesariensis

um 372 M • A Theon von Alexandria schreibt einen an Pappos orientierten Kommentar zum Almagest des Ptolemäus und dessen Tafelwerk. Dies ist eine wichtige historische Quelle für das Rechnen mit Sexagesimalzahlen, z. B. das Wurzelziehen. Theon von Alexandria

um 380 G

Chinesische Schiffe erreichen Indien und Ostafrika, wobei auch ein Kompaß benutzt worden sein soll. Ambrosius Mediolanensis

G

Das Mittelalter hat eine ausgeprägte Kenntnis von der erodierenden Wirkung des Wassers. Ambrosius Mediolanensis schreibt dieser nicht nur die Gestaltung des Landes an den Küsten zu, sondern auch die Entstehung der Meeresbecken und des Festlandes. (Die bei der Erosion des Meeresbeckens abgetragenen Sandmassen bilden die Kerne der heutigen Festländer.)

380 Theon von Alexandria M • P Theon von Alexandria ediert von Euklid die Elemente, die Data sowie dessen Schriften zur Optik.

390 – 406

60

Die Texte zur Optik sind wohl freie Bearbeitungen von Theons Schülern. Die Ausgabe der Elemente, in die mehrere Ergänzungen eingefügt sind, entsteht mit Unterstützung von Hypatia und ist die Basis vieler moderner Editionen.

um 390 Hypatia

M

Hypatia kommentiert Werke von Diophantos, C. Ptolemäus und Apollonios. Rufus Festus Avienus

G

Auf der Basis griechischer Quellen verfaßt Rufus Festus Avienus eine Erdbeschreibung Descriptio orbis terrae sowie eine Küstenbeschreibung Europas.

G

Der Mönch Fa Xian pilgert bis 414 von Schanxi nach Indien. Er kehrt per Schiff zurück und verfaßt den Bericht über die buddhistischen Länder.

um 400 Hypatia

A • M Mit 18 Siddhantas, d. h. klassischen Werken, beginnt im 5. Jahrhundert die mathematische Fundierung astronomischer Ideen und Rechnungen in Indien. Dabei sind z. T. griechische EinÁüsse vorhanden. A

Die Inder kennen fünf Planeten und deren wichtige Bahnparameter, die genaue Jahreslänge sowie die Präzession der Äquinoktien. Synesios von Kyrene

399 Fa Xian

M • A Suryasiddhanta, eines der ersten grundlegenden Werke zur indischen Astronomie, enthält eine Sinustafel und einige trigonometrische Berechnungen.

W

Hypatia, die erste bedeutende Mathematikerin, wird Leiterin der neuplatonischen Schule am Museion in Alexandria. W • A A. T. Macrobius schreibt in literarischer Einkleidung ein Kompendium zum Neuplatonismus, das weite Verbreitung im Mittelalter fand. Er behandelt pythagoreische Zahlenlehre, Kosmographie, Geographie, Astronomie u. a. und soll zuerst das Wort „Ekliptik“ benutzt haben. A. T. Macrobius

M

Das nach dem Fundort Bakshali (NW Indien) benannte Manuskript aus dem 3./4. Jahrhundert belegt umfangreiches Wissen in Arithmetik, Geometrie und√ Algebra, enthält eine verbesserte Näherung für a, unbestimmte Gleichungen 2. Grades, Reihen u. a. Die Lösung erfolgt in allgemeiner algebrischer Form. M

Im Bakshali-Manuskript sowie etwas später in Belegen aus Südostasien tritt ein Symbol für die Null auf. In verbaler Form als Wortnumeral wurde die Null schon früher verwendet.

P

Synesios von Kyrene beschreibt in einem Brief an Hypatia das sog. Baryllium, ein Tauch-Dichtemesser (Aräometer) mit festem Gewicht und freier Skale, das er zur Prüfung des Trinkwassers verwendet. Die ErÀndung des Gerätes wird für das 4. Jahrhundert angenommen. Zosimos von Panopolis

C

Zosimos von Panopolis faßt in mehr als 20 Werken das ältere Wissen zur Alchemie zusammen. Er fördert die chemische Forschung durch Verbesserung der Destillation sowie der metallurgischen Prozesse und verbreitet die Bezeichnung „Chemie“. Nemesios

B

Nemesios, Bischof von Emesa, schreibt eine medizinisch-philosophische Abhandlung Über die Natur des Menschen, die bis ins Mittelalter von bedeutender Wirkung ist.

400 C

Von etwa 400 bis etwa 600 wird an der Schule von Alexandria in großem Umfang Alchemie betrieben. Von dort gehen wesentliche alchemistische Bestrebungen zur Metallveredlung (Transmutation) aus.

um 406 Synesios von Kyrene

C

Synesios von Kyrene stellt eine wichtige Sammlung alchemistischer Texte zusammen.

61

410 – 460

um 410 Chalcidius

um 439 A

Chalcidius übersetzt und kommentiert Teile des Timaios-Dialogs Platons und propagiert dabei unter Rückgriff auf Theon von Smyrna, Adrastos und Porphyrios astronomische Lehren des Herakleides Pontikos. Bis ins 12. Jahrhundert war Platon im lateinischen Europa nur durch die Schriften des Chalcidius bekannt. Marcellus Empiricus

G

Möglicherweise auf einer römischen Karte fußend, wird Anfang des 5. Jahrhunderts die Kosmographie des J. Honorius von einem seiner Schüler zusammengestellt.

um 440 Proklos

um 450 G

Der spanische Priester P. Orosius verfaßt eine Geschichte gegen die Heiden, die starke geographische Züge enthält und die Geographie des Mittelalters beeinÁußt. Er verweist auf Muscheln, die häuÀg auf weit vom Meer entfernten Bergen zu Ànden sind und führt sie als Beleg für die Existenz der SintÁut an. Von ihm übernimmt diese Interpretation im 7. Jahrhundert Isidor von Sevilla, von welchem sie wiederum Hrabanus Maurus im 9. Jahrhundert übernimmt.

um 420 Olympiodorus

W

Proklos, letzter bedeutender Vertreter des Neuplatonismus, beginnt, ausführliche Kommentare zu Werken Platons und Aristoteles’ zu schreiben, verbessert sowie systematisiert die Ansätze früherer Kommentatoren und baut die logische Struktur aus. Er liefert viele Fakten über die griechische Kultur, besonders über Philosophie und Wissenschaft.

417 P. Orosius

W

Martianus Capella stellt eine Enzyklopädie der späteren „sieben freien Künste“ – Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Geometrie, Arithmetik, Astronomie und Musik – zusammen und versieht sie mit einer neuplatonisch-allegorischen Einleitung, die im Mittelalter wesentlichen EinÁuß hatte.

B

Marcellus Empiricus beschreibt in seinem Werk De medicamentis zahlreiche Heilmittel und ihre Anwendung. Er erwähnt auch viele PÁanzen. J. Honorius

Martianus Capella

Mowses Chorenatzi

457 Victorius von Aquitanien

um 435 Nestorius B • W Die Nestorianer, Anhänger der christlichen Lehre des syrischen Priesters Nestorius, treiben philosophische und naturwissenschaftliche Studien und gründen Schulen bzw. beeinÁussen sie wesentlich, wie z. B. die medizinische Schule von Edessa.

M

Victorius von Aquitanien stellt einen neuen Zyklus zur Berechnung des Osterfestes auf und gibt alle damals üblichen Bruchzeichen und -namen an.

um 460

C

Olympiodorus zitiert unzusammenhängend die Schriften von mehreren Alchemisten, ohne sie zu kommentieren, und stellt ihnen die Ansichten griechischer Philosophen gegenüber.

G

Mowses Chorenatzi soll eine Geschichte Armeniens mit starkem geographischen Einschlag verfaßt haben. Das Werk wird in letzter Zeit meist A. Schirakatzi zugeschrieben.

Domninos von Larissa

M

Domninos von Larissa wendet sich in einem Traktat zur Arithmetik vom Nikomachosschen Stil ab und kehrt in einigen Punkten zur Euklidischen Tradition zurück. Ob er das angekündigte umfassende Buch zur Arithmetik schrieb, ist unklar. Proklos

M

Proklos übermittelt in einem bedeutenden Kommentar zum Buch I der Elemente Euklids viele historische Fakten aus verlorenen Quellen, z. B. von Eudemos und Geminos, und diskutiert u. a. das Parallelenpostulat.

460 – 500

62

Zhang Qiujian

M

Zhang Qiujian verfaßt ein Lehrbuch zur Arithmetik. Er erläutert die Bruchrechnung, summiert arithmetische Reihen und behandelt unbestimmte Gleichungen erstmals ausführlicher. Proklos

A

Proklos legt in Athen das Ptolemäische System in einer Einführung in die Astronomie und weitere astronomisch-astrologische Schriften mit eigenen Ideen dar.

M

Der Universalgelehrte Zu Chongzhi schlägt einen neuen Kalender vor, der die Präzession der Äquinoktien berücksichtigt und ab 510 eingeführt wird. Die Schrift über Kalender enthält außerdem ʌ auf sechs Dezimale genau, die Berechnung von ein Wert der erst 1 000 Jahre später übertroffen wird.

um 463 Zu Chongzhi

M

Das Problem, die tägliche Bewegung der Sonne vorauszusagen, führt Zu Chongzhi zur Entwicklung der Methode der endlichen Differenzen.

um 480 Zu Chongzhi, Zu Gengzhi

M

¯ Aryabhat .a löst unbestimmte Gleichungen ersten Grades mit einer zur Kettenbruchentwicklung äquivalenten Methode.

M • W Ammonios kommentiert Werke des Aristoteles und versucht darin, dessen Lehre mit der Platons zu harmonisieren. Seine WissenschaftsklassiÀkation widerspiegelt die Stoffpräsentation seiner Zeit und enthält die Einteilung der Mathematik in das spätere Quadrivium. Ammonios

C

Im 5./6. Jahrhundert gelingt es in China auf der Basis über 1500jähriger Erfahrung weißes Porzellan, ein einfach gebranntes Weichporzellan mit einem überwiegenden Anteil von Feldspat, Quarz und Kaolin herzustellen. Sog. primitive Porzellane und Seladone sind seit dem 13./12. Jahrhundert v. Chr. und eigentliche, meist grün glasierte Porzellane seit dem 1. Jahrhundert n. Chr. bekannt.

M

Zu Chongzhi und sein Sohn Zu Gengzhi führen einfache Volumenberechnungen durch. Ihre Methode entspricht im wesentlichen dem sog. Cavalierischen Prinzip.

499 ¯ Aryabhat .a

¯ Aryabhat .a

um 500

462 Zu Chongzhi

den Siddhantas enthaltenen Resultate zur Arithmetik und Trigonometrie sowie der astronomischen Rechenmethoden. Er summiert u. a. arithmetische Reihen, löst quadratische Gleichungen, berechnet ʌ zu 3,141 6 und Tabellen für Sinus und Sinus versus.

M

¯ ¯ Der indische Astronom Aryabhat .a schreibt Aryabhat.¯×ya, eine sehr gute Zusammenfassung der in

Li Tao-Yuan

G

In einem geographischen Werk des Li Tao-Yuan Ànden sich erstmals in der chinesischen Wissenschaft Beschreibungen von versteinerten Tieren (Brachiopoden, Fische), die aber wohl schon seit dem 4. Jahrhundert bekannt sind. Ab der Mitte des 7. Jahrhunderts sind solche Darstellungen auch häuÀg Bestandteil von pharmazeutischen Kompendien.

501–1450 Mittelalter

Die Schließung des letzten großen Zentrums der antiken Wissenschaften und Gelehrsamkeit, der Akademie in Athen, im Jahre 529 und die Eroberung Konstantinopels durch die Türken 1453 sowie die damit verbundene Flucht zahlreicher Gelehrter nach Europa können die formalen Randpunkte des Mittelalters markieren. Die Abgrenzung des Mittelalters ist unter Historikern sehr umstritten, die obige Datierung orientiert sich vorrangig an der europäischen Wissenschaftsentwicklung. Mit den Völkerwanderungen des 4. bis 6. Jahrhunderts und dem Niedergang des weströmischen Reiches war einer kontinuierlichen Fortsetzung der römisch-antiken Kultur und Wissenschaft in Süd- und Mitteleuropa zunächst die wirtschaftlich-soziale Basis entzogen worden. In den folgenden Jahrhunderten bildeten sich neue soziale und politische Verhältnisse heraus und es kam allmählich zu einem Rückgriff auf Kenntnisse und Erfahrungswissen der Antike bzw. zu deren Wiederentdeckung. Neue ErÀndungen förderten ab dem 9. Jahrhundert die Entfaltung der Landwirtschaft, gleichzeitig trennte sich die gewerblich handwerkliche Produktion von der Landwirtschaft ab und die Städte wuchsen seit dem 11. Jahrhundert zunehmend zu Zentren der sich entfaltenden Handwerksproduktion und des Handels heran. Das Zivilisationsgefälle war jedoch in Europa beträchtlich, es verlief von Süden und Westen nach Norden und Osten. Das Leben war geprägt durch deutliche rechtsständische und soziale Unterschiede sowie eine nahezu permanente Unsicherheit, u. a. verursacht durch Kriege, insbesondere viele regionale KonÁikte, und Epidemien. Für die Kultur des Mittelalters bildeten religiöse Vorstellungen die entscheidende Basis. Christentum und Islam, sowie mit einigen Einschränkungen Buddhismus und Hinduismus, entwickelten sich zu Weltreligionen. Gleichzeitig erlebte Europa eine wachsende politische Macht kirchlicher Einrichtungen, die selbst Eigentümer an Grund und Boden wurden. Dies gipfelte in einem universalen Kaiser- und Papsttum, das aber im Hoch- und Spätmittelalter durch innerkirchliche Reformbewegungen und aufkommende nationalstaatliche Interessen wieder zerÀel. Die Etablierung des Christentums bedingte zugleich eine Auseinandersetzung mit den Ideen und Lehren der antiken griechisch-römisch-hellenistischen Philosophie und anderen Wissenschaften, die im staatlich fester gefügten oströmischen Reich (Byzanz) de facto mit weniger Brüchen und Konfrontationen verbunden war als in dem sich im völligen Umbruch beÀndlichen Süd-West-Europa. Während im byzantinischen Reich durch Bewahrung und Kommentierung antiken Wissens das erreichte Kultur- und Bildungsniveau erhalten werden konnte, schwand es im ehemaligen weströmischen Herrschaftsgebiet bis auf wenige Relikte dahin. Lediglich in den Klöstern erfolgte eine PÁege des antiken Wissens, doch war diese durch die fast völlig fehlende Kenntnis der griechischen Sprache sehr eingeschränkt und durch den EinÁuß der christlichen Theologie sehr selektiv. Im Mittelpunkt standen die „sieben freien Künste“, Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Musik, Geometrie und Astronomie, die als einziger Wissensbestand aus dem Altertum übriggeblieben waren. Erst die Bestrebungen Karls des Großen sowie die Förderung der innerhalb des Christentums entstandenen Schulwissenschaft (Scholastik) in den Kloster- und Kathedralschulen leiteten einen Neuanfang auf niedrigem Niveau ein. 63

Der für Europa entscheidende Aufschwung begann mit dem am Ende des 11. Jahrhunderts einsetzenden Wandlungsprozeß, der nahezu alle Lebensbereiche erfaßte und bis zum Beginn des 14. Jahrhunderts andauerte. Das Bevölkerungswachstum in jenen Jahrhunderten erzwang sowohl die Erschließung neuer AnbauÁächen als auch eine Verbesserung der landwirtschaftlichen Methoden und löste einen Aufschwung von Handwerk, Gewerbe und Handel aus. Dies war verbunden mit der Gründung neuer und dem Wachsen bestehender Städte. Im 12./13. Jahrhundert erlebte das Geistesleben eine große Blütezeit. Das Grundmuster der scholastischen Methode: Herausarbeiten der Fragen, Abgrenzen und Unterscheiden der Begriffe sowie Disputation mit logischem Beweis der Antwort und Erörterung der Begründung, wurde verfeinert und mehrfach methodisch bereichert. Das Bestreben, eine Übereinstimmung von kirchlicher Lehre und Philosophie nachzuweisen, blieb weiterhin wichtigstes Motiv wissenschaftlicher Tätigkeit. Die Bekanntschaft mit naturphilosophischen Schriften des Aristoteles und der jüdisch-arabischen Philosophie, die Gründung der ersten Universitäten und die wissenschaftlichen Auseinandersetzungen zwischen den christlichen Orden der Dominikaner und der Franziskaner förderten diesen Aufschwung und verschafften auch der Naturforschung einen gewissen Spielraum. Die dabei erzielte Einheit des mittelalterlichen Denkens mit der Überzeugung, die Philosophie sei die Magd der Theologie, zerbrach an veränderten Akzentuierungen philosophisch-theologischer Fragen und an neuen Auffassungen zum Wissenschaftsbegriff sowie zur Sprachphilosophie. Dies führte im 14./15. Jahrhundert zur Abkehr von der zunehmend in inneren Streitigkeiten der einzelnen Schulen erstarrten scholastischen Lehre und zu ersten Ansätzen eines neuen Selbstverständnisses von Philosophie und Naturforschung. Wesentliche Impulse erhielt die europäische Geistesentwicklung auch durch den Kontakt mit den arabischen Wissenschaften und dem tradierten Wissen der Antike. Die Entstehung des arabischen Großreiches im 7. und 8. Jahrhundert, das von Nordwestindien über Nordafrika bis zur Pyrenäenhalbinsel reichte, gehörte zu den wichtigen Ereignissen, die zur endgültigen Auflösung der antiken Mittelmeerwelt führten. Obwohl sich in diesem Reich sehr bald einzelne Dynastien herausbildeten, wurde die kulturelle und wissenschaftliche Entwicklung nicht gestört und erlebte im 10./11. Jahrhundert einen Höhepunkt. In Bagdad, Buchara und Cordoba entstanden bedeutende Bildungszentren. Den arabischen Gelehrten kommt nicht nur das große Verdienst zu, den antiken Wissensschatz bewahrt und durch vielfältige Kommentare erläutert zu haben, sondern sie fügten diesem auch zahlreiche neue Erkenntnisse hinzu. Ab dem 13. Jahrhundert verlor das arabische Großreich zunehmend an EinÁuß, ohne daß dies unmittelbar einen Niedergang der Wissenschaften zur Folge hatte. In China stand am Beginn des hier betrachteten Zeitraums die Reichseinigung durch die SuiHerrscher (581–618) und die Schaffung eines geeigneten institutionellen Rahmens für die Verwaltung und Sicherung des Reiches. Die nachfolgenden Herrscher der Tang-Dynastie entwickelten auf dieser Basis eine leistungsfähige Zentral- und Lokalverwaltung und dehnten die Beziehungen Chinas bis Europa aus. Etwa 100 Jahre lang, bis zur Mitte des 8. Jahrhunderts, pÁegte China einen reichen Austausch geistiger und materieller Güter mit westlichen Völkern. Nach langen Machtkämpfen und einer Reichsteilung konnte die Song-Dynastie 960 nochmals große Teile des Reiches vereinen und günstige Bedingungen für Wissenschaft und Kunst schaffen. Die Basis dafür bildete ein wirtschaftlicher Aufschwung in Landwirtschaft, Handwerk und Handel (einschließlich des Überseehandels nach Japan, Malaysia, Südindien u. a.). Bei rasch wachsender Bevölkerung bildeten sich bereits Ballungsgebiete mit mehr als einer Million Einwohner. Die Song-Dynastie war jedoch zunehmend den Angriffen äußerer Feinde ausgesetzt und unterlag schließlich den Mongolen, die 1278 das ganze Reich eroberten. Die Mongolen-Herrscher schufen eine völlig neue Staatsorganisation, die die chinesische Bevölkerung unterdrückte, Kultur und Wissenschaften aber gewisse Freiräume ließ. In dieser Zeit erhielt man in Europa durch Reisende wie Marco Polo u. a. auch erstmals direkt Kunde von China und den Leistungen der chinesischen Wissenschaften, die sich insbesondere durch die praktische Ausnutzung von Naturerkenntnissen auszeichneten.

64

65

505 – 525

um 505 A. M. S. Boethius

um 517 W

A. M. S. Boethius beginnt mit der Übersetzung und Kommentierung von Schriften griechischer Autoren, insbesondere Aristoteles, und beeinÁußt damit sehr stark die Wissenschaftsentwicklung im Mittelalter. Seine mathematischen Abhandlungen überliefern wichtige Teile des Nikomachosschen Werkes sowie einige Auszüge aus Euklids Elementen. A. M. S. Boethius

W

A. M. S. Boethius kommentiert Schriften des Porphyrios und setzt sich ausführlich mit der WissenschaftsklassiÀkation und der Einteilung der Logik bei Aristoteles auseinander. Tao Hongjing

C

Tao Hongjing entdeckt neue Reaktionen zur „Verdrängung von Metallionen“ bei Eisen- und Kupfersalzen und beschreibt eine Kristallform vom weißen Quarz sowie die Flammprobe von Salpeter. Tao Hongjing

B

Der Arzt und Alchemist Tao Hongjing bearbeitet das älteste chinesische pharmazeutische Werk Materia Medica. Er beschreibt 730 medizinische Substanzen, davon 365 neue, und verbessert deren KlassiÀkation, indem er die Heilwirkung der Arzneien berücksichtigt.

um 510 A. M. S. Boethius

M

A. M. S. Boethius führt wohl erstmals den Begriff „Quadrivium“ für die vier mathematischen Fächer Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik ein und schreibt zu ersteren Handbücher, die lange als Lehrbücher dienten. In der neupythagoreischen Arithmetik greift er auf Nikomachos zurück. Eutokios

M

Eutokios kommentiert die Kreismessung und Über Kugel und Zylinder von Archimedes, die Bücher 1 bis 4 der Conica des Apollonios u. a. Für einige Probleme überliefert er mehrere historisch interessante Lösungen. ¯ Aryabhat .a

A

¯ Aryabhat .a lehrt die tägliche Drehung der Erde um ihre Achse, andere indische Astronomen lehnen dies aus physikalischen Gründen ab. Seine Lehre wird nicht aufgegriffen.

Johannes Philoponos

P

Johannes Philoponos kritisiert die Bewegungslehre des Aristoteles. Die Himmelskörper bewegen sich durch die ihnen innewohnende Kraft, die vom göttlichen Beweger als Impetus übertragen wird. Auch geworfene Körper bewegen sich nach der Trennung vom Beweger ohne Hilfe des umgebenden Mediums auf Grund des erteilten Impetus bis dieser verbraucht ist und der Körper zum Stillstand kommt bzw. zum natürlichen Ort, die Erde, zurückkehrt. Ein Vakuum ist prinzipiell möglich.

um 520 Johannes Philoponos

P

Johannes Philoponos schreibt ausführlich über Aristoteles, die philosophischen Aspekte der Arithmetik von Nikomachos und die erste Abhandlung über ein Astrolabium. Er ist einer der bedeutendsten byzantinischen AristotelesKommentatoren. Johannes Philoponos

G

Johannes Philoponos wendet sich gegen die Auffassung von der Ewigkeit der Welt. Johannes Philoponos

G

Johannes Philoponos schließt aus den heißen Quellen sowie den „Feuerkesseln“ auf Sizilien, Lipari und in anderen Gegenden, daß die Erde im Inneren Feuer bergen müsse, ein Gedanke, der letztlich auf Empedokles zurückgeht.(vgl. 450 v. Chr.)

um 525 M • P Der Architekt Anthemios von Tralleis verfaßt eine Schrift über Brennspiegel, die aus kleinen Planspiegeln zusammengesetzt sind. Er wendet dabei Kenntnisse über Kegelschnitte an, gibt die Fadenkonstruktion der Ellipse, bestimmt den Brennpunkt der Parabel u. a. Er soll eine Reihe interessanter mechanischer Experimente durchgeführt haben, wie das Vortäuschen eines Blitzes mittels Brennspiegeln usw. Anthemios von Tralleis

525 Dionysius Exiguus

A

Die chronologischen Studien des Abts Dionysius Exiguus bilden die Basis für die Einführung der christlichen Zeitrechnung und die Festlegung des Osterfestes.

529 – 570

66

529 Benedikt von Nursia

Aetios von Amida W

Benedikt von Nursia stiftet das Kloster Montecassino und fordert von den Mönchen eine ausgewogene Aufteilung der Arbeit in manuelle und geistige Tätigkeit.

B

Aetios von Amida verfaßt ein medizinisches Sammelwerk, in dem er neben den Erkenntnissen älterer Autoren auch eigene Erfahrungen einbezieht. Kosmas Indikopleustes

G

Schließung der Akademie und anderer Philosophenschulen in Athen durch Kaiser Justinian I. als Stätten heidnischen Glaubens. Dies verursacht ein zeitweises Auswandern der Gelehrten an den persischen Hof und trägt zur Verbreitung griechischen Gedankengutes in Asien bei.

Der Kaufmann Kosmas Indikopleustes befuhr nach 525 Nil, Rotes Meer sowie Indischen Ozean und gelangte nach Abessinien, Ostafrika, Persien, Indien und Ceylon. Als Mönch beschreibt er um 550 diese Gebiete in seiner Topographia Christiana, die zugleich eine naiv-dogmatische Auseinandersetzung mit dem Weltbild des „Heiden“ C. Ptolemäus ist.

um 530

um 552

Justinian I.

W

W

B

Sergios von Resaina (Mesopotamien) übersetzt Werke von Platon, Aristoteles, Porphyrios, Pseudo-Dionysios und Galen ins Syrische. Er ist einer der bedeutendsten Vermittler griechischer Philosophie und Wissenschaft ins Syrische und schafft wichtige Voraussetzungen für die Rezeption dieses Wissens durch die Araber.

Vermutlich Nestorianer-Mönche bringen Maulbeerbaum und Seidenraupe nach Griechenland, dem bis Mitte des 12. Jahrhunderts einzigen europäische Land, das eine Seidenraupenzucht besitzt.

Sergios von Resaina

553 Prokopios

um 535 Damaskios, Isidoros von Milet

M

Das sog. Buch XV der Elemente von Euklid zur Geometrie regulärer Körper wird von Damaskios oder von Isidoros von Milet verfaßt.

um 540 Simplikios

M

Simplikios schreibt wichtige Kommentare zu Werken des Aristoteles und zu Buch I der Elemente von Euklid. Simplikios

A

Simplikios, bedeutendster Repräsentant des Neuplatonismus im 6. Jahrhundert, versucht die Stabilität der Bewegung der Himmelskörper zu erklären und spricht von Unveränderlichkeit der Himmelserscheinungen.

A

Der byzantinische Geschichtsschreiber Prokopios erwähnt erstmals die Mitternachtssonne.

555 Cassiodor

W

Cassiodor gründet bei Scylaceum zwei Klöster und baut den Ansatz des Benedikt von Nursia zum Grundsatz der allgemeinen PÁege der Wissenschaften in den Klöstern aus. Die Realisierung dieser Ideen hat die Bewahrung antiker Literatur in den mittelalterlichen Klöstern zur Folge.

569 Zemarchus

G

Der byzantinischer Herrscher Zemarchus entsendet eine Gesandtschaft, die bis 571 zum Altai reist, um Handelsbeziehungen mit China anzubahnen.

um 570 um 550 Varahamihira

Zhen Luan A • M

Varahamihira faßt fünf klassische astronomische Werke zusammen und gibt u. a. wichtige Relationen zwischen Sinus, Cosinus und Sinus versus sowie eine Sinustafel an.

M

Zhen Luan kommentiert viele frühen chinesischen mathematischen Schriften, die so vor der Vernichtung bewahrt wurden, und überliefert z. B. ein frühes Problem zur unbestimmten Analysis.

67

570 – 620

Zhen Luan

um 580 Alexander von Tralleis

B

Alexander von Tralleis schreibt ein 12bändiges medizinisch-therapeutisches Sammelwerk in griechischer Sprache hauptsächlich über die Pathologie und Therapie der inneren Erkrankungen. Dabei widerspricht er den Lehren der Autoritäten, wenn sie nicht mit der eigenen praktischen Erfahrung übereinstimmen.

B

In Frankreich werden unter römischen EinÁuß Äpfel durch Pfropfen auf Wildformen veredelt. V. Cordus beschreibt Mitte des 16. Jahrhunderts bereits 33 Apfelsorten und 50 Birnensorten.

um 600 B

In Mitteleuropa löst der geregelte zeitliche Wechsel von Acker- und Weideland (geregelte Feldgraswirtschaft) die wilde Feldgraswirtschaft ab. Zhen Quan

Zhao Yuanfang

B

Zhao Yuanfang verfaßt eine Abhandlung in 50 Kapiteln über die Ursachen und Symptome einer großen Anzahl von Krankheiten. Das Buch hat vor allem theoretischen Charakter und enthält keine therapeutischen Vorschriften.

um 613 Isidor von Sevilla

G

In dem zwischen 612 und 613 entstandenen Werk De natura rerum diskutiert Isidor von Sevilla u. a. Ebbe und Flut, die Nilüberschwemmungen, Erdbeben und Vulkanismus. Er nennt den Mond als mögliche Ursache von Ebbe und Flut, daneben aber auch ein anziehendes Vermögen der Sonne sowie Windlöcher in den Tiefen des Ozeans, durch welche in wechselnder Folge bald ein Aufsaugen, bald wieder ein Ausstoßen des Meerwassers erfolgt. Isidor von Sevilla

um 594

B

Zhen Quan beschreibt Anfang des 7. Jahrhunderts die Symptome der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), einschließlich des süßen Urins. Die Kropfbildung behandelt er mit Schilddrüsen von Tieren (Schilddrüsenhormon) und verabreicht Seetang. Letzteres könnte als Erfahrungswissen schon vorher bekannt gewesen sein.

604 Shotoku Taishi

um 610

M

Zhen Luan berichtet, daß Xu Yue erstmals um 190 eine Beschreibung mehrerer chinesischer Versionen des Abakus (Suan-pan) und von magischen Quadraten gab. Da keine weiteren Beweise für dieses frühe Auftreten von Abakus und magischen Quadraten in der chinesichen Mathematik bekannt sind, wird Zhen Luan als Autor vermutet. Trotzdem sind es sehr frühe Belege für beide Themenkreise, was Zweifel an der Authentizität des Werkes zur Folge hat.

M

Prinz Shotoku Taishi führt mit Hilfe des Koreaners Kwanroku einen chinesischen Kalender in Japan ein, der später mehrfach verbessert wird. Er soll auch den Abakus (Soroban) und arithmetische sowie medizinische Kenntnisse verbreitet haben, was bez. des Saropan wohl eine Legende ist.

G

Isidor von Sevilla führt bei seiner Beschreibung des Ätna die Entstehung der Vulkane auf unterirdische Höhlungen und Gänge zurück, welche mit Schwefel und Erdpech gefüllt sind, die durch einen starken Windzug, welcher von außen in diese Gänge eintritt, entzündet werden. Eine ähnliche Erklärung geben Beda Venerabilis und später Peter von Ailly. Isidor von Sevilla

G

Die Tatsache, daß das Meer trotz des ständigen Zulaufes durch die Flüsse nicht überläuft, führt man im Mittelalter vor allem auf die Verdunstung des Meerwassers durch die Sonne zurück sowie darauf, daß Teile davon ins Erdreich versickern (welche dann ausgesüßt zu den Quellen zurückgelangen), so etwa bei Isidor von Sevilla und um 703 bei Beda Venerabilis.

um 620 Vagbatha d. Ä.

B

Vagbatha d. Ä. schreibt eine Zusammenfassung der acht Teile der Medizin, die einen umfassenden Überblick über Therapie sowie chirurgische und andere Behandlungsmethoden geben. In der indischen Medizin ist die Chirurgie hoch entwickelt, z. B. werden Darmnaht und Blasensteinschnitt ausgeführt. Da das Werk in zwei nicht wesentlich verschiedenen Versionen bekannt ist, werden teilweise zwei Autoren gleichen Namens angenommen.

622 – 655

68

622 Isidor von Sevilla

W

Isidor von Sevilla verfaßt bis 633 seine umfangreiche Enzyklopädie Etymologiae, die als Modell späterer Enzyklopädien gilt und maßgeblich das mittelalterliche Denken beeinÁußt. A

Die Hidschra des Mohammed datiert die 637 eingeführte mohammedanische Zeitrechnung mit Beginn 16.7.622. Sie basiert auf einem Mondjahr, wobei im 30jährigen Zyklus elfmal je ein Schalttag eingefügt wird. Isidor von Sevilla

– Nepal nach Indien. Mit der Beschreibung der Weltlande erarbeitet er ein geographisches Meisterwerk des frühen Mittelalters.

um 630 Brendan

G

Isidor von Sevilla behandelt in seinen Etymologiae u. a. die Hydrographie der Erde, die Festländer, Inseln, Berge sowie Vulkane und fügt eine Weltkarte an. Weiterhin gibt er, gestützt auf Solinus, eine Darstellung des Mineralreiches (Buch 16) und beschreibt u. a. den Pyrit, einige Edelsteine (welche er nach der Farbe einteilt) und die sieben Metalle sowie das Glas.

um 625 Wang Xiaotong

M

Erstmals in China behandelt und löst Wang Xiaotong in dem Werk zur Arithmetik numerische kubische Gleichungen mit positiven KoefÀzienten.

627 Heraklios

B

Der oströmische Kaiser Heraklios erbeutet auf seinem Persienfeldzug aus Zuckerrohr gewonnenen festen Zucker. Dieser wird wahrscheinlich in Indien schon seit etwa 300 hergestellt.

G

Unter Brendan, Abt des Klosters Clonfert (Grft. Galloway), beginnen die Fahrten irischer Mönche zur Erkundung des Nordatlantik. Brendan soll die Schrift De fortunatis insulis verfaßt haben. Dabei handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um eine Seefahrerlegende, die aber zur Vorstellung anregt, westlich des Atlantik Land zu Ànden.

um 633 Li Chunfeng

A

Li Chunfeng vervollkommnet die Armillarsphäre durch Einführung weiterer Beobachtungsringe, u. a. für die Mondbahn.

um 635 M • W Die Geschichte der Sui-Dynastie verweist auf zahlreiche indische Werke zur Astronomie und Mathematik, erster Beleg des zuvor erfolgten Wissenstransfers.

635 A

Die Geschichte der Jin-Dynastie enthält die erste schriftliche Überlieferung der eventuell schon früher bekannten Erkenntnis chinesischer Astronomen, daß der Kometenschweif stets von der Sonne weg gerichtet ist.

um 650 Sun Simiao

um 628

B

Der hinduistische Mathematiker Brahmagupta behandelt in der Brahmasphutasiddhanta die Lösung diophantischer Gleichungen ersten und zweiten Grades, Elemente der Kombinatorik u. a. Er studiert das Vierseit und arithmetische Operationen, bei denen die Null bzw. negative Zahlen auftreten.

Sun Simiao schreibt, möglicherweise als Teil seiner enzyklopädischen Zusammenstellung zur Medizin, ein bedeutendes Werk über Akupunktur, Moxibustion sowie andere Therapiemaßnahmen. In drei großformatigen Karten zeichnet er die Akupunkturpunkte und die sog. Kanäle am menschlichen Körper ein. Rund 100 Jahre später verfeinert dies Wang Tao mit zwölf Karten in einem Werk zur gleichen Thematik.

629

655

Brahmagupta

Xuanzang

M

G

Der Mönch Xuanzang pilgert bis 645 durch Gobi – Pamir – Tarim-Becken – Pamir – Kaschmir

Brahmagupta

A

Der Inder Brahmagupta setzt sich mit astronomischen Lehren seiner Vorgänger auseinander. Er

69

656 – 715

vermittelt dabei auch trigonometrische Kenntnisse, speziell wie man in einer Sinustafel den Wert für einen Zwischenwinkel bestimmt.

um 656 A • M Li Chunfeng kommentiert mit mehreren Schülern zahlreiche bedeutende chinesische mathematische Abhandlungen und schreibt die astronomischen Kapitel zur Geschichte der Jin- bzw. der Sui-Dynastie. Li Chunfeng

B • C Die Existenz einer Apotheke in Bagdad läßt auf eine beginnende Professionalisierung von Arzneimittelhandel und -herstellung schließen. Geograph von Ravenna

G

Ein anonymer Autor, der sog. Geograph von Ravenna, verfaßt eine fünfbändige Kosmographie der bekannten Welt von Indien bis Europa und Afrika, der er eine Weltkarte beifügt. Die Erde nimmt er als Scheibe an.

658 um 703

G

Abschluß einer sechzigbändigen, mit Karten versehenen Landeskunde der neugewonnenen Westländer Chinas, die im Norden bis Tarbagaltai, im Süden bis an den Indus reichten. Einige Bände sind erhalten.

um 662 ¯ oh ¯ t Severus Seb A Û Der syrische Gelehrte Severus S¯eb¯oht verfaßt aus

griechischen Quellen ein Buch überÛdas Astrolab sowie weitere astronomische Schriften.

662 ¯ oh ¯ t Severus Seb M Û S¯eb¯oht erwähnt erstmals auDer Syrer Severus

ßerhalb Indiens die neunÛ indischen Ziffern ohne die Null und lobt diese Zahlschreibweise.

665 Li Chunfeng

M

Li Chunfeng berechnet einen neuen Kalender für China. Um die Irregularitäten der Sonnenbewegung am Himmel zu erfassen, nutzt er Interpolationsformeln mit Differenzen zweiter Ordnung.

um 673 Kallinikos von Heliopolis

C

Kallinikos von Heliopolis soll das „griechische Feuer“, einen auf dem Wasser brennenden Brandsatz aus Schwefel, Steinsalz, Harz, Erdöl, Asphalt und gebranntem Kalk erfunden haben.

um 700 B

In Mitteleuropa wird im Verlaufe des 8. Jahrhunderts die Dreifelderwirtschaft mit Fruchtwechsel eingeführt. Dies hat zusammen mit der Verbesserung der PÁüge eine deutliche Erhöhung der landwirtschaftlichen Erträge zur Folge.

Beda Venerabilis

M

Der Benediktiner Beda Venerabilis verfaßt basierend auf Schriften von Plinius d. Ä. und Isidor von Sevilla Schulbücher über Naturerscheinungen und Chronologien. Seine Handschrift zur Chronologie ist eine der wenigen Quellen zum Fingerrechnen und wurde 725 überarbeitet. Beda Venerabilis

G

Beda Venerabilis gibt in seinem Werk De natura rerum einen Abriss der physischen Weltbeschreibung. Die Lehre von den Elementen, die Meteorologie, Hydrographie und die übrigen Erscheinungen der ErdoberÁäche werden besprochen, woran sich eine kurze Länderkunde anschließt. Beda Venerabilis

G

Beda Venerabilis nimmt an, daß das Wasser ursprünglich nicht in Áüssiger Form, sondern vielmehr als Nebel die Erde bedeckt hat und erst zu Meeren zusammengeÁossen ist, als die Nebel zu Tropfen wurden. Dies ist für die Lehre von der Entstehung des Landes bzw. der Gebirge aus der ursprünglich wasserbedeckten Erde von Bedeutung. Die Erde ist für ihn eine vom Wasserhimmel umgebene Kugel.

um 715 Beda Venerabilis

A

Beda Venerabilis führt die Zeitrechnung des Dionysius Exiguus von 525 in die Geschichtsschreibung ein und wendet sie in seinen Ostertafeln an. Erst dadurch wird die dionysische Ära weit verbreitet zur allgemeinen christlichen Zeitrechnung. Viele Festlegungen Bedas bezüglich des Kalenders, wie Jahresanfang, Namen der Monate und Wochentage, erwiesen sich als endgültig.

720 – 760

70

um 720 Yi Xing

um 729 M

Der Mönch Yi Xing erzielt erste Ergebnisse über Permutationen, die er u. a. für astrologische Zwecke nutzt.

721 Yi Xing

A

Der von der hellenistisch-indischen Astronomie beeinÁußte Yi Xing führt bis 725 umfangreiche Beobachtungen und Messungen durch und entdeckt durch Vergleich mit älteren Sternkatalogen für einige Sterne eine Veränderung von deren Position, die als Eigenbewegung dieser Sterne gedeutet werden kann. Außerdem kombiniert er die Messung der geographischen Breite mit der geographischer Distanzen und führt die erste Meridianmessung durch. Damit legt er den Grundstein für die astronomische Geodäsie. Willibald

G

Der erste Bischof von Eichstätt, Willibald, unternimmt bis 730 eine Pilgerreise ins Heilige Land (Palästina) und verfaßt eine ausführliche Beschreibung seiner Wallfahrt.

um 725 Yi Xing

A

Qutan Xida

M

Der Inder Qutan Xida bringt eine frühe Form der indische Trigonometrie, die indische Ziffern, einschließlich der Null, und das Rechnen mit ihnen nach China. Qutan Xida

A

Qutan Xida schreibt ein umfangreiches astrologisches Werk, das auch die indische Kalenderrechnung enthält.

um 750 M

Der griechische Akhmim Papyrus belegt eine über 2000 fast unveränderte ägyptische Rechentechnik und soll Einblick in die praktische griechische Arithmetik geben. C

In einer Handschrift über die Chemie aus der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts, die Vorschriften, z. B. zum Vergolden von Metallen, Färben der Haut und Färben von Glas enthält, treten erstmals die Namen Vitriol für ein unreines Eisensulfat und Bronze für eine Legierung aus Kupfer, Zinn und Blei auf. Die Quellen dazu stammen vermutlich aus hellenistischer Zeit.

Yi Xing konstruiert mit Liang Lingzan eine neue Armillarsphäre, bei der die Bewegung der Himmelskörper auf die Ekliptik und nicht auf den Himmelsäquator bezogen wird. Der Mechanismus wird durch eine Wasseruhr angetrieben und hat erstmals eine Hemmung.

Irische Mönche entdecken 755 (oder früher) Island und halten sich dort während der Sommermonate auf.

725

756

um 755 G

A

W

Beda Venerabilis berechnet in der Schrift De temporum ratione erstmals auf der Basis des Meton-Zyklus einen fortlaufenden 532jährigen Zyklus des Osterfestes. Zugleich äußert er die Überzeugung, daß die Gezeiten durch den EinÁuß des Mondes verursacht sind. Er untersucht auch besondere Erscheinungen wie Spring- und NippÁuten sowie deren spezielle physikalische Ursachen.

Mit Gründung des selbständigen Emirats, später Kalifats, Cordoba gelangt insbesondere über die Zentren Cordoba, Sevilla und Toledo arabische Wissenschaft über Spanien nach Europa.

Beda Venerabilis

727 Yi Xing

M

Yi Xing berechnet einen neuen Kalender und benutzt dazu Methoden der unbestimmten Analysis.

um 760 á abir ¯ ¯ G Ibn H . aiyan

C

á abir Ibn H.aiy¯an), der teilweise umGeber (G¯ strittene Verfasser mehrerer alchemistischer Abhandlungen, besitzt bemerkenswerte chemische Kenntnisse. Sein Hauptziel ist die Metallveredlung. Er stellt eine Schwefel-QuecksilberTheorie der Metalle und eine erste Theorie der geologischen Bildung von Metallen auf.

71

760 – 786

Erstere besagt, daß Metalle unter dem EinÁuß der Planeten aus jeweils unterschiedlichen Anteilen von Schwefel und Quecksilber entstehen. Diese Theorie wird um 950 von den Lauteren Brüdern von Basra weiterentwickelt.

sie als Reste einer ehemaligen Meeresbedeckung bzw. als Reste von Organismen. Zugleich geht er auf die Tropfsteinbildung ein (vgl. 320).

á abir ¯ ¯ G Ibn H . aiyan

C

A • M Muh.ammad Ibn Ibr¯ah¯×m al-Faz¯ar¯× übersetzt im Auftrag von Kalif al-Mans.u¯ r ein astronomisches Werk aus dem Sanskrit ins Arabische. Seine Schriften helfen, indische astronomische Kenntnisse und eventuell die indischen Ziffern im arabischen Reich bekanntzumachen, und begründen eine lange Tradition.

á abir ¯ ¯ G Ibn H . aiyan

G

á abir Ibn H.aiy¯an) wendet als chemische Geber (G¯ Reinigungsmethoden die Destillation, die Kristallisation und die Filtration an. Er kennt zahlreiche Legierungen und ihre Herstellungsverfahren und beschreibt die Darstellung von Schwefelsäure, Salpetersäure, Kupfervitriol, Alaun, Königswasser und vieler anderer Verbindungen. á abir Ibn H.aiy¯an) unterscheidet in seiner Geber (G¯ Theorie der geologischen Bildung von Metallen drei Gruppen von Mineralien: 1) Geister (Substanzen, die sich im Feuer verÁüchtigen, z. B. Schwefel); 2) Metalle (Körper, die sich schmelzen und hämmern lassen und glänzen); 3) mineralische Körper (Körper, die im Feuer schmelzen oder erhalten bleiben, sich aber nicht hämmern lassen, sondern zerbröseln).

772/73 ¯ ×m al-Fazar¯ ¯ × Muh.ammad Ibn Ibrah¯

um 780 Karl der Große

782

762 ¯ al-Mans.ur

W

Karl der Große beginnt ein staatlich gelenktes Bildungssystem aufzubauen. In Ausführung seiner Erlässe werden die Klöster zu Zentren einer angewandten Naturlehre. Er führt außerdem ein neues Maß- und Gewichtssystem sowie einen neuen Kalender ein.

W

Alkuin

W

Kalif al-Mans.u¯ r läßt am 30. Juli mit dem Ausbau Bagdads zur neuen Hauptstadt sowie zum geistigen und wirtschaftlichen Zentrum beginnen. Er regt die Übersetzung zahlreicher Schriften ins Arabische an.

Alkuin reorganisiert in den folgenden Jahren im Auftrage Karl des Großen das Bildungswesen im Frankenreich auf der Basis der Artes liberalis, stützt die karolingische Frührenaissance und verbreitet u. a. Kenntnisse des Beda Venerabilis.

768

785

Pippin III.

B

Der Frankenkönig Pippin III. erwähnt in einem Schenkungsbrief den Hopfenanbau.

um 770 ¯ ×m al-Fazar¯ ¯ × Ibrah¯

A

Ibr¯ah¯×m al-Faz¯ar¯×, erster Konstrukteur eines arabischen Astrolabs, schreibt über Armillarsphären, Astrolab, Kalender u. a. Das Werk wird teilweise seinem Sohn Muh.ammad Ibn Ibr¯ah¯×m al-Faz¯ar¯× zugeschrieben. Yen Chen-Qing

G

Nachdem Beschreibungen von versteinerten Tieren in der chinesischen Wissenschaft seit etwa 500 nachweisbar sind, bringt Yen Chen-Qing die Fossilien mit den Vorstellungen über den Wechsel von Land und Meer in Zusammenhang und deutet

Jia Dan

G

Beginn der Zusammenstellung einer Beschreibung von zehn chinesischen Provinzen und der angrenzenden Gebiete durch Jia Dan und dem Entwurf von Karten und Itinerarien. Darunter soll die Karte Chinas mit angrenzenden Gebieten 10 m mal 11 m groß gewesen sein. Das Werk wird erst nach 801 vollendet.

786 ¯ un ¯ ar-Raš¯×d Har

W

Nach der Machtübernahme als Kalif veranlassen H¯ar¯un ar-Raš¯×d und die Mitglieder seines Hofes auch die Übersetzung vieler wissenschaftlicher Schriften aus dem Griechischen, Persischen oder Sanskrit ins Arabische, sowie die Gründung einer Bibliothek.

800 – 825

72

um 800 Han Yan

um 807 M

Einhard

A

Han Yan benutzt wohl erstmals gelegentlich die moderne Dezimalbruchnotation, in dem er nur noch die letzte ganze Zahl markiert und die Maßeinheiten bei den anderen Ziffern wegläßt.

Einhard erwähnt in der Biographie Karl des Großen erstmals SonnenÁecken, die man als Merkurdurchgang deutet.

¯ a¯ c allah ¯ Maš

Li Gi Fu

A

um 810 G

Eine dem jüdischen Astronom M¯aš¯ac all¯ah zugeschriebene Abhandlung zum Astrolab entsteht Ins Lateinische übersetzt zählt sie im Mittelalter zu den populären Texten über dieses Gerät. In der Abhandlung werden griechische, sasanidische und indische Kenntnisse verarbeitet.

Die Topographie der befestigten Städte Chinas des Gelehrten Li Gi Fu soll 54 Rollen umfaßt und eine große Karte enthalten haben. Eine weitere Karte befand sich in Li Gi Fus großer geographischer Enzyklopädie von 814.

P

¯ al-Hwarizm¯ × M Û w¯arizm¯× verschmilzt griechisches und indial-H

Die Kardanaufhängung wird in Europa im 9. Jahrhundert bekannt. Shen Kuo

P

Im Verlauf des 9. Jahrhunderts wird in China die Deklination der Magnetnadel entdeckt, deren erste genaue Beschreibung Shen Kuo um 1088 liefert. Dort ist auch der Einsatz der Magnetnadel zur Navigation belegt, der erstmals im 10./11. Jahrhundert erfolgte. C • B Der aus den Blättern des Waid gewonnene blaue Farbstoff wird erstmals erwähnt. al-As.mac i

B

al-As.mac i schreibt mehrere Bücher über Tiere und den Menschen, die zahlreiche anatomische Kenntnisse vermitteln.

804 Hrabanus Maurus

W

Hrabanus Maurus stellt bis 842 im Kloster Fulda in Schriften, Lehrbüchern und um 850 in einer 22bändigen Enzyklopädie De rerum naturis das Wissen des lateinischen Mittelalters zusammen, behandelt z. B. die Ausbildungsmethoden für Geistliche und die sieben freien Künste (Artes liberales), zahlreiche geographische Fragen sowie die Berechnung des Osterfestes (Computus).

um 805 ¯ al-H . agá gá a¯ gá Ibn Yusuf

M

al-H.aággá a¯ gá Ibn Y¯usuf übersetzt erstmals die Elemente des Euklid ins Arabische.

um 815 Û Wissen im Buch zur Algebra, das eine sysches stematische Lösungstheorie für lineare und quadratische Gleichungen, einschließlich geometrischer Lösungen enthält und später außerordentlichen EinÁuß auf das mathematische Denken im Mittelalter hat. ¯ al-Hwarizm¯ × A Û w¯arizm¯× verbreitet Methoden der indischen al-H

Û Astronomie in der arabischen Welt. Sein Buch war zwar bald überholt, wurde aber viel benutzt und weit verbreitet.

um 825 ¯ al-Hwarizm¯ × M Û w¯arizm¯× schreibt das erste arabische Buch, al-H

dasÛ das Rechnen mit den indischen Ziffern erklärt. Es fördert wesentlich die Verbreitung dieser Ziffern und ist die wichtigste diesbezügliche Quelle im mittelalterlichen Europa. ¯ H . abaš al-Hasib

A

H.abaš al-H¯asib stellt mehrere astronomische Tabellen auf, verbreitet Teile der ptolemäischen Theorie und gibt in Einzelfällen, etwa in der Mondtheorie, abweichende, verbesserte Lösungen.

825 Abu¯

Mac šar

A

Ab¯u Mac šar schreibt, griechische, persische und indische Traditionen zur Astronomie, Astrologie und Philosophie vereinigend, in den folgenden Jahren mehrere weit verbreitete Bücher, die die arabische Astrologie in die christliche Welt einführen.

73

825 – 847 G

c¯Isa ¯

Dicuil, ein im Frankenreich lehrender irischer Mönch, verfaßt eine Schrift über die Maße der Erde.

c ¯Is¯a

Dicuil

Ibn c Al¯×

um 829 A • G

¯ al-Mac mun

al-Mac m¯un errichtet in Damaskus ein weiteres Observatorium, läßt die Neigung der Ekliptik, Umfang und Durchmesser der Erde bestimmen sowie Tabellen der Planetenbewegung und eine Weltkarte anfertigen ¯ Sahl al-T.abar¯×, al-H . agá gá a¯ gá Ibn Yusuf

um 830 ¯ a¯ Banu¯ Mus

W • M

Die Gebrüder Ban¯u M¯us¯a organisieren in Bagdad die Übersetzung vieler griechischer Texte von Euklid, Archimedes, Aristoteles, C. Ptolemäus u. a. ins Arabische. Diese Übersetzungen haben die Wissenschaftsentwicklung wesentlich beeinÁußt. W • B H.unain Ibn Ish¯aq, einer der berühmtesten Übersetzer des 9. Jahrhunderts, beginnt mit seinen Mitarbeitern, große Teile der klassischen Werke von Hippokrates, Galen und P. Dioskurides sowie Schriften von Platon, Aristoteles und von deren Kommentatoren vom Griechischen ins Arabische bzw. Syrische zu übertragen. ¯ H . unain Ibn Ishaq

al-Kind¯×

W

al-Kind¯×, der erste arabische Philosoph, beginnt, ein enzyklopädisches zeitgenössisches Wissen zu verbreiten, und ist wesentlich an der Erarbeitung einer arabischen philosophischen und naturwissenschaftlichen Terminologie beteiligt. Er betreibt ausführliche Aristotelesstudien und schreibt zur Mathematik, Physik, Geographie, Astrologie, Meteorologie, Musik, Pharmazie, Medizin u. a. á al-Gauhar¯ ×

830 ¯ al-Mac mun

M

á al-Gauhar¯ × schreibt einen Kommentar zu Euklids Elementen und versucht, das Parallelenpostulat zu beweisen.

W

al-Mac m¯un gründet in Bagdad das „Haus der Weisheit“, eine Übersetzerakademie mit großer Bibliothek und Observatorium, und läßt viele bedeutende Werke aus dem Griechischen ins Arabische übertragen.

A

Sahl al-T.abar¯× übersetzt mit al-H.aággá a¯ gá Ibn Y¯usuf den Almagest des Ptolemäus ins Arabische. Sie wollen damit die existierende erste Übersetzung dieses Werkes verbessern.

A

Ibn c Al¯×, berühmt für die Herstellung astronomischer Geräte, schreibt eines der frühesten überlieferten arabischen Bücher über den Astrolab.

um 835 ¯ H . abaš al-Hasib

M

H.abaš al-H¯asib löst in der Theorie der Parallaxe die sog. Keplersche Gleichung x − a sin x = t mit einem Iterationsalgorithmus. A • M H.abaš al-H¯asib gibt die exakte Lösung für die Relation zwischen Tageszeit und Sonnenstand im Rahmen der sphärischen Astronomie. ¯ H . abaš al-Hasib

838 Ennin

G

Ennin, japanischer Buddhistenmönch, unternimmt 838–847 eine Reise durch China, die durch genaue Reiseaufzeichnungen dokumentiert ist.

um 840 W • P Der Byzantiner Leon initiiert das Sammeln und Abschreiben zahlreicher klassischer Werke von Archimedes, Euklid, Diophantos, C. Ptolemäus u. a. Darauf basiert fast die gesamte Überlieferung in griechischer Sprache. Außerdem benutzt er im Anschluß an Euklid Buchstaben zur Variablenbezeichnung und soll den im Byzantinischen Reich benutzten optischen Telegraphen und mechanische Apparate für den Magnaura-Palast in Byzanz erfunden haben. Leon

847 ¯ bih Ibn Hurradad G Û urrad¯ad¯bih, Leiter des Post- und NachrichIbn H

¯ Abassiden-Reich, schreibt 847/48 Û tenwesens im das Buch der Wege und Staaten, das eine wichtige Quelle der historischen Geographie Vorderasiens ist.

850 – 860

74

um 850 ¯ a¯ Banu¯ Mus

G M

Die Ban¯u M¯us¯a vereinen im Buch über die Messung ebener und sphärischer Figuren Ideen von Archimedes und Euklid. Sie geben „mechanische“ Lösungen der klassischen Probleme der Antike u. a. an, und benutzen arithmetische Operationen zur Bestimmung geometrischer Größen. Das Werk fördert die Verbreitung der Tradition von Euklid und Archimedes im arabischen und europäischen Mittelalter stark. ¯ H . abaš al-Hasib

M

H.abaš al-H¯asib gibt die vermutlich erste klare DeÀnition des Sinus und Sinus versus. Er führt zum Tangens und Kotangens äquivalente Begriffe ein und berechnet erste, auf drei Stellen genaue Tabellen. ¯ al-H Hilal . ims.¯×

M

Die Bücher I bis IV der Conica des Apollonios werden von Hil¯al al-H.ims.¯× ins Arabische übersetzt. Mahavira

Ibn Qutaiba

A

Al-FarÜga¯ n¯× gibt in seinen Elementen der Astronomie einen umfassenden Überblick und fügt eigenes Wissen hinzu, so die Abstände der Planeten von der Erde, die Schiefe der Ekliptik mit 23,33◦ und weitere Resultate der von al-Mac m¯un veranlaßten Messungen. Dieses erste große Werk zur Astronomie von den Arabern hat ab dem 12. Jahrhundert großen EinÁuß auf die europäische Astronomie.

Soliman

G

Soliman, ein arabischer Kaufmann aus Andalusien, bereist Indien und China. Er ist möglicherweise das Vorbild für die Märchengestalt von Sindbad dem Seefahrer.

850 C

In China sind Rezepturen bekannt, die im wesentlichen denen für Schießpulver entsprechen.

853 ¯ an¯ ¯ × al-Mah

A

Al-M¯ah¯an¯× beobachtet zwischen 853 und 866 Planetenkonjunktionen sowie mehrere Mondund SonnenÀnsternisse, die er z. T. vorausberechnet.

859 W

Gründung der Qarawiyin-Universität in Rabat, der ältesten Universität Afrikas.

um 860

G

Im Pahlawi-Lapidar, Teil eines mittelpersischen Kommentars zu einem religiösen Werk, werden sechs Steine allein nach ihren Farben unterschieden und hinsichtlich ihrer magischen Eigenschaften beschrieben. Diese Steine Ànden sich später als die „Farbenzaubersteine“ häuÀg in arabischen Texten über Mineralien.

G

Das sog. Steinbuch des Aristoteles, aus verschiedensten spätantiken Quellen kompiliert und erstmals bei Ibn Qutaiba erwähnt, beschreibt ca. 70 Steine und führt von jedem Stein die Art, das Vorkommen, die physikalischen (Farbe usw.) und chemischen Eigenschaften sowie die magischen Kräfte an. Die Steine werden eingeteilt in: 1) Edelsteine; 2) Schwefel und Arsenikverbindungen sowie Salze; 3) Metalle und Metallverbindungen; 4) Magnete; 5) im Inneren von Tieren entstehende Steine; 6) drei Gruppen magischer Steine.

M

Mahavira setzt im südindischen Mysore das Werk von Brahmagupta fort. Er erläutert die arithmetischen Operationen, insbesondere Bruchrechnung und Existenz zweier Wurzel bei quadratischen Gleichungen, summiert endliche arithmetische und geometrische Reihen, bestimmt pythagoreische Tripel, die Kombination von n Elementen zur r-ten Klasse u. a. ¯ × al-FargÜ an¯

Arabische Seefahrer kennen ein dem Kompaß entsprechendes Gerät.

¯ an¯ ¯ × al-Mah

M

Al-M¯ah¯an¯× verbessert die Übersetzung der Sphaerica des Menelaos, kommentiert Schriften Euklids und Aristoteles’. Er analysiert insbesondere die Proportionenlehre und greift auf die voreudoxische, antipharetische DeÀnition zurück.

75

860 – 873

¯ an¯ ¯ × al-Mah

M

J. Scotus Eriugena

A

Al-M¯ah¯an¯× versucht erstmals, die Archimedessche Aufgabe: Teilung der Kugel im vorgegebenen Verhältnis algebraisch zu lösen und formuliert die kubische Gleichung verbal.

Nach den Vorstellungen des J. Scotus Eriugena kreisen neben Venus und Merkur auch Mars und Jupiter um die Sonne.

¯ × al-FargÜ an¯ A • M Al-FarÜga¯ n¯× behandelt ausführlich die mathematische Theorie des Astrolabs und kommentiert die Tafeln des al-Hw¯arizm¯×. Û

um 870

¯ a¯ Banu¯ Mus

P

Die Ban¯u M¯us¯a fassen in einem Buch die Beschreibung von über 100 mechanischen Geräten, wie Wasseruhren, -räder, Brunnen, im Stile der Tradition Herons zusammen. Gardar Svavarsson

G

Gardar Svavarsson umfährt Island und vermittelt erstmals genauere Eindrücke von dem Gebiet.

um 865 ¯ a¯ Qust.a¯ Ibn Luq

W

al-Kind¯×

G

Mit seinen ab 865 am Hof des Herrschers von Armenien angefertigten Übersetzungen wird Qust.a¯ Ibn L¯uq¯a zu einem der bedeutenden Vermittler griechischer Wissenschaft. Er soll etwa 17 Abhandlungen vom Griechischen ins Arabische übertragen haben, darunter Schriften von Diophantos, Heron, Aristarchos, Autolykos, Galen und Aristoteles. Al-Kind¯× verfaßt zwei Traktate über Edelsteine und andere Steine sowie metallurgische Schriften. In letzteren beschreibt er u. a. viele Eisenund Stahlsorten sowie Legierungen, ferner Methoden der Härtung und die Kunst, Schwerter zu machen. al-Kind¯×

G

Im wesentlichen im Anschluß an Aristoteles führt al-Kind¯× das Wasser im Erdinneren, aus dem die Quellen und Flüsse entstehen, zum einen auf atmosphärischen Niederschlag zurück, zum anderen auf Umwandlungen von Luft in Wasser im Erdinneren.

um 866 J. Scotus Eriugena

W

J. Scotus Eriugena propagiert in seiner Enzyklopädie die von Gott ausgehende Einheit der Natur und vereinigt die westliche und östliche Form des Neuplatonismus.

W • M Ta¯ bit Ibn Qurra, bedeutender Mitarbeiter der ¯ u M¯us¯a, beginnt, Werke von Archimedes, Ban¯ Apollonios (Buch 5–7), Euklid, Theodosios, Galen, Autolykos, Eutokios und C. Ptolemäus ins Arabische zu übertragen und zu bearbeiten. ¯ Tabit Ibn Qurra ¯

¯ Ibn H Ish.aq . unain

M

Der Arzt Ish.a¯ q Ibn H.unain, einer der bedeutendsten Übersetzer, überträgt Werke von Aristoteles, Euklid, C. Ptolemäus (Almagest), Menelaos, Archimedes, Autolykos, Hypsikles, Galen u. a. vom Griechischen ins Syrische. ¯ Tabit Ibn Qurra ¯

M

¯ Tabit Ibn Qurra ¯

M

¯ Tabit Ibn Qurra ¯

M

¯ Tabit Ibn Qurra ¯

M

Ta¯ bit Ibn Qurra entwickelt in arithmetischer Ter¯ minologie eine Theorie der zusammengesetzten Verhältnisse, die er in den Arbeiten zur Messung von Figuren anwendet und die eine Erweiterung des Zahlbegriffs auf positive reelle Zahlen vorbereitet. Sein Vergleich der natürlichen Zahlen mit den geraden Zahlen mittels Zuordnung entspricht dem modernen Mächtigkeitsbegriff unendlicher Mengen. Ta¯ bit Ibn Qurra leistet Parabelquadratur und Ku¯ batur von Paraboloiden mit einer Methode, die der Bildung von Integralsummen entspricht. Er beweist mehrere Formeln, die Grenzwertaussagen äquivalent sind. Ta¯ bit Ibn Qurra versucht in zwei Arbeiten, das ¯ Parallelenpostulat des Euklid zu beweisen. Ta¯ bit Ibn Qurra gibt eine Formel zur Berechnung ¯ befreundeter Zahlen an.

873/74 M

Erstmaliges Auftreten der Null in Verbindung mit den indischen Ziffern in einem erhalten gebliebenen arabischen Manuskript.

875 – 900

76

um 875 ¯ Tabit Ibn Qurra M T¯ a¯ bit Ibn Qurra gibt in seinen Schriften zur Son-

¯ nenuhr Formeln an, die zum Sinus- bzw. Kosinussatz der sphärischen Trigonometrie äquivalent sind. ¯ Tabit Ibn Qurra A T¯ a¯ bit Ibn Qurra kommentiert Teile des Almagest

¯ Ptolemäus, behandelt als erster Araber die des Trepidation der Äquinoktien und ergänzt das Ptolemäische System durch eine weitere Sphäre. Alfred der Große

G

Alfred der Große bearbeitet die Geschichte gegen die Heiden von P. Orosius (vgl. 417) für Nordeuropa neu und zieht dazu Erkundigungen ein.

875 Othar

G

Othar, ein Normanne aus Nordnorwegen, berichtet von einer Umsegelung des europäischen Nordkaps, bei der er vermutlich bis zum Weißen Meer vordringt.

G

Wulfstan befährt auf offenbar bekannten Wegen die Ostsee. Sein Reisebericht wird von Alfred den Großen überliefert.

um 890 ¯ Ah.mad Ibn Yusuf

M

Der Ägypter Ah.mad Ibn Y¯usuf schreibt, Buch V der Elemente Euklids kommentierend, ein Buch über Verhältnislehre, das über Leonardo von Pisa, Jordanus Nemorarius u. a. das mittelalterliche Denken beeinÁußt.

um 900 ¯ Abu¯ Kamil

M

Ab¯u K¯amil vervollkommnet die Algebra des AlHw¯arizm¯×, er konstruiert beide reellen Wurzeln Û quadratischen Gleichungen, rechnet mit alvon gebraischen Größen, löst Gleichungen 4. Grades, benutzt als erster Araber Potenzen höherer als zweiter Ordnung u. a. ¯ Abu¯ Kamil

¯ Abu¯ Kamil

M

Ab¯u K¯amil verbindet in der Schrift über das Fünfund das Zehneck seine verbesserte Algebra mit der entwickelten Geometrie. Das Werk beeinÁußt

M

Ab¯u K¯amil behandelt unbestimmte Gleichungen und sucht in einigen Fällen ganzzahlige Lösungen. ¯ × al-Battan¯

M

Al-Batt¯an¯× stellt im Rahmen der Astronomie die Trigonometrie ausführlich dar, hebt die Überlegenheit der Sinus- gegenüber der Sehnentrigonometrie der Griechen hervor und berechnet entsprechende Tabellen. Tangens und Kotangens treten nur im Werk zur Gnomik auf. Er gibt neue elegante Lösungen von Aufgaben der sphärischen Trigonometrie, dabei treten der Kosinussatz u. a. Formeln auf. an-Nair¯×z¯×

M

An-Nair¯×z¯× schreibt bedeutende Kommentare zum Almagest des Ptolemäus und zu den Elementen von Euklid, wobei er wichtige Kommentarteile früherer Autoren vereinigt. Sridhara

um 880 Wulfstan

Leonardo von Pisa u. a. und fördert die formale Entwicklung der Algebra.

M

Der Inder Sridhara erklärt im Buch zur Arithmetik ausführlich das Rechnen mit Null und gibt eine Lösungsformel für quadratische Gleichungen. A

Die nordischen Völker zählen bis zur Christianisierung das Jahr zu 364 Tagen mit 12 Monaten zu 30 Tagen. Im 3. Sommermonat werden vier Ergänzungstage und fünfmal in 28 Jahren weiterhin eine Schaltwoche eingefügt. ¯ × al-Battan¯

A

Al-Batt¯an¯× vollendet, ptolemäische Ideen fortführend, vor 900 ein astronomisches Werk mit Tabellen, bestimmt viele astronomische Größen genauer als seine Vorgänger, kennt Exzentizität der Erdbahn und Präzession der Äquinoktien, behandelt aber die Planetenbewegung sehr ungenau. Das Buch hatte großen EinÁuß im europäischen Mittelalter. A • M An-Nair¯×z¯× stellt mehrere astronomische Tafeln auf, beweist den Sinus- und den Tangenssatz am sphärischen Dreieck und schreibt eine sehr gute Abhandlung über Konstruktion und Gebrauch des sphärischen Astrolab. an-Nair¯×z¯×

77

900 – 940

C • B Der Iatrochemiker ar-R¯az¯× versucht, chemische Substanzen zu klassiÀzieren und gibt etwa 25 chemische Apparate an. Er stellt effektive Arzneimittel in der Tradition Galens her und verfaßt zahlreiche medizinische Abhandlungen. ¯ × ar-Raz¯

¯ × ar-Raz¯

B

Die auf ar-R¯az¯× zurückgehende Enzyklopädie der Medizin Kit¯ab-al-H . a¯ w¯× umfaßt das griechische, indische und vorderasiatische medizinische Wissen jener Zeit und beschreibt die Pocken, die Masern und weitere Krankheiten.

900 Die in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts verfaßte umfassende englische Kräuterlehre, das sog. Heilbuch des Bald, ist eines der ältesten Heilbücher in einer Nationalsprache.

W

Al-F¯ar¯ab¯× studiert ab 910 die Werke Platons und vor allem von Aristoteles, kommentiert sie und hilft damit die griechische Philosophie, insbesondere die Logik, zu verbreiten. Er baut die Ansätze zur WissenschaftsklassiÀkation weiter aus und gilt als Begründer des sog. arabischen Aristotelismus.

um 920 ¯ Ish.aq

G

Ibn Fadlan vollendet den Bericht seiner Reise zu den Wolgabulgaren, die er 921/22 im Rahmen einer arabischen Gesandtschaft als deren Sekretär unternahm.

um 935

¯ ×m Ibn Sinan ¯ Ibrah¯

G

Ab¯u Sac¯×d al-H.asan publiziert die Berichte verschiedener arabischer Reisender und vermittelt Kenntnisse über China, Indien, Sansibar und die Südküste Arabiens. Die Chinareise von Ibn Wahb

A

Ibr¯ah¯×m Ibn Sin¯an schreibt einen Kommentar zum Almagest von C. Ptolemäus, über die scheinbare Bewegung der Sonne, den Astrolab und andere astronomische Instrumente.

um 940 ¯ ×m Ibn Sinan ¯ Ibrah¯

M

Ibr¯ah¯×m Ibn Sin¯an behandelt die Konstruktion von Kegelschnitten, insbesondere für praktische Probleme und setzt sich mit Synthesis und Analysis in der Geometrie auseinander. A

Das Manuskript einer Sternkarte von Qian Luozhi ist die vermutlich älteste erhaltene Karte, die die Mercatorprojektion benutzt und die Genauigkeit der früheren, stark stilisierten Darstellung übertrifft. ¯ × al-Hamdan¯

920

M

Anknüpfend an die Arbeit seines Großvaters Ta¯ bit Ibn Qurra gibt Ibr¯ah¯×m Ibn Sin¯an die zu ¯ jener Zeit einfachste Methode zur Parabelquadratur an.

Qian Luozhi W

Ish.a¯ q al-Isr¯ac¯×l¯× schreibt als einer der ersten jüdischen Philosophen über die KlassiÀkation der Wissenschaften, wobei er sich vor allem auf Werke von Aristoteles und al-Kind¯× stützt.

Abu¯ Sac¯×d al-H . asan

G

923

M

Ab¯u Utm¯an ad-Dimašq¯× schafft wichtige arabi¯ sche Übersetzungen der Werke von Aristoteles, Euklid, Galen, Porphyrios und insbesondere vom Papposschen Kommentar zum Buch X der Elemente Euklids.

al-Isra¯ c¯×l¯×

al-Balhi

Û i, ein arabischer Gelehrter aus Turkestan, Al-Balh Û sein Werk Abbildungen der Länder, vollendet eine Verbindung von Atlas und Länderbeschreibung, die jedoch auf den arabischen Raum beschränkt ist. Er beinÁußt damit stark die Arbeiten von al-Is.t.ahr¯×, Ibn H.awqal und al-Muqaddas¯×.

¯ ×m Ibn Sinan ¯ Ibrah¯

um 910

¯ ad-Dimašq¯× Abu¯ c Utman c ¯

921

Ibn Fadlan B

¯ ab¯ ¯ × al-Far

(ca. 870) wird besonders gewürdigt. Die Zusammenstellung ist eine der bedeutendsten Werke vor dem Bericht Marco Polos.

G

Al-Hamd¯an¯×, ein Universalgelehrter, der über Geschichte, Genealogie Arabiens, Astronomie, Philosophie und Altertumskunde arbeitet, verfaßt eine Beschreibung der arabischen Halbinsel mit poetischen Elementen Kit¯ab S.if¯at gá az¯×rat alc Arab.

942 – 964

78

um 942 ¯ × al-Hamdan¯

952/53 G

Al-Hamd¯an¯× verfaßt frühestens 942 eine Schrift über Gold und Silber und behandelt darin u. a. die Entstehung der mineralischen Substanzen aus Dämpfen im Erdinneren unter dem EinÁuß der Gestirne sowie die Theorie der stufenweisen Reifung der Metalle.

943 Abu¯ Dulaf

G

Ab¯u Dulaf bereist von Buchara aus 943–945 China und Indien. Sein Reisebericht ist in der Zusammenstellung sehr fraglich, jedoch sind die Details relativ zuverlässig. Ibn H . awqal

G

Ibn H.awqal bereist bis 973 große Teile der islamischen Welt von Spanien bis Aserbaidshan und Irak. Durch Berichte erhält er auch Kenntnisse über Nordeuropa.

um 945 C • G Al-Masc u¯ d¯× sieht in der Kondensation von Süßwasser beim Verdampfen einer Salzwasserlösung eine Bestätigung der Aristotelischen Behauptung, daß Wasser aus dem Meer verdunste. ¯ × al-Masc ud¯

al-Uql¯×dis¯×

M

Al-Uql¯×dis¯× benutzt in seinem Buch zum Rechnen mit den indischen Ziffern erstmals im islamischen Bereich Dezimalbrüche.

um 956 W • B Al-Masc u¯ d¯× überarbeitet in Kairo seine Enzyklopädie (vgl. 947). Er vertritt eine ständige Akkumulation des Wissens, eine kritische Übernahme der antiken Autoritäten und deutet in einer weiteren Schrift eine evolutionäre Entwicklung vom Mineral zur PÁanze, von der PÁanze zum Tier etc. an, die mehrfach in philosophischen Werken jener Zeit auftritt. ¯ × al-Masc ud¯

¯ × al-Masc ud¯

G

Obwohl vorwiegend Historiker behandelt alMasc u¯ d¯× in seiner Enzyklopädie auch geologische Fragen sowie Naturgeschichte und vermittelt viele länderkundliche Angaben, die er auf Reisen in Vorder- und Mittelasien, Kaukasien, Osteuropa sowie Nord- und Ostafrika sammelte. Er erwägt eine Erdumseglung und bezweifelt die Existenz eines Terra incognita. Außerdem erwähnt er erstmalig Windmühlen mit vertikaler Triebwelle und Segeln an den Flügeln.

um 960 945 M • A

Liu Xu

¯ al-Hazin M Û a¯ zin löst mittels Kegelschnitten die bisher Al-H

Liu Xu vollendet die 214bändige Geschichte der Tang-Dynastie, dabei vier Bücher zur chinesischen Mathematik und Astronomie bis 945.

Û ungelöste kubische Gleichung zur Teilungsaufgabe des Archimedes und gibt einen Beweis des Sinussatzes der sphärischen Trigonometrie.

947

961

¯ × al-Masc ud¯

G

Al-Masc u¯ d¯×, der sog. Herodot des Ostens, vollendet bis 947 eine 50bändige historisch-geographische Enzyklopädie.

um 950 Konstantinos VII. Porphyrogennetos

W

Der byzantinische Kaiser Konstantinos VII. Porphyrogennetos fördert Kunst und Wissenschaften und regt enzyklopädische Sammlungen an. Diese sind eine wichtige Quellensammlung, erschließen aber nur einen geringen Teil des antiken Wissens.

al-H . akam II

W

Al-H.akam II wird Kalif von Cordoba und fördert Kunst und Wissenschaften, insbesondere Mathematik, Astronomie und Medizin. Er sammelt alle ihm zugänglichen Manuskripte und baut eine große Bibliothek auf, die bei dem Transfer der Wissenschaft ins christliche Europa eine wichtige Rolle spielt. Die Universität Cordoba wird zu einem führenden Bildungszentrum der islamischen Welt.

um 964 ¯ × as.-S.uf¯

A

As.-S.u¯ f¯× ordnet im Buch der Fixsterne alle den Arabern bekannten Sterne, gibt deren Position

79

966 – 976

genau an und erwähnt erstmals den Andromedanebel.

¯ as.-S.afa¯ c Ihwan

um 966 ¯ ×m Ibn Ibrah¯

¯ Jac qub

G

Ibr¯ah¯×m Ibn Jac q¯ub bereist von Spanien aus Mitteleuropa und hält sich u. a. 973 am Hofe Ottos I. auf. Sein bedeutender Reisebericht, insbesondere über die Slawenländer östlich der Elbe, ist kulturhistorisch interessant.

967 Ibn H . awqal

970 W

Gründung der islamischen Universität al-Azhar in Kairo, die erst 1288 ihr erstes Statut erhält. Sie ist eine der beiden im arabischen Großreich geschaffenen afrikanischen Universitäten.

972 Gerbert von Aurillac

um 970 ¯ as.-S.afa¯ c Ihwan W Û Ihw¯an as-Saf¯ac (lauteren Brüder von BasDie . .

Û ra) sollen eine Enzyklopädie zusammengestellt haben, von der sich 14 Bücher mit Mathematik und Logik, 17 mit Naturwissenschaften sowie 11 mit Astronomie und Mystik befassen und die den EinÁuß hellenistischen Denkens auf die islamisch-arabische Theologie und Philosophie dokumentiert.

M

Gerbert von Aurillac lehrt ab 972 an der Kathedralschule Reims im Quadrivium Elemente der pythagoreisch-nikomachischen Zahlenlehre, wenige Sätze des Euklid und einige Regeln der Agrimensoren.

973 B

Das früheste chinesische PÁanzenbuch wird gedruckt.

M

Das Lehrbuch des Ab¯u-’l-Waf¯ac zur Arithmetik für Sekretäre, Schreiber u. a. enthält erstmals im arabischen Raum ein Beispiel des Rechnens mit negativen Zahlen, die als Schulden gedeutet werden. Er benutzt aber keine indischen Ziffern. ¯ Abu-’l-Waf a¯ c

G

Û Hinsichtlich der Entstehungsursachen unterscheiden die Ihw¯an as.-S.af¯ac (lauteren Brüder von Basra) dreiÛ Gruppen von Mineralien: 1) Salze, Schwefel, Alaune und Vitriole (entstehen in der Erde, in Lehm oder Morast); 2) Perlen und Korallen (in der Tiefe des Meeres); 3) Gold und andere Metalle (in Höhlen der Berge und im Innern der Gesteine).

G

Ibn H.awqal schreibt in Form eines Atlas des Islam sein Buch der Wege und Königreiche (Kit¯ab al-mas¯alik . . . ). Als Aktualisierung des gleichnamigen Werkes von al-Is.t.ahr¯× gedacht, wird es durch die Einbeziehung neuen Materials und eigener Reiseberichte wesentlich erweitert. Zwei weitere Ausgaben setzen 977 bzw. 988 diesen Trend fort.

¯ Abu-’l-Waf a¯ c

versteinert wurden, der jetzt Land ist, aber in früheren Zeiten Meer war.

M

Ab¯u-’l-Waf¯ac gibt ein Verfahren zur Ermittlung dritter, vierter und siebenter Wurzeln an. ¯ as.-S.afa¯ c Ihwan G Û Ihw¯an as-Saf¯ac (lauteren Brüder von Basra) Die . .

Û postulieren eine Art geologischen Zyklus: durch Erosion wird die bestehende ErdoberÁäche abgetragen, das Material durch die Flüsse ins Meer transportiert und dort abgelagert. Diese Schichten werden zu Bergen aufgerichtet und der Kreislauf beginnt erneut. Fossilien beschreiben sie als Überreste von Meerestieren, die an einem Ort

um 976 B • G Wu Shu stellt vermutlich die erste chinesische Enzyklopädie aller „himmlischen und irdischen Phänomene, der Botanik, Mineralogie und Naturgeschichte“ zusammen. Sie wird unmittelbar um 983 von der Taiping kaiserliche(n) Enzyklopädie abgelöst. Wu Shu

976 ¯ Muh.ammad Ibn Ah.mad al-Hwarizm¯ × W Û w¯arizm¯× stellt ein Muh.ammad Ibn Ah.mad al-H

enzyklopädisches Handbuch Û für gebildete Persönlichkeiten zusammen. Es analysiert zahlreiche Wissenschaften, insbesondere die Naturwissenschaften sowie deren Terminologie, und gibt dabei viele wissenschaftshistorische Fakten an.

976 – 990

80

985

M

Die indisch-arabischen Ziffern treten erstmals in einem Dokument des Klosters Albelda in Spanien auf und stimmem im wesentlichen mit den Ghubar-Ziffern überein.

977 ¯ Muwaffaq Abu¯ Mans.ur

B

Ab¯u Mans.u¯ r Muwaffaq vollendet seine Arzneimittellehre, in der er ca. 466 pÁanzliche und ca. 75 mineralische Arzneimittel beschreibt und eine allgemeine pharmakologische Theorie skizziert.

Bjarni Herjulfson

G

Bjarni Herjulfson gerät auf einer Überfahrt von Island nach Grönland 985 oder 986 zu weit nach Westen und soll die Küste von Nordamerika gesichtet haben. al-Muqaddas¯×

G

Al-Muqaddas¯× verfaßt nach einer ca. 15jährigen Reisetätigkeit eine Beschreibung des arabischen Reiches, die er 988 in überarbeiteter Version ediert.

um 980 ¯ Abu-’l-Waf a¯ c

Gerbert von Aurillac

M

Gerbert von Aurillac ist vermutlich der Erste im christlichen Europa, der die spanisch-arabischen Ghubar-Zahlen ohne die Null neben den römischen Ziffern in einem wissenschaftlichen Text über das Rechnen auf einem speziellen Abakus benutzt. á al-Hugand¯ × M Û uágand¯×, einer der drei Entdecker des SinusAl-H

Û am sphärischen Dreieck, soll unvollständig satzes bewiesen haben, daß a3 + b3 = c3 für natürliche Zahlen nicht lösbar ist. c Al¯×

¯ al-Magá us¯ ¯ × Ibn al-c Abbas

B

c Al¯× Ibn al-c Abb¯as al-Maá gu¯ s¯× schreibt eine Enzy-

klopädie über theoretische und praktische Medizin.

um 982 ¯ ¯ × Abu-’l-Fath . al-Is.fahan¯

M

Ab¯u-’l-Fath. al-Is.fah¯an¯× verbessert in der Übersetzung der Conica des Apollonios von Ta¯ bit Ibn ¯ sie. Qurra die Bücher 4 bis 7 und kommentiert

983 Li Fang

986

M

Ab¯u-’l-Waf¯ac , einer der bedeutenden arabischen Kommentatoren griechischer Werke, leistet einen großen Beitrag zur Entwicklung der Trigonometrie, indem er u. a. wohl erstmals die Bedeutung des Sinussatzes der sphärischen Trigonometrie herausstellt und ihn beweist. Er verbessert die Berechnungsmethode für Sinustafeln und erzielt weitere Ergebnisse zu Winkelfunktionen.

Erik Raude

Gerbert von Aurillac

Unter Leitung von Li Fang wird eine 1000 Bücher umfassende Enzyklopädie der Sung-Dynastie fertiggestellt.

G

Gerbert von Aurillac, der spätere Papst Silvester II., schreibt explizit, daß die Erde Kugelform hat.

um 988 ¯ × al-Kuh¯

M

Al-K¯uh¯× löst spezielle kubische Gleichungen geometrisch mittels Kegelschnitten und diskutiert Lösbarkeitsbedingungen.

988 W • A Sultan Šaraf al-Dawla läßt in Bagdad ein Observatorium errichten. Die Instrumente dafür werden von as.-S.a¯ gÜ a¯ n¯× gebaut, die wissenschaftliche Tätigkeit leitet al-K¯uh¯×. Der Bau ist nur eine von zahlreichen wissenschaftsfördernden Maßnahmen der Bujiden-Herrscher, die auch in anderen Städten astronomische Beobachtungen durchführen lassen, Krankenhäuser einrichten u. ä. Šaraf al-Dawla

um 990 ¯ Abu-’l-Waf a¯ c

W

G

Nachdem er von 982–985 die Siedlungsgebiete in Südwest-Grönland erkundet hat, wandert Erik Raude mit 25 Schiffen und 500(?) Menschen nach Grönland aus und gründet die sog. Ostsiedlung. 14 Schiffe erreichen das Ziel.

M

In dem nach 990 vollendeten Buch zur praktischen Geometrie gibt Ab¯u-’l-Waf¯ac eine Reihe von Konstruktionen an, die mit Lineal und Zirkel bei fester Zirkelöffnung ausführbar sind.

81

990 – 1001

Heriger von Lobbes

M

Der Benediktiner Heriger von Lobbes schreibt über den Abakus und trägt damit zum Aufschwung der Arithmetik zu Beginn des 11. Jahrhunderts bei. á al-Hugand¯ × A Û uágand¯× konstruiert mehrere astronomische Al-H

Û Instrumente, u. a. ein spezielles Gerät „Sextant“ um die Schiefe der Ekliptik zu ermitteln. Diese bestimmt er 994 zu 23◦ 32 19 . ¯ Ibn Yunus A • P Ibn Y¯unus soll den Gnomon als Beobachtungsinstrument verbessert haben.

994/95 Gerbert von Aurillac

A

Gerbert von Aurillac konstruiert in Magdeburg ein Horologium, eine Sonnenuhr oder ein Astrolab, das er auf den Polarstern bezieht.

996 B • C Von den Arabern kommt der Rohrzucker über Alexandria nach Venedig.

um 1000 W • B Am Ende des 10. Jahrhunderts bildet sich in Süditalien die medizinische Schule von Salerno als erste wissenschaftliche Schule in Europa heraus, deren Blütezeit zwischen 1100 und 1180 liegt. 1140 erhält sie ofÀziellen Status und wird unter den Schutz Roger von Siziliens gestellt. Roger von Sizilien

Halayudha

M

Der Inder Halayudha gibt das Pascalsche Dreieck der BinomialkoefÀzienten an. á× al-Karag¯

M

Al-Karaág¯× gibt in einem Buch zur Arithmetik Neuner- bzw. Elferprobe sowie in zwei anderen Werken die Summation von Reihen mit geometrischen Beweis an und schreibt zu diophantischen Gleichungen. ¯ Ibn Labban ¯ Kušyar

M

Kušy¯ar Ibn Labb¯an führt Anfang des 11. Jahrhunderts die Ausarbeitung der Trigonometrie, speziell Ab¯u-’l-Waf¯ac s Studien über den Tangens, fort und setzt diese in astronomische Tabellen um. Außerdem schreibt er über das Rechnen mit den

indischen Ziffern und das Sexagesimalsystem, eine der frühesten noch erhaltenen Quellenschriften. Notker Labeo

M

Notker Labeo fertigt erste Übersetzungen vom Lateinischen ins Deutsche an, schreibt u. a. zur Logik und zur Computus genannten Berechnung des Osterfestes. ¯ × al-B¯×run¯

A

Das zum Studium antiker Tabellen, Kalender usw. notwendige astronomische Grundwissen wird von al-B¯×r¯un¯× zusammengestellt. Ibn al-Haitam

A

¯ ¯ ×n¯× Masawaih al-Mard¯

C

Ibn al-Hait¯am schreibt eine Abhandlung über die ¯ Universums, die sich mit der Lehre Gestalt des des C. Ptolemäus auseinandersetzt und großen EinÁuß unter christlichen und jüdischen Astronomen hat. M¯asawaih al-M¯ard¯×n¯× gewinnt Erdöl durch Erhitzen von Ölschiefer oder Asphalt. B

In der chinesischen Provinz Szechuan wird vorbeugend gegen Pocken geimpft. Größere Verbreitung und Nutzung Àndet diese Methode jedoch erst in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts ¯ ¯ ¯ × Abu-’l-Q asim az-Zahraw¯

B

Ab¯u-’l-Q¯asim az-Zahr¯aw¯× verfaßt in Cordoba ein im Mittelalter weitverbreitetes Handbuch über Chirurgie. Leif Erikson

G

Leif Erikson vom Sturm verschlagen, landet an der Küste Nordamerikas, vermutlich Nova Scotia, das er Vinland nannte, und segelt bis etwa zum heutigen Boston. Diese vorkolumbianische Entdeckung Amerikas blieb ohne historische Folgen.

1001 Ibn S¯×na¯

W

Der islamische Philosoph und Arzt Ibn S¯×n¯a gibt in seinen ab 1001 geschriebenen philosophischen Enzyklopädien eine WissenschaftsklassiÀkation an. Ideen von Platon und Aristoteles verarbeitend, entwickelt er ein mehrteiliges, in sich geschlossenes System der Wissenschaften, das die Naturwissenschaften als Teil der Philosophie einordnet.

1005 – 1020

82

um 1005 ¯ ¯ ×n¯× Masawaih al-Mard¯

B

M¯asawaih al-M¯ard¯×n¯× schreibt eine aus mehreren Schriften zusammengesetzte Pharmakopie, die für Jahrhunderte ein Standardwerk der Pharmazie in Europa wird.

1005 al-H . akim

Er gilt als ein Pionier der Arithmetisierung der Algebra, hat aber keine algebraische Symbolik. c Al¯×

c Al¯×

¯ Ibn c¯Isa¯ al-Kah.h.al

W

In Kairo wird durch den Fatimiden-Kalif alH.akim ein „Haus der Weisheit“ gegründet. Das neue Wissenschaftszentrum besteht bis 1171.

1006 A

Eine Supernova wird in China, Japan, Europa und den arabischen Ländern beobachtet und bleibt mehrere Jahre sichtbar.

um 1015 C • G Ibn S¯×n¯a lehnt die Annahme einer Umwandlung der Metalle ineinander durch Transmutation ab. Sie entstehen vielmehr aus eigenen und jeweils bestimmten Arten von Erden bzw. aus Schwefel und Quecksilber in jeweils speziÀschem Verhältnis. Erstmals ordnet er Quecksilber als Metall ein. Ibn S¯×na¯

um 1020

1007 A • M

¯ Ibn Yunus

Ibn Y¯unus vollendet nach ca. 15jähriger Tätigkeit die Zusammenstellung der Hakimitischen Tafeln. Er hatte dazu die Beobachtungsdaten der letzten zwei Jahrhunderte sehr kritisch ausgewertet und die Werte astronomischer Konstanten verbessert. Weiterhin löst er Probleme der sphärischen Trigonometrie durch Orthogonalprojektion, führt neue Interpolationsformeln ein und berechnet eine gute Näherung für sin 1◦ .

1009 ThorÀnn

G

ThorÀnn versucht 1009–1012 von Grönland aus eine Ansiedlung von Normannen, wahrscheinlich im Gebiet des heutigen New York, zu errichten. Der Versuch mißlingt, da die Siedler von den Eingeborenen vertrieben werden.

M

á ud versucht Anfang des 11. JahrhunAb¯u-’l-G¯ derts als einer der ersten, eine geometrische Theorie kubischer Gleichungen unter Nutzung von Kegelschnitten aufzustellen. á× al-Karag¯

Ibn al-Haitam W • P ¯ Der in Kairo wirkende bedeutende arabische Physiker und Mathematiker Ibn al-Haitam führt das ¯ qualitative Experiment in die Naturwissenschaften ein und fördert die mathematische Naturbeschreibung. Er publiziert etwa 200 Abhandlungen, hauptsächlich zu Optik, Lichtgeschwindigkeit und Theorie des Sehens, daneben zu Bewegung, Kraft, Wärme, Vakuum sowie Endlich- und Unendlichkeit des Universums. Mit ihm beginnt die Wandlung der geometrischen Optik von einer mathematischen zu einer physikalischen Disziplin. Bernelinus

M

Bernelinus faßt in Paris die Abhandlung von Gerbert von Aurillac zum Abakus zur ersten vollständigen Schrift über den Abakus zusammen. M • G Al-B¯×r¯un¯× beschreibt Verfahren zur Bestimmung der geographischen Ortskoordinaten, führt an Meridianen geodätische Messungen durch, bestimmt den Erdumfang mit 41 550 km und erläutert die stereographische und eine weitere Kartenprojektion. ¯ × al-B¯×run¯

um 1010 á ud ¯ G ¯ Abu-’l-

B

Ibn c ¯Is¯a al-Kah.h.a¯ l schreibt ein umfangreiches Werk über Augenkrankheiten. Er soll zur Schmerzlinderung bei Operationen betäubende Mischungen aus Mandragora und Opium benutzt haben.

M

Al-Karaág¯× behandelt im Buch zur Algebra möglicherweise als Erster Polynome beliebiger endlicher Ordnung, Ansätze zur Polynomdivision und das Rechnen mit quadratischen Irrationalitäten.

Ibn al-Haitam ¯

M

Ibn al-Haitam kommentiert die Elemente des Eu¯ Parallelentheorie stellt er erstmals klid. In der die Wechselbeziehung zwischen Parallelenpostulat und der Winkelsumme im Viereck klar heraus.

83

1020 – 1025

Ibn al-Haitam M Ibn al-Hait¯am löst einige spezielle Gleichungen

¯ 3. und 4. Grades, u. a. zum „Alhazen-Problem“ der Optik.

Ibn al-Haitam M ¯ am berechnet, Ideen al-K¯uh¯×s und Ibn al-Hait

¯ fortsetzend, das Volumen des Ta¯ bit Ibn Qurras ¯Rotationskörpers eines Parabelsegments bei Rotation um eine beliebige Ordinate. Ibn S¯×na¯

B

Ibn S¯×n¯a übermittelt in seinem al-Q¯an¯un Àt.-t.ibh, einer umfassenden medizinischen Enzyklopädie, medizinische Beobachtungen, die pharmazeutische Verwendung von Mineralien und insgesamt über 700 Arzneimittel der griechischen und arabischen Medizin an das mittelalterliche Europa. Ibn S¯×na¯

G

Ibn S¯×n¯a erörtert in seinem Kit¯ab aš-Šif¯ac (Buch des Heilens) grundlegende Fragen der Mineralogie, Geologie und Meteorologie, so die Entstehung und KlassiÀkation der Mineralien, die Gebirgsbildung u. a. Er unterscheidet die Mineralien in 1) Salze (wasserlösliche Körper); 2) Sulphura (Schwefel, brennbare Körper); 3) Steine (lapides); 4) Erze bzw. schmelzbare Körper (liquefactiva) und schafft damit die bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts gültige KlassiÀkation. Ibn S¯×na¯

G

Ibn S¯×n¯a vermerkt, daß die meteoritischen Gesteine im Himmel entstehen und von dort zur Erde fallen. Er kennt auch die sog. Fulgurite, röhrenartige Gebilde, die durch Blitzeinschlag aus Sand entstehen. Diese Erscheinung bestärkt ihn in der Annahme der gesteinsbildenden Kraft des Feuers. Ibn S¯×na¯

G

Ibn S¯×n¯a deutet zahlreiche Fossilien als Reste von Organismen und schließt daraus auf eine ehemalige Meeresbedeckung des Landes. Den Prozeß der Versteinerung schreibt er einer ’vis lapidiÀcativa’ (versteinernde Kraft) zu. Diese Kraft wirkt neben Wärme und Kälte auch bei der Bildung der Gesteine, die er auf eine Verbindung der Bestandteile durch Verdichtung und Verhärtung (Erstarren) von Niederschlägen aus Wasser zurückführt. Ibn S¯×na¯

Bildung von Lehm (Ton) und erklärt so direkt die Bildung von sedimentären Gesteinen. Ibn S¯×na¯

G

Das Auftauchen der Festlandsmassen wird von Ibn S¯×n¯a und vom Verfasser der pseudoaristotelischen Schrift De proprietatibus elementorum teilweise durch Sedimentbildung am Meeresboden erklärt. Für beide sind jedoch Vulkanausbrüche die Hauptursache, die ihrerseits durch unterirdische, komprimierte Luft entstehen. Letztere ist zugleich Ursache der Erdbeben.

um 1025 Abu¯ Nas.r Ibn

c Iraq ¯

M

Ab¯u Nas.r Ibn c Ir¯aq, einer der drei Entdecker des Sinussatzes am sphärischen Dreieck, fertigt die umfassendste arabische Version der Sphaerica des Menelaos an. ¯ Abu¯ Nas.r Ibn c Iraq

A

Ibn as-Samh.

A

Ab¯u Nas.r Ibn c Ir¯aq berechnet mit verschiedenen Formeln die Schiefe der Ekliptik.

Ibn as-Samh. berechnet in Granada astronomische Tafeln mittels der indischen Methoden, gibt dazu theoretische Erklärungen und schreibt über Bau und Gebrauch des Astrolabs. A • M Im Briefwechsel mit Ragimbold von Köln auf niedrigem mathematischen Niveau erwähnt Radulf von Lüttich vermutlich erstmals im christlichen Europa das Astrolab. Radulf von Lüttich

Ibn al-Haitam ¯

P

Ibn al-Haitam ¯

P

Aus der Dämmerungsgrenze von 19◦ Sonnenstand unter Horizont berechnet Ibn al-Haitam eine Höhe der Atmosphäre von etwa 30 km,¯ wobei er die seit C. Ptolemäus und auch ihm bekannte astronomische Refraktion vernachlässigt. Anderen Orts gibt al-Haitam die Höhe mit der halben Mondentfernung an.¯ Zuvor vermutete man sie bis zur Mondnähe ausgedehnt.

G

Islamische Gelehrte haben vielfach geologische Phänomene wie Erosion und Verwitterung sowie Sedimentation diskutiert. Ibn S¯×n¯a beschreibt sorgfältig seine Beobachtungen an Flußufern zur

In der Abhandlung über das Licht des Mondes berücksichtigt Ibn al-Haitam als erster die Phäno¯ Brechung des Lichts. mene der atmosphärischen

1027 – 1030

84

1027 Yan Su

P

Das Differentialgetriebe wird von Yan Su wiedererfunden und zum Bau eines Wagens mit ständig südwärts zeigender Figur ohne Benutzung von Magneten verwendet. Gelegentlich wird ein sog. südwärts weisender Wagen bereits im 3. bzw. 5. Jahrhundert erwähnt. Wang Weiyi

B

Wang Weiyi stellt ein Handbuch zur Akupunktur zusammen und baut mit seinen Mitarbeitern zwei BronzeÀguren des menschlichen Körpers, die die Akupunkturpunkte und -kanäle veranschaulichen.

um 1028 Ibn al-Haitam ¯

Ibn al-Haitam

P

Ibn al-Haitam ¯

P

¯ Beim Versuch, die Lichtbrechung physikalisch zu begründen, formuliert Ibn al-Haitam interessante Resultate zum Brechungsgesetz.¯ Die langsamere Bewegung des Lichtes im dichteren Medium annehmend, beweist er, daß Einfalls- und Brechungswinkel nicht proportional sind.

Das Phänomen der sphärischen Aberration wird durch Ibn al-Haitam entdeckt. Er beschreibt diese ¯ aris¯× überlieferten Abhandlung in seiner von al-F¯ über die Brennkugel.

P

In der Großen Optik befaßt sich Ibn al-Haitam mit der Natur des Lichts und der Farben.¯ Er entwickelt, über C. Ptolemäus hinausgehend, die Theorie des Lichts, das von selbstleuchtenden Körpern ausgesandt, in seiner Intensität mit der Weglänge der sich geradlinig ausbreitenden Strahlen abnimmt. Dabei wird ein Teil durch das Ausbreitungsmedium absorbiert und z. T. neu abgestrahlt. Ibn al-Haitam P ¯ am formuliert das sog. AlhazenIbn al-Hait

¯ Optik, das den oder die ReÁexiProblem der onspunkte auf einer sphärischen oder konischen OberÁäche sucht, vor der sich Betrachter und leuchtender Gegenstand beÀnden. al-Haitam löst ¯ und das Problem für sphärische, zylindrische konkave konische OberÁächen unter Rückgriff auf die Elemente von Euklid und die Conica von Apollonios. Ibn al-Haitam ¯

durch Licht unterschiedlicher Beschaffenheit erklärt wird. Dabei Àndet die Ausbreitung von Farben nur gemeinsam mit der Abstrahlung von Licht statt.

P

Ibn al-Haitam widerlegt in der Theorie des Sehens durch¯Experimente mit Leuchtern und Lochblende, daß Sehstrahlen vom Auge in Richtung auf den Gegenstand ausgehen. Er unterscheidet am Auge vier Häute, drei Flüssigkeiten und die darunter beÀndliche Kristallinse und erklärt das Einfachsehen mit dem gemeinsamen Sehnerv. Ibn al-Haitam P Mit Hilfe ¯des experimentellen Camera-obscura-

Effektes widerlegt Ibn al-Haitam, daß die Far¯ sei. Er formube vom Licht völlig verschieden liert eine Theorie der Farben, deren Erscheinung

um 1030 an-Nasaw¯×

M

An-Nasaw¯× schreibt eine persische praktische Arithmetik, in der er die Division von Brüchen und das Ziehen von Kubikwurzeln nach der Methode von Kušy¯ar Ibn Labb¯an erklärt. Dabei verwendet er Anregungen zur Dezimalbruchschreibweise aus der hindu-arabischen Arithmetik. ¯ × al-B¯×run¯

G

Al-B¯×r¯un¯× erklärt in seinem Werk Beschreibung Indiens die große indische Ebene als eine sedimentäre Bildung. Aus der Beobachtung, daß die Größe der Gerölle in den Flüssen vom Gebirge zum Meer hin ab- bzw. deren Rundungsgrad zunimmt, folgert er, daß Indien einst ein Meer gewesen ist, das nach und nach durch die Schuttmassen der Flüsse aufgefüllt wurde. Ähnlich schließt er aus Funden von Fischfossilien auf eine ehemalige Meeresbedeckung der Wüste Kara-kum (Turkmenien) und der Arabischen Wüste.

1030 M • A Al-B¯×r¯un¯× vollendet seine umfassende astronomische Enzyklopädie al-Q¯an¯un al-Masc u¯ d¯× mit wichtigen Teilen zur sphärischen Trigonometrie, Geodäsie und mathematischen Geographie, die indisches und arabisches philosophisches Wissen vereint. Er leitet die Herausbildung der Geodäsie als eigenständige Disziplin ein und gilt als bedeutendster Geograph des 11. Jahrhunderts. ¯ × al-B¯×run¯

85

1030 – 1050

M • A Al-B¯×r¯un¯× diskutiert das Ptolemäische Planetensystem sowie die Erdrotation und formuliert zur Erfassung der ungleichmäßigen scheinbaren Bewegung der Sonne eine funktionale Abhängigkeit. Seine geometrischen Betrachtungen sind der Bildung der ersten und zweiten Ableitung sowie notwendigen und hinreichenden Bedingungen für Extrema und Wendepunkte einer Funktion äquivalent.

1044

¯ × al-B¯×run¯

M • P Al-B¯×r¯un¯× hält in seinen naturphilosophischen Ansichten mehrere Welten für möglich, schließt die Existenz eines Vakuums nicht aus und schätzt die Lichtgeschwindigkeit ab. Er gibt eine quadratische Näherungsformel, deÀniert als einziger Mathematiker des Mittelalters, außer Ab¯u’l-Waf¯ac , die trigonometrischen Funktionen am Einheitskreis und vieles mehr.

P

In China wird die Induktion des Erdmagnetfeldes zur Remanenzmagnetisierung von Magnetnadeln genutzt und der Vorgang erstmalig beschrieben. Zeng Gongliang

¯ × al-B¯×run¯

¯ × al-B¯×run¯

M

In dem Buch über Indien gibt al-B¯×r¯un¯× einen Bericht über die indischen Ziffern, weitere Resultate zur Trigonometrie u. a. B • G

¯ × al-B¯×run¯

Al-B¯×r¯un¯× vermutet in seinem Werk über Indien eine natürliche Auslese der Lebewesen. In Hinsicht auf die Erdgeschichte spricht er von Veränderungen, die sich in sehr langen Zeiträumen vollziehen und von denen die verschiedenen Gesteine Zeugnis geben.

1034 ¯ ¯ × Abu-’l-Hak¯ ×m Muh.ammad al-Kath¯

C

Ab¯u-’l-Hak¯×m Muh.ammad al-K¯ath¯× schreibt eine wichtige Abhandlung zur Alchemie.

1041 Alphanus

B

Alphanus schreibt in Salerno Über die vier Säfte und über die Pulslehre.

um 1043 A • M Hermann von Reichenau schreibt zwei Werke über den Gebrauch des Astrolabs sowie eine kurze klare Abhandlung über den Abakus, wobei er nur römische Ziffern verwendet. Hermann von Reichenau

C

Zeng Gongliang beschreibt drei Schießpulverrezepturen und mehrere verschiedene Arten von Brandwaffen.

um 1045 ¯ × al-B¯×run¯

G

Al-B¯×r¯un¯× verfaßt zwischen 1040 und 1048 mit seinem Werk über die Edelsteine das bemerkenswerteste islamische Werk über Mineralien. Neben verschiedensten mineralogischen, physikalischen und medizinischen Aspekten der Mineralien bestimmt er erstmals die Dichte der Mineralien bzw. ihr relatives Gewicht zu Gold mittels eines Pyknometers.

um 1048 ¯ × al-B¯×run¯

B

Al-B¯×r¯un¯× beschreibt in einem unvollendeten pharmakologischen Werk die Wirkung von etwa 720 Drogen.

um 1050 W

Im 11. Jahrhundert wird in Nischapur eine der ersten Medressen, als eine teilweise den Universitäten vergleichbare Form höherer Ausbildung im Islam, gegründet. M. Psellos der Jüngere

W

M. Psellos der Jüngere wird eifriger Verfechter des Neuplatonismus in Konstantinopel, kommentiert aber auch Werke des Aristoteles. Liu Ruxie

M

Liu Ruxie publiziert etwa gleichzeitig mit Jia Xien erstmals in China das Pascalsche Dreieck der BinomialkoefÀzienten. ¯ Ibn al-WaÀd

B

Ibn al-W¯aÀd aus Toledo beschreibt, aufbauend auf P. Dioskurides und Galen, einfache Drogen und ihre Wirkungen. Die Untersuchungen beschäftigen ihn ca. 20 Jahre.

1050 – 1078

86

1050 Ibn Sac¯×d al-Andalus¯×

A

Ab Mitte des 11. Jahrhunderts stellt Ibn Sac¯×d alAndalus¯× mit anderen Astronomen umfangreiche Beobachtungen an, die dann die Basis für die Toledanischen Tafeln bilden. ¯ Ibn Bas.s.al

B

Ibn Bas.s.a¯ l verfaßt im 11. Jahrhundert ein auf Erfahrung beruhendes Buch über die Landwirtschaft.

1054

Grades sowie einen systematischen geometrischen Lösungsversuch für die 13 Typen der Gleichung 3. Grades an und unterscheidet erstmals Gleichungen mit keiner, einer bzw. zwei positiven Lösungen. G

Die mittelhochdeutsche Dichtung Merigarto (Die vom Meer umschlossene Welt) stellt, aufbauend auf eine lateinische Prosakosmographie und auf das 13. Buch der Etymologia des Isidor von Sevilla, Wissenswertes über Quellen, Flüsse und Meere zusammen.

A

Eine heute als Krebsnebel bezeichnete Supernova wird am 4. Juli in China, Japan und den arabischen Ländern beobachtet und bleibt 22 Monate sichtbar.

1059 Cai Xiang

B

Cai Xiang verfaßt das älteste Buch über ausschließlich eine NutzpÁanze, den chinesischen Obstbaum Li Zhi (Litchi sinensis).

1062 A • M Az-Zarq¯al¯× beginnt mit der Berechnung der Toledanischen Tafeln und gibt ca. 1089 in Cordoba einen Überblick über astronomisches und trigonometrisches Wissen seiner Zeit. ¯× az-Zarqal¯

Symeon Seth

B

Symeon Seth verfaßt in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts unter Einbeziehung arabischer und indischer Kenntnisse ein Nachschlagewerk über die medizinischen Eigenschaften von Nahrungsmitteln. Adam von Bremen

G

Adam von Bremen verfaßt eine Hamburgische Kirchengeschichte Gesta hammaburgensis ecclesiae ponteÀcium, die neben Biographien eine Beschreibungen nordischer Länder sowie Islands und Grönlands enthält. Sein Bericht gibt Europa erstmals Kunde von den normannischen Fahrten zum „Vinland“ (Amerika).

um 1077 ¯ al-Hayyam M Û ayy¯am vollendet in Isfahan seinen EuklidAl-H

1065 W

Gründung einer medizinischen Schule, aus der um 1414 die Universität Parma hervorgeht. Zhou Zonq

um 1075

A

Û kommentar, der seine Nachfolger stark beeinÁußt. Er gibt eine neue DeÀnition der Proportion inkommensurabler Größen und Àndet beim Studium zum Parallelenpostulat erste Sätze nichteuklidischer Geometrien.

Vollendung des neu ausgearbeiteten Kalenders der Song-Dynastie unter Leitung von Zhou Zonq.

um 1078 ¯× az-Zarqal¯

1066 A

Ein großer Komet, später als Halleyscher Komet bekannt, wird an verschiedenen Orten Europas und Asiens beobachtet.

um 1070 ¯ al-Hayyam M Û ayy¯am gibt in der Schrift zur Algebra eiAl-H

Û ne Typenunterscheidung der Gleichungen bis 3.

A

Az-Zarq¯al¯× baut die Saphea, ein Instrument, das dem Astrolab ähnelt und an verschiedenen Orten benutzt werden kann. Die zugehörige Beschreibung enthält die stereographische Projektion.

1078 Anselm von Canterbury

W

Anselm von Canterbury entfacht bei einer Systematisierung der christlichen Philosophie auf logisch rationaler Basis den Universalienstreit neu.

87

1079 – 1086

um 1079 ¯ al-Hayyam A Û ayy¯am entwickelt einen Plan zur Reform Al-H

des Ûalten persischen Kalenders und erreicht eine größere Genauigkeit als der Gregorianische Kalender.

um 1080 Wilhelm von Hirsau

A

Wilhelm von Hirsau baut ein Planetarium und schreibt zum Quadrivium über Astronomie und Musik. Constantinus Africanus

B

Constantinus Africanus fördert durch die Übersetzung medizinischer Texte, insbesondere von Hippokrates und Galen, aus dem Arabischen ins Lateinische die Schule von Salerno. Er ist einer der ersten Vermittler griechisch-arabischen Wissens ins lateinische Europa.

1080 Sac¯×d

as-Sahl

A

Sac¯×d as-Sahl baut 1080/81 den ersten erhalten gebliebenen Himmelsglobus in Valencia.

A

Az-Zarq¯al¯× ändert das Ptolemäische Planetenmodell durch Einführung eines elliptischen Deferenten für den Epizykel des Planeten Merkur.

1084 M

Die mathematische Enzyklopädie Mathematik in neun Büchern wird erstmals in China gedruckt.

um 1086 W • P Der chinesische Naturwissenschaftler Shen Kuo verfaßt eine Enzyklopädie in Form von Traumstromessays, die sich u. a. besonders mit Physik, Mathematik und Musik, aber auch mit astronomischen Fragen und der Beschreibung rezenter geologischer Vorgänge und Phänomene befassen. Shen Kuo

1086 Shen Kuo

Shen Kuo

M

Shen Kuo bildet höhere Differenzenreihen und bestimmt mit seiner Methode der kleinen Zuwächse erstmals in der chinesichen Mathematik

A

In den Traumstromessays analysiert Shen Kuo genau die Ursache der MondÀnsternis, vermerkt, daß Erd- und Mondbahn in verschiedenen Ebenen liegen und vereinfacht die Armillarsphäre durch Weglassen des Mondbahnringes. Shen Kuo

P

Shen Kuo beschreibt die Bildentstehung an konkaven Brennspiegeln sowie Untersuchungen, die eindeutig den Brennpunkt Àxieren, ohne ihn begrifÁich exakt zu deÀnieren. Weiterhin erklärt er den Regenbogen als ReÁexion der Sonne im Regen. Shen Kuo

P

Die ErÀndung des Magnetkompasses wird von Shen Kuo beschrieben. Er erwähnt auch die magnetischen Deklination, indem er von einer in der Luft aufgehängten magnetisierten Stahlnadel sagt, daß sie oft nach Süden zeige. Shen Kuo

1081 ¯× az-Zarqal¯

die Summe einer Reihe. Er entwickelt eine neue Methode zur Berechnung von Kreissegmenten, die die Einführung der Sinusrelation und einen Zugang zur sphärischen Trigonometrie eröffnet.

G

Aus den 1074 in Gesteinsschichten des ThaiHang Shan-Gebirges (Provinz Hopei) entdeckten Muschelschalen folgert Shen Kuo, daß dieses Gebiet, wenngleich es heute Hunderte von Kilometern vom Meer entfernt liegt, einstmals eine Küste gebildet oder aber unter dem Meer gelegen haben muß. Shen Kuo

G

Gestützt auf die Beobachtung auffälliger Felsformationen 1074 bei Yenchow (Yan’an), stellt Shen Kuo die Rolle von Erosion und Sedimentation für die Gestaltung der Landschaft ausführlich dar, insbesondere als wesentliche Faktoren bei der Entstehung der Berge. Weiterhin berichtet er über eine Reihe zeitgenössischer Funde von versteinerten PÁanzen und Tieren. Er hebt insbesondere einen Fund bei Yenchow hervor, den er als ehemaliges Bambuswäldchen erkennt. Aus diesem Fund schließt er, daß das Klima in dieser Region einstmals feuchter gewesen sein muss. Wilhelm der Eroberer

G

Wilhelm der Eroberer veranlaßt den Beginn einer Katasteraufnahme in England, die als Domesday book bekannt geworden ist.

1087 – 1100

88

um 1087 Odo von Meung

1094 B

Odo von Meung beschreibt unter Nutzung fremder Quellen die Wirkung von 77 PÁanzen und Wurzeln. Seine Arbeit belegt die Wiederbelebung der Botanik im christlichen Europa.

1087 ¯× az-Zarqal¯

A

Az-Zarq¯al¯× beweist auf Basis 25jähriger Beobachtungen die Bewegung des Sonnenapogäums (1◦ in 299 Jahren), bekräftigt aber den falschen Glauben an die Trepidation der Äquinoktien.

1088 W

Formelles Gründungsjahr der Universität Bologna. Es handelt sich dabei jedoch um eine private Rechtsschule, aus der sich ab etwa 1180 die Universitätsstrukturen klarer herausbilden. Sie gilt als älteste europäische Universität. Neben diesen weltlich-bürgerlichen Universitäten entstehen in den folgenden Jahrhunderten die Universitäten als kirchliche Gründung oder als Staatsuniversitäten, die von einzelnen Monarchen gegründet werden.

um 1090 Marbod von Rennes

1091 Walcher von Malvern

um 1100 Ü ad¯ ¯ × (Qadi ¯ al-Marist ¯ ¯ al-Bagd an) ¯

M

¯ al-Hayyam Û

M

Roscelin von Compiegne

M

Al-BaÜgd¯ad¯× (Q¯adi al-M¯arist¯an) verfaßt einen sehr ¯ populären Kommentar zum Buch 10 der Elemente Euklids. Al-Hayy¯am soll die Binomialreihe für beliebige Û natürliche Zahlen und das Pascalsche Dreieck der BinomialkoefÀzienten gekannt haben (vgl. 1050). In Auseinandersetzung mit Themen der Glaubenslehre kritisiert Roscelin von Compiegne die traditionelle Logikauffassung und entwickelt einen semantischen Ansatz. C

G

Marbod von Rennes verfaßt zwischen 1081 und 1096 ein Steinbuch, in dem er, auf Plinius d. Ä. gestützt, in dichterischer Form die magischen Kräfte von 60 Steinen beschreibt. Das Ausbleiben der den einzelnen Steinen zugeschriebenen Wirkungen führt er auf die vielen in Umlauf beÀndlichen Fälschungen aus gefärbtem Glas zurück.

A

Walcher von Malvern beobachtet am 30. November die MondÀnsternis sowie mittels Astrolab die vom 18. Oktober 1092 und beschreibt sie. Als einer der ersten stellt er eine Verbindung zum arabischen Kulturkreis her.

1092 Su Song

Su Song A • M Su Song publiziert eine Beschreibung der großen astronomischen Uhr mit Armillarsphäre und Himmelsglobus. Das Buch enthält zwei Sternkarten in Mercatorprojektion und zwei in Polarprojektion, in eine Karte sind Äquator und Ekliptik eingezeichnet.

A

Eine Gruppe unter Leitung von Su Song vollendet eine große astronomische Uhr mit Himmelsglobus und Armillarsphäre, die durch Wasserkraft bewegt werden.

Ein alchemistisches Manuskript aus dem 12. Jahrhundert in der Biblioteca Marciana in Venedig enthält die Symbole für die damals bekannten Metalle und einige andere chemische Begriffe. C

In Italien ist Anfang des 12. Jahrhunderts die Destillation von Alkohol bekannt. B • C Zum Ausfällen von Hormonen sollen in China Seifen benutzt worden sein. B

Vereinzelt werden in Europa mit Opiumsaft getränkte „Schlafschwämme“ (spongia soporifera) zur Narkose verwendet. Honorius Augustodunensis B • W Wohl erstmals im deutschen Sprachraum schreibt Honorius Augustodunensis in Latein mehrere, z. T. enzyklopädische Werke, die neben theologischen auch naturkundliches Allgemeinwissen propagieren.

89

1100 – 1116

Li Kung-Lin

G

Ein herausragendes frühes Beispiel der Abbildung physisch-geographischer und geologischer Phänomene in der chinesischen Landschaftsmalerei ist die Darstellung einer Antiklinale in der Provinz Anhui durch den Maler Li Kung-Lin, freilich ohne diese in ihrer geologischen Natur zu diskutieren.

um 1108 Guillaume de Champeaux

A

Walcher von Malvern stellt Mondtabellen für eine Periode von 76 Jahren zusammen.

B

Tang Shen-Wei verfaßt ein umfangreiches Werk mit Beschreibungen von über 1 400 Objekten aus den drei Naturreichen der Mineralien, PÁanzen und Tiere. Das Buch enthält Fragmente aus der legendären Materia Medica Shen Nongs (vgl. 200 v. Chr.). Daniel von Kiew

á abir ¯ G Ibn AÁah. A • M á abir Ibn AÁah. Àndet eine Methode zur BehandG¯ lung rechtwinkliger sphärischer Dreiecke, die die Regel des Menelaos ersetzt.

1110 A • M Anregungen von Ibn B¯agá gá a fortsetzend, gibt á abir Ibn AÁah. in der ersten Hälfte des 12. G¯ Jahrhunderts eine Korrektur des Almagest in neun Bänden und stellt die Schwächen der Ptolemäischen Lehre heraus. Das Werk ist von großen EinÁuß in der Entwicklung der Trigonometrie in Europa. á abir ¯ G Ibn AÁah.

Nestor

1108 Tang Shen-Wei

A

á abir Ibn AÁah. beschreibt in Sevilla ein dem TorG¯ quetum ähnliches Beobachtungsinstrument, das alle im Almagest des Ptolemäus benutzten Geräte ersetzen soll.

W

Guillaume de Champeaux gründet das Kloster Saint Viktor in Paris. Die zugehörige Schule bildet um 1170 einen der drei Grundbestandteile der Universität Paris. Walcher von Malvern

á abir ¯ G Ibn AÁah.

G

Daniel von Kiew, dessen Identität nicht völlig geklärt ist, beschreibt in dem vermutlich ersten altrussischen Reisebericht seinen Aufenthalt in Jerusalem zur Zeit der ersten Kreuzzüge von 1106 bis 1108. Der Bericht informiert erstmals in der altrussischen Literatur über die Insel Zypern.

um 1110 W • P Ibn B¯agá gá a, erster Verbreiter aristotelischer Lehren in Spanien, propagiert im arabischen Westen eine neue, in Ostarabien bekannte, systematische Methode für die Durchführung philosophischer Studien und kritisiert u. a. die Aristotelische Bewegungslehre sowie ptolemäische Vorstellungen. á Ibn Ba¯ gá ga

G

Die sog. Nestorchronik, zu deren Verfassern der Kiewer Mönch Nestor gezählt wird, berichtet u. a. auch über Europa, insbesondere Rußland, Vorderund Südasien.

um 1115 Petrus Abaelardus

W

Petrus Abaelardus entwickelt im Universalienstreit den Konzeptionalismus als Kompromiß zwischen Nominalismus und Realismus.

1116 Abraham bar H.iyya ha-Nasi

¯ × al-Hazin¯ A Û a¯ zin¯× stellt in Merw die Sanjarischen Tafeln Al-H

mit Ûden Sternpositionen für die Jahre 1115/16 zusammen. Kou Zongshi, Zeng Sanyi

Radulph von Laon

M

Radulph von Laon verfaßt Anfang des 12. Jahrhunderts eine wichtige Arbeit über den Abakus.

M

Abraham bar H.iyya ha-Nasi, einer der frühesten Vermittler arabischer Trigonometrie an die Europäer, verfaßt in Barcelona ein Buch über praktische Geometrie in Hebräisch, das erstmals im lateinischen Europa die vollständige Lösung der Gleichung x2 + b = ax enthält.

G

Die von Shen Kuo erwähnte magnetische Deklination (vgl. 1086) wird von Kou Zongshi und Zeng Sanyi unabhängig voneinander bekräftigt.

1116 – 1130

90

Kou Zongshi

G

Kou Zongshi beschreibt in seinen Ausführungen über Materia medica (Ben Cao Yan Yi) die Mineralien qualitativ nach ihren chemischen Eigenschaften, ihren äußeren Kristallformen sowie ihren Farben. Etwa zur gleichen Zeit beschreibt Tang Shen-Wei 215 Mineralien in einem pharmakologischen Werk.

um 1120 Zhu Yizhong

zeitgemäßes Wissen zusammen. Es enthält u. a. Auffassungen zur Schwerkraft, Luftdichte und Hebelwirkung. Eigene Beiträge beschreiben eine Waage mit graduierten Hebelarmen und 5 Waagschalen, die Bestimmung der speziÀschen Dichte von Flüssigkeiten und Körpern mittels Aräometer und Pyknometer und enthalten tabellierte Dichtewerte für einige Mineralien, die viel genauer als die Werte al-B¯×r¯un¯×s sind.

um 1126

C

Zhu Yizhong verfaßt ein Standardwerk über die Destillation von Alkohol. B

Ein angelsächsisches Manuskript aus Bury St. Edmunds (West-Suffolk) enthält PÁanzenzeichnungen, die vermutlich direkt nach der Natur angefertigt wurden. Lambert von St. Omer

G

Lambert von St. Omer vollendet die Kompilation seiner Enzyklopädie, in der er u. a. die Lehre von der Kugelgestalt der Erde übernimmt und den Wert des Eratosthenes für ihre Größe.

M • A Adelard von Bath übersetzt die astronomischen Tafeln von al-Hw¯arizm¯× und andere Schriften ins Û führt dabei Sinus und Tangens Lateinische und im lateinischen Westen ein. Adelard von Bath

um 1127 Stephan von Antiochia

um 1122 Petrus Abaelardus

um 1128 W

Petrus Abaelardus begründet die scholastische Autoritätenmethode. Theophilus Presbyter

C

Theophilus Presbyter beschreibt in seinem Werk Schedula diversarum artium die Reinigung von Rohgold durch Schmelzen mit Schwefel. Theophilus Presbyter

C

Theophilus Presbyter beschreibt die Technologie der Glasherstellung einschließlich der dazu verwendeten Öfen und Werkzeuge und die Verarbeitung zu Flachglas, gefärbtem Glas und Glasgefäßen. Weiterhin behandelt er die Metallurgie, insbesondere die Wirkungen der Hitze auf die einzelnen Substanzen bzw. deren Eigenschaften. Theophilus Presbyter

B

Stephan von Antiochia übersetzt die medizinische Enzyklopädie von c Al¯× Ibn al-c Abb¯as alMaágu¯ s¯× aus dem Arabischen ins Lateinische und stellt ein Verzeichnis der verwendeten Fachbegriffe zusammen.

C

Theophilus Presbyter gibt mehrere Rezepte für Ölfarben und eine Vorschrift zur Trocknung von Leinöl an.

1122 ¯ × al-Hazin¯ P Û a¯ zin¯× faßt in einem Standardwerk zur HyAl-H

Û drostatik und Mechanik, Waage der Weisheit,

Jacobus Clericus de Venetia

W

Jacobus Clericus de Venetia übersetzt erstmals nach A. M. S. Boethius die Teile der neuen Logik des Aristoteles aus dem Griechischen ins Lateinische.

um 1130 Adelard von Bath

M

Adelard von Bath fertigt die erste Euklidübersetzung, einschließlich der Bücher 14 und 15, aus dem Arabischen ins Lateinische an. Thierry von Chartres

G

Thierry von Chartres erklärt in seinem Kommentar zur Genesis die Bildung des Festlandes dadurch, daß das ursprünglich die Erde bedeckende Wasser unter der Wirkung von Wärme suspendierte, so das Firmament bildete und gleichzeitig die Erde in Form von ersten Inseln freigab.

1130 al-Bad¯×c

¯ × al-As.t.urlab¯

A

Al-Bad¯×c al-As.t.url¯ab¯× stellt in Bagdad für Sultan Mugh¯×t. al-d¯×n Mah.m¯ud astronomische Tabellen zusammen, die nach letzteren benannt sind.

91

1133 – 1140

1133 Du Wan

um 1140 G

Im China der Song-Zeit entstehen weitere Werke mit Beschreibungen bzw. weitgehend richtiger Interpretation von fossilen PÁanzen und Tieren, so Beschreibungen versteinerter Nadelbäume (1080 und 1110) sowie der berühmten ’Steinschwalben’ (fossilen Brachiopoden) und fossilen Fische durch Du Wan in seinen Handbuch über Steine (1133). Du Wan

G

Du Wan beschreibt die Gesteine nach Form, Farbe, Klang beim Schlagen, Glanz, äußerer Kristallform, magnetischen Eigenschaften, Durchsichtigkeit usw. und unterscheidet neun Gruppen, u. a. Kalksteine, Stalaktiten und Stalagmiten, Schiefer und Tuschsteine, Erze und Jaden sowie Fossilien.

um 1135 Johannes von Sevilla, Dominicus Gundissalinus

M • A

Johannes von Sevilla übersetzt in Toledo mit Dominicus Gundissalinus wichtige astronomische Arbeiten ins Lateinische, darunter al-FarÜga¯ n¯×s Elemente der Astronomie.

Johannes von Sevilla, Dominicus Gundissalinus

Johannes von Sevilla übersetzt mit Dominicus Gundissalinus eine Bearbeitung von alHw¯arizm¯×s Arithmetik und gibt darin ein VerfahÛ zum Quadratwurzelziehen an, das der Ermittren lung eines auf hinreichend viele Dezimalstellen genauen Wertes äquivalent ist. M • A Plato von Tivoli übersetzt al-Batt¯an¯×s De motu stellarum, ein wichtiges Werk zur Trigonometrie und Astronomie, ins Lateinische. Plato von Tivoli

Thierry von Chartres

G

Eine Karte von China, Die Spuren des Großen Yu mit einem quadratischen Gitter mit 100 Li (= 54 km) Maschenweite, sowie die Karte Chinas und der Barbarenländer werden in eine Steinstele graviert. Sie haben ein Größe von 0,80 m mal 0,77 m, sind gut erhalten geblieben und gelten als Meisterstücke chinesischer Kartographie. Die erste Karte ist wesentlich genauer als die zweite und könnte auf eine ältere Vorlage aus dem 11. Jahrhundert zurückgehen. Während der Song-Dynastie entsteht noch eine dritte allgemeine geographische Karte.

Adelard von Bath

Plato von Tivoli

C

Einer der frühesten Hinweise auf Alkohol im Europa des Mittelalters Àndet sich in einer um 84 Rezepturen erweiterten Ausgabe der Mappae clavicula des Adelard von Bath.

1140

A

Plato von Tivoli übersetzt in Barcelona die Schrift Tetrabiblios als erste Abhandlung des C. Ptolemäus vom Arabischen ins Lateinische.

W

Dominicus Gundissalinus publiziert nach 1140 die erste Einführung des arabisch-jüdischen Neuplatonismus im lateinischen Westen und vermischt ihn mit dem Neuplatonismus von A. M. S. Boethius und Augustinus. Dominicus Gundissalinus

W

Gestützt auf viele arabische und andere Quellen, schafft Dominicus Gundissalinus in De divisione philosophiae eine umfassende KlassiÀkation der Wissenschaften, die Basis vieler späterer KlassiÀkationen wird und die Einteilung in Quadrivium und Trivium weit übertrifft. A • M Ibn Ezra verbreitet von 1140 bis 1160 auf Reisen wissenschaftliche Kenntnisse unter den Juden Europas, schreibt u. a. über Arithmetik, das Zahlsystem und Kombinatorik und gehört zu den ersten Übersetzern aus dem Arabischen ins Hebräische. Ibn Ezra

1138

P

Thierry von Chartres stellt eine Schrift über die sieben freien Künste zusammen, es ist das erste Auftreten der Aristotelischen Physik in einem lateinischen Werk.

Dominicus Gundissalinus

1136

M

1143 – 1150

92

1143 Hermann von Kärnten

um 1150 A

Hermann von Kärnten übersetzt erstmals eine arabische Fassung von Ptolemäus’ Planisphaerium ins Lateinische.

um 1144 Gerhard von Cremona

1144 W

Gerhard von Cremona beginnt in Toledo mit der Übersetzung von etwa 90 Arbeiten aus dem Arabischen ins Lateinische, insbesondere große Teile des griechischen bzw. arabischen Korpus zur Mathematik und Astronomie, z. B. die Elemente und Data von Euklid, die Kreismessung des Archimedes, die Algebra des al-Hw¯arizm¯×, aber auch die Û den Kanon von Ibn Physik von Aristoteles und S¯×n¯a. Robert von Chester

C

Robert von Chester vollendet am 11. Februar die erste bekannte Übersetzung eines arabischen Textes zur Alchemie ins Lateinische.

1145 Plato von Tivoli

M

Plato von Tivoli übersetzt das Buch von Abraham bar H.iyya ha-Nasi über praktische Geometrie ins Lateinische, eines der einÁußreichsten Werke des 12. Jahrhunderts und Quelle für Leonardo von Pisa. Robert von Chester

M

Erste Übersetzung der Algebra des al-Hw¯arizm¯× durch Robert von Chester im spanischenÛ Segovia.

W

Burgundio von Pisa übersetzt große Teile von De orthodoxa Àde des Johannes von Damaskus vom Griechischen ins Lateinische und beeinÁußt damit die Ausformung der Scholastik. Ibn Ezra

P

Die Große Optik Ibn al-Haitams wird von dem ¯ Italiener Gerhard von Cremona wahrscheinlich in Toledo ins Lateinische übertragen und 1542 in Lissabon gedruckt. Diese Übersetzung übt einen nachhaltigen EinÁuß auf europäische Gelehrte wie Roger Bacon und J. Kepler aus.

Gerhard von Cremona

Burgundio von Pisa

M

Ibn Ezra beschreibt das Dezimalsystem, die Anwendung von Substitutionen zur Gleichungsauflösung, regula infusa genannt, und einfache kombinatorische Resultate. C

Ein mit einer Pulverladung versehener Pfeil wird in China als Raketengeschoß eingesetzt. Ü aÀq¯ ¯ × al-G

B

Hemacandra

B

Ü aÀq¯× von Cordoba gibt die genaueste PÁanAl-G¯ zenbeschreibung der arabischen Welt. Er vertritt das bewußte Sammeln von PÁanzen und deren Beschreibung im botanischen Sinne. Der indische Mönch Hemacandra klassiÀziert in einem botanischen Wörterbuch die PÁanzen in Bäume, Sträucher, Gemüse, Gräser, Getreide und SchlingpÁanzen. Matthaeus Platearius

B

Matthaeus Platearius verfaßt die Abhandlung De simplici medicina über HeilpÁanzen und Drogen, die ein Vorbild für zahlreiche spätere Pharmakopöen wird. Weiterhin gibt er eine klare Beschreibung der Herstellung und Reinigung von Rohrzucker. Nikolaus von Salerno

B

In der medizinischen Schule von Salerno entsteht eine bedeutende, etwa 150 Rezepte enthaltende Pharmakopöe über Gegengifte (Antidotarium) unter arabischen EinÁuß, als dessen Autor oft Nikolaus von Salerno genannt wird. Trotula di Ruggiero

B

Trotula di Ruggiero schreibt in Salerno ein Werk über Geburtshilfe und Empfängnisverhütung.

1150 um 1148 Ibn Zuhr

¯ Bhaskara II B

Ibn Zuhr gibt eine stark praktisch orientierte klinische Beschreibung vieler Krankheiten. Er gilt als einer der wichtigsten Parasitologen seit Alexander von Tralleis.

M

Bh¯askara II faßt in Siddhantasiromani und anderen Werken wichtige Ergebnisse der Arithmetik, Algebra u. a. zusammen. Er behandelt z. B. Rechnen mit Null bzw. negativen Zahlen, Kombinationen, Permutationen, Ansätze zur algebraischen

93

1150 – 1163

Symbolik und kannte die Doppeldeutigkeit der Wurzel sowie Grundideen der Differential- und Integralrechnung. ¯ Bhaskara II

M

Bh¯askara II behandelt unbestimmte Gleichungen 2. Grades mit der sog. zyklischen Methode. Ü ¯ × al-Garn at¯

G

Ü at¯× bereist bis 1155 Südrußland sowie Al-Garn¯ Persien und publiziert in einem Reisebericht viele interessante Beobachtungen und Beschreibungen zur Flora und Fauna, zur physischen Geographie, zur Astronomie u. a., die sich nicht nur auf Rußland, sondern auch auf Gebiete Nordafrikas, des vorderen Orients, Spaniens und Mitteleuropas beziehen.

1154 Eugenios von Palermo

P

Der Mathematiker Eugenios von Palermo übersetzt die Optik des Ptolemäus aus dem Arabischen ins Lateinische. Es beschreibt als eines der wenigen experimentalphysikalischen Werke der Zeit besonders Untersuchungen zur Lichtbrechung. al-Idr¯×s¯×

G

Al-Idr¯×s¯× vollendet in Sizilien die Charta Rogeriana nebst einer ausführlichen Beschreibung der damals bekannten Teile der Welt mit über 70 Einzelkarten, das sog. Rogerbuch. Er faßt darin das Wissen vieler arabischer Geographen und seine eigenen Erkenntnisse zusammen. Trotz mehrerer Mängel gilt es als das bedeutendste geographische Werk im Mittelalter. Eine zweite, noch umfangreichere Abhandlung blieb unvollendet.

um 1155 Hildegard von Bingen

B

Hildegard von Bingen beschreibt in ihrem Werk Liber simplicis medicinae, auch „Physica“ genannt, die medizinische Wirkung von zahlreichen Naturprodukten, Steinen sowie Metallen und führt für fast 1 000 Tiere und PÁanzen deutsche Bezeichnungen ein. ¯ × al-Niz.am¯

¯ ¯× al-c Arud .

B

Al-Niz.a¯ m¯× al-c Ar¯ud.¯× nimmt eine evolutionäre Entwicklung von Mineralien in PÁanzen, PÁanzen in Tiere und Tieren in Menschen an, wobei Korallen, Dattelpalmen und gewisse Affenarten als entsprechende Verbindungsglieder fungieren.

um 1158 Henricus Aristippus

W

Henricus Aristippus aus Catania bringt zahlreiche griechische Manuskripte, darunter den Almagest des Ptolemäus, aus der Bibliothek von Manuel I. Komnenos von Byzanz nach Sizilien. Er übersetzt die Meteorologica des Aristoteles sowie Platons Menon und Phaidon ins Lateinische.

1159 Ibn Rušd

W

Der in Spanien und Westarabien wirkende Gelehrte Ibn Rušd (lat. Averroes) beginnt, zahlreiche aristotelische Schriften, u. a. die Metaphysik zu kommentieren. Die Aspekte der Logik betonend, versucht er, die aristotelischen Intentionen gegen die Philosophie Platons und Ibn S¯×n¯as zur Geltung zu bringen, und entwickelt neue eigene Ansätze. Im lateinischen Mittelalter gilt Ibn Rušd als der Kommentator schlechthin.

um 1160 A

Erste Übersetzung des Almagest des Ptolemäus aus dem Griechischen ins Lateinische in Sizilien, die aber weitgehend unbeachtet bleibt. Benevenutus Grapheus

B

Benevenutus Grapheus, Autor von Schriften über die Augenheilkunde, ist bekannt als bedeutender Star-Operateur seiner Zeit.

1160 Ibn Rušd

B

Ibn Rušd kennt die Funktion der Netzhaut des Auges. Etwa zur gleichen Zeit bemerkt er offenbar erstmals, daß eine Infektion mit Pocken Immunität bei weiteren Infektionen mit Pocken erzeugt. Seine große medizinische Enzyklopädie erreicht nicht die Qualität des Q¯an¯un von Ibn S¯×n¯a.

um 1163 as-Samawc al

M

Im Bestreben, die Ungenauigkeiten aus al-Karagá ¯×s Werk zu beseitigen und die Arithmetik/Algebra systematisch darzustellen, faßt as-Samawc al das Wissen seiner Vorgänger in dem Buch alB¯ahir zusammen.

1163 – 1180

94

as-Samawc al

M

In seinem Algebrabuch al-B¯ahir entwickelt asSamawc al eine neue Methode um komplizierte Polynomgleichungen zu lösen, berechnet die BinomialkoefÀzienten, gibt für einige Summenformeln eine rekursive Begründung und fördert mit einer neuen Schreibweise für Polynome und Gleichungen die Entwicklung einer algebraischen Symbolik.

1166 Benjamin von Tudela

um 1170 A

Šaraf ad-D¯×n at-T.u¯ s¯× baut das lineare Astrolab, Tusi-Stab, dessen einfache Herstellung und Anwendung er mehrmals beschreibt.

1170 c Abdalmalik

¯ × aš-Š¯×raz¯

1178/79 ¯ × Fahr ad-D¯×n ar-Raz¯ Û

W

Fahr ad-D¯×n ar-R¯az¯× stellt eine umfangreiche perÛ Enzyklopädie, das Wissen seiner Zeit beinsische haltend, zusammen.

G

Der Rabbi Benjamin von Tudela bereist bis 1173 Südeuropa, Vorderasien bis zum Persischen Golf, Äthiopien sowie Ägypten und verfaßt darüber einen wertvollen Reisebericht.

¯ × Šaraf ad-D¯×n at-T.us¯

hämmerbare; die zweite weiter in lösliche von salzartiger Substanz (z. B. Vitriol, Alaun) und nicht lösliche Mineralien von viskosem Aufbau (z. B. Schwefel).

M • A

um 1180 W

Unter der Dominanz der Kathedralschule von Notre Dame bildet sich aus klassischen geistlichen und privaten Schulen, u. a. den Schulen von St. Victor und St. Geneviève die Universität Paris als sog. Magisteruniversität heraus, die 1200 die erste Anerkennung durch den König und 1215 die Statuten durch den Papst erhält. Bereits 1180 verfügt der König die Gründung von Collegien für bedürftige Studenten.

c Abdalmalik aš-Š¯×r¯az¯× verfaßt in der 2. Hälfte des

Ibn T.ufail

12. Jahrhunderts eine arabische Zusammenfassung der Kegelschnittslehre des Apollonios und des Almagest des Ptolemäus.

Der Arzt und Philosoph Ibn T.ufail kommentiert die Meteorologica des Aristoteles und unterstützt Ibn Rušd bei seinen Aristoteles-Kommentaren. Er strebt nach einer Reform des ptolemäischen Systems und erklärt die Lehre von den Epizikel und die Exzentrizität für absurd. Seine Kritik wird von al-Bit.r¯ugá ¯× aufgegriffen (vgl. 1200).

1175 W

Studenten der Universität Bologna etablieren in Modena ein neues Studium generale.

um 1175 Gerhard von Cremona

A

Gerhard von Cremona übersetzt in Toledo den Almagest aus dem Arabischen ins Lateinische. Das Werk erlangt hohe historische Wirksamkeit.

1178 B

In französischen Schriften wird erstmalig eine Apotheke erwähnt. ¯ × Fahr ad-D¯×n ar-Raz¯ G FahÛr ad-D¯×n ar-R¯az¯× unterteilt die Mineralien in

Û große Gruppen, die von starker und die zwei von schwacher Konsistenz. Die erste wird weiter unterteilt in hämmerbare (die Metalle) und nicht

Zhu Xi

A

A

Nach Zhu Xi, bedeutendster chinesischer Neukonfuzianer des 12. Jahrhunderts, ist das Universum aus einem Urchaos durch in Form von Wirbeln bewegte Materie entstanden. Fossilien deutet er als Überreste organischer Wesen und schließt auf eine ehemalige Meeresbedeckung. Shen Kuo

P

Shen Kuos Andeutung (vgl. 1086) von der örtlichen und zeitlichen Variabilität der Deklination bestätigt sich beim Gebrauch von Kompassen und erhält den Charakter einer bewiesenen Aussage. Die Wahrsagekompasse der Geomantik späterer Zeit weisen die magnetische Deklination in unterschiedlicher Größe und Richtung aus. Auch die Inklination wurde berücksichtigt.

95

1180 – 1200

Zhu Xi

1188

G

Zhu Xi betrachtet die Erde als eine Ablagerung aus Wasser, und schreibt dem auch die Entstehung der Berge zu. Mit Verweis auf die Erosion durch die Meereswellen an den Küsten postuliert er eine beständige Verlagerung der Lage von Land und Meer.

1180

Gerardus Cambrensis

P

Raketen werden in China bei Feuerwerken benutzt. Burgundio von Pisa

B

Burgundio von Pisa übersetzt bis 1189 mehrere Schriften Galens vom Griechischen ins Lateinische.

um 1181 W

Aus der Kombination einer alten Schule für Medizin und einer für Recht entsteht bis 1240 die Universität Montpellier, die 1289 die päpstliche Anerkennung erhält.

P

Das Gedicht La Bible des provenzalischen Troubadours Guiot de Provins erwähnt einen Wasserkompaß, bestehend aus einer auf Strohhalmen schwimmenden Magnetnadel. Dabei handelt es sich um einen der ältesten Nachweise der Verwendung eines Magnetzeigers zur Bestimmung der Himmelsrichtung in Europa.

1187 Moses Maimonides

W

Moses Maimonides kritisiert in einem bedeutenden philosophischen Werk Dalalat al-ha’irin (Führer der Schwankenden) den Mystizismus der Bibel und hält menschliche Vervollkommnung nur durch Wissenserwerb für erreichbar. Muh.ammad Ibn al-H.usain

um 1190 W

Lucidarius, die erste deutschsprachige Enzyklopädie, die neben Theologie erstmals naturkundliches Allgemeinwissen enthält, erscheint. Alexander Neckam

P

In dem große Teile des Naturwissens enzyklopädisch darstellenden Handbuch De naturis rerum des Engländers Alexander Neckam wird der nautische Gebrauch des Magnetkompasses in Europa beschrieben. Nikolaus von Salerno

B

Nikolaus von Salerno verfaßt die erste lateinische Abhandlung zur menschlichen Anatomie.

1199

1181 Guiot de Provins

G

Gerardus Cambrensis bereist Wales und gibt in seiner Reisebeschreibung vereinzelt auch geologisch-mineralogische Beobachtungen, etwa über einen „goldenen (d. i. pyrithaltigen) Felsen“ bei Newport. Seine Gezeitentheorie, bereichert durch eigene Beobachtungen, basiert wesentlich auf Poseidonios.

M

Muh.ammad Ibn al-H.usain stellt bis 1193 eine Abhandlung über Kegelschnitte zusammen und erläutert den „vollkommenen Zirkel“, ein Gerät zu deren Konstruktion. Er behandelt außerdem rechtwinklige Dreiecke und Zahlenkongruenzen.

B • C Moses Maimonides verfaßt eine Abhandlung über Gifte und Gegengifte und wichtige Arbeiten zur Medizin. Moses Maimonides

um 1200 W

Nach der Abwanderung englischer Studenten aus Paris entsteht die Universität Oxford auf der Basis mehrerer, seit Mitte des 12. Jahrhunderts existierender Schulen. Die päpstliche Anerkennung erfolgt 1214. ¯ × Šaraf ad-D¯×n at-T.us¯

M

á× al-Bit.ru¯ g¯

A

Šaraf ad-D¯×n at-T.u¯ s¯× gibt die geometrische Lösung der Gleichungen 3. Grades und diskutiert ausführlich die Existenz von Wurzeln für Gleichungen, die „unmögliche“, d. h. komplexe Lösungen haben können, was stark vom traditionellen Denken abweicht. Al-Bit.r¯ugá ¯× kritisiert den Almagest des C. Ptolemäus unter Wiederbelebung aristotelischer Ideen, insbesondere der homozentrischen Sphären.

1200 – 1209

96 P

Der Magnetkompaß wird in der europäischen Seefahrt benutzt und soll im Verlauf des 13. Jahrhunderts seine heutige Form erhalten haben. Gerhard von Brüssel

P

In der zwischen 1187 und 1260 geschriebenen Abhandlung Liber de motu untersucht Gerhard von Brüssel Bewegungen und setzt sie zu geometrischen Figuren in Beziehung. Er baut auf den Anschauungen von Euklid und Archimedes auf und versucht Probleme der Winkelgeschwindigkeit begrifÁich zu bewältigen. Seine Ideen werden von Thomas Bradwardine fortgeführt. ¯ Ibn al-c Awwam

B

In einem umfangreichen Werk über die Landwirtschaft beschreibt Ibn al-c Aww¯am ca. 585 PÁanzen sowie den Anbau von über 50 verschiedenen Obstbäumen.

1200 C

Die Araber bringen den Salpeter, das „chinesische Salz“, nach Europa. Sarngadhara

der Autoritäten, wie Galen, und ist als einziger Araber im Mittelalter bekannt, der osteologische Untersuchungen an menschlichen Skeletten vornimmt und darüber berichtet.

B

Sarngadhara behandelt in einer medizinischen Schrift umfangreiche iatrochemische Erkenntnisse. Er bezieht die Pulsmessung sowie die Untersuchung in die Diagnose ein, erwähnt Opium unter den Heilmitteln und gibt eine differenzierte KlassiÀkation von Krankheiten.

1204 W

Die Universität Vicenza wird vermutlich von Schülern der Universität Bologna gegründet, sie besteht nur sechs Jahre. Samuel Ibn Tibbon

W

Samuel Ibn Tibbon leistet mit der Übersetzung von Schriften des Moses Maimonides ins Hebräische einen wichtigen Beitrag zur Verbreitung von dessen Philosophie in Westeuropa und baut die Übersetzungstradition der Familie aus. B

In Brandenburg wird das erste Heiliggeistspital gegründet.

um 1205 á al-Gazar¯ ×

P

á Al-Gazar¯ × verfaßt ein Buch über geometrische ErÀndungen, besonders selbstregulierende Wasseruhren und Wasserhebevorrichtungen. Er erÀndet die Kurbelschleife, die Rotations- in Schwingbewegungen umwandelt und die möglicherweise in China bereits seit dem 11. Jahrhundert in Gebrauch war.

1202 Leonardo von Pisa

M

Der Kaufmann Leonardo von Pisa schreibt auf der Basis arabischer Quellen den Liber abaci, eine systematische und vollständige Erklärung des Rechnens mit indisch-arabischen Ziffern einschließlich der Null. Leonardo von Pisa

M

Leonardo von Pisa gibt mit den Fibonacci-Zahlen ein frühes Beispiel rekurrenter Reihen an, die später u. a. in der Biologie Anwendung fanden, formuliert verbal allgemeine Reihensummationsformeln und stellt Aufgaben über die Zinseszinsrechnung auf.

um 1203 al-Latif W • B Entgegen der vorherrschenden Meinung stellt alLatif die eigene Beobachtung über die Lehre

1206 W

Gründung des Cifte Medreseler als Ausbildungsstätte für Medizin und Artes liberales in Kayseri, das bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts besteht und als Hacettepe Universität Ankara 1967 eine moderne Universitätsstruktur erhält. P

Brandraketen werden in China zu Kriegszwecken eingesetzt.

1209 W

Die Universität Cambridge entsteht durch Teilung der Oxforder Universität. Erst 1284 entsteht das erste College, Peterhouse, und 1318 erfolgt die formale Anerkennung durch den Papst.

97

1210 – 1220

um 1210 al-H . arizi

Jacques de Vitry W

Al-H.arizi übersetzt Teile des Werkes von Moses Maimonides ins Hebräische. Dies wird eine Basis für die Überlieferung der aristotelischen Philosophie des Maimonides ins Lateinische.

G

Jacques de Vitry beginnt mit der Zusammenstellung der Historia orientalis, die u. a. einen der frühesten Berichte über den Gebrauch des Kompasses enthält.

1217 Michael Scotus

1210 W

Die als Tochtergründung der Universität Bologna in Reggio 1188 geschaffene Schule erhält die Anerkennung als Studium generale. Sie besteht etwa 100 Jahre. Robert von Courçon

W

Auf Grund der Kluft zwischen der Aristotelischen Philisophie und der Theologie wird die öffentliche und private Lehre der naturphilosophischen Schriften des Aristoteles und ihrer Kommentare in Paris untersagt. Kardinal Robert von Courçon erneuert das Verbot mit Blick auf die Pariser Universität im Jahre 1215. Gegen die Lehre der Aristotelischen Logik bestehen hingegen keine Einwände.

A

Michael Scotus übersetzt in Toledo al-Bit.r¯ugá ¯×s Werk zur Astronomie Über die Sphären ins Lateinische und popularisiert dessen Versuch, mit neuen mathematischen Methoden die aristotelische Kosmologie der konzentrischen Sphären gegenüber dem Ptolemäischen System der Epizyklen und Exzenter wiederzubeleben. Damit wird zugleich die Impetustheorie im christlichen Europa verbreitet.

1218 ¯ ut ¯ Yaq

G

Der Grieche Y¯aq¯ut bereist als Sklave eines syrischen Händlers große Teile West- und Mittelasiens. Nach Erlangung der Freiheit arbeitet er ab 1218 in Bagdad und Merw an einem großen geographischen Wörterbuch Wörterbuch der Länder. Die abschließende Redaktion des Manuskripts bleibt 1228 unvollendet.

1212

1218/19 W

Die Kathedralschule von Palencia wird in eine Universität umgewandelt, die aber nach 1243 aufhört zu existieren.

W

Die erste spanische Universität wird in Salamanca gegründet, sie besteht bis 1240, wird 1243 neu formiert und gehört zu den bedeutendsten Lehrstätten Europas.

um 1215 Robert Grosseteste

um 1220 A

Robert Grosseteste kritisiert ab 1215 wiederholt die Fehlerhaftigkeit des geltenden Kalenders und schlägt dessen Reform vor. ¯ × al-Nabat¯

B

Al-Nab¯at¯× unternimmt ausgedehnte botanische Exkursionen durch Spanien, Nordafrika sowie Vorderasien und beschreibt die gefundenen PÁanzen.

Robert Grosseteste

Gernardus

1215 W

In Arezzo wird eine Rechtsschule gegründet, die sich bis zur Mitte des Jahrhunderts zu einer Universität entwickelt.

W

Robert Grosseteste übt ab 1220 mit seinen Schriften einen starken EinÁuß auf die Umgestaltung des naturphilosophischen Denkens aus. Er sieht in Beobachtung und Experiment die Basis der wissenschaftlichen Forschung. Dann werden Ursachen bestimmt und Lösungen nach einfachen Prinzipien entworfen. Daraus resultierende Folgerungen und Hypothesen müssen bewiesen werden, wobei er die Mathematik sehr hoch schätzt. M

Ein unbekannter Magister Gernardus verfaßt eine weitverbreitete arithmetische Schrift Algorithmus demonstratus, die alle Operationen mit ganzen Zahlen und die Bruchrechnung behandelt sowie Buchstaben statt Zahlen benutzt.

1220 – 1225 Jordanus Nemorarius

98 M

Der Dominikaner Jordanus Nemorarius verfaßt mehrere für die Entwicklung der Mathematik, insbesondere der Arithmetik bedeutende Schriften. Er erläutert u. a. das Rechnen mit den indisch-arabischen Ziffern sowie mit Brüchen. Jordanus Nemorarius

M

Jordanus Nemorarius verallgemeinert in De numeris datis arithmetische Probleme, indem er anstelle der Zahlen Buchstaben einsetzt. Jordanus Nemorarius

M

Jordanus Nemorarius beschreibt die Grundprinzipien der stereographischen Projektion. Er projiziert eine Kugel auf eine Fläche, die diese am Nordpol tangiert. Johannes de Sacrobosco M • A Johannes de Sacrobosco schreibt in Paris, gestützt auf Werke von al-FarÜga¯ n¯×, al-Batt¯an¯× u. a., die Sphaera mundi, eines der populärsten Bücher zur Astronomie und Trigonometrie im Mittelalter. Es wird zugleich für fast drei Jahrhunderte ein Standardlehrbuch der mathematischen Geographie. Robert Grosseteste

B

Ibn as.-S.u¯ r¯× läßt die verschiedenen Wachstumsphasen der von ihm gesammelten PÁanzen auf Zeichnungen festhalten. Michael Scotus

G

Michael Scotus schildert die heißen Schwefelquellen und andere vulkanische Erscheinungen auf den Liparischen Inseln.

1220 Leonardo von Pisa

B • W

Michael Scotus übersetzt große Teile des aristotelischen Werkes, u. a. De animalibus, einige

M

Leonardo von Pisa stellt in der Practica geometriae umfangreiches geometrisches Wissen zusammen und wendet die Algebra zur Lösung geometrischer Probleme an. Er benutzt für ʌ den Näherungswert 3,141 8. B

In Köln besteht die erste deutsche Apotheke.

1222 W

Gründung der Universität Parma.

1224 Friedrich II.

W

Die erste, durch einen landesfürstlichen Willensakt frei gegründete („gepÁanzte“) Universität entsteht in Neapel auf Anordnung von Kaiser Friedrich II.

P

Jordanus Nemorarius behandelt ausführlich die mittelalterliche „Scientia de ponderibus“, d. i. die Statik. Er und seine Anhänger Ànden neue Erkenntnisse zum Prinzip der virtuellen Verschiebungen und Geschwindigkeiten, das zur Erklärung des Hebelgesetzes und auf andere Probleme der Statik angewandt wird, und führt inÀnitesimale Betrachtungen in die Statik ein. Die Kräftezerlegung an der schiefen Ebene erfaßt er durch eine lageabhängige „Schwere“, vergleichbar mit der potentiellen Energie im Schwerefeld. ¯ × Ibn as.-S.ur¯

Michael Scotus

P

Robert Grosseteste lehrt, daß das Universum aus Licht besteht, das er als erste körperhafte Form der Materie bezeichnet. Er versucht z. B. Ebbe und Flut durch die Wirkung des Mondlichts zu erklären. Grossetestes Optik beeinÁußt andere Wissenschaftler. Jordanus Nemorarius

Kommentare Ibn Rušds, sowie Schriften der arabischen Alchemie. Er fügt z. T. eigene Bemerkungen an und bereitet damit die KlassiÀkation der PÁanzen durch Albertus Magnus vor.

1225 Leonardo von Pisa

M

Leonardo von Pisa verallgemeinert seine Ergebnisse, indem er Zahlen durch Buchstaben ersetzt, und benutzt erstmals in Europa negative Zahlen, die er als Schulden interpretiert. Leonardo von Pisa

M

Leonardo von Pisa löst bestimmte und unbestimmte Gleichungen und zeigt am Spezialfall, daß eine kubische Gleichung nicht in quadratischen Irrationalitäten lösbar ist, ein erster Schritt zur Auflösung in Radikalen.

1225/26 ¯ Qais.ar Ibn Ab¯×-’l-Qasim

A

Qais.ar Ibn Ab¯×-’l-Q¯asim baut einen der frühesten existierenden arabischen Himmelsgloben mit Horizont und Meridiankreis

99

1227 – 1240

1227 al-Mustansir

Robert Grosseteste W

In Bagdad wird von al-Mustansir eine der größten Medressen der Kalifenzeit, die Mustansirijja, gegründet. Es ist eine islamische Hochschule, die die Funktion eines theologischen Seminars, einer Rechtsschule und einer Moschee verbindet.

um 1228 Thomas von Cantimpré

G

Thomas von Cantimpré beschäftigt sich in seiner Enzyklopädie mit den Metallen, einschließlich deren Transmutationen, und Edelsteinen. Im 16. Buch (De lapidibus pretiosis) beschreibt er ca. 70 Edelsteine durch Namen, Farbe, einige Eigenschaften und deren magische Kräfte.

1228 Thomas von Cantimpré

Matthäus Parisiensis

G

Matthäus Parisiensis verfaßt einen Bericht über eine Reise ins Heilige Land. Derartige Beschreibungen, die im Zusammenhang mit den Kreuzzügen entstehen, tragen zur Verbreitung geographischen Wissens bei.

um 1231 Wilhelm der Engländer

A

In Marseilles befaßt sich Wilhelm der Engländer als einer der ersten lateinischen Gelehrten, alFarÜga¯ n¯× folgend, mit der Größe des Sonnensystems und erläutert die astronomischen Lehren von az-Zarq¯al¯× und z. T. von al-Bit.r¯ugá ¯×.

um 1232

B

Thomas von Cantimpré verfaßt bis 1244 seine auf arabischen und griechischen Quellen basierende, jedoch oft unkritisch zusammengestellte Enzyklopädie De naturis rerum, die allein zwölf Bände zur Naturgeschichte enthält. Er behandelt u. a. den EinÁuß der Planeten auf irdische Vorgänge, z. B. der Venus auf das Wachsen aller erdartigen Dinge und der Sonne auf das Entstehen von Regen und Schnee, sowie Fragen der Quellen des Wasserkreislaufs.

P

Töne werden von Robert Grosseteste als Vibrationsbewegungen, die sich durch die Luft von der Tonquelle zum menschlichen Gehör fortpÁanzen, beschrieben.

B • C Michael Scotus widmet Friedrich II. die Übersetzung von Ibn S¯×n¯as De animalibus aus dem Arabischen ins Lateinische. Michael Scotus

1232 C

Die Chinesen nutzen bei der Verteidigung von Bianjing gegen die Mongolen verstärkt die Explosivwirkung des Schießpulvers.

um 1235

1229

Alexander de Villedieu

M

Die Universität Toulouse wird von Papst Gregor IX. gegründet.

Der französische Franziskaner Alexander de Villedieu verfaßt ein Gedicht über Arithmetik, das zur Verbreitung der indisch-arabischen Ziffern beiträgt und die Null als Ziffer betrachtet.

um 1230

1236

Gregor IX.

W

Robert Grosseteste

M

Julian

G

Durch Probleme der Arithmetik angeregt, behandelt Robert Grosseteste die Vergleichbarkeit verschiedener Unendlichkeitsstufen u. a.

Der Dominikaner Julian reist von Ungarn an die Kama.

Johannes de Sacrobosco

¯ × al-T¯×faš¯

M

Johannes de Sacrobosco gibt in seinem Algorismus ohne Herleitung Regeln und Beispiele für das Operieren mit positiven ganzen Zahlen an. Das Buch wird der wohl einÁußreichste „Algorismus“-Text an den Universitäten jener Zeit.

um 1240 G

Al-T¯×f¯aš¯× beschreibt in seiner Abhandlung über Edelsteine 25 Steine unter fünf Gesichtspunkten: 1) Entstehungsursachen; 2) Fundstätten; 3) Arten, Eigenschaften und Merkmale der Echtheit; 4) magische Eigenschaften und Verwendung; 5) Preise.

1240 – 1247

100

1240 W

Eine Rechtsschule wird in Siena gegründet, die sich rasch zur Universität erweitert. Sie erhält 1252 eine erste Anerkennung durch den Papst, aber erst 1357 eine neue Gründungsurkunde durch den Kaiser. Friedrich II.

B

Friedrich II. von Hohenstaufen regelt in einer Verordnung Studium und praktische Ausübung der Medizin und die Trennung von Pharmazie und Medizin. B • C Ibn al-Bait.a¯ r kompiliert bis 1248 unter Auswertung älterer Quellen die botanischen Kenntnisse Ü aÀq¯× und al-Idr¯×s¯× seiner Zeit, den Weg von al-G¯ fortsetzend. In dem bedeutenden Werk werden über 200 PÁanzen neu beschrieben, doch erlangt es nur eine begrenzte Wirkung. ¯ Ibn al-Bait.ar

1242 á × Bailak al-Qabagaq¯

P

Der westislamische Gelehrte Bailak al-Qabaágaq¯× bezeugt in einer 1282 geschriebenen Abhandlung über Edelsteine die Verwendung des Wasserkompasses zur Navigation bei arabischen Seefahren des Mittelmeeres und Indischen Ozeans für diese Zeit. Der Kompaß ähnelt dem bei Shen Kuo beschriebenen (vgl. 1086).

um 1244 Vinzenz von Beauvais

W

Vinzenz von Beauvais beginnt, die umfangreiche, auf über 400 griechischen und arabischen Quellen fußende Enzyklopädie Speculum maius zusammenzustellen, die „alles Wissen aller Zeiten“ enthalten soll und frühere Enzyklopädien im Umfang weit übertrifft.

1244 Innozenz IV.

W

Eine mit der päpstlichen Residenz verbundene Universität wird von Innozenz IV. in Rom gegründet. Vinzenz von Beauvais

G

Im Teil Speculum naturale seiner Enzyklopädie diskutiert Vinzenz von Beauvais, gestützt auf Isidor von Sevilla und Thomas von Cantimpré eine Reihe von Fragen der physischen Geographie und

beschreibt die Metalle, Salze und Schwefelarten (brennbare Körper) sowie die gemeinen und edlen Steine, wobei er in Analyse und KlassiÀkation nicht wesentlich über seine Vorgänger hinausgeht.

1245 Giovanni del Carpini

G

Giovanni del Carpini reist im Auftrag des Papstes von Lyon über Prag, Krakau, Kiew, Wolgamündung, nördlichen Aralsee, Dsungarische Pforte und südlichen Baikalsee nach Sird Orda in die Residenz des Großkhans der Mongolen. Nach der Rückkehr 1247 macht sein schlichter, wahrheitsgetreuer Bericht Westeuropa mit einer neuen Kultur bekannt.

um 1247 G • P In der in Altnorwegisch geschriebenen Enzyklopädie Konungs skuggsja (Königsspiegel) werden u. a. zahlreiche, für die Seefahrt wichtige astronomische, geographische und physikalische Kenntnisse sowie viele Besonderheiten der nordischen Länder vermittelt.

1247 Qin Jiushao

M

Qin Jiushao beschreibt in seiner Mathematik in neun Büchern eine zum RufÀni-Horner Schema äquivalente Methode, löst Gleichungen höheren Grades. Seine Behandlung von Systemen linearer Kongruenzen ist der Höhepunkt einer Entwicklung über mehrere Jahrhunderte und war durch Fragen der Kalenderrechnung inspiriert. Qin Jiushao

M

Qin Jiushao führt in China erstmals im Druck das Kreissymbol als Zeichen für die Null ein. Er löst trigonometrische Probleme und verschiedene praktische Aufgaben mit algebraischen Mitteln. Roger Bacon

P

Der englische Gelehrte Roger Bacon, Schüler von Pierre de Maricourt an der Universität Paris und ab 1250 Schüler von Robert Grosseteste an der Universität Oxford, sucht Erkenntnisgewinn durch Experimente mit induktiver Methode zu erzielen. Bacon ist als Physiker und Alchemist erfolgreich.

101

1247 – 1250

André de Longjumeau

G

André de Longjumeau unternimmt bis 1247 im Auftrag des Papstes sowie des Königs von Frankreich eine Reise nach Persien über Syrien sowie von 1248 bis 1251 eine neue Reise von Zypern über Persien und Kirgisien zur Mongolenhauptstadt Karakorum. Sein Reisebericht enthält viele Übertreibungen.

1248

werden sollten. Sie sind lange Zeit ein Standardwerk der Mathematikausbildung und werden mehrfach kommentiert. ¯ × Nas.¯×r ad-D¯×n at.-T.us¯

M

Nas.¯×r ad-D¯×n at.-T.u¯ s¯× erreicht eine neue Stufe in den Relationen zwischen Logik und Mathematik. Er wandelt logische Terme in mathematische Zeichen um, klärt die Relation von Kategorien bezüglich Metaphysik und Logik auf u. a.

W

C

Aus einer Stadtschule geht die Universität Piacenza hervor, die aber 1402 wegen Bedeutungslosigkeit wieder geschlossen wird.

Die Entdeckung von Mineralsäuren im europäischen Raum im Verlauf des 13. Jahrhunderts ermöglicht eine verbesserte Auflösung chemischer Substanzen.

Li Ye

M

Der nordchinesische Beamte Li Ye schreibt ein Buch zum Aufstellen von Gleichungen höherer Ordnung und deren Behandlung als Polynome; 1259 folgt dazu ein weiteres. Er entwickelt mit der Methode des Himmelselements eine allgemeine Symbolik zur Darstellung numerischer Gleichungen und gibt Beispiele für die Lösung geometrischer Aufgaben mittels dieser algebraischen Methoden. Friedrich II.

B

Mit seinem Buch De arte venandi cum avibus (Kunst der Falkenjagd) trägt Friedrich II. zu einer bedeutenden Erweiterung der Kenntnisse über Morphologie und Biologie der Vögel bei.

um 1250 Petrus Abaelardus

Marcus Graecus

Gilbert der Engländer

Die Auseinandersetzung um die alte philosophische Streitfrage nach der dem Allgemeinen oder den „Universalien“ zukommenden Wirklichkeit erreicht im 13. Jahrhundert einen neuen Höhepunkt, nachdem Petrus Abaelardus um 1120 eine vorläuÀge Lösung gegeben hatte.

B

Gilbert der Engländer gibt in einer medizinischen Abhandlung wichtige Hinweise zur Hygiene, Ernährung sowie zur Behandlung einiger spezieller Krankheiten. Jordanus Ruffus

B

Jordanus Ruffus verfaßt ein frühes Werk De medicina equorum über die Krankheiten von Pferden und deren Haltung. Song Ci

W

C

Marcus Graecus erwähnt in seinem Feuerwerksbuch erstmalig ein Schwarzpulver, das aus sechs Teilen Salpeter, zwei Teilen Kohle und einem Teil Schwefel besteht.

B

Der Richter Song Ci verfaßt die erste bekannte systematische und sorgfältig analysierende Abhandlung zur Gerichtsmedizin. Alfons X. von Kastilien

G

Robert Kilwardby publiziert einen der wichtigsten mittelalterlichen Beiträge zur WissenschaftsklassiÀkation, in dem er die mechanischen Künste ebenfalls in Trivium und Quadrivium unterteilt.

Auf Befehl Alfons X. von Kastilien wird als Teil eines astronomischen Werkes ein Steinbuch verfaßt, das wesentlich auf arabischen Quellen basiert. Als sein Kompilator bzw. Übersetzer gilt Abolays. 360 Steine werden nach ihren Grundqualitäten, Fundorten, Farben, Kräften usw. sowie aufgeteilt auf den Tierkries beschrieben. Ferner enthält das Werk einen alphabetischen Steinkatalog.

¯ × Nas.¯×r ad-D¯×n at.-T.us¯

¯ × Nas.¯×r ad-D¯×n at.-T.us¯

Robert Kilwardby

W

M

Nas.¯×r ad-D¯×n at.-T.u¯ s¯× fertigt eine Neuedition der „mittleren Bücher“ an, eine Zusammenstellung von griechischen und arabischen Texten, die zwischen den Elementen und dem Almagest studiert

G

Nas.¯×r ad-D¯×n at.-T.u¯ s¯× verfaßt in persischer Sprache ein wichtiges Buch über Edelsteine, Metalle und andere wertvolle Stoffe, wie Elfenbein, Ebenholz u. a. Er beschreibt 41 Edelsteine, u. a.

1250 – 1257

102

Saphir, Smaragd, Diamant, Rubin, Türkis und Jaspis. Hinsichtlich der Bildung der Mineralien folgt er im wesentlichen Ibn S¯×n¯a (vgl. 1021). Nicephorus Blemmides

G

Nicephorus Blemmides verfaßt eine kurze Schrift über die Kugelgestalt sowie die Größe der Erde und kopiert geographische Karten des C. Ptolemäus. Volmar

G

In Deutschland erscheint ein Steinbuch in Gedichtform von einem sonst unbekannten Volmar, worin in 1 008 Versen die Wunderkraft der Steine verteidigt wird und 35 derselben aufgezählt werden.

1250 W • M Moses Ibn Tibbon übersetzt ab 1250, vorwiegend in Montpellier, zahlreiche Kommentare Ibn Rušds zu aristotelischen Werken sowie Schriften von Moses Maimonides und Euklids Elemente (1270) ins Hebräische. Vieles wird später ins Lateinische übertragen. Moses Ibn Tibbon

Roger Bacon

P

Roger Bacon führt optische Experimente zur Vergrößerungswirkung plankonvexer Linsen durch und äußert Vorstellungen, wie man dies nutzen könnte.

M

Nas.¯×r ad-D¯×n at.-T.u¯ s¯× kommentiert Euklids Elemente. Er versucht insbesondere das Parallelenpostulat ohne zusätzliche Voraussetzungen zu beweisen – ein wichtiger Schritt zur nichteuklidischen Geometrie.

A

Alfons X., König von Kastilien und Léon, läßt in den folgenden Jahren u. a. von Isaac ha-Hazzan und Jeh¯ud¯a ben Moses ha-Kohen, mehrere wichtige astronomische Werke von al-Batt¯an¯×, as.-S.u¯ f¯×, az-Zarq¯al¯×, C. Ptolemäus, Ibn al-Haitam u. a. ins ¯ Spanische übersetzen.

um 1255 Thomas von Aquin

W

Thomas von Aquin schafft ab 1255, aufbauend auf augustinischen, neuplatonischen und vor allem aristotelischen Ideen, eine umfassende Synthese von Glauben und Wissen. Er entwickelt damit die führende Ideologie des Mittelalters und erkennt die Berechtigung des Wissens neben dem Glauben an. Johannes Campanus

M

Johannes Campanus vollendet eine lateinische Ausgabe der Elemente von Euklid in 15 Büchern, die auf der Übersetzung von Adelard von Bath und arabischen Quellen basiert und viele Kommentare, z. B. Beweis der Irrationalität des Goldenen Schnitts, Betrachtung des Kontingenzwinkel, ergänzend enthält. M

Jaqob Ibn Tibbon übersetzt in Montpellier Euklids Elemente (in 15 Büchern) vom Arabischen ins Hebräische sowie später Abhandlungen von Autolykos, Menelaos, az-Zarq¯al¯× u. a.

1255 W

1253 W. von Rubruk

Isaac ha-Hazzan, ¯ a¯ ben Moses ha-Kohen Jehud

Jaqob Ibn Tibbon

um 1251 ¯ × Nas.¯×r ad-D¯×n at.-T.us¯

um 1254

G

Der Franziskaner W. von Rubruk reist 1253– 1255 im Auftrag des Papstes und des Königs von Frankreich von Konstantinopel über die Krim, den Südural, die Kirgisensteppe und die Dsungarei zum Großkhan der Mongolen nach Karakorum und kehrt über Kleinasien zurück. Sein Reisebericht ist eine reiche geographische Quelle, in der u. a. wohl erstmals das Kaspische Meer als Binnenmeer erkannt, Quellen und Verlauf von Don und Wolga sowie die richtige Lage des Baikalsees angegeben werden.

Aufhebung des Verbots an der Pariser Universität, aristotelische Lehren zu verbreiten. Das Verbot lebte in abgewandelter Form des Antiaverroismus ab 1270 nochmals auf.

1257 Robert von Sorbon

W

Robert von Sorbon gründet in Paris die Sorbonne, ein Collège des Lernens für arme Theologiestudenten auf Stipendienbasis. 1554 werden Gebäude und Name von der Pariser Universität übernommen.

103

1259 – 1260

1259

Ibn an-Naf¯×s

B

A • W Nas.¯×r ad-D¯×n at.-T.u¯ s¯× leitet ab 1259 unter Mitarbeit von al-c Urd.¯× den Aufbau des Observatoriums und der Bibliothek in Maragha, das für mehrere Jahrzehnte ein wichtiges Wissenschaftszentrum wird. Al-c Urd.¯× gibt vermutlich eine Beschreibung der Instrumente.

Ibn an-Naf¯×s stellt fest, daß die Herzscheidewand undurchlässig ist und folgert, daß das Blut durch die Lunge von der rechten in die linke Herzkammer Áießt. Seine Vorstellung vom kleinen Blutkreislauf bleibt im lateinischen Europa weitgehend unbeachtet.

um 1260

Da die Chirurgie nicht als Bestandteil der Medizin an den Universitäten gilt, vereinigen sich die Chirurgen in einer zunftmäßigen Gemeinschaft, dem College von St. Cosmas, als deren Gründer J. Pitard gilt.

¯ × Nas.¯×r ad-D¯×n at.-T.us¯

Albertus Magnus

W

Albertus Magnus trägt in zahlreichen lateinischen Schriften und als Lehrer zur Einführung und Verarbeitung griechischen und arabischen Wissens, insbesondere des Werkes und der Philosophie des Aristoteles, im mittelalterlichen Europa speziell an den Universitäten bei. Seine zwischen 1250 und 1275 entstandene Aristoteles-Enzyklopädie enthält zahlreiche eigene naturwissenschaftliche Erkenntnisse. ¯ × Nas.¯×r ad-D¯×n at.-T.us¯

A

Albertus Magnus

C

Nas.¯×r ad-D¯×n at.-T.u¯ s¯× erÀndet unabhängig von á abir Ibn AÁah. das Torquetum. G¯ Albertus Magnus gründet sein chemisches Wissen sowohl auf die Vier-Elemente-Lehre des Aristoteles als auch auf die Schwefel-QuecksilberTheorie von Ibn S¯×n¯a. Sein Werk De rebus metallicis et mineralibus belegt seine Kenntnis der Legierungen, der Destillation, der Sublimation sowie der Quecksilberchemie und legt die Entstehung und Eigenschaften der Metalle dar. Roger Bacon C • P Roger Bacon nimmt als Ursache des Verlöschens brennender Körper in verschlossenen Gefäßen das Fehlen von Luft an. Albertus Magnus

B

Albertus Magnus erarbeitet in seinem Werk De vegetabilibus et plantis eine KlassiÀkation der PÁanzen und beschreibt die Struktur und Funktion der verschiedenen PÁanzenteile. Wohl erstmals denkt er an eine Entstehung der Kohlen aus pÁanzlicher Substanz. Albertus Magnus

B

Albertus Magnus gibt in dem Werk De animalibus eine an Aristoteles angelehnte Beschreibung des Tierreichs mit Ansätzen einer Tiergeographie. Er unterscheidet vier FortpÁanzungsarten und beschreibt embryologische Untersuchungen.

J. Pitard

Albertus Magnus

B

G

Wie Ibn S¯×n¯a (vgl. 1021) erklärt Albertus Magnus die Entstehung der Fossilien durch eine formende Kraft (virtus formativa) in der Erde und die der Mineralien und Steine durch eine gesteinsbildende Kraft (vis lapidiÀcativa), wenn diese in günstiger Umgebung auf geeignete Mineralien in der Erdkruste wirkt. Im Einzelfall können auch wirkliche Teile von PÁanzen und Tieren versteinert werden, so nennt er etwa die Koralle eine versteinerte PÁanze. Albertus Magnus

G

Albertus Magnus führt die Entstehung von Vulkanen auf lokale Entzündungen der schwefelhaltigen, mit Naphta gemischten Erde zurück, welche durch den daselbst erzeugten und eingeschlossenen Dampf entzündet wird. Da das Meerwasser die Öffnungen dieser Dampf enthaltenden Räume verstopft, erfolgt die Entzündung in Küstengegenden schneller. Die Ursachen von Vulkanausbrüchen untersucht er auch experimentell, indem er deren Erscheinungen mittels gespanntem Wasserdampf in einem eisernen Gefäß (SufÁator) nachahmt. Albertus Magnus

G

Albertus Magnus schafft mit dem Buch De mineralibus libri V das umfangreichste und beste mineralogische Werk des abendländischen Mittelalters, in dem er die Natur, die Mischung, die nächste Entstehungsursache, die (aristotelische) Form usw. der Mineralien behandelt. Hinsichtlich der KlassiÀkation der Mineralien folgt er im wesentlichen Ibn S¯×n¯a (vgl. 1021), faßt jedoch dessen Salze und verbrennbaren Stoffe als „media“ zusammen, da sie ihrer Natur nach zwischen den Steinen und den Metallen stehen.

1260 – 1261 Albertus Magnus

104

Albertus Magnus

G

Albertus Magnus diskutiert die physikalischen Ursachen der Gezeiten. Außer den von Beda Venerabilis (vgl. 703) bereits aufgezählten Ursachen rechnet er noch mit einem astrometeorologischen EinÁuß einer Konstellation der Sonne zu den Fixsternen und Planeten sowie der Beschaffenheit des Meerwassers. Albertus Magnus

G

Albertus Magnus nimmt für die Entstehung der Quellen und Flüsse einen Kreislauf vom Meer durch unterirdische Höhlen zu den Bergen und von dort als Quellen und Flüsse zurück zum Meer an. Weiterhin wendet er sich gegen die weit verbreitete Auffassung einer allmählichen und beständigen, von den Gestirnen beeinÁußten Ortsveränderung des Meeres, d. h. gegen eine ÜberÁutungen des Landes. Er diskutiert aber, etwa für Ägypten, sehr wohl die Möglichkeit der Austrocknung ehemaliger Meere. Albertus Magnus

Wilhelm von Moerbeke

¯ × Nas.¯×r ad-D¯×n at.-T.us¯

M

Roger Bacon

P

Nas.¯×r ad-D¯×n at.-T.u¯ s¯× begründet mit der Schrift vom vollständigen Vierseit die ebene und sphärische Trigonometrie unabhängig von der Astronomie und vollendet einen entsprechenden Ansatz aus dem 12. Jahrhundert. Er gibt wichtige Formeln, wie Sinus- und Tangenssatz, sowie eine Methode an, die der Betrachtung des Polardreiecks in der sphärischen Trigonometrie entspricht. Bei sphärischen Hohlspiegeln gelingt es Roger Bacon erstmals, die Lage des Brennpunkts festzustellen, der innerhalb des halben Spiegelradius liegt und abhängig ist vom Abstand zwischen Strahlen und Spiegelachse. Bacon erkennt das Wesen der sphärischen Aberration, bei der von einem Punkt stammende Strahlen nicht auf einen Punkt des Hauptstrahls, sondern in viele nebeneinander liegende reÁektiert werden. Nicolo und Marco Polo

G

Nicolo Polo und Bruder Marco Polo aus Venedig reisen 1260–1269 über Schwarzes Meer, Wolgamündung, Buchara und Ostturkestan zum Sitz des Großkhans der Mongolen.

um 1261 T. Alderotti

B

T. Alderotti lehrt in Bologna Medizin nach der dialektisch-scholastischen Methode. Anatomische Kenntnisse gewinnt er vorwiegend durch Tiersektionen sowie aus griechischen und arabischen Schriften.

1261

G

Roger Bacon diskutiert ausführlich die Erscheinungen von Ebbe und Flut. Er führt diese auf den EinÁuß des Mondes zurück, wobei er sich vor allem auf islamische Quellen beruft, diese aber dahingehend ergänzt und kritisiert, daß er hierbei vor allem das Einfallen der Mondstrahlen auf die MeeresÁäche berücksichtigt haben will.

W

Wilhelm von Moerbeke, Áämischer Dominikaner, beginnt zahlreiche Aristoteles-Schriften und Werke des Proklos ins Lateinische zu übersetzen bzw. zu überarbeiten. Er unterstützt dadurch die Verbreitung der aristotelischen Ideen und das Aufkommen des Neuplatonismus.

G

Albertus Magnus führt die Entstehung der Berge wesentlich auf Erdbeben zurück, die ihrerseits durch die Wirkung unterirdischer Dämpfe verursacht werden. Als weitere Ursache der Entstehung der Berge und Täler nennt er Erosion und Sedimentation durch Wasser sowie Ab- und Umlagerung durch den Wind. Roger Bacon

1260

G

Teilweise auf eigene Beobachtungen gestützt, stellt Albertus Magnus eine Liste von einigen hundert Mineralien zusammen und gibt deren Eigenschaften, Farbe, Wirkungen u. a. an. Dabei werden die Eigenschaften der Steine wesentlich durch das unterschiedliche Mischungsverhältnis von Wasser und Erde, die er als die Grundbestandteile der Steine ansieht, bestimmt. Erde muß in jedem Stein enthalten sein, da alle Steine im Wasser versinken.

Yang Hui

M

Der Südchinese Yang Hui kommentiert die Mathematik in neun Büchern, die er später mit Werken über Rechenmethoden ergänzt. Er summiert arithmetische Reihen und rechnet mit Dezimalbrüchen, wobei er die Dezimalstellen noch mit Termen eines Längenmaßsystems bezeichnet.

105

1262 – 1269

um 1262 al-c Urd.¯×

1266/67 A

Al-c Urd.¯× fertigt in Maragha einen Himmelsglobus mit Horizont und zwei graduierten beweglichen Kreisen zur Positionsbestimmung sowie weitere astronomische Instrumente an.

um 1264 Johannes Campanus

A

Johannes Campanus legt die ptolemäische Planetentheorie in der Schrift Theorica planetarum dar, beschreibt auf dieser Basis Struktur und Größe des Universums und erläutert die Konstruktion eines Gerätes, um zu jedem Zeitpunkt die Position der Himmelskörper bestimmen zu können.

1264 Walter de Merton

W

Walter de Merton gründet das Merton-College an der Universität Oxford zur Ausbildung von Theologen und Juristen.

um 1265 Petrus Hispanus

Roger Bacon

Roger Bacon

Ü × al-Magrib¯

M

Al-MaÜgrib¯× erzielt neue Resultate zur Trigonometrie, u. a. zwei Beweise des Sinussatzes der sphärischen Trigonometrie und eine Berechnungsmethode für sin 1◦ . Roger Bacon

C

Roger Bacon erwähnt in einer alchemistischen Schrift, daß Salpeter mit brennbaren Stoffen verpufft und sich die explosive Wirkung unter Einschluß erhöht.

G

Normannen unternehmen bis 1267 eine Reise längs der Westküste Grönlands bis 74◦ nödlicher Breite.

1269

M

In der Schrift zur Arithmetik gibt Nas.¯×r ad-D¯×n at.T.u¯ s¯× neben der Bruchrechnung und dem Rechnen mit Sexagesimalbrüchen gute Näherungsformeln für n-te Wurzeln und die Entwicklung der Potenz eines Binoms an.

um 1266 J. und D. de Balliol

Pierre de Maricourt

W

Die schottischen Adeligen J. und D. de Balliol gründen das Balliol-College an der Universität Oxford zur Unterstützung armer Studenten.

P

Pierre de Maricourt verfaßt die Epistola de magnete über seine Experimente mit Magneten, die älteste experimental-physikalische Darstellung. Er entdeckt magnetische Meridiane und vermerkt die seit der Antike bekannten Eigenschaften des Magnetismus wie Anziehung, Abstoßung, Polumkehr. Pierre de Maricourt

P

Mit der Annahme, daß sich Magnete in Richtung Polarstern, d. h. Norden, einstellen, gibt Pierre de Maricourt im lateinischen Mittelalter erste Hinweise auf den Erdmagnetismus. Pierre de Maricourt

1265 ¯ × Nas.¯×r ad-D¯×n at.-T.us¯

P

In Fortsetzung der Ideen von Jordanus Nemorarius und Robert Grosseteste sucht Roger Bacon nach dem mathematischen Ausdruck der Kraft und den Übertragungsprinzipien von Wirkungen und beschäftigt sich mit dem Problem der Fernwirkung.

M

Petrus Hispanus, der spätere Papst Johannes XXI. verfaßt ein umfassendes Werk zur Logik. Er ist einer der Wegbereiter des Nominalismus.

P

Roger Bacon faßt seine wichtigsten Erkenntnisse in 4 Bänden seines Hauptwerkes Opus majus zusammen. Er verbindet Wissen mit Nutzen, insbesondere für Bildung und Lehre. Die Einheit des Wissens soll experimentell gefunden und mathematisch bewiesen werden. Bacon prognostiziert zukünftige ErÀndungen wie das Fernrohr und Schiffe bzw. Wagen mit eigenem Antrieb.

P

In seinem Werk beschreibt Pierre de Maricourt zwei Kompasse mit Nadeln, Vergleichslinien und Einteilungen von 360 Grad in einem Gehäuse, italienisch bùssola, die für die Seenavigation brauchbar sind. Wilhelm von Moerbeke

P

Mit dem Ziel das Werk des Archimedes im lateinischen Mitteleuropa zugänglich und umfassend bekannt zu machen, übersetzt Wilhelm von Moerbeke viele von dessen mathematischen und physikalischen Schriften sowie einige Kommentare aus dem Griechischen ins Lateinische.

1270 – 1275

106

um 1270 ¯ × Nas.¯×r ad-D¯×n at.-T.us¯

A

Nas.¯×r ad-D¯×n at.-T.u¯ s¯× nimmt eine gründliche Ausarbeitung der ptolemäischen Astronomie vor und leitet eine neue Planetentheorie mit dem Modell des doppelten Epizykel ab. Es ist eines der neuen mathematischen Modelle im Mittelalter. Raimundus Lullus

C

Raimundus Lullus beschreibt die Herstellung von Königswasser (aqua fortis acuta), die Gewinnung von Ammoniak durch Destillation von „gefaultem“ Harn und die metallauflösende Wirkung von Mineralsäuren.

1270 Witelo

P

In seiner Perspectiva, neben Johannes Pechams Schrift bis ins 17. Jahrhundert ein Standardwerk der Optik, legt Witelo die Theorie des Ibn alHaitam dar und vermittelt arabische Kenntnisse nach¯ Europa. Witelo

1275 eintreffen. Bis 1292 ist Marco Polo in dessen Auftrag in fast allen Provinzen des Chinesischen Reiches und in Burma unterwegs.

1272 Isaac ha-Hazzan, ¯ a¯ ben Moses ha-Kohen Jehud

Die von Isaac ha-Hazzan, Jeh¯ud¯a ben Moses haKohen und anderen christlichen und jüdischen Gelehrten im Auftrage Alfons X. zusammengestellten Alfonsinischen Tafeln werden in Toledo vollendet. Die Tafeln basieren auf den Toledanischen Tafeln az-Zarq¯al¯×s und ersetzen die Ptolemäischen. Isaac ha-Hazzan

um 1271 Robert der Engländer

1273/74 Raimundus Lullus

1271 ¯ × Nas.¯×r ad-D¯×n at.-T.us¯

A

Marco Polo

G

Unter Leitung von Nas.¯×r ad-D¯×n at.-T.u¯ s¯× werden neue Planetentafeln bei Verwendung langjähriger Beobachtungen und alter Tafeln erarbeitet. Die Tafeln waren sehr populär und bis nach China verbreitet. Marco Polo reist mit Vater Nicolo und Onkel Maffeo über Kleinasien, Persien, Chorassan, Balch, über den Pamir, Kaschgar und Jarkent durch die Wüste Takla-Makan nach Kantschou und Xandu an den Hof Kublai-Khans, wo sie

W

Raimundus Lullus verfaßt auf Mallorca die erste Abhandlung Ars maior . . . über seine neue Logik, eine neue Methode mittels allgemeiner Buchstabensymbole und Diagramme neues Wissen aus bekannten abzuleiten und alles Wissen zu erfassen.

A

Robert der Engländer beschreibt im Kommentar zu De sphaera des Johannes de Sacrobosco eine von Gewichten betriebene mechanische Uhr mit 24-Stunden-Einteilung für einen Tag.

A

Isaac ha-Hazzan übersetzt al-Batt¯an¯×s große Abhandlung Kit¯ab al-Z¯×j (Opus astronomicum) zur Astronomie ins Spanische, nachdem bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts zwei lateinische Übersetzungen angefertigt wurden.

P

Witelo stellt für die Optik fest, daß die Natur stets nach der Richtung der kürzesten Linie wirkt, erklärt den Regenbogen als Ergebnis von Brechung und TotalreÁexion des Sonnenlichts am Regentropfen und experimentiert an wassergefüllten Glaskugeln, um den Strahlengang zu ermitteln.

A

um 1275 Pseudo-Geber

C

In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts treten mehrere lateinische chemische Abhandlungen auf, die als Schriften von Geber ausgegeben werden (Pseudo-Geber). Darunter ist die Schrift Summa perfectionis, die sich durch eine klare, ausführliche Beschreibung der chemischen Substanzen und der angewandten Geräte und Verfahren auszeichnet, eines der wichtigsten chemischen Werke im christlichen Mittelalter.

1275 Yang Hui

M

Yang Hui bemüht sich, geometrische Resultate zu beweisen und gemeinsame Grundprinzipien herauszuarbeiten, was eine Abkehr von den traditionellen empirischen Methoden in China ist.

107

1275 – 1280

Yang Hui

1277

M

Yang Hui behandelt in Werken über Rechenmethoden und Eigenschaften der Zahlen magische Quadrate bis zum Typ 1010 × und bestimmt Wurzeln höherer Ordnung, wobei die älteste existierende chinesische Darstellung des Pascalschen Dreiecks der BinomialkoefÀzienten bis n = 6 auftritt. Wilhelm von Saliceto

B

Wilhelm von Saliceto veröffentlicht neuere Erkenntnisse der Anatomie und Chirurgie auf der Basis von Sektionen.

um 1276 M • A Guo Shoujing nutzt für astronomische Berechnungen und zur Summation von Potenzreihen ein zur Methode der Àniten Differenzen äquivalentes Verfahren. Guo Shoujing

Guo Shoujing

A

Guo Shoujing baut für die Sternwarte in Peking eine große metallische Äquatorialarmillarsphäre, die er in einer nichtäquatorialen Form von den Arabern übernahm, und ein vereinfachtes Instrument, Äquatorialtorquetum. Seine Geräte und Methoden werden 300 Jahre später von T. Brahe neu gefunden. A • M Guo Shoujing führt sehr genaue astronomische Beobachtungen und Berechnungen durch. Er nutzt Elemente der sphärischen Trigonometrie ohne aber auf Winkelfunktionen zurückzugreifen. Guo Shoujing

Robert der Engländer

A

Robert der Engländer konstruiert und beschreibt in Adaption älterer Ideen den Quadrans vetus, ein astronomisches Gerät zur Winkelbestimmung. Giles von Rom

B

Giles von Rom beschreibt die Entwicklung des menschlichen Fötus.

Johannes Pecham

G

Der Dollart, die Meeresbucht an der Emsmündung, entsteht durch eine NordseeÁut. Durch weitere Flutkatastrophen wird er in den folgenden Jahrhunderten weiter vergrößert.

1279 Bar Hebraeus

A

Bar Hebraeus schreibt eine Zusammenfassung des Almagest des Ptolemäus, einen der wenigen syrischen Texte, die astronomisch bedeutsam sind.

um 1280 A • M Der Marokkaner al-Marr¯akus¯× vollendet die ausführlichste Abhandlung über astronomische Geräte und Methoden sowie Trigonometrie und Gnomonik im muslimischen Westen. Außerdem ist ein Sternkatalog mit Bezugsort Kairo enthalten. ¯ al-Marrakus¯ ×

¯. al-H . asan al-Rammah

Nicholaos Myrepsos

B

Nicholaos Myrepsos stellt in Nicaea eine große Kollektion pharmazeutischer Rezepte, klassiÀziert nach den medizinischen Eigenschaften der Drogen, zusammen.

1280

A

Alfons X. läßt Übersetzungen von arabischen Texten zu einem elfbändigen enzyklopädischen Werk aller astronomischen Geräte, ihres Gebrauchs und ihrer Konstruktion nebst Beispielen und Berechnungen vereinigen. Er wirkt daran aktiv mit.

C

Al-H.asan al-Ramm¯ah. erklärt eine Methode zur Reinigung von Salpeter, der von ihm als Grundlage von Explosivstoffen angesehen wird.

1276/77 Alfons X. von Kastilien

P

Johannes Pecham verbreitet mit seinem Buch Perspectiva communis, dem Standardwerk der Optik bis ins 17. Jahrhundert, die optische Lehre des Ibn al-Haitam und beschreibt den Bau des Auges und die ¯Psychologie des Sehens, wobei er vermittelnd Sehobjektstrahlen als auch Sehstrahlen annimmt.

Raimundus Lullus

W

Raimundus Lullus vereinfacht in den folgenden Jahren seine Methode zum AufÀnden der Wahrheit und schreibt unter Anwendung dieser Prinzipien 1296 eine der letzten großen Enzyklopädien des Mittelalters.

1280 – 1285

108

al-Qazw¯×n¯×

W

Al-Qazw¯×n¯× kompiliert auf der Basis von mehr als 100 Quellen, darunter Aristoteles, Ibn S¯×n¯a, C. Ptolemäus und al-B¯×r¯un¯× eine umfassende populäre Kosmographie Wunder der Schöpfung . . . und vermittelt zahlreiche Fakten zur Geographie, Geologie, Biologie, Astronomie u. a. Petrus Olivi

P

Ristoro d’Arezzo

G

Ristoro d’Arezzo erklärt, daß sowohl die natürliche als auch die menschliche Umwelt sich mit der Zeit sehr stark verändern können, indem Berge abgetragen werden, sich Täler, Flüsse, Quellen, Städte und Dörfer und sogar die Sprache verändern u. a. Solche Veränderungen können sich in einem Zeitraum von weniger als 1 000 Jahren ereignen.

Petrus Olivi greift als erster Autor im lateinischen Mittelalter die Impetustheorie von Johannes Philoponos auf, erläutert und entwickelt sie weiter.

um 1284 Bernard von Verdun

um 1281 ¯ × Qut.badd¯×n aš-Š¯×raz¯

A

Qut.badd¯×n aš-Š¯×r¯az¯× ist wesentlich an der Schaffung von Nas.¯×r ad-D¯×n at.-T.u¯ s¯×s neuen, die Ptolemäischen Vorstellungen korrigierenden Planetenmodell beteiligt. In seinem Werk gibt er ein Modell für die Merkurbahn an.

1284 Brunetto Latini

1282 Ristoro d’Arezzo

G

Die sieben Bücher La composizione del mondo des italienischen Mönchs Ristoro d’Arezzo behandeln astronomische, geographische und naturkundliche Probleme, die Bücher II und VI sind dem Erdkörper gewidmet. Sein Interesse gilt dabei wesentlich dem EinÁuß der himmlischen Körper auf die Vorgänge auf der Erde. Ristoro d’Arezzo

G

Ristoro d’Arezzo nennt als Ursachen der Entstehung der Berge u. a. Erdbeben, die erodierende Kraft des Wassers, die Anschwemmung von Sand und Kies durch die Meereswellen sowie das Absetzen von Sedimenten durch die SintÁut, vor allem aber eine sympathetische Anziehung der Erdmasse durch die Gestirne, die er mit der Wirkung eines Magneten vergleicht. Berge, die Sand und Reste von Meerestieren enthalten, haben einst bei der SintÁut unter Wasser gelegen. Ristoro d’Arezzo

G

Ristoro d’Arezzo beschreibt die Sandanhäufungen (Dünen) entlang der Meeresküsten, führt deren Entstehung aber vor allem auf die akkumulierende Wirkung des Wassers zurück. Er sieht darin zugleich ein Modell für die Entstehung der Berge.

A

Bernard von Verdun gibt einen Vergleich der astronomischen Theorien von Aristoteles, Ibn Rušd, Ibn al-Haitam und C. Ptolemäus, wobei ¯ und beschreibt das Torqueer letztere favorisiert, tum.

G

Brunetto Latini, der Lehrer Dante Alighieris, schafft um 1284 mit seinem Li Livres dou Tresor die italienische Enzyklopädie des Mittelalters, in deren erstem Buch u. a. die Beschaffenheit und Anordnung der Elemente, unterirdische Wasserläufe, die Regenbildung sowie eine kurze Länderkunde behandelt werden. Brunetto Latini

G

Zur Erklärung der Verteilung von Land und Meer entwickelt Brunetto Latini erstmals deutlich ausgeprägt eine Theorie, der zufolge die Erdkugel in der Wassermasse schwimmt, diese dabei aber an einer Stelle überragt. Dadurch kommt es zur exzentrischen Lage der Erdkugel zur Wasserhülle bzw. zur Verrückung des Schwerpunktes. Dies ist wiederum ein wesentliches Argument von Latinis Quellenlehre, da dadurch das „AufwärtsÁießen“ des Wassers vom Meer zu den Quellen in den Bergen im Sinne hydrostatischen Druckes erklärbar wird.

um 1285 Georgios Pachymeres

M

Georgios Pachymeres verfaßt in Konstantinopel eine Abhandlung zum Quadrivium, der Werke von Diophantos, Euklid und Nikomachos als Quelle dienen. Er nutzt noch z. T. die griechische Zahlschreibweise.

109

1285 – 1292

Salvino degl’ Armati, A. della Spina

P

In italienischen Manuskripten von 1285 bzw. 1289 werden als ErÀnder der Brille Salvino degl’ Armati und unabhängig davon A. della Spina genannt. Eine Brille gestattet es mit konvexen Gläsern für Fernsichtige und konkaven für Kurzsichtige, die Fehlsichtigkeit der Augen zu korrigieren.

B

In Cremona wird eine menschliche Leiche seziert, um die Erklärung für eine sich in der Stadt ausbreitende Seuche zu Ànden. Erste Sektionen wurden vor 1275 in Bologna vorgenommen.

A

Wilhelm von Saint Cloud kritisiert die Toledanischen Tafeln, die Methode zur Kalenderberechnung u. a. Er führt genaue Beobachtungen durch, errechnet einen Kalender auf rein astronomischer Basis und bestimmt als wohl einziger Astronom im christlichen Mittelalter die Schiefe der Ekliptik (23◦ 34 ). Simon von Genua

1286

B

Simon von Genua versucht in seinem medizinischen Wörterbuch, das bis zum 16. Jahrhundert in Gebrauch ist, eine Systematik der medizinischen und botanischen Begriffe zu geben.

1290 W

1287 RuÀnus

Wilhelm von Saint Cloud

B

RuÀnus legt ein umfangreiches Herbarium an, in dem er zahlreiche PÁanzenarten detailliert beschreibt.

Die erste und bis ins 20. Jahrhundert einzige portugiesische Universität wird in Lissabon gegründet. 1308/09 wird sie zeitweilig und 1537 endgültig nach Coimbra verlegt.

1291 1289 Jaqob Ibn Tibbon

Joannes de Sicilia W

Jaqob Ibn Tibbon vollendet in Montpellier die Übersetzung von Ibn Rušds Kommentar zum aristotelischen Organon aus dem Arabischen ins Hebräische. Dies ist die Basis für spätere lateinische Druckausgaben. ¯ × Qut.badd¯×n aš-Š¯×raz¯

P

Qut.badd¯×n aš-Š¯×r¯az¯× behandelt in seiner astronomischen Schrift auch optische Probleme und erklärt vor Descartes auf experimentellen Weg den Regenbogen als zweimalige Brechung und einmaliges Zurückwerfen des Sonnenlichts in den Wassertröpfchen der Wolken. G. de Montecorvino

G

Der Franziskaner G. de Montecorvino reist als Missionar nach Indien und 1292 weiter nach China, wo er bis zu seinem Tode 1328 bleibt.

A

Joannes de Sicilia publiziert in Paris eine Kritik der astronomischen Grundlagen der Toledanischen Tafeln und lehnt dabei die Trepidation der Äquinoktien ab. U. und V. Vivaldi

G

Die Gebrüder U. und V. Vivaldi aus Genua unternehmen den Versuch, einen Seeweg um Afrika nach Indien zu Ànden. Sie bleiben verschollen.

um 1292 Petrus Philomena von Dacien

M

Der Däne Petrus Philomena von Dacien schreibt in Paris einen Kommentar zu Sacroboscos Algorismus. Er verbessert die Berechnung von Kubikwurzeln und entwickelt Ideen zur Indivisiblenmethode.

1292 um 1290 Jaqob Ibn Tibbon

Marco Polo A

Jaqob Ibn Tibbon vollendet in Montpellier eine Abhandlung über sein astronomisches Gerät „Quadrans novus“, ein vereinfachtes Astrolab. Sie wird 1299 ins Lateinische übersetzt.

G

Marco Polo reist mit seinen Angehörigen auf dem Seewege durch die Malakka-Straße zur Westküste Indiens nach Ormus, und von dort über Persien, Armenien und Trapezunt nach Venedig zurück, wo er 1295 eintrifft.

1295 – 1300

110 Ibn al-Banna¯ c

um 1295 Guido Lanfranchi

B

Guido Lanfranchi führt in Paris Neuerungen zur Verbesserung der medizinischen Ausbildung ein, von denen sich vieles in seinen die praktische Chirurgie fördernden Werken Chirurgia magna und Chirurgia parva niederschlägt.

Manuel Moschopulos

1298 Marco Polo G • C Marco Polo diktiert bis 1299 in genuesischer Gefangenschaft seinem Mitgefangenen Rustighello von Pisa den Bericht über die Reise zum Mongolenherrscher und den dortigen Aufenthalt (vgl. 1271). Der Bericht beeinÁußt in Europa wesentlich die geographischen Vorstellungen der folgenden Jahrhunderte und vermittelt die Kenntnis chinesischer Arzneimittel und Farbstoffe sowie die Verwendung von Kohle und Erdöl als Heizmaterial.

Maximos Planudes

M

Erstmals im byzantinischen Reich erläutert Maximos Planudes das Rechnen mit den indischarabischen Ziffern in der ostarabischen Form. Zuvor wurden die Ziffern bei Zahlenangaben, aber nicht zum Rechnen benutzt. P

M

In Florenz wird den KauÁeuten verboten, die indisch-arabischen Ziffern in der Buchführung zu benutzen, da man diese leichter fälschen kann, als die römischen. M

Zhu Shijie verfaßt ein Mathematiklehrbuch, in dem er u. a. die Vorzeichenregeln für die algebraische Addition und Multiplikation erläutert und das eine Hauptquelle bei der Übertragung chinesischer Algebra nach Japan wurde. B • P

Ein Áorentinisches Manuskript beschreibt die ErÀndung der die Weitsichtigkeit korrigierenden Brille.

um 1300 J. Duns Scotus

M

Manuel Moschopulos schreibt die erste Abhandlung über magische Quadrate in griechischer Sprache und gibt Konstruktionsregeln für n = 2m + 1 und n = 4m an, wobei er zyklische Permutationen verwendet.

1299

Zhu Shijie

M

Ibn al-Bann¯ac schreibt ein Buch Talkhis, das ältere verlorengegangene westarabische Werke zusammenfaßt und u. a. Gebrauch der sowie Rechnen mit den indisch-arabischen Ziffern erklärt und mehrere neue Details enthält. Er soll algebraische Zeichen benutzt haben.

W

Im Bestreben die Grenze zwischen Philosophie und Theologie neu zu bestimmen, führt J. Duns Scotus die Differenzierungs- und Argumentationskunst der Scholastik zu einem Höhepunkt. Er plädiert für eine klare Unterscheidung von kausalen Gesetzen und empirischen Verallgemeinerungen und weist auf die Notwendigkeit hin, die Gültigkeit induktiv, durch Verallgemeinerung sinnlicher Wahrnehmungen gewonnener Gesetze zu begründen.

Der Flug chinesischer Raketengeschosse wird durch zusätzliche Leiteinrichtungen stabilisiert. Pseudo-Geber

C

Pseudo-Geber beschreibt die Gewinnung von Schwefelsäure durch Erhitzen von Vitriol, der Salpetersäure durch Erhitzen von Vitriol, Alaun und Salpeter sowie weitere Verfahren zur Reinigung von Salzen und Metallen. Er unterscheidet drei Arten von Metallen und erkennt deren Transmutation an. B

Die Harnschau dient als Diagnosemethode für zahlreiche Krankheiten. B

In Deutschland beginnt eine planmäßige Forstnutzung. Erste Forstordnungen, waldschützende Bestimmungen und forstliche Strafbestimmungen liegen vor. B

In Europa werden Anfang des 14. Jahrhunderts erste Abhandlungen zur Bäderheilkunde veröffentlicht. B

In der Landwirtschaft Flanderns wird das Prinzip der Fruchtfolge angewandt.

111

1300 – 1307

1300

um 1305 W

Die Universität Lerida wird gegründet und besteht bis 1713. W

Anfang des 14. Jahrhunderts werden in Südfrankreich lateinische Texte zur Medizin ins Hebräische übersetzt, da die Kenntnis der arabische Sprache unter den jüdischen Gelehrten zurückgeht.

1302 Bartolomeo da Varignana

B

Bartolomeo da Varignana führt im Februar dieses Jahres in Bologna die erste gerichtliche Leichensektion durch.

Dietrich von Freiberg

Dietrich von Freiberg

W

Neben der kirchlichen Universität wird eine städtische Universität in Rom gegründet.

um 1306

Zhu Shijie

M

Zhu Shijie vervollkommnet die Methode des Himmelselements zum Aufstellen algebraischer Gleichungen und nichtlinearer Gleichungssysteme. Er kennzeichnet erstmals vier Unbekannte in einem Polynom. Zhu Shijie

M

Zhu Shijie gibt eine ausführliche Behandlung der Reihensummation und der Methode der Àniten Differenzen.

um 1304 A • W Henry Bate vollendet die Ende 1301 begonnene 23-bändige Enzyklopädie, die viele naturwissenschaftliche Einschübe enthält, u. a. den Versuch die Planetenbewegung ohne Epizyklen und Exzenter zu erklären. Henry Bate

1306

Bernhard von Gordon

W

Die mindestens bis ins 11. Jahrhundert zurückgehende und um 1225 in eine Universität umgewandelte Rechtsschule von Orleans erhält die Anerkennung als studium generale. P. Dubois

W

Im Rahmen umfangreicher Reformen, um die Hegonomie Frankreichs in Europa zu erreichen, fordert P. Dubois eine allgemeine Bildung als staatsnotwendig. Kalonymos ben Kalonymos

B

Bernhard von Gordon verfaßt mit Lilium medicinae eines der erfolgreichsten medizinischen Bücher des Mittelalters.

M

Kalonymos ben Kalonymos, einer der bedeutendsten mittelalterlichen Übersetzer mathematischer und astronomischer Texte, überträgt ab 1306 u. a. Werke von Euklid, Archimedes, C. Ptolemäus, Nikomachos, Ibn al-Haitam, al-Kind¯× und Ta¯ bit ¯ Ibn Qurra sowie Kommentare dazu aus dem ¯Arabischen ins Hebräische.

1307 Arnald von Villanova

1304

B

Petrus de Crescentiis hinterläßt ein unvollendetes Werk über Landwirtschaft, das bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts als Standardwerk gilt.

W

Gründung der Universität Avignon.

P

Ohne das eigentliche Refraktionsgesetz zu kennen, erklärt Dietrich von Freiberg den Hauptund Nebenregenbogen als Folge von zwei Brechungen und einer ReÁexion am sphärischen Wassertropfen. Unabhängig voneinander kommen Qut.badd¯×n aš-Š¯×r¯az¯× 1289 und al-F¯aris¯× vor 1320 zu ähnlichen Ergebnissen.

Petrus de Crescentiis

1303

P

Dietrich von Freiberg wiederholt eine frühere Vermutung von Ibn Rušd, daß alle Farben einfache Kombinationen von Licht und Dunkelheit im unterschiedlichen Verhältnis sind.

B

Arnald von Villanova publiziert sein medizinisches Hauptwerk Regimen sanitatis. Er übersetzt des weiteren Schriften von Galen, al-Kind¯×, Qust.a¯ Ibn L¯uq¯a, Ibn S¯×n¯a u. a. aus dem Arabische ins Lateinische

1308 – 1310

112

1308 W

Gründung der Universität Perugia. G. Durand de Saint Pourcain

W

G. Durand de Saint Pourcain entwickelt in mehreren Schriften bis 1334 einen konzeptionalistischen Standpunkt und lehnt die Autoritätsgläubigkeit in wissenschaftlichen Beweisen ab. Er ist Wegbereiter des Nominalismus und des Neuaufblühens der Wissenschaft.

um 1310 ¯ × al-Faris¯

Matthaeus Sylvaticus

M

Henri de Mondeville soll die indisch-arabischen Ziffern benutzt und das Positionssystem in einem medizinischen Text erklärt haben.

¯ × Raš¯×d al-D¯×n al-Hamadan¯

P

Al-F¯aris¯× verfaßt zwischen 1302 und 1311 die Verbesserung der Optik, ein Kommentar zu Ibn al-Haitams Großer Optik (vgl. 1028), beschreibt ¯ Perspektive, den Gebrauch der Camera dabei die obscura und vertritt die These von der Endlichkeit der Lichtgeschwindigkeit. ¯ × al-Faris¯

P

Al-F¯aris¯× erklärt den Regenbogen durch Analogie zwischen Regentropfen und wassergefüllter Glaskugel, an der er die Lichtstrahlenbrechung durch die Kugel ohne ReÁexion im Inneren, die zweimalige Brechung mit einer oder zweimaliger ReÁexion erst berechnete und anschließend im Experiment überprüfte. Dabei ermittelte er, welche der einfallenden Strahlen tatsächlich gebündelt werden. Johannes von Jandun

B

Raš¯×d al-D¯×n al-Hamad¯an¯× publiziert medizinische Werke, in denen neben Kenntnissen der europäischen und arabischen Medizin auch das Wissen der chinesischen und mongolischen Medizin vermittelt wird.

1310 John Mauduith

M

John Mauduith verfaßt die vermutlich erste Schrift zur Trigonometrie im mittelalterlichen Europa und beeinÁußt Richard von Wallingford. A • M J. ben Israel von Toledo markiert mit dem Werk über Grundlagen der Welt den Höhepunkt der mittelalterlichen jüdischen Astronomie. Es enthält insbesondere eine umfangreiche sphärische Trigonometrie. J. ben Israel von Toledo

Pietro d’Abano ¯ × al-Faris¯

B

Matthaeus Sylvaticus richtet botanische Gärten in Castelnuovo und Salerno ein, ebenso Gualterus 1333 in Venedig.

M

Beim Versuch Sätze des Ta¯ bit Ibn Qurra über ¯ befreundete Zahlen zu beweisen, erzielt al-F¯aris¯× wichtige zahlentheoretische Ergebnisse, die i. w. S. dem Fundamentalsatz der elementaren Zahlentheorie entsprechen und auch die Eindeutigkeit der Zerlegung in Primzahlpotenzen betrachten. Die genauere Analyse scheidert aber bereits an begrifÁichen Schwerigkeiten. Henri de Mondeville

Neuzeit in der Faradayschen Feldtheorie eine genauere Ausformung erfährt, und lehnt ein Gravitationspotential als nicht existent ab.

P

Die Überlegungen von Roger Bacon fortsetzend, hält Johannes von Jandun eine Fernwirkung nicht für möglich. Er erklärt die magnetische Anziehung als eine Art Feldübertragung, die in der

A

Pietro d’Abano vertritt in seinem Werk Lucidator astronomiae die Ansicht, daß die Himmelskörper nicht an der Himmelskugel befestigt sind, sondern sich frei im Weltall bewegen. Johannes von Jandun

P

Johannes von Jandun, Anhänger von Aristoteles und Ibn Rušd, verfaßt bis 1323 eine der ersten lateinischen Enzyklopädien über Physik und weitere, vorwiegend physikalische Schriften. Pietro d’Abano

B

Pietro d’Abano behandelt in seinem Conciliator differentiarum medizinische Fragen, vermischt mit Astrologie. Er übersetzt Schriften von Galen aus dem Griechischen ins Lateinische.

1310/11 ¯ × Raš¯×d al-D¯×n al-Hamadan¯

W

á amic Raš¯×d al-D¯×n al-Hamad¯an¯× vollendet sein G¯ al-taw¯ar¯×kh (Sammlung von Geschichten), eine der frühen Universalgeschichten. Das Werk enthält Angaben zur Geschichte Europas, des Nahen und Fernen Ostens sowie Zentralasiens.

113

1311 – 1320

um 1311 Ju Si-ben

1318 G

Eine Fülle neuer geographischer Informationen zusammenfassend, gestaltet der chinesische Gelehrte Ju Si-ben einen Provinzenatlas Chinas und markiert damit einen Höhepunkt der chinesischen Kartographie.

W

Gründung der Universität Treviso. Muh.ammad as-Safra

B

Muh.ammad as-Safra richtet in Cadiz einen botanischen Garten ein.

1312 Dante Alighieri

A

Dante Alighieri soll mit dem „Kreuz des Südens“ erstmals in Europa ein Sternbild des südlichen Sternenhimmels erwähnt haben. In seinen Werken vermittelt er auch zahlreiche geographische Kenntnisse und Vorstellungen seiner Zeit.

1313 Kalonymos ben Kalonymos

C

Der Franziskanermönch Berthold Schwarz soll das Schießpulver erstmals in Europa als Treibmittel eines Geschosses verwendet haben.

um 1314 Wang Zhen

Wang Zhen stellt sein 22 Bücher umfassendes Werk Nong shu über Landwirtschaft zusammen. Darin entwickelt er u. a. eine sehr praktische Ackerbautabelle.

1316

W

Die 348 Bücher umfassende, um 1280 vollendete Enzyklopädie von Ma Duan-lin wird publiziert.

um 1320 M

Richard von Wallingford schreibt anknüpfend an John Mauduith das erste umfassende trigonometrische Werk im lateinischen Mittelalter. Es fußt auf griechisch-arabischen Quellen, ist aber keine bloße Übersetzung. Neben Levi ben Gerson ist er einer der ersten, der diese Quellen in Europa erklärt. Levi ben Gerson

C

Zur Bekämpfung des Aberglaubens und dessen Ausnutzung erläßt Papst Johannes XXII. eine Verordnung gegen Alchemisten. B

Matthaeus Sylvaticus vollendet in Salerno sein pharmakologisches Werk Pandectae medicinae, in dem zahlreiche PÁanzen beschrieben werden.

A

Levi ben Gerson entwickelt den Jakobsstab, ein Instrument zur Winkelmessung, das außerordentlich vielfältige Anwendung fand. François de Meyronnes

um 1317

Matthaeus Sylvaticus

Ma Duan-lin

B

Mondino de Luzzi verfaßt mit der Anatomia Mundini ein grundlegendes anatomisches Werk für die medizinischen Schulen des Mittelalters, das auf Erkenntnissen beruht, die durch Sektionen menschlicher Leichen gewonnen wurden.

Johannes XXII.

um 1319

Richard von Wallingford B

Mondino de Luzzi

G

Der Franziskaner Odoric de Pordenone beginnt in Konstantinopel eine Reise nach China, die ihn über Trabzon, Bagdad, Hormus, Indien, Sumatra und Java führt. 1336 kehrt er auf dem Landwege von Peking über Szechuan und Tibet nach Padua zurück. Er stirbt 1337 vor Vollendung seines Reiseberichts.

W

K. ben Kalonymos übersetzt bis 1318 zahlreiche Kommentare des Ibn Rušd zu Werken des Aristoteles vom Arabischen ins Hebräische. Berthold Schwarz

Odoric de Pordenone

A

François de Meyronnes zitiert anonym die Idee der Erdrotation und der feststehenden Himmelssphäre, lehnt dies aber wie die Unendlichkeit der Welt ab. Henri de Mondeville

B

Henri de Mondeville verfaßt die Chirurgia, eine wichtige medizinische Enzyklopädie, die bald ins Französische übersetzt wird.

1320 – 1325

114

1320 Dante Alighieri

um 1322 G

Dante Alighieri lehnt in einer Rede am 20.1.1320 die Hypothese von der exzentrischen Lage der Erd- und Wassersphäre entschieden ab. Er erklärt die Verteilung von Land und Wasser durch die Annahme, daß die Erde an einer Stelle einen buckelförmigen Auswuchs zeigt. Die Hebung der trockenen Teile der ErdoberÁäche über das Wasser der Ozeane führt er auf die Fixsterne zurück, die entweder eine Art magnetische Anziehungskraft ausüben oder aber hebende Dämpfe im Erdinneren erzeugen.

um 1321 Jean de Meurs

Wilhelm von Ockham

W

Große Teile der aristotelischen Schriften werden von Wilhelm von Ockham neu kommentiert. Jean de Linières

M

Jean de Linières benutzt ab 1322 gelegentlich in seinen Schriften die heutige Bruchschreibweise mit Bruchstrich. Jean de Linières

A

Jean de Linières stellt astronomische Tafeln und benutzte Berechnungsvorschriften zusammen. Er beschreibt mehrere Beobachtungsinstrumente, u. a. die Saphea, ein spezielles Astrolab, das azZarq¯al¯×s Gerät verbessert.

A

Jean de Meurs publiziert Tabellen und Verfahren, die er für die Neuberechnung der Alfonsinischen Tafeln in Sexagesimalbrüchen benötigt. Er verallgemeinert das Verfahren zur Bestimmung von Sonnen- und Mondkonjunktionen auf alle Planeten.

1322 Niccolo da Reggio

B

Niccolo da Reggio übersetzt Galens De usu partium sowie weitere Schriften von Galen und Hippokrates aus dem Griechischen ins Lateinische. Diese Übersetzungen dienen noch modernen Editionen als Grundlage.

1321 um 1323

W

Gründung der Universität Florenz, die 1349 die päpstliche Anerkennung erhält und 1472 mit der Universität Pisa vereinigt wird. Levi ben Gerson A • P Levi ben Gerson popularisiert die Camera obscura. Er vereinfacht deren Anwendung für astronomische Messungen in Verbindung mit dem Jakobsstab und nutzt dies bei seinen bis 1339 durchgeführten Beobachtungen. M. Sanudo Torsello d. Ä.

G

Der Venezianer M. Sanudo Torsello d. Ä. entwickelt eine Portolankarte. Er popularisiert die Möglichkeit eines Seeweges nach Indien, um das Handelsmonopol der Sarazenen zu brechen.

M

Levi ben Gerson erklärt im Buch von der Zahl allgemeine Prinzipien von Algebra und Arithmetik und benutzt erstmals die Methode der mathematischen Induktion, um Formeln der Kombinatorik zu erhalten.

M

Wilhelm von Ockham leistet wichtige Beiträge zur Logik, indem er u. a. eine zur dreiwertigen Logik analoge Wahrheitsmatrix analysiert und erstmals das Verhältnis zwischen konjunktiven und adjunktiven Aussageverbindungen bestimmt.

um 1325 Jean de Linières, Jean de Meurs

A

Jean de Linières oder Jean de Meurs berechnen die Alfonsinischen Tafeln mit sexagesimalen Datenangaben. Ersterer stellt die notwendigen Regeln in einer kurzen Schrift zusammen.

1325 Angelino Dalorto

1321/22 Levi ben Gerson

Wilhelm von Ockham

G

Angelino Dalorto stellt auf einer Karte das sagenhafte Land Brasil dar. Dabei handelt es sich vermutlich um eine der atlantischen Inseln. Diese Angaben über Fabelländer im Westen führten zu Vermutungen, daß vor 1492 bereits eine legendäre Kenntnis von Land jenseits des Ozeans vorhanden war.

115

1325 – 1330

¯ .a Ibn Bat.t.ut

G

Ibn Bat.t.u¯ t.a, der bedeutendste arabische Reisende des Mittelalters, besucht auf zahlreichen Reisen bis 1354 Nordafrika, Palästina, Mekka, Arabien, Persien, Jemen und Ostafrika, danach Syrien, Kleinasien, die Insel Krim, das Wolgagebiet, Mittelasien, Afghanistan, Indien, Sumatra sowie China. Er verfaßt darüber einen ausführlichen Reisebericht.

1326 Richard von Wallingford

A

Richard von Wallingford konstruiert eine komplizierte astronomische Uhr, die erste genauer bekannte, vollständig mechanische Uhr in Europa.

1326/27 Richard von Wallingford

A

Richard von Wallingford konstruiert das „Albion“, ein originelles Gerät zur Berechnung der Planetenpositionen mit weiteren Hilfsfunktionen. Außerdem beschreibt er ein Instrument, das die Armillarsphäre ersetzen soll und zur Beobachtung und Berechnung dient.

um 1327 Jean de Linières

A

Jean de Linières stellt einen Sternenkatalog auf und bestimmt die Schiefe der Ekliptik mit hoher Präzision.

1327 M

Im Rahmen einer Verwaltungsreform in Genua wird vermutlich die doppelte Buchführung eingeführt. Johann von Sachsen

A

Johann von Sachsen verbessert das Werk seines Lehrers Jean de Linières und beschreibt ausführlich die Regeln zur Berechnung der Alfonsinischen Tafeln.

1328 Johannes Buridan

Thomas Bradwardine

Levi ben Gerson

Johannes Buridan kommentiert viele der aristotelischen Schriften und trägt darüber in seinen Vorlesungen an der Universität Paris ab 1328 vor. Er übt damit einen großen EinÁuß auf das wissenschaftliche Denken im 14. Jahrhundert und später aus.

A

In seinem hebräisch geschriebenen Buch der Astronomie kritisiert Levi ben Gerson den Almagest des Ptolemäus und die Lehre al-Bit.r¯ugá ¯×s, stellt ein System nichtkonzentrischer Sphären auf und verbessert insbesondere die Theorie der Mond- bzw. Sonnenbewegung. Thomas Bradwardine

P

In seinem Tractatus proportionum stellt Thomas Bradwardine die Änderung physikalischer Größen, wie Körpergeschwindigkeit, Bewegungskraft und -widerstand, dar und diskutiert den freien Fall. Die Schrift gilt bis zum Ende der Renaissance als Standardwerk und beeinÁußt u. a. G. Galilei.

um 1330 Wilhelm von Ockham

W

Wilhelm von Ockham betont eine stärkere Beachtung der Beobachtungen im wissenschaftlichen Arbeiten und eine Trennung von Naturwissenschaft und Theologie. Als einen Grundsatz fordert er, nicht mehr Größen zur Begründung zu verwenden, als notwendig – Ockhamsches Rasiermesser. Thomas Bradwardine

M

Thomas Bradwardine setzt sich mit der Unendlichkeitsproblematik auseinander und widerlegt mit geometrischen Mitteln eine atomistische Auffassung des Kontinuums. Thomas Bradwardine

M

Thomas Bradwardine beschäftigt sich in der Geometria speculativa mit Sternenvielecken, der Lehre von den isoperimetrischen Figuren, der Lehre von den irrationalen Größen u. a. ¯ Abu-’l-Fid a¯ c

W

M

In physikalischen Betrachtungen legt Thomas Bradwardine die Lehre der zusammengesetzten Proportionen genau dar und kommt zu ersten Ansätzen von gebrochenen Exponenten.

G

Ab¯u-’l-Fid¯ac erarbeitet ein Register der Länder im Rahmen seiner historischen Studien. Darin Àndet sich der Hinweis, daß zwei Wanderer eine Zeitdifferenz von 2 Tagen erfahren(!), wenn sie die Erde in entgegengesetzter Richtung umwandern und den gleichen Ausgangs- und Endpunkt wählen.

1330 – 1338

116

1330 Wilhelm von Ockham

P

Wilhelm von Ockham kritisiert die Aristotelische Bewegungstheorie, nimmt Magnetanziehung und Sonneneinstrahlung als Beweise, daß Fernwirkungen übliche Naturerscheinungen sind und folgert die Möglichkeit eines Vakuums. Petrus Bonus Lombardus

C

Momentangeschwindigkeit und Beschleunigung. Es wird bewiesen, daß ein Körper bei gleichmäßiger Beschleunigung in einer bestimmten Zeit den gleichen Weg zurücklegt, wie bei einer gleichförmigen Bewegung mit der Geschwindigkeit, die er nach der halben Zeit erlangt hatte.

1335 William Heytesbury

M

Petrus Bonus Lombardus schildert in seinem Werk Pretiosa margarita novella, das sich auf Aristoteles stützt, die alchemistischen Theorien seiner Zeit.

Zeitgleich mit Richard Swineshead studiert William Heytesbury am Merton College die Intensitätsänderungen von Formen und untersucht u. a. die Fallbewegung.

um 1331

um 1336

¯ .ir Ibn aš-Šat

A

Die kritische Auseinandersetzung islamischer Gelehrter mit dem astronomischen Werk des C. Ptolemäus fortsetzend, nimmt Ibn aš-Š¯at.ir verschiedene ModiÀkationen des ptolemäischen Modells vor und ersetzt insbesondere den Exzenter. Speziell die Modelle zur Mond- und zur Merkurbewegung verbessert er wesentlich. Beide Modelle werden dann von N. Copernicus übernommen (vgl. 1507, 1543)

1332 W

Gründung der Universität von Cahors. ¯ Ibn aš-Šatir

A

Ibn aš-Š¯at.ir beschreibt einen neuen Typ von Quadranten zur Verbesserung der astronomischen Beobachtungen und konstruiert bzw. verbessert später weitere Instrumente, wie Quadrant und Astrolab.

um 1335 Thomas Bradwardine, Richard Swineshead

M

Thomas Bradwardine, Richard Swineshead, William Heytesbury und John von Dumbleton begründen am Merton College Oxford die Tradition der „calculatores“, ein Versuch quantitative Veränderungen von Qualitäten, Bewegungen bzw. Kräften zu erfassen. Thomas Bradwardine, William Heytesbury, Richard Swineshead

P

Thomas Bradwardine, William Heytesbury und Richard Swineshead entwickeln das Konzept der

Thomas von Sarepta

B

Thomas von Sarepta legt ein Herbarium als Sammlung getrockneter PÁanzen an.

1336 M

Die Universität Paris fordert den Besuch von Vorlesungen „über einige mathematische Bücher“ als notwendige Voraussetzung für die Promotion. Lanzarote Malocello

G

Lanzarote Malocello soll die später nach ihm benannte Kanarische Insel Lanzarote erreicht haben (gelegentlich auch 1270/75 als Zeitpunkt genannt). Die Insel war bereits im Altertum bekannt und ist wahrscheinlich schon vorher von südeuropäischen Seefahrern besucht worden.

1337 W

Die Kathedralschule von Angers, die sich um 1250 zu einer Universität entwickelt, erhält die Anerkennung als studium generale. Jean de Meurs

A

Jean de Meurs schlägt als einer der Ersten im lateinischen Mittelalter eine Kalenderreform vor.

1338 M

Neben städtischen Lateinschulen entstehen Schulen der Schreib- und Rechenmeister. 1338 existieren in Florenz bereits sechs Abakusschulen. Giovanni de Marignolli

G

Giovanni de Marignolli reist als Leiter einer Gesandtschaft über Mittelasien und die Wüste Gobi nach Khan Baliq (Peking) und kehrt 1353 auf dem Seeweg über Indien und Persien zurück.

117

1339 – 1343

1339 W

Gründung der Universität Grenoble, die 1565 in die Universität von Valence eingegliedert wird und im Verlaufe des 19. Jahrhunderts ihre Eigenständigkeit wiedererringt.

Schwerezentrums zwischen der trockenen und feuchten Erdhälfte sieht. Den EinÁuß der Sterne auf diese Prozesse lehnt er ab. Ähnliche Ansichten vertritt etwa zur gleichen Zeit Albert von Sachsen.

1340

um 1340 Johannes Buridan

M W

Johannes Buridan, Führer des Nominalismus an der Universität Paris, rechtfertigt die Eigenständigkeit der Naturphilosophie und bestimmt Ziele und Methodologie wissenschaftlicher Studien als von Theologie und Metaphysik unabhängig. Zu seinen Schülern gehören Marsilius von Ingham, Nicole Oresme und Albert von Sachsen, die die sog. naturphilosophische „Pariser Schule“ bilden. Richard Swineshead

M

Richard Swineshead studiert Anwachsen und Abnahme von Formen, d. h. die Änderung physikalischer Größen. Im lateinischen Mittelalter ist dies ein erster, sehr vager Ansatz zur Darstellung veränderlicher Größen. Eine von ihm diskutierte Problemlösung entspricht der Summation der ∞ n unendlichen Reihe ‫ گ‬2n . n=1 A • P Johannes Buridan erklärt die Bewegung in der Himmelsmechanik mit der Impetustheorie, wonach Himmelskörper bei ihrer Schöpfung einmal angestossen, sich in ewiger Bewegung beÀnden, weil ihnen kein Widerstand entgegentritt. Eine ständige Korrektur der Bahn durch Gott lehnt er ab.

Frühestes Beispiel einer doppelten Buchführung in einem Rechnungsbuch der Finanzverwalter Genuas. Immanuel BonÀls M • A Immanuel BonÀls verfaßt ab 1340 mehrere astronomische Tabellen und Ephemeriden auf der Basis des von al-Batt¯an¯×, Levi ben Gerson u. a. tradierten Wissens. G • M Francesco Pegolotti, ein Agent einer Áorentinischen Bank, erarbeitet einen speziellen Reiseführer für KauÁeute, die beabsichtigen nach Asien zu reisen. Er vermittelt viele Informationen, die für den Handel mit China und Indien wichtig sind. Das Werk enthält die älteste, bisher bekannte Zinstabelle im lateinischen Mittelalter. Francesco Pegolotti

1341

Johannes Buridan

Johannes Buridan

P

Die Aristotelische Bewegungslehre kritisierend, vollendet Johannes Buridan im Anschluß an Johannes Philoponos die Impetustheorie. Der Körper erhält ein inneres Bewegungsvermögen, den Impetus, eingeprägt, das sich bis zu dessen Stilstand durch äußere Widerstände verbraucht. Begriffe wie Impuls und Trägheit werden hierdurch vorbereitet. Johannes Buridan

P

Nach Johannes Buridan fallen Schwere- und Volumenzentrum der Erde nicht zusammen, weil sich das Festland über den Ozean erhebt und Buridan in Erosion mit folgender Ablagerung im Meer eine ständige Verlagerungsursache des

Hua Shou

B

Hua Shou verfaßt eine weitverbreitete Abhandlung zur Anatomie und Medizin, in der er insbesondere die Blutgefäße beschreibt.

1342 ¯ al-Amil¯ ×

W

¯ Al-Amil¯ × beendet die Zusammenstellung seiner in Persisch geschriebenen Enzyklopädie, in der er 160 Geistes- und Naturwissenschaften unterscheidet.

1343 W

Die seit Ende des 12. Jahrhunderts bestehende Schule in Pisa wird zur Universität erhoben. Jean de Meurs

M

In seinem Werk zur Arithmetik und Algebra bringt Jean de Meurs als neue Idee in einem Beispiel die Dezimalbruchschreibweise.

1343 – 1350

118

Levi ben Gerson

1348

M

Die Übersetzung von Levi ben Gersons Werk zur Trigonometrie ins Lateinische ist eine der ersten nichtarabischen Abhandlungen, die dieses Gebiet als eigenständig darstellt. Sie enthält eine auf fünf Stellen genaue Sinustafel, aber keine Tangensfunktion, und bildet insbesondere das Modell für Regiomontanus.

um 1344 Gregorio Novelli da Rimini

M

Gregorio Novelli da Rimini gibt DeÀnitionen des aktual und potentiell Unendlichen und bemerkt Unterschiede beim Vergleich von endlichen und unendlichen „Mengen“.

W

Die Universität Prag wird als erste Universität im deutschen Kaiserreich gegründet. W

Verkündung des ersten spanischen Gesetzbuches „La siete partidas“ in Alcalá de Henares. Es enthält die erste juristische DeÀnition des studium generale, die wichtigsten Regeln der Universitätsleitung und der Privilegien ihrer Mitglieder. Gentile da Foligno

1349

1344 Meister Dardi

B

Gentile da Foligno beschreibt die verschiedenen Symptome der in Italien ausgebrochenen Pest.

M

W

Meister Dardi aus Pisa löst in einem umfassenden Werk 198 Typen von Gleichungen bis 12. Grades, u. a. vier irreduzible Gleichungen 3. und 4. Grades.

Gründung der Universität Perpignan.

Jean de Meurs, Firmin de Beauval

Sich mit dem aristotelischen Unendlichkeitsbegriff auseinandersetzend, deÀniert Albert von Sachsen den Vergleich zweier Mengen durch umkehrbar eindeutige Zuordnung. Dies entspricht dem modernen Mächtigkeitsbegriff für unendliche Mengen.

A

Jean de Meurs und Firmin de Beauval untersuchen in Avignon für Papst Klemens VI. die Notwendigkeit einer Kalenderreform und schlagen 1345 zwei Versionen vor.

um 1345 Johannes Buridan

Albert von Sachsen

Immanuel BonÀls M

Johannes Buridan entwickelt die Theorie der logischen Folgerungen auf der Basis der Aussagenlogik, ein wichtiger Beitrag zur mittelalterlichen Logik in Auseinandersetzung mit Aristoteles und W. von Ockham.

1346 W

Die Universität Valladolid erhält ein Gründungsdokument und die Anerkennung als studium generale, nachdem sie lange Zeit zuvor bestand und 1237 erstmals als Schule erwähnt wurde. Dominicus de Clavasio

um 1350

M

Die in Paris entstandene Practica geometriae von Dominicus de Clavasio enthält neben Rechenregeln und geometrischen Konstruktionen eine Beschreibung des „Quadratum geometricum“ und nutzt im trigonometrischen Teil auch Tangens und Cotangens.

M

M

In einer hebräisch verfaßten Schrift versucht Immanuel BonÀls in Südfrankreich erstmals in Europa eine systematische Einführung der Dezimalbrüche zu geben. Nicole Oresme

M

Nicole Oresme untersucht die Änderung physikalischer Bewegungsgrößen. Die graphische Darstellung dieser Änderungen führt zu ersten Ansätzen der Koordinatengeometrie. Konrad von Megenberg A • P Konrad von Megenbergs Übersetzung der Sphaera von Johannes de Sacrobosco ist das erste Buch zur Astronomie in deutscher Sprache und enthält auch einige physikalische Resultate. P

Durch die nacheinander erfolgende Zündung von Treibladungen treibt man in China Mehrstufenraketen an, die mit höherer Geschwindigauch größere Reichweiten aufweisen.

119

1350 – 1360

Johannes Buridan, Albert von Sachsen

Johannes Buridan und Albert von Sachsen erklären die Entstehung des Festlandes und der Berge dadurch, daß die Sonnenhitze eine Ausdehnung der Erde bewirkt und diese so über das Wasser hinausragen bzw. trockenes Land entstehen lässt. Die herausragenden Landesteile werden vom Wasser erodiert und die Berge bleiben als Erosionsreste zurück.

1350 Angelo von Florenz

B

In Prag gründet Angelo von Florenz den ersten botanischen Garten an einer Universität. Konrad von Megenberg

1351 Die 200 Bücher umfassende Enzyklopädie des Wang Ying Lin wird veröffentlicht.

1352/53 G

Ibn Bat.t.u¯ t.a reist in diplomatischer Mission von Marokko über Timbuktu nach dem Sudan.

1354 W

Gründung der Universität Huesca.

1356 Narayama Pandita

M

Nicole Oresme vollendet sein Buch zum Münzwesen, die erste wissenschaftliche Abhandlung in Europa zu Problemen wie Umtausch, GoldSilber-Verhältnis etc. aus ökonomischer Sicht.

M

Mit seiner Methode der Summation von Dreieckszahlen begründet Narayama Pandita die Entwicklung von Elementen der Integralrechnung in Indien.

um 1357 Narayama Pandita

M

In seinem Werk zur Algebra beschreibt Narayama Pandita Methoden zur Approximation von Wurzeln, etwa durch Kettenbrüche, u. a.

um 1360 M

Ein englisches Manuskript Anglo-norman algorism erklärt die sechs Grundrechenarten mit den indisch-arabischen Ziffern. M

Albert von Sachsen fertigt eine der besten systematischen Zusammenfassungen der spätmittelalterlichen Logik Ockhams und Buridans an, vereinheitlicht die Terminologie und analysiert Prädikatenformen, logisches Schließen u. a. Nicole Oresme

M

In dem Algorismus proportionum führt Nicole Oresme Potenzen mit gebrochenen Exponenten ein, gibt verbal zahlreiche Rechenregeln mit ihnen sowie Anwendungsbeispiele an. Nicole Oresme

um 1355 Nicole Oresme

G

Ibn Bat.t.u¯ t.a vollendet seinen mehrbändigen Reisebericht, der in Europa erst im 19. Jahrhundert durch C. Defrémery und B. R. Sanguinetti bekannt wird.

Albert von Sachsen W

¯ .a Ibn Bat.t.ut

¯ .a Ibn Bat.t.ut

G

In dem sich an Thomas von Cantimpré anlehnenden Buch der Natur, der ersten naturgeschichtlichen Enzyklopädie in deutscher Sprache, erklärt Konrad von Megenberg Erdbeben durch die im Erdinneren von Dünsten bewegten und herumrollenden Steine sowie die Zusammenballungen von Winden, die sich gewaltsam ihren Weg zur OberÁäche bahnen. Außerdem deutet er die Entstehung der Quellen und Flüsse weitgehend richtig, indem er deren Ursprung allein im Regenwasser sieht. Das Werk trägt viel zur Verbreitung geographischen Wissens bei.

Wang Ying Lin

1355

G

M

Nicole Oresme bildet die Theorie der Formlatituden zur Erfassung mechanischer Vorgänge aus. Dabei werden abhängige und unabhängige Variable graphisch dargestellt. So trägt er die Intensität einer Größe über ihrer Ausdehnung an und schließt aus der entstehenden Flächenform auf den Vorgangscharakter.

1360 – 1372

120

P • M Während seiner Tätigkeit an der Pariser Universität 1351–1362 vereinigt und tradiert Albert von Sachsen die Ideen von Johannes Buridan, Thomas Bradwardine, Wilhelm von Ockham, Nicole Oresme u. a. zur Impetustheorie und zur mathematischen Behandlung von Bewegungen. Er unterscheidet zwischen gleichförmiger, ungleichförmiger und unregelmäßig beschleunigter Bewegung und untersucht Geschwindigkeiten fallender Körper.

A • P Giovanni Dondi vollendet in Padua nach ca. 16 Jahren die Konstruktion einer hochkomplizierten mechanischen astronomischen Uhr, die ein Modell des Universums darstellt. Er hinterläßt eine sehr genaue Beschreibung der Uhr mit ziemlich genauen Zeichnungen, die einen Nachbau ermöglichen.

Albert von Sachsen

Gründung der Universität Orange.

Albert von Sachsen

P

Albert von Sachsen entwickelt bei seinen Betrachtungen über das Schwerezentrum von Körpern erste Vorstellungen zum Prinzip des statischen Gleichgewichts von G. Galilei und E. Torricelli. Johann von Rocquetaillade

C

Johann von Rocquetaillade stellt durch Reaktion von Quecksilber, Salpetersäure und Salmiak Kalomel (Quecksilber-I-chlorid) dar.

W

Gründung der ersten ungarischen Universität in Pecs. Die Gründungsurkunde wird erst 1367 vom Papst bewilligt. Die Universität wird um 1525 geschlossen und 1922 neu eröffnet.

um 1361 A

Astronomike Tribiblos, die größte byzantinische Abhandlung zur Astronomie wird von Theodore Meliteniotes verfaßt, wobei die Quellenlage und die Beziehung zum Paradosis von Isaak Argyros unklar sind.

1361 W

Gründung der Universität Pavia.

1363 Guy de Chauliac

1365 W Albert von Sachsen, Heinrich von Langenstein

W

Aus einer seit Ende des 12. Jahrhunderts existierenden Kathedralschule hervorgehend, wird unter Mitwirken von Albert von Sachsen und Heinrich von Langenstein die erste Universität auf dem Gebiet des heutigen Österreich in Wien gegründet.

um 1368

1360

Theodore Meliteniotes

Giovanni Dondi

B

Guy de Chauliac vollendet seine Chirurgia magna, eine Sammlung der medizinischen Ideen seiner Zeit, die lange ein Standardwerk bleibt.

1364

Jia Ming

B

Jia Ming beschäftigt sich mit der Langlebigkeit und publiziert die erste Abhandlung zur Makrobiotik.

um 1370 Nicole Oresme A • P Die ptolemäische Astronomie kritisierend, erklärt Nicole Oresme die Bewegungen mittels Impetustheorie. Er vertritt ausdrücklich die tägliche Rotation der Erde infolge des bei der Schöpfung eingeprägten Impetus, trennt deutlich zwischen irdischen und himmlischen Bewegungen und ist ein heftiger Gegner astrologischer Voraussagen.

1370 Nicole Oresme W • P Nicole Oresme übersetzt erstmals Werke des Aristoteles in eine Nationalsprache, ins Französische, und kommentiert sie. Er vollzieht dabei eine systematische, einheitliche Ausformung der Impetustheorie.

1372 Heinrich von Langenstein

W

Gründung der Universität Krakau als erste polnische Universität.

B

Heinrich von Langenstein nimmt eine spontane Entstehung neuer Arten von Lebewesen unter außerirdischem EinÁuß an.

121

1372 – 1390

al-Dam¯×r¯×

B

Al-Dam¯×r¯× vollendet unter Verwendung zahlreicher früherer Werke eine große Enzyklopädie über die Tiere.

1373 Heinrich von Langenstein

P

Rektor wird erst 1392 gewählt nach Erhalt des päpstlichen Privilegs aus Rom 1388. 1816 wird die Universität geschlossen.

um 1380 Ibn Qunfud M ¯ Im Kommentar zu dem Werk Talkh¯×s von Ibn al-

Heinrich von Langenstein beschreibt, wie sich in Norwegen die magnetische Anziehung von Ort zu Ort verändert und weist damit auf die Erscheinung der magnetischen Deklination hin.

. . Bann¯ac verwendet Ibn Qunfud eine umfassende ¯ algebraische Symbolik und kürzt bekannte und unbekannte Größen, mathematische Operationen usw. durch kurze Buchstabengruppen ab.

1374

um 1381

Heinrich von Langenstein

A

Heinrich von Langenstein lehnt in Paris die astrologische Deutung des Kometen von 1368 ab und verfolgt in den astronomischen Werken eine rationale Behandlung der Beobachtungen.

um 1375 Madhava

A

Isaak al-H.adib verfaßt astronomische Tafeln und kritisiert frühere Werke von Immanuel BonÀls u. a.

1383 Heinrich von Langenstein

W

Madhava verfaßt eine Zusammenfassung aller hinduistischen philosophischen Systeme, bei den 15 diskutierten Systemen werden auch naturwissenschaftliche Ergebnisse erläutert. Madanapala

Isaak al-H . adib

C

Der indische Prinz Madanapala erwähnt in seinem Wörterbuch erstmals die Gewinnung von Zink aus Zinkspat.

1386 W

Die Universität Heidelberg wird nach Pariser Muster gegründet.

1388

G

Die katalanische Weltkarte, eine undatierte, anonyme vierteilige Weltkarte im Portolanstil entsteht. Sie verzeichnet die Gezeiten im Ärmelkanal sowie entlang der Küste Englands und gibt das System der großen Flüsse und Gebirge schematisch wieder. Die Karte ist prächtig illustriert, InlandÁächen und Meere sind stark beschrieben. Sie ist Vorbild der Portolankunst der folgenden Jahrhunderte.

1377 B

Im Hafen von Ragusa (im heutigen Kroatien) wird eine Quarantänestation errichtet, in der Pestverdächtige 40 Tage verbleiben müssen.

1379 W

Durch Zusammenlegung von vier Kirchenschulen entsteht die Universität in Erfurt, der erste

M

Heinrich von Langenstein begründet eine mathematische Tradition an der Universität Wien, die bis zu Georg Peurbach im 15. Jahrhundert reicht.

W

Gründung der Universität Köln.

1389 W

Gründung der Universität von Buda.

um 1390 A. Mazzinghi

M

In einem handschriftlich erhaltenen Text von A. Mazzinghi und zwei anonymen Schriften werden algebraische Methoden zur Lösung algebraischer Gleichungen und von Gleichungssystemen behandelt. Mazzinghi führt erstmals neben „cosa“ eine spezielle Bezeichnung für die zweite Unbekannte ein. ¯ Ibn Haldun G Ibn ÛHald¯un verfaßt eine Weltgeschichte Kit¯ab

Û (Buch der Beispiele) die insbesondere al-c ibar zahlreiche geographische Informationen enthält.

1390 – 1406

122

1390 Ahmedi

Aulus Cornelius Celsus M

Iskandar-nama, eines der frühesten Werke bei der Verbreitung naturwissenschaftlicher, mathematischer und medizinischer Kenntnisse im Türkischen, wird von Ahmedi vollendet.

B

Vermutlich ab etwa 1400 werden in Süditalien erstmals seit Aulus Cornelius Celsus (vgl. 20) wieder gesichtschirurgische Operationen durchgeführt, um verstümmelte Nasen und Ohren zu ersetzen.

1402 1391

W W

Gründung der Universität Ferrara.

Gründung der Universität Würzburg, die aber rasch verfällt und 1582 neu begründet wird. Jean de Béthencourt

Nikolaus von Dinkelsbühl

M

Die ersten mathematisch-astronomischen Vorlesungen werden bis 1395 von Nikolaus von Dinkelsbühl an der Universität Wien gehalten. Geoffrey Chaucer

1403

A

Der bedeutende englische Poet und Übersetzer des Mittelalters Geoffrey Chaucer beschreibt in Englisch die Konstruktion eines Astrolabs und dessen Anwendung zur Bestimmung der Sternpositionen.

G

Jean de Béthencourt leitet zwei Schiffe mit Siedlern aus Frankreich und Spanien nach den Kanarischen Inseln, nachdem er die Inseln als Lehen vom kastilischen Herrscher erhalten hat.

Ruy Gonzales de Clavijo

G

Ruy Gonzales de Clavijo wird von Heinrich III. von Kastilien nach Samarkand an den Hof Timurlans entsandt. Die Reise dauert bis 1406.

1404 1392 Geoffrey Chaucer

W A

Geoffrey Chaucer beschreibt ein weiteres Gerät zur Bestimmung der Planeten- und der Mondposition gemäß der Ptolemäischen Theorie.

1396 Isaac al-H . adib

A

Isaac al-H.adib konstruiert astronomische Instrumente, u. a. eine Art Astrolab, der besser sein soll, als der des az-Zarq¯al¯×.

B

Unter Giangaleazzo Visconti werden in Mailand erste Maßnahmen der öffentlichen Quarantäne und Hygiene zur Bekämpfung der Pest erlassen.

Anselm d’Ysalguier

M

Erstmals im Mittelalter beginnt Lorenzo Ghiberti in Florenz, Fragen der Perspektive zu untersuchen. Seine Nachfolger entwickeln daraus in Florenz die Lehre von der linearen Perspektive.

G

Anselm d’Ysalguier wirkt als Arzt bis 1413 am Niger. Es gelingt ihm, mit der Tochter eines einheimischen Adligen verheiratet, einen Reisebericht und Wörterverzeichnisse in Arabisch, Targi (Tuareg) und einer afrikanischen Sprache nach Europa zu bringen.

um 1406 G

Die erste Übersetzung der Geographia des C. Ptolemäus ins Lateinische in Westeuropa wird von Jacobus Angelus nach Vorarbeiten seines Lehrers E. Chrysoloras vollendet.

1406 Zhu Xiao

um 1400 Lorenzo Ghiberti

1405

Jacobus Angelus

1399 Giangaleazzo Visconti

Gründung der Universität Trier.

B

Zhu Xiao, genannt Zhou Wang Xiao, beschreibt in seinem „Hunger“-Herbarium vorwiegend PÁanzen, die geeignet sind, die Nahrungsreserven zu verbessern. Dazu führt er in einem botanischen Garten Experimente zur Akklimatisierung von WildpÁanzen durch.

123

1407 – 1415

1407

B W

Die große chinesische Enzyklopädie Yung Lo Ta Tien, die das Wissen am Ende des 14. Jahrhunderts vereinigt, wird vollendet. Es gibt zu jener Zeit kein vergleichbares Werk in der Welt. M

Die Enzyklopädie Yung Lo Ta Tien enthält Kopien zahlreicher mathematischer Texte, u. a. die älteste erhaltene chinesische Darstellung des Pascalschen Dreiecks der BinomialkoefÀzienten. U. Stromer

M

In der Familienchronik des Nürnberger Kaufmanns U. Stromer wird erstmals eine Anwendung der „Visierkunst“, der Volumenbestimmung von Fässern u. ä., gegeben. Zheng He

Der Kaffeeanbau gelangt von Abessinien (Äthiopien) nach Arabien. Benedetto Rinio

1410 Peter d’Ailly

1409 W

Gründung der Universität Leipzig, nachdem 46 Magister die Universität Prag verlassen hatten.

1411 W

Gründung der Universität St. Andrews als erste schottische Universität.

1414 A • M Al-K¯aš¯× vollendet eine Revision der astronomischen und trigonometrischen Tafeln des Nas.¯×r adD¯×n at.-T.u¯ s¯× (vgl. 1271). Sein Fixsternkatalog ist kleiner als der des Ulugh Beg, die Anzahl der Orte mit geographischen Längen- und Breitenangaben ist jedoch größer. ¯ × al-Kaš¯

W

1415

Gründung der Universität Aix-en-Provence.

Johannes von Gmunden

um 1410 Chisdai Crescas

P

Die religionsphilosophische Aristoteleskritik des katalanischen Juden Chisdai Crescas in dem Werk Or Adonai (Das Licht Gottes) basiert auf der Diskussion von 25 Thesen des Moses Maimonides. Crescas leitet für die mittelalterliche Naturphilosophie die Aristoteleskritik mit der Wiederbelebung voraristotelischer Philosophien ein, vertritt z. T. Auffassungen wie G. Bruno und beeinÁußt B. de Spinoza. Chisdai Crescas

G

Peter d’Ailly publiziert seinen Tractatus de imagine mundi mit einer Weltkarte. Das Werk dient C. Kolumbus zur Vorbereitung seiner Entdeckungsfahrten und suggeriert eine schnelle Überfahrt nach Fernost.

G

Der chinesischer Flottenführer Zheng He unternimmt bis 1433 sieben Seereisen, z. T. mit bis zu 100 Schiffen und 27 000 Personen nach Hinterindien, Indonesien und Indien, in den Persischen Golf, das Rote Meer sowie an die Küste Ostafrikas und legt chinesische Handelsstützpunkte an. Seine Reiseberichte beschreiben 30 Länder.

B

In dem von Benedetto Rinio verfaßten Liber de simplicibus werden 440 teilweise exotische PÁanzen beschrieben und illustriert. Das Buch dient KauÁeuten, aber auch Ärzten und Apothekern zur IdentiÀzierung von PÁanzen.

P

In seiner Aristoteleskritik spricht Chisdai Crescas von einem unendlichen kosmischen Raum mit mehr als einer Welt und der Gleichartigkeit der kosmischen und irdischen Natur in Bezug auf Materie und Gesetzeswirkung

A

Johannes von Gmunden ediert in den folgenden Jahren Kalender, die zahlreiche astronomische Daten enthalten und jeweils für einen Zyklus von 19 Jahren bestimmt sind. Die vierte Ausgabe 1439 ist der erste gedruckte – Holztafeldruck – deutsche Kalender mit Planetentafeln. Niccolo dei Conti

G

Der venezianische Kaufmann Niccolo dei Conti reist bis spätestens 1444 durch Asien mit den Stationen: Damaskus, Bagdad, Ormus, Indien, Ceylon, Sumatra, Bangkok, vielleicht China, Borneo, Java, Sokotra, Aden und Dshidda. Als einziger Europäer des Mittelalters befährt er den Ganges und durchwandert Vorderindien. Seine Reiseerlebnisse diktiert er dem Humanisten G. F. Poggio Bracciolini, der sie unter dem Titel De varietate fortunae herausgibt.

1416 – 1427

124

1416 Johannes von Gmunden

1422 M • A

Johannes von Gmunden beginnt wohl als Erster, sich auf mathematische und astronomische Vorlesungen zu spezialisieren, und bereitet damit den Übergang zur Nominalprofessur für Mathematik in Wien vor. ¯ × al-Kaš¯

A

Al-K¯aš¯× beschreibt das von ihm entdeckte Planetenaequatorium, das für Messungen und zur graphischen Lösung von Problemen der Planetenbewegung benutzt wird, u. a. Bestimmung der Planetenpositionen und der Entfernung PlanetErde. Er erklärt noch weitere wichtige Beobachtungsgeräte.

G

Heinrich der Seefahrer leitet die portugiesischen Entdeckungsreisen ein. Von ihm ausgesandte Schiffe erkunden zunächst die afrikanische Westküste bis zum Kap Bajador, u. a. auch die Strömungsverhältnisse. Zugleich gründet er eine Schule für Seefahrer und eine Sternwarte in der Nähe von Kap St. Vincent. (Vgl. 1432, 1444, 1445, 1447, 1455, 1461.)

1419 W

Gründung der Universität Rostock.

um 1420 P

Im Verlauf des 15. Jahrhunderts beginnen die Kompaßhersteller Flanderns die Deklination als Abweichung zwischen geographisch und magnetisch Nord zu berücksichtigen, in Genua wird dies nicht getan.

A

In mehreren Manuskripten erklärt Johannes von Gmunden ab 1420 Wirkungsweise und Konstruktion vieler astronomischer Geräte wie Astrolab, Quadrant, Albion, Torquetum, Equatorium usw., und stellt Planetentafeln u. a. mit Kommentaren zusammen. João Gonçalves Zarco

M

Al-K¯aš¯× berechnet ʌ auf 16 Dezimale genau. Ulugh Beg

A

Ulugh Beg gründet bei Samarkand ein neues Observatorium, das für einige Zeit das astronomische Zentrum der Welt ist und höchsten technischen Standard bei den Geräten besaß.

1425 Gründung der Universität Louvain (Löwen). Sie wird 1797 geschlossen und 1835 wiedereröffnet.

1427 G. F. Poggio Bracciolini

G

João Gonçalves Zarco entdeckt bei der Anlage von Handelsfaktoreien an der marokkanischen Küste die Insel Madeira. Zuvor war 1418 bereits die Insel Porto Santo wiederentdeckt worden.

W

Gründung der ersten modernen humanistischen Akademie, der Academia Valdarnina durch G. F. Poggio Bracciolini auf dessen Landsitz bei Florenz. Die Akademie stellt sich die Diskussion philologischer und interpretatorischer Fragen als Aufgabe. ¯ × al-Kaš¯

M

In einer Enzyklopädie der Elementarmathematik behandelt al-K¯aš¯× erstmals umfassend das Rechnen mit Dezimalbrüchen, wobei er möglicherweise chinesische EinÁüsse verarbeitet. Durch die Fülle der Fakten und Anwendungsbeispiele wird dies eine der wichtigsten mathematischen Schriften des Mittelalters. ¯ × al-Kaš¯

1420 Johannes von Gmunden

1424 ¯ × al-Kaš¯

W

1418 Heinrich der Seefahrer

W

Gründung der Universität Dole, die 1691 in die Universität Besançon übergeht.

M

Al-K¯aš¯× gibt in seiner mathematischen Enzyklopädie u. a. eine Approximation für Wurzeln beliebiger Ordnung, die das RufÀni-Horner-Schema umfaßt, sowie das Pascalsche Dreieck für n = 9. Claudius Clavus

G

Claudius Clavus erweitert mit der Redaktion einer guten Nordlandkarte erstmals im lateinischen Europa die ptolemäische Geographie auf wissenschaftlicher Basis. Er bildet das Baltische Meer als Bucht ab, Skandinavien ist als Halbinsel mit dem Festland verbunden. Die zweite Redaktion der Karte ist wesentlich verbessert und stellt Grönland als Halbinsel Europas dar.

125

1427 – 1440

H. Schiltberger

G

H. Schiltberger erarbeitet bis 1430 seinen Reisebericht über seine Reisen, die ihn seit 1394 als Soldat, vor allem aber als Gefangener in den Orient und durch Zentralasien führten.

um 1429 ¯ × al-Kaš¯

Gil Eannes

G

Im Dienste Heinrichs des Seefahrers gelingt Gil Eannes die gefürchtete Umfahrung des Kaps Bojador an der afrikanischen Westküste, das als unpassierbar und als Ende der Welt galt. Es ist ein epochaler Vorstoß in neue Gebiete.

1435

M

Zur Berechnung trigonometrischer Tafeln ermittelt al-K¯aš¯× den Wert von sin 1◦ auf 16 Dezimale genau und übertrifft die Genauigkeit bisheriger Werte um mehrere Sexagesimalstellen. Seine Methode entspricht der sukzessiven Approximation.

um 1430 Ulugh Beg

Leone Battista Alberti

Leone Battista Alberti A

Aufbauend auf langjährigen eigenen Beobachtungen und denen seiner Vorgänger läßt der Tatarenfürst Ulugh Beg die Angaben des Ptolemäischen Fixsternkatalogs verbessern und mehrere astronomische Konstanten genauer bestimmen.

1431 W

1432

1436

Goncalo Velho Cabral

G

A • M Am Observatorium des Ulugh Beg werden unter dessen Beteiligung trigonometrische Tafeln für Sinus und Tangens mit Schrittweiten von 1 und einer Genauigkeit von fünf Sexagesimalstellen berechnet.

1440 Nikolaus von Kues

um 1433 W

Gründung der ersten philosophischen Akademie, Academia Pontiniana (ursprünglich Academia Alfonsina), durch Antonio Beccadelli. Sie wird 1471 von Giovanni Pontano geleitet, reorganisiert und auf philologisch-humanistische Studien orientiert. 1543 löst sie sich auf.

1434 W

Gründung der Universität Catania.

um 1440 Ulugh Beg

Goncalo Velho Cabral befährt, von Heinrich dem Seefahrer ausgesandt, den Atlantik westwärts und entdeckt am 15. August die Azoreninsel Santa Maria. Die übrigen Azoreninseln werden in den folgenden Jahren entdeckt und teilweise besiedelt.

Antonio Beccadelli

G

Giosafat Barbaro bereist bis 1451 als Kaufmann und Gesandter Venedigs Südrußland sowie kaukasische Gebiete und verfaßt einen brillianten informativen Bericht.

W

Gründung der Universität Caen.

M

In dem Buch Trattato della Pictura führt Leone Battista Alberti wichtige Ideen der mathematischen Perspektive ein, u. a. den Begriff Projektion, und wirft erste Fragen auf, die zur projektiven Geometrie führen.

Giosafat Barbaro

Gründung der Universität Poitiers.

M

Der universell gebildete italienische Künstler Leone Battista Alberti erÀndet einen Apparat zum perspektivischen Abzeichnen bzw. zur Verkleinerung von Zeichnungen. Bis 1445 verfaßt er dann ein Buch über die Anwendung der Mathematik in der Architektur.

A

Nikolaus von Kues faßt das Universum als unendlich und unbegrenzt auf und lehrt, daß die Erde nicht im Mittelpunkt der Welt stehen könne, weil der unendliche Raum keinen Mittelpunkt habe. Alle Himmelskörper ähneln einander. Er steht damit im Gegensatz zur kirchlichen Lehre. Nikolaus von Kues

P

In seiner Schrift De staticis experimentis entwirft Nikolaus von Kues eine projektierende Physik als Vorläufer der experimentellen Physik, in der er das speziÀsche Gewicht von Körpern und die magnetische Anziehung untersucht.

1440 – 1450

126

Nikolaus von Kues

P

Lançarote

G

Nikolaus von Kues denkt sich ein Hygrometer aus, das den Feuchtigkeitsgrad der Luft aus der Gewichtszunahme von Schafwolle, die gegen ein Steingewicht ausbalanciert ist, anzeigt.

Lançarote erkundet das Mündungsgebiet des Senegal und erreicht Kap Verde.

Nikolaus von Kues

Nuno Tristao

P

Nikolaus von Kues regt an, beim Tiefenloten das Senkblei mit einem Auftriebskörper zu verbinden, der sich bei Grundberührung abtrennt.

1446 G

Nuno Tristao segelt bis in die Nähe der GambiaMündung.

1447

1441 W

Gründung der Universität Bordeaux. Joao Fernandez

G

Joao Fernandez, Begleiter des A. Gonçalves, durchwandert mit Nomadenstämmen das Gebiet am Rio de Oro nach Süden und berichtet nach seiner glücklichen Rückkehr 1445 darüber in Portugal.

1443 Nuno Tristao, Antao Gonçalves

G

Nuno Tristao und Antao Gonçalves dringen bis zum Kap Blanc vor, entdecken die Insel Arguin und treffen dort Neger an.

1444 G

Portugiesische Seefahrer erreichen die Senegalmündung.

1445 Diniz Dias

G

Im Auftrage eines genuesischen Handelshauses erreicht Antonio Malfante vermutlich als erster Europäer die Oase Tuat und gibt eine kurze Beschreibung, die aber wenig beachtet wird.

um 1450 Nikolaus von Kues

G

G

A. Fernandez dringt an der afrikanischen Westküste über Kap Verde hinaus bis zum Kap der Masten vor.

M

Nikolaus von Kues widmet sich in philosophischen Werken auch mathematischen Problemen, insbesondere dem Unendlichen. Dabei betrachtet er unendlich Großes und unendlich Kleines. Neßler

C

In Deutschland wird durch Neßler ein Verfahren entwickelt, mit dem aus Kupfererzen durch Rösten, Auslaugen des Vitriols und anschließende Ausfällung durch Eisen Kupfer gewonnen wird.

1450 Nikolaus von Kues

Im Auftrage Heinrichs des Seefahrers segelnd, erreicht Diniz Dias Kap Verde, an dem die Ansicht des Aristoteles von einer heißen, verbrannten unbewohnbaren Zone widerlegt wird. Zugleich entdeckt er die Insel Palme (Gorée). A. Fernandez

Antonio Malfante

W

Nach der von Nikolaus von Kues entwickelten Erkenntnistheorie beruht menschliches Wissen auf Vergleichen und Messen. In seiner Philosophie kommen spekalativ-mystischer Neuplatonismus und empiriebetonter Nominalismus zur Geltung. M • A Das Quadratum geometricum, ein neues Winkelmeßgerät für astronomische und geodätische Messungen wird von Georg Peurbach entwickelt. Georg Peurbach

1451–1600 Renaissance, Humanismus, Reformation

Mit der in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts in Oberitalien beginnenden Ausbildung neuer Kulturinhalte und -formen nahm eine kulturelle Umwälzung ihren Anfang, die bis zum 16. Jahrhundert die anderen Gebiete Europas erfaßte und meist als ein gewichtiger Faktor des Übergangs vom Mittelalter zur Neuzeit gesehen wird. Diese als Renaissance bezeichnete Umgestaltung wird oft auch als Zeitalter der Entdeckungen charakterisiert, wodurch die bedeutenden geographischen Entdeckungen und technischen ErÀndungen sowie wichtige Errungenschaften in den Naturwissenschaften und der Kunst jener Zeit stärker in den Mittelpunkt gerückt werden. Erste Ansätze der Renaissance bildeten sich bereits am Ausgang des Mittelalters in den oberitalienischen Städten heraus. Oberitalien mit den verschiedenen, von äußeren Kräften weitgehend unabhängigen Städten bildete in jener Zeit die ökonomisch fortgeschrittenste Region in Europa. In den Städten hatte sich eine rationalisierte frühmoderne Handels- und Finanzwirtschaft herausgebildet. Das Kaufmannskapital brachte mit den Warenströmen eine beträchtliche Bewegung in die Renaissance-Gesellschaft und dirigierte den durch die entwickelte Warenproduktion bedingten Produktaustausch. In vielen Bereichen des Handwerks kam es allmählich zu einer weiteren Spezialisierung und zu neuen Formen der Arbeitsteilung bis hin zu Manufakturen, sowie zur Anwendung neuer technischer Verfahren. Die soziale Trägerschicht dieser Entwicklung war das Bürgertum der großen Städte, doch waren auch feudale und klerikale Kreise daran beteiligt. Trotz des großen EinÁusses, den die bürgerlichen Schichten errangen, blieben jedoch die feudalen Grundstrukturen der ständischen Gesellschaft während der Renaissance erhalten. So war die Renaissance nach ihrer Ausbreitung über weite Gebiete Europas wesentlich durch das Nebeneinander von bürgerlichen und feudalklerikalen Kräften charakterisiert, ein Nebeneinander, das sowohl durch religiöse, politische und wirtschaftliche KonÁikte als auch durch die Koexistenz und die Adaption verschiedener Elemente der Lebensformen geprägt war. In vielen Punkten Àndet man das für eine Übergangssituation typische Fortbestehen von Kulturelementen der vorangegangenen Periode in Auseinandersetzung mit der neuen (Renaissance-)Kultur. Eine verfestigte, dogmatische Religiosität in ländlichen Gegenden, das Mönchswesen in den Städten oder die Scholastik an den Universitäten waren keineswegs überwunden. Der erwirtschaftete Reichtum wie die errungenen Machtpositionen führten zu vielfältigen Veränderungen in der Lebensweise der Trägerschichten dieser Umwälzung und zu einem fruchtbaren Mäzenatentum, durch das ein Heer von inspirierten Künstlern und Gelehrten unterstützt wurde, um den Ruhm der Herrschenden zu mehren bzw. in unterschiedlichsten Formen zu verewigen. Dies war zugleich Ausdruck einer grundlegend veränderten Stellung des Menschen in einem neuen Weltbild. Nicht mehr Gott und das Jenseits, sondern der Mensch und das Diesseits standen jetzt im Mittelpunkt philosophischer und wissenschaftlicher Betrachtungen wie künstlerischer Darstellungen. Dabei sah man den Menschen in seiner Ganzheit, den geistig-sinnlichen wie den körperlichen Merkmalen, und eine geschickte Neuinterpretation ermöglichte auch die mühelose Übernahme der christlichen Auffassung vom Menschen als Krone der göttlichen Schöpfung und als Ebenbild Gottes. Der Mensch 127

als schöpferisches, ehrgeiziges, energisches, lebensbejahendes und produktives Individuum, das nach Ausbildung all seiner Fähigkeiten strebte, wurde zum Leitbild jener Zeit. Das Streben nach Individualität gemäß dieses Leitbildes mündete in einen Renaissanceindividualismus ein, der bis zum Ruhmbedürfnis, zur schonungslosen Konkurrenz und zu dem Willen, in jeder Beziehung unter den Mitmenschen der Erste zu sein, führte. Die geistige Grundlage der Renaissance bildete der Humanismus. Er entstand außerhalb von etablierter Wissenschaft und Universität als Protest gegen politische Auflösungserscheinungen, erstarrte Theologie und kirchliche Dogmatik und wurde von umfassend gebildeten Dichtern, Ärzten, Mönchen, Magistern, Stadtschreibern, höÀschen und kirchlichen Beamten, Rittern u. a. getragen. Kennzeichnend war die Hinwendung zur Antike im Sinne einer Aufnahme (Rezeption) und einer produktiven, für die Gegenwart nutzbringenden Anwendung. Über die PÁege und Entwicklung der Sprache, speziell des Latein, gingen aus diesem Vorsatz zahlreiche textkritische Übersetzungen und Kommentare antiker Werke hervor. In der Antike bzw. in den Werken der antiken Gelehrten fand man das neue Selbstbewußtsein des tätigen Menschen bestätigt. Mit dem Platonismus und dem nicht scholastisch interpretierten Aristotelismus lagen zwei Denkstile vor, die zu Hauptströmungen der Zeit wurden und die jeweils in speziÀscher Weise Naturerklärung, Logik und wissenschaftlichmathematische Beweisführung förderten. Unterstützt wurden all diese Bestrebungen dadurch, daß sich mit der ErÀndung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern (um 1445) die Verbreitungsmöglichkeiten wissenschaftlicher Gedanken schlagartig verbesserten. Zugleich wandelte sich das Verhältnis zur Natur und das Bild von derselben. Zunehmend sahen Gelehrte wie Laien die Erforschung der Natur als Ziel ihres Tuns an, es galt der Natur ihre Geheimnisse zu entlocken, wenn auch das dazu nötige Instrumentarium noch sehr unterentwickelt war. Trotzdem versuchten bereits Einzelne, ein neues Gesamtbild von der Natur zu entwerfen. Die Fülle der neuen Erkenntnisse in den Naturwissenschaften und auf dem Gebiet der Technik erzielten jedoch die als „arteÀci“ oder „virtuosi“ bezeichneten Ingenieure, Handwerker, KauÁeute, Rechenmeister, Künstler, Büchsenmeister, Architekten, Hüttenmeister, Ärzte usw., die in enger Verbindung mit der Produktion standen und im Sinne der neuen Lebensinteressen begannen, sich um eine Verwissenschaftlichung der Produktion zu bemühen. Damit begann ein Prozeß, der dann in die tiefgreifenden Veränderungen der sog. Wissenschaftlichen Revolution einmündete. Obwohl das Renaissancedenken die christliche Religion bzw. die Kirche nicht prinzipiell in Frage stellte und die Mehrzahl der führenden Repräsentanten der Renaissance sich zum christlichen Glauben bekannte, so brachten die neuen Vorstellungen doch eine Fülle von kritischen und antikirchlichen Äußerungen hervor. Diese verstärkten die bereits innerhalb der Kirche vorhandenen Tendenzen nach einer Erneuerung, die dann im 16. Jahrhundert in der Reformation und den Bestrebungen der Gegenreformation ihren Ausdruck fanden. Vielfältige Verbindungen ergaben sich zwischen Humanismus und Reformation. Gerade im Verhältnis zum Christentum wird der Charakter der Renaissance als Übergangsperiode nochmals besonders deutlich. Die Renaissance war zugleich jene Periode, in der die Führungsrolle in Wissenschaft und Technik nach Europa überging. Das ehemalige arabische Großreich zerÀel unter Angriffen von außen und inneren Spannungen weiter, auch Indien war lange Zeit von Machtkämpfen gezeichnet. Lediglich in China bestanden nach Errichtung der Ming-Dynastie (1368) für über zwei Jahrhunderte relativ stabile Verhältnisse. Trotz der auf agrarischer Produktion basierenden, blühenden Wirtschaft blieb die Wissenschaft durch die jetzt dominierende konfuzianische Orthodoxie eingeengt. Die Wissenschaften blieben zwar auf hohem Niveau, doch erhielten sie vorrangig einen enzyklopädischen, das vorhandene Wissen vereinigenden und bewahrenden Charakter.

128

129

1451 – 1459

1451 W

Gründung der Universität Glasgow. F. Biondo

G

F. Biondo vollendet sein Werk Italia illustrata, eine Topographie des antiken und mittelalterlichen Italiens, ohne Süditalien, mit starkem historischen Inhalt.

100 km aufwärts und entdeckt die östlichen Kapverdischen Inseln. Seine genauen Schilderungen verarbeiten auch ältere portugiesische Entdeckungen und machen die Kanaren sowie die senegambischen Küstenvölker bekannt. Erstmals erwähnt er das Sternbild Kreuz der Südens.

1456 W

1453

Gründung der Universität Greifswald. W

Gründung der Universität Istanbul nach der Eroberung der Stadt durch die Türken. Anonymus von Nowgorod

G

Ein Anonymus von Nowgorod verfaßt nach 1453 den Bericht Über die Länder hinter dem Ararat und erweitert den russischen KauÁeuten den Blick auf Westasien, insbesondere Persien.

1454 G. Peurbach

M

G. Peurbach stellt die zur Berechnung trigonometrischer Tafeln notwendigen Kenntnisse zusammen. Die verbesserte Sinustafel, die sexagesimales und dezimales System kombiniert und das reine Dezimalsystem vorbereitet, blieb unpubliziert. G. Peurbach

A

G. Peurbach vollendet ein elementares, aber gründliches Astronomielehrbuch mit genauer Beschreibung des Ptolemäischen Sphärenmodells der Planetenbewegungen. Ergänzt durch Schriften von J. de Sacrobosco und Regiomontanus wird es der astronomische Standardlehrtext bis ins 17. Jahrhundert. N. Brancaleone

G

Der Maler N. Brancaleone weilt neben einigen anderen Europäern um die Mitte des 15. Jahrhunderts in Äthiopien. Es gehört dies zu einem Versuch, die christliche Kirche zu einigen, mit dem ein Austausch von Mönchen und zwangsläuÀg auch von geographischen Kenntnissen einhergeht.

1455 A. Cadamosto

M

In einen Manuskript wird erstmals die fünfte vollkommene Zahl angegeben.

G

Der Venezianer A. Cadamosto, im Dienst Heinrichs des Seefahrers, erreicht den Gambia. Auf einer zweiten Reise befährt er den Gambia ca.

um 1457 Fridericus Amann

M

In der Bearbeitung des um 1450 im Kloster St. Emmeran bei Regensburg entstandenen Algorismus Ratisbonensis stellt Fridericus Amann mathematisches Wissen sowie Anwendungen für Kaufleute aus italienischen Quellen im Stile späterer Rechenbücher zusammen.

1457 W

Gründung der Universität Freiburg im Breisgau. D. Gomes

G

D. Gomes sucht im Auftrag Heinrich des Seefahrers den Gambia aufwärts einen Weg zum sagenhaften Priesterkönig Johannes. Er sammelt interessante Nachrichten über die West-SudanLänder und erwähnt erstmals die Wasserscheide zwischen den nach Osten bzw. nach Westen gerichteten Flüssen Afrikas. E. S. Piccolomini

G

E. S. Piccolomini, ab 1458 Papst Pius II., verfaßt eine Schrift über Deutschland. Die Schriften des Kardinals enthalten kosmographische und geographische Erkenntnisse, die das Weltbild des C. Kolumbus mitformten.

1459 W

Gründung der ersten schweizerischen Universität in Basel. Sie wird 1460 eröffnet.

1459 – 1464

130

M. Ficino

W

Die Academia Platonica wird in Florenz zur Verbreitung platonischen Gedankengutes gegründet. Ihr Hauptvertreter ist der Humanist M. Ficino. Sie existiert bis 1522 und war keine Forschungs- bzw. Lehreinrichtung. G. Peurbach

A

Die MondÀnsternistafeln des G. Peurbach werden vollendet. Fra Mauro

G

Auf der Basis der Ptolemäischen Weltkarte fertigt der Mönch Fra Mauro eine neue Karte an, in der er die Nord-Süd-Ausdehnung Afrikas wesentlich verringert und so eine mögliche Umschiffung Afrikas und ein Erreichen des Indischen Ozeans suggeriert. A. de Noli, D. Gomes

G

A. de Noli und D. Gomes erkunden die Kapverdischen Inseln näher und ersterer gründet wenig später auf einer der Inseln eine Stadtgemeinde.

um 1460 M

Die sog. „lange Division“ tritt erstmals in einem venezianischen Manuskript auf. Heinrich von Pfolspeundt

1460 M

In Granada verfaßt der Maure al-Qalas.a¯ d¯× eine Arithmetik, die sich durch eine ausgeprägte algebraische Symbolik auszeichnet und u. a. Symbole für Unbekannte, Potenzen, Wurzel-, Gleichheitsbzw. Operationszeichen verwendet.

1461 W

Gründung der Universität Nantes, die 1735 nach Rennes verlegt wird.

1462 Regiomontanus

A • G Erster Bericht über eine astronomische Breitenbestimmung auf See durch portugiesische Seefahrer. Trotz Anpassung an die praktischen Belange erweisen sich Astrolab und Quadrant als ungeeignet. Eine Verbesserung bringt der im 16. Jahrhundert eingeführte Jakobsstab (vgl. 1320, 1522). Regiomontanus

M

Regiomontanus faßt bis 1664 in De triangulis omnimodis libri quinque das von den Arabern tradierte trigonometrische Wissen in hervorragender Form systematisch zusammen. Analog zu Nas.¯×r

A

Regiomontanus vollendet in Rom die mit G. Peurbach begonnene, verkürzte Fassung des Almagest von C. Ptolemäus, wobei er auch auf griechische Quellen zurückgreift. Es wird ein Standardwerk zur Propagierung der Ptolemäischen Astronomie. P. de Cintra

G

P. de Cintra gelangt mit zwei Schiffen bis zum Kap Roxo und dem heutigen Liberia und benennt ein Gebirge „Sierra Leone“. Die Expedition war noch von Heinrich dem Seefahrer geplant worden, erst sieben Jahre später Ànden neue Erkundungsfahrten statt.

B

Heinrich von Pfolspeundt verfaßt sein Werk Bündt-Ertzney, die erste Schrift über Chirurgie in deutscher Sprache.

¯ × al-Qalas.ad¯

ad-D¯×n at.-T.u¯ s¯× (vgl. 1260) begründet er die ebene und sphärische Trigonometrie als eigenständiges Wissensgebiet im christlichen Europa.

um 1463 Nikolaus von Kues

P

Nikolaus von Kues wendet die Impetustheorie in De ludo globi auf die Bewegung eines kugelförmigen Körpers an, dessen „Bewegungskraft“ sich nach dem Anfangsstoß stufenweise verringern soll.

1464 Regiomontanus

M

Regiomontanus Àndet ein unvollständiges Manuskript von Diophantos und plant eine lateinische Übersetzung. Obwohl der Plan nicht realisiert wird, leitet er die Wiederentdeckung des Diophantischen Werkes ein. Regiomontanus

M

In seinem Werk zur Trigonometrie und den Vorlesungen in Padua hebt Regiomontanus die Bedeutung des von al-Batt¯an¯× gefundenen Kosinussatzes als zentralen Satz der sphärischen Trigonometrie hervor. Die Sätze ermöglichen die Berechnung der drei Seiten des sphärischen Dreiecks aus den drei Winkeln und umgekehrt.

131

1466 – 1474

1466

1470 G

G

Der Kaufmann A. Nikitin reist von Twer auf der Route Wolgamündung–Baku–Persien–Hormus– Maskat nach Indien. Dort lebt er drei Jahre und gelangt ins Landesinnere bis Bidar. Über Trabzon und die Halbinsel Krim kehrt er 1472 zurück. Seine Tagebuchaufzeichnungen Fahrt über drei Meere verraten bereits moderne Forschungsintentionen und enthalten eine genaue Beschreibung der besuchten Länder.

Die Reisebeschreibung des M. Polo erscheint im Druck (vgl. 1298), nachdem sie zuvor in italienischen und französischen Handschriften im Umlauf war. Lange Zeit wird die Zuverlässigkeit der Berichte bezweifelt.

A. Nikitin

1467 Regiomontanus

M

Zu seinen astronomischen Tafeln berechnet Regiomontanus zwei Sinustafeln, davon beruht eine völlig auf dezimaler Basis. Dadurch fördert er die Verwendung der Dezimalbruchschreibweise und entsprechende Rechnungen. Regiomontanus

um 1471 H. Pothorst, D. Pining

1471

A

Neue astronomische Tafeln, etwa die Position der Himmelskörper in Verbindung mit der scheinbaren täglichen Rotation der Himmelskugel, werden von Regiomontanus errechnet. Die Tafel werden von Seefahrern genutzt und verdrängen bald ältere Werke, z. B. die Alfonsinischen Tafeln.

W

Gründung der Universität Genua. B. Walther

A

Der Patrizier B. Walther begründet auf Anregung von Regiomontanus in Nürnberg die erste deutsche Sternwarte, wahrscheinlich die erste im christlichen Europa überhaupt.

um 1468 Regiomontanus, P. Toscanelli

G

Die dänischen Admirale H. Pothorst und D. Pining unternehmen bis etwa 1473 eine vom portugiesischen König angeregte Erkundungsfahrt, um über Grönland einen Westweg nach Indien zu suchen. Vermutlich segeln sie von Südgrönland zur Ostküste Amerikas und folgten ihr südwärts, ohne eine Durchfahrt nach Westen zu Ànden, sie gehören also zu den Entdeckern Amerikas.

1472 A

W

Der sog. Halleysche Komet wird von Regiomontanus und P. Toscanelli mehrfach beobachtet, dessen Position mit hoher Genauigkeit bestimmt und damit eine Teil der scheinbaren Kometenbahn ermittelt.

Gründung der Universität Ingolstadt, die 1800 nach Landshut und 1826 nach München verlegt wird.

1468

In Mailand wird die erste vollständige lateinische Ausgabe des Q¯an¯un von Ibn S¯×n¯a gedruckt.

P. Toscanelli

1473 B

A

Der Arzt und Geograph P. Toscanelli errichtet in Florenz einen 277 Fuß hohen Gnomon, mit dem sich der Sonnenzenit bis auf eine halbe Sekunde genau bestimmen läßt und nutzt ihn zur Berichtigung der Alfonsinischen Tafeln.

um 1469 G

In Rom wird die lateinische Übersetzung von Strabos Geographica erstmals gedruckt. Über 100 Jahre später, 1587, erscheint die erste kritische Ausgabe des Werkes.

G. Barbaro

G

G. Barbaro reist als Botschafter Venedigs nach Persien, wo er 1474 eintrifft. In einem fünfjährigen Aufenthalt lernt er große Teile des Landes kennen. Erstmals berichtet er vom Aufblühen der Stadt Kalikut.

um 1474 L. Gonçalves, R. de Sequeira

G

Eine portugiesische Expedition unter L. Gonçalves überquert erstmals die Äquatorlinie und erreicht das nach ihm benannte Kap Lopez. Einige

1474 – 1480

132

Monate später segelt R. de Sequeira noch weiter bis 1◦ 51 südlicher Breite. Dabei entdecken sie vermutlich auch den Südäquatorstrom.

1474

1476 W

Gründung der Universität Mainz. Sie wird 1816 geschlossen und 1946 wiedereröffnet.

W

Gründung der Universität Zaragoza, die erst 1542 bzw. 1555 ihre formale Anerkennung durch Kaiser bzw. Papst erhält. Regiomontanus

1477 W

In Uppsala wird die erste Universität Nordeuropas gegründet.

A

Regiomontanus publiziert die Ephemeriden von Mond, Sonne und Planeten. Er berechnet die täglichen Positionen der Himmelskörper bis 1506. P. Toscanelli

W

Gründung der Universität Tübingen.

1478

G

In einem Schreiben an den Domherrn F. Martins in Lissabon empÀehlt P. Toscanelli eine Westfahrt nach Indien und fügt eine Kopie seiner Erdkarte bei. Ostasien liegt infolge der noch unzureichenden Längenbestimmungen und wegen des unbekannten Amerika nahe westlich von Europa. H. von Waltheym

M

Mit Aufkommen des Buchdrucks werden mehrere Rechenbücher gedruckt, so 1478 die Arithmetik von Treviso, die Bamberger Rechenbücher von 1482 und 1483 usw., die die indisch-arabischen Ziffern benutzen und deren Verbreitung und endgültige Durchsetzung sichern.

G

Die im späten Mittelalter beliebten Pilgerreisen, u. a. die des H. von Waltheym von Halle nach St. Wolfgang, und deren Beschreibungen tragen zur Verbreitung geographischen Wissens bei.

1479 W

Gründung der Universität Kopenhagen.

um 1480

1475 M

Trienter Algorismus, das älteste Rechenbuch in deutscher Sprache, wird in Trient gedruckt. Regiomontanus

A

Regiomontanus konstruiert ein verbessertes Astrolabium, das Torquetum.

Piero della Francesca

1480

G

In Bologna erscheint die Geographia des C. Ptolemäus erstmals im Druck. Bis 1490 werden weitere fünf Druckausgaben in Rom, Florenz, Ulm und Bologna ediert.

J. Scolvus

A. Achillini

G

J. Scolvus soll im Anschluß an die Fahrt von D. Pining und H. Pothorst an der Ostküste Amerikas eine Durchfahrt in nördlicher Richtung gesucht haben und dabei in die BafÀn-Bai und in den Lancaster Sound vorgedrungen sein. Er ist damit wohl der erste, der nach einer sog. NordwestPassage suchte.

B

A. Achillini entdeckt die Gehörknöchelchen Amboß und Hammer sowie das knöcherne Labyrinth im menschlichen Ohr. J. Dlugosz

um 1476

M

Piero della Francesca erklärt in seinem Werk De prospectiva pingendi erstmals die mathematischen Prinzipien der Perspektive als Wissenschaft vom Malen und hebt die Bedeutung des Hauptpunktes hervor.

G

Als Einleitung zu seiner Geschichte Polens gibt der Geschichtsschreiber J. Dlugosz eine geographische Beschreibung Polens unter dem Titel Chorographie heraus. P. Toscanelli

G

P. Toscanelli sendet C. Kolumbus eine Abschrift seines Briefes von 1474 an Domherrn F. Martins und eine Kopie seiner Karte.

133

1481 – 1487

1481 M. Behaim

G

M. Behaim nimmt als Schüler des Regiomontanus an der Arbeit der Junta des Matematicos teil, die Johann II. von Portugal förderte, und die der Entwicklung der Nautik diente. Johann II.

G

Der König von Portugal, Johann II., nimmt die Pläne von Prinz Heinrich dem Seefahrer wieder auf, durch Seefahrt im Atlantik einen Weg nach Indien zu Ànden.

1482 J. Campanus

M

Die lateinische Übersetzung der Elemente Euklids in der Bearbeitung von J. Campanus wird als eines der ersten Bücher in Venedig gedruckt. D. Cão

G

D. Cão, der erste große Erforscher des Südatlantiks, entdeckt bis 1483 die Kongomündung und gelangt bis etwa Benguella.

1483 A

Die Alfonsinischen Tafeln werden erstmals in Toledo gedruckt. D. Novara

A

D. Novara bemerkt zuerst, daß sich im Vergleich zu den Angaben bei C. Ptolemäus der Nordpol der Erde dem Zenit um etwa 1◦ genähert hat und schätzt für einen vollen Umlauf die Dauer von 359 000 Jahren.

von Potenzen, und vereinfacht dadurch die Behandlung vieler Probleme. Er erkennt den Zusammenhang zwischen geometrischer Folge und der arithmetischen Folge der Exponenten. N. Chuquet

M

N. Chuquet vollendet Le triparty en la science des nombres, ein Manuskript auf sehr abstraktem algebraischem Niveau, in dem er den Zahlbegriff auf negative Zahlen, Wurzeln und deren Kombinationen, d. h. algebraische Zahlen, erweitert. B. Walther

A

B. Walther versucht in Nürnberg, erstmals Räderuhren zu astronomischen Beobachtungen zu verwenden. Dieser Versuch hat wegen des noch unregelmäßigen Ganges der Uhren keinen nennenswerten Erfolg.

1485 D. Cão

G

Auf seiner zweiten Entdeckungsfahrt segelt D. Cão 1486 an der Afrikaküste im Südatlantik bis zum heutigen Namibia, eventuell bis zur WalÀschbai. Der von Cão am Kap Cross errichtete Steinpfeiler wird 1893 wiedergefunden. Die Teilnahme von M. Behaim an dieser Fahrt ist nicht gesichert.

1486 J. Widmann

M

Die Algebravorlesung des J. Widmann in Leipzig ist vermutlich die erste Vorlesung an einer Universität zu diesem mathematischen Spezialgebiet.

um 1487 1484 Pietro Borghi

Leonardo da Vinci M

Pietro Borghis opera de arithmetica wird als ein erstes großes Werk zur kaufmännischen Arithmetik in Venedig gedruckt. N. Chuquet

M

Die Termini Billion, Trillion, Quadrillion usw. werden für das Quadrat der Million und die folgenden Potenzen erstmals von dem Franzosen N. Chuquet benutzt. N. Chuquet

M

N. Chuquet prägt eine sehr weit gehende algebraische Symbolik, insbesondere zur Schreibung

P

Leonardo da Vinci tritt für ein enges Verhältnis zwischen Wissenschaft und Praxis ein. Für die Physik äußert er sich methodologisch und empÀehlt die Anwendung von Beobachtung, Experiment und mathematischen Verfahren. Leonardo da Vinci

P

Leonardo da Vinci studiert verschiedene Bewegungen von Flüssigkeiten. So beobachtet er das Ansteigen von Flüssigkeiten in engen Röhren und entdeckt damit die Kapillarwirkung. Weiterhin widerlegt er die Aristotelische Ansicht über die Entstehung der Meeresströmungen und kommt zur Betrachtung von Wellenbewegungen.

1487 – 1490

134

Leonardo da Vinci

P

Leonardo da Vinci erkennt, daß die Lichtintensität von der Entfernung zur Lichtquelle abhängt und nimmt eine kreisförmige Ausbreitung der Lichtstrahlen an. Leonardo da Vinci

Leonardo da Vinci

P

Leonardo da Vinci erwähnt Kontrasterscheinungen beim Sehvorgang, die er in simultane Farbkontraste und sukzessive Kontraste, d. h. komplementäre Nachbilder, unterteilt.

1487 M

L. Pacioli aus Perugia verfaßt bis 1489 ein epochemachendes Werk Summa de Arithmetica, Geometria, Proportioni et Proportionalita, das fast die gesamte Mathematik umfaßt. Neben der Behandlung der arithmetischen Grundoperationen widmet er sich insbesondere der cossistischen Algebra und löst u. a. Gleichungen 4. Grades, erklärt aber die allgemeine Gleichung 3. Grades für unlösbar. H. Sporer

M

Das erste Visierbüchlein, eine Anleitung zur Bestimmung des Rauminhalts von Hohlmaßen und Fässern, wird von H. Sporer in Nürnberg verfaßt. G

Portugiesische Seefahrer erreichen die große westafrikanische Handelsstadt Timbuktu am Niger. P. de Covilhã

G

Im Auftrag des portugiesischen Königs reist P. de Covilhã über Ägypten nach Indien, das er in Goa als erster Portugiese erreicht. Über Sofala und Madagaskar kehrt er 1490 oder 1491 nach Ägypten zurück. Seine Berichte ermutigen die weiteren maritimen Unternehmungen der Portugiesen. Bald darauf soll er Verbindung mit dem sagenhaften Priesterkönig Johannes aufnehmen und geht nach Äthiopien, das er nicht wieder verlassen darf.

G

Auf der Suche nach dem legendären Priesterkönig Johannes reist A. de Payva mit P. de Covilhã nach Ägypten. Dort trennt er sich von Covilhã, um im Norden Afrikas Nachforschungen anzustellen.

P

Das graue Licht der schmalen Mondsichel erklärt Leonardo da Vinci als doppelt reÁektiertes, d. h. von der Sonne auf die Erde und dann auf dem Mond geworfenes Licht.

L. Pacioli

A. de Payva

1488 Saladin von Ascolo

B

Saladin von Ascolo verfaßt ein Compendium aromatariorum zur Verbesserung der Kenntnisse der Apotheker, das als eines der ersten Apothekerbücher ein Vorbild für spätere Lehrbücher wird. B. Diaz

G

B. Diaz reist im Südatlantik und umsegelt, zunächst im Sturm unbemerkt, die Südspitze Afrikas, das Kap der Guten Hoffnung und gelangt bis östlich der Alagoa-Bai. Damit war ein wesentlicher Schritt für den Seeweg nach Indien erreicht. L. Marcos

G

Der äthiopische Mönch L. Marcos erreicht den portugiesischen Hof in Lissabon und berichtet vom Priesterkönig Johannes. Sein Bericht trägt dazu bei, das Interesse am Seeweg nach Indien zu fördern.

1489 J. Widmann

M

Das Rechenbuch Behennd und hübsch Rechnung uff allen kauffmannschaften von J. Widmann erscheint in Leipzig. Es enthält erstmals die Zeichen + für Addition und − für Subtraktion im Druck, sowie weitere Symbole der cossistischen Algebra. B. Walther

A

Erste Beobachtungen zur astronomischen Refraktion werden zielgerichtet von B. Walther durchgeführt. Er vermerkt u. a., daß Gestirne zu sehen sind, wenn sie noch unter dem Horizont stehen, und bezieht sich auf Sextus Empiricus, Witelo und Ibn al Haitam. ¯

1490 W

Erste akademieartige literarisch-philosophische Vereinigungen (Sodalitates) werden in Worms und Krakau gegründet. Sie bestehen nur kurzzeitig. Die wichtigste ist vermutlich die ab 1498 in Wien und Buda wirkende Sodalitas litteraria Danubiana.

135

1490 – 1497

P. Eck von Sulzbach

C

P. Eck von Sulzbach beobachtet, daß die Metalle bei der Verkalkung (Oxydation) schwerer werden und beschreibt Verkalkungsversuche mit Quecksilber.

Zugleich bringt er den Mais mit nach Spanien. Innerhalb eines Jahres war der Mais in Europa bekannt. C. Kolumbus

G

In seinem Werk zur Arithmetik gibt F. Calandri Beispiele für die „lange Division“, die dem heute üblichen Divisionsverfahren entspricht.

C. Kolumbus segelt auf seiner zweiten Reise in die neue Welt einen etwas südlicheren Kurs und entdeckt die Kleinen Antillen, Dominica, Guadeloupe, Antigua und Puerto Rico. Von Haiti aus erkundet er die Südküste Kubas und entdeckt Jamaika. 1496 kehrt er nach Spanien zurück.

1492

1494

1491 F. Calandri

M

F. Pellos

M

Als Trennungszeichen bei der Division durch Vielfache von Zehnerpotenzen benutzt F. Pellos einen Punkt, was den Dezimalpunkt mitvorbereitet. M. Behaim

G

Während eines Aufenthalts bei seiner Familie in Nürnberg fertigt M. Behaim den sog. Erdapfel, den ersten Erdglobus, nach einer verloren gegangenen Erdkarte an. Obwohl der Globus vielfach ungenau ist und die geographischen Kenntnisse der Zeit nicht übertrifft, hat er eine stimulierende Wirkung auf die großen Entdeckungsfahrten und die Entwicklung der Kartographie. C. Kolumbus

G

C. Kolumbus beginnt am 3. August 1492 mit der 100-t-Karavelle „Santa Maria“ und zwei Pinassen unter M. A. und V. Y. Pinzón seine erste Reise. Am 12. Oktober erfolgt mit der Landung an der Bahama-Insel Guanahani die Entdeckung Amerikas. Im weiteren Verlauf entdeckt er die westindischen Inseln, u. a. Kuba am 28. Oktober und Haiti (Hispañola) am 6. Dezember. Am 15. März 1493 lief er wieder im spanischen Palos ein.

W

Gründung der Universität Aberdeen. L. Pacioli

M

Die Summa de arithmetica . . . des L. Pacioli wird in Venedig gedruckt. Sie beschreibt ausführlich die doppelte Buchführung und stellt den Höhepunkt der Bücher zur kaufmännischen Arithmetik dar. G

Im Vertrag von Tordesillas wird durch Schiedsspruch des Papstes die Linie 370 Meilen westlich der Kapverdischen Inseln (ca. 46◦ 30 w. L.) als Grenzlinie festgelegt. Die westlich davon entdeckten Länder werden Spanien, die östlich davon Portugal zugesprochen. 1529 im Vertrag von Zaragoza wird die Aufteilung durch eine Linie im PaziÀk (bei ca. 145◦ östlicher Länge). ergänzt. D. Saicev, D. Grek

G

Die russischen Gesandten D. Saicev und D. Grek nehmen den Weg von Dänemark um das Nordkap zur Nördlichen Dwina. Es ist vermutlich die erste Fahrt um das europäische Nordkap.

1495

G

W

C. Kolumbus beobachtet am 13. September auf seiner Fahrt 300 Meilen westlich der KanarenInsel Ferro (Hiero) eine Abweichung der Magnetnadel in nordwestlicher Richtung um 5◦ , die sich am nächsten Tag noch vergrößert. Es ist dies die erste belegte Beobachtung der Deklination. Kolumbus nimmt auch bereits die Existenz einer Linie ohne Abweichung an.

Gründung der Universität Santiago de Compostela.

1493

1497

C. Kolumbus

C. Kolumbus

B

C. Kolumbus erwähnt die Nutzung des Tabaks als Heilmittel durch die Eingeborenen Amerikas.

1496 G. Istoma

G

G. Istoma befährt von der Nördlichen Dwina das Weiße Meer, die Barentssee und die Küstengewässer Skandinaviens bis Dänemark (vgl. 1494).

N. Copernicus

A

N. Copernicus beobachtet erstmals die VerÀnsterung eines Sternes durch den Mond.

1497 – 1500

136

R. Pane

B

Der Mönch R. Pane übermittelt, möglicherweise bereits 1496, aus Haiti die erste Beschreibung der TabakpÁanze und der Wirkung des Tabakgenusses nach Europa. G. Caboto

G

G. Caboto erreicht von England aus am 24. Juni das amerikanische Festland, wahrscheinlich im Raum der heutigen Halbinsel Labrador und entdeckt die reichen Fischgründe vor Neufundland. V. de Gama

G

V. de Gama segelt von Portugal um das Kap der Guten Hoffnung in den Indischen Ozean, nimmt bei Mombasa den arabischen Lotsen Ah.mad Ibn Maágid auf, mit dessen Hilfe er den Seeweg nach Indien (Kalikut) Àndet. 1499 kehrt er mit Gewürzen an Bord nach Lissabon zurück.

G. Caboto

G

G. Caboto läuft erneut, diesmal mit fünf Schiffen, nach Nordamerika aus und hat möglicherweise die Küste bis Florida befahren. Nur ein Schiff kehrt vorzeitig, ohne Amerika erreicht zu haben, zurück, die anderen sind mit Caboto verschollen. C. Kolumbus

G

C. Kolumbus sticht zu seiner dritten Reise in See, bei der er Trinidad und die Orinocomündung entdeckt. Auf Haiti wird er auf Befehl der spanischen Krone, angeblich wegen Mißwirtschaft als Vizekönig, in Ketten gelegt und 1500 nach Spanien überführt. D. Pacheco Pereira

G

D. Pacheco Pereira erreicht möglicherweise bereits vor P. A. Cabral die brasilianische Küste, doch seine Berichte sind zu ungenau.

1499 A

A. Vespucci macht den Vorschlag, die Abstände des Mondes von gewissen Fixsternen zur astronomischen Längenbestimmung anzuwenden. J. de la Cosa

G

um 1500 Leonardo da Vinci

G

J. de la Cosa, der bereits C. Kolumbus auf den ersten beiden Amerikareisen begleitet hatte, erkundet bis 1500 als Pilot und Kartograph unter A. de Hojeda die Nordküste Südamerikas.

M

Der Maler und Universalgelehrte Leonardo da Vinci propagiert die Mathematik als Vorbild der wissenschaftlichen Beweisführung und vervollkommnet die Lehre der Perspektive. J. de la Cosa

G

J. de la Cosa entwirft eine Weltkarte, die die Entdeckungen von C. Kolumbus, G. Caboto und A. de Hojeda enthält. Es ist die erste datierte Darstellung Amerikas. Leonardo da Vinci

1498

A. Vespucci

A. Vespucci

A. Vespucci segelt in der Flotte von A. de Hojeda nach Südamerika und erkundet bis 1500 dort die Ostküste, etwa vom heutigen Suriname über die Amazonasmündung bis 6◦ südlicher Breite.

G

Leonardo da Vinci nimmt an, daß die Berge durch Erosion leichter werden, sich deshalb heben und dabei versteinerte marine Schichten einschließlich ihrer zugehörigen fossilen Fauna und Flora mit nach oben bringen. Solche Entlastungen können auch durch die Entwässerung großer Seen und Meere (bedingt durch die erosive Tätigkeit der Flüsse) erfolgen. Leonardo da Vinci

G

Die Entstehung der Täler erklärt Leonardo da Vinci durch die Erosion der Flüsse. Als Beleg dafür nennt er um 1506 die Konkordanz der Schichtenfolge auf beiden Seiten der Täler, später auch die Proportionalität von Flußgröße und Talbreite. Die durch die Ablagerungen der Flüsse an ihren Mündungen entstehenden Ebenen vergrössern die Masse des Landes kontinuierlich. U. Rülein von Calw

G

In seinem Bergbüchlein behandelt der Freiberger Stadtarzt U. Rülein von Calw die Bildung von Erzen, die Natur der Erzlagerstätten sowie spezielle Charakteristika der Lagerstätten von Gold, Quecksilber und der anderen bekannten Metalle. U. Rülein von Calw

G

U. Rülein von Calw führt die Entstehung der Metalle aus Schwefel und Quecksilber auf die Wirkung himmlischer Strahlen zurück. Diese lassen im Erdinneren Dämpfe entstehen, woraus sich die Metalle bilden. Unter dem weiteren EinÁuß

137

1500 – 1502

dieser Dämpfe reifen die Metalle zu edleren heran, können aber auch teilweise zersetzt werden (Verwitterung der Gänge).

1500 W

Gründung der Universität Valencia. H. Brunschwig C • B H. Brunschwig beschreibt in seinem Kleinen Destillierbuch Öfen und Destillierapparate zur Untersuchung von PÁanzenbestandteilen. J. Nufer

B

J. Nufer führt den ersten Kaiserschnitt mit Erfolg aus. P. A. Cabral

G

Die Erfahrungen von V. da Gama sowie Winde und Strömungen nutzend, segelt P. A. Cabral auf der Reise der zweiten portugiesischen IndienÁotte zunächst nach Südwesten, entdeckt am 22. April bei Porto Seguro die Küste Brasiliens und nimmt sie für Portugal in Besitz, weil sie östlich der Tordesillas-Linie liegt. Nach erneuter Atlantiküberquerung folgt er an der Ostküste Afrikas der Route de Gamas. G. de Corte Real

G

G. de Corte Real bereist 1500 den Nordatlantik und erreicht Neufundland, nachdem er wahrscheinlich zuvor bereits eine Reise vorher an die Küsten Amerikas unternommen hatte. Auf einer weiteren Reise nach Neufundland/Labrador ist er 1501 verschollen. Sein Versuch, die Halbinsel im Norden zu umsegeln, scheitert. V. Y. Pinzón

G

V. Y. Pinzón landet am 7. Februar beim Kap S. Augustino als Erster in Brasilien. Nordwärts weitersegelnd, dringt er in das Mündungsgebiet des Amazonas ein und entdeckt die Mündung des Orinoco.

1501 G. Fracastoro

B

G. Fracastoro beschreibt den Flecktyphus. E. Etzlaub

G

Mit der ersten Straßenkarte von Mitteleuropa und der zuvor angefertigten „Karte des Romweges“ wird E. Etzlaub zum Schöpfer der modernen Straßenkarte. Mit der in seiner Weltkarte von 1511 benutzten Zylinderprojektion gilt er zugleich als Wegbereiter der Mercatorprojektion.

A. Vespucci

G

A. Vespucci erkundet auf einer zweiten Südamerikareise bis 1502 die brasilianischen Küste vom heutigen Natal bis Santa Catarina. Angeblich segelt er noch weiter bis 52◦ südlicher Breite. Er kommt zu der Erkenntnis, daß er eine Neue Welt entdeckt und nicht die Ostküste Asien befahren hat. Zwei weitere Reisen sind nicht verbürgt.

1502 W

Die Universität Sevilla wird gegründet. Sie geht aus der 1254 entstandenen Schule für Latein und Arabisch hervor, die eventuell im 13. Jahrhundert einmal universitären Charakter hatte. W

Die Universität Wittenberg wird als erste Universität ohne Zustimmung des Papstes gegründet und entwickelt sich rasch zum Zentrum der deutschen Reformation. Sie wird 1813 von Napoleon geschlossen und 1817 mit der Universität Halle vereinigt. V. da Gama

G

V. da Gama segelt mit 13 Schiffen nach Indien, um den Indienhandel unter portugiesische Herrschaft zu bringen. Er zwingt die Herrscher von Mocambique zur Zahlung von Tributen, vernichtet eine arabische Flotte, beschießt Kalikut und schließt einen vorteilhaften Handelsvertrag ab. Mit ungewöhnlich reicher Ladung kehrt er nach Portugal zurück. C. Kolumbus

G

Die vierte Amerikareise führt C. Kolumbus bis 1504 zu den Kleinen Antillen, nach Puerto Rico, Haiti, Honduras, Guatemala, Panama, Kolumbien, Kuba, Jamaika und Haiti. B. de Las Casas

G

Der Missionar B. de Las Casas lernt die Eroberungspraktiken der Konquistatoren in der Neuen Welt kennen, beginnt sie zu bekämpfen und versucht, die Eingeborenenpolitik am spanischen Hofe zu beeinÁussen. Ab 1521 schreibt er an seiner unvollendeten, viele wertvolle Quellen nutzenden Geschichte der Indianer Historia general de las Indias, die wegen der Anklage der Konquistatoren erst 1875 erscheint.

1502 – 1506

138

C. Leonardi

G

C. Leonardi unterscheidet in seinem Speculum Lapidum die Mineralien u. a. hinsichtlich Durchsichtigkeit, Härte, Schwere, Dichte und Porösität. Zu ihrer Entstehung müssen drei EinÁüsse zusammenwirken: 1) die Göttliche Kraft, welche die Ursache aller Bewegung im Universum ist; 2) die Kräfte der Planeten und der himmlischen Konstellationen; 3) die Qualitäten der Elemente selbst, d. h. Hitze, Kälte, Trockenheit, Feuchtigkeit.

lumbus einen neuen, von Asien getrennten Kontinent entdeckt hat. Seine Berichte erregen großes Aufsehen und führen dazu, daß von seinem Vornamen Amerigo 1507 die Kontinentbezeichnung abgeleitet wird.

um 1505 S. del Ferro

M

Der italienische Mathematiker S. del Ferro löst erstmals Gleichungen dritten Grades von der Form x3 + ax = b und x3 = ax + b in Radikalen.

1503 G. Reisch

1505 W

Der Karthäusermönch G. Reisch, Beichtvater Maximilians I., bringt die 1489–1496 verfaßte Margarita Philosophica in Straßburg zum Druck. Das enzyklopädische Lehrbuch dokumentiert Stand und Aufbau der Wissenschaften an der Wende von der Scholastik zum Humanismus. Es Àndet weite Verbreitung und wird bei NeuauÁagen mehrfach ergänzt. D. Mendez

G

D. Mendez, Begleiter des C. Kolumbus auf dessen vierter Reise, fährt mit einem Indianerboot von Jamaica nach Santo Domingo, um Hilfe zu holen, da die Schiffe des Kolumbus abgewrackt werden mußten. L. de Varthema

G

L. de Varthema reist z. T. als Söldner, durch Ägypten, Libanon, Syrien, durch die arabische Halbinsel über Mekka und Medina bis Jemen sowie über die somalische Küste nach Persien. Von dort segelt er nach Indien und erkundet die gesamte Westküste. Über Ceylon und die Malaiische Halbinsel gelangt er dann nach Java, Sumatra, Banda und Borneo. 1507 kehrt er über Afrika nach Lissabon zurück. Sein informativer Bericht erscheint 1510.

1504 J. de la Cosa

G

J. de la Cosa leitet bis 1506 eine eigene Entdeckungsreise im Golf von Darién (Kolumbien). Als er 1509 mit der Flotte von A. de Hojeda dorthin zurückkehrt, wird er im Kampf von Eingeborenen getötet. A. Vespucci

G

A. Vespucci bringt mit der Bezeichnung „terra nova“ für Amerika zum Ausdruck, daß C. Ko-

B. Zamberti

M

Die erste gedruckte Übersetzung der Werke Euklids – Elemente, Data, Optik usw. – aus dem Griechischen ins Lateinische durch B. Zamberti erscheint in Venedig. B. Sprenger

G

Der Kaufmann B. Sprenger reist für ein Augsburger Handelshaus mit einer Flotte bis 1506 nach Indien. 1509 wird seine Reisebeschreibung in deutscher Sprache gedruckt. A. Vespucci

G

Reisebriefe des A. Vespucci mit der Bezeichnung „terra nova“ für Amerika (vgl. 1504) werden auch von deutschen Druckern herausgegeben. Sie erscheinen Lateinisch in Rostock und Deutsch in Magdeburg.

um 1506 Leonardo da Vinci

G

Leonardo da Vinci erklärt die Fossilien eindeutig als Reste ehemaliger Lebewesen und entwickelt konkrete Vorstellungen über den natürlichen Prozess der Versteinerung. Die Ansicht, daß sie von der SintÁut abgelagert wurden, lehnt er mit Hinweis auf ihr regelmäßiges Vorkommen ab. Leonardo da Vinci

G

Leonardo da Vinci weist auf fazielle Verschiedenheiten der Gesteinschichten hin, die er im wesentlichen durch die mit der Entfernung abnehmende Transportkraft des Wassers bedingt sieht.

1506 T. da Cunha

G

T. da Cunha segelt mit 14 Schiffen nach Indien. Dabei entdeckt er im Südatlantik eine kleine Inselgruppe und erkundet die Westküste Madagaskars.

139

1507 – 1511

um 1507 N. Copernicus

L. Pacioli A

N. Copernicus vollendet in Frauenburg (Frombork) sein Manuskript über die Bewegung der Himmelskörper und begründet damit sein neues Weltbild. Die Erde bewegt sich wie die anderen Planeten auf Kreisbahnen um die Sonne. Die Himmelskörper haben eine natürliche Eigenbewegung. Damit negiert Copernicus Impetus- und aristotelische Bewegungstheorie. N. Copernicus

M

L. Pacioli verbessert in Florenz die Bearbeitung der Elemente durch J. Campanus und gibt sie heraus. Außerdem überträgt er sie ins Italienische, diese Übersetzung wird nicht gedruckt. L. Pacioli

M

Das 1496 von L. Pacioli begonnene Werk De divina proportione zu Fragen der Architektur und Geometrie, etwa den regulären Polyedern, dem Goldenen Schnitt u. a., erscheint im Druck.

A

In der ersten Ausarbeitung des heliozentrischen Weltbildes nimmt N. Copernicus drei Bewegungen der Erde an: die tägliche Drehung um ihre Achse, den jährlichen Umlauf um die Sonne und eine langsame Kreiselbewegung ihrer Rotationsachse, die die Präzession der Tag- und Nachtgleichen erklärt.

D. L. de Sequeira

G

D. L. de Sequeira leitet ein portugiesisches Geschwader zur Beherrschung des hinterindischen Handelszentrums Malacca (Melaca).

um 1510 G. Hartmann

1507 P. Mascarenhas

G

P. Mascarenhas entdeckt 1507 die Inseln Mauritius, Réunion und Rodriguez, nach ihm Maskarenen benannt. Gelegentlich wird Mascarenhas auch als Wiederentdecker der Inseln im Jahre 1512 bezeichnet und die Entdeckung D. Pacheco Pereira zugeschrieben. M. Ringmann

G

M. Ringmann schlägt in seiner Cosmographiae Introductio vor, den neuen, von A. Vespucci entdeckten Weltteil, d. i. Südamerika, „America“ zu nennen. Er veranlaßt M. Waldseemüller, der eine Weltkarte und einen Globus zu dem Werk anfertigt, Amerika als von Asien getrennte Landmasse unter dem neuen Namen einzutragen. Amerika gilt bald als Name für den gesamten Erdteil.

um 1508 S. Caboto

G

S. Caboto soll, in englischem Dienst stehend, auf der Suche nach einer Nordwest-Durchfahrt nach Asien bis in die Hudson-Bai vorgedrungen sein. Die Reise ist jedoch umstritten.

P

G. Hartmann aus Nürnberg mißt während eines Romaufenthalts vermutlich als Erster in Westeuropa die Deklination der Magnetnadel auf dem Festland, die er zu 6◦ nach Osten bestimmt.

1510 J. Sylvius

B

J. Sylvius beschreibt die Venenklappen. Er studiert die Anatomie an menschlichen Leichen und verfaßt Arbeiten über die Muskeln und zur anatomischen Terminologie. V. Trincavella

B

V. Trincavella stellt fest, daß sog. Erbkrankheiten oft Generationen überspringen. P. Martyr d’Anghiera

G

P. Martyr d’Anghiera wird zum Chronisten der Neuen Welt ernannt und verfaßt von 1516 bis 1530 De rebus oceanis et orbe novo decades VIII. Das Werk ist eine der wichtigsten Quellen zur Entdeckungsgeschichte, das u. a. alle Entdeckungsreisen nach Amerika bis 1525 beschreibt.

1511

1509 W

Gründung der Universität in Alcalá de Henares, die ab 1590 schrittweise bis 1822 nach Madrid übergeht.

A. d’Abreu

G

A. d’Abreu erreicht auf einer Erkundungsfahrt von Mallacca aus die Molukken und erkundet einige dieser Inseln.

1512 – 1517

140

1512 J. Cochlaeus

G

Der Theologe J. Cochlaeus gibt eine antike Kosmographie heraus, der er mit Brevis Germaniae descriptio die erste Beschreibung Deutschlands durch einen Deutschen und eine Deutschlandkarte von E. Etzlaub aus dem Jahre 1501 anfügt.

um 1513 Leonardo da Vinci

G

Leonardo da Vinci gibt eine richtige Erklärung von der Entstehung der Flüsse bzw. dem hydrologischen Kreislauf. Er erkennt insbesondere die Bedeutung wasserdurchlässiger Schichten, die, bei entsprechend großem Einfallen und wenn sie zwischen undurchlässigen eingeschlossen sind, das Wasser sehr tief ins Erdinnere transportieren können.

1513 Li Tung-Yang

M

Li Tung-Yang gibt eine klare Beschreibung des chinesischen Abakus. V. N. de Balboa

G

V. N. de Balboa quert die Landenge von Panama und entdeckt am 25. September den PaziÀschen Ozean, den er „Südsee“ nennt. Die Entdeckung stimuliert die Suche nach einer Durchfahrt im Süden Amerikas. J. P. de León

G

J. P. de León erkundet die Bahama-Inseln und entdeckt Florida. Er folgt der Ost- und anschließend der Westküste nordwärts und entdeckt dabei den Golfstrom. Eine Landnahme scheitert am Widerstand der Eingeborenen.

M

J. Köbel verfaßt mehrere Rechenbücher, die als einzige noch die römischen Zahlzeichen verwenden und sie als „gewenlich teutsch Zal“ – im Gegensatz zu den indisch-arabischen Ziffern, der „Ziffern Zal“ – bezeichnen. J. Werner

um 1515 Leonardo da Vinci

P

In der Statik erweitert Leonardo da Vinci auf der Grundlage von Archimedes und Jordanus Nemorarius die Gesetzmäßigkeiten über den Hebel und benutzt den Begriff des statischen Moments. Er beschreibt die Bewegung auf der schiefen Ebene und stellt wichtige Überlegungen zu Schwerkraft, Trägheit und Fallbewegung an. Er äußert auch, daß die Konstruktion eines Perpetuum mobile unmöglich sei.

1515 J. D. de Solís

G

J. D. de Solís befährt auf der Suche nach einer Durchfahrt vom Atlantik zum Südmeer die Küste Brasiliens und entdeckt im Februar 1516 die La-Plata-Mündung, in der er sein Ziel erreicht glaubt. B. Stein

G

Der vermutlich erste deutsche Hochschullehrer für Geographie B. Stein verfaßt eine frühe Länderkunde über Schlesien und Breslau.

1516 S. v. Herberstein

G

S. v. Herberstein reist in österreichischem Auftrag als Gesandter nach Rußland. Er kehrt 1518 zurück und unternimmt 1526/27 eine zweite Reise. Sein Bericht erscheint 1549 in Wien (vgl. 1549) und 1557 in deutscher Bearbeitung.

1517 G

1514 J. Köbel

2 sin(a) sin(b) = cos(a − b) − cos(a + b) die Multiplikation auf Subtraktion reduziert wird.

M

Der Pfarrer J. Werner entwickelt in einer Schrift zur sphärischen Trigonometrie Ideen von Regiomontanus weiter und schafft die Grundlage der Prosthaphaeresis, eine Rechenerleichterung, bei der mittels der Formel

Portugiesische Seefahrer besuchen erstmals die chinesische Küste und nehmen in Kanton Handelsbeziehungen auf. H. de Córdoba

G

H. de Córdoba erforscht mit dem Steuermann A. de Alaminos die Küsten von Yukatan und gilt als wahrer Entdecker dieser Halbinsel. G. Fracastoro

G

G. Fracastoro erklärt, daß Fossilien Reste von Lebewesen sind, die nicht durch Fluten angeschwemmt wurden, sondern sich dort ablagerten, wo sie einstmals gelebt haben. Sie verweisen also

141

1518 – 1521

auf eine ehemalige Meeresbedeckung des heute trockenen Landes. Die SintÁut als Ursache der Fossilien lehnt er ab, ebenso die „vis plastica“.

Ozeans, für den er den Namen Stiller Ozean prägt.

um 1518

Von Jamaika ausgehend, befährt A. de Pineda die Küste des Golfs von Mexiko von Florida bis zum heutigen Tampico und entdeckt die Mündung des Mississippi und den Rio Pánuco.

A. de Pineda Leonardo da Vinci

P

Leonardo da Vinci beschäftigt sich mit Versuchen zur Gleit- und Rollreibung, die für Rollen- und Kugellager von Bedeutung ist.

um 1520

1518 A. Ries

G

M

Der Rechenmeister und Bergbeamte A. Ries verfaßt sein Lehrbuch Rechnung auff der Linihen.

S. del Ferro

M

Das Rationalmachen eines Nenners, in dem dritte Wurzeln auftreten, wird erstmals von S. del Ferro wieder in Angriff genommen.

B

In London wird das Royal College of Physicians gegründet. J. Eck

G

Der in Augsburg herausgegebene Traktat von den beiden Sarmationen von J. Eck verbreitet erste Kenntnisse über Osteuropa, insbesondere über die russischen Fürstentümer. F. Friedlieb

1519 G

Von Kuba segelt H. Cortés nach Yukatan und längs der Küste bis Tabasco. Von dort zieht er nach San Juan de Ulúa, gründet Veracruz als erste europäische Stadt in Mexiko und gelangt über Cempoalla ins mexikanische Inland bei Tlatlanquitepec und nach Tlaxcala. Über den Paß am Popocatepetl, an dem er eine Besteigung veranlaßt, erreicht er am 8. November Tenochtitlan (Mexiko), die Hauptstadt des Aztekenreiches. Die spanische Eroberung des Aztekenreiches wird erst 1521 nach schweren verlustreichen Kämpfen abgeschlossen. F. de Magalhães

C

B

Portugiesen führen den Apfelsinenbaum aus Südchina nach Europa ein.

G

Eine der ersten Darstellungen Deutschlands und seiner Geschichte Germaniae exegesis wird von F. Friedlieb publiziert.

H. Cortés

Paracelsus

Paracelsus unterscheidet den Alaun vom Eisenvitriol. Weiterhin ist ihm die Bestimmung des Eisengehalts im Wasser durch Gallussäure bekannt.

1520 B

Spanier bringen den Kakao aus Mexiko nach Europa. F. Alvarez

G

F. Alvarez weilt bis 1526 als portugiesischer Gesandter am Hofe des Herrschers von Äthiopien. Sein 1540 publizierter Bericht, der viele Erkenntnisse von P. de Covilhã verarbeitet (vgl. 1487), ist die erste verläßliche länderkundliche Beschreibung Äthiopiens. J. Böhm

G

Der erste Versuch einer Völkerkunde wird von J. Böhm mit seinen drei, in Latein geschriebenen Büchern über die Bräuche aller Völker unternommen.

G

Ausgehend von der Idee, die Molukken auf Westkurs zu erreichen, umsegelt F. de Magalhães 1520 Südamerika, entdeckt die sog. Magellanstraße sowie die Marianen und ermöglicht damit die erste Erdumseglung (vgl. 1521). Die Fahrt erbringt den praktischen Beweis für die Kugelgestalt der Erde und zeigt die Größe der Erde und des PaziÀschen

um 1521 M • A Der Kanonikus M. Waldseemüller baut im französischen St. Dié einen für geodätische und astronomische Winkelmessungen geeigneten Vorläufer des Theodoliten. M. Waldseemüller

1521 – 1525

142

1521 F. de Magalhães

um 1524 G

F. de Magalhães Àndet bei Kämpfen auf den Philippinen den Tod. Von 270 Teilnehmern zu Beginn der Reise kehren 22 Mann zurück. S. de Elcano erreicht mit zwei Schiffen die Molukken und vollendet mit seinem Schiff bis 1523 Magalhães’ Idee einer Erdumseglung.

Leo Africanus

1522 A. Ries

J. Werner

M

J. Werner publiziert eine synthetische Kegelschnittslehre und andere geometrische Schriften. J. Werner

A

Der Nürnberger Astronom J. Werner beschreibt in einer Sammlung von Arbeiten mehrere astronomische Instrumente. Er verbessert u. a. den Jakobsstab und erÀndet das Meteoroskop zur Lösung von Problemen der sphärischen Astronomie. A. Alessandri

G

Der neapolitanische Rechtsgelehrte A. Alessandri vertritt die Ansicht, daß Gesteine und Berge durch einen Prozeß der Verfestigung in langen Zeiträumen entstehen. Die Fossilfunde auf den Bergen führt er auf eine MeeresüberÁutung zurück, die er letztlich mit der SintÁut identiÀziert.

1523 J. Fitzherbert

G

P. de Alvarado dringt mit einer Militärexpedition von Mexiko im Auftrage von H. Cortés nach Süden vor und erobert 1524 Guatemala und El Salvador. Er wird als besonders grausam bekannt. G. Verrazano

A. Ries

M

A. Ries vollendet das Manuskript seiner Coß, einer wichtigen algebraischen Schrift. A • G In dem Kompendium Cosmographia . . . unterscheidet P. Apian Kosmographie, Geographie und Länderkunde, schlägt die Anwendung der Monddistanzen (Mondpositionen) für die geographische Längenbestimmung vor und beschreibt den Gebrauch von Karten und einfacher Landvermessungen sowie terrestische Netze. P. Apian

H. Cortés

G

Zur Suche einer Durchfahrt zum PaziÀk und zur Sicherung eigener Ansprüche führt H. Cortés einen beschwerlichen Erkundungs- und Eroberungszug bis 1526 durch die Regenwälder von Veracruz, Tabasco und Chiapas bis Truillo in Honduras durch, wobei die Bewältigung von Sümpfen viele Opfer fordert. Die Landeskenntnis wird wesentlich bereichert, die Suche nach der Durchfahrt zum PaziÀk bleibt jedoch erfolglos.

B

J. Fitzherbert verfaßt The book of husbandry, das erste englische Werk über Landwirtschaft. P. de Alvarado

1524

M

A. Ries vollendet sein zweites Rechenbuch Rechenung auff der linihen und federn . . . , in dem er das Rechnen mit dem Abakus und den indischarabischen Ziffern erläutert und das zu den erfolgreichsten Rechenbüchern gehört.

G

Leo Africanus vollendet seine Beschreibung Afrikas, die auf weiten Reisen in Nordafrika etwa von 1507 bis 1520 beruht und lange Zeit die wichtigste Quelle zur Landeskunde Nordafrikas bleibt.

F. Pizarro

G

Die erste französische Expedition in die Neue Welt erforscht unter G. Verrazano die Küste Nordamerikas von Nord-Carolina bis Neufundland, insbesondere die Mündung des Hudson. Die Durchfahrt nach Ostasien kann Verrazano nicht Ànden.

G

F. Pizarro erkundet von Panama aus 1524 bis 1525 und 1526/27 die PaziÀkküste Südamerikas bis Tumbes, und erhält sichere Hinweise auf das Goldland im Süden als straff organisierten Staat der Inkas.

1525 A. Dürer

M

Die Underweysung der messung mit dem zirckel und richtscheyt . . . von A. Dürer wird in Nürnberg gedruckt. Es ist das bedeutendste Lehrbuch der praktischen Geometrie des 16. Jahrhunderts.

143

1525 – 1528

A. Dürer

M

A. Dürer behandelt in der Underweysung . . . u. a. die Konstruktion vieler neuer Arten von Kurven, das Mehrtafelverfahren, reguläre Vielecke, Parkette und Polyeder, exakte und approximative Lösungen von Aufgaben und beschreibt Geräte und Methoden zur Erzeugung perspektivischer Bilder. C. Rudolff

M

In Wien schreibt C. Rudolff das erste umfassende deutsche Algebrabuch, in dem er Gleichungslehre, Potenz- und Wurzelrechnung u. a. mit algebraischer Symbolik behandelt und weiterentwickelt. Er formuliert erste Ideen für die Entwicklung der Logarithmen, dem Wurzelzeichen gibt er im wesentlichen die heutige Form. F. Guillén

P

F. Guillén entwirft in Sevilla ein sonnenuhrartiges Instrument mit Magnetnadel zur Ermittlung der Deklination auf dem Meer. Es wird 1537 durch P. Nunes wesentlich verbessert.

ist; die Planeten der edlen Metalle können allerdings auch die unedlen Metalle weiterentwickeln. Paracelsus

G

Die Entstehung von Thermalquellen erklärt Paracelsus durch ein Feuer im Erdinneren, welches durch Wasser nicht zum Erlöschen gebracht werden kann, und das Fließen über Kalk. Er verweist auch auf die Erhitzung von Königswasser beim Zusammengießen von Salz- und Salpetersäure sowie die Entzündung mancher Mineralien an der Luft.

1526 O. Finé

A

O. Finé beschreibt das Equatorium und dessen Verwendung zur Bestimmung der Planetenpositionen. Spätere Werke enthalten die Erklärung weiterer Instrumente. S. Caboto

G

F. López de Gómara C • B F. López de Gómara gibt eine erste Beschreibung des in Mexiko schon vor der Entdeckung Amerikas benutzten Farbstoffes Cochenille.

S. Caboto startet zu einer Weltumseglung, die er schon nach Befahren der brasilianischen Küste wegen Verlust des Flagschiffes abbricht. 1527– 1528 erkundet er den Flußlauf von Paraná und Paraguay und erschließt den ersten Wasserweg im Innern Südamerikas.

F. de Hoces

S. de Guevara

G

G

F. de Hoces wird mit einem Schiff der Expedition von G. J. de Loaysa im Bereich der Magellanstraße nach Süden verschlagen und gelangt vermutlich zu der von J. Le Maire entdeckten Durchfahrt.

S. de Guevara umfährt, vom Sturm verschlagen und Hilfe suchend, Südamerika bis zur mexikanischen PaziÀkküste. Die Reise vermittelt einen ersten groben Eindruck vom Verlauf der Westküste Südamerikas.

G. J. de Loaysa

J. de Menezes

G

G. J. de Loaysa wiederholt im Auftrag des spanischen Königs die Fahrt des F. de Magalhães und gelangt bis zur Molukkeninsel Tidore, wo er stirbt. Die Überlebenden werden 1527 von A. de Saavedra Cerón aufgenommen.

1528

um 1526 Paracelsus

G

Der Portugiese J. de Menezes wird auf der Fahrt von Malakka nach Ternate von der Strömung so versetzt, daß er die Nordküste von Neuguinea entdeckt.

A. Dürer G

Paracelsus teilt die Mineralien und Gesteine in 1) Salia (Salze); 2) Gluten; 3) Lapides und Gemmae; 4) Metalle, Markasite und Cachimien. Das Wachstum der Mineralien und Metalle führt er auf Samen zurück, welche wie PÁanzen wachsen. Einen EinÁuß der Planeten nimmt er lediglich für die erste Entwicklung der Metalle an, wobei jedem Planeten ein bestimmtes Metall zugeordnet

M

A. Dürers Vier Bücher von menschlicher Proportion werden gedruckt. Darin beÀnden sich u. a. zahlreiche weitere Anwendungen der Mehrtafelverfahren sowie Studien zur nichtlinearen Transformation. P. de Narváez

G

Auf der Suche nach Gold erkundet P. de Narváez die Küstengebiete im Nordwesten von Florida

1528 – 1532

144

und gelangt auf dem Landweg zur MississippiMündung, wo er stirbt. A. N. Cabeza de Vaca entgeht dem Untergang der Expedition und schlägt sich als Medizinmann über Louisiana und Texas nach Mexiko durch. A. de Saavedra Cerón

G

Von Acapulco aus erreicht A. de Saavedra Cerón die Molukkeninsel Tidore. Beim Versuch nach Mexiko zurückzukehren, entdeckt er die Nordküste Neuguineas, die Admiralitätsinseln, die Karolinen und einige der östlichen Marshallinseln. Die Überfahrt scheitert am Nordostpassat und der Unkenntnis über die Windverhältnisse im PaziÀk.

um 1530 G. Fracastoro

P

C

Paracelsus verwirft in der Medizin die alten humoralpathologischen Vorstellungen und betrachtet den menschlichen Körper als ein chemisches System. Er begründet damit die Iatrochemie, die der Chemie neue Aufgaben im Dienste der Medizin stellt. Seine alchemistisch geprägte Dreielementelehre mit den „Urstoffen“ (tria prima) Sulphur, Mercurius und Sal beeinÁußt die Medizin und Chemie nachhaltig. Die Urstoffe sind Träger von Eigenschaften, wie Glanz, Schmelzbarkeit, Brennbarkeit und Feuerbeständigkeit. Paracelsus

C

Mit seiner Arzneimittellehre verfolgt Paracelsus das Ziel, das durch Krankheit gestörte chemische Gleichgewicht durch pÁanzliche und mineralische Substanzen bzw. anorganische metallische Verbindungen wiederherzustellen.

1530 O. Brunfels

B

O. Brunfels beschreibt im ersten Band seines Herbarum vivae eicones etwa 230 PÁanzenarten. Bedeutung erlangt dieses Werk besonders durch die exakten an der Natur orientierten PÁanzenabbildungen des Malers H. Weiditz. Damit wird eine neue Art Herbarium begründet. G. Fracastoro

G. Fracastoro beschreibt die Syphilis.

G

H. Cortés

G

Von einem Spanienbesuch nach Mexiko zurückgekehrt, unternimmt H. Cortés verstärkt Anstrengungen zur Erkundung des Landes und vor allem der PaziÀkküste durch Entsendung von Expeditionen. N. Federmann

G. Fracastoro prägt den Begriff des Magnetpols der Erde. Paracelsus

G. Agricola

G. Agricola beschreibt in seinem Bermannus eine Fülle von Mineralien des St. Joachimsthaler Reviers mit Angabe der charakteristischen Kennzeichen und verschiedenen Hinweisen auf anderweitige Vorkommen. Er berichtet über das Streichen und Fallen sowie über die Bauwürdigkeit der Gänge und Klüfte.

B

G

N. Federmann dringt im Dienst des Handelshauses der Welser mit 110 Soldaten, 16 Reitern und indianischen Trägern von Coro über die Kordilleren bis zu den Llanos am Rio Portuguesa im Stromgebiet des Orinoco vor, wo er wegen der feindlichen Haltung der Indianer umkehrt. J. Honterus

G

J. Honterus ediert in Krakau ein berühmtes Kosmographielehrbuch mit zwei Karten, das er später für NachauÁagen überarbeitet und insbesondere 1542 erweitert und mit weiteren Karten versieht. Weiterhin fertigt er die erste Karte Siebenbürgens an. W. Pirckheimer

G

Der Humanist W. Pirckheimer verfaßt eine kurze Beschreibung Deutschlands.

1531 A. Ehinger

G

A. Ehinger zieht auf der Suche nach dem El Dorado von Coro (Venezuela) zum Magdalenenstrom und zum Rio Cánca. Ehinger stirbt im Kampf mit Eingeborenen, seine Expedition bringt 1533 erstmals Hinweise auf das Reich der Chibchas.

1532 F. Pizarro

G

F. Pizarro dringt von Tumbes in das Andenhochland vor. Bis Ende 1533 brechen die Spanier die Macht der Inkas, errichten ein Vizekönigreich und zerstören nachfolgend die hoch entwickelte Inkakultur. 1535 gründet Pizarro Lima als neue Hauptstadt Perus.

145

1532 – 1536

J. Ziegler

G

J. Ziegler veröffentlicht in Straßburg sein Hauptwerk Schondia, eine lange Zeit maßgebliche Darstellung der Geographie Nordeuropas. in der insbesondere die Achsenrichtung der skandinavischen Halbinsel richtig angegeben wird.

1533 M • G Erstmals schlägt R. Gemma Frisius in einem Lehrbuch für geographische Ortsbestimmung moderne Triangulationsmethoden zur exakten Bestimmung von Distanzen und Flächen vor. Dabei wird nur eine Basislinie vermessen, die übrigen Strecken werden trigonometrisch berechnet. R. Gemma Frisius

M

Regiomontanus’ Werk zur Trigonometrie erscheint im Druck und übt einen großen EinÁuß auf die weitere Entwicklung aus. G

Cartagena in Kolumbien wird als spanischer Stützpunkt gegründet. Wie zahlreiche Stadtgründungen in der Neuen Welt dokumentiert dies die wirtschaftliche Erschließung des Umlandes wie auch dessen geographische Kenntnis. S. de Belalcázar

G

S. de Belalcázar wird von F. Pizarro in das heutige Ekuador entsandt, erobert es, läßt den Grundriß für das 1534 gegründete San Francisco de Quito anfertigen, gründet 1535 den Hafen Guayaquil und 1536 die Stadt Popayán. Auf der Suche nach dem Dorado zieht er bis 1539 durch die Kordilleren bis Bogota, wo er mit G. J. de Quesada und N. Federmann zusammentrifft. D. B. de Mendoza

G

D. B. de Mendoza entdeckt die Halbinsel Niederkalifornien. Unabhängig wird die Halbinsel von H. Cortés 1535 entdeckt.

zum heutigen Montreal. Er erfährt erstmals von den großen Seen und gründet die französische Kolonie Kanada. Erste Siedlungsversuche beim heutigen Quebec scheitern 1541–1544. S. Franck

1535 N. Tartaglia

V. Cordus

B

V. Cordus beschreibt in seiner Pharmakopöe Dispensatorium Drogen, Chemikalien und medizinische Präparate. D. d’Almagro

G

D. d’Almagro, Begleiter des F. Pizarro, dringt bis 1537 über Bolivien und die Atacama-Wüste ins mittlere Chile vor. Er erreicht die Küste am Rio Copiapó und zieht längs dieser etwa bis zum heutigen Coquimbo. G. Hohermuth, P. von Hutten

G

G. Hohermuth, Statthalter der Welser in Venezuela, und P. von Hutten ziehen auf der Suche nach dem Goldland Dorado bis 1538 von Coro ins Landesinnere Venezuelas und dringen bis zum Rio Guaviara und dem Quellgebiet des Amazonas vor. P. de Mendoza

G

P. de Mendoza gründet für die Spanier Buenos Aires, doch muß das Fort bald wieder aufgegeben werden. 1580 erfolgt eine Neugründung.

um 1536 M

Die Sinustafel des P. Apian, die in Minutenabständen fortschreitet, ist die erste gedruckte Tafel, die vollständig auf dem Dezimalsystem basiert. J. Cartier

M

Der italienische Rechenmeister N. Tartaglia Àndet am 12. Februar eine Methode zur Lösung kubischer Gleichungen vom Typ x3 + px = q.

1534 P. Apian

G

S. Franck bringt in Tübingen sein Weltbuch heraus, eine vierteilige Beschreibung der Länder und Völker mit zahlreichen geographischen Fakten. Geschichte und Geographie werden jedoch nicht auseinandergehalten.

G

Auf der Suche nach einer Durchfahrt nach Westen erkundet J. Cartier den St.-Lorenz-Golf und auf einer zweiten Fahrt 1535 den Lorenzstrom bis

A. de Santa Cruz

G

Nach den ersten belegten Beobachtungen der magnetischen Abweichung durch C. Kolumbus, wird diese Erscheinung in einer Reihe nautischer Traktate behandelt. Um 1536–1540 versucht A. de Santa Cruz, die magnetischen Meridiankreise auszuzeichnen und zu zählen, und erstellt so bis 1540 eine erste Karte mit Linien gleicher Abweichung (Isogonen).

1536 – 1540

146

1536 G. H. d’Oviedo y Baldy

um 1539 C • B

G. H. d’Oviedo y Baldy erwähnt den von den Indianern verwendeten Kautschuk. N. Federmann

G

N. Federmann unternimmt eine zweite Expedition zur Suche des Goldlandes Dorado. Von Caro aus zieht er am Ostrand der Kordilleren bis zum Rio Meta und steigt dann 1539 zum Hochland von Bagota auf. Kurz zuvor hatten bereits spanische Eroberer die dortige goldreiche Indianerkultur entdeckt. (Vgl. 1537.)

P

N. Tartaglia veröffentlicht zur Ballistik die Schrift Della nuova sciencia. Er teilt u. a. die schon 1532 gefundene Erkenntnis mit, daß die größte Schußweite bei einem Winkel von 45◦ erreichbar sei und diskutiert die vollständige Flugbahn, die er erstmals als geometrische Kurve in die Darstellung einführt. G. J. de Quesada

G

G. J. de Quesada zieht den Magdalenenstrom aufwärts zum Hochland von Bogota, unterwirft die Chibcha-Indianer und gründet am 6. August 1538 die Stadt Villa de la Santa Fe, das spätere Bogotá. Kurz danach treffen S. de Belalcázar und N. Federmann von Venezuela kommend dort ein. J. de Salazar y Espinosa

G

J. de Salazar y Espinosa gründet Asuncion als spanischen Stützpunkt, der wenig später D. M. de Irala als Ausgangspunkt für seine Erkundung des Andenvorlandes dient.

um 1538 J. Leland

P

Der Astronom G. J. Rheticus empÀehlt, die Kompaßnadel durch Streichen mit einem Magnetstein zu magnetisieren.

1539 G. Cardano

M

Neben numerischen Berechnungen und approximativen Lösungen von Gleichungen behandelt G. Cardano Fragen der Kombinatorik und diskutiert wahrscheinlichkeitstheoretische Aufgaben. A. Piccolomini

1537 N. Tartaglia

G. J. Rheticus

G. J. Rheticus

A

Der Wittenberger Mathematiker G. J. Rheticus vollendet am 23. September einen ersten, schon ausführlichen Bericht über die copernicanische Theorie, der 1540 im Druck erscheint. H. Bock

B

H. Bock beschreibt in seinem Kräuterbuch nur PÁanzen, die er selbst beobachtet hat. Die im 16. Jahrhundert aufkommenden Kräuterbücher regen in ihrer neuen Qualität lokalÁoristische Studien an und sind Vorbild für spätere Darstellungen. H. de Soto

G

H. de Soto erforscht bis 1543 mit 600 Mann und 213 Pferden von der Westküste Floridas das Innere Nordamerikas bis Oaklahoma. Er überquert den Mississippi etwa beim heutigen Memphis, durchstreift Arkansas und kehrt auf dem Red River zur Golfküste zurück. Die sehr verlustreiche Expedition ist eine der ersten Erkundungen Nordamerikas.

G

J. Leland erstellt eine Übersicht der Kohlevorkommen in Wales und beschreibt dabei u. a. den Unterschied von Anthrazit und normaler Kohle.

A

A. Piccolomini publiziert die erste Sternkarte, in der Sterne durch Buchstaben bezeichnet sind.

um 1540 P. Nunes

M

1538

P. Nunes erkennt, daß für Polynome f aus der Gleichung f (a) = 0 die Teilbarkeit von f durch x − a folgt.

A • G G. Fracastoro versucht, Schwächen der Ptolemäischen Planetentheorie zu beseitigen, und greift auf das Epizyklenmodell zurück. Weiter erörtert er Probleme der Astro- und Geophysik und der Lichtbrechung. Unabhängig von P. Apian (vgl. 1540) soll er beobachtet haben, daß der Kometenschweif stets von der Sonne abgewandt ist.

Im Anschluß an Tartaglias Ausführungen zur Kinematik behauptet G. Cardano richtig, daß sich bei der Ortsveränderung eines Körpers mehrere Bewegungen überlagern können. Für die Bewegung auf einer schiefen Ebene stellt er fest, daß eine Kraft entsprechend seiner Schwere nötig ist, um einen Körper auf der Ebene zu halten.

G. Fracastoro

G. Cardano

P

147

1540 – 1541

V. Cordus

C

V. Cordus gibt die älteste bekannte Vorschrift zur Darstellung von Ether durch Umsetzung von Weingeist (Ethanol) mit Vitriolöl (Schwefelsäure). L. Ghini

B

L. Ghini legt eines der ersten Herbarien an, das getrocknete und aufgeleimte PÁanzen enthält. Herbarien als Sammlungen gepreßter PÁanzen kommen erst im 17. Jahrhundert auf.

1540 P. Apian

P

G. Cardano unternimmt erste Experimente, um das Gewicht der Luft zu bestimmen. C • G V. Biringuccio behandelt in den posthum erscheinenden zehn Büchern De la pirotechnia die Metalle, die „Semimineralien“ wie Quecksilber, Schwefel, Alaun, Vitriol u. a. und die Erze sowie deren Aufbereitung. Daneben Ànden sich auch lagerstättenkundliche Erörterungen (paragenetische Erscheinungen), welche aber letztlich nicht über die von G. Agricola (vgl. 1530) hinausgehen. Das Werk gehört zu den bedeutenden Beispielen einer neuen Art chemischer Literatur, die in jener Zeit entsteht und in der die chemische Produktion literarisch entdeckt wird. V. Biringuccio

C • B V. Cordus macht in seinem Werk De artiÀciosis extractionibus erste ausführliche Angaben über die Destillation von Ölen und beschreibt über 20 ätherische Öle. V. Cordus

P. Mattioli

C

P. Mattioli wendet Quecksilber innerlich zur Heilung der Syphilis an. G. V. Rosetti

C

Faktisch ein altägyptisches Verfahren wiederentdeckend, erzeugt C. Schürer durch Zusatz von geröstetem Kobalterz zur Glasmasse das blaue Kobaltglas. H. de Alarcón

G

H. de Alarcón befährt mit einer spanischen Flotte von Acapulco aus die PaziÀkküste Nordamerikas, um die Landexpedition des F. Vázquez de Coronado von See her zu unterstützen, ohne ihn jedoch zu treffen. Er erkennt Niederkalifornien als Halbinsel und erkundet große Teile des Colorado.

A

P. Apian leistet Pionierarbeit in der Kometenbeobachtung. Er publiziert seine Beobachtung von 1531, daß der Kometenschweif von der Sonne abgekehrt ist. Er schlägt erstmals vor, SonnenÀnsternisse zur geographischen Längenbestimmung zu nutzen und zu deren Beobachtung Blendgläser zu verwenden. Er verbessert Planisphärien und Quadranten. G. Cardano

C. Schürer

C

G. V. Rosetti veröffentlicht das erste Kompendium über die Färbekunst.

V. Biringuccio

G

V. Biringuccio verweist auf die Konstanz der Flächenwinkel an den Würfeln des Pyrits. F. Vázquez de Coronado

G

F. Vázquez de Coronado durchstreift bis 1542 von Cuhaacan in Nordwest-Mexiko aus das Innere Nordamerikas bis Kansas. Er entdeckt dabei den Grand Cañon des Colorado (vgl. 1539). Zusammen mit den Unternehmungen von H. de Soto und H. de Alarcón ist es die größte Expedition des 16. Jahrhunderts. Erstmals werden große Gebiete der heutigen USA erforscht. Zugleich beendet sie die spanischen Erkundungen in Nordamerika. P. de Valdivia

G

P. de Valdivia beginnt von Cuzco (Peru) aus seine Eroberung von Chile. Er gründet 1541 die Stadt Santiago sowie 1544 Valparaiso und läßt die 1522 begonnene Kartierung der Westküste Südamerikas fortsetzen.

1541 G. Mercator M • G G. Mercator zeichnet auf einem Globus mehrere, später Loxodrome genannte Kurven richtig ein. Unabhängig von ihm untersucht P. Nunes diese Kurven und hebt ihre Bedeutung für die Seefahrt, Meridiane schneiden sie stets im gleichen Winkel, hervor. P. v. Hutten

G

P. v. Hutten, Neffe des Humanisten U. v. Hutten, sucht im Auftrag der Welser im Norden Südamerikas das Goldland Dorado und erkundet dabei bis 1546 das Gebiet um den Rio Guaviara und den Rio Inirida.

1541 – 1543

148

G. Pizarro

1543

G

G. Pizarro überquert von Quito aus die Anden und dringt in die Amazonaswälder am Rio Napo ein, um das Dorado zu Ànden. F. de Orellana, von Pizarro nach VerpÁegung gesandt, befährt in acht Monaten den Rio Napo und den Amazonas, dessen Namen er prägt, bis zur Mündung und klärt den Flußlauf in seinen wesentlichen Zügen auf. Es ist die erste Durchquerung Südamerikas von einem Europäer. Pizarro kehrt unter großen Verlusten nach Peru zurück.

um 1542 L. Ferrari

M

Cardanos Schüler L. Ferrari löst die Gleichung vierten Grades durch Reduktion auf eine Gleichung dritten Grades.

N. Tartaglia

M

N. Tartaglia fertigt die erste Übersetzung von Euklids Elementen ins Italienische und eine lateinische Neuedition von Werken des Archimedes zur Mechanik an. Es ist die erste gedruckte Euklidausgabe in einer lebenden Sprache. Copernicus A • W Copernicus’ Lehre ist zugleich ein revolutionäres Programm, das die Emanzipation der Naturforschung von der Theologie einleitet und den Beginn der wissenschaftlichen Revolution markiert. Zunächst mündlich und handschriftlich verbreitet, erfolgt die Drucklegung der neuen Lehre erst kurz vor Copernicus’ Tod in De revolutionibus ...

1542 P. Nunes

M

Nonius, die nach P. Nunes benannte Ablesevorrichtung, wird von diesem für Winkelmeßgeräte, speziell einen Astrolab erfunden. Später wird sie auf andere Geräte übertragen. G. J. Rheticus

M

In Wittenberg publiziert G. J. Rheticus die trigonometrischen Kapitel von De revolutionibus . . . des N. Copernicus, sowie die teilweise neu berechneten Tabellen. Sie ermöglichen erstmals ein direktes Ablesen der Cosinuswerte. L. Fuchs

B

L. Fuchs führt in seinem Kräuterbuch Historia stirpium, das Kenntnisse über mehr als 500 PÁanzen vermittelt und das wohl umfassendste diesbezügliche Werk im 16. Jahrhundert ist, zahlreiche botanische Bezeichnungen ein, die als ein Ansatz zu einer Nomenklatur gesehen werden können. M. Pinto

G

M. Pinto bereist als Kaufmann, Sklave, Arzt u. a. von 1537 bis 1558 den Nahen und Fernen Osten und erreicht 1542 als erster Europäer Japan. Sein 1578 vollendeter Reisebericht verschmilzt Phantasie und Realität und ist nach M. Polo eine der ersten Schilderungen fernöstlicher Kulturen. R. L. de Villalobos

G

R. L. de Villalobos stellt die Seeverbindung zwischen Mexiko und dem Malaiischen Archipel her. Der Versuch über den PaziÀk zurückzukehren scheitert.

N. Copernicus

A

In seinem Hauptwerk De revolutionibus orbium coelestium gibt N. Copernicus eine mathematische Durcharbeitung und einen Nachweis des heliozentrischen Systems. Er berechnet die Planetenörter und hebt die Kleinheit unseres Planetensystems gegenüber dem Fixsternhimmel hervor. Seine Erkenntnisse bilden zugleich eine wichtige Grundlage der physischen Geographie. N. Copernicus

A

N. Copernicus sieht die Anziehung, die Sonne, Mond und Planeten auf die Erde ausüben, als Ursache der Präzessionsbewegung der Erde an. A. Vesalius

B

A. Vesalius veröffentlicht mit seinem fundamentalen Werk De humani corporis fabrica die erste auf eigener Beobachtung aufbauende vollständige und systematische Anatomie des Menschen, die neben vielen neuen Angaben auch Korrekturen an der Lehre Galens enthält. F. de Xavier

G

Der Mitbegründer des Jesuitenordens F. de Xavier, der „Heilige Xaver“, führt eine umfangreiche Missionstätigkeit 1543–1545 in Südindien, 1546–1547 auf den Molukken und 1549–1550 in Japan durch. Da er bemüht ist, sich den Landessitten anzupassen, gehören seine Berichte, vor allem der über Japan, zu den ersten ausführlichen Nachrichten über diese Gebiete.

149

1544 – 1545

1544 M. Stifel

G. Agricola M

Mit der umfassenden Darstellung Arithmetica integra fördert M. Stifel die weitere Durchsetzung der algebraischen Symbolik. Er löst Exponentialgleichungen, prägt den Begriff Exponent und erkennt das Wesen des logarithmischen Rechnens. Er gibt erstmals eine allgemeine Methode zur Lösung von Gleichungen. M. Stifel

M

In der Arithmetica integra und späteren Werken benutzt M. Stifel negative Zahlen, auch als Exponent, und vermittelt tiefe Einsichten über irrationale Zahlen, ohne beide als Zahlen anzuerkennen. G. Hartmann

P

G. Hartmann bemerkt die Neigung der Magnetnadel gegen den Horizont, die magnetische Inklination, ohne sie durch Messungen zu bestimmen. G. Agricola

G

G. Agricola gibt eine ausführliche Schilderung von Erosion und Sedimentation, deren wesentliche Agentien ihm Wasser und Wind sind. Er erwähnt, daß diese Prozesse zwar noch heute unter unseren Augen sich abspielen, dabei aber so langsam ablaufen, daß sie nur über große Zeiträume beobachtet werden können. G. Agricola

G

G. Agricola nennt als Ursachen der Entstehung von Bergen: die erodierende Wirkung des Wassers, das Anhäufen von Sand durch den Wind, wobei er auf die Dünenbildung in der Lüneburger Heide verweist, die unterirdischen Winde, Erdbeben sowie vulkanisches Feuer. G. Agricola

G

G. Agricola erklärt die Mineral- und Erzgänge als nachträglich, durch die gelösten Bestandteile des in der Erde zirkulierenden Wassers, aufgefüllte Spalten im Gestein. Diese Spalten selbst sind entweder ursprünglich mit der Entstehung des Gebirges gebildet oder aber nachträglich durch Wasser erzeugt worden. G. Agricola

G • C

Vor allem mit Hinweis darauf, daß Quecksilber selbständige Lagerstätten bildet und dabei nur sehr vereinzelt mit Schwefel zusammen vorkommt, lehnt G. Agricola die alchemistische Auffassung der Metallbildung aus Schwefel und Quecksilber ab.

G

G. Agricola erklärt die Entstehung der Mineralien und Gesteine aus „harten Säften“ unter Mitwirkung von Kälte und Wärme dahingehend, daß die Wärme der Materie die Flüssigkeit entzieht, während die Kälte die Luft aus ihr heraustreibt und das darin enthaltene Wasser im höchsten Grade verdichtet. G. Agricola

G

G. Agricola führt das erdinnere Feuer auf die Entzündung von KohleÁözen, Massen von Bitumen und zum Teil auch Schwefel zurück, welche in der Nähe von vulkanischen Zentren liegen. Entzündet werden dieser Massen durch heiße Dämpfe, die sich ihrerseits durch Reibung erhitzen und die zugleich Erdbeben verursachen, wenn sie sich gewaltsam den Weg zur ErdoberÁäche bahnen. M. Luther

G

M. Luther interpretiert in seinem Kommentar zur Genesis fossiles Holz und Tierfossilien (fossile Fische des Mansfelder Kupferschiefers) als Zeugen der SintÁut. S. Münster

G

Die Cosmographia, d. h. Beschreibung aller Lender . . . von S. Münster erscheint in Basel. Das Werk, das viele Erkenntnisse kompiliert, wirkt anregend auf spätere Darstellungen zur Geographie und durch die Beigabe von Karten und Abbildungen auch zur Kartographie.

1545 G. Cardano

M

In der Ars magna übernimmt G. Cardano von N. Tartaglia bzw. L. Ferrari die Lösung allgemeiner kubischer und biquadratischer Gleichungen, beweist die Lösungsformeln und leitet erste Ergebnisse einer Lösungstheorie algebraischer Gleichungen ab. G. Agricola

G

G. Agricola führt das Wasser im Inneren der Erde auf das Einsickern des Regenwassers bzw. des Wassers der Flüsse und der Ozeane sowie die Kondensation erdinnerer Dämpfe, die aus diesem einsickernden Wasser entstehen können, zurück. Die Quellen an der ErdoberÁäche werden zum überwiegenden Teil durch den Regen gespeist.

1545 – 1547

150

G. Agricola

G

G. Agricola erklärt die heißen Quellen durch unterirdisch brennendes Bitumen. Die, etwa von Paracelsus vertretene, Annahme, daß diese Erwärmung auch durch AusÁießen auf gebranntem Kalk erfolgen kann (vgl. 1526), lehnt er ab, da die Erwärmung beim Kalklöschen nur von kurzer Dauer ist. Ergänzend betont 1631 E. Jorden, daß gebrannter Kalk nicht natürlich vorkommt. R. Gemma Frisius

G

Eine verbesserte Auflage der Cosmographia sive descriptio universi orbis des P. Apian (vgl. 1524) wird von R. Gemma Frisius herausgegeben und wird einer der populärsten Texte jener Zeit zu diesem Gebiet. Dies verdeutlicht zugleich den Bedarf an Anleitungen zur Ortsbestimmungen.

1546 M • G G. Agricola stellt in seinen Werken die Markscheidekunst auf eine geometrische Basis. P. Nunes M • G P. Nunes entwickelt eine noch mangelhafte Theorie der Mercatorprojektion. P

G. Agricola erÀndet den Grubenkompaß. Er erwähnt erstmals, daß sich die Bergleute bei ihren Arbeiten der Deklinationsnadel bedienen. N. Tartaglia

P

In seinem Buch Quesiti et inventioni diverse berechnet N. Tartaglia Flugbahnen von Geschossen und stellt Schußtafeln zusammen. Er nimmt an, daß bei Geschossen der WurÀmpetus und die Schwerkraft im gesamten Flugverlauf gemeinsam wirken. Die resultierende Bahn besteht aus geradem Aufstieg, mittlerem Kreisbogen und senkrechtem Abstiegsteil. Daraus leitet er eine überall gekrümmte Bahn ab. G. Fracastoro

G. Agricola

G

G. Agricola klassiÀziert die Mineralien und Gesteine – u. a. nach Farbe, Glanz, Durchsichtigkeit, Geruch, Geschmack, Härte – in: 1) Erden; 2) Succi concreti (‘harte Säfte’) (magere = Salze; fette = Bitumina); 3) Gesteine (lapides, gemmae, marmora, saxa); 4) Metalle und 5) Gemische. Weiterhin gibt er genaue Fundortangaben.

B

G. F. Ingrassia entdeckt das dritte Gehörknöchelchen, den Steigbügel.

G

In den Darstellungen des Steinkohlenbergs bei Zwickau und des Mansfelder Kupferschiefervorkommens gibt G. Agricola erste exakte Beschreibungen von Schichtfolgen, ohne diese freilich stratigraphisch auszuwerten. Eine Reihe von Fossilien, etwa Fischabdrücke des Mansfelder Kupferschiefers und die verkieselten Hölzer aus dem erzgebirgischen Rotliegenden deutet er als organische Reste. Außerdem erwähnt er die Bernsteinsäure. G. Mercator

G

Nachdem u. a. G. Fracastoro (vgl. 1530) und Albertus Magnus zur Erklärung der magnetischen Abweichung einen magnetischen Berg im Norden angenommen hatten, versucht erstmals G. Mercator, dessen Lage – und damit die Lage des Magnetpols – zu berechnen, worüber er 1546 und 1551 berichtet. Erstmals gedruckt Àndet sich ein solcher Magnetberg auf einer Karte Mercators von 1569.

1547

B

G. Fracastoro beschreibt das Auftreten von Infektionen, wobei er Atome oder Samen der Krankheiten annimmt, die sich selbst vermehren und durch Berührung oder Luft übertragen werden. G. F. Ingrassia

G

In Basel erscheinen die geologisch-mineralogischen Werke von G. Agricola: De ortu et causis subterraneorum libri V, De natura eorum quae efÁuunt ex terra libri IV und De natura fossilium libri X, deren Manuskripte er am 1. März 1544, am 24. Oktober 1545 bzw. am 13. Februar 1546 abgeschlossen hatte.

G. Agricola

G. Agricola

G. Agricola

G. Agricola

D. M. de Irala

G

Auf der Suche nach den sagenhaften Silberbergen durchquert D. M. de Irala Südamerika. Von Asunción fährt er den Paraguay aufwärts bis zu den Xarayes-Sümpfen und gelangt durch den Urwald bis in das Gebiet von Sucré in Bolivien. Er stellt damit die Verbindung zu dem spanischen Herrschaftsbereich im Westen her.

151

1549 – 1551

1549 S. v. Herberstein

B. von Villafranca G

Auf der Basis seiner Rußlandreisen (vgl. 1516) berichtet S. v. Herberstein in Rerum moscoviticarium umfassend über das russische Staatswesen. Das Buch enthält eine Karte von Rußland, zählt zu den frühen Nachrichten über die Geographie Nord-Eurasiens und regt an, den Seeweg nach China längs der sibirischen Küste zu suchen. A. Krantz

G

Als letztes der historischen Werke von A. Krantz erscheint posthum die Geschichte Skandinaviens, der Goten und Normannen mit zahlreichen geographischen Fakten.

B • G Teile der Abhandlung De subtilitate rerum von G. Cardano über Naturgeschichte können als Vorstellungen über evolutionäre Veränderungen bei Lebewesen gedeutet werden. Seine geologischen Ideen basieren wahrscheinlich auf Leonardo da Vinci und bilden ihrerseits eine wesentliche Grundlage für die späteren Arbeiten von B. Palissy. G. Cardano

B • P Hollerius verordnet bei Kurzsichtigkeit Brillen.

G

Hollerius

P. de Valdivia, Statthalter in Chile, beginnt mit der Eroberung Südchiles. Er gründet die Städte Concepción 1550 und Valdivia 1552, die zum Ausgangspunkt weiterer Erkundungen, insbesondere der Küstenregionen werden.

N. Massa

P. de Valdivia

um 1550 G. Cardano

B

N. Massa beschreibt die Gesichtsmuskeln, die Lymphgefäße der Nieren und die Lagerung des Magens. Er betrachtet die Syphilis als Ursache von Geisteskrankheiten.

C

G. Cardano stellt eine Theorie des Verbrennungsvorganges auf, wobei er die Notwendigkeit der Anwesenheit der Luft betont. Er unterscheidet Metalle von anderen Körpern durch die Schmelzbarkeit und das Erstarren der Schmelze bei Abkühlung. B • C B. Palissy zeigt, daß die KulturpÁanzen dem Boden Nährstoffe (Salze) entziehen und erklärt die Notwendigkeit der Bodendüngung mit Mist, Exkrementen oder Strohasche. B. Palissy

1550 C • G G. Agricola vollendet den Textteil seines Hauptwerkes De re metallica, für das er seit 1528 systematisch Material gesammelt hat und das posthum 1556 in Basel erscheint. Er behandelt darin vor allem das Montanwesen sowie die Metallurgie, aber auch lagerstättenkundliche Probleme und beschreibt darin u. a. die Aufbereitung von Erzen durch Rösten, das Amalgamations- und Kupellationsverfahren, die Probierung der Erze und die Darstellung von Alaun sowie von Eisenvitriol. Es ist eines der bedeutendsten Werke bei der literarischen Entdeckung der chemischen Produktion (vgl. 1540). G. Agricola

C

B. von Villafranca beobachtet vermutlich an Salpeter, daß beim Auflösen mancher Stoffe in Wasser eine starke Abkühlung erfolgt.

G. Cardano

G

Im Hinblick auf die oft bei Mineralien zu sehenden poren- und faserartigen Strukturen erklärt G. Cardano, daß die Mineralien eine vereinfachte Form der Strukturen von PÁanzen und Tiere darstellen und wie diese wachsen. In diesem Sinne vertritt er auch die Auffassung speziÀscher Samen, aus welchen die einzelnen Metalle erwachsen. G. Cardano

G

G. Cardano sieht in den Fossilien den Beleg für eine ehemalige Meeresbedeckung des Landes. G. J. Rheticus

G

G. J. Rheticus, Schüler des N. Copernicus, gibt eine Chorographie heraus, die u. a. eine Anleitung enthält, mittels Meßschnur und Bussole ein Land „in Grund zu legen“.

1551 W

Gründung der Universität San Marcos in Lima. Sie wird 1571 erstmals auf Weisung einer päpstlichen Bulle umorganisiert und ist die älteste Universität des amerikanischen Kontinents.

1551 – 1554

152

G. J. Rheticus

E. Reinhold

A

Die Preußischen Tafeln, die ersten astronomischen Tabellen auf der Basis der copernicanischen Lehre, veröffentlicht E. Reinhold in Wittenberg. Sie werden der gregorianischen Kalenderreform zugrunde gelegt und erst durch J. Kepler verbessert. E. Reinhold

A

E. Reinhold scheint die Elliptizität der Mondund der Merkurbahn erkannt zu haben. Er verweist auf Ungenauigkeiten sowohl im Ptolemäischen wie im copernicanischen Planetenmodell und deutet ein dem Tychonischen ähnliches an. P. Belon

B

P. Belon verfaßt eine Naturgeschichte der Fische, in der er auch Meeressäugetiere, Wirbellose und andere Meerestiere als Fische beschreibt. C. Gesner

B

C. Gesner bereichert mit seinem enzyklopädischen Hauptwerk Historia animalium die Zoologie durch eine umfassende Beschreibung der bekannten Tierwelt, die er nach den Gruppen des Aristoteles (vgl. 1250) bzw. Albertus Magnus (vgl. 1260) ordnet. Posthum erscheinen noch 1583 der Teil über Schlangen und 1634 über Insekten. A. Lonitzer

B

A. Lonitzer beschreibt in seiner Naturgeschichte PÁanzen und Tiere vorwiegend unter medizinisch-pharmazeutischen Aspekten.

1552 E. Wotton

B

In seinem Werk De differentiis animalium . . . versucht E. Wotton die seit Aristoteles übliche Einteilung der Tiergruppen durch natürliche Unterscheidungsmerkmale zu erweitern. Er führt u. a. die Bezeichnung „Zoophyten“ ein. F. de Ulloa

1553

M

Die in Leipzig erscheinenden siebenstelligen trigonometrischen Tafeln des G. J. Rheticus enthalten erstmals alle sechs trigonometrischen Funktionen. Die Beachtung der Beziehung zwischen Komplementärwinkel und Kofunktion verkürzt die Tafeln um die Hälfte.

G

F. de Ulloa erkundet im Auftrag von P. de Valdivia die chilenische Küste vom heutigen Valdivia bis zur Magellanstraße (vgl. 1541).

G. Cardano

C

G. Cardano nimmt eine Gewichtszunahme des Bleis bei der Verkalkung (Oxidation) wahr. M. Servet

B

M. Servet stellt die Theorie des sog. kleinen Blutkreislaufes auf, beschreibt, daß das Blut auf langem Weg von der rechten Herzkammer durch die Lungen zur linken getrieben wird, und widerlegt damit die Lehre Galens, daß das Blut die Herzmittelwand durchdringt. G

Santiago del Estero, die älteste spanische Siedlung auf dem Gebiet des heutigen Argentiniens wird gegründet. R. Chancellor, S. Burrough

G

Das dritte Schiff der „Merchant adventurers“ unter R. Chancellor und S. Burrough befährt das Weiße Meer und erreicht die Mündung der Nördlichen Dwina. Von dort reist Chancellor nach Moskau und knüpft erfolgreich Handelsbeziehungen zwischen England und Rußland. H. Williboughy

G

Auf Anregung von S. Caboto nimmt eine Expedition „Merchant adventurers“ unter H. Williboughy die Suche nach der Nordost-Passage auf. Im Sturm verschlagen, sichtet Williboughy vermutlich Nowaja Semlja und Àndet mit der Mannschaft seiner zwei Schiffe bei der ersten Überwinterung in der Polargeschichte auf der Halbinsel Kola den Tod.

1554 M • G G. Mercator verbessert die konische Projektion des C. Ptolemäus. Er trägt die Längengrade nicht auf dem mittleren Parallelkreis auf, sondern zieht abweitungstreu zwei in der Mitte zwischen diesem und den Rändern der Karte gelegene Parallelkreise. Dadurch wird die Abweichung der Projektion vom Kugelnetz um die Hälfte verringert. G. Mercator

J. Fernel

B

J. Fernel beschreibt u. a. die Blinddarmentzündung, die Systole und Diastole des Herzens und das Wesen der Syphilis. Er tritt für die Beobachtung des menschlichen Körpers ein und verwirft den Autoritätsglauben und scholastische medizinische Auffassungen sowie den Galenismus.

153

1554 – 1559

N. Monardes

B

N. Monardes legt in Sevilla ein Museum von Naturprodukten aus Amerika an und beschreibt ca. 1500 Drogen aus der Neuen Welt. G. Rondelet

B

G. Rondelet beschreibt in seinen Libri de piscibus marinis über 300 Arten von Meerestieren.

1555 P. Belon

P. Belon führt vergleichend-anatomische Untersuchungen durch. In seinem Werk L’histoire de la nature des oyseaux vergleicht er u. a. das Skelett eines Vogels mit dem eines Menschen.

1556 N. Tartaglia berechnet erstmals das Volumen des Tetrahedron aus der Seitenlänge und behandelt das Malfatti-Problem. C

H. Fabricius ab Aquapendente beobachtet die Schwärzung von Silberchlorid unter Lichteinwirkung. S. Burrough

G

Auf der Suche nach der Nordost-Passage erreicht S. Burrough das damals den Russen bereits bekannte Südende von Nowaja Semlja sowie die Waigatsch-Insel, erhält Informationen über die Weiterfahrt zum Ob, kann aber wegen der Eisverhältnisse nicht in die Karasee eindringen. Erstmals trifft ein Westeuropäer auf die einheimischen Samojeden.

1557 R. Recorde

M

R. Recorde führt in dem ersten englischen Buch zur Algebra die Anwendung des Gleichheitszeichens in die Mathematik ein. Unabhängig und fast gleichzeitig tritt das Symbol in einer italienischen Handschrift auf. J. C. Scaliger

G

G. Falloppia erklärt die Fossilien als Produkte eines Gärungsprozesses. Sie werden durch Dämpfe erzeugt, die ihrerseits durch einen Gärungsprozeß in den Gesteinen entstehen, der an den Stellen stattgefunden hat, wo diese Produkte heute gefunden werden. H. Staden

M

H. Fabricius ab Aquapendente

G

Der Anatom G. Falloppia hält an der Universität Padua im Sommer 1557 ein Kolleg „De fossilibus“, in dem er über Metalle, Erze und Hüttenprodukte sowie Fragen der Minerogenese handelt. Dies ist die erste selbständige Vorlesung zur Mineralogie an einer Universität, sie wird 1564 gedruckt. G. Falloppia

B

N. Tartaglia

G. Falloppia

C

J. C. Scaliger erwähnt in Mittel- und Südamerika gefundenes Platin.

1558 F. Commandino

M

F. Commandino ediert ab 1558 Schriften von Archimedes, C. Ptolemäus, Apollonios, Pappos, Heron, Euklid, Aristarchos u. a. Er übersetzt sie z. T. aus dem Griechischen und kommentiert sie. G. B. della Porta

P

Der italienische Naturforscher G. B. della Porta veröffentlicht seine Magia naturalis, in der er die Camera obscura durch eine Sammellinse im Loch verbessert und das Auge in Bau und Funktion damit vergleicht. J. Ladrilleros

G

Eine Expedition unter J. Ladrilleros befährt von Valdivia die Küste Patagoniens und vermittelt erstmals genauere Kenntnis über die Insel- und Kanalvielfalt im Süden Südamerikas. Als Erster durchsegelt er die Magellanstraße von West nach Ost und gibt genaue Landschaftsbeschreibungen.

1559

G

Die Portugiesen setzen sich im chinesischen Hafen Macao fest. Bis 1842 ist es die einzige europäische Niederlassung in China.

G

H. Staden bringt den Bericht über seine Brasilienreisen, die er als Söldner in portugiesischen bzw. spanischen Diensten 1547/48 bzw. 1549 bis 1555 unternahm, gedruckt heraus. Auf der zweiten Reise war er zeitweise Gefangener der Indianer. Das Buch ist eine wichtige Quelle zur frühen Geschichte Brasiliens.

R. Colombo

B

R. Colombo beschreibt die Lage und Haltung des menschlichen Embryos im Uterus.

1560 – 1563

154

um 1560 C. Gesner

B

In dem Manuskript zu seinem Buch Opera botanica gibt C. Gesner eine erste künstliche PÁanzenordnung nach Befruchtungsorganen und Früchten. Das Werk, ebenso umfassend angelegt wie die Historia animalium, bleibt unvollendet und erscheint erst posthum 1751. F. Maurolico

B

F. Maurolico erklärt die Wirkung der Augenlinse sowie die Kurz- und Weitsichtigkeit.

1560 G. B. Della Porta

W

G. B. Della Porta gründet in Neapel die Academia secretorum naturae, die erste naturwissenschaftliche Akademie, mit dem Ziel, durch gemeinsame Arbeit neue Erkenntnisse zu gewinnen. Die Akademie existiert nur einige Jahre. J. Nicot

die Geschlechtsorgane, insbesondere die wohl erstmalige Beschreibung von Niere, Eileiter und Plazenta. V. Faventius

G

V. Faventius nennt als Ursachen der Entstehung der Berge – neben Gottes unmittelbarem Befehl – u. a. Erdbeben, Fluten, die Wirkung der Gestirne, der Sonne und des Windes, wobei jeweils unterstützend noch eine mineralisierende Kraft wirkt. C. Gesner

G

C. Gesner gibt eine erste eingehende Beschreibung eines Nordlichts, das er am 6. Januar 1561 (27. Dezember 1560) beobachtete (vgl. 1621). G. J. de Quesada

G

Zur Entdeckung des Goldlandes Dorado unternimmt G. J. de Quesada von Bogotá aus eine zwei Jahre dauernde, verlustreiche Expedition in die Sumpfgebiete des Orinoco.

B

J. Nicot bringt die anfangs als ZierpÁanze kultivierte und nach ihm Nicotiana benannte TabakpÁanze nach Frankreich. G. da Orta

B

G. da Orta beschreibt im Ergebnis seiner 1534 in Indien durchgeführten pharmakologischen Studien zahlreiche dort verwendete Drogen. P. de Ursua

G

um 1562 G. Cardano

M

Mit dem versuchten Nachweis, daß Glücksspiele außer vom Zufall auch von Gesetzen und Regeln beherrscht werden, schafft G. Cardano den ersten Ansatz zur Wahrscheinlichkeitstheorie. Wahrscheinlichkeit ist für ihn das Verhältnis der günstigen zu den möglichen Fällen.

P. de Ursua fährt den Huallaga abwärts zum Amazonas und trägt zur weiteren Erkundung dieses riesigen Stromgebiets bei.

1562 J. Mathesius

1561 C. Rothmann, J. Bürgi

A

Das erste Observatorium mit drehbarer Kuppel wird in Kassel für den Landgrafen von HessenKassel Wilhelm IV. erbaut. Im Ergebnis jahrelanger Beobachtungen, die ab 1577 bzw. 1579 von C. Rothmann und J. Bürgi unterstützt werden, entsteht ein Fixsternkatalog, der ca. 1 000 Sterne umfaßt, jedoch unvollendet bleibt. Zur zeitlichen Fixierung der Beobachtungen installiert Bürgi eine Pendeluhr. G. Falloppia

B

G. Falloppia führt genaue Untersuchungen zur Anatomie des menschlichen Körpers durch. Hervorzuheben sind die Ausführungen über das Knochensystem, den Muskelapparat und

G

Im Hinblick auf die alchemistische Vorstellung, daß alle Metalle ursprünglich in einer weichen, plastischen Masse vorliegen, nimmt J. Mathesius an, daß die Materie der Metalle, bevor sie zur metallischen Form gerinnt, ähnlich der aus der Sahne der Milch hergestellten Butter ist, wie er dies selbst in Bergwerken gesehen habe, wo die Natur Blei herstellt.

1563 A. Paré

B

In seinem Werk Cinq livres de chirurgie erklärt A. Paré zahlreiche chirurgische Methoden. Er beschreibt u. a. die Verwendung künstlicher Gliedmaßen, die Blutstillung nach Amputationen und eine verbesserte Wundbehandlung.

155

1563 – 1566

B. Pérez de Vargas

G

C. Gesner

G

B. Pérez de Vargas diskutiert u. a. das Alter der Erde und des Menschen. Sein ein Jahr später abgeschlossenes, weitgehend auf V. Biringuccio basierendes Werk De re metallica ist das erste umfassende Werk über Metallurgie in spanischer Sprache und kursierte auch unter den Bergwerksbetreibern Perus und anderer Teile Amerikas.

In seinem Werk De rerum fossilium . . . teilt C. Gesner die Mineralien nach ihrer äußeren Ähnlichkeit mit geometrischen Formen, himmlischen Körpern, Tieren, PÁanzen und Artefakten in 15 Gruppen ein.

1564

C. Gesner vertritt die Ansicht, daß einige der Àgurierten Steine Tiere sind, welche in Stein umgewandelt wurden, daß aber einige davon auch (anorganische) Produkte der Erde selbst und gleichzeitig mit den sie umgebenden Gesteinen entstanden sind.

B. Eustachi

B

B. Eustachi veröffentlicht Ergebnisse seiner vergleichend-anatomischen Untersuchungen und beschreibt die nach ihm benannte Eustachische Röhre. Er gibt eine Abbildung des Uterus, beschreibt die Nebennieren und den Brustlymphgang. R. de Goulaine de Laudonnière

G

R. de Goulaine de Laudonnière versucht, an der Küste des heutigen Carolina französische Kolonien anzulegen, was aber am Eingreifen der Spanier scheitert. M. L. de Legaspi

G

Eine Expedition unter M. L. de Legaspi segelt von Acapulco über den paziÀschen Ozean zu den Philippinen, um dort die spanische Herrschaft zu errichten. Legaspi siedelt zunächst auf Cebu, erobert Teile Luzons und erhebt 1571 Manila zur Hauptstadt.

1565 B

Die ersten Kartoffeln gelangen aus Amerika nach Europa. Bis zur 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts weitet sich der Kartoffelanbau auf ganz Europa aus. G. C. Aranzio

B

G. C. Aranzio untersucht die bei der Geburt im Fötus eintretende Veränderung der Blutzirkulation und beschreibt die Aorta und die Lungenarterie. B • W B. Telesio entwickelt eine Naturlehre mit den Grundprinzipien Materie, Wärme und Kälte. Durch den Kampf dieser Prinzipien entstehen der Himmel, die Erde und alle Einzeldinge. B. Telesio

G

St. Augustin auf Florida wird als älteste, ständig bestehende Stadt Nordamerikas von den Spaniern gegründet.

C. Gesner

G

J. Kentmann

G

J. Kentmann gibt einen lateinisch und deutsch abgefaßten Katalog seiner ca. 1 700 Stücke umfassenden ’Fossilien’-Sammlung heraus, welcher auch zahlreiche Fundortangaben enthält. In seiner Beschreibung und KlassiÀkation schließt er sich weitgehend an G. Agricola an. F. A. de Urdaneta

G

Teilnehmer der Expedition Legaspis (vgl. 1564) versuchen nach Mexiko zurückzukehren. Während A. de Arellano scheitert, Àndet F. A. de Urdaneta einen Segelkurs von Manila nach Acapulco, indem er nach Norden in die Westwindzone ausweicht. Damit beginnt der Aufbau eines dauerhaften Handelsverkehrs zwischen den Philippinen, als spanischer Kolonie, und den Spaniern in Mittelamerika durch die letzteren.

1566 F. Commandino

M

F. Commandino versucht, Beweise in der Schrift des Archimedes über schwimmende Körper zu vervollständigen und behandelt erstmals die Schwerpunktbestimmung von einem beliebigen Segment eines parabolischen Konoids, was ein Interesse an Integrationsmethoden anregt. J. Bodin

G

In seiner Geschichtsmethodologie fordert J. Bodin eine kritische Analyse der Geschichte zur Ableitung allgemeiner Rechtsprinzipien. Er fördert damit eine Renaissance des geographischen Determinismus in Opposition zum kirchlichen Dogma.

1566 – 1572

156

Salterio

um 1570

G

Die Nordamerikakarte des Salterio enthält die hypothetisch eingezeichnete „Straße von Anian“, die erst 1648 von S. I. Deschnjow entdeckte Beringstraße.

1567 O. Magnus

G. Cardano

M

In seiner Behandlung algebraischer Gleichungen verwendet G. Cardano negative und komplexe Zahlen, ohne sie wirklich als Zahlen anzuerkennen. Er erzielt keine grundlegend neuen Resultate.

G

1570

Eine Geschichte und historische Landeskunde Skandinaviens wird von O. Magnus publiziert. Das Werk erscheint posthum und enthält eine hervorragende Karte Skandinaviens. Es wird mehrfach übersetzt und beeinÁußt wesentlich das zeitgenössische Skandinavienbild.

Gründung der Académie de poésie et le musique in Paris, die 1574 in die Académie du Palais umgewandelt wird und als Vorläufer der Académie française gilt.

A. Mendaña de Neyra

V. Coiter

G

W

B

Zur Erkundung neuer Schiffahrtswege von Südamerika zu den Philippinen leitet A. Mendaña de Neyra eine Expedition, die P. Sarmiento initiierte, von Callao aus in die Südsee. Er entdeckt dabei die südlichen Salomonen und eröffnet zugleich den regelmäßigen Seeverkehr zwischen Lateinamerika und den Philippinen.

V. Coiter fördert durch die Sektion von Amphibien, Reptilien, Vögeln und Säugetieren die vergleichende Anatomie. Weiterhin beschreibt er den Bau und die Funktion des Ohres und seiner Teile.

um 1568

Der deutsche J. Fleischer erklärt den Regenbogen und gibt dessen Radius mit 42◦ an.

1571 J. Fleischer

C. Varolio

B

C. Varolio begründet die Gehirnanatomie durch Untersuchungen der verschiedenen Gehirnstrukturen und beschreibt u. a. den Sehnerv.

1569 G. Mercator

A

E. Danti gibt die ersten Arbeiten bzw. Übersetzungen zur Astronomie in italienischer Sprache heraus. J. van Gorp

K. Heresbach

B

K. Heresbach verfaßt mit Rei rusticae libri quatuor das erste deutsche Buch über Landwirtschaft. M. Lobelius

M • G

Der Kosmograph G. Mercator verwendet bei der in Löwen hergestellten Weltkarte die nach ihm benannte winkeltreue Zylinderprojektion mit wachsenden Breiten – Mercatorprojektion. Sie ist heute noch die Projektion aller Seekarten, da sie für nautische Zwecke günstige Eigenschaften hat. E. Danti

P

L. Digges

G

Die Beschreibung des von L. Digges erfundenen Theodoliten, eines wichtigen geodätischen Meßgerätes, wird von dessen Sohn publiziert.

G

J. van Gorp begründet ausführlich – in durchaus aktualistischer Denkweise – die Ansicht, daß die Fossilien in situ entstanden sind, also nicht vom Meer abgelagert wurden. Dies begründet er u. a. damit, daß die fossilie Fauna nicht mit der der heutigen Meere übereinstimmt.

B

M. Lobelius beschreibt über 1 300 PÁanzenarten, vorwiegend aus Westeuropa, England und der Umgebung von Montpellier, und klassiÀziert sie nach der Form ihrer Blätter. Er scheint bereits intuitiv zwischen Monokotyledonen (Einkeimblättrigen) und Dikotyledonen (Zweikeimblättrigen) zu differenzieren. 1576 erscheint eine erweiterte Fassung.

1572 R. Bombelli

M

In der L’algebra behandelt R. Bombelli die Lösung von Gleichungen dritten und vierten Grades, insbesondere erstmals den „casus irreducibilis“. Er verwendet dabei sog. komplexe Zahlen und

157

1572 – 1575

erklärt das formale Rechnen mit diesen „sophistischen“ Größen. R. Bombelli

M

Der Bologneser R. Bombelli gibt in der in Venedig erschienenen L’algebra eine Methode zur Approximation von Quadratwurzeln mittels Kettenbrüche an. T. Brahe

A

T. Brahe beobachtet am 11. November einen neuen Stern im Sternbild Kassiopeia, der im März 1574 wieder unsichtbar wird und als Supernova identiÀziert wurde. P

Die Optik Ibn al-Haitams wird zusammen mit ¯ der Optik Witelos in lateinischer Übersetzung als Opticae thesaurus in Basel veröffentlicht. L. Thurneysser

C

L. Thurneysser führt erste systematische Analysen von Mineralwasser durch und betont dabei vor allem auch die Möglichkeit der künstlichen Herstellung von Mineralwässern.

1573 T. Brahe

A

T. Brahe veröffentlicht seine ersten Beobachtungsergebnisse der Supernova von 1572. Er hofft, diese Beobachtungen nutzen zu können, um über die Richtigkeit der copernicanischen Lehre zu entscheiden, und ruft die Astronomen zu kooperativen Beobachtungen auf. C

L. Ercker

C

L. Ercker stellt die analytische und metallurgische Chemie systematisch dar. In seinem Probierbuch beschreibt er die Untersuchung von Erzen und Legierungen auf ihren Gehalt an Silber, Gold, Kupfer, Antimon, Quecksilber, Bismut und Blei. L. Ercker

G

L. Ercker gibt in seinem Probierbuch Anweisungen zu einer partiellen Mineralanalyse auf trockenem Wege und weist auf die Wichtigkeit einer feinen Waage hin, die er beschreibt. J. Fernandez

G

Der starken Nordströmung an der Küste ausweichend, entdeckt J. Fernandez auf der Fahrt von Callao nach Chile die nach ihm benannten PaziÀkinseln westlich Valparaiso und wohl auch die Desventuradas-Inseln. M. Mercati

G

M. Mercati, Direktor des botanischen Gartens des Vatikans, führt die Entstehung Àgurierter Steine (z. B. fossile Fische, aber auch Dendriten) auf das Einwirken der Strahlung himmlischer Körper zurück und unterscheidet dabei zwischen einer von den Sternen ausgehenden „vis formativa“ und einer dem Gestein innewohnenden „vis plastica“. J. Simler

G

J. Simler begründet mit seinem Werk De alpibus commentarius die wissenschaftliche Kunde von den Alpen und gibt dabei insbesondere eine erste ausführliche Darstellung der Beschaffenheit und Entstehung der Gletscher. Erstmals gebraucht er dabei das Wort Firn. Das Buch basiert nicht auf eigenen Erkundungen und ist ein Anhang zur Beschreibung des Wallis.

In Augsburg wird die erste deutsche Rohrzuckerfabrik errichtet.

1575 F. Maurolico

G

Die Städte Cordoba und Santa Fé de Vera Cruz werden von den Spaniern in Argentinien gegründet. Durch die Tätigkeit der Jesuiten werden sie wichtige geistige Zentren Südamerikas.

W. Xylander (Holtzmann)

M

W. Xylander ediert die erste vollständige lateinische Ausgabe der Diophantischen Arithmetik.

1574 E. Danti

M

F. Maurolico untersucht Kegelschnitte, erweitert die Theorie der Tangenten und Asymptoten und kritisiert die fehlende Allgemeinheit in den geometrischen Beweisen der Griechen.

A

E. Danti baut in Perugia einen Quadranten und eine Äquinoktialarmillarsphäre und bestimmt damit die Verschiebung des Frühlingsäquinoktiums.

F. Maurolico

P

F. Maurolico veröffentlicht das Buch Photismi de lumine et umbra über Optik, in dem er Kenntnisse seiner Vorgänger klarer zusammenfaßt. Er

1575 – 1577

158

zeigt, daß auch in planparallelen Gläsern Lichtbrechung auftritt, die sich durch eine von Einfallswinkelgröße und Glasplattendicke abhängige parallele Verschiebung der Lichtstrahlen äußert. F. Maurolico

P

F. Maurolico erkennt als erster, daß die bei der Brechung des Lichts in einem Glasprisma entstehenden Farben mit denen des Regenbogens gleichartig sind. Er zeichnet den Strahlengang für beide richtig. F. Maurolico

P

Bei Experimenten zum Lichtdurchgang durch eine wassergefüllte Kugel Àndet F. Maurolico die dikaustische Fläche. G. Frascatus

G

Deklination der Sterne. Er stellt in dieser Zeit auch den gleichförmigen Verlauf der Präzession fest. T. Digges

C. Clusius

M. Frobisher

A. Thevet G • B A. Thevet schließt die Edition von La cosmographie universelle mit dem zweiten Band ab. Das Werk enthält zahlreiche große Karten sowie die erste Beschreibung einiger in Amerika entdeckter Tiere, wie Beutelratte, Faultier u. a., und macht die Idee des charakterlich guten Wilden, „bon sauvage“, bekannt.

F. Hernández

T. Brahe

A

T. Brahe bewirkt eine wesentliche Verbesserung der astronomischen Instrumente und bemüht sich, die Gerätefehler zu minimieren und bei Messungen zu berücksichtigen. Noch ohne Fernrohr arbeitend, erzielt er einen bis dahin unerreichten Grad an Genauigkeit und schafft so die Basis für den weiteren Fortschritt der Astronomie. T. Brahe

A

Durch Anfügen eines Visiers am Okularrand der Alhidade gelingt es T. Brahe, sein Instrument mit größter Genauigkeit auf einen Stern zu Àxieren. T. Brahe

A

T. Brahe verbessert die Armillarsphäre und benutzt sie zur Beobachtung der Stundenwinkel und

B

Unter Benutzung der KlassiÀzierungsprinzipien von Theophrast (vgl. 300 v. Chr.) beschreibt C. Clusius über 1 300 PÁanzen, wobei er besonders die qualitativen Unterschiede der Blüten hervorhebt.

Vielfach wird im 16. Jahrhundert das Mitwirken himmlischer Strahlen an der Entstehung der Metalle, aber auch der Mineralien und Fossilien angenommen. So heizen nach G. Frascatus himmlische Strahlen das Erdinnere auf und diese Hitze bewirkt das Reifen der Metalle, wobei Menge und Reinheit von der Intensität der Hitzeeinwirkung abhängen.

1576

A

T. Digges publiziert die englische Übersetzung von Buch I von Copernicus’ De revolutionibus . . . und fügt seine Ideen eines unendlichen Universums an, in dem die Fixsterne in unterschiedlicher Entfernung im unendlichen Raum sind.

G

M. Frobisher nimmt die Suche nach einer Nordwest-Passage nach Indien wieder auf, entdeckt die Südostküste von BafÀn-Land mit der sog. Frobisher-Bucht. Auf einer weiteren Fahrt gelangt er 1578 bis in die Hudsonstraße. Seine Berichte über die neuentdeckten Gebiete sind sehr ungenau. G

F. Hernández, Arzt Philipps II., bereist 1570 bis 1577 Mexiko im Auftrag des Königs und studiert Fauna und Flora. Seine 1576 weitgehend abgeschlossene Beschreibung dieser Reise erschließt den Europäern die drei Naturreiche, PÁanzen, Tiere, Gesteine, der bereisten Gebiete, insbesondere durch bildhafte Darstellungen. R. Norman G • P Nachdem bereits G. Hartmann 1544 die Neigung der Magnetnadel gegen den Horizont (Inklination) beobachtet hatte, ohne jedoch konkrete Messungen anzustellen, entdeckt diese der englische Seemann und Instrumentenbauer R. Norman neu. Er entwickelt den Inklinationskompaß, welchen er 1581 in seiner Schrift The new attractive beschreibt.

1577 T. Brahe

A

Das Auftauchen eines Kometen am 13. November veranlaßt T. Brahe, sich der Theorie dieser Erscheinung zu widmen. Er beobachtet den Kometen bis zum 26. Januar, mißt dessen Parallaxe, führt umfangreiche Berechnungen durch, schätzt dessen Entfernung ab und bezeichnet Kometen

159

1577 – 1578

als am Himmel und nicht in der Atmosphäre entstehend. T. Brahe, M. Mästlin

A

Durch die genaue Beobachtung eines Kometen durch Astronomen wie T. Brahe, M. Mästlin u. a. wird die aristotelische Lehre erschüttert: Kometen bewegen sich um die Sonne und sind keine irdischen Phänomene. Die Kometenbahn schneidet die als fest angenommenen Kristallsphären der Umlaufbahnen der Planeten. G. Marchese del Monte

P

Galileis Freund und Gönner G. Marchese del Monte regt in seinem Buch Liber mechanicorum eine Trennung von Statik und Dynamik an und fordert eine Rückkehr zur stengen mathematischen Methode mit Prinzipien und Beweisen. G. Marchese del Monte

P

In seiner Mechanik beschreibt G. Marchese del Monte die statische Untersuchung der Wirkung von Hebel, Rolle, Wellrad, Keil und Schraube, d. h. der fünf mechanischen Potenzen des Pappus. G. Marchese del Monte

P

G. Marchese del Monte Àndet das Gesetz, daß Last und Kraft zueinander im umgekehrten Verhältnis der Wege stehen, welche sie in derselben Zeit durchlaufen, geht aber über die Anwendung beim Flaschenzug und dem Rad an der Welle nicht hinaus. F. Drake

G

Im Auftrag englischer Adliger begibt sich F. Drake auf Erkundungsfahrt an die amerikanische Westküste, der er bis zum Columbia-River folgt. Er überquert den PaziÀk, entdeckt die FarallonInseln und vollendet über die Stationen Marianen, Molukken, Kap der Guten Hoffnung die dritte Erdumseglung der Geschichte. Die Kaperfahrt bringt hohen Erlös, aber wenige geographische Ergebnisse. G. de Mendoza

G

Der Augustinermönch G. de Mendoza reist an der Küste Chinas, meint aber, daß Marco Polos Cathay etwas anderes als China sei.

ca. 1 900 Drogen und 11 000 Rezepte, die er in Klassen und Gruppen einteilt. Li Shizhen

G

Die Enzyklopädie von Li Shizhen enthält u. a. ein Steinbuch, das für die über 260 darin verzeichneten Mineralien, davon 160 Metalle und Gesteine, Herkunft, Aussehen, Eigenschaften und Prüfverfahren angibt. Er unterscheidet im wesentlichen vier Gruppen von Mineralien: Metalle, Steine, Jaden und Edelsteine sowie Salze und klassiÀziert die Metalle in Legierungen, gediegene, vererzte und erd- oder ockerartige Metalle. Li Shizhen

G

Fossile Knochen und Zähne von Reptilien, Vögeln und Säugetieren sind in China seit dem ersten Jahrhundert als „Drachenknochen“ und „Drachenzähne“ bekannt. Deren Beschreibungen durch Li Shizhen zeigen, daß er diese als Überreste von (wenngleich mehr mythologischen) Tieren ansieht. Li Shizhen

G

Li Shizhen gibt eine ausführliche Darstellung der bis ins 2. Jahrhundert v. Chr. zurückreichenden, an Aristoteles erinnernden Theorie der Entstehung der Mineralien und Gesteine. Grundlage ist ein gasförmiges zu denkendes „qi“, welches in großen Massen Gesteine und Felsen bildet, in kleinen Massen Sand und Staub sowie in seiner samenhaften Essenz Gold und Jade.

1578 M • G Bei der Edition der ptolemäischen Kartensammlung verwendet G. Mercator sowohl die abweitungstreue unechte Kegelprojektion, bei der die Breitenkreise konzentrische Kreise bilden, als auch die abweitungstreue unechte Zylinderprojektion mit geradlinigen parallelen Breitenkreisen, die 1650 N. Sanson und 1729 J. Flamsteed anwenden und die auch Mercator-SansonFlamsteedsche Projektion genannt wird. G. Mercator

um 1578 Li Shizhen

B

Li Shizhen vollendet seine Pharmakopöe Ben Cao Gang Mu, die 1596 erstmals gedruckt wird. Er beschreibt in dieser 52bändigen Enzyklopädie

M. Mästlin

A

Die Analyse der Bahn des Kometen von 1577 veranlaßt M. Mästlin, die Copernicanische Theorie des Erdumlaufs um die Sonne anzuerkennen.

1578 – 1580

160

F. Drake

1580

G

Durch Sturm verschlagen entdeckt F. Drake nach der Fahrt durch die Magellanstraße Kap Hoorn, wie aus Breitenangaben und Beschreibungen hervorgeht. Vermutlich erkennt Drake auch, daß Amerika nicht mit dem legendären Südland verbunden ist.

A • P W. Borough, Controller of the Navy, erforscht die magnetische Deklination, gibt ausführliche Richtlinien zu ihrer Bestimmung und legt ihre Bedeutung für die Navigation dar. W. Borough

T. Brahe

um 1579 B

Die Herstellung von künstlichen Augen aus Glas ist bekannt.

1579 F. Viète

Ch. Jackman, A. Pett M

Der in Paris erschienene Canon mathematicus . . . des F. Viète enthält Tafeln der sechs Winkelfunktionen und die Lösung der Grundaufgaben der ebenen und sphärischen Trigonometrie. Viète begründet damit die Goniometrie. G. B. Della Porta

P

Der Architekt G. B. Della Porta schlägt den Bau eines akustischen Telegraphen mit Stimmleitung in Röhren über weite Entfernung vor. A. P. Mattioli

G

Um die große Vielfalt der Edelsteine, etwa hinsichtlich der Farbe oder des Glanzes, zu erklären, nimmt A. P. Mattioli eine Vielzahl verschiedener Arten von in der Erde zirkulierenden versteinernden Säften an, aus welchen jene kristallisieren.

um 1580 P. Wittich

M

P. Wittich unterstützt T. Brahe bei astronomischen Berechnungen und Àndet die Formeln der Prosthaphaeresis, um Multiplikationen durch Additionen und Subtraktionen zu ersetzen. Das Verfahren wird dann durch die Logarithmen abgelöst. J. de Strada

P

J. de Strada schlägt vor, ein Perpetuum mobile mit Wasserkreislauf zu entwickeln. F. Colonna

B

F. Colonna soll den bereits Plinius d. Ä. bekannten Baldrian als Arzneimittel genutzt haben.

A

Die atmosphärische Strahlenbrechung wird von T. Brahe wissenschaftllich behandelt. Durch seine bis 1596 durchgeführten Beobachtungen erkennt er, daß es eine Refraktion gibt. Er bestimmt erstmals ihre Größe empirisch, seine theoretische Erklärung ist jedoch falsch. G

Ch. Jackman und A. Pett segeln auf der Suche nach einer Nordost-Passage durch die Jugorstraße bis in die Karasee. B. Palissy

G

B. Palissy, der bereits 1563 in seinem Recepte véritable eine Reihe von geowissenschaftlichen Problemen behandelt hat und seit 1575 Vorlesungen über Naturgeschichte in Paris hält, veröffentlicht seinen Discours admirables, in der er metallurgische, mineralogische, paläontologische, geologische und hydrologische Fragen diskutiert. B. Palissy

G

B. Palissy erklärt die Fossilien (Muscheln, Fische, PÁanzen) für Überreste von Organismen und wendet sich gegen die Annahme, sie seien Reste der SintÁut. Inlandfossilien führt er allerdings vor allem auf ausgetrocknete Seen, nicht auf MeeresüberÁutungen zurück. Er deutet auch an, daß es sich bei den Fossilien zum Teil um ausgestorbene Arten handeln könnte. B. Palissy

G

B. Palissy vertritt die Ansicht, daß Regenwasser bzw. geschmolzener Schnee, entstanden durch Verdunstung aus dem Meerwasser, nicht nur eine unter anderen, sondern die einzigen Quellen sind, welche die irdischen Wasserläufe speisen. Er diskutiert weiter die Entstehung artesischer Brunnen. B. Palissy

G

Nach B. Palissy kristallisieren alle Mineralien mit geometrischen Formen aus Wasser aus. Er erreicht eine nahezu richtige KlassiÀkation der Salze.

161

1580 – 1583 A • P T. Brahe führt in Uraniborg vom 1. Oktober bis zum 22. April 1597 ein meteorologisches Tagebuch, in dem er systematisch Angaben zur Witterung vermerkt. Ähnliche Aufzeichnungen werden von J. Kepler gemacht.

G

T. Brahe

B. Palissy postuliert eine zeitlich aufeinanderfolgende Ablagerung der Gesteinschichten, wobei er allerdings nicht an Erosion und Sedimentation denkt, sondern an einen komplizierten Prozeß einer schichtweisen Versteinerung lockerer Schichten in der Erde mittels eindringenden, dort in eine Art „Salz“ umgewandelten, Regenwassers.

T. Brahe

B. Palissy

1581 R. Norman

P

In seiner Schrift The new attractive gibt R. Norman die Entdeckung der Inklination bekannt. Mit dem Inklinationskompaß (vgl. 1576) bestimmt er diese für London zu 71◦ 50 . Den Attraktionspol magnetischer Anziehung verlegt Norman weg vom Himmel bzw. den Eisbergen des Nordens in die Erde. Er vermerkt, daß ein frei schwimmender Magnet sich selbst in Nord-Süd-Richtung orientiert. G

Beginn der Jesuitenmissionen in China, die durch zahlreiche landeskundliche Berichte die Kenntnis über das Reich mehren. W. Borough

G

W. Borough, der 1553 und 1556 die ersten Fahrten der Engländer nach Nordrussland mitgemacht und Karten des Eismeeres gezeichnet hat, gibt als Beilage zu Normans Buch eine Abhandlung über die magnetische Abweichung heraus. T. Ermak

G

T. Ermak zieht mit einer Kosakenschar von Perm an den Irtysch, schlägt 1582 den Khan von Sibirien Kutschum und vernichtet dessen Hauptstadt Sibir. Damit wird der Weg für die russische Eroberung und Erschließung Sibiriens frei. Bereits 1586 bzw. 1587 werden mit Tjumen und Tobolsk die ersten russischen Städte in Sibirien gegründet, 1594 folgt Tara.

Gregor XIII.

A

Papst Gregor XIII. setzt die allseits verlangte Kalenderreform in den katholischen Ländern durch. Das Jahr wird mit 365 d 5 h 49 min 12 s festgelegt. Der aller vier Jahre eingefügte Schalttag entfällt, wenn die Jahreszahl durch 100, aber nicht durch 400 teilbar ist. Die Reform wird von F. Viète, M. Mästlin u. a. abgelehnt. A. de Berrio y Oruna

G

Um das Goldland Dorado in Besitz zu nehmen, befährt A. de Berrio y Oruna mit 700 Reitern und Troß den Rio Meta und Rio Casanare zum Orinoco. Nach hohen Verlusten und nach dem Scheitern des Vordringens ins Landesinnere erreicht er die Mündung des Flusses. R. Hakluyt

G

Der Theologe R. Hakluyt sammelt die Berichte englischer Reisender sowie Nachrichten über französische und portugiesische Entdeckungsfahrten und ediert sie in dem Buch Divers voyages touching the discovery of America.1589 folgt ein weiterer Sammelband. Nach ihm wird 1846 die Hakluyt-Society benannt, die aktuelle und alte Berichte von Forschungsreisenden veröffentlicht.

1582

um 1583

W

Die Accademia della Crusca wird in Florenz gegründet. Sie stellt sich das Studium und die PÁege der italienischen Sprache als Hauptaufgabe, was in der ständig erneuerten und erweiterten Edition eines italienischen Wörterbuches seinen Ausdruck fand.

A

T. Brahe beginnt, genaue Sternbeobachtungen durchzuführen und die Sternpositionen zu berechnen. 1602 publiziert, bilden sie den genauesten Fixsternkatalog von ca. 1 000 Sternen der vorteleskopischen Ära. Er führt dabei vermutlich erstmals in Europa das Äquatorialsystem ein.

G. Galilei

P

G. Galilei soll bei der Beobachtung einer schwingenden Lampe im Dom von Pisa bemerkt haben, daß die Periode der Schwingung ein und desselben Pendels konstant ist. Diese Isochronie gilt streng nur für konstante Auslenkung.

1583 – 1585

162

1583 J. J. Scaliger

W

J. J. Scaliger publiziert ein bedeutendes Lehrbuch der Chronologie, De emendatione temporum, und 1606 folgt noch der Thesaurus temporum. Mit diesen Werken begründet er die wissenschaftliche Chronologie und führt die nach seinem Vater benannte Julianische Periode sowie das in der Astronomie benutzte Julianische Datum ein. T. Fink

M

In dem in Basel gedruckten einÁußreichen Lehrbuch Geometria rotundi behandelt T. Fink die ebene und sphärische Trigonometrie, führt erstmals die Namen Tangente und Sekante ein und wiederholt die Tafeln des G. J. Rheticus, ohne die Komplementbeziehung der trigonometrischen Funktionen zu nutzen. T. Brahe

A

In Stjerneborg arbeitet T. Brahe vermutlich erstmals sein Planetenmodell aus. Sonne und Mond umkreisen die im Mittelpunkt feststehende Erde während sich die Planeten um die Sonne bewegen. Eine genaue Beschreibung des Systems, die er 1588 fertigstellt, wird erst 1603 publiziert. S. Stevin

P

In Anlehnung an Archimedes leitet S. Stevin das hydrostatische Paradoxon ab, wonach Flüssigkeiten einen ihr eigenes Gewicht übersteigenden Druck auf den Gefäßboden ausüben können und bestimmt den Druck auf vertikale und geneigte Seitenwände. A. Cesalpino

M. Varro

P

In seiner Schrift Tractatus de motu stellt M. Varro die Zusammensetzung von Kräften richtig dar. W. Raleigh

C

W. Raleigh bringt das Pfeilgift Curare aus Südamerika nach Europa. G. Bruno

G

G. Bruno vertritt die Ansicht, daß es einen regelmäßigen, wiederholten Wechsel in der Verteilung von Land und Meer gegeben hat, und daß es keine universelle SintÁut gab, sondern nur lokale Fluten. G. Bruno

G

Vulkane und Thermen werden von G. Bruno mit Vorgängen im Erdinneren in Zusammenhang gebracht, wobei die Nähe vieler Vulkane zum Meer eine Einwirkung des Wassers auf das Erdinnere beweise.

um 1585 J. Davis

A

Der englische Polarforscher J. Davis entwickelt zur Winkelmessung den „Englischen“ oder Davisquadranten, wegen der Beoachtungsmethode auch backstaff genannt. Der Quadrant ist eine Verbesserung des Jakobsstabes und setzt sich in der Seefahrt rasch durch, ohne letzteren ganz zu verdrängen.

B

A. Cesalpino erarbeitet ein auf der Fruchtbildung basierendes KlassiÀkationssystem für PÁanzen. Er verneint die sexuelle FortpÁanzung der PÁanzen. R. Dodonaeus

B

Das Herbarium von R. Dodonaeus schildert die holländische Flora.

1584 G. Bruno

Sonne als relativen Mittelpunkt bewegen sich, einem „inneren Prinzip“ folgend, frei im Raum.

A

Ausgehend von einem mystisch-animistischen Glauben verteidigt G. Bruno das heliozentrische Planetenmodell. Er spricht vom in Zeit und Raum unendlichen Universum mit unzähligen Sonnensystemen. Es gibt folglich keinen Mittelpunkt der Welt, die Planeten eines Sonnensystems mit der

1585 M • A J. Bürgi konstruiert verschiedene mathematischastronomische Geräte, u. a. einen der ersten Proportionalzirkel und ein Triangularinstrument. J. Bürgi

S. Stevin

M

In Leiden erscheint De Thiende von S. Stevin, das erste systematische Lehrbuch zur Dezimalbruchrechnung. Stevin vereinigt die vorhandenen Keime zu einem durchgebildeten System und hebt das Wesen der Dezimalbrüche hervor, bleibt aber in der Notation gegen früheren Ideen zurück. S. Stevin

M

S. Stevin schlägt vor, alle Maße dezimal einzuteilen.

163

1585 – 1586

S. Stevin

M

Die vermutlich ersten im Druck erschienen Tabellen zur Zinseszinsrechnung gibt S. Stevin in seiner Pratique d’arithmétique und erläutert die verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten. S. Stevin

M

Alle Zahlen haben nach der Meinung von S. Stevin die gleiche Natur. Er führt eine neue Notation für Polynome ein und vereinheitlicht die Lösung von Gleichungen niedrigen Grades. C. Rothmann

A

Die Erscheinung des Zodiakallichts soll C. Rothmann erstmals in Europa beobachtet haben. G. Benedetti

P

In seinem Buch über verschiedene mathematische und mechanische Betrachtungen kritisiert G. Benedetti die Bewegungstheorie des Aristoteles und vermerkt Abweichungen. Für den freien Fall beweist er durch Gedankenexperiment, daß die Fallgeschwindigkeiten von Körpern gleicher Dichte unabhängig von ihrem Gewicht sind und Luftwiderstand bzw. Auftrieb berücksichtigt werden müssen. G. Benedetti

P

G. Benedetti formuliert Vorstellungen zum Trägheitsgesetz. Er stellt fest, daß sich ein im Kreis geschwungener Körper beim Aufhören der Zentralbewegung, etwa nach dem Loslassen des Körpers, tangential fortbewegt. J. Davis

G

Die Suche nach einer Nordwest-Passage nach China wird von J. Davis fortgesetzt. Er landet am 29. Juli beim heutigen Godthab in Westgrönland, quert längs der Packeisgrenze die sog. Davisstraße und entdeckt die Cumberland-Halbinsel und den Cumberland Sound.

1586 G. Galilei

P

In der unveröffentlichen Schrift La bilancetta über Hydrostatik analysiert G. Galilei in Anlehnung an Archimedes die Prüfung der Reinheit einer Substanz, bestimmt die Anteile von Gold und Silber durch den Vergleich der speziÀschen Gewichte und regt an, dafür eine hydrostatische Waage zu bauen, mit der der Auftrieb gemessen werden kann.

G. Galilei

P

G. Galilei beschreibt ein Experiment mit einer Wachskugel, die in einer Salzlösung zunächst untergeht, nach Erhöhung der Salzkonzentration aber schwimmt, und weist damit nach, daß die Schwimmfähigkeit eines Körpers von dessen relativer Dichte in Bezug auf die umgebende Flüssigkeit abhängt. S. Stevin

P

Mit der Gleichgewichtstheorie des Flamen S. Stevin wird das Studium der modernen Statik eingeleitet. Insbesondere untersucht er in dem Buch Über die Wägekunst die Kraftzerlegung mit Hilfe des Kräfteparallelogramms. Durch Betrachtung einer Kugelkette auf der schiefen Ebene leitet er die Gleichgewichtsbedingungen für einen Körper auf derselben ab. S. Stevin

P

In Anlehnung an G. Marchese del Monte benutzt S. Stevin bei der Untersuchung des Gleichgewichtszustands an Rollensystemen das Prinzip der virtuellen Verrückungen. S. Stevin

P

S. Stevin berichtet über ein Experiment, bei dem er zwei unterschiedlich schwere Kugeln aus Blei gleichzeitig aus gleicher Höhe herabfallen läßt und keinen Zeitunterschied des Aufpralls wahrnehmen kann. Damit widerlegt er die aristotelisch-scholastische Anschauung, daß die Fallgeschwindigkeit proportional zum Gewicht sei. S. Stevin

P

S. Stevin formuliert die Erkenntnis, daß sich in kommunizierenden Röhren das Wasser im Gleichgewicht beÀndet. W. Camden

G

In seiner Beschreibung von Britannien gibt W. Camden u. a. eine ausführliche Darstellung der Kohlelager in Wales, wobei er speziell auch die darin enthaltenen fossilen PÁanzen beschreibt. Er betont, daß diese PÁanzen ebenso nach Arten zu unterscheiden sind, wie diejenigen, die an der OberÁäche der Erde wachsen. T. Cavendish

G

T. Cavendish unternimmt von Plymouth aus eine Kaperfahrt an die westamerikanische Küste und vollführt mit der Route: Magellanstraße–Chile– Peru–Ladronen–Philippinen–Molukken–Kap der Guten Hoffnung–Plymouth bis 1588 eine Erdumseglung.

1587 – 1590

164

1587 T. Brahe

G. Galilei A

T. Brahe stellt im Observatorium Uraniborg seinen Mauerquadranten auf, der mittels Transversaleneinrichtung Sechstelminuten abzulesen gestattet und große Ähnlichkeit mit dem Quadranten von Nas.¯×r ad-D¯×n at.-T.u¯ s¯× hat. T. Brahe

A

Auf der Basis der ab 1587 durchgeführten, jahrelangen Beobachtungen stellt T. Brahe vier Ungleichheiten der Mondbewegung fest, die 1601 publiziert werden. L. Sanuto

P

L. Sanuto erkennt das Vorhandensein von zwei Magnetpolen der Erde. G. P. Maffei J. Davis

G

G. B. Della Porta gibt die auf zwanzig Bände erweiterte Fassung seiner Magia naturalis heraus. Das Werk enthält praktischen, experimentellen und theoretischen Stoff über Naturgeheimnisse.

1588 B

G. B. Della Porta stellt seine „Signaturenlehre“ auf, die einen direkten Zusammenhang zwischen äußerer Gestalt und physiologischen Eigenschaften pÁanzlicher und tierischer Organe herstellt. Er baut auf dieser Vorstellung ein PÁanzensystem auf.

1589 M

D. Specklin gibt in seiner Architectura vermutlich eine der ersten Beschreibungen des Proportionalzirkels. G. Galilei

P

Bei der Untersuchung der Wurfbewegung trennt G. Galilei zunächst horizontale und vertikale Bewegungskomponenten und kann dadurch feststellen, daß die WurÁinie unter Vernachlässigung der Luftreibung, die er nicht berücksichtigen kann, parabolisch verläuft. G. B. Della Porta

Nach einer erfolgreichen zweiten Expedition 1586 unternimmt J. Davis eine dritte Reise zur Suche der Nordwest-Passage. Längs der Westküste Grönlands stößt er bis über 72◦ nördlicher Breite in die BafÀnbucht vor und fertigte genaue Karten und Beschreibungen an. Er erkennt, daß der Nordteil Amerikas von Inseln gebildet wird.

G. B. Della Porta

G. Galilei

B

G. P. Maffei beschreibt die TeepÁanze.

D. Specklin

P

G. Galilei beginnt mit Experimenten zur Bewegung von Körpern beim freien Fall, an der schiefen Ebene, beim Wurf und am Pendel. Die Ergebnisse, die zur Auseinandersetzung mit aristotelisch-scholastischen Vorstellungen führen, sind in der posthum veröffentlichten Abhandlung De motu gravium zusammengefaßt.

P

Zur Entwicklung seiner Theorie der fallenden Körper geht G. Galilei von dem Prinzip des Auftriebs nach Archimedes aus und beginnt gedanklich, den vertikalen Fall mit dem Abrollen auf der schiefen Ebene und der Bewegung in Kreisbögen zu verbinden. Damit verlängert er die beim freien Fall auftretenden kurzen Zeiträume und gestaltet sie meßbar.

P

G. B. Della Porta

P

In den Bänden der Magia naturalis über Optik beschreibt G. B. Della Porta Konstruktionseinzelheiten und den Gebrauch optischer Linsen zur Korrektur der Fehlsichtigkeit und diskutiert ausführlich die Lichtbrechung. Er erwähnt die Möglichkeit, ein Teleskop zu bauen. G. B. Della Porta

P

Die Anziehung eines Magneten auf Eisenfeilspäne wird durch G. B. Della Porta geschildert. Er vermerkt, daß die Späne selbst magnetisch wirken, solange der Kontakt mit dem Magneten besteht. G. B. Della Porta

P

G. B. Della Porta beschreibt als erster ein Wassertrommelgebläse. G. B. Della Porta

C

G. B. Della Porta stellt Kältemischungen aus Eis und Salpeter (Kaliumnitrat) her.

um 1590 J. Bürgi

M

Unabhängig von S. Stevin Àndet J. Bürgi bei seinen astronomischen Rechnungen die Prinzipien der Dezimalbruchrechnung.

165

1590 – 1592

J. Bürgi

1591

M

Die Grundprinzipien der Logarithmen werden von J. Bürgi erkannt. Er berechnet eine Logarithmentafel und erklärt ihre Verwendung. J. Napier

F. Viète

M

Eine geometrische Deutung der arithmetischen Grundoperationen wird von F. Viète gegeben.

M

Der schottische Edelmann J. Napier erÀndet die Logarithmen und berechnet sie von Sinuswerten. Seine Logarithmen haben etwa die Basis 1/e. Z. Janssen

P

In der Niederlanden kommt der Gebrauch des aus Objektiv mit Sammellinse und Okular mit Zerstreuungslinse zusammengesetzten Mikroskops auf. Eines der ersten Geräte wird von dem Brillenmacher Z. Janssen in Middelburg angefertigt.

1590 B • G Auf der Basis eines 16jährigen Aufenthaltes in Peru und Mexiko verfaßt J. d’Acosta mit der Historia natural y moral de las Indias eine als vollständig angesehene Beschreibung der Tierund PÁanzenwelt Amerikas. J. d’Acosta

P. Albinus

G

P. Albinus gibt in seiner Meißnischen Bergk Chronica eine Fülle speziell für Sachsen bedeutsamer mineralogischer Angaben, geht dabei aber letztlich nicht wesentlich über G. Agricola hinaus. T. de Bry

G

Der Bilderatlas Große Reisen von T. de Bry erscheint bis 1634. de Bry wird damit zum Illustrator der großen Entdeckungen. S. Stevin

G

S. Stevin legt den Keim zur tellurischen Morphologie. Er behandelt den Bau der Ebenen und Berge, den Lauf der Flüsse und die Beziehungen zwischen festem und Áüssigem Element. Weiter betont er, daß die Elemente der ErdoberÁäche sich und ihre Lage ständig verändern.

um 1591

F. Viète

M

F. Viète begründet die Buchstabenrechnung, indem er Buchstaben systematisch für die Unbekannte und deren Potenzen sowie als allgemeine KoefÀzienten einführt. Er lehrt das Operieren mit Termen und wendet das Verfahren auf Gleichungen und in der Geometrie an. R. Fitch

G

Der Kaufmann R. Fitch kehrt nach achtjähriger abenteuerlicher Reise durch Vorder- und Hinterindien zurück. Sein Reisebericht ist kurz und vielfach unzureichend.

um 1592 G. Galilei

P

G. Galilei konstruiert ein Barothermoskop aus einem Glasgefäß, daß oben röhrenförmig verengt, in eine Glaskugel mündet und unten bis zur Röhrenmitte Wasser enthält. Veränderung des Luftdrucks bzw. Abkühlung/Erwärmung der Kugel beeinÁussen den Wasserstand in der Röhre.

1592 P. Alpini

B

Das von P. Alpini im Ergebnis seiner botanischen Studienreise nach Ägypten verfaßte Werk De plantis Aegypti beschreibt 57 exotische PÁanzen sowie den Befruchtungsprozeß bei einzelnen PÁanzen. G. Hoefnagel

B

G. Hoefnagel bildet auf 50 Kupfertafeln von ihm selbst mikroskopisch beobachtete Insekten ab. $ =DOXçDQVNì YRQ =DOXçDQ

B

F. Viète operiert in geometrischer Form mit komplexen Zahlen und kennt für kleine n die Formel von de Moivre.

$ =DOXçDQVNì YRQ =DOXçDQ IRUGHUW LQ GHU 6FKULIW Methodi herbariae eine grundsätzliche Trennung von Botanik und Medizin. Er weist auf den Geschlechtsunterschied und die Befruchtung der PÁanzen hin.

T. Brahe

J. Davis

F. Viète

M

A

T. Brahe berechnet die erste Refraktionstafel und benutzt sie, um astronomische Beobachtungen zu korrigieren.

G

Die Falkland-Inseln werden von J. Davis bei der Suche nach einer Fahrtroute um Südamerika nach Ostindien entdeckt.

1592 – 1595

166

B. Klein

G

Den Gedanken einer Entstehung der Kohlen aus Holz und PÁanzenteilen, der auch im Mittelalter etwa bei Albertus Magnus zu Ànden ist, wird zuerst von B. Klein für die Neuzeit wieder zur Geltung gebracht. Ausführlich diskutiert ihn dann 1658 M. Schoockius, der sich aber letztlich doch Agricolas These einer anorganischen Entstehung anschließt.

M

F. Viète berechnet ʌ als unendliches Produkt. F. Viète

M

F. Viète gibt eine trigonometrische Lösung der allgemeinen kubischen Gleichung. F. Viète

R. Dudley

G

Der 20jährige R. Dudley nimmt Trinidad für England in Besitz und leitet erste Schritte zur Erkundung Guayanas ein.

um 1595 G. Galilei

1593 F. Viète

anderen Kurs wählt, segelt erstmals durch die Jugorstraße und dringt in die Karasee vor.

P

G. Galilei formuliert eine Gezeitenhypothese, nach der die Doppelbewegung der Erde, Rotation und Bahnbewegung, für die periodische Änderungen des Wasserspiegels verantwortlich sein soll.

1595

M

W

F. Viète löst eine Gleichung 45. Grades, Àndet aber, da er negative Zahlen ablehnt, nicht alle 45 Lösungen.

Gründung der Universität von San Carlos in Cebu City (Philippinen) als Kirchenschule der Jesuiten. Sie erlangt erst 1948 den vollständigen Universitätsstatus.

G. Galilei

P

G. Galilei arbeitet heraus, daß bei allen mechanischen Vorgängen in demselben Maße Weg und Zeit abnehmen, wie die Kraft zunimmt. Dieser als „Goldene Regel der Mechanik“ bekannte Sachverhalt wird erst 1634 publiziert. G. Botero

G

Der in kirchlichen Ämtern tätige Kosmograph und Wirtschaftstheoretiker G. Botero veröffentlicht die erste große Wirtschaftskunde der Erde in drei Teilen: Relationi universali. In weiteren Arbeiten warnt er vor dem Wachstum der Städte sowie vor einer zu großen Zunahme der Bevölkerung und diskutiert den EinÁuß des Klimas auf die Völker. M. Mercati

G

M. Mercati gibt in seinem unvollendeten, posthum 1717 erschienenen Werk Metallotheca eine umfassende Darstellung der mineralogischen Kollektion des Vatikans. Die zu seiner Zeit vielfach als Produkte von Blitzen geltenden Steinwerkzeuge hat er dabei richtig als archäologoische Zeugnisse gedeutet.

1594 W. Barents

G

Auf der Suche nach der Nordost-Passage nach Indien erreicht W. Barents die Westküste der Doppelinsel Nowaja Semlja und kartiert sie. Sein Begleiter, C. Nay, der ab der Kola-Mündung einen

B. Pitiscus

M

Der Hofprediger B. Pitiscus ediert in Heidelberg die Trigonometria . . . , ein Überblick über die ebene und sphärische Trigonometrie und das erste Buch, in dem das Wort Trigonometrie vorkommt. A. Libavius

C

A. Libavius verfaßt ein Lehrbuch der Chemie Alchemia, in dem er neben der chemischen Verfahrenskunde und der Darstellung chemischer Verbindungen die medizinische Bedeutung der Chemie im Sinne von Paracelsus (vgl. 1530) abhandelt. C. de Houtman

G

Die erste holländische Handelsexpedition segelt unter C. de Houtman durch den Indischen Ozean nach Ostindien. Nach der Vernichtung der spanischen Armada 1588 im Kanal gehen mehr und mehr die maritimen Aktivitäten an Briten und Holländer über. G. Mercator

G

G. Mercator erklärt in dem von seinem Sohn publizierten Atlas die Entstehung der Meere und der Gebirge wesentlich durch die Wirkung des Windes. Dieser hat einerseits die Meeresbecken, in denen sich das Wasser sammelte, durch Ausblasung geschaffen und zugleich die dort ausgeblasene Erde zu Bergen angehäuft.

167

1595 – 1597

W. Raleigh

G

Im Zuge der Auseinandersetzungen zwischen England und Spanien dringt W. Raleigh auf der Suche nach dem Goldland Dorado in das Gebiet des oberen Orinoco vor. Sein Reisebericht, erscheint 1596 und stimuliert den Zustrom von Engländern nach Südamerika.

1596 L. van Ceulen

M

V. Otho publiziert als Opus Palatinum de triangulis die zehnstelligen Tafeln trigonometrischer Funktionen von G. J. Rheticus. Die Tafeln haben eine Schrittweite von 10 und sind die genauesten und umfangreichsten Tafeln dieser Art in der Renaissance-Zeit. D. Fabricius

A

D. Fabricius entdeckt am 13. August am Fixstern o Ceti eine auffallende Lichtveränderung und nennt diesen ersten veränderlichen Stern, der im Oktober wieder verschwindet, später aber mehrfach mit wechselnder Helligkeit beobachtet wird, „Mira Ceti“. Mira Ceti gab einer ganzen Gruppe von langperiodisch veränderlichen Riesensternen – Mirasternen – den Namen. J. Kepler

G

Auf seiner dritten Reise zur Suche der NordostPassage entdeckt W. Barents die Bäreninsel und Spitzbergen und erreicht das Nordkap von Nowaja Semlja. Vom Eis eingeschlossen, muß er eine der ersten arktischen Überwinterungen durchführen. Auf der im Juni 1597 angetretenen Rückfahrt mit Booten stirbt Barents. A. Cesalpino

M

Der Archimedischen Idee, den Kreisumfang durch um- bzw. einbeschriebene Polygone anzunähern, folgend, berechnet L. van Ceulen in Leiden die nach ihm benannt Kreisumfangszahl ʌ auf 20 Dezimalstellen. Durch Erhöhung der Eckenzahl des Polygons auf 262 verbessert er die Genauigkeit auf 35 Stellen. V. Otho

W. Barents

A

In der Schrift über die Geheimnisse des Weltaufbaus Mysterium cosmographicum versucht J. Kepler in die Planetensphären des Copernicanischen Modells die fünf regulären Polyeder einzubeschreiben. Er gibt erste, noch ungenaue Regeln für die Verhältnisse der Entfernungen und Umlaufzeiten an sowie eine klare Argumentation für die Copernicanische Theorie. J. Kepler A • P J. Kepler bemüht sich um eine physikalische Begründung der Planetenbewegung und sieht in der Sonne und ihrer Zentralstellung die Kraft, um die Planeten in Bewegung zu halten. Die Planeten sind also Gesetzen der Mechanik unterworfen, es gibt keine spezielle Himmelsphysik.

G

A. Cesalpino bespricht in seiner Schrift De metallicis, daß Alaun, Salpeter, Vitriol, Zucker usw. aus ihren Auflösungen immer in denselben Formen auskristallisieren und dürfte damit wohl der erste Beobachter der Tatsache sein, daß Salze eine verschiedene Kristallgestalt haben, hält diese aber nicht für ein konstantes Kennzeichen der Körper. A. Cesalpino

G

A. Cesalpino sieht die Fossilien als Reste ehemaliger Lebewesen an, die vom sich zurückziehenden Meer zurückgelassen wurden und dann unter dem EinÁuß der umgebenden Gesteine versteinert wurden. J. H. van Linschoten

G

J. H. van Linschoten vollendet ein bedeutendes geographisches Werk seiner Zeit, die dreibändige Itinerario . . . Er präsentiert darin umfangreiches Material über Süd- und Ostasien, das er während seines Aufenthaltes in Goa 1563–1589 in portugiesischen Diensten gesammelt hatte. Das Werk enthält mehrere Schiffsrouten nach Indien und Ostasien, Linschotens Bericht der Indienreise und eine Beschreibung der Ost- bzw. Westküste Afrikas sowie von Teilen Amerikas. Erstmals werden diese Gebiete im nichtiberischen Europa bekannt.

um 1597 G. Galilei

M

G. Galilei konstruiert einen wesentlich verbesserten Proportionalzirkel, der sich als sehr nützlich erwies, da er die mechanische Lösung von Aufgaben aus Geometrie und Arithmetik erlaubte.

1597 W. Barlowe

P

In seinem Buch The navigator’s supply weist W. Barlowe erstmals auf die Beeinträchtigung der Kompaßgenauigkeit durch Eisenteile im Schiffskörper, d. h. die Deviation, hin.

1597 – 1600

168

C • G A. Libavius gibt eine längere chemische Diskussion der Mineralwässer, welche eine wesentliche Grundlage für die Arbeit von E. Jorden über natürliche Heilbäder (vgl. 1631) darstellt. A. Libavius

J. Gerard

B

J. Gerard gibt in seinem Herbal einen Überblick über die PÁanzen Westeuropas. J. Rauw

G

Eine den neuen, von S. Münster geprägten Typ der Kosmographie als Sammlung von geographischem, historischem und altertumskundlichem Wissen repräsentierende Cosmographia, . . . wird von J. Rauw herausgegeben. Das Werk enthält mehrere Karten, u. a. von Amerika. G. de Veer

G

G. de Veer berichtet über die Unternehmungen von W. Barents. Er fertigt eine erste Karte von der Nord- und Westküste Nowaja Semljas an und beschreibt die Karasee. Das Überwinterungslager an der Nordspitze Nowaja Semljas und die Aufzeichnungen von Barents werden erst 1871 von E. Carlsen aufgefunden.

A

T. Brahe publiziert eine genaue Beschreibung seiner Sternwarten auf der Insel Hven und der benutzten Instrumente, darunter der 1587 konstruierte Quadrans azimutalis. W. Shakespeare

A

In einigen seiner Werke deutet W. Shakespeare den EinÁuß des Mondes auf Ebbe und Flut als allgemein bekannte Tatsache an. O. van Noort

G

Ohne wesentliche neue Entdeckungen zu machen, führt O. van Noort bis 1601 die erste niederländische, d. h. die vierte Erdumseglung überhaupt aus. Die Route ähnelt der von F. de Magalhães.

1599 M • G Eine gegenüber G. Mercator stark verbesserte Karte wird von E. Wright mit einem theoretischen Anhang, der eine mathematische Durcharbeitung der Mercatorprojektion enthält, herausgegeben. E. Wright

B

U. Aldrovandi veröffentlicht ab 1599 unter dem Titel Ornithologia die ersten drei Bände seiner enzyklopädischen Naturgeschichte der Tiere, für deren Erarbeitung er u. a. das zoologische Werk Gesners (vgl. 1551) nutzt. Unkritisch übernimmt er in das Gesamtwerk auch Darstellungen von Fabelwesen. Zu seinen Lebzeiten erscheinen noch zwei Bände, weitere sieben posthum. F. Imperato

G

Der neapolitanische Mineraliensammler F. Imperato betont hinsichtlich der KlassiÀzierung der Mineralien und Gesteine deren Verhalten im Feuer. So unterscheidet er u. a. Edel- und Halbedelsteine, im Feuer zu Gips brennende, in Kalk übergehende, verglasbare, sandartige und metallische Substanzen, z. B. Hämatit, Malachit, Galmei, Hüttenprodukte.

um 1600 S. Stevin

A

S. Stevin stellt eine empirische Theorie der Gezeiten auf. Sie ermöglicht es ihm, für gegebene Orte die Eintrittzeit von Ebbe und Flut unter Beachtung des Mondlaufs vorauszubestimmen. F. Bacon

1598 T. Brahe

U. Aldrovandi

P

Der Engländer F. Bacon macht einen Vorschlag, wie man mit Hilfe einer Kanone die Schallgeschwindigkeit messen kann. Die Idee wird 1640 von M. Mersenne aufgegriffen. G. Galilei

P

Die Konstruktion und Anwendung von Thermometern wird von G. Galilei angeregt. J. Thölde

P

J. Thölde konstruiert ein Skalenaräometer zur Dichtebestimmung von Salzlauge durch „Spindeln“.

1600 G. Bruno

W

Wegen seiner Lehre und dem Festhalten an der Copernicanischen Theorie wird der Philosoph G. Bruno am 17. Februar in Rom als Ketzer verbrannt. G. Marchese del Monte

M

Eine der besten Renaissance-Studien zur Perspektive wird von G. Marchese del Monte verfaßt. Er ist außerdem an der Entwicklung mathematischer Geräte, wie Proportional- und Ellipsenzirkel beteiligt.

169 F. Viète

1600 M

Das vierte Problem des Apollonios, einen Kreis zu konstruieren, der drei gegebene berührt, wird von F. Viète gelöst. W. Gilbert A • P In De magnete erklärt W. Gilbert auch die Planetenbewegung auf der Basis von Magnetkräften. Dabei übernimmt er das Tychonische Planetenmodell und von N. Copernicus Stationarität der Sterne und Erdrotation. Zwischen den Planeten soll ein vakuumähnlicher Zustand herrschen. W. Gilbert

P

Mit seinem Werk De magnete bezieht sich W. Gilbert auf R. Norman und P. de Maricourt. Gilbert beschreibt Experimente zu Magnetismus und Reibungselektrizität. Er unterscheidet erstmals zwischen magnetischer und elektrischer Anziehung und klassiÀziert die Körper nach Elektrisierbarkeit. W. Gilbert

P

W. Gilbert erforscht Eigenschaften von Naturmagneten experimentell und begründet den Magnetismus wissenschaftlich. Er stellt fest, daß Magnetwirkungen an Magnetkörper gebunden sind und beschreibt Verfahren der Magnetisierung von Eisen. P • G Mit seiner Hypothese, daß die Erde als großer Kugelmagnet zu betrachten sei, deren Magnetkern sich unter Sedimentschichten befände, begründet W. Gilbert die Lehre vom Geomagnetismus. Allerdings schließt er fälschlich auf eine magnetisch verursachte Gravitation. W. Gilbert

W. Gilbert

P

An seiner Terrella, einem magnetischen Erdmodell, gelingt es W. Gilbert, Deklination und Inklination als Wirkung des Erdmagnetismus zu demonstrieren. Er verweist darauf, daß sich der Magnetismus eines Stabmagneten und die Wirkungen des Erdmagnetismus ähneln. Die Abweichungen der Kompaßnadel vom geographischen Nordpol erklärt er fälschlicherweise durch die Landverteilung auf der Erde.

W. Gilbert

P

Die durch Reibungselektrizität entstehende Anziehung betrachtet W. Gilbert als neue eigenständige Naturkraft und nennt sie, in Anlehnung an die griechische Bezeichnung für Bernstein, „Elektron“, elektrische Kraft. Neben dem Bernstein führt er zahlreiche Körper an, die durch Reiben elektrisch werden. W. Gilbert

P

W. Gilbert benutzt beim sog. „Elektrometer“ die Anziehung eines beweglichen Metallstäbchens zum Nachweis der Elektrisierung. P • A J. Kepler beobachtet am 17. Juli auf Anregung von T. Brahe eine SonnenÀnsternis mit einer selbstgebauten Camera obscura. Bei der Auswertung führt er das für die geometrische Optik grundlegende Konzept scharf deÀnierter Lichtstrahlen ein. J. Kepler

H. Fabricius ab Aquapendente

B

H. Fabricius ab Aquapendente führt bis 1620 vergleichende embryologische Untersuchungen an Säugetieren, Vögeln, Reptilien und KnorpelÀschen durch und liefert erste Abbildungen u. a. von Embryonen, dem schwangeren Uterus und der Plazenta. O. de Serres

B

O. de Serres präsentiert in seiner Schrift Theatre d’agriculture einen umfassenden Überblick über verschiedene Aspekte der Landwirtschaft und erwähnt u. a. aus Honig gewonnenen Traubenzucker sowie den Anbau von Mais und Kartoffeln. G

Gründung der englischen Ostindischen Kompanie zur Sicherung des Handelsmonopols mit Indien, der 1606 die der Virginia-Handelskompanie folgt. Als Konsequenz der englischen Agrarpolitik beginnt eine zunehmende Auswanderung von Bauern in die neuen Kolonien.

1601–1770 Wissenschaftliche Revolution und Rationalismus Der Zeitraum der Wissenschaftlichen Revolution und des Rationalismus markiert in etwa jene Periode, die in den Geschichtswissenschaften als jüngere Neuzeit bzw. als Barock und Aufklärung bezeichnet wird. Die in der Renaissance in Gang gesetzten Entwicklungen kamen nun zur vollen Entfaltung. Die Manufakturproduktion erreichte im 17./18. Jahrhundert ihren Höhepunkt. Sie befriedigte nicht nur den Massenbedarf an zahlreichen Gütern, sondern schuf auch eine gänzlich neue soziale Struktur. Das Handwerk wurde zurückgedrängt und deckte vor allem einen speziÀsch lokalen oder einen hochspezialisierten Einzelbedarf ab. Während die kapitalkräftigen Manufakturbesitzer ihre Führungsposition sicherten und ausbauten, verarmte das Kleinbürgertum und unterhalb dieser Schicht entstand die Schicht der Lohnarbeiter, jene Schar von Mittellosen, die völlig von einem Unternehmer abhängig waren und die nun aus den Reihen der Handwerksgesellen und Kleinbauern ständig neuen Zuwachs erfuhr. Durch die immer weiter voranschreitende Arbeitsteilung bestimmte der Warenaustausch zunehmend die zwischenmenschlichen Beziehungen. Der Mensch produzierte nicht mehr für den Eigenbedarf bzw. den einfachen Tauschhandel, sondern für einen anonymen Markt, auf dem Austausch und Geld die entscheidenden Faktoren waren. Zugleich weitete sich der Handel nach den großen geographischen Entdeckungen rasch zum Überseehandel aus. Zusammen mit der wachsenden Bedeutung der Erzeugung verschiedener Grundstoffe, speziell der Produktion von Eisen und Stahl, also den Anfängen der späteren Grundstoff- und Schwerindustrie, bewirkte dies eine Umstrukturierung der Wirtschaftstopographie. England, die Niederlande und später auch Frankreich wurden die führenden Handelsmächte, die einst blühenden Städte Oberitaliens sanken zur Bedeutungslosigkeit herab.

Dieser wirtschaftliche Wandel war von wichtigen Änderungen im Staatswesen begleitet. Mit dem Westfälischen Frieden wurde nach 30 Jahren opferreicher Kämpfe eine bis dahin vorherrschende universale Ordnungsvorstellung aufgegeben. Das Papsttum verlor seinen Anspruch, die allein geltende Religion zu vertreten, das römisch-deutsche Kaisertum bestand nur noch formal und bot einen äußeren Rahmen für die folgende kleinstaatliche Entwicklung. Frankreich hatte einen Grundstein für seine Hegonomie in Kontinentaleuropa in den folgenden hundert Jahren gelegt. Die zahlreichen Konfessionskriege sowie sozialen Kämpfe im 16. Jahrhundert ließen die Bedeutung des Staates im neuen Licht erscheinen. Aus der unmittelbaren Erfahrung der im Umbruch beÀndlichen Gesellschaft heraus entstanden mehrere unterschiedliche Staatstheorien, wobei der Begriff des souveränen, über den einzelnen Schichten und Gruppierungen stehenden Staates eine zentrale Rolle spielte. Diese Souveränität sah man vom Königtum in einem starken Staat realisiert, so daß diese Theorien auch eine Legitimation des Absolutismus lieferten. Als zweite, davon abweichende Vorstellung entwickelte sich die Idee des Volksstaates, der dann am Ende der Periode in den Begriff der Volkssouveränität einmündete. In der Lehre von der Gewaltenteilung, speziell der konstitutionell eingeschränkten Monarchie dokumentierte sich dabei auch hier die gestiegene ökonomische Macht und gesellschaftliche Emanzipation des Bürgertums. 171

Ein weiteres Merkmal jener Zeit war die Kolonisierung großer Teile der Welt. Dem Beutekolonialismus Spaniens und Portugals in Mittel- und Südamerika folgten rasch die Eroberungen Englands, Frankreichs und der Niederlande in Nordamerika, Afrika und Asien. Ob unter dem Deckmantel der Erforschung, der Missionierung oder der Zivilisierung, stets basierte das Interesse an den Kolonien auf dem Streben der Kolonialherren, wirtschaftliche Vorteile zu erlangen, teilweise ergänzt durch politische bzw. militärische Motive. Die Ausbeutung der Reichtümer und Rohstoffe stand im Vordergrund, häuÀg begleitet von der Auslöschung bzw. drastischen Dezimierung der Ureinwohner durch die technisch überlegene Zivilisation. Auch die Christianisierung konnte diesen Umstand nicht lindern, da diese für die Ureinwohnenr neue Religion ebenfalls die Kolonialherren im Vorteil sah. Es bildete sich ein deutliches Zivilisationsgefälle heraus. Dabei ging es nicht nur um die Kluft zwischen England, Frankreich sowie den Niederlanden und den Kolonien, mit dem Aufschwung der Technik und der Technologie blieben auch die übrigen europäischen Staaten, vor allem jene Osteuropas, und alte Hochkulturen wie China deutlich zurück. In dieser Zeit der Umwälzungen und der Auseinandersetzungen erfuhr auch die Geisteshaltung einen durchgreifenden Wandel. Das am Ende der Renaissance bereits deutlich erschütterte Weltbild wurde jetzt durch ein neues ersetzt. Vernunft (lateinisch ratio) hieß der zentrale Begriff und er bezeichnete jene Eigenschaft, die als philosophisches Prinzip genommen, jedem Menschen unabhängig von Religion oder Stand zukam und damit insbesondere dem immer wieder artikulierten Grundsatz von der Freiheit und Gleichheit der Menschen entsprach. Zugleich drückte sich darin die Überzeugung aus, daß auch das sittliche Handeln durch Vernunftwahrheiten bestimmt werde. Das große Ziel menschlichen Strebens hieß Naturbeherrschung zum Vorteil des Menschen, und „Wissen ist Macht“ war einer der Leitgedanken. Es hieß, über das empirische Erfassen von Sachverhalten hinauszugehen, kausale Folgerungen und Gesetze abzuleiten und auf dieser Basis neue Erfahrungen zu gewinnen. Das zielgerichtete Experiment wurde zum Kernstück des wissenschaftlichen Erkenntnisprozesses. Setzte man anfangs noch auf die Naturerkenntnis durch die Ermittlung aller zu einer Erscheinung gehörenden Aspekte und die richtige Abstraktion von Einzelheiten, also ein induktives Vorgehen, so gewann die Deduktion, die kausale Erklärung der jeweiligen Erscheinung und das Erlangen absoluter Gewißheit zunehmend eine dominante Stelllung. Es herrschte ein uneingeschränktes Vertrauen in die klärende Kraft der Vernunft und alles wurde ihrer kritischen Prüfung unterworfen. Mathematik und exakte Naturwissenschaften lieferten die methodische Orientierung und das Begründungsideal, die Zurückführung der Erkenntnis einzelner Zusammenhänge auf mathematisch deÀnierte Beziehungen erschien teilweise als höchste Form des Erkenntnisgewinns. Damit löste sich die gesamte Naturforschung zunehmend deutlich in Methode und Begriffssystem von dem alten philosophischmetaphysisch dominierten System. Die unterschiedlichen Ausformungen dieses Rationalismus im 17. Jahrhundert leisteten einen sehr bedeutenden Beitrag zur Etablierung des durch die „Copernicanische Wende“ eingeleiteten neuen Weltbildes und ebneten den Weg zu einer konsequent mechanistischen Naturerklärung, der dann durch Vertreter der Aufklärung und der Enzyklopädisten Gestalt verliehen wurde. Doch dies war ein längerer, regional sehr unterschiedlich ablaufender Prozeß, in dem es über einen beträchtlichen Zeitraum faktisch das Nebeneinander von Rationalität und Aberglauben gab. Die dabei im Rahmen der Physikotheologie unternommenen Versuche, die neuen Forschungen in die alte Glaubenslehre zu integrieren, erreichten ein beachtliches Ausmaß. Mit dem neuen Selbstbewußtsein der auf praktischen Nutzen ausgerichteten Naturwissenschaften und Mathematik entstand auch das Bedürfniss, das neue Wissen zu verbreiten und auszutauschen. Da die Universitäten den Erfordernissen einer experimentellen Naturwissenschaft nicht entsprachen und die Träger dieser Wissenschaft dort nicht Fuß fassen konnten, kam es zu einer neuen Institutionalisierung der Wissenschaft, bildeten sich zahlreiche wissenschaftliche Gesellschaften, die sich in Anlehnung an die Akademie Platons im antiken Athen, aber in Verkennung der Rolle derselben, den Namen Akademie gaben. Mit der Herausgabe regelmäßiger Sitzungsberichte gingen diese Gesellschaften einen ersten wichtigen Schritt zur Internationalisierung der Wissenschaften.

172

173

1601 – 1603

um 1601 T. Harriot

Basilius Valentinus P

T. Harriot stellt eine Tabelle mit Paaren von Einfalls- und Brechungswinkeln für den Übergang des Lichtes von Luft in Wasser zusammen, die auf Messungen an wassergefüllten Prismen beruhen könnten und das erst später gefundene Brechungsgesetz erfüllen.

G

Unter dem Namen des Basilius Valentinus, sehr wahrscheinlich eine erfundende Gestalt des 15. Jahrhunderts, erscheinen ab 1602 eine Reihe von Werken, in denen zahlreiche europäische Bergwerke sowie die bekannten Metalle beschrieben werden. Die Entstehung letzterer wird nach den drei Prinzipien Mercurius, Schwefel, Salz erklärt.

um 1603 1601

C. Scheiner P

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wird das Prinzip der kardanischen Aufhängung von mehreren Gelehrten als universelles Gelenk für die Kraftübertragung zwischen zwei im beliebigen Winkel gelagerten Wellen vorgeschlagen. Daraus entwickelt sich das Kardangelenk, das später u. a. für den Antrieb von Kraftfahrzeugen bedeutsam ist.

M

C. Scheiner entdeckt den Storchschnabel, d. h. Pantograph, zur Ausführung von Ähnlichkeitstransformationen, beschreibt ihn aber erst 1631.

1603 F. Cesi

W

G. B. Della Porta macht den frühesten bekannten Versuch, um quantitativ zu bestimmen, wieviel Dampf aus einer bestimmten Wassermenge entsteht.

Der Fürst F. Cesi stiftet in Rom die Accademia dei Lincei, die heutige Accademie Nazionale dei Lincei. Sie ist die erste bedeutende naturwissenschaftliche Akademie, da sie insbesondere erste mikroskopische Untersuchungen und Galileis astronomische Beobachtungen mittels Fernrohr fördert. Nach dem Tod des Fürsten, 1630, ruht die Tätigkeit längere Zeit.

G. Casserio

P. Cataldi

G. B. Della Porta

P

B

G. Casserio vergleicht in De vocis auditusque organis die Struktur der Stimm- und Hörorgane von Wirbeltieren. G. de Eredia

G

Der Portugiese G. de Eredia erhält Kunde von einem Land im Süden Javas, das er nie besucht. In einer Kopie seiner Weltkarte ist dieses Land im Widerspruch zu den überlieferten Berichten an die Stelle Australiens gesetzt. Eredia gilt jedoch nicht als Entdecker Australiens.

1602 B

In Paris wird das Krankenhaus Charité gegründet. G

Die Holländer gründen die Niederländische Ostindische Kompanie und legen Stützpunkte an, u. a. an der Malabar-Küste, 1603 auf Java, und unterwerfen sich 1605 Amboina im Kampf um das Gewürzmonopol. Im Interesse des Handels werden die Inselwelt und die Seewege zwischen ihnen gut erkundet.

M

Die sechste und siebente vollkommene Zahl werden von P. Cataldi zu 8 859 869 056 und 137 438 691 329 ermittelt. J. Bayer

A

Die moderne Sternnomenklatur mit griechischen und lateinischen Buchstaben entsprechend der Helligkeit führt J. Bayer in den in Augsburg gedruckten Sternatlas der mit bloßem Auge sichtbaren Sterne ein. J. Du Chesne

C

J. Du Chesne erwähnt in seiner Pharmakopöe den Goldschwefel (Sulphur auratum), der später als AntimonpentasulÀd erkannt wird. M. Ghetaldi

C

M. Ghetaldi stellt die ersten Tabellen der Volumengewichte (speziÀschen Gewichte) von Flüssigkeiten und Metallen zusammen. H. Fabricius ab Aquapendente

B

H. Fabricius ab Aquapendente beschreibt das venöse System und die bereits 1574 gemachte Entdeckung, daß die Venenklappen sich nach dem Herzen hin öffnen. Er erkennt aber nicht den BlutÁuß zum Herzen.

1603 – 1605

174

S. de Champlain

G

S. de Champlain befährt den Lorenz-Strom, erkennt dessen Bedeutung für Wirtschaft und Verkehr, und beginnt seine bis 1615 währenden Bemühungen um die Erkundung Kanadas. G. Owen

G

Nach einer ersten Beschreibung um 1595 stellt G. Owen das Auftreten der karbonen Kalksteine und der Kohlelager von Südwales zusammenfassend dar. Dies ist implizit der erste Versuch, eine geologische Formation über ein grösseres Gebiet zu verfolgen. Die geplante topographische Karte, die auch diese geologischen Informationen enthalten sollte, kam allerdings nicht zustande.

1604 J. Kepler

M

J. Kepler führt das Unendliche in die Geometrie ein, so sollen sich Parallelen im Unendlichen schneiden und Kegelschnitte können stetig ineinander übergeführt werden. L. Valerio

M

L. Valerio bestimmt die Schwerpunkte von Sphäroiden und Konoiden und ihren Segmenten. J. Kepler

A

Die astronomische Refraktion wird von J. Kepler in Ad Vitellionem paralipomena . . . behandelt. Einen geradlinigen Weg des Lichtes durch die Atmosphäre annehmend und die Dichte der Atmosphäre als überall gleich voraussetzend, leitet er eine Formel für die Refraktion ab und berechnet eine Tabelle. Die Formel ist zwar prinzipiell falsch, gibt aber für Teilbereiche gute Näherungen. G. Galilei

P

G. Galilei formuliert in einem Brief an P. Sarpi das Quadratgesetz für den freien Fall, wonach sich in gewissen Zeiten zurückgelegte Strecken wie die Quadrate der Zeiten verhalten. Er gibt aber dafür eine unzutreffende Begründung. G. Galilei

P

G. Galilei geht davon aus, daß ein Körper, wenn er mit der nach einer bestimmten Fallstrecke erreichten Geschwindigkeit nach oben geworfen wird, nur so hoch steigen kann, wie er herabgefallen ist. Dies entspricht dem Energiesatz der Mechanik.

J. Kepler

P

J. Kepler legt seine Erkenntnisse zur Optik in Ad Vitellionem paralipomena nieder, begründet die Vermutung, daß die Intensität des Lichts mit dem Quadrat der Entfernung abnimmt, sowie die Formel für die Gesamtablenkung eines Lichtstrahls beim Übergang vom optisch dünneren ins dichtere Medium und behandelt grundlegend die Bildentstehung an Linsen. P • B In demselben Buch erläutert J. Kepler die Funktion des menschlichen Auges, erkennt die Bildentstehung auf der Netzhaut und die Notwendigkeit der Akkommodation der Augenlinse. Er gibt Ursachen für die Fehlsichtigkeit des Auges an: bei kurzsichtigen Augen liegt das Bild vor, bei weitsichtigen hinter der Netzhaut. Entsprechend sind die Brillengläser auszuwählen. J. Kepler

J. Thölde

C

Das angeblich von Basilius Valentinus stammende Werk Triumph-Wagen Antimonii wird von J. Thölde herausgegeben. Es ist die erste Monographie über ein chemisches Element, das bereits seit dem Altertum bekannte Antimon. G. de la Vega

B

G. de la Vega erwähnt das Vorkommen von Guano in Amerika und beschreibt seine Verwendung als Düngemittel.

um 1605 P • M T. Harriot untersucht ballistische Kurven und weist sie unter gewissen Voraussetzungen als Parabeln nach. T. Harriot

1605 F. Bacon

W

F. Bacon schlägt die Schaffung einer europäischen Universalsprache vor. In Anlehnung an das Chinesische sollen Formeln das Wesen der Dinge repräsentieren und Gedankengänge in die Formelsprache umgesetzt werden. J. Kepler

A

Unter Verwendung der Daten von T. Brahe Àndet J. Kepler nach mehreren theoretischen Ansätzen das erste der nach ihm benannten Gesetze der Planetenbewegung. Damit ersetzt er die vorherrschende Reduktion der Planetenbahnen auf Kreisbahnen und deren Überlagerungen durch

175

1605 – 1608

die Bewegung auf einer elliptischen Bahn mit der Sonne in einem Brennpunkt. Er publiziert das Gesetz 1609 und begründet es mit einer magnetischen Ausstrahlung des Zentralkörpers, die proportional zum Abstand abnehmen soll und in der Ebene der Planetenbahnen wirkt.

die Louisiaden, die Durchfahrt zwischen Australien und Neuguinea, sog. Torresstraße, und erreicht die Molukken und Manila. Die Entdeckungen werden von Spanien geheimgehalten.

S. Stevin

G. Galilei

P

S. Stevin publiziert bis 1608 mehrere Abhandlungen zur Planetenrechnung, Optik, Statik, Feldmeßkunst und Buchhaltung, die unter dem Titel Wisconstighe Ghedachtenissen als Lehrbuch für den Prinzen von Oranien dienen sollen und auch eigene Ergebnisse enthalten. U. Aldrovandi

G

U. Aldrovandi, Professor für Naturgeschichte an der Universität Bologna, behandelt in seinem posthum 1648 publizierten Musaeum metallicum die Mineralien u. a. nach ihrer Entstehung, ihrer Natur und ihren Eigenschaften, nach der Art und Weise sowie dem Ort des Vorkommens, nach ihrem Gebrauch, aber auch unter mythologischen Aspekten. U. Aldrovandi

G

In einem nachgelassen Manuskript von U. Aldrovandi Àndet sich der Begriff „Geologia“ als Titel einer Abhandlung über die Mineralien und Gesteine: Geologia, ovvero de Fossilibus. P. van Merula

G

Mit der unvollendeten Cosmographia generalis leistet P. van Merula wichtige Vorarbeiten für den systematischen Aufbau der Geographie durch B. Varenius. P. F. de Quiros

G

um 1607 P

G. Galilei beschreibt einen Versuch, die Lichtgeschwindigkeit c auf der Erde zu ermitteln: zwei mehrere Kilometer entfernte, mit Laternen ausgestattete Beobachter sollen ihre Laterne verdecken, sobald sie das andere Licht verlöschen sehen. Aus dem Zeitunterschied und der Länge der Strecke soll c errechnet werden. Die dabei auftretenden Zeitunterschiede sind jedoch zu gering.

1607 H. Hudson

G

Den Versuch China und Indien über den Nordpol zu erreichen, muß H. Hudson auf Grund des Packeises zwischen Grönland und Spitzbergen abbrechen. Er erkundet jedoch Spitzbergen, entdeckt einen Teil der Ostküste Grönlands sowie die Insel Jan Mayen und berichtet über den reichen Tierbestand. J. Smith

G

Der Abenteurer J. Smith beteiligt sich bis 1609 maßgeblich an der Gründung der Kolonie Virginia und der Stadt Jamestown. 1614 reist er nochmals nach Virginia und führt eine Küstenaufnahme durch. Über seine Aufenthalte verfaßt er spannende Reiseberichte.

Auf einer Südseeexpedition von Peru aus entdeckt P. F. de Quiros die Insel Espirito Santo der Neuen Hebriden.

1608 P. Roth

1606 W. Janszoon

G

Im Bestreben, die Ausdehnung der Insel Neuguinea festzustellen, und eine südliche Durchfahrt zur Südsee suchend, entdeckt W. Janszoon die Cape-York-Halbinsel Australiens und folgt der Küste im Carpentaria-Golf nach Süden bis Cape Keer-weer. L. V. de Torrès

G

L. V. de Torrès, Begleiter von P. F. de Quiros (vgl. 1605), setzt die Fahrt nach Westen fort, entdeckt

M

P. Roth formuliert eine wichtige Teilaussage des Fundamentalsatzes der Algebra, daß eine Gleichung n-ten Grades nicht mehr als n Lösungen haben kann. H. Lippershey, Z. Janssen

A

Die Holländer H. Lippershey und Z. Janssen fertigen erste praktisch nutzbare Fernrohre an, verwenden sie aber nur zur Vergrößerung irdischer Objekte. Lippershey erhält für die Fertigung ein Privileg und wird zum Bau eines binokularen Fernrohrs angeregt.

1608 – 1609

176

S. Stevin

A

S. Stevin publiziert eine der frühesten Darstellungen des Copernicanischen Systems und zeigt, daß die Planetenbewegung induktiv aus den Beobachtungen abgeleitet werden kann. B. de Vigenère C • B In einem posthum erscheinenden Buch beschreibt B. de Vigenère die Darstellung der Benzoesäure aus Benzoeharz, dem Harz des Benzoebaumes. S. de Champlain

1609 W

In der Schrift De sapientia veterum und später in Novum organum (1620) setzt sich F. Bacon mit der atomistischen Lehre auseinander und schreibt den Atomen aktive Kräfte zur Veränderung der Körper in sich und in andere Körper zu. J. Kepler

A

Die Astronomia nova . . . von J. Kepler erscheint; darin leitet er aus den genauen Marsbeobachtungen von T. Brahe die ersten beiden Keplerschen Gesetze der Planetenbewegung ab. Damit werden sowohl das Kreisbahndogma als auch die Lehre von der Gleichförmigkeit der Planetenbewegung widerlegt. J. Kepler

A

Das Konzept der Magnetkräfte verwendend, macht J. Kepler in der Astronomia nova . . . erste zahlenmäßige Angaben über die Anziehungskräfte, die Erde und Mond entsprechend ihrem Masseverhältnis aufeinander ausüben. Der EinÁuß des Mondes auf die Gezeiten beweist, daß die anziehende Kraft des Mondes sich bis zur Erde erstreckt. P • A G. Galilei baut einige holländische, d. h. einäugige terrestrische Fernrohre, die durch Nutzung geeigneterer Linsen besser als die von H. Lippershey sind. Erstmals setzt er sie als astronomische Beobachtungsinstrumente ein. Er verwendet G. Galilei

G. Galilei

P

Im Ergebnis verschiedener, in den letzten Jahren ausgeführter Experimente stellt G. Galilei fest, daß der freie Fall eine gleichmäßig beschleunigte Bewegung ist. Er folgert auch, daß alle Körper im Vakuum gleich schnell fallen.

G

Nachdem er die Küstengebiete bis zum heutigen Massachusetts erkundet und kartiert hatte, gründet S. de Champlain die Stadt Quebec in dem günstigsten Siedlungsgebiet und leitet die französische Besiedlung Kanadas ein. 1609 entdeckt er den Champlainsee und erkundet bis 1615 den späteren Pelzhändler-Weg von Ottawa zum Huronsee, den er als erster Europäer befährt.

F. Bacon

z. B. ein plan-konkaves Okular sowie ein plankonvexes Objektiv und erreicht schließlich eine 30fache Vergrößerung.

G. Galilei

P

Das Trägheitsprinzip, wonach ein Körper, auf den keine Kräfte wirken, in Ruhe oder gleichförmig linearer Bewegung verharrt, wird von G. Galilei benutzt, aber nicht formuliert. Die Planetenbewegung betrachtet er aber ebenfalls als kräftefrei. J. Kepler P • A Nach J. Kepler existiert eine Schwerkraft, die von ihm als Vereinigungsstreben verwandter Körper interpretiert wird. Sie soll im leeren Raum wirken, und ihre Größe soll von der Stoffmenge der beteiligten Körper abhängen. A. A. Barba

C

A. A. Barba führt die warme Amalgamation von Silbererzen unter Benutzung von kupfernen Kesseln ein. C. Butler

B

C. Butler verfaßt eine Abhandlung zur Naturgeschichte der Bienen. G

Gründung der holländischen Niederlassung Hirado in Japan, die 1641 auf die Insel Deshima verlegt wird. Die Katholikenfeindlichkeit der japanischen Herrscher begünstigt die Niederländer, die für lange Zeit ein Handelsmonopol eingeräumt bekommen. A. B. de Boodt

G

In seiner Gemmarum et lapidum historia klassiÀziert A. B. de Boodt die Mineralien als groß und klein, selten und gewöhnlich, hart und weich, brennbar und nicht brennbar, durchsichtig und nicht-durchsichtig usw. Er verwendet eine Härteskala mit drei Graden und notiert für einige Mineralien die Kristallform dreieckig, quadratisch bzw. sechseckig.

177

1609 – 1611

A. B. de Boodt

G

A. B. de Boodt erklärt, daß die Edelsteine selbst, als Produkte der Natur, keine übernatürlichen Kräfte haben, daß sie aber gewissermaßen Medien oder Instrumente sind, durch welche die Kräfte des Guten und des Bösen wirken können. H. Hudson

G

Auf seiner dritten Fahrt zur Suche eines nördlichen Seeweges nach China erreicht H. Hudson, in niederländischen Diensten stehend, über die Färöer-Inseln Neufundland und entdeckt südwärts segelnd den nach ihm benannten HudsonFluß. Sein Bericht gibt den Anstoß zur Gründung von Neu-Amsterdam, später New York.

S. Braun

G

Der Baseler Wundarzt S. Braun lernt bis 1620 auf drei Reisen in niederländischem Dienst die gesamte Küste von Ober- und Niederguinea kennen. Sein Reisebericht ist die erste wissenschaftliche Abhandlung über Westafrika in deutscher Sprache und enthält viele, vor allem ethnographisch wertvolle Beobachtungen. H. Hudson

G

H. Hudson entdeckt die nach ihm benannte Hudson-Straße und Hudson-Bai, die er für einen Teil des PaziÀk hält. Er überwintert an der Ostküste der James-Bay. Vor der Rückfahrt im Juni 1611 wird er mit einigen Gefährten von der meuternden Mannschaft ausgesetzt und ist seitdem verschollen.

um 1610 R. Minderer führt den essigsauren Ammoniak (Ammoniumacetat) als Arzneimittel ein.

1610 J. Faulhaber

M

In einem seiner Rechenbücher ermittelt J. Faulhaber die Summenformel für die Potenzen der natürlichen Zahlen bis zur 13. Potenz. G. Galilei

A

G. Galilei verwendet sein Fernrohr erstmalig für astronomische Beobachtungen und entdeckt: vier Jupitermonde, Venusphasen, Mondgebirge, Andeutungen des Saturnringes, die Milchstraße als Sternanhäufung und SonnenÁecken. Er publiziert dies in der Schrift Sidereus nuncius. Die aristotelische Lehre wird grundlegend erschüttert. G. Galilei

A

G. Galilei schätzt in seiner Abhandlung Sidereus nuncius die Entfernung Erde-Mond mit 60 Erddurchmessern ab. T. Harriot

A

T. Harriot beginnt, genaue Beobachtungen des Mondes, der Jupitermonde, der SonnenÁecken u. a. durchzuführen und fertigt eine Mondkarte an. N. C. F. de Peiresc

1611

B • C

R. Minderer

A

Der Orionnebel wird erstmals von N. C. F. de Peiresc beobachtet.

W

Die Santo-Thomas-Universität wird in Manila als College gegründet. 1785 erhält sie die Bestätigung als Universität durch die spanische Krone. C. Scheiner

A

Auf Anregung Keplers konstruiert C. Scheiner das erste Fernrohr mit konvexer Okularlinse, ein wichtiger Schritt um das terrestische Fernrohr von G. Galilei besser in der Astronomie zu nutzen. C. Scheiner

A

Im März entdeckt C. Scheiner in Ingolstadt mit dem von ihm konstruierten Fernrohr unabhängig von G. Galilei, T. Harriot, D. Passignani, J. Fabricius und S. Mayr SonnenÁecken, die er als Planeten deutet, die vor der Sonne vorbeiziehen. M. A. de Dominis

P

M. A. de Dominis teilt in seinem Werk zur Optik die Farben in wahre oder permanente, dem Körper eigentümliche und scheinbare oder apparente, durch gewisse Lichtstrahlen auf dem Körper erzeugte ein und versucht, eine Theorie der Farbentstehung zu geben. Scheinbare Farben sind z. B. die Farben des Lichtes bei der Brechung am Prisma. J. Kepler

P

In seiner Schrift Strena über den sechseckigen Schnee stellt J. Kepler Überlegungen zur Kristallstruktur an, die auf Vorstellungen über dichteste Kugelpackungen beruhen. Es ist die erste bekannte Arbeit über den inneren Aufbau von Kristallen.

1611 – 1614

178

J. Kepler

P

In der Dioptrice teilt J. Kepler ein für bis 15◦ Einfallswinkel anwendbares Brechungsgesetz sowie die Konstruktion und die Theorie des Keplerschen bzw. astronomischen Fernrohrs mit zwei Bikonvexlinsen mit und erläutert den Strahlengang im Galileiischen und in seinem Fernrohr. J. Kepler

A. Libavius

C

A. Libavius beschreibt in dem zweibändigen Werk Syntagma . . . Methoden der Darstellung chemischer Verbindungen wie z. B. von Zinntetrachlorid („Spiritus fumans Libavii“), Schwefelsäure, Salzsäure und Ammoniumsulfat. Der zweite Band erscheint 1613.

1612 C. Bachet de Méziriac

M

C. Bachet de Méziriac ediert eine Sammlung arithmetischer Probleme der Unterhaltungsmathematik. A

S. Mayr entdeckt den Andromedanebel, den ersten Spiralnebel, und unabhängig von G. Galilei die ersten vier Jupitermonde, über deren Bewegung er 1614 Tabellen veröffentlicht. C. Scheiner

G. Galilei

1613 P. Cataldi

P

In seinem Buch Discorso . . . intorno alle cose che stanno in su l’acqua, o in quella si muovono beschreibt G. Galilei das Verhalten der Körper im Wasser und stützt Archimedes gegen Aristoteles. Er benutzt statische Momente und das Prinzip der virtuellen Geschwindigkeiten und erweitert Archimedes’ Ansätze über die rein hydrostatischen Betrachtungen hinaus.

M

P. Cataldi entwickelt Methoden für das Rechnen mit Kettenbrüchen. B. Pitiscus

M

B. Pitiscus ergänzt seine Trigonometria . . . durch einen Thesaurus mathematicus, der umfangreiche, z. T. 22stellige Tafeln von G. J. Rheticus und eigene Ergebnisse in Dezimalbruchschreibweise enthält. A • P In den in Rom erschienen Briefen über SonnenÁecken spricht sich G. Galilei erstmals in gedruckter Form für die Copernicanische Lehre aus. Planeten sind keine selbstleuchtenden Himmelskörper und Venus sowie Mars bewegen sich um die Sonne. Erstmals spricht er von der Erhaltung des Drehimpluses und vom Trägheitsprinzip. G. Galilei

F. Sagredo

P

Von F. Sagredo werden einfache Thermometer zu Temperaturmessungen eingesetzt. Er erkennt, daß Winterluft kälter als Eis sein kann. P. Paëz

G

Der portugiesische Jesuit P. Paëz entdeckt den Tanasee, den Quellsee des Nil.

A

C. Scheiner berichtet anonym über die SonnenÁecken und diskutiert deren Bewegung. Aus Beobachtungen leitet er die Bewegung von Venus und Merkur um die Sonne, die Rotationszeit der Sonne u. a. ab.

G

In dem posthum erscheinenden Systema geographicum . . . unterscheidet B. Keckermann erstmals zwischen allgemeiner und spezieller Geographie und wird bezüglich der Einteilung der Geographie zum Wegbereiter von B. Varenius (vgl. 1650).

P

In der Dioptrice beschreibt J. Kepler seine ErÀndung der Camera lucida, die W. H. Wollaston unter diesem Namen nacherÀndet. Sie dient zum Anfertigen von genauen Zeichnungen nach der Natur. Durch Anwendung der TotalreÁektion an einem Prisma erzielt Kepler dabei aufrechte Bilder.

S. Mayr

B. Keckermann

um 1614 M • G T. Harriot resümiert frühere Studien zur Mercatorprojektion, deren Winkeltreue er beweist, und zu logarithmischen Spiralen, die als Bild der Loxodromen entstehen und die er versucht zu rektiÀzieren. T. Harriot

T. Harriot

M

In umfangreichen Berechnungen zur Mercatorprojektion benutzt T. Harriot für Näherungsrechnungen die Methode der Àniten Differenzen. B • C F. Bartolotti isoliert den Milchzucker durch Eindampfen von Molke. F. Bartolotti

179

1614 – 1615

1614 B. Keckermann W • G Die posthum erscheinenden Opera omnia . . . des B. Keckermann enthalten die Prinzipien seiner analytischen Philosophie sowie das auf der Basis der 1607 gehaltenen Vorlesungen verfaßte Systema physicum . . . Wie das 1617 erscheinende Systema compendiosum . . . propagieren sie die Trennung der Naturwissenschaften von der Theologie und vermitteln neben mathematischen und astronomischen insbesondere geographische Kenntnisse. J. Napier

O. Worm

Demiscianus

P

Die Begriffe „Teleskop“ und „Mikroskop“ werden erstmals von dem Griechen Demiscianus an Stelle der alten Namen „Perspicilia“, „Conspicilia“ und „Occhiali“ eingeführt. S. Santorio

B

S. Santorio beschreibt in De statica medicina Ergebnisse eines Selbstversuches, in dem er durch Wägung den Stoffwechsel und die Gewichtszunahme infolge von Nahrungsaufnahme zu bestimmen versucht. J. Mayen

G

Der niederländische Walfänger J. Mayen entdeckt die später nach ihm benannte Jan Mayen Insel, die aber schon früher bekannt war (vgl. 1607).

um 1615 T. Turquet de Mayerne

C

T. Turquet de Mayerne entdeckt die Brennbarkeit des aus Eisen und Schwefelsäure entwickelten Gases (Wasserstoff), die Darstellung von schwarzem QuecksilbersulÀd und die Gewinnung von Benzoesäure. Seine Abhandlung erscheint erst 1703. G

L. Mariano führt als Missionar an der Westküste Madagaskars ethnographische Forschungen durch. Zur gleichen Zeit lassen die Portugiesen

G

O. Worm richtet in Kopenhagen das berühmte „Museum Wormianum“ ein, in dem er Naturalien und Kuriositäten aus der ganzen Welt zusammenträgt und das er in seinem 1655 posthum erscheinenden Museum Wormianum beschreibt. In seiner KlassiÀkation der Mineralien orientiert er sich weitgehend an G. Agricola.

1615

M

J. Napier veröffentlicht die von ihm berechneten Logarithmen sowie z. T. in logarithmischer Schreibung mehrere trigonometrische Theoreme, u. a. die Napiersche Analogie für die Formeln zur Berechnung sphärischer Dreiecke. Er prägt den Begriff Logarithmus.

L. Mariano

von Goa aus die Küste der Insel genauer erkunden.

J. Kepler

M

J. Kepler berechnet in der Schrift Nova stereometria doliorum vinoriorum (Faßrechnung) auf neuartige Weise Flächen und Volumina, indem er die Figuren in unendlich viele inÀnitesimale Bestandteile zerlegt und diese dann summiert. M • G W. Snell van Royen verbessert die Triangulationsmethode, wendet sie nachfolgend erstmals zur Landvermessung an und nimmt eine Meridianmessung zur Ermittlung der Erdgröße vor. W. Snell van Royen

F. Viète

M

In einer posthum publizierten Schrift gibt F. Viète allgemeine Methoden zur Lösung von Gleichungen dritten und vierten Grades sowie eine Transformation von Gleichungen an und deutet erste Relationen zwischen KoefÀzienten und Wurzeln der Gleichung an. C. Scheiner

B

C. Scheiner beobachtet bei dem sog. Scheinerschen Versuch, daß eine Nadel nur zwischen dem Nah- und dem Fernpunkt des Auges einfach gesehen wird. Der Versuch bildet die Grundlage von Methoden der Optometrie zur Bestimmung der Sehweite mittels Optometer. E. Brûlé, S. de Champlain

G

E. Brûlé und S. de Champlain fahren in Kanus den Ottawa-River aufwärts und gelangen über den Nipissing zur Georgian Bai. Während Champlain sich ostwärts wendet, zieht Brûlé über den Simcoesee zum Ontariosee sowie zum Ohio und kehrt, die Gebiete südlich des Eriesees erkundend, nach Quebec zurück.

1615 – 1618

180

J. Le Maire, W. C. Schouten

G

J. Le Maire und der Arzt W. C. Schouten entdecken die Staateninsel, die sie für einen Teil des legendären Südlandes halten, die sog. Le MaireStraße sowie nach der Wiederentdeckung des Kap Hoorn (vgl. 1578) die Südinseln der nördlichen Tongagruppe. Über die Nordküste Neuguineas segeln sie bis Batavia (Djakarta) wo sie zeitweise als private Konkurrenten der OstindienKompanie fest genommen werden.

1616 G. Galilei

A

A • W

Das Buch De revolutionibus . . . von N. Copernicus wird auf den päpstlichen Index gesetzt und die Lehre des heliozentrischen Systems verboten. G. Galilei wird für seine Interpretation und Stützung dieser Lehre von der Inquisition gerügt. F. Colonna

B • G

Der neapolitanische Botaniker und Zoologe F. Colonna vertritt in seinem Traktat De glossopetris Dissertatio die Ansicht, daß einige Fossilien ehemalige Lebewesen sind. Er beschreibt sie zoologisch und unterscheidet Süßwasser- und Seewassertiere. W. BafÀn

G

Nachdem W. BafÀn als Steuermann bereits 1612, 1613 und 1614 Erkundungsfahrten nach Westgrönland und Spitzbergen unternommen hatte, gelangt er während seiner 5. Reise zur Suche der Nordwest-Passage in die nach ihm benannte Bai sowie in Smith-, Jones- und Lancaster-Sund. Auf diesen Fahrten wendet er zur Längenbestimmung als einer der ersten die Methode der Monddistanzen an. W. BafÀn

G

F. Colonna

G

F. Colonna erklärt, daß es sich bei den Schichten der Erde um alte, sedimentäre Ablagerungen handelt, die sukzessive aufeinander abgelagert wurden. D. Hartog

G. Galilei publiziert seine Theorie von Ebbe und Flut, an der er seit 1597 arbeitete. Die Gezeiten führt er im wesentlichen auf die Rotation der Erde um sich selbst und den Umlauf um die Sonne zurück. G. Galilei

P. Clüver

P. Clüver wird „Geographus Academicus“ in Leiden und gilt mit seinen Werken als Begründer der historischen Geographie als eigenständige Disziplin.

G

W. BafÀns Erkenntnis der Navigationsfeindlichkeit der nordkanadischen Sunde und seine Einschätzung, daß keine Nordwest-Passage existiert, führen dazu, daß für fast zwei Jahrhunderte die Suche danach eingestellt wird. Seine Entdeckungen geraten in Vergessenheit und werden erst nach ihrer WiederaufÀndung 1818 anerkannt.

G

Der Niederländer D. Hartog landet während einer Fahrt nach Indonesien an der Westküste Australiens an der Shark-Bay, verläßt aber das unwirtlich erscheinende Land rasch wieder. Ähnlich verhält sich 1624 Vlaming.

1617 H. Briggs

M

H. Briggs berechnet die erste Tafel dekadischer Logarithmen und publiziert sie in London. Die günstige Basis wählt er in Absprache mit J. Napier. J. Napier

M

J. Napier beschreibt mehrere von ihm erfundene einfache Rechengeräte, u. a. die Napierschen Rechenstäbchen. P • G W. Snell van Royen benutzt eine Methode der Triangulation zur Meridianmessung, die 1533 von R. Gemma Frisius vorgeschlagen und schon von T. Brahe verwendet worden war. Die Ergebnisse veröffentlicht Snell van Royen in Eratosthenes batavus. Seine Basis ist 5 km, die Meßstrecke ca. 130 km lang, der verwendete Quadrant mißt 2,10 m im Durchmesser. W. Snell van Royen

A. Sala

C

A. Sala stellt nach Wägung der Ausgangssubstanzen aus Kupfer, Schwefelsäure und Wasser Kupfervitriol (Kupfersulfat) dar. Nach anschließender Zerlegung des Produkts in die Ausgangssubstanzen bemerkt er, daß die Gewichtsverhältnisse gleich geblieben sind.

1618 J. B. Cysat

A

Der Schweizer Jesuit J. B. Cysat führt in Ingolstadt erste Kometenbeobachtungen mit dem Fernrohr durch, versucht, die Kometenbahn zu

181

1618 – 1620

bestimmen, und gibt einen der ersten Hinweise auf den Orionnebel. I. Beeckmann

P

I. Beeckmann gelangt auf theoretischem Wege zum richtigen Weg-Zeit-Gesetz für den freien Fall. Für sehr kleine Zeiträume t soll die Fallgeschwindigkeit konstant sein und dann jeweils ruckartig um einen gewissen Betrag anwachsen. Im Geschwindigkeit-Zeit-Diagramm ergibt sich eine Treppenkurve, die sich für immer kleiner werdendes t einem Dreieck annähert, dessen Fläche den Weg repräsentiert. R. Descartes

P

R. Descartes gibt eine klare Darstellung des hydrostatischen Paradoxons. G. Galilei

P

G. Galilei konstruiert ein binokulares Fernrohr, d. h. einen Feldstecher, nachdem H. Lippershey bereits 1609 ein Privileg auf ein ähnliches Instrument erhalten hatte. M. Böhme

B

B • P C. Scheiner legt in Oculus die Ergebnisse seiner Untersuchungen über die physiologische Optik des Auges nieder. Er beweist, daß die Netzhaut das eigentliche Sehorgan ist, und bestätigt mehrere Erkenntnisse, die sich auch in Keplers Ad Vitellionem paralipomena (vgl. 1604) Ànden. C. Scheiner

J. Kepler

J. Kepler vergleicht die Erde mit einem Lebewesen, welches das Meerwasser einsaugt, wobei Grundwasser und Quellen dann gewissermaßen die Ausscheidungsprodukte dieses Stoffwechsels sind. J. Munk

G

I. Petlin reist im Auftrag des Zaren von Tomsk durch die mongolischen Khanate nach Peking, um Handelsbeziehungen anzuknüpfen.

1619 R. Descartes

M

R. Descartes stellt die sog. Eulersche Polyederformel auf. J. Napier

A

Das dritte Keplersche Gesetz der Planetenbewegung wird von J. Kepler in dem Werk Harmonice mundi publiziert sowie Überlegungen zum Ausschöpfen einer Fläche bzw. des Raumes durch Polygone oder Polyeder. D. Sennert

um 1620 Penda

G

Bei einer kühnen Expedition zur Erkundung Sibiriens entdeckt der russischer Landfahrer Penda, von Turuchansk aus an der Unteren Tunguska nach Osten ziehend, die Lena. Er verfolgt den Fluß bis zum Oberlauf und erreicht über die Burjatsteppe die Angara, die er bis zum Jenissei befährt, und kehrt auf letzteren nach Turuchansk zurück.

M

Posthum erscheint Napiers Anleitung zur Berechnung seiner Logarithmentafel mit einer Begründung der Methode. J. Kepler

G

In dänischem Auftrag sucht J. Munk die Nordwest-Passage und befährt die Davisstraße, die Hudson-Bai bis zu deren Westufer und erstmals die Mündung des Churchill. Nach verlustreicher Überwinterung gelingt ihm 1620 mit zwei Mann die Rückkehr.

M. Böhme verfaßt ein frühes Werk über Pferdearzneikunde. I. Petlin

G

C

D. Sennert vertritt die iatrochemische Lehre des Paracelsus (vgl. 1530). Er fördert atomistische Vorstellungen und betrachtet Metalle, PÁanzen und Tiere aus kleinsten unteilbaren Korpuskeln aufgebaut.

1620 F. Bacon

W

F. Bacon vertritt im Novum organum eine neue auf empirische Eindrücke und Experimente gegründete Naturanschauung und überbetont ein induktives Methodensystem in der Wissenschaft, das ein Vordringen zu abstrakteren Erkenntnissen und Einsichten in die Ursachen von Naturprozessen ermöglicht. Das Werk soll ein neuer methodischer Leitfaden für das Vorgehen des Naturforschers sein. J. Bürgi

M

Die Logarithmentafel des J. Bürgi nebst zugehörigen Erläuterungen erscheinen in Prag.

1620 – 1622

182

E. Gunter

A • W In seinem Novum organum lehnt F. Bacon die Lehre von der gleichmäßigen, kreisförmigen Bewegung der Himmelskörper ab, akzeptiert aber die Stellung der Erde als Mittelpunkt des Universums. F. Bacon

J. Kepler

A

Die Mondtheorie von J. Kepler stellt eine der frühesten Einsichten in die EinÁüsse der Sonne auf die Mondbewegung dar. Kepler erarbeitet mehrere Mondtafeln. F. Bacon

P

Im Novum organum erklärt F. Bacon das Entstehen von Wärme durch die Bewegung kleinster Teilchen des Körpers. Ein analoge Ansicht vertritt R. Descartes im Jahre 1649, für den eine stärkere Bewegung der Teilchen eine Zunahme der Wärme bedingt. J. B. van Helmont

C

J. B. van Helmont weist auf die Substanzerhaltung bei chemischen Umsetzungen hin. G

Die Pilgerväter, eine Gruppe glaubensstrenger Puritaner, segeln auf der „MayÁower“ in 65 Tagen von Plymouth nach Neuengland und gründen mit weiteren Siedlern die Kolonie Plymouth. F. Bacon

G

F. Bacon macht erstmals auf die Kongruenz der Küstenformen von Afrika und Südamerika aufmerksam. Von einer Trennung Europas und Amerikas durch die SintÁut sprechen 1666 F. Placet und 1756 T. C. Lilienthal, wobei sie als Beleg hierfür die Ähnlichkeit der Küstenlinien von Afrika und Südamerika anführen.

um 1621 W. Oughtred

1621

M

E. Gunter publiziert die erste logarithmischtrigonometrische Tafel und führt statt Sinus complementi den Namen Cosinus, analog Cotangens, ein.

M

Der Pfarrer W. Oughtred konstruiert den ersten Rechenschieber aus zwei gegeneinander verschiebbaren Maßstäben mit logarithmischer Skala. 1632 veröffentlicht er darüber.

C. Bachet de Méziriac

M

Die erste griechische Edition der Arithmetik des Diophantos wird von C. Bachet de Méziriac in Paris besorgt. Sein ausführlicher lateinischer Kommentar enthält eigene Resultate zur Zahlentheorie, insbesondere über Diophantische Gleichungen, und hebt Diophantos’ Vermutung: Jede positive ganze Zahl ist Summe von höchstens vier Quadraten ganzer Zahlen hervor. W. Snell van Royen

M

Mittels der Ungleichung 3 sin t/(2 + cos t) < t < tan(t/3)+2 sin(t/3) gibt W. Snell van Royen eine verkürzte Methode zur Bestimmung von ʌ , mit der aufwändigeren Methode von L. van Ceulen berechnet er ʌ auf 34 Dezimalen. P. Gassendi

A

Die Beobachtung des Nordlichtes durch P. Gassendi am 12. September, von ihm Aurora borealis genannt, gilt als Beginn der wissenschaftlichen Nordlichtbeobachtungen. A • M Nachdem 1617 die Bücher 1–3 der Epitome astronomiae Copernicanae von J. Kepler mit den Grundlagen der sphärischen Astronomie erschienen, kommen die Bücher 4–6 in Frankfurt unter dem Titel Mysterium cosmographicum zum Druck, eine ausführliche Begründung des dritten Keplerschen Gesetzes, die Mondtheorie, die Behandlung praktischer geometrischer Probleme, die Keplersche Ellipsengleichung u. a. enthaltend. J. Kepler

W. Snell van Royen

P

Als Ergebnis mehrjähriger Experimente bestimmt W. Snell van Royen aus dem beim Eingießen von Flüssigkeit zu beobachtenden scheinbaren Anheben der Körper vom Boden eines Gefäßes das Lichtbrechungsgesetz und drückt es in mathematischer Form aus.

1622 W

Das 1613 von Jesuiten in Córdoba gegründete College erhält den Status einer Universität. Es ist die älteste Universität Argentiniens. W

Gründung der Universität Javeriana in Bogotá durch die Jesuiten, eine der ältesten Universitäten Lateinamerikas.

183

1622 – 1624

A • G Der Jesuit A. Schall von Bell beginnt seine erfolgreiche Missionstätigkeit in China. Er gründet eine astronomische Akademie und ein Observatorium in Peking, führt zahlreiche Ortsbestimmungen aus und wirkt für die Verbreitung der astronomischen Erkenntnisse von N. Copernicus, T. Brahe, G. Galilei, J. Kepler u. a. Er erhält als erster Europäer eine staatliche Funktion und wird 1645 bis 1666 Direktor des astronomischen Büros und ist für den kaiserlichen Kalender verantwortlich. A. Schall von Bell

E. Gunter

P

E. Gunter Àndet durch den Vergleich eigener Messungen mit Meßergebnissen von W. Borough aus dem Jahre 1580, daß die Stellung einer Magnetnadel an ein und demselben Ort mit der Zeit variiert. Die festgestellte Abweichung beträgt 5◦ . G. Aselli

B

G. Aselli entdeckt beim Hund die Chylusgefäße, die die Darmlymphe transportieren. Obwohl er fälschlicherweise die Leber als Ziel des Transports sieht, trägt er damit zur Erkenntnis des Lymphgefäßsystems bei.

um 1623 E. Gunter

M

E. Gunter erÀndet mehrere Geräte, die die Rechnungen in Astronomie, Navigation und Geodäsie vereinfachen, u. a. den „Sektor“, eine Art Proportionalzirkel, den er seit ca. 1615 kennt, und die Rechenstäbchen für das logarithmische Rechnen.

1623 F. Bacon

W

G. Galilei verknüpft in der polemischen Schrift Il saggiatore das Studium von drei Kometen mit Betrachtungen zur Erforschung der Natur. Er unterscheidet erste, meßbare und zweite, nichtmeßbare Eigenschaften der Materie, betont die Untersuchung ersterer, da diese eine mathematische Beschreibung gestatten, und hält generell mathematische Kenntnisse für das Studium der Natur als unerläßlich.

M

Der vielseitig gebildete und tätige W. Schickard baut in Tübingen die erste funktionstüchtige Rechenmaschine für die vier Grundrechenarten. G. Bauhin

B

G. Bauhin klassiÀziert in Pinax theatri botanici etwa 6 000 PÁanzen nach einer binomialen Nomenklatur und unterscheidet zwischen Gattungen und Arten. G

Gründung des Staates New Hampshire in NordAmerika und der Kolonie St. Christopher auf den Antillen. Virginia, das durch Tabakanbau Bedeutung erlangte, wird 1624 Kronkolonie. Im Interesse von Handel und Seefahrt erfolgt die Erkundung von Küste und Hinterland. J. Carstensz

G

Die Ostküste des Carpentaria-Golfes wird von J. Carstensz genau erkundet. Er startet von der Insel Ambon, berührt Neuguinea, erkennt aber die Torresstraße nicht als Durchfahrt zwischen Australien und Neuguinea. Die Expedition ist der Auftakt zur intensiven Erforschung der Nordküste Australiens durch niederländische Kapitäne (vgl. 1627, 1636).

1624 W

Gründung der Universität in Sucre, es ist die älteste Universität Boliviens und eine der ältesten Südamerikas.

W

In De augmentis scientiarum, dem ersten der auf sechs Bände geplanten „Großen Erneuerung“, entwickelt F. Bacon eine KlassiÀkation der Philosophie und Naturwissenschaften und propagiert damit eine klare Abtrennung dieser von der Theologie. G. Galilei

W. Schickard

W

Gründung der Universität von Yucatán in Merida, eine der ältesten Universitäten Lateinamerikas. H. Briggs

M

In der Arithmetica logarithmica stellt H. Briggs die Grundlagen für das logarithmische Rechnen zusammen und berechnet 14stellige Logarithmen der Zahlen 1–20 000 und 90 000–100 000. J. Kepler

M

J. Kepler publiziert mit den Chilias logarithmorum die von ihm mit neuen Verfahren errechnete Logarithmentafel und zeigt dann die Vorteile des logarithmischen Rechnens an vielen Beispielen, insbesondere bei den Rudolphinischen Tafeln von 1627.

1624 – 1627

184

J. B. van Helmont unterscheidet die Fluida aufgrund unterschiedlicher Kompressibilität in Flüssigkeiten und Gase.

P • W In Auseinandersetzung mit dem scholastischen Aristotelismus und auf der Basis detaillierter Epikur-Studien entwickelt P. Gassendi ab 1626 einen Atomismus, der für die mechanistische Physik geeignet und mit der christlichen Lehre vereinbar ist. Sein Korpuskularkonzept entsprach besser den Bedürfnissen der zeitgenössischen Naturwissenschaft und stand im Gegensatz zu Descartes’ Kontinuumsideen.

J. Leurechon

J. Riolan

W. Snell van Royen

M

W. Snell van Royen führt den Begriff Loxodrome ein. Beim Studium dieser Kurven kommt er zu einer Vorstufe des für die InÀnitesimalrechnung wichtigen charakteristischen Dreiecks. J. B. van Helmont

P

P

Das Wort „Thermometer“ wird von dem Jesuiten J. Leurechon in einem mathematischen Text erstmals benutzt.

C

T. di Adamo stellt aus Arsenik, Blei und Antimon einen unter dem Namen „Aqua Tofana“ bekannten Gifttrank her.

F. Bacon B

C. Scheiner gelingt der experimentelle Nachweis, daß das Netzhautbild umgekehrt ist. F. Stelluti

B

F. Stelluti veröffentlicht erstmals Ergebnisse mikroskopischer Beobachtungen und gibt ein genaues Bild vom Körperbau der Honigbiene. N. Carpenter

G

N. Carpenter nimmt an, daß die frühe Erde ein vollkommen mit Wasser bedecktes Sphäroid war und die heutige Topographie wesentlich bei der ersten Trennung von Land und Wasser vorgezeichnet wurde. Einstmals werde die Erde wieder genauso mit Wasser bedeckt sein wie zu Beginn. Weiterhin ist er der Ansicht, daß Berge ständig abgetragen und neu gebildet werden, und daß die Höhe eines Berges durch seine Widerstandsfähigkeit gegenüber Verwitterung bestimmt ist.

1626 R. Descartes

B • P S. Santorio führt mit der Verwendung des Thermometers von G. Galilei zur Messung der Körpertemperatur und des Pendels zur Messung des Pulsschlages erste biometrische Methoden ein.

1627

1625 C. Scheiner

B

J. Riolan entdeckt, daß die dunkle Hautfarbe der Afrikaner durch die Pigmentanhäufung in der Epidermis verursacht wird. S. Santorio

um 1625 T. di Adamo

P. Gassendi

B. Cavalieri

R. Descartes leitet bis etwa 1627 das Brechungsgesetz der Optik durch Analogiebetrachtungen zur mechanischen Bewegung her und bringt es mit sin Į / sin ȕ = v2 /v1 = const. in die heute gebräuchliche Form.

M

B. Cavalieri vollendet am 16. Dezember im wesentlichen die 1635 gedruckte Geometria . . . , in der er erstmals die Indivisiblenmethode systematisch darstellt. Sich das Kontinuierliche, z. B. Flächen und Körper, aus unteilbaren Elementen zusammengesetzt denkend, erzielt er wichtige Ergebnisse zur InÀnitesimalmathematik. A. Vlacq

M

Die erste vollständige Tafel dekadischer Logarithmen wird von A. Vlacq berechnet und von E. De Dekker in Holland ediert. J. Kepler

P

W

F. Bacon beschreibt in der posthum erscheinenden Schrift Nova Atlantis den Aufbau einer idealen Wissenschaftlergemeinschaft, die für die Erlangung neuen Wissens Laboratorien, Bibliothek, Werkstätten etc. besitzt. Ziel ist das enzyklopädische Sammeln von Wissen und dessen Anwendung zum Nutzen der Menschheit.

A

J. Kepler publiziert die Tabulae Rudolphinae der Planetenbewegung. Sie sind viel genauer als die bis dahin gebrauchten „Alfonsinischen“ bzw. „Preußischen Tafeln“ und erlauben eine exakte Planetenbestimmung über einen längeren Zeitraum.

185

1627 – 1630 G

á In Rußland wird die Karte Bol’šoj &HUWHç geá zeichnet und dazu das Buch Kniga Bol’šomu CerWHçX herausgegeben, das eine Sammlung geographischer und ethnographischer Nachrichten darstellt und sowohl allgemeinbildenden wie wissenschaftlichen Zielen dient. Die Karte, etwa im Maßstab 1 : 1 800 000, ist nicht erhalten, das Buch läßt jedoch eine hohe Genauigkeit der Darstellung annehmen. P. Nuyts

G

P. Nuyts befährt die Westküste sowie Teile der Südküste Australiens und vermutet, daß auch im Süden Australiens eine Zufahrtsmöglichkeit zum Stillen Ozean existiert.

1628 R. Descartes

M

R. Descartes beginnt mit der Suche nach einer symbolischen Algebra der reinen Größen, mit der jedes Problem analysierbar sei, und leistet grundlegende Beiträge zur algebraischen Symbolik, z. B. bezeichnet er die Unbekannten mit x, y, z und verwendet die Exponentenschreibweise.

W. Harvey

B

In der Schrift De motu cordis . . . legt W. Harvey dar, daß die Muskelkontraktion des Herzens die mechanische Ursache der Blutbewegung sei und dadurch der Puls entstehe, der Lungenkreislauf nur die Fortsetzung des großen Kreislaufes bildet, die Herzscheidewand kein Blut hindurchläßt und das Blut in den Arterien durch die Organe strömt und das gleiche Blut in den Venen zurückÁießt.

1629 A. Girard

M

A. Girard formuliert in Invention nouvelle en l’ algèbre den Fundamentalsatz der Algebra, wobei er komplexe Gleichungslösungen zuläßt. Er stellt die KoefÀzienten aus den Kombinationen der Wurzeln und symmetrische Funktionen der Wurzeln (bis zur vierten Potenz) aus den KoefÀzienten dar. A. Girard

M

Die erste geometrische Deutung der negativen Zahlen als entgegengesetzte Strecken wird von A. Girard gegeben. Er lehrt zugleich den Gebrauch von Klammern in der Buchstabenrechnung. A. Girard

A. Vlacq

M

A. Vlacq ediert die vervollständigte Briggsche Logarithmentafel. B. Castelli

P

In Della misura dell’ acque correnti unterzieht B. Castelli erstmals die Bewegung des Wassers in Kanälen einer wissenschaftlichen Untersuchung. Er erkennt, daß dabei die Geschwindigkeit der Flüssigkeit dem Flüssigkeitsquerschnitt am jeweiligen Ort umgekehrt proportional ist. Seine AusÁußformel ist jedoch falsch. W. Harvey

B

In der Schrift De motu cordis et sanguinis legt W. Harvey seine völlig neuartigen Erkenntnisse zum Blutkreislauf dar. Auf Basis langjähriger vergleichend-anatomischer Studien entwickelte er etwa ab 1619 eine Theorie des Blutkreislaufs und belegte sie experimentell. Diese Schrift kennzeichnet in ihrer Strenge der Beweisführung auf der Basis von Beobachtungen und Experimenten den Beginn der wissenschaftlichen Physiologie und gilt als ein Triumph der quantitativen Methode.

M

Für den Inhalt sphärischer Dreiecke und Polygone gibt A. Girard erstmals Formeln an. N. Cabeo

P

Mittels des sog. „efÁuviums“ erklärt N. Cabeo die Anziehung und Abstoßung durch Reibung elektrisierter Körper. N. Cabeo

P

N. Cabeo verweist auf regelmäßige Kurven, die Eisenfeilspänne auf einem über einen Magneten liegenden Blatt Papier annehmen, und bezeichnet diese als Kraftlinien. F. Pelsaert

G

Nach einem Schiffbruch am Houtman-Riff (Westaustralien) gelingt F. Pelsaert in einem Boot die Überfahrt nach Java. Bereits zuvor hatte er das Gebiet der Sundainseln erkundet, was er auch bis 1636 fortsetzt.

um 1630 C • B In Großbritannien werden Düngungsversuche mit Salpeterlösungen durchgeführt.

1630 – 1631

186

1630 J. Faulhaber

1631 M

In einem mehrbändigen Werk erläutert J. Faulhaber das logarithmische Rechnen, gibt siebenstellige Tafeln, inklusive der trigonometrischen Funktionen, und beschreibt Anwendungen in Trigonometrie, Geographie und FortiÀkation. Als erstes deutsches Buch über Briggssche Logarithmen fördert es deren Verbreitung wesentlich. P. de Fermat

M

P. de Fermat studiert ab 1630 Teilbarkeitseigenschaften ganzer Zahlen. Er erzielt zahlreiche Aussagen über befreundete Zahlen, von denen er 1636 ein weiteres Paar Àndet, Primzahlen usw. Besonders bekannt ist der 1640 formulierte kleine Fermatsche Satz. P. Vernier

M

P. Vernier verbessert den sog. Nonius zum Ablesen sehr kleiner Teile an Maßstäben mathematischer Geräte wesentlich, später auch als VernierTeilung bekannt. R. Descartes

A • W

R. Descartes erarbeitet bis 1633 die Basis seiner Kosmogonie. Das Weltall ist materiell und unendlich, die Materieteilchen beliebig teilbar. Gemäß der Wirbeltheorie ist die Gesamtheit aller Himmelskörper durch wirbelartige Kreisbewegung ihrer kleinsten Teilchen entstanden. Die Planeten rotieren um ihre Achse und können neue Wirbel bilden. G. B. Baliani

P

G. B. Baliani sieht erstmals in der Schwere der Luft, d. h. im Luftdruck, die Ursache dafür, daß Saugpumpen Wasser nur etwa 9m hoch heben können. Eine analoge Erklärung gibt E. Torricelli 1643 und folgert für Quecksilber auf Grund der Gewichtsrelation eine Höhe von 760 mm. C. Drebbel

C

C. Drebbel führt die Färberei mit Cochenille unter Zusatz von wäßrigem Zinnchlorid ein. J. Rey

C

J. Rey vermutet, daß die Gewichtserhöhung der Metalle beim Verbrennen durch die Aufnahme von Luft verursacht wird. Thuillier

B

Thuillier führt den Nachweis, daß der Ergotismus (Kriebelkrankheit) durch das Mutterkorn verursacht wird.

T. Harriot

M

T. Harriot schafft ein geeignetes System algebraischer Symbolik, neu sind die Zeichen für größer und kleiner. Seine Notation der BinomialkoefÀzienten gilt auch für negative und rationale Zahlen. T. Harriot

M

Posthum erscheint die im Streben nach einheitlicher Behandlung polynomialer Gleichungen von T. Harriot verfaßte Gleichungstheorie. Seine kanonischen Gleichungen zeigen Einsichten in die Zerlegung der Gleichung in ein Produkt von Linearfaktoren. Er kennt imaginäre und lehnt negative Wurzeln als Lösung ab. W. Oughtred

M

W. Oughtred publiziert in London die Clavis mathematicae, ein einÁußreicher, gedrängter Überblick zu Arithmetik und Algebra, dessen Verständlichkeit durch viele neue Symbole erschwert ist. J. B. Cysat, P. Gassendi

A

J. B. Cysat und P. Gassendi beobachten unabhängig von einander am 7. November erstmals einen von J. Kepler vorausberechneten Merkurdurchgang. J. Rey

P

J. Rey soll erstmals die Ausdehnung des Wasser zur Temperaturmessung ausgenutzt haben. L. Fox, T. James

G

Die für lange Zeit letzten Fahrten zur Suche der Nordwest-Passage werden von L. Fox und T. James unternommen. Beide erreichen die HudsonBai. Während Fox das Foxebecken entdeckt, erkundet James im Süden der Bai die Jamesbucht. E. Jorden

G

E. Jorden unterscheidet die Salze vor allem nach der Kristallform, die diese nach der Destillation und Wiederkristallisation annehmen. E. Jorden

G

Die Entstehung der Mineralien und Metalle erklärt E. Jorden durch die Annahme von den einzelnen Arten eigentümlichen Samen, welche in Form eines Gärungsprozesses im Erdinneren auf die sie umgebende Materie einwirken und so die jeweils speziÀschen Arten entstehen lassen. Die hierbei frei werdende Wärme ist die Ursache der heißen Quellen.

187

1631 – 1634

E. Jorden

G

E. Jorden lehnt das erdinnere Feuer mit Hinweis darauf ab, daß die zu dessen Unterhalt erforderliche Luft bzw. die Brennmaterialien dort kaum vorhanden sein dürften. Wohl aber ist ein solches Feuer in den oberÁächennahen Schichten möglich, woraus er zugleich folgert, daß die Vulkane oberÁächennahe Erscheinungen sind.

1632 J. A. Comenius

W

J. A. Comenius vollendet in tschechischer Sprache sein pädagogisches Hauptwerk Didactica magna, das 1657 in Latein erscheint. Darin entwickelt er Erziehungsziele und -methoden sowie ein vierstuÀges Schulsystem, das auch für der Vermittlung naturwissenschaftlicher Kenntnisse eine gebührenden Platz einräumt. A

Die Sternwarte in Leiden wird als eine der ersten mit einem Teleskop ausgerüstet. A • W G. Galilei publiziert den Dialogo . . . sopra i due massimi sistemi del mondo. Darin diskutieren drei Personen in Dialogform das ptolemäische und das heliozentrische, copernicanische Weltbild. Formell bleibt die Frage unentschieden, aber es ist deutlich, daß Galilei Partei für Copernicus ergreift. Das Manuskript hatte er bereits 1630 fertiggestellt. G. Galilei

A • W Der Dialogo . . . des G. Galilei wird auf den päpstlichen Index gesetzt. Galilei wird 1633 von der Inquisition verurteilt, unter Arrest gestellt und muß der copernicanischen Lehre abschwören. G. Galilei

A. A. Barba

C

A. A. Barba erÀndet den Aludelofen zur Destillation von Quecksilber. B • C In Palermo wird eine Giftverordnung erlassen, die u. a. die Abgabe von Arsen reglementiert. I. PerÀl’ev, I. Rebrov

G

Die Kosaken I. PerÀl’ev und I. Rebrov fahren die Lena abwärts bis zum Delta und beginnen ab 1636 die Eismeerküste zu erkunden. 1642 entdeckt Rebrov auf dem Seeweg die Olenjokmündung.

um 1634 G. P. de Roberval

M

In seiner erst 1693 gedruckten Schrift zur Indivisiblenmethode gibt G. P. de Roberval ein kinematisches Verfahren zur Tangentenbestimmung, indem er sich mittels Kräfteparallelogramm die Kurve aus zwei Bewegungen zusammengesetzt denkt. J. Nicolet

G

Der französiche Waldläufer J. Nicolet sucht das Land der „Meerleute“, um Handelsbeziehungen anzuknüpfen. Die Reiseroute ist unklar und liegt zwischen Michigansee, den westlich angrenzenden Gebieten bis zum Wisconsin River und der Nordseite des Oberen Sees. Indianerberichte vom „großen Wasser“ (Mississippi) stärken das Mißverständnis, man könne den PaziÀk auf diesem Weg erreichen.

P. Herigone M

Den in Gouda edierten logarithmisch-trigonometrischen Tafeln von H. Briggs fügt H. Gellibrand ein Vorwort über die Anwendung der Logarithmen in der ebenen und sphärischen Trigonometrie hinzu. N. C. F. de Peiresc

P

1634

1633 H. Gellibrand

E. S. Worcester

E. S. Worcester berichtet über den von ihm erfundenen optischen Telegraphen.

A

N. C. F. de Peiresc bestätigt die Vorstellungen von P. Gassendi, daß die SonnenÁecken keine kleinen Monde der Sonne, sondern Flecken auf deren OberÁäche sind.

M

P. Herigone verfaßt bis 1642 den sechsbändigen Cursus mathematicus, verweist auf die Bedeutung einer formalen, abstrakten Behandlung mathematischer Fragen und versucht Algebra und Geometrie wortfrei mittels eines Systems mathematischer und logischer Bezeichnungen rein symbolisch darzustellen. G. P. de Roberval

M

G. P. de Roberval beginnt, sich intensiv mit der Indivisiblenmethode zu beschäftigen. In diesen Forschungen gelingt ihm 1636 die Quadratur der

1634 – 1636

188

Zykloide unter Benutzung der später als Sinuslinie erkannten Kurve und später die Berechnung uneigentlicher Integrale. P • G Mit Bezug auf entsprechende Messungen von W. Borough (vgl. 1580) und E. Gunter (vgl. 1622) sowie seine eigenen Messungen schließt der Astronom H. Gellibrand auf eine allmähliche Verminderung der östlichen magnetischen Abweichung für London. Die Entdeckung, daß sich die Deklination der Magnetnadel mit Ort und Zeit verändert, legte er 1635 in einer englischen Abhandlung dar. H. Gellibrand

M. Mersenne

P

In einer ersten Mitteilung publiziert M. Mersenne am 30. Juni seine Erkenntnis, daß die Schwingungsdauer eines Pendels proportional zur Quadratwurzel aus der Pendellänge ist. P • B N. C. F. de Peiresc studiert Struktur und Funktion von verschiedenen Teilen des Auges und beschreibt als Erster die positiven und negativen Nachbilder, publiziert seine Ergebnisse aber nicht.

B. Cavalieri

M

In Bologna formuliert B. Cavalieri in der Geometria . . . sein Prinzip zur Berechnung von Flächen- und Rauminhalten sowie in geometrischer Form den Mittelwertsatz der Differential-Integralrechnung. B. Cavalieri

M

In der Schrift zur ebenen und sphärischen Trigonometrie beweist B. Cavalieri, daß im sphärischen Dreieck die Winkelsumme größer als 180◦ , aber kleiner als 450◦ ist. M • P Der Schweizer P. Guldin gibt bis 1641 in Wien ein vierbändiges Werk zum Problem des Schwerpunktes und seiner Bestimmung heraus. Darin ist die Guldinsche Regel für Volumen und OberÁäche von Rotationskörpern enthalten, die bereits um 300 von Pappos gefunden worden war. P. Guldin

N. C. F. de Peiresc

P. Heyling

G

Kurz nachdem die Jesuiten 1632 aus Abessinien verwiesen worden waren, hält sich P. Heyling als einziger Europäer dort auf und beginnt eine erfolgreiche Tätigkeit als evangelischer Missionar.

um 1635 P. Gassendi

G

P. Gassendi betrachtet die Fossilien als einstmals lebende PÁanzen und Tiere, die teils durch die Wirkung von in der Erde zirkulierenden, versteinernden Säften versteinert wurden, teils durch die Wirkung von schwefel- und bitumenhaltigen Dämpfen. P. Gassendi

G

Für die Entstehung bzw. die speziÀsche Ausbildung der Mineralien, der Gesteine sowie der Gesteinsschichten und der Flußgerölle nimmt P. Gassendi eine Art „Samenkraft“ an.

1635 Richelieu

N. Aggiunti

P

Bei Gefrierversuchen mit Wasser und verschiedenen Salzen bestätigt N. Aggiunti die Anomalie des Wassers, auf die schon G. Galilei hingewiesen haben soll. Die kritische Temperatur von 4◦ C gibt er, wie Galilei, nicht an. A. Olearius, P. Fleming

G

A. Olearius und der Dichter P. Fleming reisen bis 1639 mit einer holsteinischen Gesandschaft von Lübeck über Narwa, Moskau, Astrachan, Derbent, Kaswin nach Isfahan an den persischen Hof und kehren 1639 zurück. Olearius nutzt die Reise zu vielen astronomischen und geographischen Messungen und fertigt mehrere Karten an (vgl. 1647).

um 1636 P. de Fermat

M

Mit rein algebraischen Mitteln leitet P. de Fermat seine Methode zur Bestimmung von Maxima und Minima ab und wendet sie an, um die Tangente an eine beliebige Kurve zu legen und den Schwerpunkt geometrischer Figuren zu ermitteln. Er ist damit ein Wegbereiter der Differentialrechnung. B

W

Kardinal Richelieu bildet die Académie du Palais zur Académie française um.

Durch die Einführung der Chinarinde aus Amerika gelingt es, in Europa die Malaria zurückzudrängen.

189

1636 – 1637

1636 W

Gründung der Harvard-Universität in Cambridge (Massachusetts) am 28. Oktober auf der Basis einer Stiftung. Sie ist eine der berühmtesten und ältesten Universitäten Nordamerikas. G. Desargues

M

Der Lyoner Baumeister und Kriegsingenieur G. Desargues veröffentlicht erstmals seine universelle Methode der Perspektive, mit der er verschiedene graphische Techniken vereinheitlichen will und die ihn zur gründlichen Wiederbelebung der Geometrie führt. P. de Fermat

M

Ausgehend von der Rekonstruktion verlorener Werke des Apollonios mittels geometrischer „Analysis“ stellt P. de Fermat die Relation zwischen Gleichung und geometrischer Kurve her und entwickelt Gründzüge der analytischen Geometrie. P. de Fermat

M

P. de Fermat wendet seine Vorstellungen zur analytischen Geometrie zur graphischen Lösung von Gleichungen an und erzielt in der Folgezeit die wichtige Einsicht, daß die Dimension einer Gleichung nicht durch ihren Grad, sondern die Anzahl der Unbekannten bestimmt wird. G. Galilei

P

G. Galilei berichtet in einem Brief vom 5. Juni von seiner Idee, zur genauen Zeitmessung ein Pendel zu nutzen und mit einem Zählwerk zu verbinden. M. Mersenne

P

M. Mersenne untersucht in Harmonie universelle den EinÁuß von Länge, Dicke, Material und Spannung einer Saite auf die Tonhöhe und kennt Resonanzerscheinungen zwischen zwei gleichen Saiten sowie wenn die Länge der zweiten Saite die Hälfte, ein Drittel oder ein Viertel der Länge der schwingenden Saite beträgt.

die er genauer analysiert, ohne die Bedeutung des Experiments zu negieren. Die Existenz der Dinge erschließt sich aus dem Denken. M • P R. Descartes begründet durch seine epochemachende La géométrie die analytische Geometrie, mit der er eine Algebra geometrischer Strecken anstrebt. Zugleich bereitet er damit eine bessere Beschreibung von Bewegungsvorgängen in der Physik vor. R. Descartes

R. Descartes

R. Descartes

R. Descartes

W

R. Descartes veröffentlicht im Discours de la méthode grundsätzliche theoretische Prinzipien zur wissenschaftlichen Forschung, wobei die Metaphysik eine Schlüsselposition einnimmt. Er favorisiert die mathematisch-deduktive Methode,

M

R. Descartes löst Gleichungen höheren Grades mittels algebraischer Kurven, gibt die Cartesische Zeichenregel über die mögliche Anzahl positiver bzw. negativer Gleichungslösungen, einen intuitiven Verweis auf den Fundamentalsatz der Algebra und weitere Resultate zur Gleichungslehre an. G. Galilei

A

G. Galilei entdeckt die Libration des Mondes in der Breite und die parallaktische Libration. R. Descartes

P

Das von ihm etwa 1626 abgeleitete Lichtbrechungsgesetz (vgl. 1626) wird von R. Descartes in der Abhandlung La Dioptrique bekannt gemacht. Das Licht erklärt er als Tendenz zur Bewegung, die sich im Äther räumlich ausbreitet. Bei einigen optischen Phänomenen benutzt er auch korpuskulartheoretische Elemente zur Erläuterung. Im Auge entsteht der Lichteindruck z. B. durch den Druck kleiner Kügelchen. R. Descartes

1637

M

Mit seiner Koordinatenmethode gibt R. Descartes eine Einteilung der Kurven, behandelt die Kegelschnitte neu und Àndet mit dem Verfahren der unbestimmten KoefÀzienten eine Methode zur Tangentenbestimmung.

P

Die Akkommodationsfähigkeit des Auges wird von R. Descartes z. T. auf Formveränderungen der Linse zurückgeführt. R. Descartes

P

R. Descartes beschreibt Lupen mit Beleuchtungsspiegeln für mikroskopische Untersuchungen.

1637 – 1638

190

R. Descartes

P

Die Entstehung des Regenbogens und des Nebenregenbogens sowie deren Erscheinungswinkel von 42◦ und 52◦ werden von R. Descartes richtig durch Beobachtungen an einer Wasserkugel abgeleitet. Wie F. Maurolico (vgl. 1575) ist er der Meinung, daß die Farben ebenso wie am Prisma zu erklären sind.

Kepler einem größeren Leserkreis bekannt und verteidigt es als mit Vernunft und Erfahrung übereinstimmend. J. Wilkins

A

A. Sala beschreibt die Reinigung von Zucker mit Kalk.

Nach J. Wilkins in Discovery of a new world haben Mond und andere Planeten ähnliche natürliche Merkmale wie die Erde. Daraus leitet er die Möglichkeit der Besiedlung des Mondes durch „beseelte und vernünftige Geschöpfe“ und – in der Ausgabe von 1640 – eines Fluges zum Mond ab.

F. Stelluti

G. Galilei

A. Sala

C

G

F. Stelluti veröffentlicht eine Abhandlung über versteinertes Holz, das in der Region von Todi gefunden worden ist. Nachdem er darin zunächst verbrannte, mineralisierte Baumstämme gesehen hat, interpretiert er es schließlich doch anorganisch als Erde, die durch die Wirkung des unterirdischen Feuers und von Schwefelwasser holzartig geworden ist. Wang Shi Chen

G

Nachdem Trilobiten bereits seit 970 in chinesischen pharmazeutischen Kompendien verschiedentlich erwähnt werden und wahrscheinlich schon seit dem 3. Jahrhundert bekannt sind, gibt vor allem Wang Shi Chen eine ausführliche Beschreibung dieser Fossilien.

1638 W • M Auf der Basis eines neuen mathematischen Methodenkonzepts entwickelt J. Jungius in der Logica Hamburgensis eine Wissenschaftslehre und versucht, die Logik durch eine dem dynamischanalytisch-mathematischen Denken entsprechende Beweistheorie und die Schaffung einer Begriffsschrift zu reformieren. Das Werk belegt zugleich das wachsende Interesse am Studium der formalen Logik. J. Jungius

G. Galilei

M

In den Discorsi . . . gibt G. Galilei mit der eindeutigen Zuordnung einer natürlichen Zahl zu ihrer Quadratzahl ein erstes Beispiel einer Menge, die einer ihrer Teilmengen gleichmächtig ist. A • W In zwei Publikationen Discovery . . . und Discourse concerning an new planet (1640) macht der puritanische Geistliche J. Wilkins das neue Weltbild von N. Copernicus, G. Galilei und J. J. Wilkins

P

Die Discorsi e dimostrazioni matematiche intorno à due nuove scienze werden in Leiden gedruckt. G. Galilei stellt darin seine Auffassungen über Festigkeit, Mechanik und lokale Bewegungen, wie Fall und Wurf, zusammen und schreibt so das erste neuzeitliche Lehrbuch der Mechanik und Festigkeitslehre. G. Galilei P • W In den Discorsi . . . arbeitet G. Galilei heraus, daß die mathematische Deduktion mit dem Experiment als Kriterium der Wahrheit verbunden werden muß, und begründet damit die mathematischexperimentelle Methode der Naturwissenschaften. G. Galilei

P

G. Galilei vergleicht im Anschluß an N. Oresme (vgl. 1360) in einem Geschwindigkeits-ZeitDiagramm eine gleichmäßig beschleunigte Bewegung mit einer gleichförmigen. Er beweist auf neue Art, daß der zurückgelegte Weg gleich ist, wenn die Geschwindigkeit der gleichförmigen Bewegung gleich der mittleren Geschwindigkeit der beschleunigten ist. G. Galilei

P

Aus seinem Vergleich mit der gleichmäßigen Bewegung kann G. Galilei folgern, daß sich bei der gleichmäßig beschleunigten Bewegung in gewissen Zeiten zurückgelegte Strecken wie die Quadrate der Zeiten verhalten, und verallgemeinert damit sein Fallgesetz. G. Galilei

P

Bei seinen Untersuchungen mit Pendeln verschiedener Länge Àndet G. Galilei, daß sich die Quadrate der Schwingungszeiten wie die Pendellängen verhalten, und nimmt an, daß sie unabhängig von Pendelmasse und Schwingungsweite sind.

191

1638 – 1639

G. Galilei

P

Die Forschungen von G. Galilei zur Balkenbiegung, die er in den Discorsi . . . darlegt, gelten als die Anfänge der Elastizitäts- und Festigkeitslehre. G. Galilei

P

G. Galilei macht einen Vorschlag zur Messung des „horror vacui“ sowie der Luftdichte und regt damit Untersuchungen zu Luftdruck und Vakuum an. G. Marcgrave

G

Unterstützt vom Grafen Moritz von Nassau bereist G. Marcgrave in Begleitung von W. Piso bis 1641 Brasilien vom Rio Grande bis zum Gebiet südlich Pernambuco (Recife). Er führt astronomische Ortsbestimmungen, Kartenaufnahmen, PÁanzen- und Tiersammlungen und ethnographische Beobachtungen durch. Eine PÁanzengattung trägt heute seinen Namen. Seine umfassende Beschreibung Südamerikas kann er nicht mehr realisieren. 1648 erscheint posthum die Naturgeschichte Barasiliens. W. Piso

G

Die Durchforschung der brasilianischen Küste wird von W. Piso, Leibarzt von Moritz von Nassau, von Pernambuco (Recife) aus organisiert, wobei er sich bis etwa 1644 teilweise selbst an den Erkundungen beteiligt.

um 1639 W. Gascoigne

A

Durch die Einführung eines Fadenkreuzes zur genaueren Ausrichtung auf das Beobachtungsobjekt und des Schraubenmikrometers zur Messung kleiner Winkeldifferenzen ermöglicht W. Gascoigne erstmals die Nutzung des Fernrohrs als Meßinstrument.

1639 W

Die private Ryukoku Universität wird in Kyoto als buddhistisches Seminar gegründet. Sie gilt z. T. als älteste Universität Japans, da staatliche, nicht religiös orientierte Universitäten erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts entstehen. F. Debeaune

M

In einem Brief an M. Mersenne stellt der Jurist F. Debeaune, angeregt durch physikalische Fragen über Schwingungen, erstmals das umgekehr-

te Tangentenproblem, d. h. die Integration einer Differentialgleichung. G. Desargues

M

Mit dem „Brouillon-Projekt“ beginnt G. Desargues, in einer Reihe von Schriften seine synthetische, projektive Geometrie der Kegelschnitte zu entwickeln, und führt wichtige Grundideen ein, z. B. Involution, Schneiden der Parallelen im Unendlichen, unendlich ferner Punkt und 1648 den Desarguesschen Satz. J. Horrocks, W. Crabtree

A

Unabhängig voneinander beobachten J. Horrocks und W. Crabtree am 4. Dezember erstmals einen Durchgang der Venus durch die Sonnenscheibe, den sie vorausberechnen konnten, nachdem sie durch genaue Beobachtungen die Keplerschen Tafeln korrigiert hatten. Horrocks vermerkt, daß aus Beobachtungen an verschiedenen Orten eine Berechnung der Entfernungen Venus-Erde und Sonne-Erde möglich sei. M. Marci von Kronland

P

M. Marci von Kronland formuliert erstmals richtige, quantitative Sätze über elastische Stöße. Auf Grund verschiedener Materialeigenschaften teilt er die Körper in weiche, harte, zerbrechliche, halb absolut harte u. ä. ein. C. de Acuña

G

Als Begleiter des Portugiesen P. Teixeira reist C. de Acuña von Quito nach Pará. Acuñas Bericht, der 1641 erscheint, ist eine sehr detailreiche Beschreibung des Amazonasgebietes. D. Kopylov, I. J. Moskvitin

G

Nachdem D. Kopylov am Fluß Aldan ein Lager errichtet hat, beauftragt er I. J. Moskvitin, das große Meer der Eweken zu suchen. Moskvitin folgt dem Fluß Maja und erreicht über das Dshugdshurgebirge 1639 als erster Europäer das Ochotskische Meer, dessen Küste er zwischen den Mündungen von Taui und Uda erkundet. 1642 kehrt er nach Jakutsk zurück. In dem Reisebericht erwähnt er erstmals den Amur. G. Plattes

G

G. Plattes führt die Bildung der Gesteine und der metallhaltigen Gänge auf bituminöse und schwefelige Dämpfe aus dem Erdinneren zurück, was er auch experimentell zu belegen sucht. Zur Erklärung der Metallbildung zieht er die SchwefelQuecksilber-Theorie heran.

1640 – 1641

192

um 1640 J. B. van Helmont

C

ferische Kraft an, welche die Erzlagerstätten noch heute kontinuierlich wachsen läßt.

J. B. van Helmont unterscheidet Gase wie z. B. Kohlendioxid und Luft. Er prägt den Begriff Gas.

1640 B. Pascal

M

Der 16jährige B. Pascal schreibt, an G. Desargues anknüpfend, ein Essay über die projektive Erzeugung der Kegelschnitte. Er gibt den Satz vom „Pascalschen Sechseck“ an und gründet darauf bis 1654 ein projektives Studium der Kegelschnitte. A • P N. Zucchi benutzt das von ihm 1616 gebaute, noch primitive Spiegelteleskop zur genauen Beobachtung der MarsÁecken. Das Gerät, das als eines der ersten gilt, wird 1652 von ihm beschrieben und dient J. Gregory und I. Newton als Anregung. N. Zucchi

P. Gassendi

P

P. Gassendi gibt eine richtige Formulierung des Trägheitsprinzips. M. Mersenne

P

M. Mersenne gelingt es, die Schallgeschwindigkeit in der Luft zu ermitteln, indem er den Zeitunterschied zwischen dem Sehen des Lichtblitzes und dem Hören des Kanonenknalls von einem geeigneten Beobachtungsort aus bestimmt. Dieses von F. Bacon vorgeschlagene Verfahren (vgl. 1600) wird wenig später auch von P. Gassendi angewandt. G. B. Riccioli, F. M. Grimaldi

P

G. B. Riccioli und F. M. Grimaldi führen in Bologna bis 1654 zahlreiche Versuche durch, um den EinÁuß des Luftwiderstandes auf den freien Fall von Körpern zu bestimmen, und bestätigen dabei auch Galileis Fallgesetz. J. Parkinson

B

J. Parkinson beschreibt und klassiÀziert in seinem Theatrum botanicum etwa 3 800 PÁanzen. A. A. Barba

G

A. A. Barba weist in seinem, wohl schon 1637 abgeschlossenen Werk El arte de los metales die Ansicht zurück, daß die Erzlagerstätten von Anbeginn der Schöpfung an in ihrem heutigen Zustand existierten. Er nimmt vielmehr eine schöp-

1641 R. Descartes W • P R. Descartes publiziert die Grundidee seiner Physik. Den Dingen schreibt er räumliche Ausdehnung und Bewegung als Grundqualitäten zu. Alle anderen Qualitäten sind nach seinen metaphysischen Prinzipien daraus abzuleiten. Darauf basiert die Wirbeltheorie des Universums und die Unterwerfung aller Abläufe unter mechanische Gesetze. E. Torricelli

M

Die Indivisiblenmethode verbessernd und durch antike Beweismethodik ergänzend, zeigt E. Torricelli erstmals, daß ein bis ins Unendliche ausgedehnter Körper ein endliches Volumen haben kann, was der Berechnung eines unendlichen Integrals entspricht. Anschließend berechnet er das Volumen von Körpern, die bei der Rotation von Kurven des Typs cn = xm yn (m, n > 0, m = n) entstehen. Die Methode entspricht z. T. dem Übergang zu Zylinderkoordinaten. Eine zusammenfassende Publikation bleibt 1647 unvollendet. G. Galilei

P

Um einen gleichmäßigeren Gang und höhere Genauigkeit als bei den seit dem 14. Jahrhundert gebräuchlichen Gewichtsuhren mit Hemmung zu erreichen, schlägt G. Galilei ein Pendel als Regulator vor. E. Torricelli

P

E. Torricelli publiziert in Italienisch seine Ergebnisse bei der Anwendung von Galileis Fallgesetzen auf ausströmende Flüssigkeiten. Er berechnet die AusÁußgeschwindigkeit von Flüssigkeiten aus Gefäßen. Sie ist der Quadratwurzel aus der jeweiligen Flüssigkeitshöhe proportional. 1644 erscheint die Arbeit in lateinischer Sprache. N. Tulp

B

N. Tulp beschreibt erstmals einen lebenden Schimpansen. A. Kircher

G

A. Kircher erstellt eine erste Deklinationstafel, d. h. eine Tafel der magnetischen Mißweisung für verschiedene Orte der Erde.

193

1642 – 1643

um 1642 G. P. de Roberval

A. Kircher M

Mit der kinematisch-geometrischen Methode der Zusammensetzung von Bewegungen rektiÀziert G. P. de Roberval als einer der ersten mehrere Kurven, u. a. Zykloide, verallgemeinerte Zykloide, Parabeln bzw. Spiralen.

1642 B. Pascal

M

B. Pascal beginnt gegen Ende des Jahres, sein theoretisches Konzept für eine mechanische Rechenmaschine für Addition und Subtraktion praktisch umzusetzen. Er soll über 50 Modelle konstruiert haben, bevor ihm 1645 eine befriedigende Realisierung gelingt. J. G. Wirsung

B

J. G. Wirsung entdeckt den Ausführungsgang der Bauchspeicheldrüse beim Menschen. G

Französische Siedler gründen Ville-Marie, die spätere Stadt Montreal sowie an der Ostküste von Madagaskar das Fort Dauphin, das 1674 wieder aufgegeben wird. Beide Orte dienen insbesondere als Basis für Erkundungen. A. J. Tasman

G

Beauftragt einen Seeweg von Indien nach China sowie das Südland zu suchen, segelt A. J. Tasman von Batavia nach Mauritius und von dort ostwärts. Er entdeckt Vandiemensland (seit Mitte 19. Jahrhundert Tasmanien), und Neuseeland, ohne es als Insel bzw. Doppelinsel zu erkennen. Neuseeland nennt er Staatenland, da er eine Verbindung zur Staateninsel (vgl. 1616) vermutet.

1643 P. de Fermat

P. de Fermat leitet mit Descartes’ Gleichungstheorie das Kriterium der zweiten Ableitung für die Entscheidung zwischen Maxima und Minima ab. E. Torricelli

Nachdem sich A. Kircher bereits 1631 mit der Messung magnetischer Kräfte befaßt hatte, stellt er die zeitgenössischen Kenntnis zu Magnetismus, Erdmagnetismus und Elektrizität einschließlich neuer bzw. bekannter Experimente in Magnes sive de arte magnetica zusammen und trägt zu ihrer Verbreitung bei. Er sieht im Magnetismus ein Universalprizip zur Erklärung aller Erscheinungen der Natur und widmet diesem Thema mehrere umfangreiche Bücher. Dabei prägt er u. a. den Begriff Elektromagnetismus und schlägt einen magnetischen Telegraphen vor. G. P. de Roberval

M

E. Torricelli bestimmt den Flächeninhalt der Zykloide und beschreibt die Vivianische Konstruktion der Tangenten an diese Kurve, die der Robervalschen Methode ähnelt. Bei der Verallgemeinerung seiner Tangentenmethode konstatiert er implizit den Fundamentalsatz der DifferentialIntegralrechnung, ohne dessen Bedeutung zu erkennen.

P

G. P. de Roberval behauptet, daß auf die ganze Materie im Universum eine anziehende (Gravitations-) Kraft wirkt und die Gleichgewichtskraft durch den dazwischenliegenden Äther entsteht. E. Torricelli, V. Viviani

P

Um die Wirkung des Luftdrucks nachzuweisen, führen E. Torricelli und V. Viviani Experimente durch: In einer oben verschlossenen, mit Quecksilber gefüllten Röhre, die in ein Quecksilberbad eintaucht, fällt die Quecksilbersäule unabhängig von Größe und Länge der Röhre, auf eine Höhe von ca. 760 mm, was nach Torricelli dem Luftdruck auf das Quecksilberbad und nicht dem „Horror vacui“ zuzuschreiben ist. Der leere Raum über der Quecksilbersäule, sog. Torricellische Leere, gilt als ein starker Beweis für die reale Existenz des Vakuums. E. Torricelli

M

P

P

E. Torricelli benutzt die nach ihm benannte Versuchsanordnung als Barometer und schließt aus den Schwankungen in der Höhe der Quecksilbersäule auf die Veränderung des Luftdrucks. G. Fournier

G

G. Fournier trägt in seiner Hydrographie . . . eine große Anzahl von Tatsachen zum Aufbau einer wissenschaftlichen Ozeanographie zusammen, u. a. eine Theorie der Meeresströmungen. K. Ivanov

K. Ivanov entdeckt den Baikalsee.

G

1643 – 1645

194

V. D. Pojarkov

G

Der Kosakenführer V. D. Pojarkov unternimmt bis 1646 von Jakutsk aus eine Expedition in das Amurgebiet und an das Ochotskische Meer. 1644 erreicht er die Amurmündung und die Insel Sachalin. Zusammen mit den Erkundungen I. J. Moskvitins (vgl. 1639) ist damit die erste Durchdringung Südsibiriens vollendet und formal der Anschluß an die niederländischen Entdeckungen hergestellt. A. J. Tasman

G

In Fortsetzung seiner Erkundungsfahrt (vgl. 1642) entdeckt A. J. Tasman auf dem Rückweg von Neuseeland nach Batavia (Djakarta) die südlichen Tonga- und die Fidschi-Inseln sowie Neuirland und Neubritannien (vgl. 1615), die er für Teile Neuguineas hält. Damit war klar, daß Australien nicht zum Südland gehört. C. de Vries

G

C. de Vries segelt an der Ostküste Japans entlang und entdeckt die Inseln Hokkaido, die Kurileninsel Iturup und Sachalin. Letztere erkennt er aber nicht als Insel.

um 1644 F. Debeaune

M

In den Erläuterungen zu La Géometrie von R. Descartes bestimmt F. Debeaune Eigenschaften einer Kurve aus ihrer Gleichung und lehrt, Grenzen zu Ànden, zwischen denen die reellen Wurzeln einer Gleichung liegen.

1644 E. Torricelli

M

E. Torricelli veröffentlicht seine Opera geometrica. Darin gibt er u. a. die RektiÀkation der logarithmischen Spirale an, ein erstes Beispiel der Einhüllenden einer Kurvenschar, und behandelt mehrere Extremwertaufgaben und die Bestimmung des Schwerpunkts von Figuren. R. Descartes

A

R. Descartes entwickelt auf der Basis der Wirbeltheorie eine Hypothese zur Entstehung des Sonnensystems, die in der Kant-Laplaceschen Theorie ihre Fortsetzung Àndet. Den Grundgedanken dieser Hypothese hatte er bereits 1637 formuliert. R. Descartes

P

In den Principia philosophiae veröffentlicht R. Descartes seine Bewegungslehre. Er folgert aus

der göttlichen Vollkommenheit die Erhaltung der Bewegung: das Produkt von Masse und Geschwindigkeit m · v, summiert über alle Körper, soll konstant sein. Diese Vorform des Impulssatzes berücksichtigt die Unzerstörbarkeit von Masse und Bewegung, nicht aber den Vektorcharakter der Geschwindigkeit. R. Descartes

P

R. Descartes folgert im Rahmen seiner Nahwirkungstheorie und aus dem Stoßprinzip, daß sich natürliche Bewegungen mit gleichförmiger Geschwindigkeit geradlinig und ohne Zeitverzug fortpÁanzen. Das ist eine weitere Vorstufe für die Formulierung des Trägheitsprinzips bei I. Newton. R. Descartes

G

R. Descartes erklärt die Entstehung der Gänge dahingehend, daß eine Schicht von schweren Metallen, vom feurigen Erdinneren erhitzt, Dämpfe bildet, die durch die Risse der Erde aufsteigen, dort abkühlen und erstarren. Ebenso entstehen Erdbeben und Vulkane durch im Erdinneren aufsteigende Dämpfe, die sich dabei ausdehnen und auch in Brand geraten können. R. Descartes

G

R. Descartes gibt in seinen Principia philosophiae die Vorstellung eines schalenförmigen Baues der Erde. Dabei ist der Erdkern aus feiner Sternenmaterie kreisförmig von Schichten aus Eisen, schwerem Fels, leichtem Fels, Wasser und schließlich Luft umgeben. Hauptfaktor der Reliefbildung ist das Einbrechen der äußeren Erdschicht über der darunter beÀndlichen Wasserschicht. Außerdem beschreibt er den Wasserkreislauf in der Natur. A. J. Tasman

G

Um zu klären, ob Neuguinea, Australien und Vandiemensland (Tasmanien) eine zusammenhängende Landmasse bilden, unternimmt A. J. Tasman eine weitere Erkundungsfahrt, auf der er die Nordküste Australiens, insbesondere die des Carpentariagolfs kartiert. Die Torresstraße Àndet er nicht (vgl. 1606) und hält die Gebiete deshalb für zusammenhängend.

um 1645 O. v. Guericke

P

Nach jahrelangen Bemühungen gelingt O. v. Guericke die Konstruktion einer Luftpumpe, die

195

1645 – 1647

er dann weiter verbessert und bei seinen zahlreichen Versuchen zur Erzeugung und Erforschung eines Vakuums einsetzt.

Substanz her und erwähnt erstmals Meeresleuchten organischen Ursprungs.

1645

Um zwischen den verschiedenen Erklärungen des Torricellischen Versuchs zu entscheiden, wiederholt B. Pascal dessen Experimente in mehreren Abwandlungen. Er benutzt u. a. verschiedene Flüssigkeiten und bestätigt Torricellis Erkenntnisse bezüglich Luftdruck und entstehendem Vakuum. 1647 publiziert er erste Ergebnisse.

I. Boulliau

B. Pascal A

Der französische Astronom I. Boulliau propagiert ein heliozentrisches Planetenmodell, lehnt aber Keplers Astrophysik ab. Er erkennt, wie nur wenige, Ellipsen als Planetenbahnen an, die er mit der gleichförmigen Kreisbewegung verbindet. Falls es die Planeten bewegende Kräfte gibt, variieren diese umgekehrt zum Quadrat der Abstände. Seine Arbeit stimuliert die Auseinandersetzung mit Keplers Ideen. A. M. Schyrlaeus

P

Einer Idee Keplers nachgehend, konstruiert der Kapuziner A. M. Schyrlaeus ein terrestrisches Fernrohr mit aufrechtem Bild und benutzt erstmals die Bezeichnungen Okular und Objektiv. M. A. Severino

P. de Fermat

M

P. de Fermat entwickelt eine neue Methode zur Integration von Kurven der Form yn = kxm und xm yn = k (m, n positiv, m + n > 2). Die Methode wird nur wenig bekannt, Fermat erkennt nicht den Zusammenhang mit dem Problem der Tangentenbestimmung.

1646 A

F. Fontana veröffentlicht in Neapel die beiden ersten Marszeichnungen, die auf die Jahre 1636 bzw. 1638 zurückgehen. Er beobachtet erstmals die Flecken des Mars und behauptet ungerechtfertigt, 1608 das Fernrohr und 1618 das Mikroskop erfunden zu haben. A. Kircher

P

A. Kircher berichtet als einer der ersten über die Fluoreszenz, die durch die aus Holzstücken hergestellte Tinktur „lignum nephriticum“ erzeugt wird. Er stellt eine künstlich phosphoreszierende

P

P. Petit führt Torricellis Quecksilberbarometer in Rouen vor. M. A. Severino

B

M. A. Severino wendet eine Kältebehandlung mit Eis und Schnee zur Anästhesie an.

1647 J. Hevelius

A

J. Hevelius in Danzig gibt nach neunjährigen Beobachtungen die Selenographie heraus und begründet damit die Mondtopographie. Er entdeckt die Libration des Mondes. B. Cavalieri

um 1646

F. Fontana

P. Petit

B

Die Schrift Zootomia democritea . . . von M. A. Severino gilt als erstes umfassendes Werk zur vergleichenden Anatomie. Severino umreißt darin eine neue Auffassung von Anatomie sowie seine Idee, die Natur habe bei einzelnen Tiergattungen einen gemeinsamen Plan verfolgt.

P

P

B. Cavalieri wendet die Theorie der Kegelschnitte in der Optik und Akustik an. Er äußert u. a. vor J. Gregory und I. Newton die Idee eines Spiegelteleskops, berechnet die Brennweiten von Linsen unterschiedlicher Krümmung und erläutert die Brennspiegel des Archimedes. A. Olearius

G

A. Olearius publiziert die Beschreibung seiner Reise von 1635 (vgl. 1635) Offt begehrte Beschreibung der Newen Orientalischen Reise, . . . Der Bericht ist eine wertvolle historische Quellenschrift über Rußland und Persien in einer europäischen Sprache. Das Buch enthält viele Abbildungen und Karten und gilt als ein Musterbeispiel für eine wissenschaftliche Reisebeschreibung. I. Rebrov

G

I. Rebrov erreicht als Erster die Indigirkamündung, nachdem er bei seiner Erkundung der Eismeerküste östlich des Lenadeltas bereits die Janamündung entdeckt hatte.

1648 – 1649

196

um 1648 J. de Witt

B. Pascal M

Elementa curvarum, das erste Lehrbuch zur analytischen Geometrie, wird von J. de Witt verfaßt und erscheint 1659/61 als Anhang zu F. v. Schootens Geometria. Es enthält neben kinematischen und planimetrischen DeÀnitionen der Kegelschnitte und dem Begriff der Direktrix eine Reduktion aller Gleichungen zweiten Grades auf kanonische Formen.

1648 B. Pascal

M

B. Pascal gelingt im März eine rein projektivgeometrische allgemeine Fassung des Problems von Pappos. R. Magiotti

P

In Briefform berichtet R. Magiotti erstmals über die fast völlige Inkompressibilität des Wassers bei konstanter Temperatur, beschreibt die Ausdehnung von Luft und Wasser bei Temperaturänderung und erwähnt einige Thermometer sowie den fälschlich nach R. Descartes benannten Taucher. E. Maignan

P

E. Maignan veröffentlicht ein umfangreiches Werk über Sonnenuhren und verschiedene optische Themen. M. Marci von Kronland

P

In Thaumantias liber de arcu coelesti stellt der Mediziner M. Marci von Kronland die Ergebnisse seiner optischen Versuche zusammen. Er beschreibt die Entstehung der Spektralfarben des Lichtes am Prisma und bemerkt, daß jede Farbe einem speziÀschen Brechungswinkel entspricht und bei weiterer Brechung nicht nochmals aufgespalten wird. Eine genaue Erklärung der Resultate gibt er nicht. M. Marci von Kronland

B • C J. B. van Helmont gibt in seinem posthum veröffentlichten Ortus medicinae, aufbauend auf den iatrochemischen Ideen von Paracelsus (vgl. 1530), eine vitalistische Erklärung aller im Körper ablaufenden chemischen Prozesse. J. B. van Helmont

B • C Im Ortus medicinae folgert J. B. van Helmont, daß die Gewichtszunahme einer von ihm gepÁanzten Weide aus der stetigen Wasserzufuhr resultiert. Dies ist eine der ersten quantitativen Experimente der PÁanzenphysiologie. Van Helmont gibt zugleich iatrochemische Erklärungen für zahlreiche physiologische Erscheinungen. J. B. van Helmont

S. I. Deschnjow, F. A. Popov

P • G B. Pascal erkennt die Abnahme des Luftdrucks mit der Höhe und läßt sie am 19. September durch Versuche am Berg Puy de Dôme bestätigen. Damit sind wichtige Voraussetzung für die barometrische Messung von Höhenunterschieden im Relief geschaffen.

G

S. I. Deschnjow und der Händler F. A. Popov fahren auf Kotschen von der Kolyma-Mündung an der Nordpolarmeerküste ostwärts und umfahren das Nordostkap Asiens, das heute Kap Deschnjow heißt. Während Deschnjow südlich der Anadyrmündung landet, sich zum Anadyr durchschlägt und 1662 nach Jakutsk zurückkehrt, gelangt Popov zur Halbinsel Kamtschatka, die er umsegelt. Bei der Überwinterung stirbt er 1650. Deschnjows Bericht bleibt bis 1736 vergessen, doch die Kunde davon ist möglicherweise von N. C. Witsen 1692 nach Westeuropa vermittelt worden.

1649

P

M. Marci von Kronland berichtet über Farberscheinungen an dünnen Schichten, die später als Ergebnis der Interferenz des Lichtes erklärt werden.

P

Flüssigkeitsdruck und Luftdruck werden von B. Pascal untersucht, verglichen und auf gemeinsamer Basis erklärt. Damit wird eine einheitliche Behandlung von Aero- und Hydrodynamik angeregt.

W • P Mit der Veröffentlichung seiner Epikur-Studien fördert P. Gassendi die Rezeption der griechischen Atomlehre. P. Gassendi

B. Pascal

F. v. Schooten

M

In Leiden übersetzt F. v. Schooten die Géométrie des R. Descartes ins Lateinische, kommentiert sie und macht sie in Europa bekannt. In der zweiten Auflage erweitert er die Kommentare und fügt neue Resultate an.

197

1649 – 1651

B. Varenius

G

Als letzter Band der seit 1626 beim Verlagshaus Elsevier erschienenen Landeskunden, den „Republiken“, wird eine Japankunde von dem Arzt B. Varenius ediert. Varenius kompiliert den Stoff, baut ihn jedoch methodisch interessant auf.

C

In Nordhausen (Thüringen) wird aus Eisenvitriol Schwefelsäure (Nordhäuser Vitriolöl) hergestellt.

1650 M

P. Mengoli berechnet erstmals die Summen nichtgeometrischer Reihen und zeigt, daß eine Reihe divergieren kann, obwohl ihre Glieder eine Nullfolge bilden. G. B. Riccioli

A

G. B. Riccioli entdeckt den ersten Doppelstern Mizar. H. Fabri

P

Bei seinem Studium der Kapillarität in engen Röhren erkennt H. Fabri, daß die Steighöhe bzw. die Depression einer Flüssigkeit dem Radius der Kapillare (Röhre) umgekehrt proportional ist. J. R. Glauber

C

J. R. Glauber entwickelt die Vorstellung, daß chemische Reaktionen durch die „chemische Verwandtschaft“ der Stoffe bedingt sind. F. Glisson

B

F. Glisson beschreibt die Rachitis, d. h. die englische Krankheit, und deren Therapie. F. Sylvius

B

F. Sylvius entdeckt die Lymphgefäße in der Leber. Er beschreibt Tuberkeln in der Lunge und bringt sie mit der Lungenschwindsucht (Lungentuberkulose) in Verbindung. E. P. Chabarov

G

B. Varenius

um 1650

P. Mengoli

S. Motora

Eine Kosakenabteilung unter S. Motora zieht von Nishne Kolymsk über das Gebirge zum Anadyr und trifft dort auf S. I. Deschnjow. Damit ist der Landweg zwischen den beiden wichtigsten Flüssen der Nordostspitze Sibiriens gefunden.

G

Nachdem E. P. Chabarov bereits 1649 Gebiete Dauriens erforscht hatte, unternimmt er von Jakutsk aus einen Erkundungszug nach Albasin, dem Hauptort Dauriens am Amur, erobert es, zieht 1651 den Amur abwärts bis in die Gegend der heutigen Stadt Chabarowsk und kehrt 1653 nach Jakutsk zurück.

G

B. Varenius stellt in seinem grundlegenden Werk der wissenschaftlichen Geographie Geographia generalis eine erste systematische Großgliederung der OberÁächenformen der Erde vor, wobei er die einzelnen Erdregionen vor allem nach physisch-geographischen Gegebenheiten, wie Klima, Ausprägung der Jahreszeiten, Fruchtbarkeit des Bodens, unterscheidet. Bis 1790 erscheinen 15 vollständige und vier Teilauflagen des Werkes. B. Varenius

G

B. Varenius gibt eine eingehende Beschreibung der Windverhältnisse auf der Erde. Er diskutiert die Natur von Land- und Seewinden sowie Tagund Nachtwinden an Küsten, und er gibt eine annähernd richtige Deutung des Passatphänomens, indem er hierbei neben den Luftgegensätzen auch den EinÁuß der Erdrotation erörtert. B. Varenius

G

B. Varenius gibt eine erste KlassiÀkation der Wasserbedeckung der Erde in offene Ozeane, Meerbusen und Meeresstraßen sowie eine DeÀnition der Meeresströmungen. Er unterscheidet „allgemeine“, nach Westen gerichtete und „spezielle“, z. B. den Golfstrom, sowie „zufällige“, durch Winddrift erzeugte Strömungen.

1651 A. Tacquet

M

Der Belgier A. Tacquet entwickelt die von Archimedes benutzte Exhaustionsmethode weiter. G. B. Riccioli

A

Im Almagestum novum faßt G. B. Riccioli die bisherige Entwicklung der Astronomie zusammen und versucht, die copernicanische Lehre zu widerlegen. G. B. Riccioli

A

G. B. Riccioli nimmt die ersten trigonometrischen Höhenbestimmungen der Wolken vor.

1651 – 1653

198

G. B. Riccioli

A

G. B. Riccioli fertigt eine neue Mondkarte der sichtbaren Merkmale an. Diese wird von F. M. Grimaldi ergänzt, indem er die Höhe von Mondbergen abschätzt und die Berge bzw. andere Merkmale nach Wissenschaftlern benennt. W. Harvey

B

Die von W. Harvey in De generatione animalium beschriebenen vergleichenden Untersuchungen über Ernährung, Atmung und Wachstum tierischer Embryonen führen (im Gegensatz zur Präformationstheorie) zu einer epigenetischen Auffassung der Keimesentwicklung, wonach sich aus der homogenen Materie des Eies allmählich die späteren Organe differenzieren. Bis zum 18. Jahrhundert dominiert aber die Präformationstheorie. J. Pecquet

B

J. Pecquet gibt die Entdeckung des Milchbrustganges (Ductus thoracicus) bekannt und zeigt, daß der Chylus vom Darm nicht durch die Leber, sondern durch die Schlüsselbeinvene ins Blut gelangt. Erste Studien gehen bis 1647 zurück. J. R. Glauber

G

J. R. Glauber führt die Entstehung der Metalle indirekt auch auf den EinÁuß der Sterne zurück. Deren Kräfte werden im hohlen Erdinneren wie in einem Brennspiegel gebündelt und erzeugen so eine starke Hitze, die auf die darüberliegenden Erdschichten zurückstrahlt und dort, zusammen mit Feuchtigkeit und den Erden, die Metalle entstehen läßt.

W

Gründung der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina in Schweinfurt als älteste naturwissenschaftlich-medizinische Gesellschaft unter dem Namen Academia Naturae Curiosorum. Sie wird 1687 vom Kaiser Leopold I. mit Rechten und Privilegien ausgestattet und zur kaiserlichen Akademie erhoben.

B

S. I. Deschnjow

G

Im Anschluß an seine Expedition um das Nordkap (vgl. 1648) erkundet S. I. Deschnjow mit einer kleinen Gruppe sibirischer Kosaken den Lauf des Anadyr.

1653 A. Bosse

M

Schon lange für die Verbreitung der Desarguesschen Methoden wirkend, begründet der Graveur A. Bosse ab 1653 die für Bildhauer wichtige räumliche oder Reliefperspektive. O. v. Guericke

P

Auf dem Reichstag von Regensburg führt O. v. Guericke mit der von ihm entwickelten Luftpumpe mehrfach Versuche zu Luftdruck und Vakuum vor. P. Borel

C

P. Borel entdeckt eine sympathetische Tinte, bei der mit Hilfe von Auripigment (ArsentrisulÀd) und Kalk die durch Bleiacetat unsichtbar gemachte Schrift wieder erkennbar wird. J. R. Glauber

C

J. R. Glauber beschreibt in Miraculum mundi Eigenschaften und Anwendung eines allgemeinen „Auflösungsmittels“, d. h. Säuren. T. Bartholin

1652

O. v. Guericke

D. de Marchetti

D. de Marchetti erkennt am Herzen und am Darm die Fähigkeit zu aktiver Bewegung.

B

T. Bartholin beschreibt das Lymphsystem im menschlichen Körper als System mit eigener physiologischer Bedeutung. Er zog diese Schlußfolgerung bereits 1652. O. Rudbeck

B

O. Rudbeck publiziert die 1651 unabhängig von J. Pecquet gemachte Entdeckung, daß die von ihm beschriebenen Lymphgefäße des Darms in den Brustlymphgang einmünden.

P

O. v. Guericke konstruiert ein Wasserbarometer, stellt damit Luftdruckschwankungen fest und bringt diese mit Wetterveränderungen in Verbindung. So sagt er am 9. Dezember 1660 ein Unwetter voraus. Außerdem versucht er, Gewicht und Dichteänderungen der Luft zu bestimmen.

H. Hamel

G

Der holländische Seemann H. Hamel wird als Schiffbrüchiger bis 1667 in Korea festgehalten. Nach seiner Heimkehr vermittelt er in seinem Bericht als erster Europäer erste wichtige Informationen über Land und Leute im Innern Koreas.

199

1653 – 1655

P. Lindeström

1655

G

Der Ingenieur P. Lindeström studiert bis 1655 das Leben der Delawaren und die Natur der schwedischen Kolonie Neuschweden (Neuenglandstaaten), die 1655 den Engländern überlassen werden muß.

M

Der Briefwechsel von P. de Fermat und B. Pascal über die Verteilung des Wetteinsatzes bei Abbruch des Spiels markiert die erste Grundlegung der Wahrscheinlichkeitsrechnung. Der Briefwechsel wird 1679 unvollständig publiziert. B. Pascal

M

M

Die Produktdarstellung von J. Wallis überprüfend, gibt W. Brouncker eine Entwicklung von als Kettenbruch. ʌ J. Wallis

1654 P. de Fermat, B. Pascal

W. Brouncker

M

In der Arithmetica inÀnitorum dokumentiert J. Wallis ein neues funktionales Denken, was zugleich die Basis seiner Interpolationsmethode bildet. J. Wallis

M

J. Wallis berechnet mehrere Integrale durch Interpolation und behandelt Potenzen mit gebrochenen bzw. negativen Exponenten. Er erhält verschiedene Reihen und u a. seine Produktdarstellung für ʌ.

B. Pascal vollendet im August die erste allgemeine und strenge Darlegung über die Anwendung kombinatorischer Methoden bei wahrscheinlichkeitstheoretischen Fragen (1665 publiziert). Er nutzt das Pascalsche Dreieck der BinomialkoefÀzienten sowie Rekursion und mathematische Induktion, von denen er eine klare Beschreibung gibt.

J. Wallis schreibt in Oxford eines der ersten Lehrbücher zur analytischen Geometrie und behandelt die Kegelschnitte auf diese Weise analytisch als ebene Kurven.

J. R. Glauber

Chr. Huygens

C

In seinem bis 1667 in mehreren Teilen erscheinenden Werk Pharmacopoea spagyrica beschreibt J. R. Glauber die Darstellung zahlreicher medizinisch wirkender chemischer Präparate, insbesondere von PÁanzenextrakten und Naturpräparaten. Ferdinand II. de Medici

C

Ferdinand II. de Medici baut ein Flüssigkeitsthermometer. F. Glisson

B

F. Glisson gibt eine detaillierte anatomische und physiologische Beschreibung der Leber. F. I. Bajkov

G

F. I. Bajkov unternimmt bis 1657 eine Gesandtschaftsreise nach China, die ihn von Tobolsk über den Saissansee, die Dsungarei und die Mongolei nach Peking führt. Er ist einer der ersten, der Peking von Rußland aus erreicht. J. Lightfood

G

Nachdem der Erzbischof J. Ussher um 1650 das Datum der Schöpfung der Erde auf das Jahr 4004 v. Chr. berechnet hat, gibt J. Lightfood, Vizekanzler der Universität Cambridge, das Datum der Schöpfung des Menschen mit dem 26. Oktober 4004 v. Chr. um 9 Uhr morgens an.

J. Wallis

M

A

Der Diplomatensohn Chr. Huygens entdeckt den Titan, den größten der acht Monde des Saturn, und ermittelt dessen Umlaufzeit. G. A. Borelli

P

G. A. Borelli erforscht die Kapillaritätserscheinung und erkennt, daß die Höhe der aufsteigenden Flüssigkeit dem Kapillarendurchmesser umgekehrt proportional ist. M. C. des Grosseilliers

G

Der Pelzhändler M. C. des Grosseilliers reist in die Region nördlich der Großen Seen und gelangt bis ans Westufer des Michigansees. 1659/1660 erkundet er mit P. E. Radisson das Gebiet um den Oberen See. M. Martini

G

Nachdem der Missionar M. Martini 1642–1646 mehrere Provinzen Chinas bereist und die Lage einiger Städte mit astronomischen Methoden bestimmt hat, faßt er seine Erkenntnisse in dem Novus atlas Sinensis zusammen. Der Atlas ist landeskundliches Kompendium und Kartensammlung zugleich und stellt einen gewaltigen Fortschritt in der kartographischen Darstellung Chinas dar, da er erstmals ein korrektes Bild von China vermittelt.

1656 – 1657

200

1656 G. A. Borelli

W. Neil B

Die weißen Blutkörperchen (Lymphozyten) werden von G. A. Borelli in Lymphe und Serum entdeckt. Zugleich bemerkt er, daß das zur Blutgerinnung nötige Fibrin erst nach dem Austreten des Blutes entsteht. J. Tradescant

B

J. Tradescant führt Guttapercha, ein aus dem Milchsaft südostasiatischer Bäume (Palaquium species, Sapotaceae) gewonnenes Naturprodukt, in London ein. T. Wharton

B

T. Wharton untersucht die Anatomie der Drüsen und beschreibt den Ausführungsgang der Unterkieferdrüse.

um 1657 J. Hudde

M

Der spätere Bürgermeister J. Hudde vervollkommnet die Cartesische Gleichungslehre, gibt eine Methode zum Erkennen mehrfacher Gleichungswurzeln, die sog. Huddesche Regel, an und teilt einer Buchstabengröße erstmals positive und negative Werte zu.

1657 P. de Fermat

M

In einem zahlentheoretischen Wettstreit formuliert P. de Fermat ab 1654 zahlreiche Probleme, die von großer Bedeutung für die spätere Mathematikentwicklung sind. Durch die Einschränkung der Untersuchungen auf ganze Zahlen formiert er im Prinzip die Zahlentheorie als eigenständigen Zweig der Mathematik. P. de Fermat

M

In den ab 1657 vorgenommenen Studien zu der unbestimmten Gleichung x2 − q = my2 (m = n2 , q ganzzahlig) Àndet P. de Fermat die Methode des „unendlichen Abstiegs“ und formuliert neben vielen Resultaten die erst 1994/95 bewiesene Fermatsche Vermutung, daß xn + yn = zn für natürliche Zahlen x, y, z, n und n > 2 unlösbar ist, und beweist dies für n = 4. Chr. Huygens

M

Chr. Huygens schreibt das erste Buch zur Wahrscheinlichkeitsrechnung De ratiociniis in ludo aleae. Er führt den Begriff des Erwartungswertes ein und gibt eine korrekte Formulierung der Grundbegriffe.

M

Einer Anregung von J. Wallis folgend, gelingt W. Neil die eventuell erste RektiÀkation einer algebraischen Kurve, der semikubischen Parabel y2 = x3 . F. v. Schooten

M

F. v. Schooten gibt eine Rekonstruktion der ebenen Örter des Apollonios sowie seine kinematische Erzeugung der Kegelschnitte von 1646 an und löst mehrere wichtige Einzelprobleme. Als Anhang publiziert er Huygens’ Schrift zur Wahrscheinlichkeitsrechnung. O. v. Guericke

P

Der spektakuläre Versuch zum Nachweis der vom Luftdruck z. B. auf zwei luftleer gepumpte Halbkugeln ausgeübten Kraft, die „Magdeburger Halbkugeln“, wird von O. v. Guericke durchgeführt, nachdem er zuvor diese Kraft abgeschätzt und mit einer anderen Versuchsanordnung bestimmt hatte. R. Hooke

P

R. Hooke verbessert zusammen mit R. Boyle die Luftpumpe Guerickes und nutzt sie, um Galileis Hypothesen zum freien Fall im Vakuum zu überprüfen. Er bestätigt das gleichschnelle Fallen der Körper am Beispiel von Feder und Münze. Chr. Huygens

P

Angeregt durch die für astronomische Beobachtungen und die Längenbestimmung auf See notwendige exakte Zeitmessung, konstruiert Chr. Huygens eine Pendeluhr mit Pendel als Regulator, erwirbt darauf ein Patent und publiziert 1658 eine Beschreibung. Dies führt ihn zur eingehenden mathematischen Behandlung von Pendelschwingungen. M. P. Escholt

G

M. P. Escholt verwendet in seiner Schrift Geologia Norvegica, die aus Anlaß eines leichten Erdbebens am 24. April 1657 im Gebiet von Oslo entstand, den Begriff „Geologie“ erstmals im heutigen Sinn als Wissenschaft von der Erde. Das Werk wird 1662 ins Englische übersetzt, von wo aus sich der Begriff zu Beginn des 19. Jahrhunderts einbürgert.

201

1657 – 1659

M. P. Escholt

G

M. P. Escholt wendet sich gegen die Auffassung der Erdbeben als göttliche Strafgerichte und diskutiert stattdessen deren natürliche Ursachen. Er verweist auf deren Beziehung zum Vulkanismus sowie auf die sehr ungewöhnliche Regelmäßigkeit der Erdbeben (zwei im Jahrhundert) im OsloGebiet.

1658 P. Gassendi

W

P. Gassendi trägt mit seinem posthum erscheinenden Hauptwerk Syntagma philosophicum zur Wiederbelebung atomistischer Lehren bei. Er entwickelt eine Theorie vom Aufbau der Materie und des ganzen Universums aus Atomen, die alle dieselbe Substanz, die „materia prima“, repräsentieren und denen er „Schwere“, einen inneren Bewegungsantrieb, zuschreibt. Das atomistisch-korpuskulartheoretische Materiekonzept integriert viele ältere Naturlehren und beeinÁußt wesentlich die Ausformung der klassischen Mechanik als Korpuskulartheorie. B. Pascal

M

Feststellung von Krankheitserregern und anderen systematischen Untersuchungen benutzt. J. Swammerdam

B

J. Swammerdam entdeckt die roten Blutkörperchen im Froschblut. J. J. Wepfer

B

J. J. Wepfer untersucht die Hirngefäße durch Injektion von Farbstoffen und erkennt als Ursache des Schlaganfalls Blutungen im Gehirn. D. F. de Navarrete

G

Der Dominikaner D. F. de Navarrete missioniert bis 1669 in verschiedenen Gebieten Chinas, vor allem den Provinzen Fujian und Zhejiang und sammelt genaue Kenntnisse über die chinesische Kultur. Seine Auseinandersetzung mit der Jesuitenmission erlaubt Rückschlüsse auf die Art der Missionstätigkeit der beiden Orden in China.

1659 P. Mengoli

M

P. Mengoli versucht die Begriffe „unendlich“, „Unendlich Kleines“ und „Grenzwert“ klar zu bestimmen, und wendet sie bei Flächenberechnungen und auf unendliche Reihen an.

In klarer präziser geometrischer Sprache liefert B. Pascal in mehreren Briefen und Schriften wichtige Beiträge zur InÀnitesimalmathematik. Er verbessert die Indivisiblenmethode, nutzt das charakteristische Dreieck, deutet erste Eigenschaften des Integrals an und zeigt, daß verallgemeinerte Zykloide und Ellipse gleiche Krümmung haben.

V. Viviani gibt in Florenz eine Rekonstruktion des Buch 5 der Conica des Apollonios heraus. Um 1690 ediert er Werke von Euklid und Archimedes in Italienisch.

P. Gassendi

Chr. Huygens publiziert seine Theorie des Saturnringes, die er seit 1656 vertritt, beschreibt den Orionnebel und bestimmt die Marsperioden.

C

P. Gassendi erklärt im Syntagma philosophicum die chemische Bindung durch Aneinanderheftung von Atomen durch Häkchen an ihrer OberÁäche. J. R. Glauber

C

J. R. Glauber stellt Natriumsulfat („Glaubersalz“) aus Natriumchlorid und Schwefelsäure dar. Er beschreibt weiterhin die Salpetersäurebestimmung durch Reaktion mit Kaliumcarbonat, wobei der Neutralpunkt durch die Beendigung der Kohlendioxidentwicklung gekennzeichnet ist. A. Kircher

B

A. Kircher entdeckt im Blut Pestkranker mikroskopische Organismen, „Würmer“, die er für die Verursacher der Krankheit hält und regt damit die Vorstellung von belebten Krankheitserregern an. Er ist einer der ersten, der das Mikroskop zur

V. Viviani

Chr. Huygens

Chr. Huygens

M

A

P

Chr. Huygens bestimmt erstmals einen Ausdruck für die Zentrifugalbeschleunigung bzw. -kraft, die für die Beibehaltung einer konstanten Kreisbewegung nötig ist. Er publiziert dies erst 1673 in seiner zweiten Schrift über Pendeluhren. B • C T. Willis entwickelt eine dynamische, iatrochemische Lehre von fermentativen Vorgängen im Körper. Diese Vorgänge deÀniert er als eine innere Bewegung der chemischen Teilchen eines Körpers, die zur Vervollkommnung bzw. Veränderung des Körpers führen. In diesem Sinn beschreibt er z. B. Ernährungs- und Wachstumsprozesse bei PÁanzen und Tieren. T. Willis

1660 – 1661

202

um 1660 O. v. Guericke

P

O. v. Guericke beschäftigt sich mit Effekten der Reibungselektrizität, beobachtet damit verbundene Leuchterscheinungen und Àndet Hinweise auf die Leitung der elekrischen Kraftwirkung durch bestimmte Materialien. O. v. Guericke

C

Bei seinen Studien zum Vakuum bemerkt O. v. Guericke, daß zum Verbrennen Luft nötig ist und postuliert, daß ein Teil der Luft beim Verbrennen verbraucht würde. B

In der Accademia del Cimento wird die Ansicht vertreten, daß die Nahrung im Magen nur zerrieben wird. T. Sydenham

B

T. Sydenham behandelt Krankheiten mit diätetischen Maßnahmen. In der Seuchenlehre formuliert er den Begriff der epidemischen Konstitution, deren Entstehung u. a. durch Miasmen und Verunreinigungen der Atmosphäre beeinÁußt wird.

1660 W

des Antimons beim Erhitzen und thermometrische Messungen beschreibt. Das Buch markiert einen Höhepunkt in der Darstellung alchemistischer Lehren, enthält aber zugleich korpuskulartheoretische Interpretationen. R. Boyle

B

R. Boyle demonstriert, daß eine Maus in einem geschlossenen Gefäß, in dem sich eine brennende Kerze beÀndet, gleichzeitig mit dem Erlöschen der Kerze stirbt. C. V. Schneider

B

C. V. Schneider zeigt, daß nicht das Gehirn, sondern die Nasenschleimhaut Schleim absondert.

1661 W • C In Fortführung Baconscher Ideen (vgl. 1620) propagiert R. Boyle eine hohe Wertschätzung wissenschaftlicher Experimente. Diese sind für ihn ein wesentlicher Bestandteil von Beweisen und dienen zur Überprüfung tradierter Auffassungen, während er logische Argumentationen der Anwendung einer A-priori-Hypothese gleichsetzt. Boyles Standpunkt hat große Wirkung und beeinÁußt u. a. I. Newton. R. Boyle

R. Boyle

P

H. Conring führt in Helmstedt die Statistik als Lehrfach an der Universität ein.

Aus seinen Experimenten zum Volumen eingeschlossener Luft und dem auf sie ausgeübten Druck folgert R. Boyle erstmals in quantitativer Form, daß die Spannkraft der Luft (d. i. der Widerstand gegen Kompression) ihrer Dichte proportional ist. Er dehnt die Versuche auf die Vergrößerung des Luftvolumens bei Druckreduktion aus und stellt die Ergebnisse tabellarisch zusammen.

R. Boyle

Chr. Huygens

Gründung einer wissenschaftlichen Gesellschaft in London als naturwissenschaftlich ausgerichtete Akademie. Sie erhält am 5. Dezember den königlichen Schutz von Karl II. und trägt ab 15. Juli 1662 den Namen Royal Society. H. Conring

M

P

R. Boyle veröffentlicht in New experiments physico-mechanical, touching the spring of the air . . . erste experimentelle Ergebnisse über Vorgänge im Vakuum. Er bestätigt die Resultate von E. Torricelli und stellt fest, daß elektrostatische Erscheinungen auch im Vakuum auftreten, Schallausbreitung jedoch nicht möglich ist. Außerdem schätzt er die Höhe der Atmosphäre zu 9,7 km ab. N. Le Febvre

C

N. Le Febvre veröffentlicht sein Werk Traicté de la chymie, in dem er u. a. die Massenzunahme

P

Chr. Huygens erÀndet ein Gerät zur Messung der Ausdehnungskraft von Gasen. Er prägt den Begriff Barometer. R. Townley

P

Aus eigenen Versuchsergebnissen und den von R. Boyle publizierten Resultaten, insbesondere dessen Volumen-Druck-Tabelle, folgert R. Townley im Dezember das sog. Boyle-Mariottesche Gesetz, nach dem für ein ideales Gas Druck und Volumen bei sonst gleichen Bedingungen umgekehrt proportional sind. Dies wird von R. Hooke experimentell bestätigt. (Vgl. 1662.)

203 R. Boyle

1661 – 1662 C

In seinem Werk Certain physiological essays gibt R. Boyle einen Überblick über die Methodik von naturwissenschaftlichen Experimenten und erklärt die Entstehung verschiedener Aggregatzustände der Körper. C • P In The sceptical chymist verwirft R. Boyle die antike Elementenlehre sowie die Prinzipienlehre des Paracelsus von den „Tria prima“ und entwickelt eine neue Korpuskulartheorie, in der die Korpuskeln durch unterschiedliche Form, Bewegung und Größe aus einer qualitativ einheitlichen Materie hervorgehen. R. Boyle

R. Boyle

C

In The sceptical chymist erklärt R. Boyle chemische Veränderungen durch strukturelle Veränderungen der unterschiedlich geformten Korpuskeln. Die verschiedenen Qualitäten der einzelnen Stoffe entstehen durch das Zusammentreten der Korpuskeln zu unterschiedlichen Strukturen. Auch Feuer besteht für ihn aus Korpuskeln, die beim Verbrennen (Oxidation) von Metallen zum Massenzuwachs führen. R. Boyle

C

R. Boyle entdeckt als ein Destillationsprodukt des Holzes den „Holzgeist“ (Methanol). J. R. Glauber

C

J. R. Glauber entdeckt, daß etherische Öle durch konzentrierte Salpetersäure unter Entzündung oxidiert werden. Weiterhin stellt er aus Alkohol und Salzsäure Ethylchlorid dar. M. Malpighi

R. Boyle

G

In seinem Werk Naturkündigung der Metallen, . . . erklärt J. J. Becher die Entstehung der Metalle durch bleihaltiges Wasser, das in die Erde sickert und dort auf aufsteigende Salz- und Schwefeldämpfe aus dem Erdinneren trifft, eine Mischung,

G

R. Boyle vertritt die Auffassung vom Wachstum der Metalle. Er nimmt an, daß diese sich aus einer Art Samen in der Erde entwickeln und postuliert ein metallisches plastisches Prinzip, das Erde in Metall verwandelt. J. Grueber, A. d’Orville

G

Die Jesuitenpater J. Grueber und A. d’Orville reisen mit einer Karawane von Peking über Taijuan, Xining, nördlich am See Qinghai vorbei nach Lhasa und über Shigatse und Katmandu nach Agra. Verkleidet betreten die beiden Jesuiten am 8. Oktober als erste Europäer Lhasa; sie waren auch die ersten Europäer die ganz Tibet durchquerten. P. E. Radisson

G

P. E. Radisson erreicht auf einer Pelzhandelsreise über den Ontariosee die Niagarafälle, über die bereits S. de Champlain 1603 vom Hörensagen berichtet hatte. G. B. Riccioli

G

Im Bestreben das geographische Wissen seiner Zeit zusammenzufassen, publiziert G. B. Riccioli Geographia et hydrographia reformatae und ermittelt dabei für zahlreiche Orte die geographischen Koordinaten. Riccioli berechnet die Größe der ErdoberÁäche auf Grund seiner mit F. M. Grimaldi im Jahre 1645 ausgeführten Gradmessung auf 170 981 019 bononische Quadratmeilen (etwa 589 115 100 km2 ).

1662

B

M. Malpighi beschreibt die mikroskopisch beobachtete Verbindung zwischen Arterien und Venen durch die Kapillargefäße der Lunge und beweist damit ergänzend Harveys Blutkreislauftheorie (vgl. 1628). Des weiteren beschreibt er die bläschenartige Struktur der Lunge. Malpighi beginnt, in umfangreichen Untersuchungen die Feinstruktur und Funktion verschiedener Organe aufzuklären. J. J. Becher

die dann unter dem EinÁuß himmlischer Strahlen in den Gängen verfestigt wird.

G. A. Borelli

M

Die Übersetzung der Bücher 1–7 der Conica des Apollonios vom Arabischen ins Lateinische wird von G. A. Borelli herausgegeben. J. Graunt

M

J. Graunt publiziert seine Beobachtungen über die Veränderungen der Bevölkerung von London und zeigt den Weg zur Ermittlung der Gesetzmäßigkeit einiger populationistischer, d. h. größere Individuengruppen betreffende Vorgänge, was als Anfang der Demographie gilt. G. D. Cassini

A

G. D. Cassini publiziert neue genaue Tafeln der Ephemeriden von Sonne und Planeten und die

1662 – 1663

204

erste richtige Theorie der atmosphärischen Brechung. R. Boyle

P

R. Boyle bezeichnet in der zweiten Auflage der New experiments . . . das 1661 von R. Townley quantitativ formulierte sog. Boyle-Mariottesche Gesetz als Townleysches Gesetz und macht es allgemein bekannt. P. de Fermat

P

In Verallgemeinerung antiker Ansichten über den kürzesten Lichtweg bei ReÁexion und in Auseinandersetzung mit Descartes’ Herleitung des Brechungsgesetzes formuliert P. de Fermat das sog. Fermatsche Prinzip, gemäß dem Licht stets einen Weg wählt, für den es die kürzeste Zeit braucht. Fermat leitet damit das Brechungsgesetz ab.

1663 J. B. Colbert

W

Gründung der Académie des Inscriptions et Belles-Lettres in Paris auf Veranlassung des Ministers J. B. Colbert. J. Gregory

A

J. Gregory veröffentlicht in der Optica promota den Plan für den Bau eines Spiegelteleskops, die Realisierung scheitert durch einen Fehler bei der Spiegelherstellung. R. Boyle

P

In dem Buch Experiments and considerations upon colours beschreibt R. Boyle die Farberscheinungen dünner Schichten. Diese werden später als Newtonsche Ringe bezeichnet. B. Pascal

P

Von 1662 bis 1666 werden von R. Hooke Versuche in Bergwerken durchgeführt, um die Veränderung der Gravitation mit der Entfernung vom Mittelpunkt der Erde zu bestimmen. Die Anregungen dazu gehen auf F. Bacon zurück.

B. Pascal faßt in dem posthum erschienenen Traité de l’équilibre et des liqueurs die Ergebnisse seiner jahrelangen Experimente zusammen und zeigt u. a., daß Luft und Wasser einen inneren Druck haben, der Flüssigkeitsdruck nach allen Seiten gleich ist und Luft- bzw. Flüssigkeitsdruck analoge Erscheinungen hervorrufen.

L. Bellini

G. P. de Roberval

R. Hooke

P

B

L. Bellini untersucht den Bau der Niere und entdeckt die Nierenkanälchen. J. Jungius

B

In den 1662 und 1678 posthum veröffentlichten Abhandlungen über allgemeine Botanik führt J. Jungius eine Nomenklatur der wesentlichen Teile der Blüte und morphologischer Typen weiterer Organe ein.

um 1663 G. Campani

A

G. Campani erÀndet das aus mehreren Linsen kombinierte Okular und baut danach u. a. astronomische Instrumente mit großen Brennweiten, z. B. große Luftfernrohre. O. v. Guericke

P

In dem Bestreben die kosmischen Wirkkräfte im copernicanischen System zu erklären, wählt O. v. Guericke eine Schwefelkugel, die er reibt, als Modell. Dabei erkennt er mehrere Erscheinungen der Reibungselektrizität und entwickelt zum Reiben eine Vorrichtung, die als Urform der Elektrisiermaschine angesehen werden kann.

P

Ein Gewichtsaräometer zur Dichtebestimmung von Flüssigkeiten wird von G. P. de Roberval erfunden. R. Boyle

C

R. Boyle gibt einen Überblick über die Entstehung von Farben und die Wirkung von Säuren und Alkalien auf PÁanzenfarbstoffe, wie Veilchen, Lackmus usw. Er nutzt diese Farbreaktionen zur KlassiÀkation chemischer Substanzen. Durch Erhitzen von Bismut mit Quecksilberchlorid stellt er Wismutbutter (Bismutchlorid) dar. C. Glaser

C

C. Glaser veröffentlicht ein Lehrbuch der pharmazeutischen Chemie mit dem Titel Traité de chymie. R. Boyle

B

R. Boyle weist durch Injektion gefärbter Flüssigkeiten und geschmolzenen Wachses die Verbindung zwischen Arterien und Venen durch die Kapillargefäße nach. F. Sylvius

B

F. Sylvius betrachtet den Verdauungsvorgang als chemischen Prozeß, der entsprechend der

205

1663 – 1664

Alkohol- und Essigsäuregärung abläuft. Er erkennt den Speichel als Verdauungssaft. J. Blaeu

G

J. Blaeu gibt einen der umfangreichsten, sorgfältig bearbeiteten Atlanten der Welt, den Atlas maior in elf Bänden, heraus mit dem er das Werk seines Vaters W. J. Blaeu fortsetzt. Der Atlas erscheint in mehreren Sprachen, u. a. 1667 in Deutsch.

1664 R. Descartes

W

Posthum erscheint Le monde, ou traité de la lumière von R. Descartes, in dem dieser seine mechanistische Kosmologie entwickelt. Um 1633 fertiggestellt, enthält es das erste geschlossene mechanisch-materialistische Weltbild der Neuzeit. Die Entstehung der Himmelskörper im unendlichen Weltall wird mittels der Wirbeltheorie erklärt. I. Newton

M

In seinen Schriften und unveröffentlichten Manuskripten unternimmt I. Newton im September mehrere Versuche zur Begründung der InÀnitesimalrechnung und Beherrschung des Grenzwertbegriffs. G. D. Cassini

A

R. Hooke

C

R. Hooke verwendet als Fixpunkt für die Temperaturmessung den Gefrierpunkt von Wasser. R. Descartes B • P In der posthum erscheinenden Abhandlung Traité de l’homme et de la formation de foetus wendet R. Descartes systematisch Vorstellungen der Mechanik auf die Physiologie an und fördert damit die Iatrophysik, die von G. A. Borelli, G. Baglivi, R. Boyle u. a. weiter ausgearbeitet wird. Er betrachtet den lebenden Organismus als Maschine, erklärt die Funktion einzelner Körperteile mittels mechanischer Modelle und formuliert insbesondere eine mechanistische Theorie der ReÁexbewegungen. Die Arbeit entstand um 1632. B • C R. de Graaf untersucht die Bauchspeicheldrüse und deren Sekret, das er durch Anlegen einer künstlichen Fistel an Hunden gewinnt. R. de Graaf

J. L. de Soleysel

B

J. L. de Soleysel schildert die Krankheiten des Pferdes und weist die Übertragbarkeit des Rotzes zwischen Pferden nach. N. Steno

B

Durch Verfolgung dunkler Flecken auf der JupiteroberÁäche erhält G. D. Cassini genügend Daten, um im Juli dieses Jahres einen genauen Wert für die Rotation des Jupiters zu errechnen. Durch umfangreiche Beobachtungen des Umlaufs und der VerÀnsterung der Jupitermonde sowie die Konstruktion eines Hilfsapparates schafft er die Basis, um diese VerÀnsterungen zur Längenbestimmung zu nutzen.

Zusammenfassend publiziert N. Steno in der Schrift De musculis et glandulis seine vielen Entdeckungen zum Lymphsystem, insbesondere zum Mechanismus des Tränenapparats. Zugleich beschreibt er zahlreiche neue Beobachtungen des Muskelapparats, u. a. die muskuläre Natur des Herzens und die Wirkung der Atemmuskulatur.

A • M N. Mercator setzt sich mit Keplers Theorie der Planetenumläufe auseinander und verwendet erstmals die auf einen Brennpunkt bezogene Polargleichung der Ellipse.

T. Willis veröffentlicht seine Lehre von der Lokalisation der Hirnfunktionen und übermittelt ein Modell des gesamten Nervensystems. Einige von ihm erkannte Strukturen tragen seinen Namen, z. B. Willissches Vieleck (circulus arteriosus Willisii). Seine Beschreibung der Schädelnerven wird erst im späten 18. Jahrhundert verbessert

N. Mercator

F. da Poppi

P

F. da Poppi nutzt erstmals die Längenänderung eines Papierstreifens, um den Feuchtigkeitsgrad der Luft zu bestimmen, und erzielt genauere Meßergebnisse als N. v. Kues. J. Clayton

C

J. Clayton beobachtet bei der trockenen Destillation von Steinkohle Leuchtgas.

T. Willis

B

G

Für den brandenburgischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm wird ein großformatiger Atlas, vor allem aus niederländischen Wandkarten, zusammengestellt.

1664 – 1665

206

F. Bernier

G

Als erster wissenschaftlich gebildeter Europäer reist F. Bernier als Arzt im Gefolge des Großmoguls bis 1667 durch Nord-Indien und Kaschmir. 1669 nach Frankreich zurückgekehrt, verfaßt er einen Bericht, der bis ins 18. Jahrhundert die wichtigste Quelle über dieses Land und die dortige Kultur ist. J. Grueber

G

Mit der Reise von Agra durch Indien, Persien und Kleinasien nach Rom vollendet J. Grueber seine Chinareise (vgl. 1661) und erfüllt den Auftrag des Jesuitenordens, einen Landweg nach China zu erforschen. Es ist eine der längsten Landreisen im 17. Jahrhundert

1664/65 G. Campani

A

Mit selbstgebauten Geräten führt G. Campani wichtige Beobachtungen des Saturnringes und der Jupitermonde durch und weist eventuell noch vor G. D. Cassini auf die Rotation des Jupiters hin.

um 1665 T. Walgenstein, Chr. Huygens

P

Unabhängig voneinander sollen der dänische Mathematiker T. Walgenstein und Chr. Huygens die Laterna magica, teilweise in Umkehrung der „Camera obscura“, erfunden haben. H. Schwanhardt

C

H. Schwanhardt kennt das Ätzen von Glas mit Flußspat und Vitriolöl. F. Ruysch

B

F. Ruysch legt mit Hilfe einer von ihm entwickelten Konservierungsmethode eine Sammlung anatomischer Präparate an.

R. Hooke

F. M. Grimaldi

P

Posthum erscheint das Buch Physico-mathesis de lumine, coloribus et iride . . . , in dem F. M. Grimaldi die zeitgenössischen Kenntnisse zur Farbenlehre vereinigt, erstmals über Beugungserscheinungen des Lichtes berichtet und die Beugung in Analogie zu Wasserwellen als neue Art der LichtfortpÁanzung bezeichnet. F. M. Grimaldi

P

F. M. Grimaldi beschreibt Versuche zur Zerlegung (Dispersion) des Lichtes in Spektralfarben, die er mit einer Konkavlinse wieder zu weißem Licht vereinigt. R. Hooke

P

In seinem bedeutendsten Buch Micrographia, das die Benutzung des Mikroskops in der wissenschaftlichen Forschung entscheidend stimulierte, deutet R. Hooke als Erster das Licht als schnelle, kurze, periodisch vibrierende Bewegung in einem materiellen Medium. R. Hooke

P

R. Hooke beschreibt in der Micrographia erstmals Farberscheinungen an dünnen Glimmerplättchen und versucht auf der Basis seiner Lichttheorie für diese und andere Lichterscheinungen eine Erklärung zu geben. R. Hooke

P

In der Micrographia entwickelt R. Hooke auch eine Theorie der Verbrennung, in der er die Wärme als eine heftige Bewegung der Körpermoleküle erklärt und Materie sowie Bewegung in ihrer Gesamtheit als unveränderlich bezeichnet. R. Hooke

1665

A

R. Hooke erwähnt bei seinen optischen Beobachtungen erstmals den Farbwechsel in der Szintillation, d. i. Funkeln, der Sterne.

P

Inspiriert von Wallis’ Schriften entdeckt I. Newton die Binomialreihe. Gleichzeitig Àndet er die Reihenentwicklung für die Logarithmusfunktion.

R. Hooke benutzt den von R. Boyle erkannten Zusammenhang von Druck und Volumen für Gase zur Berechnung der Höhe der Atmosphäre, die er sich aus 1 000 Schichten gleichen Gewichts aufgebaut denkt.

G. A. Borelli

R. Hooke

I. Newton

M

A

Aus Kometenbeobachtungen folgert G. A. Borelli eine parabolische Kometenbahn und will dies durch Rechnung und ein speziell konstruiertes mechanisches Gerät beweisen.

P

In der Micrographia diskutiert R. Hooke einige meteorologische Themen, schlägt eine Temperaturskala zur Eichung der Temperaturmessung vor und beschreibt ein Haarhygrometer.

207 R. Hooke

1665 P

Ein sog. Radbarometer wird von R. Hooke konstruiert. Über ein Rollensystem wird die Änderung des Flüssigkeitsstandes auf den Zeiger für eine kreisförmig angebrachte Skala übertragen. R. Hooke

P

R. Hooke verbessert die Konstruktion des Mikroskops durch Hinzunahme einer weiteren Linse. Chr. Huygens

P

Chr. Huygens beobachtet, daß zwei auf einer gemeinsamen Grundplatte befestigte Pendeluhren, sog. „sympathetische Pendeluhren“, nach einiger Zeit gleichen Gang annehmen. Dies ist ein erster Hinweis auf die Kopplung schwingungsfähiger Systeme. J. Zahn

P

Eine transportable Camera obscura mit Linsen wird von dem Mönch J. Zahn konstruiert. Er berücksichtigt erstmals die Maßstabsverhältnisse beim Bau und Gebrauch der Camera. R. Boyle

C

R. Boyle verwendet Kältemischungen aus Salpetersäure und Schnee. D. Dudley

C

D. Dudley berichtet über die Eisengewinnung unter Verwendung von Steinkohle anstelle der vorher gebräuchlichen Holzkohle. R. Hooke

C

R. Hooke beschreibt Experimente mit Holzkohle und gibt eine Theorie der Verbrennung an. Er zeigt, daß in der Luft und im Salpeter ein Bestandteil enthalten ist, der brennbare Stoffe bei erhöhter Temperatur auflöst. J. S. Elsholtz

B

J. S. Elsholtz führt als einer der ersten intravenöse Injektionen von Medikamenten durch. R. Hooke

B

R. Hooke beschreibt in seiner Micrographia die von ihm mikroskopisch beobachteten Zellen in pÁanzlichem und tierischem Gewebe und prägt den Begriff Zelle. R. Lower

B

R. Lower führt nach mehreren vorangegangenen Experimenten zur Nahrungsübertragung und Bluttransfusion im Februar die erste erfolgreiche

direkte Bluttransfusion an Hunden aus. Im Dezember 1667 gelingt ihm die Operation auch an einem Menschen. M. Malpighi

B

M. Malpighi beschreibt in De cerebro, daß das Nervensystem aus Faserbündeln besteht, die über das Rückenmark mit dem Gehirn verbunden sind. R. Hooke

G

R. Hooke berichtet über eine Reihe mikroskopischer Beobachtungen an Mineralien und konstatiert für die Oktaeder des Alauns die Konstanz der Flächenwinkel. Mikroskopische Beobachtungen an Metallen hatte 1661 auch schon der englische Arzt H. Power unternommen. R. Hooke

G

Nachdem zuerst 1658 P. Gassendi die Möglichkeit des Aufbaus der polyedrischen Formen der Kristalle aus diskreten Teilchen diskutiert hatte, führt R. Hooke diesen Gedanken weiter und zeigt, wie die vielÁächigen Formen der Kristalle aus dichtsten Kugelpackungen aufgebaut werden können. A. Kircher

G

A. Kircher publiziert sein Buch Mundus subterraneus, ein wichtiges Werk zur physischen Erdbeschreibung, das aber gesicherte Erkenntnisse mit Fabelhaften vermischt und an kritischer Schärfe und Klarheit von B. Varenius übertroffen wird. Es enthält auch Resultate der Botanik, Zoologie, Astronomie, Länderkunde und über technische Hilfsmittel. A. Kircher

G

In seinem Werk Mundus subterraneus postuliert A. Kircher einen hydrologischen Kreislauf. Er nimmt unterirdische Wasserreservoire (Hydrophylacien) an, aus denen das Wasser durch die Berge aufsteigt, dort als Quellwasser austritt und schließlich über die Flüsse wieder ins Meer gelangt, wo es durch den Meeresboden in die unterirdischen Wasserreservoire zurückÁießt. A. Kircher

G

A. Kircher, der selbst einige der süditalienischen Vulkane, wie Stromboli, Ätna und Vesuv, besucht hat, nimmt unterirdische Feuerkammern (Pyrophylacien) an, in denen er die Ursache der heißen Quellen sowie der vulkanischen Eruptionen sieht. Er geht von einer stetigen Temperaturzunahme zum Erdinneren hin aus.

1665 – 1666

208

A. Kircher

1666

G

A. Kircher schreibt die Entstehung der Gesteine einer versteinernden Kraft zu. Die auffälligen Formen der Kristalle und insbesondere der Versteinerungen führt er auf einen speziellen „Spiritus architectonicus“ oder „Spiritus plasticus“ zurück, diskutiert aber für manche Fossilien, wie Fische, Holz und Blattabdrücke, auch einen organischen Ursprung. A. Kircher

G

A. Kircher erklärt die Verwitterung als eine Art chemischen Prozess und verweist auf die geologische Wirkung von Wasser und Wind. A. Kircher

G

Nach Varenius’ Beschreibung der Windverhältnisse und der Meeresströmungen der Erde (vgl. 1650) sowie Vossius’ Unterscheidung eines nordbzw. südhemisphärischen Wind- und Strömungsringes für den Atlantischen und den Indischen Ozean (1663), gibt A. Kircher die ersten kartographischen Darstellungen der Meeresströmungen mit Bewegungssignaturen in Bandform.

1665/66 W

Die Akademien in Paris und London geben die ersten wissenschaftlichen Zeitschriften heraus, die auch Artikel zur Mathematik und den Naturwissenschaften enthalten. Es sind dies das Journal des sçavans und die Transactions of the Royal Society. I. Newton

M

I. Newton Àndet eine systematische Differentiationsmethode, die der von I. Barrow 1670 publizierten ähnelt aber noch nicht den Fluxionsbegriff benutzt. A • P I. Newton entdeckt das allgemeine Gravitationsgesetz über das gegenseitige Anziehen der Körper im direkten Verhältnis ihrer Massen und im umgekehrten Verhältnis des Quadrats ihrer Entfernungen. Er baut später die Theorie aus, leitet das Gesetz exakt ab und zeigt die Verträglichkeit mit den Keplerschen Gesetzen. I. Newton

um 1666 J. de La Quintinie

B

J. de La Quintinie hebt den Vorteil der Veredelung von Obstbäumen hervor und verbreitet die Methode des Pfropfens und Okulierens.

M. Mersenne, H. L. Harbert de Montmor

W

Gründung der Académie des sciences in Paris, die aus einem privaten Wissenschaftlerzirkel um M. Mersenne bzw. H. L. Harbert de Montmor hervorgeht. G. W. Leibniz

M

Beginnend mit der Dissertation entwickelt G. W. Leibniz das Konzept der „characteristica universalis“, eine schematisierte, den Gesetzen der Logik genügende universelle Begriffsschrift, die die Beherrschung des gesamten Wissens sowie eine Formalisierung der Denkprozesse und der Erkenntnisgewinnung erlaubt. A. Auzout, J. Picard

A

Unabhängig von W. Gascoigne verbessern A. Auzout und J. Picard in mehreren Schritten das Fernrohr durch Einführung von Mikrometer und Fadenkreuz zu einem Visierfernrohr, was die astronomische Nutzung sehr erhöht. A • P Der Arzt und Astronom G. A. Borelli erklärt die elliptischen Planetenbahnen als Ergebnis des Gleichgewichts zwischen der Anziehungskraft des Zentralkörpers und der durch den Umlauf entstehende Fliehkraft. Ursache der Bewegung sind die von rotierenden Zentralkörper ausgehenden Kraftstrahlen. Mit diesem Modell versucht er, die Bewegung der Jupitermonde zu erklären. G. A. Borelli

U. d’ Aviso

P

Wasserdampf wird von U. d’ Aviso als feuergefüllte Wasserblasen interpretiert, die bis zu einer Höhe aufsteigen, in der ihre speziÀsche Schwere der der Luft entspricht. R. Boyle

P

R. Boyle fordert ein einheitliches Maß für die Wärme und erklärt in New experiments and observations touching colds Wärme als Resultat der Teilchenbewegungen, eine begrifÁiche Bestimmung der Kälte fehlt aber. R. Boyle

P

R. Boyle gibt in seinem Werk Origin of forms and qualities eine ausführliche Darstellung seiner Korpuskulartheorie und entwickelt sie weiter.

209

1666 – 1667

R. Boyle

P

R. Boyle publiziert in The hydrostatical paradoxes eine gründliche Kritik an Pascals hydrostatischen Arbeiten und beschreibt scharfsinnig eine Reihe wichtiger Experimente zum Flüssigkeitsdruck. N. Lémery

C

N. Lémery schlägt zur Darstellung von Schwefelsäure die Verbrennung von Schwefel in Gegenwart von Salpeter (Kaliumnitrat) vor. O. Tachenius

die berühmten Mitteilungen über die Ergebnisse der Experimentatoren, z. B. zum Luftdruck, zu magnetischen und elektrischen Erscheinungen sowie zur Ausbreitung des Lichtes und der Töne. A. Arnauld, P. Nicole

M

Unter Rückgriff auf das 1658 erschienene Buch Institutio logicae von J. Wallis und die Ideen von B. Pascal publizieren A. Arnauld und P. Nicole La logique ou l’art de penser, die als Logik von Port Royal bekannt wird.

C

O. Tachenius deÀniert in seinem Werk Hippocrates chimicus ein Salz als eine Verbindung von Säuren und Alkalien. I. Vossius

C

I. Vossius bestimmt die Kapillardepression von Quecksilber. E. Mariotte

J. Gregory

M

J. Gregory unterscheidet klar zwischen transzendenten und algebraischen Funktionen, gibt i. w. S. eine DeÀnition des Funktionsbegriffs und erklärt Grenzwertprozesse als neue, von den algebraischen verschiedene Operation, die u. a. zu nichtalgebraischen Irrationalzahlen führt.

B

E. Mariotte entdeckt den blinden Fleck der Netzhaut. J. Beal

G

J. Beal stellt Beobachtungen über tägliche Barometerschwankungen an. F. Martin

G

Die Ostküste Madagaskars wird bis 1668 von F. Martin erkundet. Er dringt ins Landesinnere ein und entdeckt den Alotrasee.

1666/67 G. D. Cassini

A

Mittels Campanischer Fernrohre beobachtet G. D. Cassini in Bologna Flecken auf der MarsoberÁäche bzw. in der Venusatmosphäre und berechnet daraus die Rotation dieser Planeten.

P

Nachdem E. Divini bereits 1648 ein zusammengesetztes Mikroskop konstruiert hatte, verbessert er dieses, indem er zwei plankonvexe Linsen zu einem Dublett vereinigt und dadurch die sphärische Aberration verringert.

1667 W

Die 1657 von den toscanischen Fürsten in Florenz gegründete Accademia del Cimento (ursprünglich delle Esperienze) löst sich auf. Es erscheinen

M

A • W Gründung der Pariser Sternwarte. Der Bau wird 1670 vollendet. I. Boulliau

A

I. Boulliau gibt erstmals die Periodizität des veränderlichen Sterns Mira Ceti an, seine Begründung der Veränderlichkeit ist jedoch falsch. R. Hooke

um 1667 E. Divini

N. Mercator

Vermutlich erstmals die neue analytische Geometrie nutzend, quadriert N. Mercator in der Logarithmotechnia die Hyperbel und deckt die Beziehung zum natürlichen Logarithmus und dessen Reihenentwicklung auf. Die von I. Newton gegebene Reihenentwicklung für die Logarithmusfunktion kennt Mercator nicht.

P

R. Hooke verbessert das Albertische Anemometer von 1450, indem er die relative Windstärke durch den Winkelausschlag einer senkrecht zum Wind stehenden, pendelnd aufgehängten Tafel mißt. Chr. Huygens

P

Das „Prinzip der Relativität der Bewegung“ wird von Chr. Huygens verwendet, um die Stoßgesetze aus einfachen, schon bekannten Fällen abzuleiten, nachdem er sich seit 1656 kritisch mit den falschen Stoßgesetzen von R. Descartes auseinandersetzte.

1667 – 1668

210

J. Denis

W. Needham

B

W. Needham gibt an, daß der Fötus nicht durch die Lymphgefäße, sondern durch die Plazenta ernährt wird. H. C. Gyger

G

H. C. Gyger erstellt eine Karte des Kanton Zürich, in der die Darstellung des Reliefs erstmalig im Grundriß erfolgt. A. Kircher

G

In der Schrift China illustrata publiziert der Jesuit A. Kircher den ersten und für längere Zeit einzigen Bericht über Nepal, den er von einem Ordensbruder erhalten hatte. N. Steno G • B N. Steno weist nach, daß die Knochen und Zähne lebender Haie fast identisch mit den fossilen steinernen Zungen, sog. Glossopetrae sind und dies folglich keine Spiele der Natur, sondern wirkliche HaiÀschezähne sind. Durch die Anwendung der vergleichenden Methode bei verschiedenen Fossilien fördert er die paläontologischen Forschungen und erzielt weitere geologische Erkenntnisse. 1669 publiziert er dieses frühe Beispiel der Fossiluntersuchungen. N. Steno

G

N. Steno erklärt die Fossilien als einst lebende PÁanzen oder Tiere, deren Körper durch mineralische Stoffe ersetzt wurden. Wo immer marine Fossilien gefunden werden, war einst das Meer, und wo Fossilien von Landtieren gefunden werden, waren einst Flußläufe. Dies führt er insbesondere 1669 in seinem Prodromus weiter aus.

1667/68 I. Newton

1668

B

Angeregt durch die Erfolge von R. Lower bei der Bluttransfusion führt J. Denis am 14. Juni die erste Bluttransfusion vom Tier zum Menschen aus. Er überträgt einem Kranken Lammblut, worauf dieser sehr rasch gesundet.

M

I. Newton klassiÀziert die Kurven dritter Ordnung. Es ist zugleich die erste systematische Verwendung von zwei Koordinatenachsen und negativen Koordinaten. Die Arbeit wird erst 1704 gedruckt.

W. Brouncker

M

W. Brouncker, Viscount of Castle Lyons, gibt erstmals die Quadratur der Hyperbel durch Reihen. Er fördert die Reihenlehre, indem er die Konvergenz dieser Reihen diskutiert, und stellt die Beziehung zu bestimmten Logarithmuswerten her. J. Gregory

M

J. Gregory publiziert erstmals die sog. Simpsonsche Regel für die angenäherte Berechnung eines Integrals. J. Gregory

M

J. Gregory beweist i. w. S. den Fundamentalsatz der Differential-Integralrechnung. Zuvor hatte er erkannt, daß bei der Integralberechnung die Summen der ein- bzw. umbeschriebenen Rechtecke den gleichen Grenzwert haben. I. Newton

P

I. Newton konstruiert ein erstes Spiegelteleskop, von 6 Zoll Länge in dem das Licht durch einen konkaven Spiegel reÁektiert und gebündelt wird. Mit diesen Fernrohr können die von G. Galilei entdeckten Jupitermonde beobachtet werden. J. Wallis, C. Wren

P

Die Royal Society regt die Untersuchung von Stoßvorgängen an. J. Wallis und C. Wren reichen ihre Ergebnisse am 26. November bzw. 17. Dezember ein. Während Wren kurz experimentell bestätigte Regeln für den elastischen Stoß angibt, betrachtet Wallis den Stoß unelastischer Körper und weist auf die Anwendung seiner Regeln beim schiefen Stoß hin. P • M In Oxford schreibt J. Wallis eines der umfassendsten Bücher über Stoßgesetze elastischer und unelastischer Körper. J. Wallis

R. de Graaf

B

R. de Graaf beschreibt die Samenleiter bei Säugetieren. F. Mauriceau

B

F. Mauriceau gibt eine ausführliche Beschreibung des Geburtsverlaufs und der Geburtshilfe. F. Redi

B

F. Redi klärt durch mikroskopische Beobachtungen auf, daß offenbar alle Insekten, insbesondere

211

1668 – 1669

Fliegen, aus Eiern und nicht durch Urzeugung entstehen. J. J. Becher

G

In seinem Buch Politischer Diskurs vom Auf- und Abblühen der Städte und Länder entwickelt der bedeutende Merkantilist J. J. Becher theoretische Ansätze für eine Wirtschaftsentwicklung im Sinne der Marktwirtschaft. R. Hooke

G

R. Hooke erklärt die Fossilien zu wesentlichen Indikatoren der Veränderungen der Lage von Land und Meer (‘Denkmäler der Natur’) in der Erdgeschichte und deutet zugleich die Möglichkeit einer Chronologie der Erde bzw. einer Parallelisierung der Gesteine gleichen Alters mittels der Fossilien an. R. Hooke

G

Als Ursache der Fossilisation der Organismen nennt R. Hooke eine versteinernde Áüssige Substanz, diskutiert aber auch die lang andauernde Wirkung von Kälte und Druck auf die in der Erde eingebettenen Reste von PÁanzen und Tieren. Er vermerkt, daß viele der früheren (fossilen) Arten heute nicht mehr existieren bzw. viele der heute lebenden Arten nicht von Anbeginn der Schöpfung vorhanden waren. R. Hooke

G

R. Hooke sieht die Ursache der Hebungen und Senkungen des Landes bzw. der Heraushebung von Bergen über den Meeresspiegel in den vulkanischen Wirkungen, vor allem aber in den Erdbeben, welche so zugleich die eigentliche Ursache dafür sind, daß marine Fossilien im Landesinneren bzw. auf Bergen gefunden werden. R. Hooke

um 1669 G. Montanari

A

G. Montanari entdeckt die Veränderlichkeit des Sterns ȕ Persei (Algol) und publiziert dies 1672.

G

Nachdem R. Hooke bereits 1665 in seiner Micrographia die Natur der Fossilien diskutiert hatte, behandelt er vor allem 1668 in einer Reihe von Vorträgen vor der Royal Society – 1705 posthum veröffentlicht als Discourses of earthquakes – geologische und paläontologische Probleme. Die wesentlichsten Gedanken führt er 1686/87 weiter aus. R. Hooke

an die Wirkungen des OberÁächenwassers, sondern vor allem auch an die Wirkungen des durch Erdbeben freigesetzten unterirdischen Wassers.

G

R. Hooke diskutiert ausführlich die Wirkungen der marinen und Áuviatilen Erosion und Sedimentation sowie der entsprechenden Wirkungen des Windes. Dabei denkt er allerdings nicht nur

1669 I. Newton

M

I. Newton veröffentlicht in der Schrift De analysi . . . eine weit entwickelte Reihenlehre ohne Konvergenztheorie. Er gibt die Reihenentwicklungen von Funktionen, die Methode der unbestimmeten KoefÀzienten u. a. an. A • G G. D. Cassini übernimmt die Leitung der Sternwarte von Paris und führt astronomische Längenmessungen durch. Der von ihm bestimmte Pariser Meridian wird als neuer Nullmeridian verwendet. G. D. Cassini

E. Bartholinus

P

Die Doppelbrechung des Lichts im Kalkspat, d. h. die Aufspaltung eines Lichtbündels in zwei senkrecht zueinander polarisierte Teilbündel, wird von dem Dänen E. Bartholinus entdeckt und in der grundlegenden Schrift zur Kristallphysik Experimenta crystalli Islandici . . . dargestellt, aber nicht erklärt. 1690 beobachtet Chr. Huygens dieses Phänomen auch am Bergkristall. Chr. Huygens

P

Chr. Huygens entwickelt Descartes’ Hypothese über die Schwerkraft weiter und verbessert dessen 1639 vorgeschlagenen Versuch, die Schwerkraft mittels Bleischrot und Holzstücken bzw. Kieselsteinen in einem Wirbelkessel nachzuweisen. Seine Ergebnisse publiziert Huygens 1690. Chr. Huygens

P

Chr. Huygens übermittelt am 5. Januar der Royal Society sieben Regeln für den elastischen Stoß ohne Beweis. In einem Nachdruck formuliert er den Satz, daß beim elastischen Stoß von Körpern die Summe der Produkte aus den Massen der Körper und dem Quadrat der zugehörigen Geschwindigkeiten, also die gesamte kinetische Energie, ungeändert bleibt.

1669

212 J. J. Becher C • G J. J. Becher veröffentlicht seine für die chemische Kenntnis der Mineralien wichtige Physica subterranea, der 1671 und 1675 zwei Supplemente folgen. Er entwickelt darin wesentliche Elemente der phlogistischen Vorstellungen über die Verbrennung. J. J. Becher

C

Iatrochemische Vorstellungen modiÀzierend, bestehen feste Substanzen für J. J. Becher aus drei Formen derselben „Urerde“: der festen terra lapidea, die die Eigenschaften der Schmelzbarkeit und Durchsichtigkeit zur Folge hat und als „aller Steine Vater“ gilt, der Áüssigen terra Áuida, die für Form, Geruch, Gewicht bzw. metallische Eigenschaften verantwortlich ist, und der fettigen terra pinguis, die aus allen brennbaren Stoffen beim Verbrennen entweicht und neben Brennbarkeit, Farbe und Geschmack bedingt. Gleiche Ansichten vertritt 1725 J. F. Henckel. J. J. Becher

C

J. J. Becher erhält bei der Etherdarstellung aus Alkohol und Schwefelsäure das Zersetzungsprodukt Ethen. Später soll er erstmals Leuchtgas und Teer aus Steinkohle gewonnen haben. R. Boyle

C

R. Boyle beschreibt den Begriff der chemischen Verwandtschaft sowie die Eigenschaften von Säuren und Salzen. H. Brand

C

H. Brand entdeckt bei der Destillation von Urin den Phosphor. R. Lower

B

R. Lower beschreibt in Tractatus de corde die Herzmuskelfasern und die Bewegung des Herzens unter nervalem EinÁuß und vermerkt, daß dasselbe Blut fast dreizehnmal pro Stunde das Herz durchÁießt. Er weist nach, daß die hellrote Färbung des arteriellen Blutes durch die Aufnahme von „Luft“ verursacht wird. M. Malpighi

B

M. Malpighi verfaßt ein Werk über die Anatomie der Seidenraupenmotte, zeigt, daß die Atmung der Insekten in den Tracheen als Diffusion von „Luft“ in Hohlräumen vonstatten geht und lenkt die Aufmerksamkeit auf das Studium embryonaler Entwicklungen.

J. Mayow

B

J. Mayow betrachtet das Atmen als einen der Verbrennung ähnlichen Prozeß. Die Entstehung der Blutwärme erklärt er durch Gärung. Er entdeckt, daß nur ein Teil der Luft bei der Atmung bzw. Verbrennung verbraucht wird. J. Swammerdam

B

J. Swammerdam beschreibt in dem Buch Biblia naturae den Bau, die Lebensweise sowie die FortpÁanzung und Entwicklung der Insekten. Er erforscht die Struktur des Facettenauges, den Verdauungsapparat und die FortpÁanzungsorgane der Honigbiene. In dem mit guten Abbildungen versehenen Werk versucht er, das Auftreten von Metamorphosen in der Genese niederer Lebewesen zu widerlegen. E. Bartholinus

G

E. Bartholinus beschreibt den von ihm untersuchten isländischen Kalkspat als Rhomboeder von 101◦ Kantenwinkel, die er wie auch Chr. Huygens 1678 als konstant ansieht, und verweist darauf, daß die Bruchstücke immer wieder die gleiche Form zeigen (Spaltungsgestalt). J. J. Becher

G

Nach J. J. Becher entsteht das Universum aus einem ursprünglichen Chaos, aus dem sich durch eine Art chemischen Niederschlag verschiedene Regionen bilden, die des Himmels, der Luft, des Wassers, der Erde und der Mineralien. Die Erdkugel ist hohl und mit schweÁigen und bituminösen Wässern und Schlamm gefüllt. Aus dem Erdinneren steigen Dämpfe auf, die besonders in den die Gänge ausfüllenden „schicklichen“ Stein und Erdarten die Erze absetzen. Ein erdinneres Feuer lehnt er ab. G. A. Borelli

G

G. A. Borelli beobachtet einen Hauptausbruch des Ätna. Er macht genaue Beobachtungen über die Veränderung der Topographie des Berges, die Wege der Lavaströme, die Natur der verschiedenen ausgeworfenen Materialien, und stellt Überlegungen zum Ursprung des Feuers an, welches dieses Schauspiel steuert. N. Steno

G

N. Steno spricht das ‘Lagerungsgesetz’ klar aus. Es besagt, daß sich von übereinanderlagernden Schichten die höhere als die jüngere über der schon verfestigten tieferen und deshalb älteren Schicht gebildet haben muß.

213

1669 – 1670

N. Steno

N. Steno

G

N. Steno führt die Entstehung der heutigen Topographie auf Verstürzungen und Verkippungen sowie Hebungen der ursprünglich horizontal abgelagerten Schichten zurück, bedingt zum einen durch vulkanische Vorgänge (Entweichen von Gasen und Luft aus dem Erdinneren) und zum anderen durch Einstürzen der Schichten über unterirdischen Höhlungen. N. Steno

I. Newton

N. Steno

G

Nach N. Steno ist von zwei Körpern derjenige zuerst erhärtet, der seine Eindrücke auf dem anderen hinterläßt. Steno untermauert damit auch seine Auffassung von der organischen Entstehung der Fossilien. Feste Körper, die sich äußerlich und innerlich ähnlich sind, müssen eine ähnlich Entstehung haben.

1669/70

Chr. Huygens

J. Picard mißt die Länge eines Abschnittes des Pariser Meridianbogens. Dazu führt er erstmals in Frankreich eine Triangulation aus und kann die bis dahin genauesten Werte für Erdumfang und -radius ableiten (40 037 km bzw. 6 372 km).

P

Mehrere Naturwissenschaftler, u. a. Chr. Huygens, schlagen als Fixpunkte für ein Thermometer den Schmelzpunkt des Eises und den Siedepunkt des Wassers vor. P. Imbert

G

Der französischer Seemann P. Imbert wird nach einem Schiffbruch vor der marokkanischen Küste als Sklave verkauft und erreicht als solcher als erster namentlich bekannter Europäer Timbuktu am Niger.

1670 I. Barrow

M

I. Barrow erkennt das Quadraturproblem als Umkehrung der Tangentenbestimmung, nutzt die Beziehung aber nicht. J. Gregory

M

Unabhängig von I. Newton entdeckt J. Gregory im November dieses Jahres die Binomialreihe und gibt im folgenden Jahr die Reihenentwicklung mehrerer Funktionen an, wobei er einen zum Taylorschen Theorem analogen Satz nutzt. J. Flamsteed

A

J. Flamsteed beginnt mit umfangreichen Mondbeobachtungen, die er 1680 und später publiziert. Die geplante Nutzung zur Längenbestimmung auf See scheitert an zu großer Ungenauigkeit. G. A. Borelli

P

Eventuell im Ergebnis eigener mit künstlichen Flügeln durchgeführter Flugversuche hält G. A. Borelli einen Flug des Menschen mittels Muskelkraft für unmöglich. G. A. Borelli

G

M

In seinen Arbeiten wendet I. Newton Polarkoordinaten, das Newton-Verfahren zur Nullstellenapproximation und das Newton-Diagramm zur Annäherung algebraischer Funktionen an. Er entwickelt eine allgemeine Interpolationstheorie.

G

N. Steno verweist auf die Konstanz der Kristallwinkel am Quarz, was er allerdings vor allem im Hinblick auf die Winkel der einzelnen KristallÁächen bezieht, nicht auf die Winkel, welche die Flächen miteinander bilden. Das Wachstum der Kristalle erklärt er als einen Anlagerungsprozeß um einen „Kristallisationskern“, wobei das Wachstum bzw. die Form der Kristalle von der Geschwindigkeit des Wachstums in den einzelnen Richtungen bestimmt wird. Er sagt auch, daß natürliche Kristalle nicht von künstlichen unterschieden werden können.

J. Picard

um 1670

G

N. Steno entwirft eine Theorie der erdgeschichtlichen Entwicklung der Toskana. Er unterscheidet sechs Bildungsperioden, die er in schematischen ProÀlen darstellt: Beschaffenheit und Zusammensetzung der Gesteinsschichten zeigen sowohl die Zeit als auch die Art ihrer Entstehung an. Dabei trennt er die ursprüngliche Bildung der Erde mit der Ablagerung fossilfreier Schichten von einer späteren, Fossilien ablagernden erneuten Meeresbedeckung.

P

G. A. Borelli bestätigt, daß Kapillarwirkungen auch unter vakuumähnlichen Bedingungen auftreten, also unabhängig vom Luftdruck sind, und entkräftet damit die vorherrschende Erklärung, daß die Kapillarität durch den Luftdruck verursacht sei.

1670 – 1671 F. de Lana

214 P

Der italienische Arzt F. de Lana beschreibt ein Luftschiff, das seinen Auftrieb durch mehrere luftleer gepumpte Metallkugeln erhalten soll. P • G Von dem Lyoner Theologen G. Mouton wird angeregt, die Minute eines Meridiangrades als Standardlängenmaß einzuführen und es Mille zu nennen. G. Mouton

E. Bartholinus

C

E. Bartholinus verwendet das Lötrohr für die Mineralanalyse. D. Duclos

C

D. Duclos untersucht zahlreiche französiche Mineralquellen und weist in deren Wasser Kochsalz und eine gipsähnliche Substanz nach. Er initiiert damit weitere Analysen. J. Ray, S. Fischer

C

J. Ray und S. Fischer gewinnen aus Ameisenhaufen durch Wasserdampfdestillation die Ameisensäure. T. Willis

B

T. Willis beschreibt die bereits im Altertum in Griechenland, China und Indien bekannte Süße des diabetischen Harns. O. Dapper

G

Nach der holländischen Erstausgabe von 1668 erscheint in Amsterdam die deutsche Ausgabe der Beschreibung Afrikas von O. Dapper. Dieses gute kompilatorische Werk wird für lange Zeit die wichtigste Quelle über den afrikanischen Kontinent.

A. Scilla

G

Bei der Untersuchung der fossilführenden Schichten auf beiden Seiten der Straße von Messina wendet A. Scilla indirekt das aktualistische Prinzip an, wenn er die wiederholte Abfolge grob-, mittel- und feinkörniger Materialien in Beziehung auf die geologischen Wirkungen des Wassers erklärt, die er rezent in dieser Gegend beobachtet hat. J. C. Sturm

G

J. C. Sturm, Professor für Physik und Mathematik, gibt eine Zusammenfassung der wesentlichen Phänomene der Erdbeben und führt sie vor allem auf unterirdische Entzündungen zurück.

1671 I. Newton

M

I. Newton gibt in dem erst 1736 gedruckten Buch Methodus Áuxionum einen systematischen Aufbau der Fluxionsrechnung, einer unabhängig von G. W. Leibniz erfundenen InÀnitesimalmathematik. Als Anwendungen behandelt Newton u. a. die Integration von Differentialgleichungen, die Bestimmung des Krümmungsmaßes und die RektiÀkation von Kurven. I. Newton

M

I. Newton teilt die gewöhnlichen Differentialgleichungen erster Ordnung in drei Typen ein. J. de Witt

M

G. B. Riccioli

Der oberste Staatsmann Hollands, J. de Witt, gibt eine Anwendung der Wahrscheinlichkeitsrechnung auf die Bestimmung von Lebensrenten und trägt zur Begründung der Versicherungsmathematik bei.

A. Scilla

G. D. Cassini entdeckt im September den Saturnmond Japetus und wenig später, 1672, den Mond Rhea.

G • P Aus Breite, mittlerer Tiefe und Fließgeschwindigkeit eines Flusses berechnet G. B. Riccioli dessen Wasserführung. G

Der Maler A. Scilla gibt in seinem Werk La vana speculazione . . . 28 detaillierte Kupfertafeln von fossilen und rezenten marinen Lebewesen. Er postuliert einen organischen Ursprung der Fossilien, deren Entstehung er auf eine universelle SintÁut zurückführt. Scilla studiert deren zoologische Formen, vergleicht sie mit analogen lebenden Arten und versucht auch schwierigere Probleme zu lösen, wobei er u. a. die Existenz fossiler Korallen und Echinodermen erkennt.

G. D. Cassini

I. Newton

A

A

Unter Verwendung eines sphärischen Spiegels konstruiert I. Newton das erste brauchbare Spiegelteleskop. G. W. Leibniz

P

Angeregt durch O. v. Guericke, elektrisiert G. W. Leibniz durch Reiben eine Schwefelkugel und erzeugt einen elektrischen Funken.

215

1671 – 1672

R. Boyle

E. Hagendorn

C

E. Hagendorn gewinnt Benzoesäure auf nassem Wege, indem er Benzoeharz in Weingeist (Alkohol) löst. B

In einem anonymen Kollektivwerk von Pariser Anatomen werden bis 1676 über 50 Wirbeltiere vergleichend-anatomisch beschrieben. F. Redi

B

F. Redi untersucht das elektrische Organ des Zitterrochens (Torpedo), erkennt jedoch nicht, daß die von diesem ausgehende Schockwirkung durch Elektrizität verursacht wird. M. Lister

G

M. Lister verweist auf die Horizontgebundenheit der Fossilien, d. h. daß bestimmte Fossilien für bestimmte Gesteinsschichten charakteristisch sind, und leitet ab, daß bestimmte Gesteinsformationen auch jeweils charakteristische Fossilien produzieren. Indem er die Verteilung eines bestimmten Fossils durch eine bestimmte Gesteinsformation über einen großen Teil von England verfolgt, kommt er der stratigraphischen Verwendung der Fossilien sehr nahe. M. Lister

G

Mit Rücksicht auf die beobachtete – durch die Annahme nur einer einzigen ÜberÁutung (SintÁut) schwer erklärbare – Verteilung der Fossilien sowie die Unterschiede zwischen rezenten und fossilen Muscheln wendet sich M. Lister gegen deren organischen Ursprung und erklärt die Fossilien für Naturspiele. Das Wachsen der Fossilien deutet er als Kristallisation durch in der Erde vorkommende versteinernde Säfte.

um 1672 R. Boyle

1672

C

R. Boyle stellt durch Auflösen von Eisen in Säuren Wasserstoff her, ohne diesen jedoch zu identiÀzieren.

C

Durch Verbesserung der 1650 von O. von Guericke erfundenen Luftpumpe gelingt es R. Boyle, ein höheres Vakuum zu erzeugen, in dem er Atmungs- und Verbrennungsversuche durchführt.

P. Mengoli

M

Durch Betrachtung spezieller Integrale Àndet P. Mengoli die Darstellung von ʌ /4 als unendliches Produkt. G. Mohr

M

In mehreren Werken beweist G. Mohr bis 1673 die Lösbarkeit aller mit Zirkel und Lineal lösbaren Konstruktionsaufgaben mit dem Zirkel allein bzw. mit Lineal und Zirkel mit fester Spannweite. N. Cassegrain

A

N. Cassegrain publiziert am 25. April die Zeichnung eines neuen Spiegelteleskops, das die sphärische Aberration z. T. vermeidet. Es wird um 1740 erstmals gebaut. J. Richer, G. D. Cassini, J. Picard

A

Durch Vergleichsbeobachtungen von J. Richer in Cayenne und G. D. Cassini sowie J. Picard in Paris wird die Sonnenparallaxe bestimmt, erstmals eine fundierte Abschätzung der Entfernung ErdeSonne, der Radien der Planetenbahnen und der Größe der Erde gegeben sowie die Schiefe der Ekliptik genauer zu 23◦ 29 ermittelt. O. Römer

A

Im Rahmen seiner astronomischen Tätigkeit konstruiert O. Römer ab etwa 1672 verschiedene Uhren und Geräte, verbessert die Mikrometerschraube für genauere Positionsmessungen und beschreibt ein parallaktisch montiertes Fernrohr. O. v. Guericke

P

Die von O. v. Guericke schon 1663 fertiggestellte Beschreibung seiner Versuche zur Erzeugung eines Vakuums und zur Erforschung von dessen Eigenschaften wird als Buch unter dem Titel Experimenta nova (ut vocantur) Magdeburgica de vacuo spatio . . . veröffentlicht. I. Newton

P

Als Ergebnis seiner optischen Versuche veröffentlicht I. Newton am 19. Februar die New theory about light and color. Sonnenlicht wird durch ein Prisma in Spektralfarben zerlegt, die sich durch Brechung nicht weiter aufspalten lassen, durch ihre Brechungsindizes charakterisiert sind und bei Vereinigung wieder weißes Licht ergeben. Zur Erklärung stellt er eine neuartige Lichttheorie auf.

1672 – 1673 J. Richer

216 P

In Verbindung mit astronomischen Messungen in Cayenne erkennt J. Richer, daß die Länge des Sekundenpendels mit der geographischen Breite variiert. Er folgert daraus eine Abnahme der Gravitation zum Äquator hin und eine mögliche Abplattung der Erde an den Polen. C • G Nachdem R. Boyle bereits 1661 hervorgehoben hatte, daß auf die Hervorbringung von mehr oder weniger regelmäßigen Kristallen langsame oder schnelle Abkühlung der Lösung bedeutenden EinÁuß hat, beobachtet er 1672 die Kristallisation des Wismuts aus dem SchmelzÁuß und den EinÁuß der Abkühlungsgeschwindigkeit auf die Form.

I. Newton

G

In Cambridge gibt I. Newton die in einigen Passagen verbesserte Geographia generalis des B. Varenius (vgl. 1650) heraus. Diese und weitere Auflagen durch Newton in den Jahren 1681 und 1712, letztere nochmals ergänzt, machen das Werk in der wissenschaftlichen Welt bekannt.

R. Boyle

C • G N. Grew untersucht die Natur des Schnees und stellt fest, daß er aus Eisteilchen von bestimmter Form besteht. Ebenso wie F. de Lana sieht er die Ursache der Entstehung der Kristalle in einem „salinen Prinzip“. N. Grew

um 1673 I. G. Pardies

P

In Fortsetzung der Ideen von F. M. Grimaldi entwickelt der Jesuit I. G. Pardies die Vorstellung, daß Licht eine Bewegung in sehr feiner Luft sei, und hat vermutlich Chr. Huygens zum Konzept der Lichtwellen und der Schwingungen des Lichtäthers angeregt. Pardies’ Ideen werden posthum von einem Schüler verfälscht publiziert.

1673 Chr. Huygens

M

P. Seignette vertreibt das von E. Seignette entdeckte und als Seignette- oder Rochellesalz bekannte Kaliumnatriumtartrat.

Chr. Huygens veröffentlicht in Horologium oscillatorium seine Theorie der Evoluten und Evolventen, die er in Verbindung mit der Konstruktion von Pendeluhren entwickelte, und entdeckt die wahre Gestalt der Kettenlinie.

F. Glisson

P. de La Hire

P. Seignette

C

B

F. Glisson beschreibt die Reizbarkeit lebenden tierischen und pÁanzlichen Gewebes und zeigt, daß sich das Muskelvolumen bei der Kontraktion nicht ändert. R. de Graaf

B

R. de Graaf beschreibt die nach ihm benannten Follikel in den Ovarien. Er hält die Follikel für die Eier, erkennt jedoch die Aufgabe der Ovarien, das Ei zu erzeugen. R. Boyle

G

R. Boyle schließt aus der mit den Salzen gemeinsamen Kristallform und der Spaltbarkeit sowie den Einschlüssen von Wassertropfen im Bergkristall auf eine Entstehung der Edelsteine aus Áüssiger und weicher Materie. R. Boyle

G

R. Boyle betont das speziÀsche Gewicht als ein wesentliches Kennzeichen der Mineralien und bestimmt dieses durch Wägen an der Luft und im Wasser für eine Reihe von Edelsteinen relativ zum Bergkristall.

M

P. de La Hire gibt eine umfassende projektive Behandlung der Kegelschnitte. 1679 und 1685 folgen weitere Studien, die Desargues’ Methoden vereinfachen, zugleich die Fortschritte der analytischen Geometrie verdeutlichen und die Idee eines Raumes mit mehr als drei Dimensionen enthalten. G. W. Leibniz

M

Im Februar stellt G. W. Leibniz in London seine Vier-Species-Rechenmaschine vor, die anderen Modellen prinzipiell überlegen ist, aber keine gute technische Ausführung hat. J. Hevelius

A

J. Hevelius beschreibt die Herstellung der großen astronomischen Beobachtungsinstrumente Quadranten, Sextanten, Fernrohre etc., die er seit etwa 1640 anfertigte und mit denen Ablesungen unterhalb des Minutenbereichs vorgenommen werden konnte. Die Großfernrohre sollten die Aberrationsfehler verringern.

217 Chr. Huygens

1673 – 1674 P

In dem Werk Horologium oscillatorium faßt Chr. Huygens zahlreiche seiner Ergebnisse zur Zentrifugalkraft und zur Theorie des Pendels zusammen und publiziert sie erstmals. Insbesondere bestimmt er den Schwingungsmittelpunkt eines physikalischen Pendels, hebt Abweichungen zum Galileischen (mathematischen) Pendel hervor und gibt das Reversionspendel an. Chr. Huygens

P

Chr. Huygens vergleicht Pendel- und Fallbewegung. Der von ihm abgeleitete Wert der Schwerebeschleunigung stimmt mit dem aus Fallversuchen ermittelten überein. Weiterhin diskutiert er in Horologium oscillatorium die Idee, als Längennormal die Länge des Sekundenpendels einzuführen, da er sie fälschlich für alle Orte der Erde gleich annimmt. I. G. Pardies

P

I. G. Pardies wendet die Hydrostatik auf den Schiffsbau an und versucht, den Widerstand eines Schiffes im Wasser zu berechnen. O. Borrichius

B

O. Borrichius führt das isländische Moos (Cetraria) als Arzneimittel ein. A. van Leeuwenhoek

J. Ray

B

M. Malpighi beobachtet mikroskopisch die Entwicklungsstadien des Hühnerembryos. Im Gegensatz zu den Animalkulisten (vgl. 1677) vertritt er die Vorstellungen von präformierten Strukturen im befruchteten Ei, was einer ModiÀkation der epigenetischen Entwicklungslehre von W. Harvey gleichkommt (Ovulisten).

1673/74 G. W. Leibniz

G

Einen Zugang zum Stillen Ozean suchend, befahren L. Jolliet und J. Marquette vom Michigansee (Green-Bay) aus den Wisconsin und den Mississippi abwärts bis zur Arkansas-Mündung,

M

Unabhängig von J. Gregory entdeckt G. W. Leibniz die sog. Leibnizsche Reihe für ʌ /4. R. Boyle

C

R. Boyle publiziert seine Ansichten über Verbrennung (vgl. 1661) und Calcination. Er erkennt, daß beim Verbrennen stets Luft vorhanden sein muß und daß Verkalken mit einer Vergrößerung der Masse verbunden ist.

um 1674 J. Bobart

B

J. Bobart führt Experimente zur Geschlechtlichkeit der PÁanzen durch und identiÀziert die Pollen als das männliche Element. Die Ergebnisse werden erst durch T. Millington und N. Grew bekannt (vgl. 1682).

1674 C. Dechales

M

Mit dem Cursus seu mundus mathematicus publiziert C. Dechales in Lyon einen vollständigen Überblick über die Mathematik und angrenzende Gebiete aus der Sicht eines Amateurmathematikers. Das populäre weit verbreitete Buch enthält einige Einwände gegen cartesische Hypothesen. G. W. Leibniz

L. Jolliet, J. Marquette

G

J. Ray postuliert den organischen Ursprung der Fossilien und folgert daraus, daß die Erde lange Zeit von Wasser bedeckt gewesen sein muß. Er sagt weiter, daß wenn die Berge nicht vom Beginn der Schöpfung an bestanden, d. h. wenn sie erst im Laufe der Zeit entstanden sind, die Erde sehr viel älter sein muß, als gemeinhin angenommen wird.

B

A. van Leeuwenhoek beschreibt und zeichnet die roten Blutkörperchen beim Menschen, die um 1660 J. Swammerdam und 1666 M. Malpighi beobachtet hatten. Es ist dies das erste Ergebnis seiner umfangreichen mikroskopischen Untersuchung organischer und anorganischer Strukturen, in deren Verlauf er um 1674 die Natur der Mikroorganismen als Kleinstlebewesen erkennt. M. Malpighi

entdecken dabei die Missouri-Mündung und erkennen, daß der Missisippi dem Golf von Mexiko zuÁießt. Stromaufwärts auf dem Illinois zum heutigen Chicago fahrend, kehren sie über den Michigansee zum Ausgangspunkt am Nordufer zurück.

M

G. W. Leibniz läßt in Paris eine stark verbesserte Rechenmaschine mit der von ihm erfundenen Staffelwalze zum automatischen Übertrag von Zahlenwerten in andere Dezimalstellen herstellen.

1674 – 1675 G. W. Leibniz

218 M

G. W. Leibniz beginnt, die Dualzahldarstellung auszuarbeiten. R. Hooke

A

R. Hooke bestätigt mit seinen Messungen des zenitnahen Sternes Ȗ Draconis das heliozentrische Weltbild des N. Copernicus. A • P In Attempt to prove the motion of the earth erkennt R. Hooke als Erster klar die Elemente der Himmelsmechanik. Die Planetenbewegung erklärt er aus einer wechselseitig wirkenden Anziehung bzw. Gravitation der Körper, die auf das Körperzentrum gerichtet ist und bei Annäherung wächst, sowie dem Trägheitsgesetz. Er kommt aber nicht wie I. Newton zum Gravitationsgesetz.

M. Z. Pilling

R. Hooke

Chr. Huygens, R. Hooke

P

Unabhängig voneinander konstruieren Chr. Huygens und R. Hooke eine Uhr mit Spiralfeder als Regulator und lassen dieselben anfertigen. Hooke, dessen Uhr erst 1675 fertig wird, will die Grundidee dazu schon 1658 gehabt haben. D. Papin

P

Die Beschreibung der in den Versuchen mit Chr. Huygens benutzten Geräte, Luftpumpe, Barometer etc., publiziert D. Papin in den Nouvelles expériences . . . und vermerkt, daß die Siedetemperatur des Wassers vom Druck abhängt. J. Mayow

C

G

Der Altenburger Stadtphysikus M. Z. Pilling spricht den Gedanken einer Entstehung der Kohlen aus Holz und anderen PÁanzenteilen für die Thüringer Braunkohlen klar aus. Mit Rücksicht auf die hierfür erforderlichen großen Mengen an organischer Substanz scheint ihm diese Annahme aber letztlich doch unwahrscheinlich.

1675 G. W. Leibniz

M

Neben der universellen Gültigkeit der cardanoschen Formel zur Lösung kubischer Gleichungen zeigt G. W. Leibniz die Konstruktion von Gleichungen höheren Grades, die in Radikalen lösbar sind, und versucht einen Lösungsalgorithmus aufzustellen. G. W. Leibniz

M

G. W. Leibniz Àndet im Oktober die Grundideen der InÀnitesimalrechnung und formuliert den zueinander inversen Charakter von Quadratur (Integration) und Tangentenproblem (Differentiation). G. D. Cassini

A

G. D. Cassini entdeckt, daß der Saturnring durch ein enges Band in zwei Teile zerlegt wird – Cassinische Teilung. O. Römer

A

O. Römer ersetzt im Tychonischen Azimutalinstrument den Quadranten durch einen Vollkreis. R. Boyle

P

J. Mayow beschreibt Versuche mit dem Ziel, einen gemeinsamen Bestandteil von Luft und Salpeter, den „spiritus nitro-aereus“ zu Ànden. Er verfolgt damit einen Gedanken, den R. Hooke 1665 aufstellte.

Guerickes Versuche wiederholend, erkennt R. Boyle, daß die Elektrisiererscheinungen auch im Vakuum auftreten, Erwärmen die Reibungselektrizität erhöht und die Anziehung zwischen ungeladenen und geladenen Körpern wechselseitig ist.

G. Ravenscroft

R. Hooke

C

G. Ravenscroft stellt Flintglas, ein Kristallglas mit Bleizusatz, her. P. Perrault

G

Durch Niederschlags- und AbÁußmessungen im Einzugsgebiet der Seine belegt P. Perrault experimentell, daß der jährliche Niederschlag allein ausreichend ist, Flüsse und Quellen zu speisen. Die Messungen lassen ihn allerdings auch bezweifeln, daß der Niederschlag zugleich ausreichend ist, das Grundwasser zu speisen.

P

R. Hooke kündigt das von ihm nach zahlreichen Versuchen mit Drähten und Federn entdeckte Elastizitätsgesetz, das sog. Hookesche Gesetz, über die Proportionalität von wirkender Kraft und elastischer Verlängerung an. Die Veröffentlichung erfolgt 1678 in De potentia restituiva . . . I. Newton

P

In Hypothesis explaning the properties of light (Buch 2 der Opticks von 1704) beschreibt I. Newton farbige, sog. Newtonsche Ringe, die mit

219

1675 – 1676

einer bikonvexen Glaslinse auf einer plankonvexen Glasplatte entstehen und sich in Abhängigkeit vom einfallenden Licht in Farbe und Größe ändern. Aus dem Krümmungsradius der Linse berechnet er für jeden Ring die Dicke des Luftspaltes zwischen den Gläsern. I. Newton

P

Als Antwort auf die Angriffe gegen seine Lichttheorie vergleicht I. Newton in Discourse on light and colours die Emissions- bzw. Korpuskulartheorie und die Wellentheorie mit seiner Emanationstheorie, die zwischen beiden steht. I. Newton

P

Nach der Emanationstheorie Newtons erhält das Licht beim Übergang von einem optischen Medium in ein andres periodische innere Vibrationen, „Àts“, die durch Wechselwirkung mit dem Äther in ihrer Bewegung verstärkt bzw. behindert werden und deren Größe über die ReÁexion oder Brechung der Lichtteilchen entscheidet.

A. de Laroche

G

Auf der Rückreise von Peru nach Frankreich wird A. de Laroche von Wind und Strömung am Kap Hoorn ostwärts abgetrieben und entdeckt die Insel Süd-Georgien. A. van Leeuwenhoek

F. Martens

G

Auf der Basis seines Aufenthaltes im Jahre 1671 stellt F. Martens erstmals Natur sowie Tier- und PÁanzenwelt Grönlands in dem Buch Spitzbergische oder Grönländische Reisebeschreibung dar. Es gilt als die erste Beschreibung, die die wissenschaftlich interessanten Erscheinungen des Polargebietes betont. N. G. Spafari-Milescu

N. Lémery

C

G

A. van Leeuwenhoek berichtet ab 1675 in verschiedenen Briefen an die Royal Society in London über seine mikroskopischen Beobachtungen an Kristallen und deren Wachstum. Zusammenfassend veröffentlicht er seine Ergebnisse 1695 in seinem Werk Arcana natura detecta.

G

Der Diplomat N. G. Spafari-Milescu reist bis 1678 als russischer Gesandter nach China und verfaßt eine wertvolle Beschreibung Chinas und des Amur-Gebietes.

N. Lémery veröffentlicht mit seinem Cours de chymie ein für lange Zeit richtungsweisendes Lehrbuch der Chemie. Er teilt die Chemie in mineralische, vegetabilische und animalische Chemie ein und beschreibt u. a. die Gewichtszunahme von Blei, Antimon und Quecksilber bei der Verkalkung (Oxidation). Weiterhin charakterisiert er die Benzoesäure und die Bernsteinsäure als Säuren.

Gründung der Universität von Guatemala durch den König von Spanien, indem mehrere, seit 1562 bestehende Schulen zusammengelegt werden.

A. van Leeuwenhoek

I. Newton

B

A. van Leeuwenhoek entdeckt die Infusorien (Protozoen) im Regenwasser. M. Malpighi

B

M. Malpighi stellt in seiner grundlegenden Abhandlung Anatome plantarum verschiedene Gewebestrukturen wie Epidermis, Bast, Gefäßbündel fest. Er erläutert die Differenzen in der Entwicklung der einkeimblättrigen und zweikeimblättrigen PÁanzen und nimmt erstmals die unterschiedliche Anordnung der Gefäßbündel an Stengelquerschnitten dieser PÁanzen wahr. Außerdem deutet er die Natur der PÁanzengallen zutreffend. J. Swammerdam

B

J. Swammerdam beschreibt das Nervensystem und das Tracheensystem der EintagsÁiegen.

1676 W

M

I. Newton stellt sein Skript De quadratura curvarum fertig und verbessert seine Fluxionsrechnung. Das Skript erscheint 1704 als Anhang zu Opticks. A • W Das Königliche Observatorium Greenwich wird am 10. August eröffnet, erste Hauptaufgabe ist eine genaue Ermittlung der Sternpositionen zur Längenbestimmung auf See. J. Flamsteed

A

J. Flamsteed führt in Greenwich umfangreiche Beobachtungen mittels Teleskop durch und berechnet die Position von über 3 000 Sternen. Mit diesem ersten modernen, 1725 posthum publizierten Sternkatalog wird Greenwich eines der führenden Observatorien der Welt.

1676 – 1677

220

O. Römer A • P Der Däne O. Römer erklärt im September in Paris die zeitlichen Verschiebungen bei der VerÀnsterung der Jupitermonde mit der Endlichkeit der Lichtgeschwindigkeit und bestimmt diese zu ca. 220 000 km/s. G. D. Cassini hatte bereits 1674 die Endlichkeit der Lichtgeschwindigkeit angenommen, verwarf die Idee aber wieder. E. Mariotte

P

Der Privatmann W. Molyneux konstruiert ein Haarhygrometer, bei dem die Luftfeuchtigkeit durch die Längenänderung eines Hanffadens gemessen wird. J. Picard

P

Zufällig entdeckt J. Picard, daß das Quecksilber in der Torricellischen Leere eines Barometers nach dem Schütteln leuchtet, kann aber keine Erklärung geben. C

In England wird bleihaltiges Glas fabrikmäßig hergestellt. J. Kunckel

C

J. Kunckel beschreibt Experimente mit sog. Àxen und Áüchtigen Salzen. Dabei handelt es sich vor allem um das Ausfällen von Silber und Gold aus den Lösungen ihrer Salze durch Zusatz organischer Substanzen. E. Mariotte

C

E. Mariotte formuliert unabhängig von R. Boyle das sog. Boyle-Mariottesche Gesetz und betont die Konstanz der Temperatur für die Gültigkeit des Gesetzes. T. Sydenham

B

T. Sydenham gibt eine eingehende Beschreibung der Masern, die schon dem arabischen Arzt arR¯az¯× bekannt waren (vgl. 900). J. Beaumont

J. Wood

G

Mit Rücksicht auf die scheinbar deutliche PÁanzennatur der fossilen Seelilien (Krinoiden) erklärt J. Beaumont diese als ‘SteinpÁanzen’, deutet sie

G

Von der Existenz der Nordost-Passage überzeugt, segelt J. Wood in den Gewässern um Nowaja Semlja. Er hält Nowaja Semlja jedoch irrtümlich für einen Teil Spitzbergens.

P

Unter Verwendung des Boyle-Mariotteschen Gesetzes leitet E. Mariotte unabhängig von R. Hooke eine Formel für die Druckabnahme mit der Höhe ab und benutzt diese zur barometrischen Höhenmessung. W. Molyneux

allerdings nicht als Reste von Organismen, sondern als Erzeugnisse derselben Naturkraft, welche die Formen der PÁanzen und Tieren schafft.

1677 E. Halley

A

Der Astronom E. Halley beweist an einem Merkurdurchgang, daß die Idee von J. Gregory, Venusdurchgänge zur Bestimmung der Entfernung zur Sonne zu nutzen, realisierbar ist und erkennt, daß letztere genauere Resultate erlaubt. E. Halley

A

Der Sternhaufen Ȧ -Centauri wird von E. Halley zufällig bei Beobachtungen auf St. Helena entdeckt. Chr. Huygens

P

Am 6. August gelingt Chr. Huygens die Erklärung der Doppelbrechung mit Hilfe seiner Lichttheorie. E. Mariotte

P

E. Mariotte bestätigt die Stoßgesetze und beschreibt die Versuche in dem Traité de la percussion. Es ist die erste umfassende Darstellung der Stoßtheorie. J. Kunckel

C

J. Kunckel beginnt mit Versuchen, die zur Entdeckung des Goldrubinglases führen. A. van Leeuwenhoek

B

A. van Leeuwenhoek beschreibt die von J. Ham im gleichen Jahr entdeckten Spermatozoen. Deren mikroskopisch sichtbar gewordene Feinstruktur stärkt die Präformationstheorie, von ihm und anderen als Präformierung künftigen Lebens im Spermatozoen verstanden (Animalkulisten). R. Plot

G

Aus den auffälligen Unterschieden zwischen fossilen Muscheln und den bekannten rezenten Arten schließt R. Plot in seiner Natural history of Oxfordshire auf eine Entstehung der Fossilien durch Kristallisationen aus mineralischen Salzen. Die Ähnlichkeit mit Tieren ist ebenso zufällig wie die reguläre Form der Stalaktiten oder der SchneeÁocken.

221

1677 – 1679

R. Plot

G

R. Plot deutet die meisten fossilen Skelette von vierfüßigen Tieren als Überreste von Riesen. Zumindest ein solches Skelett (eines Dinosauriers) hat er aber auch – durch Vergleich mit einem Elephantenschädel aus dem Ashmolean Museum in Oxford – als das eines Elephanten identiÀziert.

Chr. Huygens

G

Chr. Huygens nimmt als kleinste Teilchen des Kalkspats Áache Rotationsellipsoide an, welche mit ihrer Rotationsachse der Achse des Rhomboeders parallel gestellt und in bestimmter Weise angeordnet sind. Aus dieser inneren Struktur erklärt er die optischen Eigenschaften des Kalkspats und die unterschiedliche Spaltbarkeit.

1678 G. Ceva

M

G. Ceva beweist den sog. Satz von Ceva über die Teilung von Dreieckseiten durch die durch einen Punkt gehenden Eckenlinien. E. Halley

A

E. Halley veröffentlicht ein erstes, auf St. Helena angefertigtes Sternverzeichnis des Südhimmels mit 341 Sternen. O. Römer

A

O. Römer konstruiert ein automatisches Planetarium, um die Bewegung der Himmelskörper darzustellen. Dabei verwendet er erstmals seine konischen Spiralräder, bei denen die ineinandergreifenden Radzähne in Spirallinien auf Kegeln verschiedener Durchmesser nebeneinander stehen – Zykloidenzähnung. Chr. Huygens

G

E. Mariotte untermauert mit genauen meteorologischen Daten und geologischen Überlegungen die Erkenntnis Perraults (vgl. 1674), daß Quellen und Flüsse allein durch den atmosphärischen Niederschlag gespeist werden, und er gibt eine Schätzung des jährlichen Gesamtniederschlags in Frankreich. E. Mariotte

G

E. Mariotte, der mit einigem Erfolg eine Kette von Wetterstationen in Europa eingerichtet hatte, verwendet deren Berichte für eine vollständige Darstellung der Hauptwinde Europas und der Welt. Als Ursachen der Entstehung der Winde nennt er u. a. die tägliche Ostdrehung der Erde sowie die Verdünnung und Kondensation der Luft in Folge von Erhitzung bzw. Abkühlung.

P

Chr. Huygens vollendet seine Lichttheorie im Traité de la luminière. Licht deutet er als eine Bewegung im Äther, die sich analog zum Schall durch Impulsübertragung mittels elastischer Stöße der Ätherteilchen wellenartig fortpÁanzt. Jedes getroffene Teilchen ist Ausgangspunkt einer Elementarwelle, deren Fronten sich wieder zu einer Wellenfront als Enveloppe vereinigen. (Huygenssches Prinzip) Chr. Huygens

E. Mariotte

P • G

Chr. Huygens beobachtet beim Durchgang des Lichts durch isländischen Doppelspat ein unterschiedliches Verhalten der Lichtstrahlen, die Polarisation des Lichtes. Eine Deutung der Erscheinung gelingt ihm jedoch nicht. U. Hiärne C • G U. Hiärne beginnt mit seinen umfangreichen chemischen Analysen von Mineralwassern. Die Untersuchung des Wassers von Medevi führte zur Entdeckung und Einrichtung von Schwedens erster Heilquelle Medevi in Südschweden, die 1746 auch von C. v. Linné beschrieben wird.

1679 Jak. I Bernoulli

M

Jak. I Bernoulli führt die RektiÀkation der parabolischen Spirale (1 − r)2 = 2pș , mit r, ș Polarkoordinaten, auf die Berechnung eines elliptischen Integrals zurück. P. de Fermat

M

Posthum erscheint Fermats Schrift zur Begründung der analytischen Geometrie. G. W. Leibniz

M

Die „Characteristica geometrica“ von G. W. Leibniz bildet den Anfang der Analysis situs, der späteren Topologie. G. W. Leibniz

M

G. W. Leibniz realisiert die Idee eines universellen Logikkalküls zur sicheren Deduktion von Begriffen und Fakten in mehreren Versionen eines arithmetischen Kalküls.

1679 – 1680

222

R. Hooke, C. Wren, E. Halley A • P R. Hooke, C. Wren und E. Halley stimmen überein, daß aus dem dritten Keplerschen Gesetz und dem Gesetz über die Zentripetalkraft die umgekehrte Proportionalität der Gravitation zum Abstandsquadrat folgt. Hookes Anfrage an I. Newton, ob aus den Gesetzen für Gravitation und Zentripetalkraft elliptische Planetenbahnen folgen, bleibt bis 1685 unbeantwortet. I. Newton

P

In einem Brief vom 28. November an R. Hooke argumentiert I. Newton, daß infolge der Erdrotation ein aus großer Höhe frei fallender Körper auf der Erde ostwärts von der Senkrechten aufträfe. C • G U. Hiärne gründet 1679 das ’Laboratorium Chymicum’, welches 1683 durch königliche Order zur staatlichen Einrichtung und 1684 der schwedischen Bergbaubehörde (’Bergskollegium’) angegliedert wird. Wesentliche Aufgabe des Laboratoriums ist, neben der pharmazeutischen Forschung, die chemische Analyse von Mineralien und Erzen.

- .ULçDQLc´

A. van Leeuwenhoek

C

Mit seinem Werk Ars vitraria experimentalis begründet J. Kunckel die wissenschaftliche Glastechnologie. J. Kunckel C • G Nachdem das Lötrohr bereits 1663 und 1665 von R. Hooke und 1670 von E. Bartholinus verwendet wird und 1667 auch in den Berichten der Accademia del Cimento in Florenz Erwähnung Àndet, benutzt nachweislich J. Kunckel das Lötrohr erstmals zu Zwecken der Mineralanalyse und beschreibt dies. G. A. Borelli

B

G. A. Borelli beschreibt die Mechanik der Atmung und die Passivität der Lungen. A. van Leeuwenhoek

B

A. van Leeuwenhoek entdeckt die Querstreifung der Muskeln. E. Mariotte

B

E. Mariotte stellt dar, daß PÁanzen dem Boden, dem Wasser und der Luft chemische Substanzen entnehmen und zeigt durch Messung der ausgeschiedenen Wassermenge, daß PÁanzen transpirieren.

G

A. van Leeuwenhoek berichtet am 23. Januar 1679 der Royal Society in London, daß Kristalle von Kupfervitriol in Lösungen sehr schnell wachsen, dabei aber ihre Gestalt behalten. Daraus schließt er 1685, daß die Kristalle aus lauter kleinen Kristallen aufgebaut sind, welche ihrerseits aus noch kleineren Teilchen mit einheitlicher Form bestehen.

U. Hiärne

J. Kunckel

G

'HU NDWKROLVFKH *HLVWOLFKH - .ULçDQL´c, Vater des Panslawismus, publiziert die vor allem während seiner Verbannung nach Sibirien 1661–1676 verfaßte Historia Sibiria, die wertvolle länderkundliche Informationen enthält.

1680 G. W. Leibniz

P

G. W. Leibniz versucht bis 1686, im wesentlichen erfolglos, unter Ausnutzung der Windkraft Bergwerke im Harz vom Grubenwasser zu befreien. R. Boyle

C

In den ab 1680 durchgeführten Untersuchungen über Eigenschaften des Phosphors demonstriert R. Boyle die Bedeutung von sorgfältigen Experimenten und speziellen Tests. 1685 gibt er eine Zusammenfassung seiner Anregungen zur chemischen Analytik. D. Duclos

C

D. Duclos beschreibt den PÁanzenfarbstoff Lackmus und seine Verwendung als Farbindikator für die chemische Analyse. J. Banister

B

J. Banister beschreibt und zeichnet in Amerika über 52 Insektenarten sowie zahlreiche Molluskeln und PÁanzen. Er bereitet damit die KlassiÀkation der amerikanischen Flora und Fauna vor. G. A. Borelli

B

G. A. Borelli gibt in dem posthum erscheinenden, zweibändigen Buch De motu animalium eine mechanische Erklärung der Funktionsweise der Muskeln innerhalb der Bewegungsabläufe bei Säugetieren, beim VogelÁug und beim Schwimmen der Fische. C. Perrault

B

C. Perrault gibt in Mécanique des animaux eine mechanische Erklärung der Körperfunktionen von Tieren an, indem er sich die Organismen aus winzigen Maschinen zusammengesetzt denkt.

223

1680 – 1681

J. G. Volckamer

B

zurückgehalten werden, dagegen das Sonnenlicht sie ungehindert durchdringt.

G

J. Kunckel

J. G. Volckamer beschreibt das Bergamottöl. M. Accailt, L. Hennepin

Im Auftrage von R. R. C. de La Salle erkunden M. Accailt und L. Hennepin bis 1682 die Gebiete am oberen Mississippi. Von Sioux-Indianern vorübergehend gefangengesetzt, gelangen sie ins Landesinnere und entdecken die St.-AnthonyFälle. Hennepin fertigt eine Beschreibung des Gebietes an, seine behauptete Erkundung des Missisippi ist falsch. R. R. C. de La Salle

G

In mehreren Streifzügen erkundet R. R. C. de La Salle ab 1669 das Gebiet der Großen Seen, insbesondere die südlich angrenzende Region. Er befährt die Seen, außer den Oberen See, gründet am Ontariosee ein Fort und gelangt 1681 bis zur Mündung des Illinois in den Missisippi. L. F. Marsili

G

L. F. Marsili mißt mit einem selbst konstruierten Strömungsmesser die Geschwindigkeit der OberÁächenströmung im Bosporus. Dabei Àndet er eine entgegengesetzte Unterströmung zum Schwarzen Meer, die er als Ausgleichsströmung zwischen zwei Wasserkörpern verschiedener Schwere deutet. Er entwickelt zugleich ein allgemeines Strömungsschema in Meeresstraßen. I. Newton

G

I. Newton führt die gegenwärtige Topographie der Erde auf ungleichmäßigen Niederschlag während ihrer Bildung aus dem ursprünglichen Chaos zurück und erklärt, daß die SintÁut diese nicht wesentlich verändert hat.

1681 G. Dörffel

A

G. Dörffel beschreibt den Weg des Kometen von 1680 und anderer Kometen als Parabel mit der Sonne im Brennpunkt. E. Mariotte

C

J. Kunckel stellt aus Salpetersäure und Ethanol den „Salpeteräther“ (Ethylnitrat) dar und beschreibt die später als Musivgold bezeichnete Verbindung von Zinn und Schwefel (ZinndisulÀd). T. Burnet

G

T. Burnet verbindet in seiner, an der Kosmogonie von R. Descartes orientierten Telluris theoria sacra, an der er seit 1671 arbeitet, den biblischen Schöpfungsglauben rational mit natürlichen Vorgängen. Er trägt wesentlich zur Verbreitung der Gedanken von einer beständigen Veränderung der Erde sowie der geologischen Bedeutung der SintÁut bei. T. Burnet

G

T. Burnet teilt die Geschichte der Erde in drei Hauptperioden: den paradiesischen Zustand oder die antediluviale Welt von der ersten Schöpfung aus dem ursprünglichen Chaos bis zur SintÁut, das gegenwärtige Zeitalter und die auf den Weltenbrand am Ende des gegenwärtigen Zeitalters folgende Periode des Goldenen Zeitalters. T. Burnet

G

T. Burnet nimmt einen schalenförmigen Bau der Erde an, bedingt durch die Ablagerung der Schichten aus einem uranfänglichen Chaos nach dem Prinzip des Schweren und Leichten. T. Burnet

G

T. Burnet beschreibt die gegenwärtige Ära der Erde, d. h. das Zeitalter zwischen SintÁut und Weltenbrand, dahingehend, daß die OberÁäche der Erde einem langsamen, aber beständigen Wandel (Verfall) unterliegt. Verwitterung und Erosion durch Wasser und Wind verändern die Topographie kontinuierlich und werden sie schließlich ganz einebnen.

P L. F. Marsili

G

Die Entstehung der Höfe um Sonne und Mond erklärt E. Mariotte aus der ReÁexion und zweimaligen Brechung der Lichtstrahlen in kleinen Eisnadeln und -prismen, die in höheren Atmosphärenschichten auftreten.

Der Ozeanograph L. F. Marsili erarbeitet eine Abhandlung über den Bosporus. Er bestimmt das TiefenproÀl und erkennt den Rand des Festlandsockels.

E. Mariotte

J. Moore

P

E. Mariotte beobachtet, daß die wärmenden Strahlen eines Feuers von einer Glasscheibe

G

In einem posthum erschienenen Werk erklärt J. Moore entgegen den vorherrschenden Vorstellun-

1681 – 1683

224

gen, daß die WasserÁäche auf der Erde größer als die des Festlandes ist.

vor allem von C. Mentzel in Berlin publiziert werden.

W. Penn

N. Grew

G

W. Penn schließt mit Unterstützung der englischen Krone die (Quäker-)Siedlungen zu einer Kolonie zusammen, die nach seinem Vater Pennsylvania genannt wird. Er erwirbt das Land und schafft mit einer großzügigen Politik die Voraussetzungen für einen raschen Aufschwung.

1682 O. Mencke

W

O. Mencke gibt die erste wissenschaftliche Zeitschrift Deutschlands, die Acta eruditorum, in Leipzig heraus. Sie war vor allem naturwissenschaftlich orientiert. Als bedeutendster Mitarbeiter hat G. W. Leibniz großen EinÁuß auf die Gestaltung ausgeübt. G. W. Leibniz

M

G. W. Leibniz publiziert die Reihe für ʌ , das sog. Leibnizsche Konvergenzkriterium für alternierende Reihen, die Reihen für arctan x bzw. log x sowie Quadraturen höherer Parabeln und Hyperbeln. G. W. Leibniz

P

G. W. Leibniz formuliert für die Optik das Prinzip, nach dem das Licht den Weg des geringsten Widerstandes wählt. van Santen

C

van Santen verwendet gemahlenen Tuffstein zur Herstellung von Wassermörtel. Die Bedeutung der Tonbeimischung für das Abbinden des Wassermörtels wird dann von J. Smeaton beim Bau des Leuchtturms von Eddystone (1756–59) erkannt. J. J. Becher

B

J. J. Becher beobachtet, daß nur zuckerhaltige Flüssigkeiten zu alkoholischer Gärung fähig sind und zeigt, daß Alkohol erst während der Gärung entsteht. B • G Seit 1666 in Diensten der Niederländischen Ostindien Kompanie in Batavia lebend und 1682/83 sowie 1685/86 deren Faktorei in Japan vorstehend (vgl. 1609), stellt A. Cleyer umfangreiche botanische und medizinische Studien an. Als erster europäischer Naturwissenschaftler führt er Forschungen in Japan durch, deren Ergebnisse A. Cleyer

B

N. Grew beschreibt in The anatomy of plants die verschiedenen PÁanzengewebe und identiÀziert männliche und weibliche Blütenteile. G. D. Cassini

G

G. D. Cassini graviert eine Weltkarte in den Fußboden der Pariser Sternwarte, der die nach seiner Methode durchgeführten astronomischen Ortsbestimmungen zugrunde gelegt werden. W. Dampier

G

Der Abenteurer W. Dampier schließt sich in der Karibik Seeräubern an, nach Kaperfahrten an der Westküste Südamerikas quert er den PaziÀk, kreuzt in der Südsee mit den Stationen Manila, Formosa, Batan-Inseln, Celebes (Sulawesi), Guam, Timor, Australien (1688) sowie Nikobaren und kehrt 1691 nach England zurück. Über die Reise verfaßt er einen recht populären Bericht. R. R. C. de La Salle

G

R. R. C. de La Salle befährt die Flüsse Illinois und Mississippi bis zum Golf von Mexiko und kehrt auf dem gleichen Weg zurück, wobei er das Fort St. Louis gründet. Er bringt damit die Erkundung des Stromgebiets des Missisippi zum Abschluß.

1683 T. Seki

M

Der Japaner T. Seki beschreibt erstmals Determinanten und deren Entwicklung. E. W. v. Tschirnhaus

M

E. W. v. Tschirnhaus gibt die sog. Tschirnhaus-Transformation für Polynomgleichungen f (x) = 0 an, wodurch die Terme von Grad n − 1 und n−2 eleminiert werden. Die erhoffte Lösung der allgemeinen Gleichung n-ten Grades gelingt nicht. P • G In den Philosophical Transactions publiziert E. Halley eine Tabelle der magnetischen Abweichungen an zahlreichen Orten der Erde. Um die Veränderlichkeit des Magnetismus zu erklären, nimmt er je zwei magnetische Süd- und Nordpole der Erde an, und zwar an den Enden der Achse einer äußeren magnetischen Schale sowie an den äußersten Enden der Achse eines inneren magnetischen Kerns. Die beobachteten Schwankungen E. Halley

225

1683 – 1684

erklärt er aus den unterschiedlichen Perioden der täglichen Rotation von Schale und Kern. C

An der Universität Altdorf (Mittelfranken) wird ein Unterrichtslaboratorium für Chemie eingerichtet. J. G. Duverney

B

J. G. Duverney verfaßt eine erste zusammenfassende Abhandlung über die Struktur, die Funktion und die Krankheiten des Ohres. A. van Leeuwenhoek

B

A. van Leeuwenhoek beobachtet Bakterien im menschlichen Speichel. W. ten Rhyne

B

W. ten Rhyne führt die seit langer Zeit von den Chinesen und Japanern geübte Akupunktur in Europa ein. E. Tyson

B

E. Tyson beschreibt ausführlich die Anatomie der Eingeweidewürmer. V. Coronelli

G

V. Coronelli fertigt für Ludwig XIV. Riesengloben an, die die Grundlage seiner nachfolgenden umfangreichen Globenedition bilden. E. Kaempfer

G

Der Arzt E. Kaempfer reist bis 1689 über Stockholm, Helsinki, Narwa, Moskau, Samara, Astrachan, Baku, Resht, Schiras, Maskat, Cochin, Hugli nach Batavia. Dank hoher Beobachtungsgabe und einiger längerer Zwischenaufenthalte, sammelt er wertvolle landeskundliche Informationen. Er zeichnet und beschreibt als erster Europäer die Erdöl- und Erdgasfelder auf der Halbinsel Apscheron bei Baku und schreibt eine Flora Persiens, die er nicht publiziert.

1684 G. W. Leibniz

G. D. Cassini

A

G. D. Cassini entdeckt am 21. März zwei weitere Saturnmonde, Dione und Tethys. Chr. Huygens

A

Chr. Huygens konstruiert und baut die sog. Luftfernrohre mit langen Brennweiten zur Verminderung der sphärischen Abbildungsfehler. I. Newton

P

In der etwa im Dezember vorliegenden erweiterten und überarbeiteten Fassung von De motu corporum spricht I. Newton erstmals die Idee einer universellen Gravitation aus. F. Bernier

B

F. Bernier klassiÀziert die Menschen in Weiße (Europa), Gelbe (Asien), Schwarze (Afrika) und Lappen (im Norden). F. Redi

B

F. Redi beschreibt durch Tiersektionen entdeckte Parasiten der Eingeweide, der Nieren und der Luftwege. V. Coronelli

G

Die erste geographische Gesellschaft der Welt, die Accademia CosmograÀca degli Argonauti, wird in Venedig gegründet, deren Hauptaufgabe in Herausgabe und Vertrieb der Werke von V. Coronelli besteht. P. S. Fritz

G

Der Jesuitenpater P. S. Fritz beginnt eine über 40jährige Missionstätigkeit bei den Indianern am Marañon. Er unternimmt weite Reisen im Missionsgebiet und lernt viele Indianerstämme kennen, über deren Größe, Sitten und Gebräuche er zuverlässig berichtet. Sein Tagebuch gibt eine wertvolle Schilderung der politischen Verhältnisse im spanisch-portugisieschen Grenzgebiet.

M

In den Acta eruditorum faßt G. W. Leibniz erstmals Grundregeln der Differentialrechnung zusammen und behandelt zweite Ableitungen, Extrema und Wendepunkte von Funktionen, die Lösung von Differentialgleichungen durch Trennung der Variablen u. a. Es ist die erste Publikation, in der das Differentialzeichens d verwendet wird.

M. Lister

G

M. Lister schlägt die Anfertigung einer neuen Art von Karten vor, auf denen die verschiedenen Boden- und Gesteinsarten unter genauer Beachtung ihrer gegenseitigen Begrenzungen mit unterschiedlichen Farben oder Linien eingetragen werden sollten, ohne eine solche jedoch zu erstellen. Einen ähnlichen Vorschlag macht 1691 J. Aubrey.

1684 – 1686

226

1686

1684/85 A • W

I. Newton

Auf Anfrage von E. Halley beweist I. Newton, daß aus den Gesetzen für Zentripetalkraft und Gravitation elliptische Planetenbahnen folgen. Halley drängt Newton dann, dies zu publizieren. Etwa im Dezember 1684 liegt zunächst eine erweiterte und überarbeitete Fassung der Schrift De motu corporum vor, die direkt zu den Principia . . . führt.

um 1685 Jak. I Bernoulli

M

Jak. I Bernoulli faßt Resultate der Kombinatorik und Wahrscheinlichkeitsrechnung in der 1713 posthum in Basel edierten Ars conjectandi zusammen. Er Àndet eine Rekursionsformel für die Potenzsummenbestimmung mittels der Bernoullischen Zahlen, das Gesetz der großen Zahlen für die Binomialverteilung u. a.

1685 J. Wallis

M

J. Wallis gibt erstmals eine umfassende, von Geometrie befreite Darstellung der Algebra und ihrer historischen Entwicklung, auch Ergebnisse der Reihenlehre und der Integralrechnung sowie eine erste Darstellung komplexer Zahlen enthaltend. J. Hevelius

A

J. Hevelius konstruiert den Oktanten, ein mit einem geteilten Achtelkreis versehener Winkelmesser.

G. W. Leibniz

M

G. W. Leibniz gibt die Grundregeln der Integral rechnung an, verwendet das Integralzeichen  erstmals im Druck, charakterisiert d und als inverse Operationen. A • P Aus der Wirkung von Gravitation und Zentrifugalkraft an der ErdoberÁäche errechnet I. Newton die Abplattung der Erde zu 1/230. Mit dieser Abplattung und den Gravitationskräften erklärt er dann die Präzession der Äquinoktien. Auch andere Planeten sind nach Newton abgeplattet. I. Newton

E. Halley

P

Die barometrische Höhenformel wird von E. Halley auf der Basis des von I. Newton angegebenen Zusammenhangs zwischen Höhenänderung und Änderung des Luftdrucks im wesentlichen mathematisch exakt abgeleitet. Die Konstante ist noch ungenau bestimmt und der EinÁuß der Temperatur bleibt unberücksichtigt. Chr. Huygens P • A Chr. Huygens versucht erstmals zielgerichtet, ein achromatisches Fernrohr zu konstruieren, in dem er im Okular zwei plankonvexe Linsen benutzt, deren Krümmung zum Objektiv zeigt. G. W. Leibniz

P

J. Zahn schlägt vor, bei optischen Geräten statt des Fadenkreuzes mittels Diamant auf Glas eingeritzte Gitter zu verwenden.

In Auseinandersetzung mit R. Descartes sieht G. W. Leibniz in dem Produkt von Masse und Geschwindigkeitsquadrat die „richtige“ Größe für die „Kraft“ eines Körpers und behauptet deren Erhaltung. Sein Aufsatz Brevis demonstratio . . . löst einen langen metaphysischen Streit um das „wahre Kraftmaß“ aus.

A. Cassius

E. Mariotte

J. Zahn

A

C

Das von A. Cassius entdeckte Verfahren zur Herstellung des nach ihm benannten Goldpurpur wird von dessen Sohn beschrieben. Cassius hatte den kolloiden Goldpurpur durch Reduktion von Goldchlorid mit Zinnsalzen hergestellt.

um 1686 G. W. Leibniz

M

Als Realisierung seines Logikkalküls plant G. W. Leibniz einen algebraischen Kalkül, der um 1690 in einen Klassenkalkül einmündet und das erste erfolgreiche Beispiel einer universellen Begriffsschrift und formalen Sprache ist.

P

Posthum erscheint der Traité du mouvement des eaux . . . von E. Mariotte. Er berichtet über die experimentelle Bestätigung des Torricellischen AusÁußgesetzes, die dazu von ihm erfundene Mariottesche Flasche, die Mariottesche Röhre und erörtert als Anwendung die Steighöhe von Fontänen. E. Mariotte

P

In dem Traité du mouvement des eaux . . . erläutert E. Mariotte seine etwa 1680 beendeten Untersuchungen zur Festigkeitslehre. In der Balkenbiegung führt er die „axe d’équilibre“ ein,

227

1686 – 1687

trennt Zug- und Druckbereiche und leitet genauere Formeln ab. I. Newton P • W I. Newton hinterlegt am 28. April das Manuskript von Buch 1 seines epochalen Werkes Philosophiae naturalis principia mathematica bei der Royal Society. Der Druck des dreibändigen Gesamtwerkes wird am 5. Juli 1687 vollendet. Es ist das älteste umfassende Lehrbuch der theoretischen Physik. I. Newton

P

Im ersten Buch der Principia entwickelt I. Newton erstmals ein logisch geschlossenes Begriffssystem der Mechanik. Er deÀniert Grundbegriffe wie Masse, Trägheit, Kraft, Bewegungsgröße und Zentripetalkraft und gibt die drei Grundgesetze der Bewegung an: Trägheitsprinzip, Kraftgesetz und Actio gleich reactio. I. Newton

P

Die Bewegung von Körpern im widerstrebenden Medium wird von I. Newton in Buch 2 der Principia studiert. Er deÀniert den Bewegungswiderstand in Gasen und Flüssigkeiten und erklärt die FortpÁanzung von Bewegungen in Fluiden. Das Werk wirkt anregend für Ballistik und Hydrodynamik. Hauptziel ist die Widerlegung der Cartesischen Wirbeltheorie der Planetenbewegung. I. Newton

P

I. Newton formuliert im Buch 3 der Principia das allgemeine Gravitationsgesetz, vereinheitlicht irdische und Himmelsmechanik, in dem er die Verbindung zwischen Gravitationsgesetz und mechanischem Kraftgesetz herstellt und wendet die Theorie auf die Bewegung der Himmelskörper, insbesondere auf Kometenbewegung und Störungen der Mondbahn, an.

C. Cellarius

G

Obwohl vorrangig philologisch orientiert, präsentiert C. Cellarius in seinen Lehrbüchern zur antiken und neuzeitlichen Geographie sowie den 1701 bzw. 1706 erscheinenden zwei Bänden der Notitia orbis antiqui sive Geographia plenior zahlreiche geographische Kenntnisse und erwirbt sich große Verdienste bei der Einführung der Geographie als Lehrfach. E. Halley

G

E. Halley entwirft eine Karte der Winde und präsentiert damit erstmals meteorologische Daten in dieser Form. Die Winde veranschaulicht er durch kurze gebrochene Linien, wobei die Windrichtung bei jedem Strich durch einen dicken vorderen und einen gepunkteten hinteren Teil angedeutet wird. Weiter diskutiert er mögliche Ursachen der Passatwinde und der Monsune. R. Hooke

G

R. Hooke führt 1686/87 seine 1668 angedeutete Theorie einer Veränderung der Rotationsachse der Erde durch starke Erdbeben weiter aus. Er sieht darin u. a. die Ursache von Veränderungen der Land/Meer-Verteilung sowie von (durch die Fossilien belegten) klimatischen Veränderungen, welche ihrerseits Veränderung der Arten bedingen können. Er erörtert auch die Möglichkeit eines Wanderns der Pole, was eine weitere Ursache für klimatische Veränderungen darstellt, sowie auch die einer Bewegung der Kontinente. E. König

G

E. König gibt in seinem Regnum minerale eine fundierte Zusammenstellung des mineralogischen Wissens seiner Zeit. Er betont die chemischen Kennzeichen der Mineralien, gibt eine Reihe fundierter Analysen von Metallen, Edelsteinen, Salzen usw., schließt sich aber auch der Auffassung vom Wachstum der Metalle an. N. Venjukov

G. C. Bonomo, G. Cestoni

B

G. C. Bonomo und G. Cestoni erkennen die Milben als Ursache der Krätze (Skabies). J. Ray

B

J. Ray entwickelt in dem dreibändigen Werk Historia plantarum ein PÁanzensystem nach vorwiegend morphologischen Merkmalen. Er teilt die SamenpÁanzen in Einkeimblättrige (Monocotyledones) und Zweikeimblättrige (Dicotyledones) ein. Der dritte Band erscheint 1704.

G

Nachdem vorher bereits Marschroutenbeschreibungen publiziert worden waren, berichtet N. Venjukov in seiner Beschreibung Sibiriens u. a. über die einheimischen Völkerschaften und ihre Sitten sowie über den Reichtum des Landes an Holz und Pelztieren.

1687 E. W. v. Tschirnhaus

W

E. W. v. Tschirnhaus publiziert das Buch Medicina mentis . . . , das einen bedeutenden EinÁuß in

1687 – 1689

228

der Frühaufklärung ausübt und zur Verbreitung der Naturwissenschaften beiträgt. S. de Vauban

M

Marschall S. de Vauban entwickelt bei der Befestigung von Belfort und Besançon, später auch bei Neuf-Brisach sein sog. zweites System und führt einen polygonalen Hauptwall mit Áankierenden, durch detaschierte Bastionen gedeckten Türmen ein. G. D. Cassini

A

G. D. Cassini Àndet das nach ihm benannte Gesetz der Drehung des Mondes um seine Achse. P. Varignon, B. Lamy

P

P. Varignon und B. Lamy postulieren explizit die Zusammensetzung von Geschwindigkeiten. Daraus leitet sich ein Prinzip der Momentenerhaltung ab. I. Newton

C

I. Newton gibt eine physikalisch begründete mathematische Ableitung des Boyle-Mariotteschen Gesetzes und deÀniert den Begriff der Viskosität. G. Schulz

C

G. Schulz stellt Zinnober (QuecksilbersulÀd) auf nassem Weg durch Mischen von Quecksilber mit der Boyleschen Schwefeltinktur (Schwefelammonium) dar. E. W. von Tschirnhaus

C

E. W. von Tschirnhaus schmilzt glasartige Massen, die als Vorläufer des Böttger-Steinzeug betrachtet werden können. J. C. Brunner

B

J. C. Brunner beschreibt die Drüsen des ZwölfÀngerdarms und unternimmt erste Resektionsversuche von Bauchspeicheldrüse und Milz bei Tieren. B • G Sir H. Sloane bereist als Arzt vom September 1687 bis 1689 Jamaika. Er studiert vor allem die dortige Flora und Fauna und legt den Grundstock zu seinen später berühmten Sammlungen, die neben einer Vielzahl von PÁanzen, Tieren, Mineralien und Edelsteinen, auch Münzen, Manuskripte u. a. umfassen und ein Grundstock des British Museum werden. H. Sloane

E. Davis

G

Der britischer Flibustier E. Davis entdeckt „Davis-Land“, das er für einen Teil des legendären Südlandes hält. Durch unzulängliche

Ortsangaben ist eine genaue Lokalisierung nicht möglich. Die Osterinseln, wie teilweise vermutet, sind es nicht, eventuell die Inseln San Felix und San Ambrosio.

1688 C. Thomasius

W

Monatsgespräche, die erste wissenschaftliche Zeitschrift in deutscher Sprache wird von C. Thomasius in Leipzig herausgegeben. P. C. Albinus

C

P. C. Albinus gewinnt natürliche phosphororganische Verbindungen aus Senf- und Kressesamen. A. van Leeuwenhoek

B

A. van Leeuwenhoek beobachtet die Blutbewegung durch die Kapillaren im Schwanz einer Kaulquappe. M. Malpighi

B

M. Malpighi veröffentlicht im Juni nach Untersuchungen der Leber, als Gallensaft erzeugende vielfältig zusammengesetzte Drüse, sowie der Nieren und der Milz mit den „Malpighischen Körperchen“ eine erste Theorie der Struktur und Funktion der Drüsen. G

In Frankreich wird das Ingenieurkorps, das u. a. Kartierungen durchführt, gegründet. Aus ihm differenziert sich das Ingenieurgeographenkorps heraus. D. Guglielmini

G

D. Guglielmini untersucht Kristalle von Salzen, insbesondere Kochsalz, Salpeter, Alaun und Vitriol, und erkennt, daß bei diesen die Flächenwinkel immer konstant sind, wenngleich die Flächen selbst nicht immer vollkommen ausgebildet sind. Er schließt daraus, daß die Kristalle aus unsichtbaren kleinsten Teilchen von jeweils einheitlicher Gestalt aufgebaut sind.

um 1689 O. Römer

A

O. Römer konstruiert viele astronomische Geräte, u. a. ein parallaktisches Fernrohr und ein Passage-(Durchgangs-)instrument, das in die Meridianebene eingestellt wird und das Hauptinstrument für die astronomische Zeitbestimmung bildet.

229

1689 – 1690

1689 Jak. I Bernoulli

M

Jak. I Bernoulli publiziert bis 1704 fünf Reihendissertationen in denen er zahlreiche Ergebnisse und Methoden der Reihenlehre zusammenfaßt: Konvergenzbetrachtungen, spezielle Reihen, Bernoullische Ungleichung, Bestimmung der Grenzwerte durch Iteration usw.

G. W. Leibniz, Chr. Huygens, Joh. I Bernoulli

M

Das von Jak. I Bernoulli formulierte Problem der Kettenlinie wird von G. W. Leibniz und 1691 von Chr. Huygens und Joh. I Bernoulli gelöst. M. Rolle

M

J. Kunckel wendet die Lötrohrreduktion von Metallsalzen auf Holzkohle an.

In seinem Algebralehrbuch führt M. Rolle die Notation für die n-te Wurzel und die Ordnungsrelation für negative Zahlen in der heute üblichen Form ein. Er gibt Lösungsverfahren für Diophantische Gleichungen an.

A. van Leeuwenhoek

M. Rolle

J. Kunckel

C

B

A. van Leeuwenhoek entdeckt die Stäbchenschicht der Netzhaut des Auges und die Faserstruktur der Hornhaut. P. S. Fritz

G

P. S. Fritz befährt den Amazonas bis Belém (Pará) und 1691 auf dem selben Wege wieder zurück. Seine Berichte geben ein Bild der ethnographischen Verhältnisse vor dem Einsetzen der Kolonisierung. Im Ergebnis der Reise zeichnet er die erste korrekte Karte des Amazonas und seiner NebenÁüsse, von der zunächst nur eine verfälschte Kopie bekannt wird. J. Jungius

G

In Hamburg erscheinen posthum die Mineralia des J. Jungius, die in ihren wesentlichen Teilen zwischen 1619 und 1630 entstanden ist. Jungius betont die chemischen Kennzeichen der Mineralien, ist sich aber gleichwohl bewußt, daß er in der Systematik der Mineralien letztlich nicht über G. Agricola und A. B. de Boodt hinausgehen kann. I. K. Kirilov

G

I. K. Kirilov verfaßt eine erste systematische Beschreibung Rußlands. J. W. von Valvasor

G

Der Historiker J. W. von Valvasor beginnt mit der Erforschung von Karst und Höhlen auf wissenschaftlicher Grundlage.

1690 Jak. I Bernoulli

M

Jak. I Bernoulli löst das 1687 von G. W. Leibniz gestellte und von diesem sowie Chr. Huygens gelöste Isochronenproblem, führt dabei den Begriff „Integral“ ein und verbreitet wie sein Bruder Joh. I den Leibnizschen Kalkül.

M

In dem Algebrabuch behandelt M. Rolle die angenäherte Bestimmung der Gleichungswurzeln und gibt die Kaskadenmethode an, aus der 1846 der Satz von Rolle über die Nullstelle von f  (x) bei stetigem f (x) hervorgeht. J. Flamsteed

A

Wie seine Aufzeichnungen belegen, beobachtet J. Flamsteed erstmals und später noch viermal den Uranus, ohne ihn als Planet zu identiÀzieren. J. Hevelius

A

Posthum wird der Sternkatalog des J. Hevelius ediert. Er enthält die Bestimmung von 1564 Sternörtern, Helligkeitsschätzungen u. a. und ist auch der erste NebelÁeckenkatalog. P. Emony

P

Die Gesetze für den Dreiklang bei Kirchenglocken werden von dem Holländer P. Emony angegeben. Chr. Huygens

P

Chr. Huygens veröffentlicht seine Theorie des Lichts in dem Traité de la lumière . . . Er erklärt damit ReÁexion, Brechung und Doppelbrechung am Kalkspat. Seine Theorie wird aber fast 100 Jahre von den meisten Gelehrten ignoriert. Chr. Huygens

P

Als Anhang zur Optik publiziert Chr. Huygens in Discours de la cause de la pesanteur seine Hypothese zur Schwerkraft, nach der das Gewicht eines Körpers gleich der Zentrifugalkraft einer entsprechenden Quantität des Descartesschen Äthers ist. Danach ist die Schwere eines Körpers am Äquator um 1/289 geringer als am Pol. Außerdem folgt die Abplattung der Erde an den Polen.

1690 – 1691

230

D. Papin

P

D. Papin entwickelt wichtige Grundideen zum Bau einer Dampfmaschine, u. a. die Erzeugung eines Vakuums durch Kondensation des Dampfes im geschlossenen Zylinder. Er baut ein arbeitsfähiges Modell eines Dampfzylinders mit Stempel und propagiert die Nutzung des Dampfes zu Antriebszwecken. J. Kunckel

C

J. Kunckel stellt durch Zusatz von Alkohol zu einer Lösung von Quecksilber in Aquaforte (Salpetersäure) das 1800 von E. Howard wiederentdeckte Knallquecksilber (Quecksilberfulminat) dar. E. Kaempfer

G

Mit großem Geschick sammelt E. Kaempfer, bis 1692 als Arzt in der holländischen Niederlassung auf der Insel Deshima vor Nagasaki und Teilnehmer zweier Gesandtschaftsreisen nach Tokyo, Nachrichten über das Land, die Kultur und Lebensformen sowie über PÁanzen und Tiere. Seine posthum 1727 als Buch erschienenen Berichte sind die ersten zuverlässigen und umfassenden Mitteilungen die außerhalb Japans publiziert werden. E. Warren

G

E. Warren wendet sich in seinem Traktat Geologia, – nach M. P. Escholt (vgl. 1657) ein weiterer früher Beleg für die Verwendung des Begriffes „Geologie“ im heutigen Sinne – vor allem gegen Burnets Annahme, daß die Wasser der SintÁut nicht höher waren als die Berge und daß diese die Form der Erde nicht verändert hat (vgl. 1681).

I. Newton

C. Havers

Jak. I Bernoulli

M

Jak. I Bernoulli studiert Loxodrome sowie parabolische und logarithmische Spirale, inklusive des entsprechenden elliptischen Integrals für die Bogenlänge. Er verwendet z. T. Polarkoordinaten.

E. Halley

M

G. W. Leibniz löst spezielle Differentialgleichungen, meist erster Ordnung, durch Transformationen und nennt 1694 die Trennung der Variablen als Voraussetzung für die Integration der Differentialgleichungen.

G

E. Halley untersucht experimentell die Verdunstungsrate von Salzwasser und schließt daraus, daß die Verdunstungsmenge aus den Meeren und den Flüssen ausreichend ist, den Niederschlag zu erzeugen. Damit gibt er, nach den Messungen von P. Perrault und E. Mariotte (vgl. 1674, 1678), den experimentellen Beleg für den zweiten Teil des hydrologischen Zirkels. G. W. Leibniz

G

Nachdem G. W. Leibniz zwischen 1680 und 1686 mehrfach die Bergbaugebiete in Thüringen und im Harz bereiste und zahlreiche geologische, mineralogische und paläontologische Beobachtungen gesammelt hat, arbeitet er ab April 1691 nachweislich an seiner „Protogaea“, einer umfassenden Theorie über die Bildung der Erde und der Gesteine. Sie wird 1693 veröffentlicht. G. W. Leibniz

G

G. W. Leibniz nimmt einen doppelten Ursprung der Gesteine an: eine erste Entstehung aus der ursprünglich glutÁüssigen und sich abkühlenden Erde sowie eine spätere vielfache Umgestaltung und Umlagerung der Gesteine durch die Arbeit des Áießenden Wassers. G

Die Entwicklung der Erde zeigt sich nach G. W. Leibniz in der Abfolge der Schichten sowie in den darin enthaltenen Resten von Organismen. Fossilien deutet er nachdrücklich als Reste von Organismen und beschreibt dabei vor allem fossile Fische aus dem Mansfelder Kupferschiefer und der Gegend von Osterrode im Harz. G. W. Leibniz

G. W. Leibniz

B

C. Havers veröffentlicht in Osteologia nova Ergebnisse seiner Untersuchungen zur Anatomie und Histologie der Knochen. Er entdeckt die Knochengefäßkanälchen.

G. W. Leibniz

1691

M

In einem unveröffentlichten Manuskript leitet I. Newton den sog. Taylorschen Satz über die Entwicklung einer Funktion in eine Potenzreihe ab.

G

Nach G. W. Leibniz ist durch den ursprünglich glutÁüssigen Zustand der Erde das gesamte Wasser verdampft, das dann im Verlauf ihrer Abkühlung kondensierte, als atmosphärischer Niederschlag die Erde abspülte und vielfache Veränderungen der OberÁäche verursachte. Zugleich

231

1691 – 1693

sind bei der Abkühlung im Erdinneren Höhlungen (Blasen) entstanden, die zum Teil mit Wasser gefüllt waren. Einstürze der überlagernden Schichten führten zu mehrfachen Überschwemmungen, die die Sedimentschichten übereinander abgelagerten. L. Morosko

G

Im Auftrag des Pelzhändlers V. V. Atlassov erkundet L. Morosko bis 1696 das Gebiet am Anadyr und die Halbinsel Kamtschatka. Dabei gelangt er an der Ostküste bis zur Bucht von UstKamtschatsk.

um 1692 E. W. v. Tschirnhaus

C

E. W. v. Tschirnhaus gelingt erstmals das Gießen größerer Glaslinsen. 1694 führt er einen mit derartigen Linsen gefertigten Doppellinsenapparat am sächsischen Hofe vor.

1692 Jak. I. Bernoulli

M

Jak. I. Bernoulli gibt eine allgemeine Methode an, um Evoluten mittels Krümmungsradien zu bestimmen. G. W. Leibniz

M

In mehreren Briefen entwickelt G. W. Leibniz ab 1692 eine Theorie der Enveloppen. G. W. Leibniz

M

In der Korrespondenz mit anderen Gelehrten beginnt G. W. Leibniz, erstmals die Begriffe Funktion, Variable, Parameter, Koordinate, algebraische und transzendente Funktion u. a. zu verwenden. Er bereichert die algebraische Symbolik durch Indizes, Doppelindizes, Potenz-, Proportionenund Determinantenschreibweise und vieles mehr. V. Viviani

M

V. Viviani stellt die berühmte „Florentiner Aufgabe“: Aus einer Halbkugel vier gleichgroße Löcher so herauszubrechen daß der Rest der HalbkugelÁäche quadrierbar ist. Lösungen mittels Differentialrechnung geben Viviani, G. W. Leibniz, Jak. I Bernoulli und G. de L’Hospital an. G

In Dresden wird die Ritterakademie gegründet, wo sich ein Teil der Kartographie, die Situationszeichnungslehre, zu einem selbständigen Lehrfach entwickelt.

E. Halley

G

In Ergänzung seiner Theorie des Erdmagnetismus von 1683 postuliert E. Halley zwischen Erdschale und Erdkern ein gasartiges „EfÁuvium“ als Ursache für die leicht hinter der der Kruste zurückbleibende Rotation des Kerns. Er erklärt damit die Westdrift des Erdmagnetfeldes und 1716 auch die Nordlichter. J. Ray

G

J. Ray beschreibt die erodierende Wirkung des Áießenden Wassers sowie die der Meere an den Küsten. Regen spült die Berge ab, Flüsse und Ströme transportieren dieses Material, lagern es wieder ab und verändern so die Topographie und schaffen neues Land. Außerdem äußert er sich zum Ursprung der Quellen und Flüsse, den er im atmosphärischen Niederschlag sieht. J. Ray

G

Nachdem J. Ray bereits 1673 den organischen Ursprung der Fossilien postuliert hat, führt er diese insbesondere 1692 in seinen Miscellaneous discourses . . . , revidiert 1693 unter dem Titel Three physico-theological discourses, auf die SintÁut zurück. Er denkt auch schon an die Möglichkeit mehrerer großer Fluten in der Erdgeschichte. J. Ray

G

J. Ray diskutiert für die Ammoniten die Möglichkeit, daß es sich um Überreste von Lebewesen handelt, die heute nicht mehr auf der Erde zu Ànden sind. N. C. Witsen

G

Der ehemalige holländische Gesandte in Moskau und Bürgermeister von Amsterdam, N. C. Witsen, legt eine Beschreibung von Rußland vor, in der er u. a. die mündliche Überlieferung aufnimmt, daß Asien im Osten von Meer begrenzt ist, also keine Landbrücke zwischen Sibirien und Amerika besteht.

1693 W

Gründung des „College of William and Mary in Virginia“ in Williamsburg, eine der ältesten nordamerikanischen Bildungseinrichtungen. E. Halley

M

E. Halley wendet Sterbetafeln als Basis für die Berechnung von Lebensrenten an und wird damit ein Wegbereiter der Sozialstatistik. Er gibt

1693 – 1694

232

eine systematische Behandlung der Zinseszinsrechnung. Chr. Huygens

M

In einer kurzen Note in den Acta eruditorum spricht Chr. Huygens erstmals explizit von Differentialgleichungen, wenig später äußert sich G. W. Leibniz dazu. Letzterer sieht in Differentialgleichungen Funktionen zwischen Strecken des charakteristischen Dreiecks. G. W. Leibniz

M

An einfachen Beispielen demonstriert G. W. Leibniz die Lösung linearer Gleichungssysteme mittels Anordnungen, die Determinanten äquivalent sind. G. W. Leibniz

M

G. W. Leibniz löst Differentialgleichungen durch einen Ansatz mit unbestimmten KoefÀzienten. I. Newton

M

Als Anhang zu den mathematischen Werken von J. Wallis erscheint der erste publizierte Beitrag Quadrature of curves von I. Newton zur Fluxionsrechnung. E. Halley

C

W. Homberg entdeckt die Phosphoreszenz von geschmolzenem Calciumchlorid (Hombergscher Phosphor). G. Holyk

B

G. Holyk erwähnt in seinem Gartenbuch das Kopulieren, eine Form der Veredelung von Bäumen und Sträuchern. P. Magnol

B

P. Magnol bildet im Botanischen Garten von Montpellier natürliche „Verwandtschaftsgruppen“, die er Familien nennt. J. Ray

B

J. Ray klassiÀziert in Synopsis animalium quadrupedum et serpentium die Tiere auf anatomischer Grundlage und deÀniert den Begriff der Art in der Zoologie.

G

E. Halley

G

E. Halley versucht, geographische Flächen durch Wägung der aus einer Landkarte geschnittenen Flächenstücke zu bestimmen; analog geht 1710 Scherer vor. J. Hübner

G

Mit der Herausgabe des Buches Kurtze Fragen aus der neuen und alten Geographie . . . trägt der Pädagoge J. Hübner zur Popularisierung geographischer Fragen bei und eröffnet der Geographie einen Zugang zum Schulunterricht. Bis 1731 erscheint das Buch in 36 Auflagen. J. Ozanam

G

J. Ozanam publiziert eine systematische Zusammenfassung der Kartierungsmethoden.

P

E. Halley leitet für wenig gekrümmte, dünne Linsen eine Formel für die Abbildungsverhältnisse her. W. Homberg

E. Halley

E. Halley schließt aus seinen Untersuchungen zur Verdunstungsrate von Salzwasser auf eine langsame Zunahme des Salzgehaltes der Seen und der Ozeane. Der Grad dieser Zunahme gibt ihm einen empirischen Beleg für das Alter der Erde: Dieser spricht sowohl gegen die in der Bibel dargelegte Vorstellung als auch gegen die Annahme der Ewigkeit der Welt.

1694 M • P Bei der Bestimmung der Gleichgewichtskurve (elastische Linie) eines belasteten Balkens, dessen Querschnitte bei der Biegung eben bleiben, erhält Jak. I Bernoulli ein elliptisches Integral, das er für nicht berechenbar hält. Jak. I Bernoulli

Joh. I Bernoulli

M

Joh. I Bernoulli löst Differentialgleichungen erster Ordnung durch Substitutionen und leitet durch iterierte partielle Integration eine zum Taylorschen Satz äquivalente Reihenentwicklung ab. Joh. I. Bernoulli

M

Joh. I. Bernoulli deÀniert den von G. W. Leibniz 1673 eingeführten Begriff der Funktion als Größe, die irgendwie aus unbestimmten und konstanten Größen gebildet ist. P. de La Hire

M

P. de La Hire behandelt erstmals die Theorie der Epizykloide in systematischer Weise vom projektiven Standpunkt.

233

1694 – 1696

B. Nieuwentijt

M

B. Nieuwentijt kritisiert die in Fluxionsrechnung und Calculus verwendeten Methoden. C. Renaldini

P

Die Normierung der Temperaturskala anhand des Schmelzpunktes des Eises und des Siedepunktes des Wassers wird von C. Renaldini wie zuvor um 1670 von Chr. Huygens u. a. gefordert. Der Vorschlag wird nicht realisiert, da die Invarianz der beiden Normpunkte angezweifelt wird. Joh. I Bernoulli

B

Joh. I Bernoulli demonstriert, daß Fische im Wasser, dem Luft entzogen wurde, nicht lebensfähig sind. R. J. Camerarius

1695

A

Angeregt durch die Newtonschen Principia . . . beginnt E. Halley, intensiv Kometenbewegungen zu studieren. Er vermutet eine elliptische Bahnkurve, entdeckt die Periodizität des nach ihm benannten Kometen und berechnet dessen Wiederkehr. Die Publikation 1705 ist die Basis der modernen Kometenastronomie. J. Wallis

P

In den Opera mathematica gibt J. Wallis eine ausführliche Behandlung der Stoßtheorie, insbesondere seiner 1668 vorgenommenen Ausdehnung der Regeln vom Stoß unelastischer Körper auf elastische. N. Grew

A. van Leeuwenhoek

G

A. van Leeuwenhoek erklärt die natürliche Entstehung der Mineralien, ähnlich wie 1672 R. Boyle, dahingehend, daß aus wasserhaltigen Gesteinen im Erdinneren durch Erhitzen Wasser einschließlich gelöster Salzteilchen entweicht, die sich dann in den höheren Gesteinsschichten als Mineralien und Kristalle absetzen. J. Woodward

G

In seinem Essay toward a natural history of the earth postuliert J. Woodward eine universelle, durch den Ausbruch der Wasser im Erdinneren entstandene Flut, die die gesamte feste Erde, Mineralien und Gesteine, aufgelöst hat. Auch die damals existierenden Tiere und PÁanzen wurden überÁutet, dabei aber nicht bis zur Unkenntlichkeit aufgelöst.

M

Jak. I Bernoulli stellt die sog. Bernoullische Differentialgleichung auf, die 1696 von G. W. Leibniz, Jak. I und Joh. I Bernoulli gelöst wird. E. Halley

G

In einer Neuausgabe von Camdens Britannia (vgl. 1586) durch E. Gibson gibt dieser drei Abbildungen von fossilen PÁanzen aus Kohleschichten in Wales, die ersten derartigen Abbildungen von Fossilien aus Wales. Er enthält sich eines Urteils über ihre Entstehung, weist aber auf ihre starke Ähnlichkeit mit rezenten PÁanzen hin.

B

In der in Briefform abgefaßten Arbeit De sexu plantarum epistula beschreibt R. J. Camerarius die Sexualität sowie die sexuelle FortpÁanzung der PÁanzen und beweist dies an mehreren PÁanzen experimentell. Trotz ihrer großen Bedeutung werden die Ergebnisse wenig bekannt.

Jak. I Bernoulli

E. Gibson

C

N. Grew isoliert Magnesiumsulfat (Epsomsalz, Bittersalz) aus dem Wasser der Epsomer Mineralquelle (England).

J. Woodward

G

J. Woodward nimmt, wohl schon seit 1690 und ähnlich wie T. Burnet (vgl. 1681) an, daß sich die durch die universelle Flut gelösten Bestandteile der Mineralien und Steine bzw. die Reste der PÁanzen und Tiere nach der speziÀschen Schwere kugelschalenförmig um die ganze Erde ablagern. J. Woodward

G

J. Woodward stellt fest, daß die Fossileinschlüsse bestimmter Schichten sich von denjenigen der darüber bzw. darunter lagernden Schichten unterscheiden, führt dies allerdings in erster Linie auf die von ihm angenommene Schweresonderung der Bestandteile beim Absatz aus dem gelösten Zustand zurück.

um 1696 G. W. Leibniz

M

G. W. Leibniz führt Differentiation und Integration mit gebrochenen Index sowie eine Darstellung der partiellen Differentiation ein.

1696 – 1697

234

1696 W

Gründung des St. John’s College in Annapolis (Maryland) als King-Williams-School, eine der ältesten Bildungseinrichtungen Nordamerikas. Joh. I Bernoulli

M

Joh. I Bernoulli formuliert das Brachistochronenproblem. I. Newton, G. W. Leibniz, G. de L’Hospital, Joh. I und Jak. I Bernoulli geben 1697 richtige Lösungen, wobei die des letzteren einen wichtigen Schritt in der Variationsrechnung darstellt. Er nutzt die hinreichende Bedingung, daß die Extremaleigenschaft der Kurve sich auf ihre Teile überträgt. G. de L’Hospital

M

Der Edelmann G. de L’Hospital publiziert in Paris das erste einÁußreiche Lehrbuch der Differentialrechnung Analyse des inÀniment petits . . . , das im Inhalt wesentlich auf Joh. I Bernoulli zurückgeht und insbesondere die l’Hospitalsche Regel enthält. J. Ray

B

J. Ray beschreibt die als ArzneipÁanze genutzte Pfefferminze und bezeichnet 1704 eine Mentha palustris als Peper-Mint. W. E. Tentzel

G

Ein um die Wende 1695/96 nördlich von Gotha gefundenes, anscheinend vollständig erhaltenes Mammutskelett, vom Collegium medicum in Gotha zunächst für ein Naturspiel erklärt, wird von dem Historiographen W. E. Tentzel, u. a. im Hinblick auf die Lage der Fundstücke zueinander, als versteinertes Elephantenskelett gedeutet. W. Whiston

G

W. Whiston entwirft in seiner New theory of the earth . . . eine an I. Newton orientierte Entwicklungsgeschichte der Erde, die er, zumindest für die Zeit nach der SintÁut, ausschließlich durch gegenwärtig zu beobachtende Wirkungen erklärt. Die Wirkungen stellen ihm ein wohlgeordnetes System dar, welches die Bewohnbarkeit der Erde erhält. W. Whiston

G

W. Whiston führt die SintÁut auf den Einschlag eines Kometen zurück. Dieser hat die oberen Schichten der Erde zerbrochen und so das erdinnere Wasser freigesetzt sowie durch Kondensation der Dämpfe des Kometenschweifes wol-

kenbruchartige Regenfälle entstehen lassen. Die Flut ist verantwortlich für die Ablagerung der Sedimentschichten und der marinen Fossilien.

1697 P. Bayle

W

P. Bayle begründet mit seinem Dictionnaire historique et critique, das er seit 1695 erarbeitet, einen neuen Lexikontyp, der kurze klare, mit Anmerkungen versehene Artikel an die Stelle ausführlicher Zitate von Autoritäten setzt. Joh. I Bernoulli

M

Den Leibnizschen Calculus gegen Kritik verteidigend, differenziert Joh. I Bernoulli die Funktion xy und entwickelt seinen Exponentialkalkül, nachdem er schon 1694 xx untersucht hatte. A. de Moivre

M

A. de Moivre verallgemeinert Newtons Binomialreihe zum polynomischen Lehrsatz. G. Saccheri

M

In der Logica demonstrativa . . . untersucht G. Saccheri das Wesen von DeÀnitionen, ihre Widerspruchsfreiheit sowie die Kompatibilität von Axiomen. Er versucht, die Prinzipien der Logik geometrisch zu erklären. D. Guglielmini P • G Ein grundlegendes Werk zur Hydraulik Della natura dei Àumi wird von D. Guglielmini publiziert. Er berichtet über seine hydromechanischen Versuche, die u. a. das Torricellische AusÁußgesetz bestätigen und bei denen er den sog. Wasserquadranten zur Messung der Fließgeschwindigkeit einführt. Er studiert auch Erosion und Sedimentation in Flüssen. G. E. Stahl

C

G. E. Stahl entwickelt bis 1702 die Phlogistontheorie, nach der bei der Verbrennung von Stoffen eine in diesen enthaltene Substanz, das Phlogiston, entweicht. Erstmals in der Chemie wird eine chemische Umwandlung als Prozeß begriffen, dessen Umkehrbarkeit erkannt und beides theoretisch erklärt. Zugleich erkennt Stahl, daß seine Theorie für alle Oxidations-Reduktions-Prozesse gilt. Die Phlogistontheorie hat die weitere Entwicklung der Chemie wesentlich stimuliert.

235

1697 – 1699

V. V. Atlassov

G

V. V. Atlassov unternimmt bis 1699 zusammen mit L. Morosko vom Fluß Anadyr aus eine Erkundungsexpedition durch Kamtschatka. Er beschreibt Natur und Menschen des Gebietes genau und ist damit der eigentliche Entdecker der Halbinsel. Erstmals erwähnt er die Kurilen-Inseln. In Europa wird sein Bericht 1730 durch J. P. T. v. Strahlenberg bekannt. W. Dampier

G

W. Dampier publiziert den ersten Band seines Berichts über die Südseereise (vgl. 1682), der auf Grund der Fülle von Beobachtungen Aufsehen erregt. Bis 1707 erscheinen zwei weitere Bände, die u. a. seemännische Erfahrungen, Segelanweisungen und ReÁexionen über regelmäßige tellurische Winde enthalten. G. W. Leibniz

G

Eine Sammlung informativer Berichte, die er von Mitgliedern der Jesuitenmissionen in China erhalten hatte, wird von G. W. Leibniz mit dem Titel Novissima Sinica ediert. 1699 erscheint eine erweiterte Fassung. Peter I.

G

Zar Peter I. erläßt Grundsätze für die Standortwahl metallurgischer Betriebe, insbesondere für Neuanlagen im Ural. Die im Sinne des aufgeklärten Herrschers formulierten Prinzipien erhalten in Rußland infolge der Größe des Landes für die Bergbeamten eine besondere Bedeutung. S. Reyher

G

Im Winter 1697 unternimmt S. Reyher, der seit 1680 regelmäßig meteorologische Beobachtungen (Windrichtung, Lufttemperatur u. a.) durchführt, erstmals in der Kieler Förde umfassende Experimente zur Bestimmung des Salzgehaltes des Meerwassers in Abhängigkeit von der Tiefe und der Temperatur.

1698 Joh. I Bernoulli

A

Cosmotheros, um 1685 geschrieben, erscheint. Chr. Huygens hält darin Leben auf anderen Planeten für wahrscheinlich und schätzt erstmals die Entfernung des Fixsterns Sirius aus der Helligkeit ab. E. Tyson

B

Der Londoner Arzt E. Tyson beschreibt die Anatomie eines Beuteltiers (Opossum) und 1699 der Menschenaffen, wobei er Schimpansen und Menschen vergleicht. E. Lhwyd

G

E. Lhwyd bemerkt auf seinen Reisen in England, daß ähnliche Gesteine in weit voneinander entfernten Gegenden vorkommen und daß sie in diesem Falle ähnliche Fossilien enthalten. E. Lhwyd

G

Die Tiefe, in denen man Fossilien, etwa in den Meeresklippen von Südwales, meist Àndet, läßt E. Lhwyd an der Annahme ihrer Entstehung durch die SintÁut zweifeln, wie überhaupt an der Annahme nur einer ÜberÁutung. Er entwickelt eine Theorie der Fossilentstehung, die gewissermaßen zwischen organischer und anorganischer Entstehung vermittelt. E. Lhwyd

G

Nach E. Lhwyd, wie auch 1708 bei K. N. Lang, entstehen die marinen und pÁanzlichen Fossilien aus unsichtbaren Samen von Tieren (’animalcula’), die durch Nebel und Dämpfe über dem Meer aufgenommen und dann über dem Landesinneren niedergeschlagen werden. Sie keimen tief in der Erde und bilden so perfekte Abbilder von Meeresorganismen. Damit erklärt er u. a. die Funde von Ammoniten in England, die heute in den umgebenden Meeren nicht mehr vorkommen.

M

Joh. I Bernoulli berechnet die kürzesten, d. h. geodätischen, Linien zwischen zwei Punkten einer krummen Fläche. G. W. Leibniz, Joh. I Bernoulli

Chr. Huygens

M

G. W. Leibniz und Joh. I Bernoulli lösen unabhängig das von ihnen 1694 gestellte Trajektorienproblem, wobei die Leibnizsche Methode allgemein gültig ist.

1699 G. Amontons

P

Als einer der ersten unterzieht G. Amontons die bei der Bewegung von Körpern auftretende Gleitreibung einer genauen Analyse und stellt fest, daß deren Größe vom Gewicht des Körpers, nicht aber von der BerührungsÁäche abhängt.

1699 – 1700

236

W. Homberg

C

W. Homberg untersucht bis 1702 quantitativ die Reaktion von Säuren mit Basen. Er sieht im speziÀschen Gewicht ein Maß für die Stärke der Säure und vergleicht die Stärke zweier Säuren durch die Menge an Base, die zu ihrer Neutralisation benötigt wird. Er erkennt die Grundlagen der Neutralisationsreaktion und bereitet eine bessere Einsicht in den Prozeß der Salzbildung vor. W. Dampier

G

Auf der Suche nach dem Südland segelt W. Dampier von London über Bahia und das Kap der Guten Hoffnung nach Australien und entdeckt den Dampierarchipel und die Roebuckbucht. Er wendet sich dann der Nordwestküste Neuguineas zu, erforscht 1700 den Bismarck-Archipel, wobei er Neubritannien und Neuirland als von Neuguinea getrennte Inseln erkennt, entdeckt die Dampierstraße und kehrt 1701 nach England zurück. G • P E. Halley stellt zunächst 1676 während einer Seereise nach St. Helena und dann vor allem 1698 und 1699 während zweier Forschungsreisen im Atlantik genaue Messungen der magnetischen Deklination an. Seine ursprüngliche Hoffnung, damit eine sichere Grundlage für die Längenbestimmung auf See zu erhalten, erfüllt sich nicht. E. Halley

E. Lhwyd

G

Nachdem E. Lhwyd 1686 der Philosophical Society in London einen ersten Katalog der fossilen Muscheln des Ashmolean Museums vorgelegt hatte, gibt er 1699 mit seiner Lithophylacii Britannici ichnographia den ersten illustrierten Fossilienkatalog in England heraus. Dieser enthält 1766 Stücke systematisch geordnet und mit Fundortnachweis. Ch. J. Poncet

G

Der in Kairo lebende französische Arzt Ch. J. Poncet reist durch die Libysche Wüste über Dongala nach Sennar und Gondar. Dort heilt er den abessinischen Kaiser und bringt nach langer Pause (vgl. 1634) wieder Nachrichten über das Land nach Europa.

1700 G. W. Leibniz

W

Auf Vorschlag von G. W. Leibniz wird am 11. Juli die „Kurfürstlich-Brandenburgische Societät der Wissenschaften“ in Berlin gegründet, aus der

1701 die Preußische Akademie der Wissenschaften hervorgeht und die als erste Akademie verschiedene Wissenschaftsgruppen zusammenfaßt. Die ofÀzielle Eröffnung der Akademie erfolgt im Januar 1711. A. Parent

M

A. Parent wendet die Koordinatenmethode erstmals im dreidimensionalen Raum an und stellt OberÁächen durch eine Gleichung zwischen den drei Koordinaten eines Raumpunktes dar. Insbesondere ermittelt er die Gleichung der Tangentialebene an Sphäre und andere spezielle Flächen. A

Gründung der Berliner Sternwarte. C. Hellwig

A

Der „Hundertjährige Kalender“, eine Zusammenfassung von Wetterbeobachtungen zu einem astrologisch begründeten mit Bauernregeln vermischten System der langfristigen Wettervorhersage, wird von dem Arzt C. Hellwig in Erfurt ediert. J. K. Dippel

C

J. K. Dippel gewinnt durch trockene Destillation von Knochen das später zur Vergällung von Alkohol benutzte „Oleum animale foetidum“ (Dippels Öl), eine Mischung von vorwiegend Pyridinen und Chinolinen. N. Lémery

C

N. Lémery beschreibt die Brennbarkeit eines Gases, des später identiÀzierten Wasserstoffs, das aus Eisen und verdünnter Schwefelsäure entsteht. B. Ramazzini

B

B. Ramazzini veröffentlicht die erste Monographie über Gewerbekrankheiten und Arbeitsmedizin. J. P. de Tournefort

B

J. P. de Tournefort klassiÀziert in Institutiones rei herbariae über 10 000 PÁanzen nach Bau und Form der Blüte und unterscheidet deÀnierte Gattungen. G • A G. Delisle beginnt seine kartographische Tätigkeit, die sich durch Beachtung neuer Ortsbestimmungen, z. B. durch die astronomische Methode von G. D. Cassini, und kritische Auswertung der Quellen auszeichnet. In seinen etwa 100 Karten erreicht er eine wesentliche Verbesserung der G. Delisle

237

1700 – 1701

Darstellung von Europa, Nordafrika und Nordamerika und wird zum Neubegründer der französischen Kartographie. G • A L. Feuillée bereist die Levante und führt zahlreiche genaue astronomische Ortsbestimmungen aus. Durch seine Messungen wird die Karte von Kreta in wesentlichen Punkten korrigiert. L. Feuillée

N. Lémery

G

1701 W

Gründung der Yale Universität in Saybrook als Collegiate School. Sie wird 1716 nach New Haven verlegt. Der Universitätsstatus wird ofÀziell erst 1887 festgeschrieben. Jak. I Bernoulli

M

Neben der Lösung des 1697 von ihm gestellten isoperimetrischen Problems gelingt Jak. I Bernoulli der Beweis für die Kettenlinie als Kurve mit dem tiefsten Schwerpunkt.

N. Lémery sieht die Ursache der vulkanischen Erscheinungen und der Erdbeben in einem physikalisch-chemischen Prozeß, der spontanen Entzündung von Eisen und Schwefel. Er versucht dies auch experimentell zu belegen, vergräbt Eisenfeilspäne und Schwefel in feuchtem Boden und stellt dabei Erhitzung und Aufquellen des Bodens fest.

Bei der Bestimmung aller rational quadrierbaren Abschnitte der Zykloide gibt Joh. I Bernoulli eine systematische Behandlung der Integration rationaler Funktionen durch Partialbruchzerlegung.

J. J. Scheuchzer

O. Römer

G

J. J. Scheuchzer legt den Entwurf einer umfassenden Naturkunde der Schweiz vor und unternimmt zwischen 1702 und 1711 zahlreiche Reisen in den Alpen zur Fortsetzung der von J. Simler begründeten Alpenkunde. Mit seinen Arbeiten fördert er alle Bereiche der heutigen Geowissenschaften, wie Geologie, Paläontologie, Klimatologie, Gletscherkunde usw., und namentlich die wissenschaftliche Alpenkunde. G. E. Stahl

G

G. E. Stahl nimmt eine Entstehung der Mineralund Erzgänge gleichzeitig mit den sie enthaltenden Gesteinsschichten an und wird so der Schöpfer der Kongenerationstheorie, wenngleich er auch vereinzelt eine spätere Auflösung und Umwandlung der Gänge, z. B. durch Verwitterung, zugesteht. J. P. de Tournefort

G

J. P. de Tournefort unternimmt bis 1702 eine botanische Forschungsreise durch Griechenland und Kleinasien. Er studiert die Vegetationsgürtel am Ararat, sein ausführlicher Reisebericht erscheint erst posthum 1717.

um 1701 A

Während zu Beginn des 18. Jahrhunderts die Astrologie z. T. noch Universitätslehrfach ist, wird sie um die Mitte des Jahrhunderts in aufgeklärten Kreisen zunehmend als Aberglaube abgelehnt.

Joh. I Bernoulli

M

A

O. Römer vereinigt Mauerkreis und Passageninstrument zu einem einheitlichen Instrument, dem sog. Meridiankreis. Es ist bis ins 20. Jahrhundert das genaueste astronomische Winkelmeßinstrument. P • A Die Beschreibung eines von ihm erfundenen Spiegelsextanten wird von I. Newton an J. Hadley übermittelt. I. Newton

I. Newton

P

Als einer der ersten versucht I. Newton, den Meßbereich des Thermometers auszudehnen, in dem er die Abkühlungszeit für einen glühenden Eisenstab mißt. Unter der Annahme, daß die Abkühlungsrate eines Körpers seiner Temperatur proportional ist, sog. Newtonsches Abkühlungsgesetz, kann er die Anfangstemperatur berechnen. J. Sauveur

P

Die Bezeichnung Akustik wird von J. Sauveur für die Lehre vom Schall eingeführt. In der Abhandlung Système général des intervalles des sons, . . . entwickelt er eine Theorie der Schwebungen und zeigt das gleichzeitige Auftreten von Grund- und Obertönen. G • P Auf der Grundlage seiner Deklinationsmessungen im Atlantik (vgl. 1699) erstellt E. Halley eine Karte, in der die Orte gleicher magnetische Abweichung durch Linien, sog. Halleysche Linien oder Isogonen, verbunden sind. Diese Methode E. Halley

1702 – 1703

238

entwickelt sich zu einer der wichtigsten kartographischen Darstellungsmethoden. 1702 gibt er eine weitere solche Isogonen-Karte heraus, die auch den Indischen Ozean mit umfaßt.

1702 G. Amontons

P

G. Amontons stellt fest, daß der Siedepunkt des Wassers bei gegebenem Druck konstant ist und wählt ihn als Fixpunkt der Thermometerskala. Er studiert die Veränderungen von Gasvolumina bei Temperaturwechsel und merkt an, daß die Temperatur nur ein relatives Maß für die Wärme ist. Die ihm zugeschriebene Konstruktion eines Luftdruckthermometers ist zweifelhaft. G. W. Leibniz

P

In einem Brief an Joh. I Bernoulli skizziert G. W. Leibniz den Grundaufbau des späteren Aneroid(auch Feder- oder Dosen-)Barometers. W. Homberg

C

W. Homberg stellt Borsäure her, indem er Borax und Vitriollösung stark erhitzt. G. E. Stahl

C

G. E. Stahl untersucht die Stärke von Säuren gegenüber Alkalien und Metallen und bereitet so die Aufstellung von Tabellen der chemischen Verwandtschaft vor. J. H. Burkhard

B

J. H. Burkhard schlägt in einem erst 1750 veröffentlichten Brief an G. W. Leibniz vor, die Zahl und Anordnung der Staubgefäße und Fruchtknoten zum Gruppierungsprinzip für PÁanzen zu verwenden. U. Hiärne

G

U. Hiärne konstatiert als Erster eine langsame, aber stetige Veränderung der Küstenlinie zugunsten des Landes, die später vor allem von E. v. Swedenborg, A. Celsius und C. v. Linné diskutiert wird. Letztere schließen daraus auf einen allgemeinen Rückzug des Meeres. U. Hiärne

G

Die OberÁäche der Erde ist nach U. Hiärne einem beständigen Wandel unterworfen. Hauptfaktoren dieses Prozesses sind die Hebung und Abtragung der Berge sowie die Abspülung des fruchtbaren Landes durch Regenwasser. Erdbeben und Vulkane werden durch die Explosion von Schwefel und anderen brennbaren Materialien im Erdinneren verursacht.

J. B. Homann

G

J. B. Homann gründet in Nürnberg die „Homannsche OfÀzin“, die in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts unter den Kartenverlagen der deutschen Länder die führende Stellung einnimmt. M. Nasedkin

G

M. Nasedkin und sein Gehilfe Sinovev reisen von der Mündung des Anadyr über die Penshina und die Westküste Kamtschatkas zur Mündung des Flusses Kamtschatka. J. J. Scheuchzer

G

Wie 1672 R. Boyle macht auch J. J. Scheuchzer auf die Einschlüsse in Kristallen, insbesondere an Quarzkristallen vom St. Gotthard-Massiv, aufmerksam und schließt daraus auf deren Entstehung aus einer Flüssigkeit.

1703 G. Grandi

M

G. Grandi macht am Beispiel der Reihe 1 = 1 − x + x2 − x3 . . . für x = 1 1+x mit 1/2 = (1 − 1) + (1 − 1) . . . = 0 das Fehlen eines exakten Konvergenzbegriffs deutlich. Chr. Huygens

P

Huygens’ vollständige Herleitung der Stoßgesetze wird posthum publiziert. Dabei formuliert Chr. Huygens erstmals als Konsequenz des Trägheitsprinzips die physikalische Äquivalenz von Ruhe und gleichförmiger Bewegung, d. h. das später nach G. Galilei benannte Relativitätsprinzip der Mechanik. Er leitet damit auch die bekannten Gesetze von Fall und Wurf ab. F. Hoffmann

C

F. Hoffmann beschreibt Methoden zur Mineralwasseranalyse und unterscheidet die in den verschiedenen Quellen vorkommenden typischen Bestandteile. So enthalten alle sauren Brunnen einen gasförmigen Stoff (Kohlensäure). G. E. Stahl

C

G. E. Stahl stellt reine Essigsäure (Eisessig) dar. A. van Leeuwenhoek

B

A. van Leeuwenhoek entdeckt die eingeschlechtige FortpÁanzung (Parthenogenese) der Blattläuse.

239

1703 – 1705

á A. Cerkasskij

G

Im Rahmen einer Expedition längs des Ostufers á des Kaspischen Meeres erkennt A. Cerkasskij, daß sich der Amu-Darja nicht ins Kaspische Meer ergießt.

aber auch Erklärungen im Sinne einer Wellentheorie des Lichts.

G

P • A In einem Anhang zur Opticks . . . gibt I. Newton eine Erklärung der Gravitation auf der Basis eines überall vorhandenen Äthers.

W. Dampier publiziert 1703 und 1707 zwei weitere Bände seines Reisewerkes über seine seemännischen Erfahrungen bei den Weltumsegelungen: Segelanweisungen und ReÁexionen über regelmäßige tellurische Winde.

A. Parent berechnet Reibungskräfte in Maschinen und bestätigt u. a. die Amontonsschen Ergebnisse, daß die Reibung vom Körpergewicht abhängig ist.

W. Dampier

L. Feuillée

G

L. Feuillée führt bis 1705 genaue astronomische Ortsbestimmungen auf der Antilleninsel Martinique und in Kolumbien durch. Peter I.

G

St. Petersburg wird von Peter I. am 27. Mai mit dem Bau von Wehranlagen gegründet. Innerhalb weniger Jahre entwickelt sich daraus die neue Metropole Rußlands, die das Wissenschafts- und Kulturzentrum des Landes wird.

W

Die erste Ausgabe der wissenschaftlichen Enzyklopädie Lexicon technicum wird von J. Harris publiziert. Das Werk ist sehr technisch orientiert und entstand unter Mitwirkung vieler bedeutender Gelehrter Englands. Die Ausgabe von 1710 enthält die englische Übersetzung von Newtons Quadratura curvarum. J. Hübner

W

Mit dem Realen Staats-, Zeitungs- und Conversations-Lexikon von J. Hübner beginnt in Deutschland die Entwicklung zum Konversationslexikon, das für das 19. Jahrhundert typisch wird. G. Amontons

P

Die Beziehung zwischen Druckanstieg und Erwärmen bei eingeschlossenen Gasen wird von G. Amontons entdeckt. I. Newton

A. Parent

P

I. Newton publiziert in Opticks, a treatise of the reÁections, refractions, inÁections and colours of light eine ausführliche Beschreibung seiner Lichttheorie und erläutert viele Experimente zu optischen Phänomenen, z. B. die Farben des Regenbogens mittels Dispersion. Er vertritt dabei mehrfach einen atomistischen Standpunkt, gibt

P

J. Woodward

G

J. Woodward veröffentlicht seinen ersten Mineralienkatalog, den er bis 1728 ständig erweitert; ein letzter, posthum 1729 veröffentlichter Katalog enthält 4000–5000 Mineralien und Fossilien aus Britannien und anderen Ländern. Die KlassiÀkation der Mineralien bewegt sich im Rahmen der Zeit, die der organischen Reste ist dagegen eine der frühesten ihrer Art.

1705 Jak. I Bernoulli

1704 J. Harris

I. Newton

P

In der Arbeit Véritable hypothèse de la resistance des solides . . . faßt Jak. I Bernoulli seine Ergebnisse zur Balkentheorie zusammen. Er kennt die Relation zwischen Krümmungsradius und Biegemoment, auch bei vorhandener Anfangskrümmung des Balkens und die bereits 1694 eingeführte elastische Linie. F. Hauksbee

P

F. Hauksbee entdeckt, daß elektrische Entladungen auch im Vakuum stattÀnden und dort Leuchterscheinungen hervorrufen können. Er führt eine neue Elektrisiermaschine vor, bei der eine Glasröhre gerieben wird, und erklärt das von J. Picard 1676 nach heftigen Schütteln eines Quecksilberbarometers beobachtete Leuchten als elektrische Erscheinung. J. Waitz

C

J. Waitz beschreibt eine sympathetische Tinte aus Cobaltchlorid, bei der sich die Schriftzüge nach Erwärmen des Papiers blau färben. M. S. Merian

B

M. S. Merian veröffentlicht die Metamorphose der Insekten in Surinam mit eigenen wissenschaftlich exakten Kupferstichen über ihre Forschungsreise in Surinam (NiederländischGuayana).

1705 – 1708

240

R. de Vieussens

D. Guglielmini

G

D. Guglielmini, der 1688 vier unveränderliche Grundformen der Salze unterschieden hatte, den Würfel bei Kochsalz, das Parallelepiped bei Vitriol, das Prisma beim Salpeter und das Oktaeder beim Alaun, führt in seiner Dissertatio de salibus die Kristallformen aller Salze auf diese Grundformen zurück, und erklärt die chemischen Eigenschaften als wesentlich bedingt durch die jeweilige Kristallform. P. Kolb

G

P. Kolb stellt in der holländischen Kapkolonie astronomische Beobachtungen an, insbesondere führt er Längen- und Breitenbestimmungen durch. Ab 1709 Sekretär der Holländischen Ostindien-Kompagnie lernt er bis 1713 Land und Bewohner gut kennen und gibt eine ausführliche Beschreibung. Das Buch erscheint 1719 und ist eine wertvolle völkerkundliche Quelle. J. J. Scheuchzer

G

Nachdem zuerst J. H. Hottinger 1703 u. a. die Schichtung im Eise der Gletscher beschrieben hat, gibt J. J. Scheuchzer 1705 und vor allem 1723 eine ausführliche Darstellung der Struktur, der Verbreitung und der Bewegung der Gletscher. Letztere erklärt er durch eindringendes bzw. gefrierendes und sich ausdehnendes OberÁächenwasser.

1706 S. C. Semler

W

S. C. Semler gründet in Halle eine „Mechanische und mathematische Realschule“, die erste deutsche Realschule. Er setzt damit seine 1705 geforderte technisch-mathematische Handwerkerschule in die Praxis um. Die Schule besteht bis 1708. W. Jones

M

Als erster führt W. Jones das Zeichen ʌ ein, das durch die ab 1737 regelmäßige Benutzung seitens L. Euler allgemein verbreitet wird. L. F. Marsili

1707

B

R. de Vieussens beschreibt die linke Herzkammer, die Klappe der großen Herzvene und den Verlauf der koronaren Blutgefäße.

B

Korallen, die bisher als anorganische Materie betrachtet wurden, werden von L. F. Marsili als PÁanzen des Meeres beschrieben.

I. Newton

M

In Cambridge erscheint die Arithmetica universalis von I. Newton, die er zwischen 1673 und 1683 schrieb und die die Bestimmung der Potenzsummen der Wurzeln einer Gleichung aus deren KoefÀzienten und andere Resultate über Gleichungswurzeln enthält. P • C D. G. Fahrenheit fertigt ein Weingeistthermometer an. D. G. Fahrenheit

D. Papin

P

D. Papin publiziert die Konstruktion einer verbesserten Version seiner Hochdruckdampfmaschine zum Pumpen von Wasser nach dem Vorbild der Wasserhebemaschine von T. Savery, deren Skizze ihm G. W. Leibniz übersandt hatte. Leibniz regt am 4. Februar in seiner Antwort auf Papins Mitteilung die Selbststeuerung der Maschine an. J. Floyer

B

J. Floyer beschreibt die Messung des Pulses mit Hilfe einer Pulsuhr – eine Verbesserung gegenüber dem schwingenden Pendel von S. Santorio.

1708 P. de Montmort

M

Eines der ersten Bücher zur Wahrscheinlichkeitsrechnung Essai d’analyse sur les jeux de hazard wird von P. de Montmort publiziert. Es geht auf ein Manuskript von Jakob I Bernoulli zurück. Die zweite Auflage von 1713 enthält das von N. Bernoulli formulierte sog. Petersburger Paradoxon. W. Derham

P

Bei dem Versuch, Newtons theoretische Berechnung der Schallgeschwindigkeit zu überprüfen, erhält W. Derham einen größeren Wert und untersucht, welche EinÁüsse die Schallgeschwindigkeit ändern. J. Wall

P

Als Folgerung aus seinen Experimenten mit elektrisiertem Bernstein äußert der Engländer J. Wall, daß Funke und dabei hörbares Knistern im gewissen Sinne Blitz und Donner entsprächen, und deutet eine erste vage Verbindung zwischen Blitz und elektrischem Funken an.

241 J. F. Böttger, E. W. v. Tschirnhaus

1708 – 1710 C

J. F. Böttger und E. W. v. Tschirnhaus stellen in Dresden braunes und weißes Porzellan her. Nach dem Tode von Tschirnhaus führt Böttger die Herstellung des Hartporzellans in die manufakturmäßige Produktion in Meißen über. F. Hoffmann

C

F. Hoffmann entdeckt, daß Magnesia eine eigene Erde (Magnesiumoxid) und nicht mit Kalk bzw. Alaun (Kalium-Aluminiumsulfat) identisch ist. J. J. Baier

G

J. J. Baier legt in seiner Oryctographia norica . . . eine umfassende und genaue Beschreibung zahlreicher Fossilien des fränkischen Jura vor. Er leistet einen wesentlichen Beitrag dazu, die Auffassung der Fossilien als Naturspiele zu überwinden, und legt die Grundlagen für die Erforschung der fossilen Fauna des Jura. L. Feuillée

G

Der naturwissenschaftlich gebildete Pater L. Feuillée reist bis 1711 erneut nach Südamerika, bestimmt astronomisch u. a. die Lage von Buenos Aires, Montevideo, Concepcion, Valparaiso, Pisco, Callao sowie Lima und erkundet die chilenische und peruanische Küste. Es sind die ersten genauen Lagebestimmungen an der Westküste Südamerikas. K. N. Lang

G

Der Arzt und Fossiliensammler K. N. Lang gibt in seiner Historia lapidum Àguratorum Helvetiae, . . . wertvolle Beschreibungen vieler Fossilien der Schweiz. Im Anschluß an E. Lhwyd (vgl. 1698) lehnt er allerdings die Auffassung ab, sie wären organischen Ursprungs, und wendet sich insbesondere gegen die Annahme, sie seien Reste der SintÁut. J. Scheuchzer

G

J. Scheuchzer beschreibt am 5. Februar 1708 die auffälligen Faltungen an den Felswänden des Vierwaldstätter Sees. Seine Zeichnungen, die erste graphische Darstellung solcher geologischer Strukturen im ProÀl, veröffentlichen 1715 A. Vallisneri und 1731 sein Bruder J. J. Scheuchzer, welcher die Strukturen auf die Wirkung der SintÁut zurückführt. J. J. Scheuchzer

Fossilien als Naturspiele ausspricht, wird zum Vertreter ihres organischen Ursprungs und führt sie – unter dem EinÁuß J. Woodwards – auf die SintÁut zurück.

1709 G. Poleni

M

G. Poleni konstruiert eine einfache Rechenmaschine mit dem vom ihm erfundenen Sprossenrad. R. Cotes A • P R. Cotes überarbeitet im Zusammenwirken mit I. Newton bis 1712 dessen Principia . . . , wobei die Mondtheorie, die Kometentheorie u. a. wichtige Ergänzungen erfahren und eine Auseinandersetzung mit der Wirbeltheorie erfolgt (vgl. 1713). F. Hauksbee

P

Die Erscheinung der Kapillarität wird von F. Hauksbee in seinen Physico-mechanico Experiments durch Anziehungskräfte erklärt, die zwischen den Flüssigkeitsteilchen und der Kapillarröhre senkrecht zur Wand wirken. Er deutet damit auch das Aneinanderhaften planparalleler Platten und die Saugfähigkeit poröser Materialien. W. Homberg

C

W. Homberg beschreibt das Phänomen der EfÁoreszenz, des Ausblühens von Salzen aus Salzlösungen. F. Torti

B

F. Torti demonstriert die therapeutische Wirkung der Chinarinde bei Malaria. J. J. Scheuchzer

G

J. J. Scheuchzer gibt in seinem Herbarium diluvianum eine umfassende Beschreibung fossiler PÁanzen, die er, ebenso wie die fossile Fauna, auf die SintÁut zurückführt. Bereits 1698 hatte er die Dendriten, vor allem mit Rücksicht auf das Fehlen von Blätter, Blüten usw., als von einer Flüssigkeit erzeugte anorganische Bildungen erkannt.

um 1710 R. Cotes

1710

G

J. J. Scheuchzer, der seit 1690 seine später berühmte Fossiliensammlung aufbaut und sich zunächst 1695 und 1702 für die Auffassung der

A

In Zusammenarbeit mit I. Newton verbessert R. Cotes die Beschreibung eines Heliostaten.

Friedrich Wilhelm I.

W

Die Charité wird in Berlin als Militärkrankenhaus von König Friedrich Wilhelm I. gegründet.

1710 – 1712 C. v. Wolff

242 W

C. v. Wolff beginnt, sein philosophisches System in sieben Büchern Vernünftige Gedanken von den Kräften des menschlichen Verstandes zu publizieren. Es ist eine Systematisierung und eigene Interpretation Leibnizscher Gedanken. Damit schafft er die deutsche philosophische Terminologie und trägt sehr zur Formierung und Verbreitung der deutschen Aufklärung bei. Er überträgt insbesondere die mathematisch-logische Methode auf das gesamte wissenschaftliche Denken. Der siebte Band erscheint 1725. E. Halley

M

E. Halley vollendet in Oxford die mit D. Gregory begonnene Übersetzung der Conica des Apollonios, die für die Bücher 5–7 noch heute als Standard gilt. A • W Die seit 1700 bestehende Sternwarte in Berlin erhält einen Beobachtungsturm. G. W. Leibniz

P

Der Auffassung, daß die Reibung von der physikalischen Beschaffenheit des Körpers unabängig sei, widerspricht G. W. Leibniz und unterscheidet zwischen Gleit- und Rollreibung. J. C. Diesbach

C

J. C. Diesbach entdeckt die vermutlich älteste synthetisch hergestellte Koordinationsverbindung, das Berliner Blau. F. Pourfour du Petit

G

Der Querfurter Pfarrer D. S. Buttner beschreibt die vielfach zerklüfteten und zerbrochenen Gesteinsschichten und die darin enthaltenen Fossilien in der Gegend von Querfurt und dem angrenzenden Thüringer Becken. Die Fossilien als auch die Entstehung der Vulkane führt er auf die SintÁut zurück. P. de La Hire

J. Permjakov

G

P. de La Hire untersucht die Kristallstruktur des Kalkspats und des Gipses. Er bestimmt für beide die Spaltungsgestalt, mißt die Flächenwinkel, verweist auf deren Konstanz, und untersucht die

G

Nachdem J. Permjakov auf einer Fahrt ins Gebiet der Kolyma-Mündung eine Insel gesichtet hatte, entdeckt er zusammen mit M. Vagin von der Jana-Mündung aus die südlichen Neusibirischen Inseln.

1711 W

Aus einem Gelehrtenkreis entsteht die Accademia delle Scienze dell’ Istituto di Bologna. D. J. Anciferov, I. P. Kosyrevskij

G

D. J. Anciferov und I. P. Kosyrevskij setzen von der Südspitze Kamtschatkas zur nordöstlichsten Kurileninsel Schumschu und weiter zur Insel Paramuschir über und stellen Unterschiede im Typ der Bevölkerung fest. Nach Berichten von Inselbewohnern verfaßt Kosyrevskij eine Beschreibung der Kurilen-Kette und eine Kartenskizze. L. Bourguet

G

L. Bourguet, der seit 1708 in Neuchâtel geologische Studien treibt, 1709 das Juragebirge der Schweiz erforschte und 1710 eine geologische Reise in Italien mit A. Vallisneri unternommen hatte, legt 1711 in einer unveröffentlicht gebliebenen Abhandlung den organischen bzw. marinen Ursprung der Fossilien dar.

B

F. Pourfour du Petit erzielt erste Erkenntnisse über die psychomotorische Funktion der Hirnrinde und entdeckt, daß die linke bzw. rechte Hirnhälfte jeweils die gegenüberliegende Körperhälfte steuert. D. S. Buttner

doppelte Strahlenbrechung, die am Gips sehr viel schwächer ist als am Kalkspat.

1712 I. F. Riccati

M

Als erster untersucht der Edelmann und Privatgelehrte I. F. Riccati die Integration der Differendy d 2 y tialgleichung f (y, ) = 0 in voller Allge, dx dx2 meinheit. B. Taylor

M

Aus der Gregory-Newtonschen Interpolationsformel leitet B. Taylor am 26. Juli den sog. Taylorschen Satz über die Entwicklung einer Funktion in eine unendliche Potenzreihe ab und publiziert ihn 1715. J. Flamsteed

A

J. Flamsteed arbeitet bis zu seinem Tode 1719 an den seinen Sternkatalog ergänzenden Sternkarten. Der Katalog erscheint 1725, der Atlas erst 1729 und ist im 18. Jahrhundert maßgebend.

243

1712 – 1714

R. A. F. de Réaumur

B

Beobachtungen und Ergebnisse zahlreicher Regenerationsversuche bez. der Extremitäten von Krabben werden von R. A. F. de Réaumur publiziert. Wenig später beginnt er mit Experimenten zum Verdauungsprozeß bei Vögeln, in deren Verlauf er wertvolle physiologische Erkenntnisse erhält. A. Vallisneri

B

A. Vallisneri erkennt, daß sich auch Gallen erzeugende Insekten aus Eiern entwickeln und nicht aus dem PÁanzensaft der Gallen entstehen. E. Kaempfer G • B Auf der Basis einer umfangreichen Reisetätigkeit präsentiert E. Kaempfer in Amoenitatum . . . , Àsciculi V zahlreiche Beobachtungen über Persien und die angrenzenden Gebiete, diskutiert Fragen der Naturgeschichte, die Papierherstellung in Japan und beschreibt etwa 500 PÁanzen Japans.

1713 Gründung der Real Academia Espanola in Madrid zur PÁege der spanischen Sprache. Sie nimmt noch heute den ersten Rang unter den spanischen Akademien ein. M • P Erstmals versucht B. Taylor eine mathematische Theorie der schwingenden Saite aufzubauen und gibt die Lösung für den Grundton an. B. Taylor

P

Die zweite, von R. Cotes redigierte Auflage der Newtonschen Principia . . . (vgl. 1709) erscheint mit dem Scholium generale, in dem Cotes die Fernwirkung als universelle Materieeigenschaft hervorhebt. A. Parent

P

Nach jahrelangen Untersuchungen zur Balkenbiegung publiziert A. Parent die Spannungsverteilung für die Normalspannungen und vermerkt erstmals das Auftreten von Schubspannungen. A. Darby sen.

C

A. Darby sen. setzt bei der Eisenerzeugung im Hochofen der Holzkohle erstmals Steinkohle zu. Sein zeitweiser Erfolg ist, wie später festgestellt wird, durch die spezielle Zusammensetzung der verwendeten Steinkohle bedingt.

B

H. C. v. Carlowitz schreibt das erste forstwissenschaftliche Werk Sylvicultura oeconomica. Er verlangt u. a. die verstärkte AnpÁanzung von Bäumen. W. Derham

G

W. Derham veröffentlicht seine Physico-Theology. Sie ist für die Geowissenschaften bedeutsam als Vorbild für eine Reihe von Versuchen, das klimatologisch-hydrologische und das geologisch-paläontologische Faktenmaterial im Sinne der Physikotheologie, d. h. zur Erkenntnis des Wesens und der Eigenschaften Gottes, zu interpretieren.

1714 G. W. Leibniz

W

G. W. Leibniz begründet die Monadenlehre, mit der er sich seit 1696 befaßte. Die Monadenlehre liefert zugleich eine metaphysische Basis für Leibnizens naturwissenschaftliche Forschungen. G. W. Leibniz

W

R. Cotes

H. C. v. Carlowitz

W

Mit dem Begriff der Monade, als einfacher, nicht ausgedehnter, unteilbarer Substanz, die äußeren mechanischen Einwirkungen unzugänglich ist, in ihren spontan gebildeten Wahrnehmungen aber das Universum widerspiegelt, erklärt G. W. Leibniz die Konstruktion begrifÁicher Einheiten zum Aufbau der Welt. Die Monaden sind die Kraftzentren, aus denen die Realität zusammengesetzt ist. Obwohl untereinander nicht in Wechselwirkung stehend, beÀnden sich die Monaden in einer prästabilisierten Harmonie und gewährleisten die kontinuierliche räumliche und zeitliche Ordnung des Universums. R. Cotes

M

Erstmals erklärt R. Cotes den Logarithmus als Lösung der Funktionalgleichung f (xn ) = n f (x). Er erkennt das Wesen eines Logarithmensystems, gibt die Kettenbruchentwicklung für e sowie die Relation ix = ln(cos(x) + i sin(x)) an. G. C. di Fagnano

M

Der Amateurmathematiker G. C. di Fagnano beginnt Summen und Differenzen von Bögen höherer Parabeln, Ellipsen und Hyperbeln zu untersuchen, um integrierbare Kombinationen zu ermitteln. Im Verlauf der Studien zeigt er: Es gibt beliebig viele Ellipsen- bzw. Hyperbelbögen, deren Differenz algebraisch ausdrückbar ist. Dies beinhaltet die Betrachtung elliptischer Integrale.

1714 – 1716

244

A • G Für das AufÀnden eines Verfahrens zur genauen Längenbestimmung auf See wird von der britischen Admiralität und 1716 von der französischen Regierung ein Preis ausgeschrieben. D. G. Fahrenheit

P

Die von D. G. Fahrenheit entwickelten Weingeistthermometer mit geeichter Temperaturskala, die erstmals verläßliche Vergleichsmessungen erlauben, werden durch eine Publikation von C. v. Wolff bekannt gemacht. Als Eichpunkte wählte Fahrenheit den Schmelzpunkt des Eises zu 32 ◦ F und die Temperatur einer Kältemischung aus Wasser, Eis und Salmiak zu 0 ◦ F

lation zwischen der Ableitung einer Funktion sowie deren Inversen u. a. an. B. Taylor

M

B. Taylor gibt die erste allgemeine, aber schwer verständliche Darstellung des Fluchtpunktprinzips. W. Derham

A

W. Derham, Kanonikus in Windsor, beschreibt in der Astro-Theology die damals allgemein anerkannte Theorie des Universums: Neben unserem Sonnensystem gibt es noch andere gleichartige Systeme. Mit seinen Schriften begründet er die naturwissenschaftliche Aufklärung in England. E. Halley

D. G. Fahrenheit

P

D. G. Fahrenheit wählt ab etwa 1714 Quecksilber statt Weingeist als ThermometerÁüssigkeit, da dieses gleichmäßiger auf Temperaturänderungen reagiert. Sein Herstellungsverfahren gibt er erst 1724 bekannt. D. S. Buttner

G

D. S. Buttner beschreibt in seiner Coralliographia subterranea zahlreiche Versteinerungen von verschiedenen Orten, meist Tiere, die im Meer gelebt haben. Die weite Verbreitung dieser Zeugen interpretiert er als Indiz für eine allgemeine ÜberÁutung der Erde durch die SintÁut. L. de St. Denis

G

L. de St. Denis erkundet Texas vom unteren Mississippi bis zum Rio Grande, vorrangig aber um die Möglichkeiten des Handels mit Indianern und Spaniern zu prüfen.

D. K. Cantemir

M • P

Joh. I Bernoulli teilt P. Varignon am 26. Februar erstmals das Prinzip der virtuellen Geschwindigkeiten in analytischer Form mit, um dessen umfassende Anwendung sich dann Varignon bemüht. Joh. I Bernoulli

M

Nach Ansätzen bei P. de Fermat, R. Descartes und P. de La Hire führt Joh. I Bernoulli in einem Brief an G. W. Leibniz die drei räumlichen Koordinatenebenen ein. B. Taylor

M

Erstmals bestimmt B. Taylor die singuläre Lösung einer Differentialgleichung und gibt die Re-

G

Der Fürst der Moldau D. K. Cantemir stellt im russischen Exil eine historische, geographische und politische Beschreibung Moldaviens fertig, die erst 1769 als Beschreibung der Moldau erscheint. A. Vallisneri

G

In seinen Lezione . . . all’origine delle fontane zeigt A. Vallisneri mit begründeten Argumenten, daß das Wasser der Quellen ausschließlich aus dem atmosphärischen Niederschlag kommt. Regenwasser und geschmolzener Schnee speisen die Flüsse. Trifft das Wasser in der Erde auf undurchdringliche überlagernde Schichten, entstehen artesische Brunnen.

1715 Joh. I Bernoulli

A

Dank der Initiative von E. Halley wird am 22. April erstmals der Verlauf einer totalen SonnenÀnsternis von vielen europäischen Sternwarten genau beobachtet und registriert.

um 1716 G. F. Maraldi

A

Bei seinen langjährigen Beobachtungen, die er in einem verbesserten unpublizierten Sternkatalog zusammenfaßt, bemerkt G. F. Maraldi erstmals einen weißen Fleck an einem Pol des Mars.

1716 G. C. di Fagnano

M

Verschiedene algebraische Relationen werden von G. C. di Fagnano zwischen Lemniskatenbögen hergeleitet. Dies führt u. a. auf das allgemeine elliptische Integral 1. Gattung und erlaubt ihn, einen Lemniskatenbogen zu halbieren bzw. zu verdoppeln und den Lemniskatenviertelbogen in drei oder fünf Teile zu zerlegen.

245

1716 – 1717

A • G E. Halley befaßt sich ausführlich mit dem Polarlicht vom 7. März, dessen Ursache er nach seiner Theorie des Erdmagnetismus in magnetischen AusÁüssen der Polgegenden sieht. Er erkennt, daß der Scheitel des Polarlichtbogens um den Wert der magnetischen Deklination vom Meridian abweicht. Halley benutzt das Wort „Aurora“ und deutet diese zutreffend als perspektivisches Phänomen. E. Halley

J. T. Desaguliers

P

Das Experiment von J. T. Desaguliers, bei dem zwei Thermometer, eines in einem luftleeren Glasbehälter, beim Erwärmen fast gleichschnell eine Temperaturänderung anzeigen, wird als experimenteller Nachweis des mechanischen Äthers interpretiert. J. C. Funck

G

Der Kapuzinermönch H. Desideri wirkt nach seiner Reise 1712–1716 von Lissabon über Goa, Lahore, Srinagar und Ladakh nach Lhasa dort bis 1721 als Missionar. Er studiert die umliegenden Provinzen und fertigt eine gute Landesbeschreibung an, in die er auch Kenntnisse über tibetanische Sprachen und Kultur einbindet. 1721 kehrt er über den östlichen Himalaya nach Delhi und 1728 nach Rom zurück. B. de Maillet

G

B. de Maillet gibt in seinem erst 1748 veröffentlichten Werk Telliamed eine, vor allem im Hinblick auf den Fossilgehalt der Schichten, entwickelte neptunistische Theorie der Erde. Das Festland entstand durch Ablagerung im Meer und wurde später durch dessen beständiges Zurückweichen freigelegt. G • B Nach B. de Maillet entstand das Leben im Meer. Aus den Fischen entwickelten sich die Vögel und analog aus dem Seetang die Sträuche und Bäume. Verschiedene, heute nicht mehr existierende Arten, die wir heute als Fossilien vorÀnden, folgten aufeinander, bis die heute lebende Fauna und Flora und schließlich der Mensch erschienen. B. de Maillet

B. de Maillet

J. J. Scheuchzer

G

Auf der Grundlage von Messungen zur Geschwindigkeit der Veränderungen der Höhe des

G

Die Ergebnisse seiner Alpen-Exkursionen (vgl. 1700) publiziert J. J. Scheuchzer bis 1718 in dem dreibändigen Werk Helvetiae stoicheiographia, die zugleich seine Naturgeschichte der Schweiz von 1708 ergänzen. K. Sokolov

G

Beauftragt einen Seeweg nach Kamtschatka zu erkunden, reist K. Sokolov 1714 von Jakutsk nach Ochotsk und segelt mit V. Nevejcyn und N. Trjaska nach Kamtschatka. Er erkundet Teile der Westküste, überwintert am Tigil und kehrt 1717 zurück.

1717

P

J. C. Funck beschreibt erstmals die Dämmerungsfarben und die Gegendämmerung. H. Desideri

Meeresspiegels postuliert B. de Maillet ein Alter der Erde von 2 000 Millionen Jahren.

W

Die Technische Schule Prag wird gegründet. Sie umfaßt nur einen Lehrstuhl sowie wenige Stellen für Gehilfen und ist der Ursprung der späteren Technischen Hochschule. I. Newton

P

In der zweiten Ausgabe der Opticks erklärt I. Newton die Doppelbrechung mit der Hypothese, der Lichtstrahl habe verschiedene Seiten und verhalte sich nach diesen Seiten ungleich. Er bereitet damit den Begriff der Polarisation vor und entkräftet ein Gegenargument gegen die Korpuskulartheorie des Lichtes. G. Poleni

P

G. Poleni publiziert die Ergebnisse seiner Untersuchungen zum Strömungsverhalten von Flüssigkeiten, die er mit speziell geformten Gefäßen und an strömenden Gewässern durchführte. G. M. Lancisi

B

G. M. Lancisi vermutet die Übertragung von Malaria durch Moskitos und weist in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung von Sümpfen hin. G

In Wien wird eine Ingenieurschule, ab 1778 Militärakademie, gegründet, an der auch Kartographie gelehrt wird. G

Der „Drawing Room in the Tower of London“ wird gegründet. Diese Einrichtung befaßt sich vor allem mit dem Zeichnen von Karten.

1717 – 1719

246

G. Schober

G

Im Auftrag Peter I. reist G. Schober bis 1720 in das Wolgagebiet und in den Nordkaukasus und beschreibt Klima, Vegetation, Tierwelt und Bevölkerung dieser Regionen.

1718 Joh. I. Bernoulli

M

Die erste explizite, nicht an einer speziellen Kurve orientierte DeÀnition der Funktion wird von Joh. I. Bernoulli gegeben. Er führt das Symbol ij x ein. ‫ ׋‬x bzw. A. de Moivre

M

A. de Moivre veröffentlicht eine systematische Abhandlung zur Wahrscheinlichkeitsrechnung A Doctrine of chance, die für fast ein Jahrhundert das klassische Lehrbuch für dieses Gebiet wird. Erstmals wendet er Differenzengleichungen und rekurrente Reihen auf wahrscheinlichkeitstheoretische Fragen an. A. de Moivre

M

A. de Moivre dehnt die Anwendung der Wahrscheinlichkeitsrechnung auf Lebensversicherungsfragen aus und publiziert 1725 eine Theorie zur Berechnung aller damals üblichen Rentenformen. E. Halley

A

Aus den Abweichungen zu älteren Sternkatalogen von C. Ptolemäus u. a. folgert E. Halley eine Eigenbewegung aller Sterne und leitet für einige Sterne, wie Aldebaran und Sirius, Zahlenwerte ab. E. v. Swedenborg A • G E. v. Swedenborg behauptet, daß die Umlaufszeit der Erde um die Sonne früher kürzer und die Jahreszeiten gleichmäßiger waren. Nach Abnahme der Umlaufsgeschwindigkeit verlängerten sich das Jahr und die Jahreszeiten. Insgesamt beÀndet sich die Erde in einem Zustand zunehmenden Verfalls. E. F. Geoffroy

C

E. F. Geoffroy veröffentlicht Verwandtschaftstafeln für zahlreiche chemische Substanzen. Bei der Verbrennung gereinigten Alkohols identiÀziert er Wasser als Verbrennungsprodukt. F. Hoffmann

B

F. Hoffmann konzipiert in Medicina rationalis systematica einen mechanisch-dynamisch funktionierenden Organismus, dessen Muskelbewegung

durch ein NervenÁuidum, den „Luft-Äther“, gesteuert wird. F. Hoffmann

B

F. Hoffmann entwickelt die aus Ether und Weingeist zusammengesetzten Hoffmannstropfen. M. W. Montague

B

Lady M. W. Montague führt die in der Türkei gebräuchliche Inokulation der Pocken am 18. März bei ihrem Sohn durch. Später führt sie die Impfung trotz harten Widerstandes in England ein. S. Vaillant

B

Ideen von R. J. Camerarius fortführend, vertritt S. Vaillant im Ergebnis seines Studiums der Blütenorgane die Auffassung von der Sexualität der PÁanzen und hebt die Bedeutung der Blütenorgane für die Befruchtung hervor. A. de Jussieu

G

A. de Jussieu gibt eine richtige Interpretation der in den Kohleminen bei Lyon gefundenen fossilen Überreste von Farnen. Er nimmt an, daß sie im Verlauf geologischer Katastrophen durch MeeresüberÁutungen aus wärmeren Klimaten dorthin gelangten. 1722 spricht Jussieu sich auch für die organische Natur der Ammoniten aus.

1719 Joh. I Bernoulli, J. T. Desaguliers

P

Die Wurfbahn wird von Joh. I Bernoulli unter Berücksichtigung eines Bewegungswiderstandes, der einer Potenz der Geschwindigkeit proportional ist, berechnet. Die von J. Hermann 1716 und N. Bernoulli 1719 gegebenen Lösungen sind nicht so umfassend. Etwa zur gleichen Zeit werden von J. T. Desaguliers u. a. umfangreiche experimentelle Daten ermittelt. J. Jurin

P

J. Jurin erklärt das Auftreten von konvexen bzw. konkaven FlüssigkeitsoberÁächen mit der Stärke der nahwirkenden Kohäsions- bzw. Adhäsionskräfte. Er beweist das nach ihm benannte Gesetz, nach dem die Höhe der aufsteigenden Flüssigkeit dem Kapillarendurchmesser umgekehrt proportional ist. Moitrel d’Element

C

Moitrel d’Element beschreibt Techniken zum Arbeiten mit Gasen unter Wasserabschluß.

247

1719 – 1721

C. Polhem

C

C. Polhem behandelt Holz mit Eisenvitriol und Kalk, um es gegen Fäulnis zu schützen. J. Strachey

G

J. Strachey beschreibt 1719 und 1725 – u. a. durch geologische ProÀle – die Kohlevorkommen in Somerset (England). Innerhalb der Kohleschichten unterscheidet er sieben Flöze, wovon einer auch durch die fossilen Muscheln und PÁanzen der darüberliegenden Schicht gekennzeichnet wird, allerdings ohne dem eine grundsätzliche Bedeutung zu geben. E. v. Swedenborg

G

E. v. Swedenborg diskutiert die erratischen Blöcke in Schweden und bringt sie mit den langgestreckten, wallartigen Kies- und Sandrücken (schwedisch Åsar; deutsch Oser) in Zusammenhang. Mit Rücksicht auf die in ihnen enthaltenen geschliffenen und polierten Steine erklärt er die ersteren durch eine universelle ÜberÁutung. E. v. Swedenborg

G

Auf Grund seiner geologischen Untersuchungen, etwa der Beobachtung hochliegender Strandterassen, postuliert E. v. Swedenborg im Anschluß an U. Hiärne (vgl. 1702) eine allgemeine Wasserabnahme in den Weltmeeren, eine Hypothese, der sich später A. Celsius und C. v. Linné anschließen. Fossilien deutet er als Reste ehemals lebender Organismen und führt sie auf eine prähistorische Flut zurück. 1722 publiziert er Beschreibungen zahlreicher PÁanzenfossilien, die er 1721 auf einer Reise nach Lüttich und Aachen untersuchte. P. Wolfart, G. F. Mylius

G

Die fossile Fauna des Mansfelder Kupferschiefers wird von dem Anatomen P. Wolfart und 1720 von G. F. Mylius umfassend beschrieben. Sie deuten die Fossilien als Reste von Organismen.

1720 C. Maclaurin

M

C. Maclaurin beschreibt erstmals das sog. Cramersche Paradoxon, daß eine algebraische Kurve n-ten Grades höchstens n(n+3)/2 Parameter hat, aber durch n(n + 3)/2 Punkte nicht eindeutig bestimmt sein muß. C. Maclaurin

M

C. Maclaurin vermutet, daß zwei ebene Kurven vom Grade n bzw. m im allgemeinen mn Schnitt-

punkte haben und stellt wohl erstmals eine Beziehung zwischen der Reduzibilität einer algebraischen Kurve und der Anzahl ihrer singulären Punkte her. E. Halley

A

In seinen Ansichten über das Weltall spricht E. Halley vom unendlichen Universum sowie unendlich vielen Sternen und begründet dies physikalisch. J. Cassini II P • G J. Cassini II legt die Ergebnisse zweier Gradmessungen in Nord- und Südfrankreich vor, die er, sein Vater Gian Domenico, G. F. Maraldi und G.P. de la Hire von 1683 bis 1718 durchführten. Die Resultate stützen die cartesische Wirbeltheorie mit einer Abplattung der Erde am Äquator. Aus dem Widerspruch zur Newtonschen Abplattungstheorie entstand ein heftiger Streit beider Lager. C. J. Geoffroy

C

C. J. Geoffroy macht erste, noch sehr ungenaue Angaben zur quantitativen Zusammensetzung von Salmiak (Ammoniumchlorid). L. Heister

B

L. Heister verfaßt eines der ersten vollständigen Handbücher über die Chirurgie. G • B Von Tobolsk aus reist D. G. Messerschmidt bis 1726 im Kusnezki Alatau, im Minussinsker Becken, am oberen Tschulym, vom Jenissei zur Lena, im Gebiet um Irkutsk und in der nördlichen Mongolei. Er fertigt die erste Artenbestandsaufnahme eines großen Gebietes, das zehn Längenund neun Breitengrade umfaßt, an und ergänzt dies durch archäologische, ethnographische, klimatische und ökologische Beobachtungen. Sein Werk ist die Grundlage aller nachfolgenden Expeditionen zur Erforschung Sibiriens. D. G. Messerschmidt

1721 J. Hadley

A

Der Handwerker J. Hadley stellt entsprechend Newtons Ideen sein erstes Spiegelteleskop her, das auch für astronomische Zwecke einsetzbar ist.

1721 – 1722 W. J. ’s Gravesande

248 P

J. Roggeveen

G

W. J. ’s Gravesande vollendet in Leiden sein zweibändiges richtungsweisendes Lehrbuch zur Experimentalphysik Physices elementa mathematica, . . . , das ganz in der Newtonschen Tradition steht. Er erfand viele Experimente und erkennt u. a., daß sich der Flüssigkeitswiderstand aus Kohäsion und Trägheit der Flüssigkeitsteilchen ergibt.

Auf der Suche nach dem Südland umsegelt J. Roggeveen bis 1723 die Erde mit den Stationen Amsterdam, Kap Hoorn, Osterinsel, TuamotuInseln, Neuguinea, Samoa-Inseln, Batavia und Kapkolonie, wobei die Osterinseln und einige Inseln der Samoa-Gruppe von ihm 1722 entdeckt werden.

C. v. Wolff

In seinem Werk De’ corpi marini che su’ monti si trovano führt A. Vallisneri die Funde fossiler Muscheln auf Bergen auf eine einstige Meersbedeckung des Landes zurück. Dabei spricht er ausdrücklich von mehrfachen ÜberÁutungen, was implizit insbesondere die Ablehnung der SintÁut als alleiniger Ursache der Entstehung der Fossilien bedeutet.

P

Das Buch Allerhand nützliche Versuche . . . von C. v. Wolff ist eines der ersten, in dem Wesen und Erscheinungen der Wärme mittels eines Wärmestoffs erklärt werden. Z. Boylston

B

Z. Boylston führt die Impfung gegen Pocken in Amerika während der Epedemie in Massachusetts ein. J. B. Goiffon

B

J. B. Goiffon vermutet, daß die Beulenpest durch mikroskopisch kleine Lebewesen verursacht wird. H. Egede

G

H. Gautier erklärt in seinen Nouvelles conjectures sur le globe de la terre, daß Regen und Flüsse die Berge in langen Zeiträumen abtragen, und daß die dabei wegtransportierten Materialien auf dem Meeresboden sedimentiert werden, wo sie Schichten von neuen Bergen bilden, die durch seitliche Bewegungen aufgerichtet werden. C. Middleton

G

C. Middleton unternimmt ab 1721 wiederholt Reisen von Churchill und York Factory zu anderen Stützpunkten der Hudson-Bai-Compagnie am Rande der Bai, die er auch für wissenschaftliche Beobachtungen, u. a. Messungen der magnetischen Abweichung nutzt.

G

W. Whiston

G

W. Whiston, der 1719 und 1720 in Südengland an verschiedenen Stellen die magnetische Neigung beobachtet hat, erstellt die erste Isoklinenkarte, die Orte gleicher erdmagnetischer Inklination für den Kanal und das südliche England verzeichnet.

1722

G

H. Egede gründet die erste dänische Kolonie Godthåb an der Westküste Grönlands, die fortan wichtiger Stützpunkt der Arktisforschung ist. Er betreibt bis 1736 eine protestantische Mission und erwirbt sehr gute Kenntnisse über Land und Leute. Seine Beschreibung Grönlands mit einer Karte des Landes, sowie die Arbeiten über die Eskimos, die ab 1740 erscheinen, sind erste verläßliche Berichte über das Land. H. Gautier

A. Vallisneri

R. Cotes

M

Der Cotessche Satz, der eng mit der Kreisteilung verknüpft ist und die Darstellungvon x2n + 1 ʌ +1 als Produkt von a j = x2 − 2x cos (2 j−1) 2n angibt, sowie Cotes’ Satz über den Schnitt einer algebraischen Kurve werden publiziert. R. Cotes

M

In dem posthum publizierten Werk Harmonia mensurarum erkennt R. Cotes als einer der ersten die Periodizität der trigonometrischen Funktionen, für tan x und sec x erstmals im Druck. Das Buch enthält eine der frühesten gründlichen Darstellungen der Integration von Termen, die auf logarithmische und zyklometrische Funktionen führen. I. F. Riccati

M

I. F. Riccati löst Spezialfälle der sog. Riccatischen Differentialgleichung, indem er sie auf eine Gleichung erster Ordnung reduziert und Separation der Variablen anwendet. R. A. F. de Réaumur

C

R. A. F. de Réaumur berichtet erstmals über das Zementieren von Eisen und gibt Methoden zur Verbesserung der Stahlerzeugung an.

249

1722 – 1724

I. Unkovskij

G

I. Unkovskij unternimmt bis 1724 eine große Reise durch die Dsungarei. Zuvor hatte bereits 1713 Trušnikov die Dsungarei durchquert und die Grenze Tibets erreicht.

C

In seinem Fundamenta chymiae dogmaticae et experimentalis . . . setzt sich G. E. Stahl kritisch mit den alchemistischen Theorien von J. J. Becher auseinander und führt sie ad absurdum. J. A. Peyssonnel

B

J. A. Peyssonnel wiederholt Marsilis Untersuchung von Korallen (vgl. 1706) und führt den Nachweis, daß Polypen Tiere sind. L. Bourguet

G

L. Bourguet entwickelt eine wesentlich am mosaischen Schöpfungsbericht (SintÁut) orientierte neptunistische Theorie der Erde, ähnlich der von J. Woodward (vgl. 1695). Die bestimmenden Vorgänge sind: Verwitterung älterer Ablagerungen und kontinuierliche Sedimentation sowie Hebung der horizontal abgelagerten Schichten. L. Bourguet

G

Gebirgsbildungsprozesse treten bei L. Bourguet nur am Ende der „großen Erneuerung“ der Erde durch die SintÁut auf. Nach der Erhärtung der neuen abgelagerten Schichten nimmt die Erdrotation zu und erzeugt eine Aufwärtsbewegung, die die Schichten hebt bzw. verkippt. Die Morphologie der ErdoberÁäche entsteht weitgehend schon bei der ursprünglichen Bildung der Erde durch das sich zurückziehende Meer. M. A. Cappeller

G

M. A. Cappeller, der zunächst 1719 eine Monographie über den Bergkristall angekündigt und 1722 den kurz vorher entdeckten großen Kristallkeller am Grimsel (Schweiz) besucht hat, betont in seinem Prodromus crystallographiae ausdrücklich die Kristallform als wesentliches Kennzeichen der Kristalle und erweitert den Kristallbegriff von Mineralien auf alle regelmäßigen festen Körper. M. A. Cappeller

1724 W

1723 G. E. Stahl

bzw. die Art der Kristallisation, z. B. aus Lösungen, durch Verdampfung der Lösung, Sublimation usw.

G

M. A. Cappeller teilt die Kristalle der Steine, Erze und Salze nach ihrer äußeren Form in neun Klassen ein. Grundlage der Unterscheidung der einzelnen Klassen ist die Entstehung der Kristalle

Die Akademie der Wissenschaften und Künste in Petersburg wird gegründet. Neben den Akademien in Paris, London und Berlin wird sie rasch eines der führenden wissenschaftlichen Zentren der Zeit. D. Bernoulli

M

D. Bernoulli ermittelt die Bedingungen, unter denen die Riccatische Differentialgleichung durch Trennung der Variablen gelöst werden kann. D. G. Fahrenheit P • C In den Philosophical Transactions berichtet D. G. Fahrenheit über die Bestimmung der Siedepunkte verschiedener Flüssigkeiten und schlägt vor, die Variation des Luftdrucks über die Veränderung der Siedetemperatur zu bestimmen. Weiterhin beschreibt er die Unterkühlung von Wasser. G. Graham P • G G. Graham publiziert seine 1722/23 durchgeführten genauen Beobachtungen von Inklinationsund Deklinationsänderungen der Magnetnadel und erkennt, daß beide an ein und demselben Ort ständig variieren. J. Floyer

B

J. Floyer schreibt Medicina gerocomica, das erste Buch über Alterskrankheiten. L. Lemery

B

L. Lemery versucht, das Auftreten von Mißbildungen durch zufällige Einwirkungen auf die Keime im Einklang mit der Präformationstheorie zu erklären. Dieser Auffassung wird von J. Winslow widersprochen, der wegen der Erklärungsprobleme zur Ablehnung der Präformationstheorie kommt. In dem bis 1743 andauernden Streit setzt sich Winslow durch. V. Bering

G

In Unkenntnis der Entdeckungen Deschnjows (vgl. 1647) wird V. Bering vom Zar Peter I. beauftragt, die Ostausdehnung Sibiriens und den etwaigen Zusammenhang von Asien und Amerika zu erkunden. Auf der sog. ersten KamtschatkaExpedition erreicht Bering, u. a. begleitet von M. á Spangberg und A. I. Cirikov, 1726 Ochotsk, setzt 1727 nach Kamtschatka über und startet 1728

1724 – 1726

250

seine Erkundungsfahrt (vgl. 1728). 1730 kehrt er nach Moskau zurück. E. Halley

G

E. Halley erklärt die Entstehung der SintÁut physikalisch mit der Annäherung eines Kometen an die Erde und damit auch die dadurch hervorgerufenen Veränderungen in der Lage von Land und Meer: Der Komet hat das Meer zunächst landeinwärts getrieben, das dort, bei seinem Rückzug, Berge von Meeressedimenten hinterließ. J. F. LaÀteau

G

Der Missionar J. F. LaÀteau stellt in Kanada ethnographische Forschungen an und trägt mit seinem Bericht wesentlich zur Völkerkunde nordamerikanischer Indianer bei. R. A. F. de Réaumur

G

R. A. F. de Réaumur, der sich vor allem auch mit der Kristallisation von Metallen beschäftigt hat, sieht die Ursache der Entstehung von Kristallen in einer kristallinen Essenz bzw. einer Flüssigkeit.

1725 J. T. Desaguliers

P

Der bis 1763 in mehreren Auflagen und Übersetzungen erscheinende A cours of experimental philosophy von J. T. Desaguliers macht viele Experimente und Ergebnisse anderer Gelehrter bekannt. C. F. Dufay

P

Bei seinen Experimenten zur Reibungselektrizität bemerkt C. F. Dufay, daß in der Nähe eines glühenden Metallstabes die Luft elektrisch leitend wird. P. Varignon

P

In der posthum erschienen Nouvelle mécanique erklärt P. Varignon alle einfachen Maschinen einheitlich mit Hilfe des Kräfteparallelogramms und zeigt, daß dem Hebelgesetz keine Sonderstellung in der Mechanik zukommt. J. H. Schulze

C

J. H. Schulze entdeckt die LichtempÀndlichkeit von Silbersalzen, eine der Grundlagen für spätere photographische Verfahren. S. L. Jacobi

B

S. L. Jacobi führt die erste bekannte künstliche Befruchtung von Fischen an Forellen durch.

J. F. Henckel

G

J. F. Henckel legt in seiner Pyritologia eine enzyklopädische Studie der Pyrite vor. Er behandelt die Fundorte, die Entstehung und die einzelnen Bestandteile der Pyrite, die er als Verbindungen von Metall und Schwefel auffaßt, und verweist darauf, daß diese bisweilen Kupfer, Silber und manchmal geringe Spuren von Gold enthalten. G • B L. F. Marsili gibt in seiner Histoire physique de la mer, von der 1710 bereits eine Kurzfassung erschienen war, eine erste umfassende Darstellung der Ozeanographie. Am Beispiel des Golfe du Lion behandelt er darin u. a. die Morphologie des Meeresbeckens und der Küsten, die Beschaffenheit des Ozeanwassers, wie Farbe, Temperatur, Salzgehalt usw., die Meeresströmungen und Gezeiten sowie die Tier- und PÁanzenwelt des Meeres. L. F. Marsili

J. Strachey

G

J. Strachey beschreibt in einer Abhandlung über den Kohlebergbau in Somerset horizontal liegende Kreideschichten über steil gestellten Kohlelagern. Dies ist die erste Abbildung einer spitzwinkligen Diskordanz durch einen englischen Autor, über deren geologische Bedeutung sich Strachey allerdings nicht bewußt ist. G • B Die in Sibirien gefundenen fossilen MammutSkelette werden von V. N. Tatišácev als Überreste von einstmals hier heimischen Tieren angesehen. Zu jener Zeit muß dort ein wärmeres Klima geherrscht haben. á V. N. Tatišcev

1725/26 S. Molyneux, J. Bradley

A

S. Molyneux und J. Bradley entdecken die geschlossene ringförmige Bahn, die der Stern Ȗ Draconis innerhalb eines Jahres beschreibt. Nach weiteren Beobachtungen Àndet Bradley die Aberration des Lichtes.

1726 G. Graham

P

G. Graham publiziert die etwa 1721 realisierte Konstruktion eines Kompensationspendels unter Verwendung von Quecksilber. Unabhängig von ihm baut etwa zur gleichen Zeit J. Harrison ein Kompensationspendel, bei dem die temperaturbedingten Längenänderungen durch zwei Metalle

251

1726 – 1727

ausgeglichen werden, so daß die Ganggenauigkeit der Uhr erhöht wird. S. Hales

B

S. Hales führt erste direkte Blutdruckmessungen an Tieren, insbesondere an Pferden, aus und untersucht, wie verschiedene Stoffe, z. B. Alkohol, die Änderung des Druckes beeinÁussen. Aus den Versuchsergebnissen leitet er grundlegende Erkenntnisse über das Wesen des Blutkreislaufs ab. 1733 publiziert er diese im zweiten Band der Statical essays. G

fast vollständig erhaltene Skelett eines Riesensalamanders in seiner Schrift Homo diluvii testis als das eines durch die SintÁut umgekommenen Menschen. F. I. Soimonov

G

Im Rahmen mehrjähriger hydrographischer Arbeiten nimmt F. I. Soimonov eine Küstenaufnahme des Kaspischen Meeres vor und entdeckt den Kara-Bogas-Gol.

1727 L. Euler

M

In der 1726 in China erschienenen Kaiserlichen Enzyklopädie Tu Shu Ji Chêng Ànden sich eine Reihe naturgetreuer bildlicher Darstellungen geologischer Phänomene wie Blockströme, Talformen, einfallende Schichten, Karsttürme usw. Die geologische Natur dieser Phänomene wird dabei nicht diskutiert.

Die Untersuchung einer speziellen Klasse von gewöhnlichen Differentialgleichungen zweiter Ordnung durch L. Euler initiiert das systematische Studium der Gleichungen zweiter Ordnung. Zugleich führt Euler erstmals die Exponentialfunktion zur Lösung von Differentialgleichung ein.

J. B. A. Beringer

S. Hales beschreibt in seinem Werk Vegetable staticks die Darstellung von verschiedenen Gasen aus einer Reihe von Substanzen, ohne sie jedoch qualitativ zu charakterisieren. Für die Gasuntersuchungen führt er die pneumatische Wanne ein.

G

J. B. A. Beringer glaubt, im Muschelkalk bei Würzburg eine Vielzahl gut erhaltener Fossilien entdeckt zu haben – die später so genannten „Lügensteine“ – , die er in seiner Lithographiae Wirceburgensis . . . beschreibt. Tatsächlich handelt es sich um künstlich hergestellte Stücke, die von seinen Kollegen dort versteckt worden waren. A. A. Bruzen de la Martinière

G

Der Literat A. A. Bruzen de la Martinière stellt bis 1730 ein zehnbändiges geographishes Wörterbuch zusammen. L. F. Marsili

G

L. F. Marsili gibt in seinem mehrbändigen Werk Danubis eine umfassende Studie der Donau und der angrenzenden Länder. Neben dem Studium des Flußbettes sowie der Flora und Fauna Ànden sich darin auch zahlreiche Beobachtungen zur Mineralogie und Geologie des umgebenden Landes. J. A. Peyssonnel

G

Nach Studien bei Tunis und Algiers wendet sich J. A. Peyssonnel gegen die herrschende Auffassung der Korallen als Steine oder PÁanzen, die er 1724 noch selbst vertreten hatte und deutet diese richtig als Tiere. J. J. Scheuchzer

G

J. J. Scheuchzer deutet das im Jahr zuvor im Tertiärschiefer von Öhningen in Baden gefundene,

S. Hales

C

S. Hales B • C S. Hales behandelt in Vegetable staticks verschiedene Fragen der PÁanzen- und Tierphysiologie mit physikalischen Methoden. Er gibt entsprechende Meßverfahren an und beschreibt Messungen der Saftbewegung in PÁanzen und deren Transpiration. Das Buch ist das erste große Werk zu diesem Themenkreis. M. v. Bromell

G

M. v. Bromell beschreibt in seiner Lithographiae Svecanae . . . zahlreiche schwedische pÁanzliche und tierische Fossilien, u. a. Trilobiten, Ammoniten, und Korallen aus dem Gotländischen Kalkstein. Er deutet die Fossilien als Reste von Organismen und führt ihre Entstehung auf die SintÁut zurück. E. D. Hauber

G

In der Schrift Nützlicher Discours von dem gegenwärtigen Zustand der Geographie, besonders in Teutschland . . . analysiert E. D. Hauber kritisch die zeitgenössische Geographie und schlägt die Gründung einer geographischen Gesellschaft vor. Zuvor hatte er 1724 die älteste umfassende Geschichte der Kartographie in Südwestdeutschland verfaßt.

1727 – 1729

252

E. Kaempfer

G

Der große Japanbericht The history of Japan and Siam (vgl. 1690) für den E. Kaempfer in Deutschland vergeblich einen Verleger gesucht hatte, wird von seinem Neffen nach England verkauft und erscheint dort in englischer Übersetzung. J. Strachey

J. Woodward

G

Ähnlich wie W. Stukeley 1724 bringt J. Strachey das auffällig häuÀge östliche bzw. südöstliche Einfallen der Gesteinsschichten in England mit der Erdrotation in Zusammenhang. In Folge des EinÁusses der West-Ost Rotation der Erde auf die ursprünglich weichen und unverfestigten Schichten setze sich deren Streichen und Fallen bis zum Zentrum der Erde fort.

1728

G

J. Woodward bestimmt in seinem Testament die Stiftung einer Dozentur in seinem Namen; daraus entwickelt sich der „Woodwardian Chair“ für Geologie an der Universität Cambridge, die früheste solche Stelle an einer britischen Universität.

1729 A. Clairaut

M

Der 18jährige A. Clairaut gibt die erste systematische analytische Studie über Raumkurven, d. h. Kurven doppelter Krümmung, und erörtert dabei Gleichungen mit mehreren Unbekannten. Die Studie erscheint 1731. L. Euler

M

In einem unpublizierten Manuskript führt L. Euler die Zahl e als Basis des natürlichen Logarithmus ein.

L. Euler beginnt mit dem Studium der Eulerschen Integrale erster und zweiter Art, der sog. Betabzw. Gammafunktion. Mit der Aufdeckung einiger ihrer Eigenschaften begründet er die Theorie spezieller Funktionen.

G. Grandi

J. Hermann

L. Euler

M

M

G. Grandi löst die zur analytischen Geometrie inverse Aufgabe, die Gleichung einer Kurve von vorgegebener Form zu bestimmen, und faßt seine Ergebnisse über spezielle Kurven wie Versiera, Strophoiden u. a. zusammen. F. Bianchini

A

F. Bianchini schätzt die Rotationsperiode der Venus auf 24 1/3 Tage. H. Pitot

P

Der Ingenieur und Physiker H. Pitot erÀndet das sog. Pitot-Rohr, mit dem der Gesamtdruck und folglich die Fließgeschwindigkeit eines strömenden Mediums mit einem U-Rohrmanometer gemessen wird. P. Fauchard

B

P. Fauchard stellt in Le chirurgien dentiste, ou traite des dents die Zahnheilkunde umfassend dar. V. Bering

G

Im Rahmen der ersten Kamtschatka-Expedition durchfährt V. Bering im August die später nach ihm benannte Beringstraße und weist damit nach, daß zwischen Asien und Amerika keine Landverbindung besteht. Bering verzichtet auf eine genauere Erkundung, sichtet weder die Küste Alaskas noch erkennt er den Straßencharakter des befahrenen Meeresteils.

M

J. Hermann demonstriert ausführlich die Nützlichkeit der Verwendung von Polarkoordinaten und gibt die Transformationsformeln von rechtwinkligen in Polarkoordinaten an. A • P P. Bouguer begründet mit dem Essai d’optique . . . die Photometrie. Aufbauend auf Ideen Keplers, formuliert er das photometrische Grundgesetz sowie das sog. Bouguersche Gesetz über die exponentielle Relation zwischen dem in einem gerichteten Strahl verbleibenden Licht und dem im Medium zurückgelegten Weg. P. Bouguer

J. Bradley A • P J. Bradley entdeckt in Greenwich die periodische jährliche Aberration des Fixsternlichtes, die er aus der Endlichkeit der Lichtgeschwindigkeit und der Bewegung der Erde erklärt. Er bestätigt damit O. Römers These sowie erstmals durch Beobachtung die Bewegung der Erde um die Sonne und widerlegt die verbreitete Lehre einer momentanen Lichtausbreitung. Der Begriff Aberration wird von G. Manfredi eingeführt, der unabhängig die Erscheinung beobachtete. L. Euler

P

L. Euler stellt fest, daß die einfachen Verhältnisse der Saitenlängen auch für die Schwingungen der Töne bestehen und letztere, da vom Erzeuger der

253

1729 – 1730

Töne abstrahiert werden kann, für Schwingungen aller Musikinstrumente gelten. S. Gray

den Gefrier- und den Siedepunkt des Wassers als Fixpunkte haben.

P

Angeregt durch Hauksbees Elektrisiermaschine, führt S. Gray zahlreiche Experimente zur Elektrizität durch. Er entdeckt dabei, daß es Elektrizität leitende und nichtleitende Stoffe gibt, der menschliche Körper ein Leiter ist, die Elektrizität übertragen werden kann und an isoliert angebrachten Leitern InÁuenz zu beobachten ist. C. M. Hall

P

1730 D. Bernoulli

M

Mit wahrscheinlichkeitstheoretischen Mitteln bewertet D. Bernoulli den Kapitalgewinn und liefert damit die mathematische Formulierung für eine neue Werttheorie in der politischen Ökonomie. A. de Moivre

M

Der als Friedensrichter tätige C. M. Hall gibt ein achromatisches Objektiv in Auftrag. Die Entdeckung bleibt, da er nichts darüber veröffentlicht, völlig unbekannt und wird von J. Dollond wiederholt.

Der in London lebende Hugenotte A. de Moivre veröffentlicht in seinem Hauptwerk Miscellanea analytica u. a. die ihm seit 1707 bekannte, sog. Moivreschen Formeln, eine asymptotische Reihe für ln(n!) und die Näherung für n!, die letzten beiden Formeln sind nach J. Stirling benannt.

P. v. Musschenbroek

A. de Moivre

P

Die Elementa physicae von P. v. Musschenbroek, eines der grundlegenden Lehrbücher zur Experimentalphysik, erscheinen in Leiden. Es ist eines der ersten Bücher, in denen Physik nicht als Naturphilosophie beschrieben wird. A. S. Frobenius

C

A. S. Frobenius beschreibt die Darstellung von Schwefeläther (Diethylether) und führt für diesen die Bezeichnung Äther (Ether) ein. G

In den deutschen Ländern gründet zuerst Preußen ein Ingenieurkorps, das auch für Kartierungsaufgaben zuständig ist. L. Bourguet

G

Durch vergleichende Untersuchungen der Feinstruktur von Stalaktiten und Belemniten schließt L. Bourguet, mit Rücksicht auf deren komplexe innere Struktur, auf einen organischen Ursprung der letzteren. Die Stalaktiten bilden sich dagegen nach den gleichen Gesetzen wie die löslichen Salze und der Bergkristall. N. S. Cruquius

G

N. S. Cruquius fertigt eine Karte der MerwedeRheinmündung mit Tiefenlinien an, die die Herausbildung der Höhenlinienmethode vorbereitet.

um 1730 R. A. F. de Réaumur

A. de Moivre

R. A. F. de Réaumur führt Thermometer mit der nach ihm benannten 80teiligen Skala vor, die

M

In den Miscellanea analytica prägt A. de Moivre den Begriff der rekurrenten Reihe und wendet diese zur Lösung von Differenzengleichungen an. J. Stirling

M

In der Methodus differentialis gibt J. Stirling eine detaillierte Darlegung seiner Erkenntnisse zur Reihenlehre und zur Differenzenrechnung. Er leitet eine Reihenentwicklung für log(n!) ab. Daraus folgt die Stirlingsche Approximation für n!, die schon A. de Moivre angegeben hatte, sowie weitere Interpolationsformeln. Wichtige Ideen hatte Stirling bereits 1719 skizziert. J. P. Breyne

B

J. P. Breyne verfaßt ein systematisches Werk über die Mollusken (Konchylien, Weichtiere). Er versucht, die fossilen Formen in die KlassiÀkation einzubeziehen. Die Arbeit wird 1732 publiziert. Goursaud, Roland

B

Goursaud und Roland führen die erste Ösophagotomie (operative Eröffnung der Speiseröhre) aus. M. v. Bromell

P

M

A. de Moivre gibt die Lösung der Winkelteilungsgleichung, insbesondere die n-ten Einheitswurzeln, trigonometrisch an und erzielt wichtige Resultate über komplexe Zahlen.

G

M. v. Bromell klassiÀziert in seiner Mineralogia, die auch in Deutschland beachtlichen EinÁuß gewinnt, die Mineralien bis zu einem gewissen

1730 – 1732

254

Grad nach chemischen Gesichtspunkten und betont, wie 1734 auch J. F. Henckel, das Verhalten der Mineralien im Feuer, insbesondere deren Schmelzpunkte, als wesentliches Unterscheidungsmerkmal. J. P. T. v. Strahlenberg

G

Der Schwede J. P. T. v. Strahlenberg publiziert einen Reisebericht über Rußland und Sibirien, nebst einer guten Karte Sibiriens. Er lenkt damit die Aufmerksamkeit auf Messerschmidts Sibirienexpedition (vgl. 1720), an der er bis 1722 als russischer Kriegsgefangener teilgenommen hatte.

J. E. Hebenstreit, C. G. Ludwig

P

Das erste Pyrometer, das die Ausdehnung eines Metallstabes zur Messung hoher Temperaturen benutzt, wird von P. v. Musschenbroek konstruiert, aber erst 1762 veröffentlicht er eine Beschreibung desselben.

M • P

Eine ganz auf Harmonien basierende Musiktheorie wird von L. Euler geschaffen, Àndet aber wenig Anklang bei Musikern. L. Euler

M

Die asymptotische Formel für die harmonische Reihe wird von L. Euler entdeckt. Die dabei auftretende sog. Eulersche Konstante C berechnet er 1735 auf 16 Dezimale. T. Godfrey, J. Hadley

A

Basierend auf Ideen Newtons von 1701, die erst 1742 im Detail publiziert werden, konstruieren der amerikanische Glaser T. Godfrey und der Engländer J. Hadley unabhängig voneinander einen Spiegeloktanten, aus dem der moderne nautische Sextant hervorgeht. J. Tull

B

J. Tull beschreibt neue landwirtschaftliche Methoden wie z. B. das Drillen, nachdem er zuvor die dazu notwendige Drillmaschine erfunden hatte. A. Celsius

G

C. Polhem, Mitarbeiter von E. v. Swedenborg in Stockholm, lehnt die biblische Chronologie als zu kurz ab und nimmt ein Alter der Erde von mehreren tausend Jahren an. Im Inneren der Erde postuliert er ein zentrales Feuer, das gegen die äußere Kruste von einer 500 km dickem Bimssteinschicht abgegrenzt ist.

1731 L. Euler

G

Die Botaniker J. E. Hebenstreit und C. G. Ludwig unternehmen im Auftrag des sächsischen Königs bis 1733 eine Expedition nach Algerien und Tunis, um Naturalien zu sammeln und lebende Tiere zu erwerben. Hebenstreit verfaßt darüber einen interessanten Bericht. Die Expedition stellt außerdem eine Sammlung lateinischer Inschriften zusammen. C. Polhem

um 1731 P. v. Musschenbroek

ungefähr vier Fuß pro Jahrhundert, veröffentlicht er 1743.

1731/32 S. Gray

P

S. Gray publiziert in den Philosophical Transactions die grundlegenden Einsichten seiner elektrischen Experimente, die weitere Studien anregen. Insbesondere die Versuche mit elektrisierten Knaben u. a. erregen großes Aufsehen.

1732 J. H. Zedler

W

J. H. Zedler ediert ein Großes vollständiges Universal-Lexicon aller Wissenschaften und Künste . . . Es umfaßt 68 Bände, die bis 1754 erscheinen und unter Mitarbeit bedeutender Gelehrter entstehen. Es ist die erste bedeutende neuere deutsche Enzyklopädie und zeichnet sich durch große Genauigkeit aus. D. Bernoulli

M

Die Idee, die Separation der Variablen zur Lösung partieller Differentialgleichungen anzuwenden, tritt erstmals bei D. Bernoulli auf und wird dann 1750 von J. d’Alembert genauer ausgeführt.

G

A. Celsius bringt auf Felsen bei GeÁe und Kalmar Wassermarken an, um die Hypothese des Sinkens des Wasserspiegels im bottnischen Meerbusen zu belegen. Die Ergebnisse dieses Versuches, er ermittelt einen Rückgang des Wasserspiegels zu

C. v. Clausberg

M

C. v. Clausberg gibt in seiner Demonstrativen Rechenkunst eine eingehende Behandlung des Münzwesens sowie der Wechselrechnung und -arbitrage.

255 C. F. Dufay

1732 – 1733 P

In Wiederholung und Erweiterung der Versuche Grays erkennt C. F. Dufay ab 1732, daß ein elektrischer Körper nichtelektrische anzieht, ihnen Elektrizität überträgt und sie dann abstößt. Er hebt die Verbindung zwischen elektrischem Leitvermögen und Elektrisierbarkeit hervor. P • G In dem Discours sur la Àgure des astres propagiert P. L. M. de Maupertuis die Newtonsche Theorie über die Gestalt der Erde. Er regt damit wesentlich die Verbreitung Newtonscher Ideen auf dem europäischen Kontinent an. P. L. M. de Maupertuis

C • P Der letzte bedeutende Vertreter der Iatrophysik, der Mediziner H. Boerhaave, veröffentlicht sein Lehrbuch Elementa chemiae. Er gibt eine Unterscheidung zwischen chemischen Verbindungen und Mischungen an und stellt fest, daß bei der Verbrennung von Alkohol die Masse des entstehenden Wassers größer als die des Alkohols ist. Zugleich vertritt er die Theorie eines imponderablen, d. h. unwägbaren (mit einer Waage nicht nachweisbaren) Wärmestoffs (caloricum). H. Boerhaave

C. J. Geoffroy

C

Mit der Reaktion von Borax mit Schwefelsäure und nachfolgender Kristallisation führt C. J. Geoffroy eine neue Methode zur Herstellung von Borsäure ein und erkennt in weiteren Experimmenten, daß in Borax, Soda (Natriumcarbonat) und Kochsalz ein gemeinsamer Bestandteil vorhanden sein muß. I. Fedorov

G

Die Beringstraße wird von I. Fedorov und seinem Begleiter, den Geodäten M. S. Gvosdev, vom Ochotskischen Meer aus erneut befahren. Sie landen auf einer der Diomedischen Inseln und erreichen beim heutigen Kap Prince of Wales erstmals die amerikanische Küste. Nach Fedorovs Tod wird der Reisebericht von Gvosdev überbracht, der dadurch lange als Entdecker Alaskas galt. G • B C. v. Linné begibt sich auf eine Forschungsreise nach Lappland und studiert die dortige Flora sowie die Kultur der Lappländer. Seine Ergebnisse publiziert er 1737. C. v. Linné

J. G. Wallerius

G

J. G. Wallerius beschäftigt sich ab 1732 mit Mineralogie. Er unternimmt Reisen in verschiedene

schwedische Bergbaugebiete, beginnt mit dem Aufbau seiner Mineraliensammlung, die später ca. 40 000 Stücke umfassen wird.

1733 G. L. L. de Buffon

M

G. L. L. de Buffon wendet die Differentialund Integralrechnung auf die Wahrscheinlichkeitsrechnung an und dehnt dabei erstere auf Flächen aus. A. Clairaut

M

Bei weiteren Untersuchungen über Raumkurven führt A. Clairaut erstmals allgemeine afÀne Transformationen ein, ohne den Terminus zu gebrauchen. A. de Moivre

M

A. de Moivre entdeckt den lokalen und globalen zentralen Grenzwertsatz für binomische Verteilungen und gibt erstmals die Dichtefunktion für die Normalverteilung sowie eine Reihenentwicklung für die Binomialverteilung an. G. Saccheri

M

Seine Logik auf die Geometrie anwendend, versucht G. Saccheri, die Kompatibilität des Parallelenpostulats mit den anderen Postulaten Euklids zu zeigen, und leitet dabei Resultate nichteuklidischer Geometrien ab. A. Celsius

A

A. Celsius publiziert seine Nordlichtbeobachtungen. C. M. Hall

A

Der Privatgelehrte C. M. Hall konstruiert das erste achromatische Fernrohr, wobei er Linsen mit unterschiedlicher Glasdichte verwendet. J.-J. de Mairan

A

J.-J. de Mairan spricht von einem wahrscheinlichen und engen Zusammenhang zwischen dem an die Ekliptik gebundenen Zodiakallicht und dem auf polare und subpolare Bezirke beschränkten Polarlicht und berechnet 1740 von letzterem die Höhe. B. Vassenius

A

Der Gymnasiallehrer B. Vassenius sieht bei der Beobachtung einer totalen SonnenÀnsternis Protuberanzen der Sonne und berichtet darüber, ohne die Erscheinung erklären zu können.

1733 – 1734 D. Bernoulli

256 P

In Petersburg vollendet D. Bernoulli seine Hydrodynamica, in der er die Bewegung inkompressibler wie kompressibler, reibungsfrei strömender Flüssigkeiten nach einheitlichen Prinzipien behandelt und auf Wasser- bzw. Windräder u. a. anwendet. P • G Senkrecht zum Pariser Meridian messen J. Cassini II und G. D. Maraldi II den Breitenkreis von Brest nach Straßburg. Verglichen mit einer idealen Kugelgestalt der Erde ist die gemessene Streckenlänge zu kurz, so daß eine spindelförmige Deformation angenommen wird. Der Zweifel an diesem Ergebnis ist Anlaß für weitere Gradmessungen. J. Cassini II, G. D. Maraldi II

C. F. Dufay

P

C. F. Dufay unterscheidet zwei Arten von Elektrität, für die er zwei elektrische Fluida annimmt. Diese Arten entstehen durch Reiben von Harz bzw. Glas. Experimentell Àndet er die Regel, daß sich gleichartige Elektrizität abstößt, ungleichartige anzieht. G. Brandt

C

G. Brandt betrachtet metallisches Arsen als einen Grundstoff. C • G J. F. Henckel gründet in Freiberg/Sachsen ein chemisches Laboratorium und richtet seinen später berühmten Kurs in metallurgischer Chemie ein; zu seinen Schülern zählen 1734 A. S. Marggraf, 1739–1741 M. V. Lomonossow und C. F. Zimmermann. Sein Wirken hat die Einrichtung der Bergakademie in Freiberg wesentlich mit vorbereitet. J. F. Henckel

R. A. F. de Réaumur

C

R. A. F. de Réaumur versucht, den Gehalt wäßriger Lösungen an Alkohol mittels des speziÀschen Gewichts zu bestimmen. J. Arbuthnot

B

J. Arbuthnot vermutet, daß Lufttemperatur und Feuchtigkeit die Charaktereigenschaften der verschiedenen Menschenrassen beeinÁussen. V. Bering

G

Die von V. Bering im Auftrag der Zarin vorbereitete „Große Nordische Expedition“ zur Aufklärung der Land- und Wasserverteilung im Osten und Norden Asiens beginnt. Die Aufgaben dieses

riesigen Unternehmens mit über 600 Teilnehmern werden auf Abteilungen verteilt. Die erste unter J. G. Gmelin führt die naturwissenschaftliche, ethnographische und historische Erforschung Sibiriens und Kamtschatkas durch, die zweite mit S. V. Muravev, C. P. und D. J. Laptev u. a. kartographiert die Nordküste Sibiriens und die dritte á unter Bering und A. I. Cirikov erkundet den Weg nach Japan und Amerika. J. G. Gmelin

G

J. G. Gmelin, Leiter der wissenschaftlichen Abteilung im Rahmen der „Großen Nordischen Expedition“, reist auf der Route: Wolga, Tobolsk, Irtysch, Ob, Jenisseisk, Irkutsk, Baikalsee, Angara und Lena bis Jakutsk. Bis 1739 erforscht er das riesige Gebiet zwischen Jakutsk, Irkutsk und Mangasea am Jenissei, und dann bis 1743 die Region von Tomsk bis zum Südural. J. G. Gmelin G • B J. G. Gmelin sammelt auf seiner Sibirienexpedition reiches naturwissenschaftliches und ethnographisches Material und liefert wichtige Beiträge zur Naturkunde des Landes. Er entdeckt viele PÁanzen, macht auf wichtige Bodenschätze wie Kohle, Eisen usw. aufmerksam und beschreibt den auch im Sommer nur oberÁächlich auftauenden sibirischen Dauerfrostboden, der z. B. in Jakutsk bis zu 186 m Tiefe reicht, sowie die sibirischen Wintertemperaturen. J. G. Gmelin

G

Durch barometrische Höhenmessung liefert J. G. Gmelin genauere Aufschlüsse über das OberÁächenbild Transbaikaliens und erkennt, daß das Kaspische Meer tiefer als das Schwarze Meer liegt. Die Gesamtheit des von ihm gesammelten naturkundlichen Materials ergibt im Gesamtbild eine deutliche Abgrenzung Asiens von Europa.

1734 G. Berkeley

M

Bischof G. Berkeley publiziert eine heftige Streitschrift gegen die InÀnitesimalrechnung und weist auf die Schwächen bei deren Begründung hin. A. Clairaut

M

A. Clairaut stellt erstmals die sog. Clairautsche Differentialgleichung auf und löst sie, wobei bereits B. Taylor 1715 das Auftreten einer singulären Lösung neben der allgemeinen Lösung konstatierte.

257 L. Euler

1734 – 1735 M

L. Euler verallgemeinert das Brachistochronenproblem und leitet dann bei weitergehenden Untersuchungen die Eulerschen Gleichungen für das Variationsproblem ab, die er 1736 publiziert. E. v. Swedenborg

A

Aus mathematischen und mechanischen Prinzipien versucht E. v. Swedenborg ein umfassendes System der Welt herzuleiten, wobei das Planetensystem durch Explosion expandierender Sonnenmaterie entstanden sei. P • W Unterstützt von P. L. M. de Maupertuis und A. Clairaut veröffentlicht F. M. Voltaire in vier Kapiteln seiner Lettres sur les Anglais einen ersten Überblick über die Newtonsche Naturphilosophie in Frankreich. F. M. Voltaire

H. Boerhaave

C

H. Boerhaave beschreibt in den Abhandlungen der Londoner und der Pariser Akademie einige von ihm über mehrere Jahre durchgeführte, gründliche experimentelle Untersuchungen zur alchemistischen Transmutationstheorie der Metalle. Die Versuchsergebnisse widerlegen eine Transmutation von Metallen. E. v. Swedenborg

C

E. v. Swedenborg verfaßt mit De ferro eines der ältesten Handbücher der Eisenhüttenkunde. R. A. F. de Réaumur

B

R. A. F. de Réaumur bereichert mit seiner sechsbändigen Naturgeschichte der Insekten die Entomologie durch wertvolle Beiträge, u. a. über die Lebensweise der Insekten. Der sechste Band erscheint 1742.

C. v. Linné

G

C. v. Linné beschreibt auf einer Reise nach Dalarne einen präkambrischen Sandstein mit auffälligen Rippelmarken. Am 4. August notiert er in sein Reisetagebuch, daß diese durch die Wirkung des Wassers am Grunde von Seen oder Flüssen entstanden sind. Er beschreibt auch Strudeltöpfe (’Riesentöpfe’), deren Entstehung er ebenfalls dem Wasser zuschreibt. S. V. Muravev, M. Pavlov

1735 L. Euler

G

J. A. Fabricius legt in seiner Hydrotheologie, einer physikotheologischen Betrachtung der „Eigenschaften“ und der „Bewegung“ des Wassers, das erste umfassende Handbuch der Hydrographie in deutscher Sprache vor. Er beschreibt Ozeane, Flüsse und Seen und behandelt den Wasserkreislauf, die Meeresströmungen und die Gezeiten. J. F. Henckel

G

J. F. Henckel klassiÀziert in seiner Idea generalis de lapidum origine die Mineralien nach ihrem Verhalten im Feuer und nach ihrer Reaktion gegen Säuren.

M

L. Euler löst in einer am 26. August vorgelegten Arbeit das sog. Königsberger Brückenproblem, die dortigen sieben Pregelbrücken hintereinander so zu überschreiten, ohne eine derselben zweimal zu passieren, negativ. Es ist eine der ersten Aufgaben zur Graphentheorie und kombinatorischen Topologie. L. Euler

M

L. Euler gelingt die Summation der Reihen ∞ 1 ‫گ‬ n2k = a2k ʌ2k . Die rationalen Zahlen a2k n=1 errechnete er mittels der im gleichen Jahr bewiesenen sog. Euler-Maclaurinschen Summationsformel, die wiederum einen Zusammenhang mit den Bernoullischen Zahlen ergibt. T. Simpson

J. A. Fabricius

G

S. V. Muravev und M. Pavlov befahren die Eismeerküste von Archangelsk bis zur Halbinsel Jamal. Das Ziel des Vorhabens bis zur Mündung des Ob zu gelangen, erreichen sie wegen des starken Eisganges nicht.

M

T. Simpson bemüht sich um eine Reform der Analysis in Cambridge und publiziert dazu 1737 und 1750 Bücher. Bekannt wurde er durch die Simpsonsche Näherungsformel zur Inhaltberechnung von Flächen und Körpern. P. Bouguer, C. M. de La Condamine, P. L. M. de Maupertuis, A. Clairaut

P • G

Um den Streit um die Gestalt der Erde zu klären, richtet die Pariser Akademie zwei Gradmessungen aus. Die eine wird 1735–1742 von P. Bouguer und C. M. de La Condamine in Peru, die andere von P. L. M. de Maupertuis und A. Clairaut 1736/37 in Lappland durchgeführt.

1735 – 1736 J.-J. de Mairan

258 P

Die Methode der Koinzidenz zur präzisen Bestimmung der Schwingungsperiode eines Pendels wird von J.-J. de Mairan ersonnen und soll zur Ermittlung der Schwerkraft benutzt werden. G. Brandt

C

J. de Castro Sarmento

G

J. de Castro Sarmento erarbeitet die erste umfassende naturgeschichtliche Abhandlung über Gold und vor allem Diamanten in Brasilien bzw. Südamerika wobei sein Hauptinteresse deren ökonomischer Nutzbarkeit gilt.

G. Brandt entdeckt das Element 27, Cobalt.

J. Hadley

A. Darby jr.

Nach dem von J. Hadley aufgestellten Passatgesetz werden alle Windströmungen durch die Erdrotation abgelenkt, auf der Nordhalbkugel nach rechts, auf der Südhalbkugel nach links.

C

Nachdem er in Meilern aus Steinkohle Koks erzeugt hatte, gelingt es A. Darby jr. den Hochofen zum Schmelzen von Eisenerz nur mit Steinkohlenkoks ohne Zusatz von Holzkohle zu betreiben. F. Hoffmann

C

F. Hoffmann gibt Vorschriften zur Herstellung verschiedener künstlicher Mineralwasser an. J. F. Cassebohm

B

J. F. Cassebohm unterscheidet beim äußeren Gehörgang einen knorpeligen und einen knöchernen Teil, beschreibt die Schnecke und zeigt, daß es keine Verbindung zwischen Schädel und Paukenhöhle gibt. C. v. Linné

B

In dem Werk Systema naturae publiziert C. v. Linné sein neues System für den Aufbau der drei Naturreiche: PÁanzen, Tiere und Mineralien. Zu Lebzeiten Linnés erscheinen 13 Auflagen des Buches. Am einÁußreichsten erweist sich die Systematik des Planzenreiches. In weiteren Werken baut er seine Ideen weiter aus und gibt 1738 eine kritische Analyse der verschiedenen PÁanzensysteme. C. v. Linné

B

In Systema naturae beschreibt C. v. Linné ca. 7300 PÁanzenarten und schlägt für das PÁanzenreich eine künstliche taxonomische KlassiÀkation vor. Sie beruht auf einzelnen Sexualmerkmalen, wie Zahl und Anordnung der Staubgefäße sowie dem Geschlecht. C. v. Linné

B

Die Tiere teilt C. v. Linné im Anschluß an die aristotelische Tradition nach anatomischen und physiologischen Kriterien in sechs Klassen ein: Säugetiere, Vögel, Fische, Insekten, Reptilien und Würmer. Der Mensch steht neben den Affen in der gleichen Ordnung als Gattung Homo. Linné unterscheidet vier Menschenrassen. Dieses System ist in den folgenden Jahren starken Veränderungen unterworfen.

G

F. C. Lesser

G

F. C. Lesser, Pastor in Nordhausen, gibt in seiner Lithotheologia eine umfassende Zusammenstellung des Wissens über verschiedenste geologische Phänomene, wie Vulkanismus, Erdbeben, Gesteinsentstehung usw., und interpretiert diese im Sinne der Physikotheologie des 18. Jahrhunderts als Zeichen der Weisheit, Allmacht und Güte Gottes. C. v. Linné

G

Bei der Beschreibung und KlassiÀkation der Mineralien betont C. v. Linné die Kristallform. Er kommt dabei letztlich zu keiner grundlegenden Systematik, da er wie noch 1772 J.-B. Romé de l’Isle vornehmlich die Flächen von gleicher Form zählt und den Winkeln zwischen den Flächen keine weitere Beachtung schenkt. Er unterteilt das Mineralreich in Petrae (Steinarten), Minerae (Mineralien und Erze) und Fossilia (Fossilien und Konkretionen). Das System wird bis zur 12. Auflage 1768 nicht unbeträchtlich erweitert, bleibt aber in den Grundzügen gleich.

1736 M • P Die Bewegung eines Massepunktes wird von L. Euler erstmals mittels der Analysis untersucht und im ersten modernen zweibändigen Lehrbuch der Mechanik Mechanica . . . systematisch dargestellt. Er ersetzt damit die von I. Newton in den Principia gegebene synthetische Ableitung des Problems. Zur Behandlung der eingeschränkten Bewegung leitet er differentialgeometrische Resultate ab. L. Euler

L. Euler

M

L. Euler führt die Besselfunktion für beliebigen Index als Lösung einer Differentialgleichung ein

259

1736 – 1737

und gibt wohl erstmals die Lösung einer Differentialgleichung zweiter Ordnung als parameterabhängiges Integral an. J. Harrison

P

J. Harrison baut seine erste genau gehende, zur Längenbestimmung auf See geeigneten Uhr, die er später weiter verbessert. H.-L. Duhamel du Monceau

C

H.-L. Duhamel du Monceau weist experimentell die Verschiedenheit von „Natron“ als die dem Kochsalz zugrunde liegende Base von „Kali“ in Form des Carbonats aus Holzasche nach. Er stellt Natron rein dar und weist Steinsalz, Borax, Glaubersalz und Soda als daraus abgeleitete Salze nach. J. Hellot

C

Nach J. Hellot kann man mineralische, vegetabilische und animalische Säuren unterscheiden. F. Hoffmann

C

Nach F. Hoffmann wird bei der Metallgewinnung aus Kalken (Oxiden) ein vorher zugefügter Stoff entzogen. B • C C. M. de La Condamine bringt den Kautschuk nach Europa und gibt erste Mitteilungen über dessen Gewinnung durch die Indianer Südamerikas. C. M. de La Condamine

S. G. Malygin, A. Skuratov

G

Die Küste der Karasee von der Jugorstraße bis zum Mündungsgebiet des Ob wird von den Teilnehmern der „Großen Nordischen Expedition“, S. G. Malygin und A. Skuratov, bis 1737 kartiert und genau beschrieben. Sie setzen damit das Werk von S. V. Muravev (vgl. 1734) fort. G. F. Müller

G

Der Historiker G. F. Müller entdeckt in einem Archiv in Jakutsk den Bericht von S. I. Deschnjow über dessen Reisen (vgl. 1648) und die Entdeckung, daß Amerika und Asien nicht zusammenhängen. á cev á M. und V. Pronciš

G

Im Rahmen der „Großen Nordischen Expedition“ erkunden V. Pronácišácev und seine Ehefrau Maria, die als erste Polarforscherin gilt, die Ostküste der Taimyr-Halbinsel, entdecken die Pjotr-Insel und gelangen bis 72◦ 39 nördlicher Breite. Sie führen die erste kartographische Aufnahme der

Küste von der Lena-Mündung bis zur Mündung des Flusses Faddeja durch.

1737 L. Euler

M

L. Euler prägt den Begriff des Kettenbruchs, entwickelt eine erste zusammenhängende Theorie derselben und weist 1744 die Zahl e durch Kettenbruchentwicklung als irrational nach. L. Euler

M

Für die später von B. Riemann genau deÀnierte und untersuchte Zeta-Funktion beweist L. Euler die Identität ∞ 1 1 Ȣ (s) = ‫گ‬ ns = ɉ 1 n=1 p prim 1 − ps und 1744 eine Funktionalgleichung von Ȣ (s). C • G J. A. Cramer, der an der Universität Leiden analytische Chemie unterrichtet, beschreibt die Anwendung des Lötrohrs zur chemischen Analyse, wobei er diese Methode insbesondere im Hinblick auf die Schmelzung kleiner Stücke von Substanzen ausarbeitet. J. A. Cramer

J. Hellot

C

J. Hellot verwendet eine Lösung von Silbernitrat als sympathetische Tinte, bei der nach Sonneneinstrahlung auf das Papier die Schrift geschwärzt wird. J. G. Krammer

B

J. G. Krammer berichtet über die möglicherweise schon früher beobachtete Heilwirkung von frischem Gemüse bei Skorbut. C. v. Linné

B

C. v. Linné beschreibt in Genera plantarum 935 PÁanzen gemäß seines botanischen KlassiÀkationsschemas, des „Sexualsystems“. P. Buache

G

P. Buache verfaßt eine Abhandlung zur Verbesserung der Tiefenlinienmethode. S. P. Krašeninnikov

G

Im Auftrage J. G. Gmelins reist S. P. Krašeninnikov im Rahmen der Sibirien-Expedition (vgl. 1733) von Jakutsk über Ochotsk nach Kamtschatka und erkundet das Gebiet bis 1741. Sein Reisebericht 1755 und Stellers Beschreibung 1774 sind die ersten wissenschaftlichen Werke über Kamtschatka. Er behandelt darin die Menschen der Halbinsel, die Tiere und PÁanzen, die Vulkane

1737 – 1738

260

und heißen Quellen, die Gesteine und Mineralien sowie verschiedene Erdbeben.

er schon 1733 in einer in Latein geschriebenen Arbeit publizierte.

á á C. P. Laptev, S. I. Celjuskin, N. Cekin

D. Bernoulli

G

Als Teilnehmer der „Großen Nordischen Expeá dition“ erforschen C. P. Laptev, S. I. Celjuskin á und N. Cekin die Eismeerküste von der Lena bis zum Jenissei sowie die Taimyr-Halbinsel. Dabei á gelingt Celjuskin 1742 die Umfahrung der Nordspitze Asiens. Die Ergebnisse werden erst über 100 Jahre später bekannt. G. W. Steller

G

Zunächst als Teilnehmer der „Großen Nordischen Expedition“ unter J. G. Gmelin an Forschungen im Baikalgebiet beteiligt, reist G. W. Steller nach Kamtschatka zur Gruppe von V. Bering und erforscht bis 1741 sowie 1742–44 intensiv die Natur der Halbinsel.

um 1738 C. Maclaurin

M

Die für die Differenzenrechnung bedeutungsvolle, sog. Euler-Maclaurinsche Summationsformel wird von C. Maclaurin unabhängig von L. Euler entdeckt.

1738 W • P F. M. Voltaire stellt eine populäre Einführung in die Newtonsche Theorie Elémens de la philosophie de Newton zusammen, macht den englischen Empirismus bekannt und fördert die Auseinandersetzung mit dem Cartesischen System. F. M. Voltaire

D. Bernoulli

M • P

In der Hydrodynamica prägt D. Bernoulli erstmals den Begriff Potentialfunktion und entwickelt die Idee, aus dieser Funktion die zum Problem gehörigen Kräftekomponenten abzuleiten. L. Euler

M

P

Die Hydrodynamica des D. Bernoulli erscheint in Straßburg. Von der Erhaltung der „lebendigen Kräfte“ (kinetische Energie) ausgehend, leitet er die Geschwindigkeits-Kraft-Druck-Verhältnisse für ideale Flüssigkeiten in einem Rohr ab und stellt eine Vorform der sog. Bernoullischen Stromfadengleichung auf. D. Bernoulli

P

Beim Studium elastischer Fluida, d. h. Gase, entwickelt D. Bernoulli erste wichtige Grundvorstellungen der kinetischen Gastheorie und versucht, die Relation zwischen Wärme und Teilchenbewegung quantitativ zu fassen. Er bestimmt u. a. die Ausströmgeschwindigkeit von elastischen Fluida aus kleinen Öffnungen sowie beim Abschießen von Kugeln und leitet das Boyle-Mariottesche Gesetz ab. C. F. Cassini de Thury, G. D. Maraldi, N. L. Lacaille

P

C. F. Cassini de Thury, G. D. Maraldi und N. L. Lacaille wiederholen den Mersenneschen Versuch zur Bestimmung der Schallgeschwindigkeit und ermitteln diese zu 332 m/s. L. Euler

P

In der Preisschrift der Pariser Akademie Sur la nature du feu deÀniert L. Euler Wärme als Ausdruck der Schwingung kleinster Teilchen. P • G P. L. M. de Maupertuis berichtet über die Ergebnisse der Gradmessung in Lappland. Die Werte beweisen die Abplattung der Erde an den Polen, weichen aber stark von den theoretischen Werten ab. Die genaue Größe der Abplattung wurde nach Auswertung der Vergleichsmessung am Äquator etwa 1744 ermittelt. P. L. M. de Maupertuis

In seinen Studien über gewöhnliche Differentialgleichungen wendet L. Euler ab 1738 die Methoden des verallgemeinerten Potenzreihenansatzes, der Variation der Konstanten, des integrierenden Faktors u. a. an.

P. Artedi, C. v. Linné

A. de Moivre

Nachdem bereits J. J. Becher und vor allem J. F. Henckel in ihren Arbeiten die Auffassung einer Ablagerung der Metalle aus den unterirdischen Dämpfen in bestimmten, dazu geeigneten Gesteinen vertreten haben, entwickelt J. G. Hoffmann

M

In der zweiten Auflage des Buches Doctrine of chances gibt A. de Moivre das sog. Laplacesche Maß für die Wahrscheinlichkeit als Verhältnis der günstigen zu den möglichen Fällen an, was

B

Die von P. Artedi verfaßte Abhandlung Ichthyologia mit einer erneuerten Taxonomie der Fische wird von C. v. Linné vollendet und publiziert. J. G. Hoffmann

G

261

1738 – 1739

die Hypothese von den „Metallmüttern“, d. h. bestimmten, zur Metallbildung prädestinierten Gesteinen, weiter. E. Mentelle

G

Mit dem Buch Géographie comparée . . . wird E. Mentelle ein Wegbereiter der am Ende des Jahrhunderts aufkommenden vergleichenden Erdkunde. F. A. Minin, D. Sterlegov

G

Vom Ob-Busen aus segeln F. A. Minin und D. Sterlegov zur Jenissei-Mündung und erkunden bis 1740 teils mit Schlitten, teils mit Booten die Westküste Taimyrs. Die geplante Umschiffung der Taimyr-Halbinsel mißlingt zweimal (vgl. 1737). M. Spangberg

Zwecke, insbesondere hydrodynamische Probleme an. Die Bücher haben, obwohl kaum originell, große Wirkung. J. A. Cramer

C

J. A. Cramer beschreibt die mit Hilfe des Lötrohrs ausgeführte Boraxschmelze. J. H. Pott

C

J. H. Pott beschreibt das Element 83, Wismut, und verschiedene seiner Verbindungen. J.-B. Ch. Bouvet de Lozier

G

Im Bestreben das sog. Gonneville-Land zu Ànden, stößt J.-B. Ch. Bouvet de Lozier im Südatlantik bis zum Rand von Antarktika vor und entdeckt am 1. Januar die nach ihm benannte Bouvet-Insel.

G

Die Kurilen und der Norden von Japan werden von M. Spangberg bis 1739 erforscht. D. Tilas

G

D. Tilas legt ein Konzept zur geologischen Kartierung Schwedens vor, an dem er seit 1732 gearbeitet hat. Sein Konzept Àndet später in Deutschland und Frankreich Beachtung und Anwendung; seine eigenen geologischen Aufnahmen und Manuskripte werden 1751 bei einem Brand seines Hauses vernichtet, so daß davon nur ein geringer Teil bis 1765 veröffentlicht wird. D. Tilas

G

D. Tilas stellt fest, daß die erratischen Blöcke umso stärker gerundet sind, je weiter sie sich von ihrem Ursprungsgebiet entfernt Ànden. Er schließt daraus auf ihren Transport durch eine große Flut, zieht aber 1743, wie später C. Lyell, auch einen Transport durch schwimmende Eisberge in Betracht.

L. Euler, G. Heinsius

G

In der russischen Akademie der Wissenschaften wird unter maßgeblicher Beteiligung des Mathematikers L. Euler und des Astronomen G. Heinsius am 22. Oktober die Geographische Sektion gegründet. D. J. Laptev

G

Nach einem mißlungenen Versuch 1736 erkundet D. J. Laptev im Rahmen der Großen Nordischen Expedition (vgl. 1733) bis 1741 die Küsten Sibiriens zwischen Lena und Kolyma-Mündung und fertigt gute Karten dieser Gebiete an. 1740 erreicht er auch die Bären-Inseln. G. W. Richman

G

G. W. Richman konstatiert eine Erniedrigung der ErdoberÁäche durch die Wirkung des Wassers und durch Erdbeben, also durch exogene und endogene Kräfte.

1739/40 1739

A. Clairaut W

Die Königliche Schwedische Akademie der Wissenschaften, die sich die Förderung der Naturwissenschaften als Ziel stellt, wird im Juni in Stockholm gegründet. B. F. de Belidor

M

In den Büchern von 1729 und 1737/39 gibt B. F. de Belidor eine mathematische Formulierung der Prinzipien der Mechanik und wendet die Differential- und Integralrechnung für technische

M

In Studien zur Integralrechnung zeigt A. Clairaut, daß die gemischten partiellen Ableitungen unabhängig von der Reihenfolge der Differentiation sind, also fxy = fyx . L. Euler, A. Clairaut

M

Unabhängig voneinander geben L. Euler und A. Clairaut in Publikationen die Bedingung für die Exaktheit einer Differentialgleichung und die Methode des integrierenden Faktors an. Eulers Arbeit stammt von 1734/35.

1740

262

um 1740 M

Die elementaren Methoden zur Lösung von Differentialgleichungen erster Ordnung sind bekannt. A

Mehrere Gelehrte in England und den nordeuropäischen Ländern bemerken bei astronomischen Beobachtungen, daß ein Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Polarlichtern und Änderungen im Erdmagnetfeld besteht. G. D. Maraldi II

A

G. D. Maraldi II verbessert die Tafeln über die Bewegung der Jupitermonde. J. Hellot

C

J. Hellot entwickelt die Theorie der Färbekunst mit der Unterscheidung zwischen haltbaren und vergänglichen Farben, der Wirkung von Beizmitteln usw. J. Ward

Punkte. Bei der Entwicklung der Zweige einer Funktion in einem Vielfachpunkt führt er das sog. algebraische Dreieck ein. M • A Bei seinen wichtigen Studien über Gravitation und die Gezeiten beweist C. Maclaurin u. a., daß eine unter EinÁuß der Gravitation rotierende, homogene Áuide Masse die Gestalt eines Rotationsellipsoids annimmt. C. Maclaurin

G.-E. du Châtelet

P

Unter dem Titel Institutions de physique veröffentlicht G.-E. du Châtelet ein grundlegendes Lehrbuch der Physik in Frankreich. C. M. de La Condamine

P

Während der Gradmessung in Südamerika bestimmt C. M. de La Condamine die Schallgeschwindigkeit in Quito und Cayenne und stellt beträchtliche Differenzen zu den bekannten Werten fest.

C

J. Ward entdeckt die (katalytische) Beschleunigung der Verbrennungsreaktion von Schwefel zu Schwefeltrioxid durch die Gegenwart von Kaliumnitrat, ohne dafür eine Erklärung zu Ànden. C. Bonnet

B

C. Bonnet glaubt, an der parthenogenetischen FortpÁanzung der Blattläuse die sog. Einschachtelungstheorie, wonach aus einem Ei sämtliche nachfolgenden Generationen hervorgehen, demonstriert zu haben.

1740

A. S. Marggraf

C

A. S. Marggraf weist bei der Verbrennung des Phosphors zu Phosphorpentoxid eine Gewichtszunahme nach. A. L. Moro

B

Nach A. L. Moro beginnt die Entwicklung des Lebens im Meer. Am Anfang steht die Entstehung pÁanzlichen Lebens, gefolgt von der marinen Fauna. Nach der Entstehung der Landmassen wiederholt sich diese Reihenfolge an Land. Am Ende dieser ohne göttlichen Eingriff sich vollziehenden Entwicklung steht der Mensch.

W

Gründung der Universität von Pennsylvania in Philadelphia als Wohltätigkeitsschule. Sie erhält 1755 den Status als College und Akademie und 1779 als Universität. D. Bernoulli M • A Unabhängig von L. Euler entwickelt D. Bernoulli in der Preisschrift der Pariser Akademie eine vollständige Gleichgewichtstheorie für die Wechselwirkung zwischen Gezeiten und der Anziehung von Sonne und Mond. J. P. de Gua de Malves

M

J. P. de Gua de Malves gibt eine projektive Behandlung der ebenen algebraischen Kurven und erzielt wichtige Resultate über deren singulären

J. T. Needham

B

J. T. Needham füllt Aufgüsse von tierischen und pÁanzlichen Geweben in Flaschen, dichtet sie ab, erhitzt sie und untersucht sie später auf Mikroorganismen. Bei der Verwesung beobachtete Animalkulen erklärt er als durch Urzeugung aus im Geweben beÀndlichen „lebenden Atomen“ entstanden. G

Gründung der Stadt Petropawlowsk-Kamtschatski. Sie wird zum Stützpunkt des russischen Handels nach den Aleuten und Alaska sowie ein wichtiger Anlaufpunkt für Forschungsreisende im 18. und 19. Jahrhundert

263 G. Anson

1740 – 1741 G

Eine Erdumseglung und Kaperfahrt mit den Stationen: Le-Maire-Straße, Juan-Fernández-Inseln, Mexiko, Marianen (Tiniam-Inseln), Macao, Kap der Guten Hoffnung, Portsmouth wird von G. Anson bis 1744 vollendet. Die Fahrt bringt keine neuen Entdeckungen, erregt aber trotzdem großes Aufsehen. Die nautischen Beobachtungen bilden die Basis für die späteren Entdeckungen im SüdpaziÀk. J. M. Franz

G

Die älteste deutsche geographische Gesellschaft, die „Cosmographische Gesellschaft“, wird von J. M. Franz in Nürnberg nach dem Vorbild der von V. Coronelli geschaffenen „Accademia“ gegründet. Sie stellt sich die Förderung der Geographie sowie Kartographie in Deutschland als Aufgabe und existiert bis 1758. A. L. Moro

G

A. L. Moro gibt in seinem Werk Dei crostacei e degli altri corpi marini . . . einen systematischen Überblick über Fossilvorkommen und deren Verbreitung. Mit Bezug auf A. Vallisneri und L. F. Marsili gibt er eine stratigraphische Zusammenstellung der marinen Flora und Fauna, womit er implizit deren stratigraphische Bedeutung zum Ausdruck bringt. A. L. Moro

G

A. L. Moro teilt die Gebirge bzw. die Gesteinsschichten in primäre, durch Hebung während der ursprünglichen Wasserbed