das ende der freiheit? - Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

das ende der freiheit? - Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

AUSGABE 01 | 1. QUARTAL 2014 MAGAZIN DER HEINRICH-HEINE-UNIVERSITÄT DÜSSELDORF DAS ENDE DER FREIHEIT? „Hochschulzukunftsgesetz“ in der Diskussion T...

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AUSGABE 01 | 1. QUARTAL 2014

MAGAZIN DER HEINRICH-HEINE-UNIVERSITÄT DÜSSELDORF

DAS ENDE DER FREIHEIT? „Hochschulzukunftsgesetz“ in der Diskussion

TIERHEIM ODER ABDECKER? Mietnomaden lassen auch Tiere zurück

DIE GEFÄHRLICHE SEITE BATMANS: Welche Krankheitserreger stecken in Fledermäusen?

DIE DUSE AUS DÜSSELDORF: Edition der Briefe von Louise Dumont

Für dich ist es ein Stich und 45 Minuten deiner Lebenszeit. Für jemand anderen kann es die Entscheidung zwischen Leben oder Sterben sein. Denn: Dein Blut bedeutet Leben. Nicht nur für dich. Durch eine Blutspende kannst du ein Leben retten. Oder mehrere. Das Blutspenden schadet dir nicht. Im Gegenteil: Regelmäßiges Blutspenden regt das Knochenmark zur Blutbildung

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EDITORIAL

„Yes! We have no bananas!”, – das war der Titel eines eher ironisch gemeinten US-Schlagers aus dem Jahr 1922, als es dort tatsächlich kaum Bananen zu kaufen gab. Ein Jahr später kam er als „Ausgerechnet Bananen!“ in Deutschland auf den Markt und wurde hier ebenfalls zum Evergreen. „Ausgerechnet Bananen!“, sagten sich auch zwei Düsseldorfer BWL-Studenten und gründeten eine Firma. Mehr zu ihrem Start-up, das im fernen Australien seinen Anfang nahm, in diesem Heft. Unser Titelthema ist eine hochschulpolitische Dauergeschichte, die seit Ende letzten Jahres Universitäten, FHs, ASten und sogar die Studentenwerke im Lande beschäftigt: das von der rot-grünen nordrhein-westfälischen Regierungskoalition geplante „Hochschulzukunftsgesetz“. In welche Zukunft weist es? Beschneidet es Kompetenzen und nimmt es Freiheiten zurück, die die Vorgängerregierung den Hochschulen zugebilligt hatte? Am 6. Februar gab es in der HHU eine Podiumsdiskussion zum Thema, hochkarätig besetzt mit Landtagsabgeordneten aller Parteien und Vertretern der Universität. Mehr zum brisanten Thema auf den nächsten Seiten in unserer Titelstory. Natürlich berichten wir auch wieder aus den Fakultäten. Bei den Juristen geht es um ein seltsames Phänomen. Denn „Mietnomaden“ hinterlassen nicht nur ruinierte Wohnungen und Grundstücke. Immer öfter kommt es vor, dass der Gerichtsvollzieher bei einer Zwangsräumung nicht nur Berge von Müll vorfindet, sondern auch Tiere. Das können kleine Fische sein, aber auch kampfeslustige Pit Bulls, ja ganze Damwild- oder Pferdeherden. Wohin damit? Ins Tierheim oder zum Abdecker? Aus der Philosophischen Fakultät stellen wir Ihnen unter anderem ein Editionsprojekt zur deutschen Kulturgeschichte des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts vor: Der erste Band

Magazin 1 | 2014

Foto: Clemens Hess

Editorial

der Briefe von Louise Dumont ist erschienen. 1862 in Köln geboren, war sie zu ihrer Zeit eine gefeierte Bühnengröße. 1904 gründete sie mit ihrem Mann Gustav Lindemann das Düsseldorfer Schauspielhaus und wurde für eine ganze Generation zur Theaterprinzipalin schlechthin, einer ihrer Schüler war übrigens Gustaf Gründgens. Auf den Seiten der Naturwissenschaften taucht die Frage auf, wie gefährlich Fledermäuse für den Menschen sind. Im Fokus der Parasitologen: die geflügelten Kleinsäuger als Überträger von Viren und anderen Krankheitserregern. Außerdem berichten wir über das erfolgreiche Graduiertenkolleg „iGRADplant“ und einen internationalen Bachelor-Studiengang, eine Kooperation mit der Michigan State University in den USA. Im Medizin-Teil dieser Ausgabe geht es unter anderem um ein Modellprojekt zur Beweissicherung weiblicher Gewaltopfer. Landesweit sollen vergewaltigte Frauen durch vertrauliche und anonymisierte Spurensicherung besser unterstützt werden, federführend ist hier die Düsseldorfer Rechtsmedizin. Ich hoffe, Sie wieder neugierig auf unser Magazin gemacht zu haben, und wünsche uns allen ein erfolgreiches Sommersemester.

Rolf Willhardt Redaktionsleiter

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INHALT

TITEL „Warum soll ein erfolgreicher Weg verlassen werden?“

Diskussion zum „Hochschulzukunftsgesetz“

24 Foto: Hans-Jürgen Bauer

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SEITE 24 – 29

CAMPUS 06

Tonhallenkonzert: 25 Jahre Universitätschor

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Foto: Birgit Häfner

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Neujahrsempfang: Rektor Prof. Piper warb für „Strategie HHU 2020“ „Gut ankommen in der Lehre“ Zum Jubiläum: „O Fortuna!“

SEITE 06 – 09

FAKULTÄTEN

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Juristische Fakultät Zum Abdecker oder ins Tierheim?

Wenn Mietnomaden Tiere hinterlassen

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Medizinische Fakultät Neuer Linearbeschleuniger hilft Krebspatienten Forschungspreis 2013 an Dr. Thomas Schroeder und Janusz Joachim Jadasz 40 Prozent aller Frauen Opfer von Gewalt

Foto: tiverylucky – fotolia.com

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SEITE 10 – 44

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INHALT

FAKULTÄTEN

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Jungunternehmer vertreiben Bananenbrot

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Foto: be bananas

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Louise Dumont: Edition von Briefen und Dokumenten

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Foto: Theatermuseum Düsseldorf

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PERSONALIA

MathematischNaturwissenschaftliche Fakultät Von allen Seiten betrachtet Quantenkommunikation: Auf den „Missklang“ kommt es an Batmans gefährliche Seite: Welche Krankheitserreger stecken in Fledermäusen? Evonik-Ideenwettbewerb für Forschungskooperationen Vom Bachelor zur Promotion

Philosophische Fakultät Die „rheinische Duse“ Was haben Gene mit Wörtern zu tun? ULB: DFG-Projekt „Düsseldorfer Theaterzettel des 19. Jahrhunderts“ abgeschlossen Sozialwissenschaften: Bürgerumfrage zum Leben in Düsseldorf Examensfeier in der Philosophischen Fakultät

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Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät Ausgerechnet Bananen! Wie aus Ideen und Visionen Unternehmen von morgen werden Ihr Motto: „Passion. People. Performance“

Vier Hort-Stipendien vergeben, Neuer Kanzler: Dr. Martin Goch Verdienstkreuz für Prof. Dr. Cepl-Kaufmann, Förderpreis der Stadt für Dr. Heinze Nachrufe: Dr. h. c. U. Hartmann, Prof. em. Dr. H. Klinger, Prof. em. Dr. G. Decker Prof. Dr. Lorz hessischer Kultusminister, Ehrensenatorin Dr. Betz wurde 90, Prof. Dr. Jauch neuer Hochschulrat Jühling-Preis und Jühling-Doktorandenpreis, Reinhard- und Emmi-Heynen-Preis

Editorial Neuerscheinungen der d | u | p Impressum

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CAMPUS

Neujahrsempfang: Rektor Prof. Piper warb für „Strategie HHU 2020“ „Die Zukunft fällt uns nicht in den Schoß.“

VON INA GAWEL

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er Neujahrsempfang der Heinrich-Heine-Universität am 15. Januar fand im Glanz des umfassend modernisierten Hörsaalzentrums statt. Rund 600 Gäste besuchten die große Abendveranstaltung, die mit der Darbietung der Symphonie Nr. 2 von Jean Sibelius durch das Universitätsorchester der HHU einen würdigen musikalischen Rahmen hatte.

schaftlichen Nachwuchs. Der im Vergleich zu 2011 erreichte Zuwachs an Studierenden von 60 Prozent sei ein Meilenstein in der Geschichte der HHU. Durch die Entwicklung neuer Angebote, als Beispiele nannte Piper die Studierendenakademie und den Neubau des Studierenden Service Centers (SSC), sollten auch in Zukunft Betreuung und Beratung von erstklassiger Qualität geboten werden. Angesichts des demographischen Wandels ab 2018 sei es Ziel der Universität,

Zum neuen Jahr lädt der Rektor traditionell Gäste aus Universität, Stadt und Land zum Empfang auf den Campus. Eine Rektor: „Mehr fremdsprachige Gelegenheit, auf das vergangene Jahr zurückzublicken, vor allem aber, den Blick auf die Herausforderungen des neuen Studienangebote schaffen“ zu richten. In seiner Ansprache nahm Rektor Prof. Dr. Dr. H. Michael Piper auf die aktuelle und zukünftige Hochschulsituation die Studienangebote nicht nur den gesellschaftlichen und Bezug und mahnte zu mehr Initiative: „Die Zukunft fällt uns wirtschaftlichen Bedürfnissen anzugleichen, sondern auch noch besser auf die Nachfrage von Studieninteressierten nicht in den Schoß.“ abzustimmen. „Mehr fremdsprachige Studienangebote schaffen“, so Piper. Nachwuchswissenschaftler – als Leistungsträger der UniThema „Hochschulzukunftsgesetz“ versität – sollen durch maßgeschneiderte „Diversity“-Programme motiviert und längerfristig an die HHU Düsseldorf Dabei lag der Fokus vor allem auf den Hürden, die die HHU gebunden werden. Graduiertenschulen und weitere Modelle in den Jahren ab 2014 zu meistern haben wird: die universi- der individuellen Förderung auszubauen, sei ebenfalls ein tären Finanzierungslücken und das Kooperationsverbot für richtiger Schritt. Forschungsverbünde und mehr Kooperation seien weitere Land und Bund bei der Hochschulfinanzierung. Vor allem werde aber die Thematik des „Hochschulzukunftsgesetzes“ nicht wichtige Faktoren in der Stabilisierung und Entwicklung der spurlos an der Düsseldorfer Universität vorbeiziehen. Für die Hochschule. „Düsseldorf braucht ein neues außeruniversitäZukunftsplanung bedeute das: „Unter Einbeziehung von Stadt res Großforschungsinstitut. Ich finde, das haben wir verdient“, und Region“ eine eigene Agenda zu entwickeln, damit Lehre so Prof. Piper. Ein möglicher und erfolgversprechender Schwerund Forschung nicht nur die bisherige Qualität beibehalten, punkt: die grüne Biotechnologie. Eine Intensivierung der Zusondern in vielversprechende Themengebiete ausgebaut und sammenarbeit mit der Landeshauptstadt Düsseldorf sei ein erweitert würden. Die Heinrich-Heine-Universität müsse im wichtiges Ziel für die Zukunft. Das im vergangenen Jahr er„Kampf um Köpfe“ bestehen, sowohl bezüglich der Studieren- öffnete „Haus der Universität“ am Schadowplatz biete dafür den und potenziellen Studierende, als auch beim wissen- eine hervorragende Grundlage. Prof. Piper regte zudem ein

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Magazin 1 | 2014

CAMPUS

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2: Der Rektor verleiht die Universitätsmedaille an (v. l.): Prof. Dr. Bernd Günter, PD Dr. Hannelore Riesner und Prof. Dr. Rainer Haas. 3: Das Universitätsorchester unter der Leitung von Johannes Stert begeisterte mit einer Aufführung der 2. Symphonie von Jean Sibelius. Fotos: Wilfried Meyer

1: Neujahrsempfang 2014 der HHU Düsseldorf: Rektor Prof. Dr. Dr. H. Michael Piper (3. v. l.) und die Hochschulratsvorsitzende Anne-José Paulsen begrüßen den Düsseldorfer Oberbürgermeister Dirk Elbers (l.) und Dr. Martin Goch, neuer Kanzler der Universität. Rund 600 geladene Gäste aus Düsseldorf und der Region besuchten die Veranstaltung im modernisierten Hörsaalzentrum.

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„Zukunftsforum HHU“ an, bei dem die Universität gemeinsam mit Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft über die Ausrichtung der HHU diskutiert. Angesichts der großen Herausforderungen seien Ehrgeiz und Kreativität fundamentale Bestandteile des Zukunftsplans „Strategie HHU 2020“ der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Der Hochschule stehen ereignisreiche Jahre bevor, aber: „Auch ein Drache steigt nur gegen den Wind.“ Im Rahmen der Veranstaltung wurde die Universitätsmedaille an drei Persönlichkeiten verliehen, die sich besonders um die Universität verdient gemacht haben: Prof. Dr. Bernd Günter wurde für sein Engagement als Dekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät von 2009 bis 2013 geehrt. Prof.

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Dr. Rainer Haas erhielt die Medaille für die Entwicklung des Universitätstumorzentrums zu einem von der Deutschen Krebshilfe ausgezeichneten Onkologischen Spitzenzentrum. Privatdozentin Dr. Hannelore Riesner wurde für ihre Arbeit als Botschafterin für Stipendien geehrt. Zum Abschluss seiner Rede überreichte der Rektor die Inaugurationsurkunde an Dr. Martin Goch, neuer Kanzler der Universität. Das Universitätsorchester trug unter der Leitung von Johannes Stert zu einem gelungenen Abend bei. Gespielt wurde die Symphonie Nr. 2 von Jean Sibelius. „Kein Ton zu viel“, hatte Stert versprochen. Gerne hätten die Gäste noch länger gelauscht.

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CAMPUS

„Gut ankommen in der Lehre“ Foto: Studiendekanat Medizin

Das „iQu-Projekt: E-Learning in der Medizinischen Fakultät

Dreimal im Semester treffen sich, fakultätsübergreifend, Mitarbeiter, die an der Universität mit dem Handlungsfeld E-Learning betraut sind, und E-Learning-interessierte Lehrende zu den E-Teaching-Netzwerktreffen. „Die Thematik ‚E-Learning‘ ist das einigende Band, wir haben tatsächlich ein Netzwerk aufgebaut“, so Prof. Dr. Ulrich Decking, Studiendekan der Medizinischen Fakultät (ganz links im Bild).

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as „iQu-Projekt“ ist eine fakultätsübergreifende „integrierte Qualitätsoffensive“ in Lehre und Studium an der Heinrich-Heine-Universität. Sie ist Teil eines „Qualitätspaktes Lehre“, der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung getragen wird. Nach Düsseldorf fließen bis 2016 ca. 9,1 Mio. Euro. Eines der Handlungsfelder von „iQu“ ist das E-Learning.

Fertigkeiten hat das E-Learning office medizin zum Beispiel einige Videos für den Famulaturreifekurs produziert. Darin werden verschiedene Untersuchungstechniken mustergültig demonstriert, damit sich die Studierenden optimal auf die praktische „OSCE“ (Objective Structured Clinical Examination)-Prüfung oder ihre Famulaturen vorbereiten können. „Im Vorfeld der Prüfung stellen wir interaktive Selbstüberprüfungsfragen ins Im Studiendekanat der Medizinischen Netz. Das Material wird von den DozenFakultät gibt es sogar ein eigenes ten selbst erstellt. Wir liefern die me„E-Learning-office“, dort ist Beate Meinert Ansprechpartnerin, sie arbeitet eng Interaktive Selbstübermit Prof. Dr. Ulrich Decking, dem Geschäftsführer des Studiendekanats und prüfungsfragen im Netz stellvertretenden Studiendekan, zusammen. Dessen Erfahrung: „Die Lehrenden beschäftigen sich mit E-Learning, wenn dientechnische Unterstützung für die ihre Studierenden das von ihnen for- Hochschullehrer. Damit unsere Studiedern. Und das tun sie heute so gut wie renden, wie die Lehrenden, ‚gut ankomimmer, sie sind regelrecht heiß darauf!“ men in der Lehre‘.“ Beate Meinert, Diplomingenieurin für Keine Frage: E-Learning ist mittlerweile ein elementarer Bestandteil der Ton- und Bildtechnik: „Die Aufbereitung Hochschullehre, „es geht um eine mög- ist dann unsere Sache, wir unterstützen lichst gute Visualisierung, dazu eignet in Technik und Gestaltung.“ Das geht am sich E-Learning ideal“, so Decking. Im Auf- besten im Team, ist ihre Erfahrung. Über trag des Trainingszentrums für ärztliche das „iQu-Projekt“ werden im Studien-

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dekanat der Medizinischen Fakultät drei Bereiche finanziert: „Hochschuldidaktik“, „E-Learning“ sowie „Studierbarkeit“ (Evaluation). Und im zweiwöchigen Rhythmus treffen sich, fakultätsübergreifend, alle Mitarbeiter, die an der Universität mit dem Handlungsfeld E-Learning betraut sind; „gemeinsam lassen sich Probleme eben am besten lösen“, so Meinert. „Diese Treffen mit Kurzberichten und Diskussionen haben den fakultätsübergreifenden Diskurs ungemein belebt, die Thematik E-Learning ist das einigende Band, wir haben jetzt tatsächlich ein Netzwerk aufgebaut“, ergänzt Decking. Die dreimal pro Semester angebotenen E-Teaching-Netzwerktreffen werden vom „E-Team“ inhaltlich vorbereitet und einzelne Projektgruppen werden als Referenten für Praxisberichte eingeladen, pro Termin kommen ca. 25 Interessierte. Bisweilen richten die Lehrenden Fragen an das E-Learning-office, die Beate Meinert nicht sofort beantworten kann, „dann vermitteln wir Ansprechpartner, wir finden auf jeden Fall eine Lösung.“ Das E-Learning-Team bietet technischen Support und gemeinsam mit dem Handlungsfeld „Hochschuldidaktik“ auch

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CAMPUS

Kurse für effektiven Medieneinsatz in der Lehre an. Der Arbeitsbereich Medizindidaktik schulte alleine im letzten Jahr 300 Lehrende für die Umsetzung des „task based learning“ (auf den Behandlungsanlass bezogene Lehre), so Decking. Diese Schulung wurde von den Medizindidaktikern um Priv.-Doz. Dr. Matthias Hofer durchgeführt, das E-Learning office medicine hat dafür Videos von beispielhaften Szenarien im Klinikalltag gedreht, um die Dozenten auf zukünftige Situationen durch die neuen Anforderungen im Modellstudiengang vorzubereiten. In einer iQu-Ar-

beitsgruppe aus Mitarbeitern mehrerer gesamte Universität zu entwickeln, so Handlungsfelder entstand ein Info-Falt- Prof. Decking. „E-Learning ist da ein ideblatt und eine eigene Website (www. aler erster Baustein.“ R. W. ique.hhu.de/lehre), um neuen Lehrenden eine schnelle Orientierung zu geben. INFOS „Aber auch Dozenten, die schon lange Jahre an unserer Universität unterrichiQu-Projekt ten, finden sicherlich neue Informatioiqu.hhu.de/lehre nen, Ansprechpartner und InspiratioeLearning office medicine nen, wie sie ihre Lehre durch vorhandene medizin.hhu.de/eteaching Möglichkeiten und Angebote noch verE-Learning der HHU bessern können“, so der Studiendekan. elearning.hhu.de Ziel aller am „iQu-Projekt“ Beteiligten Termine und Informationen sei es, über die E-Learning-Strategie ei- zu den E-Teaching-Netzwerktreffen ne gemeinsame Lehrstrategie für die elearning.hhu.de/netzwerktreffen

Zum Jubiläum: „O Fortuna!“ Fotos: Birgit Häfner

„Carmina Burana“: Umjubeltes Konzert des Uni-Chores in der Tonhalle

Mathias Staut hatte die Gesamtleitung und führte Chor und Orchester zu einem umjubelten Finale: „O Fortuna!“ (links) Mit einem Festkonzert in der Düsseldorfer Tonhalle feierte am 8. Februar der Universitätschor sein 25-jähriges Bestehen. Auf dem Programm: Carl Orffs „Carmina Burana“. (rechts)

Düsseldorfs gute Stube war ausverkauft, selbst Und das begann dann auch den Abend mit die Ränge der Tonhalle waren besetzt. Mit ei- einem hinreißenden Tschaikowski, der Fantasienem umjubelten Konzert feierte der Chor der Ouvertüre zu „Romeo und Julia“. Wieder stand, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf am 8. Fe- in Vertretung von Silke Löhr, Johannes Stert am Pult und führte den Klangkörper mit der ihm eigenen schwungvollen Intensität. 120 Stimmen, ein Kinderchor Dann das Hauptwerk des Konzertes, Carl Orffs monumentaler mittelalterlicher Bilderbogen „Carund das Uni-Orchester mina Burana“. Die 120 Stimmen des Chores wurden ergänzt durch den Kinder- und Jugendbruar 2014 sein 25-jähriges Bestehen. Zur Seite chor des Düsseldorfer Görres-Gymnasiums, die standen den vokalen Musici bei ihrer Jubiläums- Gesamtleitung hatte Mathias Staut. Die Soloveranstaltung ihre instrumentalen Gefährten: partien sangen Lena-Maria Kramer (Sopran), Begleitet wurde der Chor vom Universitätsor- Boris Pohlmann (Tenor) und Sebastian Klein chester. (Bariton). R. W.

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Konzertreise nach Kanada Als klingender Botschafter seiner Hochschule unternimmt der Universitätschor Düsseldorf im Sommer 2014 eine Konzertreise nach Kanada. Mit A-cappellaWerken deutschsprachiger Komponisten aus fünf Jahrhunderten gastiert der Chor u. a. in Vancouver und Victoria. Da der Chor sich hauptsächlich aus Studierenden zusammensetzt, benötigt er für die Reise noch dringend finanzielle Unterstützung.

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JURISTISCHE FAKULTÄT

Zum Abdecker oder ins Tierheim? Was ist, wenn Mietnomaden nicht nur Müll hinterlassen, sondern auch Tiere? Zum 1. Mai 2013 trat das Mietrechtsänderungsgesetz in Kraft. Einer der zentralen Punkte der Novellierung: effektiveres Vorgehen gegen „Mietnomaden“. Was aber tun, wenn der Gerichtsvollzieher bei der Vollstreckung einer Räumung nicht nur eine zugemüllte Wohnung vorfindet, sondern auch Tiere? Mit dieser Thematik befasste sich die Antrittsvorlesung von Junior-Professorin Dr. Dorothee Endriss (Bürgerliches Recht). Ihr Titel: „Abdecker oder Gnadenbrot – Wohin mit dem Damwild? Tiere als Vollstreckungshindernis“. VON ROLF WILLHARDT

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ie Situation kann vertrackt sein. Zum Beispiel, wenn ein Grundstück zwar geräumt ist, der Mietschuldner aber eine stattliche Damwildherde mit 70 Tieren hinterlassen hat. Mit diesem Fall musste sich unlängst der Bundesgerichtshof befassen. Das Oberlandesgericht Karlsruhe hatte zu entscheiden, wie damit zu verfahren ist, wenn sich auf dem Grundstück, das geräumt werden sollte, ein regelrechter Bauernhof mit über 100 Tieren befindet, darunter 29 Gänse, 16 Enten, 32 Hühner, 8 Stallhasen, 6 Katzen, 10 Wellensittiche und, nicht zu vergessen, 25 befruchtete Eier in einem Brutapparat. Jun.-Prof. Endriss: „Die Behandlung von Tieren im Rahmen der Räumungsvollstreckung stellt sich unter mehrfachen Gesichtspunkten als kompliziert dar. Zuerst ist da das dogmatische Problem, auf welchem rechtlichem Fun-

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dament die Entfernung von Tieren von Grundstücken überhaupt fußt, sprich, ob das gesetzliche Regime über die Behandlung beweglicher Sachen im Rahmen der Zwangsvollstreckung Anwendung findet.“

Wer ist zuständig? Der Gerichtsvollzieher? Das Ordnungsamt? Und wer ist überhaupt zuständig? Der Gerichtsvollzieher? Oder hat das zuständige Ordnungsamt „im Rahmen der Gefahrenabwehr“ die Pflicht, einzuschreiten? „Daran schließt sich die Gretchenfrage an, wer die Kosten von Transport und Unterbringung der Tiere übernehmen muss“, so Endriss. „Diese Kosten können fünf-, mitunter sogar sechsstellige Beträge erreichen“, unter anderem wegen der nicht zuletzt durch den Tierschutz gebotenen artgerechten Unterbringung oder wegen möglicher Gefahren für die Allgemeinheit, die von ihnen ausgehen. „Besonders drastisch handelte eine Gerichtsvollzieherin in einem Fall, den das Amtsgericht Eschwege zu entscheiden hatte. Sie machte die Durchführung der Zwangsvollstreckung davon abhängig, dass der Vollstreckungsgläubiger für die verbleibende Lebensdauer der weggeschafften Tiere – sechs Kampfhunde – nicht weniger als 200.000 Euro für die zehnjährige Unterbringung der Tiere leisten sollte.“ Einen anderen Fall hatte das Landgericht Ingolstadt zu entscheiden. Ein Schuldner hinterließ auf dem Grundstück, das geräumt werden sollte, 13 Reitpferde. „Der Grundbesitz stellte die einzige Einnahmequelle des Gläubigers durch Verpachtung dar. Deshalb hätte ein Verkauf zur

Magazin 1 | 2014

Foto: istockphoto.com – Somogyvari

JURISTISCHE FAKULTÄT

Das Landgericht Ingolstadt musste 1998 einen Fall entscheiden, bei dem der Schuldner auf dem zu räumenden Grundstück 13 Reitpferde hinterlassen hatte. Immer wieder sehen sich Gerichtsvollzieher bei Zwangsräumungen mit Tieren konfrontiert. Tendenz steigend.

Eine „klassische Räumung“ sieht vor, dass der Gerichtsvollzieher bewegliche Sachen aus der Wohnung in eine Pfandkammer bringen lässt. Offensichtlichen Müll kann er vernichten. Aber dürfen die Vorschriften über die Behandlung beweglicher Sachen bei der Räumungsvollstreckung auch auf Tiere angewandt werden? Endriss: „Der Gesetzgeber hat es im Rahmen der Mietrechtsnovelle versäumt, eine klarstellende Regelung zu bringen. Verwaltungsgerichtliche und zivilgerichtliche Rechtsprechung und Literatur beschreiten insoweit völlig uneinheitliche Lösungswege.“ Einmal gibt es die Ansicht, dass das zuständige Ordnungsamt für eine Unterbringung der Tiere zu sorgen hat. „Durch die Zwangsvollstreckung drohe eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung bzw. eine Verletzung des Tierschutzgesetzes.“ Dann vertreten einige Juristen die Meinung, der Gerichtsvollzieher kön-

„DER GESETZGEBER HAT ES IM RAHMEN DER MIETRECHTSNOVELLE VERSÄUMT, EINE KLARSTELLENDE REGELUNG ZU BRINGEN.“ Jun.-Prof. Dr. Dorothee Endriss Finanzierung des Kostenvorschusses in Höhe von ca. 50.000 Euro dem Gläubiger seine einzig noch verbleibende Einnahmequelle genommen“, so Endriss. Zwar steht dem Gläubiger eine Erstattung durch den Schuldner zu, „aller-

Grundstück mit Reitpferden dings lässt sich dieser Anspruch insbesondere in den Fällen, in denen der Vermieter seine Kündigung auf den Grund des Zahlungsverzuges gestützt hat, kaum realisieren.“

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Fotos: tiverylucky – fotolia.com, istockphoto.com – PaulTessier

JURISTISCHE FAKULTÄT

Ob Kampfhunde oder eine Damwildherde: Wohin mit den Tieren bei einer Zwangsräumung?

ne die Tiere einfach in die Freiheit entlassen. Endriss: „Allein die Gefährdung des Straßenverkehrs kann man sich angesichts der erwähnten Fallbeispiele – sechs Kampfhunde, 108 Tiere oder eben eine Damwildherde – plastisch vor Augen führen. Jeder vernünftig denkende Gerichtsvollzieher würde sich im Übrigen weigern, da er sich unter Umständen wegen Tierquälerei strafbar machte. Es ist ja schon nicht gestattet, die Möbel des Schuldners einfach auf die Straße zu stellen. Das gilt erst recht für Tiere.“

An der Tötung der Tiere scheiden sich die Geister Ein anderer Ansatz ist die Überlegung, die Tiere vor der Räumung zu pfänden oder zu versteigern. Dem allerdings steht nach Ansicht von Jun.-Prof. Endriss häufig die Zivilprozessordnung entgegen, „wonach Tiere, die im häuslichen Bereich und nicht zu Erwerbszwecken gehalten werden, grundsätzlich nicht gepfändet werden dürfen. Deshalb scheiden Hunde, Katzen, Hamster, Kanarienvögel regelmäßig aus.“ Bei der brisanten Frage, ob eine konsequente An-

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wendung der „vollstreckungsrechtlichen Vorschriften als Ultima Ratio auch die Tötung der Tiere rechtfertigt, scheiden sich die Geister“, so Endriss. Eine Tötung, sprich: Vernichtung, so die Vertreter dieser Ansicht, müsse fachgerecht und schmerzlos erfolgen. Das Tierschutzgesetz verbiete nur die Tötung „ohne vernünftigen Grund“, es verdränge die Vorschrift des Mietrechts keineswegs. Ein Problem stellt die „Verwahrungsstätte“ dar, ein herkömmliches „Pfandlokal“ sei kaum für Tiere geeignet, meinen die einen. Andererseits, so Endriss, eröffne das neue Mietrecht durchaus die Möglichkeit einer „anderweitigen Verwahrung“. „Es kann sich mithin auch um eine den Bedürfnissen von Tieren angepasste Unterkunft handeln, etwa Stallungen oder Tierheime.“ Der Gerichtsvollzieher, so der Bundesgerichtshof, muss „den Belangen des Tierschutzes Rechnung tragen, wenn er Tiere wegschafft oder in Verwahrung nimmt.“ Zugespitzt formuliert: Hat der Gerichtsvollzieher die Tiere gesehen, wird er sich erst einmal erkundigen, wo er die Koi-Fische, Pit-Bull-Terrier, Leguane, Reitpferde oder sonstiges Getier artgerecht unterbringen kann. Beim Begriff des „Verwahrens“ wird angeführt, dass er nicht den Bereich der Tierpflege

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neutraler Dritter den Schutz der Interessen aller Beteiligten gewährleisten. Der Gläubiger stünde der Zwangsräumung aber niemals so neutral gegenüber wie ein unbeteiligter Gerichtsvollzieher, da er mit der „Vollziehung des Räumungstitels“ ausschließlich eigene wirtschaftliche und persönliche Interessen verfolge. Die Novelle des Mietrechts sieht eine Lagerung der gepfändeten „Sachen“, also auch von Tieren, für die Dauer von einem Monat vor (bislang zwei Monate). Der Schuldner kann in dieser Frist die Gegenstände gegen Zahlung der dafür entstandenen Kosten zurückfordern. Ist diese Karenzzeit beendet, kann der Gerichtsvollzieher bzw. der Gläubiger die „Sachen“ verkaufen. Räumungsvollstreckung und Endriss: „Das gilt auch dann, wenn es sich bei den eingelagerten Sachen um untergebrachGrundrechte des Schuldners te Tiere handelt. Soweit ein Verkauf ausscheidet, kommt lediglich eine Vernichtung in BeAufgrund der Mietrechtsnovelle kann neben tracht. Dieses Instrument steht bei Tieren meidem Gerichtsvollzieher auch der Gläubiger selbst nes Erachtens wegen eines Verstoßes gegen bewegliche Sachen, die nicht Gegenstand der das Tierschutzgesetz und damit wegen InteresZwangsvollstreckung sind, wegschaffen und ver- sen der Allgemeinheit grundsätzlich nicht zur wahren. Fordert der Schuldner sie nicht binnen Verfügung. Gerade diese Frage wird allerdings einer Frist von einem Monat nach der Besitzein- kontrovers diskutiert.“ räumung ab, darf er die Sachen verwerten und – falls dies nicht möglich ist – vernichten. Vermieter bezahlt Tierschutz Endriss äußert im Hinblick auf die neu eingeführten Vorschriften der § 885a Abs. 3 und 4 Zivilprozessordnung (ZPO) verfassungsrechtZwangsvollstreckungskosten sind, so Endriss, liche Bedenken. Eine Maßnahme im Rahmen der Räumungs- demnach: „Die Kosten der Verbringung der Tievollstreckung greife nämlich häufig unmittelbar re in die artgerechte Verwahrung sowie Pflegein Grundrechte des Schuldners ein (z.B. Schutz und Unterbringungskosten für die Dauer der der Wohnung, Schutz des Eigentums, Schutz der einmonatigen Aufbewahrung nebst einer Karenzzeit von etwa zwei Wochen, die der GerichtsPrivatsphäre des Schuldners). § 885a ZPO dürfte als verfassungsrechtliche vollzieher für Verkaufsbemühungen der Tiere Rechtfertigung ausscheiden, da sie gegen die benötigt. Danach ist das VollstreckungsverfahKernaussage des Artikels 33, Absatz 4 des ren beendet.“ Fest steht, dass die zum Teil immensen KosGrundgesetzes verstoße. Danach obliege die Ausübung hoheitlicher Befugnisse als ständige ten für die Unterbringung der Tiere – zumindest Aufgabe „in der Regel“ Berufsbeamten. Der Staat teilweise – der Gläubiger trägt. „Zynisch ausgehalte das Zwangsvollstreckungsmonopol gerade drückt: Letztendlich muss der Vermieter den deshalb inne, weil die handelnden Organe als Tierschutz bezahlen“, so die Juristin.

Illustration: Fabio Meroni / studio Slash – The Noun Project

JURISTISCHE FAKULTÄT

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umfasse. „Insoweit bedürfe es einer sachkundigen Person, welche die Tiere füttert, reinigt, je nach den speziellen Bedürfnissen des Tieres ausführt oder trainiert, in einer bestimmten Raumtemperatur hält oder schlicht anspricht“, referiert Endriss. „Dem lässt sich entgegenhalten, dass auch Zimmerpflanzen der Pflege bedürfen, wenn sie nicht eingehen sollen. Es wird jedoch niemand meinen, dass eine Räumungsvollstreckung daran scheiterte, dass der Schuldner sich weigert, seine Kakteensammlung oder sein Usambaraveilchen in Empfang zu nehmen.“

Jun.-Prof. Dr. Dorothee Endriss Die Juristin wurde 1972 in Heidelberg geboren. Sie studierte Rechtswissenschaften an den Universitäten Bochum und Münster, das erste Staatsexamen legte sie 1997 ab. Den Referendardienst absolvierte sie am Oberlandesgericht Hamm, Landgericht Essen. 1999 erfolgte das zweite Staatsexamen. Bis 2001 war Endriss dann an der HHU Düsseldorf wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Bürgerliches Recht und Zivilprozessrecht (Prof. Dr. Dirk Olzen). 2002 wurde sie mit der Arbeit „Der Miterbe als Nachlassgläubiger“ promoviert. Seit 2002 ist sie als Richterin am Landgericht Essen tätig (zurzeit beurlaubt).

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MEDIZINISCHE FAKULTÄT

Foto: Novalis

Neuer Linearbeschleuniger hilft Krebspatienten

Linearbeschleuniger der neuesten Generation im Universitätsklinikum Düsseldorf: Prof. Dr. Hans-Jakob Steiger, Direktor der Neurochirurgischen Klinik (links), und Prof. Dr. Wilfried Budach, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie, setzen das Gerät bei Patienten mit vor allem tiefliegenden Körperund Hirntumoren ein.

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as Universitäts-Tumorzentrum des UKD setzt in der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie unter der Leitung von Prof. Dr. Wilfried Budach einen Linearbeschleuniger der neuesten Generation zur Bestrahlungstherapie bei Tumorerkrankungen ein. Das Gerät ermöglicht die Bestrahlung vor allem tiefliegender Körper- und Hirntumoren mit größtmöglicher Präzision und höchstmöglicher Dosierung, die durch die seine spezielle Technologie ermöglicht wird.

Größe und Lage des Tumors Der Linearbeschleuniger bewegt sich um den Körper herum und gibt Strahlen aus der jeweils benötigten Position auf das Zielgebiet ab. Die Kombination mehrerer Systeme zur Bildgebung und Positionierung des Patienten liefert detaillierte Information über Größe und Lage des Tumors. Der Behandlungsstrahl passt sich exakt an den Tumor an, kleinste Atem- und Körperbewegungen können einbezogen werden. Die Novalis Radiochirurgie-Technik gilt zusammen mit dem sog. Cyber- bzw. Gammaknife heute weltweit als bestmöglicher Standard für die Strahlentherapie, die entweder allein oder in Kombination mit operativen Eingriffen und Chemotherapien eingesetzt werden kann.

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Durch die spezialisierte computergestützte Technologie wird eine Präzision erreicht, die es ermöglicht, eine hohe Strahlendosis einzusetzen. So verringert sich die Zeit, die der Patient bestrahlt werden muss, von über einer Stunde auf 15 bis 20 Minuten. Die Belastung für Patienten ist trotzdem kleiner, die Bestrahlung kann ambulant erfolgen, die Nebenwirkungen sind gering. Ein wichtiges Einsatzgebiet dieser Behandlung sind Hirntumoren und Tumoren an der Wirbelsäule. Im Zentralen Nervensystem sind entscheidende und gleichzeitig besonders empfindliche Strukturen betroffen. Die Ärzteteams von Strahlentherapie und Neurochirurgischer Klinik unter Leitung von Prof. Dr. Hans-Jakob Steiger arbeiten Hand in Hand und entscheiden gemeinsam, ob ein Patient chirurgisch, radiochirurgisch oder kombiniert behandelt werden soll. Auch Fälle, die bisher als inoperabel oder nicht behandelbar eingestuft waren, können ggf. einer erneuten Prüfung auf eine Behandlungsoption unterzogen werden. Das Universitäts-Tumorzentrum hat sich aufgrund des breiten Anwendungsspektrums, auch bei inoperablen Tumoren, für diese Technologie entschieden, die nun erstmals auch Patienten der Region am Düsseldorfer Universitätsklinikum angeboten werden kann. S. D. Kontakt: Uniklinik Düsseldorf, Prof. Dr. Wilfried Budach, Tel. 0211 81-17990, Prof. Dr. Hans-Jakob Steiger, Tel. 0211 8117910

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MEDIZINISCHE FAKULTÄT

Forschungspreis 2013 an Dr. Thomas Schroeder und Janusz Joachim Jadasz

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ist. Betroffene Patienten haben ein hohes Risiko, im Verlauf ihrer Erkrankung eine Leukämie zu entwickeln. An der Düsseldorfer Uniklinik gibt es einen seit Jahren etablierten Schwerpunkt der Forschung zur Entstehung und Entwicklung von MDS, der maßgeblich von der Deutschen Krebshilfe gefördert wird. Bisherige Untersuchungen beschäftigten sich überwiegend mit der Charakterisierung von Blutzellen, für deren Reifung vor allem die mesenchymalen Stromazellen eine wichtige Rolle spielen. Dr. Thomas Schroeder konnte in seiner Arbeit erstmalig zeigen, dass diese Zellen bei Patienten mit MDS in ihrer Wachstums- und Teilungsfähigkeit signifikant eingeschränkt sind und daher an der Entstehung der Blutbildungsstörungen mitverantwortlich sein dürften. Die Multiple Sklerose (MS) ist die häufigste Ursache für eine bleibende neurologische Behinderung mit Lähmungserscheinungen und Erblindung im jüngeren Erwachsenenalter. Sie ist eine Autoimmunerkrankung des zentralen Nerven-

systems (ZNS), bei der das fehlgeleitete Immunsystem die Markscheiden des Gehirns und Rückenmarks angreift und zerstört. Bedeutende Beiträge zur Regeneration des ZNS leistete Janusz Joachim Jadasz: So hat er etwa zwei neue Mecha-

Stammzellforschung nismen zur Differenzierung von Stammzellen identifiziert, die eine wichtige Rolle bei Zellersatztherapien für MS und akute Rückenmarksverletzungen wie Querschnittslähmung darstellen könnten. Die 2005 von dem Düsseldorfer Unternehmer Friedrich-Wilhelm Hempel und seiner Familie gegründete Christiane und Claudia Hempel-Stiftung fördert wissenschaftliche Arbeiten und neue Forschungsvorhaben auf dem Gebiet der Stammzellforschung. Verwaltet wird sie von der Gesellschaft von Freunden und Förderern der HHU Düsseldorf e.V. A.G.

Foto: Uli Oberländer

ür ihre zukunftsweisenden Forschungen zur Entwicklung neuer Therapieansätze bei Erkrankungen des Knochenmarks und Nervensystems wurden zwei Forscher des Universitätsklinikums Düsseldorf am 30. Januar 2014 mit dem diesjährigen Forschungspreis der Christiane und Claudia Hempel-Stiftung ausgezeichnet. Dr. Thomas Schroeder, Klinik für Hämatologie, Onkologie und Klinische Immunologie, erhielt den Preis für seine Ursachenforschung zu Blutbildungsstörungen im Falle der Myelodysplastischen Syndrome (MDS). Janusz Joachim Jadasz, Neurologische Klinik, wurde für seine Untersuchungen zu Zellersatztherapien bei Multipler Sklerose und akuten Rückenmarksverletzungen ausgezeichnet. Der mit insgesamt 15.000 Euro dotierte Preis wurde zu gleichen Teilen an beide Preisträger vergeben. Myelodysplastische Syndrome bilden eine Krankheitsgruppe, die durch eine ineffektive Blutbildung gekennzeichnet

Verleihung des Forschungspreises 2013 am 30. Januar 2014: die Preisträger Janusz Joachim Jadasz (li.) und Dr. Thomas Schroeder (re.) mit Stifter Friedrich-Wilhelm Hempel

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MEDIZINISCHE FAKULTÄT

40 Prozent aller Frauen Opfer von Gewalt

Projekt unterstützt Frauen nach Vergewaltigung bei vertraulicher Spurensicherung

Foto: Sebastian Hoppe

Gewalt: für die Kunst kein Tabuthema. Hier eine Szene aus dem „Büchner-Projekt“ von Falk Richter, 2012 am Düsseldorfer Schauspielhaus aufgeführt: „Woyzeck“ (Thomas Wodianka) vergewaltigt und ermordet Marie (Xenia Noetzelmann).

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MEDIZINISCHE FAKULTÄT

Foto: Bündnis 90 / Die Grünen NRW

„WIR MÜSSEN ALLES TUN, UM VON VERGEWALTIGUNG BETROFFENE FRAUEN BEI IHRER PSYCHISCHEN STABILISIERUNG ZU UNTERSTÜTZEN.“ Barbara Steffens, Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter

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it einem bundesweit bisher einmaligen Projekt soll in Nordrhein-Westfalen landesweit die Unterstützung für vergewaltigte Frauen bei der vertraulichen und anonymisierten Spurensicherung (ASS) entscheidend verbessert werden. Das Modellprojekt zur Entwicklung des Gewaltopfer-Beweissicherung-Informationssystems „GOBSIS“ wird im Auftrag des Ministeriums für Gesundheit und Emanzipation vom Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Düsseldorf aufgebaut. Es soll anschließend zunächst von fünf Partnerkliniken sowie ausgewählten gynäkologischen Praxen in unterschiedlichen Regionen in Nordrhein-Westfalen auf Praxistauglichkeit getestet werden.

sicherstellen, dass alle erforderlichen Schritte zur vertraulichen Spurensicherung rechtssicher und datenschutzkonform erfolgen. Ärztinnen und Ärzte sowohl im niedergelassenen Bereich als auch in gynäkologischen Notfallambulanzen, die Unsicherheiten beim richtigen Umgang mit Gewaltopfern verspüren, können sich nicht nur anhand von Checklisten und elektronischen Befunddokumentationen Hilfe holen. Im Bedarfsfall können sie sich auch jederzeit mit einer Fachkraft für Rechtsmedizin in Verbindung setzen.

Patientenzentrierter Ansatz

„Aus ärztlicher und wissenschaftlicher Sicht ist zu erwarten, dass dieses innovative Projekt mit seinem interdisziplinären und patientenzenVerurteilung darf nicht an trierten Ansatz einen wesentlichen Beitrag zur Beweismangel scheitern nachhaltigen Verbesserung der medizinischen und psychosozialen Versorgung von Gewalt„Wir müssen alles tun, um von Vergewalti- opfern leistet“, erklärte Prof. Dr. Stefanie Ritzgung betroffene Frauen bei ihrer psychischen Timme, Direktorin des Institutes für RechtsmeStabilisierung zu unterstützen. Dazu gehört, dass dizin im Universitätsklinikum Düsseldorf, zum Opfer von sexualisierter Gewalt nicht befürch- Start des Projektes. ten müssen, bei einer späteren Strafanzeige gegen ihren Peiniger zu erleben, wie eine Verurteilung aus Mangel an Beweisen scheitert“, erklärte Flächendeckendes Projekt Ministerin Barbara Steffens im Januar zum Prozur anonymen Spurensuche jektstart in Düsseldorf. „Viele Frauen wenden sich nach einer Gewalterfahrung nicht zuerst an „GOBSIS kann das Kernelement eines flächendie Polizei, sondern an Ärztinnen und Ärzte. Dort soll ihnen mit Hilfe von GOBSIS ein ver- deckenden Projekts zur anonymen Spurensichelässlicher Weg eröffnet werden, wie sie gerichts- rung werden, in das die Erfahrungen der derzeit feste Beweise vertraulich sichern lassen können. 15 in Nordrhein-Westfalen aktiven regionalen AnDamit wollen wir auch erreichen, die Bereitschaft gebote zur anonymen Spurensicherung einfliezur Anzeige bei den betroffenen Frauen insge- ßen“, betonte Ministerin Steffens. „Insbesondere den Frauennotrufen kommt dabei für die Elesamt zu erhöhen“, so Steffens weiter. GOBSIS soll unter Nutzung modernster In- mente der psychosozialen Beratung, der Vernetformations- und Kommunikationstechnologien zung der Hilfesysteme und der Öffentlichkeitsaufgebaut und erprobt werden. Das System soll arbeit eine besondere Bedeutung zu.“ MGEPA

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Frauen als Gewaltopfer Studien weisen darauf hin, dass 40 Prozent aller Frauen in Deutschland im Laufe ihres Erwachsenenlebens (ab dem 16. Lebensjahr) Opfer von Gewalt werden. Viele Opfer von sexualisierter Gewalt entscheiden sich, wenn überhaupt, erst mit erheblichem zeitlichem Abstand zur Tat für eine Strafanzeige. Die vertrauliche und anonymisierte Spurensicherung sorgt dafür, dass auch dann noch die notwendigen Beweise verfügbar sind. GOBSIS wird vom Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Düsseldorf entwickelt und soll möglichst bereits ab dem Sommer in die Erprobungsphase mit den ausgewählten Kliniken und Praxen gehen.

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Ausgerechnet Bananen! Illustration: Anna Weiss – The Noun Project

Ein Australientrip machte aus zwei BWL-Studenten Unternehmensgründer

Die Firmengeschichte, wird sie einmal geschrieben, führt ans andere Ende des Globus: in ein australisches Fast-Food-Restaurant. Ergebnis ist eine Ausgründung der HHU Düsseldorf. Die jungen Start-up-Unternehmer sind die BWL-Studenten Lars Peters und Tim Gudelj, beide 25. Ihre Geschäftsidee: Produktion und Vertrieb von Bananenbrot. Ihre Firma nannten sie „be bananas“.

VON ROLF WILLHARDT

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ie „be bananas“-Geschichte begann in Australien, wo die beiden Studenten nach ihren bestandenen Bachelor-Examina eine Auszeit über mehrere Monate nehmen wollten. Mit einem „Work-and-Travel“Visum flogen sie nach Down-Under, der Plan war, Land und Leute kennenzulernen und in der Gastronomie zu jobben. Ein Besuch in einem Fast-Food-Restaurant in Sydney wurde zum kulinarischen Schlüsselerlebnis. Alles war wie auch in den deutschen McDonald’s. Es gab Burger, Hotdogs, Pommes Frites, Chicken McNuggets, Donuts und Muffins. Nur etwas war anders. Auf der Speisekarte stand „banana bread“, Bananenbrot, was kein eigentliches Brot ist, sondern ein Kuchen in Kastenform. Die beiden Rheinländer probierten – und waren fasziniert. Das „Brot“ war saftig, mit reizvollem exotischem Aroma, erinnert sich Tim Gudelj. „Kurzum: total hipp und cool!“ Sie erkundigten sich und erfuhren bald, dass diese kulinarische Spezialität schon lange eine fest etablierte Größe in der Küche Australiens ist, in fast jedem Café, Imbiss und Fast-Food-Restaurant wird es angeboten. In Deutschland hin-

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gegen ist es nahezu unbekannt. „Plötzlich hatten wir eine Mission – nein, Obsession!“, erinnert sich Lars Peters. „Wir müssen Bananenbrot nach Deutschland bringen!“

Geschäftsidee im Gepäck: Aber wer sollte die Brote backen? Voller Motivation und Zuversicht brach das Team nach viereinhalb Monaten vorzeitig den Australienaufenthalt ab und flog mit einer eher exotischen Geschäftsidee im Gepäck nach Deutschland zurück. Aber beide waren BWL-Studenten und keine Bäcker. Wer sollte also die Brote produzieren? Tim Gudelj und Lars Peters recherchierten in Düsseldorf und Umgebung, knüpften Kontakte, stellten sich bei Unternehmen vor, „auch Bäckerei-Ketten waren dabei, die haben uns erst belächelt, aber das Produkt sprach dann für uns und überzeugte selbst Großbetriebe“, so Peters. Schließlich entschieden sie sich

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Fotos: be bananas

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1: Bananenbrot: Eine Hildener Traditionsbäckerei produziert die australische Spezialität.

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2: Bananenbrot mit Schokolade: ein Experiment der beiden Jungunternehmer und BWL-Studenten.

3: Der „Klassiker“: „banana bread“ ist eigentlich kein Brot, eher ein saftiger Kuchen in Kastenform.

4: Die Blaubeeren-Version. Sie und die Schoko-Variante verkaufen sich besonders gut.

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Foto: be bananas

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1: Natürlich hat das junge Unternehmen auch ein Logo. Begleitet wurde das Gründerteam von der Düsseldorfer Innovations- und Wissenschaftsagentur DIWA, die gemeinsam von der Universität und der Stadt getragen wird. 2: Das Sortiment von „be bananas“: Die Preise bewegen sich zwischen vier und sechs Euro. Neben dem Thekenverkauf in den 16 Bäckereifilialen bieten auch Gastronomiebetriebe in Düsseldorf und Köln das exotische Brot an.

pital. Die hatten sie nicht. Also gingen sie zum Notar und machten für „be bananas“ einen Vertrag als UG, als „Unternehmergesellschaft“. „Das ist sozusagen eine MiniGmbH, die schon mit einem Euro Kapital arbeiten kann, aber juristisch geschäftsfähig ist“, erklärt Lars Peters. „Mit unserem Gewinn werden wir dann demnächst genug verdient haben, um eine klassische GmbH zu gründen.“ Die Vertragsunterzeichnung datierte auf den 28. Januar 2013, Produktion und Verkauf begannen im Herbst. Heute fertigt die Bäckerei bis zu 800 Brote pro Woche. Aktuell werden sechs verschiedene Geschmacksvarianten produziert: pur, Schokolade, Cranberry, Walnuss, Himbeere und Blaubeere. Tim Gudelj: „Schoko und Blaubeere sind unsere Renner. Bananenbrot ist ein Phänomen und lässt sich nicht mit stupiden Worten beschreiben. Es ist ein Produkt aus Freude, Genuss, Energie, Lebensgefühl und Spaß – fast eine Emotion!“ Es gibt zwei Größen: 600 Gramm und 1.250 Gramm, die Preise bewegen sich zwischen 4 und 6 Euro. Neben dem direk-

„PLÖTZLICH HATTEN WIR EINE MISSION – NEIN, OBSESSION! WIR MÜSSEN BANANENBROT NACH DEUTSCHLAND BRINGEN.“ Lars Peters, Mitbegründer von „be bananas“ für die Hildener Bäckerei Roland Schüren, ein Traditionsunternehmen, das mehrfach für nachhaltige Herstellung und ökologische Arbeitsweise ausgezeichnet wurde.

Bis zu 800 Brote in der Woche Ein Bäcker war also gefunden. Aber welche Geschäftsform sollten die beiden für ihr Start-up wählen? Um eine GmbH zu gründen, brauchten sie mindestens 25.000 Euro Anfangska-

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Foto: Uli Oberländer

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Sie gründeten „be bananas“ und sind Freunde seit der Schulzeit: die beiden BWL-Studenten Tim Gudelj (links) und Lars Peters. Begonnen hatte ihre Bananenbrotgeschichte in einem Fast-Food-Restaurant in Sydney. Dort schmeckte alles wie zu Hause auch. Nur einen Unterschied gab es im Angebot: Bananenbrot. Dafür entwickelten die beiden Deutschen eine Leidenschaft. Und eine Geschäftsidee.

ten Thekenverkauf in den 16 Filialen der Bäckereikette beliefert „be bananas“ auch Kunden in der Gastronomie; Kölner und Düsseldorfer Restaurants haben das Brot im Sortiment, „und wir wollen an die Kö!“, sagt Gudelj selbstbewusst. Es gibt auch einen expandierenden Online-Shop, Verpackung und Versand erfolgen von den angemieteten Geschäftsräumen in Düsseldorf-Angermund aus.

te, schon der kleinste braune Fleck auf der Schale gilt dem Einzelhändler als Makel. „Die landen im Regelfall auf dem Müll“, berichtet Lars Peters. „Und gerade diese sehr reifen Früchte verwenden wir ja. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung.“ Pro Woche holen sie eine stattliche Tonne Bananen aus Duisburg, noch leiht ihnen die Bäckerei einen Wagen zum Transport nach Hilden. Begleitet wurde das Gründerteam übrigens von der geBeitrag zur Vermeidung von meinsamen Transferagentur der Heinrich-Heine-Universität und der Stadt Düsseldorf, der Düsseldorfer Innovations- und Lebensmittelverschwendung Wissenschaftsagentur (DIWA GmbH). „Wir sind froh, dass wir bei unserer Ausgründung die DIWA als kompetenten Partner Einen Zulieferer der Bananen haben die beiden Jungunter- an unserer Seite hatten. Sie stand uns bei allen Fragen mit Rat nehmer in einem Duisburger Obst- und Gemüse-Grossisten und Tat zur Seite“, so Lars Peters. gefunden. Da das Brot wegen des süßen Aromas mit mögUnd das nächstes Ziel der Jungunternehmer? „Ein eigener lichst reifen Früchten gebacken wird, fanden sie hier beson- Lieferwagen mit unserem Logo.“ ders günstige Konditionen. Denn wenn ein deutscher Kunde Kontakt: www.bebananas.de, [email protected] Bananen kauft, möchte er möglichst ansehnliche gelbe Früch-

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WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFTLICHE FAKULTÄT

Wie aus Ideen und Visionen Unternehmen von morgen werden

Foto:: A Foto Arrchiv Sta S b bsst ssstelle el K Kom o muni nikati n a on o

Illustration: Andrew Laskey – The Noun Project

Fakultätsübergreifendes Angebot: Die „RiesnerStiftungsprofessur für Entrepreneurship“

Prof. Dr. Eva Lutz Prof. Lutz wurde 1977 in Frechen geboren. Sie studierte Betriebswirtschaftslehre an der Universität Göttingen mit dem Abschluss als Diplom-Kauffrau (2001). Anschließend war sie bis 2005 wissenschaftliche Mitarbeiterin am KfW-Stiftungslehrstuhl für Entrepreneurial Finance der TU München. Dort erfolgte auch 2005 die Promotion („summa cum laude“). Anschließend war sie bei der Unternehmensberatung L.E.K. Consulting in London tätig. 2006 kehrte Prof. Lutz an die TU München zurück (KfW-Stiftungslehrstuhl für Entrepreneurial Finance). 2009 bis 2011 war sie Stipendiatin an der TU München und forschte einige Zeit an der London Business School. 2012 habilitierte sich Prof. Lutz an der TU München. 2013 kam sie an die HHU und übernahm die W3-RiesnerStiftungsprofessur für Entrepreneurship, insb. Gründungs- und Wachstumsfinanzierung. Prof. Lutz ist die akademische Leiterin des Center for Entrepreneurship Düsseldorf (CEDUS).

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er Prof. Dr. Eva Lutz nach dem Inhalt ihrer Professur fragt, bekommt eine ebenso einfache wie prägnante Antwort: „Man lernt, ein Unternehmen zu gründen.“ Ließen sich die „Start-ups“ aus der Heinrich-Heine-Universität noch vor zehn, zwölf Jahren an den Fingern einer Hand abzählen, sind mittlerweile allein pro Jahr zwei Hände nötig, Tendenz steigend. Seit 2013 lehrt Prof. Lutz an der HHU, sie wurde auf die neu geschaffene Stiftungsprofessur für Entrepreneurship berufen, finanziert durch die sg. „Gründerstiftung“, die das Ehepaar Prof. em. Dr. Detlev Riesner und seine Frau, PD Dr. Hannelore Riesner, 1998 ins Leben gerufen hatte. Riesner war von 1980 bis 2006 Leiter des Instituts für Physikalische Biologie. Mit drei vielversprechenden Doktoranden wagte der Biologe 1984 einen „Spin-off “, eine Firmengründung aus der Universität heraus. Das Team setzte auf die boomende Nachfrage nach Isolierungs- und Testtechnologien im Life-Science-Bereich. Der Rest ist deutsche Unternehmensgeschichte, QIAGEN wurde zum Senkrechtstarter der Branche, macht mittlerweile Milliardenumsätze und hat weltweit 3.600 Mitarbeiter. Aus der Firma ging die „Gründerstiftung“ hervor. Sie finanziert u. a. zahlreiche Stipendien, die Düsseldorfer Forscherschule BioStruct und die Professur von Prof. Lutz. Die wiederum ist ein-

gebettet in das Center for Entrepreneurship Düsseldorf, kurz CEDUS, die zentrale Anlaufstelle an der Universität rund um die Themen berufliche Selbstständigkeit und Unternehmensgründung. „CEDUS fasst sozusagen alle Angebote für Gründer unter einem Dach zusammen, zum Beispiel sind da auch die Beratungsangebote der Abteilung Forschungsmanagement im Bereich Patentverwertung oder auch der Gründerservice der DIWA, der gemeinsamen Innovations- und Wissenschaftsagentur von Universität und Stadt Düsseldorf, zu finden“, erläutert Prof. Lutz.

Praktische Hilfestellung Praktische Hilfestellung gibt es bei der DIWA, etwa durch Einzelcoaching. Basiswissen vermittelt Prof. Lutz in der Vorlesung „Von der Idee zur Gründung“. „Da saßen anfangs ca. 50 Hörer. Mittlerweile bewerben sich 200, wir konnten nur 120 zulassen, werden aber die Kapazität in Zukunft weiter ausbauen“, berichtet sie. „Diese Grundlagenvorlesung ist der Einstieg in unternehmerische Fragestellungen und vermittelt Basiswissen. Es geht um kaufmännische Fragen, Finanzierungsmöglichkeiten, Marketing, Patente und so weiter. Die Veranstaltung ist übrigens im Rahmen des Studium Universale fächerübergrei-

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fend, da sitzen dann der Altgermanist neben weitesten Sinne etwas mit Technik zu tun haben, der Medizinerin“, erläutert Prof. Lutz. Vertiefen- zum Beispiel aus der Biotechnologie, Chemie de Kenntnisse werden dann in Workshops ver- oder Medizintechnik. Und die Geisteswissenschaften? Auch aus der Philosophischen Fakultät gibt es Start-ups, Und die Geisteswissenschaften? zum Beispiel „SPRECHREIF – Institut für Stimme und Persönlichkeit“, 2012 gegründet als Coaching-Anbieter für Sprecherziehung und vom mittelt. In der Regel kommen ca. 20 Teilnehmer „Gründungsnetzwerk Düsseldorf“ zum Unternehund erhalten Einblicke in Themen wie Markt und men des Monats Januar 2014 gekürt. Wer gern Wettbewerb, Businessplan oder Finanzplanung. persönlichen Kontakt zu Gründerteams aus der Neben diesen „Klassikern“ geht es aber auch um Universität knüpfen möchte, dem empfiehlt Prof. Spezielles, etwa um Fragen des Steuerrechts. Lutz den „Gründerstammtisch“. Der findet einBundesweit gibt es über 100 Professuren zum mal im Quartal in „Les Halles“ statt. R. W. Thema „Entrepreneurship“, weiß Prof. Lutz, das größte Angebot hätten die Universitäten mit INFORMATIONEN technischen Fächern. Entsprechend groß ist dort die Zahl der Start-ups. Die [email protected], ef.hhu.de sität hat diese Fächer nicht in ihrem Curriculum. cedus.hhu.de Aber eine Mathematisch-Naturwissenschaftliche cedus.hhu.de/lehre und eine Medizinische Fakultät. Hieraus gibt es cedus.hhu.de/stammtisch zahlreiche Ausgründungen und Patente, die im fb.com/cedus.hhu

Ihr Motto: „Passion. People. Performance“ Die studentische Unternehmensberatung „Heinrich-Heine-Consulting“ Gegründet wurde der Verein 2007 von BWL-Studenten. Heute kommen die Mitglieder aus allen Fakultäten: „Heinrich-HeineConsulting e.V.“, die erste und einzige studentische Unternehmensberatung in Düsseldorf, ist interdisziplinär aufgestellt. Und so sind die beiden „Öffentlichkeitsarbeiter“ nicht im Oeconomicum der Wirtschaftswissenschaften zu Hause, sondern gehören zur Philosophischen Fakultät. Nils Wigger (22) ist „Stabsstellenleiter Public Relations“ und studiert im 5. Semester Geschichte und Germanistik. Seine Kollegin Laura Agresti (24) ist für Jüdische Studien und Jiddistik eingeschrieben und ebenfalls im 5. Semester.

Auch Großbetriebe als Kunden Fünf Dutzend Mitglieder hat der Verein, einmal pro Woche treffen sie sich im Oeconomicum (also doch!) und besprechen ihre Projekte. Kundenzielgruppe: kleine und mittelständische Unternehmen. Aber auch ein Großbetrieb war in letzter Zeit dabei und ließ eine Mitarbeiterbefragung zur Zufriedenheit in der Kantine durchführen. Projekte akquirieren, für Kunden neue Konzepte entwickeln: Da unterscheidet sich „HHC“ in nichts von den alteingesessenen Branchenkollegen. Auch ein griffiges Motto hat der Verein: „Passion. People. Performance“.

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Den Begriff „Passion“ wählte das Team bewusst, er signalisiert engagierte Kundenorientierung. „Im Mittelpunkt unseres Handelns steht immer der Kunde. Es ist unser größtes Anliegen, seine Wünsche zufriedenzustellen und individuelle Problemlösungen anzubieten“, steht auf der Website zu lesen. „People“ weist auf das interdisziplinäre Team hin, „Performance“ auf die „bunt gemischte Kombination aller Fachbereiche“. Nils Wigger, der seit zwei Jahren zum Verein gehört, möchte nach dem Examen vielleicht in der Unternehmensberatung arbeiten, eventuell dort in der Kommunikation. Natürlich erhebt „Heine-Consulting“ Gebühren. Der Beratersatz wird jeweils ausgehandelt, „aber wir sind viel preiswerter als die etablierten Firmen“, so Laura Agresti. Ansonsten ist das Leistungsspektrum wie bei den „Großen“, etwa im Beratungsfeld Gründungsmanagement. Angeboten wird hier unter anderem das Ausfertigen von Businessplänen und Finanzkonzepten. Zum betriebswissenschaftlichen Know-how von „HHC“ gehört natürlich auch eine stattliche Portion Selbstbewusstsein und Marketing in eigener Sache. Auf der Homepage heißt es: „Mit der Spezialisierung und Erfahrung von ‚HHC‘ auf dem Sektor des Gründungsmanagements ist Ihr Unternehmen von Anfang an auf sicherem Kurs, damit Ihre Selbstständigkeit nicht schon im Hafen Schiffbruch erleidet.“ R. W.

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„Warum soll ein erfolgreicher Weg verlassen werden?“ „Ende der Freiheit?“ – Diskussion zum geplanten „Hochschulzukunftsgesetz“ Ist es ein einschneidender Eingriff in die akademische Freiheit im Lande? Das Ende der Autonomie von Nordrhein-Westfalens Hochschulen? Der Unabhängigkeit von Wissenschaft und Forschung an Rhein und Ruhr? Der Beginn ministerialer Gängelung? Der Referentenentwurf des geplanten „Hochschulzukunftsgesetzes“ wird derzeit heftig und kontrovers diskutiert. In Politik, Presse, Öffentlichkeit und vor allem natürlich in den Hochschulen. Am 6. Februar fand im Vortragssaal der Medizinischen Fachbibliothek O.A.S.E. ein Meinungsaustausch von Landtagspolitikern, Wissenschaftlern und Studierendenvertretern statt. Thema der Veranstaltung: „Ende der Freiheit?“ Das Ergebnis war eindeutig.

VON ROLF WILLHARDT

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m Namen der Hochschule begrüßte Prof. Dr. Michael Baurmann, Vorsitzender des Senats, die Teilnehmer der Diskussionsrunde und das Publikum; er hatte zu der Veranstaltung eingeladen. „Ich selber erlebe zurzeit mein viertes Hochschulgesetz …“, erinnerte er sich als Zeitzeuge und zitierte das Wortungetüm „Hochschulreform-Weiterentwicklungsgesetz“, das 2004 in NRW in den Landtag eingebracht wurde; „Wissenschaftsministerin war damals übrigens unsere heutige Ministerpräsidentin, Hannelore Kraft.“

„Das Gesetz liegt jetzt sozusagen auf dem OP-Tisch“ Moderiert wurde die knapp zweistündige Morgenveranstaltung von Kate Maleike, Redakteurin der DeutschlandfunkSendung „Campus & Karriere“. Sie sprach in ihrer Einführung die große Presseresonanz des Themas an, „das Gesetz liegt

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sozusagen jetzt auf dem OP-Tisch“, große Emotionen seien mit ihm verbunden, sogar die Frage, ob der Wissenschaftsund Wirtschaftsstandort NRW gefährdet sei. Mit Statements der Podiumsdiskutanten – bei den Politikern jeweils die Sprecher resp. Sprecherinnen ihrer Parteien im Wissenschaftsausschuss des Landtages – wurde ein erstes Stimmungsbild eingefangen. Den Anfang machte Dr. Stefan Berger (CDU). Er unterstrich, dass die Opposition den Gesetzesentwurf ablehne, er sei „unverständlich“. „Wir wollen, dass das bestehende Gesetz evaluiert wird. Es gibt keinen schlüssigen Anlass, das Gesetz zu ändern“, die Argumente dafür seien „fadenscheinig“ und hätten nur das Ziel der „Kontrolle der Universitäten durch das Ministerium“. Karl Schultheis (SPD) entgegnete, dass dieses geplante Hochschulgesetz das liberalste in Deutschland sei, und plädierte für Kritik, „aber in einem ausgewogenen Verhältnis“. Dr. Christian Dumpitak war als Sprecher des wissenschaftlichen Mittelbaus der Heinrich-Heine-Universität Diskussionsteilnehmer und sprach den hohen Grad an Motivation an, der

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Foto: Hans-Jürgen Bauer

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Groß war das Interesse an der Diskussionsveranstaltung zum geplanten „Hochschulzukunftsgesetz“ NRW. Der Vortragssaal der Medizinischen Fachbibliothek O.A.S.E. konnte die Besucher kaum fassen. Auf dem Podium: Landtagsabgeordnete aller Parteien und Vertreter der Universität.

an den Hochschulen die Arbeit bestimme. „Dieses Gesetz aber demotiviert, weil der Gestaltungsfreiraum eingeschränkt wird.“ Arantzazu Bößem Esperilla wies als AStA-Vertreterin darauf hin, dass die Studierenden Selbstbestimmung einer Quotierung vorziehen. Prof. Dr. Ulrich Decking, Vertreter der Professorenschaft der HHU, nannte den Entwurf ein „Hochschulrückwärtsgesetz“, es gäbe dem Ministerium ungeahnte Angriffsflächen und gehe in eine Detailtiefe, wo sich nur Eingriffsmöglichkeiten böten. Dr. Ruth Seidl (Bündnis 90 / Die Grünen) machte für ihre Partei geltend, die Autonomie der Hochschulen immer vorangetrieben zu haben. Man müsse jetzt fragen, wo das Hochschulfreiheitsgesetz von 2010 „über das Ziel hinausgeschossen“ sei. Dr. Joachim Paul (Piraten) ging der Referentenentwurf nicht weit genug. Er kritisierte die Existenz der Hochschulräte, die

nach Ansicht seiner Partei eher die Funktion von Beiräten haben sollten. Angela Freimuth (FDP) plädierte dafür, dass Wissenschaft auf jeden Fall frei von Staatsdirigismus sein müsse, der Entwurf beinhalte „Misstrauen und Demotivation“, „man soll nicht eingreifen, wo es vor Ort funktioniert“.

„Rektoren auf den Bäumen?“

Nach diesem ersten Stimmungsbild fragte Moderatorin Kate Maleike: „Warum sind die Rektoren wegen des geplanten Gesetzes auf den Bäumen“? und gab das Mikrofon an HHU-Rektor Prof. Dr. Dr. H. Michael Piper weiter, der im Publikum saß. Seine Antwort: „Weil es ein Affront war!“ Er nannte die Erfolge der NRW-Hochschulen in letzter Zeit herausragend, namentlich der Heinrich-HeineUniversität, etwa in der Exzellenzinitiative, bei der Durchsetzung von Bologna und bei der Bewältigung der doppelten Abiturjahrgänge, „alles durch Eigeninitiative! Das lässt sich durch StaatsdiriDr. Christian Dumpitak, Sprecher des wissenschaftlichen Mittelbaus gismus nicht erreichen!“

„DIESES GESETZ DEMOTIVIERT, WEIL DER GESTALTUNGSSPIELRAUM EINGESCHRÄNKT WIRD.“ Magazin 1 | 2014

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Dr. Ruth Seidl merkte an: „Wir möchten als Parlament mehr erkennbar sein solle. Sein Monitum: „Wo leben Sie eigentüber strategische Ziele der Hochschulen diskutieren, wir lich? Ihre Koalition ist forschungsblind!“ Dr. Ruth Seidl: „Es wollen wissen: Wohin geht der Weg?“ Das geplante Gesetz darf nicht sein, dass zu viel ministerielle Steuerung in die enthalte keine Detailsteuerung, „das ist Quatsch“. Dr. Stefan Hochschulen hineinreicht.“ Es müssten aber Standards geBerger verwies darauf, dass gemäß Gesetz ein Landeshoch- setzt werden. Sie fragte gleichwohl, ob man in einigem schulentwicklungsplan erarbeitet werden solle, eigene Pla- nicht zurückkehren könne, was die Steuerung betreffe: „Es darf nicht sein, dass es zurück zur Fachaufsicht geht.“ Freidemokratin Angela Freimuth widersprach dem, der „Wir möchten als Parlament wissen: Entwurf spreche sehr wohl von Fachaufsicht, und weiter: „Ich habe bis heute keinen einzigen Beweis, dass die Hochschulen Wohin geht der Weg?“ an die Kandare genommen werden müssen!“ Prof. Dr. Ulrich Decking wies noch einmal auf die mögliche bedrohliche Machtnungen der Universitäten sollten sich daran anpassen, bis fülle und Detailsteuerung des Ministeriums hin, das dann hinunter auf Fakultätsebene. Seine Befürchtung: „An solch zum Beispiel über die Einrichtung eines neuen Graduierteneinem System sind schon ganze Staatsformen gescheitert.“ kollegs entscheiden könne; hier unterstützte ihn SenatsvorAus dem Publikum meldete sich Alt-Prorektor Prof. em. sitzender Prof. Dr. Michael Baurmann, der auch den künftig Dr. Ulrich von Alemann („Ich bin pensionierter Beamter.“) zu geplanten Wegfall der Anwesenheitspflicht in manchen FäWort. Im Entwurf stehe, dass Forschung erstmals öffentlich chern kritisierte. Auch die Vorsitzende des Hochschulrates,

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1: Anne-José Paulsen, Vorsitzende des Hochschulrates: „Freue mich, dass Sie den Entwurf noch diskutieren wollen.“ 6

2: Rektor Prof. Dr. Dr. H. Michael Piper, Anne-José Paulsen, Prof. Dr. Michael Baurmann, Vorsitzender des Senats, und Yasemin Akdemir, AStA-Vorsitzender (v. l.) 3: Dr. Christian Dumpitak, Sprecher des wissenschaftlichen Mittelbaus: „Das trifft die Unis in die Herzkammer!“ 4: Dr. Ruth Seidl (Bündnis 90 / Die Grünen): „Über das Ziel hinausgeschossen.“ 5: Dr. Stefan Berger (CDU): „Kein schlüssiger Anlass, das Gesetz zu ändern.“ 6: Dr. Joachim Paul (Piraten): „Dann haben wir ein Kommunikationsproblem.“

Anne-José Paulsen, meldete sich zu Wort. Das Ministerium die bei der derzeitigen Situation irreal sei. Die weiblichen habe dem Hochschulrat nie eine Rückkopplung seiner Berich- Fakultätsmitglieder wären dann hauptsächlich durch Gremite gegeben, und – an die Vertreter der Regierungsparteien enarbeit gebunden. Sanda Grätz, Gleichstellungsbeauftragte der HHU, sprach sich gegen eine weitere Formalisierung aus: „Es ist müßig, den Hochschulen mehr Vorschriften ins GebetBerichte des Hochschulrates: buch zu schreiben.“ Das Wort ergriff auch Altrektor Prof. Dr. Dr. Alfons Labisch. Keine Rückkoppelung vom Ministerium Er beschrieb die „desolate Situation der Universitäten in den 90er Jahren“, die dann durch Eigeninitiative der Hochschulen gerichtet – sie freue sich aber, „dass Sie den Gesetzesent- und das Hochschulfreiheitsgesetz behoben werden konnte. wurf noch diskutieren wollen“. Einwurf von SPD-Vertreter Er befürchte durch den Gesetzesentwurf einen Rückfall: „Das Schultheis: „… und entscheiden!“ Paulsen machte noch ein- ist pure Ideologie, was hier passiert!“ mal deutlich, dass die Universität hinsichtlich ihrer Finanzen Christdemokrat Dr. Stefan Berger griff das Thema VeröfPlanungssicherheit benötige, „sie muss wissen, welche Haus- fentlichung von Drittmittel-Gebern auf. Der Mittelstand und haltsmittel in ihr Vermögen fließen oder nur ‚zur Verfügung die Wirtschaft sähen diesen Zwang sehr kritisch. Und weiter: stehen und abgerufen werden können‘“. Prof. Dr. Christel „Mir passt es auch nicht, dass die Hochschulräte so diskrediMarian, Dekanin der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen tiert werden.“ Dr. Ruth Seidl wehrte sich gegen den IdeologieFakultät, sprach die geplante 50-prozentige Frauenquote an, vorwurf, woraufhin Altrektor Labisch einwarf: „Wissenschaft

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1: Karl Schultheis (SPD), Gruppenleiter Forschung im Ministerium für Wissenschaft und Forschung NRW: „Da müssen wir Lösungen finden.“

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2: Altrektor Prof. Dr. Dr. Alfons Labisch: „Die haben eine klare Wissenschaftspolitik.“

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3: Rektor Prof. Dr. Dr. H. Michael Piper: „Weil es ein Affront war!“ 4: Angela Freimuth (FDP): „… nicht eingreifen, wo es vor Ort funktioniert“ 5: Parlamentarier und Universitätsvertreter an einem Tisch 6: Prof. Dr. Ulrich Decking, stellvertretender Studiendekan der Medizinischen Fakultät: „Hochschulrückwärtsgesetz!“ 7: Senatsvorsitzender Prof. Dr. Michael Baurmann: „… mein viertes Hochschulgesetz“

renzpflicht bestätigte Angela Freimuth, dass bei den Hochschulen „alles offen“ sei, Berichte lägen vor, „es ist bornierte Ignoranz, wenn gesagt wird, dass keine Berichte vorliegen.“ „Dann haben wir ein Kommunikationsproblem“, resümierte Dr. Joachim Paul. Altrektor Labisch warf einen Blick auf die südlichen Bundesländer, „die haben eine klare Wissenschaftspolitik“. NRW sei aber jetzt sehr erfolgreich. Dr. Stefan Berger pflichtete dem bei: „Warum soll ein erfolgreicher Weg verlassen werden?“ Dass von den Hochschulen keine Berichte vorlägen, sei ein „dummes Argument“ und eine „Unverschämtheit gegenüber erfolgreichen Universitäten“. Noch einmal schaltete sich Prof. Baurmann ein und äußerte seine Meinung zum geplanten Wegfall der Anwesenheitspflicht: „Ich will nicht vorgeschrieben bekommen, wer in meine Seminare kommt.“ Zudem wies er auf die

„WISSENSCHAFT KONTROLLIERT SICH SELBER. WIR BRAUCHEN KEINE GÄNGELUNG.“ Altrektor Prof. Dr. Dr. Alfons Labisch kontrolliert sich selber. Wir brauchen keine Gängelung.“ AnneJosé Paulsen unterstützte ihn und merkte an, dass die öffentlichen Gelder, die den Universitäten zufließen, höchst transparent verwendet werden, jede Universität schalte externe Wirtschaftsprüfer ein. Arantzazu Bößem Esperilla sprach das Thema „Zivilklausel“ an, also die Selbstverpflichtung, nur für zivile Zwecke zu forschen. Sie sieht hierin den Ideologievorwurf bestätigt, woraufhin Karl Schultheis anmerkte, er könne „auch ohne Zivilklausel leben“. Mit Blick auf die Transpa-

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enorme Bürokratisierung durch die Schaffung neuer Gremien hin. Bezüglich der Anwesenheitspflicht lenkte Karl Schultheis ein: „Da müssen wir Lösungen finden.“ Außerdem verteidigte er die Veröffentlichung der Drittmittelgeber „in geeigneter Weise“, schließlich könne das auch Werbung für sie sein. Dr. Christian Dumpitak sprach die geplante Möglichkeit an, dass das Ministerium künftig Universitäten das Promotionsrecht entziehen könnte: „Das trifft die Unis in die Herzkammer!“ Auch sei es absurd, Promotionsstudiengänge zu akkreditieren.

Autonomie der Hochschulen erhalten.“ Sie habe viele der Punkte verstanden. Außerdem: „Wir Parlamentarier können nicht alle Berichte lesen. Wir wollen weniger Arbeit für alle

Lebendige universitäre Diskussion

durch ein standardisiertes Berichtswesen.“ Und: „Wir wollen diese exzellente Hochschullandschaft in der Spitze und der Breite unterstützen.“ „Was haben wir heute Rektor Pipers Fazit: „Eine hervorragende Veranstaltung, eine lebendige universitäre Diskussion.“ Als Monitum merkte aus der Diskussion mitgenommen?“ er an, dass die bisherige Stellungnahme der Landesrektorenkonferenz keinen Niederschlag in dem Referentenentwurf An Dr. Ruth Seidl richtete Moderatorin Kate Maleike nach gefunden habe. Prof. Baurmann bedankte sich bei den Diskuknapp zwei Stunden die Frage: „Was haben Sie heute aus tanten und beim Publikum, Karl Schultheis schloss mit einem dieser Diskussion mitgenommen?“ Antwort: „Wir wollen die „Wir kommen gerne wieder!“

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MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE FAKULTÄT

Von allen Seiten betrachtet

Wie können Zellorganellen abgebildet, feinste Oberflächendetails aufgelöst oder wie dynamische Vorgänge in lebenden Zellen beobachtet werden? Düsseldorfer Forscher sind für viele Fragen der Bildgebung Experten. Und ausgestattet mit einem Spektrum neuester Geräte. Am „Center for Advanced Imaging“ (CAI) bündeln Forscher verschiedener Fächer ihre Expertise.

VON ARNE CLAUSSEN

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anche Fragestellungen erschließen sich erst, wenn man sie aus verschiedenen Blickwinkeln und durch unterschiedliche „Brillen“ betrachtet. Dies gilt auch für die Abbildung von Objekten und Abläufen in der Biologie, den Lebens- und Materialwissenschaften. Ausgehend von der Biologie, haben sich an der HHU Düsseldorf Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen zum CAI zusammengeschlossen, um ihre

Bündelung der technischen Infrastruktur Kompetenzen und Ressourcen zu bündeln. Vorhandene Geräte – Mikroskope und Elektronenmikroskope – aus verschiedenen Instituten wurden in Räumen der Biologie gebündelt. Die Geräte können von den Mitgliedern des CAI – inzwischen sind es mehr

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als 40 –, aber auch von anderen Forschern an der HHU und von anderen Hochschulen genutzt werden. „Regelmäßig kommen Kollegen aus den Niederlanden, die kein Equipment wie wir in Düsseldorf haben“, so Dr. Stefanie Weidtkamp-Peters, die Geschäftsführerin des CAI, „und es haben sich auch schon Forscher aus Spanien angemeldet.“ Sie koordiniert das Messprogramm an den verschiedenen Geräten und schult neue Nutzer. Darüber hinaus ist sie inzwischen die Schnittstelle zu den Geräteherstellern und koordiniert Antragsverfahren: Wer ein neues Gerät braucht, wendet sich ans CAI. Dort weiß man, welches Gerät auf dem Markt für eine bestimmte Fragestellung aktuell das Beste ist. Neue Mikroskope kosten leicht mehrere Zehn- oder Hunderttausend Euro. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert häufig die Anschaffung als „Großgerät“. Aber: „Die DFG verlangt inzwischen langfristige Betriebsund Nutzungskonzepte“, so der Entwick-

lungsgenetiker Prof. Dr. Rüdiger Simon, einer der Vorstandssprecher des CAI. Hierzu muss der Antragssteller nachweisen, dass er nach dem Kauf auch die laufenden Betriebs-, Wartungs- und Reparaturkosten tragen kann.

Mehr Imaging-Zentren Die DFG unterstützt nachdrücklich die Einrichtung von Imaging-Zentren. Langfristig ist es wirtschaftlicher, geförderte Geräte einer größeren Zahl von Forschern zur Verfügung zu stellen. So werden die Geräte auch nach Jahren noch eingesetzt. Weil das CAI bei der DFG als Forschungsinfrastruktur gelistet ist, haben Großgeräteanträge aus Düsseldorf eine deutlich höhere Chance auf Förderung. Am CAI zahlen alle Nutzer eine Gebühr, gestaffelt nach verschiedenen Geräten, aber auch danach, ob sie CAI-Mitglied sind oder nicht. Diese

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Illustration: Sergi Delgado – The Noun Project

Center for Advanced Imaging: Düsseldorf bündelt Kompetenz in der Bildgebung

MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE FAKULTÄT

Fotos: Dr. Petra Zadnikova, Institut für Entwicklungsgenetik

Dr. Petra Zadnikova und Dr. Stefanie WeidtkampPeters (rechts) am konfokalen Laserscanning-Mikroskop vom Typ Zeiss LSM 780.

Durch die Kombination verschiedener Techniken erschließen sich übergeordnete Fragestellungen, beispielsweise bei der Entwicklungsuntersuchung von Organismen. Hier am Beispiel von Arabidopsis thaliana: Oben eine elektronenmikroskopische Aufnahme, die detailliert die Blattepidermiszellen mit Stomata und Trichomen abbildet. Unten ein Bild mit einem konfokalen Laserscanning-Mikroskop, das dynamische Prozesse in lebenden Zellen abbildet (Infloreszenzmeristem – sprossbildendes Gewebe nach Blühinduktion: Grün dargestellt ist der Auxin-Efflux-Transporter PIN1, rot die Chlorophyll-Autofluoreszenz). Durch extrem sensitive Geräte, die jedes einzelne Photon messen können, werden die untersuchten Organismen nicht beeinträchtigt.

Nutzungsgebühren können in späteren DFG-Anträgen wieder mitbeantragt werden. Die Gelder fließen in einen Fonds, aus dem heraus die laufenden Kosten gezahlt und der langfristige Betrieb der Geräte gesichert werden. Eine Besonderheit am CAI sind die Trainingsangebote und vor allem die Einbindung in die Lehre: Biologie- und Biochemie-Masterstudenten können an einem sechswöchigen Kurs teilnehmen, in dem sie den Instrumentenpark kennenlernen – eine begehrte Qualifikation für die Düsseldorfer Absolventen. Und wer in der Graduiertenakademie iGrad promoviert, der erhält weitere, vertiefte Schulungen. Prof. Simon: „Die Doktoranden kommen mit ganz neuen Ideen ins Labor zurück, was man heute machen kann. Damit überraschen sie immer wieder ihre Doktorväter und -mütter.“ Schließlich steigern sie so das Forschungsniveau und die Qualität von Veröffentlichungen. Die verschiedenen Nutzer des CAI tragen ihre eigenen

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Kenntnisse bei und stellen sie den Kollegen zur Verfügung. Mit dem Buchungstool richtet man schnell eine Anfrage an alle Nutzer, wie man eine bestimmte Frage am besten lösen kann. Schon nach kurzer Zeit kommen wertvolle Tipps. „Man muss ja nicht alle Fehler von Neuem machen!“, meint dazu Steffen Köh-

tisch“ der rheinischen Zentren. So unterstützen sich die Kollegen selbst über die Rheingrenze hinweg: „Die Kollegen vom MPI für Pflanzenzüchtungsforschung in Köln sind Experten für TransmissionsElektronenmikroskopie bei Pflanzen“, weiß Weidtkamp-Peters. „Wir können dagegen besonders gut Proteininteraktionen untersuchen, mit sogenannten FLIM-FRET-Experimenten (Fluorescence Mitglied im Netzwerk lifetime imaging microscopy-Förster resonance energy transfer).“ „German Bioimaging“ In Zukunft wird das CAI in einem eigenen Trakt des Biologieneubaus eine ler, der Fotograf im CAI-Team. Meist neue, deutlich größere Heimat finden. weiß schon jemand aus dem Nutzer- Und man will die Kompetenzen weiter kreis, welche Technik, welcher Fluores- spezialisieren, in Richtung Superresoluzenzfarbstoff für eine bestimmte Probe tion, Elektronenmikroskopie und Kryogeeignet ist; und welcher andere sie un- elektronenmikroskopie. brauchbar macht. Und wenn man in Düsseldorf nicht INFORMATIONEN weiter weiß, so helfen vielleicht die KolDr. Stefanie Weidtkamp-Peters legen aus anderen Hochschulen. Das Center for Advanced Imaging CAI ist Mitglied im Netzwerk „German Tel. 0211 81-11682, [email protected] Bioimaging“ und beim „Imaging-Stamm-

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MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE FAKULTÄT

Quantenkommunikation: Auf den „Missklang“ kommt es an Preis „Beste Dissertation 2013“ und 98 Doktortitel verliehen

In „Quanten“ kann die Zukunft sowohl neuer Höchstleistungscomputer als auch besonders sicherer und leistungsfähiger Kommunikationssysteme liegen. Der Schlüssel hierfür sind die sogenannten „Quantenkorrelationen“, die der theoretische Physiker Dr. Alexander Streltsov in seiner Doktorarbeit untersuchte. Für seine Grundlagenerkenntnisse wurde er auf der Promotionsfeier der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät am 7. Februar ausgezeichnet.

VON ARNE CLAUSSEN

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chon das Grundprinzip eines Quantencomputers ist schwer eingängig: Arbeiten herkömmliche Computer mit klassischen Bits (also 0 und 1), so verarbeiten Quantencomputer auch Zwischenzustände – Überlagerungen, sogenannte

ßere Entfernungen hinweg und können deshalb unter anderem dazu genutzt werden, Kommunikation vor dem Abhören zu schützen: Wird eines der Qbits „abgehört“, verändert dies augenblicklich auch das mit ihm verschränkte Qbit an einem anderen Ort – der Lauscher ist enttarnt.

Teilchenverschränkung Streltsov fragte sich unter anderem, wie solch eine Verschränkung zwischen zwei Teilchen hergestellt wird, und insbesondere, welche physikalische Größe dabei zwischen den Teilchen ausgetauscht wird. Diese seit Jahren offene Frage ist von großer Bedeutung, weil zwei Teilchen sogar dann verschränkt werden können, wenn zwischen ihnen keine Verschränkung ausgetauscht wird. In seiner Dissertation beantwortete Streltsov diese Frage: der Transport von Quantum Discord stellt die Verschränkung her. Discord spielt sowohl für die überragenden Rechenleistungen der Quantencomputer als auch für die Informationsübertragung die entscheidende Rolle. Die Forschungsergebnisse von Dr. Alexander Streltsov sind ein wichtiger Schritt für das Verständnis von Quantenkommunikation. Für seine Arbeit erhielt er die Auszeichnung „Beste Dissertation in der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät 2013“.

ter auf einen Schlag aufgrund der Überlagerung alle möglichen Bitkombinationen. Diese Stärke spielen Quantencomputer zum Beispiel bei der Faktorisierung aus, wie die Zerlegung einer Zahl in ein Produkt von Primzahlen. Technisch lassen sich Qbits zum Beispiel mit polarisierten Photonen (Lichtquanten) realisieren. Eine entscheidende Rolle dabei spieQuantencomputer len die Beziehungen zwischen verschiedenen Qbits, die allgemein als „Quanhaben eine enorme tenkorrelationen“ bezeichnet werden. In seiner Dissertation „The role of quanRechenleistung tum correlations beyond entanglement in quantum information theory“ beSuperpositionen dieser klassischen Zu- fasste sich der Physiker Dr. Alexander stände (Qbit). Gerade hieraus resultiert Streltsov mit zwei besonderen Formen ihre enorme Rechenleistung: Während von Quantenkorrelationen, der „Verder klassische Computer nach und nach schränkung“ und dem „Missklang“ (eng- 98 Promotionen seit September 2013 verschiedene Kombinationen der Bits ab- lisch „Quantum Discord“). Verschränkte Am 7. Februar erhielten 40 Nachwuchsarbeitet, verrechnet ein Quantencompu- Qbits beeinflussen sich auch über grö- wissenschaftlerinnen und 58 Nachwuchs-

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Fotos: Erik Rulands

MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE FAKULTÄT

Verleihung des Preises „Beste Dissertation in der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät 2013“ an Dr. Alexander Streltsov (Mitte): Es gratulierten Prodekan Prof. Dr. Martin Mauve (links) und die Betreuerin der Promotionsarbeit, Prof. Dr. Dagmar Bruß. (oben) Die Doktoranden mit ihren geschmückten Doktorhüten (unten)

wissenschaftler im Rahmen der Promotionsfeier der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät ihren Doktortitel. Das größte Kontingent stellten die Biologen (52), gefolgt von den Chemikern

Für eine erfolgreiche Karriere qualifiziert (20), Pharmazeuten (9), Informatikern (7), Physikern (7), Psychologen (2) und einem Mathematiker. Der Kreis der Promovierten ist international: Sie kommen aus Deutschland, Russland, Spanien, Griechenland, Italien, China, Vietnam, Taiwan, Ukraine, Polen, Marokko, England, Indien und der Schweiz. Prodekan Prof.

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Dr. Martin Mauve führte durch die Veranstaltung und übergab die Urkunden an die frisch Promovierten. Er zeigte sich sehr beeindruckt von den wissenschaftlichen Leistungen der jungen Nachwuchswissenschaftler: „Der Weg bis zum Doktortitel ist kein leichter – man braucht Kreativität, um unbekannte Probleme zu lösen, Disziplin, um sein Ziel im Auge zu behalten, und eine hohe Frustrationstoleranz, um sich von Fehlschlägen nicht entmutigen zu lassen. Sie alle haben diesen Weg mit Bravour gemeistert und haben sich damit für eine erfolgreiche Karriere qualifiziert.“ Bei der Promotionsfeier wurden traditionell auch wieder die schönsten und kreativsten Doktorhüte und Doktorwagen gekürt.

Dr. Alexander Streltsov Alexander Streltsov, im Jahr 1983 in Taganrog in Russland geboren, studierte Physik an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (Diplom 2009). Er promovierte anschließend am Institut für Theoretische Physik III bei Prof. Dr. Dagmar Bruß. Seine Arbeit „The role of quantum correlations beyond entanglement in quantum information theory“ wurde im Juni 2013 mit der Bestnote ‚summa cum laude‘ bewertet. Während seiner Promotion verbrachte er unter anderem im Jahr 2012 einen Forschungsaufenthalt am Los Alamos National Laboratory in den USA. Seit November 2013 arbeitet er als Postdoc am Institute of Photonic Sciences im spanischen Castelldefels in der Nähe von Barcelona.

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MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE FAKULTÄT

Batmans gefährliche Seite: Welche Krankheitserreger stecken in Fledermäusen?

Die Autoren Prof. Dr. Sven Klimpel forscht und lehrt am Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F) in der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung sowie am Institut für Ökologie, Evolution und Diversität der Goethe-Universität in Frankfurt / Main. Prof. Dr. Heinz Mehlhorn war bis 2009 Professor für Zoomorphologie, Cytologie und Parasitologie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Auch nach seiner Emeritierung ist er weiter in der Forschung tätig und ist ein gefragter Experte für Fragen der Parasitologie.

Publikation „Bats (Chiroptera) as Vectors of Diseases and Parasites – Facts and Myths“ (= Parasitology Research Monographs Vol. 5), Klimpel S., Mehlhorn H., Springer-Verlag Berlin/Heidelberg, 2014, 187 Seiten, 35 Abbildungen, 149 $

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Legenden und Mythen ranken sich um die Fledermaus; neben der Vorstellung vom blutsaugenden Vampir gibt es auch Batman, den Superhelden. Doch was steckt wirklich in den geflügelten Kleinsäugern? Sie zählen zu den bedrohten und

Fledermäuse: Reservoir-Wirte daher in Europa unter Schutz gestellten Tierarten. Sie sind weltweit ein wichtiger Teil der Ökosysteme. Sie regulieren Insektenbestände und verbreiten Pflanzen, indem sie Blüten bestäuben oder Früchte fressen und die Samen weitertragen. Doch für Mensch, Nutz- und Haustier sind Fledermäuse auch eine potenzielle Gefahr – aber nicht im Sinne überkommener Vorstellungen von blutsaugenden Vampiren. Vielmehr können sie Krankheitskeime und Parasiten übertragen. Dabei sind sie meist sogenannte Reservoir-Wirte, in denen der Krankheitserreger lebt, ohne den Tieren sonderlich zu schaden. Um den Zielwirt zu erreichen, muss der Erreger dann noch eine Art Taxi finden: zum Beispiel Stechmücken. Prof. Dr. Sven Klimpel von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung in Frankfurt / Main hat gemeinsam mit Prof. Dr. Heinz Mehlhorn, HHU Düsseldorf, den aktuellen Stand der Forschung in dem Buch „Bats (Chiroptera) as Vectors of Diseases and Parasites – Facts and Myths“ zusammengefasst. Vorgestellt werden unterschiedliche Aspekte der

Übertragung von Fledermausviren auf Tiere und Menschen. Auf Basis der weltweit zur Verfügung stehenden Literatur wurde analysiert, ob blutsaugende Insekten, insbesondere Stechmücken, bestimmte Viren über das Fledermausblut aufnehmen und beim nächsten Stich auf andere Tiere und den Menschen übertragen können. Tatsächlich saugen zahlreiche Mückenarten sowohl an Fledermäusen, Vögeln, Nutz- und Wildtieren als auch an Menschen Blut. Zu den wichtigsten von Tieren auf den Menschen übertragbaren Viren, die sowohl bei Fledermäusen und Menschen als auch in Stech- bzw. Sandmücken nachgewiesen wurden, gehören u. a. Rift-Valley-, Dengue- und West-Nil-Viren. Zudem wurden bei verschiedenen Fledermäusen auch einzellige Parasiten gefunden wie z.B. die Erreger der südamerikanischen Chagas-Krankheit (Trypanosoma spp.) sowie die Erreger der Malaria (Plasmodium spp.). Stechmücken sind aber nicht immer die Übermittler der Erreger. Bei zahlreichen übertragbaren Viren sind die Übertragungswege bisher nicht hinreichend geklärt. Es handelt sich dabei u. a. um Stämme des Rabies-Virus (Tollwut) und um Paramyxoviren, die z. B. auf Pferde (Hendra-Virus) oder auf Schweine (Nipah-Virus) übertragen werden und auch beim Menschen tödliche Infektionen verursachen können. Infektionen mit Filoviren (Ebola- und Marburgviren) sowie SARS-Coronaviren kommen in Fledermäusen vor. A. C. Fledermäuse sind weltweit wichtiger Teil der Ökosysteme. Foto: istockphoto.com – 4FR

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arasitologen aus Düsseldorf und Frankfurt veröffentlichten gemeinsam ein Buch über Fledermäuse. Ihr Fokus: Die geflügelten Kleinsäuger als Überträger von Viren und anderer Krankheitserreger. Zahlreiche Erreger, die in Fledermäusen nachgewiesen wurden, sind für den Menschen gefährlich.

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Foto: Evonik Industries AG

MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE FAKULTÄT

Nach der Preisverleihung im Wettbewerb „Evonik Call for Research Proposals“ (von links nach rechts): Evonik-Chef Klaus Engel, Nachwuchsgruppenleiter Dr. Georg Manolikakes (Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt), Prof. Dr. Thomas Müller (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf), Prof. Dr. Arne Skerra (Wissenschaftszentrum Weihenstephan der TU München) und Evonik-Vorstandsmitglied Patrik Wohlhauser.

Evonik-Ideenwettbewerb für Forschungskooperationen

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ie lässt sich das wichtige Tierfutteradditiv Methionin effizient und umweltfreundlich, vor allem Blausäure-frei herstellen? Die Evonik AG hat anerkannte Chemiker zu einem Ideenwettbewerb aufgerufen. Prof. Dr. Thomas Müller vom Institut für Organische Chemie und Makromolekulare Chemie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf gewann mit seinem Projektvorschlag den ersten Platz. Die Aminosäuren DL-Methionin und L-Methionin sind wichtige Futtermitteladditive für die Tierernährung. Sie müssen deshalb von der Industrie in großem Maßstab – Weltjahresproduktion mehrere 100.000 Tonnen – hergestellt werden. Die Essener Evonik AG (Geschäftsbereich Health & Nutrition) gehört zu den großen Herstellern dieses Stoffes. Gesucht wurde ein neues Syntheseverfahren, welches ohne die hochgiftige Blausäure als Grundstoff auskommt. Die Evonik AG rief zu dieser Problemstellung den Wettbewerb „Evonik Call for Research Proposals“ aus. Rund 100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland aus den Bereichen Organische Chemie, Biochemie und Katalyse wurden gebeten, Vorschläge für Kooperationsprojekte und neue, unkonventionelle Syntheseansätze einzureichen. Prof. Dr. Thomas Müller vom Institut für Organische Chemie und Mak-

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romolekulare Chemie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf legte den aus Jurysicht besten Vorschlag vor. Am 17. Dezember 2013 erhielt er dafür den mit 10.000 Euro dotierten ersten Preis. Derzeit prüft Evonik, ob aus diesem und weiteren prämierten Projektvorschlägen Forschungskooperationen mit der Hochschule entwickelt werden können. Arne Claussen

Prof. Dr. Thomas Müller Prof. Dr. Thomas Müller (geb. 1964) ist Lehrstuhlinhaber für Organische Chemie am Düsseldorfer Institut für Organische Chemie und Makromolekulare Chemie. Er studierte Chemie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, wo er auch promoviert wurde und sich habilitierte. Nach einer Professur an der Universität Heidelberg kam er 2006 an die HHU Düsseldorf. Seine Forschungsinteressen reichen von der Entwicklung effizienter Katalyseverfahren im Ein-Topf-Prozess bis zur Heterocyclenchemie und zu ihren Anwendungen in der medizinischen Chemie.

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MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE FAKULTÄT

Das Graduiertenkolleg iGRADplant und ein internationaler Bachelor-Studiengang: Kooperation mit der Michigan State University

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat Ende 2013 die zweite Förderperiode des internationalen Graduiertenkollegs 1525 „The Dynamic Response of Plants to a Changing Environment“ bewilligt. Das deutsch-amerikanische Kolleg, kurz „iGRADplant“, ist seit 2009 eine Kooperation der Heinrich-Heine-Universität, des Forschungszentrums Jülich und der Michigan State University, East Lansing (USA). Bis 2018 wird es mit ca. 4 Millionen Euro von der DFG gefördert.

VON ROLF WILLHARDT

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as Graduiertenkolleg bietet uns die Möglichkeit zu einer Vernetzung mit einem der besten amerikanischen Forschungszentren im Bereich der Pflanzenforschung. Sechs bis neun Monate der dreijährigen Dissertationsprojekte werden dabei in einem Labor der Partneruniversität angefertigt. Im Gegenzug kommen die kooperierenden Doktoranden aus den USA zu Forschungsaufenthalten an unsere Universität“, so Prof. Dr. Andreas Weber (Biochemie der Pflanzen), Sprecher des Graduiertenkollegs.

sitäten (45.000 Studierende), an der er von 2002 bis 2007 als Associate Professor forschte und lehrte. Koordinatorin von iGRADplant in Düsseldorf ist Dr. Sigrun Wegener-Feldbrügge. Das Interesse am deutsch-amerikanischen Graduiertenkolleg sei deutlich gestiegen, so ihre Erfahrung. „Wenn unsere Doktoranden an die Michigan State kommen, haben sie schon festumrissene Themen. Sie führen dann in den Labors dort bestimmte Methoden und Messungen durch, die in Düsseldorf so nicht möglich wären.“ Elf Professoren der Heinrich-Heine-Universität bzw. des Forschungszentrums Jülich sind mit ihren Arbeitsgruppen in das Graduiertenkolleg eingebunden, 20 in den USA. Forschen für die Doktorarbeit Mit der Michigan State University gibt es noch eine zweite Kooperation: das vierjährige Bachelor-Studienprogramm „Bioin Labors der Partneruniversität logie Plus / International“. Der Studienverlauf sieht für die deutschen Kommilitonen in Düsseldorf eine viersemestrige BAWeber war es auch, der die Kontakte zur Michigan State Grundphase des Biologiestudiums vor, dann folgen zwei SeUniversity knüpfte, einer der amerikanischen Spitzenuniver- mester an der Michigan State (mit Spezialisierungskursen und

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Illustration: Andrew K Stauffer – The Noun Project

Vom Bachelor zur Promotion

MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE FAKULTÄT

„WENN UNSERE DOKTORANDEN AN DIE MICHIGAN STATE KOMMEN, HABEN SIE SCHON FESTUMRISSENE THEMEN. SIE FÜHREN DANN IN DEN LABORS DORT BESTIMMTE METHODEN UND MESSUNGEN DURCH, DIE IN DÜSSELDORF SO NICHT MÖGLICH WÄREN.“

Foto: Hanne Horn

Dr. Wegener-Feldbrügge, Koordinatorin von iGRADplant

Das Graduiertenkolleg iGRADplant wird für weitere Jahre mit ca. 4 Millionen Euro von der DFG unterstützt.

dreimonatigen Laborpraktika). „Der Fokus des Programms“, so „Biologie Plus / International“ sieht vor, dass jeweils acht StuDr. Wegener-Feldbrügge, „liegt dabei auf den Forschungsprak- dierende aus Düsseldorf für 10 Monate in die USA wechseln, tika in den USA.“ Das siebente und achte Semester ist anschlie- 12 amerikanische Kommilitonen für drei Monate an die HHU. ßend eine Forschungs- und Vertiefungsphase an der HHU. Dort sind sie zum Teil auch in das Doktorandenprogramm iGRADplant eingebunden, wodurch bereits einige der Studierenden aus den USA für Promotionsprojekte in iGRADplant gewonnen Befreiung von hohen werden konnten. Der vierjährige Bachelor-Studiengang ermöglicht es zudem den deutschen Kommilitonen, sich auch interStudiengebühren an US-Universität national direkt auf Promotionsprogramme zu bewerben. Am internationalen BA-Programm wird sich in absehbarer Der in Deutschland bislang einzigartige Bachelor-Studien- Zeit auch das Fach Biochemie beteiligen. Außerdem soll das gang „Biologie Plus / International“ wird seit 2009 vom Deut- Programm durch Kooperationen mit weiteren internationaschen Akademischen Austauschdienst gefördert, es gibt eine len Partnern ausgebaut werden, um so in Zukunft einer größeReisekostenpauschale, monatliche Teilstipendien in Höhe von ren Anzahl von Studierenden die Möglichkeit eines in den Stu335 Euro und, ganz wichtig: Der Kooperationsvertrag der HHU dienverlauf integrierten Auslandsaufenthaltes zu schaffen. mit der Michigan State University ermöglicht eine Befreiung Infos: igrad-plant.uni-duesseldorf.de, biologie.uni-duesselvon den hohen Studiengebühren an der amerikanischen Unidorf.de/Studium/Bachelor_International versität (rund 15.000 Dollar für zwei Semester).

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PHILOSOPHISCHE FAKULTÄT

Die „rheinische Duse“ Louise Dumonts Weg nach Düsseldorf: Edition von Briefen und Dokumenten

In jahrelanger kleinteiliger Arbeit haben die drei Bearbeiterinnen Jasmin Grande, Nina Heidrich und Karoline Riener rund 70.000 Blätter und 17.000 Konvolute entziffert und geordnet. In dem nun erschienenen Band präsentieren sie 136 Briefe von und an Louise Dumont, zudem 28 Dokumente wie z. B. Dienstoder Gesellschafterverträge. Kulturhistorische Essays der Herausgeber betten die Briefe ein. Louise Dumont, 1862 in Köln geboren, erhielt 1882 ihre erste Rolle am Berliner Residenztheater. Ihr Weg nach Düsseldorf führte über verschiedene Stationen:

1894: STUTTGART UND SANKT PETERSBURG „Sie könnten ein Idealtheater schaffen und bei dieser Arbeit hätte ich Ihnen gern geholfen!“ – mit diesen Worten fordert die 32-jährige Louise Dumont den Leiter des Stuttgarter Hoftheaters, Baron Putlitz, heraus. Es sollte nicht ihr letzter Versuch sein, ein Theater selbst zu gestalten. Wenige Monate später schreibt der Schauspieler Adolf Klein „einen wirklich wichtigen Brief an Sie; es ist vielleicht der wichtigste Brief, den Sie je erhalten haben!“ Es geht um die Planung eines Theaters in Sankt Petersburg, wo Louise Dumont als Gaststar engagiert war. Doch ein Konkurrent kam ihnen zuvor, das Projekt konnte nicht realisiert werden. 3

1: Als „Hero“ in Grillparzers „Des Meeres und der Liebe Wellen“, Reichenberg (Böhmen) Stadttheater 1885 2: Louise Dumont als „Porzia“ in Shakespeares „Der Kaufmann von Venedig“, Berlin, Deutsches Theater um 1898 3: Louise Dumont mit dem Schauspielerkollegen Adolf Klein (links) und dem Leiter der Truppe, Philipp Bock, in Sankt Petersburg 1893 1

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Fotos: Theatermuseum Düsseldorf

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ie war die Frau, die das Düsseldorfer Schauspielhaus groß machte: Louise Dumont, genannt „die rheinische Duse“. Ihr Weg von Berlin über diverse Stationen bis hin nach Düsseldorf wird nun in dem von Gertrude Cepl-Kaufmann (Institut Moderne im Rheinland), Michael Matzigkeit und Winrich Meiszies (beide Theatermuseum Düsseldorf) herausgegebenen Band „Louise Dumont. Eine Kulturgeschichte in Briefen und Dokumenten“ vorgestellt.

PHILOSOPHISCHE FAKULTÄT

1901: BERLIN

AB 1904: DÜSSELDORF

Max Reinhardt telegraphiert gemeinsam mit Friedrich Kayssler und Berthold Held an Louise Dumont: „Haben Sie heute vergeblich erwartet. Bitten Sie nun unbedingt morgen Mittag hier zu sein, drahten, wo und wann.“ Wenig später gründet das Quartett das Theater „Schall und Rauch“. Es ist zu diesem Zeitpunkt das wichtigste Theaterprojekt der Moderne in Berlin. Doch für die selbstbewusste Schauspielerin, die zu diesem Zeitpunkt weit über Deutschland hinaus bekannt ist, von den Kritikern als „erste Schauspielerin Berlins“ gefeiert wird, reichte der Handlungsrahmen in dieser Männergemeinschaft nicht aus. Kurz nach der Gründung steigt sie aus.

Düsseldorf als Theaterort mit anspruchsvollem Programm und aktuellem Konzept kannte man seit Karl Leberecht Immermann (1796 – 1840) auch in Berlin. Ebenso kannte man dort sehr wohl Louise Dumont, die mit ihren rheinischen Wurzeln die große Welt nach Düsseldorf zurückholen sollte, und bemüht sich erfolgreich um Dumont und Lindemann. Die Aktivitäten in Düsseldorf ziehen weite Kreise: „Natürlich redeten wir bis in die tiefe Dunkelheit nur von Düsseldorf – ist die Eröffnungsfrage gelöst? Wo man hier hinhört, sind die Leute in Debatten über Ihr Schauspielhaus verstrickt. Die Eröffnung scheint sich in der Tat zu einem europäischen Kunstereignis auszuwachsen“, schreibt Hedda Eulenberg kurz vor dem Umzug von Berlin nach Düsseldorf an Louise Dumont. 1904 unterschrieb das Paar den Gesellschaftsvertrag und 1905 eröffnete das Schauspielhaus Düsseldorf unter der Regie von Louise 1903: WEIMAR Dumont und Gustav Lindemann am 31. Oktober 1905 mit Harry Graf Kessler tritt an Louise Dumont heran: Man möchte Friedrich Hebbels „Judith“ und begründete Düsseldorfs Ruf in Weimar ein neues Theater errichten, es soll Bestandteil einer als Ort der Moderne. V. M. Neubelebung der Stadt sein: als Goethe-Ort, als Nietzsche-Ort und als Ort einer Zukunft im Sinne der künstlerischen und Literatur „Louise Dumont – Eine Kulturgetheatralen Moderne. Louise Dumont reist zu diesem Zeitpunkt schichte in Briefen und Dokumenten“ mit der Ibsen-Tournee, die von Gustav Lindemann geleitet wird. Gertrude Cepl-Kaufmann, Michael Beide sind sich schnell einig: Nur mit einem eigenen Theater Matzigkeit, Winrich Meiszies (Hg.) Bearbeitet von Jasmin Grande, können sie ihren Beitrag zur Erneuerung des Theaters leisten. Nina Heidrich und Karoline Riener, Doch die Situation in Weimar ist schwierig, als sich plötzlich Essen, Klartext-Verlag, 608 Seiten, eine neue Möglichkeit auftut: Düsseldorf. zahlr. Abb., 29,95 Euro 4

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4: Luise Dumont 1902 in Berlin 5: Als „Rebecca West“ in Henrik Ibsens „Rosmersholm“ 1903 6: Das Düsseldorfer Schauspielhaus in der Kasernenstraße Anfang der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts 6

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PHILOSOPHISCHE FAKULTÄT

Was haben Gene mit Wörtern zu tun? Entwicklung der indoeuropäischen Sprachen mit Methoden der Bioinformatik untersucht

Seit Darwin werden von Wissenschaftlern und Laien gern Parallelen zwischen biologischer und sprachlicher Evolution gezogen: So, wie sich Pflanzen, Tiere und Menschen entwickelten, so haben sich auch unterschiedliche Sprachen herausgebildet. Wissenschaftler der Universitäten Düsseldorf und Marburg haben nun diese Metapher wörtlich genommen und mit biologischen Methoden die Entwicklung von Sprachen erforscht. Erste Ergebnisse dieser Arbeit sind in dem angesehenen Magazin „Bioessays“ veröffentlicht worden.

VON VICTORIA MEINSCHÄFER

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ie Gleichsetzung von biologischer und sprachlicher Entwicklung ist schon 150 Jahre alt“, stellt Prof. Dr. Hans Geisler (Institut für Romanistik) fest, „jedoch musste nach erfolgreicher Entschlüsselung der Erbinformation nun auch das Verhältnis von genetischem und sprachlichem Code neu überdacht werden“. Geisler bildet zusammen mit dem Marburger Linguisten Dr. Johann-Mattis List und den Düsseldorfer Molekularbiologen Prof. Dr. William Martin und Dr. Shijulal Nelson-Sathi eine vom BMBF geförderte interdisziplinäre Forscher-

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gruppe, die aus Wörtern verschiedener Sprachen deren Verwandtschaftsverhältnisse errechnet. Bevor die Forschergruppe die Methoden von der einen in die andere Disziplin übertrug, stellte sich die Frage nach der Berechtigung dieses Vorgehens. „Wir nehmen an, dass Gene und Wörter vergleichbar aufgebaut sind und

Ermittlung von „Wortverwandtschaften“ vergleichbare Funktionen haben“, so Geisler. „Ähnlich wie sich aus dem Vergleich von Genen auf biologische Verwandtschaft schließen lässt, kann aus dem Vergleich von Wörtern auf sprachliche Verwandtschaft geschlossen werden.“ Somit scheint es angebracht, bioinformatische Methoden, die zur Ermittlung von Genverwandtschaft entwickelt wurden, auch zur Ermittlung von „Wortverwandtschaft“ zu nutzen. Dies erfordert aber eine Reihe von Präzisierungen. Bei den meisten bioinformatischen Verfahren setzten Biologen nämlich voraus, dass Gene nur vererbt werden können und es allein aufgrund von selten auftretenden Mutationen zur Entstehung neuer Lebensformen kommt. Diese Form der Entwicklung wird modellhaft durch eine sich verzweigende Baumstruktur dargestellt. Aktuelle genetische Forschungen haben nun gezeigt, dass sich – vor allem bei primitiven Lebensformen wie den Bakterien – Teile des Erbguts auch durch ab-

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Abbildungen: © The Authors 2014. BioEssays Published by WILEY Periodicals, Inc.

PHILOSOPHISCHE FAKULTÄT

Stammbaum für 40 indoeuropäische Sprachen mit Netzwerk der Wortentlehnungen

rupten Austausch über Artgrenzen hinweg verändern können. Dieses Verfahren wird im Gegensatz zum „vertikalen Gentransfer“ bei geschlechtlicher Fortpflanzung als „horizontaler“ oder „lateraler Gentransfer“ bezeichnet. Im einfachsten Fall kommen dabei zwei Zellen in Kontakt und Teile des Erbguts der Spenderzelle wandern in die Empfängerzelle und integrieren sich in deren Erbgut.

che Umfeld stellt es jedoch eine Anomalie dar, die weiterhin auf seinen Lehnwortcharakter hinweist. So haben z. B. die germanischen Sprachen verwandte Wörter zur Bezeichnung des Begriffes „Berg“: dänisch bjerg, schwedisch berg, niederländisch berg und altenglisch beorgh. Im Englischen findet sich aber seit dem 13. Jahrhundert mountain, das mit anglonormannisch mountayne, französisch montagne, italienisch

Der älteste Stammbaum der slawischen Sprachen von František Čelakovský (1853)

Welche Begriffe sind in allen Sprachen vorhanden? Der horizontale Gentransfer weist große Ähnlichkeit mit dem Verfahren der Wortentlehnung beim Kontakt zwischen zwei Sprachen auf: Aus einer Gebersprache wird ein Wort in eine andere Sprache entlehnt und lautlich so angepasst, dass es in der Empfängersprache nicht mehr als Fremdwort empfunden wird. Bezogen auf das verwandtschaftli-

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Publikation „Networks of lexical borrowing and lateral gene transfer in language and genome evolution“ List J.-M., Nelson-Sathi S., Geisler H., Martin W, 2014, BioEssays 36: 141–150. DOI: 10.1002ies.201300096

montagna und spanisch montaña verwandt ist. Bei einer derartigen Wortverteilung kann man davon ausgehen, dass eine Entlehnung aus der romanischen Sprachfamilie in die germanische Sprache Englisch stattgefunden hat. Aufgrund der lautlichen Ähnlichkeit würde das algorithmische Verfahren zudem noch das Anglonormannische mountayne als wahrscheinlichste Spendersprache für englisch mountain auswählen. Soll nun die Verwandtschaft in einer Sprachgruppe untersucht werden, so gilt es zunächst, Begriffe zu identifizieren, die in allen Sprachen vorhanden sind und die zudem bekannt dafür sind, dass sie nur selten entlehnt werden (z. B. ‚Mann‘, ‚Kopf‘, ‚stehen‘, ‚schlafen‘ etc.). „Einen solchen Datensatz für die indoeuropäischen Sprachen gibt es bereits“, erklärt Geisler, „den konnten wir nutzen. Die Grundlage bilden rund 200 Konzepte, die in 40 Sprachen unterschied-

lich versprachlicht werden.“ Indem dieser schon häufiger in der Forschung gebrauchte Datensatz verwendet wurde, konnte kontrastiv gezeigt werden, dass sich die Ergebnisse der von der Forschergruppe verwendeten Methode von denen herkömmlicher Analysen unterscheiden.

Baummodell wird erweitert „Wir geben das Baummodell nicht auf“, schildert Geisler seine Erfahrungen, „aber es ergeben sich nun Bäume, deren Äste durch ein Netz von mehr oder weniger dicken Querverbindungen durchzogen sind.“ Die durch historisch kontingenten Sprachkontakt entstandenen Netze können die vom Baummodell suggerierte organische Entwicklung von Sprachen erheblich beeinflussen und in ihrer Richtung verändern.

„Beste Dissertation“: Dr. Johann-Mattis List ausgezeichnet

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In seiner Arbeit hat er sich Methoden aus der Bioinformatik bedient, die ursprünglich zum Vergleich von DNA-Sequenzen entwickelt wurden. So konnte er Computerprogramme entwickeln, mit deren Hilfe Wörter verglichen und historische Ähnlichkeiten zwischen Wörtern ermittelt werden. Die Automatisierung der historischen Sprachforschung scheint List unumgänglich, da es „zu viele Sprachen und zu wenige historische Sprachforscher gibt“. Foto:: C Foto Christian Herrmann

Einer der Autoren des Artikels ist Dr. Johann-Mattis List, der im Januar mit dem Preis „Beste Dissertation 2013“ der Philosophischen Fakultät ausgezeichnet wurde. List, der nun an der Universität in Marburg forscht, wurde 1981 in Kassel geboren. Nach dem Abitur in Osnabrück studierte er in Tübingen und Berlin Vergleichende und Indogermanische Sprachwissenschaft, Sinologie und Russistik. 2008 begann er das Promotionsstudium in Berlin, das er ab 2009 in Düsseldorf fortsetzte und nun mit der von Prof. Dr. Hans Geisler betreuten Arbeit „Sequence Comparison in Historical Linguistics“ abschloss. Auch Johann-Mattis List gebraucht einen Vergleich aus der Welt der Natur, wenn er seine ausgezeichnete Dissertation erklärt: „Wörter sind nicht nur einer der Grundbausteine von Sprachen, sie sind auch der Schlüssel zu deren Geschichte: Ähnlich, wie wir aus der Faltung von Gesteinsschichten auf die Geschichte von Gebirgen schließen können, können wir durch den Vergleich von Wörtern verschiedener Sprachen feststellen, wie sich diese Sprachen entwickelt haben.“

Dekan Prof. Dr. Bruno Bleckmann (rechts) und Dr. Johann-Mattis List

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Illustration: Darrin Higgins – The Noun Project

PHILOSOPHISCHE FAKULTÄT

PHILOSOPHISCHE FAKULTÄT

ULB: DFG-Projekt „Düsseldorfer Theaterzettel des 19. Jahrhunderts“ abgeschlossen

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as von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Projekt zur Erschließung und Digitalisierung von historischen Düsseldorfer Theaterzetteln aus dem 19. Jahrhundert konnte nach einer Laufzeit von 18 Monaten erfolgreich abgeschlossen werden. 13.069 historische Theaterzettel der Düsseldorfer Bühnen aus den Jahren 1802 bis 1918 wurden katalogisiert, digitalisiert und online zur Verfügung gestellt. Das Projekt umfasst bedeutende Perioden der Düsseldorfer Theatergeschichte, wie die Intendanz Karl Immermanns (1834 – 1837) und die Gründung des Schauspielhauses durch Louise Dumont und Gustav Lindemann.

Theaterhistorische Quellen und kulturhistorisches Forschungsmaterial Mit den Theaterzetteln kündigten die Bühnen die Aufführungen des jeweiligen Tages an. Neben Titel, Autor und ggf. Bearbeiter des Textes nannten die Theaterzettel auch sämtliche beteiligten Schauspieler mit ihrer Rolle und enthielten weitere Informationen, zum Beispiel über Eintrittspreise und Abonnement-Bedingungen. Theaterzettel sind nicht nur theaterhistorische Quellen, sondern auch kulturhistorisches Forschungsmaterial, da sie ein Bild der kulturellen Identität der jeweiligen Zeit vermitteln. Sie stellen daher für ein breites Spektrum kulturwissenschaftlicher Fächer ein reiches Quellenmaterial dar.

Da auf Theaterzetteln viele Personen genannt werden, nicht selten zwanzig und mehr, ist ihre Erschließung besonders aufwändig. Im Rahmen der Erschließung wurden nicht nur alle genannten Personen erfasst, sondern auch – soweit möglich – in die Gemeinsame Normdatei (GND) aufgenommen. Dafür waren teils langwierige Recherchen nötig, bei denen möglichst viele persönliche Daten wie Vor- und Familienname, Geburtstag und -ort sowie Beruf ermittelt wurden, um eine eindeutige Identifizierung zu ermöglichen. Insgesamt wurden 3.735 Normsätze neu erstellt bzw. korrigiert. Die ULB hat als erste Bibliothek diese tiefe Erschließung durchgeführt und damit national Maßstäbe bei der Erfassung historischer Materialien gesetzt. Durch diese Arbeit werden die Nutzerinnen und Nutzer zum Beispiel in die Lage versetzt, sich alle Theaterzettel, in denen eine bestimmte Person genannt wird, anzeigen zu lassen. Darüber hinaus wurde bei allen Theaterzetteln eine Volltexterkennung durchgeführt, sodass der gesamte Korpus nach einzelnen Stichworten durchsucht werden kann. Eine Kalender-Ansicht bietet einen intuitiven chronologischen Einstieg in die Recherche. Die Sammlung Düsseldorfer Theaterzettel umfasst nach neueren Schätzungen etwa 60.000 Exemplare, datierend vom Beginn des 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Die ältesten Theaterzettel stammen aus dem Jahr 1802. Für den Zeitraum bis 1900 besitzt die ULB die vollständigste Sammlung von Düsseldorfer Theaterzetteln, die sie von ihrer Vorgängerinstitution, der Landes- und Stadtbibliothek Düsseldorf, übernommen hat. Carola Spies

Fotos: ULB

„Der Amerikaner“ ist der älteste der Theaterzettel, er stammt aus dem Jahre 1802. „Die Laune des Verliebten“ war eine Freilichtaufführung 1923 im Benrather Schlosspark. 13.069 Theaterzettel wurden katalogisiert, digitalisiert und online zur Verfügung gestellt.

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PHILOSOPHISCHE FAKULTÄT

Sozialwissenschaften: Bürgerumfrage zum Leben in Düsseldorf Was ist Düsseldorfer Bürgern in ihrem Leben wichtig, wie sehen sie ihre persönliche Zukunft, wie zufrieden sind sie mit ihrer Stadt, ihrer Wohngegend, dem Schutz vor Kriminalität? Diese und weitere Fragen will die „Umfrage zum Leben in Düsseldorf 2013 / 14“ beantworten, die das Institut für Sozialwissenschaften der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf gestartet hat. Düsseldorfer Bürger werden hier zu ihren Lebensbedingungen und aktuellen Themen befragt. Es ist die siebte Umfrage in einer Serie postalischer Befragungen, die unter der Leitung von Prof. Dr. Karl-Heinz Reuband seit 1997 durchgeführt werden.

Mit der neuen Erhebung, die als repräsentative Studie angelegt ist und in der über 1.000 Personen befragt werden, sollen nicht nur die aktuelle Situation, sondern auch die Veränderungen in den letzten Jahren analysiert werden. Dabei geht es nicht nur um die objektiven, sondern auch um die subjektiven Lebensbedingungen. Zu dem Team, das die Untersuchung durchführt, gehören auch 25 Studierende des Bachelorstudiengangs Sozialwissenschaften. Sie lernen praxisnah im Rahmen eines Methodenseminars, wie man Umfragen durchführt und analysiert. Die rege Beteiligung der Bürger an der Erhebung ist daher nicht nur eine

wichtige Voraussetzung für das Gelingen der Studie. Sie bedeutet zugleich eine Unterstützung der Studierenden im Rahmen ihres Studiengangs Sozialwissenschaften.

Finanziert durch die Freundesgesellschaft Die Umfrage wird den üblichen professionellen Maßstäben der Sozialforschung gemäß durchgeführt. Sie wird finanziell unterstützt von der Gesellschaft der Freunde und Förderer der HeinrichHeine-Universität Düsseldorf. V. M.

Examensfeier in der Philosophischen Fakultät 577 Absolventen der Philosophischen Fakultät erhielten am 31. Januar 2014 ihre Bachelor-, Master-, Magister-, Diplom- und Doktorurkunden. Der Carl-Wambach-Preis für die sprachlich und inhaltlich beste Masterarbeit des Faches Germanistik wurde durch den Dekan Prof. Dr. Bruno Bleckmann an JanChristoph Dietmar Bremenkamp verliehen. Der Verso-Preis für die beste Bachelorarbeit im Sozialwissenschaftlichen Institut aus dem Jahr 2013, gespendet vom „Verein der Freunde und Förderer des Sozialwissenschaftlichen Instituts e. V.“, wurde von der Vorsitzenden, Dr. Susanne Keuneke, an Julia Bieber überreicht. Die Förderpreise des Alumni-Vereins „FörderLink Düsseldorf e.V.“ der Allgemeinen Linguistik gingen an Tanja Marton (Masterarbeit) und Ann-Kathrin Ohlerth (Bachelorarbeit). Die Preise wurden durch den Vorsitzenden des Vereins, Christian Horn, verliehen. Mit dem Heinrich-Heine-Journalismus-Preis für einen wesentlichen Beitrag zur Journalismusforschung im Sozialwissenschaftlichen Institut, gestiftet vom „Verein Düsseldorfer Journalisten“, wurden Teresa Cuenca Fernandes und Marcel Winter für die besten Bachelor-Studienarbeiten und Cathrin Erbstößer für die beste Master-Studienarbeit ausgezeichnet. Den Preis überreichte der Vorsitzende des Vereins, Detlef Schlockermann. Insgesamt wurden bei der Feier 577 Absolventen, die ihr Studium im Wintersemester 20013/14 abgeschlossen haben, verabschiedet; verliehen wurden 426 Bachelor-, 120 Master-, 16 Magister-, 1 Diplom- und 14 Promotionsurkunden. V. M.

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577 Absolventen

426 Bachelorurkunden

120 Masterurkunden

16

Magisterurkunden

1 Diplomurkunde

14

Promotionsurkunden

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NEUERSCHEINUNGEN

Reaktionär – konservativ – modern? „Reaktionär – konservativ – modern? Figürliche Plastik der frühen Nachkriegszeit in Deutschland“ Hans Körner und Guido Reuter (Hrsg.), düsseldorf university press, Düsseldorf 2013, 218 Seiten, 29,80 Euro

In der jungen Bundesrepublik und der jungen DDR diente Kunst der politischen Selbstvergewisserung und der doppelten Abgrenzung von der nationalsozialistischen Vergangenheit und von dem politischen Gegner im Osten / Westen. Die Kunst, die Gegenstand dieses politischen Diskurses war, ist von der Kunstgeschichtswissenschaft eher stiefmütterlich behandelt worden. Besonders gering war das Interesse, das der figurativen deutschen Skulptur der frühen Nachkriegszeit entgegengebracht wurde. Eingespannt in das (westliche) teleologische kunsthistorische Geschichtsmodell stand figurative Plastik, wenn nicht für reaktionäre Kunst (zurückgebunden an die Plastik im Nationalsozialismus) oder für gesellschaftliche Unfreiheit (die figurative Plastik im Osten Deutschlands), so doch zumindest für eine konservative, bestenfalls als „gemäßigte Moderne“ zu qualifizierende künstlerische Haltung. Mit Beiträgen von Ursel Berger, Arie Hartog, Hans Körner, Angela Lammert, Christa Lichtenstern, Johannes Myssok, Guido Reuter, Karl Schawelka, Vanessa Sondermann, Ursula Ströbele und Marc Wellmann.

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Foto: istockphoto.com – Deejpilot

Neuerscheinungen der „Düsseldorf University Press“ Fachkräftemangel – Fiktion oder Realität? „Fachkräftemangel – Fiktion oder Realität? Eine Studie zum Fachkräftemangel mittelständischer Unternehmen in der Region Düsseldorf“ Raimund Schirmeister, Svenja Mangold, düsseldorf university press, Düsseldorf 2013, 124 Seiten, 24,80 Euro

Zum gesellschaftspolitisch brisanten Thema „Fachkräftemangel“ ist bereits viel gesagt worden. Die Besonderheiten der vorliegenden Untersuchung liegen zum einen darin, durch eine empirische Erhebung in der prosperierenden Region Düsseldorf eine abgegrenzte, aber doch umfangreiche Gruppe mittelständischer Unternehmen zu diesem Thema befragt zu haben. Diese Ergebnisse zum anderen an den Erwartungen „künftiger Fachkräfte“, nämlich Studierenden und Schülern, zu spiegeln, generiert Spannungen, die zum Nachdenken anregen. Im Ergebnis kann festgehalten werden, dass die mittelständischen Unternehmen der Region Düsseldorf den Einfluss des demografischen Wandels auf die Gewinnung und Erhaltung einer qualifizierten Belegschaft erkannt haben: Der Wettbewerb um Fachkräfte hat sich bereits intensiviert, die Suche nach Lösungen ist in vollem Gange. Allerdings stecken in der konkreten Umsetzung noch vielfältige Potenziale, die es verstärkt auszuschöpfen gilt. Hierzu will die vorliegende Schrift einen Diskussionsbeitrag leisten. Weitere Informationen zu diesem Titel und zum gesamten Verlagsprogramm unter www.dupress.de.

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PERSONALIA

AUSZEICHNUNG

Am 7. Februar 2014 wurden die diesjährigen Hort-Stipendien vergeben. Eva Hansen (32) erhält für einen Aufenthalt in Berkeley und San Marino (USA) ein Stipendium in Höhe von 3.800 Euro. Sie wird dort zum deutsch-amerikanischen Schriftsteller, Übersetzer und Journalisten Herman George Schefflauer forschen. Corinna Laube (25) wird an der Stanford University (USA) neuronale Grundlagen ökonomischen Entscheidungsverhaltens erforschen (2.300 Euro). Ein Stipendium in Höhe von 2.300 Euro bekommt Peter E. Ehrat (32). Er untersucht in Venedig und Padua rechtliche und tatsächliche Voraussetzungen für die Teilnahme von Künstlern an den Ausstellungen „documenta“ 2012 sowie der „Berlinale“ 2011 und 2012. Lisa Bensch (23) wird einen dreimonatigen Forschungsaufenthalt in Amsterdam verbringen, sie erhält 2.250 Euro. Die Stiftung wurde 1990 von Dr. med. Hedwig Hort und ihrem Ehemann, Prof. Dr. med. Waldemar Hort, dem ehemaligen Direktor des Instituts für Pathologie der Heinrich-Heine-Universität, begründet. Sie verleiht seit 1993 alljährlich Stipendien an Studierende der HHU. Die Stiftung gibt geeigneten

Foto: Maria Karidopoulou

Vier Hort-Stipendien vergeben

Stifter und Stipendiaten (v. l.): Othmar Kalthoff (Geschäftsführer der Freundesgesellschaft, die die Stiftung verwaltet), Prof. Dr. Wlada Urlacher (Kuratoriumsmitglied), Prof. em. Dr. Waldemar Hort, Lisa Bensch, Eva Hansen, Corinna Laube, Peter E. Ehrat, Prof. em. Dr. Wilhelm Busse (Kuratoriumsmitglied), Christoph Hort (Kuratoriumsmitglied)

Studierenden aller Fakultäten im Rahmen eines maximal dreimonatigen Studienaufenthaltes im In- oder Ausland die Möglichkeit, an wissenschaftlichen Themen zu arbeiten oder zusätzliche Kenntnisse zu erwerben. R. W.

Dr. Martin Goch ist neuer Kanzler der Heinrich-Heine-Uni- Personalverwaltung der neuen Hochschule Rhein-Waal mit versität Düsseldorf. Er trat die Nachfolge von Prof. Ulf Pallme Standorten in Kleve und Kamp-Lintfort (zurzeit 5.000 StudieKönig an. rende) bestellt. Seit Mitte Februar 2014 leitet Martin Goch nun die ZentDr. Martin Goch wurde 1963 in Bielefeld geboren und studier- rale Universitätsverwaltung der HHU als Kanzler und ist te Geschichte und Englisch an der Ruhr-Universität Bochum Mitglied des Rektorates. Die Amtszeit des Kanzlers umfasst sowie der University of Sheffield. In seiner Promotion an der jeweils sechs Jahre. Dr. Goch ist verheiratet und hat zwei RUB befasste er sich mit englischen Universitätsromanen Kinder. V. M. / R. W. nach 1945. Seine berufliche Laufbahn begann Martin Goch 1992 als Persönlicher Referent des Rektors der Universität Essen (heute Universität Duisburg-Essen). Diese Tätigkeit übte er bis 1996 aus, seit 1994 hatte er zusätzliche Aufgaben als Abteilungsleiter und später Stellvertreter des Leiters im Dezernat für Studentische und Akademische Angelegenheiten. Parallel zu diesen Aufgaben leitete er nach dem Ende seiner Referententätigkeit ab 1996 auch die Stabsstelle bzw. das spätere Dezernat Controlling / KLR. Nachdem Martin Goch 2002 noch an der Universität Essen zum Dezernenten für Wirtschaft und Finanzen ernannt worden war, begleitete er ab 2003 in dieser Funktion maßgeblich die Fusion der Universitäten Duisburg und Essen. 2009 wurde er zum Gründungs-Vizepräsidenten für Wirtschafts- und Dr. Martin Goch ist seit Mitte Februar neuer Kanzler der HHU Düsseldorf.

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Foto: Wilfried Meyer

Neuer Kanzler: Dr. Martin Goch

PERSONALIA

AUSZEICHNUNGEN

Verdienstkreuz für Prof. Dr. Cepl-Kaufmann Die Germanistin Prof. Dr. Gertrude Cepl-Kaufmann ist am ohne finanzielle Unterstützung der Universität auf die Beine 6. Dezember 2013 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande zu stellen: Vielmehr wirbt sie die Mittel bei Stiftungen und ausgezeichnet worden. Damit wurde ihr jahrzehntelanges En- Förderern ein und realisiert Ausstellungen und Kolloquien. Gertrude Cepl-Kaufmann bringt zudem den Kulturausgagement um die „Moderne im Rheinland“ gewürdigt. tausch voran: Ob als Gastdozentin an der Karls-Universität Die Kulturgeschichte des Rheinlands kennt sie wie wohl nie- Prag, als Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat des Fritzmand sonst. In dieser Geschichte ist sie heimisch, die Rhein- Hüser-Instituts für deutsche und ausländische Arbeiterliteländerin und studierte Literaturwissenschaftlerin Gertrude ratur, ob im Komitee der Niederrhein-Akademie/Academie Nederrijn e. V. oder mit ihrer Beteiligung an der Konzeption Cepl-Kaufmann. Als ehemalige Leiterin des An-Instituts „Moderne im des Studiengangs „Europa – kulturhistorisch“ an der DüsselRheinland“ der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf hat sie dorfer Universität – überall engagiert sie sich mit ihrem Wises immer verstanden, die Arbeit im Institut auch praxis- und sen und ihren Ideen. Gertrude Cepl-Kaufmann arbeitet überdies mit im Kuratoberufsnah mit den Projektseminaren für ihre Studierenden zu verbinden. Gertrude Cepl-Kaufmanns Schwerpunkte in rium der Stiftung „Rheinisches Archiv für Künstlernachlässe“ Lehre und Forschung sind die Literatur vom Naturalismus bis (RAK) und trägt nicht zuletzt als Referentin viel zur erfolgreizur Gegenwart, Literatursoziologie und die regionalhistori- chen Stiftungsarbeit bei. Ministerin Schwall-Düren, die den Verdienstorden der Bunsche Kulturwissenschaft. Zahlreiche Publikationen hierzu desrepublik überreichte, sagte bei der Verleihung: „Doch heustammen aus ihrer Feder. Als Vorsitzende des „Arbeitskreises zur Erforschung der te soll einmal nicht die von Ihnen so hervorragend erforschte Moderne im Rheinland e. V.“ ist sie „Kopf“ und „Herz“ des Kulturgeschichte des Rheinlandes im Vordergrund stehen, Arbeitskreises. Sie vernetzt mit ihrer interdisziplinären Erfor- sondern Sie selbst, liebe Frau Cepl-Kaufmann: Ihnen und Ihschung nicht nur Wissenschaftler und Kulturschaffende der rem engagierten Einsatz für unsere Region gebührt heute V. M. Kulturregion. Ihr gelingt auch das Kunststück, ihre Projekte das Verdienstkreuz am Bande.“

Förderpreis der Stadt für Dr. Heinze preisen aus. In diesem Jahr wurde außerdem noch der Förderpreis für herausragende wissenschaftliche Leistungen vergeben. In Vertretung von Oberbürgermeister Dirk Elbers ehrte Kulturdezernent Hans-Georg Lohe die jungen Preisträger. Seit 1972 gibt es die Tradition der Förderpreisverleihungen in der Landeshauptstadt. Die Auszeichnungen sind mit V. M. Dr. Heinze sei ein herausragender Nachwuchswissenschaftler, jeweils 4.000 Euro dotiert. stellte die Jury fest. Mit gerade einmal 37 Jahren habe er bereits zwei Monographien und zahlreiche Aufsätze verfasst sowie zwei Sammelbände herausgegeben. „Seine Forschungsar-

Preisgeld: Willkommene Starthilfe beit insbesondere im Bereich der literaturwissenschaftlichen Identitäts- und Migrationsforschung ist wegweisend auf ihrem Gebiet.“ Das Preisgeld werde eine willkommene Starthilfe für sein neues großes wissenschaftliches Projekt sein: eine Monographie über den britischen Autor Alan Hollinghurst. Alljährlich im Dezember zeichnet die Landeshauptstadt Düsseldorf vielversprechende Nachwuchskünstler mit Förder-

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Düsseldorfs Kulturdezernent Hans-Georg Lohe (rechts) verlieh die Auszeichnung.

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Foto: Andreas Endermann

Dr. Michael Heinze (Institut für Anglistik der Philosophischen Fakultät) ist mit dem Förderpreis der Stadt Düsseldorf ausgezeichnet worden. „Gefördert werden ausdrücklich hoffnungsvolle Düsseldorfer Talente“, so Kulturdezernent Hans-Georg Lohe bei der Preisvergabe am 10. Dezember 2013.

PERSONALIA

NACHRUFE

Dr. h. c. Ulrich Hartmann

Prof. em. Dr. Hanns Klinger

Prof. em. Dr. Gernot Decker

Das Universitätsklinikum und die Heinrich-Heine-Universität mit ihrer Medizinischen Fakultät trauern um Dr. h. c. Ulrich Hartmann, Mitglied des Aufsichtsrates des Universitätsklinikums Düsseldorf als Sachverständiger aus dem Bereich der Wirtschaft (E.ON AG) von 2002 bis 2013. Er verstarb nach langer Krankheit am 13. Januar 2014 im Alter von 75 Jahren. Seine Persönlichkeit und Urteilskraft waren zutiefst beeindruckend. Er hat als Aufsichtsrat die Modernisierung des Universitätsklinikums in über zehn Jahren maßgeblich mitgestaltet. Das Wohl des Hauses war dabei immer sein zentrales Anliegen. Mit dem ihm eigenen Augenmaß hat er auch dafür Sorge getragen, dass in diesem kontinuierlichen Veränderungsprozess die soziale Balance gewahrt blieb. Dr. h. c. Ulrich Hartmann hat durch die Tätigkeit in den Gremien des Aufsichtsrates wesentlich dazu beigetragen, dass sich das Universitätsklinikum Düsseldorf zu einem hochmodernen Zentrum universitärer Spitzenmedizin in Krankenversorgung und medizinischer Forschung entwickelt hat. Darüber hinaus hat er der Universität in ihrer Gesamtheit als langjähriges Mitglied des Kuratoriums der HeinrichHeine-Universität und des Vorstands der Gesellschaft von Freunden und Förderern der HHU Düsseldorf e.V. große Dienste erwiesen. S. D.

Am 5. Juni 2013 verstarb im Alter von 87 Jahren Prof. em. Dr. Hanns Klinger, ehemaliger Direktor des Lehrstuhls für Statistik und Dokumentation am Mathematischen Institut. Im böhmischen Reichenberg geboren, hatte er nach dem Kriege an der Universität Göttingen Mathematik mit dem Schwerpunkt Versicherungsmathematik und statistische Testtheorie studiert und wurde 1985 promoviert. Nach Assistenzzeit wurde Hanns Klinger 1966 an die neu gegründete Universität Düsseldorf berufen und übernahm dort den Aufbau und die Leitung des Lehrstuhls für Statistik und Dokumentation, zunächst mit der Aufgabe, die statistische Beratung für die Medizinische Fakultät sicherzustellen, deren Mitglied er bis zu seiner Emeritierung blieb. Mit dem Wechsel seines Lehrstuhls an die neu gegründete Naturwissenschaftlich-Philosophische Fakultät und der Aufnahme des Lehrbetriebes 1968 wirkte Klinger dann maßgeblich gestalterisch mit beim Aufbau des Mathematischen Instituts, das sich aus bescheidenen Anfängen in angemieteten, auf die Stadt verteilten Standorten zu einer forschungsstarken Institution auf dem neuen Campus im Düsseldorfer Süden entwickelte. Als einer der ersten Mathematiker vor Ort hat Prof. Klinger das Profil des Instituts und der späteren Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät verantwortlich mit geprägt, nicht zuletzt als deren Prodekan 1985 bis 1989. Dank seiner Tätigkeit in der zentralen Bibliothekskommission wurde die Mathematische Fachbibliothek zu einer der umfangreichsten in NRW. E.G., A.J., K.J., J.St.

Die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und ihre Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät trauern um Altdekan Prof. em. Dr. Gernot Decker. Der renommierte Physiker verstarb am 5. Dezember 2013 im Alter von 79 Jahren. Prof. em. Decker wurde 1934 in Bamberg geboren. Nach dem Pharmazeutischen Staatsexamen an der Universität München schloss er sein Physik-Studium an der Technischen Universität München 1962 mit dem Diplom ab. Vier Jahre später promovierte er in diesem Fach. Nach Stationen in Garching, Austin / Texas und Stuttgart wurde er 1978 auf den Lehrstuhl Experimentalphysik I der Universität Düsseldorf berufen, wo er sich vorwiegend mit „Pinch-Plasma-Effekten“, einem Teilgebiet der Kernfusionsforschung, beschäftigte. An der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der HHU Düsseldorf war er von 1994 bis 1996 Prodekan und stand ihr danach zwei Jahre als Dekan vor. Red.

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F t : Ivo Maayr Foto

Foto t :A Andrea d s Endermann dr dre nn

Fotoo: Archiv iv HHU

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Prof. Dr. R. Alexander Lorz hessischer Kultusminister

Prof. Dr. Karl-Walter Jauch neuer Hochschulrat

Hessens Ministerpräsident Bouffier hat am 15. Januar 2014 bei der Präsentation seines neuen schwarz-grünen Kabinetts Prof. Dr. R. Alexander Lorz (48, CDU) als Kultusminister benannt. Der ehemalige Staatssekretär im hessischen Kultusministerium war bis zum Beginn seiner Laufbahn im hessischen Kabinett Professor für Öffentliches Recht, Völkerund Europarecht an der HHU. Prof. Dr. Lorz war zuletzt bis zum Wintersemester 2013/2014 beurlaubt. Red.

Prof. Dr. Karl-Walter Jauch erhielt am 11. Februar seine Bestellungsurkunde als neuer Hochschulrat der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Mit dieser Ernennung ist der Hochschulrat der HHU wieder vollständig besetzt. Prof. Jauch wurde durch ein paritätisch besetztes Gremium aus Mitgliedern des Hochschulrates, des Senates und des zuständigen Wissenschaftsministeriums dem Senat vorgeschlagen und durch diesen bestätigt. Die Bestellung erfolgte durch Ministerin Svenja Schulze, vertreten durch Ministerialrätin Angelika Claßen. Prof. Dr. Karl-Walter Jauch, 1952 in Schwenningen am Neckar geboren, studierte Humanmedizin an der Albrecht Ludwig-Universität Freiburg. Nach seiner Promotion 1978 war er an Chirurgischen Kliniken in München, Villingen und als Truppenarzt bei der Bundeswehr tätig. Er habilitierte 1988 und erhielt 1995 eine außerplanmäßige Professur an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). Nach einer Tätigkeit als Direktor der Klinik und Poliklinik für Chirurgie der Universität Regensburg von 1996 – 2002 ist er seit 2002 Direktor der Klinik und Poliklinik für Chirurgie der LMU und seit 2013 Ärztlicher Direktor des Klinikums der LMU. Der Hochschulrat berät das Rektorat der HHU und übt die Aufsicht über seine Geschäftsführung aus. Er kann alle Unterlagen der Hochschule einsehen und prüfen. Zu seinen Aufgaben gehören u. a. die Wahl / Abwahl der Mitglieder des Rektorats und die Stellungnahme zum Rechenschaftsbericht. Die Mitglieder werden auf fünf Jahre vom Ministerium bestellt. Ausgewählt werden Personen aus verantwortungsvollen Positionen in der Gesellschaft, insbesondere in Wissenschaft, Wirtschaft oder Kultur. J. K.

Ehrensenatorin Dr. Betz wurde 90 Am 17. Februar 2014 feierte Dr. Esther Betz ihren 90. Geburtstag. Die Journalistin, die über das Thema „Kunstausstellungswesen und Tagespresse in München um die Wende des 19. Jahrhunderts“ promoviert wurde, war von 1956 bis 2012 Herausgeberin der von ihrem Vater Anton Betz mitgegründeten Düsseldorfer Tageszeitung „Rheinische Post“. Seit 1985 ist sie Vorsitzende der 1971 ins Leben gerufenen Anton-Betz-Stiftung. Die Stiftung legte unter anderem den Grundstock zum Ankauf der berühmten Totentanz-Sammlung der Universität und für eine erste Finanzierung der Fachbibliothek der 1993 neu gegründeten Juristischen Fakultät. 1997 verlieh die Universität Dr. Esther Betz die Ehrensenatorenwürde. Seit 2008 trägt Hörsaal 3 H ihren Namen. Rektor Prof. Dr. Dr. H. Michael Piper: „Die Heinrich-Heine-Universität schätzt sich glücklich, in ihrer Ehrensenatorin Dr. Esther Betz eine großzügige und warmherzige Freundin zu haben. Für die Zuwendung und das kontinuierliche Engagement der Anton-Betz-Stiftung ist die Universität zutiefst dankbar.“ R. W.

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PERSONALIA

AUSSCHREIBUNGEN

Jühling-Preis und Jühling-Doktorandenpreis Im Auftrag des Vorstandes der Anna-Wunderlich-Ernst-Jüh- mit 2.500 Euro dotiert. Die Arbeiten sind an den Rektor der ling-Stiftung werden für das Jahr 2014 hiermit der Jühling- Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf unter dem Stichwort Preis und der Jühling-Doktorandenpreis ausgeschrieben. „Jühling-Preis 2014“ bzw. „Jühling-Doktorandenpreis 2014“ einzureichen. Der Jühling-Preis und der Jühling-Doktorandenpreis sind AusSchlusstermin für die Einsendung ist der 30. November zeichnungen für besondere wissenschaftliche Leistungen auf 2014, wobei das Datum des Poststempels maßgeblich ist. dem Gebiet der Erforschung des Diabetes mellitus, seiner Die Bestimmungen über die Verleihung des Jühling-PreiFolgekrankheiten und verwandter Krankheiten. Der Jühling- ses und des Jühling-Doktorandenpreises können im DiabetesPreis ist mit 5.000 Euro und der Jühling-Doktorandenpreis Forschungsinstitut oder im Rektorat angefordert werden.

Reinhard- und Emmi-Heynen-Preis Die Gesellschaft von Freunden und Förderern der HeinrichHeine-Universität Düsseldorf e.V. verleiht im Jahre 2014 den Reinhard- und Emmi-Heynen-Preis im Bereich der Juristischen Fakultät. Der Reinhard- und Emmi-Heynen-Preis ist eine Auszeichnung für hervorragende Arbeiten oder Leistungen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern – also auch Professorinnen und Professoren – der HHU Düsseldorf, die eine Förderung verdienen. Jede Wissenschaftlerin und jeder Wissenschaftler der Juristischen Fakultät kann Vorschläge für den Preis unterbreiten. Der Vorschlag sollte durch mindestens eine weitere Wissenschaftlerin oder einen weiteren Wissenschaftler aus der Fakultät schriftlich unterstützt werden. Der Preis ist dotiert mit 12.500 Euro. Die Preisträgerin oder der Preisträger erhält diese Zahlung zusammen mit einer

von dem Präsidenten der Gesellschaft von Freunden und Förderern der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf e.V. und dem Rektor der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf unterzeichnete Urkunde. Die Vorschläge für den Preis müssen bis spätestens 30. April 2014 im Rektorat eingereicht werden. Gemäß den Vergaberichtlinien für diesen Preis obliegt die Prüfung der Vorschläge der Fakultät, die hierfür eine Kommission einsetzt. Die Kommission setzt sich zusammen aus höchstens sechs Mitgliedern aus der Gruppe der Professorinnen und Professoren und der wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und legt dem Rektorat eine empfehlende Beurteilung vor. Sollte bis zum 30. April 2014 kein Vorschlag im Dekanat eingegangen sein, so gibt der Dekan von sich aus eine mit der Prüfungskommission abgestimmte Empfehlung an den Rektor.

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© UNICEF/Cambodia/2013/Bona K

© UNICEF

Entdecken Sie die Hilfe dahinter. Mit dem Kauf von UNICEF-Grußkarten retten Sie Kinderleben. Mangelernährung kostet jedes Jahr Millionen Kindern das Leben. Gemeinsam mit UNICEF können Sie den Kindern helfen: UNICEF versorgt schwer mangelernährte Kinder beispielsweise mit nahrhafter Erdnusspaste und sauberem Trinkwasser. Helfen Sie mit – jede Grußkarte hilft einem Kind. www.unicef.de/karten

Magazin 1 | 2014

PERSONALIA

ERNENNUNGEN Honorarprofessur 14.02.2014: Prof. Dr. Christof Wingertszahn, Direktor des Goethe-Museums, Düsseldorf

10.02.2014: Prof. Dr. Birgit Neumann, Englische Literaturwissenschaft 28.02.2014: Prof. Dr. Regina Ensenauer, Experimentelle Kinderheilkunde

Außerplanmäßige Professur 14.02.2014: Prof. Dr. Ulrich Welbers, Germanistische Sprachwissenschaft 14.02.2014: Prof. Dr. Marc Wilhelm Merx, Innere Medizin

Junior-Professur 24.09.2013: Prof. Dr. Hanna Hottenrott, Volkswirtschaftslehre 25.09.2013: Prof. Dr. Dorothea Baumeister, Computational Social Choice 01.10.2013: Prof. Dr. Ilka Maria Axmann, Synthetische Mikrobiologie 29.11.2013: Prof. Dr. Oliver Ebenhöh, Quantitative und theoretische Biologie 13.12.2013: Prof. Dr. Carsten Münk, AIDS-Forschung

W3-Professur 25.09.2013: Prof. Dr. Oliver Kuß, Biometrie, Epidemiologie und Versorgungsforschung 08.10.2013: Prof. Dr. Guido Thiemeyer, Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts

RUHESTAND 28.02.2014: Prof. Dr. Rolf Wagner, Physikalische Biologie

FORSCHUNGSSEMESTER

W2-Professur

Sommersemester 2014

25.09.2013: Prof. Dr. Stefanie Michels, Europäische Expansion 30.09.2013: Prof. Dr. Orhan Aktas, Molekulare Neurologie 04.11.2013: Prof. Dr. Constantin Czekelius, Organische Chemie

Prof. Dr. Andrea von Hülsen-Esch, Kunstgeschichte Prof. Dr. Arnold Janssen, Statistik und Wahrscheinlichkeitstheorie Prof. Dr. Ingo Plag, Anglistik Prof. Dr. Shingo Shimada, Modernes Japan Prof. Dr. Ralph Weiß, Medienwissenschaft II

Impressum Herausgeber: Stabsstelle Kommunikation Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf Redaktion: Rolf Willhardt (verantwortlich), Dr. Victoria Meinschäfer, Susanne Dopheide Druck und Produktion: Joh. van Acken GmbH & Co. KG Magdeburger Straße 5 47800 Krefeld Gestaltungskonzept: Monika Fastner und zweizueins GbR Layout und Satz: zweizueins GbR www.zweizueins.net

Titelfoto: Hans-Jürgen Bauer Redaktionelle Mitarbeit: Dr. Arne Claussen, Andreas Endermann, Ina Gawel, Adriane Grunenberg, Birgit Häfner, Sebastian Hoppe, Hanne Horn, Maria Karidopoulou, Ivo Mayr, Wilfried Meyer, Uli Oberländer, Ralph Sondermann, Carola Spies, Jens Wälzkes, Andreas Zimmermann Auflage: 6.000 Exemplare Anschrift (E-Mail): R. Willhardt: [email protected] Dr. V. Meinschäfer: [email protected] Redaktionsschluss 2 / 2014: 21. Mai 2014

Das MAGAZIN der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf erscheint 4 x jährlich. Nachdruck der Teilbeiträge nur nach Absprache mit der Redaktion.

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Abi. Studium. Karriere. Recruitingtag Ǩǫ&:BǩǧǨǫ Ǩǧǧǧ¶Ǩǭǧǧ.AK

© HHU/Foto: Ivo Mayr / Illu: Peer Kramer

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