Das Leben der Anderen - Akademie für Sozialethik und Öffentliche

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Informationen zum Film

Filmreihe „Philosophie im Kino“

Informationen zum Film

Philosophie im Kino ist eine Projektreihe der Bonner Akademie für Sozialethik und Öffentliche Kultur. Sie hat das Ziel, aktuelle soziale, wirtschaftliche und politische Fragestellungen auf neue Weise in die öffentliche Debatte einzubringen: zugleich philosophisch und ästhetisch, nachdenklich und unterhaltend, akademisch und populär.

Das Leben der Anderen Deutschland 2006 Regie: Drehbuch: Produktion: Darsteller:

Kamera: Musik: Schnitt: Länge:

Florian Henckel von Donnersmarck Florian Henckel von Donnersmarck Max Wiedemann, Quirin Berg Ulrich Mühe, Sebastian Koch, Martina Gedeck, Ulrich Tukur, Thomas Thieme, Volkmar Kleinert u.a. Hagen Bogdanski Gabriel Yared, Stéphane Moucha Patricia Rommel 137 Min.

Mitte der 80er Jahre in der DDR: Der Stasi-Hauptmann Gerd Wiesler (Ulrich Mühe) wird auf Anordnung des Kulturministers Bruno Hempf (Thomas Thieme) auf den Schriftsteller Georg Dreyman (Sebastian Koch) angesetzt, um dessen staatspolitische Loyalität zu überprüfen. Wiesler richtet – in aufrichtiger und idealistisch geprägter Überzeugung von der Richtigkeit seines Tuns – auf dem Dachboden von Dreymans Haus eine Abhörzentrale ein und verfolgt fortan das Leben des Künstlers und seiner Lebensgefährtin, der Schauspielerin Christa-Maria Sieland (Martina Gedeck). Fasziniert von der ihm fremden Lebensart des Künstlerpaares, gerät Wiesler zunehmend in den Bann der Menschen, die er im staatssicherheitlichen Auftrag zu bespitzeln hat. Als er erfährt, dass das eigentliche Motiv der Observierung darin besteht, dass Minister Hempf Dreymans Geliebte für sich begehrt, verwandelt sich Wieslers Einstellung zunehmend. Als Dreyman nach dem Freitod seines verzweifelten, weil mit Berufsverbot belegten Freundes Albert Jerska (Volkmar Kleinert) beginnt, entgegen seiner ursprünglichen Haltung gegen den Staatsapparat aufzubegehren, geht Wiesler dazu über, Dreyman vor der Staatssicherheit zu schützen, indem er die Abhörprotokolle fälscht. Das Leben der Anderen hat zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen erlangt, darunter den Deutschen und Europäischen Filmpreis 2006 sowie den Preis für den besten fremdsprachigen Film bei der Oscar-Verleihung 2007.

Philosophie im Kino bietet aktuell 15 Folgen, die seit 2007 in 32 Veranstaltungen mehr als 3.400 Teilnehmer in Deutschland, Österreich und der Schweiz erreicht haben. Weitere Informationen: www.akademie-ask.de/philkino.0.de

Veranstalter Akademie für Sozialethik und Öffentliche Kultur Nordstraße 73a, D-53111 Bonn, Deutschland Tel. 00 49 / (0)2 28 / 85 03 28 0, Fax: -28 5 [email protected], www.akademie-ask.de

Philosophie im Kino XI:

Das Leben der Anderen Philosophischer Filmabend mit Einführung & Diskussion zum Thema:

Big Brother Is Watching You. Über das prekäre Verhältnis von Staat und Sicherheit.

Leitung: Dr. Martin Booms, Direktor ask

in Verbindung mit

Thematische Einführung Big Brother Is Watching You. Über das prekäre Verhältnis von Staat und Sicherheit. Spätestens seit Bekanntwerden der globalen Späh-Aktionen der National Security Agency, der zentralen Sicherheitsbehörde der USA, ist das Verhältnis des Staates zur Sicherheit wieder zu einem Top-Thema der öffentlichen Diskussion avanciert. Die Aktivitäten der NSA, die sich in der Sache auf die globale Bedrohung der freiheitlichen Werteordnung durch den internationalen Terrorismus beruft, in der Form aber durchaus Parallelen zu der Vorgehensweise auch nicht-demokratischer Nachrichtendienste wie des Staatssicherheitsdienstes („Stasi“) der ehemaligen DDR aufweist, haben die Debatte über Ansprüche, Reichweite und Maßnahmen des Sicherheitsstaates bzw. der Staatssicherheit neu entbrannt. Diese öffentlich-politische Debatte, die in oftmals polarisierter Weise zwischen Befürwortern eines Primats der Freiheit und eines Primats der Sicherheit ausgetragen wird, hat in der Regel zwei Stoßrichtungen, die sich mühelos etwa in der aktuellen Kontroverse um das flächendeckende Abgreifen elektronischer Kommunikationsdaten identifizieren lassen: Zum einen geht es um die Frage der Notwendigkeit, Legitimität oder Angemessenheit der Maßnahmen, die der Staat zur Herstellung oder Aufrechterhaltung der Sicherheit ergreift. Gefragt wird hier: Wie soll, darf oder muss der Staat Sicherheit gewährleisten? Zum anderen geht es um die Frage nach dem Mehr oder Weniger an Sicherheit, also nach der Verhältnismäßigkeit, die der Staat in seinen Sicherungsansprüchen zu wahren habe: Wie viel Sicherheit soll, darf oder muss der Staat gewährleisten? Ausgeblendet bleibt in der Regel aber eine viel grundlegendere Frage, die in die philosophische Dimension des Themas verweist: nämlich die Frage nach der Bestimmung von Sicherheit und Unsicherheit selbst. Was ist eigentlich Sicherheit, worin besteht also im Kern dasjenige, wonach die „Staatssicherheit“ strebt – und was definiert umgekehrt die Unsicherheit beziehungsweise die Gefährdung von Sicherheit, gegen die sich das staatliche Sicherheitsstreben richtet? Ist Sicherheit überhaupt ein äußerer Zustand, der sich instrumentell, d. h. über einen Katalog von Maßnahmen, real herstellen lässt? Oder ist Sicherheit ein innerlicher Zustand, der über Kategorien der Wertschätzung und des Vertrauens definiert ist und insofern vom Bestehen objektiver Sicherheits- oder Bedrohungslagen zumindest teilweise abgekoppelt ist? Gibt es überhaupt „objektive“ Sicherheit und Unsicherheit, oder setzt die Definition

dessen, was als sicherheitsstaatlich zu behandelnde Gefahr gilt ist, nicht immer schon einen vorgängigen Akt wertender und damit variabler Beurteilung voraus? Wer kann und soll aber diese Beurteilung nach welchen Kriterien vornehmen – der Staat, die öffentliche Meinung, die „Sicherheitsexperten“? In jedem Fall steht das, was Sicherheit ist, keineswegs einfach fest – die Sicherheit selbst ist unsicher, sie ist eine prekäre Kategorie. Ähnlich prekär zeigt sich auch das Verhältnis von Sicherheit und Staat, so etwa im Blick auf die Zuordnung von Mitteln und Zwecken: Wird die Sicherheit im Namen des Staates oder umgekehrt der Staat im Namen der Sicherheit organisiert? Ist also staatliche Sicherheitspolitik das Mittel und Instrument, um den Zweck des Staates zu erfüllen, und wenn ja – worin besteht der Zweck des Staates: Ist etwa der Wert der Freiheit Zweck und Maß, an dem sich die Sicherheitspolitik orientiert? Oder ist vielleicht umgekehrt der Staat nur das Mittel bzw. das Instrument, durch das sich Sicherheit realisiert – ist Sicherheit also am Ende Zweck oder Wert an sich selbst, der dann auch die Einschränkung von bürgerlichen Freiheitsrechten legitimiert? Damit verbunden ist noch eine weitere Frage: die nach dem Adressaten staatlicher Sicherheit. Hier zeigt sich eine grundsätzliche Dialektik von Staat und Sicherheit: Denn einerseits sind die einzelnen Bürgerinnen und Bürger die Adressaten kollektiver, d. h. staatlich organisierter Sicherheitsbemühungen; andererseits stellen umgekehrt die unregulierten Interessen der Einzelnen auch eine potentielle Bedrohung für das staatlich verfasste Gemeinwesen dar – eine Bedrohung, gegen die der Staat sich selbst zu schützen hat: Der sichernde Staat im Sinne des Schutzstaates setzt die staatliche Sicherheit im Sinne des Staatsschutzes voraus und umgekehrt. Damit offenbart sich ein Zirkel, der im Kern schon an der Wiege des modernen staatlichen Sicherheitsdenkens bei Thomas Hobbes grundgelegt ist: Nach ihm hat der Staat den einzigen, gleichsam absolut gesetzten Zweck, die Menschen abzusichern – und sieht doch zugleich die Quelle der Bedrohung, die diese Sicherungsleistung und damit den Staat überhaupt erst begründet und zugleich gefährdet, in nichts anderem als eben diesen Menschen selbst. Die spannungsvolle Dialektik von Sicherheitsstaat und Staatssicherheit hält den Staat und seine Bürger in einem subtilen, stets dynamischen und immer wieder neu auszupendelnden Wechselverhältnis gegenseitigen Miss- und Vertrauens, gegen-

seitiger Stützung und Distanzierung. Die im und durch den Staat überhaupt erreichbare Sicherheit besteht demnach vielleicht darin, dieses dynamisch-subtile Wechselverhältnis in einem sich selbst ausgleichenden Schwebezustand zu halten – Unsicherheit aber umgekehrt darin, es einseitig in die eine oder andere Richtung zu verabsolutieren. Von hier aus ergibt sich zugleich eine Perspektive, aus der Das Leben der Anderen von Florian Henckel von Donnersmarck unter dem Gesichtspunkt von Staat und Sicherheit nicht nur in einem zeitgeschichtlichen bzw. zeitpolitischen Licht erscheint – als Film über das letztliche Scheitern der Staatssicherheit und des Staatssystems der DDR –; sondern als Film, in dem sich ganz grundsätzlich und systemunabhängig das Selbstmissverständnis eines bestimmten Denkmusters staatlicher Sicherheit offenbart: nämlich der absolut gewordenen Überzeugung, dass sich staatliche und öffentliche Sicherheit instrumentell, durch wortwörtlich technische Maßnahmen von Überwachung und Kontrolle herstellen lasse, ohne genau dadurch zugleich allererst das Problem hervorzurufen, auf das es – im guten oder schlechten Glauben – beansprucht, die Lösung zu sein. Wahre Sicherheit ist aber niemals absolut: Das Konzept der Sicherheit um jeden Preis ist daher nicht in erster Linie ein politisch-moralischer Frevel, sondern ein intellektueller Irrtum, ein sicherheitstheoretischer Denkfehler mit weitreichenden sicherheitspraktischen Konsequenzen. Wie Das Leben der Anderen eindrucksvoll zeigt, ist wahre Sicherheit nicht zu haben ohne das Risiko des Vertrauens und ohne das damit unabdingbar verbundene Risiko des Scheiterns – in der persönlichen Beziehung ebenso wie auf gesellschaftlicher und staatspolitischer Ebene. Jedes Sicherheitskonzept, das versucht, dieses Risiko des Scheiterns systematisch zu eliminieren, das die Gewissheit des Kontrollakts mit der Sicherung des Kontrollierten und die Unkalkulierbarkeit des Vertrauens mit einem Mangel an Verlässlichkeit verwechselt, droht am Ende, an sich selbst zu scheitern. Soviel zumindest scheint gewiss. © Dr. Martin Booms, 2013