Das unbekannte Celle - Stadt Celle

Das unbekannte Celle - Stadt Celle

I Holznagelschriften HL2 Holznagelschriften IGB-Beiträge zu Hauslandschaften Band 2 Eckart Rüsch Das unbekannte Celle Hinter den Fassaden der Fac...

7MB Sizes 0 Downloads 3 Views

Recommend Documents

LK Celle - Landkreis Celle
14.03.2014 - Bei drei verendeten Füchsen wurde im Raum Lachendorf/Oppershausen das Staupevirus nachgewiesen. Zudem lieg

Seniorenkino - Stadt Celle
Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit. Tragikomödie 2013 (GB) – 92 min. mit Eddy Marsen, Joanne Froggatt, Karen Drury. D

Celle Kulinarisch - Celle Tourismus
Martas Restaurant. Typische regionale Gerichte, wie. Heidschnucke, gehören ebenso zu unserem Repertoire wie eine feine

reformation celle - Schlosstheater Celle
19.05.2017 - ne Erbacher, Nicole Hofstede, Peter Hofstede, Gudrun. Jahnke, Maria Köster, Beate Koch, Klaus H. Koch, Eli

Finanzen und Kultur - Stadt Celle
und Erwachsene“ im Verlag Edition Temmen. Seminare und Veranstaltungen. Am 3. März öffnete das Stadtarchiv seine Tü

hafenterrassen allerinsel celle village häuser sind wie - Stadt Celle
Tobias Just. 3 Inhalt / Impressum. 4 Celle. Dein Zuhause. 6 – 7 „Zuhause ist, ...“ Interview mit Dr. Jörg Nigge.

Fraktiot'l im Rat der Stadt Celle - SPD-Stadtratsfraktion Celle
(Verkauf mit Rückkaufvereinbarung oder Verpachtung) an ein professionelles Unterneh- men soll der künftige Stromeinsatz

Bekanntmachung Klein Hehlen - Stadt Celle
11.09.2016 - Stimmenzahl. Didschies, Klaus. 1. 2.129 St. Ceyp, Christian. 2 ... Dr. Többens, Hans-Michael. 1. 155 St. G

Kurzreise zu unserer Partnerstadt Meudon - Stadt Celle
31.03.2012 - holperigen Flug erholt hatten, ging es weiter nach Paris Charles de Gaulle. ... Metro weiter in die Innenst

Das Bieneninstitut Celle informiert (2) - Laves
Für jeden Kunstschwarm brauchen Sie eine desinfizierte Beute und desinfizierte oder neue Rähmchen, bestückt mit fest

I

Holznagelschriften

HL2

Holznagelschriften IGB-Beiträge zu Hauslandschaften Band 2

Eckart Rüsch

Das unbekannte Celle Hinter den Fassaden der Fachwerkstadt

Das unbekannte Celle – Hinter den Fassaden der Fachwerkstadt

In dieser Veröffentlichung wird der Blick „hinter die Fassaden der Fachwerkstadt“ geworfen, um auf die historischen Parzellenstrukturen, die oft sehr alten Hinter- und Rückgebäude und die reizvollen Innenhöfe aufmerksam zu machen. Außerdem wird ein Blick in das Innere der Gebäude geworfen, von den Kellern bis in die

Dächer. Teilweise sind in den Wohngeschossen noch barocke Ausbauten erhalten, die aus der Glanzzeit der herzoglichen Residenzstadt Celle im 17. und 18. Jahrhundert stammen. Das Buch soll also in erster Linie den Blick auf die Vielfalt und Besonderheit der Celler Altstadtarchitektur lenken – getreu dem Goethe-Wort: „Wir sehen nur, was wir wissen“. Denkmalpfleger können diese Weisheit aus Erfahrung ergänzen: „Wir können nur schätzen und bewahren, was wir wissen.“ Ein weiteres Anliegen ist das Wecken von wissenschaftlicher Neugier. Celle ist von Architekturgeschichtlern und Bauforschern bisher wenig wahrgenommen worden, was eigentlich unverständlich ist angesichts der Fülle von historischen Bauten und Besonderheiten. Dem interessierten Leser werden eine Reihe von Forschungsansätzen aufgezeigt, die zur ertragreichen wissenschaftlichen Beschäftigung einladen.

I Interessengemeinschaft Bauernhaus e. V. Postfach 1244, 28859 Lilienthal www.igbauernhaus.de

Das unbekannte Celle

Die Altstadt von Celle ist bekannt als eine der am besten erhaltenen Fachwerkstädte Norddeutschlands. Dem normalen Betrachter stellt sie sich als außerordentlich reizvolle Abfolge von Straßen- und Platzfassaden mit über 500 Vordergebäuden aus der Zeit des 15. bis 20. Jahrhunderts dar. Die von den öffentlichen Flächen einsehbaren Fassaden zeigen jedoch nur einen Bruchteil der historischen Bausubstanz und Stadtstrukturen. Sie bilden lediglich den vorne sichtbaren Abschluss eines mehr oder weniger dicht bebauten Grundstücks, auf dem in der Regel mehrere Gebäude um einen Hof herum stehen.

ISBN 978-3-98106-187-1

I Stadt Celle, 29220 Celle www.celle.de www.denkmalpflege.celle.de

9 783981 061871

I

IGB-Beiträge zu Hauslandschaften Band 2

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. Eckart Rüsch Das unbekannte Celle - Hinter den Fassaden der Fachwerkstadt. Stadtstrukturen, Baubefunde, Forschungsansätze

I Interessengemeinschaft Bauernhaus e.V. ISBN 978-3-98106-187-1 Copyright 2011 by Interessengemeinschaft Bauernhaus e.V., Postfach 1244, 28859 Lilienthal www.igbauernhaus.de und

Stadt Celle, Der Oberbürgermeister, Denkmalbehörde, Helmuth-Hörstmann-Weg 1, 29221 Celle www.celle.de, www.denkmalpflege.celle.de Alle Rechte vorbehalten. Das Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der gesetzlich geregelten Fälle muss vom Verlag schriftlich genehmigt werden. Herstellung: Quedlinburg DRUCK GmbH, Groß Orden 4, 08484 Quedlinburg www.q-druck.de

Eckard Rüsch

Das unbekannte Celle Hinter den Fassaden der Fachwerkstadt. Stadtstrukturen, Baubefunde, Forschungsansätze

Inhaltsverzeichnis

1.

Einleitung

7

2.

Zur Parzellenstruktur und zu den Straßenfassaden

9

3.

Ausstattungsbefunde im Gebäudeinnern

17

4.

Exkurs zu den Celler Fenstern

25

5.

Dachböden und Keller mit einem Exkurs zum in Celle „fehlenden Mittelalter“ 31

6.

Erster Exkurs zu Celler Fachwerk-Besonderheiten: Zier-Ausfachungen

43

7.

Rückwärtige Bebauung und Innenhöfe

49

8.

Altstadtstrukturen

59

9.

Überreste der Stadtbefestigung

61

10.

Die Anlage der Südwall-Bebauung

69

11.

Die Zwischen (Traufgassen)

73

12.

Zweiter Exkurs zu Celler Fachwerk-Besonderheiten: Riegelabdeckungen

79

13.

Dachlandschaft

83

14.

Schlussbemerkungen

87

Literatur-Auswahl

89

Anmerkungen

90

Der Autor

91

Abbildungs-Nachweise

92

6

1. Einleitung

1.

Einleitung

Eines der Privilegien des Stadtdenkmalpflegers ist es, sich in besonderer Weise mit den Zeugnissen der Stadt- und Baugeschichte beschäftigen zu können und dabei Gebäude und Einzelheiten kennen zu lernen, die der Allgemeinheit so nicht jederzeit zugänglich sind. Daraus erwächst die Pflicht, das erworbene geschichtliche Wissen nach Möglichkeit auch in der Öffentlichkeit bekannt zu machen und davon zu berichten. Manches von dem im folgenden Dargestellten ist in diesem Zusammenhang unbekannt gewesen oder zumindest nicht nachzulesen, weil die bisher veröffentlichten baugeschichtlichen Kenntnisse zur Celler Altstadt erstaunlicherweise oftmals an den Fachwerk-Fassaden Halt machten. Gegenstand der Betrachtung ist die Celler Altstadt mit ihren historischen Gebäuden und Stadtstrukturen, die insgesamt ein vielfältiges, geschichtlich gewachsenes Gebilde darstellen1. Zum besseren Überblick ist eine inhaltliche Gliederung notwendig. Daher soll die Geschichte und die Bedeutung der Celler AltstadtBebauung auf zwei Betrachtungsebenen erschlossen werden, auf der Ebene der Einzelgebäude und auf der Ebene des Altstadt-Ensembles. Zwischendurch werde einige Exkurse eingestreut. Titel und Inhaltsübersicht zeigen es, doch soll eingangs noch einmal betont werden, dass hier nicht von der Denkmalpflege in Celle die Rede sein wird – oder zumindest nur in einigen Randbemerkungen 2. Das Anliegen ist vielmehr, etwas zu den Grundlagen des stadt- und baugeschichtlichen Wissens über die Celler Altstadt beizutragen. Vorab einige kurze Hinweise zur Daten-Grundlage. Es liegen einzelne hervorragende Veröffentlichungen zur Celler Stadtbaugeschichte vor. Zu erinnern ist an die Arbeit des Haus- und Bauforschers Eduard Cordes (1879-1919)3 zu Celler Fachwerkbauten aus dem Jahr 1914 und an das Kunstdenkmäler-Inventar von 1937. Zur Befestigungs-Geschichte wichtig sind die Arbeiten der Archäologin Catherine Atkinson aus den späten 1980-er Jahren. Ansonsten hat es zur Bau- und Stadtbaugeschichte der Altstadt hauptsächlich Einzelbetrachtungen4 oder allgemeine Zusammenfassungen in der Art von Kurzführern5 gegeben. Das meiste der folgenden Erkenntnisse stammt aus Baubeobachtungen vor Ort und Ergebnissen von Recherchen, die der Verfasser als Celles Stadtdenkmalpfleger in den vergangenen Jahren sammeln konnte.

7



2. Zur Parzellenstruktur und zu den Straßenfassaden

Abb. 1 Lageplan des Grundstücks Großer Plan 12 / Südwall 4B (Ausschnitt aus Stadtplan von 1898).

Abb. 2 Parzellen-Bebauung von Großer Plan 12, 1914.

8

2. Zur Parzellenstruktur und zu den Straßenfassaden

2.

Zur Parzellenstruktur und zu den Straßenfassaden

Die einzelnen Gebäude in der Celler Altstadt präsentieren sich dem Passanten und Betrachter zunächst „nur“ als reizvolle Fassaden, in der Regel als Fachwerkfassaden. Die Straßenfassaden zeigen jedoch nur einen Bruchteil der historischen Bausubstanz. Sie bilden den vorn sichtbaren Abschluss einer mehr oder weniger dicht bebauten Grundstücksparzelle, auf der in der Regel mehrere Gebäude um einen Hof herum gruppiert sind. Die Celler Altstadtparzellen sind schmal und tief, manchmal laufen sie noch heute bis zur rückwärtigen Quartiers-Straße hindurch. Vorn steht das große Vorderhaus, durch das früher oftmals eine Durchfahrt zum Hof führte, um hinten die Seitenflügel und Rückgebäude zu erschließen. Diese dienten als Lager, Werkstätten, weitere Wohnungen oder Ställe. Eine solche charakteristische Gebäudeverteilung zeigt die Bebauung der Parzelle von Großer Plan 12, die rückwärts bis zum Südwall reicht. Das Grundstück ist von Cordes schon vor dem Ersten Weltkrieg genauer untersucht worden, so dass wir hier Grundriss-Skizzen haben, welche die damaligen Nutzungsverteilungen gut zeigen. (Abb. 1 - 2) Als nächstes ist ein Blick auf die historischen Fassaden-Strukturen der Vorderhäuser zu werfen. Dabei sollen die Fachwerkformen einmal beiseite gelassen werden, denn dazu gibt es einige Veröffentlichungen und stilkundliche Untersuchungen6. Das typische Celler Altstadt-Vorderhaus ist giebelständig und zweigeschossig, selten ein- oder dreigeschossig. Die ursprüngliche Erdgeschoss-Gestaltung mit der Durchfahrt ist heute meistens nicht mehr zu erkennen, weil seit dem Ende des 19. Jahrhunderts Läden eingebaut wurden. Das brachte Schaufenster-Einbrüche und Eingangsverlegungen mit sich. Ursprünglich haben die Erdgeschoss-Fassaden Wohnfenster und in der Regel einen Eingang oder ein Durchfahrtstor aufgewiesen. (Abb. 3 - 4, Abb. 5 - 6) Bei den Vorderhäusern kann man heute die ursprünglichen Fassaden-Strukturen im Erdgeschoss meistens nicht mehr erkennen. Die Abbildungen 7 - 10 zeigen exemplarisch, wie Erdgeschosszonen in der Altstadt mittlerweile in der Regel als Folge der Geschäftsanpassungen aussehen. Weil die Erdgeschosse der Altstadthäuser häufig stark verändert wurden, ist es wichtig, auf die wenigen verbliebenen Beispiele von Erdgeschoss-Fassaden mit Wohnfenstern hinzuweisen. Außer in der Kalandgasse und An der Stadtkirche kann man dies in einem Zusammenhang von mehreren Gebäuden heute nur noch am Heiligen Kreuz sehen. (Abb. 11)

9

2. Zur Parzellenstruktur und zu den Straßenfassaden

Abb. 4 Mauernstraße 1, 2008. Die ehem. Durchfahrtsöffnung ist 1960 als Ladenzugang wiederhergestellt worden.

Abb. 3 Mauernstraße 1; 1908.

Abb. 5 Zöllnerstraße, 1920er-Jahre. Rechts Zöllnerstraße 18; Erdgeschossfassade mit Wohnfenstern und Durchfahrt halb rechts.

10

2. Zur Parzellenstruktur und zu den Straßenfassaden

Abb. 6 Zöllnerstraße 18, 2000. Nun mit Schaufenstern und dem Ladeneingang anstelle der Durchfahrt.

11

2. Zur Parzellenstruktur und zu den Straßenfassaden

Abb. 7 Zöllnerstraße 39, 2007.

Abb. 8 Schuhstraße 12, 2006.

12

2. Zur Parzellenstruktur und zu den Straßenfassaden

Abb. 9 Westcellertorstraße 2, 2007.

Abb. 10 Westcellertorstraße 5, 2007.

13

2. Zur Parzellenstruktur und zu den Straßenfassaden

Abb. 11 Am Heiligen Kreuz 27, 27A, 28; 2007.

14

2. Zur Parzellenstruktur und zu den Straßenfassaden

15

3. Ausstattungsbefunde im Gebäudeinnern

Abb. 12 Zöllnerstraße 29, historische Aufnahme des Treppenhauses im Vorderhaus.

16

3. Ausstattungsbefunde im Gebäudeinnern

3. Ausstattungsbefunde im Gebäudeinnern Die Erdgeschosse sind in sehr vielen Fällen – zumindest im Vorderhaus – entkernt worden, um seit über 100 Jahren an Geschäfts- und Ladennutzungen angepasst zu werden. Dort ist also nur in relativ wenigen Fällen noch historische Bausubstanz zu finden, die älter als 100 Jahre ist. Darüber aber, in den Obergeschossen, findet man oft noch wertvolle historische Bauteile der früheren Nutzungen. Zu nennen sind beispielsweise Treppen, verputzte Balkendecken, Bodendielen und Fußleisten, Wandvertäfelungen, Türen, Fenster usw., die teilweise sogar noch barocke Zierformen zeigen, d.h. aus der Glanzzeit Celles im 17. und 18. Jahrhundert stammen. Zu den auffälligsten historischen Ausstattungsstücken gehören die Treppenanlagen (Abb. 12 - 16). Von der Baugeschichtswissenschaft sind die kostbaren Celler Barocktreppen bisher kaum beachtet worden. Die letzten bekannten Zeichnungen und Aufmaße stammen aus dem 1937 erschienenen Kunstdenkmäler-Inventar der preußischen Provinz Hannover. Abbildung 17 zeigt die damals veröffentlichten Zeichnungen im Maßstab 1:25. Weitere Beispiele für erhaltene wandfeste Ausstattungen sind die Wandvertäfelungen, sog. Lamberien, die sich zumeist als Kassettierungen zeigen. Abbildung 18 zeigt ein besonders prächtiges Beispiel außerhalb der Altstadt, d.h. in der Westceller Vorstadt aus dem Hofbeamten-Palais Bahnhofstraße 8, erbaut 1684 für den herzoglichen Generalpostmeister Stechinelli. Auch in Abbildung 19 sind Lamberien in der Westceller Vorstadt zu sehen. Ähnliches gab und gibt es natürlich auch in der Altstadt und ist in verschiedenen Erhaltungszuständen immer wieder anzutreffen. Abbildung 20 präsentiert eine solche Wandvertäfelung an der Straßenseite des Vorderhauses von Schuhstraße 5, leider verstellt durch Heizkörper. Zu beachten sind auf diesem Bild auch die barocken Fußleistenprofile, die in Celle auffällig hoch sind, bis zu 25 cm. Wer einmal auf historische wandfeste Ausstattungsstücke aufmerksam geworden ist, findet solche Beispiele in den verschiedensten Ausformungen immer wieder. Abbildung 21 ist die Innenraumaufnahme eines Vorderhauses in der inneren Westcellertorstraße, wo auf einen Blick eine ganze Reihe von historischen Ausstattungen zusammenkommen: Balkendecke, Barocktür sowie Ofennische und unter dem Teppichboden ist ein alter Dielen- oder Parkettboden anzunehmen. Beachtlich sind auch alte Holztüren, die sich oft auch durch aufwändige Beschläge zu erkennen geben. Die hier gezeigte Sammlung verschiedener Türbeschläge des 17. bis 19. Jahrhunderts stammt aus ein und demselben Gebäude. (Abb. 22)

17

3. Ausstattungsbefunde im Gebäudeinnern

Abb. 13 Westcellertorstraße, Brettbalustertreppe, 2006.

Abb. 14 Schuhstraße 9, Brettbalustertreppe, 2006.

18

3. Ausstattungsbefunde im Gebäudeinnern Abb. 15 Hehlentorstraße 20, Barocktreppe mit Korkenzieherbalustern, 2008.

Abb. 16 Altencellertorstraße 2, Barocktreppe mit Korkenzieherbalustern, 2009.

19

3. Ausstattungsbefunde im Gebäudeinnern

Abb. 17 Treppenaufmaße aus dem Kunstdenkmälerinventar (Hehlenstorstraße 20 und Ohagenstraße 3), 1937.

20

3. Ausstattungsbefunde im Gebäudeinnern

Abb. 18 Barockpalais Bahnhofstraße 8, hölzerne Wandverkleidungen im Piano nobile, 2007.

Abb. 19 Handwerkerhaus Breite Straße 41, Lamberien im ersten Obergeschoss, 2006.

21

3. Ausstattungsbefunde im Gebäudeinnern Abb. 20 Schuhstraße 5, Vorderhaus; Lamberien im ersten Obergeschoss Straßenseite, 2008.

Abb. 21 Innenraumaufnahme eines Vorderhauses an der Westcellertorstraße, 2007.

22

3. Ausstattungsbefunde im Gebäudeinnern Abb. 22 Verschiedene Türbeschläge in einem Vorderhaus an der Westcellertorstraße, 2007 (links zwei verschiedene Spiralbänder, rechts Bockshornband und Schippenband).

23

4. Exkurs zu den Celler Fenstern

Abb. 23 Schuhstraße 51, 1920er Jahre.

24

4. Exkurs zu den Celler Fenstern

4. Exkurs zu den Celler Fenstern Ergänzend soll auf die Celler Barockfenster eingegangen werden, als einem wichtigen Ausbauteil, das nicht nur die Innenräume gestaltet, sondern auch das Fassaden-Erscheinungsbild in hohem Maße mitbestimmt. (Abb. 23) Gut ist dies auch beim Barockpalais Runde Straße 3 in einer Aufnahme der 1920er Jahre zu erkennen, die vor dem heute prägenden Schaufenster-Einbau entstand; auch die Originalfenster der Obergeschosse sind nicht mehr erhalten. (Abb. 24) Doch kann man gut erkennen, wie das Bild filigran profilierter Fenster früher das Stadtbild prägte. Und man kann an diesen historischen Aufnahmen typische Merkmale von Celler Barockfenstern in Fachwerkfassaden beobachten: Es waren außen bündig eingebaute Kreuzstockfenster mit vier Flügeln, die nach außen aufschlagen. Von solchen Fenstern gibt es bei genauerem Hinsehen in Celle noch eine ganze Reihe erhaltener Originale. Meistens etwas versteckt, in abgelegeneren Fassadenbereichen, d.h. in den Zwischen oder in den unbeheizten Treppenhäusern. In der Außenansicht lassen sich die Barockfenster an typischen Details der gefiederten Eckbänder, der Stützkloben und der Verdachungen erkennen. (Abb. 25 - 26) Vielfach jedoch hatten die Celler Barockfenster ihre gestalterisch besonders ausgezeichnete Ansichtsseite eher innen, wie die dort profilierten Kämpfer und Pfosten erweisen. (Abb. 27 - 29) In seltenen Fällen findet man nicht nur historische Fensterrahmen und -beschläge, sondern sogar noch historische Verglasungen. Hier zum Beispiel eine Bleiverglasung, die sich an der Zwerchhaus-Flanke eines Gebäudes in der Westcellertorstraße erhalten hat, das auch sonst noch fast alle historischen Fenster besitzt. (Abb. 30) Zum Abschluss des Fenster-Exkurses noch einige Bemerkungen zur Aufschlagrichtung. Bewegliche Fensterflügel in Celler Fachwerkgebäuden gingen früher durchweg nach außen auf. (Abb. 31 - 32) Zwei wesentliche praktische Ursachen dürften ausschlaggebend gewesen sein: Zunächst dichteten außen angesetzte Fensterflügel sich bei Winddruck von selbst ab und außerdem blieb die Fensterbank frei und musste beim Öffnen der Fensterflügel nicht geräumt werden. Aus gestalterischer Sicht ist zu erwähnen, dass nach außen aufschlagende Fenster auch anders aussehen, als solche mit nach innen aufgehenden Flügeln. Erstens fallen die Blendrahmen schmaler aus, was mehr Licht einfallen und die Fenster insgesamt filigraner und eleganter aussehen lässt. Und zweitens bewirken sie ein ganz anderes Straßenbild durch die unterschiedlich und sehr lebendig auswärts klappenden Flügel. 25

4. Exkurs zu den Celler Fenstern

Abb. 24 Runde Straße 3, ca. 1928, mit noch erhaltener Barock-Befensterung.

Abb. 25 Barockfenster Zöllnerstraße 29, Westflügel Südfassade, 2007.

26

Abb. 26 Details eines Barockfensters von Markt 18, 2008; mit Stützkloben, gefiederten Eckbändern und Sturmhaken.

4. Exkurs zu den Celler Fenstern

Abb. 28 Kreuzstockfensters mit barockem Wulstprofil auf der Innenseite (wie Abb. 27), 2008.

Abb. 27 Innenansicht eines barocken Kreuzstockfensters, Zöllnerstraße 29 (Seitenflügel Ost), 2008.

Abb. 29 Kreuzstockfenster mit barockem Kehlprofil auf der Innenseite, mit Ankettel-Verschluss und Zuggriff. Schlossplatz 7 (BomannMuseum, Vierlanden-Stube), 2008.

27

4. Exkurs zu den Celler Fenstern

Abb. 30 Westcellertorstraße 3, Bleiverglasung am Zwerchhaus mit Windeisen, 2008.

Abb. 31 Nach außen aufschlagende Fenster, Zöllnerstraße 16, 2009.

28

4. Exkurs zu den Celler Fenstern Abb. 32 Nach außen aufschlagende Fenster, An der Stadtkirche 9/10, 2008.

29

5. Dachböden und Keller mit einem Exkurs zum in Celle „fehlenden Mittelalter“

Abb. 33 Zöllnerstraße 27, Speicherluken im Vorderhausgiebel, 2007.

Abb. 34 Zöllnerstraße 27, Speicherboden im Vorderhaus, 2007.

30

5. Dachböden und Keller mit einem Exkurs zum in Celle „fehlenden Mittelalter“

5. Dachböden und Keller mit einem Exkurs zum in Celle „fehlenden Mittelalter“ Bei der Besichtigung von Altbauten fallen in den Kellern und in den Dächern regelmäßig interessante und besonders gut erhaltene Baubefunde auf, weil dies oft Bereiche sind, an denen frühere Umbauten und Umnutzungen eher spurlos vorüber gingen. In und an den Dächern findet man oft noch Spuren der früheren Lager- und Speichernutzung, also Geschichtszeugnisse, hier speziell Zeugnisse der Wirtschaftsgeschichte. Manche Celler Altstadthäuser-Dächer sind auffallend hoch und voluminös. Im Innern kann man dort teilweise mehrere Speicherböden übereinander feststellen. (Abb. 33 - 34) Interessant sind die Funde von historischen Aufzugkonstruktionen in den Celler Dächern. Bereits im Äußeren fallen die Speicherluken und Kranbalken auf (Abb. 35 - 36). In einigen Fällen sind im Innern sogar noch die zugehörigen Aufzugsräder erhalten. (Abb. 37 - 38) Ein anschaulich wiederhergestelltes Beispiel einer historischen Aufzugskonstruktion kann man im Marstall besichtigen. Die Längsschnitt-Zeichnung durch das Gebäude lässt die Funktionsweise der Handaufzüge gut erkennen (Abb. 39). Es gibt noch zahlreiche solcher erhaltenen Aufzugsanlagen in den Celler Dächern. Die Konstruktionen der Aufzugsmaschinen sind vielfältig und ein lohnender, bisher nicht aufgegriffener wissenschaftlicher Untersuchungsgegenstand. Was genau auf den Celler Dachböden ursprünglich gespeichert und gelagert wurde, ist ebenfalls noch nicht erforscht worden. Es gibt allerdings Baubefunde, die darauf hindeuten, dass es in einigen Fällen Schüttgut gewesen sein dürfte, also wohl Getreide oder dergleichen. Auf den Speicherböden des Vorderhauses Zöllnerstraße 27 befinden sich nicht nur sehr lange und breite, sorgfältig geschlossene Bodendielen, sondern in den Böden auch Führungskästen und Deckel (Abb. 40.1 und 40.2). Die Kästen ließen Platz für Aufzugseile, die so über mehrere Geschosse gezogen werden konnten, ohne dass das Schüttgut unkontrolliert nach unten ablief. Und die Deckel dienten wohl zum gezielten Ablassen des Schüttguts in die nächst untere Etage. Was aber hatten Getreidelager auf den Celler Dachböden zu suchen? Ob dies beispielsweise mit den zahlreichen Braustellen in der Altstadt zu tun hatte oder mit der früher in Celle wichtigen Kornschiffer-Wirtschaft, wäre noch zu erforschen.

31

5. Dachböden und Keller mit einem Exkurs zum in Celle „fehlenden Mittelalter“ Abb. 35 Mauernstraße 4, Lastenaufzug am Giebel, 2008.

Abb. 36 Zöllnerstraße 27, Kranbalken im Dachinnern, 2007.

32

5. Dachböden und Keller mit einem Exkurs zum in Celle „fehlenden Mittelalter“

Abb. 37 Handaufzugrad im Vorderhausdach von Großer Plan 7, 2009.

Abb. 38 Handaufzugrad im Seitenflügeldach von Schuhstraße 7, 2006.

Abb. 39 Funktionsweise des Lastenaufzugs mit Hubseil am Kranbalken und Endlosseil am Handrad, Schlossplatz 13 (Marstall).

33

5. Dachböden und Keller mit einem Exkurs zum in Celle „fehlenden Mittelalter“ Abb. 40.1 Zöllnerstraße 27, Speicherboden-Details, 2007.

Abb. 40.2 Zöllnerstraße 27, Speicherboden-Details, 2007.

34

5. Dachböden und Keller mit einem Exkurs zum in Celle „fehlenden Mittelalter“ Ein weiteres aufschlussreiches historisches Gebäudeteil der Celler Altstadthäuser sind deren Gewölbekeller. Baugeschichtlich sind sie bisher ebenfalls kaum beachtet worden. Die Größe mancher Mauerziegel, die teilweise Verwendung von Feldsteinen oder von Raseneisensteinen und die wohl teilweise versetzte Lage zum darüber liegenden Erdgeschoss deuten darauf hin, dass einige Keller älter sein könnten als die darüber stehenden Gebäude, so dass sie vielleicht noch von mittelalterlichen Vorgängerbauten stammen. Die aufwändig gewölbten Keller dienten ursprünglich sicher der Lagerung besonders wertvoller Waren, die hier vor möglichen Bränden geschützt waren. (Abb. 41 - 44)

Abb. 41 Poststraße 8 (Hoppenerhaus), typischer Gebäudequerschnitt mit leicht erhöht liegendem Gewölbekeller, 1914.

Abb. 42 Schuhstraße 5, schmales Segmentbogengewölbe quer zur Straße als meist verbreiteter Gewölbetyp in Celle, 2007.

35

5. Dachböden und Keller mit einem Exkurs zum in Celle „fehlenden Mittelalter“

Abb. 43 Schuhstraße 17, Kreuzgratgewölbe mit Pfeiler, 2006.

Abb. 44 Schuhstraße 15, Kreuzgratgewölbe mit Wandnischen, 2006.

36

5. Dachböden und Keller mit einem Exkurs zum in Celle „fehlenden Mittelalter“ Aus Anlass der Keller sei an dieser Stelle ein Exkurs zum in Celle scheinbar „fehlenden Mittelalter“ eingeschoben. Wenn man genau nachliest, dann stammt die älteste bekannte Bausubstanz der Celler Altstadt aus dem späten 15. Jahrhundert, also aus der Zeitenwende zwischen dem sog. Mittelalter und der Neuzeit um das Jahr 1500. Nur ganz vereinzelt fand man ältere Bausubstanz aus dem 14. oder evtl. sogar 13. Jahrhundert; diese aber bisher nur in den massiven Großbauten von Schloss, Stadtkirche und Rathauskeller. Die überwiegende Mehrzahl der in einmaliger Weise erhaltenen Celler Fachwerkgebäude stammt erst aus viel späterer Zeit, nämlich vom 16. Jahrhundert bis ins barocke 18. Jahrhundert. Nun ist die Stadt Celle aber bereits 1292 gegründet worden. Die berühmte Stadtgründungsurkunde wird im Stadtarchiv aufbewahrt. Das neue Celle ist ab 1292 an der heutigen Stelle offenbar planmäßig angelegt worden und man kann annehmen, dass die Stadtfläche umgehend besiedelt und Zug um Zug bebaut worden ist. Doch keiner weiß bis heute auch nur ungefähr, wie diese Gründungsstadt ausgesehen hat und welche Ausdehnung sie genau hatte. Die Abbildungen 45- 46 zeigen zwei unterschiedliche hypothetische Lagepläne dieser Gründungsstadt, die sich östlich der Herzogsburg wohl zunächst nur um die beiden Hauptstraßen Schuhstraße im Norden und Zöllnerstraße im Süden erstreckt hat. Es ergibt sich nun die spannende Frage, wo sie eigentlich geblieben sind, die Reste dieses frühen Celle aus der Gründungszeit? Baugeschichtlich gesehen stellt die Zeitspanne zwischen 1292 und Ende des 15. Jahrhunderts zwei lange dunkle Jahrhunderte dar, über die wir – auch zur sonstigen Lebensgeschichte der Menschen in dieser Zeit – so gut wie nichts wissen. Es ist zu vermuten, dass die Spuren der Gründungsstadt Neu-Celle des 13. und 14. Jahrhunderts noch im Boden schlummern, zum Beispiel in den bisher unerforschten Kellern; und in den angewachsenen Siedlungsschichten, die durchaus mehrere Meter hoch sein können.7 Aus wissenschaftlicher Sicht gäbe es also einen guten Grund zur Erstellung eines Kellerkatasters und auch dazu, künftig vermehrt in der Celler Altstadt archäologisch zu forschen. Archäologische Untersuchungen hat zuletzt Ralf Busch in den 1950-er und 1960-er Jahren unternommen, soweit ihm dies ehrenamtlich und zeitweise als Schüler und Student möglich war. Seine archäologische Funde und Baubeobachtungen hat er eine Generation später rückblickend veröffentlicht.13 Busch hatte seinerzeit bei laufenden Baustellen vor allem Brunnen ergraben und verschiedene Einzelfunde aus Abfallgruben. (Abb. 47) Was in den Auswertungen und Beobachtungen bei Busch fehlt, sind gesicherte Befunde zu den frühen Gebäuden. Wie sahen sie aus? Wie waren sie konstruiert? Warum stehen diese frühen Gebäude nicht mehr? Hat es doch verheerende Stadtbrände gegeben, von denen die Stadt später glücklicherweise größtenteils verschont blieb?

37

5. Dachböden und Keller mit einem Exkurs zum in Celle „fehlenden Mittelalter“

Abb. 45 Lageplan der mittelalterlichen Gründungsstadt (nach Cordes).

Abb. 46 Lageplan der mittelalterlichen Gründungsstadt (nach v. Boehn).

38

5. Dachböden und Keller mit einem Exkurs zum in Celle „fehlenden Mittelalter“ Auf der Suche nach den Antworten zu solchen wichtigen Fragen der bisher ungeklärten frühen Stadtgeschichte würde man mit gezielter und systematischer Stadtkern-Archäologie weiter kommen. Es soll nicht verschwiegen werden, dass die möglicherweise schon aus dem Mittelalter stammenden Keller in der Vergangenheit hin und wieder abgebrochen worden sind. Nur selten ist dies einmal im Foto festgehalten worden. (Abb. 48 - 49) Die Abbruchursache war meistens der Wunsch der Kaufleute nach einem ebenerdigen Eingang des Ladengeschäfts.9 Zu vermuten ist aber, dass auch mit ein Grund für die Planung und die frühere Zustimmung zu solchen Abbrüchen wertvoller Bausubstanz die Tatsache gewesen ist, dass diese interessanten Kellergewölbe bisher in der Allgemeinheit kaum bekannt sind und daher eine Wertschätzung als Besonderheit und Geschichtszeugnis kaum einsetzen konnte.

Abb. 47 Beispielhafte Zeichnungen von archäologischen Funden aus der Celler Altstadt (Schlossplatz 2, 11/12 und Stechbahn 8-10), 1956-64.

39

5. Dachböden und Keller mit einem Exkurs zum in Celle „fehlenden Mittelalter“

Abb. 48 Zöllnerstraße 2, Gewölbeabbruch, 1956.

Abb. 49 Zöllnerstraße 45/46, Gewölbeabbruch, 1960.

40

5. Dachböden und Keller mit einem Exkurs zum in Celle „fehlenden Mittelalter“

41

6. Erster Exkurs zu Celler Fachwerk-Besonderheiten: Zier-Ausfachungen

Abb. 50 Poststraße 10, nachgemalte Zierausfachungen, 2008.

42

6. Erster Exkurs zu Celler Fachwerk-Besonderheiten: Zier-Ausfachungen

6. Erster Exkurs zu Celler Fachwerk Besonderheiten: Zier-Ausfachungen

Da in der einschlägigen Celle-Literatur schon verschiedentlich auf die hier typischen Gliederungen und Zierformen des Fachwerks eingegangen wurde, seien an dieser Stelle nur die Ausfachungen als ein bisher kaum beachteter Bestandteil des Fachwerks vorgestellt, der das äußere Erscheinungsbild der Fassaden entscheidend mit prägt. Unter den vielen verschiedenen Ausfachungstechniken liegt hier das Augenmerk auf den in Celle besonders häufigen Ziegel-Zierausfachungen. Die in den Abbildungen 50 - 51 gezeigten, prächtig restaurierten Beispiele an der Poststraße und an der Stechbahn sind weithin bekannt. Dort sind nicht nur die Fugen, sondern der gesamte Mauerwerksverband farblich überfasst worden. Die künstlich wirkende Bemalung führt oft – auch bei Fachleuten – zur irrtümlichen Annahme, dass es sich um unverstandene Restaurierungen mit einem falschen Mauerwerks-Verständnis handelt. Solche Zierverbände gehen auf einen wirklichen Befund zurück, der in Celle noch heute in großer Zahl nachweisbar ist. Als erster - und offenbar gleichzeitig als einer der Letzten - hat Cordes schon vor dem Ersten Weltkrieg auf diese Fachwerkbesonderheit hingewiesen. Abbildung 52 zeigt seine Zeichnungen von sieben verschiedenen Arten der Zierausfachungen. Cordes schrieb dazu 1914: „Zur Belebung der Ausmauerung werden mannigfache Muster verwendet, die zum Teil an das Flechtwerk erinnern. (…) Zuweilen sind besonders geformte Steine verwandt, wie die Abbildungen 50 und 52 zeigen. Abb. 52 stellt den sogenannten Hexen- oder Donnerbesen dar, der angebracht wurde, um Unheil vom Haus fernzuhalten. Die Musterungen kommen jetzt wenig zur Geltung, da bei dem später erfolgten Oelfarbenanstrich Ziegel und Fugen meistens gleiche Farben erhalten haben.“10

43

6. Erster Exkurs zu Celler Fachwerk-Besonderheiten: Zier-Ausfachungen

Abb. 51 Stechbahn 5, zuletzt 2006 nach Befund nachgemalte Zierausfachungen; Aufnahme 2008.

Abb. 52 Sammlung verschiedener Ziegel-Zierausfachungen in der Celler Altstadt, 1914.

44

6. Erster Exkurs zu Celler Fachwerk-Besonderheiten: Zier-Ausfachungen Wer mit aufmerksamen Augen durch die Altstadt läuft, findet solche Ausfachungsbefunde allenthalben. Am besten erhalten, weil dort ungestörter, sind die Ziegel-Zierausfachungen an Seitenflügeln und Rückgebäuden. Abbildungen 53 und 54 zeigen das Rückgebäude von Schuhstraße 3, das 2007/08 in der Masterarbeit von Vanessa Knappe und Nina Lotz von der HAWK (FH) Hildesheim untersucht wurde.11 Dieses Gebäude ist der Allgemeinheit kaum bekannt, weil es trotz bedeutender Größe - es ist dreigeschossig - durch seine Lage inmitten des Baublocks dem öffentlichen Einblick fast vollständig entzogen ist. Die Ausfachungen dürften noch aus der Erbauungszeit um 1670 stammen. Das Datum ist dendrochronologisch gesichert. Genaue Befunduntersuchungen haben ergeben, dass die Zierausfachungen hier jedenfalls sichtbar waren, also eine bewusst geplante Bauzier. Sie waren mit einer sehr dünnen rötlich-ockerfarbenen Schlämme überzogen, die das Relief der Steine im Streiflicht sehr gut erkennen ließ. Es wurden zusätzlich Ritzungen in den Fugen gefunden, die darauf hinweisen, dass man die Fugen über der Schlämme farblich weiß nachgezogen hat.12 Ein weiteres Beispiel für Zierausfachungen an einem Gebäude im hinteren Parzellenbereich findet am mächtigen Seitenflügel von Schuhstraße 9, also auf dem Grundstück des früher sog. Großen Schenkenhofs (Abb. 55). Das bisher nicht näher erforschte Fachwerkgebäude dürfte ebenfalls im 17. Jahrhundert erbaut worden sein. Auch hier sind fast alle Gefache im sichtbaren Nordgiebel mit unterschiedlichen Zierziegel-Verbänden versehen worden. Eine gestalterische Ordnung oder Symmetrie ist nicht erkennbar, so dass man vorläufig von einer besonderen Freude der Maurer an der Verzierungsvielfalt ausgehen darf.

45

6. Erster Exkurs zu Celler Fachwerk-Besonderheiten: Zier-Ausfachungen

Abb. 53 Schuhstraße 3, Nordgiebel des Rückgebäudes, 2006.

Abb. 54 Schuhstraße 3, Zusammenstellung von 6 verschiedenen Zierausfachungen am Nordgiebel des Rückgebäudes, 2007.

Abb. 55 Schuhstraße 9, Nordgiebel des zweiten Seitenflügels mit Zierausfachungen, 2008.

46

6. Erster Exkurs zu Celler Fachwerk-Besonderheiten: Zier-Ausfachungen Mit diesem Wissen vorbereitet, erkennt man bei Rundgängen durch die Altstadt, dass solche Zierformen natürlich früher ebenso bei den Vordergebäuden verwendet wurden (Abb. 56 - 57). Manchmal muss man nur den richtigen Sonnenstand abwarten, so dass ein Streiflicht die alten Zierverbände auch durch dicke Schichten von Farbschlämmen aufscheinen lässt.

Abb. 56 Kleiner Plan 8, überschlämmte Ziegel-Zierausfachungen, 2007.

Abb. 57 Nordwall 57, Ostgiebel, überschlämmten Ziegel-Zierausfachungen, 2010.

47

7. Rückwärtige Bebauung und Innenhöfe

Abb. 58 Zöllnerstraße 27, Innenhof und Seitenflügel, 2007.

48

7. Rückwärtige Bebauung und Innenhöfe

7. Rückwärtige Bebauung und Innenhöfe Es wäre ein Versäumnis anzunehmen, dass die Fachwerkstadt Celle nur aus den vorn an den Straßen, Gassen und Plätzen liegenden Gebäuden besteht. Der Allgemeinheit weniger bekannt sind diejenigen Altstadtgebäude, die aus dem öffentlichen Raum in der Regel nicht einzusehen sind. Die großen Vorderhäuser verstellen den Blick auf die rückwärtig in den tiefen Parzellen liegenden Höfe, die von Seitenflügeln und Rückgebäuden umstellt sind. Diese rückwärtige Bebauung gehört ebenso zur Altstadt wie die Vorderhäuser; ohne sie konnte der historische Organismus der Stadt ökonomisch und organisatorisch nicht funktionieren. Manchmal sind die rückwärtig ‚versteckten’ Gebäude nicht weniger verziert, als die Vorderhäuser und nicht selten auch älter. Abbildung 58 zeigt einen Seitenflügel in der Zöllnerstraße, dessen reich verzierter Schwellenbalken offenbart, dass der heute weitgehend ungenutzte Hof früher eine ganz andere, hochwertigere Bedeutung hatte. Auf Abbildung 59 ist das Vorderhaus des sog. Clemens-CasselHauses Am Heiligen Kreuz zu sehen. Zu sehen ist eine biedermeierlich dekorierte Putzfassade des frühen 19. Jahrhunderts, die in keiner Weise erahnen lässt, dass sehr viel Älteres dahinter steckt. Wer durch den Klostergang nach hinten zum Nordwall geht, hat Gelegenheit, den früher einmal eng eingebauten Seitenflügel gut einzusehen (Abb. 60). Dort offenbart sich die (im Jahr 1983 erneuerte) Jahresinschrift „1530“, die den Bau als eines der vermutlich ältesten erhaltenen Celler Fachwerkhäuser ausweist.

49

7. Rückwärtige Bebauung und Innenhöfe Abb. 59 Am Heiligen Kreuz 9, verputztes Fachwerk-Vorderhaus, 2006.

Abb. 60 Am Heiligen Kreuz 9, Seitenflügel (1530i) mit kräftigen Knaggen und Treppenfries auf der Schwelle, 2008.

50

7. Rückwärtige Bebauung und Innenhöfe Vorderhäuser, Seitenflügel und Rückgebäude gruppieren sich um Innenhöfe. Dies waren häufig Wirtschaftshöfe. Vereinzelt hat es wohl auch Zier- und Gartenhöfe gegeben. Abbildungen 61 - 64 zeigen typische Celler Höfe. Einige der Beispiele deuten auf aktuell beträchtliche Gestaltungsdefizite. Die Folge ungenutzter Innenhöfe sind Verwahrlosungen und schleichende Gebäudeschäden.13 Leider sind die Innenhöfe als wichtiger Bestandteil der Celler Altstadt-Bebauung nicht sehr bekannt. Eine Hauptursache ist, dass die Höfe sich natürlich in Privateigentum befinden und daher oft verschlossen sind. Nur wenige Celler Innenhöfe sind der Öffentlichkeit jederzeit zugänglich, vor allem die gastronomisch genutzten Höfe, die in ihrer Anmutung ausgesprochen reizvoll sind und daher auch entsprechend gepflegt werden. (Abb. 65)

Abb. 61 Großer Plan 7, Innenhof, 2006.

Abb. 62 Schuhstraße 22, Innenhof, 2006.

51

7. Rückwärtige Bebauung und Innenhöfe

Abb. 63 Westcellertorstraße, Innenhof mit Blick auf Rückgebäude, 2006.

Abb. 64 Westcellertorstraße, Innenhof, 2006.

Abb. 65 Zöllnerstraße 29, gastronomisch genutzter Innenhof, 2007.

52

7. Rückwärtige Bebauung und Innenhöfe In den Innenhöfen befanden sich früher oft eigene Hausbrunnen, die jedoch heute vielfach zugeschüttet sind. Einige wenige sind erhalten oder wieder entdeckt worden. Sie sind heute ausgesprochene Schmuckstücke. (Abb. 66-68) Hingewiesen sei noch auf zwei historische Innenhof-Fotografien aus der Mitte des 20. Jahrhunderts. Obwohl sie nicht einmal besonders alt sind, vermitteln sie doch noch etwas von dem bis weit ins letzte Jahrhundert hinein die Celler Höfe bestimmenden, stimmungsvollen Leben. Ältere Celler Fotos, die nicht nur Altstadt-Plätze, Straßen und Vorderhaus-Fassaden zeigen, sind äußerst selten. (Abb. 69-70) Nützlich wäre eine systematische Bestandsaufnahme der Innenhöfe, auch um sie besser bekannt zu machen. Vorstellbar wäre, dass dabei so mancher lauschige Ort wieder entdeckt wird. Und es ist von den Wiederentdeckungen zu erhoffen, dass die Celler Innenhöfe mehr und mehr der Öffentlichkeit zugänglich gemacht oder wieder lebendig genutzt werden.

53

7. Rückwärtige Bebauung und Innenhöfe

Abb. 66 Nordwall 41, Brunnen im Innenhof, 2006.

Abb. 67 Schuhstraße 7, Brunnen im Innenhof, 2006.

54

Abb. 68 Südwall 5, Brunnen im Innenhof, 2007.

7. Rückwärtige Bebauung und Innenhöfe

Abb. 69 Schuhstraße 3, hist. Innenhofansicht, 1. Hälfte 20. Jahrhundert.

Abb. 70 Schuhstraße 5, hist. Innenhofansicht, um 1950.

55

7. Rückwärtige Bebauung und Innenhöfe Abb. 71 Bergstraße 48, Flachdach-Hofüberbauung, 2007.

Abb. 72 Stechbahn 7, Seitenflügel mit Hofüberbauung und Fassadeninschrift auf Schwellbalken, 2007.

Abb. 73 Stechbahn 7, Fassadeninschrift am Seitenflügel, 1937.

56

7. Rückwärtige Bebauung und Innenhöfe Ein paar Worte noch zum Umgang mit diesen Höfen und mit den historischen Seitenflügeln in der Vergangenheit. Die Erweiterung von Verkaufsflächen hat in den letzten Jahrzehnten oftmals dazu geführt, dass die Höfe blickdicht überbaut wurden (Abb. 71). Man hat dies manchmal als „Anhebung der Hofflächen“ schön geredet. Von einem Hof ist aber eigentlich nicht mehr zu reden. Entstanden sind unbenutzbare Flachdachflächen, die einen Blick in die rückwärtigen Parzellenbereiche und die dortigen reizvollen Fassaden gar nicht mehr zulassen. In einem Fall ist die Innenhof-Überbauung besonders bedauerlich, weil hier ein außerordentlich bedeutender Seitenflügel verdeckt und damit den Blicken entzogen worden ist. Nur wer sich darüber aus dem Treppenhausfenster lehnt, sieht sie noch, die älteste Celler Fassadeninschrift von 1497,14 die jetzt im Spritzwasser-Bereich des Flachdaches zu verrotten droht (Abb. 72). Im KunstdenkmälerInventar von 1937 finden wir noch eine zeichnerische Dokumentation der kostbaren Inschrift. (Abb. 73)

57

8. Altstadtstrukturen

Altstadt Celle, Luftbild 2008.

58

8. Altstadtstrukturen

8.

Altstadtstrukturen

Soviel zunächst zu den Einzelgebäuden. Es gibt in der Celler Altstadt eine Vielzahl ehemaliger Bürger- und Handwerkerhäuser, die jedes für sich etwas unterschiedlich sind und andere Geschichten erzählen können. Die Einzelgebäude und Freiflächen addieren sich zu Quartieren und Baublöcken und diese wiederum bilden zusammen mit den Straßen und Plätzen das Ensemble des Stadtdenkmals ‚Altstadt Celle’.15 Es ist weit mehr als die Summe der Einzelteile. Auf dieser erweiterten Betrachtungsebene zeigen sich städtebauliche Elemente, also stadträumliche Strukturen. Eine solche Betrachtungsebene lässt zudem einen Einblick in die vierte Dimension der Zeit zu, d.h. in die Siedlungs- und Stadtbaugeschichte. Wie kann ein Stadtplan Einblick in die Siedlungs- und Stadtbaugeschichte geben? Drei Beispiele dazu: die Überreste der Stadtbefestigung, die Anlage der Südwall-Bebauung und die Traufgassen.

59

9. Überreste der Stadtbefestigung

Abb. 74 Stadtplan Celle, um 1700 bis 1710.

60

9. Überreste der Stadtbefestigung

9. Überreste der Stadtbefestigung Noch heute lassen sich im Stadtumriss die ehemaligen Befestigungsanlagen ablesen. Bedeutsam im wahrsten Sinne des Wortes sind hier die Namen der beiden Wallstraßen (Nord- und Südwall). Sie bezeichnen die Lage der früher vorhandenen Wallbefestigung Celles, deren letzte Reste - bis auf zwei Stellen - in den 1880er Jahren abgetragen wurden. Das Gesamtsystem der Befestigungsanlagen lässt sich in den Stadtplänen des barocken Celle gut erkennen. Auffällig sind insbesondere die Wälle mit ihren Tunneltoren sowie die bis zu 50 m breiten Wassergräben (Abb. 74). Auch die Merian-Stadtansicht von 1654 gibt einen Eindruck vom Erscheinungsbild der Befestigung. (Abb. 75) Um zu ermitteln, was und wo von der geschleiften Befestigung heute im Stadtbild noch erhalten ist, hilft eine von der Archäologin Catherine Atkinson angefertigte Karte, welche den barocken Befestigungsgürtel Celles in eine moderne Stadtkarte überlagert (Abb. 76). Zunächst ist auf den Wall hinzuweisen. Wie mächtig dieser war, lässt sich heute nur noch am sog. Schlossberg erkennen, der eigentlich kein Berg, sondern der in seinem Ostteil abgetragene Befestigungswall des Schlosses ist. Das Schloss stand also nicht auf einem Berg - allenfalls auf einer kleinen Erhebung - sondern hinter einem Wall. (Abb. 77) Der Befestigungswall hat nicht nur das Schloss, sondern in ähnlicher Weise - aber getrennt vom Schlosswall - die gesamte Altstadt umfasst. Teilweise war der Wall von gemauerten runden Bastionen begrenzt. In der Überlagerungs-Karte (vgl. Abb. 76) sind diese Bastionen als große rote Punkte markiert. Heutzutage sind die Bastionen zwar oberirdisch nicht mehr erhalten, aber im Stadtgrundriss (und archäologisch16) immer noch präsent. Sie markieren bis heute die Knickpunkte des die gesamte Altstadt umgebenden Stadtgraben-Systems. (Abb. 78)

61

9. Überreste der Stadtbefestigung

Abb. 75 Ausschnitt aus der Stadtansicht von Merian/Buno,1654 (Wallbefestigung rot und Wassergraben blau eingefärbt).

Abb. 76 Moderner Celler Stadtplan mit zeichnerischer Überlagerung der barocken Festungswerke und Wasserläufe.

62

9. Überreste der Stadtbefestigung

Abb. 77 Sogenannter Schlossberg von Süden (ehem. südlicher Schlosswall), 2009.

63

9. Überreste der Stadtbefestigung

Abb. 78 Stadtgraben-Knick im Bereich der ehemaligen Nordost-Bastion (heute hinter dem Grundstück Nordwall 22), 2008.

64

9. Überreste der Stadtbefestigung Zwischen diesen Bastionen war der Erdwall eingespannt. Die Innenseite des Walls war teilweise von rund 5 m hohen Mauern begrenzt. Diese hatten jedoch nicht primär eine Befestigungsfunktion, sondern wahrscheinlich vor allem einen platzsparenden Grund: Denn um Bauplatz zu gewinnen, hatte man die Wallbreite innen verringert und stattdessen eine Stützmauer in den Wall hineingebaut. Solche Stützmauern haben sich an verschiedenen Orten des Altstadtrandes bis heute erhalten. Ein allgemein bekanntes Beispiel ist die Rückseite des Gebäudes Altencellertorstraße 1, in dem seit den 1970-er Jahren das Schützenmuseum residiert und das früher direkt an der Stadtbefestigung lag (Abb. 79). Was dort heute so aussieht wie eine ehemals freistehende Bruchsteinmauer, etwa eine „Stadtmauer“, ist in Wirklichkeit die innere Stützmauer des Stadtbefestigungswalls, an die sich von innen ein Hausbau angelehnt hat. Das Prinzip für die eigenartige Baukombination aus abgestütztem Wall und angrenzender Bebauung versucht Abbildung 80 zu veranschaulichen. Ein weiteres eher verstecktes Beispiel für eine erhaltene Wall-Stützmauer findet man am Südwall 5 (Abb. 81). Das dortige dreigeschossige Fachwerkgebäude, das wohl aus dem 17. Jahrhundert stammt, zeigt heute vor der Erdgeschoss-Fassade eine merkwürdige Mauerwerksverstärkung. Was es damit auf sich hat, verrät eine Zeichnung, die sich im Stadtarchiv befindet. (Abb. 82) Bis 1882 verlief hier direkt am Haus der Stadtwall, dessen Abtragung damals wohl statische Schwierigkeiten bereitete. Zu sehen ist das Fachwerkgebäude im Querschnitt und dass dieses sich nicht nur an die Stützmauer und den Stadtwall angelehnt hatte, sondern sich mit seiner Rückwand darauf setzte. Als nun der Erdwall („Wallkörper“) abgetragen werden sollte, entfiel der Erddruck und die Stützmauer begann nach außen zu kippen. Die Zeichnung zeigt, dass Abstützungen und Mauerwerksverstärkungen erforderlich wurden. Letztlich ist die alte Wall-Stützmauer heute noch in der massiven Erdgeschoss-Fassade eingebaut erhalten.

65

9. Überreste der Stadtbefestigung

Abb. 79 Altencellertorstraße 1, eingebaute Wallstützmauer, 2007.

Abb. 80 Stadtgraben-Wall-StützmauerSystem während der Befestigungsphase und nach Schleifung des Walles. . Oben erkennt man das Befestigungssystem aus Wall und breitem Wassergraben, wie es bis ins 17. Jahrhundert bestanden hat. Darunter ist der Zustand nach Schleifung des Walles zu sehen. Auf der Fläche der Wälle entstanden die Wallstraßen und vom Wall blieb vereinzelt die innere Stützmauer übrig. Der Wassergraben wurde größtenteils zugeschüttet.

66

9. Überreste der Stadtbefestigung Abb. 81 Südwall 5, Südansicht mit verstärkter Erdgeschossmauer, in der die ehemalige Wallstützmauer steckt, 2007.

Abb. 82 Südwall 5, Querschnitt des Gebäudes mit Stützmauer und Wallkörper, 1882 (kurz vor der Wallabtragung).

67

10. Die Anlage der Südwall-Bebauung

Abb. 83 Südwall-Straßenzug kurz nach Schleifung der Wallbefestigung, Stadtplan-Ausschnitt von 1898.

68

10. Die Anlage der Südwall-Bebauung

10. Die Anlage der Südwall-Bebauung Als man den Festungswall im Süden der Altstadt abgetragen hatte, waren dort attraktive Baugrundstücke an einer neu angelegten Straße (Südwall) entstanden. Es war beste Innenstadtlage, nach Süden ausgerichtet und mit herrlichem Blick in den etwas niedriger liegenden Französischen Garten. Die dem preußischen Staat gehörenden Festungsgrundstücke wurden zunächst meistens von den Anrainern des nördlichen Baublock als Gartengrundstücke erworben, dann aber Zug um Zug bebaut, im wesentlichen von 1883 bis zum Ersten Weltkrieg, mit einigen Nachläufern bis in die 1930-er Jahre. Auf der Stadtkarte von 1898 ist der Südwall als Straße schon komplett angelegt (Abb. 83). Zu diesem Zeitpunkt waren bereits 15 Villen erbaut. Die Bauherren des hier entstandenen Villen-Kranzes waren durchweg aus dem gehobenen Bürgertum Celles: Fabrikanten, Kaufleute, Bauunternehmer, Juristen, höhere Beamte, Bankiers, Ärzte, Lehrer usw. (Abb. 84 - 89). Gestalterisch und geschichtlich gesehen nimmt die südliche Südwall-Architektur eine Sonderstellung innerhalb der Altstadt-Bebauung ein: Es ist der größte zusammenhängende Abschnitt von Gründerzeit-Bebauung in der Altstadt und konnte es nur deswegen sein, weil hier in großem Umfang neue Baugrundstücke frei wurden. Im Vergleich mit anderen Städten erkennt man eine typische Entwicklung mittelalterlicher Städte nach Aufgabe der Befestigungen. Häufig wurden anstelle der geschleiften Mauern und Wälle nun neue Parkanlagen oder eben Ringstraßen mit repräsentativen Neubauten errichtet. Am berühmtesten ist vielleicht die seit den 1850-er Jahren entstandene Wiener Ringstraße mit ihren großartigen Bauten. Der Südwall ist gewissermaßen ein Teil der ersten Celler Ringstraße und hat somit seine eigene stadtbaugeschichtliche Bedeutung.

69

10. Die Anlage der Südwall-Bebauung Abb. 84 Südwall 18, erbaut 1891 für den Gerichts-Voigt Schumacher. Architekt war der damals in Celle vielbeschäftigte Friedrich Wolter, der gleichzeitig eine Baufirma betrieb. 2007.

Abb. 85 Südwall 19, erbaut 1891; nach Plänen von Friedrich Wolter, für sich selbst. 2007.

Abb. 86 Südwall 20, erbaut 1891-92 für Stadtbaumeister Kober, nach eigenem Entwurf.

70

10. Die Anlage der Südwall-Bebauung Abb. 87 Südwall 23A, erbaut 1910 für den Kaufhaus-Besitzer Isidor Meyer; Architekt war Alfred Sasse aus Hannover, der nicht nur Meyers Kaufhaus am Großen Plan entworfen hatte, sondern kurz zuvor auch das Bomann-Museum. 1983.

Abb. 88 Südwall 30, erbaut 1906-07 für den Zahnarzt Dr. Bettinghaus; Architekt war der Kgl. Kreisbauinspektor Schlöbcke. 2007.

Abb. 89 Südwall 33, erbaut 1884 für Reichsbankdirektor Ahsendorf; die Planung stammt wahrscheinlich von Johannes Möller, dem Architekten und Inhaber des früher viel beschäftigten Celler Baugeschäftes ‚F. Heyer Nachfolger’. 2007.

71

11. Die Zwischen (Traufgassen)

Abb. 90 Block-Bebauungsstruktur, 1914 (rot gekennzeichnet die Zwischen).

72

11. Die Zwischen (Traufgassen)

11. Die Zwischen (Traufgassen) Auffällig im Stadtgrundriss ist die Gebäudeverteilung innerhalb der Baublöcke. Sie zeigt in besonderem Maße die Kleinteiligkeit historischer Altstädte. In Celle finden wir überwiegend schmale Parzellen, die sich neben einander reihen. Aber die Gebäude selbst – zumindest die Giebelhäuser – wurden nicht direkt aneinander gebaut, sondern man hat trennende Traufgassen freigelassen, die in Celle charakteristischerweise „Zwischen“ heißen. Die Traufgassen heißen in anderen Gegenden Norddeutschlands plattdeutsch „Twiete“ oder „Tweete“. Aus dem Westfälischen sind die Bezeichnungen „Hallen“ oder „Soden“ bekannt. Die genaue Funktion und Entstehung der Zwischen ist bisher nicht geklärt. Man darf bis auf weiteres wohl annehmen, dass sie ursprünglich der gemeinschaftlich organisierten Dach- und Hofentwässerung dienten und auch der Brandverhütung, weil so im Brandfall die Gefahr eines Feuerüberschlags verringert war. Abbildung 90 zeigt in einer Bestandsaufnahme von 1914 die damalige Gebäudestruktur zweier Straßenblöcke. Rot markiert sind die Zwischen. Gerade der Richtungsverlauf lässt erkennen, dass die Grundstücke - auch an den inneren Hauptstraßen - ehemals von einer zur anderen Straße durchliefen, obwohl dies heute getrennte und eigenständige Grundstücke sind. So wird deutlich, dass Parzellenzuschnitt und Zwischen frühere Zusammenhänge anzeigen und damit ablesbare Dokumente der Stadtbaugeschichte sein können. Bei einer genaueren Untersuchung und Vermessung der Zwischen würde man sicher interessante Erkenntnisse nicht nur auf ehemalige Parzellen-Zusammenhänge gewinnen, sondern wohl auch darauf, wie die Baugrundstücke im Zuge der Stadtneuanlage um 1300 einheitlich aufgeteilt und systematisch eingemessen wurden. Am Beispiel der Zwischen kann man sehen, wie sehr die historischen Stadtstrukturen mit dem Stadtbild und mit einzelnen Baubefunden verknüpft sind. Ihre Lage und Anordnung ist ein typisches Merkmal der Celler Altstadt-Struktur (Abb. 91). An den vorderen charakteristischen Holztüren-Verschlüssen hat sich offenbar seit Jahrhunderten bis heute kaum etwas geändert; übrigens auch nicht an dem Streit, wem der beiden Anlieger die Zwische nun gehört und wer für deren Instandhaltung aufzukommen hat. Die Zwischen sind ein weiteres Altstadt-Detail, deren geschichtliche Zusammenhänge zu erforschen sicher interessant wäre. Ein paar vorläufige Beobachtungen: Wie breit waren die Zwischen ursprünglich? Es scheint, dass es unterschiedliche Breiten von ca. 30, 60 oder 90 cm gibt, was sich dann möglicherweise am historischen Fußmaß orientiert haben dürfte. Auf dem Boden verläuft die Rinne zur Dach- und Hofentwässerung. (Abb. 92)

73

11. Die Zwischen (Traufgassen)







Abb. 91 Giebelbauten und Traufgassen im Stadtbild, hier Am Heiligen Kreuz, 2009.

Abb. 92 Poststraße 8 (Hoppenerhaus), Rinne in der Süd-Zwische, 2008.

74

Abb. 93 Schuhstraße 27, West-Zwische mit Auflagersteinen über der Rinne; 2008.

11. Die Zwischen (Traufgassen) Abbildung 93 zeigt ein besonderes Beispiel, bei dem sandsteinerne Durchlassbögen in der Rinne auffallen. Diese Bögen sehen aus wie Auflager für einen Bohlensteg. Sind die Zwischen also teilweise auch als (enger) Ersatz-Hofzugang benutzt worden? Aber warum hat man als Auflager ein so aufwändiges Material gewählt? Immerhin sind die nächsten Sandsteinbrüche gut 100 km entfernt. In einigen Fällen scheinen breitere Zwischen auch für die Anlage von AbortErkern genutzt worden zu sein. Das bisher einzige bekannte und erhaltene Beispiel findet man an der West-Zwische von Robert-Meyer-Platz 1 (Abb. 94-95). Bei genauer Betrachtung handelt es sich dort sogar um zwei verschiedene AbortErker. In beiden Fällen kragt eine Fachwerk-Konstruktion aus dem eigentlichen Gebäude hinaus; unten befand sich ehemals die Abwurf-Öffnung. Dass die Zwische an dieser Stelle ungewöhnlich breit ausfällt, hat einen besonderen Grund. Der Häuserabstand ließ ursprünglich ein besonderes Grundstück frei, das eine wichtige öffentliche Funktion hatte: Dort gab es einen offenen Wassergraben, der noch im Urkataster von 1873 deutlich als blaues Gewässer zu erkennen ist (Abb. 96). Wir haben hier einen - in der Parzellen- und Bebauungsstruktur noch heute ablesbaren - Rest der Celler Altstadt-Entwässerung vor uns, aus der Zeit vor dem Abtragen der Wallbefestigung und vor dem Bau des allgemeinen Kanalnetzes. Man muss sich vergegenwärtigen, dass früher die umgebenden Befestigungs-Wallanlagen der Altstadt wie eine Wanne oder ein Trog wirkten, so dass sämtliche Abwässer in der Altstadt gewissermaßen „gefangen“ waren. Eine Ableitung nach außen war nicht ohne weiteres möglich, ohne die Sicherheit der Befestigung zu gefährden. Nach bisherigem Kenntnisstand funktionierte die Entwässerung so, dass offene Abzugsgräben an einigen wenigen Stellen direkt an den Altstadtrand heranführten, um dort als gewölbte Tunnel unter dem Befestigungswall hindurch zu reichen und schließlich außen in den um die ganze Stadt fließenden Stadtgraben zu münden.

75

11. Die Zwischen (Traufgassen)

Abb. 94 Robert-Meyer-Platz 1, Vorderhaus-Abort über der West-Zwische; Blick von vorne, 2008.

Abb. 95 Robert-Meyer-Platz 1, Seitenflügel-Abort über der West-Zwische; Blick von rückwärts, 2007.

Abb. 96 Urkatasterkarte von 1873 (Ausschn.), mit blau eingezeichnetem Rest des Abzugsgrabens zwischen Robert-Meyer-Platz 1 und 2.

76

11. Die Zwischen (Traufgassen) Die äußeren Walldurch- und Stadtgrabeneinlässe sind heute nicht mehr erhalten. Sie waren angeblich aus Verteidigungsgründen verschließbar.17 Mindestens zwei solcher früherer Abzugskanäle sind bekannt. Der andere Abzugskanal befand sich in der Zwische der Häuser Schuhstraße 12 und 13. Den Gesamtzusammenhang der beiden Abzugskanäle zeigt ein Altstadt-Planausschnitt aus dem 18. Jahrhundert, der leider nur als Reproduktion im Fotonegativ überliefert ist. (Abb. 97)

Abb. 97 Verlauf der Wasserabzugsgänge zum Südwall und Nordwall (hell markiert); erste Hälfte 18. Jahrhundert.

77

12. Zweiter Exkurs zu Celler Fachwerk-Besonderheiten: Riegelabdeckungen

Abb. 98 Schuhstraße 4, Seitenflügel-Ostfassade: Riegel- und Schwellenabdeckungen durch vorgezogene Ziegelreihen (jetzt frei liegend, ehemals wohl von einem Nachbargebäude verdeckt); 2006.

78

12. Zweiter Exkurs zu Celler Fachwerk-Besonderheiten: Riegelabdeckungen

12. Zweiter Exkurs zu Celler Fachwerk Besonderheiten: Riegelabdeckungen Das Thema „Zwische“ lädt zu einem weiteren Fachwerkexkurs ein, denn vor allem im Bereich der Zwischen sind häufig an den seitlichen Fachwerkfassaden ältere Baubefunde erhalten. Dort findet man manchmal noch die in Celler FachwerkAußenwänden selten gewordenen Lehm-Ausfachungen. Bei sehr alten Ziegelausfachungen sieht man außerdem ein interessantes historisches Beispiel für konstruktiven Holzschutz: Die jeweils unterste GefachZiegellage steht ein paar Zentimeter vor und schützt den darunter liegenden horizontalen Riegel (oder die Schwelle) des Fachwerks vor Niederschlägen (Abb. 98 - 101). Diese besondere Fachwerk-Konstruktion der Riegelabdeckungen sind bisher nur an verdeckten Seiten- und Traufenfassaden gefunden worden, niemals an einem Giebel oder einer Sichtfassade. Es ist daher zu vermuten, dass die Ursache weniger in den besseren Erhaltungsbedingungen liegt, sondern im Gegenteil an der dort ehemals besonderen Niederschlagsbelastung. Anzunehmen ist, dass auch in der Celler Altstadt Traufenrinnen erst relativ spät flächendeckend eingeführt wurden. Bis dahin dürften Niederschläge ungebremst auf der Dachhaut nach unten geflossen und dann bei den engen Zwischen an und auf die nahe Nachbarwand geschossen sein. Das führte an regenrinnenlosen Zwischen regelmäßig zu enormen Fassadendurchfeuchtungen, gegen die die Riegelabdeckungen als probates Mittel gedacht gewesen sein dürften.

79

12. Zweiter Exkurs zu Celler Fachwerk-Besonderheiten: Riegelabdeckungen

Abb. 99 Poststraße 7, Vorderhaus-Nordfassade mit Riegel- und Schwellenabdeckungen zur Zwische (rechts die Ecke des Hoppenerhauses, Poststraße 8), 2008.

80

12. Zweiter Exkurs zu Celler Fachwerk-Besonderheiten: Riegelabdeckungen

Abb. 100 Schuhstraße 6, Vorderhaus-Westfassade zur Zwische. Das Detail der Riegel- und Schwellenabdeckungen lässt erkennen, dass die vorstehenden Ziegelsteine, oben (vor dem Brand) abgeschrägt wurden sind, um Niederschläge abzuleiten. 2009.

Abb. 101 Neue Straße 7, Ostfassade zur Zwische. Sonderform der Abdeckung horizontaler Fachwerkhölzer durch halbierte Röhrenziegel. Die komplizierter erscheinende Lösung könnte hier und da eine einfacher herzustellende Wasserableitung gewährt haben. 2006.

81

13. Dachlandschaft

Abb. 102 Dachlandschaft der Celler Altstadt im Luftbild: oben Zöllnerstraße, unten Mauernstraße.

82

13. Dachlandschaft

13. Dachlandschaft In einer historischen Stadt bildet sich die Parzellen- und Gebäudestruktur bis in die Dachlandschaft ab (Abb. 102 und Titelbild). Sie ist ein weiterer gebäudebezogener Aspekt des Stadtdenkmals. Hier zeigen sich noch einmal deutlich die Giebelhaus-Strukturen auf den lang gezogenen Parzellen. Die Veränderungen in den Parzellenzuschnitten, unmaßstäbliche Baukörper und Flachdächer führen in einem solchen, von Kleinteiligkeit bestimmten Ensemble zu erheblichen Maßstabsbrüchen. Zur Celler Dachlandschaft gehören als Besonderheit der Vorderhäuser die teilweise aufwändig gestalteten Giebelbekrönungen (Abb. 103). Sie sind Schmuckmotive, die das Stadtbild früher wohl noch weitaus häufiger und prächtiger geprägt haben als heute. Ähnlich wie bei den anderen genannten Baudetails sind auch die Giebelbekrönungen bisher noch kaum näher wissenschaftlich untersucht worden. Es sind hauptsächlich zwei verschiedene Typen von Giebelbekrönungen zu unterscheiden. Besonders häufig sind Giebelknäufe. Sie sind aus Kupferblech getrieben, wobei der kugelartige Knauf aus zwei miteinander verbundenen Halbschalen besteht. Die Kugel sitzt auf einem Schaft und wird oben von einer Spitze bekrönt, die manchmal einen vergoldeten Stern trägt (Abb. 104 - 108). Ob auch in Celle – wie andernorts üblich – bei der Aufrichtung im Kugelknauf historische Dokumente eingeschlossen wurden, ist noch ungewiss. Solche Dokumente könnten wertvolle Hinweise zur Bau-, Umbau- und Nutzungsgeschichte der Häuser enthalten. Eine formale Steigerung der Giebelbekrönung ist die Wetterfahne. Dabei wurde auf den Giebelknauf anstatt der spitzen Stange eine kunstvoll geschmiedete und vergoldete Wetterfahne aufgesetzt. Solche Wetterfahnen können durch auffällige Inschriften leicht in die Hauptblüte Celles gegen Ende der Residenzzeit in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts datiert werden. Erst das Fernglas oder das Fototeleobjektiv offenbaren die ganze Schönheit der Schmuckformen und lassen Jahreszahlen und Bauherren-Initialen lesen. (Abb.109 - 111)

83

13. Dachlandschaft

Abb. 103 Fünf Giebelbekrönungen in der Schuhstraße, 2010.

Abb. 104 Zeichnungen der Giebelbekrönungen in der Schuhstraße, 1914.

84

13. Dachlandschaft

Abb. 105 Zöllnerstraße 7, Giebelknauf, 2007.

Abb. 107 Großer Plan 28, Giebelknauf, 2008.

Abb. 106 Schuhstraße 7, Giebelknauf, 2008.

Abb. 108 Poststraße 10, Giebelknauf, 2008.

85

13. Dachlandschaft

Abb. 109 Großer Plan 24, Giebelknauf mit Wetterfahne (1677i), Die Initialen FCS verweisen auf den einstigen Hausbesitzer Francesco Capellini, genannt Stechinelli, 2010.

Abb. 110 Schuhstraße 20, Giebelknauf mit Wetterfahne (1659i), 2010.

Abb. 111 Stechbahn 4, Giebelknauf mit Wetterfahne (1693i), 2010.

86

14. Schlussbemerkung

14. Schlussbemerkungen Celles Altstadt ist eine typische, im Mittelalter gegründete und strukturierte Stadt, deren äußeres Erscheinungsbild jedoch von den in einmaliger Vollständigkeit erhaltenen Fachwerkbauten aus der Barockzeit geprägt wird. Dieser Erhaltungsgrad ist zum einen dem glücklichen Umstand zu verdanken, dass Celle in den letzten Jahrhunderten niemals von Kriegszerstörungen betroffen wurde und zum anderen, dass die Celler seit rund 100 Jahren eine bewusste Erhaltung Ihrer Altstadt betreiben. Zunächst mit städtischen Satzungen zur Stadtbildpflege, die sich gegen Verunstaltungen richteten und seit rund 30 Jahren mit einer vom Rat verabschiedeten Gestaltungssatzung und dem zusätzlichen Instrument des Denkmalschutzgesetzes.18 Ein Hauptziel dieser Schrift ist die Verbreitung von Geschichtskenntnissen zu Celler Gebäude- und Stadtstrukturen sowie das Wecken von Interesse an den historischen Besonderheiten der Celler Altstadt. Nicht zuletzt sollten auch lohnende baugeschichtliche Forschungsansätze aufgezeigt werden, denn das Fehlen einer Hochschuleinrichtung in Celle hat u.a. auch dazu geführt, dass in dieser Stadt noch zahlreiche baugeschichtliche Schätze gehoben werden können. Es gilt das bekannte Goethe-Wort „Man sieht nur, was man kennt“. Aus Erfahrung als Bauhistoriker und Denkmalpfleger kann der Autor diese Einsicht bestätigen und möchte anschließen mit dem Satz: „Man kann auch nur wertschätzen, was man kennt“. Ohne genaue Kenntnis der Geschichte und der Originalzeugnisse kann es eine wirkungsvolle Denkmalpflege nicht geben. Die beschriebenen historischen Strukturen und materiellen Baubefunde – im Äußeren wie im Inneren – sind bedeutsam und haben einen hohen Zeugniswert. Ohne sie funktioniert die Glaubwürdigkeit einer historischen Altstadt nicht wirklich, weil das gewisse Extra der Authentizität von Originalen fehlt.

87

88

Literatur-Auswahl

Literatur-Auswahl Alex, Werner: Die Ausspannwirtschaften in der Altstadt von Celle. Celle 1989. Atkinson, Catherine: Celle – eine wehrhafte Stadt. Ausgrabung an der ehemaligen Stadtbefestigung vor dem Hintergrund der frühneuzeitlichen Festungsgeschichte. Celle o.J. (1989). Bigalke, Hans-Günter: Fachwerkhäuser. Verzierungen an niederdeutschen Fachwerkbauten und ihre Entwicklung in Celle. Hannover 2000. Busch, Ralf: Die Fachwerkbauten der Celler Altstadt. Celle 1965. Busch, Ralf: Funde und Baubeobachtungen aus der Celler Altstadt. Celle 1991 (= Celler Beiträge zur Landes- und Kulturgeschichte, Bd. 21). Cassel, Clemens: Geschichte der Stadt Celle. 2 Bde. Celle 1930/34. Cordes, Eduard: Die Fachwerkbauten der Stadt Celle. Hannover 1914 (= Diss. Technische Hochschule Hannover). Ensemble Altstadt Celle. Begründung und Erläuterung der Denkmaleigenschaft. Heike Albrecht, im Auftrag des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege (NLD). März 2008. Im Internet veröffentlicht unter: http://www.celle.de/media/custom/342_15592_1.PDF . Fischer, Gernot: Celler Baudenkmale. Celle 2000 (= Celler Beiträge zur Landes- und Kulturgeschichte, Bd. 28). Knappe, Vanessa und Nina Lotz: Hinterhaus Schuhstraße 3 in Celle. Bestandsdokumentation und typologische Einordnung (2 Bde.). Masterthesis zur Erlangung des akademischen Grads Master of Arts (M.A. – preservation of historical monuments). HAWK Hildesheim. Januar 2008. Maehnert, Sabine und Kathrin Panne: Ein Rundgang durch das alte Celle. Gudensberg-Gleichen 2003. Niedersächsischer Städteatlas. II. Abteilung: Einzelne Städte. 7. Celle. Bearbeitet von Otto v. Boehn. Celle 1953 Rüsch, Eckart Rüsch: Stadtdenkmal Altstadt Celle - Denkmalwerte, Nutzungskonflikte und Lösungsansätze (Lichtbildervortrag 2007). Im Internet veröffentlicht unter: http://www.celle.de/media/ custom/342_12444_1.PDF . Rüsch, Eckart: Im Zeichen der „Fachwerkstadt“ Geschichte und Projekte der Denkmalpflege in der Celler Altstadt seit 1900. In: Celler Chronik. Beiträge zur Geschichte und Geographie der Stadt und des Landkreises Celle, Bd. 17. Celle 2010, S. 161-193 (auch im Internet veröffentlicht unter: http://www. celle.de/media/custom/342_16888_1.PDF ) . Siebern, Heinrich: Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover, Heft III.5 Stadt Celle. Hannover 1937.

89

Anmerkungen

Anmerkungen

Der vorliegende Text ist keine systematische und auf Vollständigkeit bedachte Ausarbeitung zur Celler Stadt- und Baugeschichte, sondern ein beispielhafter Überblick. Er geht zurück auf ein in mehreren Schrittenerweitertes Manuskript zu öffentlichen Vorträgen, die vom Verfasser 2007bis 2009 gehalten worden sind. Der Vortragstext ist für die Schriftformmgeordnet, überarbeitet sowie um Anmerkungen und eine Auswahlbibliographie ergänzt worden. Die in den Lichtbildervorträgen überaus zahlreichen Abbildungen und Beispiele wurden reduziert.



Zur Denkmalpflege in Celle siehe die Veröffentlichungen Rüsch 2007 und 2010.



Cordes’ Werk als Architekt, Bau- und Hausforscher ist bisher nicht gewürdigt worden. Das mag daran liegen, dass außer seiner Dissertation (die ein Beitrag zum damals bereits geplanten Denkmalinventar war; vgl. Siebern 1937, S.III) wegen des frühen Todes keine weiteren Forschungsarbeiten folgten. - Eine kritische Rezension zu Cordes’ gedruckter Dissertation von Töwe in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Niedersachsen 79 (1914), S. 429f. Im Stadtarchiv Celle befindet sich ein Mappenwerk mit Zeichnungen und Fotos zur Dissertation (ohne Signatur). – Ein Nachruf auf Cordes in: Zentralblatt der Bauverwaltung, 29.01.1919, S. 52 (frdl. Hinweis von Frau Köhler, Landeshauptarchiv Magdeburg).



Als Beispiele seien drei Arbeiten zur Bau- und Hausforschung genannt: Knappe/Lotz 2008. - Ulrich Klages: Mittelalter hinter einer Barockfassade – Das Haus Zöllnerstrasse 20 in Celle. In: Geschichtsdokument Bauwerk. Hrsg. Interessengemeinschaft Bauerhaus. Liliental 2008, S. 107-136. – Derselbe: Schon 1576 wurden Celler Fachwerkfassaden bemalt – Seltene Befunde zum Bauen in der frühen Neuzeit am Haus Neue Strasse 35 in Celle. In: Ebenda, S. 125-136.



Hervorzuheben Fischer 2000.



Siehe Bigalke 2000 (jedoch ohne Berücksichtigung der Sanierungsgeschichten, was teilweise zu Fehlschlüssen und –datierungen führte) und Busch 1965. Eine gefügekundliche und konstruktive Übersicht zum Celler Fachwerk steht aus.



Busch 1991, S. 131 mit Hinweisen auf Brandhorizonte bis 4 m unter heutigem Bodenniveau.

1

2

3

4

5

6

7

90

Anmerkungen/Der Autor 8

Busch 1991.

9

Zu dieser Problematik siehe Rüsch 2010, S. 181ff.

10

Cordes 1914, S. 42.

11

Knappe/Lotz 2008.

12

Knappe/Lotz 2008, Bd. 1, S. 95, 98.

13

Zur denkmalpflegerischen Nutzungsproblematik der Höfe vgl. Rüsch 2010, S. 183ff.

14

15



Die Datumslesung ist bei Siebern irrtümlich mit 1494 wiedergegeben; vgl. hist. Fotografien von 1942 und Fischer 2000, S. 213. Zur Beschreibung und Würdigung des Stadtdenkmals vgl. Ensemble Altstadt Celle 2008.

16

Vgl. Atkinson 1989.

17

Busch 1991, S. 18ff.

18

Vgl. dazu Rüsch 2010.

Der Autor: Dr. Eckart Rüsch (Jahrgang 1962) ist seit 2006 Stadtdenkmalpfleger von Celle. Er hat Architektur und Kunstgeschichte in Darmstadt und Bamberg studiert, war dann einige Jahre in der Denkmalpflege-Lehre in Berlin und anschließend in der praktischen Baudenkmalpflege bei Denkmalbehörden in Münster/W. und Hannover tätig. Seine Spezialgebiete sind – außer Celle – die Bautechnikgeschichte und die Geschichte der Denkmalpflege.

91

Abbildungs-Nachweise

Abbildungs-Nachweise 0

(Titelbild) Luftbild Altstadt Celle von Osten, im Hintergrund oben das Residenzschloss, links der Französische Garten, 2008. Martin Tronnier, Meinersen.

38

DA UDB, Foto: E. Rüsch

78

DA UDB, Foto: E. Rüsch

39

Architekturbüro Simon + Simon, Celle

79

DA UDB, Foto: E. Rüsch

40

DA UDB, Foto: E. Rüsch

80

Schemazeichnung E. Rüsch

1

Ausschnitt aus Stadtplan von 1898.

41

Cordes 1914, S. 22,

81

DA UDB, Foto: E. Rüsch

2

Cordes 1914, S. 25

42

DA UDB, Foto: E. Rüsch

82

StA CE, Sign. OD IX f, 4 Nr. 1 (Atkinson 1989, S. 76, Nr. 94)

3

DA UDB

43

DA UDB, Foto: E. Rüsch

83

DA UDB

4

DA UDB, Foto: E. Rüsch

44

DA UDB, Foto: E. Rüsch

84

DA UDB, Foto: E. Rüsch

5

DA UDB

45

Cordes 1914, S. 10, Abb. 1.

85

DA UDB, Foto: E. Rüsch

6

DA UDB, Foto: K. Nowak

46

Nieders. Städteatlas 1953, o. S.

86

DA UDB, Foto: E. Rüsch

7

DA UDB, Foto: E. Rüsch

47

Busch 1991, S.172-173, Tf. 24-25

87

StA CE, Fotosammlung

8

DA UDB, Foto: E. Rüsch

48

Busch 1991, S. 127, Abb. 80

88

DA UDB, Foto: E. Rüsch

9

DA UDB, Foto: E. Rüsch

49

DA UDB, Foto R. Busch

89

DA UDB, Foto: E. Rüsch

10

DA UDB, Foto: E. Rüsch

50

DA UDB, Foto: E. Rüsch

90

Cordes 1914, S. 15, Abb. 5.

11

DA UDB, Foto: E. Rüsch

51

DA UDB, Foto: E. Rüsch

91

DA UDB, Foto: E. Rüsch

12

Archiv Gudrun Scheuring, Celle

52

Cordes 1914, S. 43, Abb. 48-52

92

DA UDB, Foto: E. Rüsch

13

DA UDB, Foto: E. Rüsch

53

DA UDB, Foto: E. Rüsch

93

DA UDB, Foto: E. Rüsch

14

DA UDB, Foto: E. Rüsch

54

Knappe/Lotz 2008, Bd. 1, S. 96

94

DA UDB, Foto: E. Rüsch

15

DA UDB, Foto: E. Rüsch

55

DA UDB, Foto: E. Rüsch

95

DA UDB, Foto: E. Rüsch

16

DA UDB, Foto: E. Rüsch

56

DA UDB, Foto: E. Rüsch

96

DA UDB

17

Siebern 1937, S. 215

57

DA UDB, Foto: E. Rüsch

97

Busch 1991, S. 21, Abb. 7

18

DA UDB, Foto: E. Rüsch

58

DA UDB, Foto: H. Albrecht

98

DA UDB, Foto: E. Rüsch

19

DA UDB, Foto: E. Rüsch

59

DA UDB, Foto: E. Rüsch

99

DA UDB, Foto: E. Rüsch

20

DA UDB, Foto: E. Rüsch

60

DA UDB, Foto: E. Rüsch

100

DA UDB, Foto: E. Rüsch

21

DA UDB, Foto: E. Rüsch

61

DA UDB, Foto: E. Rüsch

101

DA UDB, Foto: E. Rüsch

22

DA UDB, Foto: E. Rüsch

62

DA UDB, Foto: E. Rüsch

102

DA UDB

23

DA UDB

63

DA UDB, Foto: E. Rüsch

103

DA UDB, Foto: E. Rüsch

24

DA UDB

64

DA UDB, Foto: E. Rüsch

104

Cordes 1914, S. 46, Abb. 60-61

25

DA UDB, Foto H. Albrecht

65

DA UFB, Foto: E. Rüsch

105

DA UDB, Foto: E. Rüsch

26

DA UDB, Foto: E. Rüsch

66

DA UDB, Foto: E. Rüsch

106

DA UDB, Foto: E. Rüsch

27

DA UDB, Foto: E. Rüsch

67

DA UDB, Foto: E. Rüsch

107

DA UDB, Foto: E. Rüsch

28

DA UDB, Foto: E. Rüsch

68

DA UDB, Foto: E. Rüsch

108

DA UDB, Foto: E. Rüsch

29

DA UDB, Foto: E. Rüsch

69

DA UDB

109

DA UDB, Foto: E. Rüsch

30

DA UDB, Foto: E. Rüsch

70

Alex 1989, S. 33

110

DA UDB, Foto: E. Rüsch

31

DA UDB, Foto: E. Rüsch

71

DA UDB, Foto: E. Rüsch

111

DA UDB, Foto: E. Rüsch

32

DA UDB, Foto: E. Rüsch

72

DA UDB, Foto: E. Rüsch

33

DA UDB, Foto: E. Rüsch

73

Siebern 1937, S. 175, Abb. 51

34

DA UDB, Foto: E. Rüsch

74

Atkinson 1989, S. 41, Nr. 51

Abkürzungen:

35

DA UDB, Foto: E. Rüsch

75

DA UDB

36

DA UDB, Foto: E. Rüsch

76

Atkinson 1989, S. 75, Nr. 96

DA UDB: Denkmalarchiv Untere Denkmalbehörde StA CE: Stadtarchiv Celle

37

DA UDB, Foto: E. Rüsch

77

DA UDB, Foto: E. Rüsch

92

Buchempfehlungen der IGB

Bisher erschienene Bücher der IGB Geschichtsdokument Bauwerk Alte Bauten sind schön anzusehen – aber das ist nicht alles. In ihrer Architektur, ihrer Struktur, ihrem Material spiegeln sich auch die Fähigkeiten, die Vorstellungen und die Bedürfnisse der Menschen wider, die sie erbaut haben. Richtig angefasst, kann man alte Gebäude lesen wie ein Buch. Dann eröffnen sich faszinierende Einblicke in die Welt unserer Vorfahren. Und wir erfahren über sie oft auch Dinge, zu denen andere Quellen schweigen. Ehrenamtliche und professionelle Bauforscher geben in diesem Buch Einblick in die Arbeitsweise und die vielfältigen Ergebnisse der „Archäologie am stehenden Objekt“. In den Dachräumen mittelalterlicher Kirchen gehen sie deren Baugeschichte auf den Grund, finden in kaum 300 Jahre alten Bauernhäusern Beweise, dass sie anfangs noch wie im Mittelalter bewirtschaftet wurden, schauen hinter die Fachwerkfassaden von Celler Bürgerhäusern und weisen in Gutshäusern die Reste mittelalterlicher Burgen nach. Dietrich Maschmeyer (Hrsg.), IGB 2008; ISBN-13: 978-3-9810618-4-0; Format: DIN A4; mit vielen, teils farbigen Fotos und Abbildungen; Softcover; 226 Seiten € 39,90

Herdraum und Küche im niederdeutschen Hallenhaus Bisher gilt das Flett als selbstverständlicher Ort für das Kochen im Hallenhaus. Weit gefehlt! Hausforscher beschreiben jetzt eine bisher für unmöglich gehaltene Vielfalt von Küchentypen im Hallenhaus. Unverzichtbar für alle, die schon immer genauer wissen wollten, wie ein altes Haus einmal funktioniert hat! Thomas Spohn (Hrsg), Holznagelschriften – IGB-Beiträge zur Hausforschung Band 2, 2008; ISBN 13: 978-3-9810618-1-9; Format: DIN A5, Taschenbuch, 128 Seiten € 12,95

Firstständerbauten im Dreiländereck Niedersachsen – Thüringen – Hessen IGB-Hausforscher haben im Raum um Göttingen einen bisher unbekannten, dem Mittelalter entstammenden Haustyp entdeckt. Wesentlich ist ein Firstsäulengerüst, wie es bisher nur aus Süddeutschland bekannt ist. Ein sensationeller Befund, nach dem einige Kapitel der Hausforschung wohl neu geschrieben werden müssen! Schröder/Schade/Klages, Holznagelschriften – IGB-Beiträge zur Hausforschung – Band 1, 2008; ISBN 13: 978-3-9810618-2-6; Format: DIN A5, Taschenbuch, 80 Seiten € 13,95

Ein Haus zieht um – Erfahrungen mit dem Umsetzen eines Baudenkmals 1997-2001 wurde in Benkel (Lkr. Verden) ein großes Hallenhaus von 1649 umgesetzt. Die hier dargelegten Erfahrungen gehen weit über den Einzelfall hinaus und bieten wertvolle Anregungen für den Umgang mit ähnlichen Fällen in der Zukunft. Ludwig Fischer et al, IGB 2002; ohne ISBN; Format: DIN A4, 96 Seiten; € 15,00

93

Buchempfehlungen der IGB Altenburger Vierseithöfe In dem bekannten Kompendium „Das Bauernhaus im Deutschen Reiche“ von 1905/06 hatte das Altenburger Bauernhaus eine angemessene Würdigung erfahren. Danach war es lange Zeit still um diesen Höhepunkt Thüringer Landbaukunst. Erst 1985 durften Walter Fuchs und Dr. Ing. D. Salamon im Rahmen der Altenburger Geschichtsblätter ihr Heft Nr.4, „Das Altenburger Bauernhaus“, herausgeben. Dieses zeitgemäß dürftige Heftchen hat aber wenigstens die Erinnerung wach gehalten an das Thema des vorliegenden Buches. Die Altenburger Vierseithöfe sind zwar der Höhepunkt der regionalen Landbaukunst - es geht in diesem Buch aber nicht nur um die Vierseithöfe, es geht um die Altenburger Bauernhöfe in ihrer ganzen Entwicklungsbreite, ihre baukünstlerische Ausformung bis zu ihrem Niedergang. Dabei konnten wichtige Bereiche, wie Kultur und Lebensweise oder Familien- und Hofgeschichte aus Platzgründen häufig nur angeschnitten werden. Thematische Schwerpunkte sind der funktionelle und konstruktive Aufbau des Altenburger Bauernhofes. Darauf aufbauend werden in vier beispielhaften Exkursionen fast 60 Objekte vorgestellt – angefangen bei den ältesten Objekten, den Ständer- oder Geschoßbauten über Umgebindehäuser und Laubengänge hin zu den Altenburger Vierseithöfen. Klöppel / Dieter Salamon, Holznagelschriften – IGB-Beiträge zu Hauslandschaften, Band 1, 2008; ISBN-13: 978-3-9810618-3-2; Format: DIN A5, Taschenbuch, 160 Seiten, € 17,60

HF3 Holznagelschriften

Wolfgang Dörfler - Heinz Riepshoff - Hans-Joachim Turner (Hrg.)

Bauernhäuser aus dem Dreißigjährigen Krieg

r Band beschreibt solche Häuser, ihre indiduelle Geschichte und die nachweis- oder rmutbaren Umstände der Erbauungszeit. e Erklärungen sind ein Ringen mit der gemeinen Anschauung, wie sie jedem torisch interessierten Zeitgenossen über e „Menschheitskatastrophe Dreißigjährir Krieg“ beigebracht worden sind. In den ten der angenommenen größten Agonie urden in unserer und anderen Regionen e mächtigsten Bauerhäuser aller Zeiten baut. Häuser als Geschichtsquelle ernst nehmen, sie zu dokumentieren und für e gesicherten Befunde nach Erklärungen suchen, ist die Aufgabe, die wir uns mit esem Band gestellt haben.

Bauernhäuser aus dem Dreißigjährigen Krieg

rn ährigen Krieges

Holznagelschriften. IGB-Beiträge zur Hausforschung. Band 3

Bauernhäuser aus dem Dreißigjährigen Krieg Bei der systematischen Untersuchung alter Bauernhäuser unserer norddeutschen Regionen ist das Phänomen eines überaus mächtigen und prunkvollen Bauens in den dem 30-jährigen Krieg zugerechneten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts aufgetaucht. Der Band beschreibt solche Häuser, ihre individuelle Geschichte und die nachweis- oder vermutbaren Umstände der Erbauungszeit. Alle Erklärungen sind ein Ringen mit der allgemeinen Anschauung, wie sie jedem historisch interessierten Zeitgenossen über die „Menschheitskatastrophe Dreißigjähriger Krieg“ beigebracht worden sind. In den Zeiten der angenommenen größten Agonie wurden in unserer und anderen Regionen die mächtigsten Bauernhäuser aller Zeiten gebaut. Dörfler / Riepshoff / Turner, Holznagelschriften – IGB-Beiträge zur Hausforschung Band 3, 2010; ISBN-13: 978-3-9810618-6-4; Format: DIN A5, Taschenbuch, 122 Seiten; € 13,95

Carsten Liesenberg - Imke Thielk (Hrg.)

Holznagelschriften

HL 3

Bauernhäuser und Dörfer in Mecklenburg-Vorpommern Unterwegs zu historischen Gebäuden und Anlagen

(Teil 1)

Teil 1 - Unterwegs zu historischen Gebäuden und Anlagen Teil 2 - Typische Haus-, Hof- und Siedlungsformen

Bauernhäuser und Dörfer in Mecklenburg-Vorpommern–Teil 1

rpommern – zeige

I

I

IGB-Beiträge zu Hauslandschaften Band 3

Carsten Liesenberg - Imke Thielk (Hrg.)

Holznagelschriften

HL 3

Bauernhäuser und Dörfer in Mecklenburg-Vorpommern

Bauernhäuser und Dörfer in Mecklenburg-Vorpommern Typische Haus-, Hof- und Siedlungsformen

Jede Region in Mecklenburg-Vorpommern ist anders und hat ihren ureigenen Charme. Die Autoren, intime Kenner ihrer Regionen, beschreiben die Vielfalt des Landes: Über die Häuser der Küstenregion zwischen Warnow und Darß, Hauslandschaften im nordwestlichen Mecklenburg, Rundlinge und Klump-Häuser im Herzen der Griesen Gegend, die Mecklenburgische Seenplatte, die Mecklenburgische Schweiz, die Insel Rügen bis hin zum Peenetal und der Insel Usedom werden Eindrücke und Hintergründe vermittelt, die für Einheimische, Fachleute und Touristen gleichermaßen interessant sind.

(Teil 2)

Bauernhäuser und Dörfer in Mecklenburg-Vorpommern–Teil 2

rpommern –

Carsten Liesenberg und Imke Thielk (Hrg.) Holznagelschriften – IGB-Beiträge zu Hauslandschaften, Band 3 und 4, 2010; ISBN-13: 978-3-9810618-8-8, 17 x 24 cm, Taschenbuch, 260 Seiten; € 24,90

ISBN 978-3-98106-188-8

I 9 783981 061888

I

IGB-Beiträge zu Hauslandschaften Band 3

94

Buchempfehlungen der IGB

Titel unserer Partnerverlage Gerhard Eitzen - Bauernhausforschung in Deutschland Gesammelte Aufsätze 1938 –1980 Gerhard Eitzen war einer der großartigsten Hausforscher des 20. Jh.. Sein unglaubliches Werk war bisher kaum zugänglich, denn es war über zahllose Beiträge in kleinen und kleinsten Zeitschriften verteilt. In diesem Buch sind sie endlich alle versammelt und ergänzt um weitere Arbeiten von Eitzen. Der gewaltige Umfang des Buches spricht für sich. Ein Buch mit einem sensationellen Preis-Leistungs-Verhältnis Hrsg.: Landwirtschaftsmuseum Lüneburger Heide e. V., PD-Verlag 2006: ISBN-13: 978-3-930737-50-5; Format: 23 x 30,5 cm, gebunden, 751 Seiten; € 38,00

Auf den Spuren der Bauleute - historische Bau- und Ausstattungswerke in Nordwestdeutschland Häuser werden nicht nur für, sondern auch von Menschen gebaut. So bietet nicht nur das alte Haus, sondern auch sein Entstehungsprozess ungeahnt spannende Einblicke in die Geschichte von Technik, Architektur und Sozialstrukturen. Heinrich Stiewe (Hrsg.), Jonas-Verlag 2005, ISBN-10: 3-89445-353-2, Format: 17,5 x 24,5 cm, gebunden, 460 Seiten; € 39,90

Bauten in Bewegung Von der Wiederverwendung alter Hausgerüste, vom Verschieben und vom Handel mit gebrauchten Häusern, von geraubten Spolien, Kopien und wiederverwendeten Bauteilen Das Versetzen von Fachwerkhäusern ist keine Erfindung unserer Zeit. Das Buch bringt erstmals überhaupt eine Fülle von Berichten zu Translozierungen vom Mittelalter bis heute. Hrsg.: LWL – Landschaftsverband Westfalen-Lippe 2007: ISBN-13: 978-3-8053-3856-1 Format: 22 x 30,5 cm, gebunden, 411 Seiten; € 45,00

95

Notizen

Notizen

96