De Bistruper Heft 19 UB3Bullerdiek - Heimat- und Wanderverein

De Bistruper Heft 19 UB3Bullerdiek - Heimat- und Wanderverein

De Bistruper mit Berichten, Geschichten und Gedichten aus der Gemeinde Bissendorf Info-Heft des Heimat- und Wandervereins Bissendorf e.V. Heft 19 Ei...

3MB Sizes 0 Downloads 5 Views

Recommend Documents

De Bistruper Heft 23 UB3Bullerdiek - Heimat- und Wanderverein
Zwei Nachrufe, W. Bruns. 09. Die Technische Abteilung informiert, H. Seemann. 10. Liebesjahre, W. Bruns. 12. Heimatverei

Heft 19 - Spiegel
Einsam – Zweisam – Dreisam. Der Computerfehler bei der Ver- gabe führt drei junge Menschen in eine gemeinsame Stude

Heimat Wolfurt Heft 1 - Marktgemeinde Wolfurt
Schloß Wolfurt gebaut werden, fällt nach Graf Ulrichs Tod an Marquard, ...... ine is Gado, is Buoch, ad Egg, is Muntofu,

Heimat Wolfurt Heft 18 - Marktgemeinde Wolfurt
Gericht bitter über die Unordnung in den Wäldern, die unter seinem Nachfolger auf- gekommen ..... ein Kind. Im Februar

Heft 9 - De Gruyter
15.09.2017 - Affiliate Marketing. •. Webanalysetools. •. Cookies und Device Fingerprinting. •. Haftung bei Rechtsv

HEIMAT UND FREMDE
Philosophisch-Theologische Hochschule Münster. Kirchlich und staatlich anerkannte Hochschule der Deutschen Kapuzinerprov

Natur und Heimat - LWL
ihren guten Ruf beweisen; und schließlich sind auch die Bilsteinhöhle bei Warstein und die Reckenhöhle im Hönnetal manch

Natur und Heimat - LWL
Anschrift des Verfas.sers: Hans Bäppler, am Wall 17, 5962 Drolshagen. 142' ... a) Otto-Friedrich von Schönberg, Gut ...

Natur und Heimat - LWL
Der EITeger der bizarr geformten Knopperngalle (Abb. 1) ist die Gallwespe. Andricus quercuscalicis (Burgsdorf, 1783). Di

Natur und Heimat - LWL
den Wäldern an der Glörtalsperre (THIENEMANN 1912). Abgesehen von dem hier mitgeteilten Fund wurde die Art seit den Thie

De Bistruper mit Berichten, Geschichten und Gedichten aus der Gemeinde Bissendorf Info-Heft des Heimat- und Wandervereins Bissendorf e.V.

Heft 19

Einzelpreis 2,50

2. Halbjahr 2008

De Bistruper

Heft 19

Inhaltsverzeichnis

Seite

Vorwort, W. Bruns Bistruper begrüßt Radweg, M.W. Staub Wandern - so läuft es, H. Seemann Rosi auf dem Butterstein, H. Seemann Mit Bravour bestanden, W. Bruns Günter hat' s gerichtet, W. Bruns Die Hörigkeit, M.W. Staub Abdankung und Ehevertrag Witte/Levert 1841,M.W. Staub Unkündbar, K.-H. Schröder Meine Schulzeit in Bissendorf. Interviewer: W. Bruns 200 Jahre Dorfschule Nemden - Das Ende, Prof. Dr. R. Lassahn Use Jöpken, K.-H. Schröder De rode Wiehnachtsmann-Mantel, Karla Bunje Der Walnussbaum, W. Bruns Aus der Vogelwelt, G. Bunje Buchbesprechung: Familie Grieß, M.W. Staub Buchbesprechung: Der Tag, an dem Deutschland entstand, M.W. Staub Beitrittserklärung

01 02 03 05 06 11 12 17 21 22 27 33 34 35 38 39 41

Impressum: Herausgeber: Heimat- und Wanderverein Bissendorf e. V. Verantwortlich: M.W. Staub, W. Bruns Fotos: W. Kallmeyer, W. Bruns, M.W. Staub. Einzelpreis 2,50 € Umschlagbild: Foto W. Kallmeyer: Relief mit schönem Rankenornament am Speicher Eickhoff, Natbergen

44

De Bistruper Vorwort

Heft 19

1

Liebend gern lichtet die NOZ aufgereihte Akteure im flotten Zwirn mit nagelneuen Schaufeln in den Händen ab, die immerfort neue Wohn - oder Gewerbegebiete erschließen und sich als fortschrittlich feiern lassen, ohne scheinbar von Flächenversiegelung, uferlosem Bodenverbrauch, demoskopischem Wandel, Abnahme natürlicher Ressourcen und Klimaschutz Kenntnis genommen zu haben. Ist ihr Tun eigentlich noch fortschrittlich zu nennen oder wird da einfach was verdrängt? War die Finanzkrise schon schlimm, dürfte jedoch die unendlich langsame, aber unaufhaltsam heraufziehende Umweltkrise jeglichen Maßstab sprengen, wenn wir Menschen nicht dagegen halten. Als Vorsitzender unseres Vereins kann mich das nicht gleichgültig lassen, was um mich herum geschieht. Sinn, Zweck und Aufgabe des Vorsitzenden eines Heimatvereins ist es auch, auf die Gefahren und Auswirkungen hinzuweisen, die die ländlichen Gegebenheiten eines Ortes oder der Region und letztlich unserer Heimat drohen können, wenn man den handelnden Akteuren und dem Kräftespiel der Wirtschaft immerzu ungebremst freien Lauf läßt. Die neoliberale Denkweise hat durch die Finanzkrise mächtig Schaden erlitten. Der kleine Mann kann es mit seinen Steuergeldern letztlich wieder auslöffeln. Mir sind die Geschehnisse um das Wellnesscenter und das Hochregallager Philipps noch in lebhafter Erinnerung. Das Hochregallager als Mahnmal legt bei Gesmold ein beredtes Zeugnis verfehlter Bau- und Planungspolitik ab. Wir wollen diese schrecklichen monumentalen Gebäude, die uns Angst einflößen, nicht bei uns. Weder im Ortsteil Bissendorf, noch in anderen Ortsteilen unserer ländlichen Gemeinde, auch wenn es noch so viel Gewerbesteuer einbringt. Nicht nur bei Anliegern bzw. unmittelbar Betroffenen stößt diese Zersiedelungs- und Betonpolitik mittlerweile auf wachsende Kritik und Widerstand. Schon heute lassen sich die reichlich vorhandenen Bauplatzreserven im Landkreis und auch am Ort schon nicht mehr so recht an den Mann bringen und vermarkten. Die Bürger spüren instinktiv, dass das Maß langsam voll ist. Eine sehr eindrucksvolle und schöne Ortsgestaltung mit dem Bürger, wie teilweise in Alt-Schledehausen verwirklicht, ist sehr positiv zu bewerten. Schnellschüsse aus der Hüfte sind hingegen kritisch zu hinterfragen. Wo wollen wir eigentlich bei einer fast ausgeschöpften Infrastruktur noch hinwachsen und was sagt eigentlich der Gemeindeentwicklungsplan zum angedachten Gewerbegebiet in Natbergen aus? Teuer genug war der ja!

De Bistruper

Heft 19

2

Im Bewußtsein und Eingedenk dessen, dass mir das lange Vorwort nicht nur Sympathie einträgt, wünsche ich allen Mitgliedern, Freunden und Gönnern unseres Vereins ein frohes besinnliches Weihnachtfest und ein gutes Jahr 2009. W. Bruns, 1. Vors.

Der Bistruper begrüßt den Radweg von Bissendorf nach Wissingen M. W. Staub

Nun ist er endlich fertig, der neue Radweg. Ein Schmuckstück ist es geworden und eine Ausnahme von all den provisorischen Alibiradwegen und Holperstrecken, die anderswo den Namen Radweg tragen. Und ein landschaftlich schöner Weg ist es auch. Da blieben Bäume stehen (wenn auch nicht alle) – auch wenn sie im Wege standen. Teuer muss er gewesen sein. Die Flutbrücken, die parallel zum Specken Damm nur für diesen Radweg angelegt wurden, zeigen an: Die Kosten waren kein Pappenstiel. Nun braucht der Radweg noch Radfahrer. Die sind bisher meistens auf anderen Wegen gefahren und müssen sich erst an die neue Strecke gewöhnen. Dass er nach Schledehausen weitergeführt wird, ist auch zu begrüßen. Doch da würde der gewöhnliche Radfahrer vielleicht lieber über die Schelenburg gefahren sein. Das ist die schönere Strecke und war ja früher auch die gängige Route. Doch solches dürfen wir Radfahrer nicht erwarten. Radwege werden nur parallel zu den Hauptverkehrsstraßen gebaut und schon gar nicht quer durch die Landschaft geführt. So sagt unser Heimatvereinsmitglied und Ratsherr Uwe Bullerdiek. Wohl wegen des Baumaterials, das dann auf der Straße leichter herangeschafft werden kann. Schade. Radfahren ohne Auspuffgase wäre für den Radfahrer noch schöner. Aber wir wollen auch so zufrieden sein.

***

De Bistruper

Heft 19

3

Aus dem Vereinsleben Wandern – so läuft es. Aus der Sicht eines Wanderführers. von Helmut Seemann Wenn Ende Oktober unser 1. Vorsitzender zur Gestaltung des Veranstaltungsplans für das nächste Jahr einlädt, werden bei uns Karten und Kalender gewälzt, um die entsprechenden Zeilen mit einer Kurzbeschreibung zu füllen. Auch Wünsche und Anregungen von den Mitwanderern versucht man zu berücksichtigen. Leider sind diese Anregungen oft so widersprüchlich, dass meine Frau und ich die Entscheidung über Wandergebiet, Streckenlänge, Startzeit usw. vorwiegend alleine treffen. Etwa 8 Tage vor der eigentlichen Wanderung fängt dann die genauere Planung bei uns an: Die vorgesehene Wanderstrecke von A-Dorf nach B-Dorf wird ausgemessen, dabei helfen Wanderkarten, aber auch der Computer. Eventuell wird auch nach besonderen Ereignissen, zum Beispiel nach Sturmschäden (Kyrill), die Strecke vor Ort genauer untersucht. Geeignete PKW-Parkplätze, Rastplätze für Pausen, Sehenswürdigkeiten auf der Strecke und Öffnungszeiten von Gasthäusern am Wanderweg werden ermittelt. Für eine ganz unbekannte Region, wo keine Wegezeichen vorhanden sind, erstelle ich eine Wegetabelle, in der die Richtung der Wege, Höhenunterschiede und Wanderzeiten in Abhängigkeit von der Wegstrecke eingetragen sind, so dass ich immer weiß, an welchem Punkt ich mich zur Zeit befinde. Am Tage vor der Wanderung erfolgt ein Blick auf die Wetterkarte. Sollte es am folgenden Tag nur regnen und die eventuell reduzierte Wandergruppe doch wandern will, muss ein Reserveweg, der vorwiegend über befestigte Wege führt, ausgewählt werden. Der Rucksack mit den für den Wanderführer wichtigen Dingen wird gepackt, dazu gehören z. B. Wanderkarte mit Wegetabelle, aufgeladenes Handy, Erste-Hilfe-Set, Zeckenzange, Kleingeld, wichtige Telefonnummern, Schreibzeug, für besondere Fälle auch Taschenmesser, Kabelbinder und Toilettenpapier usw.

De Bistruper

Heft 19

4

Am Wandertagmorgen wird nur noch die persönliche Verpflegung zur Wanderführerausrüstung ergänzt und noch schnell im Computer die Wettervorhersage für die Wanderregion angesehen. Um 6.55 Uhr erscheint man mit dem PKW am Startort, meistens am Parkplatz der Sparkasse. Hier finden sich bald altbekannte und auch sogenannte Erstwanderer ein. Als Wanderführer wirft man bei der Begrüßung gleich einen Blick auf das Schuhwerk der Neuen. Man kann zwar eine Teilnahme mit Pumps nicht verbieten, aber eine Warnung aussprechen. Die Wegstrecke und die Anfahrt wird kurz erklärt, die erforderliche Anzahl Fahrer mit PKW ermittelt und schon um 7.05 Uhr sind wir auf dem Wege zum Parkplatz in B-Dorf. Hier wird ein Fahrzeug abgestellt, der Fahrer steigt in ein anderes Fahrzeug ein und die Fahrt zum Parkplatz in A-Dorf wird fortgesetzt. Endlich am Start angekommen, wählt jeder seine passende Kleidung, nimmt seinen Rucksack und schon wird in die vom Wanderführer angezeigte Richtung gewandert. Die Wandergeschwindigkeit pendelt sich von selbst auf etwa 4 Stundenkilometer ein, soweit keine Steigungen vorhanden sind. Als Wanderführer hat man nun darauf zu achten, dass die schwächsten Wanderer nicht überfordert werden, die Gruppe zusammen bleibt, der richtige Wanderweg benutzt wird, alle Beteiligten bei Erklärungen zuhören und rechtzeitig informieren, wenn Gefahren drohen usw. Sehr erfreut ist man, wenn dann gegen 9.00 Uhr die in der Wanderkarte eingezeichnete Wanderhütte erscheint und genügend Plätze für die 20 Minuten dauernde Frühstückspause vorhanden sind. Nach der Stärkung aus dem Rucksack bitte ich nun zur Kasse. Alle Beteiligten haben sich an den Fahrtkosten für die An- u. Abreise mit dem PKW zu beteiligen. Die Kosten für eine Fahrstrecke von 70 km und einer Wandergruppe von 10 Personen (einschließlich Fahrer), die mit 3 PKW angereist sind, werden wie folgt ermittelt: 3 PKW x 70 km pro PKW x 0,20 € pro km ergeben Kosten von 42,- €. Diese Summe wird auf die 10 Wanderer verteilt, so dass jeder 4,20 € zu zahlen hat. Das Geld wird den Fahrern überreicht. Mit dieser Regelung haben wir erreicht, dass die Kosten nicht

De Bistruper

Heft 19

5

allein von den Autofahrern getragen werden. Gestärkt wird die Wanderung fortgesetzt, dabei werden Witze erzählt, Pflanzen und Tiere beobachtet, schöne Häuser und Gärten sieht man sich an, so dass von Langeweile keine Rede ist. Zwischendurch wird, insbesondere bei warmem Wetter, immer wieder eine kleine Trinkpause eingelegt. So vergeht die Zeit sehr schnell, man ist überrascht wenn die 15 km schon gegen 12 Uhr absolviert sind und der am Morgen abgestellte PKW in BDorf entdeckt wird. Bei den Mitwanderern und auch bei mir als Wanderführer, entsteht das Gefühl, Kondition und Kraft an der frischen Luft aufgebaut zu haben und erschöpft, aber zufrieden zuhause angekommen zu sein. Jetzt kann sich die Gruppe gemütlich in der am Parkplatz befindlichen Gaststätte auf ein Glas Bier niederlassen. Ich fahre jetzt mit den Fahrern zu den abgestellten PKWs in A-Dorf, um die Gruppe wieder zur Sparkasse nach Bissendorf zu begleiten. Ganz besonders zufrieden bin ich, wenn der Regen ausblieb, es keine unvorhergesehenen Ereignisse gab, die Zeit eingehalten und ich weder Handy noch Erste-Hilfe-Set benutzten musste. Wandern wird zum Erlebnis, wenn man es bewusst plant und sich für die richtige Ausrüstung entscheidet. Wandern Sie doch einmal mit, unser Veranstaltungsplan hält bestimmt einen Termin für Sie bereit, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Sie werden begeistert sein und feststellen, dass Wandern nicht nur etwas für junggebliebne Alte ist.

Rosi auf dem Butterstein von Helmut Seemann Eine Wanderung „Rund um den Gattberg“ stand am 31. Mai auf unserem Veranstaltungs- und Wanderplan 2008. Pünktlich um 7 Uhr trafen sich die Frühwanderer und fuhren mit ihren PKWs zum Parkplatz an der Belmer Mühle. Ab hier ging es dann im Wanderschritt entlang des Mühlenweges vorbei an Feldern und Wiesen in Richtung Gattberg.

De Bistruper

Heft 19

6

Als wir leichte Steigungen verspürten und uns inzwischen auf Waldwegen befanden, tauchte plötzlich ein riesiger Stein auf. Es war der Butterstein (soll richtig Bur- oder Buttstein heißen), er hat einen Umfang von 12 m und ist der größte Granitblock im Osnabrücker Land. In germanischer Zeit kamen hier die Bauern zum Burgericht zusammen, um über Verfehlungen zu verhandeln. Die Wandergruppe war überwältigt von diesem Stein. Fast alle Bergsteigerqualitäten reichten nicht aus. Plötzlich stand aber völlig unerwartet unsere Mitwanderin Rosi Zuleia in Siegespose auf dem Stein. Alle riefen: „Schnell ein Foto“! Blitzschnell zückte Ehemann Emil sein Handy und schoss diesen Schnappschuß „Rosi auf dem Butterstein“. Es waren einige helfende Hände erforderlich, um Rosi den sicheren Abstieg zu ermöglichen ***

Ausstellungen mit Bravour bestanden von W.Bruns Die ersten Gehversuche – oder besser gesagt -, die ersten drei Auftritte in der Öffentlichkeit mit unseren historischen landwirtschaftlichen Geräten hat die Arbeitsgruppe um Peter Spach und unserem Sponser Herbert Heckmann aus Himbergen mit Bravour bestanden.

De Bistruper

Heft 19

7

Als mir Peter eröffnete, daß er anläßlich des ersten Bahnhofsfestes am 14. September 2008 in Wissingen gerne seine fertigen Geräten präsentieren möchte, war ich anfangs zwar etwas skeptisch, sagte ihm aber meine volle Unterstützung zu. Diese Unterstützung galt aber auch ihm, dem Idealisten und Eisenbahnenthusiasten, dessen erste berufliche Schritte in Wissingen bei der Bundesbahn begannen. Mit Jan Düthmann, Peter Spach und noch ein paar weiteren Eisenbahnfreunden hatten sich Personen gefunden, die das Organisatorische bewerkstelligten und insbesondere Geschäftsleute und Vereine zum Mitmachen bewegen konnten.

Fachsimpeln über alte Geräte anl. Bahnhofsfest in Wissingen Den für Wissingen überdimensionalen Bahnhof und auch das angrenzende Hotel Nolte waren mir noch in lebhafter Erinnerung. Beides gibt

De Bistruper

Heft 19

8

es zwar schon lange nicht mehr, aber was spielt das heute noch für eine Rolle. Immer wieder hörte man aber anläßlich dieses sogenannten Bahnhofsfestes ohne Bahnhof heraus, dass das Gebäude für unsere Gemeinde heute ein gutes Rathaus abgegeben hätte. Aus gegebenem Anlaß brachte der Osnabrücker Eisenbahnhistoriker Lothar Hülsmann eine aufschlußreiche Broschüre heraus, in der er detailliert zur Geschichte der Westbahn und zur Geschichte des Bahnhofs Wissingen und seiner früher hier zahlreich beschäftigen Menschen viel zu berichten wußte. Sie schließt damit eine Lücke in der jüngeren Geschichte Wissingens und unserer Gemeinde. Dieses Heft für 3,50 €, - für meine Begriffe viel zu preiswert abgegeben -, ging weg wie warme Semmeln, so dass ein Teil der Unkosten damit abgedeckt werden konnte.

„Darf es vielleicht eine Kartoffel mehr sein?“

De Bistruper

Heft 19

9

Überhaupt erfuhr das Bahnhofsfest bei den Wissingern einen Zuspruch, der mir sehr bemerkenswert erschien. Durch die hier beigefügten Bilder kann man sich davon einen guten Eindruck verschaffen. Auch unser Stand stieß auf allgemeine Zustimmung und sehr viel Interesse bei den Leuten. Vielen machte es einfach Spaß, den Kartoffelsortierer zu drehen oder sich die Kartoffeln zum Mitnehmen selbst auf der Dezimalwaage auszuwiegen. Nebenher brachte das auch noch was in die Vereinskasse. Auch zum Herbstfest am 21.09.08 unseres befreundeten Schützenvereins Bissendorf-Holte auf der Wilhelmshöhe hatten wir Männe Elstroh schon frühzeitig signalisiert, dass wir gerne unsere Geräte aus diesem Anlaß dazu zeigen möchten. Man hatte uns dazu auf der Plattform der Schießbahn unter Buchen eine schöne Stelle zugewiesen, die ideal dafür geeignet war, unsere Geräte vorzustellen. So war es dann auch kein Wunder, dass bei Groß und Klein reges Interesse an unseren Gerätschaften bestand. Bereits wenige Tage darauf, konnte Herbert Heckmann, Himbergen, den noch nicht entladenen Hänger weiter zum Herbstfest des Heimes Lechtenbrink nach Jeggen spedieren. Auch hier sorgte unsere Ausstellung für sehr viel positive Resonanz. Die zumeist älteren Damen und Herren des Heimes und viele Gäste kannten die Geräte noch größtenteils aus ihrer Jugendzeit, hatten damit gearbeitet und wussten viele Anekdoten und Begebenheiten darüber zu erzählen. Zum Gelingen fast aller Veranstaltungen hat ein ausgesprochen schönes Herbstwetter beigetragen. Besonders am 14. September war unser Verein doppelt und dreifach belastet. Neben der Veranstaltung in Wissingen fand in Bissendorf der „Tag des offenen Denkmals“ statt und anlässlich der Kirmes wurde wiederum die „Cafeteria“ von uns

De Bistruper

Heft 19

10

ausgerichtet. Was ich über das Wetter sagte, muß ich auch allen freiwilligen Helferinnen und Helfern bescheinigen. Es hat alles hervorragend geklappt. Ich sage allen im Namen des Vereins an dieser Stelle meinen herzlichen Dank. Den Vorschlag von Peter Spach am „Tag des offenen Denkmals“, - der bekanntlich immer am 2. Septembersonntag anberaumt ist -, an Stelle

Bürgermeisterin Frau Adam wird vom 1. Vors. auf der Dezimalwaage verwogen und für zu leicht befunden

der eingegangenen Kirmes vor der Gemeinde eine Ausstellung unserer Geräte mit der „Cafeteria“ zu kombinieren, halte ich für sehr gut. Er wurde von mir unverzüglich an die Gemeinde, Herrn Senkel, herangetragen, der sich ebenfalls sehr positiv darüber ausließ und keinen Hinderungsgrund sah. Er wollte darüber dem Bm berichten.

***

De Bistruper

Heft 19

11

Günter hat`s gerichtet von W. Bruns In Eigeninitiative und unter Mithilfe unseres Kartographen Dietrich Oehmen und der Natberger Wanderfreunde unseres Vereins gelang es unserem 2. Vors. Günter Strathmann, am Parkplatz der Kläranlage in Natbergen ein kleines aber feines Wanderzentrum zu etablieren. Die große farbige Wandertafel in einem stabilen Holzrahmen, die den bekannten Terra Vita Wandertafeln nachempfunden ist, weist iinsbesondere die Wanderwege 1 u. 2 für Natbergen aus, die Günter speziell für seine Natberger Mitbürger eingerichtet hat. In einem kleinen feierlichen Eröffnungsakt, zu dem auch die Sponsoren des nicht ganz billigen Schildes eingeladen worden waren, sprachen Günter Strathmann, Bürgermeister Guido Halfter und 1. Vors. W. Bruns allen Helfern und den Spendern ihren Dank aus .

Günter mit den Sponsoren vor der neuen Wandertafel. Von links: Rainer Rodenstock u. Hans-Hermann Krapf Bürgerverein Natbergen-Jeggen West; G. Strathmann; Dieter Raube Bürgerverein Darum-Gretesch-Lüstringen u. Pastor Ulrich Schürmann vom Kaland Collegium in Gretesch. Ferner spendete das Baufachzentrum der Fa. Nilsson eine namhafte Summe.

De Bistruper

Heft 19

12

Geschichtliches aus Bissendorf und der Region Begriffe aus der Lebenswelt der Bauerschaft III

Die Hörigkeit Mit einfachen Worten beschrieben von M. W. Staub Das „gehört“ mir, sagen wir leichthin und bezeichnen damit etwas als unser Eigentum. Über die Herkunft dieses „hören“ machen sich nur wenige Gedanken. Auf Platt wird es noch besser deutlich: „Dat hört mi“. Es müsste eigentlich richtig übersetzt heißen: „Das gehorcht mir“ oder „Das hört auf mich“. Gehorchen aber kann nur ein Mensch. Das Wort gehören drückt also aus, dass Eigentum immer mit der Verfügungsgewalt über Menschen zu tun hat. Dem Menschen der Frühzeit und des Mittelalters scheint bewusst gewesen zu sein, was der moderne Mensch gern vergisst oder ganz einfach missachtet. Selbst Eigentum an Land ist ohne den Menschen, der es bewirtschaftet, nahezu wertlos. Die Hörigkeit, die auch mit dem (genaueren) Begriff Eigenbehörigkeit bezeichnet wird, ist für die meisten mit den Menschenrechten unserer Zeit vertrauten Zeitgenossen ein unbekannter Begriff. Man hat vom Ende der Sklaverei gehört und „Onkel Toms Hütte“ gelesen. Von der Eigenbehörigkeit aber weiß man oft nur aus Sage und Märchen. Nun ist aber die Hörigkeit gerade bei uns in Westfalen (dazu muss man das Osnabrücker Land kulturell rechnen) bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts ein allgemeiner Bestandteil bäuerlicher Existenz gewesen. Und die Zeit ihrer Beseitigung fällt mit der Abschaffung der Sklaverei ziemlich genau zusammen. Mit Ausnahme der Markkötter und später auch der Heuerlinge waren fast alle Bauern des Osnabrücker Landes im Stande der Hörigkeit und das bedeutete: Sie waren „unfrei“. Ein Unterschied zur Sklaverei bestand allein darin, dass sie nicht rechtlos waren. Die Eigenbehörigkeit

De Bistruper

Heft 19

13

mag von dem Einzelnen nur selten als eine wesentliche Beschränkung seiner Freiheit wahrgenommen worden sein, weil die Standesgenossen auf dem Nachbarhof den gleichen Beschränkungen unterlagen. Auch war ja der Spielraum des persönlichen Handelns durch die geringen Möglichkeiten andersartiger Lebensführung im Verhältnis zu unserer Gegenwart minimal. Wer sich als Soldat anwerben ließ, dem zahlte der Regimentskommandeur womöglich den Freikauf. Alle anderen, die frei werden wollten, mussten selber zahlen oder sich von den Eltern freikaufen lassen. Der Grundherr stellte in diesem Fall eine Urkunde aus, die als „Freibrief“ bezeichnet wurde. Auch interessant: Der Ausdruck „einen Freibrief ausstellen“ wird noch heute manchmal in der Politik in einem übertragenen Sinne gebraucht. Ein sprachliches Relikt aus dieser Zeit ist das Wort „freien“, plattdeutsch „friggen“ oder auch „frieen“, mit dem die Absicht zur Heirat oder auch nur die Annäherung des/der Jugendlichen an das andere Geschlecht gemeint ist. Wollte ein junger Mann heiraten, konnte er das ohne weiteres tun, wenn sein Mädchen (die Braut) dem gleichen Herrn gehörte wie er. Gehörte das Mädchen aber einem anderen Grundherrn als er, so musste es sich freikaufen, wenn es auf den Hof des Bräutigams „auffahren“ wollte. Der Preis der Freiheit war anfänglich gering, stieg aber im Laufe der Jahrhunderte erheblich. War die Hochzeit gehalten, wurde die junge Bäuerin sogleich wieder hörig. Sie gehörte nun dem gleichen Herrn wie ihr Ehemann, ohne dass jener sie für den zuvor getätigten Freikauf entschädigen oder sie gar kaufen musste. In vielen Gegenden war es aber überkommenes Recht, dass eines ihrer Kinder für die freiwillige Eigengebung der Mutter die Freiheit bekam, die anderen Kinder gerieten mit der Geburt in Hörigkeit. Für den Bräutigam, der auf den Hof seiner Braut „auffahren“ (noch heute: „aufheiraten“) konnte, galten die gleichen Regeln. Auch der freie Mann, der den Hof eines Grundherrn zur Bewirtschaftung übernehmen wollte, konnte dies nur tun, wenn er sich dem Grundherrn zu eigen gab. Er war nun an diesen Hof gebunden und konnte ihn nur mit dem Einverständnis seines Herrn verlassen. Diese Bindung, die ja eine Einschränkung der Freizügigkeit war, ist ein weiteres Merkmal der Hörigkeit.

De Bistruper

Heft 19

14

Ein anderes Merkmal der Hörigkeit bedeutete eine empfindliche Einschränkung der Handlungsfreiheit: Ein Höriger konnte kein Eigentum erwerben. Auch die Aufnahme von Hypotheken konnte nur mit der Genehmigung des Grundherrn geschehen. Der hörige Bauer war zwar in der Führung des Hofes selbständig, wurde aber in der Entscheidung über geldwirtschaftliche Dinge, die den Hof betrafen, stark eingeschränkt. Auch konnte er kein Geld an seine Kinder vererben. Hinterlassene Geldsummen fielen an den Grundherrn. So 1630/31 in Wersche: „Berndt Thiemann tot, fürstl. Gnaden eigen ( = Bischof von Osnabrück), was er der Kirche und den Armen gegeben, und was er in seiner Krankheit verzehrt, bleibt Rest 150 Taler, davon den Beamten 30 Taler, dem Landesherrn 120 Taler.“ Es wurden dem Eigenbehörigen Eigentumsrechte zugestanden, wenn es um die Versorgung der Kinder ging. So hatte er das Recht der Vererbung des ungeteilten Hofes an eines seiner Kinder. Der Anerbe musste körperlich und geistig in der Lage sein, den Wirtschaftshof erfolgreich zu führen. Jedes Kind, das nicht Anerbe war, hatte ein Recht auf eine Abfindung, die von manchem Vater, wenn die wirtschaftliche Situation es erlaubte, großzügig bemessen wurde (siehe in diesem Heft Abdankung und Auffahrt bei Witte). Der junge Bauer konnte auch für die abdankenden Eltern eine Leibzucht bauen und Fremde (Freie) auf dem Hof wohnen lassen. Trotz der eingeschränkten wirtschaftlichen Handlungsfreiheit kam es vor, dass ein Hof verschuldet war. Beispiel: 1729, 14. 2. Möllenpage, Stockum ist tief verschuldet, hat 1722 Hof angetreten, ca. 3000 Taler Schulden, 6 Jahre Stillstand (von den Schuldnern gewährt), hat inzwischen 550 Taler bezahlt, Stillstand ist vorbei, alle Gläubiger bedrängen ihn, bittet erneut um Stillstand.“ Eine solche Verschuldung hatte ihre Ursache fast immer in Katastrophen oder Kriegslasten. Unter dem Bischof Karl von Lothringen war Osnabrück Kriegspartei auf Seiten der Habsburger im spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714) gewesen. Man unterschied bewilligte Schulden (=vom Grunherrn genehmigt) und unbewilligte Schulden. Meier zu Stockum 1821: „Als aber auf dem Hofe 1025 Th aus dem letzten Kriegsjahre herrührende unbewilligte Schulden haften, die keine andere Hypothek, als vorhandene fahrende Habe haben….“ Gegen Übergriffe des Grundherrn konnte sich der Hörige vor Gericht zur Wehr setzen, sofern der Grundherr dem Gericht zu folgen hatte.

De Bistruper

Heft 19

15

Und er konnte als Zeuge in Gerichtssachen auftreten, was auch nicht selten geschah. Grundherren waren im Hochmittelalter Angehörige des Adels oder von Geburt freie Leute. Eigentum an Land im Sinne unseres Eigentumbegriffs gab es nur bei den alten adligen Geschlechtern (Edelherren, Uradel) und der Kirche. Der Landadel, wie wir ihn heute noch kennen, hatte seinen Besitz meistens zu Lehen (zur Leihe), war also an eine Herrschaft gebunden, der er zur Treue verpflichtet war. Diese Gruppe konnte gegenüber dem Hörigen auch als Grundherr (nach Ritterrecht) auftreten. Daneben waren auch Stifte (Domkapitel, Stift St. Johann), Klöster und der Landesherr (Bischof von Osnabrück) Grundherren. Das änderte sich mit dem Erstarken und der wachsenden Unabhängigkeit der Städte, in denen ein bürgerliches Patriziat mit dem Adel konkurrierte und nicht selten auch geadelt wurde. Der freie Bürger erwarb nun auch Bauernstellen auf dem Land, deren Familien ihm hörig werden mussten. Dem Osnabrücker Bürgermeister Ertwin Ertmann ( 1429-1505) ge-“hörten“ mehrere Bauernstellen im Kirchspiel Holte. Der jeweilige Pastor von Bissendorf, also kein Adliger, war Herr u. a. über die Familien der Höfe Haunert und Beckmann in Uphausen. Die Pachtzahlungen dieser Höfe konnte er als Einkünfte genießen und er konnte Freibriefe ausstellen. Die Hörigkeitsverhältnisse waren vielfältig und nicht immer eine drückende Last. Dem Hörigen musste der Grundherr einen Schutz (Hode) bieten. Dafür gab ihm jener einen Teil seines erwirtschafteten Ertrages. Der Schutz des Grundherrn aber musste in Kriegszeiten immer unvollkommen bleiben. Der Feind holte sich in der Fehde vielmehr zuerst bei dem schwach gerüsteten Bauern des befehdeten Gegners seine Beute. Richtig ist hier wohl die Feststellung, dass der Grundherr vom Hörigen ein arbeitsloses Einkommen bezog. Freie, die keine Adligen waren, hatten die Pflicht zur Heeresfolge genauso wie ein adliger Lehnsmann. Diese Heeresfolge konnte in Zeiten, in denen die Fehden überhand nahmen, eine drückende Last werden. In der älteren Literatur liest man oft die Vermutung, dass der gemeine freie Mann deswegen gezwungen war, sich einen Schutzherrn

De Bistruper

Heft 19

16

zu suchen, dem er sich freiwillig unterwarf, sich ihm „zu eigen gab“, um der Heeresfolge zu entgehen. Das wird sicher vorgekommen sein, kann aber wohl nicht als regelhaft gelten. Es spricht vieles dafür, dass der freie Mann der Gewalt weichen musste, die der Landesherr ausübte. Die Kriegstechnik erforderte schon um 1300 eine Ausrüstung des Reiters mit Harnisch und Helm, die ein freier Bauer von den Einkünften seines Hofes nicht bestreiten konnte. Der gepanzerte Reiter war zu einer teuren Kampfmaschine geworden. Wer nur Kettenhemd und ein verrostetes Schwert mitbrachte, war für den Landesherrn als „Ritter“ wertlos. Da lag es nahe, ihn in die Hörigkeit zu zwingen. Im Osnabrücker Land gilt der Bischof Dietrich von Horne ( + 1402) als ein solcher Zwingherr. „Wer sich freigekauft hatte ohne Hode, den betrachtete er als seinen Eigenbehörigen.“1 Dieser Bischof tat aber wohl nur, was seine Standesgenossen auch taten (z. B. der Erzbischof von Köln). Es war eine typische Erscheinung in einer friedlosen Zeit, deren Ursache eigentlich die große Fehdebereitschaft des Adels war. Dem Dietrich von Horne ist andererseits anzurechnen, dass es ihm gelungen ist, mit einer klugen Politik die Gewaltbereitschaft einzudämmen und mit harten Maßnahmen den Frieden in seinem Hochstift lange zu erhalten. Man nimmt an, dass die Hausgenossen zu einer solchen Gruppe gehörten, die ursprünglich freie Leute waren, sich dann aber unter dem Druck des Landesherrn einen Schutzherrn suchten, von dem sie nicht allzu große Bedrückung erwarten durften. Sie bildeten eine lose Genossenschaft zu gegenseitigem Schutz und wählten als Oberhaupt einen (oder zwei) Redemeier. In Bissendorf haben wir den Meyer zu Uphausen (Hausgenossen des Stiftes St. Johann), den Meyer zu Stockum (Hausgenossen des Landesherrn) und den Meyer zu Schledehausen (Hausgenossen des Landesherrn), die das Amt eines Redemeiers ausübten. Fortsetzung im nächsten Heft Als Ergänzung zum Thema „Bauerschaft“ im Heft 1/2008 1

C. Stüve, Geschichte des Hochstifts Osnabrück, Bd 1, S. 285

De Bistruper

Heft 19

17

Abdankung und Ehevertrag Witte / Levert 1841 aus der deutschen Schreibschrift übertragen unter Belassung der zeitgenössischen Schreibweise der Wörter von M. W. Staub In der vorliegenden Kopie sind die Namen in lateinischer Schrift geschrieben. Diese Heraushebung aus dem Text wurde hier durch Fettdruck erzielt. In Klammern: mögliche Deutung des Überträgers. Das nachfolgende Dokument aus dem Besitz des Familie Witte/Eickhoff (Natbergen) ist von dem Notar Lindemann verfasst worden. Dieser war über 50 Jahre lang auch Vogt der Vogtei Bissendorf-Holte. Der Grabstein der Familie Lindemann befindet sich auf dem Achelrieder Friedhof neben der Friedhofskapelle und ist ein interessantes Zeugnis des Klassizismus. Der Hof Levert (Lefert, Leiffert) ist der 2006 abgerissene Hof Löhr an der Wissinger Str.

Vor mir dem unterschriebenen requirirten Notar erschienen in Gegenwart der unten genannten Zeugen die verwitwete Colona Catarina Elisabeth Witte und deren Sohn der Anerbe Johann Heinrich Witte, beide zu Natbergen wohnhaft, so wie der Colonus Johann Hermann Lefert wohnhaft in Bissendorf und erklärten: dass sie folgende Übereinkunft getroffen hätten: 1. die Colona Witte, welche wegen Alters und Körperschwäche dem Hauswesen nicht mehr vorstehen kann, übergibt die Witten Stätte zu Natbergen nebst ihrem ganzen sonstigen Vermögen ihrem Sohn dem Anerben Johann Heinrich Witte und überträgt demselben solches alles vom heutigen Tage an zu seiner freien Disposition. 2. Als Leibzuchtstheil reservirt sich dieselbe freien Aufenthalt im Wohnhause, freien Unterhalt an Essen und Trinken, die nöthige Pflege in Krankheiten und bei zunehmender Schwäche und zur Bestreitung ihrer Bekleidung und sonstigen kleinere Bedürfnissen ein jährliches Taschengeld von zwanzig Thaler und den Flachs von einem halben Scheffel Leins p locty (per locit = zur Pacht(?)).

De Bistruper Heft 19 18 3. Der Johann Heinrich Witte acceptiert diese Übertragung mit dem gebührenden Danke und verpflichtet sich zur Erfüllung der vorgedachten Bedingungen. 4. Wie nun solchem nach der Johann Heinrich Witte nach Übernahme der Stätte sich zu verheirathen gedenkt und bereits mit der Maria Engel Levert ehelich verlobt ist; so macht der Vater der Braut, Colon Johann Hermann Levert, sich hierdurch verbindlich, seiner Tochter einen vollständigen Brautwagen nach Kirchspiels Gebrauch nebst zwei Kühen und einem Pferde bei der Verheirathung zu verabfolgen und an Brautschatz die Summe von Fünfhundert Thaler zur Hälfte im December dieses Jahres und zur Hälfte im December 1842. zu verabreichen und zu Händen des Neocoloni Witte auszuzahlen.

Bild: Inschrift am Speicher Eickhoff

De Bistruper

Heft 19

19

Nach geschehener Verlesung haben Conqurenten den Inhalt dieser Uebereinkunft genehmigt, und allen dawieder erdenklichen Einreden entsagt. Es ist darüber die gegenwärtige Urkunde aufgenommen und solche von dem Neocolon Witte und Colono Levert mit mir und den erbetenen beiden Zeugen, dem Colon Johann Matthias Meyer zu Uphausen und dem Maurer Conrad Bätcher, wohnhaft in Bissendorf, eigenhändig unterschrieben, nachdem die Colona Witte erklärt hatte, dass sie des Schreibens nicht kundig sey. So geschehen Bissendorf, am dritten Juni im Jahre Eintausend Achthundert Ein und Vierzig gez: Johann Heinrich Witte Johann Hermann Levert Johann Matthias Meyer, als Zeuge Conrad Bätcher als Zeuge unterz.: Johann Wilhelm Lindemann, Vogt zu Bissendorf, als öffentlicher Notar. Für die Treue der Ausfertigung Johann Wilhelm Lindemann Notar Kommentar: Kommentar Im Jahre 1841 sollte bei Wittes in Natbergen Hochzeit gefeiert werden. Zu dieser Hochzeit liegt uns auch die Liste der Geschenkgeber vor. Der hier vorliegende zuvor geschlossene Vertrag mit der Witwe Witte und den Brautleuten ist ein Dokument mit keineswegs ungewöhnlichem Inhalt. Hier wird die Auffahrt der Braut und die Leibzucht der Mutter des Bräutigams geregelt. Es ist ein Vertrag wie er auf vielen Höfen geschlossen wurde. Der Brautvater verspricht eine große Mitgift, nachdem die Mutter des Bräutigams abgedankt hat. Sie lässt sich ihre Leibzucht garantieren, will aber im Erbwohnhause wohnen bleiben. Diese Praxis war nicht überall üblich. Bei vielen Höfen gab es den Leibzuchtkotten, zu dem etwa ein Sechstel des

De Bistruper

Heft 19

20

Ackerlandes gehörte und der oft in einer beträchtlichen Entfernung vom Hof lag – was durchaus beabsichtigt war. Diesen Kotten bezogen bei der Hochzeit des Anerben die Eltern – sie mussten ihren Unterhalt selbst bestreiten und konnten aus der Entfernung nicht mehr dem jungen Paar vorschreiben, wie es zu wirtschaften habe. Hier aber bleibt die alleinstehende Mutter im Wohnhause. Sie wird die Arbeit der Schwiegertochter überwachen, auch dann, wenn sie sich das nicht vorgenommen hat. Eine Einschätzung des Verhältnisses zwischen Schwiegereltern und junger Ehefrau gibt der Achelrieder Pastorensohn Friedrich Wilhelm Lyra, Lyra indem er sinngemäß sagt: Wie sehr die Braut vor der Hochzeit auch geschätzt wird; nach der Hochzeit ist alles anders. Da wird sie manches schlucken müssen. Johann Heinrich Witte und Maria Engel Witten, geb. Lefert errichten 1862 im 21. Jahr ihrer Ehe einen großen Speicher neben dem Wohnhaus (siehe Photo).

Die Eheleute Witte (heute Hof Eickhoff) haben nach etwa 21 Ehejahren diesen herrlichen Speicher erbaut.

Unkündbar

De Bistruper

Heft 19 von K.-H. Schröder (2008)

21

Unkündbar, das hat es einst bei der Kaiserlichen Reichspost gegeben. Das gibt es jedoch schon lange nicht mehr. Das untenstehende Schreiben aus dem Jahre 1913 ist gerichtet an den Herrn Landbriefträger Waltermann in Bihsendorf. (Bissendorf wurde damals so geschrieben)

Nachdem Sie eine 15jährige Gesamtdienstzeit zurückgelegt haben, werden Sie hiermit unkündbar angestellt. Gleichzeitig wird Ihnen das Recht zum Tragen der Dienstauszeichnu ngsschnüre verliehen.

(Unterschrift)

De Bistruper Heft 19 22 Wenn man unkündbar war, konnte man, - sofern man sich nichts zuschulden kommen ließ, auch nur auf eigenen Antrag entlassen werden. Den Dank für treue Dienste gab es auch noch in schriftlicher Form dazu. Da kann man nur noch singen: Das gab`s nur einmal, das kommt nicht wieder.

De Bistruper

Heft 19

23

Vom Schulwesen in Bissendorf Meine Schulzeit in Nemden Nachfolgendendes Interview führte Wilhelm Bruns von der Redaktion des Bistrupers (RB) mit Frau Elfriede Bludau (HB), geb Knäuper. RB: Frau Bludau, Sie sind gebürtige Nemderin - oder heißt es Nemdenerin und haben die Volksschule Nemden von 1937 bis 1945 besucht. Was für Erinnerungen haben Sie noch von Ihrer Einschulung und Ihren Lehrern? Waren diese sehr streng? HB: Lehrer Schomburg war 8 Schuljahre lang mein einziger Lehrer. Er wußte sich durchzusetzen. RB: Was für Schulutensilien (Bücher, Hefte usw.) besaßen Sie? HB: Eine Schiefertafel zu Anfang und eine Fibel. RB: Wie sah es in der Schulklasse und an der Schule aus? Ich habe das Gebäude auf Bildern nur immer von außen gesehen. HB: Alle 8 Schuljahrgänge wurden in einem Raum unterrichtet. Als Heizung diente ein alter Holzofen. RB: Was für einen Schulweg hatten Sie zurückzulegen und wer waren Ihre Mitschüler? HB: Der Schulweg war 2 km lang und wurde mit Holzschuhen zurückgelegt. Der erste „Treff“ war bei uns. Dann ging es Richtung Schule mit einer ständig größer werdenden Gruppe. RB: Wie waren die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse damals und was machten Ihre Eltern und Geschwister? HB: Mein Bruder ist mit 18 Jahren im Krieg gefallen. Vater ist vermißt. Meine Großeltern betrieben eine kleine Landwirtschaft im Heuerhaus. RB: Was mußten Sie zu Hause tun , wie sah Ihre Freizeit aus und was spielten Sie so:? HB: Wir mussten viel zu Hause helfen. Ähren sammeln, Steine vom Acker suchen und Feuerholz zum Anmachen sammeln. Zum Spielen verblieb keine Zeit. RB:Wie sahen die polit. Verhältnisse aus? Wer war Bürgermeister oder Ortsvorsteher und waren Sie im BDM und mußten ein Pflichtjahr ableisten?

De Bistruper

Heft 19

24

HB: Bürgermeister war meines Wissens Herr Lüpker. Ich war bei den Jungmädels. Für die BDM war ich zu jung. Das Pflichtjahr gab es für mich noch nicht. RB: Was für Dorf- oder Schulfeste wurden gefeiert und haben Sie auch Ausflüge gemacht? HB: Dorf und Schulfeste waren in der Kriegszeit nicht üblich. In den 8 Schuljahren haben wir 2 Ausflüge gemacht. Der eine ging zur Ledenburg, der andere in die Höltingsbänken, RB:Was machten Sie nach der Schulzeit? HB: Konfirmation hatte ich am 2.4.45. Am 3.4. kamen die Engländer. Am 8.4. habe ich in der Gärtnerei der Schelenburg angefangen zu arbeiten.

Schüler aus Nemden mit Lehrer Schomburg. Hierunter befindet sich auch meine Interviewpartnerin Frau Elfriede Bludau X. Sie erzählte mir, dass noch einige ehemalige Schüler in Nemden ansässig sind. Wer erkennt sich auf dem Bild wieder? Haarschnitte bei den Jungen: Hinterglatze mit Vorgarten oder Scheitel. Mädels bevorzugten Zöpfe.

De Bistruper

Heft 19

25

Da der Sohn von Frau Bludau, Frank Bludau, die gleiche Schule etwa 25 Jahre zeitversetzt besuchte, war es naheliegend, ihm die fast identischen Fragen zu stellen. Hallo Frank, wie ich von Deiner Mutter gehört habe, bist Du auch noch in Nemden in die Volksschule gegangen? Ich stelle Dir fast die gleichen Fragen wie Deiner Mutter, so dass der Leser dadurch gleich einmal den Unterschied sehen kann. RB:Wann wurdest Du eingeschult und was für Lehrer waren nach dem Kriege und zu Deiner Zeit an der Schule? FB: Eingeschult wurde ich im Sommer 1970. Die Schule besuchte ich bis 1971, dann wechselten wir in die Grundschule Holte. Die dortigen Lehrer waren Herr Bertram und Herr Gerlitz, dann noch Herr Ostermüller. RB: Was für Schulutensilien hattest Du zur Einschulung und gab es schon eine Zuckertüte? FB: Einen normalen Schulranzen und dann die Schultüte, die gab es schon! RB: Wie war Dein Schulweg und wer waren Deine Mitschüler? Viele können es ja nicht mehr gewesen sein. FB: Der Schulweg war in Nemden kurz – knapp 1 km. Der wurde natürlich zu Fuß bewältigt. Soweit ich es noch weiß: Karin Strathenke, Wolfgang Kneuper, Sabine Meyer und Monika Buß. RB: Wie sah es in der Klasse und an Eurer Schule aus und hast Du noch ein Bild davon? FB: Kann ich mich kaum besinnen. 4 Klassen in einem Raum und der einzige Lehrer hieß Bodenstein. Er wohnte in dem benachbarten Lehrerhaus. RB: Mußtest Du zu Hause viel helfen und was habt ihr als Kinder so gespielt? FB: Nein, helfen mußte ich nicht viel., da wir keine Landwirtschaft besaßen, sondern in einem Kotten wohnten. Gespielt wurde viel und gerne draußen. Ich glaube, ich habe meine Kindheit zur Hälfte im Busch verbracht. RB: Wie sahen die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse aus und wer war zu Deiner Zeit Bürgermeister oder Ortsvorsteher ?

De Bistruper

Heft 19

26

FB: Ortsvorsteher war Herr Günter Rohner. Ich kann mich noch an den Kaufmannsladen( Thaule und Hehemann mit Saal) erinnern. RB: Was für Dorf- oder Schulfeste wurden gefeiert und wohin habt Ihr Eure Ausflüge gemacht? FB: Dorffeste – das Weihnachtsfest im Saal Hehemann, dort fand auch jährlich ein Plattdeutsches Theaterstück statt. Schützenfest an der Ledenburg. Ausflüge zur Holter Burg und Ledenburg. RB: Was hast Du nach Deiner Schulzeit gemacht und wie war Dein beruflicher Werdegang? FB: Ich habe Gärtner gelernt, dann die Gartentechnikerausbildung, Studium und als Landschaftsarchitekt bei der Abt. – Grünflächenunterhaltung der Stadt Osnabrück.

Ich bedanke mich herzlich, für Eure Bereitschaft mir Rede und Antwort zu stehen Schulhaus Nemden von der Straßenseite aus

De Bistruper

Heft 19

27

200 Jahre Dorfschule in Nemden – Das Ende Prof. Dr. R. Lassahn Die Schule in Nemden war bis zu ihrer Schließung im Jahre 1972 eine typische zweiklassige Volksschule, wie es in Deutschland einige zehntausend gab. Das Schul- und Unterrichtsgeschehen wurde von Lehrern getragen, die in Lehrerseminaren ausgebildet worden waren. Die meisten von ihnen waren lange Zeit im Dorf tätig, eng mit dem ländlichen Leben verbunden und sorgten für Kontinuität und Beständigkeit. Die großen Ereignisse der Geschichte gingen an dem Dorfgeschehen vorbei. Es blieb alles beim Alten. So war es auch in Nemden. Exemplarisch ist die Tätigkeit von Lehrer Zirn. Seit 1903 in Nemden tätig, erlebte er die Kaiserzeit, den ersten Weltkrieg und die Weimarer Republik. Als er 1933 pensioniert wurde, nahm er auf der Ledenburg Wohnung und schrieb dort die Geschichte des Dorfes und seiner Schule. Sie zeigt anschaulich, wie sich in der Schule zur Zeit des Nationalsozialismus und im Kriege nichts änderte. Die Lehrer Schomburg und Langenberg, die Zirn im Amt folgten, führten die Schule über das Kriegsende und die ersten Nachkriegsjahre. Über sich ändernde Schülerzahlen, Schulausflüge und den immerwährenden Kampf um einen zu kleinen Schuletat und eine Verbesserung der recht kärglichen Lehrerwohnung gab es nichts zu berichten. Durchgreifende Reformen, die das Erbe des Nationalsozialismus überwinden sollten, das Chaos der Nachkriegsjahre mit Flüchtlingselend, Ausgebomtsein und menschlichen Kriegsfolgen griffen erst in den fünfziger Jahren. Sie sollten von einer Generation von Lehrern umgesetzt werden, die alle noch Seminarausbildung hatten und in der Mehrzahl Parteigänger waren. In Nemden war es gleichsam exemplarisch. 1952 übernahm Friedrich Düsterberg die Leitung der Schule. Sein Bildungsweg und Schicksal spiegelt die Widersprüchlichkeit und Zerrissenheit der Zeit.

De Bistruper

Heft 19

28

Lehrerehepaar Düsterberg (rechts) mit erwachsenem Sohn hinten. Links Frau Lehrerin Lassahn mit ihren beiden Söhnen, die auch noch in Nemden zur Schule gingen. Die Aufnahme ist aus dem

Jahre 1958.

Der 1898 in Osnabrück geborene Düsterberg wuchs in den ruhigen Jahren des Kaiserreichs auf, noch in Friedenzeiten trat er in das Evangelische Lehrerseminar in Osnabrück ein in den gleichen Kurs, den auch Erich Maria Remarque besuchte. Düsterberg erzählte immer wieder gern von gemeinsamen Ausbildungserlebnissen mit Remarque und fühlte sich durch diese Generationserlebnisse mit ihm verbunden. Genau wie Remarque konnte auch er seine Ausbildung auf dem Seminar nicht beenden und wurde eingezogen und ging durch die „Stahlgewitter“ des ersten Weltkrieges. Nach Kriegsende musste er zunächst zurück ins Seminar und seine Ausbildung abschließen. Der erfolgreiche Abschluss brachte keinen Gewinn. Deutschland hatte den Krieg verloren, es war zwar eine

De Bistruper

Heft 19

29

Republik geworden, aber es hatte ein Drittel seines Gebietes verloren, war mit nicht abschätzbaren Kontributionen belegt. Inflation und Wirtschaftskrisen schüttelten das Land. Arbeitslosenquoten waren so hoch wie nie. Junglehrer hatten auf Jahre keine Chance, in den Schuldienst zu kommen. Der ausgebildete Volksschullehrer Düsterberg war arbeitslos, suchte Hilfsarbeiten, klopfte Steine, war Saisonarbeiter im Bezirk Aurich und wanderte schließlich nach Amerika aus, wie viele junge Männer seiner Generation. In Amerika war er ebenfalls Gelegenheitsarbeiter und schließlich in einer größeren New Yorker Firma Anstreicher und Tapezierer. Nach 1933 versuchten die Nationalsozialisten, die Ausgewanderten zu bewegen, nach Deutschland zurückzukehren. Viele folgten dem Werben, so auch Düsterberg. 1935 kam er nach Deutschland zurück und erhielt eine erste feste Anstellung als Lehrer. Doch die Freude währte nicht lange, eben vier Jahre. Da brach der zweite Weltkrieg aus, und Düsterberg wurde wieder Soldat. Zum Kriegsende geriet er in englische Gefangenschaft, in der er ungewöhnlich lange festgehalten wurde und ein sich lange hinziehendes Entnazifizierungsverfahren zu durchlaufen hatte. Natürlich war Düsterberg, als ihn die Werber zu einem bessern Leben im neuen Deutschland zurückholten, in die NSDAP eingetreten. Zum Verhängnis aber wurde ihm sein Familienname. Ein Theodor Duesterberg spielte in der Weimarer Republik eine unrühmliche Rolle. Dieser war preußischer Offizier, hatte einst ein Expeditionskorps in China geführt und war während des Krieges im deutschen Kriegsministerium tätig. In der Weimarer Zeit wurde er Sekretär der konservativen Deutschnationalen Volkspartei und trat dem nationalsozialistischen Wehrverband „Stahlhelm“ bei und wurde zweiter Bundesführer. 1932 wurde Duesterberg vom „Stahlhelm“ und den Deutschnationalen zum Kandidaten für das Amt des Reichspräsidenten nominiert .Friedrich Düsterberg hatte mit diesem Theodor Duesterberg nur den Namen gemeinsam, sonst hatte er mit ihm nichts, aber auch nichts zu tun. Immerhin benötigten die Engländer drei Jahre, um dies

De Bistruper

Heft 19

30

herauszufinden. So lange bleib Düsterberg in Gefangenschaft. Endlich entlassen, fand er, so vorbelastet, zunächst keine Anstellung als Lehrer. Düsterberg radelte als Vertreter für Schulbuchverlage durch Niedersachsen und bot in den Schulen neue Schulbücher, Karten mit neuen Landesgrenzen und neue Schulwandbilder an. Schließlich waren die alten religiösen Schulwandbilder ebenso wie die von Barbarossa, dem Kaiser, von Hitler und Hindenburg auf dem Dachboden gelandet und staubten dort vor sich hin. 1952 wurde Friedrich Düsterberg erster Lehrer in Nemden, dort wirkte er fast zehn Jahre, 1961 ließ er sich, 63 Jahre alt, vorzeitig pensionieren.

1957. Lehrer Lassahn und Schüler des Jahrganges 1951, die im April eingeschult wurden.

De Bistruper

Heft 19

31

Im April 1957 erhielt ich eine Einstellung als zweiter Lehrer in Nemden. Ich kam als Vertriebener aus Pommern und als Flüchtling aus der DDR, war in der DDR als Volksschullehrer tätig, hatte dann in Halle studiert, und war zuletzt Gymnasiallehrer in Berlin. In der Bundesrepublik wurden meine Ausbildungen und Examen in der DDR nicht anerkannt, und ich durfte als Grundschullehrer unterrichten, mit der Auflage, das zweite Examen für Volksschullehrer nachzuholen, was ich 1959 tat. Kurz vor seiner Pensionierung hatte ich ein interessantes Gespräch mit Düsterberg. Er erzählte wieder von seinem bewegten Leben, rechnete die Jahre seiner Schultätigkeit zusammen und kam auf vierzehn Jahre. Ich kam zu diesem Zeitpunkt auf elf Jahre Schulerfahrung in Volks- und Berufsschulen und Gymnasium. Aber Düsterberg ging in Pension, und ich war 31 Jahre jünger. Der Generationswechsel an der Schule verlief nicht problemlos. Als Düsterberg in den Ruhestand trat, übernahm ich die erste Lehrerstelle, die zweite wurde mit Fräulein Karrasch (Brinkmann) besetzt, einer jungen engagierten Lehrerin und Erzieherin, die von der Pädagogischen Hochschule Braunschweig kam und die viele frische Ideen in das Schulleben trug und die bei der dörflichen Bevölkerung schell Achtung und Anerkennung fand, nicht zuletzt, weil sie 1962 den ersten Kurs für Englischunterricht in der Nemdener Schule einrichtete. 1964 legte Fräulein Karrasch an der Schule ihr zweites Lehrerexamen ab. Im August 1964 gab ich die erste Lehrerstelle in Nemden auf und ging als Assistent an die Pädagogische Hochschule nach Münster. Zunächst leitete Fräulein Karrasch kommissarisch die Schule. Sie bewarb sich auf meine Stelle ebenso wie meine Frau. Doch der Gemeinderat lehnte beide Bewerberinnen ab, man wünschte keine Frau auf der ersten Lehrerstelle. „Es kann ja sein, dass bei einem Gewitter einmal der Blitz einschlägt. Was macht dann eine Frau?“ Kein Spaß, ein Argument aus der Gemeinderatsitzung. Beide Bewerbungen wurden abgelehnt.

De Bistruper

Heft 19

32

Die Argumentation gab exakt Lebens- und Weltbild einer Generation wieder, die in der Schule die Seminarlehrer erlebt hatte, Seminarlehrer wie Zirn. In seiner Schul- und Dorfgeschichte findet man dieses mit viel Gefühl aufgeschrieben wieder. Hinzukam die traditionell dörflich geprägte Lebenssicht. Diese Generation fand es völlig in Ordnung, wenn es in der Mitte des 20. Jahrhunderts in Schule und Lehrerhaus nur Plumpsklos gab. Sie war der Meinung, der Lehrer benötigt kein Badezimmer, er werde bei seiner Arbeit ja nicht so dreckig, und sie hatte heftigen Widerstand gegen die Einführung eines neunten Schuljahres und war sehr schwer davon zu überzeugen, dass sie ihre Kinder in eine weiterführende Schule nach Osnabrück schicken sollte. „In der Stadt verlernen sie nur das Arbeiten.“ Man war im Dorf der Meinung: Wer nicht hier geboren ist, muss auch nicht hier bleiben. In meiner siebeneinhalb jährigen Tätigkeit in Nemden wies die Gemeinde nicht einen Quadratmeter Bauland für Flüchtlinge und „Zugereiste“ aus. Diese Art von Zwergschulen genügten nicht mehr dem Anspruch seiner Zeit. Fräulein Karrasch bleib zweite Lehrerin, meine Frau übernahm im Herbst die Leitung der Schule in Wersche. In Nemden folgten noch zwei Lehrer auf der ersten Stelle, Pätzmann und Bodenstein. Beiden oblagen in der Hauptsache Abwicklungsgeschäfte. 1966 wurden die Klassen fünf bis acht an das Schulzentrum nach Bissendorf verlegt und Fräulein Karrasch ging ebenfalls nach Bissendorf. Ebenso wurde die Schule in Wersche geschlossen, und auch meine Frau unterrichtete in Bissendorf bis zu ihrer Pensionierung. Fräulein Karrasch ging, nach einem Zwischenaufenthalt im Emsland, nach Schledehausen, wo sie bis zu ihrer Pensionierung tätig war. Seit 1972 hatten Nemden und Wersche keine eigenen Schulen mehr. Damals wurde es als großer Fortschritt im Rahmen der Schulreform euphorisch begrüßt. Gegenwärtig werden in allen Bundesländern Überlegungen angestellt, ob kleine wohnortnahe Schulen nicht doch

De Bistruper

Heft 19

33

mehr Vorzüge bieten als riesige Schulzentren. Eine überall gewünschte engere Verbindung von Vor- und Grundschulen lässt kaum eine andere Lösung als vernünftig erscheinen. Die Qualität einer Schule wird jedoch nicht durch die äußere Struktur bestimmt, sondern durch die Qualität und das Engagement der dort wirkenden Lehrer . 1763 verordnete ein Generallandschulreglement für Preußen die Einführung einer allgemeinen Schulpflicht für alle Kinder. Drei Jahre später 1766 kam Nemden dieser Pflicht nach, gründete eine dorfeigene Schule und zum erstem Male wurde in Nemden öffentlicher Unterricht gehalten. Es war die Geburtsstunde der dörflichen Zwergschule. Sie bestand in Nemden genau 200 Jahre. Seit 1966 werden ähnliche Schulen aus den benachbarten Dörfern in einem Schulzentrum zusammengeführt und aus den bis dahin selbständigen Dörfern entstand die Gesamtgemeinde Bissendorf.

Use Jöpken Von Karl- Heinz Schröder Düsse Begiebenheet lig oll lange trügge. Domols vostönden de Richter no Platt un vierle konnen et auk no spriärken. To de Tiet wöed man auk ees met 21 Johr Grautjöhrig, (Volljährig) sau hedde dat domols. Dat en Wicht ´n Kiend kreig un nich genau wüsse wer de Vaa was, dat geif et domols auk oll. Un dorümme geiet et in düsse Gerichtsvohandlung. Verhandelt wird Heute die Vaterschaftsklage der Lina L. gegen Josef K. wegen Unterhaltszahlung. De Richter hadde no nich ganz to Ende küet do föng ene Frau van de Tohörer ol an to lamenteden, dat de Richter röep: „Bitte Ruhe im Zuschauerraum, sonst lasse ich den Saal räumen.“ Nu göng de Voohandlung wieder un Josef mösse auk toogieben dat he doch wat met Lina hat hadde. Nu röep de Fru ol wi é dortüsken: Nei, nei he is dat nich wiärn!“ „Ruhe da Hinten.“ Röep de

De Bistruper

Heft 19

34

Richter un makede wieder. De Fru konn es ober nich lauden und röep ol wi é: „Nei, use Jöpken is dat nich wiärn!“ Nu wöd et denn Richter doch to bunt un he küede auk Platt un frogde de Fru: „Sind se etwa de Mamme van denn Beklagten?“ Jau dat bin ik, mende dorup de Frau. Un worrümme sind se sik sau sicher dat ühr Sührne dat nich wiärn is? Frogde de Richter trügge? Nei, mende dorup de Frau, use Jöpken was dat nich, de is no vierls to minne dorfo. De Richter konn sik dat Schmüstern nu doch nich vorkniepen un häf denn minnen Jöpken doch woll mä´e to tru´et os seine Mamme. He mösse an Ende doch betahlen.

De rode Wiehnachtsmann-Mantel von

Karla Bunje, Bissendorf Weet ji wo dat darto keem, dat de Wiehnachtsmann enen roden Mantel, een rode Mütz un een rode Büx driggt? Ik glööv, ik weet dat nu. At de Wiehnachtsmann to`n aller, allerersten Mal de Minschen op de Eer besöken wull, kunn he ja nich mit leddige Hannen ankamen. He överleggt un överleggt, aver em fallt nix in, wat he för de Minschen mitnehmen kann. Denn denkt he: „ Minsch, ik hebb doch so veel kloke Engel, de fraag ik mal um Raat. Denn stappt he los in sien lange witte Hemd, naaktbeent dör de dicken Wulken, denn to de Wiehnachtstiet weer dat in Häven nu jümmer mollig warm. De Engel harrn in de Backstuuv den Aven al düchtig antünnert un weern ja fliedig an warkeln. He reep de Engel na sik her un sä: „ Ik will geern de Minschenkinner op de Eer besöken, köönt ji mi seggen, wat ik at Geschenk mitnehmen schall?“ Ho, de Engels weern ja plietsch un repen alltohoop: „ Na klaar weet wi dat! Wi hebbt doch Dag för Dag all Hannen vull to doon mit dat Backen von de leckern Stuten, de kannst du doch moi mitnehmen!“ Jungedi, wat höög sik de Wiehnachtsmann dor över den goden Vörslag. Aver at de Engel den Wiehnachtsmann dor so stahn seht in sien lange, dünne Hemd müssen se düchtig lachen un sä`n:„ In den Tostand, so at du antagen büst, kann`st aver nich op de Eer dal, dor is dat in Winterdag aver bannig koolt .Du musst warme Kledaasch un dicke Stevel antrecken.“ „ Na ja“, sä de Wiehnachtsmann, „dat is

De Bistruper

Heft 19

35

woll wahr, aver wat för Kleder, un wo krieg ik de her ?“ He stunn dor ganz benaut, schüttkoppt, un wuss sick wedder kienen Raat. Gau steken de Engels de Köpp tohoop un överleggen, wat dor to doon weer. Nu weer dat so, datt de Wiehnachtsmann jüst vör den groten rootgleunigen Backaven stunn. Sien witt`t Hemd worr över un över von den roden Füerschien anlücht, un dat sehg so wunnerschöön ut, datt de Engel luuthals repen: „Nu kiekt doch mal, lett dat nich moi, de rode Klöör ? Na klaar! Wi neiht för den Wiehnachtsmann enen dicken Wintermantel mit Mütz un Büx ut fein root Tüüch, jüst so root at de Füerschien in use Häven is!“ Nu gung in de Sniederwarksteed von de Engels för dull de Neiheree los. Paar Daag later weer de moie rode Mantel mit Mütz un Büx trecht. De Wiehnachtsmann probeer de Kleder an, keek an sik dal, un een tofreden Smuustergrienen güng över sien Gesicht. Dat weer doch`n ganz anner Snack at sien witt`t Hemd! He sä to de Engel: „ Dat hebbt ji heel fein henkregen, ji sünd ja wahre Meester.“ De Engel nickkööpten vull Stolt un antern:„ Du sühst aver ok basig staatsch ut in den roden Mantel mit de rode Mütz un de rode Büx.“ Un da de Wiehnachtsmann sik so düchtig högen de, puust he överdorig as dull in de grote Schöddel mit Mehl, de jüst op den Disch stunn. Un süh, dar weer de Baart von den Wiehnachtsmann sneewitt, un de Mütz harr ok noch so`n rejellen witten Striepen afkregen. Un wenn sik so um Wiehnachten rum bi iesige Küll de Häven moi root farvt hätt, denn weet ji ja nu Bescheed. Denn backt de Engels wedder in`n gleunigen Aven den Wiehnachtsmann sien Stuten, för all de lüttjen Leckersnuten. De Wiehnachtsmann kann de Tiet gor nich mehr aftöven. He steiht al praat in sienen roden Mantel mit de rode Mütz., de rode Büx un de dicken Stevel un freut sik, dat nu de Fahrt na de Minschenkinner losgahn kann. Ik stah dar buten un kiek in den füürroden Häven. Denn kniep ik de Ogen ganz fast to un seh doch wahrhaftig den Wiehnachtsmann op sienen Sleden mit enen Dannenboom vull rode Kerzen un rode Slöpen ut den Häven dalsusen, jüst op de Eer to.

Der Walnussbaum – Baum des Jahres 2008 von Wilhelm Bruns

Das Jahr 2008 ist doch eigentlich schon gelaufen, möchte man meinen. Doch so kurz vor dem Weihnachtsfest möchte ich diesem Früchte spendenden Baum zu guter letzt doch noch einige Zeilen widmen. Er hat

De Bistruper

Heft 19

36

es wahrlich verdient. Just zur Weihnachtzeit sind die Früchte des Walnussbaumes (Juglans regia) am bekömmlichsten und entwickeln jetzt ihre volle Geschmacksreife, wohlriechenden Duft und Aroma und was ist schon ein Weihnachten ohne Nüsse. Makellose Nüsse werden von Konditoreien für Pralinen und Torten verarbeitet. Etwas mindere Qualität gibt man dem Studentenfutter bei. Sagt man den Nüssen doch eine das Gedächtnis steigernde Wirkung nach, die junge Studenten nötig haben. Die ursprüngliche Heimat des Baumes ist der Balkan. Von dort breitete er sich zunächst nur südlich der Alpen aus. Hauptverbreitungsgebiet in Italien war die Ebene von Latium. Die Latiner hatten im Altertum die Frucht ihrem höchsten Gott Jupiter geweiht und im zweiten Namen ihm die königliche Bezeichnung regia nach juglans verliehen, also daher der lateinische Name Juglans regia. Die weitere Bezeichnung „Welsche Nuß“ ist gallischer Herkunft, aber weniger zutreffend. Den späteren Römern waren es dann vorbehalten, den Baum in ihren eroberten Provinzen nördlich der Alpen einzuführen. Karl der Große sorgte um 800 für eine weitere Vergrößerung des Lebensraumes unseres Baumes, neben anderen Obstsorten. Die Kaiserin Maria Theresia (17711780) verfügte per Order für die Bauern, dass auf jedem Hof ein Nussbaum stehen sollte. So ist der Baum langsam beliebt geworden und wird seitdem von jedermann geschätzt. Er gilt auch als unübertroffener Hausbaum und entfaltet erst im Freistand und im Alter durch seine kugelige Krone seine königliche Gestalt. Die Nutzung des Holzes ist gleichermaßen vielseitig. Das verhältnismäßig schwere Holz wird mit seiner schwarzbraunen Maserung besonders gerne für die Möbelherstellung und für die Rauminnenausstattung hauptsächlich durch die Verwendung von Furnieren genutzt. Nussbaumholz war „das“ charakteristische Holz der Biedermeierzeit. Das Holz gilt weiterhin als „das“ Material der Künstler. In Schachfiguren, wertvollen Drechslerarbeiten, Uhrengehäusen, Jagdgewehrschäften und vielen anderen kostbaren Schnitzereien findet es Verwendung.

De Bistruper

Heft 19

37

Dabei ist der Walnussbaum in der Jugend ziemlich raschwüchsig. Bis zur ersten Fruchtbildung können allerdings 15 Jahre vergehen. Dann geht das Wachstum etwas langsamer von statten. Erst im Alter von 60 bis 80 Jahren erreicht er Höhen von 15 bis 20 Metern. Dieser runde Nussbaum vor dem Dr. Schröder-Heim wurde vom Heimatverein im Jahre 1997 gepflanzt. Er dürfte da schon etwa 5 Jahre alt gewesen sein. Heute nach ca. 15 Jahren trägt er reiche Frucht. Zum Vergleich: Malte, mein Enkelsohn auf dem Bild ist 10 Jahre alt.

Durch seine Herkunft ist der Walnussbaum recht wärmebedürftig. Er dürfte daher in unseren Breiten ein Gewinner des Klimawandels sein. Besondere Tierarten, die sich bei ihm eingenischt haben und von ihm abhängig sind, gibt es im eigentlichen Sinne nicht. Hingegen sind sich Vögel und Kleinsäuger in einem einig. Sie alle fressen die schmackhaften Früchte gerne. In der Volksmedizin sind uns Abhandlungen über blutreinigende, nervenstärkende und konzentrationsfördernde Wirkungen verbrieft. Der Nussbaum selbst hilft lästige Mücken und Fliegen zu vertreiben. Den gefiederten Blättern des Baumes wird diese positive Eigenschaft zugeschrieben. Deshalb haben früher die Bauern den wachenden Hofhunden deren Hundehütten – wenn ein Nußbaum da war – stets in

De Bistruper

Heft 19

38

dessen Nähe aufgestellt. Oder bestand der tiefere Sinn darin, Dieben den Nussklau unmöglich zu machen? In Klein Hehlen bei Celle, - dem Ort an dem ich aufwuchs, habe ich beim Bauern Lampe als Junge öfter mal mit klopfendem Herzen und flatternden Hosen eine heruntergefallene Nuss stibitzt. Der Genuß der Nuss war schon etwas Besonderes und nicht Alltägliches, zumal wir Kriegskinder mit Leckereien nicht gerade verwöhnt worden sind. Was waren das aber für kleine Dinger, gegenüber den Nüssen, die man heute so ernten und kaufen kann. Die Nuss in der Hand von meinem Enkel Malte ist noch mit einer grünen Schale umgeben. Es ist aber erkennbar, dass diese Nusssorte ungewöhnlich groß ist. .

Ein besonders stattliches Exemplar eines Walnussbaumes befindet sich vor dem Hause meines verstorbenen Amtsvorgängers im Heimatverein, Herbert Schulhoff, in Hiddinghausen. Oft haben wir dort die Masse der Früchte als Indiz für einen strengen Winter eingeschätzt, was aber bei den heutigen Wetterkapriolen schon lange nicht mehr zutrifft. Als Baum des Jahres 2009 löst übrigens der Bergahorn den Walnussbaum ab. Davon haben wir auch einige schöne prachtvolle Exemplare in unserer Gemeinde.

***

De Bistruper

Heft 19

39

Aus der Vogelwelt von Gerd Bunje, Bissendorf

Seit dem Frühjahr huscht in unserm Garten im Gebüsch ein kleiner brauner Vogel umher. Wir haben ihn nie so genau beachtet, weil er so unauffällig ist. Tatsächlich kann man ihn für einen Sperling halten. Uns fiel aber auf, dass dieser Vogel ungesellig und fast immer einzeln anzutreffen ist, was man von einem Sperling nicht sagen kann, denn er hat immer die ganze Familie dabei. Bei diesem Vogel handelt es sich um die Heckenbraunelle. Größe und Gefiederzeichnung ähnlich dem Haussperling, jedoch Kopf, Nacken und Kehle weiches grau-blau, Oberseite rötlich-braun, dunkler gestreift. Bezeichnend für die Heckenbraunelle ist der schlanke, spitze Insektenfresserschnabel, der sie vom körnerfressenden Sperling unterscheidet. Die Heckenbraunelle lebt ganz im Unterholz und vermeidet es, größere Strecken zu fliegen. Nur zum Singen sucht sie sich einen erhöhten Platz mit guter Fernsicht und zwitschert ein feines trillerndes Lied. Bei ihrer Nahrungssuche : Insekten, Samen und saftige Beeren, huscht sie am Boden, bewegt sich langsam in geduckter Haltung, und zuckt häufig mit den Flügeln. Brut: 4-5 Eier, 2 Bruten im Jahr. Die meisten Heckenbraunellen ziehen im Herbst nach Südwesteuropa .

Buchbesprechungen: Karl Werner Grieß

Die Familie Grieß in Schledehausen Von der Öffentlichkeit unbemerkt ist eine kleine Schrift erschienen, die wohl auch nur für einen kleinen Kreis von Verwandten und Freunden verfasst wurde. Es handelt sich um die Geschichte der Familie Grieß, die - jedenfalls wird das so vom Verfasser gesagt, der sie nicht ganz zutreffend „Chronik“ nennt. Sie geht besonders im Mittelteil weit über eine bloße Chronik hinaus. Familiengeschichten haben ja nicht

De Bistruper Heft 19 40 selten eine gewisse Intimität und sind deswegen nicht für einen großen Leserkreis bestimmt. Hier nun haben wir den seltenen Fall, dass die kleine Broschüre es wert ist, einem größeren Leserkreis bekannt zu werden, nicht nur, weil in der Familie einige der dargestellten Personen mit öffentlichen Aufgaben betraut waren ( Großvater Martin Grieß hatte - in Schledehausen das Amt des Ortsgendarmen bis zu seinem Ruhestand 1928 inne). Weit interessanter aber ist die Tätigkeit seines Sohnes Karl, der den Sprung in die Selbständigkeit wagte und einen Handel mit Eiern gründete. Die Darstellung dieses Zeitraumes vor und nach dem Krieg ist denn auch der interessantere Teil der Familiegeschichte. Der Lebenslauf des Karl Grieß und vor allem die Entwicklung, die sein Geschäft genommen hat, haben aus meiner Sicht einen exemplarischen Charakter für die Zeit zwischen den Weltkriegen des vergangenen Jahrhunderts und auch für die Zeit unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg. Die Darstellung des staatlichen Vorsorgesystems in Bezug auf die „Verteilung der Lebensmittel“, in dessen Dienst die Familie ja auch tätig war, die Ausweitung der Handelstätigkeit mit neuen Gütern, die Motorisierung des Verkehrswesens, die Emanzipation der Frau als selbständig agierende Teilhaberin, auch die Mühsal, die selbständige Tätigkeit mit sich bringt, - all das wird hier beschrieben am Beispiel der Familie mit ihrem prosperierendem Lebensmittelhandel „Eier Butter Grieß“, der bis in das Ruhrgebiet reichte. Dank eines knappen Erzählstils ohne Pathos versteht es der Verfasser, auch einen Leser, der die Familie nicht kennt, allein mit der Beschreibung der wenig spektakulären Dinge bei der Stange zu halten. Die Verzweigungen der Familie in der Enkel- und Urenkelgeneration können am Schluss der kleinen Schrift dann zwar nicht mehr auf das Interesse des unbefangenen Lesers treffen. Die Zeit vor und nach dem Krieg aber kann man beim Lesen geradezu „riechen“. Hier haben wir eine Geschichte des Alltags im dörflich-ländlichen Raum. Sie sollte einem größeren Leserkreis bekannt werden. M.W. Staub ***

De Bistruper

Heft 19

41

Tilman Bendikowski in Kalkriese Ein Sohn Bissendorfs, und Sohn unseres verstorbenen Ehrenmitgliedes Hubertus Bendikowski, Tilman Bendikowski, stellte am 11. Nov. sein neues Buch mit dem Titel:

Der Tag, an dem Deutschland entstand in Kalkriese vor: Es ist der Titel eines Buches über den Mythos, der sich mit der beginnenden Neuzeit um die Schlacht zwischen Germanen und Römern im Jahre 9 bildete, die wir seit gut 20 Jahren als Varusschlacht bezeichnen. Neben der Wirkunggeschichte der antiken Überlieferung beschäftigt Tilman Bendikowski sich aber auch mit dem antiken Quellenmaterial selbst und räumt schon hier mit einigen uns lieb lieb gewordenen Urteilen über die handelnden Personen auf, wie sie uns von den antiken Autoren überliefert sind. Dass Varus ein ungeeigneter Feldherr und der falsche Mann am falschen Ort war, wie antike Schriftsteller berichten, hält Bendikowski mit einiger Berechtigung für äußerst fragwürdig. Und die Sympathien, die wir Deutschen dem Helden Arminius entgegenbringen, sind gar nicht selbstverständlich, denn bei Licht besehen, war der Mann ein Verräter, denn er war römischer Staatsbürger. Soweit- so gut. Doch wenn es um die Guten und die Bösen geht, hat manch einer von uns sein festes Erkennungsschema. Zunächst gilt unsere Sympathie den Schwachen und das waren leider nicht die Römer, denn diese Spezies Mensch beherrschte seinerzeit die Antike Welt von vorn bis hinten. Und wenn wir den Historikern glauben dürfen, saugte eine kleine Gruppe auf den sieben Hügeln von Rom die eroberten

De Bistruper

Heft 19

42

Länder planmäßig aus und lebte lange gut davon. Mag Varus ein noch so edler Mensch gewesen sein. Als er in Syrien Statthalter wurde, war es ein reiches Land, er selber aber arm. Als er es verließ, war das Land arm und er ein reicher Mann. So liest man. Doch solches ist in unserer globalisierten Welt ja nicht verwerflich. Der Mann würde eher als Clever angesehen. Die Deutschen haben den Arminius zum Hermann gemacht und ihm nachträglich die Last aufgebürdet, für ein einiges Deutschland sorgen zu müssen. Das ist wohl nicht zu bezweifeln. Sollen wir das übel nehmen?.

Unser Mitglied Wilfried Stagge läßt sich von seinem ehemaligen Nachbarn ein Buch signieren

Vielleicht taugt er ja sogar zum Globalisierungsgegner. Dass die Figur mißbraucht wurde, um den politischen Katholizismus in die Schranken zu weisen, dass sein Schwert in Richtung Frankreich zeigte, um die Franzosen (als Erben der Römer) das Fürchten zu lehren, das ist alles richtig. Wir möchten trotzdem gern glauben, dass der Arminius der Antike einen Befreiungskrieg geführt hat. Auch wenn dabei die Ausbrei-

De Bistruper

Heft 19

43

tung einer – vielleicht miserablen – Zivilisation zunächst einmal aufgehalten wurde. Tilman Bendikowski hat eine gute Schreibe und bietet eine Fülle an Information. Das Buch ist allein schon wegen einer in der Geschichtsschreibung ungewöhnlichen Stilistik lesenswert. M. W. Staub Übrigens: Victor von Scheffel dufte noch singen: Als die Römer frech geworden… *** Der neue Radweg in Herbststimmung

De Bistruper

Heft 19

44

Beitrittserklärung Ich/wir trete/n dem Heimat- und Wanderverein Bissendorf e.V. bei O als Einzelmitglied O als Mitgliedsfamilie (zutreffendes bitte ankreuzen bzw. streichen, Kinder auf Rückseite vermerken) Name:

Ehepartner Name: am: Anschrift:

Vorname:

Vorname

geb. am:

geb.

Datum Unterschrift ----------------------------------------------------------------------------------------------Einzugsermächtigung per Lastschrift Hiermit ermächtige ich Sie widerruflich, die von mir zu entrichtenden Zahlungen wegen der Zugehörigkeit zum Heimat- und Wanderverein Bissendord e.V., den Jahresbeitrag in Höhe von 12,50 € bei Fälligkeit zu Lasten meines Girokontos Nr. -------------------------------------bei der -------------------------------------------------------Bankleitzahl :-----------------------(Bezeichnung des Kreditinstitutes) durch Lastschrift einzuziehen.Wenn mein Konto die erforderliche Deckung nicht aufweist, besteht seitens des konto-führenden Kreditinstitutes keine Verpflichtung zur Einlösung. Name, Vorname, Anschrift________________________________________________ Ort, Datum: ___________________________Unterschrift__________________

De Bistruper

Heft 19

45