De Bistruper Heft 23 UB3Bullerdiek - Heimat- und Wanderverein

De Bistruper Heft 23 UB3Bullerdiek - Heimat- und Wanderverein

De Bistruper mit Berichten, Geschichten und Gedichten aus der Gemeinde Bissendorf Info-Heft des Heimat- und Wandervereins Bissendorf e.V. Heft 23 Ei...

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De Bistruper mit Berichten, Geschichten und Gedichten aus der Gemeinde Bissendorf Info-Heft des Heimat- und Wandervereins Bissendorf e.V.

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Einzelpreis 2,50

2. Halbjahr 2010

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Inhaltsverzeichnis

Seite

Vorwort: Ein außergewöhnliches Jahr geht zu Ende, M.W. Staub Neuauflage des Buches „Ein König in Bissendorf, M.W. Staub Einladung des Biochemischen Vereins, M.W. Staub Wanderführer gesucht, W. Bruns Rückblick auf eine angenehme Wanderzeit, H. Seemann Zwei Nachrufe, W. Bruns Die Technische Abteilung informiert, H. Seemann Liebesjahre, W. Bruns Heimatverein auf dem Holter Weihnachtsmarkt, W .Bruns Hochwasser, W. Bruns Der Zehnt, M.W. Staub Aus der Zeit des „Dritten Reiches“, K.-H. Schröder Buchbesprechung, M.W. Staub Webstuhl gestiftet, M.W. Staub Leider falsch, M.W. Staub Zeppelin gestrandet, M.W. Staub Grootstadt, Karla Däbler-Bunje Höhnergloven, Karla Däbler-Bunje Olle Joar wiehe…. Elke Voltz Beitrittserklärung

01 02 03 05 07 09 10 12 13 14 20 29 32 34 35 35 37 38 39 40

Herausgeber: Heimat- und Wanderverein Bissendorf Tel.. 05402-4729 www.heimatverein-bissendorf.de Mail: [email protected] Verantwortlich: M.W. Staub,. W. Bruns Umschlagbild: W. Bruns Holter Posaunenchor spielt beim Weihnachtsmarkt auf

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Ein außergewöhnliches Jahr geht zu Ende Das Festjahr 850 Jahre Bissendorf neigt sich dem Ende zu. Veranstalter und Bissendorfer Bürger können mit dem Verlauf zufrieden sein. Die Veranstaltungen während der Festtage waren gut besucht. Der Umzug, der bei den Planern zunächst umstritten war, wurde von den teilnehmenden Vereinen interessant gestaltet. Die Zahl der Zuschauer war beeindruckend. Alles in allem kann gesagt werden: Bissendorfer bekundeten ihr Interesse an ihrem Dorf in einem Maße, das die Erwartungen übertraf. Ganz erstaunlich war die Beteiligung von Gästen aus dem Umland von Bissendorf. Man konnte Menschen treffen, denen man im Dorf nie zuvor begegnet war. Noch erstaunlicher: Viele hatten das Festbuch „Ein König in Bissendorf“ unter dem Arm. Eine Hochrechnung unseres Ortsvorstehers ist damit nicht aufgegangen. Sie ging davon aus, dass nur die Bissendorfer ein Interesse an einem Buch über Bissendorf haben würden. Davon musste man wohl auch ausgehen. Nun aber war die Auflage von 850 schon 14 Tage nach dem Fest vergriffen. Walter Löhr und der Fa Artmedien aus Eistrup ist es zu danken, dass es doch noch eine 2. Auflage erfährt. Die Holter Burg ist fertig geworden! Sie wurde nicht komplett wieder aufgebaut, aber man kann jetzt viel mehr von ihren ehemaligen Gebäuden erkennen. Die TA des Heimatvereins und Manfred Wallenhorst haben zuletzt die Handläufe installiert. Ein bemerkenswertes Ereignis ganz anderer Art hat Bissendorf in diesem Jahr heimgesucht. Das Hasetal wurde zum unüberwindbaren Hindernis zwischen Nord und Süd. Menschen, die nicht zu Hause waren, konnten ihren Wohnort nur auf Umwegen erreichen. Ein solches Hochwasser gab es nicht seit Menschengedenken. Und das, obwohl wir doch eigentlich alles im Griff haben. Auch darüber will dieses 23. Heft des Bistruper informieren. Ein frohes Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr wünscht das Team Bistruper M.W. Staub

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Dank an Walter Löhr für die Neuauflage von „Ein König in Bissendorf“ M. W. Staub Ich glaube, die Nachfrage nach dem Festbuch hat alle Beteiligten beeindruckt und war wohl auch so nicht vorhersehbar. Schon 14 Tage nach dem Beginn des Verkaufes war das Buch vergriffen. Dass es ein großes Interesse an der Bissendorfer Vergangenheit gibt, wurde erkennbar beim Verkauf des Festbuches des Turnvereins Bissendorf-Holte. Auch dieses Buch war wenige Tage nach dem Fest ausverkauft und hat dann auch einen Nachdruck erlebt, der jetzt schon wieder vergriffen ist. Ich selbst habe festgestellt: Es ist nicht schön, wenn man Interessenten abweisen muss. Viele können solch einen Mangel angesichts unserer Überflusswirtschaft nur schwer akzeptieren. Manche, die später kamen und noch ein Buch haben wollten, waren richtig traurig. Und sie hatten ja recht mit ihrer Kritik an unserer Fehleinschätzung. Der Einzelverkaufspreis hätte bei einer höheren Auflage erheblich gesenkt werden können. Ein wenig stolz auf den Erfolg des Buches dürfen die Autoren sein. Es ist ein Buch von Bissendorfern für Bissendorfer geworden. Ein Zeitungsreporter sprach sogar von einem Rundumschlag angesichts der Themenvielfalt. Diese Entlehnung aus dem Boxsport halte ich denn doch für ein wenig übertrieben. Ganz sicher aber ist das Buch ein Designerfolg. Uwe Imsiepen von der Firma Artmedien ist dieser Erfolg zu danken. Er hat mit ungewöhnlichen Gestaltungsmitteln – in Bezug auf ein heimatkundliches Buch – ein graphisch interessantes Werk geschaffen, das den Leser ansprechen muss. Nun haben wir dank Walter Löhr eine starke Neuauflage. Und sie ist noch größer als die Erstauflage. Änderungen sind Verbesserungen. Es hat nur wenige gegeben. Inhaltlich spielen sie keine nennenswerte Rolle. Wir können jetzt ganz sicher sein, dass alle, die Interesse an unserem Heimatort haben, mit dieser Neuauflage bedient werden können.

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Biochemischer Verein Osnabrück e.V. lud uns ein M. W. Staub Wer hat nicht schon von der Bio-Hütte gehört. Wenn nicht: Diese Hütte steht schon seit Menschengedenken am Berge im Ortsteil Linne und ist die Heimat des Biochemischen Vereins e. V. Osnabrück. Gern sind wir einer Einladung zur Eröffnung des Dr. Schüssler Lehrpfads nachgekommen. Der Verein möchte Kontakte zu den Wandervereinen pflegen und ihnen den Lehrpfad anbieten. Nach einer launigen Begrüßung durch den Vorsitzenden Bei der Kellen gab es eine erste Begehung des Lehrpfades. Dabei wurden die zwölf Stationen des neuen Lehrpfades vorgestellt. Auf Tafeln werden die zwölf Salze beschrieben, die der Oldenburger Arzt Wilhelm Heinrich Schüßler (1821-1898) vor über 100 Jahren als wichtige Bestandteile für den Zellaufbau der Körperzellen benannte. Schon andere hatten vor ihm solche Salze entdeckt. Aus der Asche verstorbener konnte Dr. Schüßler weitere Salze analysieren. Seither werden sie – durch andere Stoffe verdünnt als Mittel eingesetzt bei vielen Erkrankungen und zur Vorbeugung. Da die Bezeichnung Heilmittel in der Medizin einen nachweisbaren Wirkungszusammenhang erforderlich macht (= Wenn du das nimmst, wirst du gesund.), werden Krankheitszustände auf den Verpackungen nicht benannt. Dafür aber wird in der Literatur beschrieben, welche Krankheitszustände beeinflusst werden können. Der Biochemische Verein ist bereit, Wandergruppen über den Lehrpfad zu führen und auch die Räumlichkeiten der Bio-Hütte zur Verfügung zu stellen.

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Das Haus des Biochemischen Vereins

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Wanderführer gesucht von W. Bruns Durch den Austritt Günter Strathmanns aus dem Verein und der Ankündigung von Helmut und Brigitte Seemanns im nächsten Jahr aus Altersgründen als Wanderführer nicht mehr zu Verfügung zu stehen, sind die Stellen des Wanderführers für die kommende Wandersaison in unserem Verein verwaist. Zum Glück meldete sich unser Mitglied Helga Hartmann-Pfeiffer, die eine der Positionen übernehmen möchte. Leider fiel der Lehrgang zum Wanderführer, zu dem sie sich angemeldet und bereits eine Fahrkarte gekauft hatte, in Arnsberg beim Sauerländischen Gebirgsverein aus, weil sich zu wenige Leute für diesen Lehrgang im Herbst angemeldet hatten. Die Arnsberger führen diese Lehrgänge nach Maßgabe des Deutschen Wanderverbandes in ihrem Verbandshaus schon seit einer Reihe von Jahren durch und sind dafür sehr kompetent. Man vertröstete Frau Hartmann-Pfeiffer auf den nächsten Lehrgang im März 2011. Der unbedarfte Wanderer wird sich bei der Gelegenheit fragen, wozu denn überhaupt eine besondere Ausbildung zum Wandern notwendig sei. Es gibt jedoch viele Dinge, die ein Wanderführer beachten muss. Er muss eine Wanderung organisieren, die Gruppe führen können und Treffpunkt und Ziel vorbestimmen, um die Gruppe über alle Fährnisse hinweg sicher wieder nach Hause zu bringen. Es setzt eine gewisse Menschenführung voraus, die Truppe bei guter Laune zu halten Eine intensive Vorplanung und ein Auseinandersetzen mit der Wanderstrecke ist ein weiterer Garant einer erfolgreichen Wanderunternehmung. Letztendlich entscheidet das konditionsschwächste Mitglied einer Gruppe über die Schwere und die Länge einer Wanderstrecke. Naturund Heimatkunde im weitesten Sinne und Gesetzeskunde, Kartenkunde, Umgang mit GPS sowie Erste Hilfe sind weitere Lerninhalte, die auf den Wanderführerlehrgängen vermittelt werden. Je nach Neigungen und Kenntnissen kann der Wanderführer die Wanderstrecken selbst aussuchen und gestalten und sich durch das Studium von Lektüre Kenntnisse von der Strecke verschaffen und diese dann auf der

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Wanderung vermitteln. Themenwanderungen sind sehr nachgefragt. Durch die Erlangung des Wanderführerzertifikats soll der Wanderführer auch in die Lage versetzt sein, in seinem Heimatort Besuchergruppen zu führen. Mitunter kann man mit diesen Führungen mit dem Tourismus ins Geschäft kommen und noch einen kleinen Zuverdienst erhalten. Die Zeiten, da man im Wandern eine altbackene Bewegungsart sah, sind eigentlich vorbei. Die Bewegung in der Natur stärkt, wie keine andere Sportart Körper und Seele gleichermaßen. Man schärft in der Natur alle Sinne und mit der Zeit kehrt Ruhe in einem ein. Entschleunigung ist oberstes Gebot und nicht Leistungsdruck. Ferner kommt auch die Geselligkeit nicht zu kurz. Kurzum, die Ärzte schätzen die Vorteile des Wanderns so gut wie auf allen medizinischen Gebieten hoch ein und raten besonders Menschen über 50 dazu, diese Bewegungsart auszuüben. Leider steht das individuelle Wandern höher im Kurs, als das Wandern in der Gemeinschaft eines Wandervereins. Warum eigentlich? Sicherlich spielen dabei Dinge eine Rolle, wie: sich nicht einbinden und festlegen lassen. Mit diesem Phänomen und Vorurteilen haben viele Vereine zu kämpfen. Um auf den Punkt zu kommen: Wir vom Heimatverein Bissendorf suchen dringend eine geeignete weitere Person, die sich zutraut und die Voraussetzungen mitbringt, die Position eines Wanderführers auszuüben. Ganz besonders sollte sie/er ein Interesse daran haben, Wanderungen - auch Radwanderungen zu organisieren, die außerhalb unserer Region ablaufen. Das ist aber für den Anfang keine bindende Voraussetzung. Auch Nichtmitglieder können sich melden. Für die Lehrgangskosten kommt der Verein auf. Wir erwarten allerdings, dass sich externe Interessenten dem Verein anschließen. An dieser Stelle sei ausdrücklich Brigitte und Helmut Seemann gedankt, die ehrenamtlich lange Jahre viele Wanderungen für den Verein angeboten und durchgeführt haben. Das haben sie sehr gut gemacht. Doch lassen wir sie im nachfolgenden Beitrag selbst zu Wort kommen.

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Rückblick auf eine angenehme Wanderzeit von Helmut Seemann Im Jahre 2002 hat Wilhelm Bruns uns, Helmut und Brigitte Seemann, überredet, einen Wanderführerlehrgang zu absolvieren. Der Lehrgang des Deutschen Wanderverbands fand in Dübbekold im Wendland statt und dauerte eine Woche von Sonntag bis Sonntag. Eine Ersthelferausbildung erhielten wir anschließend in Osnabrück bei den Maltesern. Wir waren voll gestopft mit Theorien und wussten beide nicht, auf was wir uns nun eingelassen hatten. Schon bei der Gestaltung des ersten Veranstaltungsplans haben wir im Wanderbereich erfolgreich unsere Wünsche durchgesetzt. Seitdem kann der Leser nicht nur erfahren, dass eine Wanderung an einem bestimmten Tage stattfindet, sondern er erfährt auch das Ziel, den Schwierigkeitsgrad, die Wanderstrecke und die Uhrzeit der Rückkehr. Brigitte und ich haben in Absprache mit den damaligen Wanderführern Walter Beinker und Günter Strathmann eigene Wanderrouten angeboten. Wir erinnern uns gerne an unsere Etappenwanderungen wie den Cappelner Ringweg , den Mühlenweg am Wiehengebirge, den Bissendorfer Burgenweg und andere. Auch beliebte Rundwanderwege im Dörenberg, um Borgloh, um Oberholsten, durch den Liener - u. Aldruper Berg und viele andere haben wir ausgearbeitet und geführt. Schließlich hat uns durch seinen Tod als erster Walter Beinker und später auch durch Krankheit Günter Strathmann als Wanderführer verlassen. Neben unseren fünf Wanderungen während eines Jahres hatten wir nun auch noch die Kurzwanderungen, Radtouren und die traditionellen An - u. Abwanderungen durchzuführen. Eigene Urlaubsplanungen waren in den Sommermonaten kaum noch möglich. Inzwischen sind wir beide älter geworden und auch unsere Leistungsfähigkeit lässt nach. Weil ein Wanderführer aber nicht das schwächste Glied einer Gruppe sein sollte, haben wir uns rechtzeitig entschlossen zum 31.12. 2010 die Tätigkeit als Wanderführer einzustellen. In unserem Heimat - u. Wanderverein mangelt es zur Zeit an aktiven Wanderern. Vor einigen Jahren konnten wir noch regelmäßig über 20 Teilnehmer zählen. In den letzten Jahren reduzierte sich die

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Teilnehmerzahl häufig um die Hälfte, obwohl wir die Wanderstrecken auf 15 km reduziert hatten. Auch eine geplante Radwanderung "Rund um Osnabrück", die bis ins Detail geplant war, wurde nicht angenommen. Nur zwei Anmeldungen lagen uns vor. Selbst der Vorstand hat sich an Wanderungen kaum beteiligt. Bemerkenswert ist noch, dass unser viel beschäftigter Bürgermeister Guido Halfter die Zeit fand, um an einer Burgenwegetappe teilzunehmen. Wir danken allen Mitwanderern, die uns regelmäßig bei jedem Wetter begleitet und zum Erfolg beigetragen haben. Unseren Nachfolgern wünschen wir gute Wandervorschläge und immer gutes Wanderwetter.

Wandergruppe des Vereins auf dem Bissendorfer Burgenweg

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Ein Nachruf auf Hildegard Fischer: Im Oktober 2010 starb unser Ehren- und Gründungsmitglied Hildegard Fischer im Alter von 94 Jahren. Hildegard Fischer, besser bekannt unter „Schwester Hilde“, war langjährige Gemeindeschwester in Holte. Durch ihre Freundlichkeit und Mitmenschlichkeit war sie bei ihren Patienten beliebt und genoss in Holte und Bissendorf hohes Ansehen. Im Heimatverein hat sie bleibende Verdienste dadurch erlangt, dass sie beim Aufbau der Heimatstube half und etliche Exponate der Sammlung zusammentrug. Bis ins hohe Alter säuberte und reinigte sie die Heimatstube und stattete die Räumlichkeit immer wieder mit frischem Blumenschmuck aus.

Schwester Hilde, wie wir sie alle kennen. Immer wissbegierig, freundlich, aufgeschlossen und hilfsbereit. Sie war mir bis zum Schluss eine liebe ältere Freundin. WB

Sie ließ es sich auch nicht nehmen, unser traditionelles Grünkohlessen und sonstige Vereinsfeiern mit Blumen zu dekorieren und tatkräftig zu unterstützen. Zu ihrer Person, die in der Tschechei als Rotkreuzschwester von Kriegsgräueln nicht verschont blieb, hat Manfred Staub in Heft 7 des Bistrupers eine ausführliche Würdigung ihrer Arbeit im Verein und ihres Werdegangs als Krankenschwester verfasst. Wir werden sie in dankbarer Erinnerung behalten. WB

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Nachruf auf Hermann Hagemann: Ebenfalls im Oktober verstarb Schuhmachermeister Hermann Hagemann, Wissinger Str. 10, im Alter von 91 Jahren. Er war ein langjähriges treues Mitglied unseres Vereins, der zu den Gründungsmitgliedern zählte. Durch die Teilnahme an vielen Begegnungen und sein Interesse an unseren Veranstaltungen zeigte er, dass ihm die Arbeit des Heimatvereins nicht gleichgültig war. Er hinterließ uns aus seiner Schuhmacherwerkstatt Werkzeuge, Maschinen und Leisten, die im Fundus unseres Museums Aufnahme fanden. Sie sollen eines Tages Bestandteil bei der Darstellung einer Schuhmacherwerkstatt sein. Hierfür und für seine Vereinstreue sind wir ihm zu großen Dank verpflichtet. WB

Die Technische Abteilung informiert. von Helmut Seemann Die Technische Abteilung, mit Peter Spach als Organisator, besteht zur Zeit aus 12 Personen. Die Gruppe war auch besonders zur 850 - Jahr Feier, bei den beiden Bissendorfer Heimattagen und der Anfertigung und Montage der Geländer um die Holter Burgruine aktiv. Die Hauptaufgabe der Abteilung, ist aber die Restauration von landwirtschaftlichen Geräten und Maschinen. Bis zum 30.03.10 wurden alle gesammelten Utensilien vom Hof Heckmann in Himbergen umgelagert. Sie wurden an mehreren Orten innerhalb der Gemeinde verteilt. Viele hilfsbereite Bürger haben uns Räume für die vorübergehende Einlagerung zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns dafür! Der Heimat - u. Wanderverein hat in Natbergen auf dem Hof Eickhoff, Lüstringer Str. 31, Räume für einen neuen Museumshof angemietet. Doch bevor die vielen gesammelten und gespendeten Geräte und Maschinen dort alle untergebracht werden können, werden die einzelnen Räume von den Mitgliedern der Technischen Abteilung renoviert. Die Arbeiten

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werden hauptsächlich an jedem Dienstagnachmittag durchgeführt und sind inzwischen kurz vor dem Abschluss, so dass mit dem Einrichten angefangen werden kann. Im Erdgeschoss, wo sich die Stallungen befanden, wird die Restaurationswerkstatt eingerichtet. Dafür wurden die Viehboxen entfernt und ein neuer Botonfußboden eingebracht. Die Ausstellungsräume befinden sich im Bodenraum über den ehemaligen Stallungen. Hier war sehr viel Restaurationsarbeit erforderlich. Das Dach wurde abgedichtet, ein Teil der Fußböden einschließlich Balken erneuert, Mauerdurchbrüche waren erforderlich, neue Türen wurden angefertigt, Dachschrägen hat man mit Spanplatten verkleidet und Lampen installiert. An der Giebelseite ist ein Kettenzug angebracht, um schwere Teile zu bewältigen. Wir hoffen, dass wir im Laufe des nächsten Jahres schon einen Teil unseres Museums präsentieren können.

Das neue Domizil in Natbergen

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Ohne Fleiß kein Preis

Liebesjahre In diesem Beitrag sollen nicht etwa die Liebesjahre eines unserer Mitglieder oder des Vorstandes offen gelegt oder untersucht werden, sondern es handelt sich schlicht und ergreifend um den Titel eines Fernsehfilms, der dieser Tage in einem Bauernhaus in Belm-Haltern gedreht wurde. Der Film ist u.a. mit der namhaften Schauspielerin Iris Berben besetzt. Was hat das nun alles mit unserem Verein zu tun. Kurz und gut: Es kann gesagt werden, dass im wahrsten Sinne des Wortes Teile unseres Vereins in dem Film mitwirken. Auf der Suche nach geeigneten Requisiten rief

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eine Angestellte der Filmproduktionsfirma bei Peter Spach an und bat um Unterstützung. Das zeigt uns, dass unser Verein in Filmkreisen schon ein Begriff ist. Es wurde ein Natbergen ein Treffen vereinbart und die Requisiteurin suchte sich aus unserem Fundus für historische landwirtschaftliche Geräte geeignete Stücke heraus. Sie sollten dem Bauernhof ein gewisses alt wirkendes Flair verschaffen. Und so wanderten von der Holzegge über eine eiserne Sackkarre bis hin zu simplen Eichenbretter insgesamt 20 verschiedene Teile zum Filmort. Sie wurden gegen einen kleinen Obolus pünktlich und unbeschadet wieder zurückgebracht. Ein Blick hinter die Kulissen gelang Peter Spach leider nicht mehr, weil die Szenen auf die es ankam bereits frühzeitig im Kasten waren. Freuen wir uns auf den Ausstrahlungstermin, der leider noch nicht feststeht. WB

Heimatverein auf dem Holter Weihnachtsmarkt Auch in diesem Jahr ist der Heimatverein wieder für einen guten Zweck mit einem Stand auf dem Holter Weihnachtsmarkt vertreten. Anette Osterheider-Türke verkauft handgefertigte Schals, Tücher und handgemalte Karte aus Kenia, um damit ein Schulprojekt in diesem armen Land zu ermöglichen. Josefa Sauert bietet hochwertige Handarbeiten aus Leinen sowie praktische Topflappen feil, womit sie das Kinderhospiz in Osnabrück unterstützt. Peter Spach ist wieder mit seiner Dosenverschlussmaschine da und dost Geschenke ein, die unter den Gabentischen in ihrer Originalität sicher für die eine oder andere Überraschung sorgen könnten. Den Erlös erhält der Heimatverein. WB

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Hochwasser W. Bruns In der Nacht des 27. August 2010 heftiges Sturmklingeln an meiner Haustür. Schlaftrunken begab ich mich zur Tür, wo meine nächsten Nachbarn entrüstet auf mich einredeten: „ Wir kämpfen um unser Leben und Du schläfst seelenruhig den Schlaf des Gerechten!“ Wie, wo, was?“ meine hilflose Entgegnung. Na, schau mal in deinem Keller nach. Hast du denn kein Wasser im Keller? Deine Nachbarn stehen knietief im Keller in einer braunen Brühe und du merkst nichts!“ Ein Blick übers Kellergeländer auf ein merkwürdiges Glitzern und einen nachgedunkelten Läufer ließ mich Böses erahnen. Und richtig. Auch ich hatte Wasser im Keller, konnte mich aber noch glücklich schätzen, weil ich mit 2 cm Wasserhöhe noch glimpflich davongekommen war. Was war geschehen: Dauerregen des Tiefs Cathleen von über 150mm auf den Quadratmeter hatte tagelang den Boden so durchtränkt, so dass er nicht mehr aufnahmefähig war. Verschlimmernd kam hinzu, dass viele Äcker bereits abgeerntet waren. Besonders im Wassereinzugsgebiet des Holter Mühlenbaches mit seinem bergigen Relief und als Erosionsgebiet bekannt, hatte das bei uns zur Folge, dass der Bach in seinem engen begradigten und verbautem Korsett über die Ufer trat. Ein rechtwinklig gebauter Bachverlauf, Durchlässe, die für ein Jahrhunderthochwasser von anno Tobak gebaut waren und viel zu eng bemessene Verrohrungen taten ein Übriges, um den Bach ausufern und die Keller voll laufen zu lassen. Die Anwohner der Stralsunder Str., Greifswalder Str. und des Weidenwegs können ein Lied davon singen. Bereits 2007 hatte Kyrill sie heimgesucht und übel mitgespielt. Aus dem sommertags harmlosen Gerinne war dieser Tage ein reißender Bach geworden, der alles mit sich riss, was sich ihm in den Weg stellte. Grasfänge vor den Durchlässen waren im Nu verstopft. Der Sonnensee als Regenwasserauffangbecken konzipiert und als See bezeichnet, war bis zum Überlaufen voll und lief auch über, weil eine mechanische Regulierung am westlichen Auslauf bei Hochwasserstand nicht möglich ist. Um den Wasserspiegel abzusenken, müssen am

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Auslauf manuell Bohlen herausgenommen werden, was beim Druck des Hochwassers unmöglich erscheint. Ein quer gestelltes Brett sollte zudem den Zulauf zum See unterbinden, was nur unzulänglich gelang. Der Sportplatz musste letztlich als Retentionsraum herhalten und soff ab. Die gleiche Szenerie beim Rosenmühlenbach, der größtenteils in Rohren am See vorbei geführt wird. Irgendwo an der Wissinger Str. vereint er sich unterirdisch mit dem Holter Mühlenbach und dem Auslauf des Sonnensees. Im Rosenmühlenbruch bildete sich eine Seenplatte, mit Ausmaßen, die ich bei den vergangenen Hochwasserereignissen bisher nicht gesehen habe. Straßen waren in Natbergen durch Überflutungen unpassierbar geworden und Einzelhäuser ragten in den Wassermassen verinselt heraus.

Regenwolken und Hochwasser im Hasetal bei Wissingen 2007

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Überflutete Straße am Rosenbruchweg Weitaus schlimmere - man kann schon sagen dramatische Verhältnisse waren in Wissingen zu beklagen. Der Name Wissingen ist mit Wiesensiedlung zu deuten. Bekanntlich liegen Wiesen meist an den Auen von Flüssen und Bächen und dadurch an tiefer gelegenen Stellen. An der Bahnhofstraße, deren Bebauung jüngeren Ursprungs ist, kann man deutlich sehen, wie sich die Bebauung Wissingens immer weiter ins Wiesenland vorschob. Das alte Wissingen lag dagegen hoch und weitab der Niederung. Man wusste weswegen. Kurz vor der Mündung der Wierau in die Hase liegen die neuralgischen Punkte. Einmal macht sich der

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Rückstau der übervollen Hase bemerkbar und zum anderen wurde die Bahnbrücke zu einem Engpass. Das angestaute Wasser der Wierau uferte aus und gelangte über Straßenseitengräben zur Bahnhofstraße. Hauptproblem dürfte aber dabei die Hase sein, die weit zurück staut, weil sie Osnabrück nicht ungehindert auf schnellstem Wege passieren kann. Osnabrück darf sich glücklich schätzen, dass oberhalb der Stadt in Bissendorf Wiesen ein Überschwemmungsgebiet und Retentionsraum bilden, die eine Überflutung der Stadt verhüten. Nur dieses Mal hat es nicht ganz gereicht und Osnabrück wurde ebenfalls betroffen, so dass Katastrophenalarm ausgelöst werden musste. Glücklicherweise waren Menschleben nicht zu beklagen. Dafür entstand aber ein Schaden, der in die Hunderttausende ging.

Haus in den Fluten bei Natbergen

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Viel Hoffnung, gegen ein Jahrhunderthochwasser wie dieses hundertprozentig gewappnet zu sein oder jemals zu werden, räumte Bürgermeister Halfter der Bevölkerung nicht ein. Er versprach angesichts dieses Jahrhundertereignisses, gemeinsam mit Fachleuten der Unteren Wasserbehörde eine Optimierung zu erarbeiten. Außerdem sollen Ideen und Verbesserungsvorschläge zur Hochwasservorsorge gesammelt werden. Die Wetterkapriolen der vergangenen Tage und Wochen bestätigen die Modellrechnung der Klimaforscher, dass Mitteleuropa tendenziell in Zukunft mit milderen Wintern und heftigeren Stürmen und Regenfällen zu rechnen habe. Angesichts dieser klimatischen Veränderungen müssen alle Hochwasserkonzepte auf den Prüfstand. Manchmal entscheiden wenige Zentimeter über die Wirkung von sinnvollen Schutzmaßnahmen. Bei einem Gewässerforum am 4. Oktober in Hildesheim betonte der für den Hochwasserschutz in Nds. zuständige, umstrittene Umweltminister Sander, dass die Kommunen nicht länger mit dem Finger auf das Land Nds. zeigen sollten, wenn es um den vorbeugenden Hochwasserschutz vor der Haustür gehe. Die Kommunen sind Träger der Bauleitplanung und sind erste Anlaufstelle für den Bürger, wenn es um geeignete Vorsorgemaßnahmen und Verhaltensregeln geht. Seit März 2010 gilt die in nationales Recht umgesetzte EGHochwasserrisiko-Managment-Richtlinie auch in Niedersachsen. Das bedeutet, dass diese jetzt schrittweise umgesetzt werden soll. Bis Ende 2011 sollen die Risikogebiete erfasst und bis 2015 Risikomanagmentpläne erstellt worden sein. Bestandteil dieser Pläne sind Hochwassergefahrenkarten und Risikokarten. Diese Karten müssen bis 2013 durch das NLWKN (Nds. Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küstenund Naturschutz) fertig gestellt sein und nach Brüssel gemeldet werden. Dann gibt es da noch die EG-Wasserrahmenrichtlinie, die besagt, dass bis 2015 die Gewässer in einen naturnahen Zustand zu versetzen seien. Davon, dass diese Richtlinie ernsthaft in Nds. umgesetzt wird, merke ich noch nicht viel. „Na, dann plant man schön!“

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Wenn die Klimamodelle der Wissenschaftler sich bewahrheiten, seien die aktuellen Überschwemmungen nur ein Vorgeschmack auf künftige Fluten. Sie fordern eine gründliche Abkehr und Revision der verfehlten Hochwasserpolitik der letzten 150 Jahre. Bachtäler und Flussauen wurden verbaut, Flüsse und Bäche begradigt, natürliche Überflutungsgebiete für Landwirtschaft, Siedlungen und Gewerbegebiete trocken gelegt und versiegelt. Sie prognostizieren, dass massive Fehler in der Bauleitplanung und der Landnutzung sowie Versäumnisse im Hochwasserschutz immer häufiger zu katastrophalen Fluten führen werden. Angesichts des für Bissendorf durch die Flutkatastrophe augenfällig gewordenen Desasters, gehören alle Planungen, die eine größere Versiegelung nach sich ziehen, auf den Prüfstand. Mir kommen Zweifel und ich kann mir nur sehr schwer vorstellen, dass die Mehrheitsfraktion und der Bürgermeister (sein persönlicher Einsatz bei der Flut in allen Ehren) da ran gehen werden. Es wurden ihnen in Sachen Flächenfraß und Versiegelung jetzt klare Grenzen aufgezeigt. Ein „Weiterso“ wäre grob fahrlässig. Der Entwicklungsplan der Gemeinde Bissendorf sollte daher schnellstens überarbeitet werden. Er ist für meine Begriffe in Teilen nur noch Makulatur. Dank an dieser Stelle allen Feuerwehrleuten und freiwilligen Helfern, die uneigennützig und ehrenamtlich bis an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit gegangen sind und daher ein besonderes Lob verdient haben. Vielerorts hat sich eine intakte Nachbarschaftshilfe bemerkbar gemacht. Not schweißt zusammen. Bedenklich erscheint mir bei der ganzen Sache, dass ähnlich, wie es bei Kyrill 2007 der Fall war, sich wieder ein Schleier des Vergessens ausbreitet - und zur Tagesordnung übergegangen wird. Das können wir uns eigentlich nicht mehr erlauben.

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Aus der Lebenswelt der Bauerschaft Im letzten Heft wurde an dieser Stelle zum ersten Mal eine steuerliche Abgabe mit dem Namen Rauchschatz vorgestellt. Hier nun geht es wieder um eine Abgabe (Last), mit der der Bauer der Feudalzeit belastet war.

Der Zehnt M. W. Staub Wenn von Steuern und Abgaben des Bauern zur Zeit der Lehnsherrschaft gesprochen wird, fällt zuerst fast immer der Begriff „Zehnt, der Zehnte od. Zehend“, auch lat. „decima“, niederdeutsch „Tegend od. de Tegende“. Wir hören von Zehntscheunen, vom Blutzehnt, dem großen und dem kleinen Zehnt. Der Zehnt war eine Abgabe, die – wie der Begriff schon anzeigt – den zehnten Teil von einem Wert bedeutet. Der Begriff begegnet uns als Abgabe mehrfach im alten Testament. Jakob macht nach seiner Nacht in Bethel (auf der Flucht vor seinem Bruder Esau), nachdem Gott ihm im Traum Erfolg und lebenslange Fürsorge versprochen hat, folgendes Gelübde: „Wenn Gott mit mir ist und ich auf diesem Weg, den ich eingeschlagen habe, behütet, wenn er mir Brot zum Essen und Kleider zum Anziehen gibt, wenn ich wohlbehalten heimkehre in das Haus meines Vaters und der Herr sich mir als Gott erweist, dann soll der Stein, den ich als Steinmal aufgestellt habe, ein Gotteshaus werden und von allem, was du mir schenkst, will ich dir den zehnten Teil geben.“ 1 Jakob sagt damit, dass er den zehnten Teil von allem seinem Gott opfern wird. Damit ist der Zehnt eine Opfergabe. Als solche Opfergabe wird er an anderen Orten des alten und neuen Testaments mehrfach genannt. Als Opfer ist der

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Genesis 28, Vers 20; zitiert nach : Die Bibel, Einheitsübersetzung, Freiburg, Basel, Wien, gedruckt 2002,

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Zehnt in der Tradition der Israeliten ein heiliges Gut, das, wie wir noch sehen werden, nicht mehr der Verfügungsgewalt des Menschen unterliegt. Unter dem Reformkönig Hiskia wird deutlich, dass der Zehnt eine Leistung zur Versorgung der Leviten (der Priester) geworden ist. „Sobald der Befehl (des Königs Hiskia) bekannt wurde, brachten die Israeliten die Ersterträge von Getreide, Most, Öl, Honig und allen Früchten des Feldes reichlich herbei und lieferten den Zehnten von allem vollzählig ab.“ Und der Oberpriester Asarja: „Seitdem man begonnen hat, die Abgaben in das Haus des Herrn zu bringen, haben wir zu essen, werden satt und lassen noch reichlich übrig; denn der Herr hat sein Volk gesegnet.“2

Die Übernahme (Rezeption) einer alttestamentlichen (jüdischen) Tradition durch das Christentum Zur Unterhaltung der Priester und zur Versorgung der Armen war der Zehnt offenbar im 5. Jahrhundert schon im Reich der Römer als freiwillige Abgabe unter Christen üblich geworden und als gute Regel aus dem alten Testament übernommen.3 Im Frankenreich soll er von dem Hausmeier Karl Martell als Kirchensteuer eingeführt worden sein. Als Grund wird genannt, dass Karl Martell zur Finanzierung der Kriegskosten für die Abwehr der Araber (Schlacht bei Tours und Poitiers) das Kirchengut einziehen ließ. Zum Ausgleich für diesen Verlust wurde zur Unterhaltung der Priester der Zehnt verbindlich eingeführt als ein „in Vergessenheit geratenes Gottesgesetz“.4 Am Anfang war es also der Pfarrherr, dem der Zehnt als Gegenleistung für den priesterlichen Gottesdienst und das Austeilen der Sakramente zustand. Damit wurde auch der Pfarrzwang begründet.

2

2. Chronik, 31, Vers 4 bis 10, a a siehe dazu den Artikel „Zehnt“ in Wikipedia! 4 ebenda 3

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Nach der Lage des Gutes, von dem der Zehnt geleistet werden musste, gehörten die Bewohner immer zu der Pfarrstelle, die zur Hebung des Zehnten von dieser Stätte berechtigt war.

Zehntbesitz im Osnabrücker Land Im Lande der Sachsen aber konnte die Steuer wohl erst allmählich mit der Missionierung wirksam werden. Der Zehnt stand deshalb der Kirchenorganisation zu, die missionierte, also die Sachsen zum Christentum bekehrte. Das könnte der Grund dafür gewesen sein, dass nun kirchliche Organisationen (Bistümer, Klöster, Stifte) großen Zehntbesitz erwerben konnten. Wohl deshalb hatte das Kloster Corvey einen großen Zehntbesitz im Osnabrücker Land. Dieser Besitz kam durch Urkundenfälschung erst unter Bischof Benno II. (1068 – 1088) an den Bischof von Osnabrück. Pfarrkirchen hatten hier nur selten Zehntbesitz. Der Pfarrherr hatte in der Regel die Wehme (den Wamhof), die ihm ein auskömmliches Dasein gewährte. Über den größten Zehntbesitz verfügten bei uns Bischof und Domkapitel. Der Bischof vergab Zehnte an neu gegründete Klöster, um deren Versorgung auf eine breitere Basis zu stellen und an die Stifte, wie das neu gegründete St. Johann, das wohl einen Missionsauftrag hatte.

Wer war zehntpflichtig? Karl der Große führte 785 den Zehnt als Kirchensteuer für jedermann (also auch für den Adel) in allen Teilen seines erheblich größeren Reiches ein; also auch bei uns im Sachsenlande. Es wurde festgelegt, dass der Zehnte von allen Einkünften des Königs, dem Vermögen und der Arbeit der Adligen, der Freien und der Halbfreien geleistet werden musste.5 Auch Klöster waren 5

Nach Aug. Suerbaum: Der Zehnte im Landkreis Osnabrück vom späten Mittelalter bis zur Ablösung, in OM, 70. Band, S. 24 ff. Dieser Aufsatz kann als grundlegende Information über den Zehnt im Osn. Land gelten.

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zehntpflichtig. Damit hielt man sich ganz offensichtlich an die Vorbilder aus dem alten Testament. (Siehe oben!) Der Adel verstand es, sich sehr schnell von der Zehntpflicht zu lösen. Er musste den Zehnt als Eingriff in sein Steuerprivileg verstehen und er hatte als Kriegerkaste die Macht, dies zu ändern, spätestens dann, wenn sein Schutz von der Kirche gebraucht wurde. Die handwerkliche Warenproduktion z. B. der Schmiede, Drechsler und Schuhmacher wurde mit dem Zehnt offenbar nicht belastet. Bei den Bergwerken gab es den Bergwerkszehnt. Man vermutet, dass mit dem Aufkommen einer größeren Warenproduktion durch Handwerk und Gewerbe der Charakter des Zehnten als einer Kirchensteuer schon verloren gegangen war und er deswegen nicht auf sie ausgedehnt wurde.6 Zehntpflichtig waren letzten Endes nur die Hörigen, vergleichbar mit den (bei Karl dem Großen genannten) Halbfreien und die freien Bauern. Da freie Bauern seit dem Spätmittelalter eine Ausnahme waren (z. B. die Wetterfreien), betraf die Zehntpflicht eigentlich nur den hörigen erbberechtigten Bauern. Bei bestimmten Anlässen wurde auch von den Geistlichen ein Zehnt erhoben. So geschehen beim Türkenzehnt, der als einmalige Abgabe zur Bekämpfung der Türkengefahr gehoben wurde. Nach der Eroberung von Konstantinopel (1453) sah man die Türken als eine Bedrohung der gesamten Christenheit an. Der Bissendorfer Pastor Hermannus gibt dazu 16 Mark. Dieser Betrag ist sehr hoch und dürfte nicht von den Einkünften der Pfarre allein gezahlt worden sein. Er wird den Auftrag gehabt haben, den Zehnt der Kirchengemeinde einzusammeln und abzuliefern. Was wurde gehoben? Der Zehnt war im Verlauf des Mittelalters zuerst eine reine Naturalabgabe. Der Geldumlauf war klein und unbedeutend. Der Silberpfennig (Denar) war seit Karl dem Großen durch die Prägungen aus dem Schatz der Awaren auch unter der Landbevölkerung in größerem Umlauf, hatte aber erst im Hochmittelalter eine wirtschaftliche Bedeutung. Da es eine obrigkeitliche Finanzkontrolle nur

6

So vermutet bei Suerbaum, a.a.O.

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in sehr begrenztem Umfang gab, war es schwer, Einnahmen an Bargeld zu bemessen. Der zehnte Teil von den Feldfrüchten, hauptsächlich von Gerste, Hafer und Roggen (Weizen wurde bei uns in Westfalen erst spät zu einer gängigen Getreideart), musste vom Berechtigten, vom Zehntherrn beim Zehntpflichtigen gehoben (ausgehoben = eingeholt) werden. Er wurde der große Zehnt, oder auch Zugzehnt (von selber ziehen) oder Fruchtzehnt genannt. Daneben gab es den kleinen Zehnt (decima minor), auch Butzehnt (blotige Tegende), Schmalzehnt oder Viehzehnt genannt. Er bestand aus dem zehnten Teil der neugeborenen Tiere (Kälber, Ferkel, Lämmer, Hühner, Gänse). Ihm wurden auch die Abgaben von den Erzeugnissen des Gartens zugerechnet, als da waren hauptsächlich Erbsen und Bohnen, die als Grundnahrungsmittel anzusehen waren. Mit Imkerei beschäftigte Hörige gaben den Wachszehnt, der für die Kerzenproduktion bedeutsam war. Überhaupt gab es immer wieder besondere Zehntleistungen, die mit der Wirtschaftsführung einer Bauernstätte in Verbindung zu bringen waren. Vom neu gerodeten Land gab man den Neubruchzehnten (auch Rottzehnt). Er war oft gering bemessen, geringer als der zehnte Teil der Feldfrucht. Nur so konnte man Anreize schaffen zur Rodung. Der Zehnt war eine Abgabe, die in ihrem Umfang abhängig war vom tatsächlichen Ertrag, und die deshalb immer „gerecht“ bemessen wurde, im Unterschied zu den anderen Abgaben des Bauern, deren Maß gleich bleibend war, also nicht von guter oder schlechter Ernte abhängig gemacht werden konnte. Wenn wir die Belastung ermessen wollen, die diese Abgabe für den Bauern bedeutete, müssen wir bedenken, dass der Ernteertrag bei der mittelalterlichen Wirtschaftsweise bedeutend kleiner war als heute. Geerntet wurde in der Regel das Dreifache des ausgesäten Getreides (nach Stüve, bei guten Böden mehr, insgesamt abhängig von der Bodenqualität). Ein Drittel des Ernteertrages wurde davon also wieder bei der nächsten Aussaat gebraucht. Von den restlichen zwei Dritteln ging mindestens eines als Pachtzahlung an den Grundherrn. Es blieb also nicht viel übrig für die Unterhaltung der Familie des Bauern. Damit war der Zehnt schon eine empfindliche Reduzierung des

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Gewinns. So lange wie er als Beitrag zum Wohle der Kirche und damit auch zur Beförderung für das eigene Seelenheil erklärt werden konnte, durfte der Zehntzieher mit dem Wohlwollen des Bauern rechnen. Der Verfall der Bedeutung des Zehnten als Kirchensteuer. In Zeiten der Not war mancher kirchliche Zehntherr gezwungen, seinen Zehntbesitz im wahrsten Sinne des Wortes zu „versilbern“. War es am Anfang eine Verpfändung, so wurde daraus leicht ein richtiger Verkauf, wenn eine Einlösung des Pfandes auch nach Jahren nicht möglich war. Pfandleiher und Käufer waren oft vermögende Laien aus Adel und Bürgertum. Der Zehnt wurde auf diese Weise seiner Bedeutung als einer Abgabe an die Kirche entfremdet, sein ursprünglicher Zweck war nicht mehr erkennbar. Er wurde zu einer lästigen Abgabe wie alle anderen Abgabepflichten auch. Der Zehnt war damit ein handelbares Gut geworden. Reineke von Bissendorf zum Beispiel „versetzte“ den Zehnten von Borgloh an das Kloster Gertrudenberg, als er in eine schwierige wirtschaftliche Lage geriet. Die Hebung des Zehnten Ein Problem für den Zehntherrn wie auch für den Pflichtigen war die Hebung ( auch das „Ausnehmen“) des Zehnten. Der Zehntherr musste seinen Zehnt selbst (durch Bedienstete) ausnehmen. Das geschah auf dem Getreidefeld. Das gemähte Getreide wurde von der bäuerlichen Hofgemeinschaft zu Garben gebunden und in Stiegen zum Trocknen aufgestellt. Hier auf dem Feld nun hatte der Zehntzieher (der Tegeder) jede zehnte aufgestellte Garbe aus den Stiegen auszunehmen. Er durfte von der Reihenfolge nicht abweichen und musste auch mit etwas dünner gebundenen Garben einverstanden sein. Der Zehntherr hatte für die Hebung des Zehnten Fuhrwerk, Bedienstete und eine Lagerungsmöglichkeit vorzuhalten. Das war für ihn nicht selten schwierig, denn Erntezeit des Bauern war auch Erntezeit für die Gutswirtschaft des Zehntherrn, in die seine Bediensteten eingebunden waren. Der Bauer aber durfte sein Getreide nicht vor der Ziehung einfahren, hatte also auf die Ziehung zu warten. Da Nachrichten nur durch Boten befördert werden konnten, lässt sich denken, dass auch dadurch ein geregelter Ablauf erschwert wurde.

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Wer in der Landwirtschaft tätig ist oder war, weiß um die Gunst des guten Wetters für die Ernte. Konnte nun der Zehntherr den Zehnt nicht rechtzeitig nach der Mahd heben, hatte der Bauer dabei unter Umständen schlechtes Wetter zu erwarten, so lässt sich denken, wie sehr der zehntpflichtige Bauer davon betroffen war und wie sehr er dem Zehntherrn in diesem Falle zürnte. In manchen Gegenden galt diese Regel: Nach dreimaliger Benachrichtigung kann der Bauer die Ernte einfahren und den Zehnt auf dem Felde zurücklassen. Er muss weiterhin dafür Sorge tragen, dass er bewacht wird.

In Hocken aufgestelltes Getreide vor der Dr. Schröder Stiftung Das Domkapitel und der Bischof hatten zuerst bestimmte Haupthöfe, an die die Abgaben gehen konnten. Ein solcher Haupthof war der Hof Sudhoff in Darum. Tegeder in Stockum könnte als Zehntzieher tätig gewesen sein, denn dieser Hof war dem Haupthof zugeordnet. Die Organisationsform über Haupthöfe hatte man schon im Spätmittelalter aufgegeben.

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Zehntscheunen wurden von den Zehntpflichtigen nicht geliebt. „1590 steckte der Meyer zu Hörste die Zehntscheune des Klosters Iburg in Aschendorf in Brand. Er wurde dafür auf dem Scheiterhaufen verbrannt.“7 Der Aufwand, mit dem die Hebung des Zehnten verbunden war, wurde im Verhältnis zum Ertrag immer dann sehr hoch, wenn er bei Einzelhöfen gehoben wurde oder wenn das Zehntkorn über weite Strecken transportiert werden musste. Da wog der Wert des Dienstes von Fuhrknechten und Fuhrwerk zu schwer im Verhältnis zum Wert des Zehntkorns. Bedienstete mussten vom Zehntherrn mit Speise und Trank versorgt werden. Die Zugtiere brauchten Futter. Das alles verzehrte einen Teil des Zehnten, der einzuziehen war. Da war es eine große Erleichterung, wenn der Zehnt in eine Geldzahlung umgewandelt wurde. Das aber konnte nur in gegenseitigem Einvernehmen geschehen und geschah meistens erst im Hochmittelalter, als Münzgeld in größerem Maße in Umlauf kam. Häufig wurde der Zehnt an die Pflichtigen gegen eine Geldzahlung verpachtet, wobei die Summe für den Pächter günstiger war, als die Ziehung auf dem Felde. Die Ablösung des Zehnt wurde als Zehntlöse bezeichnet. Bischof und Domkapitel begannen als erste mit der Umwandlung des Zehnten ihrer Zehntpflichtigen gegen eine Geldzahlung. „Sie hatten dazu noch einen weiteren Grund (außer dem der Mühen bei der Ziehung auf dem Feld). In den ersten Jahrzehnten nach der Christianisierung galt nämlich noch die Bestimmung, dass die Erträge von Zehnten, die nicht selbst verbraucht wurden, nicht verkauft werden durften, sondern den Armen gegeben werden mussten.“ 8 Geld war eben leichter zu verbrauchen. Für einen Scheffel Hafer berechnete man 1295 ganze 2 Pfennig (Silber). Für den Scheffel Roggen gab man 100 Jahre später 3 Pfennige. Wenn der Zehnte 20 Scheffel Korn betrug, von dem eine Hälfte aus Roggen und die andere aus Gerste und Hafer bestand, so waren das 50 Pfennige oder umgerechnet 4 Schillinge und 2 Pfennige, die vor dem Jahre 1500 als jährliche Zehntlöse von einem Hof durchschnittlicher Größe gegeben wurden.

7 8

zitiert nach Suerbaum, a.a.O. S.31 zitiert nach Suerbaum, a.a.O. S.32

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Mancher Zehntherr bemerkte nun im Laufe von Jahrzehnten, dass er sich mit der Zehntlöse um einen Teil seiner Einkünfte gebracht hatte. Die Zehntlöse aber ließ sich nicht mehr in eine Naturalabgabe wandeln Die Inflation im 16. Jahrhundert hatte dafür gesorgt, dass der Warenwert erheblich größer geworden war als die vereinbarte Geldsumme.9 Das ungeschriebene Gesetz des „alten Herkommens“, das ein solch großes Gewicht hatte, dass es unantastbar war, ließ eine Erhöhung der Geldzahlung nicht zu. Die Zehntlöse war eine feste Abgabe für alle Zeiten. Darum wurden später (nach der Erfahrung der Inflation) Zehnte für die eine Geldzahlung vereinbart war, in einem Vertrag als Pacht zeitlich begrenzt. Nach Vertragsablauf konnte manch ein Kloster und manch adliger Grundherr die Zehntzahlung wieder in eine Naturalabgabe umwandeln.

16 Erwachsene bei der Getreideernte (8 Mäher und 8 Binderinnen) Die Garben werden in Hocken oder Stiegen zum Trocknen aufgestellt.

Im nächsten Heft: Der Zehnt in den Bissendorfer Bauerschaften 9

Grund der Inflation war der Import von Gold und Silber aus der Neuen Welt

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Aus der Zeit des "Dritten Reiches" 4 Von K.- H. Schröder Mit verschiedenen alten Zeitungsartikeln aus der Zeit des Nationalsozialismus möchte ich bei den älteren Lesern Erinnerungen wecken und den jüngeren Lesern einen kleinen Einblick in die damalige Zeit geben. In diesem Beitrag geht es um die Verpflichtung der Zehnjährigen Jungen und Mädel auf den Führer. Der Aufruf erschien am 25. 2.1940 Wurde in diesem Aufruf im Jahre 1940 noch um das

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Verständnis und den guten Willen der Eltern geworben, so hieß es ein Jahr später, am 27.1.1941, dass der gesetzliche Vertreter zur Anmeldung des Jugendlichen verpflichtet ist.

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Buchbesprechung

Paul-Walter Wahl, Handel, Handwerk und Gewerbe im alten Kirchspiel Schledehausen oder auch: Vom Wert der Erinnerung Viele Bissendorfer kennen Paul-Walter Wahl als Heimatkundler, der mit den Nachtwächterführungen in Schledehausen begonnen hat und Vorbild wurde für die Nachtwächterführungen in Osnabrück, haben vielleicht auch von seinen Dokumentationen über Ellerbeck, über den Flachs und die kath. Gemeinde Schledehausen gehört. Paul-Walter Wahl hat nun ein Buch veröffentlicht, das sich mit dem Gewerbe und seiner Geschichte im Kirchspiel Schledehausen beschäftigt. Ein solches Buch hat es bisher in Bissendorf und auch im Umkreis von Bissendorf nicht gegeben. Umso größer ist das Verdienst um die Bewahrung der Bildund Sprachdokumente dieser Lebenswelt. Zunächst erklärt er, dass der Ausgangspunkt für seine Darstellung eine persönlich angelegte Sammlung von historischer Werbung war und geht dabei auf Veränderungen im Konsumverhalten der Menschen ein. Auch den Zünften, Gilden und Innungen ist ein Artikel gewidmet, wobei hier notwendigerweise auch die städtischen Verhältnisse dargestellt werden.

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Die Begrenzung auf das Kirchspiel Schledehausen ist dabei auch sonst durchaus nicht immer gegeben Wer in alten Akten sucht, findet dort eben auch Angaben über Aktivitäten in benachbarten Orten, wie z. B. über das Schürfen von Raseneisenstein in Stockum. Alte Dokumente sind oft schon wegen ihrer Originalität eine reine Augenweide. Auch die Ausdrucksweise der Schreiber bietet vielfach Anlass zum Schmunzeln. Die zeittypische Kuriosität der Sprache wird von P. W. Wahl dem Leser ganz besonders vermittelt. Zusammen mit den Werbemitteln und alten Fotos erzeugt das Ganze einen Charme, der einfach zum Blättern auffordert. Der Heimatkundler ist ja oft gleichzeitig Aufklärer und bestrebt, dem Leser das Handeln der Menschen in der Vergangenheit zu erklären. Auch bei P. W. Wahl ist diese Absicht an vielen Stellen wahrzunehmen, insbesondere dort, wo es um die Sprache geht. Wer an der Historie kein Interesse hat, wird ein solches Buch vielleicht kaufen, weil Verwandte oder Vorfahren hier auftreten. Für diesen oder für Heranwachsende mag die eine oder andere Sachklärung wichtig sein. Der interessierte Leser dagegen wäre bei manchen Themen auch mit einer kürzer gefassten Darstellung gut bedient. Viele Beiträge erlauben dem Kenner der Wohnplätze des Kirchspiels geradezu ein Eintauchen in eine vergangene Welt. Liebevoll werden die Läden vorgestellt, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch mit der Versorgung der Bevölkerung mit den Gütern des täglichen Bedarfs auf dem Lande beschäftigt waren. Auch die Schenkwirtschaften mit ihren bescheidenen Gasträumen gehören dazu. Die Werkstätten der Handwerker, die Schmiede und Schuhmacher, bei denen Kinder den Menschen bei der Arbeit beobachten konnten. Nur dem, der die Mitte des vorigen Jahrhunderts erlebt hat, ist diese Lebenswelt noch bekannt. Ganz allmählich und ohne großes Aufsehen sind die kleinen Läden, die Werkstätten und Wirtschaften verschwunden. Sie wurden ein Opfer der Konkurrenz, die in der Form

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des Supermarktes und der großen Handelshäuser auftrat. Und bei den Schenkwirtschaften war es wohl die Verbreitung des Fernsehens, die ihnen das Monopol als Unterhaltungs- und Nachrichtenraum streitig machte. Wer in dem Buch blättert, findet noch die Aussagen von Zeitzeugen, denn der Autor hat sich nicht auf eine datenbasierte sachliche Darstellung beschränkt. Dazu kommt die bildliche Darstellung der Geschäftslokale, die manch einen Leser erstaunt fragen lässt, wo er dieses Haus denn schon gesehen hat. Und dann versucht er sich zu erinnern, sich selbst zu befragen, ob denn das Haus noch an dieser Stelle steht, oder ob sich jetzt nur sein Äußeres geändert hat. Wenn es in der Nähe des Heimatortes lag, erinnert er sich an die beteiligten Personen, die bedient haben, an die Redewendungen, die sie gebrauchten. Die „romantischen“ Gefühle stellen sich ein. Das Buch bezieht seinen Reiz aber auch daher, dass mit ihm auf einen Prozess verwiesen wird, der von der veröffentlichten Geschichte kaum wahrgenommen wurde. P. W: Wahl selbst kommt aus einer Familie, die von diesem Wandel betroffen war. Neben aller nützlichen sachlichen Information verbreitet das Buch über seine Bilder den Charme der Nostalgie und allein schon deshalb muss man es empfehlen. M.W. Staub

Webstuhl gestiftet Das Ingenieurbüro Krabbe stiftete dem Heimat und Wanderverein einen gut restaurierten Webstuhl. Am Standort Natbergen, dort, wo auf dem Hof Witte/Eickhoff das Bauernhofmuseum entsteht, soll der Webstuhl ausgestellt werden. Schön wäre es, wenn auch an dieser Stelle einmal ein kenntnisreicher Weber den Webstuhl schüssig machen würde und den Besuchern die Arbeitsgänge vorführen könnte. M.W. St.

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Leider falsch – shit happens! Im Heft 22 (1 / 2010) wird im Anschluss an den Bericht über den Küster Graes auf S.14 eine Wappenabbildung gezeigt, die mit einer falschen Angabe versehen ist. Der Wappenstein zeigt – wenn auch sehr undeutlich – das Wappen des Bussche-Hünnefeldschen Stammlegats, also nicht das Wappen derer von Werpup, wie in der Bildzuschrift behauptet. Die von Werpup kamen aus dem lippischen Dienstadel und hatten das Gut Ullenhausen im Extertal als Lehen der Grafen von der Lippe, waren auch in Alverdissen (jetzt Barntrup) begütert. Der Anteil der Familie Werpup am Gut Bissendorf kam im Erbgang an Joachim Christoph von Lüderitz, der ihn 1685 an von Nehem/Sondermühlen verkaufte. Siehe dazu den Artikel „Die Ritter von Bissendorf“ in: Ein König in Bissendorf. M.W.St.

Der Zeppelin – vor 100 Jahren im Teutoburger Wald gestrandet M. W. Staub

Das Luftschiff war am Beginn des letzten Jahrhunderts das erste Fahrzeug, das einen praktikablen Transport von Menschen in der Luft versprach. Seine Größe allein beeindruckte die Menschen. Das erste Luftschiff, das Passagiere transportieren konnte, die LZ 7 mit dem Namen „Deutschland“ war ein riesiger Gasbehälter, an den ein Passagierraum, die Gondel, angehängt war. Für den Antrieb sorgten an den Seiten aufgehängte Motoren. Ihr Gewicht und das Gewicht der Kanzel sollten für eine Schwerpunktverlagerung nach unten sorgen. Am 28. Juni 1910 nun geschah ein Unglück, das die Schwächen dieses Luftfahrzeugs für jedermann offenbar werden ließ. Plötzlich einsetzender Sturm und Regen machten aus dem großen Flugkörper

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einen Spielball, der manövrierunfähig auf den Baumwipfeln des Limberges landete und zerbrach. Uns Bissendorfer verbindet etwas mit dem Zeppelin, von dem wenige bisher Kenntnis haben. Anton Richard, Gastwirt und Sammler von Kuriositäten besaß die Fahne des Luftschiffes und hat sie immer wie einen Schatz gehütet. Ein anderer Bissendorfer erwarb sie aus dem Nachlass. Sie ist inzwischen restauriert und in Averbecks Speicher in Glane neben anderen Relikten vom Zeppelinabsturz zu besichtigen.

Fahne in derzeitigem Zustand. Die Nikotindämpfe der Gastwirtschaft Richard bewirkten die Gelbfärbung.

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Grootstadt In de Grootstadt dör de Straten jachtert Minschen hen un her. Op un dal, de Schullern weegt sik at de Bülgen op dat Meer. Mittenmang dar suust de Autos Füerwehr un Stratenbahn. Geel, gröön, root blenkert de Lichter grote Biller gluupt mi an. För Vadder, Mudder un de Göör`n hangt Kleder, Büxen, Mantel, Jacken buten vör de Ladendöör`n bruuks blot`s düchtig totopacken. De Orgeldreiher speelt een Leed von Lust und Leid und Liebeswahn. Jüst gegenan dar sitt een Snurrer sien Oogen bedelt, un sien open Hann’. De Ruch van Braatwust, Koffi, Koken treckt in mien Nääs, wat rüükt dat goot kannst’t all op de Straten kopen. un vele Sorten lecker Broot. Ik sett mi dal, mutt mi vermunnern op ene Bank, mang Bloom un Gröön de Vagels singt, ik mutt mi wunnern ok een Grootstadt is nu schöön.

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Höhnergloven Karla Däbler-Bunje, Bissendorf „Mal wedder so`n recht moie Reise maken“, sinneert Tante Frieda, dar har`k woll Lust to. Fix hät se dat Wekenblatt to Hand, un ehr Finger gliddt över de Reklame van de Busreisen. Ehre Ogen blievt an ene Fahrt to ene Nordseeinsel behangen. Dat is so recht wat na ehre Mütz, veel Wind, veel Water un denn noch Sunnenschien, dat maalt se sik in Kopp moi ut. Frieda denkt: „ Ik fraag Anni mal of se mitföhrt.“ „Dat weer doch schöön, un denn hebb ik ok glieks in`n Hotel enen goden Bislöper“, denkt se. Se lett kiene Tiet verstrieken, sett`t sik op ehr Rad un besöcht Anni korterhand. Frieda verklaart ehr, wat se för een Reise för se beide utklamüüstert hät. Anni is ja Füer un Flamm un seggt geern to. Frieda maakt dat mit den Papierkram in`ne Reeg, un denn schall de Fahrt mit den Bus un dat Schipp in paar Weken losgahn. Frieda un Anni höögt sik al düchtig. An den Morrn, at de Reise losgahn schall, draapt de beiden Froons sik an den Bus. Se hebbt sik twüschendör ja paar Weken nich mehr to sehn kregen, un Frieda wunnert sik, datt Anni in de korte Tiet so breedt um`t Lief wurrn is un na ehren Dünken düchtig an Punnen toleggt hät. Se denkt sik: „Snack se dar man nich op an“, ik schall dar woll noch achterkamen.“ Anni lett sik op ehren Platz in`n Bus dalfallen un dar is nich mehr veel Bott för Frieda bleven, aver se denkt sik: „ Fett böögt bi“, un rakelt sik trecht. Hauptsaak is, se sitt`t binanner. Na`n ganze Tiet seggt Frieda: „ Anni, wat ruschelt dat jümmer so bi di?“ Se antert: „ Och wat, nu laat mi man.“ Ennelk kaamt se denn op de Insel in`t Hotel an. Se gaht op ehre Slaapstuuv un allns is moi op Steed. Nu freut se sik op de paar Daag de se hier tohoop sünd. At dat nu avends na`n Bett hengahn schall, is Frieda, de noch fix at so`n jung Minsch is , gau in ehr Bett kropen. Bi Anni geiht dat moi suutje to. Dat duurt un duurt, bit Frieda seggt: „ Anni wat büst du för`n ol`n Nödelmoors, nu gah doch liggen!“ Se antert: „ Nu laat mi man, dat bruukt al sien Tiet!“ Frieda fraagt wedder: „ Anni dat ruschelt wedder so bi di, wat is dat, wat ramenterst du dar?“ Anni swiggt un leggt sik ennelk in` t Bett. Annern Morrn steiht Frieda eder op at Anni un süht gegen dat Kleerschapp een groten Bült Zeitungspapeer liggen. Se wunnert sik düchtig un fraagt verdutzt: „Anni, nu verklookfidel mi mal, wat dat mit den Bülten Papeer op sik hät?“ Anni kickt so`n beten schaneerlich un antert: „ Wenn ik een Reise mit den Bus oder Fleger

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maak, ward mi jümmer so slecht in de Maag. Nu hett mi annerlest bi`n Koffiklatsch ene Fro vertellt, wenn een sik dat Lief ganz dick in Zeitungspapeer inwickelt, kriggt een unnerwegens kiene Wehdaag oder Bullern in Buuk un Rieten in Achtersten.“ „Nu segg is“, fraagt Tante Frieda un will sik bold dotlachen“, „hett de Höhnergloven hulpen?“ „ Wat schall ik di darto seggen“, meent Anni. „Ja, oder Nä”, „ik weet dat nich. Aver klöterig wurrn in Buuk is mi ja nich op de Fahrt!“

Olle Joar wiehe…! Elke Voltz „Mamme, wat is de Himmel sau raut?“ „ Dat sind de Engels. De backet dat Braut, dat is de Wiehnachtsmann, de backet denn Stuten, for oll de lütken Leckersnuten!“ Sau wörd us dat Aubenraut kott for Wiehnachten voklort. Et wör eeine schöne Tiet, as man noch sümmes an dat Christkindken glowte. Wenn wi Kinner sau aff un an öwer de Stränge schläugen, brukeden use Aulen nur seggen: „ Dat Christkind süht ollens,“ mett eeins wören wi dann ganz orig. Aubends mössen wi frouh to Bedde. Dat „Christkindken“ brukede use warmen Stuben ümme to neihen, to0 stricken un to basteln. Domols was ne`leige Tiet. Et geiw nix to kaupen. Et geiw keine Schokoladen, keine Bölkes und nigges Zucker. Wünske hadden wi ower auk. Ick konn sümmes nich schriewen, sau häwe ick usen Opa düssen Brief dikteert: Sünsebirke Dezember 1947 Mien bestet Christkindken! To Wiehnachten wünske ick mi eeinen grauten Dannenbaum. Neichstet Joar kurme ich to Schole. Dofor bruke ick eeinen Tornöster. Fo miene Puppen hadde ick sau gärden eein nihet Kleid. Wenn Du auk noch Handsken fo mi häs, dann will ich Di von Hatten dofor danken. Ick will auk jümmer orig sien. Diene Elke

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Beitrittserklärung Ich/wir trete/n dem Heimat- und Wanderverein Bissendorf e.V. bei O als Einzelmitglied O als Mitgliedsfamilie (zutreffendes bitte ankreuzen bzw. streichen, Kinder auf Rückseite vermerken) Name:

Ehepartner Name: am: Anschrift:

Vorname:

Vorname

geb. am:

geb.

Datum Unterschrift ----------------------------------------------------------------------------------------------Einzugsermächtigung per Lastschrift Hiermit ermächtige ich Sie widerruflich, die von mir zu entrichtenden Zahlungen wegen der Zugehörigkeit zum Heimat- und Wanderverein Bissendord e.V., den Jahresbeitrag in Höhe von 12,50 € bei Fälligkeit zu Lasten meines Girokontos Nr. -------------------------------------bei der -------------------------------------------------------Bankleitzahl :-------------------------------(Bezeichnung des Kreditinstitutes) durch Lastschrift einzuziehen.Wenn mein Konto die erforderliche Deckung nicht aufweist, besteht seitens des kontoführenden Kreditinstitutes keine Verpflichtung zur Einlösung. Name, Vorname, Anschrift________________________________________________ Ort, Datum: ___________________________Unterschrift

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Einladung zum

Heimatabend mit Grünkohlessen am Freitag, den 21. Januar 2011, 19 Uhr, im Landhaus Stumpe Neben dem guten und reichlichen Grünkohl wird wieder ein interessantes Programm geboten, - gewürzt mit viel Witz und Humor . Wie immer führt Manfred Straker launig und humorvoll durch das Programm Anmeldungen und Kartenverkauf bei Peter Spach Tel. 05402-1819, W. Bruns 05402-4729, Hubert Scheiter 05402-5698 und Fa. Schreibwaren Mentrup, Werscher Str. 7

*** 2010 konnten wir folgende neue Mitglieder begrüßen: Irmgard Kanke-Hellmann u. Claus Kanke mit Joschka; FranzHermann Falke u. Manuela Falke; Karla Joswig; Ingeburg Krause; Brigitte u. Wolfgang Lücker; Walter u. Barbara Böwer; Waltraut Hütter; Marianne u. Manfred Jauer; Josefa Sauert; Manfred Lückemeyer; Irmgard u. Kurt Ramthun

Wir trauern um Charlotte Gottschalk, Elli Depenthal, Harry Wagner, Maria Schmidt, Margitta Schütte, Hermann Hagemann und Hildegard Fischer.

Wie werden unseren Verstorbenen ein ehrendes Andenken bewahren

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