Den jungen Menschen den Rücken stärken - Realschule Edemissen

Den jungen Menschen den Rücken stärken - Realschule Edemissen

12 PEINER LAND PEINER ALLGEMEINE ZEITUNG SONNABEND, 19. JANUAR 2008 Den jungen Menschen den Rücken stärken Jeden Sonnabend stellt die PAZ die „Sch...

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PEINER LAND

PEINER ALLGEMEINE ZEITUNG

SONNABEND, 19. JANUAR 2008

Den jungen Menschen den Rücken stärken Jeden Sonnabend stellt die PAZ die „Schule der Woche“ vor. Heute: Die Realschule Edemissen, die eng mit der benachbarten Hauptschule zusammenarbeitet.

V ON K ERSTIN W OSNITZA Peine. „Die Realschule hat einen besonderen Stand, denn hier sind überwiegend Schüler, die zum Teil sehr leistungsstark sind, die aber in anderen Bereichen Schwächen haben. Darauf müssen wir uns einstellen“, erläutert Dr. Ernst Brandt, Rektor der Realschule Edmissen, die besondere Herausforderung an diese Schulform in ihrer Position zwischen Hauptschule und Gymnasium. Unterricht nach dem Gießkannenprinzip sei nicht angebracht, sondern er müsse individualisiert werden und die jeweiligen Stärken und Schwächen berücksichtigen. „Das läuft bei uns vor allem in den unteren Klassen schon sehr gut“, zeigt sich der Schulleiter zufrieden. Arbeitspläne für jeden Schüler seien ein Beispiel, oder die Möglichkeit, sich die Lektüre im Deutschunterricht nach persönlichem Interesse auszuwählen. „Das ist natürlich zunächst für die Lehrer scheinbar mit mehr Arbeit verbunden, doch langfristig erleben die Kollegen diese Art des Unterrichts eher als entlastend“, sagt Brandt, der vor rund drei Jahren nach Edemissen kam und hier für rund 460 Schüler und 23 Lehrkräfte verantwortlich ist.

Rund 460 Schüler der Klassen fünf bis zehn besuchen derzeit die Realschule in Edemissen. In jeder Jahrgang läuft dreizügig. Seine persönlichen Stärken festigen kann jeder Schüler unter anderem im Wahlpflichtbereich und bei vielen anderen Angeboten, angefangen vom Umweltprojekt bis hin zum Bläserklassenmodell in Kooperation mit der MSG Peine-Ilsede. „Aber wir müssen auch Möglichkeiten in schwachen Bereichen aufzeigen“, betont der Schulleiter. Durch das offene Ganztagskonzept gibt es zeitliche Spielräume, die für Förderunterricht genutzt werden können. Ein besonderes Legastheniekonzept, für das Konrektor Reinhard Sauer verant-

wortlich ist, richtet sich an Kinder mit einer Lese-Rechtschreibschwäche. „Die Kollegen, die in einer Klasse unterrichten, treffen sich regelmäßig zu besonderen Konferenzen und tauschen sich über die Schüler aus. Außerdem führen wir so genannte Lernentwicklungsbögen. Beides ist eine gute Grundlage für die Beratung der Eltern“, erklärt Brandt. Eine besondere Situation ergibt sich für die Realschule Edemissen durch die räumliche Nähe zur Hauptschule, die im selben Gebäude untergebracht ist.

Christian Bierwagen

„So eine Nachbarschaft bietet sich an, sie mit viel Leben zu füllen, und das tun wir sehr intensiv“, macht Brandt deutlich. Daraus ergeben sich sehr praktische Vorteile wie das gemeinsame Sekretariat oder die Aufgabenteilung der insgesamt drei Sozialarbeiter. Aber auch konkrete Projekte wie das Konflikt- und das Buslotsenmodell werden in enger Zusammenarbeit durchgeführt. Unter dem Begriff „Mühlenbergschulen“ wird auch nach außen hin Gemeinsamkeit demonstriert.

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Lehrer und Schüler, die am Projekt „Klasse!“ teilnehmen wollen, erhalten Informationen unter Telefon 05171/406130 oder per E-Mail an [email protected]

Lehrer und Schüler sitzen in einem Boot I

ch bin gleich beim Einsteigen gekentert“, erinnert sich Aliye an ihre Klassenfahrt: eine Kanutour auf der Aller. „Ich bin gleich wieder hochgekommen, aber das Kanu und die Paddel sind abgetrieben. Die haben mir Klassenkameraden wiedergeholt“, sagt die Achtklässlerin, und ihre Freundinnen Anna und Ricarda nicken dazu. Das Kanufahren gehört zum Sportangebot der Realschule Edemissen. In den Jahrgängen fünf bis sieben hat in jedem Schuljahr jeweils eine Klasse die Gelegenheit, sich mit diesem Wassersport zu beschäftigen. „Im Moment können aus organisatorischen Gründen noch nicht alle Schüler teilnehmen, aber da arbeiten wir dran“, verspricht Schulleiter

Persönlichkeit ausbilden

Ernst Brandt, der viel von diesem „Abenteuer“ hält: „Es geht einher mit einem intensiven Gruppenerlebnis, es sitzen dort beinahe wörtlich alle in einem Boot und sind aufeinander angewiesen. Für die Schüler eine tolle Erfahrung.“ Und auch die Eltern spielen als Versorgungs- und Transporttrupp eine wichtige Rolle. Über drei Jahre erstreckt sich das Angebot – mit steigendem Schwierigkeitsgrad bis hin zu einer Mehrtagestour. „Den Kontakt zur Segelsparte des Sportvereins MTV Isenbüttel am Tankumsee habe ich noch von meiner vorigen Schule her“, erklärt Brandt. Der Verein kann Kanus in Klassenstärke bereitstellen, „das ist ein echter Glücksfall“. wos

Ü Diese Schüler befassen sich in ihrem Wahlpflichtkurs mit dem Computer. Nach drei Jahren bekommen sie ein Zertifikat, das ihnen bei der Suche nach einer Lehrstelle helfen kann.

„Das ist ein echter Glücksfall“

Christian Bierwagen

Für besondere Qualifikation gibt es ein Zertifikat J

unge Menschen wissen oft schon erstaunlich früh, was sie besonders interessiert, wo sie ihre Stärken haben und mit welchen Themen sie sich gern intensiver beschäftigen wollen, als es der eigentliche Unterricht vorsieht. „Wir bieten deshalb in den Wahlpflichtkursen die Gelegeneheit, sich in be-

stimmten Bereichen zu spezialisieren“, erklärt Rektor Ernst Brandt. Seit zweieinhalb Jahren gibt es dieses neue Modell, das einen Teil der vorigen Arbeitsgemeinschaften abgelöst hat. „Unsere Idee ist es, über drei Jahre hinweg – also in den Klassen acht bis zehn – zusammenhängend und aufeinander

aufbauend besondere Kompetenzen zu vermitteln“, sagt Brandt. Informatik, Technik oder Literatur und Theater – auch in englischer Sprache – sind Beispiele. Das Ziel ist eine besondere Qualifikation, die mit einem Zertifikat bestätigt wird und gute Voraussetzungen für Bewerbungen bietet. wos

Die Schülersprecherin A

Paddeln im Kanu ist ein besonderes Angebot an der Realschule Edemissen.

privat

lissa Meyer kennen sie alle in der Realschule in Edemissen. Die 15-Jährige ist Schülersprecherin und damit eine wichtige Ansprechpartnerin für die Schulleitung ebenso wie für ihre Mitschüler. „Manche kommen mit Problemen zu mir, die sie untereinander oder auch mit Lehrern haben. Allerdings ist das eher selten. Ich denke das liegt daran, dass wir hier lernen, Probleme selbst zu lösen“, sagt die Zehntklässlerin. In der jüngeren Vergangenheit hat sie unter anderem mit der zweiten Schüler-

sprecherin Kathrin Gödecke gemeinsam Aktionen zum Welt-Aids-Tag organisiert. „Wir haben zum Beispiel Waffeln gebacken und verkauft. Das Geld wurde dann gespendet“, erklärt die Schülerin, die sich an der Schule sehr wohl fühlt: „Es Alissa Meyer.

wos

gibt hier viele Möglichkeiten, Dinge zu tun, die Spaß machen und aus denen man lernen kann“, sagt sie und nennt als Beispiel das Konfliktlotsenprojekt. „Diese Angebote werden von den Schülern auch sehr gut angenommen!“ Sie selbst hat Spaß daran, Sachen zu organisieren. Dazu lässt ihr das Amt als Schülersprecherin viel Freiraum. Was sie nach der Entlassung im Sommer macht, weiß sie auch schon: Sie hat eine Lehrstelle als Verwaltungsfachangestellte im Kirchenwesen. wos

ber das Thema Jugendgewalt macht man sich natürlich auch an der Realschule Edemissen Gedanken. „Wir sind davon überzeugt, dass es immer besser ist, es gar nicht erst zu Übergriffen kommen zu lassen“, sagt Schulleiter Ernst Brandt. Maßnahmen zur Prävention – wie es in der Sprache der Pädagogen heißt – werden an der Schule deshalb ganz groß geschrieben. Gleich mehrere Angebote gibt es, bei denen die Schüler die Gelegenheit haben, Konflikte gewaltfrei lösen zu lernen und diese Kenntnisse in der Praxis anzuwenden. „Da ist zum einen das Konfliktlotsenmodell, das wir gemeinsam mit der benachbarten Hauptschule durchführen“, zählt Brandt auf. Außerdem gibt es die Buslotsen. Sie sorgen an der Haltestelle und während der Busfahrten selbst für einen reibungslosen Ablauf. Doch die Lehrer beschränken sich nicht auf die Gewaltproblematik. Auch das Thema „Sucht“ wird angesprochen und seit dem vergangenen Schuljahr im Rahmen eines besonderen Projekts unter dem Titel „Ich sehne mich süchtig“ in den achten Klassen intensiv behandelt. „Unser Ziel ist es, gesunde junge Menschen ins Leben zu entlassen“, betont Brandt, und macht deutlich, dass damit nicht nur der Körper gemeint ist. „Persönlichkeiten, die auch psychisch gesund sind, an sich glauben und ihre Stärken und auch Schwächen kennen und mit ihnen umgehen können, sind weniger gefährdet“, sagt er. wos

Das Theaterstück „Sehne mich süchtig“ wurde A: cb bei den Projekttagen aufgeführt.

W A S G E F Ä L LT D E N S C H Ü L E R I N N E N U N D S C H Ü L E R N A N I H R E R S C H U L E G A N Z B E S O N D E R S U N D W A S N I C H T ?

Lina Schade, Lea Brusberg, 15 Jahre 10. Klasse

„Toll ist das Konfliktlotsenmodell. Mit unseren Lehrern kommen wir gut klar. Nicht gut ist, wenn wir zu viele Arbeiten in zu kurzer Zeit schreiben.“

Alexander Kuhnert, 12 Jahre, 7. Klasse

„Hier treffe ich alle meine Kumpels, ich habe viele Freunde. Insgesamt ist es hier o.k., es stört mich nur, dass wir manchmal sehr viele Hausaufgaben aufhaben.“

Mailin Richter, 11 Jahre, 6. Klasse

„In den Pausen und Freistunden können wir in den Freizeitkeller. Dort gibt es viele Spielangebote. Unsere Klassenlehrerin finde ich sehr nett.“

Lennart Elvert, 11 Jahre, 6. Klasse

„Die Pausen sind lang genug, um auszuspannen. Hier sind die Lehrer nicht so streng. Ein wenig nervt mich, dass wir so oft den Raum wechseln müssen.“

Marvin Wick, 11 Jahre, 6. Klasse

„Gut ist, dass ich viel lerne, auch wenn mich nicht alles interessiert. Ich fühle mich rundum wohl. Allerdings stinken die Toiletten manchmal.“

Franziska Christiansen, 14 Jahre, 7. Klasse

„Ich habe viele Freunde gefunden und eine gute Klassenlehrerin, die mit uns viele Ausflüge macht. Die Lehrer müssten manchmal konsequenter sein.“