Den Opfern einen Namen geben - Stiftung gegen Extremismus und

Den Opfern einen Namen geben - Stiftung gegen Extremismus und

„Den Opfern einen Namen geben“ Das Massengrab sowjetischer Kriegsgefangener am Westermoorweg in Heide Werner-Heisenberg-Gymnasium – Heide Stiftung ge...

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„Den Opfern einen Namen geben“ Das Massengrab sowjetischer Kriegsgefangener am Westermoorweg in Heide

Werner-Heisenberg-Gymnasium – Heide Stiftung gegen Extremismus und Gewalt in Heide und Umgebung

Während der Arbeit zur vorliegenden Broschüre verstarben zwei Mitglieder des Vorstandes der „Stiftung gegen Extremismus und Gewalt in Heide und Umgebung“.

Der erste Vorsitzende

Herr Klaus Steinschulte (29. September 2011) und der Rechercheur und Archivar

Herr Gert Glüsing (8. März 2012)

Ohne ihre Initiative wären weder die Umgestaltung der Gedenkstätte am Westermoorweg noch die vorliegende Broschüre in Angriff genommen worden. Herr Steinschulte und Herr Glüsing haben uns alle durch ihr Engagement und ihre Tatkraft sehr beeindruckt.

Wir werden sie nicht vergessen.

Die Schülerinnen und Schüler der Klasse OIc des Werner-Heisenberg-Gymnasiums mit den Lehrerinnen Anja Bäumler und Karla Müller-Helfrich.

„Den Opfern einen Namen geben“ – Das Massengrab sowjetischer Kriegsgefangener am Westermoorweg in Heide

"Назвать жертвы поимённо" - братская могила советских военнопленных на Вестерморвеге (Westermoorweg) в Хайде (Heide)

Inhaltsverzeichnis – содержа́ние 1. Vorworte 1.1. Die Stiftung gegen Extremismus und Gewalt in Heide und Umgebung Военные захоронения Вестерморвег Предисловие организации против экстремизма и насилия города Хайде и его окресностей

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1.2. Die Schülerinnen und Schüler des Werner-Heisenberg-Gymnasiums in Heide Предисловие учеников и учениц

3

1.3. Die Lehrerinnen des Werner-Heisenberg-Gymnasiums in Heide Предисловие учителей

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2. Einleitende Überlegungen zur vorliegenden Schülerprojektarbeit (Tarek Awad, Tjark Klimant, Maike Schmidt) Вступительное слово учеников на данную работу

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3. Die am Westermoorweg nachweisbaren Opfer (Jan-Thimo Bergau, Björn Buss, Helge Roose, Torbjörn Volquardsen, Jannik Wilke) Захороненные жертвы у Вестермоорвег, имена которых удалось установить 3.1. Liste der namentlich nachweisbaren Opfer 14 Поимённый список захороненных жертв, имена которых удалось установить 3.2. Abbildung und Erläuterung einer Personalkarte (Torbjörn Volquardsen)

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3.3. Ausführungen zu den Personalkarten (Helge Roose) Комментарий к работе с личными делами

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3.4. „Wege in den Tod“: Eine Karte mit Hinweisen über Herkunft, Gefangennahme und Transportwege der am Westermoorweg Verscharrten (Björn Buss)

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4. Historischer Hintergrund und Ergebnisse der Recherche vor Ort: 1939 bis 1945 Исторические основы и результаты местного исследования: 1939 - 1945 гг 4.1. Rassenideologie der Nationalsozialisten (Julian Zielinski) Расовая идеология национал-социалистов

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4.2. „Unternehmen Barbarossa“ – eine neue Dimension der Schrecken des Krieges (Johannes Barth) Кампания « Барбаросса» - Новые масштабы ужасов войны

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4.3. Pressepropaganda im Nationalsozialismus: 35 Der Zweite Weltkrieg im „Heider Anzeiger“ (Tarek Awad) Нацистская пропаганда в печати: Вторая мировая война в газете «Хайдер вестник»

4.4. Der Transport vom Ort der Gefangennahme nach Heide (Vanessa Rosin, Tjark Thönßen) Траспортировка с места взятия в плен в г. Хайдэ

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4.5. Die Erlasse der Reichsregierung als Grundlage des Arbeitseinsatzes 47 von Kriegsgefangenen (Tjark Klimant, Maximilian Stilke) Подготовка принудительного труда военнопленных администрацией рейха 4.6. Umsetzung der Erlasse der Reichsadministration in Dithmarschen / Heide (Jennifer Büsing, Kerstin Schmidt) Реализация принятых постановлений администрации рейха в районе Дитмаршен / Хайдэ

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4.7. Lebens- und Arbeitsbedingungen in Dithmarschen (Assia Cheurfi) Советские военнопленные : Условия жизни и работы в Дитмаршен

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4.8. Fluchtversuche (Lena Hansen) Попытки к бегству

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4.9. Leiden und Sterben sowjetischer Kriegsgefangener (Umgang mit den Toten und Krankheiten der Gefangenen) (Jule Dluzewski) Страдания и смерть совеских военнопленных (Обращение с мёртвыми пленными и болезнями военнопленных)

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5. Jenseits von schriftlichen Quellen: Zeitzeugenberichte (Mathilde Heeren, Leo Köpke, Maike Schmidt ) Наряду с письменными источниками: Свидетельства очевидцев Пояснения к методу нашей работы, Рассказы очевидцев

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6. Historischer Hintergrund und Ergebnisse der Recherche vor Ort: 1945 bis 2011 Исторические кулисы и результаты поиска на месте: 1945 до 2011 года 6.1. Umgang mit der NS-Vergangenheit seit 1945 in Dithmarschen 87 (Alina Fluck, Johanna Luitjens) Конфронтация с национал-социалистическим прошлым на примере истории Дитмаршен 6.2. Geschichte des Ortes „Westermoorweg“ (Malika Heim, Fabian Schrum) История Вестермоорвег

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7. Grußworte und Reden anlässlich der Einweihungsfeier der umgestalteten Gedenkstätte am 30. 06. 2011 7.1. Faksimile der von der Klasse gestalteten Einladung

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7.2. Frau Staatssekretärin Dr. Weinriefer-Hoyer (Ministerium für Bildung und Kultur des Landes Schleswig-Holstein)

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7.3. Herr Ermakow (Vertreter des russischen Generalkonsulats in Hamburg)

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7.4. Frau Pastorin Buchin (Ev.-luth. Kirchengemeinde Heide)

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7.5. Alina Fluck, Fabian Schrum, Mathilde Heeren, Tjark Klimant (Schülerinnen und Schüler des Werner-Heisenberg-Gymnasiums in Heide)

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7.6. Anja Bäumler, Karla Müller-Helfrich Lehrerinnen am Werner-Heisenberg-Gymnasium in Heide)

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8. Presseberichte über das Projekt

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9. Quellen- und Literaturverzeichnis 9.1. Veröffentlichte Quellen

121

9.2. Unveröffentlichte Quellen

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9.3. Zeitzeugenberichte

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9.4. Veröffentlichte Literatur

125

9.5. Bildquellen

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Vorworte 1.1. Die Stiftung gegen Extremismus und Gewalt in Heide und Umgebung Kriegsgräberanlage Westermoorweg Vor rund 60 Jahren hielten die Züge mit russischen Kriegsgefangenen an der sogenannten Schweineweide an. Man öffnete die Türen der Viehwaggons und zog die toten Gefangenen heraus. Sie wurden an Ort und Stelle verscharrt. Diese Menschen verloren noch im Tod ihre Würde. Gleiches geschah den Gefangenen, die im Lager an der Heider Rennbahn oder in den Umlandgemeinden starben. Schülerinnen und Schüler einer 12., später 13. Klasse des Werner-Heisenberg- Gymnasiums haben sich mit der Geschichte dieser Menschen und des Kriegsgräberplatzes beschäftigt und ein erstaunliches Ergebnis erzielt. Zusammen mit dem Mitglied des Stiftungsrats Gerd Glüsing konnten über 60 Namen der toten Russen ermittelt werden. In einer feierlichen Gedenkstunde wurden die Namen verlesen und damit der Versuch unternommen, den Gefangenen ihre Würde zurückzugeben. Wir denken, dies ist gelungen. Die Geschehnisse vor über 60 Jahren liegen für Jugendliche so weit zurück wie andere historische Ereignisse, zu denen sie keinen Bezug haben. Deshalb entsteht sehr schnell der Eindruck von Desinteresse. Dies ist eine Fehleinschätzung. Die Arbeit der Schüler/innen des Werner-Heisenberg-Gymnasium ist für uns der Beweis dafür, dass junge Menschen sich sehr wohl mit ihrer Geschichte auseinandersetzen wollen und sie letztlich akzeptieren und daraus lernen. „ Wer seine Vergangenheit nicht kennt und daraus lernt, wird sie noch einmal erleben müssen!“ Dies wird nach unserer Einschätzung diesen Schülerinnen und Schülern nicht passieren. Wir hoffen, dass die Beiträge in dieser Broschüre den fast vergessenen Kriegsgräberplatz wieder in das Bewusstsein der Heider Bevölkerung rücken. Wir alle sollten uns erinnern und uns mit Respekt vor den Toten verneigen. Unser Dank für die Arbeit gilt den Schülerinnen und Schülern mit ihren Lehrerinnen Frau MüllerHelfrich und Frau Bäumler.

Berndt Steincke – auch im Namen von Klaus Steinschulte (Vorsitzende der Stiftung gegen Extremismus und Gewalt in Heide und Umgebung)

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1.1. Военные захоронения Вестерморвег Предисловие организации против экстремизма и насилия города Хайде и его окресностей Около 60 лет назад останавливались поезда с русскими военнопленными в так называемом «швейневейде». Двери товарных вагонов отваряли и вытягивали от туда мёртвых военнопленных. На том же месте они были погребены. Эти люди потеряли со смертью своё достоинство. Подобное произошло с военнопленными, которые умерли в лагере около ипподрома в Хайде или в окресностях города. Школьники и школьницы 12-го класса Вернер-Хайсенберг гимназии исследовали историю этих людей и место их захоронения и пришли к потрясаещему результату. Совместно с сотрудником организации Герд Глюзинг было выявлено 60 фамилий умерщвлённых русских. Эти фамилии были прочитаны на торжественной церемонии памяти погибшим. Этим самым была предпринята попытка восстановить достоинство пленных. Мы думаем, что это удалось. События 60-летней давности отдалены от молодого поколения ровно как и другие исторические события, не имеющие к ним отношения. От этого создаётся впечатление незаинтересованности. Это представление ошибочно. Работа учеников гимназии ВернерХайсенберг для нас доказательство того, что молодое поколение интересуется своей историей, принемает её и делает из неё выводы. «Кто не знает своего прошлого и делает из него выводы, переживёт его снова!» По нашему мнению с этими учениками этого не случится. Мы надеемся, что написанное в этой брошюре, возобновит снова в сознании населения Хайде память о почти забытом месте захоронения военнопленных. Мы все должны помнить и чтить умерших. Мы выражаем большую благодарноть ученикам гимназии, а также их учителям, гщспоже Мюллер-Хэльфрих и госпоже Боймлер, за проделанную работу.

Клаус Штайншульте (председатель), Берндт Штайнке (заместитель председателя)

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1.2. Die Schülerinnen und Schüler des Werner – Heisenberg - Gymnasiums in Heide Unser Projekt „Den Opfern einen Namen geben“ startete Ende 2011. Klaus Steinschulte, Berndt Steincke und Gerd Glüsing von der „Stiftung gegen Extremismus und Gewalt in Heide und Umgebung“ besuchten uns in unserem Klassenraum, gaben uns erste Informationen zu dem Massengrab am Westermoorweg und boten uns ihre tatkräftige Unterstützung bei der zu leistenden historischen Recherche an. Die Situation auf der Gedenkstätte Westermoorweg ließ zu wünschen übrig. Nach einem Besuch stellten wir fest, dass der Ort ungepflegt, kaum gekennzeichnet und daher von der Umgebung auch nicht als Kriegsgräberstätte wahrzunehmen war. Einzig ein orthodoxes Kreuz ließ vermuten, um was für einen Ort es sich handelte. Die Stadt Heide gab nun einen finanziellen Spielraum vor, in dem wir uns bewegen konnten, um die Kriegsgräberstätte so zu gestalten, dass sie dem Gedenken einen angemessenen Rahmen verleiht, damit die dort von den Nationalsozialisten verscharrten Kriegsgefangenen ihre letzte Ruhe finden. Aber auch die „Stiftung gegen Extremismus und Gewalt“ hatte schon Ideen. Der Weg, der zu der entstehenden Gedenktafel führen würde, sollte die Form eines orthodoxen Kreuzes haben. Ein Teil unserer Klasse lehnte die Idee jedoch mit den Argumenten ab, dass man zum einen nicht davon ausgehen sollte, dass die vielen Kriegsgefangenen alle orthodoxen Glaubens waren, aber man vor allem die Rolle der Kirche während der NS-Zeit kritisch betrachten sollte, da ein entschlossenes Handeln gegen die menschenverachtende Nazipolitik ausblieb. Nach einer langen Diskussion mit der Stiftung gab es dann aber das mehrheitliche Votum für die Idee des orthodoxen Kreuzes.

Um die Gedenkstätte zu kennzeichnen, erstellten wir zwei Gedenktafeln. Eine wurde bei der Einweihungsfeier am 30. 06. 2011 am Eingang der Gedenkstätte angebracht, damit beispielsweise der interessierte Spaziergänger informiert wird, dass es sich hier um eine Ruhestätte vieler Kriegsgefangener handelt. Die andere Gedenktafel wurde mit den ermittelten Namen der dort verscharrten Kriegsgefangenen und dem Ort, an dem sie zugrunde gegangen sind, versehen und vor dem bestehenden orthodoxen Kreuz angebracht. 3

Die Quellen für diese Recherchen wurden von Gerd Glüsing bereitgestellt, der sich im Vorlauf seit Jahren mit dem Projekt beschäftigt hatte und unter anderem aus den Archiven in Dresden oder auch aus Moskau Quellen recherchierte, sie nach Themen sortierte und uns wohlgeordnet übergab. Uns ist bewusst, dass dies viel Arbeit für Herrn Glüsing und die Archivare vor Ort bedeutet hat, und wir rechnen ihm diese große Mühe hoch an! Nachdem wir dabei mitgewirkt hatten, den Friedhof umzugestalten, und wir uns an der Einweihungsfeier durch unsere Beiträge aktiv beteiligt hatten, bestand unsere Aufgabe nun darin, die Texte für diese Broschüren zu schreiben. In Gruppenarbeit werteten wir die uns zugeteilten Quellen aus und stellten nach dem ersten Abgabetermin tatsächlich fest, dass „der Teufel im Detail“ steckt. Quellenarbeit dieser Art kann im eigentlichen Unterricht aus Zeitgründen nicht in dieser Tiefe geleistet werden, sodass es eine sehr spezielle Erfahrung ist, die wir durch dieses Projekt sammeln konnten. Abschließend wollen wir noch einmal auf das ehrenamtliche Engagement von Gerd Glüsing, Klaus Steinschulte und Berndt Steinke hinweisen. Wir achten ihre Arbeit sehr und uns hat gerade der leidenschaftliche Einsatz, mit dem sie sich des Projektes sowie der Stiftung gleichermaßen widmen, sehr beeindruckt. Dank gilt auch Frau Müller-Helfrich und Frau Bäumler, die unser Projekt ebenfalls mit sehr viel Hingabe betreut haben und stets ein offenes Ohr für uns hatten. Wir gedenken hiermit Klaus Steinschulte, der am 29. 09. 2011 verstarb. Danke für Ihren Einsatz und Ihre Hilfe. Wir werden Sie in guter Erinnerung behalten. Tarek Awad, Maike Schmidt und Tjark Klimant (Stellvertretend für die OI c des Werner-Heisenberg-Gymnasiums)

1.2. Предисловие учеников и учениц Наконец, наступил этот день в конце апреля , когда Клаус Штайншульте, Бернд Штайнке и Герт Глюзинг пришли в наш класс. Работа над проектом «Дайте жертвам имя», который был нам более года назад представлен, могла быть начата в сотрудничестве с «Обществом против эстремизма и насилия в г . Хайдэ и его окрестностях». Эти три человека вначале неторопливо объяснили нам актуальную ситуацию кладбища у Вестермоорвег и дали нам понять, как они представляют себе предварительный ход проекта. Ситуация мемориала Вестермоорвег оставляла желать лучшего. После того, как мы пришли туда, мы увидели запущенное место, едва обозначенное, и поэтому окружающие не воспринимали его как военное кладбище. И только наличие православного креста позволяло предположить, о каком месте здесь шла речь. Город Хайдэ установил финансовые рамки, в которых мы могли двигаться, чтобы придать военному кладбищу тот вид, чтобы оно дало возможность почтить память в надлежащем окружении, чтобы захоронненые нацистами военнопленные получили наконец покой. Но и «Общество против эстремизма и насилия в г . Хайдэ и его окрестностях» имела уже свои 4

мысли и идеи. Дорога, которая поведёт к будущей мемориальной доске, должна была получить форму православного креста. Часть класса отклонило эту идею, аргументируя тем, что нельзя исходить их того, что все военнопленные были православной веры; и прежде всего надлежит критически рассматривать роль церкви во времена нацизма,так как сплочённые действия против бесчеловечной нацистской политики со стороны церкви отсуствовали. После длительной дискуссии с Обществом большинство проголосовало за идею с православным крестом. Чтобы обозначить это памятное место, мы изготовили две мемориальные доски. Одна из них была установлена во время торжественного открытия 30.06.2011 у входа на мемориал, чтобы, например, заинтересованные прохожие получили информацию о том, что здесь находится место погребения многих военнопленных. На другой мемориальной доске, установленной перед воздвигнутым православным крестом, были написаны имена тех захороненных военнопленных, которых удалось установить, и место, где они погибли. Документы для наших исследований были предоставлены нам г-ном Герт Глюзинг, который уже много лет занимается этим проектом, и в частности исследовал документы из архивов г. Дрездена и из Москвы, он тщательно разложил их по темам и упорядоченно передал их нам. Мы отдаём себе отчет в том, что это означало много работы для г-на Герт Глюзинг и для местных архивариусов, и высоко ценим их усилия! После того как мы участвовали в обновлении кладбища, а также приняли активное участие, внося свой личный вклад, в торжественном открытии. Теперь наша работа заключалась в том, что написать тексты для этой брошюры. В групповой работе мы проанализировали распределённые нам тексты, и установили после первого срока сдачи работ, что вся сложность кроется в деталях. То, что работа с источниками такого рода не может проводиться в таком объёме во время уроков из-за нехватки времени, был особый опыт, который мы получили в рамках этого проекта. В заключении мы ещё раз хотим особо подчеркнуть работу на общественных началах следующих лиц : Клаус Штайншульте, Бернд Штайнке и Герт Глюзинг. Мы ценим их работу, на нас произвело большое впетчатление, с каким энтузиазмом они отдавались работе над проектом и в Обществе. Мы благодарим также фрау Мюллер-Гельфрих, и фрау Боймлер, которые с большим энтузиазмом руководили нашим проектом и всегда были готовы выслушать нас. Мы чтим память г-на Клаус Штайншульте, который умер 29.09. в этом году. Спасибо за Вашу помощь и поддержку. Мы сохраним о Вас добрую память. Тарек Авад, Майке Шмидт и Тьярк Климант от имени класса 13 с из гимназии имени Вернера Хайзенберга 5

1.3. Die Lehrerinnen des Werner – Heisenberg – Gymnasiums in Heide Angeregt und nachhaltig unterstützt durch die „Stiftung gegen Extremismus und Gewalt in Heide und Umgebung“ hat sich eine Oberstufenklasse des gesellschaftswissenschaftlichen Profils des Werner-Heisenberg-Gymnasiums in Heide mit der Gedenkstätte für sowjetische Kriegsgefangene am Westermoorweg in Heide beschäftigt. Das Projekt, an dem die Schülerinnen und Schüler im Sommer 2011 gearbeitet haben, verfolgte das Ziel, die am Westermoorweg nachweislich anonym verscharrten sowjetischen Kriegsgefangenen in das öffentliche Bewusstsein zu bringen und ihrer zu gedenken. Dazu sollten deren Namen ermittelt und auf einer Tafel auf dem Gelände der Gedenkstätte veröffentlicht werden. Da der Fokus der Projektarbeit auf die Opfer gerichtet war, erhielt das Projekt den Titel „Den Opfern einen Namen geben“. Die Gedenkstätte wurde durch zwei Informationstafeln, die die Schülerinnen und Schüler inhaltlich erarbeitet und gestaltet haben, und einige räumliche Umgestaltungen in seiner Funktion als Platz der Erinnerung und des Lernens ergänzt und in einer Einweihungsveranstaltung der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt. Den Abschluss des Projekts bildet die vorliegende Broschüre, die durch Ausführungen über Hintergründe der Zwangsarbeit und des Sterbens das Schicksal der hier zu Tode Gebrachten in einen größeren historischen Zusammenhang stellt. Die umfangreiche Vorarbeit sowie die vorher notwendige Recherche in zahlreichen in- und ausländischen Archiven, die Vermittlung von Kontakten, u. a. zu Zeitzeugen, die Absprachen mit der Stadt Heide und dem Bauamt, ist von der Stiftung gegen Extremismus und Gewalt in Heide und Umgebung geleistet worden. Dies alles hat die Arbeit der Schülerinnen und Schüler erst ermöglicht. Es handelt sich bei dieser Broschüre um Schülerarbeiten, die überwiegend in einem Zeitraum von zwei Monaten in sechs Schulstunden pro Woche entstanden sind. Die Schülerinnen und Schüler arbeiteten sich in dieser vergleichsweise kurzen Zeit parallel zu ihren sonstigen Fächern in – von den Lehrkräften vorgegebene - Teilgebiete ein, die zum Teil bisher nur oberflächlich bekannt waren. Sie durchforsteten Quellen, die ihnen in Kopien zur Verfügung standen, bereiteten Teile der Einweihung der Gedenkstätte am Heider Westermoorweg vor, die Ende Juni 2011 stattfand, und verfassten dann die Texte für die vorliegende Broschüre. Dabei stellte sich während der Arbeit heraus, dass historisches Arbeiten mehr ist als üblicher Geschichtsunterricht. Es galt, zahlreiche methodische Herausforderungen zu bewältigen, den Umfang der verfügbaren Literatur realistisch einzuschätzen, die frustrierende Erkenntnis zu verarbeiten, dass unter Umständen nur wenige Quellen für das eigene Thema wirklich relevant sind, und mit der Befürchtung zu leben, nicht alle Quellen gefunden zu haben oder deren Herkunft nicht mehr detailliert genug rekonstruieren zu können. 6

Am Ende dieser langen Arbeitsphase steht aus schulischer Sicht die Einsicht, dass sich - bei allen möglicherweise aufgetretenen fachlichen und formalen Unzulänglichkeiten – das Projekt gelohnt hat. Wir erlebten im Mikrokosmos „Schule“, wie eine Kooperation mit anderen Institutionen und Organisationen (Stiftung, Stadt, Kirche) in die Praxis umgesetzt werden kann. In jeder Arbeitsphase zeigten alle Schülerinnen und Schüler große Einsatzbereitschaft, die in einigen Fällen weit über das normale Maß an Engagement hinausging. Als Erfolg sehen wir daher weniger den Erkenntnisgewinn im fachlichen und methodischen Bereich als vielmehr denjenigen auf dem Gebiet der Selbst- und Sozialkompetenz. An dieser Stelle sei den Schülerinnen und Schülern, auch denjenigen, die bereits die Schule verlassen haben, für ihre engagierte Arbeit gedankt. Ohne die umfangreiche Vorarbeit der „Stiftung gegen Extremismus und Gewalt in Heide und Umgebung“ wäre das Projekt nicht möglich gewesen. Die Impulse und Kontakte der Herren Steinschulte und Steincke waren ebenso unverzichtbar wie die unermüdliche Archivarbeit Herrn Glüsings, durch die wir erst in den Besitz der meisten Dokumente gekommen sind. Auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Archive innerhalb und außerhalb Dithmarschens sei an dieser Stelle gedankt, insbesondere Herrn Scheder von der Dokumentationsstelle Dresden. „Quellen“ anderer Art waren die Zeitzeugen – vielen Dank, dass Sie sich zur Verfügung gestellt und unsere Neugier ertragen haben! Bei der Umsetzung der Veränderungswünsche war das Bauamt der Stadt Heide stets zur Stelle – danke auch dafür. Als sehr hilfreich erwies sich die Unterstützung von Herrn Rohde, Inhaber der Firma „Rohde Design und Werbetechnik“, ohne dessen Ratschläge uns die computergestützte Gestaltung der Informationstafeln große Schwierigkeiten bereitet hätte. Die wochenlange Arbeit Frau Brausemanns und die zusätzliche Hilfe durch Frau Lang, Frau Sonnenberg, Frau Dethloff sowie Herrn Huber und Herrn Schmidt haben die Übersetzung der Texte in die russische Sprache überhaupt erst möglich gemacht. Ihr Engagement kann nicht genug hervorgehoben werden. Unser Dank gilt abschließend auch der Schulleitung des WHG, die durch ihre Unterstützung und Flexibilität zur Realisierung unseres Projektes im Schulalltag beigetragen hat.

Karla Müller-Helfrich und Anja Bäumler (Lehrerinnen am Werner-Heisenberg-Gymnasium Heide)

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1.3. Предисловие учителей С интерессом и интузиазмом при поддержке организации против экстремизма и насилия в городе Хайде и его окресностях работали ученики 12-го класса Гимназии Вернер-Хайсенберг общественно-научного направления с мемориалом советским военнопленным в Вестерморвег.Проект, над которым летом 2011 работали ученики, преследовал цель – восстановить в общественном сознании память о тайно погребённых в Вестерморвег советских военнопленных. Для этого их имена должны были быть выявлены и опубликованы на доске на территории мемориала. Поскольку фокус проэктивной работы был направлен на жертвы, проэкт получил название «Дать имена жертвам». Мемориал, состоящий из двух информационных стендов, содержание и оформление которых разработали ученики гимназии, был представлен интерессующейся публике на церемонии открытия. Завершающей частью проекта стала эта брошюра, которая через выявление причин принудительных работ и смерти убитых военнопленных, восстанавливает исторические пробелы в их судьбе. Объёмная подготовка, такая как поиски в многочисленных немецких и иностранных архивах, налаживание контактов со сведетелями, договорённости с местным управлением города Хайде и строительным управлением, была проделана организацией против экстремизма и насилия города Хайде и его окреностей. Лишь всё это сделало работу школьников возможной. Эта брошюра результат школьных работ, которые длились в течение двух месяцев в колличестве шести часов в неделю. Ученики разработали в относительно короткий срок параллельно с остальными школьными дисциплинами заданные учетилями части проекта, которые были, от части, лишь поверхностно известны. Они исследовали копии источников, подготовили открытие мемориала в Вестерморвеге в Хайде, который состоялся в конце июня 2011-го года и составляли тексты данной брошюры. В результате работы выяснилось, что проведение подобных работ больше нежели простые уроки истории. Это дало возможность выявить различные методы, реально оценить объём предоставленной работы, прийти к отпугиваещему выводу, что лишь немногие источники значительны для данной темы и жить с опасением того, что не все источники были найдены или их происхождение не возможно реконструировать.В конце этого длинного рабочего периода с точки зрения школы сложилось мнение, что при всех возникших фактических и формальных задержках, проект себя оправдал. Мы в микрокосмосе «Школа» узнали как сотрудничество и кооперация с другими организациями и учереждениями (организация против экстремизма и насилия, администрация города, церковь) могут быть организованы на практике. На каждом этапе проекта ученики проявляли готовность к работе, которая порой выходила за пределы простого интереса. Выигрышем в данном случае нам представляется не столько полученные в предметной и методической области познания, сколько приобретённая собственная и социальная компетенция. В этом плане ученики, также те, которые в данный момент окончили школу, были отблагадарены за свою интенсивную работу. Без обширной подготовительной работы организации против экстремизма и насилия в городе Хайде и его окресностях проект сделался бы невозможным. Импульсы и контакты членов организации господина Штайншульте и господина Штайнке были также необходимы как и неустанная работа сотрудника Глюзинг в архивах, благодаря которой мы получили доступ к 8

основным документам. Также мы выражаем нашу благодарность сотрудникам архива округа Дитмаршен и других архивов в особенности господину Шедер из документационного отдела в Дрездене. Другим источником стали сведетели того впремени, которым мы выражаем огромное спасибо за то, что они уделили нам внимание и оказали снисходительность к нашей любознательности. При осуществлении изменений постоянную поддержку оказывало строительное управление города Хайде – благодарность им за это. Помощью была также поддержка со стороны владельца фирмы «Rhode Design und Werbetechnik» госпадина Родэ, без советов которого компьютерная обработка информационных стэндов стала бы сложной. Лишь с повседневной работой переводчиков стало возможным обработка русских текстов, за что мы безгранично благодарны. В окончании мы хотели бы поблагадарить администрацию гимназии, которая оказала поддержку и лояльность при реализации нашего проэкта в повседневной школьной жизни. Аня Боймлер и Карла Мюллер-Хэльфрих (учителя Гимназии Вернер-Хайзенберг Хайде)

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2. Einleitende Überlegungen zur vorliegenden Schülerprojektarbeit (Tarek Awad, Tjark Klimant, Maike Schmidt)

Das große Ziel unserer Projektarbeit war es, möglichst viele bisher unbekannte in Heide als Zwangsarbeiter umgekommene sowjetische Kriegsgefangene zu identifizieren. Damit sollte ihren noch lebenden Familienmitgliedern die Möglichkeit gegeben werden, an einem bestimmten Ort, nämlich der Kriegsgräberstätte Westermoorweg, um ihre Angehörigen zu trauern. Zudem wollten wir auch die schrecklichen Verhältnisse, unter denen die Kriegsgefangenen in Heide und Umgebung zu leiden hatten, aufdecken und herausfinden, welche Ideologien und Regelungen dazu führten, dass diese Verbrechen an der Menschheit begangen wurden. Die Definition und Behandlung der Kriegsgefangenen wurde schon 1907 in der „Haager Landkriegsordnung“ festgelegt. 1929 kamen in der Genfer Kriegsgefangenen-Konvention weitere Bestimmungen hinzu. Aus diesen Verordnungen wird deutlich, dass, um den Kriegsgefangenenstatus annehmen zu können, die betroffene Person nicht nur offiziell am Konflikt beteiligt sein, sondern sie auch erkennbar als Militärperson oder Streitkraft in diesem agiert haben musste. Dies musste sichtbar für die gegnerische Partei gemacht werden, durch beispielsweise das Tragen einer Uniform oder anderer Erkennungszeichen. War dies nicht der Fall und der Beteiligte hielt seine Waffen verdeckt oder trug feindliche Uniformen, so verlor er den Status und die damit verbundenen Rechte und Pflichten eines Kriegsgefangenen. Wurden von dem Beteiligten jedoch kriegerische Handlungen vorgenommen, so galt er so lange als Kriegsgefangener, bis ein zuständiges Gericht über seinen Status entschieden hatte. Der Beteiligte unterstand somit der Gewalt des Gewahrsamstaates, nicht aber Einzelpersonen, wie zum Beispiel dem Truppenführer, der ihn gefangen genommen hatte. Militärische Einzelpersonen durften auch dann nicht alleinige Entscheidungen über die Kriegsgefangenen fällen, wenn das gegnerische Militär gegen die Regeln der Kriegsführung verstoßen hatte. Nur wer dem Status der Kriegsgefangenen entsprach, erhielt gewisse Recht und Pflichten in der Gefangenschaft nach der Genfer Konvention. Soldaten, die sich ergaben, kampf- oder verteidigungsunfähig waren, durften zum Beispiel nicht weiter bekämpft, sondern lediglich entwaffnet und gefangen genommen werden. Eine unmenschliche und entwürdigende Behandlung von Kriegsgefangenen ist grundsätzlich verboten. Bei der Behandlung wird zwischen Mannschaft und Offizier unterschieden. Die Mannschaft darf zu nicht militärischen Arbeiten herangezogen werden, wohingegen dies beim Offiziersgrad nicht der Fall ist. Bei allen zugeteilten Arbeiten jedoch gilt, dass gesundheitsschädliche Arbeiten oder besonders gefährliche Arbeiten nur an Freiwillige vergeben werden dürfen. Zusätzlich hat der Kriegsgefangene das Recht auf Eigentum. Geld oder andere Wertgegenstände dürfen ihm nur gegen Quittung abgenommen werden. Wird der Gefangene freigelassen, 10

so bekommt er diese Gegenstände wieder zurück. Die Abnahme von persönlichen Gegenständen wie Bekleidung oder Nationalausweis ist nicht erlaubt. Da das nationalsozialistische Deutschland unter Hitler der Genfer Kriegsgefangenen-Konvention zustimmte, schien es allen Kriegsgefangenen eine rechtskonforme Behandlung zu garantieren. Allerdings sah die Realität für die sowjetischen Gefangenen anders aus. Entgegen der Genfer Konvention wurden die aus der Sowjetunion stammenden Menschen äußerst schlecht behandelt, mussten unter Kälte, Hunger und Misshandlungen sowie sehr harter Zwangsarbeit leiden. Die oberflächliche Einhaltung von Regeln und die damit verbundene Legitimierung der Vorgehensweise sind für das Hitler-Regime typisch. Wie unsere Recherchen ergeben haben und bei uns im Geschichtsunterricht darüber hinaus vertieft wurde, lässt sich diese Handlungsweise wiederholt nachweisen. Schon bei der Machtergreifung Hitlers im Jahr 1933 wurde der Eindruck erweckt, Deutschland beabsichtige nie einen Krieg. Auch die Reichspogromnacht am 9. November 1938 wurde von den Nazis als Resultat für „die Hetze des internationalen Judentums gegen das nationalsozialistische Deutschland“1 dargestellt. Obwohl die Menschen innerhalb des Landes terrorisiert und unterdrückt wurden, versuchte sich das nationalsozialistische Deutschland als rechtsstaatlich und frei zu präsentieren. Auf diese Weise begründete es auch die unmenschliche und rechtswidrige Behandlung von sowjetischen Kriegsgefangenen. Hitler argumentierte dahingehend, dass nur Gefangene aus Staaten, die der Genfer Konvention zustimmten, auch Anspruch auf die in ihr festgelegten Regeln hätten. Das zaristische Russland hatte die Haager Landkriegs-Ordnung zwar anerkannt; da aber Stalin alle Verträge des Zaren aufgelöst hatte, bestand nach deutscher Interpretation ein rechtsfreier Raum für die Behandlung der aus der Sowjetunion stammenden Soldaten und Zivilpersonen. So besagt das Merkblatt für die Bewachung sowjetischer Kriegsgefangener, dass rücksichtslos und hart gegen diese durchzugreifen und bei Ungehorsam „von der Waffe schonungslos Gebrauch zu machen“2 sei. Des Weiteren war ihnen jegliche Form von Unterhaltungen innerhalb und außerhalb der Arbeitszeit verboten, und „auch gegen den arbeitswilligen und gehorsamen Kriegsgefangenen ist Weichheit nicht am Platz“3. Das Ausmaß des Leidens der sowjetischen Kriegsgefangenen unter dem nationalsozialistischen Regime wurde uns während der Arbeit am Projekt sehr deutlich. Die Recherchen über die Lebensumstände der am Westermoorweg verscharrten Opfer berührten uns auch persönlich.

1

Verordnung vom 12. November 1938 zur Wiederherstellung des Straßenbildes bei jüdischen Gewerbebetrieben, §1, Z.1. 2 Vergleiche Artikel „Stalag VI A“ http://www.stalag-via.de/stal6.htm (20. 11. 2011) 3 ebda

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2. Вступительное слово учеников на данную работу ( Тарек Авад, Тьярк Климант, Майке Шмидт) Главной целью нашего проекта было, идентифицировать как можно больше до сих пор неизвестных советских военнопленных, которые принудительно работали в Хайдэ и здесь умерли. Тем самым мы хотели дать родственникам возможность скорбеть о своих близких там, где они захоронены, а именно на мемориале Вестермоорвег. Но мы также хотели показать тяжёлые условия, от которых страдали военнопленные в г. Хайдэ и в его окрестностях. Мы хотели выяснить, что за идеология и общественное устройство привели к тому, что эти преступления могли быть совершены над человечеством. Определение статуса военнопленного и обращение с ними были сформулированы в 1907 году в «Гаагских положениях о сухопутных войнах». В 1929 на Женевской Конвенции о военнопленных были приняты дополнительные уточнения. Из этих предписаний явствует, чтобы получить статус военнопленного необходимо, чтобы названное лицо не только официально участвовало в военном конфликте, но и было узнаваемо как военный человек, участвующий в этом конфликте. Это должно быть внешне видимым для противоборствующей стороны, как например, ношение униформы или других отличительных знаков. Если это было не так, и участник конфликта прятал своё оружие или носил униформу противника, то он терял статус военнопленного и связанные с этим статусом права и обязанности военнопленных. Если же участник конфликта предпринимал военные действия, то он до тех пор считался военнопленным, пока соответствующий суд не выносил своё решение о нем. Участник конфликта находился таким образом под властью не отдельного лица,например,командира отряда, пленившего его, а под властью страны, взявшей его в плен. Отдельные военные лица и тогда не имели права сами принимать решения о судьбе военнопленных, если даже военный противник нарушал правила ведения войны. Если участники конфликта признавались военнопленными, то им предоставлялись, согласно Женевской Конвенции, определённые права и обязанности в плену. Против солдат, которые сдавались в плен и уже не могли оказывать сопротивления или были небоеспособными, нельзя было, к примеру, вести бой, а лишь разооружить их или взять в плен. Жестокое или унижающее обращение с военнопленными строго запрещалось. В обращении с солдатами и офицерским составом были большие различия. Солдат можно было привлечь к невоенным работам, чего нельзя было делать с офицерами. При любой порученной работе действовало следующее правило: для вредных или особо опасных работ разрешалось привлекать только добровольцев. Дополнительно к этому военнопленные имели право на собственность. Деньги или другие ценные предметы разрешалось забирать только в обмен на квитанцию об изъятых вущах. Если военнопленный освобождался от плена, то его имущество ему опять возвращалось. Не 12

разрешалось забирать личные вещи, как к примеру одежду или национальное удостоверение личности. Так как нацистская Германия при Гитлере признала Женевскую Конвенцию о военнопленных, то казалось, что всем военнопленным гарантировались обхождение с ними по закону. Однако действительность для советских военнопленных была совсем другой. Вопреки Женевской Конвенции с людьми из Советского Союза обращались крайне плохо, они страдали от холода и голода, издевательств и тяжёлого принудительного труда. Поверхностное соблюдение предписаний Конвенции и связанные с ними методы обращения, возведённые в закон, типичны для гитлеровского режима. Наши исследования и углублённое изучение этой темы на уроках истории многократно потверждает, как действовал гитлеровский режим. Гитлер при захвате власти в 1933 пытался создать впетчатление, что Германия никогда не намерена начать войну. Даже ночь погромов в рейхе 09 ноября 1938 была представлена нацистами как результат « травли международного еврейства против националсоциалистической Германии». Несмотря на то, что люди в стране угнетались и терроризировались, нацистская Германия пыталась представить себя в качестве свободного и правового государства. Таким же образом она оправдывала своё бесчеловечное и противозаконное обращение с советскими военнопленными. Гитлер утверждал, что только пленные из тех государств, которые признали Женевскую Конвенцию, имеют право на соблюдение предписаний. Царская Россия , правда, признала «Гаагское положение о сухопутных войнах», но так как Сталин аннулировал все соглашения царя, то, по мнению немецкой стороны, образовался правовой вакуум для обхождения с солдатами и гражданским населением из Советского Союза. Так например, в «Инструкции по охране советских военнопленных» сказано, что против советских военнопленных надо быть жестоким и беспощадным, и при неповиновении «без пощады применять оружие». Кроме того, им было запрещено беседовать во время работы и во внерабочее время; даже с теми « военнопленными, которые готовы были работать и были послушны, нельзя быть снисходительным». При работе над этим проектом мы глубоко осознали, какие неизмеримые страдания пережили советские военнопленные при нацистском режиме. Исследования условий жизни захороненных жертв у Вестермоорвег затронули наши сердца.

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3. Die am Westermoorweg nachweisbaren Opfer (Jan-Thimo Bergau, Björn Buss, Helge Roose, Torbjörn Volquardsen, Jannik Wilke)

3.1. Liste der namentlich nachweisbaren Opfer (Torbjörn Volquardsen) Vorname und Nachname Alexej Bikow Andrej Bitschkow Iwan Demidow Alexandr Gusew Sergej Karabawin Nikolaj Kotschegarow Timofei Marow Sawwa Romanjuk Dmitrii Romaschin Michail Swoewolin Wasilij Taratorin Filipp Tkatschow Wasilij Tschischow

Todestag 17.04.42 06.12.41 06.12.41 08.12.41 16.12.41 07.12.41 11.12.41 08.12.41 10.12.41 12.12.41 08.12.41 08.12.41 18.12.41

Geburtsdatum und Geburtsort 23.02.1910 Nowosibirsk 26.06.1913 o.A. 1 13.04.1910 Woronesch 30.08.1905 (Oblast)³ Nowomosk 23.10.1916 Sernovodsk 08.10.1914 Woronesch o.A. 1912 Bobre 15.06.1895 Burkovo 1923. Maloje-Peksile 30.10.1910 Rostow 28.03.1911 Orlowo 15.02.1904 o.A. 1902. Großraum Moskau

Alter bei Gefangennahme 31 28 31 36 24 36 29 46 18 31 30 37 ~39 ²

1

o.A.

= ohne Angabe

2

~ = ungefähr ³ Oblast = Gebiet

Diese Tabelle enthält Informationen über die 13 am Westermoorweg nachweisbar verscharrten verstorbenen sowjetischen Kriegsgefangenen. Diese Informationen haben wir aus den uns zur Verfügung stehenden Personalkarten entnommen.4 Die Tabelle gibt Auskunft über die Namen der 13 Gefangenen, ihren Todestag, Geburtsdatum und Geburtsort sowie über das Alter bei der Gefangennahme. Weiterhin sind Dauer der Gefangenschaft, der jeweilige erlernte Beruf, das Datum und der Ort der Gefangennahme und der Gesundheitszustand aufgenommen. Torbjörn Volquardsen 4

Vergl. 3.3 „Ausführungen zu den Personalkarten“

14

Zeit in Gefangenschaft 6 Monate 5 Monate 4 Monate 2 Monate 2 Monate 4 Monate 4 Monate 2 Monate 2 Monate 2 Monate 5 Monate 2 Monate 2 Monate

Beruf Bauer Traktorführer Bäcker Koch Kaufmann Fahrer Bauer Bauer Bauer Feldscherer Bauer Bauer Bauer

Datum und Ort der Gefangenahme 10.10.41 in Wjasma 04.07.41 in Piskow 12.08.41 in Wjasma 10.10.41 in Wjasma 14.09.41 in Smolensk 19.08.41 in Rusa 14.08.41 in Rusa 15.10.41 in Deminsk 03.10.41 in Deminsk 08.10.41 in Wjamsa 05.07.41 Latwij 03.10.41 in Elno 07.10.41 in Dorogobusch

Gesundheitszustand gesund gesund gesund gesund gesund gesund gesund gesund gesund gesund gesund gesund gesund

Auffällig und erschütternd ist, dass alle Gefangenen als „gesund“ registriert wurden, jedoch nur zwei bis maximal sechs Monate überlebten. Ergänzend zur Tabelle bleiben Informationen zum Todesort, der Nationalität und der Religion der 13 Gefangenen. Der Todesort ist bei allen Opfern das Lager „Heide V“. Auch die Nationalität „russisch“ ist überwiegend identisch mit einer Ausnahme. Sawwa Romanjuk ist als Weißrusse registriert worden. Als Religion ist bei allen Verstorbenen auf der Personalkarte „o.g.“ oder „prawoslawnii“ angegeben. Das bedeutet, dass alle Gefangenen als dem orthodoxen Glauben angehörend registriert waren.

3. З. ахороненные жертвы у Вестермоорвег, имена которых удалось установить 15

3.1 . Поимённый список захороненных жертв, имена которых удалось установить ( Торбьёрн Фолквардсен)

Имя и фамилия Алексей Быков

Дата Дата и место рождения смерти 17.04.42 23.02.1910, Новосибирск

Возраст при взятии в плен 31 лет

Андрей Бычков

06.12.41 26.06.1913, не указано

28 лет

Иван Демидов

06.12.41 13.04.1910, Воронеж

31 лет

Александр Гусев

08.12.41 30.08.1905, Ново-Московская обл.

36 лет

Сергей Карабавин

16.12.41 23.10.1916, Зерноводск

24 года

Николай Кочегаров

07.12.41 08.10.1914, Воронеж

36 лет

Тимофей Маров

11.12.41 1912, Бобры

29 лет

Савва Романюк

08.12.41 15.06.1895, Бурково

46 лет

Дмитрий Ромашин

10.12.41 1923, Малое Пексиле

18 лет

Михаил Своеволин

12.12.41 30.10.1910, Ростов

31 лет

Василий Тараторин

08.12.41 28.03.1911, Орлово

30 лет

Филипп Ткачёв

08.12.41 15.02.1904, не указано

37 лет

Василий Чижов

18.12.41 1902, Подмосковье, Московская обл.

Примерно 39 лет

Эта таблица содержит информацию о 13-ти погребённых умерших советских военно-пленных, имена которых нам удалось установить. Эти сведения мы взяли из личных дел, находящихся в нашем распоряжении. В таблицах даны сведения об именах этих 13-ти пленных, когда они умерли, о месте и дате рождения, об их возрасте при взятии в плен. Кроме того в таблицы внесены данные о продолжительности пребывания в плену, о том, какую профессию каждый из них изучил, место и дата пленения и состояние здоровья на момент пленения. Что особенно бросилось в глаза и потрясло нас до глубины души- это то, что все эти пленные были зарегистрированы как «здоров», а прожили в плену всего несколько месяцев ( от двух до пяти месяцев). Дополнительно к таблицам имеются информации о месте смерти,о национальности, и вероисповедании этих 13-ти военнопленных. Местом смерти у всех указан лагерь «Хайдэ Ф».

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Время в плену

Профессия

Место и дата пленения

Состояния здороввья

6 месяцев

крестьянин

10. 10. 41, Вязьма

здоров

5 месяцев

тракторист

04. 07. 41, Псков

здоров

4 месяцев

пекарь

12. 08. 41, Вязьма

здоров

2 месяца

повар

10. 10. 41, Вязьма

здоров

2 месяца

продавец

19. 09. 41, Смоленск

здоров

4 месяца

водитель

19. 08. 41, Русса

здоров

4 месяца

крестьянин

14. 08. 41, Русса

здоров

2 месяца

крестьянин

15. 10. 41, Деминск

здоров

2 месяца

крестьянин

03. 10. 41, Деминск

здоров

2 месяца

фельдшер

08. 10. 41, Вязьма

здоров

5 месяцев

крестьянин

05. 07. 41, Латвий

здоров

2 месяца

крестьянин

03. 10. 41, Ельно

здоров

2 месяца

крестьянин

07. 10. 41, Дорогобуш

здоров

Национальность у всех, за исключением одного человека, указана «русский». Савва Романюк записан белоруссом. Как вероисповедание у всех умерших в личном деле занесено «православный». Это значит, что все пленные были зарегистрированы как относящиеся к православному вероисповеданию.

3.2. Abbildung und Erläuterung einer Personalkarte (Torbjörn Volquardsen) 17

3.2. Abbildung und Erläuterung einer Personalkarte (Torbjörn Volquardsen)

18

19

3. 3. Ausführungen zu den Personalkarten ( Helge Roose) Die gefangengenommenen und als Zwangsarbeiter im Deutschen Reich einzusetzenden sowjetischen Soldaten wurden entweder sofort nach der Gefangennahme in einem der „Front-Stalags“, also der provisorischen Kriegsgefangenenlager unmittelbar hinter der Frontlinie, oder bei Ankunft in einem der Kriegsgefangenen-Stammlager im Reich erfasst. Ihre Daten wurden in sogenannten „Personalkarten“ aufgenommen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gingen die Personalkarten vielfach in den Besitz der sowjetischen Besatzungsmacht über. Erst nach dem Ende der Sowjetunion wurden die Archive geöffnet und die Dokumente zugänglich gemacht oder deutschen Archiven zur Verfügung gestellt. Die von uns bearbeiteten Personalkarten wurden von der „Stiftung gegen Extremismus und Gewalt“ bei der „Stiftung Sächsische Gedenkstätten“ entliehen und uns die Kopien zur Bearbeitung zur Verfügung gestellt. Dank dieser Personalkarten konnte bei 13 von mehreren Dutzend als Zwangsarbeiter eingesetzten sowjetischen Kriegsgefangenen sicher die Lage der Gebeine am Westermoorweg bestimmt werden. Unsere Arbeit konzentrierte sich auf das Herauslesen der Informationen aus eben diesen Personalkarten. Problematisch gestaltete sich neben der deutschen Handschrift vor allen die Entzifferung der in kyrillischer Schrift geschriebenen Ergänzungen der sowjetischen Behörden. Bei ihnen und den entsprechenden deutschen Behörden waren die Personalkarten nach dem Krieg ausgewertet und archiviert worden. Die beim Ausfüllen der Personalkarten mündlich weitergegebenen Informationen waren nicht selten fehlerhaft. So konnte es geschehen, dass derselbe russische Name oder Ort je nach Schreiber unterschiedlich geschrieben worden ist. Auch besteht die Möglichkeit, dass unsere vorliegenden Angaben trotz mehrfacher Prüfung Fehler beinhalten können. Helfend zur Seite bei der Entschlüsselung der Handschriften und Abkürzungen standen uns hier vor allem Vertreter der Stiftung Sächsische Gedenkstätten (Dokumentationsstelle Dresden) und der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten (Gedenkstätte Bergen-Belsen), die uns auf zahlreiche EMails stets geduldig antworteten. So konnten wir die meist russischen Orte der Gefangennahme auf einer Karte zusammentragen.5 Bei der detaillierten Betrachtung der Personalkarten treten die räumlichen Dimensionen zutage, die die Wehrmacht ihre Kriegsgefangenen überwinden ließ. Die zurückgelegte Strecke beträgt rund 2000 Kilometer Luftlinie, was die hohe Sterberate schon beim Transport erklärt, zumal die Gefangenen in keiner guten körperlichen Verfassung waren.6 Des Weiteren fällt das nüchterne Layout der Personalkarten auf. Die Karten sind in DINA4-Größe gehalten, die in der Mitte gefaltet und dann auf DINA5-Größe verkleinert, in den Stammlagern

5 6

Die Ergebnisse finden sich in der Karte in 3.4. Siehe 4.4 „Der Transport vom Ort der Gefangennahme nach Heide“

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verwahrt wurden.7 Sie enthalten neben persönlichen Informationen wie Körpergröße, Familienname und Adresse von Mutter und Vater auch Aussagen über Beruf (Einsetzbarkeit der Zwangsarbeiter), Verlegungen und Arbeitseinsätze. Im Folgenden wird eine Beschreibung der Personalkarte von Aleksei Bikow vorgenommen: Wie bereits erwähnt, fällt das nüchterne, routinierte Design der Personalkarte auf: Dieses, so wurde uns von der Gedenkstätte Bergen-Belsen bestätigt, wurde extra für die Kriegsgefangen der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg konzipiert: Es beinhaltet persönliche Daten des Gefangenen wie den Namen, seine Religion und Berufsgruppe ebenso wie kriegsrelevante Daten, nämlich Staatsangehörigkeit, Dienstgrad, Truppenteil, Zivilberuf, Matrikel-Nummer (Stammrolle des Heimatstaates), Ort, Zeitpunkt und Zustand bei der Gefangennahme sowie Besonderheiten, einen Fingerabdruck, eine Beschreibung der Statur und ein Lichtbild, auf dem der Oberkörper und das Gesicht des Inhaftierten mitsamt einer Kriegsgefangenen-Nummer, der sogenannten „Verbrechermarke“, abgebildet ist. Hier fällt auf, dass auch die Anschrift einer zu benachrichtigenden Person in der Heimat aufgenommen wurde, so dass auch die Nachricht des Todes eines Gefangenen seine Familie erreichen konnte.8 Im Fall des Todes eines Gefangenen wurde ein schwarzer Stempel in Kreuzform auf der Vorderseite der Personalkarte verwendet. Obwohl Bikow im Stammlager XB, Sandbostel im nördlichen Niedersachsen, aufgenommen worden war, fällt unter dem Eintrag „Lager“ auf, dass hier nicht etwa „XB“, Stammlager Sandbostel, sondern „XD“ für das Kriegsgefangenenlager Wietzendorf angegeben wurde. Dies rührt daher, dass das Lager Wietzendorf, welches normal die Gefangenen sowjetischer Nationalität aufnahm, überfüllt war und daher die Kriegsgefangenen direkt nach Sandbostel weitergeleitet wurden. Trotzdem blieb die Bezeichnung „XD“ für das „Russenlager“ Wietzendorf.9 Die Rückseite der Personalkarte ging mehr ins Detail: Sie sah tabellarische Eintragungen u. a. über besondere Fähigkeiten, Sprachkenntnisse und auch ein Strafregister vor. Die Auflistung der verschiedenen Vergehen der einzelnen Gefangenen wurde zur Einordnung der Fluchtgefahr, aber auch zur Identifikation von Wiederholungstätern genutzt. Ebenfalls vermerkt waren Impfungen10, Erkrankungen jedweder Art und die Verlegung in Konzentrationslager und andere Stammlager. Zuletzt findet sich das Todesdatum mitsamt dem Ort des Todes, nicht aber der Ort der Bestattung. Im Fall Bikows gibt es vergleichsweise wenige Eintragungen – der Gefangene verstarb bereits nach wenigen Monaten als Zwangsarbeiter in Dithmarschen. Vor allem wurde Wert auf eine routinierte Fassade, einen seriösen Anblick gelegt. Nichts an diesen Personalkarten deutet auf die Qualen der Kriegsgefangenen hin. In andere Sprachen übersetzt hätte das Schema auch für die Kriegsgefangenen anderer Länder funktioniert. 7

Die Tatsache der Erfassung von Kriegsgefangenen ist kein Spezifikum sowjetischer Kriegsgefangener, sondern auch andere Kriegsgefangene wurden erfasst. Dieses Vorgehen stand im Einklang mit der Genfer Konvention von 1929. Alle unterzeichnenden Staaten verpflichteten sich u. a., über das Schicksal von Kriegsgefangenen Auskunft zu geben. 8 Damit wurde den Forderungen der Genfer Konvention formal Genüge getan und ein angemessener Umgang selbst mit als „Untermenschen“ ohne jegliche Ansprüche auf menschenwürdige Behandlung geltenden sowjetischen Kriegsgefangenen suggeriert. 9 Stiftung Niedersächsischer Gedenkstätten (Hg.): Katalog der Dauerausstellung Bergen-Belsen. Göttingen 2009, S. 46. 10 Vergleiche 4.9. „Leiden und Sterben sowjetischer Kriegsgefangener“

21

Vorderseite einer Personalkarte zur Veranschaulichung 22

Rückseite einer Personalkarte zur Veranschaulichung 23

3.3. Комментарий к работе с личными делами (Хельге Роозе) Попавшие в плен и присуждённые к принудительным работам в германской рейхе советские солдаты попадали сразу после пленения либо в « Фронт- Сталаг», т. е. во временный лагерь для военнопленных непосредственно за линией фронта, либо сразу прибывали в основной лагерь для военнопленных в рейхе, где их сразу регистрировали. Все данные о военнопленных заносились в так назывемые «личные карточки с анкетными данными » , т. е. на них заводились личные дела. После окончания Второй мировой войны многие личные дела перешли в руки советских властей. Только после того, как Советский союз перестал существовать, архивы стали открываться для доступа к этим документам, или их предоставляли в распоряжение немецких архивов. Личные дела, которые мы обрабатывали, были как копии предоставлены нам «Обществом против насилия и экстремизма», который относится к организации «Саксонские мемориалы». Благодаря этим личным делам нам удалось установить точное место захоронения останков 13 советских военнопленных у Вестермоорвег из большого числа солдат, присуждённых здесь к принудительным работам. Наша работа заключалась в извлечении информаций из предоставленных нам личных дел. Очень сложным при обработке этих документов являлась расшифровка немецких рукописных записей, и особенно пометков и дополнений, написанных советскими властями на русском языке. Эти личные дела обрабатывались и архивировались после войны советскими властями и соответствующими немецкими учреждениями. Передаваемые устные информации, которые использовались для заполнении личных дел, были часто ошибочными. Так случалось, что название одного и того же русского населённого пункта в зависимости от заполняющего по разному писалось. Поэтому возможно, что и у нас, несмотря на многочисленные проверки, могут быть неточности в названиях местности. Большую помощь в расшифровке рукописных документов и сокращений оказали нам прежде всего сотрудники организации «Саксонские мемориалы» ( Центр документаций в Дрездене) и сотрудники организации «Нижнесаксонские мемориалы» ( Центр документаций в БергенБельзен), которые терпеливо отвечали на наши многочиленные запросы по электронной почте. Так мы смогли составить карту русских населённых пунктов, в которых больше всего солдат попали в плен. При детальном изучении личных дел выявилось, что германские войска заставляли своих военнопленных преодолевать огромные расстояния. Преодоленное расстояние составляет около 2000 км по кратчайшему пути, что объясняет большую смертность среди пленных, если учесть что они были в ослабленном физическом состоянии. Далее бросается в глаза будничное оформление личных дел. Их размер - формат листа А4, сложенный наполовину в формат листа А5. Эти листы сохранялись в основном главном лагере. Наряду с личными информациями как рост военнопленного, записывалась также фамилия и адрес матери и отца военнопленного, а также сведения о профессии для использования на принудительных работах), о перемещениях и выполненных работах.

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Дальше следует описание личного дела Алексея Быкова. Как уже упоминалась, бросается в глаза будничное оформление его личного дела: Эти формуляры, как нам потвердили в организации «Нижнесаксонские мемориалы» в Берген- Бельзен, были срециально разработаны для военнопленных вермахта во Второй мировой войне. Они содержат личные данные о военнопленном, как например, его имя , вероисповедание, профессию, а также важные военные сведения, а именно, гражданство, военное звание, номер военной части и военного билета, гражданская профессия, место и время пленения, состояние здоровья, а также особенности, отпечаток пальца, описание телосложения и фотография по пояс, на которой пленный был изображён со своим номером военнопленного, так называемый « номерок преступника» (Verbrechermarke). Привлекает внимание тот факт, что здесь записывались и адреса людей на родине военнопленного, которые могли известить семью в случае смерти военнопленного. Если пленный умирал, то на лицевой стороне его личного дела ставился штемпель в виде чёрного креста. Хотя Быков находился на самом деле в основном лагере ХБ в Сансбостель в северной части Нижней Саксонии, записан он был в основном лагере военнопленных ХД Витцендорф . Это произошло потому, что лагерь Витцендорф, в котором находились советские пленные, был переполнен и поэтому военно-пленные были отправлены дальше прямо в Сансбостель, Но название « ХД» осталось для «Руссенлагер» Витцендорф. На обратной стороне личного дела вносились подробности: В форме таблицы заносились, например, особенные способности, знание языков, предусмотрен был даже реестр правонарушений. Перечень различных нарушений или проступков отдельных пленных использовался для оценки степени опасности совершения побега, а также для идентификации рецидивистов. В личные дела вносились также прививки, заболевания всякого рода, а также перевод в концентрационный лагерь или в другой основной лагерь. В конце заносилась дата смерти с местом смерти, но не указывалось место захоронения. В личном деле Быкова было сравнительно мало записей - пленный умер уже спустя несколько месяцев на принудительных работах в Дитмаршен. Прежде всего эти личные дела должны были создать вид важного, серьёзного документа. Но ничто в этих личных делах не указывало на страдания, мучения военнопленных. Переведённая на другой язык, это безликая схема могла бы использоваться и для военнопленных других стран.

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3.4. „Wege in den Tod“: Eine Karte mit Hinweisen über Herkunft, Gefangennahme und Transportwege der am Westermoorweg Verscharrten (Björn Buss)

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Björn Buss

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4. Historischer Hintergrund und Ergebnisse der Recherche vor Ort: 1939 bis 1945 Исторические основы и результаты местного исследования: 1939 - 1945 гг

4.1. Rassenideologie der Nationalsozialisten (Julian Zielinski)

Wenn man sich mit dem Thema Nationalsozialismus beschäftigt, so stellt sich den meisten Menschen die Frage: Wie konnten es Hitler und die Nationalsozialisten verantworten, dass Millionen Menschen auf grausamste Art und Weise getötet wurden? Wieso wurden die Slawen zur Zwangsarbeit geschickt, bei der sie elendig umkamen? Hitler hatte die Vorstellung, dass die deutsche Rasse, die zu den sogenannten „Ariern“ zählte, mehr wert sei als die Slawen und Juden11. Diese Vorstellungen schrieb er bereits in dem im Juli 1925 erschienenen Buch „Mein Kampf“ nieder. Nach seiner Theorie waren die Arier die „Herrenrasse“, durch ihr Blut überlegene Völker, welche die Welt regieren würden12: "Wir alle ahnen, dass in ferner Zukunft Probleme an den Menschen herantreten können, zu deren Bewältigung nur eine höchste Rasse als Herrenvolk, gestützt auf die Mittel und Möglichkeiten eines ganzen Erdballs, berufen sein wird" 13. Er berief sich bei seiner Theorie auf den Evolutionstheoretiker Charles Darwin14 sowie auf den französischen Schriftsteller Arthur de Gobineau, der als erster die Theorie der verschiedenen Rassen und deren Rang aufstellte und die Arier an der Spitze sah. Hitler war ein großer Anhänger dieser Theorie, die davon ausging, dass die Natur immer nach einer überlegenen Rasse sucht und unterlegene eliminiert. Er führte dann die Theorie des Sozialdarwinismus fort15, dass schlechtes Erbgut vernichtet werden müsse, allerdings ohne jemals einen wissenschaftlichen Beweis zu erbringen.16 Die Nationalsozialisten begründeten die spätere Ermordung von Millionen Slawen und Juden damit, dass sie „kranke und krankmachende Rassen“ seien17 und somit eliminiert werden müssten: "Alle großen Kulturen der Vergangenheit gingen nur zugrunde, weil die ursprünglich schöpferische Rasse an Blutvergiftung abstarb“18.

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Vgl.: Baringhorst, Ulrich: Rassenlehre im Nationalsozialismus, Dokumentarfilm 2001: 0:01:05 – 0:01:30 Vgl.: Bracher/ Funke/ Jacobsen: Nationalistische Diktatur 1933-1945 (Schriftenreihe der Bundeszentrale für Politische Bildung, Band 192) Bonn 1986 , S. 394 13 Zitiert nach: Hitler, Adolf: Mein Kampf, Zwei Bände in einem Band, 851.- 855. Auflage, München 1943, S. 422; http://de.pluspedia.org/wiki/Mein_Kampf_(Zitate) ( 11.09.11) 14 Vgl.: Yahya, Harun: Rassismus und Sozialdarwinismus, http://www.Islamverurteiltantisemitismus.com/ Rassismus. htm ( 31.08.11) 15 ebda 16 ebda 17 Baringhorst: 0:01:20 – 0:01:30 12

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Die Vernichtung sei somit unbedingt notwendig, damit die arische Rasse bleibe, außerdem sei dies auch nur eine biologische Notwendigkeit, da die Slawen, eine schlechte und „lebensunwerte“ Rasse, ausgelöscht würden und sie somit das arische Blut nicht verunreinigen könnten.19 Ein weiterer Punkt der NS- Ideologie ist die Schaffung von neuem „Lebensraum“ für die arische Rasse, weshalb Hitler die Kampagne “Lebensraum im Osten“ ins Leben rief.20 Im Osten lebten die Slawen, die „Untermenschen“, die es nicht verdienten, im Gegensatz zu den Herrenmenschen, am Leben zu bleiben. Das nahm Hitler als Grund für den Ostfeldzug und die damit verbundene Versklavung und Ermordung von Millionen Slawen.21 Die Arier könnten nämlich nur dann überleben, wenn sie sich vor der „Überfremdung von minderwertigen Rassen“ schützten.22 „Für was wir zu kämpfen haben , ist die Sicherung des Bestehens und der Vermehrung unserer Rasse und unseres Volkes, die Ernährung seiner Kinder und Reinhaltung des Blutes , die Freiheit und Unabhängigkeit des Vaterlandes, auf dass unser Volk zur Erfüllung der auch ihm vom Schöpfer des Universums zugewiesenen Mission heranzureifen vermag.“ 23 Hitler sprach bei dem Ostfeldzug von der „Germanisierung des Ostens“24, alle Länder sollten seinem Vorbild entsprechen, damit sich die deutsche Herrenrasse ausbreiten könnte. Nicht- arische Rassen sollten verdrängt oder getötet werden. Die arbeitsfähigen „Nicht-Arier“ wurden entweder in der Rüstungsindustrie eingesetzt25 oder in andere Arbeitslager gebracht, wo sie sich zu Tode arbeiten mussten. Dieses Schicksal teilten auch die Opfer am Westermoorweg, die sich in Heide und Umgebung zu Tode arbeiteten. Propagiert wurden diese Unmenschlichkeiten in Dithmarschen durch den Heider Anzeiger, der Hitlers Ideologie durch seine hetzerischen Artikel offen zeigte.26 4.1. Расовая идеология национал-социалистов (Юлиан Цилинский) У большенства людей, занимающихся темой национал-социализма, возникают вопросы: - Как могли Гитлер и национал-социалисты оправдать то, что чудовищными методами и средствами миллионы людей были умерщвлены? - Почему славяне отправлялись на принудительные работы, где они в страданиях погибали?

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Zitiert nach: „Mein Kampf:“ S. 316 Vgl.: Yahya, Harun: Rassismus und Sozialdarwinismus 20 Baringhorst, Ulrich: 0:08:06 – 0:08:23 21 Siehe 4.2. : „Das Unternehmen Barbarossa – Eine neue Dimension des Schreckens des Krieges“ 22 Baringhorst 0:08:20 – 0:08:23 23 Zitiert nach: „Mein Kampf“ , S.234 24 Vgl.: Hildebrand, Klaus, das Dritte Reich, (Oldenbourg- Grundriss der Geschichte, Band 17), München 1991, S. 15 25 Vgl. Hildebrand S. 72 26 Siehe 4.3. : „ Pressepropaganda im Nationalsozialismus – der 2. Weltkrieg im Heider Anzeiger“ 19

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Гитлер имел представление, что немецкая раса относится к так называемым «арийцам» и представляет собой большую ценность, чем славяне и евреи. Своё представление он описал в изданной ещё в июле 1925 года книге Mein Kampf («Моя борьба») По его теории арийцы были «господствующей расой», которая по происхождению является высшей расой, достойной править миром. «Мы все предполагали, что в далёком будущем люди могут столкнуться с проблемами, преодолеть которые, опираясь на средства и возможности всего Земного шара, будет призвана высшая раса как господствующий народ.» Он ссылался в своей теории на основателя Теории эволюции Чарлза Дарвина, а также на французского писателя Артура де Гобена, который первым выдвинул теорию расовых различий и поместил арийцев на вершине иерархии. Гитлер был приверженцем этой теории, по которой сама природа постоянно выделяет высшую расу и устраняет низшую. Не приводя никаких научных доказательств, он дополнил теорию социал-дарвинизма тем, что плохой наследственный материал должен быть уничтожен. Национал-социалисты обосновывали последующее убийство миллионов славян и евреев тем, что эти расы являются «больными и заражающими» и поэтому должны быть устранены. «Все великие культуры прошлого исчезли потому, что первоначальная созидающая раса вымерла из-за отравленной крови.» Поэтому уничтожение абсолютно необходимо для сохранения арийской расы; кроме того, это биологически необходимо, так как славяне _ малоценная, «недостойная жизни» раса должна быть «стёрта с лица Земли» и таким образом арийская кровь останется незагрязненной. Следующим пунктом национал-социалистской идеологии является создание нового «жизненного пространства» для арийской расы, поэтому Гитлер призвал к жизни кампанию «Жизненное пространство на востоке». На востоке жили славяне, «люди низшего сорта», которые, в противовес к господствующим людям, не заслуживали жизни. Гитлер обосновывал этим восточное наступление и последующее порабощение и убийство миллионов славян. Ведь только тогда арийцы смогли бы выжить, когда они защитятся от «проникновения малоценных рас». «Мы сражаемся: за обеспечение существования и умножение нашей расы и нашего народа, за пропитание детей и сохранение чистоты крови, за свободу и независимость отечества _ до исполнения этой миссии, отведённой нам Создателем вселенной, наш народ в состоянии созреть.» Гитлер говорил о «германизации востока» во время восточного наступления, где все страны должны соответствовать его образцу, чтобы немецкая господствующая раса могла распространяться. Неарийские расы должны были быть вытеснены или умерщвлены. Работоспособные неарийцы должны были быть использованы в оружейной промышленности или быть помещены в другие трудовые лагеря, где они были вынуждены работать до смерти. Эту судьбу разделили также и жертвы при Вестермоорвеге, которые в Хайде и его окрестностях должны были работать до смерти. В Дитмаршене эти зверства пропагандировались газетой Heider Anzeiger, которая в своих подстрекательских статьях раскрывала идеологию Гитлера.

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4.2. „Unternehmen Barbarossa“ – eine neue Dimension der Schrecken des Krieges (Johannes Barth) Am 22. Juni 1941 begann unter dem Decknamen „Fall Barbarossa“ der (geplante) Blitzkrieg und „Vernichtungsfeldzug“ des Deutschen Reiches gegen die Sowjetunion, in dessen Verlauf 5,7 Millionen27 sowjetische Soldaten gefangen genommen wurden und 3,3 Millionen28 von ihnen in deutschen Lagern – unter anderem auch in Dithmarschen – ihr Leben verloren. Insgesamt kostete der Krieg, den Erich Später in einer Beitragsreihe zum deutschen Überfall auf die Sowjetunion in der Zeitschrift „konkret“ wegen seiner menschenverachtenden Motivation und Brutalität als dritten Weltkrieg bezeichnete, jene etwa 27 Millionen Menschenleben.29 Die Opferzahlen waren allerdings stets umstritten, so galt beispielsweise in der Sowjetunion unter Joseph Stalin zu Propagandazwecken lediglich eine offizielle Opferzahl von etwa 7 Millionen30, während das sowjetische Verteidigungsministerium zum Zeitpunkt des Zerfalls der UdSSR von insgesamt 37 Millionen31 getöteten sowjetischen Bürgern und Bürgerinnen ausging. Im Folgenden werde ich die Anfänge des Deutschen Feldzuges bis zur Schlacht um Stalingrad kurz und grob zusammenfassen, da sie der entscheidende Wendepunkt im Deutsch-Sowjetischen Krieg war, auch wenn die Gräueltaten und Verbrechen von Wehrmacht und Waffen-SS an der sowjetischen Bevölkerung erst mit der Kapitulation Nazi-Deutschlands ein Ende fanden. Ziele des Feldzuges waren die Beseitigung der „jüdisch-bolschewistischen Intelligenz“, die rassistisch motivierte Unterwerfung der einfachen sowjetischen (und meist „slawischen“) Bevölkerung (Näheres dazu auch in Julian Zielinskis Beitrag „Rassenideologie der Nationalsozialisten“ in diesem Heft) und die wirtschaftliche Ausbeutung des Landes.32 Zudem wollte man zusätzlichen „Lebensraum im Osten“33 erobern, der nach dem Krieg durch Deutsche besiedelt werden sollte, und man plante den mit den Deutschen im Krieg befindlichen Briten (nach dem Sieg des Reiches über Frankreich) den letzten potentiellen Verbündeten auf dem Europäischen Kontinent zu nehmen. Da sich die Rote

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Staas, Christina: „Mir fehlen die Worte“, http://www.zeit.de/2010/25/Zweiter-Weltkrieg-RussischeGefangene (13.9.2011) 28 Streit, Christian: Keine Kameraden. Die Wehrmacht und die sowjetischen Kriegsgefangenen 1941 1945, Bonn 1997, S. 10 29 Später, Erich: „Der Dritte Weltkrieg (3)“ In: konkret, 8 (2011), S.30 f. 30 Boeckh, Katrin: Stalinismus in der Ukraine. Die Rekonstruktion des sowjetischen Systems nach dem Zweiten Weltkrieg, Wiesbaden 2007, S. 108 31 RIA Novosti: „UdSSR hat im Zweiten Weltkrieg rund 37 Millionen Menschen verloren“ http://de.rian.ru/russia/20090507/121492894.html (13.9.2011) 32 Stiftung niedersächsischer Gedenkstätten: „Bergen Belsen - Katalog der Dauerausstellung“, Göttingen 2009, S. 45 33 Zeilmann, Kathrin: „Der deutsche Ostfeldzug der Wehrmacht“, http://www.focus.de/wissen/bildung/Geschichte/tid-22719/unternehmen-barbarossa-der-deutscheostfeldzug-der-wehrmacht_aid_638924.html (20.8.2011)

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Armee noch immer nicht von den stalinistischen Säuberungen in den Jahren 1937/38 erholt hatte34, hielt Hitler sie für „nicht mehr als ein[en] Witz“35 und den Zeitpunkt zum Angriff daher für sehr geeignet. Der Angriff, der am 22. Juni 1941 ohne Kriegserklärung erfolgte, kam für den sowjetischen Diktator Josef Stalin überraschend36, hatte man doch am 24. August 1939 einen Nichtangriffspakt (den sog. „Hitler-Stalin-Pakt“) mit dem faschistischen Deutschland geschlossen und Polen unter sich aufgeteilt. So hatte Stalin frühestens nach einem Sieg der deutschen Truppen über Großbritannien mit einem Angriff gerechnet und wollte die eintreffenden Nachrichten von einem Überfall auf die Sowjetunion durch das Deutsche Reich zunächst nicht wahrhaben.37 Doch bald musste er sich eingestehen vom Vertragspartner betrogen worden zu sein. Bereits ab Anfang März 1941 waren Wehrmachtssoldaten in Eisenbahnwagons in die ab September 1939 von Deutschland eroberten Gebiete an der russischen Grenze gebracht und entlang dieser verteilt worden.38 Die Truppen sollten – aufgeteilt in drei Heeresgruppen, die jeweils für die nördliche, zentrale und südliche Sowjetunion bis zum Ural „zuständig“ waren, schnell vorrücken und entgegenstehende Armeen Stalins einkesseln und vernichten.39

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Kriegsgefangene Russland Juli / August 1941 wahrscheinlich zu Beginn ihrer Gefangennahme, Destination ihres Fußmarsches ist unbekannt Военнопленные из России в июле или в августе 1941, по всей вероятности в начале их пленения, место назначения

Die deutschen Einheiten stießen schnell vor: Schon eine Woche nach dem Angriff hatte die Heeresgruppe Mitte das weißrussische Minsk erobert und auf eine siegreiche Kesselschlacht folgte die nächste40, wie z. B. die Doppelschlacht bei Wjasma und Brjansk, bei der die im Heider Massengrab identifizierten Soldaten Alexej Bikow, Iwan Demidow, Alexandr Gusew und Michail Swoewolin gefangen genommen wurden und die auf die Schlacht von Smolensk folgte. Bis zum Oktober 1941 hatte die Heeresgruppe Nord Leningrad eingeschlossen, welches fortan belagert wurde, um die städtische Bevölkerung systematisch verhungern zu lassen.41 Am 9. Oktober wurde dem Kreml eine Panzerkolonne 130 Kilometer vor Moskau gemeldet.42 Während sich die Frontlinie fortlaufend gen Osten verschob, begingen die deutsche

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Später S. 30 Wiegrefe, Klaus: „Bestie und Unmensch“ In: Der Spiegel, 24 (2011) S. 69 36 Wiegrefe, Klaus: „Bestie und Unmensch“ In: Der Spiegel, 24 (2011) S. 62 37 Wiegrefe, Klaus: „Bestie und Unmensch“ In: Der Spiegel, 24 (2011) S. 69 38 ebda 39 Wiegrefe, Klaus: „Bestie und Unmensch“ In: Der Spiegel, 24 (2011) S. 70 40 ebda 41 Später S. 30 42 Wiegrefe, Klaus: „Bestie und Unmensch“ In: Der Spiegel, 24 (2011) S. 70 35

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Wehrmacht und die Waffen-SS hinter dieser Kriegsverbrechen an der sowjetischen Zivilbevölkerung, der die Nationalsozialisten keine Menschenrechte zugestanden. Juden und Jüdinnen wurden in Konzentrationslager deportiert und sowjetische Kriegsgefangene wie auch zahlreiche Zivilisten wurden nach Deutschland verschleppt, um dort zur Arbeit gezwungen zu werden. In Dithmarschen mussten so beispielsweise etwa 5000 sowjetische Kriegsgefangene unter widrigen Bedingungen harte und aufreibende körperliche Zwangsarbeit leisten, an deren Folgen 10 bis 20 Prozent der Zwangsarbeiter starben.43 Mit dem einsetzenden Herbstregen Mitte Oktober 1941 endete allerdings auch der Durchmarsch der Truppen Nazi-Deutschlands an der Ostfront, da der Matsch ein weiteres Vordringen mit schwerem Kriegsgerät unmöglich machte. Dies verschaffte letztendlich der sowjetischen Führung Zeit, um für die Rüstung relevante Fabriken ab- und in sicheren Regionen weit hinter der Front wieder aufzubauen und bis zu 10 Millionen Facharbeiter und Angestellte zu evakuieren.44 Dieses Vorgehen war letztendlich auch eine Grundlage dafür, dass die Rote Armee die Schlacht um Stalingrad im Februar 1943 gewinnen und auf diesem Wege die Niederlage des Deutschen Reiches und das Ende des zweiten Weltkrieges einleiten konnte.45

4.2. Кампания « Барбаросса» - Новые масштабы ужасов войны (Иоханнес Барт) 22 июня 1941 началась под кодовым названием «Операция Барбаросса», заплани-рованная как молниеносная война (Блитцкриг) и « разрушительная война» немецкого рейха против Советского Союза, в ходе которой 5, 7 млн. советских солдат были взяты в плен, и 3,3 млн. из них погибли в немецких лагерях - в том числе и в районе Дитмаршен. В общей сложности эта война, которую Эрих Шпэтер в своей серии статей о немецком нападении на Советский Союз в журнале « Конкрет» из-за её бесчеловечной жестокости назвал Третьей мировой войной, унесла почти 27 млн. человеческих жизней. Число жертв войны всегда было спорным, так, например, при Иосифе Сталине в Советском Союзе в целях пропаганды считалось, что официаль-ное число жертв составляет около 7 млн. человек, в то время как советское министерство обороны на момент распада СССР исходило из 37 млн. погибших советских граждан. Ниже я коротко и обобщённо расскажу о начале войны Германии до Сталинградской битвы, которая явилась переломным моментом в германо- советской войне, хотя злодеяния и преступления вермахта и войск СС против советского населения закончились лишь с капитуляцией нацистской Германии. Целью военной кампании было уничтожение «еврейско большевистской интеллигенции», порабощение на почве рассизма простого советского (чаще всего славянского) населения, ( подробнее об этом в тексте Юлиана Цилинского «Рассовая идеология националсоциалистов» в этой же брошюре), а также экономи-ческая эксплуатация страны. Кроме того, они хотели завоевать дополнительное «жизненное пространство на востоке», которое после войны дожно было быть заселено немцами. Планировалось также таким образом забрать у британцев, находящихся в состоянии войны с Германией, ( после 43

Aussage von Gerd Glüsing (Zuständiger für die Recherche bei der Stiftung gegen Extremismus und Gewalt Heide) 44 Später S. 30 45 Wiegrefe S. 72

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победы рейха над Францией) последнего потенциального союзника на Европейском континенте. Так как Красная армия еще не оправилась в 1937 / 1938 гг. от сталинистских чисток, Гитлер считал её « не более чем шуткой»; он считал это время очень подходящим моментом для нападения. Нападение на Советский Союз, которое произошло 22 июня 1941 без объявления войны, было для советского диктатора Иосифа Сталина неожиданным, так как ещё 24 августа 1939 г. был заключён пакт о ненападении с фашистской Германией ( так называемый «Гитлер- Сталин — пакт»), и Польша была поделена между ними. Сталин ожидал нападение лишь после победы немецких войск над Британией и не хотел верить входящим сообщениям о нападении Немецкого рейха на Советский Союз. Но вскоре он вынуждён был признать, что был обманут партнёром по договору. Уже в начале марта 1941 г. солдаты вермахта были доставлены в железнодорожных вагонах на завоёванные Германией в 1939 г. территории к русской границе и были распределены вдоль границы. Войска были поделены на три армии, каждая из которых «была ответственна» за определённую часть Советского Союза до Урала: северная, центральная и южная. Войска должны были быстро двигаться вперёд, окружить сталинские армии и уничтожить их. Немецкие части быстро продвигались вперёд: Уже неделю спустя после начала нападения группа армий «Центр» завоевала белорусский Минск, одно победоносное сражение следовало за другим, как например, одновременные победоносные сражения у двух осаждённых городов: Вязьма и Брянск. При этом сражении, которое последовало за битвой у Смоленска, были взяты в плен солдаты Алексей Быков, Иван Демидов, Александр Гусев и Михаил Своеволин, могилы которых были установлены в массовом захоронении возле города Хайдэ. К октябрю 1941 года группа армий «Норд» взяла город Ленинград в блокадное кольцо. Начиная с этого момента город находился в постоянной осаде с целью уморить население города голодом, а 9 октября в Кремль пришло донесение о том, что в 130 км от Москвы находится танковая колонна противника.В то время, как линия фронта непрерывно продвигалась на восток, солдаты вермахта и войска СС начали свои военные преступления против мирного советского населения, которое, по мнению нацистов, не имело прав человека. Евреи были депортированы в концентрационные лагеря; советские военнопленные, а также многочисленные гражданские лица были насильственно угнаны в Германию, чтобы их там использовать на принудительных работах . В районе Дитмаршен, например, 5000 советских военнопленных были использованы на принудительных, изнуряющих работах в тяжелых условиях, в результате которых от 10% до 20 % заключённых умерли от насильственного труда. С наступлением осенних дождей в середине октября закончилось быстрое продвижение войск нацистской Германии на восточном фронте, так как из-за грязи было невозможным дальнейшее продвижение тяжёлой военной техники. В конечном счёте, это дало советскому руководству время демонтировать важные военные заводы и фабрики, и вновь воздвигнуть их в безопасных районах далеко за линией фронта, а также эвакуировать до 10 млн. квалифицированных рабочих и служащих. Это было, в конечном счёте, одним из важных условий для того, чтобы Красная армия выиграла битву за Сталинград в феврале 1943 года, и, таким образом, положило начало поражения немецкого рейха и конца Второй мировой войны.

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4.3. Pressepropaganda im Nationalsozialismus: Der Zweite Weltkrieg im „Heider Anzeiger“ (Tarek Awad) Der folgende Text handelt von der Gleichschaltung der Tagespresse und den Zielen, die von den Nationalsozialisten damit verfolgt wurden. Nachdem am 13. März 1933 das „Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda“ unter der Leitung von Dr. Joseph Goebbels gegründet wurde, ist auch die Tagespresse von den Nationalsozialisten nach und nach gleichgeschaltet worden. Es gab viele propagandistische Ziele, die mit der Gleichschaltung verfolgt wurden. Ein wichtiges Ziel der Nationalsozialisten war z. B. die Vorbereitung des deutschen Volkes auf das „Untermenschentum“, denn auf diese Art und Weise wurden die sowjetischen Bürger von den Nazis definiert.46 Doch zuerst muss zwischen der Tagespresse und der Parteipresse der NSDAP unterschieden werden. Schon während der Weimarer Republik hetzte die Parteipresse gegen politische Gegner. Dass nun jedoch auch die vorher relativ unabhängige Tagespresse dem folgte, hebt die Propaganda der Nationalsozialisten in eine andere Dimension. Denn wenn eine „unabhängige“ Zeitung berichtet, hat sie noch mehr Macht, um die Bevölkerung zu manipulieren.47 Dazu führen mehrere Dinge: Zum einen ganz einfach, dass die Tagespresse, allein schon aus Tradition und Gewohnheit, da man beispielsweise schon immer gerne den Heider Anzeiger las, eine breitere Masse an Lesern hatte. Zum anderen erreicht eine Tageszeitung auch den Leser, der sich nicht zwangsläufig für Politik interessiert, und so kann auch diese Leserschaft manipuliert werden. Vor allem aber gelten Medien wie Zeitungen als objektive Berichterstatter und dieses Vertrauen an die Objektivität von Tageszeitungen lässt alle Informationen als wahr gelten – ein Geschenk, um nationalsozialistische Theorien in der Gesellschaft zu verankern. Dies diente vor allem nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten zur Machtsicherung.48 Hierfür wurde die Pressefreiheit außer Kraft gesetzt. Druckschriften aller Art konnten nun von der Polizei grundlos beschlagnahmt werden. Somit verschwanden alle sozialdemokratischen und kommunistischen Blätter, da die SPD und die KPD die einzigen ernstzunehmenden politischen Gegner der NSDAP waren.

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Siehe 4.1: „Rassenideologie im Nationalsozialismus“ Allerdings muss erwähnt werden, dass sich in der Bevölkerung im ländlichen, protestantischen Dithmarschen bereits früh Sympathisanten der NSDAP nachweisen lassen, wie die Ergebnisse der Reichstagswahlen 1932 und vom März 1933 beweisen. Mit einem Ergebnis von 68,6% in Norderdithmarschen liegt das Ergebnis der Märzwahl 1933 deutlich über dem Gesamtergebnis im Deutschen Reich, welches 43,9% betrug. 48 Dussel, Konrad: „Deutsche Tagespresse im 19. und 20. Jahrhundert“, Münster 2004, S. 159 47

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“Zeitungsverbote… können daher von der (…) zuständigen Ortspolizei mit bloßer Bezugnahme auf §1 der Verordnung ohne nähere materielle Begründung, sondern lediglich im Interesse der öffentlichen Sicherheit erlassen werden“49 Man erkennt, dass die Presse im Nationalsozialismus nur eine „Form ist, die von den Nazis nach Belieben mit Inhalt gefüllt werden kann.“50 Dies wird vor allem während des 2. Weltkrieges deutlich. So wird z. B. der „Blitzkrieg“ gegen Polen oder auch der Angriff auf die Sowjetunion in der Tagespresse gerechtfertigt und als notwendig beschrieben. Des Weiteren werden auch im vorliegenden Heider Anzeiger die sowjetischen Bürger als „Weltfeind“ hochstilisiert, um die Menschen auch hier in Dithmarschen ideologisch auf den Umgang mit dem „bolschewistischen Erzfeind“ vorzubereiten. Diese Vorbereitung der Nazis zielte darauf ab, auf Grundlage ihrer Rassenideologie alle Deutschen darauf einzustimmen, sowjetische Kriegsgefangene ohne Skrupel als Zwangsarbeiter auszubeuten.51 Aber auch militärische Erfolge wurden in der Presse verherrlicht und somit wurde Kriegspropaganda betrieben. All diese Ziele werden auch in dem vorliegenden Heider Anzeiger vom 7. Juli 1941 deutlich. Ungefähr drei Wochen nach Beginn der Operation „Barbarossa“ wird von den Geschehnissen an der Ostfront „berichtet“.52 Dass es sich hier um einseitige Propaganda handelt, wird schon durch das Titelblatt und die dort abgedruckten Fotos klar. Im Mittelpunkt des Titelblattes befinden sich nebeneinander zwei Fotos. An der Darstellung dieser Fotos soll man den Unterschied zwischen den deutschen Soldaten und den sowjetischen Soldaten erkennen. So präsentieren sich im linken Foto drei deutsche Soldaten, von denen man die Oberkörper in Bewegung sieht und deren Gesichter im Halbprofil zu sehen sind, kampfbereit, dynamisch und stets mit dem Ziel vor Augen. Diese Präsentation wird dadurch erreicht, dass die Blicke der Soldaten alle auf ein festes Ziel, auf das einer der Soldaten auch zeigt, gerichtet sind. Doch dieses Ziel ist auf dem Foto nicht mehr zu sehen. Ebenfalls soll so auch Zusammenhalt und Teamfähigkeit aus dem Foto erkennbar sein. Die gut organisierten Soldaten stehen in Kontrast zu den unorganisiert wirkenden sowjetischen Soldaten im rechten Foto. Denn der sowjetische Soldat wird müde gezeigt, es scheint fast, als sei er bereit aufzugeben. Er schaut in Richtung der Kamera, aber im Gegensatz zu den deutschen Soldaten wirkt sein Blick verloren. Ebenfalls im Gegensatz zu den deutschen Soldaten steht die Körperhaltung. Der Oberkörper ist erschlafft, was die Müdigkeit des Soldaten noch einmal unterstreicht. Dass er eine schmutzige Uniform trägt, unterstützt die nationalsozialistische Theorie des „unmenschlichen Bolschewisten“. Hinzu kommen die Fotoüberschrift: „Zwei grundverschiedene Welten“ und die Fotounterschrift: “Der deutsche Soldat – Der Held der größten Schlachten der Weltgeschichte. Mut, Zielbewusstsein, Energie und letzte Hingabe sprechen aus diesen Gesichtern. … und bolschewistisches Untermenschtentum.“53

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Dussel, S. 160-161 Dussel, S. 165 51 Siehe 4.1: „Rassenideologie der Nationalsozialisten“ 52 Siehe umseitiges Faksimile „Entsetzliche Greuel der Sowjets“, Heider Anzeiger 07 .07. 1941 53 ebda 50

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(Titelblatt des „Heider Anzeigers“ vom 7.7.1941) (Titelblatt des „Heider Anzeigers“ vom 7.7.1941) (Titelblatt des „Heider Anzeigers“ vom 7.7.1941)

(Titelblatt des „Heider Anzeigers“ vom 7.7.1941)

Weitere propagandistische Dienste leisten auch die Artikel. Das Vorgehen gegen die Sowjetunion wird in diesem Artikel nicht nur gerechtfertigt, sondern es wird auch das Gefühl vermittelt, dass der grausame Krieg gegen die Sowjetunion richtig und wichtig ist. Denn die Nationalsozialisten stellten den Verteidigungskampf der Alliierten als Angriff auf die deutsche Zivilbevölkerung dar. So soll beim Leser das Gefühl erzeugt werden, dass der Krieg gegen die Sowjetunion legitim und nötig sei. 37

“Der Feind warf in der letzten Nacht in Westdeutschland Spreng- und Brandbomben. Die Zivilbevölkerung hatte größere Verluste an Toten und Verletzten. Wohnviertel und öffentliche Gebäude wurden vor allem in Münster und Bielefeld getroffen.“54

Ein Beispiel dafür, dass die Nationalsozialisten wussten, wie sie zu propagieren haben, ist der Artikel „Eine spanische Stimme“ in derselben Ausgabe, aus dem hervorgeht, dass die USA angeblich den deutschen Vormarsch an der Ostfront begrüßen, denn damit würden „jeden Tag hunderte von Quadratkilometern für die Zivilisation zurückgewonnen werden“. 55 Dieser „Gewinn“ ist nach nationalsozialistischer Vorstellung deshalb wichtig, um die minderwertige slawische Rasse zu unterdrücken und um für die „arische Rasse“ somit noch mehr „Lebensraum im Osten“ gewinnen zu können. Doch ob dies ein originales Zitat aus einer amerikanischen Tagespresse ist, ist sehr fragwürdig, weil hier durch die Gleichschaltung der deutschen Presse keine unabhängigen Quellenangaben erwartet werden können. Des Weiteren passt die Aussage nicht zu dem Kriegseintritt der USA nur ein paar Monate später im Dezember 1941. Weiter propagiert der Heider Anzeiger in dem Artikel „Sowjethölle“, dass alle sowjetischen Bürger „unintelligent und listig“ seien. Im Allgemeinen soll dieser Propagandaartikel historisch sein und stellt die Oktoberrevolution 1917 als einzige Mordschlacht dar. Alles in allem ist der Heider Anzeiger ein gutes Beispiel für die Propaganda, die durch die Gesetze der Nationalsozialisten nun auch die Tagespresse erreichte. Mit solchen Tageszeitungen war es möglich, die einzelnen Menschen zu indoktrinieren, und so konnten die Nationalsozialisten ihre Macht sichern und aufbauen, das deutsche Volk kriegsbereit formen und während des Krieges die „Motivation“ für diesen aufrechterhalten und die Deutschen schon darauf vorbereiten, demnächst sowjetische Kriegsgefangene als Zwangsarbeiter einzusetzen, was auch hier in Dithmarschen der Fall war. So wurden von 1941 bis 1945 etwa 5000 sowjetische Zwangsarbeiter nach Heide gebracht und in ganz Dithmarschen verteilt.56 Somit war es wichtig, dass auch hier die Menschen keine Skrupel mehr haben sollten, die Zwangsarbeiter auf ihren Höfen oder in Fabriken arbeiten zu lassen.

4. 3. Нацистская пропаганда в печати: Вторая мировая война в газете «Хайдер вестник» (Тарик Овад) В нижеследующем тексте речь идёт о подчинении ежедневной прессы целям, которые преследовали нацисты. После того как 13 марта 1933 под руководством д-ра Геббельс было организовано «Министерство по просвещению населения и пропаганде», нацисты постепенно подчинили себе и ежедневную прессу. У них было много пропагандистских целей, которые они хотели 54

ebda Artikel „Eine spanische Stimme“, Heider Anzeiger 07. 07. 1941 56 Aussage von Gerd Glüsing (Zuständiger für die Recherche bei der Stiftung gegen Extremismus und Gewalt Heide) 55

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осуществить этим подчинением. Очень важной целью нацистов была подготовка немецкого населения к мысли о «людях низшего сорта», так нацисты называли советских граждан. Но сначала нужно рассказать о различии между ежедневной прессой и партийной прессой национал- социалистической партии Германии. Уже во времена Ваймарской Республики партийная печать натравливала населения против своих политических противников. Однако теперь, когда раннее относительно независимые газеты стали им следовать, это придало нацистской пропаганде другой уровень значения. Ибо если « независимая газета» печатает сообщение, то у неё еще больше возможностей манипулировать население. Причиной тому были следующие факты. Во-первых, у ежедневных газет было попросту масса читателей, которые, например, уже по привычке всегда охотно читали газету «Хайдэр вестник». Во-вторых, ежедневную газету читали и те, которые не обязательно интересовались политикой, и таким образом можно было воздействовать и на таких читателей. Но прежде всего такие средства массовой информации как газеты считаются объективными при освещении событий. Это доверие в объективность ежедневных газет делает все напечатанные информации правдивыми - в полном смысле подарок для того, чтобы закрепить национал- социалистические теории в обществе. После захвата власти нацистами газеты и служили прежде всего для закрепления их власти. С этой целью свобода печати была попросту отменена. Публикации всех видов могли быть теперь без причины конфискованы полицией. Так исчезли все социал -демократические и коммунистические газеты, так как только социал демократическая партия Германии и коммунистическая партия Германии были единственными серьёзными противниками национал- социалистической партии Германии. «Запреты газет.... могут быть поэтому приняты (...) местной полицией с простой ссылкой на параграф 1 Постановления без дополнительных обоснований, просто в интересах общественной безопасности.» Было очевидным, что печать при национал- социализме была лишь одной из «форм, которую нацисты могли заполнить содержанием по своему усмотрению». Это стало особенно очевидным во время Второй мировой войны. Так например, «блитц- криг»( молниеносная война) против Польши и нападение на Советский Союз оправдывается в ежедневных газетах и описывается как необходимость. В имеющейся в наличии газете «Хайдэр вестник» советские люди изображены как « мировой враг» с той целью, чтобы идеологически подготовить здесь в Дитмаршен людей к тому, как обращаться с «заклятым большевистским врагом». Эта подготовка нацистов была направлена на то, чтобы на основании рассовой идеологии настроить все немецкое население на то, чтобы без угрызений совести эксплуатировать советских военнопленных на принудительных работах. Кроме того, в газетах восхвалялись военные успехи, и таким образом в печати проводилась пропаганда войны. Все эти цели отчетливо прослеживаются в имеющейся в наличии газете «Хайдэр вестник» от 07 июля 1941 года. Приблизительно три недели спустя после начала операции «Барбаросса» газета рассказывает о событиях на восточном фронте. Что речь идет только об односторонней пропаганде, видно из заголовка первой страницы и напечатанных фотографий. На первой странице напечатаны рядом две фотографии. 39

Изображения на этих фотографиях должны были показать различия между немецкими и советскими солдатами. Так изображены на фотографии слева три немецких солдата, корпус которых весь в движении, в боевой готовности, а лица, полные внутренней силы и всегда с целью перед взором, видны в полупрофиль. Этот эффект достигался тем, что взгляды всех солдат были направлены на конкретную деталь, на которую указывал один из солдатов. Но эта конкретная деталь на фотографии не была видна. Таким же трюком демонстрировалась здесь сплочённость и единство команды. Хорошо организованные немецкие солдаты показывались в контрасте с дезорганизованными на вид советскими солдатами на фотографии справа. Советский солдат показан уставшим, кажется даже, что он готов сдаться. Он смотрит в сторону объектива фотоаппарата, но в противоположность к немецким солдатам, взгляд его кажется потерянным. Поза советского солдата также противоположна тому, как изображены немецкие солдаты. Его фигура показана бессильной и ослабленной, что ещё раз подчёркивает усталость советского солдата. То, что он одет в грязную гимнастёрку, должно было подкрепить националсоциалистическую теорию о «бесчеловечном большевике». Подпись под фотографиями гласит: «Немецкий солдат — герой самых больших сражений в мировой истории. Мужество, целеустремлённость, энергия и готовность к полной отдаче отражается на этих лицах... и большевисткие недочеловеки». Больую пропагандистскую роль играли также статьи в газетах. Военные действия против Советского Союза не только оправдываются одной из статей; статья старается также создать впетчатление, что жестокая война против Советского Союза важна и правильна. Националсоциалисты представляли оборонительную борьбу союзников как нападение на мирное немецкое население. Таким образом у читателей создавалось чувство, что война против Советского Союза необходима и законна. «Прошлой ночью враг сбросил взрывоопасные и зажигательные бомбы . У гражданского населения большие потери убитыми и ранеными. Жилые кварталы и общественные здания пострадали в г. Мюнстер ив г. Билефельд.» Примером тому, что нацисты знали, как вести пропаганду, является статья « Мнение одного испанца» в том же номере газеты, из которой следует, что США приветствуют продвижение немцев на Восточном фронте, так как этим продвижением « каждый день приобретаются вновь сотни километров земли для цивилизации.» Эти «приобретения» потому так важны по представлению нацистов, чтобы подавить неполноценную славянскую рассу с той целью, чтобы «арийская расса», таким образом, получила бы больше «жизненного пространства на востоке». Но является ли это действительно оригинальной цитатой из американской ежедневной газеты, весьма сомнительно, так как из-за подчинения всех средств массовой информации нацистской партии, здесь нельзя было ожидать ссылку на независимые источники. Кроме того, это высказывание не соответствует действительности, так как только несколько месяцев спустя, в декабре 1941 года США вступили в войну против Германии. 40

Далее «Хайдэр вестник» пишет в статье «Советский ад» , что советские люди «хитры и неинтеллигентны». В целом эта пропагандистская статья претендовала на название исторической статьи и изображала Октябрьскую революцию 1917 как кровожадную битву. В общей сложности, «Хайдэр вестник» является убедительным примером пропаганды, которая путём законов, принятых нацистами, подчинила себе также ежедневные газеты. С такими ежедневными газетами нацисты смогли внушить свои идеи каждому человеку, и таким образом нацисты смогли укрепить свою власть и расширить своё вляние, подготовить немецкий народ к войне. Во время войны они смогли сохранить «мотивацию» к ведению войны и подготовить немецкий народ к той мысли, что скоро будут использованы военнопленные в качестве подневольных работников, что и произошло здесь в районе Дитмаршен. Так с 1941 года по 1945 в г. Хайдэ были привезены приблизительно 5000 советских военнопленных в качестве подневольных работников, которых распределили по району Дитмаршен. Поэтому было важно, чтобы у немецкого населения не было угрызений совести и сомнений при использовании военнопленных для принудительного труда на своих фабриках и фермах.

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4.4. Der Transport vom Ort der Gefangennahme nach Heide (Vanessa Rosin, Tjark Thönßen) Der Weg eines sowjetischen Kriegsgefangenen verlief von dem Ort der Gefangennahme über die provisorische Unterbringung in einem Durchgangslager, wo man die schon sehr hungrigen und erschöpften Männer nach häufig langen Fußmärschen in Viehwaggons einsperrte und sie dort ausharren ließ, bis zur Abfahrt der Züge nach mehreren Tagen. In Deutschland angekommen, wurden die Überlebenden in Stammlager eingeliefert, von wo man sie dann weiter an die einzelnen Orte verteilte. Das zuständige Stammlager für Dithmarschen war das Stalag XD in Sandbostel / Niedersachsen (ab 1940 wurde die Verwaltung dann in das Stammlager XA: Schleswig ausgelagert). Von dort kamen die Gefangenen dann in die Durchgangslager, wie zum Beispiel die Heider Fichtenhain-Rennbahn in der Waldschlösschenstraße.57 Nach einer erneuten Erfassung58 wurden ihnen daraufhin die verschiedenen Arbeitsplätze zugeteilt. Die während des Transports gestorbenen Kriegsgefangenen wurden vor Heide aus den Waggons hinausgeworfen und dann auf der ehemaligen Schweineweide am Westermoorweg verscharrt, welche sich dafür anbot, da sie nur wenige hundert Meter von der benutzten Bahnstrecke entfernt lag.59 Während der Eisenbahnfahrt verloren alle Kriegsgefangenen rapide an Gewicht und Kraft, wogen teilweise nur noch 41 Kilogramm60, was die Wehrmachtssoldaten und Polizeikräfte jedoch wenig bis gar nicht interessierte. Deren Aufgabe war es, die Gefangenen während des Transportes zu bewachen. Im Falle eines Fluchtversuchs war die Wachmannschaft angewiesen sofort zu schießen.61 Da sich die Gefangenen ihrer aussichtslosen Situation oft bewusst waren, versuchten sie zum Beispiel durch manchmal geöffnete Wagentüren zu entkommen oder die oft morschen Böden zu durchbrechen.62 Sollte doch einmal ein Gefangener entkommen sein, musste die Flucht umgehend den örtlichen Polizeidienststellen gemeldet werden, damit diese die Fahndung aufnehmen konnten.63 Bei der Darstellung der äußeren Umstände des Transports bezogen wir unsere Informationen aus Augenzeugenberichten, welche dem Verein „Kontakty – Kontakte“ durch ehemalige Kriegsgefangene persönlich zugesandt wurden.

57

vgl. Harder, Harro: „Fremdarbeiter“ und Kriegsgefangene in Dithmarschen von 1939 – 1945. In: U. Danker u. a. (Hg.): „Ausländereinsatz in der Nordmark“. Zwangsarbeitende in Schleswig-Holstein 1939 – 1945. Bielefeld 2001, S. 377 – 393. 58 Spätestens in den Stammlagern im Reich wurden für alle Kriegsgefangenen „Personalkarten“ angelegt. Zu Einzelheiten über Personalkarten siehe auch 3.2.: „Abbildung einer Personalkarte“, 3.3.: „ Ausführungen zu den Personalkarten“ 59 Siehe auch 5.: „Jenseits von schriftlichen Quellen: Zeitzeugenberichte – Uwe Reh“ 60 Vgl. Augenzeugenbericht: W. Panasow vom 23.04.2006 aus einer E-Mail an „Kontakty-Kontakte“ 61 Vgl. Amtsblatt der Haupt-Eisenbahndirektion Süd vom 15.06.1942, Quelle: Stadtarchiv Heide 62 Vgl. ebda 63 Vgl. Amtsblatt 19 der Haupteisenbahndirektion Mitte Minsk vom 22. Juni 1942 (Anweisung 270)

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Jeder der Männer, die jeweils ihre Zeit in Gefangenschaft beschreiben, erzählt seine eigene Geschichte, seine eigenen Erlebnisse und Erfahrungen. Jeder schildert sie anders, jedem haben sich andere Eindrücke ins Gedächtnis gebrannt. In einem Punkt jedoch sind sich alle einig: Die Bedingungen, unter denen die Gefangenen transportiert und während dieser Zeit behandelt wurden, waren keinesfalls menschenwürdig. Während des (wegen zahlreicher Zwischenstopps während der Nacht) tagelangen Transports trug die Wehrmacht die Verantwortung für die Versorgung der Gefangenen.64 Sie kam jedoch ihrer Verantwortung nicht nach, da sie sich an diverse Abkommen zum Umgang mit Kriegsgefangenen (wie z. B. die Genfer Konvention von 192965) nicht hielt. Ein großes Thema ist die Unterernährung, von der in jedem der vorliegenden Augenzeugenberichte die Rede ist. So beschreibt ein Gefangener beispielsweise, wie nach sechs Tagen Zugfahrt in einem voll mit Menschen beladenen Güterwaggon die Türen geöffnet und lediglich zwei Laibe Brot und zwei Eimer Wasser unachtsam hineingeworfen und die Türen sofort wieder geschlossen worden seien.66 Ein anderer erzählt von 6 bis 7 Männern, die sich einen Laib Brot teilen mussten; beim Verzehr jedoch sei dann festgestellt worden, dass das Brot aus Sägemehl und Holzspänen zubereitet worden sei. Vom Essen abgehalten habe dies trotz alledem niemanden, was die große Not zeigt, die diese Männer durchgestanden haben müssen. 67 Auch Wasser war keine Selbstverständlichkeit während der Transporte. Viele Männer verdursteten in den Waggons oder versuchten, sich mit aufgefangenem Regenwasser oder an den Wänden gebildetem Reif vor dem Austrocknen zu retten.68 In einem Bericht ist die Rede von Gefangenen, die während eines Fußmarsches versucht hätten, Regenwasser aus einem

Sowjetische Kriegsgefangene im Mittelabschnitt Orel-Witebsk-Wiliki-Luki 1941 oder 1942 Советские военнопленные в пути между Орёл- Витебск-Великие Луки в 1941 г. или 1942 г.

64

Vgl. Hoch, Gerhard: „Im Schatten des Vernichtungskrieges - Sowjetische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter in Schleswig-Holstein“ (1999) http://kzkaltenkirchen.de/archivtexte/dokumente/vernichtungskrieg.pdf (01.09.2011) 65 Die Genfer Konvention regelte den Umgang mit Kriegsgefangenen. Alle Beteiligten am Zweiten Weltkrieg unterschrieben diese, nur die Sowjetunion nicht, was Hitler zum Anlass nahm, den Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion die dort gesicherten Rechte zu verweigern. Siehe auch 2. „Einleitende Überlegung zur vorliegenden Schülerprojektarbeit“ 66 vgl. Augenzeugenbericht: W. Panasow vom 23.04.2006 aus einer E-Mail an „Kontakty-Kontakte“ 67 vgl. Augenzeugenbericht: Iwan Michajlowitsch Kotikow; Russland, Gebiet Stawropol aus einer E-Mail an „Kontakty-Kontakte“, Datum unbekannt 68 vgl. Augenzeugenbericht: Smbat Aristakesjan – Eriwan/Armenien aus einer E-Mail an „Kontakty-Kontakte“, Datum unbekannt

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vollgelaufenen Graben zu trinken. Bei diesem Versuch sollen sie von Wächtern erschossen worden sein. Aus demselben Augenzeugenbericht stammt auch die Information, dass nach 8 Tagen ohne Nahrung den Männern ein Wagen voller Kartoffelschalen und faulender Kohlstücke überlassen wurde.69 Dies war keine Seltenheit, genau wie der Ausschank von sogenanntem Eichelaufguss anstelle von Wasser.70 Immer wieder auftauchend ist auch der Begriff „Balanda“. Hierbei handelt es sich um eine Art Suppe, welche den Gefangenen von Zeit zu Zeit zum Verzehr geboten wurde. Die Bedingungen in den Transportwaggons an sich waren unter jeder Würde. Männer seien „wie Brennholz“71 in Waggons gestapelt worden und es habe oft noch nicht einmal ein Dach existiert, welches den Gefangenen Schutz vor jeglicher Form von Witterung hätte bieten können. So kam es, dass unzählige Männer auf den Waggons erfroren.72 Den Gefangenen wurde deutlich mehr abverlangt, als es menschlich möglich war. So mussten sie beispielsweise nach tagelangem Transport ihre Schutzgruben am Zielort oder am Ort des Zwischenstopps selbst ausheben; die Kraftlosigkeit war den deutschen Soldaten vollkommen gleich. Zu schwache Männer wurden auf Wagen geladen und in Lazarette gebracht. Berichtet wird hier jedoch auch von einer Gruppe junger Männer, welche von den deutschen Soldaten lediglich in einer Scheune zum Sterben zurückgelassen wurden. Als die Soldaten am nächsten Morgen feststellten, dass die Männer wider Erwarten die Nacht überlebt hatten, seien auch diese in ein Lazarett gebracht worden.73 Von den schätzungsweise insgesamt 5,7 Millionen Kriegsgefangenen starben schon 3,3 Millionen auf dem Weg nach Deutschland.74 Genaue Zahlen über Gefangene, die nach Schleswig-Holstein transportiert wurden, sind jedoch unmöglich zu finden, da einige Gefangene nicht in Stammlagern organisiert waren, wodurch ihre Stammkarten unvollständig ausgefüllt waren und sie somit neben den Statistiken liefen.

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vgl. Augenzeugenbericht: Beljak Nikolaj Pavlovitsch, Ukraine, Gebiet Charkow vom 29.01.2005 aus einer EMail an „Kontakty-Kontakte“ 70 vgl. Augenzeugenbericht: Dazenko Wassiij Iwanowitsch aus einer E-Mail an „Kontakty-Kontakte“, Datum unbekannt 71 vgl. Augenzeugenbericht: Iwan Michajlowitsch Kotikow; Russland, Gebiet Stawropol aus einer E-Mail an „Kontakty-Kontakte“, Datum unbekannt 72 vgl. Augenzeugenbericht: Klimento Grigirij Iwanowitsch; Ukraine, Gebiet Tscherkassy aus einer E-Mail an „Kontakty-Kontakte“, Datum unbekannt 73 vgl. Augenzeugenbericht: Petrow Dmitrij Iwanowitsch - Russland, Orenburg 11.08.2008 aus einer E-Mail an „Kontakty-Kontakte“ 74 vgl. Hoch, Gerhard (1999), Seite 2

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4.4. Траспортировка с места взятия в плен в г. Хайдэ (Ванесса Розин и Тьярк Тёнсен) Путь советского военнопленного начинался от места пленения, затем размещения во временном транзитном лагере, пока их, изголодавшихся и изнуренных, часто после длительных пеших маршей, загоняли в вагоны для скота и оставляли людей там до тех пор, пока поезд не трогался через несколько дней в путь. Прибыв в Германию, оставшиеся в живых помещались в главный лагерь, откуда их потом распределяли в различные места. Главным лагерем для района Дитмаршен был Сталаг Х Д в Зандбостель/ Нижняя Саксония. (Начиная с 1940 года управление было перемещено в главный лагерь ХА в г. Шлезвиг). Оттуда военнопленные попадали потом в транзитный лагерь, как например, в Фихтенхайн- Реннбан на улице Вальдшлёсхен-Штрасэ. Затем их заново регистрировали и посылали на различые работы. Умерших в пути военнопленных выбросили из вагонов перед городом Хайдэ и потом захоронили на бывшем пастбище у Вестермоорвег, (оно было удобным для этой цели, так как пастбище находилось всего в нескольких сотнях метров от используемой железной дороги). Во время транспортировки на железной дороге военнопленные быстро теряли вес и силу, некоторые весили только 41 кг, что совершенно не интересовало солдат вермахта и полицейских. Их задачей являлась охрана пленных во время транспортировки. Охранники имели приказ стрелять в случае попытки бегства пленных. Так как заключённые знали о своём безвыходном положении, они пытались бежать через открытые двери вагонов, или, проломив прогнивший пол вагона. Если пленному удавалось бежать, то об этом немедленно сообщалось в ближайший местный полицейский участок, чтобы полиция могла начать розыск. При описании обстоятельствах транспортировки мы использовали информацию очевидцов, которую нам прислали лично бывшие военнопленные через общество «Контакты — Контактэ». Каждый из этих людей, который описывал свое время в плену, рассказывал свою собственную историю, что он пережил и видел. И каждый описывал пережитые события по разному, у каждого врезались в память другие впечатления. Но по одному вопросу мнения у всех совпадает: Условия, в которых пленные перевозись и как с ними в это время обращались, были ни в коем случае человечными. Во время длительной транспортировки заключённых (из-за многочисленных остановок ночью ) германская армия была ответственна за снабжение пленных. Но она, несмотря на многочисленные международные соглашения об обращении с военнопленными (как например, Женевская конвенция от 1929 г.) не выполняла свои обязанности. Большой проблемой было недоедание и голод, о котором говорится в каждом рассказе очевидцев. Так описывает, например, один пленный, как после шести дней в пути в переполненном людьми товарном вагоне, открылись двери и в вагон были заброшены только две буханки хлеба и поставлены два ведра воды, после чего дверь была вновь заперта. Другой сообщил о том, что 6 человек поделили одну буханку хлеба, а когда стали есть, то выяснилость, что этот хлеб был испечён из древесных опилков и стружек. Но пленные всё равно съели этот хлеб, что показывает, какую крайнюю нужду и голод терпели люди. Даже воды не было достаточно во время транспортировки . Многие люди в вагонах умирали от жажды, или пытались спастись от жажды, собирая дождевую воду или иней на стенах вагонов.

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1

Kriegsgefangene Russland Juli / August 1941 wahrscheinlich zu Beginn ihrer Gefangennahme, Destination ihres Fußmarsches ist unbekannt Военнопленные из России в июле или в августе 1941, по всей вероятности в начале их пленения, место назначения их походной колонны неизвестно

В одном сообщении очевидца рассказывается о пленных, которые пытались во время пешего марша выпить дождевой воды из канавы. При этой попытке они были расстреляны охранниками. В том же сообщении очевидца есть информация, как пленным, после 8 дней без пищи, предоставили повозку с картофельными очистками и гниющими кусками капусты. Такие случаи были не редкостью, так же как и выдача настоя желудей вместо воды. Часто в рассказах очевидцев встречается слово «баланда». Речь идет о подобии супа, который время от времени предлагался пленным в качестве еды.

Условия в транспортных вагонах были ниже всякого достоинства человека. Людей складировали в вагонах как дрова, часто даже без крыши над головой, которая могла бы защитить пленных от любой непогоды. Таким образом многие люди замерзали и умирали от холода.От пленных требовали значительно больше работы, чем это было в человеческих силах. Так, например, им приходилось после длительной транспортировки самим рыть свои траншеи на месте назначения, или при остановках в пути; то, что они были обесиленные и ослабленные, оставляло немецких солдат равнодушными. Обесиленных и ослабевших людей погружали на повозки и отвозили в лазарет. Очевидцы рассказали и о таком эпизоде, как такую же группу обесиленных молодых людей охранники отвезли к сараю и оставили их там умирать. Когда же на следующее утро солдаты увидели, что пленные пережили ночь иещё еле живы, они отвезли их в лазарет. От примерно 5, 7 млн. военнопленных умерли 3, 3 млн. по дорогам Германии. Точных данных о количестве пленных, привезённых в Шлезвиг- Хольштайн, невозможно было найти, так как некоторые пленные не были зарегистрированы в основных лагерях, их личные карточки не были полностью заполнены, и поэтому они не учитывались в основной статистике.

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4.5. Die Erlasse der Reichsregierung als Grundlage des Arbeitseinsatzes der Kriegsgefangenen (Tjark Klimant, Maximilian Stilke)

Der Umgang mit Kriegsgefangenen während des Zweiten Weltkrieges ist auch unter objektiven Gesichtspunkten als menschenunwürdig zu bezeichnen. Dieses geht aus den Erlassen der Reichsregierung zum Arbeitseinsatz von Kriegsgefangenen hervor. Hierbei ist besonders auf die Differenzierung im Umgang mit den zur Zwangsarbeit gezwungenen Arbeitern einzugehen. So wurden sowjetische Kriegsgefangene, wie die im Westermoorweg Verscharrten, besonders rücksichtslos behandelt. In unserem Artikel beziehen wir uns hauptsächlich auf die Erlasse zu aus dem Osten stammenden Kriegsgefangenen, um den direkten Bezug zu den Schicksalen der in Heide Verscharrten herzustellen. Einführend möchten wir auf den an die Schleswig-Holsteiner Gauleitung gerichteten Lagebericht eingehen, welcher die menschenunwürdigen Bedingungen des Arbeitseinsatzes von sowjetischen Gefangenen in Schleswig-Holstein in aller Härte darstellt. Das am 18. 12. 1941 erstellte 5 Seiten umfassende Dokument75 schildert die menschenunwürdige Behandlung und den rücksichtslosen Umgang mit sowjetischen Kriegsgefangenen. So heißt es zum Beispiel: „die eintreffenden sowjetischen Gefangenen sind vollkommen verhungert und können sich zum Teil nicht mehr mit eigener Kraft vorwärts bewegen“76. Der so gering wie möglich zu haltende Aufwand führte oft zum Tod: „Allein in Heide sind in zwei Tagen bereits fünfzehn sowjetische Kriegsgefangene gestorben“77, heißt es weiter. Dieser rauen Gangart und dem rücksichtslosen Umgang sind wohl auch die am Westermoorweg Verscharrten zum Opfer gefallen. Die meisten von ihnen starben im Verlauf des Jahres 1941. Als von der NS-Regierung ausgegebene rechtliche Grundlage zum Arbeitseinsatz von Kriegsgefangenen ist der „Ostarbeitererlass“78 vom

75

Unbekannter Verfasser (Gaupropagandaamt Kiel), „Betr.: Monatlicher Lagebericht“, Kiel 13. 12. 1941, gerichtet an die NSDAP-Gauleitung Schleswig-Holstein 76 ebda 77 ebda 78 Ulrich Herbert: „Fremdarbeiter - Politik und Praxis des Ausländer-Einsatzes in der Kriegswirtschaft des Dritten Reiches“, Berlin / Bonn 1985, S. 139 und S. 400

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Das OST-Abzeichen diente der Kenntlichmachung und Ausgrenzung der Gruppe der so genannten Ostarbeiter und musste an den Kleidungsstücken befestigt werden. Quelle: Das Bundesarchiv http://www.bundesarchiv.de/zwangsarbeit/ges chichte/auslaendisch/polen/index.html

20. Februar 1942 zu nennen. Ein zentraler Punkt dieses Kataloges war das Züchtigungsrecht für den Arbeitgeber, das die Züchtigung von Ostarbeitern durch den Betriebsführer legalisierte. Weiterhin mussten sich sowjetische Zwangsarbeiter mit einem Abzeichen kennzeichnen, sodass diese in der Öffentlichkeit sofort erkennbar waren. Um die Zwangsarbeiter weiterhin von der Gesellschaft zu isolieren, wurde es ihnen untersagt, Gaststätten und Lokale zu besuchen sowie öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. Ein weiterer Punkt war das Verbot des Besitzes von Wertgegenständen wie Geld, Schmuck, Fahrrädern oder selbst Feuerzeugen. Die Verpflegung der Arbeiter war auf das Geringste zu reduzieren und der Kontakt von den so bezeichneten „Bolschewisten“ mit Deutschen wurde strengstens verboten. Hierzu zählte schon der gemeinsame Kirchenbesuch. Bei Verstößen gegen diese Richtlinien drohte ihnen eine Versetzung in so genannte „Arbeitserziehungslager“ oder Konzentrationslager. Auf geschlechtlichen Verkehr mit Deutschen stand laut Erlass zwingend die Todesstrafe.79 Am 7. 4. 1942 wurde ein Merkblatt80 veröffentlicht, das leitgebend für den Umgang mit sowjetischen Kriegsgefangenen war und die vorher üblichen Überlassungsverträge ersetzte. Vielsagend steht einleitend, dass Verträge überflüssig seien, da es sich hierbei nicht „um ein Arbeitsverhältnis des bürgerlichen Rechts handelt, sondern um ein öffentliches Rechtsverhältnis der besonderen Art“81. So heißt es im Artikel A, 1), dass „Rechtsbeziehungen nur zwischen M. Stammlager und Unternehmer“82 bestehen. Dieses sprach den Kriegsgefangenen somit jeglichen Anspruch auf eine rechtmäßige Behandlung ab. Zunächst klingen die folgenden Artikel zur Regelung der Arbeitsbedingungen und zu den Pflichten des Unternehmers überraschend mild und besonnen. Allerdings muss man diese relativieren, da einleitend beschrieben wurde, dass der Kriegsgefangene ja eigentlich keinen rechtlichen Anspruch auf eine rechtmäßige Behandlung besitzt. Fast überflüssig klingen da die in den Artikeln B) und C) festgelegten Bestimmungen zu den Arbeitsbedingungen und Pflichten des Unternehmers. So steht dort, dass sowjetische Kriegsgefangene nicht bemerkenswert schlechter als deutsche Arbeiter 79

ebda Unbekannter Verfasser, „Merkblatt für die allgemeinen Bedingungen, die für den Arbeitseinsatz von Kriegsgefangenen Arbeitskräften Geltung haben“, Berlin 7.4.1942, Originalquelle 81 ebda 82 ebda 80

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behandelt werden sollten. Weiterhin sei der Unternehmer sogar dazu verpflichtet, dem Kriegsgefangenen Verpflegung und Unterkunft zu finanzieren. Besonders verwunderlich ist, dass dieser auch den Gefangenen „unter den gleichen Bedingungen wie deutsche Gefolgschaftsmitglieder zu versichern“83 hatte. Besonders auffällig ist, dass dieses im Gegensatz zu der bekannten NSIdeologie steht.84 Es erscheint förmlich milde und gemäßigt, da es den Kriegsgefangenen einige rechtliche Ansprüche zu Gute hält. Dies ist darauf zurückzuführen, dass in den letzten Kriegsjahren die deutsche Wirtschaft auf Zwangsarbeiter angewiesen war, da ein Großteil der arbeitsfähigen Männer im Krieg gestorben oder an der Front stationiert war. Hätte die NS-Regierung den Umgang mit den Fremdarbeiten in den bisherigen Formen fortgesetzt, so würden die Kriegsgefangenen nicht mehr zur Verfügung stehen. Diese wären vielmehr schnell gestorben, so wie im eingangs erwähnten Lagebericht von 1941 beschrieben ist. Allerdings kamen die dort erwähnten Tode nicht nur durch Krankheit, Hunger oder Überarbeitung zustande, denn in einem Erlass vom 27. 7. 1942 ist festgelegt, dass Polizisten auf fliehende sowjetische Kriegsgefangene schießen durften, wobei jedoch „Warnschüsse [...] in keinem Falle abzugeben“ seien.85 Es wurde also vermutlich direkt auf die vermeintlich Flüchtigen geschossen. Es gibt einige Erlasse, die sich mit dem Umgang verstorbener Kriegsgefangener beschäftigen. Meist sollten diese wie Wehrmachtsangehörige behandelt werden, die sowjetischen Kriegsgefangenen hatten jedoch, wie bereits erwähnt, eine Sonderstellung und somit auch besondere Erlasse. Dabei fällt besonders der Erlass vom 27. 10. 1942 auf, der in Form eines Schnellbriefes vom „Reichsminister des Innern“ an „die Herren Ober- und Regierungspräsidenten“ ging.86 In diesem wird deutlich, dass es sich bei den verstorbenen Kriegsgefangenen nach Verfassersicht scheinbar um würdelose Objekte handelte. Für diese Interpretation werden viele Gründe aufgeführt: Zum einen sollte eine ärztliche Untersuchung an den Leichen, um vor Seuchen zu schützen, durchgeführt werden. Außerdem bestand die einzige weitere medizinische Untersuchung der Leichen nicht darin, die Todesart, sondern lediglich den Tod an sich festzustellen. Dies geschah durch einen beliebigen Arzt. Die Kosten seien im Allgemeinen möglichst gering zu halten, heißt es dort weiterhin. Zu diesem Zwecke sollte anscheinend auch auf Särge verzichtet werden, vielmehr sollte „die Leiche […] mit starkem Papier [...]oder sonst geeignetem Material vollständig“ eingehüllt werden.87 Anschließend sei die Bestattung „unauffällig durchzuführen. Bei gleichzeitigem Anfall mehrerer Leichen ist die Bestattung in einem Gemeinschaftsgrab vorzunehmen,“88 heißt es weiter. Aufgrund dieses Erlasses entstanden Grabstätten wie die am Westermoorweg, 83

ebda Siehe 4.1 „Rassenideologie der Nationalsozialisten“ 85 MbliV.1942 Nr.31 86 Schnellbrief an die Herren Ober- und Regierungspräsidenten vom 27.Oktober 1941 vom Reichsminister des Innern 87 Siehe auch 5. „Jenseits von schriftlichen Quellen: Zeitzeugenberichte“ 88 ebda 84

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die auch, wie dort niedergeschrieben steht, weit weg von anderen Friedhöfen zu liegen hätten. In einem Schreiben der Evangelischen Kirche89 heißt es in einem Absatz über das schlichte Beerdigen nichtchristlicher Toter: „Wir betonen ausdrücklich, dass sich diese Regelung nicht auf sowjetische Kriegsgefangene bezieht, deren Bestattung [...] unauffällig durchzuführen ist.“ Aus diesen Erlassen geht hervor, dass die sowjetischen Kriegsgefangenen besonders würdelos zu behandeln waren. Sie sollten unmenschlich behandelt werden, da sie in den Augen der Reichsoberen keine Menschen waren. Die Erlasse sind grausam und unmenschlich. Wie sie umgesetzt wurden und ob sie nützlich oder eher schadhaft für die Kriegswirtschaft waren, zeigt sich im nächsten Kapitel.

4.5. Подготовка принудительного труда военнопленных администрацией рейха (Тьярк Климант и Максимилиан Штильке) Обращение с военнопленными во время Второй Мировой войны можно даже с объективной точки зрения назвать бесчеловечным. Это следует из предписаний правительства рейха по использованию военнопленных на принудительных работах. Особенно это проявляется в методах обращения с людьми, которых заставили принудительно работать. Особенно жестоко обращались с советскими военно-пленными, как например, с захороненными в Вестермоорвег. В нашей главе мы главным образом остановимся на указах и предписаниях для военнопленных с востока, чтобы установить непосредственную связь со судьбой захороненных в г. Хайдэ. Для начала мы рассмотрим рапорт о положении пленных для руководства округа ШлезвигГольштайн, в котором без прикрас говорится о нечеловеческих условиях работы советских пленных из Шлезвиг- Гольштайна. Этот документ, составленный 18.12.1941 г. на пяти страницах, описывает бесчеловечное и жестокое обращение с советскими военнопленными. Так, например, здесь говорится,что « прибывающие советские военнопленные до такой степени изморены голодом, что не могут самотоятельно передвигаться». Эти очень скупые условия содержания часто приводили и к смерти: «Только в г. Хайдэ за два дня умерло 15 советских военнопленных»- говорится здесь далее. Захороненные у Вестермоорвег также, наверное, стали жертвами этих жестоких методов и бесчеловечного обращения. Большинство из них умерли в течение 1941 года. Правовой основой для использования военнопленных на принудительных работах стал изданный 20 февраля 1942 года нацистским правительством «Указ о восточных работниках». Одним из центральных пунктов этого указа для предпринимателей был «закон о наказаниях», который давал владельцу предприятия право телесного наказания восточных работников.

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Deutsche Evangelische Kirche, Kirchenkanzlei, “Bestattungen der Leichen von Kriegsgefangenen“ Datum unbekannt.

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Далее, советские подневольные работники обязаны были носить опознавательный знак, так что их можно было тотчас же везде опознать. Чтобы изолировать подневольных работников от общества, им запрещалосьпосещать рестораны и кафе, а также использовать общественный транспорт. Следующим пуктом предписаний был запрет на владение ценностями: как например, деньги, украшение, велосипеды, даже зажигалки запрещались . Пайки для питания работающих пленных должны были быть сокращены до минимума. Контакты немецкого населения с так называемыми «большевиками» строжайще запрещались. Таким запретным контактом являлось даже совместное посещение церкви. При нарушениях этих предписаний пленным грозил перевод в трудовой воспитательный лагерь или в концлагерь. Сексуальные отношения с немцами карались согласно этому указу смертной казнью. 7 апреля 1942 г. была опубликована инструкция, которая предписывала, как нужно обращатьсяс советскими военнопленными; она заменила все ранее принятые соглашения. В введении было сказано, что трудовые договоры им (советским военнопленным) не нужны, так как здесь речь идёт не о «трудовых отношениях в рамках гражданского права, а об особом виде общественных правовых отношений.» Так в статье А, 1) говорится, что « правовые отношения существуют лишь между основным лагерем военнопленных и предпринимателем». Тем самым военно-пленные лишались всякого права на правомерное обращение с ними. Сначала статьи, регулирующие условия труда, кажутся удивительно лояьными и благоразумными. Однако нужно учитывать то, что в введении было сказано, что советские военнопленные лишались всякого права на правомерное обращение с ними. Излишними становятся по сути статьи Б) и С), в которых установлены предписания об условиях труда военнопленных и обязанностях предпринимателей. Там, например, написано, чтобы с советскими военнопленными обращались не хуже, чем с немецкими рабочими. Далее говорится, что владельцы предприятий даже обязаны финансировать питание и проживание военнопленных. Вызывающим удивление, звучит предписание, что владельцы предприятий должны страховать пленных « на тех же условиях, что и немецких рабочих». Особенно поразительно то, что названные предписания противоречат известной нацистской идеологии. Эти предписания звучат прямо -таки лояльно и умеренно, так как там предусматривались некоторые юридические права для военнопленных. Это связано с тем, что в последние годы войны немецкая экономика нуждалась в иностранной рабочей силе, так как большая часть работоспособных мужчин погибли на войне или были на фронте. Если бы нацистское правительство обращалась бы с иностранной рабочей силой как до сих пор, то в его распоряжении скоро не были бы больше военнопленных. Они скорее всего поумирали бы, как это было описано в выше упомянутом рапорте 1941 года о положении пленных.

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Конечно те упомянутые пленные погибли не только из-за болезней, голода или от изнурителього труда, но и из-за того, что полицейские, согласно указу от 27.7.1942 г., имели право расстреливать советских военнопленных при попытках к бегству. При этом они «ни в коем случае не должны были(...) давать предупредительные выстрелы». Вероятно,они стреляли прямо в предполагаемых беглецов. Некоторые указы правительства предписывали, как обращаться с умершими военнопленными. С ними должны были, в принципе, обращаться как с солдатами вермахта, однако для советских военнопленных, как уже упоминалось, издавались особые указы, так как они находились на особом положении. Особое внимание в этой связи заслуживает указ рейхсминистра внутренних дел от 27.10.1942 г, который был составлен в форме экспресс- письма для руководства страны. Из этого письма следует, что речь идет, по мнению его автора , об умерших военно-пленных не о людях , а о недостойных объектах. Для этого утверждения приводились много доводов. Во-первых, необходимо было провести медицинское обследование мертвых, чтобы предотвратить эпидемии. К тому же это единственное медицинское обследование умерших должно было установить не причину смерти, а только саму смерть. Это мог сделать любой врач. Расходы, как правило, должны быть как можноболее низкими, говорится в письме дальше. Для этой цели, видимо, нужно было отказаться также от гробов, «мёртвых ...» предписывалось «полностью заворачивать в плотную бумагу … или в другой подходящий материал». Захоронение затем должно было производиться «в тайне. Если одновременно было несколько трупов, то их нужно хоронить в общей могиле.»,- говорится в письме дальше. На основании этих предписаний возникли такие захоронения как и у Вестермоорвег, которые должны были находиться, как записано в указе, вдали от других кладбищ. В одном отрывке из письма Евангелической церкви говорится о скромных похоронах нехристианских умерших: « Мы особо подчеркиваем, что это предписание не касается советских военнопленных, захоронение которых ... должно было производиться в тайне». Из всех этих указов и предписаний можно сделать вывод, что с советскими военнопленными обходились особенно пренебрежительно. С ними надлежало обходиться бесчеловечно, так как в глазах чиновников рейха они были «нечеловеки». Все эти указы и предписания были жестоки и бесчеловечны. Как они претворялись в жизнь, приносили ли они больше вреда, чем пользы для военной экономики об этом будет сказано в другой главе.

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4. 6. Umsetzung der Erlasse der Reichsadministration in Dithmarschen / Heide (Jennifer Büsing, Kerstin Schmidt) Bei unserem Thema befassen wir uns damit, wie die lokalen Behörden die Reichserlasse speziell in Dithmarschen umgesetzt haben. Die sowjetischen Kriegsgefangenen, die nach Dithmarschen gebracht wurden, hier arbeiten mussten und schließlich an Entkräftung oder Krankheit starben90, wurden am Westermoorweg vergraben. Schon im Jahr 1939 wurde auf Grund des Krieges ein Mangel an Erntehelfern in Dithmarschen von den deutschen Behörden festgestellt, die daraufhin einen Aufruf verfassten, in dem sie die Bewohner der jeweiligen Stadt um sofortige Hilfe bei der Ernte auf den Nachbarfeldern baten.91 Im Juni 1940 waren bereits Kriegsgefangene aus Frankreich und Belgien sowie polnische Zivilisten in der Landwirtschaft im Einsatz, doch fehlte es weiterhin an Erntehelfern. Auf Grund dessen wurde von dem Kreis Norderdithmarschen, wie schon im Vorjahr, zum freiwilligen Arbeitseinsatz aufgerufen.92 Die Bedingung dafür war jedoch, dass die bei der Ernte eingesetzten Kriegsgefangenen aus Frankreich und Belgien nicht mit Polen zusammen auf dem gleichen Hof arbeiten durften, da die Regierung Deutschlands Angst hatte, dass die Polen die Kriegsgefangenen aus den westlichen Ländern mit ihren Ansichten „infizieren“ würden.93 Da die Kriegsgefangenen, die in Dithmarschen eingesetzt wurden, nur in der Landwirtschaft eingesetzt werden sollten, wurden ab August desselben Jahres keine weiteren Einsätze von Kriegsgefangenen geplant, denn die Ernte war nach Ansicht der deutschen Behörden beendet.94 Das deutsche Militär bereitete unterdessen den Krieg gegen die Sowjetunion vor und erhoffte sich einen ebenso schnellen Sieg wie über Frankreich und Belgien. Daher wurden keine Vorkehrungen getroffen, um weitere Kriegsgefangene unterzubringen und diese als Arbeiter für die deutsche Wirtschaft einzusetzen.95 Da der Krieg länger andauerte als geplant, konnten die deutschen Arbeitskräfte nicht an ihren Arbeitsplatz zurückzukehren, weshalb ein großer Arbeitskräftemangel in Dithmarschen ebenso wie in ganz Deutschland entstand.96 Aus diesem Grund wurde das Verbot für den Einsatz von sowjetischen Kriegsgefangenen im April 1942 letztlich aufgehoben.97 Der Mangel an 90

Siehe 4.9.: „Leiden und Sterben sowjetischer Kriegsgefangener“ Stadtarchiv Wesselburen - Abschrift – Aufruf für den Ernteeinsatz 1939 92 Stadtarchiv Wesselburen - Abschrift – Aufruf für den Ernteeinsatz 1940 93 Landesarchiv Schleswig – Holstein Dithmarschen Nord 320/25 – 26 - Arbeitsamt Heide- „Arbeitseinsatz von Kriegsgefangenen und Zivilpolen“ 94 Landesarchiv Schleswig – Holstein Dithmarschen Nord 320/25 – 26 - Der Regierungspräsident. Schleswig, 26. August 1940 95 Herbert, Ulrich: Geschichte der Ausländerpolitik in Deutschland - Saisonarbeiter, Zwangsarbeiter, Gastarbeiter, Flüchtlinge. Band 410, Bonn 2003, S. 136 – 140. 96 ebda 97 Landesarchiv Schleswig – Holstein Dithmarschen Nord 320/25 – 26 – Landesarchiv Schleswig – Der Landrat Heide, den 4. April 1942 91

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Arbeitskräften schien behoben. Auf Grund mangelnder Verpflegung und Unterbringung waren jedoch viele der Kriegsgefangenen schon auf dem Weg nach Deutschland gestorben.98 Um einsatzfähige Kriegsgefangene zu haben, musste man die Verpflegung und Unterbringung verbessern, was jedoch nur sehr dürftig geschah.99

Einige Kreise in Dithmarschen setzten, sobald sie die Anzeichen einer Einsatzgenehmigung von sowjetischen Kriegsgefangenen hatten, diese in die Praxis um. Am 31. Oktober 1941 genehmigten Hitler und Göring , der Reichsminister und Reichskommissar des Innenministeriums und für die Luftfahrt, dann endgültig den Einsatz von sowjetischen Kriegsgefangenen in der Landwirtschaft.100 Die Bedingungen, unter denen die sowjetischen Kriegsgefangenen leben und arbeiten mussten, waren menschenunwürdig. Als Arbeitgeber musste man sich strikt an die Anweisungen der Regierung 101 für den Umgang mit den Kriegsgefangenen halten, so zum Beispiel, dass die Kriegsgefangenen nur in Gruppen von 20 Arbeitern arbeiten durften, um die Gefahr einer Flucht zu verringern. Wer jedoch dagegen verstieß, musste mit ernsthaften Konsequenzen rechnen.102 Nach einiger Zeit wurden die Verordnungen im April 1942 für sowjetische Kriegsgefangene gelockert.103 Sie durften nun auch einzeln beschäftigt werden, allerdings nur, wenn es dringend notwendig war, und nicht bei alleinstehenden Frauen, da das Risiko für zu groß erachtet wurde, dass der Kriegsgefangene die Frau überrumpelte und floh. Man musste den Kriegsgefangenen, der allein arbeiten sollte, genau kennen, um einen möglichen Fluchtversuch auszuschließen.104 Im November 1942 waren so viele sowjetische Kriegsgefangene in Heide und Umgebung, dass man sie in Scheunen und Lagerräumen unterbringen musste. Da die Baugeräte und Wagen, die eigentlich in den Scheunen standen, einen neuen Unterstand brauchten, damit sie nicht durch das Wetter zu Schaden kamen, wurde von einem Besitzer eben dieser Baugerätschaften ein Antrag auf den Bau einer Wagenremise gestellt.105 Es wird deutlich, dass die Behörden in Dithmarschen auf die Erlasse seitens der Regierung gewartet hatten und diese auch sofort in die Tat umsetzten, sobald ein Erlass verabschiedet worden war.

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Siehe 4.4: „Der Transport von Ort der Gefangennahme nach Heide“ Landesarchiv Schleswig – Holstein Dithmarschen Nord 320/25 – 26 - Der Regierungspräsident. Schleswig 24. Januar 1942 „Arbeitseinsatz sowjetischer Kriegsgefangener“ 100 Herbert 2003, S. 136 - 140 101 Siehe 4.5: „Vorbereitung der Zwangsarbeit Kriegsgefangener durch die Reichsadministration“ 102 Landesarchiv Schleswig – Holstein Dithmarschen Nord 320/25 – 26 - Der Regierungspräsident. Schleswig, 26. August 1940 103 ebda 104 Landesarchiv Schleswig – Holstein Dithmarschen Nord 320/25 – Der Landrat – Heide, den 4. April 1942 105 Stadtarchiv Heide - Bauantrag zur Herstellung einer Wagenremise auf städtischem Grundstück Norderstr. 60, siehe Faksimile im Anschluss. 99

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(Antrag auf Genehmigung einer Wagenremise in Heide, Norderstr. 60)

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4.6. Реализация принятых постановлений администрации рейхав районе Дитмаршен / Хайдэ (Дженифер Бюзинг , Керстин Шмидт) Тематика нашего текста связано с тем, как местные власти осуществляли указы и постановления рейха в частности в районе Дитмаршен. Советские военнопленные, которых привезли в Дитмаршен и которых здесь принудили работать, умерших здесь от истощения и болезней, захоронены у Вестермоорвег. Уже в 1939 немецкие власти выявили, что из-за войны в районе Дитмаршен не хватает рабочих рук во время уборки урожая. Они составили и опубликовали воззвание, в котором они призвали горожан из близлежащих городов немедленно помочь при уборке урожая на соседних полях. В июне 1940 для этой цели уже использовались в сельском хозяйстве французкие и бельгийские военнопленные, а также гражданское население из Польши, но помощников во время урожая всё равно не хватало. По этой причине было вновь, как и в предыдущем году, опубликовано воззвание о добровольном участии в уборке. Условием для этого однако было, чтобы используемые во время уборки урожая французкие и бельгийские военнопленные не работали вместе на одной ферме с поляками, так как немецкое правительство боялось, что поляки «заразят» западных военнопленных своими воззрениеми. Согласно предписанию, военнопленные участвовали в районе Дитмаршен только в сельскохозяйствегнных работах, и с августа не планировалось дополнительно задействовать там других пленных, так как власти считали, что уборка уже закончена. Тем временем немецкие вооружённые силы готовились к войне против Советского Союза и надеялись на такую же быструю победу, как над Францией и Бельгией. Поэтому не было предусмотрено размещение ещё большего количества военнопленных и использовать их в качестве рабочих для немецкого народного хозяйства . Так как война продолжалась дольше, чем было запланировано, немецкие рабочие не могли вернуться на своё рабочее место, поэтому возник большой дефицит рабочей силы в районе Дитмаршен, а также по всей Германии. По этой причине был в конечном счёте отменён в 1942 г. запрет на использование в качестве рабочей силы советских военнопленных. Теперь, как тогда казалось, была преодолена нехватка рабочей силы. Из-за нехватки продуктов питания и места для размещения, многие военнопленные умерли уже по дороге в Германию. Чтобы иметь военнопленных, которые были бы в состоянии работать, нужно было улучшить их питание и размещение, к сожалению это происходило очень редко и делалось плохо. Некоторые округи в Дитмаршен стали тотчас же, как только они узнали об указе о разрешении использовать советских военнопленных на работах, применять эту рабочую силу. 31 октября 1941 Гитлер и Геринг, министр рейха и рейскоммиссар министерства по внутренним делам и авиации, окончательно разрешили использовать советских военнопленных на работах в сельском хозяйстве. Условия труда, при которых советские военнопленные должны были жить и работать, были недостойными для человека. Работодатели должны были строго придерживаться указаниям правительства о том, как обращаться с военнопленными; например, военнопленным разрешалось работать только в группах по 20 человек, чтобы предотвратиь риск побега. Кто 56

нарушал указания правительства, того ожидали серъёзные последствия. Некоторое время спустя, в апреле 1942 г., эти распоряжения, касающихся советских военнопленных, были смягчены.Появилась возможность давать работу и отдельным пленным, однако при острой необходимости, и не у одиноких женщин, так как риск был слишком велик, что военнопленный застигнет женщину врасплох и совершит побег.Военнопленного, который должен был работать в одиночку, нужно было хорошо знать, чтобы предотвратиь побег.В ноябре 1942 года в Хайдэ и в его окрестностях было так много советских военнопленных, что их стали размещать в сараях и складских помещениях.Посколько строительная техника и машины, которые собственно должны были стоять в сараях, нуждались в укрытии, чтобы они не пострадали от погоды, владельцы стали подавать заявления на постройку укрытия для машин и техники.Из сказанного ясно, что местные власти в Дитмаршен ожидали постановлений правительства, чтобы их тотчас же применить на деле, как только правительство принимало эти поставления.

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4.7 Lebens- und Arbeitsbedingungen in Dithmarschen (Assia Cheurfi)

Während der NS-Zeit hatten Kriegsgefangene in Deutschland unter unvorstellbar schlechten Lebensbedingungen zu leiden. Durch die schwere Arbeit in den verschiedenen Lagern und die unzureichende Ernährung erkrankten zahlreiche Kriegsgefangene an schwerwiegenden Krankheiten, viele kamen zu Tode. Es war ein Massensterben, das durch die unmenschliche Behandlung des NS-Regimes hervorgerufen wurde. Sowjetische Kriegsgefangene standen, im Unterschied zu anderen Kriegsgefangenen, unter noch schärferer Aufsicht und Beobachtung.106 So gab es zum Beispiel Sonderregelungen für den Einsatz sowjetischer Kriegsgefangener. Sie durften unter anderem nur in einer geschlossenen Kolonne107 eingesetzt werden und mussten isoliert in einer zusätzlich durch Stacheldrahtzaun (o. Ä.) gesicherten, geschlossenen Halle beschäftigt werden.108 Weiterhin musste beim Einsatz der sowjetischen Kriegsgefangenen für von Kriegsgefangenen anderer Nationen getrennte Unterbringung, Aborte und Wasch-und Umkleideräume gesorgt sein. Die Kriegsgefangenen mussten äußerlich kenntlich gemacht werden und durften weder mit der deutschen Zivilbevölkerung noch mit Angehörigen anderer Nationen bei der Arbeit in Berührung kommen.109 Das NS-Regime legte großen Wert auf die Einhaltung dieser Sonderregelungen, da verhindert werden sollte, dass marxistisches Gedankengut in Deutschland verbreitet wird.110 Auch in Dithmarschen gab es Lager, in denen (u. a.) sowjetische Kriegsgefangene, beziehungsweise Zwangsarbeiter, beschäftigt waren. Lager in Heide befanden sich zum Beispiel in der Feldstraße 19, wo Zwangsarbeiter im Holzlager der Firma Gehlsen arbeiten mussten, im heutigen Ball- und Konzerthaus Tivoli, wo sie bei der Stickerei Stegman beschäftigt waren, in der Harmonie-/Bauhausstraße, eingesetzt in der Maschinenfabrik Köster, und in der Ernst-Mohr-Straße, welches als Durchgangslager für Ostarbeiter diente.111

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Siehe auch 4.1.: „Rassenideologie der Nationalsozialisten“ Kolonnenarbeit (formuliert vom Oberkommando der Wehrmacht): die Zusammenfassung einer größeren Anzahl von Kriegsgefangenen (mind. 20) beim Arbeitseinsatz sowj. Kriegsgefangener. Es gibt eine einheitliche Arbeitsaufgabe. Die Isolierung Deutschsprachiger (ausgenommen Dolmetscher/Kolonnenführer) von den Kriegsgefangenen muss eingehalten werden. Der Kontakt zwischen den Gefolgschaftsmitgliedern und den Kriegsgefangenen ist untersagt, andernfalls ist mit Strafen zu rechnen. (Archiv Dürkop) 108 Dürkop, Hinrich (1942): Bedingungen über den Einsatz von russischen Kriegsgefangenen, S.2. (Archiv Dürkop) 109 ebda 110 ebda 111 Hoch, Gerhard (1991): S. 58-59 107

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Das Landesarbeitsamt meldete im Jahr 1947 verschiedene Lager in Hemmingstedt, in Lieth, in Nordhastedt (im Bahnhofshotel), in Windbergen (im Gasthaus „Hoeck“) und in Wesseln. In diesen Lagern waren 122 Sowjetbürger bei der deutschen Erdöl AG beschäftigt.112 113 Viele Kriegsgefangene, die in Lagern in Dithmarschen beschäftigt waren, mussten Arbeiten in der Landwirtschaft verrichten, da in diesem Sektor ein großer Mangel an Arbeitskräften bestand. Schon 1939 war dieser Mangel in der Landwirtschaft vorhanden, da der Kreisleiter der NSDAP des Kreises Norderdithmarschen sowie der Landrat desselben Kreises zu freiwilligen Ernte-Nothilfen aufriefen.114 Im selben Jahr wurden sogar Lehrer für die Ernte einbezogen, was auf einen beständigen Bedarf an Hilfskräften hinweist. Im Jahr darauf wurde schließlich der Einsatz von Kriegsgefangenen für sämtliche Wehrkreise von dem Reichsminister des Innern freigegeben. 115 Die Kriegsgefangenen mussten meist zwölf Stunden am Tag schwere körperliche Arbeiten verrichten und hatten, wenn überhaupt, nur eine Pause. Unter „normalen“ Bedingungen müsste für einen Menschen, der Arbeiten in dieser Ausdauer verrichtet, ein Ausgleich in der Ernährung geschaffen werden. Doch da das NS-Regime die sowjetischen Zwangsarbeiter nicht als Menschen angesehen hat, sondern sie durch seine Verordnungen und Regelungen wie Tiere behandeln ließ, war für keine ausreichende Ernährung der Kriegsgefangenen gesorgt. In einem Armeebefehl von 1942 heißt es, die Gefangenen könnten „nur die notwendigste Verpflegung“116 erhalten und sie seien „mit den primitivsten Mitteln zu ernähren“117. Ein Erlass von 1941 schreibt folgende Essensrationen pro Tag bei der Verpflegung von Kriegsgefangenen in der Landwirtschaft vor: Mahlgetreide oder Brot : 150 g Fleisch : 50 g Butter oder Schlachtfette : 25 g118

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Weitere Orte Dithmarschens, in denen sich Lager mit Kriegsgefangenen befanden, waren Warwerort, Hedwigenkoog, Norddeich, Jarrenwisch, Dahrenwurth, Zennhusen, Hemme, Neuenkirchen, Süderdeich, Dellstedt, Schülp, Wellinghusen, Wennemannswisch, Oldenwort, Ulvesbüll, Kattrepel Helserdeich, Wöhrden, St. Michaelisdonn, Trennewurth, Friedrichskoog, Marner Neuenkoogsdeich, Süderwisch, Elpersbüttel, Eesch, Nordhastedt, Hövede, Bargenstedt, Ketelsbüttel, Schafstedt, Arkebek, Albersdorf, Bunsoh, Barsfleth (vgl. Protokoll Arbeitsamt Heide (1941): Geschäftszeichen 5135) 113 Hoch, Gerhard (1991): S.58-59 114 Lorenzen/ Beck (1939): Aufruf für den Ernteeinsatz 1939 (Stadtarchiv Wesselburen) 115 Rektor Adolf-Bartels-Schule (1939): Betr. Ernteeinsatz (Stadtarchiv Wesselburen) 116 aus: Hoch, Gerhard u. Schwarz, Rolf (Hrsg.): Verschleppt zur Sklavenarbeit. Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter in S-H. Alveslohe und Rendsburg 1988, S. 74 117 ebda 118 Das Bezugsscheinwesen der Ernährungswirtschaft, Berlin 1941 In: Werner-Heisenberg-Gymnasium Heide, Stiftung gegen Rechtsextremismus und Gewalt in Heide und Umgebung, St. Jürgen Kirchengemeinde (Hg.): „Leben und Arbeiten unter Zwang.“ Dithmarschen 1939 – 1945. Heide 2009, S. 97

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Ein Kriegsgefangener erhielt nach einem 12-Stunden-Tag also ungefähr ein Drittel von einem Stück Brot, ein 4 cm x 4 cm x 3 cm „großes“ Stück Fleisch sowie ein Stück Butter oder Schlachtfett in dem Format einer Streichholzschachtel. Diese Rationen lagen weit unter dem Existenzminimum und ein Massensterben der Kriegsgefangenen setzte ein. „ Zu essen bekamen wir nur “Balanda“ und 45 Gramm Brot. Gefangene starben vor Hunger und Kälte, zuerst 50 Menschen pro Tag, dann mehr und mehr, in Dezember, Januar und Februar bis 180-200 Menschen jeden Tag.“119 Im September 1941 hat sich der Gesundheitszustand der Gefangenen so sehr verschlechtert, dass im Reichsgebiet Rationsverbesserungen vorgenommen wurden, jedoch aus dem einzigen Grund, um Seuchen zu vermeiden, welche bereits in Lagern im Osten unter den Kriegsgefangenen ausbrachen. Es ging hierbei in erster Linie nicht um das Wohl der Kriegsgefangenen, sondern vielmehr um den Schutz der deutschen Bevölkerung vor einer möglichen, ausbrechenden Epidemie. Dennoch wurden die Rationen im Oktober durch den Generalquartiermeister des Heeres wieder reduziert, um die Ausgaben für zwangsarbeitende Kriegsgefangene möglichst niedrig zu halten. Die Sterberate der Gefangenen stieg somit immer weiter an. Durch den einbrechenden Winter wurde dieser Vorgang nur noch beschleunigt. In den folgenden Monaten wurden die Rationen wieder angehoben, blieben jedoch immer noch weit unter dem Existenzminimum. Das Massensterben nahm ab, die Sterblichkeit der Gefangenen blieb jedoch weit von einem gewöhnlichen Maß entfernt. Von Experten wurde Ende 1941 schließlich das sogenannte „Russenbrot“ entworfen, welches aus 50% Roggenbrot, 20% Zuckerrübenschnitzel, 20% Zellmehl und 10% Strohmehl oder Laub bestand. Gegen Ende 1943 stieg die Anzahl der Toten durch innere Erkrankungen wie zum Beispiel Lungentuberkulose wieder an.120 „Ich war mir sicher, dass ich bald sterbe. Ich hatte keine Kraft, um mein eigenes Leben zu kämpfen. Ich wog 41 Kilo.“121 Über ähnliche Bedingungen äußert sich ein weiterer ehemaliger Zwangsarbeiter: „Im Lager wurden wir wie Vieh behandelt. Das Essen war auch für das Vieh vorgesehen. Das waren Kohlblätter mit Wasser. Wir waren sehr schwach. Wir konnten kaum gehen. Niemand konnte ohne fremde Hilfe vom Boden aufstehen.“122

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Zeitzeugenbericht von Sergej Stepanowitsch Gratschew in einer E-Mail (kein Datum sowie E-Mail-Kontakt angegeben) an KONTAKTE-KONTAKTY (http://www.kontakte-kontakty.de/) 120 aus: Hoch, Gerhard u. Schwarz, Rolf (Hrsg.): Verschleppt zur Sklavenarbeit. Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter in S-H. Alveslohe und Rendsburg 1988, S. 74 u. 75 121 Zeitzeugenbericht von Walerij Michajlowitsch Petruchin, per E-Mail (keine E-Mail- Kontaktadresse angegeben) am 23.4.2006 an KONTAKTE-KONTAKTY (http://www.kontakte-kontakty.de/) 122 Zeitzeugenbericht von Trifon Fotejewitsch Petruchin, per E-Mail (weder E-Mail- Kontaktadresse, noch Datum angegeben) an KONTAKTE-KONTAKTY (http://www.kontakte-kontakty.de/)

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Diese Zitate verdeutlichen die Brutalität, welche das NS-Regime nicht nur psychisch, sondern auch physisch auf die sowjetischen Zwangsarbeiter ausübte. Es ist sehr schwer, sich in die damalige Lage der Zwangsarbeiter hineinzuversetzen. Dennoch sollte man versuchen nachzuempfinden, unter welchen Bedingungen diese Zwangsarbeiter zu leben hatten, wie sie behandelt, beziehungsweise misshandelt wurden. Es ist wichtig, sich mit diesen Grauen erregenden Taten des NS-Regimes auseinanderzusetzen und sie nicht zu verdrängen oder zu ignorieren, denn nur so kann man die Menschen, die diesen Untaten zum Opfer gefallen sind, würdevollen Respekt erweisen.

4. 7. Советские военнопленные : Условия жизни и работы в Дитмаршен (Ассия Чёфри) Во время нацистского режима в Германии военнопленным пришлось страдать от невыносимо тяжёлых условий жизни. В связи с тяжёлой работой в различных лагерях и недостаточного питания многие военнопленные заболевали серъёзными заболеваниями, многие из них погибали. Это была массовая гибель, которая была вызвана бесчеловеческим обращением с людьми во времена нацистского режима. Советские военнопленные находились под ещё большим надзором и наблюдением, чем военнопленные других национальностей. Так например, существовали специальные правила для использования на работах советских военнопленных. На работу они , например, должны были двигаться только колонной, и имели право работать только в закрытых помещениях, которые были дополнительно изолированы оградой из колючей проволоки. Кроме того, при использовании советских военнопленных на работах предусматривалось их раздельное размещение, отдельные туалеты, умывальные и раздевалки. Военнопленные дожны были иметь специальные обозначение, и они не имели право иметь контакты с немецкими гражданами или с людьми других национальностей. Нацистский режим строго следил за соблюдением этих специальных правил, для того, чтобы предотвратить распространение марксистской идеологии в Германии. И в Дитмаршен были рабочие лагеря, в которых работали кроме других военнопленных , и советские военнопленные и также подневольные рабочие.Рабочие лагеря находились, к примеру, на улице Фельдштрасе 19 в г. Хайдэ, где они вынуждены были работать в деревообрабатывающей фирме Гельзен; другой лагерь находился в сегодняшном концертном здании «Тиволи», здесь они были заняты вышиванием на фирме «Штегман». На улице Гармони/ Баухаус-Штрасэ они работали на машиностроительном заводе «Кёстер», а также в рабочем лагере на улице Эрнст- Моор-Штрасэ, который раньше служил транзитным лагерем для восточных рабочих, т. н. «остарбайтер». По данным регионального ведомства по трудоустойству в 1947 г. рабочие лагеря также находились в Хеммингштедт, в Лиит, Нордхаштедт ( в здании вокзальной гостиницы), в

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Виндберген ( в гостинице «Хекк), и во Вессельн. В этих лагерях 122 советских граждан работали для немецкой нефтяной компании. Многим военнопленным, которые были заняты в рабочих лагерях в Дитмаршен, приходилось работать в сельском хозяйстве, так как в этом секторе не хватало рабочей силы. Уже в 1939 г. было недостаточно рабочих в сельском хозяйстве, поэтому районный руководитель НСРПГ огруга Нордер-Дитмаршен и ландрат того же округа призвали к добровольной помощи в уборке урожая. В том же году даже учителя должны были участвовать в уборке урожая, что указывало на постоянную нехватку рабочей силы. Год спустя министр внутренних дел рейха разрешил использовать военнопленных во всех военных округах. Военнопленные должны были работать по 12 часов в сутки и выполнять тяжёлую физическую работу, и имели всего лишь один перерыв. При «нормальных» условиях человеку, который постоянно работает, требуется для восстановления сил усиленное питание. Но так как нацистский режим не считал советских военнопленных за людей, и обращался с ними, согласно предписаниям и указам , как со скотом, он не заботился о достаточном питании для них. В одном из армейских приказов в 1942 г. говорилось, что заключённые должны получать « только самые необходимые продукты питания» и кормить их нужно «самыми примитивными продуктами». Указ от 1941 г. предписывал следующий дневной рацион питания для военнопленного, занятого в сельском хозяйстве: хлеб или хлебные продукты мясо сливочное масло или жир

150 гр. 50 гр. 25 гр.

Итак, военнопленный после 12 часов работы получал лишь одну треть булки хлеба, и кусочек мяса размером 4см х 4 см х 3 см, кусочек сливочного масла или жира, величиной с маленькой спичечной коробки. Эти рационы были настольки малы и далеки от прожиточного минимума, что началась массовая гибель военнопленных. «Для еды мы получали только баланду и 45 гр. хлеба. Пленные умирали от голода и холода, сначала по 50 человек в день,затем всё больше и больше, затем в декабре, январе и феврале до 180 - 200 человек каждый день.» В сентябре 1941 г. состояние здоровья военнопленных ухудшилось настолько, что было предпринято увеличение рационов питания на территории рейха, чтобы избежать эпидемий, которые уже распространились среди военнопленных в лагерях на востоке. Это была прежде всего не забота о военнопленных, а защита немецкого населения от вспышки эпидемии. Тем не менее, рационы питания были в октябре снова снижены по указу начальника армии по размещению военнопленных, чтобы снизить затраты на содержание военнопленных, занятых 62

принудительным трудом. Смертность среди заключённых стала снова нарастать. С наступлением зимы этот процесс ускорился. В последующих месяцах пришлось опять увеличить рационы питания, но они были попрежнему значительно ниже прожиточного минимума. Массовая смертность снизилась, но количество умерших пленных была далека от обычной смертности. Экспертами был разработан в конце 1941 г. так называемый « русский хлеб», который состоял из 50 % ржанного хлеба, 20 % обрезков сахарной свеклы, 20 % сотовой муки и 10 % молотой соломы или листьев. В конце 1943 года количество смертных случаев, вызванных внутренними заболеваниями , как например, туберкулёз, стало возрастать. «Я был уверен, что скоро умру. У меня не было сил бороться за собственную жизнь. Я весил всего 41 кг.» Другой бывший подневольный работник рассказал о таких же условиях в плену: « В лагерях с нами обращались как со скотом. Пища была также приготовлена как корм скоту. Это были капустные листья с водой. Мы очень ослабли. Мы едва держались на ногах. Никто не мог подняться с земли без посторонней помощи.»

Эти цитаты показывают, какую жестокость, психическую и физическую, нацистский режим проявлял к советских подневольных работниках. Очень трудно сейчас себе представить ситуацию, в которых находились тогда подневольные работники. Тем не менее, надо попытаться представить себе, в каких условиях жили эти люди, как с ними обращались, или точнее сказать: как с ними жестоко обращались. Важно, критически осмыслить эти преступления нацистского режима, а не пытаться их вытеснить из памяти или игнорировать, потому что только так можно отдать дань уважения людям, которые стали жертвами этих преступлений.

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4.8. Fluchtversuche (Lena Hansen) Der Zweite Weltkrieg war einer der verheerendsten Kriege der Weltgeschichte. Er forderte die bisher meisten Kriegsopfer aller Zeiten. Man geht davon aus, dass während des Zweiten Weltkrieges 5,4 Millionen Angehörige der Roten Armee in deutsche Kriegsgefangenschaft gerieten, von denen wenigstens 3 Millionen Menschen qualvoll zu Tode kamen. Menschenverachtende Behandlung, harter Arbeitseinsatz und ständiger Hunger zählten zu den menschenunwürdigen Umständen, denen die Kriegsgefangenen ausgesetzt waren. Um dieser hoffnungslosen Lage und ihrem voraussehbaren Schicksal - dem Tode - zu entrinnen, gab es während des Krieges viele Fluchtversuche. Besonders das Flüchten sowjetischer Kriegsgefangener empfand die deutsche Wehrmachtsführung als Bedrohung für das Reich und bestrafte Fluchtversuche aus diesem Grund hart und griff dabei zu unmenschlichen Methoden. In den ersten Monaten wurden viele Lager unter Zeitdruck errichtet. Sie bestanden häufig nur aus einer Abzäunung auf einem freien Feld und waren aufgrund von Personalmangel nicht ausreichend bewacht. Daher glückten die meisten Fluchtversuche in der Aufbauphase. Sowjetische Kriegsgefangene hatten es dagegen schwerer zu fliehen, da diese, sobald es möglich war, in gut ausgebauten und abgesicherten Lagern untergebracht wurden. Diese Speziallager wurden als „Russenlager“ bezeichnet und standen beispielsweise in Sandbostel / Wietzendorf.123 Die Fahndung nach flüchtigen Sowjetrussen war sehr schwierig, da sie auf der Flucht häufig ihre Erkennungsmarke entfernten und somit nicht mehr als sowjetische Kriegsgefangene erkennbar waren. Um dennoch eine schnelle Identifizierung zu ermöglichen, ordnete das Oberkommando der Wehrmacht eine Kennzeichnung für alle Kriegsgefangenen an. Zuerst sollte es ein aufgetragenes Kreuz auf der Innenseite des linken Unterarmes sein. Dieser Befehl wurde aufgrund technischer und medizinischer Probleme kurze Zeit später wieder aufgehoben. Der zweite Befehl beinhaltete das gründliche Abscheren der Kopf- und Barthaare. Doch auch diese Anordnung wurde wenig später wieder zurückgezogen, da es kein Merkmal war, das die Kriegsgefangenen dauerhaft kenntlich machte. Im Juli 1942 gab es durch das OKW eine neue Anordnung: Ein Brandmerkmal sollte in die linke Gesäßhälfte eingeritzt werden. Hierzu gab es den Hinweis, dass tiefe Wunden zu vermeiden seien, um eine Beeinträchtigung des Arbeitseinsatzes der Gefangenen zu vermeiden. Dieser Befehl wurde erneut ausgesetzt, da es an Personal und Material zur Durchführung fehlte. Letztendlich fand man auf diesem Wege keine Möglichkeit, die Flüchtlinge eindeutig und schnell als sowjetische Gefangene zu identifizieren oder die Flüchtlingszahlen zu verringern.

123

Alfred Streim: Sowjetische Gefangene in Hitlers Vernichtungskrieg. Berichte und Dokumente 1941-1945. Heidelberg 1982, Seite 160 ff

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Am 22. September 1942 gab das OKW einen „Fluchterlass“ heraus, der einen Maßnahmenkatalog beinhaltete, der aufgrund zuvor stattgefundener Auswertung aller Fluchten erstellt wurde. Daraufhin sollten die Kriegsgefangenen regelmäßig auf den schonungslosen Gebrauch der Waffen bei Missachtung jeglicher Befehle und Aufforderungen hingewiesen werden. Außerdem sollten ihre Unterkünfte häufig, aber unregelmäßig durchsucht werden und die Postüberwachung zur Kontrolle der Stimmungslage in den Lagern sollte verstärkt werden.124 Viele Fluchten waren auch auf das Verhalten von gefangenen Offizieren und Unteroffizieren zurückzuführen. Diese ermutigten Angehörige des Mannschaftsstandes zur Flucht und unterstützten sie bei den Vorbereitungen oder flüchteten selbst und setzten Zeichen zur Nachahmung. Um weitere Fluchten zu unterbinden, befahl das OKW unter Bezugnahme auf eine schon früher herausgegebene, von vielen Stalag- und Oflag- Kommandanten aber nicht beachtete Anordnung vom 4. Juli 1943 den getrennten Arbeitseinsatz von Offizieren und Mannschaften. Nach dem Befehl des OKW Anfang 1944 mussten Offiziere und Unteroffiziere, die nach der Flucht wieder ergriffen wurden, dem Chef der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes der SS unter dem Kennwort „Stufe 3“ übergeben werden. Stufe 3 stand synonym für Vernichtung durch Arbeit und war nur für schwerbelastete, unverbesserliche und kriminell vorbestrafte Schutzhäftlinge vorgesehen.125 Mauthausen war das größte und einzige Konzentrationslager der Kategorie 3 im Reich. Doch diese Anordnung durfte unter keinen Umständen publik gemacht werden. Deshalb wurden wiederergriffene Unteroffiziere und Offiziere als „geflohen und nicht wiederergriffen“ gemeldet. Es gab aber noch eine weitere geheime Mordaktion, die abermals viele Opfer forderte. Die Kriegsgefangenen wurden unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen und einem Höchstmaß an Geheimhaltung unter dem Decknamen „Aktion Kugel“ in das KZ Mauthausen gebracht. Vor Ort wurden sie in einem Bunker oder einer Baracke untergebracht, die von den anderen Unterkünften durch eine hohe Mauer und starkstromführenden Stacheldraht abgetrennt war. Die Gefangenen wurden in einem geheimen Nummernregister der politischen Abteilung erfasst, die eine der fünf Abteilungen war, die in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern verschiedene Aufgaben erledigten. Die politische Abteilung war für die Registrierung der Häftlinge in Konzentrationslagern bei Einweisung, Entlassung, Verlegung, Flucht oder Tod zuständig. Zu diesem Zweck wurde für jeden einzelnen Gefangenen eine Häftlingsakte angelegt. Die Kriegsgefangenen wurden in diesem Lager erschossen, vergast, erhängt oder sind bereits an Hunger und schlechter Behandlung gestorben. Unter der „Aktion Kugel“ wurden in Mauthausen 5000 Gefangene verschiedener Nationalitäten, aber vorwiegend Sowjetrussen, ermordet. Diese Mordaktion zeigte wider Erwarten keine Abschreckungswirkung, da sie der Geheimhaltung unterworfen war. Die zurückgebliebenen Gefangenen in den Lagern nahmen vielmehr an, dass die Flucht der anderen Gefangenen geglückt war, so dass viele ermutigt wurden, selbst zu fliehen.126

124

Jörg Osterloh: Ein ganz normales Lager. Das Kriegsgefangenen-Mannschaftsstammlager 304 (IV H) Zeithain bei Riesa / Sachsen 1941-1945. Leipzig 1997, Seite 97 f 125 Aus Wikipedia: Artikel „KZ Mauthausen“ (06. 07. 2011) 126 Streim 1982, S. 163 f

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Aufgrund der zahlreichen Fluchten gab es einen genauen Plan, der beschrieb, welche Schritte die Wachmannschaften zu absolvieren hatten, wenn Kriegsgefangene entkommen waren. Zu allererst musste eine genaue Angabe über den Flüchtigen an die zuständige Behörde gemacht werden, die daraufhin eine große Fahndung anordnete. Dementsprechend mussten auch der zuständige Bezirkskommandeur der Ordnungspolizei, das Stalag und die nächstgelegene Polizeidienstelle auf schnellstem Wege informiert werden. Dem Kommandeur des Stalags der Kriegsgefangenen war ein genauer Bericht zu erstatten, der Aufschluss über den Fluchthergang gab. Darin stand, wie der Wach- und Kontrolldienst in den letzten drei Tagen geregelt worden war, wie sich der Kriegsgefangene das benötigte Geld, die Kleider, das Essen und weitere Dinge besorgt hatte und welche Maßnahmen getroffen wurden, um weitere Fluchten zu verhindern. Hierzu gab es viele Erlasse des OKW, die den Umgang mit Wiederergriffenen festlegten. Dem Erlass vom 22. November 1941 zufolge sollten die gefassten Kriegsgefangenen aus der Kriegsgefangenschaft entlassen und der Gestapo übergeben werden, die die Einlieferung in ein Konzentrationslager veranlasste. Im März 1942 gab es aufgrund des Arbeitskräftemangels in der Kriegswirtschaft eine neue Anordnung, die besagte, dass der Kriegsgefangene nach einer disziplinarischen Bestrafung seinem Arbeitskommando wieder zugeführt werden konnte, solange die Flucht nur aufgrund von Hunger oder Heimweh stattfand und keine kriminellen Delikte zugrunde lagen. Lag kriminelles Verhalten vor, stand es dem Kommandanten der Kriegsgefangenenlager frei zu entscheiden, ob eine lagerinterne Bestrafung ausreichte. Andernfalls wurde der Kriegsgefangene aus der Kriegsgefangenschaft entlassen, der Gestapo übergeben und in ein Konzentrationslager überführt. Im Mai 1942 wurde dieser Erlass erneuert. Wenn die Flüchtlinge Straftaten begangen hatten, mussten sie nun in jedem Fall der Gestapo übergeben werden, einige von ihnen wurden weiterhin in ein Konzentrationslager eingewiesen. Diese Regelung blieb bis zum Kriegsende in Kraft.127 Die Situation in den Arbeitslagern hier vor Ort in Dithmarschen unterschied sich nicht von anderen. Die Kriegsgefangenen arbeiteten überwiegend in der Landwirtschaft, da es einen großen Mangel an Erntehelfern gab.128 Sie mussten täglich meist 12 Stunden lang schwere, Kraft zehrende Arbeiten verrichten und hatten dabei höchstens eine Pause. Auch in Dithmarschen waren die Kriegsgefangenen für das NS- Regime nicht mehr wert als Vieh. Es gab kaum Nahrung für die Kriegsgefangenen, so dass sie immer mehr entkräftet wurden, anfällig für Krankheiten waren und dadurch letztendlich ein Massensterben einsetzte. In einem Erlass von 1941 wurde die Tagesverpflegung von Kriegsgefangenen in der Landwirtschaft vorgeschrieben. Diese Essensration beinhaltete 150 g Mahlgetreide oder Brot, 50 g Fleisch und 25 g Butter oder Schlachtfette.129 Eine viel zu magere Essensration für einen ausgewachsenen Mann. Im November 1942 gab es ein so großes Aufkommen von sowjetischen Kriegsgefangenen in Heide und Umgebung, dass man sie in Scheunen und Lagerräumen unterbringen musste. Dort waren sie streng isoliert und ohne Kontakt zur Bevölkerung. Das geschah, um die heimische Bevölkerung über die Arbeits- und Lebensbedingungen der Kriegsgefangenen im Unklaren zu lassen. Niemand durfte 127

Osterloh 1997, S. 96 ff Lorenzen/ Beck (1939): Aufruf für den Ernteeinsatz 1939. Quelle: Stadtarchiv Heide 129 Hoch, Gerhard u. Schwarz, Rolf (Hrsg.): Verschleppt zur Sklavenarbeit. Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter in S-H. Alveslohe und Rendsburg 1988, S. 74, und 4.7.: „Lebens- und Arbeitsbedingungen in Dithmarschen“ 128

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sich ein Bild über das menschenunwürdige Dahinvegetieren der sowjetischen Kriegsgefangenen machen und sollte nicht der Gefahr ausgesetzt werden, sich mit dem „bolschewistischen Virus“ zu infizieren. Auch in Heide fanden hin und wieder Fluchten statt, die ebenfalls eine große Fahndung nach den Flüchtigen auslösten. Am 4. Januar 1942 gegen 19 Uhr wurde die Sturmabteilung des Standortes Heide alarmiert. Aus Friedrichstadt traf eine Meldung bei der Polizei in Heide ein, dass vier gefangene Sowjetrussen aus dem dortigen Lager geflohen seien und gegen halb 7 Uhr durch den Ort Stelle gekommen seien. Diese Ortschaft liegt sieben Kilometer nördlich von Heide. Der „Heider Hof“ war als Alarmplatz vorgesehen und gegen 20 Uhr seien die SA- Männer und die Radstreifen dort eingetroffen. Die einzelnen Streifen seien eingeteilt worden und hätten danach ihre vorgesehenen Posten eingenommen. Nun seien in kürzester Zeit so gut wie alle Wege, die von Norden in Richtung Heide verlaufen, abgesperrt worden. Gegen 23 Uhr habe eine Streife festgestellt, dass sich von Borgholz her zwei und dahinter weitere zwei Personen langsam näherten. Diese Streife habe die geflohenen Sowjetrussen bis an ihren Standort herankommen lassen und sei dann mit dem Ruf „Hände hoch“ auf die vier Gefangenen losgestürzt. Von der Fernsprechanlage in Weddinghusen sei bei der Polizei in Heide ein Überfallwagen angeordnet worden, der die vier Gefangenen in die Kaserne nach Heide gebracht und sie dort der Wehrmacht übergeben habe. Gegen 24 Uhr seien die Posten wieder abgezogen worden. Bei den Flüchtigen habe es sich um 19-20 jährige Sowjetrussen gehandelt, die keine Waffen und Ausrüstung bei sich getragen hätten, sondern lediglich ein paar Wurzeln oder ein Stück Rotkohl.130 Das weitere Schicksal dieser Kriegsgefangenen ist nicht bekannt. Zu vermuten ist aber, dass sie aus der Kriegsgefangenschaft entlassen, an die Gestapo übergeben und in ein Konzentrationslager überführt wurden. Anhand dieses Beispiels wird deutlich, dass der menschenunwürdige und grausame Umgang mit sowjetischen Kriegsgefangenen im Zweiten Weltkrieg nicht vor den Toren Heides Halt machte und wir bis heute in der Verantwortung stehen, darüber zu berichten und dieses Verhalten nationalsozialistischer Machthaber massiv zu verurteilen. Man muss sich dabei vor Augen führen, dass die Maßnahmen gegenüber den sowjetischen Kriegsgefangenen unter Missachtung jeder Humanität und unter Bruch geltenden internationalen Rechts getroffen wurden.

130

„Wiederergreifung von 4 Sowjetgefangenen“ Januar 1942, Dokument der Kreisleitung, Stadtarchiv Heide. (Faksimile im Anschluss an den Artikel).

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(Teil des Faksimile der Nachricht über den Ausbruch und die Wiederergreifung von vier sowjetischen Kriegsgefangenen)

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4. 8. Попытки к бегству( Лена Ханзен) Вторая мировая война была самой разрушительной их всех войн в мировой истории. До настоящего времени она потребовала самое большое количество жертв всех времён. Сейчас исходят из того, что во время Второй мировой войны 5, 4 млн. солдат Красной Армии попали в плен, и по меньшей мере 3, 3 млн. из них погибли мучительной смертью. Бесчеловечное обращение, изнурительный труд и постоянный голод — это были те тяжёлые условия, которым постоянно подвергались военнопленные. Чтобы вырваться из своей безнадёжной ситуации и избежать предсказуемой судьбы - смерти- , был один выход: попытаться бежать. Побеги, особенно советских военнопленных, воспринимались командованием вермахта как угроза рейху, поэтому они жестоко карались, при этом использовались варварские методы. В первые месяцы войны многие лагеря строились в условиях острой нехватки времени. Часто они состояли из огороженного открытого участка поля и недостаточно охранялись из-за нехватки персонала. Таким образом, большинствопобегов были успешными именно во время сооружения лагерей. Советским военнопленным было труднее совершить побег, потому что их помещали,как только это было возможно, в оборудованные и хорошо охраняемые лагеря. Эти специальные лагеря назывались «руссенлагер», такой лагерь, например, находился в Зандбостель / Витцендорф. Розыски бежавших советских русских были очень сложными, так как пленные удаляли опознавательные метки, и их было потом невозможно идентифицировать как советских военнопленных. Чтобы быстро опознать пленных, верховное командование вермахта распорядилось маркировать всех пленных. Сначала хотели нанести крест на внутренней стороне предплечья. Однако этот приказ был через некоторое время отменён. Вторым вариантом было стрижка наголо. Но и это распоряжение было позже отменено, так как эта примета тоже была недолговечной. В июле 1942 верховное командование вермахта распорядилось поставить пленным клеймо на левой ягодице. В инструкции было указание, избегать нанесение глубоких ран, чтобы пленные могли и дальше работать. И этот вариант был приостановлен, так как не хватало персонала и материала для его проведения. В конечном счёте, не была найдена возможность ни быстро и однозначно идентифицировать бежавших как советских военнопленных, ни уменьшить число побегов. 22 сентября 1942 года верховное командование вермахта издало «Указ о побегах», который содержал перечень наказаний за побег ( перечень был составлен на основании анализа всех побегов). После этого военнопленных регулярно информировали о безжалостном применении оружия в случае невыполнения любых приказов лагерного персонала. Кроме того, предписывалось, чаще, но спонтанно обыскивать жилье пленных, а также усиленно проверять корреспонденцию для наблюдения за настроением в лагере. Многие побеги были связаны с поведением военнопленных офицеров и унтер- офицеров. Они призывали членов команды к побегу, поддерживали их при подготовках к побегу, сами бежали или подавали пример для подражания.

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Для того, чтобы предотвратить дальнейшие побеги, верховное командование вермахта приказало, ссылаясь на ранее изданное, но проигнорированное распоряжение, в Указе от 4 июля 1943 года всем комендантам различного рода лагерей раздельное использование офицеров и солдат. После приказа верховного командования вермахта в начале 1944 года бежавшие офицеры и унтер- офицеры, которые после побега были вновь схвачены, передавались в службу безопасности СС, шефу полиции безопасности с пометкой «3 -яя категория». Эта «3 -яя категория» была синонимом для «уничтожение работой», и была предназначена для неисправимых уголовно-осуждённых заключённых. Концлагерь Маутхаузен был одним из самых больших и единственным в рейхе для «3 -ей категории». Но это предписание держали в секрете от общественности. Поэтому вновь схваченные офицеры и унтер- офицеры записывались под рубрикой « бежавшие и не пойманные». Но существовали ещё другие тайные кампании по уничтожению, которые потребовали много жертв. Военнопленные отправлялись под кодовым названием «Акция пуля» в большой секретности и с особыми мерами предосторожности в концлагерь Маутхаузен. Прибыв на место, они помещались в бункер или в бараки, которые отгораживались от других жилых помещений высокой стеной и колючей проволокой с током высокого напряжения. Пленные были зарегистрированы втайном списке в политическом отделении (это было одно из пяти отделений, которые выполняли в нацистских концлагерях различные задания). Политическое отделение занималось регистрирацией заключённых в концлагерях по прибытию, регистрирацией освобождённых заключённых , переведённых в другой лагерь, бежавших или умерших военнопленных. Для этой цели заводилось на каждого на военнопленного личное дело заключённого. Военнопленные в этом лагере расстреливалиь, их вешали, отравляли газом, или они умирали от голода и жестокого обращения. При проведении «Акция пуля» были убиты в концлагере Маутхаузен более 5000 пленных различных националь-ностей, но большой частью советские русские. Эта акция по убийству не оказала вопреки ожиданиям устрашающего действия, так как она проводилась тайно. Остававшиеся в лагерях пленные считали, что побег изчезнувших заключённых удался, и это мотивировало их самим бежать. На основании многочисленных побегов был разработан детальный план действия охранников, какие шаги должны были предпринять охранники в случае побега военнопленного. Сначала они должны были дать точные данные о бежавшем в соответствующие органы, которые организовывали поиск заключённого. В соотвествии этому, о побеге быстро сообщалось командиру местной полиции, в ближайший полицейский участок и информировался лагерь. Коменданту лагеря давался подробный рапорт 70

о происшествии, который мог бы дать информацию о возможном пути побега. В этом рапорте был описан распорядок охранной службы за последние три дня, как военнопленный обеспечил себя одеждой, деньгами, едой и другими необходимыми вещами, какие мероприятия были предприняты,чтобы предотвратить дальнейшие побеги. Верховное командование вермахта выпустило много указов о том, как обращаться с вновь схваченными пленными. Согласно указу от 22 ноября 1941 пойманные военнопленные освобождались от плена и передавались в гестапо, которое направляло их в концлагеря. В марте 1942 г. из-за нехватки рабочей силы в военной промышленности вышло новое постановление, в котором было сказано, что пленные, отбыв дисциплинарное наказание, вновь возвращались в свою рабочую бригаду, если побег совершался из-за голода или тоски по родине и не совершалось уголовного преступления. Если военнопленный совершал уголовное преступление, то комендант лагеря мог свободно решить, будет ли лагерное наказание достаточным. В противном случае военнопленного освобождали от плена или передавали в гестапо и отправляли в концентрационный лагерь. В мае 1942 этот указ был снова введён в действие. Если беженцы совершали уголовное преступление, они в любом случае передавались в гестапо, некоторые из них отправлялись в концентрационный лагерь. Этот порядок урегулирования остался в силе до конца войны. Положение военнопленных в рабочих лагерях здесь в Дитмаршен ничем не отличалось от ситуаций в других лагерях. Военнопленные работали в основном в сельском хозяйстве, так как здесь был большой недостаток в рабочих по уборке урожая. Они должны были работать, как правило, по 12 часов в день, И в районе Дитмаршен нацисты относились к военнопленным как к животным. Для военнопленных не выделялось достаточного количества продуктов, поэтому они всё больше слабели и быстрее заболевали, и как следствие этого массово умирали. В одном из указов в 1941 г. был предписан дневной рацион питания военнопленных. В этот паёк входило 150 гр. мучных продуктов или хлеба, 50 гр. мяса и 25 гр. масла или жиров. Это был слишком скудный рацион для взрослого человека. В ноябре 1942 г. было принято большое соглашение о советских военнопленных в г. Хайдэ и в его окрестностях о том, что их нужно размещать для проживания в складских помещениях и амбарах. Там они были строго изолированы и не имели контакта с местным населением. Это делалось для того, чтобы местное население не имело информации об истинном положении военнопленных и об условиях их работы. Никто не должен был узнать об унизительном образе существования военнопленных, и никто не должен был подвергаться опасности заразиться «вирусом большевизма». И в г. Хайдэ происходили время от времени побеги, после которых организовывались масовые розыски беженцев. 4 января 1942 была объявлена около 19 часов тревога в штурмовом отделении гарнизона в г. Хайдэ. Из г. Фридрихсштадт поступило сообщение в полицейский участок Хайдэ, что четверо советских военнопленных бежали из лагеря и предположительно прошли в 6.30 через населённый пункт Штелле. Он лежит 7 км севернее г. Хайдэ. Местом 71

сбора розыскной группы был предусмотрен « Хайдэр Хоф», куда в 20 часов прибыло подразделение СА и мобильные полицейские наряды. Полицейских распределили и они заняли свои назначенные посты. Через некоторое время были перекрыты почти все дороги, ведущие с севера по направлению в г. Хайдэ. Примерно в 23 часа один из полицеских постов сообщил, что от населённого пункта Боргхольц медленно приближаются два человека, и за ними движутся медленно ещё двое. Полицеские дождались, пока русские беглецы подошли совсем близко и бросились на четырёх пленных с криком «Руки вверх !» Из Веддингхузен запросили по телефону транспорт из г. Хайдэ , который доставил этих четверых советских военнопленных в казарму г. Хайдэ, где они были переданы военным властям. В 24.00 часа все полицеские посты были сняты. Беглецами оказались молодые русские солдаты 19-20 лет, которые не имели при себе ни оружия,ни оснащения, а только несколько морковок и красной капусты. Дальнейшая судьба этих военнопленных неизвестна. Можно предположить, что они тоже были освобождены от плена, переданы в гестапо и отправлены в концентрационный лагерь. На этом примере наглядно видно, что и в г. Хайдэ также жестоко относились к советским военнопленным во время Второй мировой войны, и мы обязаны сегодня снова рассказывать об этом и резко осуждать преступления нацистских лидеров. При этом надо себе наглядно представить, что все действия против советских военнопленных совершались в глубоком презрении к человечеству, в нарушении всех действующих международных законов и в слепом безумии нацизма.

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4.9. Leiden und Sterben sowjetischer Kriegsgefangener (Umgang mit den Toten und Krankheiten der Gefangenen) (Jule Dluzewski)

Dieser Artikel behandelt ein besonders dunkles Kapitel der Kriegsgefangenschaft sowjetischer Bürger in der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Er handelt vom sinnlosen Tod Tausender und davon, wie ihnen selbst nach dem Tod eine respektvolle Behandlung versagt wurde. Die Ausmaße des Arbeitseinsatzes sowjetischer Kriegsgefangener erreichten ihren Höhepunkt zwischen 1941 und 1943, weshalb ich auch diesen speziellen Zeitraum betrachten werde. In meinem Text werde ich nicht nur auf die Behandlung nach dem Tod, sondern auch auf die Todesursache und damit indirekt auf den Leidensweg dieser Menschen eingehen. Viele der Ursachen für den frühzeitigen Tod der Kriegsgefangenen liegen klar auf der Hand. Die Zustände in den Gefangenenlagern waren sowohl in hygienischer als auch in medizinischer Hinsicht sehr schlecht. Dies wird in zahlreichen Zeitzeugenberichten der sowjetischen Kriegsgefangenen der Durchgangslager im Gebiet des heutigen Polens sehr detailliert beschrieben. Man kann die Erfahrungen dieser Menschen beispielhaft auf die Schicksale aller Kriegsgefangener übertragen131. Der Leidensweg der Kriegsgefangenen begann in gnadenlos überfüllten Durchgangslagern. Über Aufenthalte in Stammlagern gelangten sie schließlich in die Arbeitslager, wie auch z. B. in Dithmarschen, wo dann der eigentliche Arbeitseinsatz für die Gefangenen begann. In jedem dieser verschiedenen Lager erlebten sie dieselben unzumutbaren Zustände. Wenn die Menschen den Transport vom Ort der Gefangennahme bis in die „Stammlager“ im Reich in überfüllten Tierwaggons überlebt hatten, so standen ihnen nicht weniger schwere Zeiten bevor132. Weder reichten die Essensrationen aus noch waren sie genießbar oder nahrhaft, um normale, nicht geschwächte Menschen zu ernähren. Nicht selten wurde Abfall noch als Nahrung verwendet. Hinzu kamen oft verseuchtes Trinkwasser und die harte, erbarmungslose körperliche Arbeit. Es gab kaum Möglichkeiten sich zu waschen, geschweige denn Wunden zu versorgen oder Krankheiten auszukurieren. Nicht selten kam es zu Folgeerkrankungen wie Blutvergiftungen.

131 132

Siehe auch 4.7.: „Lebens- und Arbeitsbedingungen in Dithmarschen“ Siehe auch 4.4.: „Der Transport vom Ort der Gefangennahme nach Heide“

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„Ich beschaffte mir Wasser aus einem Wasserspeicherloch und trank, obwohl es nicht sauber war. (…) Als Unterlage dienten Sägespäne, die total voll mit Läusen waren, es schien, dass es sich bewegte. Dort blieb ich zehn Tage.“133 Die Unterkünfte waren von Läusen und anderem Ungeziefer heimgesucht. Aus diesen Missständen resultierte eine vereinfachte Verbreitung von Seuchen wie Cholera oder Fleckfieber, welche entweder die geschundenen Körper der Menschen durch Durchfall und Erbrechen austrockneten oder durch sehr hohes Fieber einen Zusammenbruch des Herzkreislaufsystems hervorriefen. Beide Krankheiten verliefen meist sehr schnell tödlich.134 Mit der unweigerlich großen Zahl an toten Personen kam die Frage nach einem „effizienten“ Umgang mit den Leichen auf. Allein in der sehr kleinen Region Süderdithmarschen starben bis zum 1. Dezember 1941 10% der bis zu dem Zeitpunkt eingesetzten 100 Kriegsgefangenen135. Die Lösung war für die Leitung der Lager einfach: Die Toten wurden in Massengräbern verscharrt, ohne dass z. B. durch einen Grabstein eine Veröffentlichung ihrer Namen vorgesehen war136. Laut eines Gesetzabdruckes von 1943 ist eine Bestattung vorgesehen, die sich nach den Glaubensgrundsätzen richtet137. Es ist jedoch fragwürdig, ob bei der steigenden Zahl der Toten dies auch in die Praxis umgesetzt wurde. Es sollte weiterhin eine klare Trennung von deutschen und sowjetischen Gräbern vorgenommen werden, sofern sich die Massengräber auf dem Gelände eines öffentlichen Friedhofes befanden, was ebenfalls in den Gesetzen ausdrücklich gewünscht wurde138. Auch wenn ein gesetzlicher Rahmen für den Umgang mit den Opfern der Kriegsgefangenschaft vorhanden war, sah die Wirklichkeit ganz anders aus. Bei meinen Recherchen über die Zustände in Dithmarschen wurde mir dies ganz deutlich. 1941 wurden in Heide die sowjetischen Opfer der Region auf einer Koppel in der Meldorfer Straße bestattet, welche traditionell als „Schweineweide“ bezeichnet wurde. Auch nach der veränderten Nutzung dieses Ortes wurde der Name beibehalten, was zeigt, wie wenig Respekt man vor den sowjetischen Kriegsgefangenen selbst nach deren Tod hatte139. Durch die große Anzahl an Toten (allein in Heide starben bis Mitte Dezember 1941 50 Kriegsgefangene) traten gerade beim Transport vermehrt Probleme auf. Die hygienischen Maßnahmen waren bei weitem nicht ausreichend, so wurden die Leichen lediglich in Tücher

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Zeitzeugenbericht von unter vielen anderen Dmitri Iwanowitsch, geboren in Orenburg, im Brief an KontakteKontakty, www.kontakte-kontakty.de, (kein Abfragedatum) 134 Maxim Zetkin u.a. (Hg.): Artikel: „Cholera“, in: „Lexikon der Medizin“, 16. Auflage, Wiesbaden, 1999, S. 340; Maxim Zetkin u.a. (Hg.): Artikel: „Fleckfieber“, in: „Lexikon der Medizin“, 16. Auflage, Wiesbaden, 1999, S.649 135 Landesarchiv Schleswig, Schreiben der Kreisleitung der NSDAP Süderdithmarschen an die Gauleitung Schleswig- Holstein, Betreff: „Bericht zum Rundschreiben Nr. 95/41, Meldorf den 1.12.1941, Blatt 3 136 Landesarchiv Schleswig, Schreiben an die Kirchenkanzlei der Deutschen Evangelischen Kirche vom 30.10.1942 durch das Luth. Landeskirchenamt in Kiel, Betreff: „Bestattung der Leichen von Kriegsgefangenen“ 137 Landesarchiv Schleswig, „Gesetzesabdrucke“ aus „Lyken’sche Gesetzessammlung“, Nr. 412, 1943, Abschnitt (2) 138 Landesarchiv Schleswig, „Gesetzesabdrucke“ aus „Lyken’sche Gesetzessammlung“, Nr. 412,1943, Abschnitt (1) 139 Archiv der Stadt Heide, Schreiben an den Landrat in Heide vom Bürgermeister, 10.12.1941, „Bestattung russischer Kriegsgefangener“

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gewickelt und auf offenen Holzkarren durch den Ort transportiert140. Die Verbreitung von Seuchen wurde deshalb als sehr wahrscheinlich eingestuft, woraufhin die Bestattung der Toten auf der „Schweineweide“ am 10. Dezember 1941 untersagt wurde141. In einem Bericht aus Meldorf vom 1.12.1941 heißt es, der Tod der Russen habe eine schlechte Wirkung auf die Stimmung in der Bevölkerung, was deutlich macht, dass die Menschen hier in Dithmarschen die Zustände eindeutig wahrnahmen: „Trotzdem die Bevölkerung einen Haß gegen die Sowjet-Russen in sich trägt, wirkt sich das Sterben dieser Russen stimmungsmäßig nicht günstig aus.“142 Bis Dezember 1941 durften die Leichen auf dem sogenannten „Russenfriedhof“ am Westermoorweg verscharrt werden. Auch hier gab es weder einen Grabstein noch eine religiöse Zeremonie. Die genaue Zahl der Toten in diesem Massengrab ist nicht bekannt, sie wird jedoch auf 80 bis 100 Opfer aus der Region Dithmarschen geschätzt143. Besonders perfide erscheint der Umgang mit den toten sowjetischen Kriegsgefangenen, wenn man sich anschaut, wie viele Vorkehrungen für die gefallenen Deutschen im Zweiten Weltkrieg getroffen wurden. In Richtlinien von 1943 heißt es, dass jeder gefallene Deutsche sowohl den Anspruch auf ein angemessenes Grab sowie auf die Fürsorge desselben habe. Für die sowjetischen Opfer war so etwas nicht vorgesehen144. Es bestand also ein extremer Gegensatz zwischen Opfern ein und desselben Krieges, was zeigt, dass die Ideologie des „Untermenschen“, wie oben beschrieben, eindeutig bis in ländliche Gebiete vorgedrungen war und dort auch praktiziert wurde. Abschließend möchte ich klarstellen, dass ich die Umgangsweise mit den russischen Mitmenschen jener Zeit aufs schärfste verurteile. Dieses Projekt soll ein weiteres Stück Aufklärungsarbeit im Bezug auf die Verbrechen des Zweiten Weltkrieges leisten, was für mich der einzig richtige Weg ist, um der Opfer zu gedenken und zu verhindern, dass jemals ähnliche Verbrechen in unserem Land wiederholt werden können.

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Harro Harder: „Fremdarbeiter“ und Kriegsgefangene in Dithmarschen 1935- 1945, in U. Danker, u.a. (Hg.): „Ausländereinsatz in der Nordmark“, Zwangsarbeitende in Schleswig-Holstein 1935-1945, Bielefeld 2009, S. 377- 393, hier S. 388. Siehe auch 5: „Jenseits von schriftlichen Quellen: Zeitzeugenberichte“ 141 Archiv der Stadt Heide, Schreiben an den Landrat in Heide vom Bürgermeister, 10.12.1941, „Bestattung russischer Kriegsgefangener“ (Faksimile im Anschluss an den Artikel) 142 Landesarchiv Schleswig, Schreiben der Kreisleitung der NSDAP Süderdithmarschen an die Gauleitung Schleswig- Holstein, Betreff: „Bericht zum Rundschreiben Nr. 95/41, Meldorf den 1. 12. 1941, Blatt 2 143 Harder S. 388. Siehe auch 6.2.: „Geschichte des Westermoorwegs“ 144 Landesarchiv Schleswig, „Gesetzesabdrucke“ aus „Lyken’sche Gesetzessammlung“, Nr. 444, 1943, Absatz (1), Absatz (2)

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(Faksimile der Anweisung vom 10.12.1945, das Vergraben von Leichen sowjetischer Kriegsgefangener auf der Schweineweide in Heide sofort zu unterlassen.)

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4. 9. Страдания и смерть совеских военнопленных (Обращение с мёртвыми пленными и болезнями военнопленных) (Юля Длуцевски) В данном тексте будут рассмотрены особенно мрачные темы из плена советских граждан во время Второй мировой войны. Речь идёт о бессмысленной гибели многих тысяч людей и том, как им было отказано в уважении даже после смерти. Масштабы использования советских военнопленных на принудительных работах достигли своего пика между 1941 и 1943 годом, поэтому я буду писать об этом периоде времени. В моём тексте я подробно остановлюсь не только на обхождении с мёртвыми пленными, но и на причинах смерти, и тем самым косвенно на страданиях этих людей . Многие из причин преждевременной смерти военнопленных очевидны. Условия проживания в лагерях военнопленных были очень плохими, как в отношении гигиены, так и в отношении медицинского обслуживания. Особенно подробно описывалось это в рассказах советских военнопленных, очевидцев того времени, о транзитном лагере на территории сегодняшной Польши. То, что эти люди здесь пережили, было судьбой всех военнопленных. Дорога страданий военнопленных начиналась в безжалостно переполненных пересыльных лагерях. Затем, после пребывания в основных лагерях, они, наконец, попадали в рабочие лагеря, как и например, в Дитмаршен, где для военнопленных фактически начиналась работа . И в каждом из этих различных лагерей были те же невыносимые условия. Если люди выдерживали весь путь в переполненных вагонах для скота от места пленения до основного лагеря в рейхе, то им теперь предстояли не меннее тяжёлые времена. Не было ни достаточного питания, чтобы кормить даже нормальных, а не ослабевших людей, ни пищи,которая была бы съедобна и калорийна. Нередко пищевые отбросы использовались как продукты питания. В дополнению к этому питьевая вода была часто загрязнённой, а военнопленных принуждали к беспощадно тяжёлому физическому труду. Почти не было возможности умыться, не говоря уже о том, чтобы обработать раны или вылечить болезнь. Нередко были случаи осложнений болезни, как например, заражение крови. «Я достал себе немного воды из водосточной ямы и пил её, хотя она была грязной. (…) Подстилкой нам служили опилки, в которых было столько вшей, что казалось, что опилки движутся. Там я жил десять дней.» В помещениях было много вшей и других паразитов. Эти условия привели к быстрому распростанению таких заразных заболеваний как холера и сыпной тиф, которые либо приводили из-за рвоты и поноса к обезвоживанию измождённого организма, либо из-за высокой температуры к коллапсу сердечно-сосудистой системы. Оба этих заболеваний, как правило, очень быстро приводили к смерти. Вместе с неизбежно огромным числом умерших встал вопрос о том, как «эффективно» ликвидировать трупы умерших . Только в маленьком районе Зюд — Дитмаршен умерло к 1 декабрю 1941г. 10% от 100 военнопленных. Решение было быстро найдено руководством лагеря: Мёртвых просто закапывали в общих могилах, не предусмотрев даже,например, 77

могильного камня с их именами. Согласно законодательному предписанию от 1943 года при захоронениях военнопленных учитывать их вероисповедание. Вряд ли это было реализовано на практике при таком возрастающем количестве умерших. Далее предписывалось чёткое разделение немецких и советских захоронений, если братская могила находилась на территории общественного кладбища, что также было специально предусмотрено в соответствующих законах. Хотя существовали правовые предписания о том, как обращаться с умершими военнопленными, однако действительность была совершенно иной. Это выяснилось во время моих исследований условий захоронений в районе Дитмаршен. В 1941 году советские жертвы из окрестностях г. Хайдэ хоронились на отгороженном участке на улице Мельдорфер Штрасэ, который обычно именовался «Швайневайдэ» т.е.пастбище для свиней. Это название сохранилось даже тогда, когда это место стало использоваться для других целей, что показывает, как неуважительно относились к советких военнопленных даже после их смерти. Из-за большого количества умерших ( только в г. Хайдэ их было 50 жертв военно-пленных к середине декабря 1941 г.) возникли большие проблемы с перевозкой умерших. Санитарные меры были недостаточными, трупы заворачивались просто в кусок ткани и перевозились на открытой деревянной тачке через город. Распространение эпидемий была расценено как очень вероятное, после чего начиная с 10 декабря 1941 г. запретили хоронить на «Швайневайдэ». В одном из сообщений из Мельдорфа говорилось, что смерть русских военно-пленных оказывает негативное влияние на настроении населения; это отчётливо показывает, что люди в Дитмаршен знали об условиях в лагерях: «Несмотря на то, что население ненавидит советских русских смерть этих русских оказывает неблагоприятное влияние на настроении населения.»

До декабря 1941 года умерших закапывали на так называемом «русском кладбище» у Вестермоорвег. И здесь не было ни могильной плиты, ни религиозных церемонии при погребении. Точное число погребённых в этой братской могиле неизвестно, но приблизительно считают, что там захоронено от 80 до 100 человек из окрестности округа Дитмаршен. Особенно низменным кажется отношение к умершим советским военнопленным, если сравнить, как много делалось для павших во время Второй мировой войны немецких солдат. В директивах правительства в 1943 году говорится, что каждый погибший немецкий солдат имеет право на соответствующую могилу и уход за ней. Для советских жертв это не было предусмотрено. Таким образом существовал резкий контраст в обращении с жертвами одной и той же войны, что наглядно показывает, что идеология « о рассовой неполноценности », как описано выше, однозначно проникла и в сельскую местность и там претворялась в жизнь. 78

В заключение я хочу ясно сказать, что я резко осуждаю то, как тогда обращались с русскими людьми. Этот проект должен стать частью разъяснительной работы о преступлениях Второй мировой войны. Для меня это единственно верный путь, чтобы почтить память павших и предотвратить, чтобы когда-либо совершились в нашей стране подобные преступления.

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5. Jenseits von schriftlichen Quellen: Zeitzeugenberichte (Mathilde Heeren, Leo Köpke, Maike Schmidt)

Erläuterungen zum Vorgehen Zunächst war es unsere Aufgabe, mit den Zeitzeugen, die uns von der „ Stiftung gegen Extremismus und Gewalt in Heide und Umgebung“ genannt wurden, telefonisch in Kontakt zu treten. Wichtig war uns als Erstes abzuklären, ob die genannten Personen überhaupt bereit waren, mit uns zu sprechen. Es stellte sich heraus, dass nur drei der genannten sechs Zeitzeugen uns ihre persönlichen Erlebnisse erzählen wollten. Bei einem zweiten Gespräch wurde nun ein Termin für das Interview abgeklärt. Wir versprachen den Zeitzeugen, einen ersten Fragenkatalog, den wir als Nächstes erstellen wollten, vor dem vereinbarten Termin zuzuschicken, damit sie sich schon einige Notizen zu dem Thema machen konnten. Dies erschien uns angemessen, da alle Zeitzeugen in fortgeschrittenem Alter sind und sie so ihre Erinnerungen zunächst ordnen und dann präzise auf unsere Fragen antworten konnten. Außerdem gab dies ihnen die Möglichkeit, sich mental auf das für sie schwierige Thema einzustimmen. Die nächste Aufgabe bestand also darin, einen Fragenkatalog zu erstellen. Wir entschieden uns dazu, zuerst allgemeine Fragen über die Person zu stellen und dann auf die Zeit, die für unser Projekt entscheidend ist, einzugehen. Schließlich kristallisierten sich drei Überschriften heraus: Fragen zur Kindheit, Fragen zu den Kriegsgefangenen und Fragen zum Grab. Der Fragenkatalog sollte allerdings nur als Einstiegshilfe ins Gespräch dienen und dann zum Einsatz kommen, wenn wir den Faden verlieren würden. Schließlich wollten wir individuell auf die Zeitzeugen eingehen. Wie sich später herausstellte, war er sehr hilfreich und die Zeitzeugen hatten sich alle schon vor unserem ersten Gespräch zu den wichtigsten Fragen Notizen gemacht. Bei den Interviews war immer abwechselnd einer von unserer Gruppe der Gesprächsführer (oder Moderator) und die beiden anderen machten sich Notizen zu den wichtigsten Aussagen der Person. Wir wollten den Zeitzeugen einen direkten Ansprechpartner bieten und den roten Faden im Interview nicht verlieren. Natürlich konnten auch die anderen aus der Gruppe noch zusätzlich Themen ansprechen oder den Gesprächsführer unterstützen, wenn es ihm für nötig erschien. Zusätzlich zu den Notizen zeichneten wir die Gespräche auf, um später wichtige Stellen zitieren zu können. Dieses Vorgehen sprachen wir vorher mit den Zeitzeugen ab und sie willigten alle ein, dass wir die Gespräche aufnehmen dürften. Udo Matzen und Uwe Reh konnten uns von interessanten persönlichen Erfahrungen berichten. Leider stellte sich heraus, dass der dritte Zeitzeuge keine wirklichen Angaben zu der entscheidenden Zeit von 1941-45 machen konnte, da er sich einige Jahre selbst im Krieg befand und kaum in seiner Heimatstadt Heide war. Trotzdem konnte er uns andere interessante Einblicke geben, indem er uns von seiner eigenen Zeit als Kriegsgefangener erzählte. Letztendlich entschieden wir uns jedoch dafür, 80

seine Aussagen nicht in die Endfassung des Textes mit einzubringen. Sie hatten leider zu wenig mit den Aussagen der anderen Zeitzeugen und unserem eigentlichen Thema zu tun, sodass wir seine Erlebnisse nicht sinnvoll in unseren Text einbringen konnten. Leo hörte sich die Mitschnitte der Gespräche in der Projektwoche noch einmal an und fasste die Hauptaussagen von jedem Zeitzeugen zusammen. Auf diesen Mitschriften und den Tonaufnahmen basierend entstand dann unser endgültiger Text in Artikelform: Zeitzeugenberichte Unsere Geschichte besteht zum größten Teil aus Erinnerungen, doch nur die Dinge, die niedergeschrieben wurden, von denen Zeugnisse existieren, bleiben für spätere Generationen erhalten. Alles andere kann man nur mit Mühe rekonstruieren oder es verschwindet in der Dunkelheit, als ob es nie geschehen wäre. Menschen existieren nur so lange weiter, wie sich jemand an sie erinnert. Doch was ist mit den Schicksalen der Menschen, über die niemand mehr spricht? Dies ist das Schicksal der sowjetischen Kriegsgefangenen. Ihr persönlicher Leidensweg droht in Vergessenheit zu geraten. Deshalb ist es wichtig, dass Menschen, die in ihren Kindheitstagen Zeugen der Geschehnisse in Heide geworden sind, ihre Erinnerungen bewahren und mit uns teilen. Wir trafen zwei Zeitzeugen, die sich bereit erklärten uns ihre persönlichen Beobachtungen zu diesem Thema zu schildern. Udo Matzen wurde 1932 in Heide geboren und wuchs mit seinen drei Geschwistern in einem Haus gegenüber der Trabrennbahn in der Waldschlößchenstraße auf. Sein Vater war Lehrer und Leiter eines Museums im Ort. An einem nebligen Morgen im November 1941 beobachtete der damals Neunjährige die Ankunft sowjetischer Kriegsgefangener. Die Rennbahn wurde in dieser Zeit als Durchgangslager genutzt; die zuständigen deutschen Soldaten waren in der Rennbahngaststätte untergebracht. Wenn Udo Matzen aus dem Fenster des Elternhauses blickte, konnte er die spärlich bekleideten Gefangenen, die draußen vor den Hallen auf die Essensausgabe warteten, beobachten. „Sie standen da alle mit ihren lumpigen Mänteln und Mützen und sie sahen sehr elend aus, weil sie schon halb verhungert hier angekommen sind.“145 An einem anderen Tag machte der Junge eine schreckliche Entdeckung: Auf dem Weg zur KnabenBürgerschule am Loher Weg ging er wie gewöhnlich an den Lagerhallen der Rennbahn vorbei. Vor dem Gebäude lagen entkleidete Leichen. Als er auf dem Nachhauseweg an derselben Stelle vorbeikam, waren sie verschwunden.146 Generell gab man sich viel Mühe, die Kriegsgefangenen versteckt zu halten, und der Bevölkerung wurde der Kontakt mit ihnen strengstens untersagt. Trotzdem war bekannt, dass die Russen hungerten, und es gab sogar Gerüchte über Kannibalismus. Einige Nachbarn von Udo Matzen warfen

145 146

Udo Matzen, Interview am 06.06.2011 ebda

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ab und zu Brot über den Zaun zu den Gefangenen.147 Auch der 81-jährige Heider Uwe Reh erzählte uns in einem persönlichen Gespräch von Einwohnern, die den Kriegsgefangenen Brot zusteckten.

Uwe Reh wurde 1929 geboren und sieben Jahre später in die Knaben-Bürgerschule im Loher Weg eingeschult. Er wuchs als Sohn eines Postbeamten mit fünf Brüdern in einfachen Verhältnissen auf und trat nach Kriegsbeginn, wie auch alle seine damaligen Freunde, der Hitlerjugend bei: „Erscheinen war Pflicht, und wenn man nicht da war, wurde man von der Polizei geholt.“148 Ihm war die Anwesenheit von Kriegsgefangenen in Heide und Umgebung durchaus bewusst. Im strengen Winter 1941 konnte Uwe Reh sehen, wie die Gefangenen bei eisiger Kälte den Schnee von der Straße schippen mussten. An der Kreuzung von der Vereinsstraße und der Theodor-Storm-Straße waren sie in Baracken untergebracht. Dass der Kontakt mit den Russen jedoch strengstens untersagt wurde, prägten Eltern und Lehrer den Kindern gleichermaßen ein. Trotzdem gab es, so erinnert sich der heute 81-Jährige, Hilfe aus der Bevölkerung. Sobald jedoch der Waffen-SS bekannt wurde, dass ein Heider den Gefangenen Brot zusteckte, wurden der gesamten Familie die Brotkarten entzogen. An ein Erlebnis erinnert Uwe Reh sich heute noch sehr genau. Eines Nachmittags spielten er und seine Freunde aus der Hitlerjugend in der Feldmark. Sie krochen wie Soldaten durch die Gräben und beobachteten die Umgebung durch Grabenspiegel, mit deren Hilfe man über die Grabenkante schauen konnte. Ihr Spiel wurde durch die Ankunft eines Lastwagens unterbrochen. Hinter Gestrüpp verborgen, beobachteten sie eine Gruppe von Männern, die Strohballen in ein zuvor ausgehobenes Loch warfen. Er erinnert sich, dass der Lastwagen schwer beladen gewesen war und immer weitere Strohballen zur Grube getragen wurden. Als das Fahrzeug wegfuhr, kamen die nun neugierig gewordenen Jungen aus ihrem Versteck hervor und sahen, dass es sich bei den „Strohballen“149 um leblose, entkleidete Männer handelte, die dürftig mit Stroh umwickelt worden waren. Er vermutet heute, dass andere Kriegsgefangene die Toten schon im Lager entkleideten, um sich vor der Kälte zu schützen: „Wir wussten zuerst gar nicht, was das war. Nachher fuhren die Männer weg und wir sind natürlich hin und da haben wir dann die Leichen gesehen. Die waren wie Weinflaschen in Stroh eingewickelt. Wir durften ja nichts sagen. Zuhause auch nicht, sonst wurde man gleich abgeholt.“150 Heute ist die Stelle, an der Uwe Reh den Lastwagen beobachtete, von einem Wohngebiet umgeben. Das Massengrab ist mit Gras bewachsen und den Platz ziert ein großes, orthodoxes Kreuz: Die Gedenkstätte am Westermoorweg, wie wir sie heute kennen. Wenn Udo Matzen und Uwe Reh die Gedenkstätte besuchen, weckt sie viele Erinnerungen. Vielen Zeitzeugen fällt es schwer, über die nationalsozialistische Vergangenheit Deutschlands zu sprechen. Es war nicht leicht, Heider zu finden, die sich bereit erklärten, uns ihre persönlichen

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ebda Uwe Reh, Interview am 09.06.2011 149 Siehe auch 4.5. „Die Erlasse der Reichsregierung als Grundlage des Arbeitseinsatzes von Kriegsgefangenen“ 150 Uwe Reh, Interview am 09.06.2011 148

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Erlebnisse zu schildern. Wir danken Uwe Reh und Udo Matzen für die informativen Gespräche. Das Schicksal der Kriegsgefangenen soll nicht vergessen werden.

Uwe Reh

Udo Matzen

5. Наряду с письменными источниками: Свидетельства очевидцев (Лео Кёпке, Матильда Герен, Майке Шмидт) Пояснения к методу нашей работы Сначала наша задача в работе с очевидцами состояла в том, чтобы наладить телефонный контактс теми лицами, которые были нам названы обществом «Мемориал». Во- первых, для нас было важно выяснить, готовы ли вообще эти названные лица с нами говорить. Выяснилось, что только трое из шести названных очевидцев хотели нам рассказать о том, что они пережили. Во втором телефонате мы договорились о времени встречи для интервью. Мы договорились с очевидцами о том, что вышлем перечень вопросов, который мы хотели скоро составить, до согласованного дня встречи для того, чтобы они могли сделать краткие записи к нашей теме. Это нам казалось уместным, так как все очевидцы были в преклонном возрасте, и,таким образом, они смогли бы сначала упорядочить свои воспоминания и потом подробно ответить на наши вопросы. Кроме того, это дало им возможность душевно настроиться на трудную для них тему. Итак, следующая задача состояла в том, чтобы составить перечень вопросов. Мы решили сначала задать им общие вопросы, а потом перейти к времени, которое имело важное значение для нашего проекта. Наконец, мы составили три блока вопросов : вопросы о детстве; вопросы о военнопленных; вопросы о могиле. Перечень вопросов должен был нам 83

помочь вступить в разговор и быть подспорьем, если разговор приостановится. В конечном счёте мы хотели с каждым очевидцем вести индивидуальный разговор. Как позже выяснилось, этот перечень вопросов оказался очень полезным, и все очевидцы приготовили уже до нашей первой встречи ответы на наиболее важные вопросы. Во время нашего интервью один из нашей группы был поочерёдно ведущим и задавал вопросы, а двое других делали записи к важным показаниям очевидца. Мы хотели, чтобы очевидцы имели конкретного собеседника и не потеряли нить разговора при интервью. Естественно, и другие члены группы могли задавать вопросы к дополнительным темам или поддержать ведущего, если в этом была необходимость. Дополнительно к нашим записям мы записывали разговоры на плёнку, чтобы потом цитировать отдельные выдержки из разговора. Мы заранее согласовали с очевид-цами эту возможность, и они все согласились и разрешили нам записывать разговоры на плёнку. Удо Матцен и Уве Рее смогли нам рассказать интересные личные впетчатления. К сожалению выяснилось, что третий очевидец не смог нам проктически помочь информацией о важном для нас времени с 1941 по 1945 год, так как он сам несколько лет находился на войне и почти не был в своём родном городе Хайдэ. Но несмотря на это, он рассказал нам другие интересные детали событий о том времени, когда он сам был военнопленным в других странах. В конечном счёте мы всё же решили не вносить его воспоминания в окончательный вариант текста. К сожалению, его воспоминания имели мало общего с нашей действительной темой проекта и с рассказами других очевидцев, так что мы не смогли целесообразно использовать его воспоминания в нашей статье. Лео прослушал ещё раз записи разговоров во время работы над проектом, затем он составил обобщение наиболее важных высказываний каждого очевидца. Основываясь на наших записях во время интервью и записанных на плёнку разговоров, появился наш окончательный текст в виде статьи. Рассказы очевидцев Наша история большей частью состоит из воспоминаний, но всё же только те события, которые записываются и для которых существуют доказательства, сохраняются для будущих поколений. Все остальные события могут быть восстановлены только с большим трудом, или они исчезнут навсегда, как будто бы они и не происходили. Люди существуют лишь до тех пор, пока о них кто-то помнит. А как насчёт судьбы тех людей, о которых никто не вспоминает? Такова как раз и судьба советских военнопленных. Их личная судьба грозит уйти в забвение. Поэтому так важно, что люди, которые в детстве были свидетелями событий в г. Хайдэ, сохранили свои воспоминания и делились пережитым с нами. Мы встретили несколько очевидцев, которые согласились описать свои личные наблюдения к этой теме.

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Удо Матцен родился в 1932 в г. Хайдэ и жил вместе с тремя братьями и сёстрами напротив ипподрома на улице Вальдшлёсхенштрасэ. Его отец был учителем и руководителем местного музея. В одно туманное утро в ноябре 1941 года девяти - летний Удо увидел, как прибывают советские военнопленные. Ипподром тогда использовался как транзитный лагерь; немецкие охранники были размещены в гостинице ипподрома. Если Удо Матцен выглядывал из окна родителького дома, он видел полураздетых пленных, которые стояли на улице возле здания ипподрома, ожидая раздачи пищи. «Они стояли здесь в своей рванных одежде и выглядели оченьбольными, потому что они прибывали уже истощёнными от голода.» В один из следующих дней мальчик увидел что-то ужасное: По дороге в школу для мальчиков на улице Лохер Вег он обычно проходил мимо складских помещений ипподрома. Перед зданием склада лежали голые трупы. Когда он возвращался из школы тем же путем, их уже не было. Вообще прилагалось много усилий, чтобы держать военнопленных скрытно, и населению строжайще запрещалось иметь контакт с ними. Тем не менее было известно, что русские голодали, и ходили даже слухи о каннибализме. Некоторые соседи Удо Матцена иногда бросали военнопленным хлеб через забор. И 81-летний житель г. Хайдэ Уве Рее рассказывал нам в личной беседе о жителях города, которые тайком давали пленным хлеб.

Уве Рее родился в 1929 году и с семи лет пошёл в школу для мальчиков, которая находилась на улице Лохер Вег. Он был одним из пяти сыновей почтового служащего и рос в скромных условиях. После начала войны он, как и все его сверстники, вступил в Гитлерюгенд. « Участие в Гитлерюгенд было обязанностью, а если ты не приходил, то тебя приводила полиция» Он хорошо знал, что в г. Хайдэ и в его окрестностях находятся военнопленные. В суровую зиму 1941 года Уве Рее видел, как пленные на леденящем морозе должны были убирать на улице лопатами снег. Они жили в бараках на перекрёстке улицы Ферайнштрасэ и Теодор-ШтормШтрасэ . Родители и учителя одинаково вдалбливали детям, что контакт с русскими строжайще запрещён. Тем не менее, как вспоминает Уве Рее, население оказывала помощь военнопленным. Обнако как только солдатам СС стало известно, что один из жителей Х айде передавал пленным тайком хлеб, то у всей семьи забрали хлебные карточки. Одно событие Уве Рее помнит хорошо по сей день Однажды после обеда он и его друзья из Гитлерюгенд играли на улице Фельдмарк. Они ползли как солдаты по окопам и наблюдали за окрестностью через окопное зеркало, при помощи которого можно было смотреть за край окоп. Их игра была прервана, так как появился грузовик. Скрытые кустами, они увидели группу мужчин, которые стали бросать тюки соломы в заранее вырытую яму. Он припоминает, что грузовик был тяжело нагружен, и всё больше тюков соломы они переносили в яму. Когда грузовик уехал, любопытные мальчишки вышли из своего укрытия, подошли к яме и увидели, 85

что то, что они приняли за тюки соломы, на самом деле были мёртвые голые люди, которые скупо были обёрнуты соломой. Сегодня он предполагает, что другие военнопленные снимали с умерших одежду, чтобы защититься от холода: « Мы сначала даже не поняли, что это было. Потом мужчины уехали и мы конечно подошли туда и увидели трупы людей. Они были как бутылки вина обёрнуты соломой. Нам нельзя было говорить об этом. И дома нельзя было говорить об этом, а то бы нас сразу забрали.» Сегодня это место, где Уве Рее видел грузовик, окружено жилым районом. Братская могила заросла травой, здесь стоит теперь большой православный крест: Мемориал у Вестермоорвег, так он сегодня называется. Если Удо Матцен и Уве Рее посещают этот мемориал, то он вызывает много воспоминаний. Многим очевидцам тяжело было говорить о националсоциалистическом прошлом Германии. Нелегко было найти людей из города Хайдэ, которые согласились бы, рассказать о своих личных воспоминаниях. Мы благодарим Удо Матцен и Уве Ре за содержательные беседы. Судьба военнопленных не должна быть забыта.

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6. Historischer Hintergrund und Ergebnisse der Recherche vor Ort: 1945 bis 2011 6.1. Umgang mit NS-Vergangenheit seit 1945 am Beispiel Dithmarschens (Alina Fluck, Johanna Luitjens) Der folgende Text beschäftigt sich mit der Entwicklung des Umgangs mit der nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands im Laufe der Jahrzehnte. Um dieses Thema ausreichend skizzieren zu können, ist eine quellenorientierte Arbeit vonnöten. In unserem Fall stellte sich dies jedoch als schwierig dar, da von der Zeit ab 1949, also ab Gründung der Bundesrepublik Deutschland (BRD), immer weniger lokale Quellen über den Umgang mit der NS-Zeit zu finden sind. Dennoch lässt sich der Umgang mit der NSVergangenheit in zwei Phasen unterteilen: Die erste Phase bildet die Zeit zwischen 1945- 49, in der man, in der britischen Besatzungszone, zu der Schleswig-Holstein gehörte, versuchte, das nationalsozialistische Gedankengut auszulöschen und eine stabile Demokratie zu importieren und zu manifestieren. Hierzu entwickelten die Briten ein mehrstufiges Konzept, an dessen erster Stelle die Umerziehung und Entnazifizierung stand, die den antisemitischen Grundgedanken zu vernichten versuchte. Die zweite Stufe bildete die Verwaltungssicherheit, die die Rechtsstaatlichkeit garantieren sollte. Als letzte Stufe war die Demokratisierung vorgesehen, die letztlich die Eigenständigkeit des Staates wiederherstellen sollte.151 Als Beispiel für die Durchführung der zweiten Stufe, also der Verwaltungssicherheit, liegt eine Verordnung der britischen Besatzungszone aus dem Jahre 1945 vor. Durch sie lässt sich herausstellen, dass die britische Besatzungsmacht den Versuch unternahm, alle nicht bekannten Zwangsarbeiter zu registrieren, ebenso wie Ausländer, die nicht den Alliierten angehörten, und diejenigen, die erst nach dem 3. September 1939 die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten hatten. Ausgenommen waren die sogenannten „Displaced Persons“, „jene Ausländer also, die sich als ehemalige Zwangsarbeitende, Kriegsgefangene, Verschleppte, KZ-Häftlinge oder Geflüchtete direkt nach Kriegsende in Deutschland befinden“152. Alle genannten Personen, die sich der Anordnung widersetzten, oder Deutsche, die Zwangsarbeiter "beherbergen oder beschäftigen, sind verpflichtet, dafür Sorge zu tragen, daß die bei ihnen wohnenden oder von ihnen beschäftigten Leute den Vorschriften dieser Verordnung Folge [zu] leisten“153.

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Uwe Danker, Astrid Schwabe: „Schleswig Holstein und der Nationalsozialismus“. Neumünster 2005, S. 160 S. 161 152 ebda 153 „NOTICE" Order of the Military Government aus dem Jahr 1945, Stadtarchiv Büsum (Faksimile im Anschluss an den Artikel)

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Diese Verordnung brachte nicht den gewünschten Erfolg. Die Bürgermeister Dithmarschens (z. B. Norderwöhrden154 und Dellstedt155) bejahten zwar die Beschäftigung von Zwangsarbeitern, behaupteten jedoch, die gewünschten Personalakten seien nicht in der Verfügung der Gemeinde, sondern befänden sich bei der Wehrmacht.Es besteht die Möglichkeit, dass sich die Bürgermeister Dithmarschens der Verantwortung entziehen und ihre Gemeinde nicht mit Zwangsarbeit in Verbindung bringen wollten. Bei der Durchsetzung des britischen Konzeptes traten mehrere Schwierigkeiten auf. Die Bevölkerungszahl verdoppelte sich fast zwischen 1945 und 1949 durch die große Anzahl an Flüchtlingen, was die Sicherstellung der Ernährung erschwerte. Die Wirtschaft Deutschlands war außerdem durch den Zweiten Weltkrieg auf Kriegsproduktion ausgerichtet, was die Umstrukturierung zu einer stabilen Friedenswirtschaft schwer möglich machte. Zudem hatten sich die Briten vor ihrem eigenen Volk zu verantworten, da dieses die Strafjustiz für Kriegsverbrecher, die Entmilitarisierung Deutschlands und die Demontage von Industriezweigen der Kriegswirtschaft erwartete.156 Mit Gründung der BRD am 23. Mai 1949 setzte die zweite Phase der Verarbeitung der Vergangenheit ein. Dennoch fand in Großteilen der Bevölkerung immer noch eine weitflächige Verdrängung der Geschehnisse des Zweiten Weltkrieges statt. In Heide sei kein Mensch „…in der Lage, sich an durchgehende Transporte durch Heide zu erinnern. Die damaligen Machthaber sind nicht mehr am Ruder und zum Teil aus den führenden Ämtern entlassen worden. Auch liegt die Zeit zu weit zurück, sich an weitere Transporte zu erinnern“157. Um den Opfern der Kriegsgefangenschaft in Schleswig-Holstein Respekt zu erweisen, kümmerte man sich nachweisbar ab dem Jahre 1960 um eine „Zusammenlegung der im Lande Schleswig-Holstein verstreut bestatteten Kriegstoten auf dem […] Ehrenfriedhof am Haddebyer Noor bei Schleswig“158 . Auch das Massengrab am Westermoorweg wurde zu einer Gedenkstätte umgestaltet. Maßnahmen diesbezüglich erfolgten zwischen den Jahren 1949 und 1980 durch den Ausschuss für Kultur und Bildung und auf Veranlassung des Bürgermeisters von Heide.159 In Anbetracht der Initiative des Landes Schleswig-Holstein, eine Erinnerungskultur zu schaffen, lässt sich annehmen, dass auf landespolitischer Ebene der Wunsch bestand, die NS-Vergangenheit aufzuarbeiten. Durch die anhaltende Verdrängung in der Bevölkerung stellte sich die Umsetzung dieses Vorhabens als kaum lösbar dar. Als Beleg für diese These dient die Beschwerde eines Bauern, der seinen Pfarrer anklagt, welcher sich unmenschlich gegenüber der Leiche eines Kriegsgefangenen verhalten haben soll, indem er verweigerte, diese auf dem kirchlichen Friedhof zu bestatten.160 Obwohl der Bauer Hansen

154

Brief des Bürgermeister aus Norderwöhrden, Wöhrden den 19. Oktober 1945, Dorfchronik Dellstedt Brief des Bürgermeister aus Dellstedt, Dellstedt (Holstein), den 13. X. 1945, Dorfchronik Dellstedt 156 Heide, 4. 11. 1949, Ermittler, Quelle unbekannt 157 Brief vom Innenminister an die Landräte Schleswig-Holsteins aus: "Betreff Kriegsgräberwesen" , Kiel, 16.01.1961, Stadtarchiv Heide 158 Brief vom Innenminister an die Landräte Schleswig-Holsteins aus: "Betreff Kriegsgräberwesen" , Kiel, 16.01.1961, Stadtarchiv Heide 159 Siehe auch 6.2.: „Geschichte des Ortes „Westermoorweg“ 160 Brief von Detlef Hansen (Bauer) Hochwöhrden, den 25. Juli 1960, Kirchenarchiv Meldorf 155

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Kreisbauernführer war und somit ein parteipolitisches Amt innehatte, stellte sich angeblich bei ihm bereits damals ein Unrechtsbewusstsein ein. Seine Aussagen sind jedoch aufgrund seiner politischen Stellung während der NS-Zeit in Frage zu stellen. Der Pastor wies hingegen jegliche Schuld von sich, indem er Hansen als den Schuldigen an der menschenunwürdigen Beisetzung darstellte. Ausgelöst durch die Neugierde der Nachkriegsgeneration entwickelte sich die Studentenbewegung der 60er Jahre, die ihren Höhepunkt 1968 fand. Insbesondere standen die Politik der NS-Zeit und die "Generation der Täter" im Fokus der Kritik. Der Erhalt des Status Quo der damaligen Zeit stand im Vordergrund der Proteste. Gerade in Schleswig-Holstein gab es viele ehemalige Nationalsozialisten, die ihr Amt über das Ende des Krieges hinaus innehatten. Diese Annahme bestätigt sich durch das Fehlen von Quellen bezüglich der Aufarbeitung in diesem Zeitraum. Die Umgestaltung der Gedenkstätte am Westermoorweg in den 80er Jahren zeigt, dass in der dritten und vierten Generation das Bestreben nach Wiederaufnahme der Aufarbeitungsarbeit bestand. Unserer Auffassung nach verliert die Aufarbeitungs- und Erinnerungskultur immer mehr an Bedeutung. Gerade die Errichtung von Gedenkstätten wie die am Westermoorweg in Heide ist daher von großer Relevanz, um das Vergessen zu verhindern, da die Generation der Zeitzeugen immer kleiner wird. Unser Projekt "Den Opfern einen Namen geben" nimmt das auf, was man schon zu Zeiten der Besatzungszone versuchte: Die Opfer zu identifizieren und somit einen Bezugspunkt für die Angehörigen zu schaffen. Heutzutage möchte man nicht einfach nur einen Schlussstrich ziehen, sondern die Vergangenheit als mahnendes Beispiel verstehen, wie ein Zitat des Philosophen Karl Jaspers 1950 besagt: „Was geschah ist eine Warnung, [die nationalsozialistische Vergangenheit] zu vergessen ist Schuld. Man soll ständig an sie erinnern. Es war möglich, dass sie geschah, und es bleibt jederzeit möglich. Nur im Wissen kann es verhindert werden."161 So ist eine Aufarbeitung zwar wichtig, aber die Geschehnisse der NS-Zeit sind ein Problem, für das keine Lösung gefunden werden kann. Sie sollten vielmehr als Beispiel einer ständig weiter existierenden Bedrohung durch den Menschen selbst verstanden und verinnerlicht werden.

161

Karl Jaspers: Vom Ursprung und Ziel der Geschichte, Frankfurt am Main 1955, S. 190

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(Faksimile des britischen Befehls zur Erfassung von „Displaced Persons“, 1945)

6.1.

Конфронтация с национал-социалистическим прошлым на примере истории Дитмаршен (Алина Флукк и Иоханна Лутьенс)

В следующем тексте речь идет о том, как развивалось отношение к националсоциалистическому прошлому Германии на протяжении последних десятилетий. Чтобы наиболее полно осветить эту тему, необходимо было работать с источниками. В нашем случае это однако оказалось затруднительным, так как начиная с 1949 года, т.е. с момента основания Федеративной республики Германии, становилось всё меньше местных источников об отношении к нацизму. Тем не менее можно выделить два этапа критического разбора национал-социалистического прошлого : В первый этап входит период с 1945 по 1949, 90

в котором в британской оккупационной зоне, в которую входила территория ШлезвигГольштайн, пытались уничтожить нацистскую идеологию, и внедрить стабильную демократию и закрепить её. С этой целью британцы разработали многосупенчатый план, на первом месте которого стояло перевоспитание населения и искоренение из памяти людей нацистской идеологии для того, чтобы попытаться уничтожить основу антисемитизма. Вторым этапом было формирование надёжной администрации, которая гарантировала бы создание правового государства. На последнем этапе была предусмотрена демократизация общества, которая должна была восстановить независимость государства. В качестве примера реализации второго этапа, т. е. формирование надёжной администрации, можно назвать распоряжение в британской оккупационной зоне из 1945 года. На основании этого распоряжения удалось установить, что британские оккупационные власти попытались зарегистрировать всех до сих пор неизвестных подневольных работников, а также иностранцев, которые не принадлежали к союзникам, и тех, которые только после 3 сентября 1939 года получили немецкое гражданство. Исключение составляли так называемые « изгнанные лица», « то есть те иностранцы, которые находились в Германии после окончания войны как насильственно привезенные для работ, как военнопленные, или насильственно угнанные, как узники концлагерей или беженцы». Все те, которые не подчинялись этому распоряжению, или немцы, которые « укрывали подневольных работников, или давали им работу, обязаны были обеспечить выполнение этого предписания теми лицами, которые жили или работали у них».

Это распоряжение не принесло желаемого результата. Бургомистры из региона Дитмаршен (н -р, из Нордервёрден и Делльштедт) потвердили наличие подневольных работников, утверждали однако, что нужные личные дела не находятся в общине, а хранятся у вермахта. Вполне вероятно, что бургомистры из региона Дитмаршен хотели избежать ответственности, и не хотели, чтобы их общины были связаны с фактом ис ользования принудительного труда. При осуществлении британского плана возникли многие трудности. Численность населения в британской зоне увеличилось с 1945 по 1949 гг. Почти вдвое из- за большого количества беженцов, что осложнило обеспечение населения продовольствием. Кроме того, экономика Германии была из-за Второй мировой войны ориентирована на военное производство, что сильно осложняло её перестройку на стабильную мирную экономику. К тому же британцы несли ответственность перед собственным народом, так как британский народ ожидал суда над военными преступниками, демилитаризации Германии и демонтажа военной промышленности.

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С момента основания Федеративной республики Германии 23 мая 1949 начался второй этап критического переосмысления прошлого. Но большая часть населения старалась вытеснить из памяти события Второй мировой войны. В г. Хайдэ ни один человек не был «в состоянии вспомнить о перевозках и транспортировках через г. Хайдэ. Бывшие руководители не были больше у власти или были уволены с руководящих должностей. Кроме того, прошло уже слишком много времени, поэтому невозможно вспомнить все другие перевозки и транспортировки».

Чтобы отдать дань уважения жертвам плена на территории Шлезвиг- Хольштайн, начиная с 1960 года, как документально доказано, начались «перезахоронения умерших и погребённых в разных местах Земли Шлезвиг- Хольштайн на одном(...) мемориальном кладбище у Хаддебайер Ноор вблизи г. Шлезвиг.» Братская могила у Вестермоорвег была также преобразована в мемориал. Меры по преобразованию братской могилы в мемориал были предприняты начиная с 1949 года по 1980 г. комитетом по культуре и образованию по инициативе бургомистров г. Хайдэ. Учитывая инициативу Земли Шлезвиг- Хольштайн по созданию культуры памяти о прошлом, можно предположить, что у правительства Земли Шлезвиг- Хольштайн возникло желание переосмыслить национал-социалистическое прошлое Германии. В виду того, что население по - прежнему старалось вытеснить из памяти события прошлого, осуществление этого проекта оказалось вряд ли реальным. Доказательством этого предположения может служить жалоба одного фермера, который обвинил священника в бесчеловечном отношении к умершему военно-пленному, поскольку священник отказался похоронить умершего на церковном кладбище. Хотя фермер Ханзен был руководителем группы военных фермеров и тем самым имел политическую партийную должность, тем не менее можно предположить, что у него уже тогда проявилось сознание несправедливости этой ситуации. Однако его высказывания вызывают сомнения из-за его политического положения во время нацистского режима. Священник напротив отрицал всякую вину, и в свою очередь назвал фермера Ханзена виноватым в недостойном для человека захоронении военнопленного. Интерес послевоенного поколения к теме прошлого Германии был причиной возникновения студенческого движения 60-х годов, наивысшего развития оно достигло в 1968 году. В центре критики населения была политика нацистской эпохи и « поколение преступников». Сохранение «Статуса Кво» было тогда центральным пунктом протеста населения. Особенно в Земле Шлезвиг- Хольштайн было много бывших нацистов, которые даже и после окончания войны занимали важные посты. Это предположение потверждается тем, что из этого периода отсуствуют документы - источники о критически переосмыслении прошлого. 92

Преобразование братской могилы у Вестермоорвег в мемориал является потверждением тому, что третье и четвёртое послевоенное поколение прилагало усилия по возобновлению критического переосмысления прошлого. Однако по нашему мнению, работа по критическому переосмыслению прошлого и культуры памяти о прошлом всё больше теряют свою значимость. Именно поэтому так важно было сооружение памятников, таких как мемориал Вестермоорвег в Хайдэ,чтобы люди не забыли прошлое Германии, так как поколение очевидцев всё уменьшается. В проекте « Дайте жертвам имя» продолжается та работа, которую пытались сделать британские оккупационные власти: идентифицировать жертвы, чтобы родственники узнали о месте захоронения. Сегодня хотелось бы не только подвести итог, но и осознать прошлое как поучитель-ный пример, как говорится в высказывании философа Карл Яспер в 1950 году: «То ,что произошло - это предостережение, забыть же это ( национал-социалистическое прошлое Германии) значит быть виноватым. Нужно всегда напоминать о нём (о прошлом). Была возможность,что оно могло произойти, и в любое время эта возможность может появиться .Только зная о нём, можно его предотвратить.»

Хотя переосмыслении прошлого важно, но события во времена нацизма не являются какой- то проблемой, которую можно решить . Напротив, эти события должны быть поняты и усвоены людьми как пример постоянно существующей угрозы.

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6.2. Geschichte des Ortes „Westermoorweg“ (Malika Heim, Fabian Schrum) Der Platz am Westermoorweg war zu Beginn des 20. Jahrhunderts nur eine normale Schweineweide, bis er von Heider Lokalpolitikern im November 1941 zu einem Massengrab für sowjetische Kriegsgefangene umfunktioniert wurde. Nur bisher 13 der vermutlich mehreren Dutzend Kriegsgefangenen, die im Ostfeldzug des Zweiten Weltkrieges gefangengenommen wurden, in Heide und der näheren Umgebung starben und deren Leichen hier vermutlich liegen, konnten bisher identifiziert werden. Im November 1941 wurden Richtlinien für die Bestattung sowjetischer Kriegsgefangener aufgestellt.162 Diese besagten unter anderem, dass die Kriegsgefangenen entweder in abgelegenen Teilen auf bereits bestehenden Friedhöfen oder auf anderen geeigneten Plätzen, die durch das Gesundheitsamt genehmigt werden mussten, begraben werden sollten. Alle Maßnahmen, die nach ihrem Ermessen nötig seien, um aus diesen Orten Gräber zu machen, sollten schnellstmöglich in die Wege geleitet werden. Die Überführung und Bestattung der Leichen sollte möglichst unauffällig erfolgen, zudem waren Feierlichkeiten und Ausschmücken der Gräber untersagt. Ein weiterer wichtiger Punkt, der vorgegeben wurde, war, dass alle Kosten so niedrig wie möglich zu halten waren.163 Vermutlich erschien die damals abgelegene Schweineweide, die zwischen der Meldorfer Straße und der Bahnstrecke von Hamburg nach Sylt lag, aufgrund dieser Vorschriften als ein geeigneter Ort für das Massengrab. Weiterhin sollte das geplante Massengrab wahrscheinlich vor der Stadt liegen, um es vor den Heider Bewohnern geheim zu halten und um die Seuchengefahr einzudämmen. Ende November 1941 wurden die ersten sowjetischen Kriegsgefangenen nach Heide gebracht. Durch die unmenschlichen Transportbedingungen überlebten viele von ihnen diese „Überführung“ nicht.164 28 wurden sofort auf der ehemaligen Schweineweide vergraben165, weitere wurden in den nächsten Wochen aus den umliegenden Gemeinden Wöhrden, Neuenkirchen und Wesselburen zu diesem Platz gebracht. Schätzungen zufolge wurden in dieser Zeit zwischen 80 und 100 Menschen in einer Sammelgrube vergraben.166 Bereits am 10. 12. 1941 untersagte der damalige Bürgermeister von Heide „die Beisetzung verstorbener russischer Kriegsgefangener auf dem hiesigen „Russenfriedhof “167. Laut seiner Aussage

162

Siehe auch 4.9: „Leiden und Sterben sowjetischer Kriegsgefangener“ Schnellbrief des Reichsministers des Innern vom 27. Oktober 1941, Betrifft: Bestattung von Leichen sowjetischer Kriegsgefangener von den Gemeinden; Evangelisches Zentralarchiv in Berlin 164 Siehe auch 4.4: „Der Transport vom Ort der Gefangennahme nach Heide“ 165 „Bergräbnisstätte von alliierten Soldaten außerhalb des Friedhofes“, Datum unbekannt; Stadtarchiv Heide 166 „Begräbnisstätte von alliierten Soldaten außerhalb des Friedhofes“, Datum unbekannt; Stadtarchiv Heide 167 Abschrift: Der Bürgermeister an den Landrat in Heide am 10.Dezember 1941, Betrifft: Bestattung russischer Kriegsgefangener 163

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wurden die Überführungen „ohne jegliche Vorsichtsmaßnahmen“168 durchgeführt und würden somit gesundheitliche Gefahren darstellen.169 Die Nutzung des Platzes wurde daraufhin eingestellt. Einige Jahre später, in der Nacht vom 28. auf den 29. 07. 1944, wurde ein kanadisches Flugzeug über Heide abgeschossen. Die hierbei verstorbenen Besatzungsmitglieder wurden auf dem „Russenfriedhof“ vergraben. Französische Kriegsgefangene haben bis zum Kriegsende dieses Grab geschmückt und ein Kreuz aufgestellt.170 Auffällig ist hierbei, dass dies gegen die Richtlinien für die Bestattung sowjetischer Kriegsgefangener verstieß. Die Kanadier und die sowjetischen Kriegsgefangenen wurden auf dem gleichen Platz begraben, demzufolge hätten die Richtlinien in diesem Fall auch für die kanadischen Besatzungsmitglieder gelten müssen. Die Besatzungsmitglieder sollen ein paar Jahre später aus dem Grab entfernt und nach Kanada überführt worden sein. Eine Quelle, die diese Aussage belegt, liegt uns allerdings nicht vor. Nach Kriegsende gehörte Schleswig-Holstein zur britischen Besatzungszone. Am 11. Mai 1948 wurde ein Fernspruch von der Landkreisverwaltung Norderdithmarschen aufgesetzt, in dem die sofortige Instandsetzung der Kriegsgräber in Heide gefordert wurde, da in einigen Monaten eine Besichtigung durch einen englischen Beamten und einen sowjetrussischen Verbindungsoffizier geplant war.171 Die darauf folgende Antwort behauptet, dass die Grabanlage von der Stadtgärtnerei gepflegt wurde und aus diesem Grund in einem guten Zustand vorzufinden war.172 Noch im gleichen Jahr wurde dies weiterhin von der „Verschönerungskommission“ der Stadt Heide173 und von britischen Vertretern der Vereinten Nationen überprüft.174 Ein Jahr später gab es erste Überlegungen, den „Russenfriedhof“ einzuzäunen und ein Mahnmal aufzustellen.175 Ein Beleg für die praktische Umsetzung dieser Ideen liegt uns nicht vor. Zwischen 1949 und 1980 wurde ein Gedenkstein176 in kyrillischer Schrift aufgestellt. Die Quelle, die dieses Vorhaben bestätigt, war für uns nicht auffindbar. Im April 1980 wurde dieser Stein von unbekannten Personen mit Farbe beschmutzt, welche umgehend entfernt wurde.177

168

ebda ebda 170 „Begräbnisstätte von alliierten Soldaten außerhalb des Friedhofes“, Datum unbekannt; Stadtarchiv Heide 171 Fernspruch, Vermutlich von der Landkreisverwaltung Norderdithmarschen Abtlg. Kriegsgräberfürsorge (siehe Brief 14. 05. 1948); Landesarchiv Schleswig 172 Antwort auf Fernspruch von Unbekannt an Landkreisverwaltung Norderdithmarschen Abtlg. Kriegsgräberfürsorge am 14. 05. 1948, Betreff: Russische Kriegsgräber; Landesarchiv Schleswig 173 Sitzung der Verschönerungskommission am 19.09.1948; Herkunft unbekannt 174 Fernspruch, Vermutlich von der Landkreisverwaltung Norderdithmarschen Abtlg. Kriegsgräberfürsorge (siehe Brief 14.05.1948); Landesarchiv Schleswig 175 Kostenanschlag für die Einfriedigung des Russenfriedhofes von Bauunternehmer Hamm an die Stadt Heide am 15.07.1949; Herkunft unbekannt 176 Deutsche Übersetzung der Inschrift: „Hier sind begraben 80 - 100 sowjetische Bürger, die umgekommen sind in faschistischer Gefangenschaft in den Jahren 1941 - 1945.“ 177 Vermerk vom Ordnungsamt Heide am 03. 04. 1980, Betreff: Beschädigung des Gedenksteines der Kriegsgefangenengräber (Westermoorweg); Herkunft unbekannt 169

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Zu Beginn des Jahres 1988 wurde durch den Ausschuss für Kultur und Bildung und auf Veranlassung des Bürgermeisters ein Plattengang auf dem „Russenfriedhof“ verlegt.178 Dieser führte von dem Fußgängerweg zum Gedenkstein. Erst zwei Jahre später wurde auf Vorschlag des Stadtrates ein Hinweisschild neben dem Gedenkstein aufgestellt, auf dem die deutsche Übersetzung der kyrillischen Inschrift zu sehen ist.179 Anfang des Jahres 2000 wurde ein vier Meter hohes russisch-orthodoxes Kreuz aufgestellt.180 Es ist bis heute unbekannt, wann aus dem „Russenfriedhof“ am Westermoorweg ein Ehrenfriedhof wurde.181 Weiterhin ist unbekannt, wann das Hinweisschild in der Meldorfer Straße, das auf den „Russenfriedhof“ aufmerksam machen soll, aufgestellt wurde. Mehr als 6 Jahrzehnte nach Ende des zweiten Weltkrieges bemühten sich die Schülerinnen und Schüler des 12. Jahrgangs des Werner – Heisenberg – Gymnasium mit großer Unterstützung der „Stiftung gegen Extremismus und Gewalt in Heide und Umgebung“ die Geschichte dieses Massengrabes aufzuarbeiten und darüber hinaus, soweit es die Quellenlage zuließ die anonymen verscharrten sowjetischen Kriegsgefangenen namentlich zu identifizieren: Auf Initiative der Stiftung gegen Extremismus und Gewalt in Heide und Umgebung“ wurde die Gedenkstätte neu gestaltet. So wurde der Plattengang auf dem „Russenfriedhof“ durch einen breiteren Weg mit drei seitlichen Armen ersetzt, welche aus der Vogelperspektive ein orthodoxes Kreuz darstellen sollen.182 Die Ergebnisse der Recherchen der Schülerinnen und Schüler wurden auf zwei Tafeln festgehalten. Eine der Tafeln in der Nähe des Eingangs berichtet kurz über die Geschichte des Platzes, auf der anderen, näher beim Kreuz aufgestellten, befinden sich die Namen der 13 Opfer, die bis dahin identifiziert werden konnten, sowie diejenigen weiterer Opfer, die in den umliegenden Gemeinden verstorben und mit großer Wahrscheinlichkeit ebenfalls am Westermoorweg verscharrt worden sind.

178

Beschluss des Ausschusses für Kultur und Bildungswesen vom 14. 01. 1988, Zu 2) Verschiedenes a) Kriegsgräber, Veranlassung durch den Bürgermeister am 15. 01. 1988; Herkunft unbekannt 179 Magistratsbeschluss vom 06.06.1990, zu 9) Verschiedenes j) Russenfriedhof Westermoorweg; Veranlassung durch den Stadtrat Heide am 12. 06. 1990; Herkunft unbekannt 180 Bestellung von der Stadt Heide an Sägewerk Elsdorf am 02.02.2000; Herkunft unbekannt und Skizze Russisches Kreuz vom 27. 01. 2000; Herkunft unbekannt 181 Brief von Theodor Lübbe an die Stadt Heide, Betreff: Anfrage wegen Friedhof für gefangene Russen, Datum unbekannt; Herkunft unbekannt 182 Lageplan Russenfriedhof Westermoorweg von der Stadt Heide am 28. 02. 2011; Herkunft: Rathaus Heide

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Die alte Gedenkstätte

Die Gedenkstätte nach der Umgestaltung

6.2. История Вестермоорвег (Малика Хайм, Фабиан Шрум) Местность у Вестермоорвег была к началу 20-го столетия обыкновенным огороженным пастбищем для свиней, пока местные политические власти не преобразовали его в ноябре 1941 года в братскую могилу для советских военнопленных. Имена триннадцати военнопленных из десятков здесь захороненных солдат, которые были взяты в плен во Второй мировой войне во время восточного наступления Германии, и которые умерли в г. Хайдэ и в его близлежащих окрестностях, смогли быть до сих пор установлены. В ноябре 1941 были разработаны предписания для захоронения советских военнопленных. В них в частности говорилось, что военнопленные должны быть захоронены либо на отдалённых участках существующих кладбищ, либо на других подходящих участках с разрешением отдела здравоохранения. Все меры, которые были по мнению властей необходимы, чтобы сделать из этих участков братские могилы, должны были как можно быстрее быть осуществлены. Транспортировка умерших и их захоронение предписывалось проводить как можно скрытнее, к тому же запрещалось украшать могилы и проводить похоронные церемонии. Другим важным предписанием было, чтобы расходы на захоронения по возможности были самыми низкими. 97

Наверное тогда казалось, что отдалённое пастбище, которое находилось между улицей Мельдорферштрасэ и железнодорожной линией Гамбург- Зюльт, является на основании предписаний самым подходящим местом для массового захоронения. Кроме того, запланированное массовое захоронение должно было находиться за пределами города, чтобы сохранить его в тайне от жителей города Хайдэ и чтобы уменьшить риск возникновения эпидемий. В конце ноября 1941 в г. Хайдэ прибыли первые советские военнопленные. Многие из этих военнопленных не пережили эту транспортироку из-за нечеловеческих условиях во время перевозки. 28 человек были сразу же похоронены на бывшем пастбищем для свиней; в последующих неделях туда же были доставлены умершие военнопленные из близлежащих общин: Вёрден, Нойенкирхен и Вессельбурен. По оценкам властей в это время были захоронены в массовой могиле от 80 до 100 человек. Уже 10.12.1941 тогдашний бургомистр города Хайдэ запретил «захоронение умерших русских военнопленных на местном «русском кладбище». Согласно его утверждению, эти захоронения были проведены « без каких- либо предосторожностей» и представляли собой, таким образом, опасность для здоровья. Использование этого кладбища было прекращено. Несколько лет спустя, в ночь на с 28 по 29. 07. 1944, над городом Хайдэ был сбит канадский самолёт. Погибшие члены экипажа были захоронены на «русском кладбище». Французкие военнопленные ухаживали за канадской могилой до конца войны, они поставили крест и украсили могилу цветами. Особенностью здесь является то, что это было против правил погребений советских военнопленных. Канадцы и советские военнопленные были захоронены на одном и том же кладбище, значит, и здесь должны были действовать те же предписания по захоронению и для канадских членов экипажа . Говорят, что несколько спустя останки канадского экипажа были перевезены в Канаду и там перезахоронены. Однако у нас нет источника, который потвердил бы эту версию, После окончания войны Шлезвиг- Хольштайн относился к британской зоне оккупации.11 мая 1948 года управление округа Нордер-Дитмаршен направило в г. Хайдэ телефонограмму с предписанием, немедленно привести в порядок захоронения военнопленных, так как через несколько месяцев должен был состояться осмотр этих могил британским чиновником и советским офицером. В последующим ответе утверждалось, что за могилами ухаживает городское садовое хозяйство, и поэтому они находятся в хорошем состоянии. В том же году это было проконтролировано комиссией по благоустройству города Хайдэ и представителями Организации Объединённых Наций.

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Год спустя появились первые предложения поставить ограду у «кладбище русских» , а также памятник жертвам. Однако у нас нет потверждение тому, что эти идеи были практически реализованы. Где - то между 1949 и 1980 годом был поставлен памятный обелиск с надписью на русском языке. Мы не смогли найти документы, в котором описывался бы этот проект. В апреле 1980 года неизвестные лица измазали этот обелиск красками, которую незамедлительно удалили. К началу 1988 года комитетом по культуре и образованию и по инициативе бургомистра на «русском кладбище» была проложена дорожка из каменных плит. Она шла от дороги к обелиску. Два года спустя была установлена по предложению городского совета возле обелиска указательная доска, на которой был перевод русской надписи обелиска. В начале 2000 года был воздвигнут четырёхметровый русский православный крест. До сих пор неизвестно, когда «русское кладбище» у Вестермоорвег превратилось в памятный мемориал. Неизвестно также, когда на улице Мельдорферштрасэ была установлена указательная табличка с информацией о «русском кладбище». В 2011 году дорожку из каменных плит на «русском кладбище» заменили более широкой дорогой с тремя боковыми ответвлениями, которая должна по замыслу выглядеть с высоты птичьего полёта как православный крест. Позже здесь были установлены две памятные доски. На одной из них находится краткая информация об этом месте, на другой написаны имена 13ти жертв, которых удалось к этому времени идентифицировать, а также имена других жертв войны, которые умерли в близлежащих общинах и, по всей вероятности, также захоронены у Вестермоорвег.

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7. Grußworte und Reden anlässlich der Einweihungsfeier der umgestalteten Gedenkstätte am 30. Juni 2011 7.1. Faksimile der von der Klasse gestalteten Einladung

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7.2. Frau Staatsekretärin Dr. Weinriefer-Heyer (Ministerium für Bildung und Kultur des Landes Schleswig-Holsteins) Es ist mir eine Ehre und eine Freude, an der Einweihung der Gedenkstätte für sowjetische Kriegsgefangene teilnehmen und Ihnen die Grüße des Bildungsministers übermitteln zu dürfen. Das Wort „Einweihung“ ist hier in ganz besondere Weise berechtigt. Es kennzeichnet nicht nur den Rahmen Ihrer Veranstaltung – den Gottesdienst zusammen mit evangelischer Kirche und russisch–/ orthodoxer Kirche – sondern es drückt auch die Weihe aus, die dieser Gedenkstätte innewohnt und die – das glaube ich auch sagen zu dürfen - diesem Projekt schon als solchem zukommt. Denn wir feiern heute das einzigartige Engagement von Schülerinnen und Schülern, denen es gelungen ist, Menschen, denen nicht einmal im Tod mehr Würde zugestanden wurde, diese Würde 70 Jahre nach ihrem Tod wieder zu verleihen. Was die Schülerinnen und Schüler der 12c des Werner-Heisenberg-Gymnasiums und ihre Lehrerinnen Frau Müller-Helfrich und Frau Bäumler hier in Zusammenarbeit mit der „Stiftung gegen Rechtsextremismus und Gewalt in Heide und Umgebung“ erarbeitet haben, bedeutet nicht allein die höchst verdienstvolle Aufarbeitung eines Teils furchtbarer deutscher Geschichte, es bedeutet zugleich geschichtliche Bildung, wie sie besser nicht vermittelt werden kann. Vor allem aber wird damit das berührende Zeichen der Versöhnung zwischen Deutschland und Russland gesetzt und noch viel mehr wird für uns fass- und erfahrbar, was im Jahr 1941 mit dem Überfall auf die Sowjetunion begann. Hier werden wir gewahr, welches tiefe Leid und welche Qual über die Menschen kam , die dem zum Opfer fielen, was erklärtermaßen ein Vernichtungskrieg sein sollte. Die Namen und die Lebensdaten, die von den Schülerinnen und Schülern des Werner-HeisenbergGymnasiums in mühevoller Arbeit herausgefunden worden sind und die wir heute an dieser Gedenkstätte verzeichnet finden, bewegen uns deshalb mehr als viele Berichte und Fakten, die uns sonst über die Kriegsverbrechen Nazideutschlands zugänglich sind.

Wir wissen, dass hier in Heide etwa 80 bis 100 sowjetische Kriegsgefangene begraben liegen. Hier hat ein Martyrium für sie geendet. Nach Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion wurden die Gefangenen in Lagern zusammengefasst und von dort nach Deutschland verbracht, um Zwangsarbeit zu leisten. Die Transportzüge aus dem Osten mit den Kriegsgefangenen erreichten auch die Stadt Heide. Es starben jedoch schon unterwegs viele Gefangene an Entkräftung, an Hunger oder an einer Krankheit. Die Toten wurden hier in der Nähe des Bahnhofs aus den Waggons gezogen und in Gruben verscharrt. Es ist ein bewegender Moment für uns alle, dass wir heute an dem Ort stehen, an dem dieser barbarischer Akt vollzogen wurde, und dass wir nach Jahrzehnten diesen geschundenen Menschen die letzte Ehre erweisen dürfen. Wir können an diesem Ort aber auch erahnen, wie nahe die Qual und der Tod dieser jungen russischen Menschen dem deutschen Alltagsleben kamen. Es muss uns erschüttern, wie lange in Deutschland unter der Floskel „Wir haben das alles nicht gewusst“ Verantwortung abgelehnt wurde und wie lange die Unfähigkeit zu trauern anhielt. Dieser Ort hat seine besondere Weihe und Würde dadurch, dass er nicht monumental ist, sondern auf eine ruhige und zurückhaltende Weise erinnert und Erinnerungen weckt. 104

Der Klasse 12 c des Werner-Heisenberg-Gymnasiums und den Lehrerinnen Frau Müller-Helfrich und Frau Bäumler ist es zu verdanken, dass diese Gedenkstätte, die zwar vorher schon existierte, aber wenig wahrgenommen wurde, jetzt zu einem Ort der Erinnerung, der Trauer und - das können wir auch sagen - der Hoffnung geworden ist. Denn wir können hier erfahren, dass Menschen nicht nur zu dem Furchtbarsten imstande sind, sondern dass sie auch barmherzig, mitfühlend und versöhnend sein können. Darin liegt eine große Ermutigung für uns alle. Wir haben sie denen zu verdanken, die diese Gedenkstätte erneuert haben. Dies sind natürlich an erster Stelle die schon erwähnten Schülerinnen und Schüler des Werner-Heisenberg-Gymnasiums und ihre Lehrerinnen, es sind aber auch Herr Glüsing von der „Stiftung gegen Extremismus und Gewalt in Heide und Umgebung“, der mitgeholfen hat, dass das Schicksal von jetzt 13 Kriegsgefangenen rekonstruiert werden konnte und dass diese Menschen heute wieder ihren Namen und ihre Identität erlangt haben. Die Tafeln, die wir hier vor uns finden, sind Zeugnis dieser intensiven Forschungsarbeit. Deshalb gilt ein besonderer Dank auch der Stiftung selbst, die dies ermöglicht hat, und ihrem Vorsitzenden Herrn Klaus Steinschulte und seinem Mitstreiter Herrn Steincke, die ich stellvertretend nenne für diejenigen, die bereit waren und sind, sich ehrenamtlich zu engagieren und dafür viele, viele Stunden aufzuwenden. Das Projekt, dessen äußerlich sichtbares Ergebnis diese neugestaltete Gedenkstätte ist, hat auch die Schülerinnen und Schüler und die sie begleitenden Lehrerinnen viel Zeit und Arbeit gekostet, die über die schulischen Anforderungen hinaus geleistet worden ist. Dies verdient umso größere Anerkennung, als die Freizeit in einer Profiloberstufe äußerst knapp bemessen ist. Die Lehrerinnen, die mitgewirkt haben, haben unter Beweis gestellt, wie sehr sie sich in ihrem Beruf einsetzen, mit welcher Freude und Leidenschaft sie dies tun und dass sie bereit sind, bei der Bildung ihrer Schülerinnen und Schüler immer auch neue Wege zu gehen. Schopenhauer hat gesagt: „Sooft ein Mensch stirbt, geht eine Welt unter“. Sie haben mit ihrem Projekt nicht weniger getan, als die Welt dieser Menschen, die vor 70 Jahren unter schlimmsten Umständen zu Tode gekommen sind, ein wenig erahnbar zu machen und uns an ihr teilhaben zu lassen. Deshalb ist heute bei aller Trauer über das Leid dieser Menschen, derer wir hier gedenken, auch ein Tag der Freude und der Zuversicht, dass aus allem Leid immer wieder Hoffnung und Menschlichkeit erwachsen. Auch für das Geschenk dieser Erfahrung schulden wir Ihnen allen, die Sie an der Neugestaltung mitgewirkt haben, großen Dank, den ich Ihnen ganz besonders im Namen von Bildungsminister Dr. Klug aussprechen darf.

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7.3. Herr Ermakow (Vertreter der russischen Föderation aus dem Generalkonsulat in Hamburg)

Guten Tag, meine Damen und Herren, ich bin sehr froh, Sie alle hier begrüßen zu können. Für mich ist es sehr wichtig, was Sie gemacht haben, dass Sie diese 13 Namen entdeckt haben, denn in meiner Familie gibt es auch eine solche Geschichte. Meine Oma hat ihren Vater im zweiten Weltkrieg verloren und meine Urgroßmutter, also die Mutter meiner Großmutter, hat so ihre sechs Brüder verloren. Sie sind im Jahre 1941 aus einem Dorf nicht weit von Kursk im Süden von Russland in den Krieg gegangen und meine Urgroßmutter hat sie niemals mehr wiedergesehen. Deswegen ist es sehr wichtig, dass vielleicht einige Verwandte dieser 13 Personen gefunden werden können, und diese werden sich dann sehr freuen. Vielen herzlichen Dank für die Einladung und für Ihre Arbeit. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag und eine schöne Veranstaltung. Danke sehr!

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7.4. Frau Pastorin Buchin (ev.-luth.) Liturgischer Gruß Wir sind hier am Grab der vielen Zwangsarbeiter aus Heide und den umliegenden Ortschaften, die damals hier verscharrt wurden. Wir sind hier, um die Erinnerung wachzuhalten und den Opfern ihre Würde zurückzugeben: Im Namen Gottes des Vaters, der uns ins Leben ruft und der uns einmal wieder bei sich aufnimmt, im Namen des Sohnes, der uns Mut macht aufeinander zuzugehen und im Namen des Heiligen Geistes, der ein Geist der Versöhnung und des Friedens ist. Amen. Biblisches Votum aus Amos 5, 4.12-15 So spricht Gott, der Herr: Suchet mich, so werdet ihr leben. Denn ich kenne eure Freveltaten, die so viel sind, und eure Sünden, die so groß sind, wie ihr die Gerechten bedrängt und Bestechungsgeld nehmt und die Armen im Tor unterdrückt. Darum muss der Kluge zu dieser Zeit schweigen, denn es ist eine böse Zeit. Suchet das Gute und nicht das Böse, auf dass ihr leben könnt, so wird der Herr, der Gott Zebaoth, bei euch sein, wie ihr rühmt. Hasset das Böse und liebet das Gute, richtet das Recht auf, vielleicht wird der Herr, der Gott Zebaoth, doch gnädig sein, denen, die von Josef übrig sind. Eingangsgebet Ewiger und Barmherziger Gott, Du hältst die Zeit in Händen, den Anfang, die Mitte und das Ende. Die Lebenszeit aller Menschen strömt aus Deinen Händen und kehrt einmal in Deine Hände zurück. Du hältst in Hände alle Möglichkeiten, Du leidest an der Zerstörung von Gerechtigkeit und Lebensmöglichkeit. Dir klagen wir die abgerissenen Lebenszeiten der vielen Opfer, die hier ihre letzte Ruhe fanden. So sehr leidest Du daran, dass Dein Sohn am Kreuz zugrunde ging, dass wir wissen dürfen: Wir sind nicht allein. Nicht, wenn unser Leben gelingt und schon gar nicht, wenn Menschen Opfer von Menschen werden. Niemand kann tiefer fallen, als allein in Deine Hand. Du weißt um uns, Du hast unsere Namen eingeschrieben in die Fläche Deiner Hand. So sind bei Dir geborgen auch alle, für die wir keinen Ort zum Trauern haben, deren Gräber wir nicht besuchen können – weil es sie nicht mehr gibt, oder weil sie für uns nicht zu erreichen sind. Gib, dass dieser Ort die Erinnerung wachhält, dass Versöhnung wachsen kann und dass für die Opfer und ihre Angehörigen Frieden möglich wird. Schenke ihren Seelen die Hoffnung, dass sie bei Dir geborgen sind in Zeit und Ewigkeit. Das bitten wir Dich durch Jesus Christus unseren Herrn und Bruder. Amen. 107

Lesung aus der Offenbarung des Johannes

Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. Und ich hörte eine große Stimme vom Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und Gott wird bei ihnen wohnen und sie werden sein Volk sein, und er wird ihr Gott sein. Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Friede sei mit euch allen. Amen. Ein Massengrab – nach aufwändigen und liebevollen Recherchen von Euch Schülerinnen und Schülern, unterstützt durch die Herren der Stiftung – nun ein Grab, vieler Unbekannter, von denen sehr viele endlich wieder ihren Namen tragen. Sich eine Geschichte andeutet. Wo Angehörige endlich einen Ort für ihre Trauer und für erste Schritte der Versöhnung finden können. Einer der ganz dunklen Abschnitte deutscher – auch Dithmarscher und Heider Geschichte – bekommt endlich wieder einen Ort, an dem wir uns erinnern und auseinandersetzen können: an Schuld und Ungerechtigkeit, an Wegsehen und Profitieren vom Leid anderer – und vom Hinweggehen über jedes Mindestmaß von Mitmenschlichkeit. Ein Ort, an dem wir Heider in Kontakt treten können mit unserer eigenen Geschichte, der Wirklichkeit unserer Eltern und Großeltern. Ein Ort auch, an dem wir uns über Zeit und Zeitgeist hinweg berühren lassen können vom Schicksal der Verschleppten, die hier zu Arbeit unter schlimmsten Bedingungen gezwungen wurden, dann ihrer Würde beraubt und namenlos verscharrt wurden. Dieser Ort – von Euch neu gestaltet – steht unter dem Schatten des Kreuzes. Das orthodoxe Kreuz – Symbol des Menschensohnes, den wir Christen bekennen als Gottes Sohn, der an dem, was wir Menschen einander an Unrecht antun, litt und zugrunde ging. Zeichen des würdelosesten Todes, der damals denkbar war. Dieses Kreuz hier erinnert deutlicher noch als das uns vertraute Kreuz an die eigentliche Kreuzigung – oben der kleine Querbalken als Erinnerung an das dort notierte INRI – als Strafgrund. und der untere Schrägbalken – die Fußstützen, den Gekreuzigten und sein Gewicht zu tragen. Dieser Ort – wir haben von Euch gehört, die alte Schweineweide der Stadt – dieser Ort ist gezeichnet von dem, was hier geschehen ist, der Menschenverachtung, die hier im Verscharren der Opfer ihren Ausdruck fand. Aber nun liegt auf diesem Ort der Schatten des Kreuzes – diese Menschenverachtung 108

zu verwandeln und zu öffnen. Bei der Umgestaltung dieses Platzes ist diesem Schatten noch mehr Kontur verliehen worden. Die Wegführung bildet das Kreuz ab – wir stehen sozusagen auf dem Abbild des Kreuzes.Das Kreuz, auf dem wir stehen, auf dem wir uns hier gründen, es verbindet uns mit der Not, die hier ihren Ausdruck findet, und den Toten. Aber es gibt noch mehr Dimensionen: Die Symbolik des Kreuzes, sie verbindet Himmel und Erde miteinander. Der senkrechte Balken – vergraben in der Erde – in Kontakt mit den Toten – er weist in den Himmel Gottes, wo wir alle – so auch diese Verstorbenen – ihre eigentliche Heimat haben. Die Querbalken – sie verbinden uns Menschen miteinander. Vor Gott, dessen Geschöpfe wir alle sind, sind wir alle gleich. Und wir sind miteinander verbunden. Kein Leben, das nicht ein andere berührt, ohne die Begegnung mit anderen zurecht kommt. Das Kreuz zugleich Zeichen dessen, wie Menschen aneinander schuldig werden, es weist uns auch im Versöhnen aneinander. Aus Gottes Hand kommt alles Leben, in seine Hand kehrt alles Leben einmal zurück. Kein Mensch vermag einem anderen die Gotteskindschaft abzusprechen – niemand kann aus seiner Hand fallen. Vielmehr weist uns das Kreuz aneinander, dass wir jeden Tag neu Schritte der Versöhnung wagen dürfen und sollen. Dass unsere Augen und Herzen offen und empfindsam sind für die Not anderer. Dass wir den Mund auftun für die, die das selbst nicht können, dass wir uns einsetzen für die Gerechtigkeit und das Leben, dass wir selbst Verbindungen knüpfen, dass Versöhnung wachsen kann. Wie das Kreuz – so stehen auch wir: aufrecht, mit beiden Beinen auf der Erde. Wir fußen auf dem, was vor uns war, sind in Verbindung mit unseren Toten, aber wir schauen um uns und sehen Menschen an unserer Seite. Menschen, die Gott aneinander weist, sich zu unterstützen auf ihrem Weg im Leben, einander zu helfen und den Mut zu haben, auch über Gräben hinweg Brücken zu bauen. Und über uns, da ist der Himmel offen. Der Geist der Versöhnung, er weht im frischen Sommerwind. Möge der Geist Gottes alles hinwegfegen, was uns trennt von anderen Menschen, von eigenen Lebensmöglichkeiten, vom Erinnern und Vergeben – von Gott. Der Geist Gottes sei mit euch allen. Amen.

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7.5. Alina Fluck, Fabian Schrum, Mathilde Heeren, Tjark Klimant (Schülerinnen und Schüler des Werner-Heisenberg-Gymnasiums in Heide)

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitschülerinnen und Mitschüler, vor etwa einem Jahr haben wir uns entschieden an diesem Projekt teilzunehmen und seit nun gut einem Monat widmen wir einen großen Teil unserer Schulzeit der konzentrierten Arbeit. Wir haben damit begonnen, die Quellen, die Herr Glüsing herausgesucht hat, zu bearbeiten, den Flyer zur heutigen Eröffnung erstellt und dabei erfahren müssen, dass hierzu nicht nur der Text, sondern auch die Fotos und das Layout gehören. Wir haben die Informations- und die Gedenktafel entworfen, die Sie hier sehen, und waren sowohl an der Planung der Gestaltung des Platzes wie auch dieser Eröffnungsfeierlichkeit beteiligt. Aber unsere Arbeit ist mit dem heutigen Tag nicht abgeschlossen: Unsere Arbeitsergebnisse werden in einer Broschüre zusammengefasst, die im Spätherbst erscheinen wird. Hierbei bemühen wir uns um eine möglichst wissenschaftliche Ausarbeitung. Dazu gehört unter anderem der schwierige Umgang mit den Quellen, die zum einen schwer zu entziffern sind und sich zum anderen auch noch teilweise widersprechen. Manchmal lassen sich zu bestimmten Zeiträumen auch gar keine schriftlichen Zeugnisse finden. Ein ganz anderer Punkt hierbei ist, dass man immer daran denkt, dass sich hinter den Zahlen, mit denen man gerade arbeitet, Menschenleben stecken. Menschenleben, die geraubt, ausgebeutet und verscharrt wurden. Wir stehen heute hier, um einigen von ihnen ihre Namen zurückzugeben, aber auch, um der vielen anderen Opfer des Faschismus zu gedenken.

Geschichte des Westermoorwegs Ende des Jahres 1941 trafen die ersten sowjetischen Kriegsgefangenen in Heide ein. Der Transport aus ihrer Heimat erfolgte in Viehwaggons unter mehr als menschenunwürdigen Bedingungen. Durch die miserablen Umstände verstarb eine Vielzahl der Gefangenen bereits auf dem Transport nach Dithmarschen. Das nationalsozialistische Regime vertuschte dies jedoch vor den Heider Bürgern, indem man die Viehwaggons auf freier Strecke anhielten ließ, die toten Kriegsgefangenen aus den Zügen holte und zu diesem Platz schaffte. Dieser Ort war zur damaligen Zeit die städtische Schweinekoppel. Hier hoben die Nationalsozialisten Massengräber aus, in denen die Gefangenen menschenverachtend verscharrt wurden. Die Kriegsgefangenen, die den Transport aus ihrer Heimat überlebten, brachte man zum Durchgangslager auf der Rennbahn. Alle Gefangenen befanden sich in sehr schlechtem Zustand. 110

Der harte Winter 1941/42 und die furchtbaren Bedingungen, unter denen die Kriegsgefangenen auf den Höfen der umliegenden Gemeinden arbeiten mussten, verursachten, dass die Gefangenen nur zwei bis sechs Monate in Deutschland überlebten. Auch die später verstorbenen Kriegsgefangenen verscharrte man auf dem Platz, auf dem wir uns heute befinden. 1945, nach Kriegsende, gehörte Dithmarschen zur britischen Besatzungszone. Die hier stationierten Beamten veranlassten eine Instandsetzung aller Kriegsgräber in der Region. Zwischen den Jahren 1949 und 1980 ließ die Stadt Heide einen Gedenkstein aufstellen. 1988 wurde der Platz durch einen Weg gekennzeichnet. Wann genau das russisch-orthodoxe Kreuz und der Gedenkstein aufgestellt wurden, ist nicht bekannt. Der Gedenkstein ist in russischer Sprache verfasst, es befindet sich jedoch eine deutsche Übersetzung direkt daneben. Im Verlauf unserer Arbeit konnten wir 13 Namen der hier verscharrten Sowjetrussen ermitteln, deren Namen Ihnen nun von Mathilde Heeren und Tjark Klimant verlesen werden.

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7.6. Karla Müller-Helfrich, Anja Bäumler (Lehrerinnen am Werner-Heisenberg-Gymnasium in Heide)

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Schülerinnen und Schüler! „Den Toten zum Gedenken, den Lebenden zur Mahnung“ Diese Worte fordern uns auf, der Opfer zu gedenken. Diese Worte sind zugleich auch ein Appell an die nachfolgenden Generationen, aus einer unheilvollen Geschichte zu lernen. Diese Worte haben die hier anwesenden Schülerinnen und Schüler der 12. Klasse des gesellschaftswissenschaftlichen Profils des WHG ausgewählt. Durch diese Worte hat unser Projekt mit dem Arbeitstitel „Den Opfern einen Namen geben“ eine zeitliche Dimension erhalten, von der Vergangenheit über die Gegenwart in die Zukunft. Die historischen Ereignisse, die wir untersucht haben, liegen mittlerweile 70 Jahre zurück, beginnend im Herbst 1941, als die ersten sowjetischen Kriegsgefangenen nach Dithmarschen kamen. Lassen Sie uns einen Moment innehalten und darüber nachdenken, was es bedeutet, Kriegsgefangener zu sein. Hier zeigt sich die Brutalität des Krieges in vielerlei Hinsicht: Bei der Gefangennahme ist der Soldat der Gnade oder Ungnade jener Feinde ausgeliefert, die er entweder selbst vernichten sollte oder die ihn im Augenblick vorher noch töten wollten. Überlebt er diesen kritischen Moment, so erwartet ihn in der Regel eine ungewisse Zukunft mit schlechten Lebensbedingungen, langer Trennung von Familie und Heimat und, im Falle der hier vergrabenen Opfer, ein unwürdiger Tod. Seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden Regeln zum Schutz von Kriegsgefangenen entwickelt, die 1929 in der Genfer Kriegsgefangenenkonvention festgeschrieben wurden. Solche völkerrechtlichen Bindungen existierten für Hitler allerdings nicht. Seit 1933 betonte er, dass er internationale Abkommen nur so lange als bindend ansah, wie sie dem Reich von Nutzen seien. Umso weniger war er geneigt, diese im Kriegsjahr 1941 anzuerkennen, als Deutschland Herr des europäischen Kontinents zu sein schien und als die Sowjetunion schon für besiegt gehalten wurde. Historiker haben den Krieg gegen die Sowjetunion mit Recht den „ungeheuerlichsten Eroberungs-, Versklavungs- und Vernichtungskrieg“ der Neuzeit genannt. Die Kriegsziele der NS-Führung sprechen hier für sich: - Kampf gegen den Bolschewismus/Kommunismus - Eroberung von Lebensraum für die arische Rasse im Osten sowie - Versklavung und Dezimierung der in der NS-Rassenideologie als minderwertig bezeichneten slawischen Rasse Entsprechend dieser Kriegsziele wurden die Rotarmisten noch weitaus schlechter als die Kriegsgefangenen anderer Nationen behandelt. Die Verwahrung in schlecht vorbereiteten, provisorischen Kriegsgefangenenlagern unmittelbar hinter der Frontlinie forderte bereits zahlreiche 112

Opfer. Das Massensterben setzte sich fort während des Transports der arbeitsfähigen Kriegsgefangenen in das Reichsgebiet. Tagelange Fahrten in offenen Eisenbahnwaggons bei winterlichen Temperaturen, unzureichende Ernährung und menschenunwürdige Unterkünfte in den Kriegsgefangenenlagern im Reich waren die Ursachen dafür, dass bereits zwischen Juni 1941 und Februar 1942 mehrere Hunderttausend sowjetische Kriegsgefangene zu Tode kamen. Auch die nun hier namentlich ermittelten 13 Opfer haben die Kriegsgefangenschaft in Dithmarschen nicht länger als 6 Monate überlebt. Zwischen dem 22. Juni 1941 – dem Beginn des deutschen Angriffs auf die Sowjetunion – und dem Februar 1945 wurden zwischen 3,7 und 5,5 Mio Rotarmisten gefangengenommen. Von diesen erlebten nur weniger als eine Million Menschen das Kriegsende. Auch hier ist man auf Schätzungen angewiesen. Dass die Angaben über die Zahl der Gefangenen und der Opfer so weit von einander abweichen, zeigt, wie viel an historischem Wissen bereits verloren gegangen oder in Vergessenheit geraten ist. Umso wichtiger ist es, wo immer möglich auf Einzelschicksale hinzuweisen und sie in Erinnerung zu behalten. Dies haben wir an dieser Stelle versucht. Die Arbeit an der Kriegsgräberstätte hier an diesem Ort ist bereits das dritte Projekt des WernerHeisenberg-Gymnasiums, das in Zusammenarbeit mit der Stiftung gegen Extremismus und Gewalt entstand. Vor drei Jahren beschäftigte sich ein Abiturjahrgang mit der Schicksalsklärung von zumeist polnischen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern. Das Resultat war unter anderem die Neugestaltung der Gedenkstätte auf dem Heider Südfriedhof – Einige von Ihnen werden sie vielleicht kennen. Auch das zweite Projekt war ein lokalgeschichtliches, nämlich die Aufarbeitung von Justizfällen in Heide während des Nationalsozialismus. Nun machte die Stiftung vor einigen Monaten den Vorschlag, sich mit dem Schicksal anonym verscharrter sowjetischer Kriegsgefangener auf diesem Gelände hier zu beschäftigen. Wie sieht eine solche Kooperation zwischen einer Schule und einer externen Organisation wie der Stiftung in der Praxis aus? Das Fundament sind natürlich die Quellen. Vorausgegangen war eine ungefähr zweijährige Recherche in deutschen Archiven ebenso wie den Archiven der ehemaligen Sowjetunion. Hinzu kam die Zusammenstellung von geeigneter Sekundärliteratur. Diese umfangreiche Arbeit wurde im Vorfeld von der Stiftung und ihren Kontakten geleistet. Unsere Klasse hat sich nur mit einem kleinen Segment des komplexen Themas sowjetischer Kriegsgefangener während des 2. Weltkrieges beschäftigt, nämlich mit dieser Gedenkstätte. Die genaue Anzahl der hier verscharrten Soldaten ist nach wie vor unbekannt. Allerdings ist es durch die Forschungsarbeit der Dokumentationsstelle in Dresden gelungen, 13 Opfer anhand ihrer Personalkarten eindeutig zu identifizieren. Diesen 13 Toten wollen wir heute ihre Namen und damit einen Teil ihrer Identität zurückgeben. Die Kooperation ist aber noch nicht beendet. Darüber werden die Schülerinnen und Schüler im Anschluss noch berichten. Abschließend kommen wir zu einem zumindest aus der Schulperspektive wichtigen Aspekt, nämlich zu der Frage: Was haben die Schülerinnen und Schüler, aber auch wir Lehrerinnen bei diesem Projekt eigentlich gelernt?

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Wir haben uns bewusst gemacht, dass auch hierher nach Dithmarschen Menschen verschleppt wurden, die sich zu Tode arbeiten mussten und deren Leichen einfach auf einer Viehweide vor der Stadt verscharrt worden sind. So ist uns deutlich geworden, dass „Weltgeschichte“ auch vor Ort, in Heide, greifbar ist. Gedenkstätten sind immer auch Lernorte vor Ort. Sie verlangen eine Auseinandersetzung mit der Geschichte. Sie regen an, über Ursachen und Folgen von Gewaltherrschaft und Krieg intensiv nachzudenken. In diesem Zusammenhang stellen sie nicht zuletzt auch die Frage nach der Schuld und der Verantwortung für das Geschehene. Über allem aber steht für uns die Erfahrung, in unserem Schulalltag innegehalten zu haben. Uns ist eindringlich vor Augen geführt worden, dass Frieden wirklich das höchste Gut menschlichen Zusammenlebens ist. Anders als die Menschen damals haben wir heute die Möglichkeit, uns in unserer Staatsform für dieses höchste Gut einzusetzen und es zu verteidigen. Die Menschen, derer wir heute hier gedenken, hatte diese Möglichkeit nicht. Sie und die Gedenkstätte hier am Westermoorweg sind Mahnung für uns alle, in Zukunft wachsam zu sein und aktiv für Freiheit und Frieden einzutreten.

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Gedenktafel am Eingang der Gedenkstätte

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Gedenktafel mit den Namen der Opfer

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8. Presseberichte über das Projekt

Heider Anzeiger vom Mittwoch, den 16. Februar 2011

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Dithmarscher Landeszeitung (DLZ) vom 26. Juni 2011

Heider Anzeiger vom 30. Juni 2011 119

Heider Anzeiger vom 1. Juli 2011

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9. Quellen- und Literaturverzeichnis

9.1. Veröffentlichte Quellen: „Heider Anzeiger“ Artikel „300 Lastfrachtwagen und 18 Eisenbahnzüge der Sowjets zerstört“, Heider Anzeiger 07. 07. 1941 Artikel „Entsetzliche Greuel der Sowjets“, Heider Anzeiger 07. 07. 1941 Artikel „Eine spanische Stimme“, Heider Anzeiger 07. 07. 1941

Hitler, Adolf: Mein Kampf , Zwei Bände in einem Band , 851.- 855. Auflage, München 1943, S. 422. http://de.pluspedia.org/wiki/Mein_Kampf_(Zitate) ( 11. 09. 11)

9.2. Unveröffentlichte Quellen Dorfchronik Dellstedt Brief des Bürgermeisters aus Norderwöhrden, Wöhrden den 19. Oktober 1945, Dorfchronik Dellstedt Brief des Bürgermeisters aus Dellstedt, Dellstedt(Holstein), den 13. X. 1945, Dorfchronik Dellstedt

Evangelisches Zentralarchiv Berlin Schnellbrief des Reichsministers des Innern am 27. Oktober 1941, Betrifft: Bestattung von Leichen sowjetischer Kriegsgefangener von den Gemeinden; Evangelisches Zentralarchiv in Berlin

Kirchenarchiv Meldorf: Deutsche Evangelische Kirche, Kirchenkanzlei, “Bestattungen der Leichen von Kriegsgefangenen“ Datum unbekannt. (Quelle: Kirchenarchiv Meldorf) Brief von Detlef Hansen (Bauer) Hochwöhrden, den 25. Juli 1960, Kirchenarchiv Meldorf

Landesarchiv Schleswig Der Regierungspräsident an das Arbeitsamt Heide- „Arbeitseinsatz von Kriegsgefangenen und Zivilpolen“ (Schleswig, 26. August 1940). Landesarchiv Schleswig – Holstein Dithmarschen Nord 320/25 – 26 Schreiben der Kreisleitung der NSDAP Süderdithmarschen an die Gauleitung Schleswig- Holstein, Betreff: „Bericht zum Rundschreiben Nr. 95/41, Meldorf den 1.12.1941, Blatt 2. Landesarchiv Schleswig – Holstein Dithmarschen Nord 320/25 – 26 Der Regierungspräsident über den „Arbeitseinsatz sowjetischer Kriegsgefangener“ (Schleswig 24. Januar 1942) Landesarchiv Schleswig – Holstein Dithmarschen Nord 320/25 – 26 Der Landrat … (Heide, den 4. April 1942) Landesarchiv Schleswig – Holstein Dithmarschen Nord 320/25 121

Fernspruch, Vermutlich von der Landkreisverwaltung Norderdithmarschen Abtlg. Kriegsgräberfürsorge (siehe Brief 14. 05. 1948); Landesarchiv Schleswig Antwort auf Fernspruch von Unbekannt an Landkreisverwaltung Norderdithmarschen Abtlg. Kriegsgräberfürsorge am 14. 05. 1948, Betreff: Russische Kriegsgräber; Landesarchiv Schleswig

Rathaus Heide Lageplan Russenfriedhof Westermoorweg von der Stadt Heide am 28. 02. 2011; Herkunft: Rathaus Heide

Stadtarchiv Büsum „NOTICE" Order of Military Government aus dem Jahr 1945, Stadtarchiv Büsum

Stadtarchiv Heide Lorenzen/ Beck (1939): Aufruf für den Ernteeinsatz 1939. Quelle: Stadtarchiv Heide Bürgermeister von Heide an den Landrat (10. 12. 1941), „Bestattung russischer Kriegsgefangener“. Stadtarchiv Heide „Wiederergreifung von 4 Sowjetgefangenen“ Januar 1942, Dokument der Kreisleitung, Stadtarchiv Heide Amtsblatt der Haupt-Eisenbahndirektion Süd vom 15. 06. 1942, Quelle: Stadtarchiv Heide Amtsblatt 19 der Haupteisenbahndirektion Mitte Minsk vom 22. Juni 1942 (Anweisung 270), Quelle: Stadtarchiv Heide „Bauantrag zur Herstellung einer Wagenremise auf städtischem Grundstück Norderstr. 60“ Aus: Stadtarchiv Heide, ca. 1942 Brief vom Innenminister an die Landräte Schleswig-Holsteins aus: "Betreff Kriegsgräberwesen" , Kiel, 16. 01. 1961, Stadtarchiv Heide „Begräbnisstätte von alliierten Soldaten außerhalb des Friedhofes“, Datum unbekannt; Stadtarchiv Heide

Stadtarchiv Wesselburen Aufruf für den Ernteeinsatz 1939, aus: Stadtarchiv Wesselburen – Abschrift Aufruf für den Ernteeinsatz 1940, aus: Stadtarchiv Wesselburen – Abschrift

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Herkunft der Quelle unbekannt: Verordnung vom 12. November 1938 zur Wiederherstellung des Straßenbildes bei jüdischen Gewerbebetrieben. (Herkunft der Quelle unbekannt) „Schnellbrief an die Herren Ober- und Regierungspräsidenten vom 27. Oktober 1941 vom Reichsminister des Innern“ (Herkunft der Quelle unbekannt) Unbekannter Verfasser (Gaupropagandaamt Kiel), „Betr.: Monatlicher Lagebericht“, Kiel 13. 12. 1941, gerichtet an die NSDAP-Gauleitung Schleswig-Holstein 1942 (Herkunft der Quelle unbekannt) Unbekannter Verfasser, „Merkblatt für die allgemeinen Bedingungen, die für den Arbeitseinsatz von Kriegsgefangenen Arbeitskräften Geltung haben“, Berlin 7. 4. 1942 (Herkunft der Quelle unbekannt) MbliV. 1942 Nr. 31 1942 (Herkunft der Quelle unbekannt) Dürkop, Hinrich (1942): Bedingungen über den Einsatz von russischen Kriegsgefangenen. (Archiv Dürkop) Protokoll Arbeitsamt Heide (1941): Geschäftszeichen 5135 (Herkunft unbekannt) Kostenvoranschlag für die Einfriedigung des Russenfriedhofes von Bauunternehmer Hamm an die Stadt Heide am 15. 07. 1949; Herkunft unbekannt Sitzung der Verschönerungskommission am 19.09.1948; Herkunft unbekannt „Ermittler“ … Heide, 4. 11. 1949, (Herkunft der Quelle unbekannt) Vermerk vom Ordnungsamt Heide am 03. 04. 1980, Betreff: Beschädigung des Gedenksteines der Kriegsgefangenengräber (Westermoorweg); Herkunft unbekannt Beschluss des Ausschusses für Kultur und Bildungswesen vom 14. 01. 1988, Zu 2) Verschiedenes a) Kriegsgräber, Veranlassung durch den Bürgermeisters am 15. 01. 1988; Herkunft unbekannt Magistratsbeschluss vom 06. 06. 1990, zu 9) Verschiedenes j) Russenfriedhof Westermoorweg; Veranlassung durch den Stadtrat Heide am 12. 06. 1990; Herkunft unbekannt Bestellung von der Stadt Heide an Sägewerk Elsdorf am 02. 02. 2000; Herkunft unbekannt Skizze Russisches Kreuz vom 27. 01. 2000; Herkunft unbekannt Brief von Theodor Lübbe an die Stadt Heide, Betreff: Anfrage wegen Friedhof für gefangene Russen, Datum unbekannt; Herkunft unbekannt

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9.3. Zeitzeugenberichte: Zeitzeugenbericht: W. Panasow vom 23. 04. 2006 aus einer E-Mail an „Kontakty-Kontakte“ Zeitzeugenbericht: Iwan Michajlowitsch Kotikow; Russland, Gebiet Stawropol aus einer E-Mail an Kontakty-Kontakte, Datum unbekannt Zeitzeugenbericht: Smbat Aristakesjan – Eriwan/Armenien aus einer E-Mail an „Kontakty-Kontakte“, Datum unbekannt Zeitzeugenbericht: Beljak Nikolaj Pavlovitsch, Ukraine, Gebiet Charkow vom 29.01.2005 aus einer EMail an „Kontakty-Kontakte“ Zeitzeugenbericht: Dazenko Wassiij Iwanowitsch aus einer E-Mail an „Kontakty-Kontakte“, Datum unbekannt Zeitzeugenbericht: Iwan Michajlowitsch Kotikow; Russland, Gebiet Stawropol aus einer E-Mail an „Kontakty-Kontakte“, Datum unbekannt Zeitzeugenbericht: Klimento Grigirij Iwanowitsch; Ukraine, Gebiet Tscherkassy aus einer E-Mail an „Kontakty-Kontakte“, Datum unbekannt Zeitzeugenbericht: Petrow Dmitrij Iwanowitsch - Russland, Orenburg 11.08.2008 aus einer E-Mail an „Kontakty-Kontakte“ Zeitzeugenbericht : Sergej Stepanowitsch Gratschew in einer E-Mail (kein Datum sowie E-Mail Kontakt angegeben) an KONTAKTE-KONTAKTY (http://www.kontakte-kontakty.de/) Zeitzeugenbericht : Walerij Michajlowitsch Petruchin, per E-Mail (keine E-Mail- Kontaktadresse angegeben) am 23. 4. 2006 an KONTAKTE-KONTAKTY (http://www.kontakte-kontakty.de/) Zeitzeugenbericht: Trifon Fotejewitsch Petruchin, per E-Mail (weder E-Mail- Kontaktadresse noch Datum angegeben) an KONTAKTE-KONTAKTY (http://www.kontakte-kontakty.de/) Zeitzeugenbericht: Dmitri Iwanowitsch, geboren in Orenburg, im Brief an Kontakte- Kontakty, www.kontakte-kontakty.de, (kein Abfragedatum)

Zeitzeugenbericht: Udo Madzen, Interview geführt am 06. 06. 2011 Zeitzeugenbericht: Uwe Reh, Interview geführt am 09. 06. 2011

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9.4. Veröffentlichte Literatur 1. Artikel: „Cholera“, in: Zetkin, Maxim, u. a. (Hg.): Lexikon der Medizin, 16. Auflage, Wiesbaden, 1999, S. 340. 2. Artikel: „Fleckfieber“, in Zetkin, Maxim, u. a. (Hg.): Lexikon der Medizin, 16. Auflage, Wiesbaden 1999, S. 649 3. Artikel „KZ Mauthausen“ http://de.wikipedia.org/wiki/Mauthausen (06. 07. 2011) 4. Artikel „Stalag VI A“ http://www.stalag-via.de/stal6.htm (20. 11.2011) 5. Baringhorst, Ulrich: Rassenlehre im Nationalsozialismus, Dokumentarfilm 2001 6. Boeckh, Katrin: Stalinismus in der Ukraine. Die Rekonstruktion des sowjetischen Systems nach dem Zweiten Weltkrieg. Wiesbaden 2007. 7. Bracher/ Funke/ Jacobsen (Hg.): Nationalistische Diktatur 1933-1945 Schriftenreihe der Bundeszentrale für Politische Bildung, Band 192 Bonn 1986. 8. Danker, Uwe, Schwabe, Astrid: Schleswig Holstein und der Nationalsozialismus. Neumünster 2005 9. Dussel, Konrad: Deutsche Tagespresse im 19. und 20. Jahrhundert, Münster 2004 10. Harder, Harro: „„Fremdarbeiter“ und Kriegsgefangene in Dithmarschen von 1939 – 1945.“ In: U. Danker u. a. (Hg.): „Ausländereinsatz in der Nordmark“. Zwangsarbeitende in SchleswigHolstein 1939 – 1945. Bielefeld 2001, S. 377 – 393. 11. Herbert, Ulrich: Fremdarbeiter - Politik und Praxis des Ausländer-Einsatzes in der Kriegswirtschaft des Dritten Reiches. Berlin / Bonn 1985 12. Herbert, Ulrich: Geschichte der Ausländerpolitik in Deutschland - Saisonarbeiter, Zwangsarbeiter, Gastarbeiter, Flüchtlinge. (BpB Band 410), Bonn 2003 13. Hildebrand, Klaus: das Dritte Reich, Oldenbourg- Grundriss der Geschichte Band 17, München 1991 14. Hoch, Gerhard: „Im Schatten des Vernichtungskrieges –Sowjetische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter in Schleswig-Holstein (1999). http://kzkaltenkirchen.de/archivtexte/dokumente/vernichtungskrieg.pdf (01.09.2011) 15. Hoch, Gerhard: Kriegsgefangene und „Fremdvölkische“ in Heide und Hemmingstedt während des Zweiten Weltkriegs. In: Dithmarschen 3 / 1991, S. 58-59 16. Hoch, Gerhard u. Schwarz, Rolf (Hrsg.): Verschleppt zur Sklavenarbeit. Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter in S-H. Alveslohe und Rendsburg 1988 17. Jaspers, Karl: Vom Ursprung und Ziel der Geschichte, Frankfurt am Main 1955, S.190 18. Osterloh, Jörg: Ein ganz normales Lager. Das Kriegsgefangenen-Mannschaftsstammlager 304 125

(IV H) Zeithain bei Riesa / Sachsen 1941-1945. Leipzig 1997 19. RIA Novosti: „UdSSR hat im Zweiten Weltkrieg rund 37 Millionen Menschen verloren“http://de.rian.ru/russia/20090507/121492894.html (13.9.2011) 20. Später, Erich: „Der Dritte Weltkrieg (3)“ In: konkret, 8 (2011), S.30 f. 21. Staas, Christina: „Mir fehlen die Worte“, http://www.zeit.de/2010/25/Zweiter-WeltkriegRussische-Gefangene (13. 9. 2011) 22. Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten (Hg.): Katalog der Dauerausstellung Bergen-Belsen. Göttingen 2009 23. Streim, Alfred: Sowjetische Gefangene in Hitlers Vernichtungskrieg. Berichte und Dokumente 1941-1945. Heidelberg 1982 24. Streit, Christian: Keine Kameraden. Die Wehrmacht und die sowjetischen Kriegsgefangenen 1941–1945, Bonn 1997 25. Werner-Heisenberg-Gymnasium Heide, Stiftung gegen Rechtsextremismus und Gewalt in Heide und Umgebung, St. Jürgen Kirchengemeinde (Hg.): „Leben und Arbeiten unter Zwang.“ Dithmarschen 1939 – 1945. Heide 2009 26. Yahya, Harun: „Rassismus und Sozialdarwinismus“. http://www.Islamverurteiltantisemitismus.com/Rassismus. htm (31.08.11) 27. Zeilmann, Kathrin: „Der deutsche Ostfeldzug der Wehrmacht“ http://www.focus.de/wissen/bildung/Geschichte/tid-22719/unternehmen-barbarossa-derdeutsche-ostfeldzug-der-wehrmacht_aid_638924.html (20.8.2011) 9.5. Bildquellen: Volksbund-Bildarchiv Kassel National Archives London

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Danksagung Die folgenden Personen haben uns bei unserer Arbeit sehr geholfen:

Zeitzeugen aus der ehemaligen Sowjetunion und aus Dithmarschen Frau Brausemann (Übersetzung der Schülerarbeiten) Frau Lang (Übersetzung der Texte auf den Gedenktafeln am Westermoorweg) Frau Sonnenberg, Herr Huber, Herr Schmidt (Übersetzung der Vorworte)

Herr Scheder (Stiftung sächsische Gedenkstätten, Dresden) Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, Bergen-Belsen Frau Dr. Lubitz (Archiv der Stadt Heide) Archiv Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. Stiftung „kontakty – kontakte“

Frau Pastorin Buchin (Ev.-luth. Kirchengemeinde) Herr Jacobsen (Ev.-luth. Kirchengemeinde) Stadt Heide Herr Hess (Stadtbauamt Heide) Herr Becker (Firma Glasbau Harder, Heide) Herr Rohde (Firma Rohde Design und Werbetechnik, Heide) Firma Heider Offset- und Verlagsdruckerei Pingel-Witte, Heide

Weitere, ungenannte Unterstützerinnen und Unterstützer unseres Projektes

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________________________________________________________________ Impressum Beteiligte Werner-Heisenberg-Gymnasium, Heide OStR´in Karla Müller-Helfrich, StR´in Anja Bäumler Björn Buss, Helge Roose, Torbjörn Volquardsen; Jan-Thimo Bergau, Jannik Wilke Julian Zielinksi Johannes Barth Tarek Awad Vanessa Rosin, Tjark Thönßen Tjark Klimant, Maximilian Stilke Jennifer Büsing, Kerstin Schmidt Assia Cheurfi Lena Hansen Jule Dluzewski Mathilde Heeren, Maike Schmidt; Leo Köpke Alina Fluck, Johanna Luitjens Malika Heim, Fabian Schrum Benedikt Vettelschoß Stiftung gegen Extremismus und Gewalt in Heide und Umgebung Erster Vorsitzender Klaus Steinschulte, Stellvertretender Vorsitzender Berndt Steincke Gert Glüsing, Mitarbeit und Materialbereitstellung

Titelfoto – Quelle: Dokumentationsstelle Dresden Druck: Heider Offsetdruckerei Pingel-Witte 128