Denken Sie an Den EisEnmangEl!

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Anämie Hausarzt Medizin Denken Sie an den Eisenmangel! Bevor Sie unspezifische Beschwerden wie Schlappheit, Müdigkeit und Lustlosigkeit als harmlos...

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Anämie Hausarzt Medizin

Denken Sie an den Eisenmangel!

Bevor Sie unspezifische Beschwerden wie Schlappheit, Müdigkeit und Lustlosigkeit als

harmlose Befindlichkeitsstörung bagatellisieren, sollte ein Eisenmangel ausgeschlossen sein. Ein solcher kann, muss aber nicht sofort zu einer Anämie führen.

Illustration: GiZGRAPHICS - Fotolia

Dr. med. Peter Stiefelhagen Chefarzt der Inneren Abteilung, DRK Krankenhaus Hachenburg E-Mail: Stiefelhagen. [email protected]

Der Hausarzt 19/2015

Die differenzialdiagnostische Abklärung einer Anämie ist eine alltägliche Herausforderung für den Hausarzt. In über 40 Prozent der Fälle handelt es sich um eine Eisenmangelanämie. Andere Ursachen wie ein Vitamin B12-oder Folsäuremangel, eine Niereninsuffizienz bzw. eine Knochenmarkerkrankung sind sehr viel seltener.

Ferritin und CRP bestimmen Typisch für den Eisenmangel ist eine hypochrome mikrozytäre Anämie. Um die Verdachtsdiagnose „Eisenmangelanämie“ zu bestätigen, muss immer das Ferritin bestimmt werden und zwar zusammen mit dem CRP. Bei einem normalen CRP spricht ein Ferritin-Wert von < 30 ng/ml eindeutig für die Eisenmangelanämie. Ist das CRP bei Entzündungsprozessen erhöht, so steigt auch das Ferritin als Entzündungsparameter an, so dass ein Ferritin-Wert bis 100 ng/ml als Ausdruck eines Eisenmangels angesehen werden muss. Bei einem absoluten Eisenmangel sollte immer eine ursächliche Abklärung erfolgen, wobei die Suche nach einer Blutungsquelle im Vordergrund steht. Ist eine gynäkologische Ursache ausgeschlossen, so empfiehlt sich immer eine Endoskopie zunächst des oberen Magen-Darm-Traktes und des Dickdarms.

Eisen nicht nur für die Blutbildung Der Körper enthält insgesamt 5 g Eisen. Davon sind 1,7 g als Speichereisen im retikulo-endothelialen System und in der Leber deponiert. Die tägliche Ausscheidung, die normalerweise über die Nahrungsaufnahme kompensiert wird, beträgt 0,0015 g täglich. Mit Hilfe des Proteins Tansferrin wird das Eisen aus den Speichern an die Zielorgane wie das Knochenmark gebracht und hier über die Transferrin-Rezeptoren von den Erythroblasten aufgenommen. Eisen wird aber nicht nur für die Blutbildung benötigt, sondern ist auch für die Funktionstüchtigkeit

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Hausarzt Medizin

anderer Organe wie Muskulatur und Bindegewebe unverzichtbar. Die Anämie ist der letzte Akt in der Pathogenese des Eisenmangels. Zunächst werden die Eisenspeicher entleert und eine eisendefizitäre Erythropoese in Gang gesetzt, was zum Abfall des Ferritins führt. Der Eisenmangel geht auch bereits vor der Manifestation der Anämie mit einer Reihe unspezifischer Symptome einher. Dazu gehören allgemeine Schwäche, Antriebslosigkeit, Müdigkeit, Abnahme der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit, Muskelschwäche, Schwindel, Haarausfall und brüchige Nägel. Bevor solche Symptome als harmlose Befindlichkeitsstörung bagatellisiert werden, sollte immer ein Eisenmangel ausgeschlossen sein.

Funktioneller Eisenmangel bei chronischer Entzündung Aber nicht nur ein absoluter, sondern auch ein funktioneller Eisenmangel macht Symptome. Ein solcher entsteht

durch chronische Entzündungsreize bei Jeden Eisenmangel ausgleichen! Infekten, Malignomen, rheumatischen Erkrankungen und chronisch entzündJeder Eisenmangel, egal ob absolut oder lichen Darmerkrankungen. Die dadurch funktionell, muss ausgeglichen werden. ausgelöste Immunreaktion führt über Die Eisensubstitution bei einem funkZytokine und T-Zellen zu einer vermintionellen Eisenmangel ist keine Laborderten Erythropoetinbildung und zu eikosmetik. Solange keine Entzündung ner direkten Schädigung des Knochenvorliegt, also der CRP-Wert im Normbemarks mit reduzierter reich liegt, kann oraErythropoese. Außerles Eisen verordnet Moderne Eisenprädem wird in der Leber werden. Doch bei Entparate zeichnen sich vermehrt ein Entzünzündungsreaktionen durch eine gute Verdungsprotein gebiloder Unverträglichkeit träglichkeit aus. det, nämlich das Hepcivon oralen Präparaten din. Dieses schließt in muss das Eisen i. v. apden Zellen des retikupliziert werden. Molo-endothelialen Systems und des Jederne Eisenpräparate wie Fe-Sacchajunums die Pforten an der Zelloberflärat oder Fe-Carboxymaltose zeichnen che, so dass das Eisen aus diesen Zellen sich durch eine gute Verträglichkeit aus, nicht mehr in den Organismus freiged. h. anaphylaktoide Reaktionen sind setzt werden kann. Somit kommt es zu äußerst selten. Sie garantieren eine hoeiner Eisenverwertungsstörung. Laborhe Eisenmenge bei kurzer Infusionschemisch ist das Ferritin nicht erniedzeit. Sicherheitshalber sollte der Patirigt, sondern evtl. sogar leicht erhöht, ent nach Beendigung der Infusion noch aber die Transferrin-Sättigung ist auf eine halbe Stunde in der Praxis über< 20 % gesunken. wacht werden.

In einer entsprechenden Studie konnte gezeigt werden, dass eine Anämie bei herzinsuffizienten Patienten die Mortalität deutlich erhöht, d.h. die 1-Jahresmortalität steigt bei einer Anämie von 65  auf 73 Prozent. 10 bis 20 Prozent aller Patienten mit Herzinsuffizienz haben eine Anämie und bei etwa 80 Prozent findet sich ein absoluter oder funktioneller Eisenmangel. Ursachen des absoluten Eisenmangels bei diesen Patienten sind Mangelernährung, Malabsorption und chronischer Blutverlust durch die antithrombotischen Medikamente. Der funktionelle Eisenmangel mit der gestörten Eisenverfügbarkeit ist Folge der chronischen Inflammation und der häufig bestehenden chronischen Niereninsuffizienz.

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Im Rahmen der FAIR-HF-Studie konnte gezeigt werden, dass eine i.v. Eisentherapie bei diesen Patienten den klinischen Status und somit auch die Lebensqualität deutlich verbessert, und zwar unabhängig vom Hb-Wert; denn der Eisenmangel hat bei Vorliegen einer Herzinsuffizienz einen doppelt ungünstigen Effekt auf den Sauerstoff-Stoffwechsel. So kommt es einmal zu einer funktionellen Beeinträchtigung aerober Enzyme und somit zu einer Störung der oxydativen Phosphorylierung, d.h. die O2-Nutzung ist beeinträchtigt. Zum andern vermindert ein niedriges Hb den O2-Transport. Beides beeinträchtigt die körperliche Leistungsfähigkeit, was durch eine Eisensubstitution verbessert werden kann.

Der Hausarzt 19/2015

Illustration: VIGE.co - Fotolia

Auch Herzinsuffiziente profitieren von Eisen

Risiken für Mutter und Kind Von einer Anämie in der Schwangerschaft spricht man, wenn der Hb-Wert im 1. Trimenon < 11,0 g/dl, im 2. und 3. Trimenon <10,5 g/dl und im Wochenbett < 10,0 g/dl liegt. Eine solche Eisenmangelanämie erhöht die mütterliche und fetale Morbidität. Bei der Mutter entsteht eine Immundepression mit erhöhter Infektneigung. Neben der körperlichen Schwäche kann sich sogar eine kardiale Dekompensation entwickeln und auch die Entstehung einer Wochenbettdepression wird begünstigt. Beim Kind kann eine Störung der psychomotorischen und mentalen Entwicklung auftreten.

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Ein häufiges Krankheitsbild Sowohl der Eisenbedarf als auch die Eisenabsorption sind in der Schwangerschaft dreimal höher als bei Nicht-Schwangeren. Die Eisenbindungskapazität und auch die Eisenfreisetzung aus den Speichern sind ebenfalls gesteigert. Dies führt zu einer Abnahme des Ferritins. Ein Ferritin-Wert von >50 µg/l spricht für eine ausreichende Eisenreserve, alle Werte darunter sind pathologisch. Insgesamt haben 30 - 40 Prozent aller Schwangeren einen Eisenmangel. Bei einem Eisenmangel ohne Anämie und einem Ferritin-Wert < 30 µg/l sollte Eisen peroral in einer Dosierung von 65 mg pro Tag, bei einer leichten Anämie mit einem Hb-Wert bis 9,0 g/ dl 100 – 200 mg Eisen täglich verabreicht werden. Bei einer schwe-

Der Hausarzt 19/2015

ren Anämie mit einem Hb-Wert < 9,0 g/dl empfiehlt sich eine i.v.Eisengabe. Eine i.v.-Gabe ist immer notwendig, wenn es unter der oralen Therapie nach 2 Wochen nicht zu einem Hb-Anstieg über 10,0 g/dl kommt, keine ausreichende Compliance besteht, das orale Eisen nicht vertragen wird oder ein rascher Hb-Anstieg gewünscht ist. Die Eisentherapie sollte grundsätzlich immer bis mindestens sechs Wochen nach der Geburt fortgesetzt werden. In einem „Rote Hand Brief“ aus dem Jahr 2014 sind die Empfehlungen für die i.v. Gabe von Eisen allerdings verschärft worden. Danach sollte sie nur dann im 2.und 3. Trimenon durchgeführt werden, wenn der Nutzen einer solchen Therapie eindeutig die potenziellen Risiken für Mutter und Fötus überwiegt. Doch der klinische Alltag hat gezeigt, dass die gefürchteten anaphylaktoiden Reaktionen äußerst selten sind.

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