Denkmalporträt Eine Feldschanze des Dreißigjährigen Krieges auf

Denkmalporträt Eine Feldschanze des Dreißigjährigen Krieges auf

Denkmalporträt Eine Feldschanze des Dreißigjährigen Krieges auf dem Altenberg bei Bad Wimpfen Auf dem Altenberg etwa 1 km östlich von Bad Wimpfen am ...

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Denkmalporträt

Eine Feldschanze des Dreißigjährigen Krieges auf dem Altenberg bei Bad Wimpfen Auf dem Altenberg etwa 1 km östlich von Bad Wimpfen am Berg war eine Feldschanze aufgeworfen, die sich heute nur noch im Luftbild beziehungsweise – weniger deutlich – im digitalen, LIDAR-basierten Geländemodell abzeichnet. Der von Ost nach West streichende Höhenrücken besetzt den Winkel zwischen dem knapp 50 m hohen, schwer zugänglichen Steilabfall in das Neckartal im Norden und der Klinge des zum Neckar ausmündenden Morschbachs im Westen. Auf den Feldseiten fällt die Anhöhe flach zur Hochebene ab. Nur an der Nordflanke bildet eine bis zu 4 m hohe Böschung, die an ihren beiden Enden im Hang abtaucht, eine scharfe Kontur; vor dem Böschungsfuß erstreckt sich dort bis zum Bergtrauf eine 50 m breite, schwach geneigte Erdaufschüttung, gewissermaßen ein Glacis. In den 1950er Jahren hat Gustav Scholl, dem man viele prähistorische Fundstellen in dieser Gegend verdankt, die „Schanze“ historisch einzuordnen versucht, indem er aus den damals noch erhaltenen Wallfragmenten eine latènezeitliche „Fliehburg“ erschloss; ausgepflügte Feldsteine galten ihm als Relikte eines verstürzten „murus gallicus“. Diese Zuschreibung hat man seitens der Archäologie nicht weiter diskutiert, dennoch hätte auffallen können, dass die – auch von Scholl selbst

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Denkmalpflege in Baden-Württemberg 3 | 2010

und in der Folgezeit – auf dem Altenberg aufgelesenen überwiegenden Funde der frühen Jungsteinzeit zwar auf eine ausgedehnte bandkeramische Siedlung hindeuten, aber nicht unbedingt eine „keltische“ Datierung der Anlage unterstützen. Das Gelände wurde weiterhin unter den Pflug genommen, sodass heute obertägig auch die letzten Zeugen einer Befestigung verschwunden sind. So kam es völlig überraschend, als im Sommer 1984 sowohl der Luftbildarchäologe Rolf Gensheimer wie auch Rainer Ruschke, der für die Bodendenkmalpflege im Kreis Heilbronn wiederholt Befliegungen durchführte, an den Bewuchsmerkmalen eine Schanze identifizierten und ihren Neufund dem Landesdenkmalamt meldeten. Bei seinen Flügen zur Prospektion von Bodendenkmalen hat Rudolf Landauer diese Anlage ebenfalls erfasst und seine Aufnahmen 2008 in einem Bildband publiziert, der einen Querschnitt seiner archäologischen Beobachtungen aus über 20 Jahren zeigt. Seitdem dieser Ort der Archäologischen Denkmalpflege neu zur Kenntnis gelangt ist, hat ihn der Luftbildarchäologe Otto Braasch in regelmäßigen Abständen dokumentiert. Die Luftbilder erlauben es, die Anlage historisch sicher anzusprechen. Im Acker zeichnet sich, auf ei-

ner nahezu quadratischen Basis, der Grundriss einer Feldschanze der frühen Neuzeit ab. Mit ihrer Grundrissform entwickelt sie die einfache viereckige Redoute (quadratisch oder trapezförmig geschlossene Schanze) weiter, ohne aber die differenzierte polygonale Struktur einer Sternschanze im engeren Sinn zu erreichen. In dem heute leicht eingesenkten Innenbereich fehlen Spuren einer Bebauung. Entlang des umlaufenden Grabens diente ein Erdwall als Brustwehr, den man auf einigen Luftbildern noch als hellen Streifen erkennen und im Gelände stellenweise als niedere Aufwölbung erahnen kann. Die Seitenlänge zwischen den Bastionsspitzen beträgt jeweils circa 110 m; die Fläche im Inneren einschließlich des Walles umfasst nach Auswertung des Luftbildes ungefähr 6,1 a. Die dunklen Verfärbungen außerhalb des Grabens werden wohl weniger eine Vorbefestigung als vielmehr Schwemmschichten nach Hangerosionen andeuten; die geschwungene dunkle Linie im Süden zeigt noch den Verlauf eines in alten Karten eingetragenen Weges. Wenn man nach einer genauen Datierung dieses sicher unter der Leitung eines Kriegsingenieurs angelegten Regularwerks fragt, wie es Rainer Ruschke 1995 getan hat, so bietet sich hier in dem dicht gedrängten Kriegsgeschehen, das die Region zwischen Oberrhein, Schwarzwald und Unterem Neckar im 17. und 18. Jahrhundert überzogen hat, zur Orientierung die Zeit um die Schlacht bei Wimpfen (6. Mai 1622) an, in der die zur Liga gehörenden Truppen unter Reichsgraf Tilly ein von Markgraf Georg Friedrich von Baden-Durlach geführtes protestantisches Heer besiegten. Tatsächlich berichten die reichsstädtischen Ratsprotokolle von Ende März 1622 an wiederholt, meist aber ohne exakte Ortsangaben, von Schanzarbeiten in und um Wimpfen (z.B. StadtA Wimpfen: Rp 1622, 194), wo Tilly seit dem Winter ein bayerisches Kontingent einquartiert hatte. Im Zuge dieser Maßnahmen wird man auch, in Sichtweite zur damaligen Straße nach Heilbronn, die Altenberg-Schanze errichtet haben. Sie findet aber erst im Januar

1623 ausdrücklich Erwähnung, als das kaiserliche Militär die Stadt auffordert, sie solle dort ein „wachthauß“ aus Holz für einen mit zehn Mann zu besetzenden Posten errichten – was aber der Rat auch deshalb ablehnt, weil auf der Schanze bereits ein solches Corps de garde steht (Ebd.: Rp 1623, 27). Kurz darauf erlaubt Tilly, dass man die Gräben und Schanzen „einschleiffen möge“, damit das Gelände wieder zivil genutzt werden kann (Ebd., 138). Fortan erscheint die „Schanze“ als Bezugspunkt zur Lokalisierung von Grundstücken auf dem Altenberg. Die Archäologische Denkmalpflege hat die frühneuzeitliche Schanze selbst wie auch das erheblich größere prähistorische Siedlungsareal auf dem Altenberg als Kulturdenkmale verzeichnet. Angesichts der andauernden Ackernutzung dieses Geländes muss man jedoch in beiden Fällen von stark gefährdeten Denkmalen sprechen – und unter diesen Bedingungen dürfte der Zeitpunkt nicht mehr allzu fern sein, dass die Luftbilder, die uns heute noch ein schönes Porträt der Schanze liefern, nur noch ihr endgültiges Verschwinden mitteilen können.

1 Gewanne „Auf“, „unterhalb“ und „bei der Schantz“ auf dem Plan über die Güter des Ritterstifts St. Peter zu Wimpfen im Tal, 1777 (Ausschnitt).

Literatur Rainer Ruschke: Die Schanze auf dem Altenberg, Bad Wimpfen. Eine bastionierte Feldschanze aus dem Dreißigjährigen Krieg, in: Regia Wimpina 7, 1995, S. 112–137. Gustav Scholl: Die Keltenburg über dem Neckar. Ein Kapitel Wimpfener Frühgeschichte, Schwaben und Franken. Heimatgeschichtliche Beilage der Heilbronner Stimme 7, 1961, Nr. 9. Entzerrung des Luftbilds und Bemaßung: R. Boes/S. Papadopoulos, Regierungspräsidium Stuttgart, Referat Denkmalpflege.

Dr. Alois Schneider Regierungspräsidium Stuttgart Landesamt für Denkmalpflege

2 Die Schlacht bei Wimpfen am 6. Mai 1622 auf einem zeitgenössischen Einblattdruck.

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