Der Floristische Arbeitskreis der Niederlausitz in den Jahren 2009 und

Der Floristische Arbeitskreis der Niederlausitz in den Jahren 2009 und

259 Verh. Bot. Ver. Berlin Brandenburg 144: 259-271, Berlin 2011 Der Floristische Arbeitskreis der Niederlausitz in den Jahren 2009 und 2010 Zusammen...

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259 Verh. Bot. Ver. Berlin Brandenburg 144: 259-271, Berlin 2011

Der Floristische Arbeitskreis der Niederlausitz in den Jahren 2009 und 2010 Zusammenstellung Gunther Klemm

Exkursionen des Jahres 2009 Exkursion am 29.08.2009 zu Mooren in der Lieberoser Heide Die Exkursion am 29.08.2009 führte unter der Leitung von Dr. HEIKO SCHUHMACHER von der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg und SVEN KASPARZ zu drei Moorgebieten in der Lieberoser Heide. Nach einer Einführung in das Gebiet durch Herrn SCHUHMACHER war das erste Ziel die Ostseite des wiedervernässten Butzener Bagens. Hier wurden die „üblichen“ Moorarten vorgefunden, u. a. sind zu nennen: Rhynchospora alba, Vaccinium oxycoccos, Eriophorum vaginatum, E. angustifolium, Carex lasiocarpa, C. rostrata, größere Bestände von Ledum palustre und Andromeda polifolia. Randlich wuchs auch Lycopodium annotinum. Anschließend ging es zum Trocken Luch, dessen Moorbildung erst wieder seit wenigen Jahrzehnten vonstatten geht. Es hat mittlerweile eine Torfmächtigkeit von ca. 50 cm erreicht, darunter ist entweder freier Wasserkörper oder es finden sich Baumreste der Waldbestockung vor der Moorbildung. Entsprechend ist auch die Vegetation: recht artenarm. Neben wenig Pinus sylvestris und Molinia caerulea am Rand des Moores finden sich wieder Vaccinium oxycoccos, Rhynchospora alba, Ledum palustre, Drosera rotundifolia und D. intermedia sowie – als einer der derzeitigen Haupttorfbildner – Eriophorum angustifolium. Letztes Ziel der Exkursion war der Möllnsee. Dessen Wasserhaushalt hat sich in den letzten Jahren drastisch verändert. Durch Maßnahmen zur Verbesserung des Landschaftswasserhaushalts konnte der Wasserspiegel seines Moores sowie angrenzender Moore und Seen erheblich verbessert werden. Die durchgeführten Maßnahmen wurden den Exkursionsteilnehmern erläutert, und die Ergebnisse konnten besichtigt werden. Es kam an einigen Stellen zu Veränderungen in der Sukkzession und des Bewuchses. Bereiche, die vor Jahren noch offen waren, stehen jetzt unter Wasser. Randlich gelegene, ehemals trockene Quellhorizonte geben wieder Wasser

260 ab. Durch diese Wiedervernässung ist es aber auch nicht mehr ohne weiteres möglich, auf die aufgeschwommenen Schwingrasen zu gelangen. Da deshalb die dort vorkommende Vegetation nicht aufgenommen werden konnte, fehlen in unserem Bericht die typischen Moorarten. Als bemerkenswerte Funde sind jedoch zu nennen: Utricularia vulgaris s. str. (in dem vernässten Randsumpf), Selinum carvifolium, Alchemilla glabra, Menyanthes trifoliata, Hypericum tetrapterum, Carex nigra, C. panicea und C. disticha. Die Exkursion endete mit dem Vorhaben der Teilnehmer, den Möllnsee regelmäßig in kürzeren Abständen zu besuchen, um die Endwicklung der Flora und Vegetation nach der Wiedervernässung zu beobachten und zu erfassen. Nach dem offiziellen Ende der Exkursion machten einige Teilnehmer noch einmal am Butzener Bagen Halt. Dort hatte SVEN KASPARZ vor längerer Zeit die Moororchidee Hammarbya paludosa entdeckt. Nach einiger Suche konnten an einem Moorauge auch einige Exemplare dieser seltenen Art wieder gefunden werden. Auch das Vorkommen einer Sippe aus dem Dactylorhiza maculata–Aggregat wurde bestätigt, die genaue Artzuordnung war jedoch nicht möglich und steht noch aus. S. Kasparz

Weitere Exkursionen des Jahres 2009 4. Kartiertreffen Flora Südbrandenburg vom 01. bis 03.05.2009 in Klein Bademeusel. Pilzexkursion am 18.10.2009 in der Fasanerie Falkenhain. Veröffentlichung der Ergebnisse der Exkursion s. KUMMER (2011).

47. Niederlausitzer Floristentagung am 01.11.2009 in Cottbus Die 47. Niederlausitzer Floristentagung fand am 1. November 2009 im AudimaxGebäude der BTU Cottbus statt. Sie war den Jubilaren des Jahrgangs gewidmet, weshalb auch zu Beginn durch den Vorsitzenden, SVEN KASPARZ, die Herren KORNIG und Dr. SCHARFENBERG (beide 80 Jahre) sowie Herr RÖSLER (70 Jahre) – leider allesamt abwesend – kurz gewürdigt wurden. Frau WALTRAUT BRANDT (75 Jahre) und Dr. HUBERT ILLIG (70 Jahre) folgten. Prof. Dr. WERNER PIETSCH ließ es sich nicht nehmen, Herrn SIEGFRIED HAMSCH, den Gründer und langjährigen, verdienstvollen Leiter des Arbeitskreises aus Anlass seines 75. Geburtstages besonders hervorzuheben. Er erinnerte an die Anfänge im Kulturbund Guben 1962, seine ersten Studien zum Euloer Bruch, an Publikationen im Gubener Heimatkalender und schließlich an die Herausgabe der Schriftenreihe „Niederlausitzer floristische Mitteilungen“ (Heft 1/1965 bis 13/1989), an drei gesamtbiologische Tagungen im damaligen Bezirk Cottbus, an seinen Umzug nach Berlin, die Gründung der Gesell-

261 schaft für Natur und Umwelt und die Bildung des Zentralen Fachausschusses für Botanik. HAMSCHS Organisationstalent war Grundlage zahlreicher Tagungen und weiterer Veranstaltungen DDR-weit. Zeit zu eigenen naturkundlichen Arbeiten fand er erst wieder in der Nachwendezeit und mit dem Eintritt in den Ruhestand, indem er die Blauracke und ihre nahen Verwandten europaweit in den Mittelpunkt seiner Interessen rückte. Es darf dankbar ausgesprochen werden: Ohne SIEGFRIED HAMSCH, eingeschlossen seine liebe Frau HELGARD, die oft im Hintergrund mitwirkte, gäbe es den Floristischen Arbeitskreis der Niederlausitz nicht! Im sehr abwechslungsreich gestalteten Tagungsprogramm sprach zuerst Dr. VOLKER OTTE (Görlitz) zur „Arealdynamik von Flechten und Klimawandel“. Er wies beispielhaft nach, dass der Florawandel der epiphytischen Flechtenflora zwar auch vom Klimawandel beeinflusst ist, vielfach aber durch Rückgang der Stickstoffeinträge erklärbar wird (z. B. Usnea-Arten), manche Sippen früher taxonomisch anders oder als solche gar nicht erfasst wurden (z. B. Evernia mesomorpha). Aber es treten auch neue Sippen im Gebiet auf, z. B. Physciella chlorantha, ein meridional-temporates Element Nordamerikas, jüngst im Bereich der Schacksdorfer Teiche. Die Zuhörer wurden aufgefordert, insbesondere jüngeren Lärchenkulturen mit ihrem Angebot an Aufwuchsmöglichkeiten für Flechten Beachtung zu schenken. Es folgte MICHAEL RISTOW (Berlin, Potsdam) mit einem Beitrag über beachtenswerte und seltene Pflanzensippen Brandenburgs. Die Erstellung der Roten Landesliste 2006 hat deutlich gemacht, dass der Kenntnisstand zu den einzelnen Taxa sehr ungleich ist. Aktuell ist von 1951 nachgewiesenen Sippen in Berlin und Brandenburg auszugehen, wovon 124 als ausgestorben gelten. Ohne die darin enthaltene Gruppe der Apomikten reduziert sich die Sippenzahl um ca. 300–400. Für einige Gattungen ist eine weit höhere Zahl zu erwarten, als gegenwärtig bekannt ist, z. B. bei Hieracium 92 – möglicherweise um 120, bei Taraxacum 84 – erwartbar bis 150, bei Rubus 60 – vermutlich um 80, bei Oenothera 20 – vielleicht 34, bei Ranunculus 21 – allein bei R. auricomus eventuell 30–90. Über das Arealbild von 577 Sippen (mit Apomikten), d. h. 29,5 % der regionalen Flora, aber auch ohne diese ca. 20 %, sind wir unzureichend unterrichtet. Zur Zeit fehlen sichere taxonomische Kenntnisse zu Brachypodium rupestre, Galium mollugo s. str., Nymphaea candida und Veronica vindebonensis. Neu im Gebiet sind u. a. Centaurea stoebe subsp. micranthos, Erigeron muralis, Geranium purpureum und Pteridium pinetorum nachgewiesen. Den zwei Artenkomplexen um Erigeron acris und Centaurea stoebe gebührt zukünftig vorrangige Beachtung. Anschließend dokumentierte HELMUT JENTSCH (Calau-Zinnitz) seine langjährigen Untersuchungen zur spontanen und stärker anthropogen beeinflussten Vegetationsentwicklung in den Bergbaufolgelandschaften von Schlabendorf und Seese. Im Rahmen der zweifelsfrei erforderlichen Maßnahmen zum Erosionsschutz sind die Ansaaten mit Saatgut wahlloser Herkunft zu hinterfragen. Das betrifft z. B.

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262 verschiedene Gräser, aber auch Arten u. a. der krautigen Gattungen Leucanthemum, Onobrychis, Salvia oder Sanguisorba. Nach der Mittagspause berichtete STEFAN RÄTZEL (Frankfurt/Oder) über die Auswirkungen des Wegfalls von EU-Fördermitteln für die Schafhaltung im Hinblick auf Bewirtschaftung und Pflege von Trockenrasen: Zwischen 2002 und 2009 haben in Brandenburg 35 Schäfer aufgegeben, viele andere ihren Tierbestand drastisch reduziert. Gegenwärtig fehlt für die Trockenrasenpflege ein EU-Life-Projekt, vergleichbar dem für die Binnensalzstellen. Zwischenzeitlich haben Flächenerwerb durch Naturschutzverbände und Tierpatenschaften bei den Schäfern eine Überbrückungsfunktion. Beeindruckend war auch der sich sinnvoll anschließende Vortrag von CHRISTOPH BUHR (Potsdam) zur historischen Verbreitung und aktuellen Situation der Kuhschellen-Arten in Berlin/Brandenburg. Lediglich Pulsatilla pratensis besitzt (von ursprünglich mühevoll nachgewiesenen 450 Fundorten) noch 66 Lokalitäten mit 1–9 Individuen, 21 mit 10–99 und nur noch 3 mit mehr als 100 Pflanzen. Der Referent mahnte nachdrücklich Naturschutzmaßnahmen für die Symbolart des Botanischen Vereins an. Für viele Zuhörer völlig überraschend waren die Ausführungen von KARLHEINZ MORCHE (Berlin) zu den Zwergwolfsmilch-Arten (Gattung Chamaesyce GRAY). Von den weltweit, vorwiegend in Amerika und Asien verbreiteten ca. 250 Sippen haben sich nach Einwanderung und Festsetzung im europäischen Mediterrangebiet vier einjährige, prostrate Sippen in Berlin und Brandenburg eingebürgert. Bevorzugt werden Freiflächen, Wege und Wegränder, besonders gern Pflasterfugen. Aktueller Verbreitungsschwerpunkt in Brandenburg ist der Raum um Berlin und Potsdam. Nachgewiesen sind seit 1998 Ch. humifusa, Ch. maculata, Ch. prostrata und eine weitere, bislang nicht exakt determinierte Sippe mit insgesamt 19 Wuchsorten. Aus dem Forum ergänzte H.-G. WAGNER einen Nachweis im Campusbereich der BTU Cottbus für Ch. maculata. Um die Lücken in der Kenntnis zur Verbreitung der Zwergwolfsmilch-Sippen in Brandenburg zu schließen, empfahl der Vortragende eine gewissenhaftere Beachtung. Die seit 1904 von SCHORLER bei Freiberg in Sachsen bekannt gemachte Teichboden-Art Coleanthus subtilis stellte Prof. Dr. WERNER PIETSCH (Dresden) in ihrer pflanzensoziologischen Schwerpunktbindung (Eleocharito-Caricetum cyperoides, Cypero fusci-Limoselletum) und der aktuellen Entfaltung im Oberlausitzer Heideund Teichland (Wassereinzugsgebiet der Kleinen Spree) vor. Überraschend ist gegenüber dem langjährigen Verharren der Art im Raum Brand-Erbisdorf–Freiberg und bei Olbernhau in Sachsen sowie im anhaltinischen Elbtal bei Wittenberg gegenwärtig die Wuchsortzunahme in der Oberlausitz. Nach dem Ablassen der Teiche im Frühjahr (April/Mai) bzw. Herbst (September/Oktober) sind jeweils im Verlaufe von maximal 6 Wochen vollständige Vegetationszyklen in Massen-

beständen mit hoher Fertilität möglich. Aus der südlichen Niederlausitz sind bislang keine Nachweise bekannt. Die Veranstaltung beschloss HANS-GEORG WAGNER (Cottbus), seit zwei Jahren an der BTU, mit Hinweisen auf bemerkenswerte Pflanzenfunde, u. a. von Najas marina, Potamogeton filiformis und Chara tomentosa im Pinnower See zwischen Lieberose und Guben sowie von Euphorbia marginata, einer aus Amerika stammenden, zur Verwilderung neigenden Zierpflanze, in der Lieberoser Heide. H. Illig

Exkursionen des Jahres 2010 Exkursion am 08.05.2010 in das NSG Lutzketal bei Grano und in das Kalklager bei Gr. Drewitz Mit den erschienenen 7 Teilnehmern wurde die Exkursion an unserem ersten Ziel, dem Naturschutzgebiet Lutzketal bei Grano, in Anlehnung an die vegetationskundliche Arbeit von H.-D. KRAUSCH aus dem Jahre 1960 („Die Vegetationsverhältnisse des Naturschutzgebietes Lutzketal bei Guben“. – Wiss. Z. Päd. Hochsch. Potsdam, math.-nat. R. 6: 119-130) durchgeführt. Zumindest der besichtigte Teil des Gebiets zeigte sich nur wenig verändert. Die einmaligen Mäander der Lutzke sind in voller Schönheit unangetastet. Von den typischen Arten des Stieleichen-Hainbuchen-Waldes konnten notiert werden: Stellaria holostea, Anemone ranunculoides, Ranunculus ficaria, Lathraea squamaria, Galeobdolon luteum, Oxalis acetosella, Ajuga reptans, Maianthemum bifolium, Polygonatum odoratum, Phyteuma spicatum, Viola reichenbachiana, V. riviniana, Stachys sylvatica, Brachypodium sylvaticum, Melica nutans, Festuca gigantea. In den Quellrinnen und im Quell-Erlenwald sahen wir u. a. Chrysosplenium alternifolium, Cardamine amara, Crepis paludosa, Carex remota, C. acutiformis, Myosotis scorpioides und Cirsium oleraceum. Zweites Ziel unserer Exkursion war das Kalklager bei Gr. Drewitz. Das ehemals zum Kalkabbau genutzte, aber Ende der 1950er Jahre stillgelegte und stark ausgetrocknete interglaziale Kalklager wird durch einen Ortsverbindungsweg in zwei ökologisch unterschiedliche Lebensräume mit kleinen Restgewässern getrennt. Bekannt ist das Gebiet u. a. durch seine Orchideenbestände, die allerdings ursprünglich auf gezielte Ansaaten durch den Gubener Apotheker HUBERTUS WISCHKONY und den damaligen Leiter des Arbeitskreises „Heimische Orchideen“, NORBERT WISNIEWSKI, im Jahre 1973 zurückgehen. Orchis militaris sahen wir noch in großer Zahl, weniger hingegen Dactylorhiza incarnata sowie Epipactis palustris, die aber auch noch nicht blühte.

264 Weiterhin notierten wir: Salvia pratensis, Sanguisorba minor, Ajuga genevensis, Ophioglossum vulgatum, Mentha aquatica, Equisetum palustre, Hydrocotyle vulgaris, Juncus inflexus und Utricularia vulgaris agg. Die früher hier Massenbestände bildende Parnassia palustris konnten wir nicht mehr finden, möglicherweise wurden aber auch Einzelexemplare wegen der frühen Jahreszeit übersehen. W. Feller

Exkursion am 20.05.2010 in den Branitzer Park bei Cottbus Exkursionsziel war der am südöstlichen Stadtrand von Cottbus gelegene und gegen Mitte des 19. Jahrhunderts von Fürst HERRMANN VON PÜCKLER-MUSKAU angelegte Landschaftspark. Als Denkmal der Gartenkunst beherbergt dieses Kleinod, wie andere Landschaftsparke auch, bemerkenswerte Pflanzenarten. Und das bezieht sich nicht nur auf ein umfangreiches Gehölzspektrum, auch die in Parkanlagen oft weniger Beachtung findenden Kräuter und Gräser sind als Ergebnis einer langjährigen Parkpflege zu werten. Letztere standen im Mittelpunkt dieser Exkursion. Leider konnte CLAUDIUS WECKE (Parkleiter) aufgrund dienstlicher Verpflichtungen nicht an der Veranstaltung teilnehmen, so dass Frau ANNE SCHÄFER dankenswerterweise die Erläuterungen zur Parkhistorie übernahm. Die zahlreich angereisten Exkursionsteilnehmer trafen sich um 18:00 Uhr am Besucherzentrum auf dem Branitzer Gutshof. Zu Beginn führte die Route am Parkinspektorhaus vorbei in ein Gehölz nördlich des Schlosses. Hier konnten Arten wie Carex sylvatica, Festuca altissima, Luzula sylvatica, Milium effusum, Pulmonaria obscura und Stachys sylvatica notiert werden. Am Ufer des Schlosssees wuchs Petasites hybridus. Auf dem Weg in den Westteil des Parkes erkundeten die Exkursionsteilnehmer vor allem Arten des Grünlandes frischer Standorte. Bemerkenswert waren hier Vorkommen von Alchemilla vulgaris agg., Anthoxanthum odoratum, Briza media, Bromus erectus, Campanula patula, Cardamine pratensis, Carex arenaria agg., C. caryophyllea, Centaurea jacea, Dianthus deltoides, Helictotrichon pubescens, Knautia arvensis, Lathyrus pratensis, Leucanthemum vulgare agg., Lychnis flos-cuculi, Pimpinella saxifraga, Ranunculus bulbosus, Saxifraga granulata, Senecio jacobea. Schließlich wurde die Landpyramide erreicht. Dort erwartete uns ein heterogenes Vegetationsmosaik mit Arten der Trockenrasen, Frisch- und Feuchtwiesen. Folgende Sippen wurden gefunden: Anthoxanthum odoratum, Armeria elongata, Briza media, Bromus erectus, Carex caryophyllea, C. nigra, C. panicea, Dianthus deltoides, Galium verum, Helictotrichon pubescens, Knautia arvensis, Koeleria macrantha agg., Leontodon hispidus, Lychnis flos-cuculi, Pimpinella saxifraga, Polygala vulgaris agg., Ranunculus bulbosus, Succisa pratensis, Thymus pulegioides, Th. serpyllum, Viola canina agg. Als Besonderheit ist zu nennen, dass am Ost-

265 Ufer des Pyramiden- und des Schlangensees Borstgrasrasen und eine Trockenheide (nur am Schlangensee) ausgebildet sind. In den Borstgrasrasen konnten folgende Arten nachgewiesen werden: Calluna vulgaris, Danthonia decumbens, Festuca ovina agg., Hypochaeris radicata, Luzula campestris, Nardus stricta, Ornithopus perpusillus, Potentilla erecta, Salix aurita, S. repens, Succisa pratensis. In der Trockenheide war neben der dominant wachsenden Calluna vulgaris v. a. das Vorkommen von Lycopodium clavatum bemerkenswert. W. Petrick

Exkursion am 20.06.2010 in das Dubringer Moor und zum Teufelsmoor bei Neukollm Am Bahnhofsvorplatz in Hoyerswerda trafen sich um 10 Uhr 28 Teilnehmer, um mit 14 PKWs zum Dubringer Moor zu fahren. Hier begrüßten wir Herrn HERBERT SCHNABEL, den langjährigen Gebietsbetreuer für das Dubringer Moor von der NABU-Ortsgruppe Wittichenau und Mitarbeiter der Naturschutzbehörde in Kamenz, der wesentlich zum Erfolg der Exkursion beitrug. Nach einer kurzen Einführung über die Entstehung und die Besonderheiten des Moorgebietes besichtigten wir zunächst das Torfstichgelände im NW des Moores mit seinen verschiedenen Vegetationskomplexen. Zu den Besonderheiten der Flora im Dubringer Moor gehört die Häufung, ja sogar die teilweise Massenentwicklung einzelner subozeanischer und ozeanischer Arten des atlantischen Florenelementes an der Grenze des östlichen Verbreitungsareals. Standort 1: Torfstichgelände im NW des NSG Dubringer Moor In den mit Wasser gefüllten Torfstichen wurden verschiedene Arten des atlantischen Florenelementes vorgestellt: Eleocharis multicaulis, Drosera intermedia, Rhynchospora fusca in voller Blüte, Sphagnum papillosum, Juncus bulbosus sowie außerdem Sparganium minimum, Utricularia minor, U. intermedia, Chara globulifera und Eriophorum angustifolium. Die wichtigsten Vegetationseinheiten sind: Potameto-Nupharetum, Juncus bulbosus-Dominanzbestände, Eleocharitetum multicaulis und Sparganietum minimi. Die Vegetation der Zwischenmoorkomplexe der sich anschließenden bereits verlandeten Bereiche wird von der Eriophorum angustifolium-Sphagnum fallaxGes., dem Rhynchosporetum fuscae und dichten Sphagnum-reichen Drosera intermedia-Beständen sowie dem Caricetum lasiocarpae bestimmt. Rhynchospora fusca, R. alba, Drosera intermedia, Eriophorum angustifolium, Carex lasiocarpa und verschiedene Sphagnum-Arten wurden vorgestellt. Die Vegetation der hochmoorartigen Bultkomplexe wird großflächig von Sphagnum papillosum, Erica tetralix, Vaccinium oxycoccus und vereinzelt auch Andromeda polifolia zusammengesetzt (Erico-Sphagnetum papillosii, Ericetum

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266 tetralicis). Am Rande der Torfstichkomplexe wuchsen größere Bestände von Ledum palustre und Vaccinium uliginosum. Sehr eindrucksvoll konnte im Vergleich mit früheren Exkursionen die Veränderung der Vegetationsstruktur, insbesondere der Torfstichkomplexe, durch fortschreitende Sukzession beobachtet werden. Ursache waren u. a. geringer Grundwasserstand und Austrocknungserscheinungen während trockener Sommer. Viele der flachen Torfstiche mit einer offenen Wasserfläche und der charakteristischen Vegetation atlantischer Arten, insbesondere dem Häufungspunkt von Eleocharis multicaulis, waren durch Verlandung verschwunden und in das Stadium einer Zwischenmoorvegetation übergegangen. Das gilt auch für Sparganium minimum, Menyanthes trifoliata und die Utricularia-Arten U. intermedia, U. minor und U. ochroleuca. Die einst großflächig ausgebildeten Bestände von Eleocharis multicaulis waren von Eriophorum angustifolium und Rhynchospora fusca sowie verschiedenen Sphagnum-Arten durchdrungen. Bisherige Flächen mit Rhynchospora fusca-Rasen waren von Sphagnum papillosum und Erica tetralix überwachsen und verdrängt worden. Ausbildungen der Sphagnum papillosum-reichen Erica tetralix Bestände waren durch Molinia caerulea-Bestände und Kiefern-Jungpflanzen überwachsen. Molinia caerulea bestimmt z. Zt. das Bild der Vegetation außerhalb der Torfstiche. Auf den trockensten Flächen haben sich Kiefern, seltener Birken eingefunden, die die ursprünglichen Torfmoos-Glockenheide-Bulte überwachsen haben. Wurden vor einigen Jahren die bereits mehr als ein Meter hohen Kiefern aus den ältesten Sukzessionsflächen entfernt, so hat sich jetzt eine einheitliche Pfeifengrasflur auf Torfmoos ausgebildet. Auf einem wenig begangenen Weg am Ende des Torfstichkomplexes wurden die Wintergrün-Arten Moneses uniflora, Pyrola minor, P. chlorantha und Orthilia secunda sowie Polygala vulgaris und Ornithopus perpusillus gefunden. Standort 2: Feuchtwiese am Westrand des NSG Dubringer Moor (Calthion palustris-Vegetation) Auf einem noch nicht gemähten Abschnitt einer Feuchtwiese wurden blühende Exemplare von Dactylorhiza maculata, D. majalis und Listera ovata zusammen mit Carex canescens, C. panicea, Parnassia palustris, Caltha palustris und Ophioglossum vulgatum angetroffen. Molinia caerulea, Juncus acutiflorus, Deschampsia cespitosa, Succisa pratensis, Senecio aquaticus, Scirpus sylvaticus und Potentilla palustris waren weitere Arten. Am Randbereich war eine Filipendula ulmariaHochstaudenflur ausgebildet. Diese Wiese begeisterte durch die besondere Vielfalt an wertvollen Arten.

Standort 3: Pyrolaceen-reicher Kiefernwald In einem Kiefernwald, mit Stieleiche und Birke, wurden größere Bestände von Chimaphila umbellata, Moneses uniflora, Pyrola minor, P. chlorantha und Orthilia secunda sowie Antennaria dioica gefunden. Große Bestände der Walderdbeere mit reichlich reifen wohlschmeckenden Früchten sorgten für eine willkommene Abwechslung. Danach verabschiedeten wir uns von Herrn SCHNABEL und dankten ihm für seine kompetenten Erläuterungen und die Unterstützung der Exkursion und wünschten ihm für seine weitere aktive Einflussnahme auf den Erhalt des Dubringer Moores viel Erfolg. Standort 4: Flächennaturdenkmal „Teufelsmoor“ zwischen Neukollm und Bernsdorf In einer Senke eines Hangquellmoores wurde das Massenvorkommen von Sarracenia purpurea aufgesucht. Aus ursprünglich 7 Pflanzen haben sich nach etwa 25 Jahren weit über tausend Exemplare entwickelt. Die winterharten Pflanzen haben sich innerhalb eines Sphagnum-reichen Rhynchospora alba- und R. fusca-Rasens so ausgebreitet, dass die dichten Sarracenia-Bestände der ursprünglichen Moorvegetation keinen Platz mehr lassen und auch die Erica tetralix-Bestände total überwachsen und fast vollkommen verdrängen. Sarracenia-Bestände von 60 bis 90 cm Durchmesser und 40 bis 55 cm Wuchshöhen wurden angetroffen. An erhöhten Stellen, außerhalb des direkten Grundwasserbereiches, fanden wir großwüchsige Bestände von Ledum palustre ausgebildet, die von Sarracenia nicht bewachsen waren. Folgende Arten wurden gefunden: Rhynchospora fusca, R. alba, Erica tetralix, Eleocharis multicaulis, Vaccinium oxycoccus, Drosera intermedia, D. rotundifolia, Carex lasiocarpa, C. canescens, Andromeda polifolia, Ledum palustre, Vaccinium uliginosum, Eriophorum angustifolium. Anschließend wurde heftig darüber diskutiert, ob Sarracenia, die die heimische Flora und die typische Moorvegetation bedroht, deshalb nicht ausgerottet werden sollte? Warum ist es dann aber untersagt, Pflanzen dieser Art für die private Haltung auszugraben, nur weil sie hier in einem Naturschutzareal wachsen? Noch tief beeindruckt von dieser fremdartigen Vegetation ging die Exkursion zu aller Zufriedenheit harmonisch zu Ende. W. Pietsch

Weitere Exkursionen des Jahres 2010 5. Kartiertreffen Flora Südbrandenburg vom 09. bis 11.04.2010 in Schönhöhe bei Tauer.

268 Gemeinsame Exkursion mit der NABU-Ortsgruppe Peitz/Jänschwalde am 06.05.2010 zu den Orchideenwiesen bei Maust (Leitung Ch. Grätz). Exkursion am 17.07.2010 zu den Kaltenborner Bergen, zum Schlagsdorfer Weinberg, zum Eßberg und zum Fuchshäppel bei Reichenbach (Leitung Ch. Grätz). 6. Kartiertreffen Flora Südbrandenburg vom 13. bis 15.08.2010 in Schönhöhe bei Tauer. Pilzexkursion am 17.10.2010 in Wittmannsdorf bei Luckau im Umfeld der ehemaligen Lehmgruben (Leitung V. Kummer).

48. Niederlausitzer Floristentagung am 13.03.2011 in Cottbus Aus organisatorischen Gründen konnte die Arbeitskreistagung für das Jahr 2010 – statt wie sonst jeweils üblich Ende Oktober/Anfang November des entsprechenden Jahres – erst am 13. März 2011 stattfinden. Trotzdem soll über sie hier, da noch zum Tätigkeitsjahr 2010 gehörend, berichtet werden. Wiederum war die Tagung den Jubiläumsgeburtstagen besonders verdienstvoller, langjähriger Mitglieder des Arbeitskreises gewidmet. In jeweils kurzen Laudationes würdigte Dr. H. ILLIG das Wirken und speziell das im Rahmen des Arbeitskreises und im Gebiet der Niederlausitz sowie in der angrenzenden nördlichen Oberlausitz Geleistete von WERNER FELLER (80 Jahre), Prof. Dr. WERNER PIETSCH (75 Jahre), Dr. GUNTHER KLEMM (70 Jahre) und Dr. DIETRICH HANSPACH (60 Jahre). Gedankt wurde zudem den langjährigen Mitgliedern ELLEN SITKA (75 Jahre), FRITZ KRAUL (75 Jahre), Dr. WOLF-DIETER HEYM (70 Jahre) und RAIMUND WILLMANN (60 Jahre). Ein positiver Nebeneffekt der Tagungsverlegung war es, dass die seit 4 Jahren in aufwendiger Gemeinschaftsarbeit eines Autorenkollektivs zum Abschluss gebrachte „Flora des Spreewaldes“ nun mit den ersten, noch „druckfrischen“ Exemplaren vom Verlag ausgeliefert und den Tagungsteilnehmern vorgestellt werden konnte. Damit ist zwar das bereits zur Gründung des Arbeitskreises im Jahre 1962 gesteckte Ziel, eine Flora für die gesamte Niederlausitz zu erarbeiten, noch nicht erreicht, aber doch für ein besonders repräsentatives Teilgebiet eine umfassende Zusammenstellung zu Flora, Vegetation und Landschaft erstellt worden. In dem ersten der beiden ausführlichen Vorträge zur Erarbeitung und zum Inhalt dieser Flora erläuterte Dr. V. KUMMER deren Entstehungsgeschichte, von der grundlegenden Vorarbeit durch H. JENTSCH bis zum Abschluss der nun vorliegenden Druckfassung. Schwerpunkte des Vortrags waren u. a. die Geschichte der floristischen Erforschung des Spreewaldes und seiner Randgebiete und die entsprechende Auswertung der diversen historischen sowie der bis in die Gegenwart hineinreichenden Quellen, die Vorstellung der Gliederung der Flora und ihrer wichtigsten Kapitel, Hinweise auf die Vielzahl der erfassten Daten zu den einzel-

269 nen Arten und deren Darstellung in der Flora, z. B. durch Demonstration einzelner Beispielseiten. Ergänzend dazu gab Dr. H. ILLIG – in Vertretung für den erkrankten W. PETRICK – einen Einblick in die weit über eine bloße Arten- und Fundortliste hinausgehenden Übersichtsdarstellungen zur Natur des Spreewaldes und des menschlichen Einflusses auf den Wandel der Pflanzenwelt bis hin zu den diversen Landschaftsveränderungen im Gebiet. Mit Unterstützung durch zahlreiche Bildbeispiele wurden gebietstypische Pflanzengesellschaften vorgestellt und Beispiele für die Verbreitung einiger seltenerer bzw. besonders spreewaldtypischer Arten und deren Verbreitungsveränderungen – z. T. an Hand von Verbreitungskarten – demonstriert. Anschließend berichtete J. MARTIN über die in der Flora erstmals – neben den zahlreichen deutschen – möglichst umfassend berücksichtigten niedersorbischwendischen volkstümlichen Pflanzennamen, die im Gebiet der Flora ermittelt werden konnten. An zahlreichen Beispielen erläuterte er Entstehung, Bedeutung, Herkunft, Deutung oder auch lokale Differenzierung und historischen Wandel dieser Namen. Natürlich fanden die ersten herumgereichten Exemplare des in Inhalt und Ausstattung anspruchsvollen Bands großes Interesse und Anerkennung unter den Tagungsteilnehmern. Thema des Vortrags von SVEN KASPARZ war das Vorkommen der oft noch zu wenig beachteten Grasart Festuca polesica in der Niederlausitz. Hier und im angrenzenden Dahme-Seen-Gebiet konnte er in den letzten Jahren eine größere Zahl an neuen Fundpunkten entdecken und eine erste Verbreitungskarte vorstellen. Vermutlich ist die Art aber immer noch mehrfach übersehen, so dass es vor allem das Ziel seines Vortrags war, auf die Bestimmungsmerkmale in Gegenüberstellung zu den nahe verwandten und teils sehr ähnlichen Arten der Festuca ovina-Gruppe hinzuweisen und damit eine stärkere Beachtung der Art zu fördern. Dem vermutlich immer weiter fortschreitenden Braunkohlenbergbau drohen nun auch im Gubener Gebiet umfangreiche Flächen um die Ortschaften Kerkwitz und Atterwasch zum Opfer zu fallen. Über den Wert und die große ökologische und botanische Vielfalt des Gebietes informierte Prof. Dr. H.-D. KRAUSCH mittels zahlreicher eindrucksvoller Bilder von Vegetationsbeständen – Kiefernwäldern, Heiden, Seen und wertvollen Mooren. Trotz aller hochgelobten Beispiele der Schaffung scheinbar gelungener späterer neuer, ja sogar „attraktiverer“ Ersatzlandschaften bleibt doch immer mehr Skepsis gegenüber dieser Art menschlichen Fortschritts. Mit einer Pflanzengruppe, die in den letzten Jahren eine wachsende Beachtung und intensive Erfassung ihrer Vorkommen erfahren hat, mit den Characeen, beschäftigten sich zwei weitere Vorträge.

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270 Prof. Dr. W. PIETSCH legte anhand der ökologischen Ansprüche der Arten und der im Gebiet der Nieder- und angrenzenden nördlichen Oberlausitz vorhandenen Gewässertypen die – insgesamt begrenzten – Möglichkeiten für das Gedeihen dieser Pflanzengruppe dar. Der Mangel an natürlichen und das Überwiegen von künstlichen (Teiche, Abgrabungen, Tagebaugewässer) und zumeist kalkarmen bis extrem sauren Gewässern steht dem Gedeihen vieler Characeen-Arten entgegen. Allerdings ist es in den letzen Jahren in verschiedenen Fischteichen – wohl auch infolge einer teils weniger intensiv betriebenen Fischwirtschaft – zur Ansiedlung einiger Arten (insbesondere Chara braunii) gekommen, und auch nach der allmählichen Neutralisierung von Tagebaugewässern, in deren extrem saurem Wasser zuvor keine Wuchsmöglichkeiten bestanden, wurden – so z. B. im Senftenberger See – bereits erste Ansiedlungen festgestellt, so dass in Zukunft eine weitere Ausbreitung zu erwarten ist. Über eine besonders interessante Ansiedlung von Characeen an den Salzstellen in der nordwestlichen Niederlausitz berichtete Dr. H. ILLIG. Nach einer kurzen Darstellung der Entstehung der seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bekannten Salzstellen im Luckau-Calauer Becken schilderte er die in letzter Zeit – vor allem infolge geringer gewordener Grundwasserabsenkung nach Rückgang des Braunkohlenbergbaus im Gebiet – erfolgenden periodischen Überstauungen insbesondere auf den landwirtschaftlich genutzten Salzstellenflächen. Hier kam es zu überraschenden Characeen-Ansiedlungen. Und in einem neu angelegten Ausstich konnten bereits nach kurzer Zeit 7 Characeen-Arten nachgewiesen werden. Besonders bemerkenswert ist das Auftreten von 2 Arten (Chara aspera, Ch. canescens), die bisher nur aus Küstengewässern und von Salzstellen in Sachsen-Anhalt bekannt waren. Am Schluss des Vortragsprogramms stand ein Bericht von Dr. G. KLEMM über das 3. der vom Floristischen Arbeitskreis zusammen mit dem Botanischen Verein von Berlin und Brandenburg seit 2007 durchgeführten Kartiertreffen zur Erforschung der Flora Südbrandenburgs. Ziel dieses Treffens war die aktuelle Erfassung der Teichbodenflora in den Fischteichen der südöstlichen Niederlausitz. Vom Quartier in Klein Bademeusel aus wurden – teils gemeinsam, teils in zwei Gruppen – vom 10. bis zum 12.10.2008 die Teichgebiete von Kathlow, Bagenz, Mulkwitz, Jamno, Glinzig, Dissen, Gr. Schacksdorf, Bärenbrück und Peitz aufgesucht. Während die bereits vor Trockenfallen der Teiche submers ausgebildete primäre Teichbodenvegetation im Gebiet nur noch selten und mit wenigen Arten vertreten ist, wurde in den überwiegend intensiv genutzten Fischteichen die sich nach deren Ablassen entwickelnde sekundäre Teichbodenvegetation fast überall in zumeist artenreicher Ausbildung aufgefunden. Dabei zeigte sich eindrucksvoll, dass diese spezielle Vegetation und einige ihrer Arten, wie z. B. Elatine hexandra, E. hydropiper, E. triandra, Carex bohemica, in den Niederlausitzer – zusammen mit den angrenzenden Oberlausitzer – Teichgebieten nach wie vor deutschlandweit einen

Verbreitungsschwerpunkt haben, den es zu erhalten gilt. Besonders interessant war deshalb auch die Besichtigung einer – als Ersatz für die durch den Bergbau vernichteten Lakomaer Teiche – im Spreetal bei Dissen neu angelegten Teichgruppe. Unterstützt durch künstliche Teichbodenübertragung konnte sich hier eine bereits relativ artenreiche Teichbodenflora entwickeln. G. Klemm

Literatur KUMMER, V. 2011: Beiträge zur Pilzflora der Luckauer Umgebung: Die Ergebnisse der Pilzexkursion am 18.10.2009 in der Fasanerie Falkenhain. – Biol. Studien Luckau 40: 12-34.

Anschriften der Verfasser: Dr. Gunther Klemm Dorfstr. 18a D-15566 Schöneiche

Werner Feller Kupferhammerstr. 45 D-03172 Guben

Sven Kasparz Schillerstr. 11 D-15907 Lübben

Wolfgang Petrick Egsdorf Nr. 14 D-15926 Luckau, OT Egsdorf

Dr. Hubert Illig Berliner Str. 26 D-15926 Luckau

Prof. Dr. Werner Pietsch Am Tälchen 16 D-01159 Dresden