Der Landkreis St. Wendel: Senkrechtstarter unter den - IHK Saarland

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STANDORTPOLITIK Der Landkreis St. Wendel: Senkrechtstarter unter den Kreisen Von Peter Nagel Erfolgreiche Industrieansiedlungen und der Tourismus hab...

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STANDORTPOLITIK

Der Landkreis St. Wendel: Senkrechtstarter unter den Kreisen Von Peter Nagel Erfolgreiche Industrieansiedlungen und der Tourismus haben dem Landkreis St. Wendel in den letzten Jahren mächtig Rückenwind beschert. Heute zählt der Kreis zu den wirtschaftsstärksten im Land und auch bundesweit liegt er im Ranking weit vorne. Abseits der Ballungsgebiete, an der Grenze zu Rheinland-Pfalz mitten im Naturpark SaarHunsrück liegend, war der Landkreis St. Wendel traditionell landwirtschaftlich geprägt - industrielle Arbeitplätze eher Mangelware. Der Landwirtschaft nahe stehende Handwerksberufe fand man von je her in den größeren Dörfern und in der Kreisstadt St. Wen-

Der Schloßplatz in St. Wendel

Foto: Gog Concept

„Wirtschaft im Saarland“ 05/2008

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„Großbaustelle Bostalsee“

Foto: Gog Concept

del, als zentraler Ort mit Marktfunktion. Viele industrielle Arbeiter mussten einer Arbeit außerhalb des Kreises, oft als Bergleute in den nahe gelegenen Gruben, nachgehen. Gewerbliche Strukturen und industrielle Unternehmen entstanden zuerst in St. Wendel sowie am Oberlauf der Prims bei der Eisenverhüttung. Die Krise im Montanbereich in den 60ern und zu Beginn der 70er Jahre, und der damit verbundene deutliche Arbeitskräfteabbau, traf auch den - damals noch - strukturschwachen Kreis St. Wendel. Mit gemeinsamen Anstrengungen versuchten die, nach der Gebiets- und Verwaltungsreform schlagkräftigeren Gemeinden und der Kreis, unterstützt durch das Land, Maßnahmen zu initiieren um die Infrastruktur langfristig zu verbessern. So konnten einige wichtige Ansiedlungserfolge gefeiert werden, größere und renommierte Betriebe mit zukunftsorientierten Technologien, aber auch ei-

ne Vielzahl mittelständischer Industrie- und zahlreichen Dienstleistungsunternehmen, zog es in den Kreis St. Wendel. Dennoch verzeichnet der Landkreis hinsichtlich der Bereitstellung von Arbeitsplätzen immer noch ein Defizit gegenüber dem Land. Dies gilt sowohl insgesamt (236 Beschäftigte pro 100 Einwohner, Land 324) als auch in den einzelnen Branchen (Industrie 89 Beschäftigte gegenüber 140 und Dienstleistung 147 gegenüber 203). Heute zeigt sich der Landkreis St. Wendel nach dem gelungenen Strukturwandel als eine gesunde Wirtschaftsregion mit einer Mischstruktur bestehend aus Dienstleistung, gewerblicher Produktion, Handel und dem stark expandierenden Tourismus. Dieser Branchenmix trägt auch dazu bei, dass die Krisenanfälligkeit deutlich geringer als in anderen Regionen unseres Landes ist und ein Arbeitsplatzabbau, wie er in einzelnen Bereichen stattfand, leichter auszugleichen ist. Da-

Bevölkerung im Landkreis St. Wendel 1990–2007

mit konnte der Landkreis St. Wendel innerhalb der vergangenen 30 Jahre einen Spitzenplatz unter den saarländischen Kreisen erreichen. Auch im bundesweiten Vergleich findet sich der Kreis St. Wendel im oberen Drittel aller deutschen Landkreise platziert, z. T. deutlich vor den anderen saarländischen Gebietskörperschaften.

Wirtschaftsfreundliche Kommunen und vorausschauende Gewerbeflächenpolitik Als Schlüssel des Erfolges ist aus heutiger Sicht das professionelle Gewerbeflächenmanagement von Kommunen und Landkreis zu sehen. Das Bemühen um die Bereitstellung von Gewerbeflächen führte zunächst überwiegend in der Kreisstadt St. Wendel sowie entlang der Siedlungsachsen entlang der Autobahnen A1 und A62 zum Erfolg. Viele große und überregional tätige

Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in den Gemeinden des Kreises St. Wendel

97.000

450 96.347 95.786 94.450

94.741

Industrie

Dienstleistungen

95.919 95.576

350

95.381

323

95.108 94.809

300 94.674

315 119

250

94.086

94.000

je 1.000 Einwohner

400

95.209

95.000

442

96.452 96.179

96.000

Unternehmen fanden so den Weg in die Region. Darunter so wichtige Unternehmen, wie etwa die „Industriewerke Saar“ und die „Hörmann KG“ in Freisen und Nohfelden, „BGT Defence Diehl“ in Nonnweiler oder „Fresenius Medical Care“ und „Wolf Gartengeräte“ in St. Wendel. Darüber hinaus gewannen traditionelle, ortsansässige Unternehmen die Möglichkeit, an ihren Standorten zu expandieren und sich zu „Global-Playern“ zu entwickeln, wie etwa „Globus Handelshof“ oder „Pizza Wagner“. Das Bemühen, nicht ausschließlich auf Großunternehmen, sondern vielmehr auf den Mix mit heimischen, innovativen mittelständische Unternehmen zu bauen, blieb erhalten. Als weitere Gründe für die positive Ansiedlungsbilanz sind, neben der guten verkehrstechnischen Anbindung an die Autobahnen, ohne Zweifel die günstigen Preise für Gewerbeflächen (ab 9 Euro/qm plus Erschließungskosten) und die deutlich unter dem Landesdurchschnitt liegenden Gewerbesteuerhebesätze, die mit Ausnahme der Kreisstadt St. Wendel in allen Gemeinden unter 400 Prozent liegen, zu nennen. Der durchschnittliche Hebesatz beträgt im Landkreis St. Wendel 383 Prozent - landesweit sind es immerhin 416 Prozent. Für einen weiteren Ansiedlungsschub sorgte die erfolgreiche betriebene Konversion der ehemaligen französischen Kasernen in St. Wendel. Mit einer Mischung aus Dienstleistungs-

236

93.909 93.384

93.000

200

171

93.290

147 92.975

150

75 204

100 92.000

82

183 89

50

96 69

75

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0 1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007

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St. Wendel

72

14

127

91.000

158

Nonnweiler

Landkreis

Freisen

Nohfelden

Tholey

Oberthal

40 55 17

Marpingen

31 9

Namborn

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Weiche Standortfaktoren • Schulen

• • • • • • • • • • • •

Kindergärten/-tageseinrichtungen Museen/Kulturzentren Radwegenetz Wanderwege Frei-, Hallen- und Strandbäder Sport-, Turn-, Kultur- und Mehrzweckhallen Sport- und Spielplätze Golfplätze Minigolfanlagen Tennisanlagen Tennishallen Vereine

3 Gymnasien 1 berufl. Gymnasium 2 Gesamtschulen 5 Erweiterte Realschulen 12 Grundschulen 4 Schulen für Behinderte 1 Berufsbildungszentrum 1 Waldorfschule 45 Einrichtungen 18 Einrichtungen über 300 km Radwege mehrere Premiumwanderwege 9 in fast allen Ortsteilen in allen Ortsteilen 2 2 35 5 rund 1.400 Vereine höchste Vereinsdichte im Saarland

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STANDORTPOLITIK angeboten sowie Wellness- und Freizeiteinrichtungen konnte die lokale Infrastruktur deutlich verbessert und damit den Bedürfnissen der Bevölkerung Rechnung getragen werden. Gleichzeitig erfolgten weitere Ansiedlungen von Gewerbe und Industrie. Obwohl noch nicht ganz abgeschlossen, kann die Konversion des ehemaligen Kasernengeländes St. Wendel als vorbildlich in unserem Land bezeichnet werden.

Bostalsee - Motor für touristische Entwicklung Mit dem Bau des Bostalsees Anfang der 70ger Jahre machte der Landkreis St. Wendel aus touristischer Sicht einen Quantensprung. Mit einer Wasserfläche von 120 ha ist der Bostalsee das größte Binnengewässer Südwestdeutschlands und nach wie vor aufgrund seiner reizvollen Lage und seiner Freizeiteinrichtungen der touristische Mittelpunkt des Landkreises St. Wendel mit rund 650.000

Tagestouristen pro Jahr. Eine Vielzahl von Aktivitäten im und um den See sind hier möglich: Baden, Angeln, Surfen, Segeln, Tauchen, Wandern, Radfahren. Ein voll ausgestatteter Campingplatz mit modernen Sanitäreinrichtungen sowie Einkaufsmöglichkeiten in unmittelbarer Seenähe zahlreiche Hotels in näherer und weiterer Entfernung - zumeist Familienbetriebe - runden das hervorragende Übernachtungs- und Freizeitangebot ab. Der Bau dieses künstlichen Sees bildete die Initialzündung für den Ausbau des Tourismus in der Region. Insgesamt hat der Kreis jedoch noch weitaus mehr zu bieten als diesen See: das Freizeitzentrum „Petersberg“ mit seiner Sternwarte, der Stausee Nonnweiler, der Schaumberg, die Bosener Mühle, die Johann Adams Mühle, das Hofgut Imsbach, der Hunnenring und die Marienverehrungsstätte in Marpingen - sie alle stehen für das touristisch attraktive Angebot des Kreises, das viele Tagesbesu-

Im Landkreis St. Wendel finden zahlreiche sportliche Großereignisse statt.

Fotos: Gog Concept

cher aber auch eine bedeutende Zahl von Urlauber aus nah und fern inzwischen schätzen gelernt haben.

Wellness- und Aktivtourismus Angebote rund um das Thema „Aktivurlaub“ haben sich in jüngerer Vergangenheit zu einem weiteren Schwerpunkt entwickelt. Nicht zuletzt in Verbindung mit verschiedenen qualitativ hochwertigen sportlichen Großeereignissen gelang es, eine ständig wachsende Zahl von Besuchern in den Landkreis zu locken. Zum einen trifft das hervorragende Netz der Wanderwege sowie die ansprechenden Radwanderwege mit dem Kernstück des „Wendalinusradweges“ auf der ehemaligen Bahntrasse zwischen St. Wendel und Tholey auf ein breites Publikum. Zum anderen finden Sportveranstaltungen wie der St. Wendel Marathon, Weltund Europameisterschaften im Rad- und im Motorsport, bis hin

zur Deutschlandtour und Tour de France, die im St. Wendeler Land stattfanden bzw. Station hier machten, ein wachsendes Publikumsinteresse. Das Freizeit- und Sportangebot findet eine Abrundung mit zwei Golfplätzen. Ergänzt werden die sportlichen Aktivitäten durch kulturelle Angebote, die mit der Eventhalle „Bosaarium“ oder dem Saalbau in St. Wendel auf moderne Austragungsorte treffen. Darüber hinaus haben die traditionellen Volksfeste, wie etwa Oster- und Weihnachtsmarkt in St. Wendel, Pilgerwochen, das Stadtfest in St. Wendel oder das Seefest am Bostalsee eine feste Fangemeinde - weit über die Grenzen des Saarlandes hinaus.

Zukunftsprojekt und Hoffnungsträger Ferienpark Große Hoffnung auf einen weiteren Wachstumsschub im touristischen Bereich wird in den geplanten Ferienpark am Bos-

Strukturdaten im Landkreis St. Wendel Stadt/ Gemeinde

Einwohner

Wirtschaftsbereiche

Bevölkerung am 31.12.2006

Bevölkerungsdichte E/km2

Land-u. Forstwirtschaft, Fischerei

Energie- und Wasserversorgung

Verabeitendes Gewerbe (o. Handwerk)

Handwerk*

Baugewerbe

Handel

Verkehr Dienstund leistungen Beförderung und freie Berufe

Freisen Marpingen Namborn Nohfelden Nonnweiler Oberthal St. Wendel, Kreisstadt Tholey

8.568 11.271 7.550 10.703 9.278 6.409

178 284 292 108 141 272

5 7 4 2 4 2

3 3 1 1 4 4

6 4 / 11 19 8

81 124 52 104 123 59

16 24 12 10 12 10

113 196 97 179 191 117

16 16 8 15 24 5

170 223 131 264 251 133

27.236 12.970

241 227

14 4

7 2

49 9

341 160

49 21

601 199

53 21

1027 288

Gesamt

93.985

197

42

25

106

1.044

154

1.693

158

2.487

* Die abs. Zahl der Handwerksbetriebe setzt sich zusammen aus 822 Vollbetrieben und 219 handwerksähnlichen Betrieben. Quelle: HWK, Stand: Sept. 2007

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STANDORTPOLITIK talsee gesetzt. Nach mehrjähriger Vorbereitung haben die Verantwortlichen aus der kommunalen Politik mit dem Betreiber „Center Parcs Europe“, der insbesondere in den Beneluxländern und Frankreich viele vergleichbare Anlagen bereits sehr erfolgreich betreibt, einen der profiliertesten Betreiber solcher „Ferienparks“ gewonnen. Auf mehr als 90 Hektar Nutzfläche entstehen unmittelbar an der Südseite des Sees, Hotel, Feriendorf, Shoppingzone, Frei-

zeiteinrichtungen und ein kleiner Hafen. Insgesamt werden rund 120 Millionen Euro investiert, das mit Abstand größte Projekt im Kreis. Bis Mitte 2011 soll das Ferienressort „Sunpark“ eröffnet sein. Nach Schätzungen der künftigen Betreiber werden rund 250 Vollzeitstellen und 100 Teilzeitstellen neu entstehen - und dies ohne die zusätzlichen arbeitsmarktrelevanten Effekte bei der Gastronomie sowie im Tourismus in der Region insgesamt.

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Spitzenplatz im Saarlandranking

cherungspflichtigen Beschäftigen im Kreis St. Wendel deutlich weniger zurückgegangen als landesweit. Umgekehrt liegt der Anteil, der im Tourismusbereich Beschäftigten deutlich höher als der im Landesdurchschnitt. Viele Menschen sehen im Kreis St. Wendel mit seinen Gemeinden einen Zukunftsstandort mit hohem Freizeitwert. Dies trägt dazu bei, dass auch Fachkräfte mit Hochschulabschluss den Weg in den Kreis finden bzw. dort bleiben können und sich angesichts des guten Schulund Freizeitangebotes dort auch wohl fühlen. Dadurch ist der Bevölkerungsrückgang in St. Wendel deutlich geringer als in anderen saarländischen Kreisen. Die Weichen scheinen gestellt für eine gute Zukunft im Kreis St. Wendel. ■

Aber der Kreis hat nicht nur im Tourismus „die Nase vorn“ - in einem an der Kaufkraft gemessenen Attraktivitätsindex erreicht St. Wendel einen der vordersten Plätze und liegt unmittelbar hinter den Millionenstädten und anderen Vorzeigeregionen. Berücksichtigt wurden Kaufkraft, Bestand, dessen Entwicklung und der Höhe des verfügbaren Einkommens. Bei der Entwicklung der Kaufkraft belegt der Landkreis schon seit 1995 einen bundesweiten Spitzenplatz. Gleiches gilt auch für den in 2007 vom Bundesfamilienministerium veröffentlichen Familienatlas. Hier befindet sich St. Wendel bundesweit im oberen Fünftel. Zur Bewertung der Familienfreundlichkeit wurden bei allen 439 Kreisen 16 Kriterien aus den Bereichen Bevölkerungsentwicklung, Betreuungsinfrastruktur, Bildung und Arbeitsmarkt sowie Sicherheit und Wohlstand ausgewertet. Seit Jahren hat der Landkreis die niedrigste Arbeitslosigkeit im Saarland - aktuell sogar unter fünf Prozent - den niedrigsten Anteil an Sozialhilfeempfängern und durch den Strukturwandel bedingt, einen hohen Arbeitsplatzbedarf. Durch den bereits erwähnten gesunden Strukturmix zwischen Groß- und Mittelbetrieben sowie Dienstleistungen und verarbeitendem Gewerbe sind sowohl die Arbeitsstellen im verarbeitenden Gewerbe sowie auch insgesamt die sozialversi-

Der Autor

ist Geschäftsführer der IHK Saarland, leitet den Geschäftsbereich Aus- und Weiterbildung und ist Regionalverantwortlicher für den Landkreis St. Wendel  (06 81) 95 20-7 00  [email protected] ihk.de

Gewerbesteuerhebesätze im Kreis St. Wendel 2007 425

St. Wendel Nonnweiler

380

Freisen

370

Nohfelden

390

Tholey

380

Oberthal

370

Marpingen

370

Namborn

380

Landkreis

383

Saarland 340

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426 350

360

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380

390

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410

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Landkreis St. Wendel: ausgewogene Wirtschaftsstruktur Interview mit Landrat Udo Recktenwald WiS: Der Landkreis St. Wendel hat seit den 60er Jahren einen erheblichen Strukturwandel durchlaufen. Sehen Sie diesen als gelungen an? Landrat Recktenwald: Noch in den 60er Jahren war der Landkreis St. Wendel vor allem eine stark landwirtschaftlich geprägte Region. Das hat sich verändert. Die Landwirtschaft konzentriert sich auf einige leistungsstarke Betriebe. Es ist uns in den vergangenen Jahrzehnten gelungen, sowohl produzierendes Gewerbe als auch Dienstleistungen in erheblichem Umfang bei uns anzusiedeln. Vor allem aber haben wir einen ganz starken handwerklichen Sektor. Außerdem sind mehr als 1.000 Arbeitsplätze im Tourismus entstanden. Dort liegt auch die Zukunft. Insgesamt verfügt der Landkreis St. Wendel damit in der Gegenwart über eine ausgewogene Wirtschaftsstruktur mit vielen leistungsfähigen und gleichzeitig flexiblen klein- und mittelständischen Unternehmen. Das ist unsere Stärke, die es uns erlaubt, von einem gelungenen Strukturwandel zu sprechen. WiS: Die Wirtschaftsdaten für Ihren Landkreis sind fast durchweg positiv. Worin sehen Sie die wesentlichen Ursachen? Landrat Recktenwald: Gemeinden, Kreisstadt und Landkreis haben bereits früh eine vorausschauende Gewerbeflächenpolitik betrieben und dies auch bis heute beibehalten. Damit sind die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass sich unsere ausgewogene Unternehmensstruktur entwickeln kann. Hinzu kommt, dass wir gemeinsam mit Kommunen und Unternehmen schon früh im Bereich Qualifizierung für Arbeitnehmer tätig geworden sind und dass unsere kreisansässigen Unternehmen sehr stark in der Ausbildung engagiert sind. Innovative Unternehmen mit qualifizierten Arbeitskräften können am Markt besser bestehen. Nicht zuletzt haben wir einige Vorzeige-Unternehmen, die von

DIE NEUKIRCH-GRUPPE Erfolg braucht einen attraktiven Standort kleinen Anfängen aus erheblich gewachsen sind, aber dennoch immer an ihrem Standort im Landkreis St. Wendel verwurzelt bleiben. Außerdem war der Bostalsee als Wirtschaftsinvestition in den 70er Jahren ein Volltreffer. Heute haben wir dank dieser Leitinvestition ein starkes touristisches Standbein im Sankt Wendeler Land. WiS: Welche Herausforderungen hält die Zukunft für den Landkreis St. Wendel bereit? Landrat Recktenwald: Die demographische Entwicklung geht auch an uns nicht spurlos vorüber. Zum einen geht die Bevölkerung zurück, zum anderen entsteht ein erhöhter Fachkräftebedarf für die heimische Wirtschaft. Diesen auch künftig mit qualifizierten Arbeitnehmern zu decken ist eines unserer wesentlichen Ziele. Dabei sind wir uns bewusst, dass es für eine kleine Region wie den Landkreis St. Wendel immer schwieriger wird, im internationalen Wettbewerb wahrgenommen zu werden. Wir werden deshalb konsequent auf unsere Stärken setzen: Unsere ausgewogene Struktur mit innovativen, aber dennoch heimatverbundenen Unternehmen - ohne entscheidende Abhängigkeiten von einer bestimmten Branche - und unsere qualifizierten und engagierten Arbeitnehmer. Der Strukturwandel wird - in kleinen Schritten - sicherlich auch in den kommenden Jahrzehnten weitergehen müssen. ■

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Unternehmer- und Technologiezentrum St. Wendel (UTZ) Keimzelle erfolgreicher Unternehmensgründungen Vor etwas mehr als zehn Jahren wurde das Unternehmer- und Technologiezentrum St. Wendel (UTZ) fertig gestellt. Heute kann man sagen, dass sich das mutige Wagnis von Landkreis und Stadt St. Wendel gelohnt hat, die ehemalige Marschall-Tabakfabrik an der Werschweilerstraße in ein modernes und innovatives Gründerzentrum zu verwandeln. Das UTZ ermöglicht jungen Unternehmen von Anfang an ein professionelles Arbeiten unter einer repräsentativen Adresse. Hochwertige Ausstattung, modernste Kommunikationstechnik, Konferenzund Seminarräume, der Komfort eines zentralen Sekretariats, ein großes Parkplatzangebot und günstige Mieten sind Teil des Komplettpaketes, auf das die Jungunternehmer im UTZ zurückgreifen können. Das Unternehmer- und Technologiezentrum ist das Kernelement der Wirtschaftsförderung im Landkreis St. Wendel gewor-

den. Existenzgründern, hoch qualifizierten Mitarbeitern von wissenschaftlichen Einrichtungen und mittelständischen Unternehmen bietet es auf einer Fläche von 4.500 Quadratmetern modernste Infrastruktur in zentraler Lage. Zudem hat sich das UTZ zu einem viel genutzten Veranstaltungsort für Seminare, Workshops, Referate, Präsentationen und Hausmessen entwickelt. Derzeit sind im UTZ 42 Firmen und Institutionen mit rund 150 Mitarbeitern ansässig. Bei der Branchenstruktur dominieren Dienstleistungsunternehmen, etwa aus den Bereichen wie Recycling, Konstruktion und Entwicklung, Medizintechnik, Medical Technology, Wirtschafts- und Steuerberatung, Softwareentwicklung, Computerservice, Architektur, Marketing oder Gründercoaching. Das räumliche Nebeneinander im UTZ unterstützt den Austausch zwischen den Unterneh-

IST DA DER WURM DRIN?

men und hilft, Synergieeffekte zu nutzen. So kann die Durchführung gemeinsamer Marketing- und Forschungsaktivitäten viele Kosten sparen. Ein kreatives Umfeld, gemeinsame Serviceeinrichtungen sowie die Organisation von Konferenzen und Schulungen erleichtern Unternehmensgründung und Vermarktung neuer Produkte und Dienstleistungen. Das Beratungsangebot von kompetenten Mitgliedern des Expertenpools zum Beispiel in den Bereichen Finanzierung, Steuern, Recht und Marketing ist für Existenzgründer Wegbegleiter in den ersten Jahren der Selbständigkeit. Daneben können sie auf ein bestehendes Netzwerk aus Beratungsleistungen von Ministerien, Kammern, Verbänden und Banken zurückgreifen, die „SOG Saarland Offensive für Gründer“. Das UTZ unterhält enge Beziehungen zur Universität des Saarlandes, zur Hochschule für

Technik und Wirtschaft des Saarlandes sowie zu den Hochschulen in Trier, Kaiserslautern und Birkenfeld. Zudem ist das Zentrum eingebunden in das bundesweite Netzwerk der Technologie- und Gründerzentren in Berlin. So ist ein intensiver Austausch von Ideen und Konzepten garantiert. UTZ-Geschäftsführer Armin Fechler blickt nicht ohne Stolz auf die ersten zehn Jahre UTZ zurück: „Wir sind mit der Entwicklung des Zentrums sehr zufrieden. Durchschnittlich haben wir eine Auslastung von rund 80 Prozent, derzeit sogar von 85 Prozent. Dies ist im Bundesvergleich für unseren ländlichen Raum eine sehr gute Quote. Ich kann junge Unternehmer nur ermutigen, bei uns den Sprung in die Selbständigkeit zu wagen. Zum Start bieten wir umfangreiche Hilfen an, etwa unser Starterzimmer, das drei Monate lang mietfrei genutzt werden kann.“ ■

„Zukunftswerkstatt Oberthal“ startet im UTZ

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UNTERNEHMEN SIE NICHTS OHNE UNS „Wirtschaft im Saarland“ 05/2008

Mit der „Zukunftswerkstatt Oberthal“ wollen der Handwerker- und Gewerbeverein Oberthal und die Wirtschaftsförderungsgesellschaft St. Wendeler Land die mittelständische Wirtschaft der Gemeinde für die Zukunft fit machen. Mit „Ich der Chef - Motivation ist entscheidend für Ihren Erfolg“ wurde jetzt im UTZ St. Wendel der er-

ste Baustein der Seminarreihe durchgeführt. Referent Ulrich C. Heckner von der Unternehmensberatung Heckner & Partner stellte das „EisenhowerPrinzip“ vor, das die Tätigkeiten eines Tages nach Wichtigkeit und Eiligkeit in vier Felder einteilt - „Ignorieren“, „Delegieren“, „Warten lassen“ und „Selbst Machen“. ■