Der Mundart eine Heimat geben

Der Mundart eine Heimat geben

BESIGHEIM UND UMGEBUNG Freitag, 18. November 2016 14 BESIGHEIM · OTTMARSHEIM · HESSIGHEIM · GEMMRIGHEIM · WALHEIM · MUNDELSHEIM Wenig Hoffnung für...

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BESIGHEIM UND UMGEBUNG

Freitag, 18. November 2016

14

BESIGHEIM · OTTMARSHEIM · HESSIGHEIM · GEMMRIGHEIM · WALHEIM · MUNDELSHEIM

Wenig Hoffnung für Afghanistan Krieg Über das Leben deutscher Soldaten in Afghanistan berichteten jetzt zwei Militärseelsorger beim CVJM. Walheim.  An seine Ankunft in Af-

Kein Stuhl gleicht dem anderen und auch jeder Tisch ist anders im Cafe-Bricklebrit in Walheim. In der Alten Kelter eröffnen Martin Opitz (links) Foto: Werner Kuhnle und Jürgen Kunz das erste schwäbische Märchen- und Geschichtenhaus.

Der Mundart eine Heimat geben Walheim Am 26. November eröffnet das Cafe-Bricklebrit, das erste schwäbische Märchenund Geschichtenhaus der Region. Von Gabriele Szczegulski

A

Thomas Thiel Militärpfarrer

Terrain, hat er doch seine Kindheit und Jugend in Walheim verbracht. Seine erste Vikarstelle fand er in den frühen 90er-Jahren an der Friedenskirche in Bietigheim-Bissingen. Zwanzig Jahre lang bekleidete er verschiedene Pfarrstellen im Württembergischen. Die aus Düsseldorf stammende Claudia Kiehn kann auf eine lange Zeit als Polizeipfarrerin zurückblicken. Seit ihrem Einsatz als Militärpfarrerin bei den harten Jungs der Fallschirmtruppe in Saarlouis hat sie den Motorradführerschein. Die Zeit im Camp in Masar-i Scharif verbindet die 49-Jährige mit der Erinnerung, keine privaten Rückzugsmöglichkeiten ge-

standen schon einige Märchenskulpturen, „Märchen sind meine Leidenschaft“, so Opitz. Gesagt getan. Dass die Übersetzung der deutschen Märchen der Gebrüder Grimm und anderer auf Schwäbisch so ein Erfolg wurde, das hät-

Gottesdienst Liturgie und Bach-Motette

Rotes Kreuz Blutspende in der Festhalle

Familienbildung Kasperl-Theater für die Jüngsten

Bericht Deutschunterricht in China

Besigheim. Musikalisch reich gestaltet wird der Gottesdienst am Sonntag, 20. November, ab zehn Uhr in der Besigheimer Stadtkirche. Aufgeführt wird die Motette „Jesu, meine Freude“ BWV 27 von J. S. Bach (1685-1750). Die liturgische Gestaltung des Gottesdienstes verbunden mit Totengedenken übernimmt Dekan Eberhard Feucht. Unter der Leitung von Bezirkskantor Tobias Horn musizieren im „coro piccolo“ die  Sänger zusammen mit einem Instrumentalensemble. bz

Gemmrigheim. Rund 15 000 Blut-

Besigheim.

Ein echtes Kasperl-Theater veranstaltet die Familienbildung Besigheim in Kooperation mit der Stadtbücherei Besigheim am Sonntag, 20. November. Gespielt wird das Stück vom Sternchentheater aus Plochingen. Die Aufführung beginnt um 15 Uhr im Paul-Gerhardt-Haus. Sie ist laut Bücherei für Kinder ab drei Jahren geeignet. Es dauert etwa 60 Minuten. Karten gibt es für vier Euro in der Stadtbücherei oder telefonisch unter (07143) 3 22 58. bz

Besigheim. Am Samstag, 19. No-

Schwäbisch Menschen im Südwesten.

te Kunz aber nie gedacht. Vor allem in Zusammenhang mit dem schwäbischen Märchenfescht, dass die beiden in Freudental, Markgröningen oder im Breuningerland in Tamm veranstalteten. Immer größer wurde der

schieda“, erklärt Opitz, der die gesamte Einrichtung selbst hergestellt hat. „Viele kommen bestimmt auch schon deswegen“, sagt Kunz. Außerdem dekorieren Märchenskulpturen den Raum. Schwäbische Veranstaltungen,  Musik, Lesungen, eventuell kleine Theaterstücke – dafür ist auf der „Bühne ondrm Balka“, über der das Motto „Basset uff, dâ bieget sich dia Balka“ steht, Platz. „Auf Augenhöhe mit den Zuschauern“, so Opitz, sind dort die Künstler. Zwei Veranstaltungen pro Monat soll es mindestens geben, im Sommer auch wieder das Märchenfescht. Martin Opitz hat sein Atelier in die ehemalige Feuerwehrhalle verlegt und bietet hier Kurse und die Möglichkeit zu Kindergeburtstagen an.  „Ein Herzenswunsch“, so Opitz und Kunz unisono, sei für sie in Erfüllung gegangen mit dem Märchenhaus.

Es fühlt sich komisch an, wenn Krieg ist. Irgendwann steigt die Seele aus.

habt zu haben und niemals allein für sich gewesen zu sein. Dabei hatte sich zu ihrer Zeit schon einiges im Camp verbessert. Seit dem Abbau der deutschen Präsenz in Afghanistan von einstmals mehr als 5 000 Soldaten auf nunmehr 650, die nur noch eine Funktion als Ausbildungstruppe haben, können die Stuben als Einzelzimmer genutzt werden. Zuvor waren auf dem gleichen Raum bis zu vier Menschen untergebracht. „Es fühlt sich komisch an, wenn Krieg ist“, beschreibt Thomas Thiel das Leben in einem dauernden Bedrohungszustand. „Irgendwann steigt die Seele aus.“ Bei rund fünf Prozent der Soldaten komme es zu einer posttraumatischen Belastungsstörung. Eine „schöne Erfahrung“ bleibt für Thomas Thiel und Claudia Kiehn die besondere Rolle, die die Kameradschaft einnehme. Das gemeinsam Erlebte verbinde über den Einsatz hinaus. Die deutschen Militärgeistlichen tragen keine Waffen. Sie sind nicht Teil der Bundeswehrhierarchie und daher auch nicht weisungsgebunden. Allgemein genießen sie ein hohes Ansehen. Als Thomas Thiel einmal in einem Flugzeug mitgenommen werden sollte, habe ihn der polnische Flugoffizier freudig begrüßt „You are chaplan?“ – und ganz darauf vertraut, dass seinem Flug in Begleitung eines Geistlichen schon nichts passieren werde. Thiel erinnert sich auch gerne an ein Gespräch mit einem afghanischen Mullah, der sich mit ihm über die Frage streiten wollte, warum die Christen neben dem einzigen Gott auch noch an Christus und den Heiligen Geist glauben wollen. Nach zwei Stunden habe der Mullah das Gespräch mit den Worten beendet, man sei sich zwar nicht einig geworden, aber man habe sich wenigstens angeregt unterhalten. Ob das mehr ist als ein Hoffnungsschimmer? Angesichts der verbreiteten Korruption und zahlreichen widerstreitenden internationalen Interessen und Konfliktparteien bleiben Thomas Thiel und Claudia Kiehn skeptisch. Roland Willeke

llein der Name verrät, um was es in der Kelter in Walheim, dem ehemaligen Feuerwehrhaus,  gehen wird: um Märchen. „Bricklebrit“ heißt das Café, das der Bönnigheimer Martin Opitz und der Erligheimer Jürgen Kunz dort eröffnen. „Bricklebrit“ muss man im Märchen „Tischlein deck’ dich“ rufen, wenn der Esel Golddukaten auswerfen soll. Mitten in Walheim entsteht eine Heimat für Märchen und Geschichten, aber nicht nur das. „Mit Märchen, Kleinkunscht, Lesungen, Musik, onserem Büchrschrank odr Workshops, abr au grad en unserm Cafe ond en dr Veschperstub‘ mit regionale Produkt‘, wellet mir onsrer schwäbischa Identität, Kreativität ond Vielfalt a Hoimat geba. Mir wellet onser wondrbare Mundart ond onser schwäbisches Lebensgfühl gemeinsam pflega, ond send drbei weltoffa ond freuet ons uff Neues – so wie mir Schwâbe eba scho emmer send“, erklärt der BZ-Redakteur und Autor Jürgen Kunz auf breitestem Schwäbisch das, was im Café-Bricklebrit passieren soll. Seit über 30 Jahren kennen sich die bekennenden Schwaben Kunz und Opitz schon. Als Kunz’ Buch „Hoimatstond“ mit schwäbischen Geschichten veröffentlicht wurde, machte der Künstler Martin Opitz dem Freund den Vorschlag, doch Märchen ins Schwäbische zu übersetzen. Denn in der Bönnigheimer Werkstatt von Opitz

Echt

Wunsch, eine feste Heimat für die Skulpturen, das Märchenfest und die schwäbische Sprache zu finden. Gleichzeitig war die Gemeinde Walheim auf der Suche nach einer Verwendung für ihre Kelter, die leer stand, seit die Feuerwehr umgezogen war. Gewünscht war, so sagt Opitz, dass die Dorfmitte durch ein Café und kulturelle Veranstaltungen bereichert werden würde. Die beiden Schwaben bewarben sich um die Räumlichkeiten. Walheims Bürgermeister Albrecht Dautel war sofort begeistert und der Walheimer Gemeinderat konnte nach zwei Stunden Projektpräsentation in der Kelter nichts anderes als zustimmen. Der ehemalige Schulungsraum der Feuerwehr ist das Herzstück des schwäbischen Märchenhauses, das Café. „Koi Stuhl sieht aus wia dr andre, jedr Tisch isch vr-

ghanistan kann sich Pfarrer Thomas Thiel noch gut erinnern: Es war der 13. Juli 2014, der Tag des Endspiels der Fußballweltmeisterschaft 2014. Beim vorletzten ISAF-Kontingent arbeitete der 53-Jährige rund vier Monate als evangelischer Militärgeistlicher in Kabul und Kandahar. Zusammen mit Claudia Kiehn, ebenfalls Militärgeistliche, berichtete er jetzt von den Erfahrungen der beiden in Afghanistan. Auch Claudia Kiehn war – ein Jahr später als Thiel – für vier Monate im Camp Masar-i-Scharif im Einsatz. Inzwischen leben und arbeiten beide in Berlin. Thiel betreut Soldaten mit posttraumatischen Belastungsstörungen am Bundeswehrkrankenhaus in Berlin, während seine Partnerin als Militärdekanin für Fragen der Aus- und Fortbildung im evangelischen Kirchenamt der Bundeswehr verantwortlich ist. Die Gegend an Neckar und Enz ist für Thomas Thiel heimatliches

Eröffnung und Veranstaltungsprogramm Das Café-Bricklebrit – schwäbisches Märchenund Geschichtenhaus – eröffnet am Samstag, 26. November, neun Uhr. Um 19 Uhr ist die offizielle Eröffnung. Es spielt Geiger Tobias Seyb, Lehrer an der Musikschule Besigheim. Grußworte sprechen Wolfgang Wulz, Vorsitzender des Vereins Schwäbische Mund.Art und Walheims Bürgermeis-

ter Albrecht Dautel. Auch Rüdiger Erk, Vorstandsmitglied des Verbands Amateurtheater Baden-Württemberg, will kommen. Ab 20 Uhr wird der Autor Gunther Haug aus seinem Buch „Schwäbische Sternstunden“ (die BZ berichtete) lesen. Am Sonntag, 27. November, gibt es ab 15 Uhr einen Adventsnachmittag mit selbst gebackenem Ap-

spenden sind laut Rotem Kreuz täglich in Deutschland für die Blutversorgung der Patienten nötig. Am Mittwoch, 23. November, bietet das DRK 15.30 Uhr bis 19.30 Uhr in der Festhalle, Alte Besigheimer Str. 6, in Gemmrigheim die Möglichkeit Blut zu spenden. Blut spenden kann jeder Gesunde von 18 bis zum 73. Geburtstag. Erstspender dürfen jedoch nicht älter als 64 Jahre sein. Vor der Entnahme erfolgt eine ärztliche Untersuchung. bz

felbrot  und schwäbischen Geschichten. Weitere Programmpunkte und Veranstaltungen werden kurzfristig veröffentlicht und sind jederzeit möglich.

aber wird sie in Walheim im Café-Bricklebrit stattfinden. Am 23. Januar 2017 gibt es ein genussvolles Seminar „Tee und Literatur“ im Bricklebrit.

Eine Wertschätzung ist es, wenn der Verein Schwäbische Mund.Art außerhalb seines Sitzes Rottenburg eine Hauptversammlung abhält. Am 18. März 2017

Öffnungszeiten: freitags, 14 bis 18 Uhr, samstags und sonntags, neun bis 18 Uhr, und auf Anfrage. www.cafe-bricklebrit.de

Thomas Thiel und Claudia Kiehn waren als Militärgeistliche in Afghanistan. Beim CVJM Walheim berichteten sie jetzt von ihren Eindrücken im Einsatzland. Roland Willeke

Knabenchor sucht Nachwuchs Der Knabenchor Capella Vocalis, mit Sitz in Besigheim und in Reutlingen, sucht Nachwuchssänger. Dazu findet ein Vorkurs statt, an dem laut Chor noch weitere junge Sänger teilnehmen können. Anmeldung unter [email protected] bz

vember, berichtet Barbara Schmidl aus Ottmarsheim im Besigheimer Paul-Gerhardt-Haus von ihrem Deutschunterricht an der ersten Internationalen Universität Chinas. Der Erlös der Veranstaltung ist für den Erhalt der Hippolytkirche bestimmt.  Einlass ist ab 18.30 Uhr, ein chinesisches Essen gibt es ab 19 Uhr. Karten gibt es bei der Familienbildung Besigheim, Tel. (07143) 90 91 44 oder [email protected] bz