Diabetes mellitus

Diabetes mellitus

Laborinformation Nr. 13 Diabetes mellitus Klassifikation und Labordiagnostik Klassifikation Typ 1-Diabetes (T1D): Typ 2-Diabetes (T2D): Gestationsdi...

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Laborinformation Nr. 13

Diabetes mellitus

Klassifikation und Labordiagnostik Klassifikation Typ 1-Diabetes (T1D): Typ 2-Diabetes (T2D): Gestationsdiabetes (GDM): Maturity Onset Diabetes of the Young (MODY): Andere spezifische Diabetes-Typen:

Zerstörung der B-Zellen des Pankreas durch Autoimmunprozess, führt zum absoluten Insulindefizit. Manifestation meist im Kindes- und Jugendalter, zunehmend auch im Erwachsenenalter (differentialdiagnostische Abgrenzung zum Typ 2-Diabetes!) als Late Autoimmune Diabetes of the Adult (LADA) relativer Insulinmangel (nicht ausreichende Insulinsekretion bei peripherer Insulinresistenz) erstmals während der Schwangerschaft aufgetretene Glukosetoleranzstörung Diabetes auf der Basis verschiedener genetischer Defekte, Abgrenzung von anderen Diabetesformen und vom GDM notwendig, spezifische Therapie je nach zugrunde liegendem Defekt Endokrinopathien (u.a. Hypercortisolismus, Phäochromozytom, Glucagonom, Wachstumshormonproduzierende Tumoren), Erkrankungen des exokrinen Pankreas, Hämochromatose, Medikamenten-assoziiert

Parameter des Glukosestoffwechsels Parameter Blutzucker

HbA1c

Insulin HOMA-Index Proinsulin C-Peptid Auto-Ak

Indikation Diagnostik eines Diabetes mellitus oder GDM: Bestimmung als Zufallsglukose, Nüchternglukose oder nach Belastung (oGTT) Blutzuckerselbstkontrolle bei bekanntem Diabetes Diagnostik eines Diabetes mellitus (nicht GDM!) Langzeitparameter für die Stoffwechseleinstellung

Beurteilung einer Insulinresistenz bei Risikopatienten und bei PCO-Syndrom (HOMA-Index), Insulinom Insulinom, Restsekretion bei T1D, Erschöpfung der ß-Zellen bei T2D, DD zwischen T1D (LADA) und T2D DD zwischen T1D (LADA) und T2D bzw. MODY Risiko der Entwicklung eines T1D bei Familienangehörigen

Ak gg. Insulin, Inselzellen, Glutamatdecarboxylase (GAD65), Tyrosinphosphatase (IA-2) und Zink Transporter 8 (ZnT8)

Bemerkungen Bewertung auf der Basis des Abnahmezeitpunktes und der Indikation (siehe unten)

Material NaF/Citrat-Blut

Verfälschung des HbA1c-Wertes möglich bei: - Hämoglobinvarianten (methodenabhängig) - Zustände mit erhöhter oder erniedrigter Lebensdauer der Erythrozyten - Chemischer Modifikation von Hämoglobin (Urämie, hochdosierte ASS-Dauertherapie) - Hemmung der Glykierung (z. B. Dauertherapie mit Vitamin C oder E) - Schwangerschaft - Transfusionen

EDTA-Blut

Serum gefroren/ NaF/Citrat-Blut Serum

Vorliegen von mindestens zwei Autoantikörpern Serum gilt als sicheres Zeichen für eine Autoimmunreaktion gegen Inselzellen. Ca. 70% dieser Patienten entwickeln innerhalb von 10 Jahren einen T1D.

Entscheidungsgrenzen und diagnostisches Vorgehen (Flussschema, nach [1]) HbA1c

< 5,7 % (< 39 mmol/mol) = Ausschluss eines Diabetes 5,7 - 6,4 % (39-47 mmol/mol) = Grenzbereich ≥ 6,5 % (≥ 48 mmol/mol) = Diabetes wahrscheinlich

Plasmazucker zufällig, nicht ≥ 200mg/dl (≥ 11,1 mmol/l) = Diabetes nüchtern nüchtern 100-125mg/dl (5,6 mmol-6,9 mmol/l) = abnorme Nüchternglukose (IFG)* ≥ 126 mg/dl (≥ 7,0 mmol/l) = Diabetes. oGTT 140-199 mg/dl (7,8-11,0 mmol/l) = 2h-Wert gestörte Glukosetoleranz (IGT)* ≥ 200mg/dl (≥ 11,1 mmol/l) = Diabetes

Symptome des Diabetes

HbA1c

*IFG und IGT gelten als Prädiabetes; Progression zum Diabetes in einem Jahr: IFG: 5%, IGT: 10%, IFG+IGT: 20%

< 5,7

Nüchternglukose (NPG) oder oGTT

Ein MODY sollte ausgeschlossen werden bei:

- Insulinabhängigem Diabetes bei Kindern und jungen Erwachsenen (<35 J.) mit fehlendem Nachweis von Auto-Ak und geringem Insulinbedarf nach 2 Jahren Diabetesdauer (<0,5 E/kg KG/Tag) - T2D bei Kindern und Jugendlichen ohne Übergewicht - Diabetes seit drei Generationen in der Familie - Gestationsdiabetes: In ca. 2 % aller Fälle einer Glukosetoleranzstörung in der Schwangerschaft wird ein MODY 2 demaskiert. Häufigste Formen sind MODY 2 (Mutation der Glukokinase) und MODY 3 (Mutation des HNF1A). Aufgrund der Bedeutung für Therapie und Langzeitprognose sollte bei begründetem Verdacht die genetische Abklärung erfolgen.

5,7 bis < 6,5 %

≥ 6,5 %

NPG ≥126 mg/dl u./o. 2h-oGTT ≥200 mg/dl

NPG 100-125 mg/dl u./o. 2h-oGTT 140-199 mg/dl

NPG <100 mg/dl u./o. 2h-oGTT <140 mg/dl

Diagnose: Diabetes

Diagnose: Kein Diabetes Aufklärung über Diabetesrisiko, Lifestyle-Intervention, Behandlung von Risikofaktoren. Erneute Risikobestimmung und HbA1c nach 1 Jahr.

Literatur: [1] Definition, Klassifikation und Diagnostik des Diabetes mellitus. Praxisleitlinie der DDG 2014 (www.ddg.de). [2] Prädisposition, frühe Stadien und Phänotypen des Typ-1-Diabetes. DMW 2014;139:1100–1104. [3] Prädisposition und Phänotypen des MODY – Implikationen für Diagnostik und Therapie. DMW 2014;139:1127–1130. Urheberrechtlich geschützt. Vervielfältigung und Nachdruck nur mit ausdrücklicher Genehmigung zulässig.

Stand 11 2015