Die Angst vor dem Unbekannten

Die Angst vor dem Unbekannten

l\1edizin Dr. Monika Weiderer Die Angst vor dem Unbekannten Strategien zu ihrer Bewältigung bei Patienten mit chronischer Nierenerkrankung Angst ist...

385KB Sizes 0 Downloads 17 Views

l\1edizin

Dr. Monika Weiderer

Die Angst vor dem Unbekannten Strategien zu ihrer Bewältigung bei Patienten mit chronischer Nierenerkrankung Angst ist eine Spiegelung des Wissens um unsere Abhängigkeiten im Leben und um unsere Sterblichkeit. Wir können nur versuchen, Gegenkräfte gegen sie zu entwickeln: Mut, Erkenntnis, Hoffnung. Diese Kräfte können helfen, die Angst anzunehmen und sich mit ihr auseinanderzusetzen. Irgendwelche Methoden, die uns Angstjreiheit versprechen, sind immer mit Skepsis zu betrachten. Sie werden der Wirklichkeit des menschlichen Lebens nicht gerecht, zu dem Angst untrennbar dazugehört. Wir dürfen auch nicht vergessen, daß das Annehmen und Meistern der Angst immer wieder einen Entwicklungsschritt bedeutet, uns wieder ein Stück reifen läßt. Das Ausweichen vor der Angst dagegen läßt uns in der Entwicklung steckenbleiben, es hemmt uns in unserer Reifung. Aus diesem Blickwinkel betrachtet, ermöglicht es uns Angst auch, mit den uns im Leben gestellten Aufgaben zu wachsen. Die Krise, die durch das Hereinbrechen der Erkrankung entstanden ist, muß sich nicht zur Katastrophe wenden, sondern kann zusammen mit der sie umgebenden Angst eine Chance für eine persönliche Weiterentwicklung bedeuten.

ders einschneidenden Stellen un­

1. Angst - ein Begleiter

serer Entwicklung, wo alte, ver­

des Lebens

traute Bahnen verlassen werden

Angst ist eine Emotion, die unver­

werden müssen oder einschneiden­

meidlich zum menschlichen Leben

de Veränderungen im Leben be­

gehört. In immer neuen Abwand­

wältigt werden müssen.

müssen, wo neue Aufgaben gelöst

lungen begleitet sie uns von der

Eine derartige einschneidende

Geburt bis zum Tod. In allen Jahr­

Veränderung und das Verlassen

hunderten und in allen Gesellschaf­

der alten vertrauten Bahnen ist mit

ten wurde versucht. die Angst aus­

der Diagnose einer chronischen,

zurotten, ein Leben ohne Angst möglich zu machen. aber es bleibt

eventuell lebensbedrohlichen Er­

wohl Illusion zu glauben, daß ein

reninsuffizienz, gegeben. So wie

krankung wie der chronischen Nie­

Leben ohne Angst möglich sein

Angst zum Leben aller Menschen

könnte. Angst tritt immer dort auf,

gehört, gehört sie im besonderen

wo wir Menschen uns in Situatio­

Maße zum Leben der davon Betrof­

nen befinden, denen wir nicht oder

fenen, die sich mjt vielen Unsicher­

noch nicht gewachsen sind, von

heiten, mit vielen unbekannten

denen wir glauben. sie nicht be­ wältigen zu können. Da menschli­

Faktoren konfrontiert sehen. Be­ sonders die Angst vor dem Unbe­

ches Leben immer wieder in neue

tet uns Angst immer. Sie kommt am

kannten, dem Ungewissen, das in

unvertraute Bereiche führt, beglei-

ehesten ins Be\vußtsein an beson-

der Krankheit Hegt, ist bereits ab

12

der dialysopationt 5/97

rVledizin

dem Zeitpunkt der Diagnose oder vielleicht schon vorher. ab dem

lernen der Maschine,

ZU]T't

Beispiel

Gespräche mit anderen Betroffe­

aufgefüllten Rollen weiter einzu­ nehmen, zum Beispiel Angst. auf

Zeitpunkt eigener Vermutungen

nen) und dadurch seiner Angst vor

andere angewiesen zu sein, Angst,

über die Erkrankung, präsent.

dem Unbekannten zu begegnen.

nicht mehr arbeiten zu können,

Angst hat dabei immer einen

Und er erlebt sich als hilflos, ausge­

Angst, wie Partner und Familie und

zweifachen Aspekt: Sie ist einer­

liefert, und das, was jetzt auf ibn

Freunde reagieren, ob sie die Ver­

seits ein Warnsignal, das dazu an­

zukonmmt, liegt wie eine undurch­

änderungen mittragen. Als ängsti­

spornen kann, auf eine Gefahr

sichtige schwarze Wolke vor ihm.

gend wird auch oft die Anforde­

kann andererseits aber auch über­

Fragen nach der

rung erlebt, sich an die neue Umge­ bung des Dialysesettings anzupas­

rollen, handlungsunfähig machen

LebensperSI)ektivc

sen, zunächst vielleicht die medizi­

und lähmen.

Nach der Überwindung des anfäng­

nischen Fachausdrücke nicht zu

lichen Schocks, kommen weitere

kennen und über Besonderheiten

Ausweichstrategien

Ängste und Befürchtungen, so die

im Hinblick auf clie Erkrankung nicht Bescheid zu wissen.

zu

reagieren, aktiv zu werden. Sie

Insbesondere in der ersten Zeit

Angst vor dem Verlauf der Erkran­

nach der Diagnose werden die Be­

kung und möglichen Komplikatio­

Alle diese Ängste sind natürlich

troffenen häufig von letzterem

nen hinzu. Zur Gewißheit der Dia­

und gerechtfertigt, da es auf viele

Aspekt der Angst beherrscht und

gnose gesellt sich die Unsicherheit

auftretende Fragen der Patienten

vermeiden eine Auseinanderset­

über die weitere Lebensperspekti­

keine eindeutigen Antworten gibt,

zung mit ihrer Situation. Sie wei­

ve: Wie wird das eigene Leben

aber oft nehmen sie auch übergro­

chen einer Konfrontation mit der

weitergehen, was wird sich verän­

ße Ausmaße an, weil Strategien

Erkrankung aus und lenken ihre

dern? Wird es irgondwann Proble­

ihrer Bewältigung und eventuell

Aufmerksamkeit von den in Zusam­

me mit der Dialyse geben, wie lan­

auch eine realistische Vorstellung

menhang mit der Krankheit anste­

ge wird das gutgehen? Wird sich

vom Verlauf der Erkrankung fehlt.

henden Problemen ab. Diese häu­

vielleicht eine Niere finden, die

tig als negativ kriti.sierte Strategie

transplantiert werden kann?

Zusätzlich werden in dieser Phase häufig auch die auftretenden Ge­

kann jedoch zunächst eine Schutz­

Es gibt viele verschiedene angst­

funktion innehaben und während

erzeugende Momente im Leben von

dieser akuten Krisensituation hel­

Dialysepatienten: Da ist zuallererst

fen. nicht von der erlebten Angst

die Gewißheit der Lebensbedro­

und Hi1f1osigkeit überwältigt

hung, dann die Bedrohung des kör­

zu

werden. Die Diagnose führt viel­

perlichen Wohlbefindens und der

leicht dazu, sich erstmals die eige­

körperlichen Selbstbestimmung

ZU

fühle verleugnet oder verdrängt.

2. Strategien zum

Umgang mit der Angst vor de7n Unbekannten

nen Grenzen und die eigene Sterb­

durch die Krankheit, Schmerzen,

Bei der Bewältigung der Diagnose

lichkeit vergegenwärtigen zu müs­

beeinträchtigende Symptome, die

und der damit in Zusammenhang

sen. Und dieser Gedanke wird zu­

mit der Erkrankung oder mit der

stehenden Ängste ist es für die

nächst mit Abwehr und großer

Behandlung zu tun haben oder auch

Patienten von Anfang an wichtig.

Angst davor, sich damit zu beschäf­

Angst vor der Ungewißheit des

daß Gefühle und Reaktionen erlebt

Krankheitsverlaufs. Daneben ist

und ausgedruckt werden dürfen.

das eigene Lebenskonzept. sind die Zukunftsplane bedroht, was eben­

oft Depressionen. Der Ausdruck

tigen, beantwortet. Die natürlichste erste Reaktion CI uf

eine schlimme Diagnose ist das

Unterdrückte Gefühle verstärken

Nichtwahrhabenwollen und Ver­

falls große Angst auslösen kann: Es

vorhandener Gefühle und auch von

leugnen: »Ich doch nicht, das ist

wird wahrscheinlich erforderlich,

Tränen hilft dagegen dabei, zu ei­

doch nicht möglich.« Diese Phase

im eigenen Lebenskonzept Verän­

nem relativ frühen Zeitpunkt das

ist natürlich lUld hilft dem Betroffe­

derungen vorzunehmen; Pläne, die

Unvermeidbare anzunehmen. Mit

nen momentan, nicht von der Angst

für die Zukunft geschmiedet wur­

der Krankheit und der Angst fertig

und

Verzweiflung überrollt zu

den, erweisen sich als nicht mehr

zu werden setzt voraus, möglichst

werden. Wenn sie jedoch zu lange

oder zumindest als nicht mehr so

früh die Verleugnung durch das

andauert und nicht überwunden

problemlos umsetzbar; Angst vor

gesunde Ausdrücken von Schmerz

wird, so nimmt sieb der Betroffene

Verlust der eigenen Selbständig­

und Angst zu ersetzen.

dadurch selbst die Chance, sich

keit, dIe zum Beispiel aufgrund der

möglichst frühzeHig mit wichtigen

Abhängigkeit von der Maschine

Die Suche nach neuen Wegen

medizinischen Gegebenheiten aus­

entsteht. Unbekannt und daher

Die Suche nach neuen Wegen, dem

einanderzusetzen (zum Beispiel

bedrohlich und ängstigend sind

veränderten Leben und der Angst

verschiedene Behandlungsmög­

weiter Auswirkungen, die sich auf

darin zu begegnen, dem Leben auch

Jichkeiten,

die Fähigkeit beziehen, die bisher

mit den Einschränkungen durch die

14

zum

Beispiel Kennen-

der dialyseputicflt 5/97

Medizin

Krankheit einen Sinn zu gebell,

viele Informationen als nur mög­

macht nun in der weiteren Entwick­

len. Ein Gefühl das fast allen Pati­

lich über die Krankheit einzuho­

enten chronischer Krankheiten gemeinsam ist, ist die Angst vor

lung die Auseinandersetzung mit

len. Ein Mittel gegen das Unbekann­

der Krankheit und den damit ver­

te ist Wissen und das bedeutet, sich

bundenen Gefühlen LUlUrngänglich.

der Krankheit und den damit ver­

so viele Informationen wie nur

bundenen Einschränkungen im persönlichen Leben. Manche geste­

Diese entschlossene Handlungs­

möglich einholen; sich zum Exper­

weise erfordert zwar viel Mut, aber

ten seiner eigenen Erkrankung

sie vermittelt auch Zuversicht und

machen. Das ist natürlich beson­

hen zwar sich selbst diese Angst ein, verbergen sie jedoch vor ihrer Familie, zum Beispiel um sie nicht

das Gefühl, die Dinge in der Hand

ders in der ersten Phase der Er­

zu haben.

Solange Verdrängung die

krankLUlg sehr schwer: Sich zu in­

ausschließliche Strategie bleibt, so

formieren bedeutet ja, daß man für

zu belasten. Dies führt aber oft dazu, daß der Betroffene sich einsam und isoliert fühlt, nicht über seine Be­

wichtig dies auch dann und wann

sich die Diagnose akzeptiert hat und

sein mag, gleitet die Kontrolle mehr

nun beginnt. damit umzugehen.

und mehr aus der eigenen Hand,

fürchtungen sprechen kann, was

Durch die aktive Beteiligung, durch

bestimmen immer häufiger ande­

wiederum die Angst verstärkt. Die

das Einholen von Informationen

re darüber, was mit dem eigenen

Angst nimmt immer mehr zu, an­

verändert sich auch die eigene Rolle

statt durch Trost und Zuspruch

vom abhängigen zu einem kompe­

eines Menschen besänftigt zu wer­

Leben geschieht und wie zu gesche­ hen hat, und das Unbekannte und

tenten Patienten, ein wichtiger

die Angst davor wachsen.

den. Oft kann es dagegen ein Stück

Schritt, um aus der Angst und De­

des Unbekannten greifbar machen

Der erste wichtige Schritt auf dem

pression herauszufinden und die

Weg ZLUn Umgang mit der Angst ist

Krankheit anzunehmen. Es ist sinn­

nun mit Sicherheit, vor sich und

flüssig machen, wenn frühzeitig in

voll, neben medizinischen Informa­

der Familie über Veränderungen gesprochen wird, die im Zuge der



und entsprechend die Angst über­

seinem Umfeld die Angst vor dem,

tionen, Unterstützung möglichst

was auf einen zukommen wird

auch von Betroffenen, von Selbst­

zuzugeben und sich die Frage zu

Erkrankung auftreten werden und

hilfegruppen einholen, Erfahrungs­

wenn man gemeinsam plant, wie

stellen, welche unbekannten, un­

austausch und Zusammensein mit

man damit umgehen wird. Es gibt

abwägbaren Dinge es eigentlich

Menschen, die in derselben Situa­

dem Betroffenen ein Stück Sicher­ heit, daß er sich auf die Unterstüt­

sind, die die größte Angst verursa­

tion sind, kann sehr hilfreich sein.

chen. Dies hat zum einen die Kon­

Zumindest ein Teil der unbekann­

zung durch die Familie verlassen

sequenz, daß die vorhandenen Ängste nun schon greifbarer sind,

ten Bedrohung wird dadurch greif­

kann. und es macht es fÜT den Pa­

barer und damit häufig auch ver­

tienten unnötig, sich mit Gedanken

und vielleicht zeigt sich, daß es

stellbarer und nicht mehr ganz so

und Befürchtungen zu quälen, wie

möglich ist, die Angst in einigen

bedrohlich. In diesem Sinne kann

denn die Familie damit umgehen

Bereichen zu verringern, zum Bei­

eine Selbsthilfegruppe oder jeder

wird.

spiel indem man sich selbst Infor­ mationen über die Erkrankung

dialyse- beziehungsweise trans­ plantationserfal1rene Patient als

beschafft, soweit als möglich einen

erfahrener Ansprechpartner dazu

Krankheit

Arzt wählt, von dem man sich gut

beitragen, »Neulingen« zumindest



betreut und auch gut w1terrichtet

ein kleines Stück ihrer Angst zu

beängstigenden Aspekten der Er­

fühlt. indem man vielleicht mit der

nehmen und das Unbekannte ein

krankung erweist es sich weiter­

Familie

wenig zu beleuchten.

hin, sich zwar um Auseinanderset­

über

bezüglich spricht,

der

und

seine

Bedenken

Für sich selbst überhaupt erst ein­

Hilfreich im Umgang mit den

zung und Akzeptanz der Krankheit

Rollenverteilung dergleichen.

Auseinandersetzung mit der

bemühen, sich aber auch dann

Emotionale Auseinandet'sei­

zu

zung mit der Krankheit

und wann Ablenkung zu erlauben.

mal Klarheit darüber zu erhalten.



Eine weitere hilfreiche Möglich·

Ablenkung von der Krankheit kann

worin die Angst eigentlich besteht.

keit ist für viele die emotionale

zeitweise entlastend sein, wenn sie

ist grundsätzlich schon -ein wichti­

Auseinandersetzung mit der Krank­

nicht der ausschließliche Mecha­

ger Schritt, um diese zu bewälti­

heit möglichst unter Einbeziehung

nismus der Kran kheitsbewältigung

der Familie und soweit als möglich

ist. Ja. es kann sogar der Fall sein,

gen. Vom abhängigen ZUlU kompeten­ ten Patienten

des sozialen Umfeldes. Das bedeu­

wenn man sich eine »Pause« aus

tet, in der Familie seine Gefühle, seine Ängste und Probleme äußern

der Realität gegönnt hat, daß man gestärkt daraus hervorgeht und praktisch mit neuen Kräften in der

Oft erweist es sich dann für die

zu dürfen und zu können. Es ist

Bewältigung der Angst vor dem

eine Tatsache, daß es für die emo­

Lage ist, die Auseinandersetzung

Unbekannten auch als hilfreich, die

tionale Stabilität unerläßlich ist,

mit der Erkrankung wieder anzu­

Initiative zu ergreifen und sich so

anderen unsere Gefühle mitzutei-

packen.



16

der dialysepaLicllt 5/97

Medizin

Die Holl'nung bewahren •

Ein weiterer wichtiger Schritt ist

110(;h entschlossen sind, das BeSLe zu hoffen.

trauenswürdige Dialyseeinrichtung und eigene Kompetenz sind, sie

nung zu bewahren. 1m gesamten

Die kleinen Freuden des Alltags

können nicht darüber hinwegtäU­ schen, daß Ungewißheit zurück­

Verlauf einer chronischen Erkran­

genießen

bleibt. Es kann hier nur die Metho­

es vor allem auch, sich die Hoff­

kung maß der Patient sich selbst



und muß auch die Umgebung dem

auch eine weitere Strategie zur

Betroffenen das Hecht zugestehen,

Angstbewältigung zu sehen, näm­

im Leben da ist und daß die Angst

In diesem Zusammenhang ist

de der Wahl sein, zuzugeben, sich einzugestehen, daß das Unbekannte

hoffen zu dürfen. Anfangs vielleich t

lich das Leben täglicll neu zu leben

davor existiert. Diese Angst ist et­

hoffen, daß es noch viele Jahre bis

und die kleinen Freuden jeden

was menschliches, und sie wird erst

zur Dialyse dauern wird, später

Tages zu genießen. Entscheidend

dann fatal. wenn man sie nicht ein­

vielleicht, daß bald eine passende

für die Fähigkeit, mit der Angst vor

gestehen kann oder darf. Je größer

Niere zur Transplantation zur Ver­

Krankheit, vor Tod und vor dem

die Bemühungen, diese Angst zU

fügung steht, dann vielleicht, daß

Unbekannten umzugehen, ist auch

vermeiden, desto größer wird sie.

die neue Niere sehr lange durch­

die Qualität des alltäglichen Lebens.

Angst zu verleugnen kostet aber

halten wird. Je nachdem, was ge­

Ein Patient, der so weit als möglich

auch ein hohes Maß an Energie.

rade als Problem ansteht ist es

aktiv ist und Dinge tut, die ihm

Wer laufend damit zu tun hat, seine

wichtig, die Hoffnung auf einen

Freude machen, aber auch zu den

positiven Verlauf zu bewahren. Es

Grenzen seiner Leistungsfähigkeit

Angst nicht hochkommen zu las­ sen, ist irgendwann so erschöpft,

ist zwar einerseits sicher wichtig,

steht, wird mehr Sinn in seinem

daß er den Alltag nicht mehr be­

realistisch durch das Leben zu ge­

Leben finden und sich weniger in

wältigen kann. Die unterdrückte

hen und nicht die Augen vor der

unnötige Befürchtungen steigern,

Angst verschwindet nicht, sondern

Healität der Erkrankung zu ver­

als jemand, der nur seinen uner­

sie wird zum chronischen innerli­

schließen, aber sich selbst bezie­

füllbaren Lebensplänen nachtrau­

hungsweise seinen betroffenen

ert, aber keine Gelegenheit für ein

chen Begleiter, der ständig an den Kräften zehrt. Das Unbekan nte

Angehörigen mit ständigem Pessi­

freudiges Erlebnis nutzt. Ablen­

ängstigt immer und es gibt in je­

mismus zu zermürben, das hilft

kung und Konzentration auf die

dem Leben viele Schritte, von de­

niemand weiter.

angenehmen Dinge des Lebens, das

nen wir nicht wissen, wo sie hin­

Hoffnung ist eine ganz bedeutsa­

Angenehme genießen zu können,

führen werden. Wir Menschen sind

me Möglichkeit, dem ungewissen

ist eine große Hilfe auch dabei. die

verletzlich und wir fürchten uns

Ausgang einer Sache zu begegnen,

andere, einschränkende Seite der

davor, wenn etwas auf uns zu­

und es ist ein ganz wichtiger Weg

Erkrankung ebenfalls akzeptieren

kommt, das wir nicht völlig über­

für alle Menschen in einer schwie­

zu können.

blicken können. Letztlich bedeutet dies, daß wir uns unser ganzes

rigen oder kritischen Lebenssitua­ tion. Hoffnung ist oft auch die Mo­

Akzeptanz des Unbekannten

Leben lang immer wieder mit die­

tivation dafür, daß der Patient Din­

Neben allen bisher angesproche­

ser Angst auseinandersetzen müs­

ge tut, die ihm vielleicht sehr unan­

nen hilfreichen Strategien zur Be­

sen, um nicht von ihr aufgezehrt zu

genehm sind, aber dazu beitragen,

wältigung der Angst vor dem Un­

werden.

soinengesundheitlichen Zustand so gut als möglich aufrecht zu erhal­ ten. Der Patient muß horfen dürfen,

bekannten

sam, eine Zielrichtung nicht aus

D,: Monika Weiderer

daß seine Anstrengungen zum Er­

dem Blick zu verlieren, nämlich das

Dipl. -Psych./Dipl. -Päd.

folg führen werden. 1st diese Hoff­

AkzepOeren der Ungowißheit und

Bischof- Wittmann-Stl: 3

nung nicht mehr da, so folgt die Sinnlosigkeit auf dem Fuß. Hoff­

des

93051 Regensburg

nung ist für das Leben aller Leben

Krankheit entwickelt, muß er sich

erscheint

es

aber

schließlich vor allem noch bedeut­

Unbekannten.

Mensch

seine

Wenn

ein

Einstellung

zur

unerläßlich, und kein Mensch kann

mit diesem beunruhigenden Feh­

längere Zoit leben, ohne zu hofTen.

len von Sicherheit auseinandersot­

Aus Gründen der Textf1üssigkeit

Die besten Aussichten, emotional

zen, das oft erst dann ganz deutlich

wurde im Text die männliche Form

stabil zu sein, haben ort diejenigen

hervortritt, wenn eine Entschei­

»Patient« gewählt. Sie schließt je­

Patienten und Familien, die sich

dung im Zusammenhang mit der

doch auch Frauen mit ein.

zwar mit der Tatsache abfinden,

Behandlung ansteht w1d getroffen

daß niemand genau weiß, was ge­

werden muß. So wichtig ein ver­

Zugesandt von der Regionalgrup­

nau passieren wird, die aber den-

trauenswürdiger Arzt. ei ne ve1'-

pe Passau, Frau HUde Wibmer

18

der dialysopaticnt 5/97