Die Bücher des letzten Kaiserreichs - OPUS 4

Die Bücher des letzten Kaiserreichs - OPUS 4

Herausgegeben von Yan Xu-Lackner Yan Xu-Lackner (Hg.) Die Bücher des letzten Kaiserreichs Die Bücher des letzten Kaiserreichs UNIVERSITY P R E S S...

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Herausgegeben von Yan Xu-Lackner

Yan Xu-Lackner (Hg.)

Die Bücher des letzten Kaiserreichs

Die Bücher des letzten Kaiserreichs

UNIVERSITY P R E S S

Die Bücher des letzten Kaiserreichs Yan Xu-Lackner (Hg.)

Die Bücher des letzten Kaiserreichs „東西一會意也“ Ein Gemeinschaftsprojekt des Lehrstuhls für Sinologie der Friedrich-Alexander-Universität ErlangenNürnberg und des KonfuziusInstituts Nürnberg-Erlangen, in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Staatsbibliothek und der Bibliothek der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, gefördert durch die Zentrale der KonfuziusInstitute in Peking (Hanban),

該展覽及目錄為德國紐倫 堡-埃爾朗根孔子學院與埃 爾朗根大學漢學係的合作項 目,受到了國家漢辦、釋維 格基金會以及路易斯·珀瑞 爾基金會的大力支持,協辦 單位為巴伐利亞國立圖書館 和埃爾朗根大學圖書館

Katalog zur Ausstellung über das Leben des China-Forschers Karl Friedrich Neumann mit Exponaten aus seiner Sammlung seltener Sinica

漢學家紐曼 與巴伐利亞國立圖書館 中國館藏

展覽目錄

die Dr. German Schweiger-Stiftung sowie die Luise Prell Stiftung Herausgegeben von Yan Xu-Lackner

徐艷 主編 Erlangen FAU University Press 2012

CIP-Titelaufnahme der Deutschen Bibliothek

Inhalt

Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbiblio­

7

graphie. Detaillierte bibliographische Daten sind

Alle Rechte, auch die des auszugsweisen

12

Nachdrucks und der photomechanischen Wiedergabe, vorbehalten Druck: xxxxx Druck xxx Stadt

Vorwort Yan Xu-Lackner

im Internet über http://dnd.ddb.de abrufbar.

引言 徐艳

Essays

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Karl Friedrich Neumann, „ein vollkommener Freigeist“: Werden

ISBN 978-3-944057-00-2

und Wirken des Gelehrten Ingrid Rückert 39

Die Generationen nach Carl Friedrich Neumann Dietrich W. Barth

43

Die chinesische Büchersammlung der Bayerischen Staatsbibliothek – Ein historischer Überblick Renate Stephan

Katalog

63

K. F. Neumann führt durch sein Leben Katharina Steiger

93

Die Bücher des letzten Kaiserreichs: Anmerkungen der Herausgeberin und Buchbeschreibungen Zhou Zhenhe (周振鹤)

153

Quellen

Vorwort Yan Xu-Lackner

Das Jahr 1830 liegt in einer Zeit, in der das letzte Kaiserreich seinem Selbstverständnis nach als „Himmlisches Reich“ herrschte und der Kaiser als „Sohn des Himmels“ Träger des himmlischen Mandats war. Eine Außenpolitik mit internationalen Verpflichtungen und diplomatischen Beziehungen im modernen Sinne war zu dem Zeitpunkt in China noch nicht geboren; das bewährte Tributsystem war noch immer gängige Praxis. Nach dem Ritenstreit von 1744 war die Politik des von Mandschus regierten Imperiums eher nach innen gewandt und verschloss sich gegenüber dem Westen. Die Regierung verbot Chinesen sogar unter Androhung der Todesstrafe, westlichen Ausländern Chinesischunterricht zu erteilen und ihnen Bücher zu verkaufen. Auch die sogenannten „Linguisten“ in Kanton, die zur erlesenen Gruppe derer gehörten, die die Erlaubnis hatten, Kontakt zu Ausländern zu unterhalten, wurden nicht ermutigt, westliche Fremdsprachen zu lernen, was dazu führte, dass sich Pidgin English als meistverwendetes Kommunikationsmittel für das Gespräch mit westlichen Ausländern durchsetzte. Die politische Einstellung beeinflusste somit auch die Sprachenpolitik. Kontakte mit dem Abendland waren von der chinesischen Regierung unerwünscht. In diesen Kontext muss man Karl Friedrich Neumann (ca. 1793 – 1870) situieren, der einer der wenigen Gelehrten war, die es erreichten, in dieser Zeit der Abschottung nach China einzureisen und der sich seinen Wunsch, chinesische Bücher zu erstehen, dennoch erfüllen konnte. Ausgestattet mit sprachlichem Können, Kennerblick, Abenteuerlust und Pioniergeist verfügte er jedoch nur über geringe finanzielle Mittel. 7

Sein Lebensweg führte Neumann aus ärmlichen Verhältnissen in Reichmannsdorf bei Bamberg über Fürth, Frankfurt, Heidelberg, München, Venedig, Paris und London nach China und zurück. Er verdingte sich als Knecht, ging in die Talmudschule, konvertierte zum Protestantismus, besuchte Vorlesungen bei Hegel, Voß und Victor Cousin. Er lernte Armenisch im Kloster San Lazzaro bei Venedig und Chinesisch auf dem ersten europäischen Lehrstuhl für Sinologie bei Abel Rémusat in Paris, wurde Mitglied der Zwanglosen Gesellschaft in München sowie Kustos für die von ihm an die Königliche Hof- und Staatsbibliothek München gebrachten chinesischen Bücher. Hinzu kamen eine Anstellung als Professor der allgemeinen Länder- und Völkerkunde sowie der chinesischen und armenischen Literatur an der Universität München, wodurch er zu den ersten Professoren für die chinesische Sprache in Deutschland zählte. Er verkehrte mit dem Kaufmann und Opium-Händler Lancelot Dent und mit Kronprinz Maximilian II. von Bayern. Frühzeitig wurde er aufgrund seiner in den Augen der Vorgesetzten zu direkten Art in den Ruhestand versetzt und verstarb schließlich 1870 in Berlin. Was Neumann auszeichnete, waren ein stetiger Schöpferdrang und das Bestreben, der Welt einen Sinn abzugewinnen. Bei der Erstellung dieser Ausstellung kam uns besonders sein anhaltender Schreibeifer zugute, durch den wir wichtige Abschnitte seines Lebens rekonstruieren konnten. Die Ausstellung widmet sich sowohl der Biografie des fränkischen Uni­versalgelehrten und Abenteurers Neumann als auch einer Auswahl der Sinica aus seiner Sammlung. Mit Mut, Geschick und List gelang es ihm, insgesamt fast 6000 Bände in China anzukaufen und nach Deutsch­land zu bringen. Davon gingen 2410 Bände an die Königliche Bibliothek zu Berlin und die restlichen 3500 Bände an die Königliche Hofund Staatsbibliothek München (jetzt Bayerische Staatsbibliothek München, BSB). Darunter befinden sich sowohl zahlreiche chinesische Standardwerke als auch etliche Exemplare, die in China inzwischen nicht mehr oder nur schwer zu finden sind. Dass der Altsinica-Bestand der BSB heute zu den bedeutendsten außerhalb Chinas gehört, verdanken 8

wir dem soliden Grundstock der Sammlung Neumanns. Trotz seiner immensen Leistungen ist die Person Karl Friedrich Neumann noch wenig erforscht, das Pionierwerk seiner Sammlung bleibt zwischen zahlreichen anderen Sinica der BSB verstreut. Wir haben dreißig Werke aus der Sammlung Neumanns der BSB ausgewählt, die im Original ausgestellt werden: Wir öffnen die Bücher der letzten Dynastie des chinesischen Kaiserreichs und damit die Tore zur Kultur jener Zeit. Die Exponate decken verschiedenste Genres und Themen ab. Unter den Sinica sind Enzyklopädien, Werke über Religion, Literatur, Historiografie, Regierung und Verwaltung, Naturkunde und Astrologie. Viele der Werke zählen auch heute noch zu den chinesischen Klassikern. Besonders hervorzuheben sind der Senfkorngarten, eine Mustersammlung für die chinesische Malerei oder das Bencao Gangmu („Buch heilender Kräuter“), ein Standardwerk der Traditionellen Chinesischen Medizin. Außerdem befindet sich unter den Exponaten Arte de la lengua mandarina des spanischen Missionars Francisco Varo, eine der ersten Grammatiken zum Erlernen des Chinesischen als Fremdsprache. Die Ausstellung findet anlässlich des deutsch-chinesischen Kulturjahres 2012 vom 25. 10. bis 7. 12. 2012 im Neubau der Universitäts­bibliothek der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) statt. Sie wurde vom Konfuzius-Institut Nürnberg-Erlangen und dem Lehrstuhl für Sinologie der FAU konzipiert sowie zu einem großen Teil finanziert und mit Unterstützung der BSB, der Universitätsbibliothek der FAU, der Dr. German Schweiger-Stiftung sowie der Luise Prell Stiftung realisiert. Wenn man das Ausstellungsprojekt auch in einem gewissermaßen „biologischen“ Sinne beschreiben möchte, könnte man sagen, dass auch dieses Kind einen Vater hat: Michael Lackner, Leiter des Lehrstuhls für Sinologie der FAU, hatte die zündende Idee, diese facettenreiche Persönlichkeit durch eine Ausstellung zu würdigen. Auf einer China-Reise im Jahre 2005 hat er diese Idee an Ingrid Rückert vermittelt, die gleich Feuer und Flamme war. Ingrid Rückerts ausführliche Forschung über Karl Friedrich Neumann war eine wertvolle Grundlage für die Konzepti9

on der Ausstellung und unsere Forschung. So wurde aus einer Idee eine veritable Ausstellung. Michael Lackner gilt auch unser herzlicher Dank für die Korrektur und Editierung der Übersetzung der Buchbeschreibungen zu den ausgestellten Werken, die eine Erschließung dieses einzigartigen Bestandes erst ermöglicht hat. Die Vorbereitung dieser Ausstellung und des Ausstellungsbands in zweijähriger Forschungs- und Organisationsarbeit war nur möglich durch das große Engagement vieler Einzelpersonen und Institutionen: allen voran die Zentrale der Konfuzius-Institute, die Mittel bereitstellte, die uns halfen, eine Stelle für eine wissenschaftliche Hilfskraft einzurichten. Frau Diplomsinologin Katharina Steiger erwies sich als ein Glücksfall, da sie das Projekt mit zahlreichen, kreativen Einfällen und Ideen und mit großem Engagement vorangetrieben hat. Zhou Zhenhe von der renommierten Fudan-Universität in Shanghai hat uns intensiv in der Auswahl der Bücher beraten. Die chinesischen Buchbeschreibungen stammen aus seiner Feder. Es war wunderbar, einem solchen

sammelte Dokumente eine weitere wertvolle Basis unserer Arbeit darstellten. Teil dieser Dokumente ist eine durch Anneliese Neumann aufwendig erstellte Abschrift aus den Tagebüchern Neumanns, die uns ebenfalls eine sehr große Hilfe war. Unser Dank gilt ferner den anderen Nachkommen von Karl Friedrich Neumann, die zu dem Projekt beitrugen sowie Herrn Johann Fleischmann und den Bürgern von Reichmannsdorf für ihr Engagement und die Führungen durch ihr Heimatdorf. Ein großer Dank geht auch an Stephen Matthews und Zhou Zhiwei vom Child Bilingualism Research Centre der Chinese University of Hong Kong für die Überlassung ihres Films über Pidgin English. Karl Friedrich Neumann war ein Pionier der Kulturtransfers und der Vermittlung zwischen den Zivilisationen, und ich freue mich, dass sich auch im Prozess der Ausstellungsvorbereitung zeigte, wie gute Zusammenarbeit von Menschen aus unterschiedlichen Institutionen und Kulturen gelingen kann.

Bücherkenner und -liebhaber bei der Arbeit zusehen zu können und mit ihm die Freude der Entdeckung der Bücher Neumanns teilen zu dürfen. Neben der Dr. German Schweiger-Stiftung, der Luise Prell Stiftung und der Bayerischen Staatsbibliothek sind wir besonders der Leiterin der Handschriftenabteilung Claudia Fabian und der Leiterin der Ostasienabteilung Helga Rebhan zu Dank verpflichtet. Unser Dank gilt ferner Frau Renate Stephan von der Ostasiensammlung der BSB. Ohne Frau Stephans unschätzbare Kenntnis der Ostasiensammlung der BSB wäre die Auswahl der Exponate nicht möglich gewesen. Wir danken auch Frau Zhang Yuzhi und anderen Mitarbeitern der BSB, die in das Projekt

Abb. 1: Tagebucheintrag von 1844: Dong Xi yi huiyi ye 东西一会意也 („Ost und West sind eines Sinnes“)1

involviert waren. Unser herzlicher Dank gilt auch der Universitätsbibliothek der FAU, besonders Konstanze Söllner und Christina HofmannRandall für den Ausstellungsraum sowie die bibliothekarische und organisatorische Hilfe. Besonders hervorzuheben ist auch die große Unterstützung von Dietrich Barth, der sich uns als Vermittler für die gesamte Nachkommenschaft Neumanns zur Verfügung stellte und dessen ge10

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引言 徐艳 1830年晚清仍沉浸在“天朝大国”的美梦之中,而有天子

之尊的清朝皇帝则俨然还是天下之主。在外交政治方面,现 代意义上的国际义务和外交关系在当时的中国还没有诞生, 清朝仍然沿用藩属国进贡制度,中原政权为宗主国,其他国 家则为贡属国,形成众星拱月的系统。1744年“礼仪之争” 白热化之后,清朝实行“闭关锁国”的政策,断绝与西方的 往来,自高自大的思想也日益严重。在语言政策方面则表现 为清政府禁止中国人教外国人汉语,以及向外国人出售书 籍,违者动辄被处以死刑。即使是唯一被允许与外国人 接触的广东“通事”,也不鼓励他们学习纯正的英文,而广 东英语(或称别琴英语)几乎是当时中外之间唯一的交流工 具。 卡尔·弗里德里希·纽曼来到的就是这样一个极度封闭的 中国,他是当时少数西方来华学者之一。他的行囊里没有充 沛的资金,但是却装满了耀眼的语言才华、独到的行家眼光 以及大胆的冒险精神。得益于他的勇气、心机和智慧,他在 中国购买到近六千本书籍,并成功地运回德国。其中 2410 本 他后来卖给了柏林普鲁士皇家图书馆,另外 3500 本他转手移 交给了慕尼黑宫廷图书馆,即今天的慕尼黑巴伐利亚国立图 书馆。这些书中不仅有经典名著,还有一些现在即使在中国 也很难找到的古籍珍本。慕尼黑巴伐利亚国立图书馆的中国 古文善本收藏能够成为中国以外最重要的馆藏之一,纽曼功 不可没。 纽曼出生在隶属于德国南部的班贝格市的海西曼村 的一个贫寒的犹太家庭。在他成长的道路 中,他的踪迹遍及菲尔特、法兰克福、海德堡、慕尼黑、威

尼斯、巴黎以及伦敦,最后他不远万里来到中国。他曾经当 过帮工,在犹太塔木德经文学校学习,后转奉新教。哲学家 黑格尔、德国诗人及翻译家福斯 (Johann Heinrich Voß) 、法国 哲学家库桑 (Victor Cousin) 的课堂上都留下了他的身影。他还 曾在威尼斯潟湖 San Lazzaro 岛上的修道院学习亚美尼亚语, 并在欧洲第一个汉学系——法兰西公学院汉学系师从雷慕 沙 (Abel-Rémusat) 学习汉语。他是慕尼黑自由会的成员,是慕 尼黑宫廷图书馆中文馆的总监,同时也是慕尼黑大学地域民 族学以及汉语和亚美尼亚语教授,属于德国最早的汉语言学 教授之一。他与当时广州的主要鸦片商人之一颠地 (Lancelot Dent) 以及巴伐利亚王储威廉二世交好,后因参与 1848 年革命 被解除慕尼黑大学的教授职务,最后逝世于柏林。纽曼一生 不断追求新的挑战,执著于探寻生命的意义。他燃燃不息的 写作热情,为我们留下了丰富的资料,让我们可以勾勒他的 一些生活片断。 虽然纽曼是德国汉学界的开山泰斗,但迄今对他的研究 尚十分缺乏。我们在埃尔朗根举办这次展览,纪念这位博 学的同乡故里,不仅要再现他充满冒险的传奇一生,而且也 将展出他从中国带回来的书籍中的 30本古籍。它们散落于慕 尼黑国立图书馆中国馆藏之中,经我们精心甄选呈献给参观 者。驻足于它们之中,呼吸着落了尘埃的文化,蓦然间就迷 失在那个动荡的年代。这 30本收藏珍本涉及范围广,包括类 书、宗教、文学、史学、治国之道、自然知识和占星术等 书籍,其中很多经典名著时至今日依然闪耀着经久不衰的光 辉。特别值得一提的是《芥子园画传》,为清代一部著名画 谱,该书介绍中国画的技法,孕育了无数中国画名家;还有 《本草纲目》,传统医学集大成之作,以及西班牙传教士万 济国 (Francisco Varo) 编写的《华语官话语法》 (Arte de la lengua mandarina) ,这是系统介绍汉语语法的最早著作之一。

(Reichsmannsdorf)

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2012年10月25日至12月7日在埃尔朗根大学图书馆新楼举办的

汉学家纽曼展是我们给 2012 中德文化年的一份献礼。纽伦堡埃尔朗根孔子学院和埃尔兰根大学汉学系共同为这次展览做 了精心策划和构思,并提供了主要的资金。此外,策展工作 也得到了巴伐利亚国立图书馆、埃尔朗根大学图书馆、释维 格基金会以及路易斯·伯瑞尔基金会的大力支持。 埃尔兰根大学汉学系朗宓榭教授是这次展览的孕育之父。 他在2005年中国之行中与 Ingrid Rückert 女士谈到纽曼多彩的一 生以及他对德国汉学的贡献,并请她在巴伐利亚国立图书馆 进一步做资料方面的挖掘,这立即得到了 Rückert 女士的热烈 回应。她对纽曼的深入研究是我们整个项目的基石。举办纽 曼展,表达我们对其之缅怀与敬意,这样的想法就是在研究 工作中逐渐形成的。我们也要特别感谢朗教授为参展的30本 图书的德文说明做的校对与修订工作。 两年来,我们的研究以及展览准备工作得到很多个人和机 构辛勤汗水的浇灌。我们首先要郑重鸣谢孔子学院总部对这 个汉学研究项目给予的经费上的大力支持,让我们能够设专 人负责。展览筹备工作能够顺利进行,很大程度上得益于年 轻汉学家 Katharina Steiger 女士的全心投入以及她诸多闪光的 创意。上海复旦大学的知名教授周振鹤先生在埃尔朗根大学 汉学系任客座期间,不仅全力以赴帮我们挑选展书,而且在 展书的中文说明上亲历亲为,展示了他渊博的知识。能够分 享这位历史地理学家、藏书家和“书迷”在整理纽曼收集的 珍本过程中挖掘宝藏一般的快乐,实在是我们的荣幸。除了 释维格基金会、路易斯·伯瑞尔基金会和巴伐利亚国立图书 馆以外,我们还要特别感谢巴伐利亚国立图书馆手稿部负责 人 Claudia Fabian 女士、东亚部负责人 Helga Rebhan 女士以及东 亚馆藏的 Renate Stephan 女士。 Stephan 女士对图书馆的东亚 馆藏如数家珍,没有她的帮助要选出这 30本展书对我们来说 一定道路坎坷。同样我们也要感谢巴伐利亚国立图书馆参与 14

这个项目的张玉芝女士以及其他工作人员。我们也谨向埃尔 朗根大学图书馆,特别是馆长 Konstanze Söllner 女士和手稿部 Christina Hofmann-Randall 女士献上我们的谢意,在展室安排和 展书布置方面我们得到了她们无私的帮助。Dietrich Barth 教授 作为纽曼的后人,为我们和纽曼后代穿针引线,对他的大力 支持我们表示最诚挚的感谢。从纽曼后人那儿我们获得很多 宝贵资料,特别是 Anneliese Neumann 女士呕心沥血整理的纽 曼日记,对我们是莫大的帮助,为我们的研究提供了进一步 的基础。在此我们谨向 Anneliese Neumann 女士以及其他纽曼 后人表示感谢。 Johann Fleischmann 先生以及海西曼村的村民 带领我们参观他们美丽的村庄、纽曼故居和犹太人居住的旧 址,我们在此向他们致谢,香港中文大学儿童双语研究所的 Stephen Matthew 先生以及周志卫先生为我们提供了关于洋泾 浜英语的影片,我们特此鸣谢。 汉学家纽曼是异域文化交流的先锋,是两种文明之间的桥 梁,策划纽曼展的过程中,中西文化水乳交融,中德学者亲 密合作。瞻先辈之容,习古人之风,这实在是对纽曼最好的 纪念。

1  Neumann, Karl Friedrich: Denkwürdigkeiten meines Lebens u. meiner Zeit. Tagebuch­ aufzeichnungen v. 22. 11. 1841 – 17. 9. 1842. Neumanniana 5 (1841/42), Handschriftenabteilung Bayerische Staatsbibliothek München

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Karl Friedrich Neumann, „ein vollkommener Freigeist“: Werden und Wirken des Gelehrten Ingrid Rückert

Einleitung Wer war Karl Friedrich Neumann, dem im Herbst und Winter 2012 die erste größere Ausstellung an der Universitätsbibliothek Erlangen gewidmet ist? Gewürdigt wurde der umfassend gebildete Philologe und Historiker bisher in mehreren Publikationen vor allem als erster Sinologe aus Bayern, der pragmatisch Theorie und Praxis zu verbinden wusste. Als einziger deutscher Sinologe seiner Zeit wagte Neumann 1830 die gefährliche Schiffsreise rund um Afrika und fand, ohne Diplomat, Missionar oder Kaufmann einer europäischen Handelskompanie zu sein,1 nicht nur Zutritt zu dem damals für fast alle anderen Ausländer verschlossenen „Reich der Mitte“,2 sondern erwarb und exportierte auch seinem Vorsatz gemäß erfolgreich eine umfassende Auswahl originalsprachlicher chinesischer Bücher zum Weiterverkauf an Bibliotheken in Deutschland. Naturgemäß waren für Neumann wissenschaftliche Bibliotheken von besonderer Bedeutung. Dies galt in seinem Fall nicht nur für seine Studien, sondern auch für seinen Broterwerb. Da er immer darauf angewiesen war, Geld mit seinem Wissen zu verdienen, verband er die Reise nach China mit der selbstgewählten Aufgabe, dort originalsprachliche Bücher und andere Gegenstände zu erwerben, die er, wenn nicht der Bayerischen Staatsbibliothek – der damaligen Münchner Hofbibliothek – direkt, dann doch „in irgendeiner Form dem bayerischen Staate zur Verfügung zu stellen“ gedachte.3 Schon früher hatte er in Venedig „gute und billige“ italienische Bücher für die Bibliothek erworben; 1828 wickelte er, versehen 17

mit einer Kaufinstruktion des damaligen Bibliotheksdirektors Philipp

dorf südwestlich von Bamberg geboren. Er selbst setzt sein Geburtsdatum

Lichtenthaler (1778-1857), mehrfach Bestellungen in Paris ab.4

zwischen 1792 und 1795 an, da es im Bistum Bamberg damals für die frän-

Im Gegenzug für die Überlassung eines Teils seiner erworbenen chi-

kischen Juden noch keine Geburts- und Sterberegister gab und seine

nesischen Bücher wurde Neumann besoldeter Konservator der chine-

jüdische Gesetzesbinde mit dem exakten Geburtsdatum bei seinem Über-

sischen Sammlungen an der damaligen Münchner Hofbibliothek und

tritt zum Christentum wie damals allgemein üblich vernichtet wurde.6

Professor der chinesischen und armenischen Sprache sowie der Länder-

Die jüdischen Familien seines Geburtsortes unterstanden damals den

und Völkerkunde an der Münchener Universität von 1833 bis 1852.

Freiherren von Schrottenberg, die Reichmannsdorf 1689/92 erworben

Für die Erwerbung von rund 3.600 Büchern, etwas mehr als der Hälfte

hatten;“7 an diese hatten die Juden Schutzgelder zu zahlen.8

der von Neumann mitgebrachten Gesamtmenge, setzte sich König Ludwig

Bei seiner Geburt trug Neumann die Vornamen Isaak Lazarus als erster

I. von Bayern persönlich ein; diese Zahl entsprach zu jener Zeit immerhin

Sohn des Lazarus Löw (Löb; Löw Lazarus) oder Lippmann (1767–1842),9 der

ungefähr einem normalen Jahreszugang an Neuerwerbungen. Damit

seit 1822 das Patent für den „Hausierhandel mit Schnittwaren im Land-

verfügte die damalige Hofbibliothek, die auf den Gesamtbestand bezogen

gerichtsbezirk Burgebrach“10 innehatte, womit er aber für Frau und fünf

bereits seit spätestens 1815 nach der Bibliothèque Nationale in Paris die

Kinder nur mit Mühe das Existenzminimum erwirtschaftete. Karl war

zweitwichtigste europäische Bibliothek geworden war, auf einen Schlag

das einzige Kind aus der ersten Ehe seines Vaters mit Eva, geborener

nach Paris auch über den zweitwichtigsten europäischen Spezialbestand

Esheimer, aus Fürth, die jedoch schon um etwa 1800 verstarb. Mit dem

originalsprachlicher chinesischer Literatur.

vollendeten dreizehnten Lebensjahr wurde Neumann als volljährig vom

Da Karl Friedrich Neumann als Sinologe und Bestandsgründer der Sinica an der Bayerischen Staatsbibliothek jedoch von anderer Seite aus-

Vater weggeschickt, der mittlerweile seine zweite Frau und vier von ihr geborene Kinder zu ernähren hatte.

führlich gewürdigt wird, widmet sich dieser Beitrag im folgenden einer

Der denkbare Ausweg, Rabbi oder Religionsgelehrter zu werden, schied

Gesamtschau der biographischen Hintergründe und der geistigen Uni-

für den begabten Jungen aus, da ihn die Fürther Judengemeinde mit dem

versalität, die die Bedeutung Karl Friedrich Neumanns als Gelehrten im

„überhäuften Ceremonienkram, was die Leute Religion nennen“, schon

weitesten Sinne ausmachten. Er steht dabei beispielhaft für die Auf-

frühzeitig abschreckte: „Ich fange an, über alle diese Sachen nachzuden-

bruchsstimmung und die Blütezeit deutschen Geisteslebens im neun-

ken und bin, ich weiß nicht, wie dies gekommen, ein vollkommener

zehnten Jahrhundert, wie auch seine Bekanntschaft mit anderen nam-

Freigeist geworden.“11 Auch ein wohlmeinender Rabbi in Bamberg konnte

haften Gelehrten deutlich erkennen lässt.

ihn zuvor nicht vom Talmud überzeugen.12

Werdegang Karl Friedrich Neumanns und Vorgeschichte seiner Chinareise

eines ungeliebten Viehhändlers und als wenig erfolgreicher Hausierer13

Nach verschiedenen Gelegenheitsarbeiten, unter anderem im Dienst erhielt Neumann schließlich in Frankfurt beim Bruder Edheim seiner verstorbenen Mutter eine Ausbildung zum Kaufmann und damit auch

Im Folgenden soll Neumanns biographischer und akademischer Werde-

Gelegenheit, sich auf anderen Gebieten weiterzubilden. Mit eiserner

gang ausführlicher gewürdigt werden.5 Karl (anfänglich auch Carl) Fried-

Disziplin beschäftigte er sich gründlicher als zuvor mit Deutsch und

rich Neumann wurde vermutlich am 28. Dezember 1793 in Reichmanns-

Hebräisch und lernte nachts autodidaktisch Latein und Griechisch. Unter-

18

19

stützung fand Neumann dabei durch den Lehrer am Städtischen Gymna-

Akademie der Wissenschaften gewählt wurde.20

sium, Professor für klassische Literatur am Lyceum Carolinum und Ent-

Mit Beginn der Restauration 1815 hatte sich der soziale Druck auf die

zifferer persischer, babylonischer und assyrischer Keilschriften, Georg

Juden verstärkt, da die in Deutschland mit der Besetzung Napoleons

Friedrich Grotefend (1775–1853), in Neumanns Augen „ein vorurtheilsloser,

eingeführten Gesetze zur Gleichstellung der Juden vielfach wieder

geistig freier Mann“ und den Historiker Friedrich Christoph Schlosser

aufgehoben worden waren. Die wissenschaftliche Laufbahn eines Uni-

(1776–1871), der Neumann zum lebenslangen Freund wurde. Beide emp-

versitätsprofessors, die Neumann frühzeitig angestrebt hatte,21 war

fahlen ihn zum Studium nach Heidelberg, wo Neumann 1817 für die Fächer

damit für ihn als Jude, so wie auch für seinen berühmteren Zeitgenossen

Philologie und Philosophie immatrikuliert wurde. Bereits in Frankfurt

Heinrich Heine, schwierig oder gar unmöglich geworden. Mit seiner

hatte sich Neumann außerdem Englisch und Französisch beigebracht,

Taufe nahm Neumann die Namensidentität an, unter der er bekannt

„um sich nach Möglichkeit mit der Literatur des Aufklärungs-Zeitalters

wurde und der Nachwelt überliefert ist. Die beiden Vornamen stammten

bekannt zu machen“.15 So bezeichnete er sich auch bei der Abfassung

in der männlichen Form von seiner königlichen Taufpatin Caroline

seiner Memoiren zwischen 1860 und 1863 als „Voltairianer“. In Heidel-

Friederike und dem zweiten Taufpaten Friedrich Thiersch. (Die Tauf­

berg erfuhr Neumann wichtige Prägungen unter anderem durch den

urkunde lautete auf Carl Friedrich Neumann.) Den Nachnamen Neumann

Theologen Heinrich Eberhard Gottlob Paulus (1761–1851), der als Erklärung

wählte er als Programm für ein neues Leben nach der Taufe,22 während

für die Wunder der Bibel natürliche Phänomene oder Zufälle suchte, und

er vorher als Student in Heidelberg noch als Julius Lazarus Bamberg oder

Johann Heinrich Voß (1751–1826), den Übersetzer und Verfasser bis heute

Bamberger registriert war, wie er sich in Frankfurt nach der Tradition

wegweisender kritischer Editionen griechischer Literatur.

der Handwerks­burschen nach dem nächsten größeren Herkunftsort

14

16

Bis 1818 war in Neumann der Entschluss gereift, zur Evangelisch-

genannt hatte.23

Lutherischen Kirche überzutreten, die „freie Forschung, die Auslegung

Nach der Taufe setzte Neumann seine philologischen Studien in Mün-

der Schrift nach eigener Einsicht“ erlaubte.17 Im Königreich Bayern war

chen fort und bestand 1819 die Prüfung für das höhere Lehramt an Gym-

die rechtliche Gleichstellung der katholischen und evangelischen Religion

nasien. Von einem einjährigen Studienaufenthalt mit Stipendium an der

in der Verfassung von 1808 erfolgt. Der Heidelberger Pfarrer Theophor

Universität Göttingen zurückgekehrt, war er nach gescheiterten Versu-

Friedrich Dittenberger (–1842) hatte ihn dafür direkt an seinen Schwager

chen, sich in Würzburg oder Gießen als Universitätsprofessor zu etablie-

in München, den ersten in Altbayern zugelassenen lutherischen Pfarrer

ren,24 wegen religiöser Anfeindungen nirgends lange berufstätig. In

und Oberhofprediger Ludwig Friedrich Schmidt (1764–1857) empfohlen,

rascher Folge wirkte er als Gymnasiallehrer zunächst 1821 in Aschaffen-

der 1818 der erste protestantischen Ministerialrat in Bayern wurde. Am

burg, wo der katholische Pfarrer Franz Aegid Anderlohr Neumanns Ver-

11. Oktober 1818 wurde Neumann getauft, seine Patin war die protestan-

setzung nach Würzburg betrieb,25 dann seit 1822 in Speyer, wo er bereits

tische Königin Caroline Friederike Wilhelmine von Bayern (1776–1841),

am 5. Juni 182526 ohne Pensionsberechtigung in den Ruhestand versetzt

vertreten durch Friedrich Wilhelm Thiersch (1784–1860) als offiziellem

wurde: „Er hatte es gewagt, […] den Durchzug der Israeliten durch das

zweiten Taufpaten,

18

„dem Begründer der philologischen Studien in

Rothe Meer auf natürliche Weise durch Ebbe und Fluth zu erklären, und

Bayern“, der die königlichen Prinzessinnen in Geschichte und Literatur

wurde in Folge der Denunciation des katholischen Religionslehrers […]

unterrichtete und 1848 zum Präsidenten der 1759 gegründeten Bayerischen

1825 quiescirt.“27

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21

Dieser Schicksalsschlag sollte sich im Nachhinein als Glücksfall erwei-

Bei seinen privaten Studien gab einen entscheidenden Impuls für

sen, denn damit begann Neumanns freiberufliche Zeit, in der sich seine

seinen Lebensweg als Sinologe das Werk „Kritisch-historische Nebenstun-

grenzenlose intellektuelle Neugier und Gelehrsamkeit in Verbindung mit

den“ (Göttingen, 1797) des Historikers und Völkerkundlers August Ludwig

umfassender Reisetätigkeit gemäß seinen Neigungen entfalten konnte.

Schlözer (1735–1809), speziell „ein an Johann Georg Meusel gerichteter

Entgegen kam ihm dabei die dem Begründer der Vergleichenden Sprach-

offener Brief, worin Schlözer die Rückständigkeit der Deutschen in der

wissenschaft und Freund Franz Bopp (1791–1867) ähnliche außergewöhn-

Pflege der asiatischen Geschichte lebhaft beklagt“.31 Diese Lektüre bestär-

liche Sprachbegabung, mit der er nicht nur die dem Deutschen verwand-

kte Neumanns früheren Eindruck aus Vorlesungen des Göttinger Histo-

ten indoeuropäischen Sprachen in wenigen Monaten fließend erlernte,

rikers Arnold Hermann Ludwig Heeren (1760–1842) und bestimmte end-

obwohl er sich in erster Linie als Historiker verstand und die Philologien

gültig seine Zukunftsplanung: „Eine Geschichte des Morgenlandes im

nur als Hilfswissenschaften und unentbehrliches Mittel zum Geldverdie-

ausgedehnten Sinne des Wortes war mir zur Lebensaufgabe geworden“.32

nen betrachtete.28 Da er aus seiner kurzen Lehrtätigkeit nur einen kärg-

Auch Anregungen, die er in Venedig gewinnen sollte, wirkten in die

lichen Unterhaltszuschuss von 350 Gulden bezog,

bestritt er seinen

gleiche Richtung, „das ganze Morgenland aus den einheimischen Quel-

Lebensunterhalt zusätzlich mit einer Fülle anspruchsvoller Publikationen

len zu erforschen und die Ergebnisse in einer ausführlichen Staaten- und

in kurzer Zeit, zu denen ihn seine rasche Auffassungsgabe und sein

Kulturgeschichte Asiens niederzulegen.“33

29

schriftstellerisches Talent befähigten. Bereits in Heidelberg war er mit

Neumanns wissenschaftliche Spezialisierung im Hinblick auf eine

wissenschaftlichen Zeitschriftenbeiträgen hervorgetreten. Finanzielle

spätere Universitätslaufbahn schien sich jedoch zunächst in eine andere

Einkünfte waren umso wichtiger, als Neumann seit seiner Frankfurter

Richtung zu konkretisieren. Der Paläograph Ulrich Kopp (1762–1834) emp-

Zeit bis 1845 zusätzlich seinen Vater und dessen Familie unterstützte.30

fahl Neumann, in Venedig Armenisch zu lernen, um später als einziger

Auch wenn Neumann Zeit seines Lebens gegen zahlreiche Wider-

deutscher Kenner der Sprache seit dem längst verstorbenen Johann Joa-

stände ankämpfen musste, waren andererseits seine Zeitgenossen, Euro-

chim Schröder (1680–1746) einen Lehrstuhl dafür zu erhalten. Solche Stu-

päer wie Chinesen, vielfach stark von ihm beeindruckt und eröffneten

dien standen allerdings im Einklang mit dem universalistischen Ansatz

ihm immer wieder neue Möglichkeiten. So kamen viele wichtige Wei-

von Neumanns Asienforschungen: „als sie, vom äußersten Westen und

chenstellungen über persönliche Verbindungen zustande. Dies galt für

äußersten Osten der asiatischen Kulturwelt gesprochen […] die Möglich-

seine frühen Veröffentlichungen, für die ihn in München Ludwig Hain

keit boten, das Problem der asiatischen Geschichte von den beiden Gegen-

(1781–1836) an Brockhaus und in Göttingen sein Studienkollege Heinrich

punkten her in Angriff zu nehmen.“34 Innerhalb rund eines halben Jahres

Heine (1797–1856) an den einflussreichen Verleger Johann Friedrich von

lernte Neumann neben Italienisch35 von August 1827 bis Frühjahr 1828

Cotta (1764–1832) vermittelte, ebenso wie für sein wissenschaftliches Fort-

Armenisch im Kloster der Mechitaristen auf der Insel San Lazzaro bei dem

kommen und später für die eigentlich verbotenen Kontakte zu einheimi-

Mönch Padre Pasquale, der schon Lord Byron unterrichtet hatte, und

schen Chinesen in Kanton, ohne die sein Vorhaben, dort eine bedeutende

spezialisierte sich so umfassend, dass er vor seiner Abreise ungeachtet

Büchersammlung zu erwerben, von vornherein zum Scheitern verurteilt

seines protestantischen Glaubens zum Mitglied der dortigen Armenischen

gewesen wäre.

Akademie ernannt wurde.36

22

23

Anschließend verbrachte er nur wenige Wochen in München zur Vorbereitung seines Aufenthaltes in Paris, um an dem 1814 gegründeten

Karl Friedrich Neumanns Chinareise 1830 – 1831 und der Ankauf chinesischer Bücher in Kanton

ersten europäischen Lehrstuhl für Sinologie des Collège de France bei Abel Rémusat Chinesisch zu lernen. Innerhalb von zwei Monaten machte er

Als Neumann in London von der Möglichkeit erfahren hatte, nach

trotz eigener Publikationstätigkeit als Armenienspezialist,37 zusätzlichen

China zu reisen, machte er sich auf die Suche nach Finanzierungsmög-

Studien des Armenischen bei Antoine-Jean Saint-Martin (1791–1832) und

lichkeiten für Bücher, die er dort zu erwerben beabsichtigte. Nachdem

des Persischen bei Silvestre de Sacy (1758–1838)38 dabei solch rasante Fort-

seine Verhandlungen mit der Münchner Hofbibliothek und dem baye-

schritte, dass er für die schwierigen Texte des chinesischen Philosophen

rischen Staat wider Erwarten gescheitert waren, wandte er sich im August

Mengzi (oder Menzius in latinisierter Form) eine von Abel Rémusat selbst

1829 nach Berlin. Anfang 1830 errang er nach längeren Verhandlungen

wissenschaftlich anerkannte Übersetzung vorlegte. Aufgrund dieser Lei-

dort einen Teilerfolg. Nach Fürsprache des Oberbibliothekars, Historikers

stung und anderer sinologischer Publikationen auf Französisch wurde er

und Orientalisten Friedrich Wilken (1777–1840) bewilligte ihm der preu-

bereits am 7. Juli 1828 zum ordentlichen Mitglied der 1822 gegründeten

ßische Kultusminister Karl Siegmund Franz von Altenstein (1770–1840)

Société Asiatique ernannt.39

1.500 Reichstaler „zum Ankauf von chinesischen Büchern oder anderer

Ausgestattet mit guten Empfehlungsschreiben Abel Rémusats, unter

wissenschaftlicher Gegenstände“, wovon allerdings zum großen Ärger

anderem an George Thomas Staunton (1781–1859), den Mitbegründer und

Neumanns fast 50 Taler als Gebühr beim Wechselgeschäft mit der Lon-

Vizepräsidenten der Royal Asiatic Society, Dolmetscher der East India

doner Bank Nathan Rothschilds verloren gingen.43 Nebenher ernannte

Company in Kanton seit 1808 und Superintendent der britischen Faktorei

die Akademie der Wissenschaften Neumann 1829 umgehend zum „kor-

von 1816 bis 1817,40 reiste Neumann schon im Frühjahr 1829 nach London,

respondierenden Mitglied der historisch-philologischen Klasse“,44 und

um Material für eine Geschichte Asiens zusammenzutragen, wo er auch

1830 wurde er Mitglied der „Societät für wissenschaftliche Kritik“, was

sofortige Aufnahme bei den Sitzungen der Royal Asiatic Society fand.

ihm das Publizieren erleichterte.

Zusätzlich verschaffte ihm der neugegründete „Oriental Translation Fund“

Vom 28. März 1830 bis zu seiner Abreise nach China am 17. April 1830

Einnahmequellen durch mehrere Übersetzungsaufträge.41 Nach seiner

wertete Neumann zusätzlich in London die große Bibliothek aus, die der

Chinareise erschienen 1830 und 1831 zwei Übersetzungen aus dem Arme-

britische Missionar und Sinologe Robert Morrison (1782–1834) aus China

nischen, „The History of Vartan and of the battle of the Armenians, con-

mitgebracht und der London Missionary Society überlassen hatte. Mor-

taining an account of the religious wars between the Persians and Arme-

rison war neben Staunton der einzige Brite, der in dieser Zeit Chinesisch

nians, by Elisäus“ (1830), „Vahram’s Chronicle of the Kingdom in Cilicia“

beherrschte und ab 1809 wie letzterer als Übersetzer für die East India

(1831) und ebenfalls 1831 zwei Übersetzungen aus dem Chinesischen, „The

Company in Kanton tätig war.45 Vor allem dank der leicht zugänglichen

Catechism of the Shamans“ und „History of the Pirates who infested the

britischen Spezialbibliotheken trat Neumann seine Reise gut vorbereitet

China Sea, from 1807 to 1810“,42 die er zum großen Teil während seiner

mit einer von ihm selbst erstellten umfassenden und aktuellen Biblio-

langen Schiffsreise erarbeitet hatte.

graphie chinesischer Bücher an, die er in Kanton erwerben wollte.46 War schon das Vorhaben außergewöhnlich und das Zustandekommen des Unternehmens alles andere als selbstverständlich, so war die Reise

24

25

selbst ein Abenteuer, wie die ausführliche Beschreibung Neumanns noch

beschwerliche Reise rund um Afrika auf dem Segelschiff „Sir David

rund dreißig Jahre später farbig vermittelt.47 Zunächst hatte er in London

Scott“.51 Da der Französischunterricht mit dem Kapitän Ward bald ein-

gesprächsweise von dem deutschen Orientalisten Bernhard Dorn (1805–

schlief, blieb Neumann während der fast fünfmonatigen Hinreise und

1881) erfahren, dass der Kapitän John Ward der East India Company an

der Rückreise reichlich Zeit für schriftstellerische Tätigkeit, Überset-

einem Französischlehrer interessiert sei, der ihn während seiner Fahrt

zungen und private Studien wie der Vertiefung seiner Sprachkenntnisse

nach China gegen freie Hin- und Rückfahrt unterrichten sollte. Erst nach

des Chinesischen, des ebenfalls vorher schon erlernten Sanskrit, des Per-

zähen Verhandlungen erhielt Neumann die Reiseerlaubnis, denn von

sischen und Armenischen.52 Die Reise verlief ohne gefährliche Zwischen-

einem mitreisenden fremden Gelehrten als Präzedenzfall wollte sich die

fälle, Wetterunbilden und Piratenangriffe und außerdem vergleichsweise

East India Company die damals sehr gespannten Handelsbeziehungen

schnell, denn sein Schiff war eines der wenigen sechs, die von London

mit China ungern verderben lassen: „Sie müßen [sic] nämlich wissen,

aus ohne Zwischenaufenthalt in Indien nach China fuhren.53

daß bei der geringsten Verletzung ihrer willkürlichen Verordnungen die

Im August 1830 bekam Neumann erstmals die Gelegenheit, seine

Provinzialregierung Kantons den Handel mit den Fremden untersagt und

Sprachkenntnisse auf asiatischem Boden erfolgreich anzuwenden, bei

jede Berührung zwischen ihnen und den Unterthanen des Mittelreiches

den Auslandschinesen auf Java ebenso wie in der armenischen Kolonie

verbietet. Solch eine Verkehrssperre ist immer mit großem Geldverlust

von Singapur. Am 8. September 1830 betrat er in Macao erstmals chine-

verbunden. Überdies wird sie kaum ohne die größte Demüthigung von

sischen Boden und stellte sich umgehend dem damals dort anwesenden

unserer Seite aufgehoben. Man kann es deshalb der Ostindischen Kom-

Robert Morrison vor. Die beiden Männer pflegten regen fachlichen und

pagnie nicht verargen, wenn sie keinem Engländer, viel weniger einem

freundschaftlichen Austausch; unter anderem erhielt Neumann von Mor-

Fremden, über welchen sie nicht einmal eine Oberaufsicht hat, erlaubt,

rison eine Einführung in die komplizierte Etikette des chinesischen Brief-

in ihren Schiffen nach Kanton zu gehen.“ Wegen des erst wenig später

stils, die für erfolgreiche schriftliche Kontakte unerlässlich war. Unter-

auf Drängen britischer Kaufleute vom Parlament mit dem Earl Grey’s Act

kunft und weitere Förderung erhielt er bei den portugiesischen Mönchen

von 1833 aufgehobenen Handelsmonopols der East India Company mit

des 1730 von den Jesuiten errichteten Klosters San José, besonders von

China war selbst der Aufenthalt von unabhängigen Briten in Kanton nur

Pater Joaquim Affonso Gonçalves (1781–1841), selbst Verfasser chinesischer

49

dann erlaubt, wenn sie als Konsuln fremde Regierungen repräsentierten.

Lehrbücher. Dieser organisierte einen chinesischen Klosterzögling als

In der Tat fand Neumanns Reise in einem engen Zeitfenster statt und

Chinesischlehrer für Neumann, der ihn auch in den Dialekt, die Lieder

wäre in dieser Form wenig später nicht mehr möglich gewesen. Es kün-

und die Musik Macaos einführte.54 Da jedoch der geplante Bücherkauf in

digten sich bereits die Spannungen an, die 1839–1842 zum Ersten und

Macao nicht durchführbar war, begab sich Neumann zusammen mit der

1856–1860 zum Zweiten Opiumkrieg führten: „Als wir von England

englischen Faktorei schließlich im Oktober nach Kanton.55

48

abfuhren, war bekannt, daß die Factorei der Ostindischen Kompagnie zu Kanton in neue Zwistigkeiten mit den Chinesen verwickelt wurde. Man fürchtete einen schlimmen für den Handel sehr nachtheiligen Ausgang.“

Zunächst löste sich die Frage der Unterkunft erfreulich schnell, denn

50

der britische Kaufmann La(u)ncelot Dent nahm Neumann als Gast in

Nachdem ihn die Bewilligung der East India Company 200 Pfund geko-

seinem Haus auf, der sich damit aller materiellen Sorgen ledig seinem

stet hatte, machte Neumann schließlich die rund 15.000 Seemeilen lange

Vorhaben widmen und dort auch die gekauften Bücher unentgeltlich

26

27

lagern konnte. Alsbald war der entscheidende Kontakt zu den Einheimi-

1.500 Talern 2.410 Bücher erhielt,61 während am 5. März 1833 die restlichen

schen hergestellt: „Ein gelehrter Chinese wurde für theueres Geld als

3.500 Bände vom bayerischen Staat übernommen wurden.62 Der Verbleib

Lehrer angeworben, welcher dreimal wöchentlich im Geheimen zu mir

der Münzen und Ethnographica ließ sich bislang in München nicht klä-

kam. […] Ich offenbarte dem Manne, daß ich vorhabe, eine große Bücher-

ren.63 Auch die Büchersammlung Neumanns kann in München und in

sammlung und andere die eigenthümliche Kultur des Mittelreiches

Berlin weder über Kataloge noch Erwerbungsakten mit Sicherheit voll-

bezeichnende Gegenstände anzukaufen. Dies war manchen Schwierg-

ständig rekonstruiert werden.64

keiten unterworfen. Die großen Buchhandlungen sind innerhalb der Stadt, welche damals die auf einige Straßen längs der Vorstädte

Die Zeit nach der Chinareise: München und Berlin

beschränkten Ausländer nicht besuchen durften. […] Mein Lehrer und mein Bedienter wußten schnell einen Ausweg zu finden, um das Verbot

Bis 1852 war Neumann parallel zu seiner Funktion an der Hofbibliothek

zu umgehen. Ganze Haufen von Büchern wurden in ein abgelegenes Haus

als Professor an der Münchner Universität tätig, wo sein Wirken nicht

in der Vorstadt gebracht, wo ich hinging und die Auslese hielt. Wenige

nur dem Namen nach weit über die Sinologie hinausging. Seine Vorle-

Wochen waren vergangen, und 12 000 Bände, worunter die seltensten

sungen, die er für damalige Verhältnisse völlig ungewohnt in freier Rede

und kostbarsten Werke der chinesischen Literatur alter und neuer Zeit,

einschließlich Diskussionen mit seiner Zuhörerschaft abhielt, erfreuten

lagen da in der Kaufhalle des Herrn Dent übereinandergeschichtet – die

sich eines regen Zuspruches. Neumann weitete sie bald auf die allgemeine

Chinesen stellen ihre Bücher nicht auf, sondern legen sie übereinander

Geschichte aus, so dass er von den Anfängen bis zur politisch heiklen

– welche ich sämtlich mein Eigenthum nennen konnte. Meine Freude

Gegenwart über die „Kulturentwicklung der Menschheit“ las und dabei

kannte keine Grenzen.“56 Direkt aus Klosterdruckereien erwarb er taois-

„religiöse und staatliche, literarische und bürgerliche Aspekte“ beleuch-

tische und buddhistische Literatur, speziell aus dem Buddhistenkloster

tete.65 Für die Jahre 1833–1852 spricht Neumann von rund 10.000 bei ihm

auf der Flußinsel Honan gegenüber den europäischen Faktoreien in Kan-

immatrikulierten Studenten, pro Semester etwa 200 bis 300 bei einer

ton und verstand es dabei, den ursprünglich überhöhten Preis herunter-

durchschnittlichen Gesamtzahl von 1400 Studenten, was ihm erhebliche

zuhandeln.57 Insgesamt betrug der Kaufpreis für die chinesische Samm-

zusätzliche Einnahmen an Hörergeldern von 1800 bis 1900 Gulden pro

lung 1850 spanische Dollar und zusätzlich 80 Dollar für die Zollbeamten,

Jahr einbrachte und sein Gehalt praktisch verdoppelte. Damit war Neu-

damit sie die normalerweise einem strengen Ausfuhrverbot unterlie-

mann „wohl vor den berühmteren Kollegen J[oseph] Görres [1776–1848]

genden Bücher als Papier deklarierten und verzollten.

und K[onstantin] Höfler [1811–1897] der Historiker mit der größten Brei-

58

59

Anfang Februar 1831 trat Neumann mit zwölf Bücherkisten, die er in

tenwirkung.“66 Mindestens bis 1848 war Neumann nicht nur wissen-

seiner Kajüte mitführte, um Frachtkosten zu sparen, auf der „Sir David

schaftlich angesehen, sondern auch sozial voll integriert. So nahm er an

Scott“ die Rückreise nach London an, wo er nach knapp viermonatiger

den wissenschaftlichen „Abendunterhaltungen“ („Symposien“) des Kron-

Seefahrt und einer Abwesenheit von insgesamt über dreizehn Monaten

prinzen Max und späteren Königs Maximilian II. (1811–1864) teil, die er

am 24. Mai 1831 wieder europäischen Boden betrat. Umgehend machte

mit Thiersch und Georg Ludwig von Maurer (1790–1872) mitbegründet

er sich daran, für diese Bücher einen Käufer zu finden, wobei die Berliner

hatte,67 und war außerdem 1837 Gründungsmitglied der „Gesellschaft der

Bibliothek entsprechend dem preußischen Erwerbungsvorschuss von

Zwanglosen“, wo er mit Thiersch, dem Mineralogen Franz von Kobell

60

28

29

(1803–1882) und dem Brasilienforscher Carl Friedrich Philipp von Martius

aus administrativen Gründen, zusammen mit den Professoren Karl (von)

(1794–1868) die Gelehrtenwelt vertrat, bis er 1848 wegen seiner politischen

Prantl (1820–1889) und Heinrich Simon Lindemann (1807–1855) in den

Anschauungen austrat. In dieser Phase taucht Neumann auch auf eini-

Ruhestand versetzt. Auch seine Nachfrage und die Bitte, sich vor Maxi-

gen der farbigen Karikaturen des Zeichners, Schriftstellers und Kompo-

milian II. verteidigen zu dürfen, blieben erfolglos, ebenso wie die zwei-

nisten Franz Graf von Pocci (1807–1876) auf.

malige Fürsprache der Philosophischen Fakultät für seine Wiedereinset-

68

Auf die Sinologie bezogen hielt Neumann nach einem kurzen Inter-

zung.73 Hauptursache waren wohl erneut kirchliche Bedenken gegen den

mezzo des Chinesischdozenten Heinrich Kurz (1805–1853) zwischen 1831

„Freigeist“ und konkret das Drängen der Freisinger Bischofskonferenz,

und 1832 die ersten institutionalisierten Universitätsvorlesungen in Mün-

dem der neue Kultusminister, Theodor von Zwehl (1800–1875), nach sei-

chen.69 Als Philologe lehrte Neumann seit 1838 schwerpunktmäßig Chi-

nem Amtsantritt Taten folgen ließ.74

nesisch, das er in Kollegien während der Wintersemester anbot. Damit

1863 siedelte Neumann mit seiner Familie nach Berlin über. Dort wid-

gewann das Fach eine große Popularität; unter anderem strahlte dies

mete er sich statt der geliebten Lehrtätigkeit intensiv seiner wissenschaft-

zurück nach Großbritannien in der Person von Thomas Taylor Meadows

lichen Arbeit als Historiker mit Schwerpunkt auf Werken der neueren

(1819–1869), der sich später wiederum als Dolmetscher in Kanton und als

orientalischen und nordamerikanischen Geschichte.75 Als umfang-

Sinologe einen Namen machte.

reichstes Werk verfasste er von 1863 bis 1866 eine dreibändige „Geschichte

70

71

Nun fühlte sich Neumann endlich beruflich und finanziell abgesichert

der Vereinigten Staaten von Amerika“.76 Sein Plan, 1853 von England aus

genug, um an die Gründung einer eigenen Familie zu denken. So ging

in die USA zu reisen, hatte sich wegen grassierender Cholera und einer

er im März 1837 die Ehe mit Carolina Maximiliane Walburga Schmidt­

Gelbfieberepidemie zerschlagen.77

müller (11.10.1809 – 28.3.1893) ein, der „einzige[n] Tochter eines längst

„Am 14.4.1867 [erlitt er] einen Hirnschlag, von dem er sich nicht mehr

ver­storbenen Profeßors an der ehemaligen Landshuter Universität“. Aus

ganz erholte.“78 Am 17.3.1870 ging Neumanns intensives, schaffensreiches

der Verbindung entstammten die drei Kinder Karl Friedrich junior

Leben morgens 10 Uhr in Berlin nach einem Ruhranfall zu Ende; auf dem

(20.3.1838 – 23.6.1919), Emma (30.8.1839 – 15.1.1920) und Julie Christine

Totenschein ist „Bronchial-Katarrh“ als Ursache vermerkt. Neumanns

(4.9.1842 – 1920).72

Urne wurde am 20. März nach München überführt und im Familiengrab

Geprägt von seinen Erfahrungen mit der freiheitlichen englischen

auf dem Alten Südlichen Friedhof bestattet.79

Verfassung stand Neumann den Bestrebungen der Revolution von 1848,

Mit den Worten des Sinologen Georg Reismüller (1882–1936), dem Gene-

also Forderungen wie „der Einheit des Vaterlandes; Gleichberechtigung

raldirektor der Bayerischen Staatsbibliothek von 1929–1935, kann abschlie-

aller christlichen Bekenntnisse; Freiheit der Wissenschaft, der Presse und

ßend als Fazit festgehalten werden: „Es bleibt erstaunlich, mit welchem

Vereinsrecht“ sehr nahe und nahm selbst am Vorparlament in Frankfurt

Geschick Neumann es verstand, in verhältnismäßig kurzer Zeit trotz der

teil. 1840 hatte er als leidenschaftlicher Bücherliebhaber zusammen mit

ihm von den fremdenfeindlichen Chinesen bereiteten Hindernisse eine

einer Reihe anderer Professoren und Gesinnungsgenossen bereits das

so gut abgerundete Sammlung klassischer, historischer, religionsge-

Verbot der bayerischen Regierung umgangen, die Erfindung der Buch-

schichtlicher und enzyklopädischer Werke in zum Teil sehr guten Ausga-

druckkunst zu feiern. Zunächst schien dies alles ohne persönliche Folgen

ben anzulegen und nach Deutschland zu bringen.“80 Auch als Autor ist

für ihn zu bleiben, doch 1852 wurde er aus heiterem Himmel, angeblich

Karl Friedrich Neumann heute noch interessant, und viele seiner Werke

30

31

erfuhren Neuauflagen bis Ende des 20. Jahrhunderts, sogar in Mikroform.81 Als Mitglied europäischer Wissenschaftsakademien war Neumann zu seinen Lebzeiten hoch angesehen in der Gelehrtenwelt, wenn er auch als ein der französischen Aufklärung verpflichteter „Freigeist“ im Zeitalter der Restauration bürgerlich keinen leichten Stand hatte. Möge diese Ausstellung dazu beitragen, dass die Bedeutung Karl Friedrich Neumanns neu gewürdigt und in lebendiger Überlieferung bewahrt wird.

32

1  Reismüller, Georg: „Karl Friedrich

7  Reichmannsdorf (Stadt Schlüsselfeld,

Neumann. Seine Lern- und Wanderjahre,

Kreis Bamberg): Jüdische Geschichte /

seine chinesische Büchersammlung“. In:

Synagoge. In: http://www.alemannia-

Kuhn, Ernst (Hg.): Aufsätze zur Kultur- und

judaica.de/reichmannsdorf_synagoge.htm,

Sprachgeschichte vornehmlich des Orients

29.5.2012.

– Zum 70. Geburtstage am 7. Februar 1916

8  Neumann, Karl Friedrich: Aus der

gewidmet von Freunden und Schülern –

Lebensbeschreibung von Prof. Karl Friedrich

München 1916. Breslau 1916, S. 437–456; hier

Neumann. Lebensbeschreibungen und

S. 445; vgl. auch Walravens, Hartmut: Zur

Schicksale: Spuren jüdischer Vergangenheit

Geschichte der Ostasienwissenschaften in

an Aisch, Aurach, Ebrach und Seebach. In:

Europa: Abel Rémusat (1788–1832) und das

Mesusa 4, 2004, S. 65–89; hier S. 78: „Mein

Umfeld Julius Klaproths (1783–1835).

Vater hatte neben anderen Gebühren und

Wiesbaden 1999, S. 173–183; hier S. 176.

Frohnden jährlich 13 Gulden bares Geld der

2 

Herrschaft zu zahlen.“

Demel, Walter: „Das China-Bild in

Bayern und anderen katholischen Reichster-

9 

ritorien“. In: Claus, Peter Hartmann /

Neumann folgendermaßen: „Die Juden

Schmid, Alois (Hg.): Bayerisch-chinesische

führten damals, so wenig wie ihre

Beziehungen in der Frühen Neuzeit.

Stammgenossen in Arabien selbst heutigen

München 2008, S. 189–229; hier S. 195: „An

Tages, keine Familiennamen. Man sagte

deutschen Chinareisenden weltlichen

und sagt wohl noch Salomon der Sohn des

Standes fehlte es vor dem 19. Jahrhundert

Isak, und Isak der Sohn des Salomon.“ In:

fast völlig. Dagegen stieg die Zahl jesui-

BSB, Neumanniana 6d, S. 2.

tischer deutscher Chinamissionare im 17.

10  Mesusa 4 (s. Anm. 8), S. 66.

Jahrhundert deutlich an.“

11  BSB, Neumanniana 6d.

3  Reismüller 1916 (s. Anm. 1), S. 446.

12  Rall (s. Anm. 5), S. 195.

4  Ebd., S. 439–44; „so z. B. am 22. Juni 1828

13  Ebd.

Die Namensunsicherheit erklärt

und am 7. März 1829“ (S. 444).

14  Ebd., S. 196.

5  Ich stütze mich dabei vorrangig auf die

15 

Eintragungen im lutherischen Geburts- und

16  Rall (s. Anm. 5), S. 196.

Taufregister, BSB, Neumanniana 6d sowie

17  BSB, Neumanniana 6d, S. 49.

den Nachruf von Neumanns Tochter Emma,

18  Artikel „Schmidt, Ludwig Friedrich v.“

außerdem den Aufsatz von Rall, Hans: „Karl

von Fr. Schmidt. In: Allgemeine Deutsche

Friedrich Neumann, Sinologe und

Biographie, herausgegeben von der

Universalhistoriker an der Universität

Historischen Kommission bei der Baye-

München 1833–1852“. In: Archivalische

rischen Akademie der Wissenschaften, Band

Zeitschrift 75, S. 194–210.

34 (1892), S. 722–728, Digitale Volltext-Ausga-

6  Neumann, K. F.: Lebensbeschreibung,

be in Wikisource, URL: http://de.wikisour-

„anscheinend 1862–1863 niedergeschrieben“,

ce.org/w/index.php?title=ADB:Schmidt,_

Anfänge bis Paris Herbst 1828. Eigenhändi-

Ludwig_Friedrich_von&oldid=1784249

ges Manuskript. BSB, Neumanniana 6d.

(Version vom 29. Mai 2012, 06:52 Uhr UTC)

Walravens 1999 (s. Anm. 1), S. 173.

33

19  Wortwörtlicher Auszug aus dem

Privatdozenten Wilhelm Christian Schott

nicht eingieng.“ (Abschrift von Prof. Dr.

na 6f, II; hier S. 2–3. Neumann bedient sich

Geburts- und Taufregister der Protestan-

(1802–1889) in Halle gelehrt.

Barth).

dabei der chinesischen Zählung nach

tischen Pfarrei München Nr. 53/88/Ih.,

32  Ebd.

45  Encyclopaedia Britannica. London 1960,

bibliographischen Einheiten in „tschüan“.

Jahrgang 1818, S. 81, beglaubigte Abschrift

33  BSB, Neumanniana 6d, S. 110.

unter „Morrison“. Der Genannte verfaßte

Vgl. Reismüller 1916 (s. Anm. 1), S. 453:

vom 2. März 1988. In: BSB, Neumanniana

34  Reismüller 1916 (s. Anm. 1), S. 438–439.

u. a. 1814 eine chinesische Grammatik und

„nach europäischer Zählung waren es

6d, S. 52 gibt Neumann allerdings den

35  Dies war offensichtlich für ihn nichts

1821 das erste chinesisch-englische

ungefähr 6000 Bände.“, nach Neumanns

September als seinen Taufmonat an, was

Besonderes, denn er erwähnt diese Tatsache

Wörterbuch.

eigener Aussage in A-Reg. B 140, Nr. 3 sogar

allgemein in der bisherigen Sekundärlitera-

in seinen Memoiren erst nebenbei als

46  Reismüller 1916 (s. Anm. 1), S. 448.

annähernd 7000 Bände. Reismüller, Georg:

tur zitiert wird.

brauchbare Verständigungshilfe im

47  BSB, Neumanniana 6c, 43 Bogen, 41–43

„Zur Geschichte der chinesischen Bücher-

20  Heindl, Johann Baptist (Hg.): Galerie

portugiesischen Kloster von Macao. In: BSB,

doppelt; handschriftliche Aufzeichnungen,

sammlung der Bayerischen Staatsbiblio-

berühmter Pädagogen, verdienter Schul-

Neumanniana 6c, S. 40.2.

wohl um 1860.

thek“. In: Kümmel, Otto et.al. (Hg.): Ostasi-

männer, Jugend- und Volksschriftsteller und

36  Walravens 1999 (s. Anm. 1), S. 175.

48  BSB, Neumanniana 6c, Blatt 4.2.

atische Zeitschrift 8, 1919/1920, S. 331–336;

Componisten in Biographien und biogra-

37  U. a. Mémoire sur la vie et les ouvrages

49  Encyclopaedia Britannica 1960 unter

hier S. 333: dies entspricht der chinesischen

phischen Skizzen. München 1859; World

de David, philosophe arménien du V. siècle

„East India Company“ und unter „China“.

Einheit „pen“. Nach Michael Lackner,

Biographical Information System (WBIS

de notre ère principalement sur ses

50  BSB, Neumanniana 6c, Blatt 18.4.

Professor für Sinologie an der Universität

Online), http://db.saur.de/WBIS/welcome.

traductions de quelques écrits d’Aristote,

51  http://eprints.soas.ac.uk/archi-

Erlangen-Nürnberg, entspricht „tschüan“ in

jsf, 5.9.2007.

1828, 96 S.; vgl. Gelehrtes München im Jahre

ve/00000025/01/empire.pdf vom 29.5.2012:

etwa einzelnen Kapiteln eines Buches, die

21  BSB, Neumanniana 2d, „Memorial

1834 (1834) ; WBIS Online unter Neumann,

Das Schiff trug den Namen des britischen

früher jeweils aus einer eigenen Buchrolle

1831“.

Karl Friedrich, http://db.saur.de/WBIS/

Kaufmanns, der Mitte der 1780er Jahre nach

bestanden. Bei „pen“ handelt es sich

22  Mesusa 4 (s. Anm. 8), S. 73.

biographicMicroficheDocument.jsf,

zwanzigjähriger Tätigkeit in Bombay das

hingegen um eine Bindeeinheit in Heft- oder

23  Hintzelmann, Paul (Hg.): Die Matrikel

201–202, 22.3.2007.

Handelshaus David Scott & Co. in London

Buchform.

der Universität Heidelberg. 5. Teil von 1807

38  Dickerhof (s. Anm. 24), S. 299.

gegründet hatte.

57  Reismüller 1916 (s. Anm. 1), S. 453.

bis 1846. Heidelberg 1904, S. 130, Nr. 13 vom

39  Reismüller 1916 (s. Anm. 1), S. 441–443.

52  Reismüller 1916 (s. Anm. 1), S. 450.

58  Nach Reismüller 1916 (s. Anm. 1), S. 454

19. April; vgl. auch Mesusa 4 (s. Anm. 8),

40  Ebd., S. 442 und 444. Vgl. auch Boase,

53  BSB, Neumanniana 6c, Blatt 8.3. Die

waren dies zum Wechselkurs von 1916 „etwa

S. 72–73.

Frederic: Modern English Biography

Fahrt von Kanton nach London dauerte in

8800 M.“

24  Dickerhof, Harald: „Der Orientalist und

(1892–1921); WBIS Online, 22.3.2007; 1816

der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts 12–15

59  BSB, Neumanniana 6f, II, 2. Teil, S. 3.

Historiker Karl Friedrich Neumann

hatte Staunton mit dem Gesetzeswerk Da

Monate; vgl. dazu Steenberg’s Organic and

60  Ebd., S. 8–11.

(1793–1870). Liberale Geschichtswissenschaft

Qing lüli erstmals ein chinesisches Buch ins

Fairtrade Teas, http://www.steenbergs-tea.

61  Guido Auster: „Die Orientalische

als politische Erziehung“. In: Historisches

Englische übersetzt.

com/content.php?pageid=15 vom 2.4.2007;

Abteilung“. In: Deutsche Staatsbibliothek

Jahrbuch, 97.–98. Jahrgang 1978, S. 289–335;

41  Dickerhof (s. Anm. 24), S. 299.

Erst nach der Erfindung und dem Bau der

1661–1961, Band 1 (Leipzig, Verlag für Buch-

hier S. 298.

42  Gelehrtes München im Jahre 1834 (1834)

ersten Dampfschiffe durch Isambard

und Bibliothekswesen, 1961), S. 275–317, hier

25  Rall (s. Anm. 5), S. 198–199.

(s. Anm. 37).

Kingdom Brunel verkürzten sich die

S. 293:“Die Sammlung bildete so den

26  Dickerhof (s. Anm. 24), S. 298.

43  Reismüller 1916 (s. Anm. 1), S. 447–449;

Fahrzeiten; vgl. Brockhaus. Die Enzyklopä-

Grundstock für die große Berliner (und

27  Walravens 1999 (s. Anm. 1), S. 175.

Neumanniana 6c, Blatt 4.4 und 5.4.

die, 20. Auflage. Leipzig u. a. 1996–1999

entsprechend Münchner) chinesische

28  Dickerhof (s. Anm. 24), S. 301.

44  Ebd., S. 446. Vgl. auch Neumann,

unter „Brunel“.

Sammlung. […] Sie erhielten in Berlin die

29  Reismüller 1916 (s. Anm. 1), S. 438.

Emma, Nachruf (s. Anm. 4): „Mitglied der

54  BSB, Neumanniana 6f, II, Blatt

Bezeichnung ‚Codices manuscripti et libri

30  Mesusa 4 (s. Anm. 8), S. 84–86.

Münchner Akademie der Wissenschaften

38.4–41.4.

sinici.’“

31  Ebd., S. 438. Johann Georg Meusel

wurde Neumann niemals, indem Schelling

55  Reismüller 1916 (s. Anm. 1), S. 452.

62  Reismüller 1919/1920 (s. Anm. 56),

(1743–1820) war Historiker. Chinesisch wurde

dessen Aufnahme, anstatt in die historisch-

56  Neumann: Chinesische Reise (geschrie-

S. 333.; BSB, A-Reg. B 140.

in Deutschland überhaupt erst seit 1826

philologische, in die mathematisch-physika-

ben 1863), II. Teil: Fortsetzung der Reise und

63  A-Reg. B 140, Nr. 1. Möglicherweise

sporadisch auf Nachfrage von dem

lische Classe beantragte, worauf Neumann

Rückkehr. Fünftes Buch. BSB, Neumannia-

wurden sie später an verwandte bayerische

34

35

Institutionen abgegeben. Im Falle der

69  Franke, Herbert: „Heinrich Kurz

vom 11. Juni 2007 die Angabe über die genaue

Münzen dürften Nachforschungen

(1805–1873), der erste Sinologe an der

Lage: „Gräberfeld 13, Reihe 2, Grab Nr. 50.“

langwierig sein, da nach Auskunft von Dr.

Universität München“. In: Studia Sino-Altai-

80  Reismüller, 1919/20 (s. Anm. 56), S. 334.

Gerd Stumpf aus der Staatlichen Münz-

ca: Festschrift für Erich Haenisch zum 80.

81  Vgl. z. B.: Neumann, Karl Friedrich: Die

sammlung alle eventuellen Nachweise im

Geburtstag, hrsg. von Herbert Franke.

Voelker des suedlichen Russlands in ihrer

Zweiten Weltkrieg verbrannt sind. (E-Mail

Wiesbaden 1961, S. 58–71; hier S. 59.

geschichtlichen Entwickelung. Mikrofilm,

vom 5.9.2007).

70  Dickerhof (s. Anm. 24), S. 303.

Chicago: Newberry Library, 1960 nach der

64 

71  Fairbank, John K.: „Meadows on China.

Ausgabe Leipzig, 1847; Ders.: Ostasiatische

keine Provenienzhinweise. Nach Auskunft

A centennial review“. In: Far Eastern

Geschichte vom ersten chinesischen Krieg

von Frau Dr. Cordula Gumbrecht aus der

Quarterly 14 (1954), S. 365–371; hier S. 365: „In

bis zu den Verträgen in Peking 1840–1860.

Ost­asienabteilung der Staatsbibliothek zu

November 1841 […] Thomas Taylor Meadows,

Zug, Switzerland : Inter Documentation

Berlin – Preußischer Kulturbesitz und Dr.

who had spent some three years studying

Company, 1982. 10 microfiches nach der

Robert Giel, dem Betreuer des dortigen

chemistry and mathematics in Germany,

Ausgabe Leipzig, Engelmann, 1861; Ders.:

Bibliotheksarchivs, gab es keine eigene Akte

happened to attend Professor Karl Friedrich

Gützlaffs Geschichte des chinesischen

zu den Erwerbungen Neumanns; „vier

Neumann’s lectures on the Chinese language

Reiches von den ältesten Zeiten bis auf den

Sammelakten zur Erwerbung verschiedener

at the University in Munich. The young man

Frieden von Nanking in niederländischer

Sammlungen sind Kriegsverlust.“ (E-Mail

’almost immediately gave up every other

Übersetzung von K. N. Meppen, Mikrofilm

vom 11.6.2012). BSB, A-Reg. B 140 enthält

study‘.“

Evanston, Ill : American Theological Library

keine vollständige Liste der einzelnen

72  BSB, Neumanniana 6f, II, 2. Teil, S. 21.

Association, 1995 nach der Ausgabe

Bücher.

Alle, auch die folgenden Details verdanke ich

’s Gravenhage: K. Fuhri, 1852.

65  BSB, Neumanniana 6f, 2. Teil, S. 18.

den privaten genealogischen Forschungen

Die Kataloge enthalten naturgemäß

Eine umfassende Würdigung von Neumanns

von Professor Dr. Dietrich Barth. Der genaue

Wirken in seiner Münchner und Berliner

Todestag von Julie Christine ist auch ihm

Zeit muss leider aus Platzgründen einer

unbekannt.

zukünftigen Untersuchung vorbehalten

73  BSB, Neumanniana 6f, II, S. 3–7.

bleiben. Walravens, Hartmut: Karl Friedrich

74  Rall (s. Anm. 5), S. 208–209 und

Neumann und Karl Friedrich Gützlaff. Zwei

Dickerhof in der Neuen Deutschen

Chinakundige im 19. Jahrhundert (Wiesba-

Biographie, Bd. 19 (1999) unter „Neumann“:

den 2001) enthält auf den Seiten 25–67 die

75  Wininger, Salomon: Große jüdische

neueste umfassende Bibliographie von

National–Biographie, Band 4, 1929, S. 494;

Neumanns Veröffentlichungen, dazu

WBIS Online, 29.5.2012.

ausgewählte Sekundärliteratur (S. 67–69)

76  Rall (s. Anm. 5), S. 210.

und Manuskripte aus den Beständen der BSB

77  Walravens 1999 (s. Anm. 1), S. 180.

(S. 69–70).

78  Dickerhof (s. Anm. 24), S. 320.

66  Dickerhof (s. Anm. 24), S. 304–305.

79  Prof. Dr. Dietrich Barth; beglaubigte

67  Ebd., S. 311; vgl. auch Rall (s. Anm. 5),

Kopie des handschriftlichen Auszugs aus

S. 204 und BSB, Neumanniana 6f, S. 6.

dem Totenbuch der St. Matthäus-Kirche in

68  Rohmer, Gustav: Die Zwanglose

Berlin vom 24.3.1937. Herrn Herbert Huber

Gesellschaft in München 1837–1937.

von der Verwaltung des Alten Südlichen

München 1937, S. 6 und S. 13.

Friedhofs verdanke ich aus seiner E-Mail

36

37

Die Generationen nach Carl Friedrich Neumann Dietrich W. Barth

Carl Friedrich Neumann war ein stark ausgeprägter Individualist, ein Freigeist, ein Verstandesmensch. Geradlinigkeit war seine hervorstechende Eigenschaft. Diese machte allerdings diplomatisches Taktieren schwer und führte zu Unannehmlichkeiten in seinem Leben. Dank seiner vielseitigen Begabungen gelang es ihm aber trotz bisweilen schwieriger finanzieller und gesellschaftlicher Umstände, viele seiner zahlreichen Ideen mit Erfolg umzusetzen. Mittlerweile sind seit Carl Friedrich Neumann acht Generationen herangewachsen. Insgesamt ergibt dies die stattliche Zahl von 128 direkten Nachfahren. Rechnet man die jeweiligen angeheirateten Partner dazu, dann sind es 190 Personen. Davon leben derzeit 149 weltweit verstreut in den USA, in Deutschland, Österreich, Schweden, Belgien und Chile. Kein Nachfahre lebt allerdings in Franken, dem Geburtsland Carl Friedrich Neumanns. In den Familien, die seinen Namen tragen, wird jeweils der erste einer neuen Generation auf den Namen Karl getauft. Es sind mittlerweile fünf Karls. Sie schreiben sich mit ,K‘, was auch schon die Taufpatin unseres Ahnen, Königin Caroline von Bayern, gelegentlich und er selbst ab 1834 getan haben. Obwohl in diesem Clan ein für die heutige Zeit selten guter Zusammenhalt existiert, war und ist Carl Friedrich Neumann hierfür nicht die entscheidende Integrationsfigur. So spielt er auch bei den seit 1992 regelmäßig stattfindenden Familientreffen keine zentrale Rolle. Es war Annelise Neumann (gest. 2004), die das besondere Interesse an Carl Friedrich Neumann Anfang dieses Jahrhunderts aufleben ließ. Der Anstoß, in 39

dieser Richtung nachzuforschen, kam von ihrem Schwager Walter Neu-

liengrab, in dem bis zur Schließung des Friedhofes im Jahre 1944 zehn

mann (geb. 1925). Er hatte die ersten Dokumente in der Bayerischen

Familienmitglieder beerdigt wurden. Das Grab existiert noch heute und

Staatsbibliothek in München herausgesucht und in lesbares Deutsch

führte 2007 zu der überaus fruchtbaren Zusammenarbeit mit Ingrid

übertragen. Mit großem Engagement und enormer Ausdauer recherchierte

Rückert, die damals an einer Biographie von Carl Friedrich Neumann

Annelise daraufhin in den handschriftlichen Unterlagen der Staatsbibli-

arbeitete. Frau Rückert hinterließ auf dem Grab einen Zettel mit ihrer

othek. Sie trug den Großteil der in unserer Familie vorhandenen Doku-

Adresse, in dem sie um Kontaktaufnahme mit eventuell noch lebenden

mente über Carl Friedrich Neumann zusammen und machte ihn so zum

Nachkommen von Carl Friedrich Neumann bat. Der Zufall wollte es, dass

Gegenstand großen familiären Interesses.

ich kurz darauf das Grab besuchte und den Zettel fand.Diese Zeilen wur-

Ein genetisch bedingter Einfluss von Carl Friedrich Neumann auf die heutige Generation wäre wohl kaum zu fassen. Umso erstaunlicher ist

den mit einer Reihe von Familienmitgliedern diskutiert. Allen sei für ihre Beiträge gedankt.

eine gewisse Homogenität der Eigenschaften und Lebenswege der Nachfahren. Unter ihnen sind keine Geschäftsleute, keine Politiker, kaum Verwaltungsbeamte oder Handwerker. Sie sind mehrheitlich in der genannten Reihenfolge Diplomingenieure, Mediziner, Sprachwissenschaftler, Naturwissenschaftler, Wirtschaftswissenschaftler, Pädagogen, Künstler und Juristen. Eine Reihe davon sind Universitätsprofessoren. Man hat den Eindruck, dass das Streben nach materiellem Wohlstand in diesem Familienverband nicht die oberste Priorität hat. Im Vordergrund steht eher das Interesse an Kunst, Natur und Wissenschaften. Insofern passen die Berufs- und Lebensbilder der Nachfahren ganz gut zu dem Bild, das wir uns von unserem Ahnherrn machen. Fast alle sind evangelisch. Einer der vielen Urenkel, Karl Otto Liebmann, studierte zunächst in Erlangen evangelische Theologie, trat dann aber in den USA zum Judentum über und wurde Professor für Psychiatrie an der Yale Universität. Ein Bruder von Carl Friedrich Neumann ist in die USA ausgewandert und soll dort als Joseph Lippmann in Savannah, Georgia ein erfolgreicher Geschäftsmann geworden sein. Leider haben wir bislang keine weitere Information über diesen Zweig der Familie, aber vielleicht führen unsere Recherchen eines Tages doch noch zum Erfolg. Carl Friedrich Neumann starb drei Jahre nach einem Schlaganfall am 17. März 1870 in Berlin. Bereits fünf Tage später wurde er auf dem Alten Südlichen Friedhof in München beigesetzt. Sein Grab wurde zum Fami40

41

Die chinesische Büchersammlung der Bayerischen Staatsbibliothek – Ein historischer Überblick Renate Stephan

Die Anfänge Der beachtliche Gründungsbestand, den die Sammlungen Widmannstädter 1558 und Fugger 1571 der heutigen Bayerischen Staatsbibliothek (BSB)1 bescherten2, musste noch ohne Sinica auskommen, da die Chinamission erst 1582 mit Eintreffen Matteo Riccis in China im wesentlichen ihren Anfang nahm. Das eine oder andere Buch mag vorher als Kuriosum über Kaufleute und andere Reisende in den Westen gelangt sein. Es waren jedoch die meist jesuitischen Missionare, die die ersten chinesischen Bücher oft als Geschenke für Herrscherhäuser und Klöster nach Europa brachten. Meistens handelte es sich dabei um Werke christlichen oder naturwissenschaftlichen Inhalts, die in chinesischer Sprache verfasst und im chinesischen Blockdruckverfahren hergestellt waren. Die Wittelsbacher – als unermüdliche Förderer der Chinamission bekannt – konnten sich so einiger mehr zufällig als systematisch zusammengetragener chinesischer Bücherschätze erfreuen, die dann später in den Bestand der BSB übergingen. Dieser Umstand sollte jedoch nicht zu der Annahme verleiten, die Provenienzen der Missionsdrucke in der BSB damit als geklärt zu erachten. Das berühmte Liber organicus von Ferdinand Verbiest (1623–1688) z. B. stammt aus der Bibliothek des Bibliophilen Hans Adam von Reisach (1765–1820).3 Den frühesten Nachweis von Sinica in der herzoglichen Bibliothek finden wir bereits in einer Bücherliste, die um 1618 entstanden ist. Hier erscheinen unter der Nummer 22: „Zween oblonge tractat in Chinesischer 43

Sprach […]“, und unter Nummer 23: „Ein anderer dergleichen tractat in

der BSB und Buchlisten der Klöster aus Unkenntnis summa summarum

China gedruckht […]“.4 Die zwei kleinen Bände der Nummer 22 sind dann

oft als „libri“ oder „libelli sinici“ bezeichnet sind. Einwandfrei als ehe-

allerdings wenig später auf einer Verlustliste von 1654 zu finden . Wahr-

maligen Klosterbestand zuordnen lässt sich nach heutigem Stand nur ein

scheinlich sind sie dem Schwedeneinfall von 1632 zum Opfer gefallen.

Fragment des Shijing 詩經, des Buches der Lieder11, da es das Dreischildwap-

Dem anderen Band begegnet man in einer Neufassung der Liste, die um

pen des Exlibris von Franz Töpsl (1711–1796), des berühmten Probstes des

1650 angelegt wurde, als Nummer 97: „Ein chinesisch gedrukhtes diners

Klosters Polling, trägt.

5

Biechl in klein 4 […]“, das uns noch heute erhalten ist6. Es handelt sich

Das von Walter Fuchs in seinem 1962 erstellten Katalog einiger Sinica

um die leider nicht mehr vollständige ming-zeitliche Haushaltsenzyklo-

der BSB als verschollen bezeichnete und vor kurzem von der Autorin wie-

pädie Qun shu bo ji 群書博紀7, die sowohl das Exlibris Herzog Maximilians

derentdeckte Hongpiao 紅票, ein offener Brief des Kaisers Kangxi zum

I. (reg. 1597–1651) von 1618 trägt als auch dasjenige, welches er 1630 nach

Ritenstreit, konnte bisher als einziges Sinicum aus der Mannheimer

Erhalt der Kurwürde anfertigen ließ8. Der fehlende Teil dieses unikalen,

Bibliothek identifiziert werden12.

hoch interessanten Werkes entspricht möglicherweise einem ebenfalls unvollständigen Teil, der in der Königlichen Bibliothek Belgien in Brüs-

Das goldene 19. Jahrhundert

sel aufbewahrt ist . Nicolas Trigault (1577–1628) hat wahrscheinlich das 9

Werk auf seiner „Propagandatour“ für die Chinamission durch Europa

Durch die hereinströmende Flut von Büchern stand die BSB zwar nun als

auseinandergeteilt und als Geschenk auf beide Orte, München und Brüs-

zweitgrößte Bibliothek in Europa neben der Bibliothèque nationale in

sel, verteilt, ein Verfahren, das zu dieser Zeit nicht unüblich zu sein

einer Reihe mit den ganz Großen, sah sich jedoch organisatorisch und

schien, da sowieso niemand wußte, was es mit solchen Kuriositäten auf

räumlich vor schier unlösbare Probleme gestellt. So musste das 19. Jahr-

sich hatte .

hundert im Wesentlichen der Katalogisierung und der Raumbeschaffung

10

In den nächsten fast 200 Jahren ist nichts bekannt über den Erwerb

gewidmet werden. Letzteres nahm König Ludwig I. mit dem Neubau der

von Ostasiatica, wobei nicht auszuschließen ist, dass ein genaues Studium

Bibliothek 1843 als eines seiner ersten Bauprojekte unverzüglich in Angriff.

von Katalogen und Archivmaterial das eine oder andere Objekt zu Tage

Den unermüdlichen Katalogisierungsarbeiten ist dann auch 1808 ein

fördern würde. Die beschaulich erscheinenden Jahrhunderte fanden ein

Katalog der orientalischen Handschriften und Drucke zu verdanken, in

Ende mit der Auflösung des Jesuitenordens 1773 und damit des Jesuiten-

dem Ostasiatica ein eigener Eintrag gewidmet ist. In den Kapiteln „Codi-

kollegs, dessen Bücher nun an die BSB übergingen. Kurz darauf über-

ces sinici manuscripti“ und „Codices japonici“ sind 32 chinesische und

schwemmten die Büchermassen der durch die Säkularisation 1803 aufge-

ein japanischer Titel verzeichnet. In einer im selben Jahr entstandenen

lösten Klöster die Bibliothek. Gleichzeitig traf nun auch die reichhaltige

Abschrift variieren Titel und Anzahl13. Die genauen Titel dürften schwer

Mannheimer Bibliothek des pfälzischen Wittelsbachers Karl-Theodor

zu eruieren sein, da es sich meist um lateinische Beschreibungen der

(1724–1799) ein, der aufgrund von Erbverträgen nach dem Aussterben der

Werke handelt14. Neumann wird ihn für seinen Katalog der Sinica an der

bayerischen Linie 1777 seinen Sitz nach München verlegen musste.

BSB (s. unten) kaum benutzt haben.

Welche Sinica auf diesem Weg in den Besitz der BSB kamen dürfte, wenn überhaupt, nur mühsam zu klären sein, da sie in alten Katalogen 44

45

Die Sammlung Neumann

möglicherweise auch in der Sowjetunion verblieben zu sein19. Ob aus den alten Berliner Katalogen die Sammlung Neumann rekonstruiert werden

Der Enthusiasmus eines „Bücherverrückten“ in der Gestalt des polyglotten,

könnte, sei dahingestellt. Alle Münchner Ostasienbestände dagegen

vielfach gebildeten Karl Friedrich Neumann (1793–1870) sorgte für die erste

hatten das unvergleichliche Glück, in toto fern der Großstadt den Krieg

bewusste und systematische Erwerbung von chinesischen Drucken an

unbeschadet in einer Dorfkirche zu überstehen.

der BSB. Auf die Umstände seines Chinesischstudiums und seiner

Leider sind die einst geschlossenen Sammlungen Neumann, Martucci,

Chinareise sei hier nur kurz eingegangen, da sie an anderer Stelle dieses

Quatremère und später Reismüller nicht geschlossen aufbewahrt, sondern

Kataloges hervorragend geschildert sind.

in die jeweils vorherrschende Aufstellungssystematik eingestellt worden.

Neumann kam mit ca. 6000 Bänden von seiner Chinareise (April 1830 – Mai 1831) zurück. Mit dieser Sammlung legte er den Grundstock für den Münchner Sinicabestand und trug auch erheblich zur Vermehrung des Berliner Bestandes bei. Guido Auster (1912–1996)

Die Rekonstruktion keiner dieser Sammlungen ist bisher erfolgt und dies dürfte auch nicht immer möglich sein. Von Neumann liegen zwei Kataloge über seine eigene Sammlung vor.

spricht von einem

Eine wohl von chinesischer Hand in chinesischer Schrift angefertigte

„gewaltigen Auftrieb“ für die chinesische Sammlung in Berlin16. Es ist

Liste, deren Titel so kurz und vage gehalten sind, dass eine Identifizierung

in zweifacher Hinsicht äußerst bedauerlich, dass sich München trotz

bzw. ein Abgleich mit den Titeln der Münchner Altsinica teils schwierig

Bereitwilligkeit von Seiten der Staatsbibliothek zu Berlin nicht dazu ent-

ist20. Man kann zu dieser Liste nur spekulieren. Wahrscheinlich ist sie in

schließen konnte, den kleineren Berliner Teil von ca. 2500 Bänden, den

China, vielleicht als Erwerbungshilfe für Neumann, verfasst worden. Der

Neumann Berlin gegen die vorgestreckte Summe, die den Grundstock

Umstand, dass Preise angegeben sind, spräche dafür. Es ist aber nicht

seiner Chinareise bildete, zurückzunehmen. Das Auseinanderreißen des

gesagt, dass dies Bücher sind, die Neumann dann wirklich gekauft hat.

mit Bedacht und einem Gesamtkonzept zusammengestellten Corpus kann

Wenn ja, dann wäre darin möglicherweise auch der verlorene Berliner

nur mit großem Bedauern hingenommen werden. Es scheinen dabei auch

Teil enthalten, was die Liste wiederum sehr interessant machen könnte.

Teile von Einzeltiteln auseinander gekommen zu sein. „Durch das Ent-

Da Quellen zu Buchpreisen im vormodernen China sehr rar sind, ist diese

gegenkommen der Preußischen Staatsbibliothek“ konnte das Münchner

Liste auch von hohem buchwissenschaftlichen Wert, auch wenn man

„lückenhafte Exemplar des Pei wen chai shu hua p’u „佩文齋書畫譜“ z. B.

davon ausgehen kann, dass dem ausländischen Kunden weit überhöhte

1915 wieder vervollständigt werden, wie Reismüller berichtet17. Hinzu

Preise abverlangt wurden.

15

kommt der unglückliche Umstand, dass durch umfangreiche Auslage-

In einer zweiten von ihm selbst verfassten Liste21 ist erkennbar, dass

rungen der Berliner Bestände im 2. Weltkrieg wahrscheinlich die dortige

er bemüht war, möglichst breit und für ein Studium der Sinologie umfas-

gesamte Neumannsammlung nicht mehr zurückkam. Die Zahlen allein

send zu sammeln: die konfuzianischen Klassiker, Geschichte, Philosophie,

belegen das Ausmaß des Verlustes: „Am 31. März 1943 war der Bestand

Philologie, Staatskunde, Literatur, Medizin, Enzyklopädien, Sammelwerke

auf 67 694 Hefte und Bände chinesischer Drucke angewachsen. Schwerste

cong shu (叢書)22, buddhistische und daoistische Titel. Neben den schon

Verluste brachte der Krieg: nur etwa 24 000 Bände kehrten ins Haus

bei Reismüller23 und Meier24 namentlich aufgeführten Werken seien noch

zurück, ein kleinerer Teil gelangte nach Marburg, der Rest ist verschol-

die Dynastiegeschichten genannt, die in einer besonders schönen Ausgabe

len“ . Ein großer Teil scheint in der Jagiellonischen Bibliothek in Krakau,

vorliegen. Neumann wird sicherlich nicht gewusst haben, welch buch-

18

46

47

geschichtlich wertvollen Schatz er da gehoben hat. Ein anderer, in der

stellen, verfasste er einen kommentierten Katalog von 20 Werken, die

chinesischen Geschichte häufig vertretener Typ des „Bücherverrückten“

bereits an der BSB vorhanden waren27: „Katalog der chinesischen Drucke

hat gegen Ende der Ming-Dynastie (1368–1644) sein Vermögen vor allem

auf der kgl. Hof- und Nationalbibliothek zu München, verfasst von Karl

in den Nachdruck von songzeitlichen (Song-Dynastie 980–1279) Ausgaben

Friedrich Neumann. München im Juli 1829“28, für den er 50 Gulden erhielt.

gesteckt. Gemeint ist Mao Jin 毛晉 (1599–1659) mit seinem Verlag Ji gu ge

Darunter sind so wertvolle Jesuitica wie „Informatio pro veritate“29 und

汲古閣25. Der in chinesischen bibliophilen Kreisen wegen angeblich

„Innocentia victrix“ (Nummer 17 und 18)30 verzeichnet. Nicht unerwähnt

nicht lupenreiner Kollationierung seiner Texte nicht unumstrittene

lassen möchte ich die von ihm als „japanisches Planiglobium“ bezeichnete

Gelehrte, Sammler und Verleger hat durch seine Faksimilierungen alter

Weltkarte31, die er gerne beschrieben hätte, ohne jedoch die Kosten für

Ausgaben viele song- und yuanzeitlichen (Yuan-Dynastie 1271–1368) Werke

die Reproduktion tragen zu wollen oder zu können: „Wenn die königliche

erhalten, die heute im Original verloren sind. Bei der von Neumann

Akademie der Wissenschaften die 60–70 Gulden, welche die Lithogra-

erstandenen Ausgabe handelt es sich um einen in der Shunzhi-Zeit (順

phierung dieses merkwürdigen und lehrreichen Monuments verursachen

治)(1644–1662) überarbeiteten Druck der Mao Jin-Ausgabe.

würde, tragen wollte, so würde ich dazu eine Abhandlung schreiben,

Viele Titel aus dieser Liste dürften aber schwierig bis unmöglich zu rekonstruieren sein, wie z. B. die Nummern LVIII bis LX im „Abschnitt B

worin ich, in so weit nämlich meine Kräfte reichen, die meisten Inschriften übersetzen und erläutern werde“ (Nummer 16).

Werke und Sammlung“, die als „Hist.fab.Roman“ bezeichnet sind oder

Seine Anstrengungen fielen in München leider nicht auf frucht-

die 38 „Buddhistischen Werke, nach indischer Weise gebunden“ (Nr.

baren Boden. Die Kgl. Bibliothek in Berlin endlich gestand ihm nach

LXVIII) oder die drei „Miscellania Sinica“ der Nummer LVII usw. Manche

zähen Verhandlungen 1500 Reichstaler „zum Ankauf von chinesischen

Bände sind mit seinem chinesischen Stempel „Neih men“ 禰門, Kantone-

Büchern […]“32 zu.

sisch für „Neumann“, versehen26, doch beileibe nicht alle.

Als Vorbereitung für seine Erwerbungsreise konnte ihm bei näherer

Unglücklicherweise konnte Neumann nicht auf ein finanziell abge-

Betrachtung weder die Münchner noch die Berliner Sammlung von großem

sichertes Gelehrtendasein zurückgreifen, um seinen wissenschaftlichen

Nutzen sein. Berlin verfügte zu dieser Zeit zwar über mehr chinesische

Neigungen nachzugehen. Vor dem Hintergrund des enormen Wertes,

Bücher als München, „hatte“ aber auch, „wie Klaproths Katalog aus

den die Neumann-Sammlung heute für die BSB darstellt, entbehrt es

dem Jahre 1822 erkennen lässt, nur eine verhältnismäßig bescheidene

nicht einer gewissen Tragik, welch zermürbende Hartnäckigkeit und

Sammlung“33.

persönlichen Enthusiasmus es Neumann gekostet haben muss, dieses unschätzbar wertvolle öffentliche Gut zu schaffen.

Vollkommen anders stellte sich dagegen die Situation in London dar. Hier stand Neumann die Bibliothek des ersten protestantischen Missionars

Nachdem ihm nun im Frühjahr 1829 eine 1830 nach China anzutretende

in China, des berühmten Dr. Robert Morrison (1782–1834) zur Verfügung,

Reise in Aussicht gestellt wurde, die Erfüllung eines nie für möglich

der während seines Aufenthaltes in Macao und Kanton zwischen 1807

gehaltenen Traumes, kehrte er im Juni 1829 nach München zurück, um

und 1823 an die 10 000 Bände chinesischer Literatur gesammelt hatte34.

Geld für sein Vorhaben aufzutreiben und gleichzeitig die in Deutschland

Damit ließ sich arbeiten. Reismüller schreibt: „Wie das Tagebuch ver-

vorhandenen Sinica zu sichten. Da er vorhatte, vor allem München von

merkt, besuchte er sie [die Morrison-Sammlung] am 28. März zum ersten-

seinen Plänen zu überzeugen und seine Qualifikation unter Beweis zu

mal und arbeitete während der folgenden Tage fleißig in ihr. Er fertigte

48

49

sich ein Verzeichnis der ihm wichtig erscheinenden chinesischen Bücher

Zuwachs an Sinica. Sein letztes Geschäft für den Vizekönig führte ihn von

an, das er seinen Ankäufen in Kanton zugrunde legte“35.

Macao nach Kanton und ins Innere Chinas, wo er einige Jahre blieb, um

In Kanton, zur damaligen Zeit eines der Zentren des chinesischen

sein „chinesisches Museum“ zusammenzustellen38. Er sammelte Kunst-

Buchmarktes, konnte er – komfortabel untergebracht im gastfreundlichen

gegenstände, Bilder und Bücher, um auf diese Weise China seinen Lands-

Haus des britischen Kaufmannes Lancelot Dent – ganz seiner Leidenschaft

leuten näherzubringen. Seine Büchersammlung enthält laut Reismüller

frönen. Als Ausländer blieben ihm die großen Buchhandlungen innerhalb

über 250 Titel in rund 2700 Bänden39. Damit kommt sie zahlenmäßig der

der Stadt verwehrt, deshalb wurden ihm „ganze Haufen von Büchern …

Neumann-Sammlung ziemlich nahe, vor allem, wenn man Martuccis

in ein abgelegenes Haus in der Vorstadt gebracht, wo ich hinging und die

eigene Zahlen zugrunde legt. Denn er berichtet von 256 Titeln in 3371

Auslese hielt … Meine Freude kannte keine Grenzen“36. Da die Morrison-

Bänden40. Er versuchte in Rom sein „chinesisches Museum“ an den Vati-

Sammlung relativ zeitnah zu Neumanns Kaufreise angelegt worden ist,

kan zu verkaufen. Als mehrere Päpste sich jedoch nicht entschließen

dürfte Neumann keine Probleme gehabt haben, die Bücher seiner Liste

konnten, seine Sammlung zu übernehmen, die Kosten des Hauses, das

auf dem Kantoner Buchmarkt zu finden.

er für sein „Museum“ gemietet hatte, unbezahlbar wurden, entschloss

Als nach seiner Rückkehr 1831 keine der beiden großen deutschen

er sich, sein „Museum“ an König Ludwig I. von Bayern zu veräußern, der

Bibliotheken die 6.000 Bände in toto übernehmen wollte, mussten rund

sich bereits früher interessiert gezeigt hatte. 1842 ging dann der Kauf

2.500 Werke für den vorgelegten Betrag an Berlin übergeben werden.

vonstatten. Der König mag bei seiner Entscheidung weniger die Bücher

Doch auch die Verhandlungen mit München für den größeren Teil gestal-

als vor allem die Kunstgegenstände im Auge gehabt haben. So blieben

teten sich schwierig, so dass nur das persönliche Eingreifen König Ludwigs

denn die unausgepackten Bücherkisten 9 Jahre in der Pinakothek liegen,

I. den Bestand für die Hof- und Staatsbibliothek sichern konnte. Neumann

bis sie 1851 an die BSB übergingen. Die Kunstgegenstände und Bilder sind

überließ seine chinesischen Bücher der Hof- und Staatsbibliothek unent-

heute im Völkerkundemuseum zu bewundern. Laut Reismüller „brachte

geltlich. Im Gegenzug erhielt er die Stelle eines „Conservators der chine-

[die Büchersammlung] außer einigen Sammelwerken und Enzyklopä-

sischen Sammlung“. Im März 1833 wurde er dann unter anderem zum

dien…. einen willkommenen Zuwachs auf dem Gebiete der Medizin, der

Professor für Chinesisch ernannt37. Die bis zum Anfang des Jahrhunderts

Geheimwissenschaften, der Kalligraphie und der Novellistik“41. Bei der

nur aus ein paar zufällig zusammengekommenen, wenn auch teils wert-

Auswahl seiner Bücher ließ sich Martucci von einem nicht näher identi-

vollen Stücken bestehende chinesische Sammlung war nun über Nacht

fizierbaren Herrn Thoms (ziemlich sicher ein Engländer) behilflich sein42.

zu einer der besten Europas geworden.

Ob die Sammlung wirklich nicht „methodisch angelegt“ ist, wie Reis-

Die Sammlung Martucci

müller anmerkt43, muß eine nähere Untersuchung zeigen44. Es lässt sich jedoch bereits absehen, dass sich darin nicht wenige ausgezeichnete Ausgaben des 18. Jahrhunderts finden. Darüber hinaus bietet die Samm-

Onorato Martucci (1774–1846), italienischer Weltenbummler und Handel-

lung einen Fundus von Volksliteratur und damals in China nicht geschätz-

treibender, der ab 1816 drei Jahre lang sehr erfolgreich als Handelsagent

ter, aber für die Forschung umso wertvollerer Gebrauchsliteratur in Aus-

Mehmet Alis (1769–1849), des Vizekönigs von Ägypten, in Ostindien und

gaben den 18. und 19. Jahrhunderts.

China unterwegs war, bescherte der BSB den nächsten substantiellen 50

51

Die Sammlung Quatremère

Die Sammlung Reismüller

„Ein Außenstehender vermag kaum zu ermessen, wieviel berufliche

Georg Reismüller (1881–1936), seit 1907 an der BSB, seit 1921 Oberbiblio-

Unbefangenheit mit Kühnheit der Bibliotheksleitung sich verbinden

thekar, von 1921–1929 Gründungsdirektor der Pfälzischen Landesbibliothek

musste, damit die nächste bedeutende Bestandsvermehrung der Orien-

in Speyer, von 1929–1934 Generaldirektor der Bayerischen Staatsbibliothek47,

talia und mit ihr auch der fernöstlichen Literatur durch die Erwerbung

führte die großartige Tradition Neumanns weiter. In seinen chinesischen

der Bibliothek des berühmten Orientalisten Etienne Quatremère (1782–

Erwerbungen weit glückhafter als Neumann, in seinem beruflichen und

1857) zustande kam“ . Besser könnte man die 1858 erfolgte heftigst umstrit-

persönlichen Schicksal jedoch tragisch. Reismüllers Bedeutung als Gene-

tene Erwerbung dieser Sammlung nicht schildern. Um die enorme Kauf-

raldirektor für die Bayerische Staatsbibliothek sowie sein überragender

summe aufzubringen, wurden wertvolle, angebliche Dubletten versteigert.

Beitrag als Sammler für den chinesischen Bestand warten bis heute auf

Aus heutiger Sicht hätte vor allem in Hinblick auf die Orientalia der BSB

eine angemessene Würdigung. Auch hier kann sein Anteil an der Sinica-

nichts Besseres passieren können. Sie brachte aber auch der Sinica-Samm-

Sammlung nur andeutungsweise beschrieben werden.

45

lung weitere 2000 Bände ein. Stark vertreten sind darin vor allem Lexi-

Nach einem glänzenden Abitur fand Reismüller Aufnahme im Maxi-

kographie und Geschichte. Darüber hinaus konnte der bereits von Neu-

milianeum, studierte Romanistik und orientalische Sprachen mit Studi-

mann angelegte kleine Bestand von mandschurischen und mongolischen

enaufenthalten in Frankreich und England48 und beschäftigte sich privat

Titeln weiter ausgebaut werden. Neumann ist wohl beauftragt gewesen,

mit dem Studium des Chinesischen. Er soll sogar Privatunterricht bei

die Sammlung Quatremère mit seiner Erwerbung auf Dubletten zu über-

Richard Wilhelm (1873–1930), einem der bedeutendsten deutschen Sino-

prüfen. Er fertigte hierzu einen Katalog an, „Verzeichnis der chinesischen,

logen, genommen haben49.

der Mandschu und mongolischen Werke aus der Sammlung von Qua-

Er befasste sich wie Neumann vor ihm intensiv mit den bereits vor-

tremère. Entworfen von K. F. Neumann. München 14 July 1858“46, in dem

handenen Sinica. Dabei scheinen ihm noch wesentlich mehr Unterlagen

er die Titel anmerkte, die bereits in seiner Sammlung vorhanden waren,

zur Verfügung gestanden zu haben als z. B. Franz Joseph Meier (s. Anm.

also aus der Quatremère-Bibliothek als „Dubletten“ veräußert werden

24). Man muss davon ausgehen, dass dieser Umstand auf Aktenverluste

konnten. Inwieweit es sich dabei um wirkliche Dubletten handelte, wird

im 2. Weltkrieg zurückzuführen ist. Als er Mitte der zwanziger Jahre der

wohl nicht mehr festzustellen sein.

Bibliotheksleitung seine „Vorschläge zur Förderung der Chinakunde, als

Damit waren die großen Erwerbungen des 19. Jahrhunderts abge-

eines Teiles der Auslandskunde, in Bayern, zunächst durch Ausbau der

schlossen. Es brauchte nach Neumann fast weitere hundert Jahre, bis

chinesischen Büchersammlung der Bayerischen Staatsbibliothek“ vor-

sich ein anderer „Bücherverrückter“ auf den Weg nach China machte,

legte50, stieß er auf sehr geneigte Ohren. Der damalige Generaldirektor,

um gezielt für die Bayerische Staatsbibliothek chinesische Bücher zu

Hans Schnorr von Carolsfeld (1862–1935)51 scheint Reismüller in jeder

erstehen.

Hinsicht gefördert zu haben, von Reismüllers Reise nach China, Japan und die USA bis hin zu seiner Ernennung zum Generaldirektor als direkter Nachfolger Schnorrs.

52

53

Ausgestattet mit 20 000 Reichsmark, die von Bayern und der Notge-

schon verschiedene medizinische Bücher besitzt, deren Liste mir leider

meinschaft für die Deutsche Wissenschaft aufgebracht wurden52, trat

nicht zu Händen war“. Für die japanische Tripitaka-Ausgabe fehlte ihm

Reismüller im September 1928 seine Reise nach China an, die ihn als erstes

das Geld und den Dao zang

nach Mukden, in die alte Kaiserstadt der mandschurischen Qing-Dynastie

Commercial Press in Shanghai zu erhalten55. Es gelang ihm, alle Provinz-

(1644–1911) führte.

chroniken tong zhi

道藏 gedachte er über einen Tausch von der

通志 mit Ausnahme der von Gansu 甘肅 in schönen

Er erwarb vor allem in Peking und Shanghai nicht nur „an Hand der

qingzeitlichen Ausgaben zu erwerben. Ein besonderes Augenmerk legte

aus Europa mitgebrachten und während der Reise ergänzten Desidera-

er auch auf cong shu (s. Anm. 22), von denen er 60 erwarb, sowie Enzyklo-

tenlisten“ in großem Stil chinesische Bücher, sondern besuchte auf

pädien und Bibliographien, anhand derer er spätere Kauflisten auszuar-

seiner gesamten Reise wichtige Bibliotheken in China, Japan und den

beiten gedachte. Besonderen Wert legte er auch auf „eine Sammlung

USA, knüpfte Kontakte, hielt Vorträge. Sein Bemühen, regen Austausch

zeitgeschichtlicher Dokumente, nämlich der Schriften, die mit der Moder-

auf nationaler wie internationaler Ebene zu etablieren, Bücher und Biblio-

nisierung Chinas in Zusammenhang stehen“.56

53

theken der Öffentlichkeit nahezubringen, zeigen bereits hier den Ansatz,

Reismüllers weiteres Schicksal kann nur als äußerst tragisch bezeich-

den er als späterer Generaldirektor zur Modernisierung der Bayerischen

net werden. An seinem größten Konkurrenten, dem Leiter der Hand-

Staatsbibliothek konsequent zu verfolgen suchte. Bauliche Veränderungen

schriftenabteilung, Georg Leidinger (1870–1945)57, vorbei zum Generaldi-

und nicht unwidersprochen gebliebene Umstrukturierungen in Geschäfts-

rektor befördert, wurde ihm letztendlich das NS-Regime zum Verhängnis.

gängen wurden begleitet von einer intensiven Öffentlichkeitsarbeit und

Politisch unliebsam, die Gefahr jedoch nicht wahrnehmend, wurde

vielen Ausstellungen .

Reismüller von Leidinger und seinen Zuträgern aufs Übelste verleumdet

54

Im Juli 1929 kaum zurückgekehrt wurde Reismüller bereits im August

am 23. März 1935 von der Politischen Polizei verhaftet. Da die Beweislage

zum Generaldirektor ernannt. Die aus Fernost eintreffenden Bücherkisten

trotz großer Bemühungen ein strafrechtliches Verfahren nicht zuließ,

blieben bis nach dem Zweiten Weltkrieg unausgepackt. Nach heutigem

versetzte man ihn mit einer vagen Begründung in den einstweiligen

Stand ist die Liste der eingekauften Bücher, die Reismüller mit Sicherheit

Ruhestand. Reismüller verstarb 54-jährig im Mai 193658.

angefertigt hat, verschollen. Alle Angaben zu dieser Erwerbung stammen von Reismüllers Bericht (s. Anm. 53) und dem Artikel von Franz Joseph

Die chinesische Sammlung ab 1950

Meier (s. Anm. 24), dessen Quelle jedoch nicht mehr nachvollziehbar ist. Er zitiert darin Reismüller, der von Hawai aus am 2. Juni 1929 einen

In Franz Joseph Meier59, dem Leiter der Fernostsammlung nach dem Krieg,

Schlussbericht seiner Erwerbung an Schnorr von Carolsfeld abgegeben

„der schon auf dem Gymnasium von dem chinesischen Vermächtnis der

hat. Demnach hat Reismüller „etwa 18 500 Bücher“ (anzunehmen sind

SB [Staatsbibliothek] gehört und sein Leben weitgehend darauf eingestellt

Bände) gesammelt. Damit war die ostasiatische Sammlung auf etwa 30

hatte, einmal bei der Hebung des Schatzes behilflich sein zu können“60,

000 Bände angewachsen. Er erwarb „so ziemlich alle Gebiete der chine-

fand die chinesische Sammlung einen weiteren Enthusiasten. Er machte

sischen Literatur mit Ausnahme der Medizin, des Buddhismus und des

es sich zur Aufgabe, die aufgrund der politischen Verhältnisse in China

Taoismus“. Des weiteren schreibt er: „Von dem Ankauf medizinischer

schwierige Aufgabe der Erwerbung chinesischer Bücher möglichst in

Werke nahm ich Abstand, weil die St.B. aus der Martucci-Sammlung

gleicher Güte fortzusetzen.

54

55

Durch teils noch von Reismüller initiierte Tauschaktionen konnten

Bibliotheken zu vertreiben. 102 Kisten, in denen um die 75 Song-Drucke,

einige größere Sammelwerke dem Bestand hinzugefügt werden. Meier

131 Yuan- und 2000 Ming-Drucke, Handschriften, Steinabreibungen,

entschied in weiser Voraussicht – nachdem der Tausch zwischen der Aca-

Autographen und Bewegliche-Lettern-Drucke verpackt waren, fanden

demia Sinica in Peking und der Bayerischen Akademie der Wissenschaften

unter abenteuerlichsten Umständen ohne Verluste ihren Weg in die LOC.

eingestellt worden war – die Publikationen jener käuflich zu erwerben,

Unter nicht weniger komplizierten Umständen wurden die Werke 1965

da er fürchtete, dass „die in diesem Rahmen erscheinenden, unentbehr-

an Taiwan (sic!) zurückgegeben67.

lichen neueren archäologischen Arbeiten Chinas nicht mehr beschafft

Meier nahm nun auch endlich die Katalogisierung in Angriff. Es ent-

werden [könnten]“ . Dank dieser Einschätzung besitzt die BSB heute

stand ein nach Titel und Autoren geordneter Katalog in Originalschrift

seltene archäologische Forschungs- und Fundberichte. Ein Ankauf „osta-

und Umschrift auf Karteikarten. Die fachmännische Katalogisierung der

siatischer Bücher amerikanischer Provenienz….brachte den „libri Sinici“

Altsinica wurde in den 70er und 80er Jahren von Jane Hwang, einer aus-

einen Zuwachs von 20 Tsung shu [cong shu] und füllte zum Teil empfind-

gezeichneten Kennerin alter chinesischer Drucke und Handschriften,

liche Lücken in der historiographischen, literaturkundlichen, buddho-

vorgenommen.

61

logischen und paläo- bzw. kalligraphischen japanischen Literatur“62. Im Gegensatz zur originalsprachigen ostasiatischen Literatur hatte

Gegenwart

die westsprachige Literatur zum Fernen Osten durch den Krieg große Verluste zu verzeichnen. Es zeugt vom Weitblick nicht nur Meiers sondern

Alle originalschriftlichen ostasiatischen Bestände sind heute elektronisch

auch der damaligen Bibliotheksleitung, den für „den Haushalt schwer-

erfasst, im Opacplus der BSB, dem Gateway Bayern und in Worldcat

wiegenden Entschluss“63 zu fassen, 1953 die Privatbibliothek des Sino­-

recherchierbar. In einem seit 1911 von der DFG geförderten Projekt wird

logen und Kunsthistorikers Carl Hentze (1883–1975) für 260 000 DM zu

der wertvollste Teil der Altsinica digitalisiert (http://ostasien.digitale-

erwerben64. Ein Großteil der Kriegslücken konnte hiermit geschlossen

sammlungen.de/) und nach den von einem Gremium von Altsinica-

werden. Die „Wiederbeschaffung“ umfasste wertvolle Zeitschriften bis

Spezialisten erarbeiteten „Cataloging Guidelines for Creating Chinese

hin zu den „Berichte[n] über die zentralasiatischen Expeditionen von

Rare Book Records in Machine-Readable Form“ beschrieben.

Grünwedel, v. Le Coq, Stein und Pelliot“ . 65

Ein ebenso großer „Wurf“ gelang Meier mit der Erwerbung des „Microfilm of the Chinese rare books of the National Peiping Library“, die nur durch die großzügige Förderung der Fichtel und Sachs AG ermöglicht wurde66. Um in Zeiten des japanisch-chinesischen Krieges (1937–1945) chinesisches Kulturgut zu schützen, zeigte sich die amerikanische Regierung bereit, die wertvollsten Bestände der National Peiping Library vorübergehend in der Library of Congress (LOC) aufzubewahren. Im Gegenzug gestattete man der LOC, davon Microfilme herzustellen und an andere 56

57

1  Der Einfachheit halber wird den

(1368–1644) in Gebrauch. Sie versorgten den

15  Habermann, Alexandra, Knittel, Peter:

Durchschnittshaushalt mit praktischen

23  Reismüller (s. Anm. 4), S. 334

verschiedenen Namen der späteren

Lexikon deutscher wissenschaftlicher

Anleitungen: Gestaltung des Hausaltares,

24  Meier, Franz J.: Aus der Geschichte der

Bayerischen Staatsbibliothek (BSB) im Text

Bibliothekare. Die wissenschaftlichen

Beispiele für Geschäftskorrespondenz,

Asia-maior-Bestände der Bayerischen

nicht Rechnung getragen.

Bibliothekare in der Bundesrepublik

Vertragsentwürfe, Hinweise zur Wahl Glück

Staatsbibliothek und ihrer Bearbeitung. In:

2  Näheres s. Kulturkosmos der Renais-

Deutschland (1981–2002) und der Deutschen

bringender Tage etc. Vgl. Wilkinson,

Orientalisches aus Münchner Bibliotheken

sance. Die Gründung der Bayerischen

Demokratischen Republik (1948–1990),

Endymion: Chinese History. A Manual.

und Sammlungen. Wiesbaden 1957, S. 42

Staatsbibliothek. Wiesbaden 2008

Frankfurt 2004, S. 3.

Cambridge Mass. 2000, S. 607–609.

25  S. Kurzbiographie in Hummel, Arthur

3  Reisach schenkte das Werk der 1759

16  Auster, Guido: „Die Orientalische

gegründeten Akademie der Wissenschaften,

8  Allgemein zu den Exlibris der Bayerischen

W.: Eminent Chinese of the Ch’ing Period

Abteilung“. In: Deutsche Staatsbibliothek

Staatsbibliothek s. Dressler, Fridolin: Die

(1644–1912). Washington 1943, Band 1

über die es wahrscheinlich 1804 an die

1661–1961. Band 1: Geschichte und Gegen-

Exlibris der Bayerischen Hof- und Staatsbi-

S. 565–566.

Hof­bibliothek gelangte, als beide Biblio-

wart. Leipzig 1961. S. 293

bliothek. Wiesbaden 1972.

26  Ich danke Frau Dr. Patricia Sieber von

theken vereint wurden; vgl. München,

17 

9  S. Dudink, Ad: Chinese Books and

der Ohio State University für diesen Hinweis

Bayerische Staatsbibliothek, Cbm Cat 80,

18  Auster (s. Anm.16), S. 294

Signatur C.3.7. Dem Werk selbst liegt ein

Documents (Pre-1900) in the Royal Library

19  Walravens, Hartmut: Chinesische und

of Belgium at Brussels. Brüssel 2006, S. 7–8

Neumann. Seine Lern- und Wanderjahre,

kleiner Zettel bei mit dem Hinweis, dass es

Manjurische Handschriften und Seltene

aus der Bibliothek Reisach stammt. Das

und 22–24.

seine chinesische Büchersammlung.“ In:

Drucke. Teil 6 Libri Sinici. Neue Sammlung

10  Ders. S. 7–8.

Aufsätze zur Kultur- und Sprachgeschichte

Titelblatt trägt in Tusche den Vermerk:

1913–1945. Ein Bestandskatalog der

11  Das „Shijing“ ist eine Gedichtantho­

vornehmlich des Orient. Ernst Kuhn zum 70.

„Ex Bibliotheca Reisachiorum“.

Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer

logie, deren Zusammenstellung Konfuzius

Geburtstag am 7. Februar 1916 gewidmet von

4  München, Bayerisches Hauptstaatsar-

Kulturbesitz. Verzeichnis der Orientalischen

(551–479 v. Chr.) zugeschrieben wird.

Freunden und Schülern. München 1916.

chiv, HR I,293,4,I. – München, Bayerische

Handschriften in Deutschland. Band XII,6.

12  Ich danke meinem Kollegen Stephan

S. 445–446.

Staatsbibliothek, Cbm Cat. 66. – Vgl. hierzu

2009, S. 14.

Kellner für den Hinweis, dass eine der alten

28  München, Bayerische Staatsbibliothek,

allgemein Kellner, Stephan / Spethmann,

20  München, Bayerische Staatsbibliothek,

Signaturen auf dem „Hongpiao“ aus der

Cbm Cat. 45

Annemarie: Historische Kataloge der

Cod.sin. 129

Mannheimer Bibliothek stammen könnte.

29  Nähere Beschreibung s. Chan, Albert:

Bayerischen Staatsbibliothek München.

21  München, Bayerische Staatsbibliothek,

Es ist tatsächlich in einem circa 1757

Chinese Books and Documents in the Jesuit

Wiesbaden 1996, S. 31. – Reismüller,

Cbm Cat. 45 b. Ich gehe hier nicht auf die

entstandenen Handschriftenkatalog der

Archives in Rome. A Descriptive Catalogue.

Georg: „Zur Geschichte der chinesischen

verwirrende Situation von verschiedenen

Büchersammlung der Bayerischen

Mannheimer Bibliothek bei „Miscellania“

Japonica-Sinica I-IV. New York 2002,

Abschriften ein. Cbm Cat 45 b in Umschrift

unter der Nummer 589 als „Mandatum

S. 471–474.

Staatsbibliothek.“ In: Ostasiatische

s. Rückert, Ingrid: „Die seltensten und

Imperatoris Sinensis anno 1716 die 17. Octob.

30  Ders. S. 381–382

Zeitschrift 8 (1919–20), S. 331.

kostbarsten Werke chinesischer Literatur:

[…].“ verzeichnet, vgl. München, Baye-

31  München, Bayerische Staatsbibliothek,

5  München, Bayerische Staatsbibliothek,

Karl Friedrich Neumann als Begründer der

Cbm Cat. 172. Hierzu allgemeine Beschrei-

risches Hauptstaatsarchiv, Geheimes

Cod.jap. 4; nähere Beschreibung s. Kraft,

chinesischen Büchersammlung an der

Hausarchiv, Handschrift 148 (Microfilm in

Eva: Japanische Handschriften und

bung bei Kellner 1996, S. 32. – Kaltwasser,

Bayerischen Staatsbibliothek“. In: Saeculum

der Bayerischen Staatsbibliothek München,

Traditionelle Drucke aus der Zeit vor 1868.

Franz G.: Die Bibliothek als Museum. Von

60/I (2010), S. 137–142.

Sign. MF 15223).

Verzeichnis der Orientalischen Hand-

der Renaissance bis heute, dargestellt am

22  Sammelwerke, cong shu, stellen ein

13  Grönbold, Günter: „Die orientalischen

schriften in Deutschland, Band XXVII,2.

Beispiel der Bayerischen Staatsbibliothek.

spezifisches Erscheinungsbild ostasiatischer

Handschriften der Bayerischen Staatsbiblio-

Wiesbaden 1986, S. 6.

Wiesbaden 1999, S. 71–74.

Buchkultur dar. Bereits vorhandene Werke

thek“. In: Bibliotheksforum Bayern 9 (1981),

32  Reismüller (s. Anm. 27), S. 447

6  München, Bayerische Staatsbibliothek,

werden in einem neuen Sammelwerk, das

S. 77.

33  Reismüller (s. Anm. 27), S. 446. – Julius

Cbm Cat. 66. – Kaltwasser (s. Anm. 5), S. 69.

thematisch orientiert sein kann aber nicht

Klaproth: Verzeichniß der chinesischen und

Reismüller (s. Anm. 4), S. 336.

27  Georg Reismüller: „Karl Friedrich

– Reismüller (s. Anm. 4), S. 331f.

14  München, Bayerische Staatsbibliothek,

muß, zusammengestellt und veröffentlicht.

Cbm Cat. 40. – Allgemein dazu Kellner

mandschuischen Bücher und Handschriften

7  Haushaltsenzyklopädien waren vor allem

Viele Monographien, die als solche verloren

(s. Anm. 4) S. 58–59.

der Kgl. Bibliothek zu Berlin. Paris 1822.

in der Yuan- (1279–1368) und Ming–Dynastie

gegangen sind, konnten in solchen Collectanea überdauern.

58

59

34  http://www.babelstone.co.uk/

50  Kaltwasser, Franz G.: „Die Orienta-

morrison/

lischen Sammlungen der Bayerischen

35  Reismüller (s. Anm. 27), S. 448

Staatsbibliothek“. In: Das Buch im Orient.

36  Reismüller (s. Anm. 27), S. 453

Wiesbaden 1982, S. 25–26.

37  Rückert ( s. Anm. 21), S. 132

51  Habermann (s. Anm. 47), S. 304–305.

38  Bruno J. Richtsfeld, „Onorato Martucci

52  Kaltwasser (s. Anm. 50), S. 26

und sein „chinesisches Museum“. In:

53  Reismüller, Georg: „Erfahrungen und

Müller, Claudius / Stein, Wolfgang:

Eindrücke aus ostasiatischen und amerika-

Exotische Welten. Aus den völkerkundlichen

nischen Bibliotheken“. In: Bömer, Aloys

Sammlungen der Wittelsbacher 1806–1848.

u. a. (Hg.): Zentralblatt für Bibliotheks­

Dettelbach 2007, S. 161–163.

wesen. Leipzig, 1930, S. 470–471.

39  Reismüller (s. Anm. 4), S. 335

54  Dressler (s. Anm. 48), S. 54.

40  Walravens, Hartmut: Onorato Martucci.

55  Meier (s. Anm. 24), S. 47.

Schriften über China. Mit einer biobibliogra-

56  Ders., S. 47

phischen Skizze und einem Faksimile eines

57  Habermann (s. Anm. 47), S. 188

Auktionskataloges. Hamburg 1984, S. 30.

58  Dressler (s. Anm. 48), S. 59–62.

41  Reismüller (s. Anm. 4), S. 335

59  Habermann (s. Anm. 15), S. 118–119.

42  Richtsfeld (s. Anm. 38), S. 164

60  Meier (s. Anm. 24), S. 49

43  Reismüller (s. Anm. 4), S. 335

61  Ders., S. 53

44  Eine Geschichte der Martucci-Samm-

62  Ders., S. 53

lung mit Signaturen-Konkordanz,

63  Ders., S. 58

Beschreibungen und wissenschaftlicher

64  Kaltwasser (s. Anm. 50), S. 26

Evaluierung wird von der Verfasserin

65  Meier (s. Anm. 24), S. 58

vorbereitet.

66  Meier (s. Anm. 24), S. 53 f

45  Meier (s. Anm. 24) S. 43. – Biographie in

67  Diese in jeder Hinsicht abenteuerliche

Nouvelle biographie générale depuis les

Geschichte ist hervorragend beschrieben in:

temps les plus reculés jusqu’a 1850–1860.

Fung, Margaret C.: „Safekeeping of the

Kopenhagen 1963–69, S. 279–283

National Peiping Library’s Rare Chinese

46  München, Bayerische Staatsbibliothek,

Books at the Library of Congress 1941–1965“

Cbm Cat. 45 c

In: The Collected Works of Margaret C. Fung,

47  Habermann, Alexandra u. a.: Lexikon

PhD, Taipei 2004, S. 63–82.

deutscher wissenschaftlicher Bibliothekare 1925–1980. Frankfurt 1985, S. 271 48  Dressler, Fridolin: „Die Bayerische Staatsbibliothek im Dritten Reich. Eine historische Skizze.“ In: Vodosek, Peter, Komorowski, Manfred: Bibliotheken wäh­rend des Nationalsozialismus, Wiesbaden 1989, S. 51. 49  Meier (s. Anm. 24), S. 46

60

K. F. Neumann führt durch sein Leben Katharina Steiger

In einem modernen, tabellarischen Lebenslauf hätte Neumann sich vermutlich folgendermaßen präsentiert:

Lebenslauf

Angaben zur Person Nachname(n) / Vorname(n) Adresse Staatsangehörigkeit Geburtsdatum Geschlecht Religion

Neumann Karl Friedrich Schellingstr. 6, Berlin Deutscher Bund 28. 12. 1793 (ca.) Männlich Ursprünglich jüdischer, seit 11. Oktober 1818 protestantischer Konfession

Lebensmotto

„Hilf dir selbst, so hilft dir Gott!“



Abb. 2) Neumann: „Lebensbeschreibung“

63

Gewünschte Beschäftigung /

Professor der armenischen

Universität München, Hof- und Staatsbiblio-

Gewünschtes Berufsfeld

und chinesischen Literatur

thek München, 1833 – 1852 (in letzterer Position

Wissenschaftliche Tätigkeiten, bei denen ich „mein eigener Mann“ sein kann. Ich bin sehr flexibel, besitze Reisebereitschaft, Risiko­bereitschaft und Entschlusskraft

und der allgemeinen Länder-

Einer der ersten Professoren für chinesische

der Sinica-Sammlung der

Sprache in Deutschland, Kustos für die von

Hof- und Staatsbibliothek München Freier wissenschaftlicher

Berufserfahrung Bäuerliche Frondienste,

„Frei“-beruflich (als Knecht), Schwarzach,

Arbeit als Stundengeber

Jörgendorf, für einige Jahre ab 1807 Dienste in Landwirtschaft und Haushalt

Narrenwächter,

Freiberuflich, Frankfurt, für einige Jahre bis

Leichenwächter

1817 sowie andere Gelegenheitsjobs wie Stiefel­ putzen, Gängelaufen, etc.

Stundengeber und freier

Gymnasiallehrer

Forscher und Spediteur

sischen Bücher Freiberuflich, Berlin, 1863 – 1867

Schul- und Berufsbildung Talmudschüler

Bamberg und Fürth, Bay., ca. 1806 Erlernen des Hebräischen, Memorieren des Talmud und religiöser Zeremonien

Kaufmännische Ausbildung

Bei meinem Onkel mütterlicherseits, Herrn Edheim, Frankfurt, für einige Jahre bis 1817

Studium der Philologie und

Gymnasien in Würzburg, Aschaffenburg und

mir an die Staatsbibliothek gebrachten chine-

Schriftsteller

Freiberuflich, Heidelberg, 1817 – 1821

Schriftsteller

noch bis 1863)

und Völkerkunde, Kustos

Philosophie

Universität Heidelberg, Universität München, 1817 – 1819

Speyer, 1821 – 1825

Erlernen des Armenischen

Kloster San Lazzaro, Venedig, 1827 – 1828

Königliche Bibliothek zu Berlin, 1829 – 1831

Erlernen des Chinesischen

Erster Lehrstuhl für Sinologie, Collège de France, Paris (Abel Rémusat), 1828

Erlernen der armenischen Sprache auf San Lazzaro, Auswahl der wichtigsten chinesischen Bücher der Qing-Zeit, u. a. durch Studium der

Persönliche Fähigkeiten und Kompetenzen

Londoner Bibliothek des Missionars Morrison, Überfahrt nach China als Matrose, Ankauf und Ausfuhr der Bücher nach Bayern und Preußen

Fremdsprachen

Chinesisch, Armenisch, Persisch, Englisch, Französisch, Italienisch, Latein, Mongolisch, Mandschurisch, Sanskrit, Arabisch, Hebräisch, Birmanisch, Siamesisch

64

65

Soziale Fähigkeiten und Kompetenzen

Durch meine hohe soziale Kompetenz und Position auf der untersten Stufe der sozialen

Mit schwungvoller Handschrift führt Karl Friedrich Neumann in seinen

Leiter bis weit nach oben vorarbeiten. Dabei

Tagebüchern durch sein Leben. Neben Bildern werden auch interessante

wusste ich mich geschickt in verschiedenste

Auszüge aus seinen Memoiren im biographischen Teil dieser Ausstellung

Rollen zu begeben. So habe ich z. B. mein

gezeigt, beginnend mit Auszügen über seine Kindheit und Jugend.

Reisegeld nach Frankfurt so gewonnen: Ich

Organisatorische Fähigkeiten und Kompetenzen

hen, arbeiteten auch in Reichmannsdorf die meisten Juden als Händler

Rhabbi, und hatte „durch allerlei scheinheiliges

oder Hausierer.1 Neumanns Vater Lazarus Lippmann konnte mit seinem

Wesen frommen Judenweibern einiges Geld

Patent auf Schnittwarenhandel in Reichmannsdorf nach Abzug der hohen

aus der Tasche gelockt“.

Steuern seine Familie nur mühsam ernähren. Die prekäre Situation der

Meine organisatorischen Fähigkeiten zeigen

Familie schildert Neumann in eindrücklichen Worten:

sich an der Durchführung meiner Chinareise: wenigen ausländischen Forscher, denen es gelang, nach China einzureisen, dessen Politik gegenüber Ausländern 1830 extrem restriktiv war. Von dort konnte ich ca. 6000 Bände der wichtigsten chinesischen Literatur ausführen.

und Kompetenzen

Aufgrund des Verbots für Juden, handwerklichen Berufen nachzuge-

gab mich als Bachar aus, als strenggläubigen

Trotz meines Nullbudgets gehöre ich zu den

Technische Fähigkeiten

Jugend, Armut, Lehrjahre

Flexibilität konnte ich mich von meiner

Handwerkliche Begabung, erprobt durch verschiedene Gelegenheitsjobs, u. a. als Gehilfe meines Vaters beim Hausieren mit Schnittwaren, bei bäuerlichen Frondiensten und Hilfsarbeiten wie Federnschleißen, Bohnenabziehen, Kartoffeln ausgraben,

„Der Baron […] war das ächte Musterbild eines fränkischen Gutsherren. Der dickwanstige Nimrod mit hochrothem Gesichte war herrisch und willkürlich, habsüchtig und rücksichtslos. Seine hartherzigen Beamten ließen die nothwendigste[n] Geräthe, Betten und Kleidungsstücke wegnehmen, wenn die Gefälle [d. h. die Abgaben] nicht bezahlt wurden. […] Noch sehe ich Lasar, wie er eines Abends auf der schmalen hölzernen Bank hinter dem Tische saß und zählte und zählte, wie er den Geldbeutel nochmals aus- und umkehrte, es wollten keine dreizehn Gulden herauskommen. […] Wir armen geplagten Leute, pflegte eine schlaue Judenfrau zu sagen, müssen etwas handeln, etwas betrügen und etwas stehlen, um nur schlecht und gerecht durch die Welt zu kommen, die großen Diebe und solche sind alle Herrschaften läßt man laufen, die kleinen hängt man auf.“2 In Neumanns Geburtsort Reichmannsdorf lebten die jüdischen Fami-

Gänsestopfen, Viehtreiben, etc.

lien in einem Viertel konzentriert, dem „Judenhof“, an welches heute

Künstlerische Fähigkeiten

Fähigkeit, komplexe politische und gesell­

nur noch ein Straßenschild erinnert. Der Grabstein von Neumanns Vater

und Kompetenzen

schaftliche Probleme kreativ zu umgehen.

Lazarus auf dem Jüdischen Friedhof in Reichmannsdorf wurde wahr-

Keine

scheinlich im Ersten Weltkrieg zerstört.

IT-Kenntnisse

Die von Armut geprägte Kindheit und Jugend beeinflussten Neumann stark. Nicht nur waren sie ihm ein starker Antrieb, auch wurde sein 67

Abb. 3) Neumanns

Abb. 6) Spitzweg: „Der arme Poet“ (1839)

Geburtshaus, Druck nach einer Zeichnung von Grünewald

Abb. 4) „Judenhof “

Abb. 5) Guter Ort

in Reichmannsdorf

in Reichmannsdorf

Abb. 7) Menora

forscht, schreibt und in ferne Länder reist. Ein Auszug aus seinem TageGerechtigkeitssinn gestärkt, was ihn später zu einem Befürworter der

buch wiederum erinnert stark an Spitzwegs Gemälde „Der arme Poet“:

Revolution von 1848 machte.3 So schilderte er seine Gedanken über die

„Mit Tagesanbruch, im Winter lange zuvor, saß ich an der Arbeit […]

Reise nach Frankfurt, wo er auf eine Anstellung bei seinem Onkel hoffte:

Meine Schlafstelle unter dem Dache konnte nicht geheizt werden, und

„Während dieses mehrwöchentlichen Umherstreifens in Franken

wenn auch, wer hätte mir das Geld für die Feuerung gegeben. Da mußte

wurden mir die verschiedensten Vorschläge zum Weiterkommen in der

ich nun des Abends wie des Morgens im Bett studieren, hie und da auch

Welt gemacht, worunter auch manche wenig ehrenvolle […] Noch denke

im Familienwohnzimmer, wenn mir dies nämlich gestattet wurde.“5

ich mit Schaudern an die Gefahren zurück, in welchen ich damals

Seit seiner Jugend hatte Neumann ein gespanntes Verhältnis zur

schwebte. Ein Fehltritt hätte mein ganzes Leben vernichten können. […]

Religion seiner Kindheit. Humor und eine spitze Feder waren seine Art,

Unsere schlechten staatlichen, religiösen und bürgerlichen Einrichtungen

damit umzugehen. Um nicht mehr aufgrund seiner Konfession diskri-

tragen, zum größten Theile, die Schuld an dieser Armuth, dieser Unwis-

miniert zu werden, beschloss Neumann schließlich, sich protestantisch

senheit. Sie zielen zum großen Theile absichtlich auf die Verthierung und

taufen zu lassen:

Verarmung der Massen, sie sind mittelbar die Ursache der meisten Ver-

„Ein Pfarrer […] erhielt den Auftrag mich im evangelischen Christent-

brechen. Je schlechter die Regierung, desto ruchloser die Bevölkerung.

hum zu unterrichten. Es war ein schrecklich lebloser und unwissender

Ein dunkles Bewußtsein des Unrechts, welches ihnen widerfährt, stachelt

Mann. Von der Geschichte und der Entwicklung des Christenthums konnte

die armen Leute zu Widersetzlichkeiten an […]“4

ich ihm gar Manches erzählen, wovon der Pastor niemals etwas gehört

Wenn Neumann sich als Jugendlicher und junger Erwachsener

hat. […] Ich mußte dem Teufel und allen bösen Geistern, an die ich natür-

beschreibt, sieht man vor dem inneren Auge den Inbegriff des Wanderers

lich niemals geglaubt hatte, entsagen und zu manchem Zeug mich beken-

der Romantik, der sucht und strebt und große Träume und Pläne hat, der

nen, was für keinen denkenden Menschen irgend einen Sinn haben kann.“6

68

69

Abb. 8) Zeichnung von Franz Graf von Pocci:  Neumann auf Schiff  Abb. 10) Karte der Faktoreien in Kanton

etabliert. Faktoreien waren die Lagerhallen, Büros und Wohnungen der Abb. 9) aus Neumanns  „Memorial“ (10.2.1830 – 26.5.1830)

Chinareise 1830 – 1831

Ausländer, die vor den Toren der Stadt in einem abgegrenzten Gebiet lagen. Involviert in den Handel auf chinesischer Seite war nur, wer eine kaiserliche Lizenz dazu besaß. Der Handel war für Chinesen wie für Ausländer extrem restriktiven Regeln unterworfen, was dazu führte, dass Gesetze ständig gebrochen wurden – oft unter großer Gefahr und verbunden mit

„Vom Winde begünstigt fuhren wir rasch dahin

hohen Bestechungsgeldern – und dass der Schwarzmarkt blühte. Wer mit

Segel schnellen.

Fremden verkehrte, dem drohte unter Umständen die Todesstrafe, es sei

Grüne Wellen,

denn, er verfügte über eine kaiserliche Lizenz dazu.8 Unter diesen Umstän-

Weiße Schäume.

den kann man verstehen, wie schwierig es für Neumann war, einen

Sehet die grünen

Chinesisch-Lehrer zu finden, der das Risiko auf sich nahm, mit einem

Weiten Räume

Ausländer zu verkehren, und wie riskant der Ankauf von Büchern aus dem

Von Delphinen

Teil der Stadt war, dessen Betreten für Ausländer streng verboten war.9

Rasch durchschwommen.“7 Neumann kam zu einer turbulenten Zeit nach China. Am Anfang hatte

Die Akteure im Handelssystem um 1830

der Handel mit China in wenigen ausgewiesenen Häfen und unter Abgabe hoher Steuern begonnen. Die britische Ostindienkompanie, auf deren

Mandarine: Chinesische Staatsbeamte

Schiff Neumann nach China reiste, hatte bis 1834 das Monopol für den

Hong-Händler: Die Hong-Händler gab es in der Form von 1830 seit dem

Handel Englands mit China inne. Ihre „Faktorei“ wurde bereits 1684

Jahr 1725. Es waren dreizehn an der Zahl und gemeinsam wurden sie die

70

71

Co-Hong genannt. Sie hatten die kaiserliche Lizenz zum Handel mit dem

Geographie

Ausland. In ihren Warenhäusern sammelten sich alle chinesischen Exportgüter. Das Monopol des Handels mit dem Rest der Welt durch den Hafen

Seit 1745, also auch während Neumanns China-Reise, war nur Kanton für

Kantons (Guangzhou) brachte viele Millionen Dollar ein.

den Handel der Welt mit China offen. Schiffe ankerten bei ihrer Ankunft

Hoppo: Der Hoppo war der kaiserliche „Zollbeamte“, an den die Hong-

entweder bei der Insel Lintin oder durften, vor allem im Fall der Segler

Händler hohe Abgaben zahlen mussten.

der Ostindienkompanie, direkt in „Whampoa“, den Hafen Kantons ein-

Linguisten: Linguisten waren keine Übersetzer im eigentlichen Sinn, da

fahren. Whampoa war die englische Bezeichnung für den Huangpu-Bezirk

sie nur Chinesisch und Pidgin English sprachen. Sie waren vielmehr

in Guangzhou. Dabei passierten die Schiffe die „Bocca Tigre“, auch „Bogue“

Vermittler, die den Ausländern neue Richtlinien und Dekrete näher

oder „Lion’s Gate“, die enge Mündung des Perlflusses, die dem Maul eines

brachten. Dies war wichtig, damit Ausländer verstanden, ob sie tatsäch-

Tigers glich. Am Hafen vor den Toren der Stadt durften Ausländer wohnen

lich betroffen waren oder ob sie Richtlinien ohne zu großes Risiko igno-

und arbeiten, sie durften aber nicht die Stadt betreten. Dabei hatte jedes

rieren konnten. Außerdem sollten Ausländer bei ihren Ausflügen von

Land seine eigene Faktorei. Hier stand auch das „Consoo-Haus“. Dies war

Linguisten begleitet werden, damit es nicht zu Auseinandersetzungen

eine Ansammlung schöner Anwesen chinesischen Stils, welche den Hongs

mit Einheimischen kam. Zudem übernahmen sie andere Aufgaben, wie

gemeinsam gehörten und in welche die Taipans und manchmal auch

etwa die Beantragung von Passierscheinen für Ausländer nach Macao.

Ausländer eingeladen wurden, um neue Gesetze und Richtlinien zu

Eine häufige Frage aus dem Mund der Linguisten war „You savee?“, Pidgin

besprechen. Ebenso wie Ausländer nicht in die chinesische Stadt durften,

English für „Do you understand?“. Hinzugefügt wurde „This time the

so wurde im Gegenzug das Gebiet der Faktoreien durch die Hongs bewacht.

Mandarin is really in earnest.“11

Dies war nicht nur aufgrund des schlechten Rufs der Ausländer als „Fremde

10

Taipan: Der chinesische Manager einer ausländischen Faktorei.

Teufel“ notwendig, auch wurde in den Faktoreien kostbare Handelsware

Compradore: Jede Faktorei hatte einen Compradore. Seine Aufgabe war

und viel Geld gelagert. Sobald der Handel abgeschlossen war, mussten

vor allem die des Schatzmeisters. In den Faktoreien wurden oft über eine

die Ausländer Kanton verlassen, weshalb einmal jährlich mit dem Mon-

Million Dollar verwaltet, da es keine Banken im heutigen Sinne gab.13

sun die ausländischen Handelsschiffe nach Macao fuhren, um einige

Shroff: Diese Geldhändler sind vergleichbar mit heutigen Bankern. Sie

Monate später wieder nach Kanton zurückzukehren.15

12

tauschten ausländisches gegen einheimisches Geld, wobei es in China

Auch die Sir David Scott mit Neumann an Bord ankerte bei der Ankunft

anstelle großer Scheine Gold- und Silberbarren gab, die untersucht und

in China erst vor Macao, um zu Beginn der Handelszeit nach Kanton in

abgewogen werden mussten. Der Shroff konnte auch Geld verleihen oder

die englische Faktorei zu segeln. Erst nach dem Umzug nach Kanton

einlagern. Dabei war die chinesische Regierung in keiner Weise in die

wurde Neumann dann als Gast im Haus des Kaufmanns und Opiumhänd-

Produktion und Verteilung der Gold- und Silberbarren involviert.

lers Sir Lancelot Dent beherbergt.16

14

72

73

Sprachenpolitik und Sprachpraxis Fremden war es verboten, chinesische Bücher zu kaufen oder chinesische Zeitungen zu lesen sowie Gelehrte oder Beamte zu empfangen. So berichtete William C. Hunter (1812–1891), dass Jahre nach seiner Ankunft in Kanton 1825 neben ihm selbst nur zwei ausländische Bewohner Kantons der chinesischen Sprache mächtig waren, nämlich Dr. Robert Morrison (1782–1834) und Sir John Francis Davis (1795–1890).17 Seit 1830 zählte auch Neumann zu dieser erlesenen Gruppe. Die Sprache der Händler war das „Chinese Pidgin English“. Es bezog Vokabular aus verschiedenen Sprachen, die so abgewandelt wurden, dass sie für Chinesen einfach auszusprechen und schnell zu erlernen waren. „Pidgin“ ist wahrscheinlich eine Abwandlung des Wortes „Business“. Pidgin English wurde durch Chinesen bereits entwickelt, als die ersten westlichen Besucher über Indien nach China gelangten, weshalb es viele indische Wörter beinhaltet. Englische Wörter kamen erst später dazu, nahmen aber allmählich immer mehr überhand. Portugiesische Wörter waren auch zu finden, nahmen jedoch wieder ab, als die Portugiesen sich

Abb. 11) Hong mao tongyong fan hua

Abb. 12) Xin ke hong mao fan hua

红毛通用番话 („Gebräuchliche

新刻红毛番话

ausländische Sprache der Rot­

(„Neue Ausgabe der ausländischen  

haarigen“), Bijingtang

璧经堂,

Sprache der Rothaarigen“)

Verfasser unbekannt, erschienen wahrscheinlich in den 30er Jahren des 19. Jhs.

auf Macao als Handelsstandort beschränkten. Als Neumann nach China kam, wurde Pidgin English dort verwendet, und zwar schon mindestens

Vermögens an Intuition und Einfallsreichtum, um daraus schließen zu

seit 1743 in Hainan und seit 1747 in Kanton.

Um zu illustrieren, wie

können, dass z. B. die Zahl 33 eben „thirty plus three“ heißt und nach

Pidgin English erlernt wurde, folgen Abbildungen aus Wörterbüchern,

demselben Prinzip wie 23 konstruiert wird. Auch Maßeinheiten wie z. B.

die allerdings nicht aus Neumanns Sammlung stammen.

„ban jin (half catty), yi li (one cash), yi qian (one mace), yi liang (one tael)“ sind

In Hong mao tongyong fan hua

18

(„Gebräuchliche auslän-

angeführt. Zu dieser Rubrik gehören ebenfalls Ausdrücke wie kaufen,

dische Sprache der Rothaarigen“) folgt auf einen chinesischen Begriff die

verkaufen, gefallen, tauschen. Adverbien und Präpositionen kommen

in chinesischen Schriftzeichen wiedergegebene „englische“ Aussprache,

kaum vor, die Substantive machen den größten Teil aus. 19 Daher konnte

die Umschrift orientiert sich am Kantonesischen. Anstatt des englischen

mit Chinese Pidgin English nur rudimentäre Kommunikation geführt

„one“ wird z. B. das Schriftzeichen 溫 (Hochchinesisch: wen) zum Kenn-

werden.

红毛通用番话

zeichnen der Aussprache verwendet. In der Rubrik für „Geschäfte und Zahlen“ sind zunächst die Zahlen bis dreißig kontinuierlich dargestellt, danach sind die Zahlen dreißig, vierzig bis neunzig zu finden. Da grammatikalische Erläuterungen gänzlich fehlen, bedarf ein Leser eines hohen 74

75

finden sind. Daher gab es keinen Grund die Erzeugnisse ausländischer Barbaren im Austausch für unsere eigenen Produkte zu importieren […]“20 Die Behandlung der westlichen Händler durch China wie Untertanen und Tributbringer war nicht der einzige Faktor, den die „Fremden Teufel“ bei der Rechtfertigung ihrer Invasion Chinas vorbrachten. So wurde die Position vertreten, dass ein Land kein Recht darauf habe, sich aus der internationalen Gemeinschaft herauszuhalten. Und selbst wenn China dieses Recht auf Abschottung jemals innegehabt hätte, so hätte es dieses bereits verwirkt, als es freiwillig politische und ökonomische Beziehungen mit anderen Staaten aufgenommen hatte.21 Eine Erklärung für den Opiumkrieg bezieht sich auf den Ausgleich des großen Handelsdefizits gegenüber China, welches durch den illegalen Verkauf von in China verbotenem Abb. 13) Zeichnung von

Abb. 14) Neumann als Chinese:  

Franz Graf von Pocci:  

Zeichnung von  

Neumann als Opiumraucher

Franz Graf von Pocci

Opium an die chinesische Bevölkerung mehr als ausgeglichen wurde. Zwischen 1820 und 1830 betrug der durchschnittliche Import von Opium über 16000 Kisten. Es wurde zur psychologischen Notwendigkeit das Volk abzuwerten, dem man eine Substanz verkaufte, die gesundheitsschädigend und im eigenen Land verboten war.22

Forderung nach der Öffnung Chinas Wandel des Chinabilds Als Neumann nach China reiste, herrschte bereits eine gespannte Stimmung zwischen China und den Handelskompanien aus dem Ausland. Als

Die abweisende Reaktion des Kaisers Qianlong auf die Gesandtschaft Earl

ein Katalysator der sich verschlechternden Beziehungen zwischen China

Macartneys durch König George von England 1793 geht auf eine lange

und England kann die Entsendung von Earl Macartney durch König George

Geschichte der Missionierung und des Handels mit China zurück. Die

von England 1793 (dem Geburtsjahr Neumanns) gesehen werden, 37 Jahre

Geschichte der jesuitischen Chinamission begann im 16. Jh. und war eher

vor Neumanns Reise. Das Britische Königreich wollte neben der Auswei-

sinophiler Ausprägung. Chinas Bevölkerung wurde als intelligent und

tung des bis dato auf Kanton beschränkten Handels zwischen beiden

fleißig beschrieben, das Land galt als von Vernunft regiert.23 Dieses Bild

Staaten die Einrichtung einer englischen Botschaft in Peking erreichen.

wurde durch die Berichte der Jesuiten aus China nach Europa getragen.24

Für Kaiser Qianlong (1711–1799) war diese Forderung unverständlich. Seine

Doch nicht nur Berichte kamen in Europa an, sondern auch die ersten

Einstellung war entsprechend der des mächtigen, gütigen Herrschers

chinesischen Büchersammlungen, wie die des Missionars Robert Morri-

gegenüber einem Untertan:

son in London. Zu Neumanns Zeit war die sinophile Haltung des Westens

„Unser Himmlisches Reich verfügt über alles in reicher Fülle und es

jedoch bereits umgeschlagen, und das negative Chinabild Hegels stand

gibt keine Produkte, die nicht innerhalb unserer eigenen Grenzen zu

im Kontrast zu den vorhergegangenen positiven Berichten der Jesuiten

76

77

wie des Missionars Martin Martini (1565/66–1610)25 oder Matteo Ricci (1552–1610). Die Jesuiten beschäftigten sich intensiv mit der chinesischen Kultur, um Anknüpfungspunkte für die christliche Lehre zu finden und auch Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716) forderte im Jahr 1697 einen wissenschaftlichen Austausch zwischen China und Europa.26 Die jesuitischen Missionare machten viele Zugeständnisse; so waren neben dem Glauben an den christlichen Gott auch Ahnenriten und die Verehrung von Konfuzius erlaubt.27 Hier unterschieden sich die Jesuiten allerdings völlig von den konservativen Geistlichen anderer Orden,28 was als „Ritenstreit“ in die Geschichte einging. Dieser wurde durch das Verbot der

Abb. 15) Zeichnung von Franz Graf von Pocci: Neumann, Chines. Festzug

chinesischen Riten 1742 und die Auflösung des Jesuitenordens 1773 durch den Vatikan beendet.29 Von chinesischer Seite wurde die Arbeit der Mis-

Abb. 16) aus Neumanns „Memorial“

sionare in China durch Kaiser Yongzheng (reg. 1723–1735) weitreichenden

(10. 2. 1830 – 26. 5. 1830)

Restriktionen unterworfen.

30

Vor allem aufgrund der Umwälzungen in

Europa und Amerika während der industriellen Revolution nahm man die chinesische Kultur in zunehmendem Maße als stagnierend wahr. Hegel unterschied zum Beispiel zwischen dem „kaukasischen“ freien

Büste eines Chinesen, nur einen Hammerschlag zu thun braucht, wo

Geist und dem „chinesischen“ unfreien Geist.31 Neumann, der Hegels

sonst hunderte erforderlich. Die Anzahl mannigfacher Linien, der liebliche

Vorlesungen besucht hatte,

gesteht China eine großartige alte Kultur

Wechsel von Erhöhung und Vertiefung, dabei die Harmonie der Gesichts-

zu, die dann aber, da sich China verschloss und nicht weiterentwickelte,

züge und gefällige Vollendung eines europäischen Gesichtes erscheinen

33

zwangsläufig durch „Fortschreitende“ unterworfen werden musste.

niemals derart in ihrer vollen Schönheit und Kraft, als wenn wir einen

Leitzinger schreibt hierzu über Neumann: „Neumann was no racist, but

Chinesen daneben stellen. Man fühlt dann recht lebendig, wie ein Antlitz

he certainly advocated colonialism and was a Russophile in relation to

voll wechselnder Wellenlinien und schöner Verhältnisse das äusserliche

the southern lands. He had a Darwinist approach many years before

Siegel und Gepräge ist innerer geistiger Ueberlegenheit.“36

32

Charles Darwin or Herbert Spencer presented their ideas. […] Neumann makes it clear in his very first words of the preface: ,The European huma-

Neumanns Wirken als Sinologe

nity is selected by divinity as ruler of the earth.‘34“35 Neumann beschreibt die Menschen in China so: „Das Angesicht eines

Reismüller über Neumann: „So ehrte Bayern sich und den Mann, dem

Eingebornen der Mitte ist breit, die Stirne nieder und zusammengedrückt;

Deutschland die erste große Sammlung chinesischer Bücher verdankte,

Augen, Mund und Nase sind so klein, dass sie dem Gesichte keinen oder

indem des Landes vornehmste Universität als die erste in Deutschland

unbedeutenden Ausdruck verleihen. Die widerlich hervorragenden Backen-

die Sinologie unter die von ordentlichen Lehrkräften vertretenen Diszi-

knochen geben ihm jene einförmige Haltung, dass der Bildhauer, bei der

plinen aufnahm.“37

78

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Neumann folgten Rémusats Vorbild.38 Als Neumann nach China reiste, waren andere „China–Experten“ zwar auch vor Ort, allerdings handelte es sich hierbei entweder um Missionare oder Händler, wobei vor allem Letztere meist kein Chinesisch sprachen. Neumann galt als erster deutscher Gelehrter, der allein zu wissenschaftlichen Zwecken nach China reiste.39 Das Verhältnis Neumanns zu dem bekannten Orientalisten Klaproth war von Konkurrenz und persönlicher Antipathie geprägt. Dass Neumann in Paris zunächst wenig freundlich empfangen wurde, erklärte er sich so: Abb. 18) Familienporträt mit Neumann

„Klaproth hat seit Jahrzehnten unter anderen Geschäften, auch einen Handel mit chinesischen Büchern getrieben. Meine Unternehmung drothe seinem einträglichen Gewerbe ein Ende zu machen; ich und meine Sammlungen mußten herabgesetzt und soweit wie immer möglich als

Abb. 17) Schreiben König Ludwigs von Bayern an Neumann: Ernennungsurkunde 1833

werthlos dargestellt werden.“40 Die von Neumann erworbenen Bücher gaben der deutschen ChinaForschung enormen Aufwind, denn Interessierte konnten bei ihrer Forschung nun erstmals auf einen großen Schatz von Sinica zurückgreifen,

Interesse an der chinesischen Kultur bestand seit Beginn des Handels

ohne nach London oder Paris reisen zu müssen. Diese besondere Stellung

mit China und der jesuitischen Missionen in China. Die Bücher, die von

konnte die Sammlung in der BSB über einige Jahrzehnte behaupten.41

Missionaren und Händlern nach Europa gebracht wurden, dienten als

Mit seiner Anstellung an der Universität und Bibliothek in München

Ausgangspunkt für erste sinologische Forschungen. Die Entwicklung

begann für Neumann eine „ruhigere“ Zeit, wenn man dies je von seinem

einer akademischen Sinologie begann erst mit Abel Rémusat (1788–1832).

Leben behaupten kann. Er gründete eine Familie und wurde langsam

Dieser wurde 1814 zum ersten Inhaber eines Lehrstuhls für chinesische

sogar des „Müßiggangs“ etwas überdrüssig:

Sprache am Collège de France. Er hatte Chinesisch im Selbststudium

„[…] die reichen Mittagseßen und die Kumpane an der Wirthstafel,

erlernt und sich dabei auf die durch Jesuiten zusammengetragenen lin-

wo bis spät in die Nacht gezecht und dumme Späße aufgetischt werden

guistischen Ausführungen gestützt. Er entwickelte eine eigene Gramma-

tötden allen Ernst, untergraben alle höhern menschlichen Bestrebungen.“42

tik und Umschrift der chinesischen Sprache und Schrift und beschäftigte

Nicht nur seine Büchersammlung, sondern auch seine Lehrtätigkeit

sich wie alle frühen Sinologen mit klassischen chinesischen Texten. Mit

und seine Schriften beeinflussten im großen Maße die frühe deutsche

dem wachsenden Handel zwischen Europa und China nahmen auch

Sinologie. Dies wird auch durch den bekannten Sinologen und Neumann-

Berichte aus erster Hand von Händlern und Reisenden zu. Diese konter-

Schüler Thomas Taylor Meadows gewürdigt, der im Vorwort zu seinem

karierten oft das Bild, welches durch die Lektüre klassischer Texte ent-

Buch The Chinese and Their Rebellions berichtet, wie er erst aus reinem Interesse

standen war. Stanislas Julien (1797−1873), Klaproth (1783–1835) und auch

eine Vorlesung über die chinesische Sprache bei Neumann besuchte, um

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81

Auswahl Neumanns sinologischer Monographien History of the Pirates Who Infested the Chinese Seas from 1807 to 1810. London 1831 Lehrsaal des Mittelreichs. München 1836 Asiatische Studien. Leipzig 1837 Geschichte des englisch-chinesischen Kriegs. Leipzig 1846 Geschichte des englischen Reichs in Asien. (Zwei Bände). Leipzig 1857 Ostasiatische Geschichte vom Ersten Chinesischen Krieg bis zu den Verträgen in Peking. Leipzig 1861 Übersetzungen aus dem Chinesischen Catechism of the Shamans; on the Laws and Regulations of the Priesthood of Buddha, in China. Abb. 19) Schreiben Maximilian II.

Abb. 20) Grab Neumanns am Alten

von Bayern an Neumann:  

Südlichen Friedhof in München

Der Kohlecirkel. (Später von Klabund und Brecht zum „Kaukasischen Kreidekreis“ verarbeitet)

Entlassung von 1852

„Die Natur- und Religionsphilosophie der Chinesen, nach dem Werke des chinesischen Weltweisen Tschuhi“. (Zeitschriftenartikel)

daraufhin die Motivation zu entwickeln, einen Posten in der britischen Verwaltung in China zu erlangen und sich dafür völlig dem Studium dieser Sprache zu widmen. Doch Neumann vertrat auch in seinen Vor43

„Pilgerfahrten buddhistischer Priester aus China nach Indien“. (Übersetzung und Vorwort von Neumann, Zeitschriftenartikel) … und viele weitere Beiträge für Lexika, Zeitungen und Zeitschriften

lesungen offen seine politische Meinung, was ein Grund für seine Versetzung in den Ruhestand war, auch wenn nur administrative Gründe

Theodor Fontane hat sich in seinem Gedicht „Das Trauerspiel von Afgha-

angegeben wurden.44

nistan“ an Neumanns Buch Das Trauerspiel in Afghanistan (Leipzig, 1848)

Neumanns Wahlspruch „Hilf dir selbst, so hilft dir Gott!“

46

hat ihn

angelehnt.45

durch ein interessantes und bewegtes Leben geleitet. Er ist begraben auf dem Alten Südlichen Friedhof in München.

82

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Die Bücher des letzten Kaiserreichs Anmerkungen der Herausgeberin Die importierten Bücher Neumann brachte „[…] 3500 Bände (ben) nach München, während die preußische Regierung 2410 Bände erhielt und zwar für einen Vorschuß von 1500 Thlr., welche sie für die Durchführung der Reise zur Verfügung gestellt hatte. Jedoch behielt sich Neumann das Recht vor, diesen Teil seiner Sammlung gegen Erstattung des Vorschusses und der Transportkosten von 425 Thlr. zurückzunehmen. Die bayerische Regierung hatte für die neuartigen Pläne des unternehmenden Gelehrten überhaupt kein Abb. 21) Einige heute noch verlegte Büchern Neumanns

Geld übriggehabt, und auch nach seiner Rückkehr mußte Neumann langwierige Verhandlungen, in die König Ludwig I. persönlich eingriff, führen, bis seine Bibliothek vom bayerischen Staate übernommen wurde.

Heute noch verlegte Bücher Neumanns

Mit dieser bedeutsamen Erwerbung stand die Bayerische Staatsbibliothek auch hinsichtlich ihrer chinesischen Bücherei an zweiter Stelle unter den

Fusang, or the Discovery of America by Chinese Buddhist Priests in the Fifth Century. London 1875 (Leland, Charles G., Neumann Karl F. et al.)

europäischen Bibliotheken; in Paris zählte man damals rund 5000 chinesische Bände.“47

Die Völker des südlichen Russlands in ihrer geschichtlichen Entwickelung: Eine von dem königlichen Institut von Frankreich gekrönte Preisschrift. Leipzig 1847

Auswahlkriterien

Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika.: Bd.1 Die Gründung der Kolonien bis zur Präsidentschaft des Thomas Jefferson. Berlin 1863 Geschichte des englischen Reiches in Asien. (2 Bde.) Leipzig 1875

Wir haben in verschiedenen Quellen nach den Titeln der Werke gesucht, die Neumann in China gekauft hatte. Unsere Hauptquellen waren:

Russland und die Tscherkessen. Stuttgart/Tübingen 1840 Translations from the Chinese and Armenian, with Notes and Illustrations from Charles Fried. Neumann. Gedruckt für den Oriental Translation Fund und vertrieben von J. Murray. London 1831

Liste der von Friedrich Neumann 1830 in Kanton gekauften Werke – BSB Cod.sin. 129: unvollständige Liste der Sammlung Neumanns, Verfasser unbekannt „Prof. Neumanns Sammlungen aus China.“ In: Bayerische Blätter für Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst. München, vom 3. 3. 1832, S. 81, 82: Beschreibung und unvollständige Liste Georg Reismüllers Zur Geschichte der chinesischen Büchersammlung der Bayerischen

84

85

Staatsbibliothek: Beschreibung und Nennung einzelner Werke der Samm-

dings wurden bisher keine weiteren oder älteren Exemplare gefunden.48

lung

Bücher erlangten im alten China allmählich auch außerhalb der religiösen

Hartmut Walravens Karl Friedrich Neumann und Karl Friedrich August Gützlaff. Zwei

Zentren einen enormen Stellenwert in der Gesellschaft: Bereits zu Beginn

deutsche Chinakundige im 19. Jh.: Beschreibung der Büchersammlung

des 15. Jhs. gab es, zumindest nach geltendem Recht, für Männer keine

K.F. Neumanns Verzeichnis der Chinesischen, der Mandschu und mongolischen Werke

sozialen Einschränkungen für die Teilnahme an den staatlichen Examina

aus der Sammlung von Quatremère Zudem sind auf den ersten Seiten mancher Werke Neumanns Name und/ oder Neumanns Stempel zu finden.

für die Beamtenlaufbahn. Somit war Bildung bereits relativ früh ein Weg, um Armut und Elend zu entkommen. Dementsprechend hoch war das Interesse quer durch alle sozialen Schichten, sich das für die Examina relevante Wissen anzueignen, und damit an Büchern.49

Anhand dieser Quellen haben wir uns mit großer Unterstützung der

Ein chinesisches Buch vor dem 20. Jh. weicht stark von unserer Vor-

Mitarbeiter der Bayerischen Staatsbibliothek auf die Suche nach Ausgaben

stellung über Bücher ab. Ein Hauptgrund ist die Praxis des Kommentierens

der Titel gemacht, die Neumann angekauft hatte. Am einfachsten war

älterer Werke und der Neuauflage unter anderem Titel oder auch der

die Identifizierung, wenn wir anhand seines Stempels oder einer Notiz

adaptierten Neuauflage unter gleichem Titel. Im Gegensatz zu Europa

auf den ersten Seiten der Bücher sofort feststellen konnten, dass eine

herrschte im gesamten China, trotz höchst unterschiedlicher Regional-

Ausgabe tatsächlich von Neumann stammte. Zudem wurde ein Spezialist

sprachen, eine einzige Schriftsprache vor, weshalb der Markt für jede

für den Buchmarkt der Qing-Zeit, Herr Professor Zhou Zhenhe der Fudan-

einzelne Publikation riesig war.50 Man darf vermuten, dass auch der große

Universität Shanghai nach Bayern eingeladen. Die meisten Exponate

Markt und die gemeinsame Sprache ein Grund war, weshalb sich, neben

wurden anhand von mindestens zwei der Quellen ausgewählt. Bei ein

dem Verfassen neuer Werke, das Kommentieren und Ergänzen bestehen-

paar wenigen Werken können wir nicht mit Sicherheit ausschließen,

der Werke großer Beliebtheit erfreute: In der Geschichte des chinesischen

dass es sich um ein Werk anderer Herkunft handelt, da sie z. B. nur in

Buchs wurden so immer wieder Werke mit nur kleinsten Adaptionen neu

einer der Quellen erwähnt werden und über keinen Stempelaufdruck oder

aufgelegt und unter einem anderen Titel herausgebracht.51 Hinzu kam,

Vermerk im Buch selbst verfügen. Doch selbst bei diesen Ausnahmefällen

dass der Blockdruck in China vor dem 20. Jh. die vorherrschende Technik

kann festgehalten werden, dass zumindest derselbe Titel auch von Neu-

war. Der Druck mit beweglichen Lettern war in China bereits seit dem

mann erworben wurde.

11. Jh. bekannt, aber angesichts von etlichen tausend Schriftzeichen im Gegensatz zu Schriftkulturen mit einem Alphabet relativ mühsam. In

Ein Blick auf das chinesische Buch

Europa dagegen war der Druck mit beweglichen Lettern die vorherrschende Technik seit dem späten 15. bis ins 19. Jh.52 Holzdruckplatten waren zwar

Die ältesten gedruckten Texte in China waren religiöser Natur. Das älte-

anfänglich aufwendig zu schnitzen, doch einmal geschnitzt konnten sie

ste erhaltene und komplett gedruckte Buch, das Diamanten-Sutra, wurde

immer wieder verwendet werden. Dabei konnten einzelne Platten relativ

in der alten Oasenstadt Dunhuang, welche an der Seidenstraße im heu-

einfach verändert, hinzugefügt oder weggenommen werden.53 Auch war

tigen Gansu liegt, entdeckt. Seine Entstehung wird auf das Jahr 868 datiert

es üblich, dass bekannte chinesische Gelehrte Bücher mit Anmerkungen

und geht wahrscheinlich auf eine längere Drucktradition zurück, aller-

versahen, wobei diese dann ohne großen Aufwand in eine neue Auflage

86

87

integriert werden konnten.54 Joseph McDermott geht sogar so weit zu

Neben der „Fadenbindung“ (Xian zhuang) mit einseitig bedruckten und

sagen, dass die meisten chinesischen Bücher vor dem 20. Jh. in erster

mit den unbedruckten Seiten zueinander gefalteten Bögen gab es weitere

Linie Miszellaneen waren, die aus Auszügen aus Texten anderer Bücher

Methoden, wie z. B. die „Schmettlerlingsbindung“ (Hudie zhuang), bei der

bestanden, wobei diese Auszüge meist nicht mit Quellenangaben verse-

ein bedruckter Bogen gefalzt und mit den bedruckten Seiten zueinander

hen waren.55 Teile dieser verlorengegangen Bezüge wieder herzustellen

gefaltet wurde, wobei sich nach jedem zweiten Umblättern zwei leere

und die verschiedenen, oft ähnlichen Auflagen voneinander zu unter-

Seiten auftaten, oder den Leporello-Falz, wie bei Guanshiyin pusa pu men pin

scheiden, ist nur Experten möglich, vor allem Vertretern der Banben xue

jing 观世音菩萨普门品经 (Kat. Nr. 26) und Dafo ding shou leng yan zhou 大

版本学 (etwa „Wissenschaft der Auflagen“), einer Fachrichtung der

佛顶首楞严咒 („Shurangama Mantra“) (Kat. Nr. 27). Eine ältere Art der

chinesischen Buchwissenschaft. Diese Tendenz, dass alte chinesische

Bindung ist die „Wirbelwind-Bindung“ (Xuanfeng Zhuang), bei der in einer

Bücher oft eine Mischung aus Auszügen, Erweiterungen und Kommen-

Schriftrolle die Länge der Seiten graduell zunimmt, so dass sich eine

taren sind, sieht man auch an den aus Neumanns Sammlung für diese

Abstufung der Seitenlänge von der untersten bis zur obersten Seite ergibt.59

Ausstellung ausgewählten Werken. Der chinesische Leser war schon von

Seit der Ming- und Qing-Dynastie verdrängte die Xianzhuang-Bindung

jungen Jahren an gewohnt, Texte zu lesen, die von Kommentaren durch-

großteils die anderen Arten der Buchbindung. Dabei wurde der Text ein-

zogen waren. Kommentare ermöglichten dem Leser einerseits, in einen

seitig auf dünnes Papier gedruckt und dann gefaltet, wobei die unterste

„Dialog“ mit dem Text zu treten, ihn zu deuten und zu hinterfragen,

Zeile zur Ausrichtung verwendet wurde. Dann wurden die gefalteten

andererseits wurde der Leser bei seiner Interpretation streng geführt.56

Blätter zusammengelegt und an den Seiten durchstochen, um sie mit

Zu den wichtigsten Standardwerken der chinesischen Literatur zähl-

einem Faden zusammennähen zu können, wobei vor der Wanli-Ära

ten die „Vier Bücher“, die „Fünf Klassiker“ und die großen Werke der

(1572–1620) Seiten noch öfter geklebt und erst später hauptsächlich genäht

tangzeitlichen Dichtung. Da die Kenntnis dieser Werke der Schlüssel zu

wurden. Der Vorteil von genähten Bänden ist, dass sich die Seiten weni-

einer Beamtenlaufbahn und damit zu Reichtum und Status war, konnte

ger leicht lösen und ein aufgeschlagenes Buch leichter geöffnet bleibt,

man von einer stetigen Nachfrage ausgehen, weshalb diese Werke oder

ohne links und rechts beschwert werden zu müssen. Anschließend wur-

Bücher, die sich in irgendeiner Weise mit diesen Werken beschäftigten,

den die Seitenränder begradigt. Bei qualitativ höherwertigen Ausgaben,

vielfach neu aufgelegt wurden.

wie auch bei der Ausgabe des Ce fu yuan gui 册府元龟 (Kat. Nr. 12 ), wurde

57

Es gab verschiedene Methoden, Bücher zu binden. Am Yuzhi shuli jingyun

jeweils außen am unteren Rand der Titel oder das Kapitel geschrieben

御制数理精蕴 („Auf kaiserlichen Erlass herausgegebenes Mathematik-

oder aufgedruckt. Typisch für den Buchdruck während der Ming- und

Kompendium“) (Kat. Nr. 2a) ist zu ersehen, wie Bücher, die im 19. Jahr-

Qing-Zeit war, dass auf jeder Textseite die gleiche Anzahl von Schriftzei-

hundert von China nach Europa kamen, hier auf europäische Art neu

chen erscheint, wobei die Schriftzeichen immer die gleichen Abstände

gebunden wurden. Dieses Exemplar war ursprünglich in kleineren Ein-

zueinander haben. Außerdem wurden die Seiten, oder hier der gesamte

heiten, den „Juan“ gebunden, die jeweils mit einem verzierten Dama-

Bogen, von einem Rahmen umgeben. Manchmal sind die Zeilen auch

steinband versehen waren. Im europäischen Einband kann man die

durch dünne vertikale Linien getrennt. Der Text wurde nur einseitig auf

ursprüngliche chinesische Bindung noch erkennen. Abb. 22 zeigt Neu-

dünnes Papier gedruckt, welches dann entweder in der Mitte zusammen-

manns Tage­bucheintrag zu diesem Titel.

gefaltet wurde, wobei dann am äußeren Rand meistens der Buchtitel oder

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89

Titel des Kapitels und/oder die Nummer des Juan und des Kapitels aufgedruckt wurde oder es wurde in Leporello-Falz gefaltet. Zählworte für Bücher oder Teile von Büchern sind nicht ganz klar voneinander abgegrenzt. Vor allem zu unterscheiden sind „Juan“, „Ce“ und „Ji“. „Juan“ heißt wörtlich übersetzt „Rolle“ und beschreibt ursprünglich die Einheit der Schriftbögen, die zusammen aufgerollt werden konnten. Diese Rollen konnten, mussten aber nicht zwangsläufig, Kapiteln entsprechen. Später, als Schriftrollen der flachen Bindung wichen, wurde diese Einheit auf die neuen Arten der Bindung übertragen. Mehrere dieser „Juan“ können zu „Ce“ zusammengefasst sein, was dem deutschen „Band“ entspricht. Oft ist ein „Ce“ aber auch mit einem „Juan“ identisch. Eine ähnliche Bedeutung wie „Ce“ hat das „Ji“. „Ji“ kann ein Buch in einer Bücherreihe sein, aber auch eine „Anthologie“ bezeichnen. Bibliographen haben neben der Zählung in „Juan“, „Ce“ oder „Ji“ viele weitere Methoden, um ein chinesisches Buch zu klassifizieren. Am ausgestellten Ce fu yuan gui

Abb. 22 Seite aus Neumanns

Kat. Nr. 1) Druckplatte

„Memorial“ (10. 2. 1830 – 26. 5. 1830)

册府元龟 (Kat. Nr. 12) kann man erkennen, wie einzelne

Kapitel je einem „Juan“ entsprechen. Die Titel der Kapitel wurden außen auf die Bände geschrieben.

wurde. Diese neuen Schriftarten, Songti, Fangsong und Jiangti waren stan-

Die Druckplatte (Kat. Nr. 1) ist das einzige Exponat, das nicht von

dardisierter als die von einzelnen Gelehrten verwendeten „persönlichen“

Neumann gekauft wurde. Es dient der Illustration der Blockdrucktechnik:

Stile. Die vertikalen Striche neigen bei diesen neuen Typen nicht mehr

So kann man sowohl die fein gearbeitete Figur der Bodhisattva Guanyin

nach links oder rechts, die horizontalen Striche sind etwas dicker als die

als auch die spiegelverkehrt geschnitzten Schriftzeichen erkennen. Für

vertikalen und die Schriftzeichen sind etwas höher als breit. Durch diese

die Herstellung von Holzdruckplatten konnte das Holz jeder Baumart

Standardisierung wurde die Herstellung von Druckplatten günstiger und

außer von Nadelbäumen verwendet werden, da das Harz die Qualität des

sie ermöglichte einer breiteren Leserschaft ein schnelles Lesen.61 Auf den

Drucks beeinflusste. Besonders gebräuchlich war Holz von Birn-, Jujube-

nächsten Seiten werden Neumanns Akquisitionen durch Zhou Zhenhe

und Trompetenbäumen. Das Holz wird einen Monat lang eingelegt, dann

beschrieben.

getrocknet, geebnet, geölt und poliert. Der zu druckende Text wird auf dünnes Papier geschrieben, welches spiegelverkehrt auf den Holzblock gelegt wird. Geschnitzt wird durch das dünne Papier hindurch.60 Seit der Regierungszeit des Kaisers Wanli (1572–1620) wurde das Schnitzen der Buchstaben einfacher, da sich eine einheitliche Schrift für Blockdrucke verbreitete, welche für die meisten der ausgestellten Bücher verwendet 90

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Buchbeschreibungen Zhou Zhenhe

周振鹤

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Yuzhi shuli jingyun 御制数理精蕴 „Auf kaiserlichen Erlass herausgegebenes Mathematik-Kompendium“ Kat. Nr. 2a und 2b BSB, 4 L.sin. N 4-3.2.9-16

《御制数理精蕴》,康熙五十二年 (1713) 始编,雍正元年 (1722) 刊成,是一部融中西数学于一体,内容丰富的“初等数学百科 全书”,包括上编五卷,下编四十卷,数学用表四种八卷。上 编名为立纲明体,主要内容为《几何原本》和《算法原本》。 下编名为分条致用,分首、线、面、体、末五部,包罗了算 术、代数、几何、三角等初等数学的多方面材料。此书有多种 刻本,此本为雍正内府初刻铜活字本,黄绫封面,典雅大方, 尽显皇家气派。此本亦为 Neumann 所购书中最高价者之一。 Yuzhi shuli jingyun 御制数理精蕴 („Auf kaiserlichen Erlass herausgegebenes Mathematik-Kompendium“), im 52. Jahr des Kaisers Kangxi (1713) begonnen und im Jahr 1722 unter Kaiser Yongzheng vervollständigt, ist eine umfassende Enzyklopädie, welche mathematische Grundlagen vermitteln

Kat. Nr. 2a

soll und dabei westliche und chinesische Mathematik miteinander vereint. Sie besteht aus einem ersten Teil mit fünf Juan und einem zweiten mit vierzig Juan sowie vier Arten von mathematischen Tabellen in acht Juan. Der erste Teil trägt den Namen Ligang mingti 立纲明体 („Programm und Erläuterung“), und beinhaltet vor allem „Elemente der Geometrie“ und „Grundlagen der Arithmetik“, die in chinesischer Sprache verfassten mathematischen Werke der Jesuiten Jean-François Gerbillon (1654 – 1707) und Joachim Bouvet (1656 – 1730). Der zweite Teil trägt den Namen Fentiao zhiyong 分条致用 (“Abschnitte zur praktischen Verwendung“). Dieser Teil ist in fünf Kapitel unterteilt, nämlich in Primzahlen, Linien, Flächen, Körper und zusammengesetzte Zahlen. Die Kapitel behandeln Arithmetik, Algebra, Geometrie, Trigonometrie und weitere grundlegende mathematische Themengebiete. Dieses Buch ist in vielen verschiedenen Blockdruckauflagen erschienen. Das ausgestellte Exemplar war die erste Ausgabe, die in der Regierungszeit von Yongzheng in der Schatzkammer des Kat. Nr. 2b

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Inneren Palastes mit beweglichen Kupferlettern gedruckt wurde und zeigt mit seiner Eleganz, mit dem Damast-Einband die Würde des Kaisers. Dieses Exemplar zählt zu den kostbarsten Büchern aus Neumanns Sammlung. In seinem Tagebuch weißt Neumann auf diesen Titel hin. (Abb. 22) Es werden davon zwei Bände ausgestellt. In einem Band sieht man den originalen Damast-Einband eines Juan (Nr. 2a), in dem zweiten Band eine numerische Tabelle.

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Shengmiao sidian tukao 圣庙祀典图考 („Illustrierte Untersuchungen zu den Riten im Tempel des Heiligen“) und Kong Meng shengji tu 孔孟圣迹图 („Die Wundertaten des Konfuzius und Mencius“), veröffentlicht im sechsten Regierungsjahr von Kaiser Daoguang der Qing-Dynastie (1826), herausgegeben von Gu Yuan (Beiname Xizhou). Gu stammte aus Changzhou in der Provinz Jiangsu und war ein berühmter Büchersammler. Er gründete das „Nostalgie-Studienzimmer“ und den „Turm des Meeres der Künste“. Die Illustrierten Untersuchungen zu den Riten im Tempel des Heiligen würdigen Konfuzius, die vier konfuzianischen Heiligen, die zwölf Weisen und die vierundsiebzig Gelehrten des Konfuzianismus, denen in den KonfuziusTempeln Opfer dargebracht wurden. Jede Persönlichkeit wird anschaulich und lebendig anhand einer Illustration und einer anschließenden Lebensbeschreibung vorgestellt. Die Wundertaten des Konfuzius und Mencius ist ebenfalls ein Bildband, in dem die wichtigsten Taten von Konfuzius und Mencius festgehalten sind. Die Holzschnitte sind gefällig, die Darstellungen der Personen lebendig. Daher gelten diese Holzschnitte aus der Mitte der späten Qing-Zeit als Meisterwerke der chinesischen Kunst. Kat. Nr. 3a

Kat. Nr. 3b

Shengmiao sidian tukao 圣庙祀典图考 „Illustrierte Untersuchungen zu den Riten im Tempel des Heiligen“

Kong Meng shengji tu

孔孟圣迹图

„Die Wundertaten des Konfuzius und Mencius“

Der Text handelt von den Augenblicken kurz vor dem Tode des Konfuzius (551–479 v. Chr.), der im Alter von 73 Jahren (nach westlicher Zählweise mit 72) starb. Die beiden Kolonnen links sind eine kurze Zusammenfassung dieses Textes, der aus verschiedenen alten Quellen zusammengestellt ist, darunter das Buch der Riten (Liji) und der Kommentar des Zuo zu den Frühlings- und Herbstannalen (Zuozhuan).

Kat. Nr. 3a und 3b BSB, 4 L.sin. C 2,2 (2. Band) und 4 L.sin.C 2

《圣庙祀典图考》与《孔孟圣迹图》,清道光六年 (1826年) 刊,清顾沅撰述。顾江苏长洲人,字盻舟,著名藏书家,建“ 怀古书屋”,“艺海楼”。《圣庙祀典图考》是孔庙奉祀的孔 子、四配、十二哲、七十四先贤的图赞。前为画像,后考生平, 形象生动。《孔孟圣迹图》以图说的形式记载孔子、孟子二人 的生平主要事迹。全书版刻线条流畅,人物造型栩栩如生,为清 中晚期版画之佳作。 98

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Erya yin tu 尔雅音图 („Illustrationen zu den Tönen im Wörterbuch Erya“) in drei Juan ist eine Sammlung von Illustrationen zu Chinas erstem Werk mit erklärenden Wort-Glossen, dem Erya. Das Erya beinhaltet nicht nur allgemeinen Wortschatz, sondern erläutert auch in kurzen und präzisen Glossen Fachwörter im Zusammenhang mit Persönlichkeiten, Ereignissen, Astronomie, Geographie, Naturkunde und anderen Aspekten aus der Zeit vor der Qin-Dynastie (vor 221 v.Chr.). Es ist ein ausgesprochen wertvolles Hilfsmittel zur Erforschung der Bedeutung von vorqinzeitlichem Vokabular. Guo Pu (276–324) aus der Jin-Dynastie (265–420) verbrachte viele Jahre mit dem Verfassen von Anmerkungen zum Erya und hat auch die mit dem Erya befassten illustrierten, bzw. den Tönen des Erya gewidmeten Werke Erya tu 尔雅图, Erya tu zan 尔雅图赞 und Erya yin 尔雅音 verfasst. Bis zur Song-Dynastie (960–1279) blieben Blockdruck-Ausgaben des Erya tu erhalten, sind dann aber verloren gegangen. Während der Regierungszeit von Kaiser Jiaqing (1796–1820) der Qing-Dynastie wurde nach dem angeblichen Fund eines Exemplars aus der Song-Zeit Reproduktionen angefertigt und verkauft. Ein Exemplar hiervon hat auch Neumann gekauft. Es ist großformatig und der Holzschnitt wurde sehr fein ausgeführt. Daran

Kat. Nr. 4

Erya yin tu

尔雅音图

„Illustrationen zu den Tönen im Wörterbuch Erya“

erkennt man das hohe Niveau von Holzdrucken der mittleren Qing-Zeit. Auf der ausgestellten Seite werden verschiedene Raupen, Spinnen, Mücken und anderes Getier vorgestellt.

Kat. Nr. 4 BSB, 2 L.sin. C 4

《尔雅音图》,三卷,为中国最早的训诂著作《尔雅》所 作的图集。《尔雅》内容不仅包括一般词汇,而且对先秦以来 的人、事、天文、地理和博物等多方面的词汇都作了简要解 释,是考查研究先秦词义极其重要的工具书。晋代郭璞费时多 年为《尔雅》作注,并作《尔雅图》、《尔雅图赞》和《尔雅 音》。传宋代曾有《尔雅图》刻本,已亡佚,清嘉庆年间有人 称得到宋本并据以重刊,即 Neumann 所购此书。开本宽大, 刊刻精良,可据此看出清代中期版画的刊刻水平。

100

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Bencao gangmu

本草纲目

„Kompendium heilender Kräuter“ Kat. Nr. 5 (daraus 2 Doppelseiten) BSB, L.sin. M 176,1-4

《本草纲目》,明代李时珍所撰之药学著作,五十二卷, 初刊于 1590 年。全书共载有药物 1892 种,收集医方 11096 个, 绘制精美插图 1160 幅,分为 16 部、 60 类。乃作者在继承和总 结此前本草学成就的基础上,结合作者长期所积累的大量药学 知识,历时数十年而编成的一部巨著。书中不仅提出了较科学 的药物分类方法,溶入先进的生物进化思想,并反映了丰富的 临床实践,不但是中国著作史上的最重要典籍之一,也是一部 具有世界性影响的博物学著作。此本为清代刻本。 Bencao gangmu 本草纲目 („Kompendium heilender Kräuter“), das pharmazeutische Standardwerk in 52 Juan von Li Shizhen (1518 – 1593) erschien zuerst im Jahr 1590 in der Ming-Zeit. Das Buch beinhaltet 1892 Exemplare von materia medica, 11096 Rezepturen und 1160 detailliert ausgeführte Illustrationen, unterteilt in 16 Kapitel und 60 Kategorien. Der Autor griff auf das Erbe der bisherigen Errungenschaften im Bereich der Heilmittelforschung zurück, fasste diese zusammen, kombinierte sie mit seinem in vielen Jahren angeeigneten großen pharmakologischen Wissen und schuf im Verlauf von etlichen Jahrzehnten dieses Meisterwerk. Das Buch präsentiert nicht nur eine relativ wissenschaftliche Methode der Kategorisierung von Heilmitteln und lässt fortschrittliche Gedanken zur biologischen Evolution einfließen, sondern es spiegelt auch einen Reichtum klinischer Praxis wieder. Somit ist es nicht nur eines der wichtigsten Bücher in der Geschichte des chinesischen Schrifttums, sondern auch eines der naturkundlichen Werke mit globaler Strahlkraft. Die hier gezeigte Ausgabe Neumanns stammt aus der Qing-Dynastie.

Kat. Nr. 5

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Yizong jinjian

医宗金鉴 („Goldener Spiegel der Medizinschulen“) ist ein

medizinisches Lehrbuch, das im vierten Jahr der Regierungszeit des Kaisers Qianlong (1738) von seinem Hofarzt Wu Qian zusammengestellt wurde. Den Titel verfasste Kaiser Qianlong persönlich. Das Buch wurde in die Anthologie Si ku quan shu 四库全书 („Die Vollständige Bibliothek der Vier Kategorien“) aufgenommen. Dies ist die umfangreichste Sammlung chinesischer Texte, entstanden unter Kaiser Qianlong (1711 – 1799), wobei sich die Zahl Vier auf die Einteilung chinesischer Bücher in vier Genres bezieht, nämlich in die Klassiker (Jing

经), Geschichtswerke (Shi

史), Werke philosophischer Meister (Zi 子) und die Sammlungen (Ji 集). Seit seiner Erstpublikation erschien das Yizong jinjian immer wieder in neuen Holzdrucken. Das aus 90 Juan mit relativ kurz gehaltenen Einträgen bestehende Werk ist unter Chinas Büchern, die die chinesische Medizin umfassend behandeln, wohl eines der schönsten. Es greift auf die besten Bücher über chinesische Medizin aus der Zeit der Frühlings- und Herbstanalen bis in die Ming- und Qing-Zeit zurück. Das weit verbreitete Buch ist besonders gut für die klinische Praxis geeignet, da es neben Illustrationen, Erklärungen, Rezepturen und Beschreibungen auch Liedverse beinhaltet, damit man sich die Informationen besser einprägen kann. Dass dieses Buch auf kaiserlichen Befehl gedruckt wurde, ist an der gelben

Kat. Nr. 6

Yizong jinjian

医宗金鉴

„Goldener Spiegel der Medizinschulen“

Farbe und den Drachen im Hintergrund zu erkennen. Auch die zwei Schriftzeichen oben auf der Seite drücken dies aus: Yu zuan

御纂 („Auf

kaiserlichen Befehl kompiliert“).

Kat. Nr. 6 BSB, L.sin. M 175,1-5

《医宗金鉴》,清乾隆四年由太医吴谦负责编修的一部医 学教科书,书名由乾隆皇帝定。此书被收入《四库全书》,自 成书以来,被一再翻刻重印。全书共分 90 卷,是我国综合性中 医医书中比较完善而又相对简要的一种。全书采集了上自春秋 战国,下至明清时期历代医书的精华。图、说、方、论俱备, 并附有歌诀,便于记诵,尤其切合临床实用,故。流传极为广 泛。 104

105

Gaohou mengqiu

高厚蒙求

„Aufklärung in Breite und Tiefe“ Kat. Nr. 7 BSB, 4 L.sin. N 54

《高厚蒙求》五集, 清徐朝俊著。徐朝俊为徐光启五世孙, 嘉庆十四年著成此书,包括《天学入门》、《海域大观》 、《中星表》、《天地图仪》、《自鸣钟表图说》等9种。其 中《自鸣钟表图说》为今所见中国第一本造钟专著。《高厚蒙 求》的第二卷是《海域大观》,简要介绍了全球各大洲及各大 洋概况,可称是简明世界地理。其中有关拉丁美洲的内容是中 国人关于拉美史的最早记述。 Gaohou mengqiu 高厚蒙求 („Aufklärung in Breite und Tiefe“), in 5 Ji, verfasst von Xu Zhaojun der Qing-Dynastie. Xu Zhaojun war ein Nachkomme in der fünften Generation von Xu Guangqi (1562–1633), einem berühmten chinesischen Gelehrten. Das Buch wurde im 14. Jahr der Regierungszeit von Kaiser Jiaqing (1810) vollendet und ist in neun Teile gegliedert, unter anderem Tianxue rumen 天学入门 („Einführung in die Astronomie“), Haiyu daguan 海域大观 („Überblick über die Länder und Meere“), Zhong xing biao Kat. Nr. 7

中星表 („Sternenkarte“), Tiandi tuyi 天地图仪 („Himmelskarten“) und Ziming zhongbiao tushuo 自鸣钟表图说 („Illustrierte Erläuterung mechanischer Uhren“). Letzteres ist die erste Monographie in China, die sich dem Bau mechanischer Uhren widmet. Das zweite Juan des Gaohou mengqiu ist der „Überblick über die Länder und Meere“. Dies gibt einen Überblick über alle Kontinente und Ozeane und ist eine knappe und übersichtliche geographische Beschreibung der Erde. Der Abschnitt über Lateinamerika ist der früheste Bericht über die Geschichte dieses Kontinents von chinesischer Hand. Diese aufgeschlagene Seite zeigt Zollstock, Zimmermannswinkel und Winkelmaß.

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Da Ming yitong zhi 大明一统志 („Einheitliche Universalchronik der MingDynastie“), verfasst von Beamten der Ming-Dynastie und fertiggestellt im April des 5. Jahres der Regierungszeit von Kaiser Tianshun (1461). Es besteht aus 90 Juan und entstand aus folgenden Lokalchroniken: dem im 3. Jahr der Ära Hongwu (1370) kompilierten Da Ming zhi shu 大明志书 und dem Da Ming qing lei tianwen fenye shu

大明清类天文分野书 aus dem 17.

Jahr der Ära Hongwu (1387), sowie der 1456 beendeten „Universalen Chronik“ Huanyu tong zhi 寰宇通志, welche ihrerseits im Stil der yuanzeitliche Universalchronik Da Yuan da yitong zhi 大元大一统志 verfasst waren. Die Gliederung erfolgt nach den damaligen zwei Hauptstädten und dreizehn Verwaltungsbezirken und dann nach den diesen zugehörigen 149 Präfekturen. Weiter ist es in 38 Kategorien unterteilt, wie z. B. in Einrichtungen, strategische Topografie, Bräuche, Landschaft, Hauptverkehrsadern zu Wasser und zu Land, Tempel, historische Monumente und Persönlichkeiten. Es fasst auf systematische und knappe Weise die wichtigsten geographischen Informationen über die Regierungsbezirke der MingDynastie zusammen. Die aufgeschlagene Seite zeigt den zweiten Juan des Werkes, in dem der Regierungsbezirk Baoding und seine Geschichte kurz und knapp beschrieben wird. Die roten Punkte dienen zur Hervorhebung wichtiger Begriffe. In roter Schrift wurden oft Ergänzungen in Form von

Kat. Nr. 8

Da Ming yitong zhi

大明一统志

Meipi

眉批 (Kommentare in Kopfzeilen) oder Jiazhu 加注 (Ergänzungen

und Kommentare) eingefügt.

„Einheitliche Universalchronik der Ming-Dynastie“ Kat. Nr. 8 BSB, 4 L.sin. D 70-1/5

《大明一统志》,明代官修地理总志。成书于天顺五年 (1461) 四月,90 卷。该书源自洪武三年 (1370) 按《大元大一统志》体 例纂成的《大明志书》及洪武十七年成书的《大明清类天文分 野书》,景泰七年 (1456) 编成《寰宇通志》。以当时之两京十 三布政使司为纲,以所属一百四十九府为目,下设建置、形 胜、风俗、山川、关津、祠庙、古迹、人物等 38 门。比较系 统而集中地保存了明代政区的有关地理资料。 108

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Zizhi tongjian gangmu

资治通鉴纲目

für dieses Buch jeweils einen Vorspann und eine Fortsetzung. Im dritten

„Detaillierte Übersicht zu

Jahr der Ära Chongzhen (1629) brachte Chen Renxi diese drei Bücher

‚Umfassender Spiegel zur Hilfe bei der Regierung‘“

zusammen heraus, im Guihai-Jahr der Ära Jiaqing (1803) wurden neue

Kat. Nr. 9 BSB, 4 L.sin. D 267,I

Holzdruckplatten erstellt, mit denen die Ausgabe gedruckt wurde, die Neumann erworben hat.

《资治通鉴纲目》,59 卷,南宋朱熹与门人赵师渊合作。 内容注重严分正闰之际、明辨伦理纲常,并注意褒贬春秋笔 法。朱熹修订了司马光《资治通鉴》的正统观,加入了浓厚的 道德信念与诠释。全书以“纲目”为体,纲仿《春秋》,目仿 《左传》。此书创造了一种新的“纲目体”史书体裁,实为编 年体的变种。明代南轩、商辂两人又各别为该书撰写了《前 编》和《续编》。崇祯三年陈仁锡将三书合印出版,嘉庆癸亥 年重镌,Neumann 所购即此版。 Zizhi tongjian gangmu

资治通鉴纲目 („Detaillierte Übersicht zu ‚Umfas-

sender Spiegel zur Hilfe bei der Regierung’“) wurde während der Südlichen Song-Dynastie (1127–1279) von Zhu Xi (1130–1200) mit seinem Schüler Zhao Shiyuan verfasst. Es beschäftigt sich hauptsächlich mit einer klaren Abgrenzung von orthodoxem und unorthodoxem Verhalten und mit der gleichermaßen deutlichen Unterscheidung der moralischen Prinzipien des Konfuzianismus, wobei die stilistische Verfahrensweise der „Frühlings- und Herbstanalen“ beachtet wird, die zwischen „Lob“ und „Tadel“ unterschied. Zhu Xi revidierte den Begriff von Orthodoxie in Sima Guangs (1019–1086) Zi zhi tong jian

资治通鉴 („Umfassender Spiegel zur Hilfe bei

der Regierung“) und versah das Werk mit seinen starken moralischen Überzeugungen und Kommentaren. Das Kompendium, „die Übersicht“, ist ähnlich gegliedert wie die Frühlings- und Herbstanalen, die einzelnen Themenbereiche, „die Details“, werden ähnlich beim Kommentar des Zuo zu den Frühlings- und Herbstannalen behandelt. Dieses Buch begründete mit dem Aufbau nach „Übersicht und Details“ ein neues Genre der Geschichtsschreibung und ermöglichte die Innovation eines annalistischen Stils. Nan Xuan und Shang Lu der Ming-Dynastie (1368–1644) schrieben speziell 110

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Xie ji bian fang shu 协纪辨方书 („Enzyklopädie der Verehrung der Regeln des Himmels und der Erde“) in 36 Juan ist eine umfassende „HaushaltsEnzyklopädie“, die unter anderem für die Bestimmung besonders glückverheißender Tage Verwendung fand. Von der Ming-Dynastie bis zur frühen Qing-Dynastie existierten verschiedenste Almanache zur Wahl solcher Tage, die einander jedoch häufig widersprachen, was für Verwirrung bei den Benutzern sorgte. Daher befahl Kaiser Qianlong seinem Sohn Yunlu und weiteren Beamten, die Angestellten des astronomischen Amtes anzuweisen, eine umfassende Prüfung und Korrektur der Enzyklopädien durchzuführen und in diesem Buch zusammenzufassen. Die Detailversessenheit und Verwendung verzerrter Analogien der früheren Experten der mantischen Künste wurden bereinigt, Theorien über schädigende Geister und Allgemeinplätze der Volksweisheiten wurden beseitigt. Stattdessen wurde anhand der Prinzipien der jeweiligen Hervorbringung und Überwindung der „Fünf Elemente“ der Weg zum Verfolgen von Glück und Vermeiden von Übel erörtert. Hier werden zwei Bände gezeigt. Die aufgeschlagene Seite des ersten Bands (Nr. 10a) zeigt Trigramme aus Kat. Nr. 10a

Xie ji bian fang shu

Kat. Nr. 10b

协纪辨方书

„Enzyklopädie der Verehrung der Regeln des Himmels und der Erde“

dem Yijing 易经 („Buch der Wandlungen“), dem ältesten der kanonischen Bücher, das als Orakelbuch und kosmologischer Leitfaden verstanden wurde. Im zweiten Band (Nr. 10b) wird ein Diagramm gezeigt, das zur Bestimmung von Zeitpunkten dient.

Nr. 10a und 10b BSB, 4 L. sin. N 6-1 und 2

《协纪辨方书》,三十六卷,主要内容为选择诸事之用。 明代至清初,社会上流行各种选择通书,常有互相抵触之处, 使用的人感到无所适从。故乾隆命允禄等官员率钦天监属员对 选择通书进行一次全面的考订,写定此书,破除前此术数家繁 碎拘泥,附会假借之说,删除了神煞、俗论及诸多矛盾之处, 而以五行生克衰旺之理来谈趋吉避凶之道。书名意为敬天之 纪,敬地之方。

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Huantian tushuo

圜天图说

„Illustrationen der himmlischen Sphären“ Kat. Nr. 11a und 11b BSB, 4 L.sin. N 55 und 56

《圜天图说》三卷,嘉庆二十四年(1819)版,续编两卷, 道光元年(1821)镌。该书收录了道士李明彻对地球、日月、 星辰、雷雨、潮汐等天体及自然现象的论述,并附有顺天(今 北京)、江宁(今南京)、苏州等16个府的日出、日落和一年 24个节气时刻的测定记录。还有全国地图和大部分地区的分省 图。时任两广总督阮元,特准将此书著录于《广东通志•艺文 略》。此书并收入《藏外道书》。在当时这部书是 Neumann 所 购书中的时新书。 Huantian tushuo 圜天图说 („Illustrationen der himmlischen Sphären“) in drei Juan, die 1819 erschienen und zwei Fortsetzungsbänden (Juan), hier Kat. Nr. 10a

in der Ausgabe von 1821. Das Buch handelt von Himmelskörpern und Naturphänomenen wie Erde, Mond, den Gestirnen, Gewitter, den Gezeiten, wie sie der Taoist Li Mingche (1751–1832) behandelt hatte. Es ist darüber hinaus versehen mit Aufzeichnungen von Sonnenaufgangs- und Untergangszeiten und Messungen der 24 Perioden des Sonnenjahrs in insgesamt 16 Präfekturen, wie in Shuntian (dem heutigen Beijing), Jiangning (dem heutigen Nanjing) und Suzhou. Außerdem findet man eine Landkarte des damaligen China und Karten der meisten Provinzen. Ruan Yuan, der damalige Gouverneur von Guangdong und Guangxi, empfahl, dieses Buch in den Abschnitt über Literatur der Lokalchronik von Kanton Guangdong tong zhi – yi wen lüe 广东通志 – 艺文略 aufzunehmen. Außerdem wurde das Buch in die Sammlung Cang wai daoshu 藏外

道书 („Die außerkanonischen taoistischen Texte“) aufgenommen. Dieses Buch war eines der aktuellsten unter Neumanns Errungenschaften. Die aufgeschlagenen Seiten der beiden Bände zeigen eine qingzeitliche Landkarte (Kat. Nr. 11a) und Sternenkarte (Kat. Nr. 11b). Kat. Nr. 10b

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Ce fu yuan gui 册府元龟 („Herausragende Modelle aus den Literaturarchiven“) ist eine auf Befehl des Song-Kaisers Zhenzong von Wang Qinruo und Yang Yi während der nördlichen Song-Dynastie im Jahr 1013 veröffentlichte historiographische Enzyklopädie. Das gesamte Werk umfasst 1000 Juan und ist hauptsächlich aus den offiziellen Dynastiegeschichten kompiliert, teilweise schöpft es auch aus konfuzianischen Klassikern sowie aus nicht-konfuzianischen philosophischen Schriften. Das Verzeichnis ist ausschließlich nach Personen und Gegenständen geordnet. Es beschreibt vor allem die Taten der Monarchen vom Altertum bis zu den Fünf Dynastien (907–960), mit besonderem Augenmerk auf die Tang-Zeit (618–907) und die Zeit der Fünf Dynastien. Das Buch gliedert sich in 31 Teile, darunter die Kategorien der Kaiser, Generäle, Schulen, des Strafrechts, etc., die wiederum in insgesamt 1104 Abschnitte unterteilt sind. Das erklärte Ziel des Buchs ist es, „zukünftigen Generationen den Umgang mit Gesetzen und Regelungen zu erleichtern und die Leser für dieses Material zu motivieren.“ Daher war das Buch für die Geschichte der Politik, Historiographie, Literatur und Wissenschaft im Wandel der Zeit von großer Bedeutung und sehr wertvoll. Doch die Ausgabe aus der Song-Zeit

Kat. Nr. 12

Ce fu yuan gui

册府元龟

ist nicht mehr vollständig erhalten, nur aus der Ming-Zeit gibt es eine vollständige Ausgabe. Diese Ausgabe war bei Neumanns Bücherkauf die

„Herausragende Modelle aus den Literaturarchiven“

teuerste und es wurde auch ausdrücklich verzeichnet, dass es sich bei

Kat. Nr. 12 BSB, 4 L.sin. A 5-1/8

seinem Kauf um die Ming-Ausgabe handelte.

《册府元龟》是北宋王钦若、杨亿等奉宋真宗之命编纂的 一部大型历史类书。全书共 1000 卷,取材以正史为主,间及 经书子部。类目以人物、事类为中心,不及其余;专收上古至 五代君臣事迹,尤重唐、五代。全书分帝王、将帅、学校、刑 法等31部,每部下又分门,共1104门。成书目的是“为将来典 法,使开卷者动有资益”。此书因在政治、历史、文献、学术 史上的地位和价值,为历代重视。但该书宋本已残缺,唯明本 有全帙。Neumann 所购书以此本最为贵重,故其购书目录上特 别注明为“明朝本”。 116

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Gu pin jielu

古品节录

Tang shu

唐书

„Exzerpte zu hochrangigen Personen des Altertums“

„Geschichte der Tang-Dynastie“

Kat. Nr. 13 BSB, 4 L. sin. D163

Kat. Nr. 14 BSB, 4 L.sin. D 179,I

《古品节录》,清嘉庆四年 (1799年) 刊本。白纸印本,刊刻 精良。此书系清代大臣松筠遵乾隆皇帝敕命,从康雍重臣朱轼 众多著作节录而成,主要选取正史中著名人物的传记加以按 评,对今人理解古人评价前贤的视角有一定的参考意 义。Neumann 所购书中多嘉庆刊本,因去其购书时间较近也。

《唐书》:《二十四史》,中国古代历朝撰写的二十四部史 书总称,上起传说中的黄帝(前2550年),下讫明朝崇祯十七 年(1644年),计3213卷,约4000万字。先是明人将《史记》、 《汉书》、《后汉书》、《三国志》、《晋书》、《宋书》、 《南齐书》、《梁书》、《陈书》、《魏书》、《北齐书》、 《周书》、《隋书》、《南史》、《北史》、《唐书》、《五 代史》、《宋史》、《辽史》、《金史》、《元史》合称为“ 二十一史”。清乾隆年间,《明史》行世,遂与“二十一史” 合称为“二十二史”。”此后把《旧唐书》并入其中,合称“ 二十三史”。又把已经散佚的《旧五代史》主要依据《永乐大 典》辑录整理成书,遂与“二十三史”合称“二十四史”。Neumann 购书时《明史》单计,而其余二十三史合计入账。由于“ 二十四史”规模太大,此处只展出《唐书》一种作为代表。

Gu pin jielu古品节录 („Exzerpte zu hochrangigen Personen des Altertums“) in der Ausgabe des vierten Regierungsjahrs des Qing-Kaisers Jiaqing (1799) auf weißem Papier mit hervorragend ausgeführten Druckplatten gedruckt. Dieses Buch wurde auf Befehl des Kaisers Qianlong der Qing-Dynastie von seinem Minister, dem Mongolen Songyun (1752–1835), aus Auszügen der Schriften des Staatsministers Zhu Shi der Ären Kangxi (1662–1722) und Yongzheng (1723–1735) kompiliert. Dabei wurden vor allem die Biografien berühmter Persönlichkeiten ausgewählt und mit einem Kommentar versehen, weshalb das Buch eine wichtige Quelle darstellt. Damit wird zugleich ein wertvoller Einblick in die damaligen Perspektiven der Ein-

Tang shu

唐书 („Geschichte der Tang-Dynastie“) ist ein Teil der Ershisi shi 二十四史 („24 Dynastiegeschichten“). „24 Dynastiegeschichten“ ist die

schätzung verdienstvoller Personen der Vorzeit möglich. Viele der Bücher,

generelle Bezeichnung der chinesischen Historiographie. Es handelt sich

die Neumann kaufte, stammen aus der Jiaqing-Ära (1769–1820), da diese

dabei um einen Chroniken-Zyklus, der von der Regierungszeit des legen-

nahe an der Zeit seiner Akquisitionen (1830/31) war.

dären Gelben Kaisers (2550 v. Chr.) bis zum 17. Regierungsjahr von Kaiser Chongzhen der Ming-Dynastie (1644) reicht. Die „24 Dynastiegeschichten“ wurden in 3213 Bänden mit etwa 40 Millionen Schriftzeichen von der jeweils nachfolgenden Dynastie verfasst, um die eigene Herrschaft zu legitimieren. Erst in der Ming-Dynastie wurde der Begriff der „21 Dynastiegeschichten“ für 21 berühmte Geschichtsbücher geprägt. Diese waren: Shiji

史记

(„Aufzeichnungen des Großhistorikers“), Han shu

(„Geschichte der Han-Dynastie“), Hou Hanshu

汉书

后汉书 („Geschichte der

Späteren Han-Dynastie“), Sanguo zhi 三国志 („Chroniken der Drei Reiche“), Jin shu 晋书 („Geschichte der Jin-Dynastie“), Song shu 宋书 („Geschichte 118

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der Liu-/Song-Dynastie“), Nan qi shu 南齐书 („Geschichte der Südlichen Qi-Dynastie“), Liang shu 梁书 („Geschichte der Liang-Dynastie“), Chen shu

陈书 („Geschichte der Chen-Dynastie“), Wei shu 魏书 („Geschichte der Wei-Dynastie“), Bei qi shu 北齐书 („Geschichte der Nördlichen Qi-Dynastie“), Zhou shu 周书 („Geschichte der Zhou-Dynastie“), Sui shu 隋书 („Geschichte der Sui-Dynastie“), Nan shi 南史 („Geschichte der Südlichen Dynastien“, Bei shi 北史 („Geschichte der Nördlichen Dynastien“), Tang shu 唐书 („Geschichte der Tang-Dynastie“), Wu dai shi 五代史 („Geschichte der Fünf Dynastien“), Song shi 宋史 („Geschichte der Song-Dynastie“), Liao shi 辽史 („Geschichte der Liao-Dynastie“), Jin shi 金史 („Geschichte der Jin-Dynastie“), Yuan shi 元史 („Geschichte der Yuan-Dynastie“). Im Regierungsjahr des Kaisers Qianglong wurde dann Ming shi 明史 („Geschichte der Ming-Dynastie“) herausgegeben und aus den „21 Dynastiegeschichten“ wurden die „22 Dynastiegeschichten“. Später wurde das Jiu tang shu 旧唐

书 („Alte Geschichte der Tang-Dynastie“) in die „22 Dynastiegeschichten“ aufgenommen und sie wurden zu den „23 Dynastiegeschichten“. Dann wurde das verloren gegangene Buch Jiu wu dai shi 旧五代史 („Alte Geschichte der Fünf Dynastien“) vor allem anhand der Yongle dadian 永乐大典 („Yong­ le-Enzyklopädie“) rekonstruiert und die „23 Dynastiegeschichten“ wurden nun zu „24 Dynastiegeschichten“. Die Ming shi

明史 („Geschichte der

Ming-Dynastie“) wurde bei Neumanns Bücherkauf einzeln erworben, und zusätzlich wurden die „23 Dynastiegeschichten“ gekauft. Somit waren die 24 Dynastiegeschichten komplett. Aufgrund des großen Umfangs der „24 Dynastiegeschichten“, wird nur die Geschichte der Tang-Dynastie exemplarisch ausgestellt.

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Qinding Qing Han dui yin zi shi

钦定清汉对音字式

„Auf kaiserlichen Erlass verfasstes phonetisches Chinesisch-Mandschurisches Wörterbuch“ Kat. Nr. 15 BSB, L.sin. G 11

《钦定清汉对音字式》,清乾隆三十八年(1723年)武英殿 刻本。 此书是满汉合璧语音辞书,乾隆帝为规范满蒙语人名、 地名,敕令军机处翻书房编纂此书。内容由两部分组成,第一 部分包括“满文十二字头”、“切音单字”、“切音双字” 等,主要表述满文音节字及汉文对音字或切音字。第二部分为 满汉文对照地名,收盛京、吉林、黑龙江、扎萨克、喀尔喀、 青海、甘肃、新疆等处143条地名。书中统一了满汉文译音标 准,是研究满语言学不可缺少的资料。 Qinding Qing Han dui yin zi shi 钦定清汉对音字式 („Auf kaiserlichen Erlass verfasstes phonetisches Chinesisch-Mandschurisches Wörterbuch“): Die Qing-Regierung wurde von einem mandschurischen Volksstamm gegründet, die damit die Ming-Dynastie ablöste, und wird daher auch „MandschuDynastie“ genannt. Das Mandschurische war unter der Qing-Dynastie Kat. Nr. 10a

„Staatsprache“ (guoyu). Dies erklärt den Bedarf eines derartigen Wörterbuchs. Im 38. Jahr der Qing-Dynastie (1723) während der Regierungszeit des Kaisers Qianlong wurde diese „Wu Ying“-Ausgabe veröffentlicht. Im „Wu Ying Dian“ in der Verbotenen Stadt wurden während der QingDynastie Bücher herausgegeben und gedruckt. Dieses Wörterbuch wurde auf Dekret des Kaisers Qianlong vom Großen Kaiserlichen Rat zusammengestellt und beinhaltet eine standardisierte Sammlung mongolischer und mandschurischer Orts- sowie Personennamen in phonetischer Umschrift. Das Werk besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil widmet sich Themen wie „Die zwölf Vokal- und Konsonantenpaare des Mandschurischen“, „Transliterationen von einsilbigen Wörtern“ oder „Transliterationen zweisilbiger Wörtern“. Dabei handelt es sich um Anleitungen zur Aussprache des Mandschurischen nach dem System fanqie 反切, das einen chinesischen

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Anlaut mit einem Auslaut kombiniert, um so eine annährend korrekte Aussprache zu erzielen. Der zweite Teil befasst sich hauptsächlich mit historischen Ortsnamen in den Regionen des heutigen Shenyang, Jilin, Heilongjiang, der Gegend der Khalkha-Mongolen, Qinghai, Gansu und Xinjiang, sowie der Gebiete der Mukden und Jasakh (Mandschu- und Han-Intellektuelle und mongolische Bannerführer im qingzeitlichen China) und umfasst insgesamt 143 Einträge. Durch die in diesem Buch vorgenommene Standardisierung der Phonetik der Transliteration des Mandschurischen ins Chinesische ist es als Referenzwerk für die mandschurische Linguistik unverzichtbar. Hier werden mongolisch-chinesische Übersetzungen von Städten in der nördlichen Provinz Heilongjiang gezeigt.

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Kangxi zidian

康熙字典

„Kangxi Wörterbuch“ Kat. Nr. 16 BSB, L.sin. A 115-1

《康熙字典》,清康熙间由文华殿大学士兼户部尚书张玉 书及经筵讲官、文渊阁大学士兼吏部尚书陈廷敬担任主编,参 考明代的《字汇》、《正字通》两书而写,是一套成书于康熙 五十五年(1716年),收字完备的汉语字典。“字典”一词即 源于此书。此书在清代刊刻无数,版本种类繁多,是印制数量 最大的一部士人必备书。 Das Kangxi zidian

康熙字典 („Kangxi Wörterbuch“) wurde hauptverant-

wortlich von Zhang Yushu, dem Großsekretär der Bibliothek des WenhuaPalastes und Ministers für Staatseinkünfte, sowie von Chen Tingjing, Vorleser klassischer Werke für den Kaiser, Großsekretär der imperialen Bibliothek und Minister des Amtes für öffentliche Arbeiten verfasst. So entstand im 55. Jahr der Regierungszeit Kangxis (1716) ein umfassendes Kat. Nr. 16

Nach­schlagewerk der chinesischen Schriftzeichen, wobei die Kompilatoren das Zihui 字汇 und das Zheng zi tong 正字通 aus der Ming-Zeit berücksichtigten. Das chinesische Wort für „nach Schriftzeichen geordnetes Wörterbuch“, zidian

字典, wurde nachweislich das erste Mal in diesem

Buch verwendet. Es wurde unzählige Male in einer breiten Palette von Aus­gaben während der Qing-Zeit gedruckt. Es ist das auflagenstärkste Buch unter den „Must Haves“ für Gelehrte jener Zeit. Man erkennt anhand der Drachenillustration sowie des Zeichens Yu zhi 御制 rechts oben, dass dieses Buch auf kaiserlichen Befehl verfasst wurde. Links oben ist Neumanns Stempel aufgebracht, wie es die Tradition unter Sammlern chinesischer Bücher ist.

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Zengbu xuan jin zihui

增补悬金字汇

Zeichenwörterbüchern und Wörterbüchern. Das ausgestellte Exemplar

„Ergänzung zum Xuanjin-Zeichenlexikon“

ist eine Neuauflage aus der Qing-Dynastie. Auf dem Titelblatt erscheint

Kat. Nr. 17 BSB, L.sin. A 123,I

der neue Name, nämlich „Ergänzung zum Xuanjin-Zeichenlexikon“ auf Chinesisch und Mandschurisch.

《增补悬金字汇》,十四卷。原为明代梅膺祚所编《字汇》 ,该书依据楷体,将《说文解字》部首简化为 214部,分为12 集。部首及各部所列字,又按笔画多少顺序排列,共收 33179 字。除古书中常用字外,还收有许多俗字。注音先列反切,后 注直音。解释字义通俗易懂。其编排体例,即偏旁分部检字 法,为《正字通》、《康熙字典》等所遵循,成为中国字典、 词典主要编排方式之一。清代重刻,卷前有满汉对照字样,改 称此名。 Zengbu xuan jin zihui 增补悬金字汇 („Ergänzung zum Xuanjin-Zeichenlexikon“), in 14 Bänden. Ursprünglich als „Zeichenlexikon” von Mei Yingzuo in der Ming-Dynastie kompiliert, wurden in diesem Buch, angelehnt an die „Regelschrift“ (kaiti), die Radikale auf 214 Stück verringert, die wiederum in 12 Klassen eingeteilt wurden. Die Radikale und die entsprechenden Schriftzeichen wurden nach der Anzahl der benötigten Striche angeordnet. Insgesamt wurden 33179 Schriftzeichen aufgenommen. Zusätzlich zu den häufigsten in klassischen Büchern vorkommenden Wörtern wurden auch viele Wörter aus der Alltagssprache aufgenommen. Die Phonetik der Wörter wurde sowohl anhand der fanqie-Methode dargestellt, die einen chinesischen Anlaut mit einem Auslaut kombiniert, um so eine annährend korrekte Aussprache zu erzielen, als auch anhand der zhiyin-Methode, bei der ein anderes Schriftzeichen mit gleicher Lautung dargestellt wird. Die Erklärungen der Bedeutung der Schriftzeichen sind leicht verständlich geschrieben. Das System, welches das Nachschlagen von Schriftzeichen anhand von Radikalen erlaubt, wurde später im Zheng zi tong 正字通 (einem weiteren Zeichenwörterbuch) und im Kangxi zidian

康熙字典 („Kangxi Wörterbuch“) übernommen und entwickelte sich zu einem der am meisten verwendeten Nachschlagesysteme in chinesischen 128

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Quan Shu yi wen zhi

全蜀艺文志

Shisan jing zhushu

十三经注疏

„Aufzeichnungen zum Schrifttum Sichuans“

„Kommentar zu den Dreizehn Klassikern“

Kat. Nr. 18 BSB, L.sin. J 8-I

Kat. Nr. 19 BSB, 4 L.sin. C 4

《全蜀艺文志》,六十四卷,明周复俊编。此书初由宋代所编 《成都文类》五十卷起首,明嘉靖中,复博采汉、魏以降诗文 之有关於蜀者汇为此书,包括网罗,极为赅洽。所载如《宋罗 泌姓氏谱》、元费著《古器谱》诸书,多不传於今,足资考 核。且此志网罗故实,例主全收,非同编录总集,有所去取, 是亦其一大特点。此本为清刻本。

《十三经注疏》乃指后人为了便于查阅《易》、《诗》、 《书》、《周礼》、《礼记》、《仪礼》、《公羊传》、《谷 梁传》、《左传》、《孝经》、《尔雅》、《孟子》等儒家经 典的注、疏以及唐陆德明《经典释文》的注音,而合刊的一部 大书。在“十三经”各注释版本中,以清代学者阮元于清嘉庆 年间主持校刻的《十三经注疏》最为完善,是研究中国古代文 化重要参考资料。此处所陈列为其中最后一部《孟子注疏》。

Quan Shu yi wen zhi 全蜀艺文志 („Aufzeichnungen zum Schrifttum Sichuans“) besteht aus 64 Juan und wurde von Zhou Fujun der Ming-Dynastie

Shisan jing zhushu 十三经注疏 („Kommentar zu den Dreizehn Klassikern“)

(1368–1644) verfasst. Das Buch nimmt das in der Songzeit (960–1279) kom-

sollte nachfolgenden Generationen das Nachschlagen von Erklärungen

pilierte Werk Chengdu wen lei

成都文类 („Anthologie der Literatur von

und Kommentaren der Gelehrten zu den konfuzianischen Klassikern

Chengdu, der Hauptstadt von Sichuan“) zur Grundlage. Es ist sehr umfas-

erleichtern wie dem Buch der Wandlungen, dem Buch der Lieder, dem Buch der

send und facettenreich, da Zhou Fujun während der Epoche des Kaisers

Urkunden, Riten der Zhou, Buch der Riten, Etikette und Riten, Kommentar des Gongyang,

Jiajing der Ming-Dynastie (1522–1566) in großer Anzahl weitere Gedichte

dem Kommentar des Guliang, dem Kommentar des Zuo, dem Klassiker der kindlichen

und Prosa aus der Han- und Wei-Zeit, die einen Bezug zu Sichuan hatten,

Pietät, dem enzyklopädischen Wörterbuch Erya und Menzius. Von Kompi-

sammelte. Viele Werke, wie das Song Luo Mi xingshi pu

lator Kong Anguo wurden die phonetischen Erklärungen genutzt, die im

宋罗泌姓氏谱

(“Herrn Luo Mis Verzeichnis der Familiennamen aus der Songzeit“ ) oder

Jingdian shiwen

Yuan Feis Gu qi pu 古器谱 („Verzeichnis von Geräten aus dem Altertum“),

(556–627) während der Frühzeit der Tang-Dynastie entwickelt wurden.

经典释文 („Erläuterung der Klassiker“) von Lu Deming

sind heute nicht mehr auffindbar, so dass das vorliegende Werk eine

Die schönste Version des Kommentars zu den Dreizehn Klassikern ist unter der

hervorragende Quelle darstellt. Eine Besonderheit des Werkes besteht in

Leitung des Gelehrten Ruan Yuan (1764–1849) während der Regierungszeit

der Sammlung von Anekdoten, die zwar um Vollständigkeit bemüht ist,

des Qing-Kaisers Jiaqing entstanden. Das Buch ist ein wichtiges Refe-

doch im Unterschied zu anderen Anthologien in ihrer Auswahl frei ver-

renzwerk für die Erforschung der Kultur des alten China. Ausgestellt ist

fährt, manches hinzufügt und anderes emendiert. Die Druckplatten

der letzte Band, die „Kommentare zu Menzius“.

dieser Ausgabe stammen aus der Qing-Zeit.

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Huang Qing jing jie

皇清经解

Han Wei congshu

汉魏丛书

„Exegese der klassischen Texte aus der erhabenen Qing-Dynastie“

„Anthologie zur Han- und Wei-Dynastie“

Kat. Nr. 20 BSB, 4 L.sin. C 140-I-3

Kat. Nr. 21 BSB, 4 L.sin. Aa 304, 76 – 86

《皇清经解》,又名《学海堂经解》,清阮元 (1764–1849) 主 编。阮任两广总督时创设学海堂,罗致学者对清人解经著述从 事编辑刊印,至道光九年 (1829) 九月,全书辑刻完毕,共收七 十三家,一百八十三种著作,凡一千四百卷。此书汇集清儒经 解之大成,是对乾嘉学术的一次全面总结。后由夏修恕、阮福 等编辑、校勘、监刻、出版。Neumann 1830 年在广州购书,如 果购书记录可信,此书当为其时刚出版最时新的书。此处所展 乃该书之一部分。

《汉魏丛书》 ,是一部大型丛书,以汉、魏人著作为主, 间有晋、梁、陈、隋人著作,专收古经逸史、稗官野乘之类。 子目38种,计251卷,以编校审、篇目全、刻印精,而成为古代 大型丛书之祖。此书于明万历年间问世之后,继之而起的丛书 有武林何允中辑刻的《广汉魏丛书》76种,清乾隆五十六年 (1791) 王谟辑刻的《增订汉魏丛书》86 种,448 卷等。 Han Wei congshu 汉魏丛书 („Anthologie zur Han- und Wei-Dynastie“) ist eine umfangreiche Anthologie, welche die bekanntesten während der Han- (25–220) und Wei-Dynastie (220–265) entstandenen Werke behandelt.

Huang Qing jing jie 皇清经解 („Exegese der klassischen Texte aus der erha-

Darunter sind Werke aus der Jin-, Liang-, Chen- und Sui-Periode. Die

benen Qing-Dynastie“), alternativ auch Xuehaitang jing jie

学海堂经解

inoffizielle Geschichtsschreibung sowie folkloristische Anekdoten über

(„Halle der Exegese der klassischen Texte“), wurde von Ruan Yuan (1764–

kleine Beamte finden hier besondere Beachtung. Die Anthologie ist in 38

1849) der Qing-Dynastie verfasst, als er Gouverneur von Guangdong und

Teile gegliedert und zählt 251 Juan. Durch die sorgfältige Aufbereitung,

Guangxi war und die „Halle der Exegese der klassischen Texte“ etabliert

das vollständige Titelverzeichnis und die gute Druckqualität wurde sie

hatte. Er rekrutierte Gelehrte für die Redaktion und den Druck von

zum Musterbeispiel umfangreicher Anthologien im traditionellen China.

Schriften, die der Bevölkerung des Qing-Kaiserreiches die konfuzianischen

Nachdem die Serie während der Regierungszeit des Kaisers Wanli der

Klassiker verständlich machen sollten. Bis zum 9. Monat des 9. Jahres

Ming-Dynastie (1572–1620) veröffentlicht worden war, setzte He Yunzhong

der Regierungszeit von Daoguang (1829) war das Buch fertiggestellt. Es

aus Wulin, dem heutigen Hangzhou, die Anthologie unter dem Titel Guang

vereint insgesamt 183 verschiedene Werke von 73 Autoren, insgesamt 1400

Han Wei congshu 广汉魏丛书 („Erweiterte Anthologie zur Han- und Wei-

Juan. Dieses Buch zeigt die Höhepunkte der qingzeitlichen Exegese der

Dynastie“) in 76 Teilen fort. Im 56. Regierungsjahr des Qing-Kaisers

klassischen konfuzianischen Texte auf und ist eine umfangreiche Zusam-

Qianlong (1791) kompilierte Wang Mo das Zengding Han Wei congshu 增订汉

menfassung der Lehren der philologischen Schule der Zeit zwischen 1735

魏丛书 („Revidierte Anthologie zur Han- und Wei-Dynastie“) in 86 Teilen

und 1820. Später wurde es von Gelehrten wie Xia Xiushu oder Ruan Fu

und in 448 Juan.

editiert und textkritisch bearbeitet; sie beaufsichtigten die Herstellung der Druckplatten und kümmerten sich um die Veröffentlichung. Neumann hat das Buch 1830 in Guangzhou gekauft, als, vertraut man auf die Liste von Neumanns Akquisitionen, diese Ausgabe gerade neu erschienen war. Ausgestellt ist ein Teil der umfangreichen Reihe. 132

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Shan hai jing

山海经

„Klassiker der Berge und Meere“ Kat. Nr. 22 BSB, L.sin. D 99 I-3

《山海经》,18卷,先秦古籍,作者不明。主要记述古代神 话、地理、动植物、矿物、宗教、古史、民族等方面的内容。 其中多有诡异的怪兽及光怪陆离的神话故事,长期被认为是一 部荒诞不经的书。其实《山海经》非一人一时之著作,其所载 不单是神话,而且是远古地理的描述,是一本具有历史地理研 究价值的著作。 Shan hai jing

山海经 („Klassiker der Berge und Meere“) in 18 Juan ist ein

Standardwerk chinesischer Literatur, wahrscheinlich aus der Zeit vor der Qin-Dynastie (vor 221 v. Chr.) mit unbekanntem Autor. Zum Inhalt hat es verschiedenste Themengebiete, wie z. B. antike Mythologie, Geographie, Pflanzen und Tiere, Mineralien, Religion, antike Geschichtsschreibung und Volksgruppen. Darunter gibt es viele Beschreibungen bizarrer Tiere sowie seltsame und bunt ausgeschmückte mythologische Erzählungen, weshalb es lange als völlig unseriös angesehen wurde. Tatsächlich ist das Buch aber nicht allein von einem Autor und zu einer bestimmten Zeit geschrieben worden und es enthält nicht nur Mythologie, sondern beschreibt auch die Geographie des antiken China und ist daher von

Kat. Nr. 23

„Arte de la lengua mandarina“ Kat. Nr. 23 BSB, Cod.sin. 29

hohem Wert für die historische Geographie. „Arte de la lengua mandarina“ des spanischen Missionars Francisco Varo (1627-1687) ist eines der ersten Grammatikbücher zum Erlernen des Chinesischen als Fremdsprache. Diese Ausgabe, die ein persönliches Geschenk des Padre Joaquim Alfonso Gonçalves an Neumann war, wurde im Blockdruckverfahren in Kanton gedruckt, was an den unterschiedlichen Typen gleicher Buchstaben erkennbar ist.

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Lidai shenxian tong jian

历代神仙通鉴

„Durchgängiger Spiegel der Unsterblichen im Wandel der Zeit“ Kat. Nr. 24 BSB, 4 L.sin. C 79 1 -7

《历代神仙通鉴》,一名《三教同原录》,亦名《历代神 仙演义》。记录从上古到明代的神仙历史,分首、二、三集, 首集“仙真衍派”;二集“佛祖传灯”;三集“圣贤贯脉”。 有意思的是,该书作者将基督教也纳入其神仙体系之中。卷九 第二节为“严子陵高屈光武,玛利亚贞产耶稣”,其中叙述东 汉马援破西羌,有徒众祈求马援将其带入中土,未果,而至天 方国云云。文中又插入耶稣诞生、受洗、传教、遇害、升天等 事迹,所述与《圣经》所载大致相同,可窥明清之际基督教在 中国影响之一斑。 Lidai shenxian tong jian 历代神仙通鉴 („Durchgängiger Spiegel der Unsterblichen im Wandel der Zeit“) war auch unter den Titeln San jiao tong yuan lu

三教同原录 („Aufzeichnungen zum Gemeinsamen Ursprung der Drei Lehren“) oder Lidai shenxian yanyi 历代神仙演义 („Historischer Roman Kat. Nr. 24

über die Unsterblichen im Wandel der Zeit“) bekannt. Das Buch erzählt die Geschichte der Unsterblichen von der Antike bis zur Ming-Zeit und ist in drei Teile gegliedert. Der erste Teil heißt Xian zhen yan pai

仙真衍派

(„Die Verbreitung der Unsterblichen und Wahren Menschen“), der zweite Teil Fozu chuandeng 佛祖传灯 („Biographien buddhistischer Patriarchen“, wörtlich „Weitergabe der Leuchte bei buddhistischen Patriarchen“), der dritte Teil Shengxian guan mai 圣贤贯脉 („die Fortdauer von Heiligen und Würdigen“). Interessant ist, dass der Autor auch die christliche Religion in sein System der Unsterblichen aufgenommen hat. So heißt es im zweiten Abschnitt des neunten Juan: „Kaiser Guangwu musste sich [vor seinem Schulfreund] Yan Ziling beugen [der von ihm kein Amt annahm], Maria hat jungfräulich Jesus geboren.“ Im Text ist weiter verzeichnet, dass General Ma Yuan (gest. 49) der Östlichen Han die westlichen Qiang besiegte woraufhin er von Gläubigen gebeten wurde, sie nach China zu bringen. 136

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Dieses Vorhaben scheiterte jedoch, was dazu führte, dass die Christen in den Staat Tianfang (in den arabischen Raum) gingen. Die Erzählungen im Text über Jesus, seine Geburt, Taufe, seine Mission, Passion, Auferstehung und andere Begebenheiten entsprechen zu weiten Teilen denen der Bibel. Dies gibt einen kleinen Einblick, wie weitreichend der Einfluss des Christentums während der Ming- und Qing-Zeit in China reichte. An der hier gezeigten Seite sieht man, wie Titelseiten chinesischer Bücher auch mit dem Ziel gestaltet sind, ein möglichst harmonisches Bild zu schaffen. Fett gedruckt in der Mitte der rechten Seite ist hier der Titel. Dabei weicht der Titel auf dieser Innenseite des Buchumschlags oft vom eigentlichen Buchtitel ab. Die vier Zeichen oben (Qiangu qiguan 千古

奇观) dienen als Verzierung und werben für die Qualität des Buches. Links unten auf der rechten Seite steht der Ort des Verlags, hier Zhi he tang

致和堂. Die beiden Autoren stehen unter zusätzlicher Nennung ihres Herkunftsortes ganz rechts: Großer Dao-Meister Zhang aus Longfushan (in Jiangxi) und Huang Zhang Lun aus Baoshan. Dabei wurde das da 大 (groß) wahrscheinlich vor allem aufgeführt, damit die Namen der beiden Autoren „harmonieren“, also hier die gleiche Zeichenanzahl aufweisen. Die linke Seite hier ist ein Vorwort des Buchs. Die ersten fünf Zeichen bestehen wieder aus dem Buchtitel und dem Zeichen Xu 序 (Vorwort).

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Xiuxiang daquan san jiao yuanliu sheng di foshi sou shen ji 绣像大全三教源流圣

帝佛师搜神记 („Auf der Suche nach den Geistern: Großes illustriertes Kompendium der Ursprünge der großen Heiligen und buddhistischen Meister der Drei Lehren“) ähnelt dem Sou shen ji 搜神记 („Auf der Suche nach den Geistern“), das Gan Bao aus dem 4. Jh. zugeschrieben wird. Es behandelt die Heiligen, Geister und Gottheiten des Konfuzianismus, Buddhismus und Daoismus; daher auch der Name. Es ist ebenfalls im Dao zang

道藏 (dem daoistischen Kanon) enthalten. Als Quelle dienten

wohl die Sammlungen im Zusammenhang mit dem Xinbian lianxiang soushen guangji

新编连相搜神广记 („Neue und erweiterte Zusammenstellung

der ‚Suche nach den Geistern’“ aus der Yuan-Dynastie (1277–1367). Heute findet man meist nur noch Ausgaben aus der Ming-Zeit. Der berühmte chinesische Büchersammler Zheng Zhenduo hatte jedoch eine Ausgabe aus der Kangxi-Ära der Qing-Dynastie, die auf 1662 datiert ist in seiner Sammlung. Neumann kaufte die Yi Jing Tang-Ausgabe des Jimao-Jahres der Ära Jiaqing (1819). Sie besteht aus insgesamt drei Ce, wobei das erste Kat. Nr. 25

Xiuxiang daquan san jiao yuanliu sheng di foshi sou shen ji

und das letzte Juan je ein Ce ausmacht. Ein weiteres Ce besteht komplett aus Illustrationen. Dieses Buch ist heute selten und sehr kostbar. Die aufgeschlagene Seite zeigt Bodhisattva Guanyin auf einer Lotus-

绣像大全三教源流圣帝佛师搜神记

blüte sitzend abgebildet. Anhand der wertvollen Kleidung und dem Kopf-

„Auf der Suche nach den Geistern: großes illustriertes Kompendium

schmuck eines Prinzen erkennt man, dass es sich um die Darstellung

der Ursprünge der großen Heiligen und buddhistischen Meister

eines Bodhisattvas und nicht eines Buddhas handelt. Auf Abbildungen

der Drei Lehren“)

und Statuen sind Menschen im Gegensatz zu Bodhisattvas immer kleiner

Nr. 25 BSB, L.sin C 406 1-3

dargestellt, wie auch auf dieser Abbildung. Die Lotusblüte, welche Guanyin als Thron dient, symbolisiert Reinheit und Erhabenheit, da Lotus

《绣像大全三教源流圣帝佛师搜神记》,此书内容与《道 藏》本《搜神记》略同,因搜集儒、释、道三教圣贤及诸神, 故名。当源出于元刻《新编连相搜神广记》前后集,近世所见 惟明代改编本,中国著名藏书家郑振铎旧藏为清康熙元年 (1662) 刻本。而 Neumann 所购为嘉庆己卯年刻本,一经堂藏版,三 册全,上下卷分两册,另一册全为图像,此本今亦罕见,洵足 珍贵。 140

zwar aus schlammigem Gewässer herauswächst, aber dennoch Schmutz von der Blüte abperlt.

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Guanshiyin pusa pu men pin jing

观世音菩萨普门品经

„Sutra des universellen Tors des Bodhisattvas Guanshiyin“ Kat. Nr. 26 BSB, 4 L.sin. C 52

《观世音菩萨普门品经》,全称为《妙法莲华经·观世音菩 萨普门品》,是自古以来就相当流行的佛教经典,新疆出土有 回鹘文与突厥文译本,汉文译本为南北朝时代姚秦鸠摩罗什所 译。本品主要宣说观世音菩萨的普门示现。Neumann 所购为广 州海幢寺乾隆间印本,经折装。 Guanshiyin pusa pu men pin jing 观世音菩萨普门品经 („Sutra des universellen Tors des Bodhisattvas Guanshiyin“) ist ein Kapitel des Miaofa lian hua jing

妙法莲华经 („Lotus-Sutra“) und seit langem eine relativ verbreitete buddhistische kanonische Schrift. In Xinjiang wurden bei Ausgrabungen Übersetzungen in uighurischer und türkischer Sprache gefunden. WähKat. Nr. 26

rend der Südlichen und Nördlichen Reiche (420–581) wurde das Lotus-Sutra von Kumarajiva, den die kaiserliche Familie Yao der Früheren Qin aus der Knechtschaft befreit hatte, ins Chinesische übersetzt. Hauptsächlich dreht sich das Sutra des universellen Tors des Bodhisattvas Guanshiyin um die Erklärung des Prinzips des Pu men shi xian 普门示现 (能开无量门,示现种

种身), was bedeutet, dass Guanyin, die Mitleidsvolle (in Indien in männlicher Gestalt als Avalokitesvara bekannt), alle Tore öffnen und sich in verschiedenste Gestalten wandeln kann. Diese Fähigkeiten besitzt sie, um ihrer Funktion als Bodhisattva gerecht zu werden, die vorsieht, die Lebenden zur Erleuchtung zu führen. Neumann hat hier ein Exemplar des Haichuang-Tempels in Guangzhou erworben, welches in der Ära Qianlongs geschnitzt wurde. Das Buch ist in Leporellofalz aufgelegt.

142

143

Dafo ding shou leng yan zhou

大佛顶首楞严咒

„Surangama Mantra“ Kat. Nr. 27 Z. V. g. von Elisabeth Berger

《大佛顶首楞严咒》 (Privatbesitz Elisabeth Berger) ,是极为流 行的一种佛教经咒。 Neumann 所购是清代嘉庆戊寅年由广州 海幢寺重刻的微型版本,朱印经折装,每半页四行,行十二 字。于今甚为难得。 Dafo ding shou leng yan zhou

大佛顶首楞严咒 („Surangama Mantra“) hat

Neumann keiner Bibliothek überlassen, sondern es an seine Nachkommen vererbt, weshalb es sich nun im Besitz der Neumann-Nachfahrin Elisabeth Berger befindet. Das Surangama Mantra ist ein besonders populäres buddhistisches Mantra. Dieses Exemplar ist aus dem Wuyin-Jahr der Ära Jiaqing der Qing-Dynastie (1818) und stammt aus dem Haichuang-Tempel in Guangzhou. Es ist ein Neudruck in Miniaturformat und Leporellofalz. Dabei sind immer vier Kolonnen pro Halbseite mit jeweils zwölf Zeichen Kat. Nr. 27

144

bedruckt. Exemplare dieser Art sind heute extrem rar.

145

Zi shi jinghua

子史精华

Yuan jian lei han

渊鉴类函

„Die Essenz aus Meistern und Geschichtswerken“

„Enzyklopädie des Spiegels des tiefen Wassers“

Kat. Nr. 28 BSB, 4 L.sin AII-I/5

Kat. Nr. 29 BSB, L.sin A46-I/200

《子史精华》, 160 卷,是清代康熙皇帝命人编纂的一部类 书,分天,地,岁时,帝王,言语,形色,伦常,礼仪等 30 部,280 类。摘抄子部、史部以及少数经部、集部书中有关社 会情况、自然知识、学术文化等方面的名言隽句汇编成册。每 条以句中精要词语作标题,以原文和注释分双行夹注于下,便 于查阅。雍正五年成书。

《渊鉴类函》,四百五十卷。是清代康熙四十年编成的一 部类似《艺文类聚》和《太平御览》的类书。是书以明代《唐 类函》为蓝本,并搜集《太平御览》以下各类书及二十一史, 子集稗编等而成,全书分四十三部,各目亦仍《唐类函》之 旧,每部之下分类,计 2500 余类,每类以释名、总论、沿革、 缘起居首,典故、对偶、摘句、诗文殿后。并以时代先后为 次,其下各注明出处。远有所稽,近有所考,源流本末,一目 了然,颇为实用。此书为内府版 。

Zi shi jinghua 子史精华 („Die Essenz aus Meistern und Geschichtswerken“) in 160 Juan ist eine auf Anordnung des Qing-Kaisers Kangxi verfasste, nach Sachgebieten geordnete Enzyklopädie. Sie ist in 30 Gebiete und 280

Yuan jian lei han 渊鉴类函 („Enzyklopädie des Spiegels des tiefen Wassers“),

Kategorien gegliedert, wie Erscheinungen des Himmels, der Erde, Jah-

450 Juan, herausgegeben im 40. Regierungsjahr des Kaisers Kangxi (1636).

reszeiten, Kaiser, Sprache, physische Erscheinung, Moral und Etikette.

Dies ist ein Buch im Stil früherer Enzyklopädien wie etwa des Yi wen lei ju

Dafür wurde eine Auswahl an „geflügelten Worten“ und Weisheiten, z. B. akademischen Bildung, aus den Werken der (philosophischen) Meister,

艺文类聚 („Nach Genres geordnete Literatur“, 604) oder des Taiping yu lan 太平御览 („Kaiserliche Lektüre der Regierungsperiode Taiping“, 983) und ist stark an die Enzyklopädie Tang lei han 唐类函 (1568) der Ming-

den Geschichtswerken und in geringerem Umfang aus den Klassikern

Dynastie angelehnt. Es vereint verschiedene Bücher, die nach dem Taiping

und Sammlungen getroffen. Jeder Abschnitt wurde durch die Worte

yu lan erschienen, wie unter anderem die Ershiyi shi 二十一史 („Einund-

betitelt, die am besten den Sinn des gesamten Abschnitts wiedergeben.

zwanzig Dynastiegeschichten“), Anthologien der Schriften von (philoso-

Quellenangaben und Anmerkungen wurden in zwei Zeilen unterhalb des

phischen) Meistern, Sammlungen, oder auch Werke zur Epigraphik. Das

Textes eingefügt, was die Überprüfung erleichtert. Das Buch wurde im

Buch ist in 43 Kapitel aufgeteilt, wobei alle Kapitelnamen aus dem Tang

fünften Regierungsjahr von Kaiser Yongzheng (1727) fertiggestellt.

lei han übernommen wurden. Jedes Kapitel ist wiederum unterteilt, ins-

über gesellschaftliche Bedingungen, Naturkunde oder die Kultur der

gesamt kommt man auf 2500 Unterkapitel. Jede Kategorie beginnt mit einer Begriffserklärung, einer allgemeinen Abhandlung, historischen Erläuterung und der Erwähnung der frühesten Entstehung des Begriffs, darauf folgen klassische Verwendungen, Parallelen und Zitate sowie Stellen aus der Poesie. Die Gliederung erfolgt nach Zeitaltern und nach jedem Eintrag sind die Quellen angegeben. Alles sollte nachvollziehbar, vollständig und belegbar, klar strukturiert, einfach und verständlich sein. Dieses Buch ist eine Ausgabe des Inneren „Palastes“. 146

147

Jieziyuan huapu

芥子园画谱

„Verzeichnis der Malereien vom Senfkorngarten“ Kat. Nr. 30 (davon zwei Doppelseiten) BSB, Cod.sin. 41 

《芥子园画谱》,又称《芥子园画传》,是中国画技法的 基本教科书。明清之际著名文学家李渔,曾在南京营造别墅“ 芥子园”,支持其婿沈心友及王氏三兄弟(王概、王蓍、王 臬),编绘画谱,故成书出版之时,即以此园名之。此书三百 年来,长期流传不缀,嘉惠画家无数,如著名中国画巨匠齐白 石早年即受惠于该书。也因此,此书不断翻刻,版本甚多。《 芥子园画谱三集》为花卉专集,Neumann 所购当为清代嘉庆间 (1800) 印本。 Jieziyuan huapu

芥子园画谱 („Verzeichnis der Malereien vom Senfkorngarten“), auch Jieziyuan huazhuan 芥子园画传 („Kommentar der Malereien vom Senfkorngarten“) ist ein grundlegendes Lehrbuch für die Maltechnik in China. Li Yu (1610–1680), ein berühmter Literat zwischen den Dynastien der Ming und der Qing, erbaute sich in Nanjing eine Villa, die er „Senfkorngarten“ (jieziyuan) nannte. Er unterstützte seinen Schwiegersohn Shen Xinyou sowie drei Brüder namens Wang, die zusammen mit Shen das Verzeichnis der Malereien kompilierten. Als dieses Buch erschien, übernahm man den Namen des Gartens der Villa. Seit dreihundert Jahren kursiert das Werk ununterbrochen, und das Werk unzähliger Maler speist sich aus diesem Buch, so etwa des berühmten Malers Qi Baishi (1864–1957). Daher wurde das Buch stets in neuen Ausgaben verlegt. Die „Dritte Abteilung des Senfkorngartens“ ist den Blumen gewidmet. Neumann erwarb die Auflage von 1800.

Kat. Nr. 30

148

149

1  Fleischmann, Johann: Grundzüge der

15  Ebd., S. 7,8,14–16,52

Geschichte vom ersten chinesischen Krieg

Geschichte jüdischer Landgemeinden

16  Neumann (s. Anm. 7), Fünftes Buch,

bis zu den Verträgen in Peking (1840–1860).

46  Neumann (s. Anm. 2), S. 30

an Aisch, Aurach, Ebrach und Seebach.

Abschn. 1

Leipzig 1861, S. 4

47  Reismüller, Georg: „Zur Geschichte der

Mesusa 1, Arbeitskreis Jüdische Landgemein-

17  Hunter, William C.: The ,Fan Kwae‘ at

34  Neumann, Karl Friedrich: Russland

chinesischen Büchersammlung der

den an Aisch, Aurach, Ebrach und Seebach.

Canton – Before Treaty Days 1825–1844.

und die Tscherkessen. Stuttgart und

Bayerischen Staatsbibliothek“. In: Kümmel,

Mühlhausen 1998

Shanghai 19383, S. 36, 37

Tübingen, 1840

Otto et.al. (Hg.): Ostasiatische Zeitschrift

2  Neumann, Karl Friedrich: Lebensbe-

18  Ebd., 43

35  Leitzinger, Antero: „The Circassian

– Beiträge zur Kenntnis der Kultur und Kunst

schreibung. Neumanniana 6d (wahrschein-

19  Xu-Lackner, Yan: Hongmao tongyong

Genocide“. In: The Eurasian Politician –

des fernen Ostens. 1919/1920, achter

Issue 2, 2000

Jahrgang. Berlin, S. 333

Brockhaus Verlag, Leipzig 1848, S. 449–570

lich 1862–1863) Fasz.I, Handschriftenabtei-

fanhua 紅毛通用番話 – eine englische

lung Bayerische Staatsbibliothek München.

Vokabelsammlung ohne Buchstaben.

36  Neumann (s. Anm. 33), S. 3

48  Chia, Lucille: Printing for Profit: the

Abschrift durch Neumann, Annelise. Zvg.

Erlangen (unveröffentlicht) 2012

37  Reismüller, Georg: „Karl Friedrich

Commercial Publishers of Jianyang, Fujian

von Barth, Dietrich; Abschn. 18

20  Übersetzt aus: MacNair (s. Anm. 8),

Neumann. Seine Lern- und Wanderjahre,

(11th–17th centuries). Harvard-Yenching

3  Neumann, Karl Friedrich: Denkschrift

S. 1–5

seine chinesische Büchersammlung“. In:

Institute monograph series; 56. Cambridge

über meine Beziehungen zum bayrischen

21  Rutherford Alcock über China in:

Kuhn, Ernst (Hg.): Aufsätze zur Kultur- und

(Massachusetts) / London 2002, S. 127

Staate. Neumanniana 6f (1868), II,

MacNair (s. Anm. 8), S. 16, 18

Sprachgeschichte vornehmlich des Orients

49  Brokaw, Cynthia J.: „On the history of

Handschriftenabteilung Bayerische

22  Ebd., 85, 130

– Zum 70. Geburtstage am 7. Februar 1916

the book in China“. In: Brokaw, Cynthia J.

Staatsbibliothek München. Abschrift durch

23  Lackner, Michael: „China: Westliche

gewidmet von Freunden und Schülern –

und Chow, Kai-wing (Hg.): Printing and

Neumann, Annelise. Zvg. von Barth,

Urteile und Vorurteile seit dem 16.

München 1916. Breslau 1916, S. 437–456, hier

Book Culture in Late Imperial China.

Dietrich

Jahrhundert“. In: Basler Magazin, Nr. 51,

S. 456

Berkley / Los Angeles / London 2005, S. 3–54,

4  Ebd., Abschn. 25,26

1997, S. 15

38  Ebd., S. 441

hier S. 10,11

5  Ebd., Abschn. 36

24  Sun, Lixin: Das Chinabild der deutschen

39  Ebd., S. 445

50  Ebd., hier S. 10,11

6  Neumann (s. Anm. 2) Abschn. 50–52

protestantischen Missionare des 19.

40  Neumann (s. Anm. 7), Fünftes Buch,

51  Ebd., S. 20

7  Neumann, Karl Friedrich: Die Chinareise

Jahrhunderts – Eine Fallstudie zum Problem

Abschn. 11

52  Ebd., S. 8

Karl Friedrich Neumanns in den Jahren

interkultureller Begegnung und Wahrneh-

41  Reismüller (s. Anm. 37), S. 456

53  Ebd., S. 20

1830/31. Neumanniana 6 c (Datum nicht

mung. Marburg 2002, S. 63

42  Neumann (s. Anm. 7), Fünftes Buch,

54  Chia (s. Anm. 48), S. 12

bekannt), Handschriftenabteilung

25  Lackner, Michael: „Jesuit Figurism“. In:

Abschn. 11

55  Brokaw (s. Anm. 49), hier S. 20

Bayerische Staatsbibliothek München.

Lee, Thomas H.C. (Hg.), 1991: China and

43  Meadows, Thomas Taylor: The Chinese

56  Ebd., S. 15

Abschrift durch Neumann, Annelise. Zvg.

Europe. Hong Kong S. 129–149, hier S. 132, 133

and their Rebellions, viewed in Connection

57  Brokaw (S. Anm. 49), hier S. 187

von Barth, Dietrich; Abschn. 18a

26  Lackner (s. Anm. 23)

with their National Philosophy, Ethics,

58  Neumann, Karl Friedrich, 1830:

8  MacNair, Harley Farnsworth: Modern

27  Lackner (s. Anm. 25), hier S. 132

Legislation, and Administration. To which is

Memorial (10. 2. 1830 – 26. 5. 1830). Neuman-

Chinese History Selected Readings. New York

28  Ebd., S. 142

added, an Essay on Civilization and its

niana 2a, Handschriftenabteilung

1967, S. 21–37

29  Lackner (s. Anm. 23)

Present State in the East and West. Bombay

Bayerische Staatsbibliothek München

9  Neumann (s. Anm. 7), Fünftes Buch,

30  Lackner (s. Anm. 25), hier S. 142

1856, b2

59  Burkus-Chasson, Anne „Visual

Abschn. 1

31  Martin, Helmut / Hammer, Christiane

44  Walravens, Hartmut: Karl Friedrich

hermeneutics and turning the leaf“. In:

10  Hunter, William C.: The ,Fan Kwae‘ at

(Hg.): Chinawissenschaften, deutschspra-

Neumann und Karl Friedrich August

Brokaw, Cynthia J. und Chow, Kai-wing

Canton – Before Treaty Days 1825–1844.

chige Entwicklungen: Geschichte, Personen,

Gützlaff. Zwei deutsche Chinakundige im

(Hg.): Printing and Book Culture in Late

Shanghai 19383, S. 20, 21

Perspektiven – Referate der 8. Jahrestagung

19. Jahrhundert. Wiesbaden 2001, S. 19

Imperial China. Berkley / Los Angeles / 

11  Ebd., S. 31, 32

1997 der Deutschen Vereinigung für

45  Neumann, Karl Friedrich: „Das

London 2005, S. 371–416, hier S. 372

12  Ebd., S. 31, 33

Chinastudien (DVCS), Hamburg 1999, S. 130

Trauerspiel in Afghanistan“. In: Von

60  Hegel, Robert E.: Reading Illustrated

13  Ebd., S. 33

32  Neumann (s. Anm. 2), Abschn. 46

Raumer, Friedrich (Hg.): Historisches

Fiction in Late Imperial China. Stanford,

14  Ebd., S. 34, 35

33  Neumann, Karl Friedrich: Ostasiatische

Taschenbuch Neue Folge, Neunter Jahrgang,

California 1998, S. 106 61  Chia (s. Anm. 48), S. 112

150

151

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154

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Sun, Lixin: Das Chinabild der deutschen protestantischen Missionare des 19. Jahrhunderts – Eine Fallstudie zum Problem interkultureller Begegnung und Wahrnehmung. Marburg 2002 Walravens, Hartmut: Chinesische und Manjurische Handschriften und Seltene Drucke. Teil 6 Libri Sinici. Neue Sammlung 1913–1945. Ein Bestandskatalog der Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz. Verzeichnis der Orientalischen Handschriften in Deutschland. Band XII,6. 2009 Walravens, Hartmut: Karl Friedrich Neumann und Karl Friedrich Gützlaff. Zwei China­ kundige im 19. Jahrhundert. Wiesbaden 2001 Walravens, Hartmut: Onorato Martucci. Schriften über China. Mit einer biobibliographi­ schen Skizze und einem Faksimile eines Auktionskataloges. Hamburg 1984 Walravens, Hartmut: Zur Geschichte der Ostasienwissenschaften in Europa: Abel Rémusat (1788–1832) und das Umfeld Julius Klaproths (1783–1835). Wiesbaden 1999, S. 173–183

Verträgen in Peking 1840–1860. Zug, Switzerland 1982;. 10 microfiches nach der Ausgabe

Wilkinson, Endymion: Chinese History. A Manual. Cambridge Mass. 2000

Leipzig, Engelmann, 1861

Wininger, Salomon: Große jüdische National-Biographie, Band 4, 1929; WBIS Online,

Neumann, Karl F.: Ostasiatische Geschichte vom ersten chinesischen Krieg bis zu den Verträgen in Peking (1840–1860). Leipzig 1861 Neumann, Karl F.: Russland und die Tscherkessen. Stuttgart und Tübingen 1840

29.5.2012.

Xu-Lackner, Yan: Hongmao tongyong fanhua 紅毛通用番話 – eine englische Vokabelsammlung ohne Buchstaben. Erlangen (unveröffentlicht) 2012

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Internet Heindl, Johann B. (Hg.): Galerie berühmter Pädagogen, verdienter Schulmänner, Jugendund Volksschriftsteller und Componisten in Biographien und biographischen Skizzen. München 1859; World Biographical Information System (WBIS Online), http://db.saur.de/ WBIS/welcome.jsf, 5.9.2007 Fr. Schmidt: „Schmidt, Ludwig Friedrich v.“. In: Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (Hg.): Allgemeine Deutsche Biographie, Band 34 (1892), S. 722–728. Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/ index.php?title=ADB:Schmidt,_Ludwig_Friedrich_von&oldid=1784249 (Version vom 29. Mai 2012, 06:52 Uhr UTC) „Reichmannsdorf (Stadt Schlüsselfeld, Kreis Bamberg): Jüdische Geschichte / Synagoge“. In: http://www.alemannia-judaica.de/reichmannsdorf_synagoge.htm, 29.5.2012 http://eprints.soas.ac.uk/archive/00000025/01/empire.pdf vom 29.5.2012 http://www.babelstone.co.uk/morrison/, 18.6.2012

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Bildquellen Abb. 1: aus Neumann, Karl F.: Denkwürdigkeiten meines Lebens u. meiner Zeit. Tagebuchaufzeichnungen v. 22.11.1841 – 17.9.1842. Neumanniana 5 (1841/42), Handschriften­ abteilung Bayerische Staatsbibliothek München; Photo: Bayerische Staatsbibliothek / Nachlassreferat Abb. 2: aus Neumann, Karl F.: Lebensbeschreibung. Neumaniana 6)d) (wahrscheinlich 1862–1863), Handschriftenabteilung Bayerische Staatsbibliothek München; Photo: Bayerische Staatsbibliothek/Nachlassreferat Abb. 3: Geburtshaus von Karl Friedrich Neumann, Druck nach einer Zeichnung von Grünewald, z.V.g. von Familie Schrottenberg; Photo: Konfuzius-Institut NürnbergErlangen Abb. 4: Straßenschild „Judenhof“ in Reichmannsdorf; Photo: Konfuzius-Institut NürnbergErlangen Abb. 5: Guter Ort in Reichmannsdorf; Photo: Konfuzius-Institut Nürnberg-Erlangen Abb. 6: Replika von Carl Spitzwegs „Der arme Poet“ (1839), z.V.g. von Katharina Steiger; Photo: Konfuzius-Institut Nürnberg-Erlangen Abb. 7: Menora, z.V.g. von Winfried Wittmann; Photo: Konfuzius-Institut NürnbergErlangen Abb. 8: Zeichnung von Franz Graf von Pocci: Bayerische Staatsbibliothek München, Cgm 8026 (1, Bl. 82 : Seefahrt, Neumann auf Schiff; Photo: Karl Neumann

Abb. 17: Schreiben König Ludwigs von Bayern an Karl Friedrich Neumann (2.3.1833), E_ II_493_0003_ Ernennungsurkunde, Universitätsarchiv München; Photo: Universitätsarchiv München Abb. 18: Familienporträt mit Karl Friedrich Neumann, z.V.g. von Karl Neumann; Photo: Karl Neumann Abb. 19: Schreiben Maximilian II. von Bayern an Karl Friedrich Neumann (5.10.1852), E_ II_493_0019_Entlassung von 1852, Universitätsarchiv München; Photo: Universitätsarchiv München Abb. 20: Kollage mit Büchern Neumanns; Photo: Konfuzius-Institut Nürnberg-Erlangen Abb. 21: Grab von Karl Friedrich Neumann; Photo: Ingrid Rückert, 19.7.2007, Alter Südlicher Friedhof München Abb. 22: aus Neumann, Karl F.: Memorial (10.2.1830–26.5.1830). Neumanniana 2a (1830), Handschriftenabteilung Bayerische Staatsbibliothek München; Photo: Bayerische Staatsbibliothek/Nachlassreferat Nr. 1 bis 30: z.V.g. und digitalisiert von der Bayerischen Staatsbibliothek (bis auf Nr. 27), Signaturen siehe Text

Nr. 27: Dafo ding shou leng yan zhou 大佛顶首楞严咒 („Surangama Mantra“), z.V.g. von Elisabeth Berger; Photo: Konfuzius-Institut Nürnberg-Erlangen Die einleitenden Bildmotive zu den Kapiteln zeigen Ausschnitte aus den Katalognummern 6, 8b, 14, 15 und der Abbildung 6.

Abb. 9: aus Neumann, Karl F.: Memorial (10.2.1830–26.5.1830). Neumanniana 2a (1830), Handschriftenabteilung Bayerische Staatsbibliothek München; Photo: Bayerische Staatsbibliothek / Nachlassreferat Abb. 10: Hunter, William C.: The ,Fan Kwae‘ at Canton – Before Treaty Days 1825–1844. Shanghai 19383; Photo: Konfuzius-Institut Nürnberg-Erlangen

Abb. 11: Hong mao tongyong fan hua 红毛通用番话 („Gebräuchliche ausländische Sprache der Rothaarigen“); Bijingtang 璧经堂; Photo: Konfuzius-Institut Nürnberg-Erlangen

Abb. 12: Xin ke hong mao fan hua 新刻红毛番话 („Neue Ausgabe der ausländischen

Sprache der Rothaarigen“); Yiwentang 以文堂 ; Photo: Konfuzius-Institut NürnbergErlangen

Abb. 13: Zeichnung von Franz Graf von Pocci: Bayerische Staatsbibliothek München, Cgm 8026 (2, Bl. 107 : Neumann als Opiumraucher; Photo: Karl Neumann Abb. 14: Zeichnung von Franz Graf von Pocci: Bayerische Staatsbibliothek München, Cgm 8026 (1, Bl. 75 : Tschao, Neumann als Chinese; Photo: Karl Neumann Abb. 15: Zeichnung von Franz Graf von Pocci: Bayerische Staatsbibliothek München, Cgm 8026 (2, Bl. 36 : Neumann, Chines. Festzug; Photo: Karl Neumann Abb. 16: aus Neumann, Karl F.: Memorial (10.2.1830–26.5.1830). Neumanniana 2a (1830), Handschriftenabteilung Bayerische Staatsbibliothek München; Photo: Bayerische Staatsbibliothek / Nachlassreferat

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Die Bücher des letzten Kaiserreichs

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