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Die Entstehung des Saarlandes Eine Kurzgeschichte www.saarland.de   das Saarland trat erst spät als politisches Gebilde in Erscheinung. Umso int...

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Die Entstehung des Saarlandes

Eine Kurzgeschichte

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das Saarland trat erst spät als politisches Gebilde in Erscheinung. Umso interessanter ist es, sich mit seiner wechselhaften und außergewöhnlichen Vergangenheit zu befassen. Die vorliegende Broschüre gibt einen knappen und anschaulichen Überblick über die Geschichte der Saarregion: vom Ausgang des Mittelalters bis zur Zeit der barocken Fürstenherrschaften; von der Zugehörigkeit zu Preußen und Bayern bis hin zur langen Geburt des Saarlandes; vom Beitritt als Bundesland zur Bundesrepublik Deutschland bis zur Gegenwart als Teil der europäischen Großregion SaarLorLux; von den Anfängen im Steinkohlebergbau und den ersten Eisenhütten bis zur Industrialisierung im 19. Jahrhundert; vom monostrukturierten Montanrevier bis zur modernen Industrie- und IT-Region. Alle wichtigen Ereignisse und Zusammenhänge der turbulenten und spannenden Saargeschichte finden Sie auf diesen Seiten komprimiert und leserfreundlich dargestellt. Die Broschüre soll aber nicht nur einen historischen Überblick geben. Vielmehr wollen wir Sie als Leserinnen und Leser ermuntern, sich näher mit dem Saarland und seiner reichhaltigen Geschichte auseinanderzusetzen. Ganz in diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine anregende Lektüre.

Annegret Kramp-Karrenbauer Ministerpräsidentin des Saarlandes

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Wie das Saarland entstanden ist. Zersplitterung und höfisches Leben Die Saarregion im ausgehenden Mittelalter Seit dem Mittelalter entwickelte sich in der Saarregion eine vielgestaltige politische Landschaft. Der Saarraum bildete keine politische Einheit, sondern war in zahlreiche mittlere und kleine Herrschaften aufgeteilt. Hier herrschten unter anderem die Grafen von NassauSaarbrücken, die Kurfürsten von Trier, die Herzöge von Pfalz-Zweibrücken und der französische König. Die Grunderfahrung in dieser Zeit war das Dasein an der Grenze zwischen deutschem und französischem Kulturraum. Im 15. Jahrhundert übersetzte Elisabeth von Lothringen französische Ritterromane ins Deutsche. Sie gilt als Wegbereiterin des deutschsprachigen Prosaromans und als diejenige, die Saarbrücken zur Residenz der NassauSaarbrücker Dynastie machte. Im 16. Jahrhundert erlebte die Saarregion eine Blütezeit, in der keine Kriege das Land verwüsteten. Die Wirtschaft entwickelte sich, Handel und Wandel kennzeichneten das Leben in den Städten, und die Bevölkerung wuchs stetig an. Die Herrscher bauten sich Renaissanceschlösser, und die Höfe zogen Gelehrte an. Dennoch führte die breite Bevölkerung oft ein karges Leben und blieb in Zeiten schlechter Ernten von Existenzkrisen nicht verschont.

Die Grafen von der Leyen bauten Blieskastel im 18. Jahrhundert zur barocken Residenzstadt aus. Das Porträt zeigt Gräfin Marianne von der Leyen, die von 1775–1791 die Grafschaft regierte.

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Gewalt und Elend Hundert Jahre Krieg in der Saarregion Auf die lange Friedenszeit folgten einhundert Jahre, die geprägt waren von Krieg, Verwüstung und Not. Der Dreißigjährige Krieg wütete an der Saar besonders stark: Zwar kam es hier nicht zu größeren Schlachten, aber andauernde Truppendurchzüge, Besatzungen, Plünderungen und regelrechte Gewaltexzesse entvölkerten das ganze Land. Franzosen, Kaiserliche, Spanier und Schweden sorgten für schreckliche Verheerungen. Die Waffenruhe nach dem Krieg währte nur kurz. Der französische König Ludwig XIV. verfolgte eine aggressive Expansionspolitik. Er dehnte im Zuge der Reunionskriege im Zeitraum von 1667 bis 1697 die Grenzen seines Reiches weit nach Osten aus. Viele Städte wie Ottweiler oder Merzig wurden von den durchziehenden Heeren verwüstet. Auch das heutige Alt-Saarbrücken brannte im Jahre 1677 völlig nieder. Das Gebiet an der Saar wurde schließlich als Teil der Province de la Sarre in den französischen Staat integriert. Zur Absicherung der Grenze errichtete Baumeister Vauban ab 1680 die Festungsstadt Saarlouis. Mit dem Frieden von Rijswijk 1697 fiel die Saarregion wieder an das Heilige Römische Reich Deutscher Nation zurück.

Plan der französischen Festungsstadt Saarlouis, die 1680 von Sébastian Le Prestre de Vauban, einem Baumeister des „Sonnenkönigs“ Ludwig XIV., angelegt wurde.

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Zeit des Friedens Barocke Pracht und wirtschaftlicher Aufschwung Im 18. Jahrhundert setzte wieder eine längere Phase des Friedens ein, die von den Landesherrschaften zum Aufbau und zur Entwicklung des Landes genutzt wurde. Mit ambitionierten und teuren Bauprojekten gestalteten sie ihre Residenzen und machten sie zu Zentren des höfisch-kulturellen Lebens. Barocke Schlösser und Kirchen prägen bis heute das Gesicht einiger saarländischer Städte. Mit dem Saarbrücker Schloss, der Ludwigskirche oder auch der Residenzstadt Blieskastel finden sich herausragende Beispiele barocker Baukunst an Saar und Blies.

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Ansicht des Saarbrücker Schlosses, das um 1750 nach den Plänen des Generalbaumeisters Friedrich Joachim Stengel errichtet wurde. Das Schloss war bis zur Französischen Revolution Sitz der Fürsten von Nassau-Saarbrücken.

Gleichzeitig modernisierten aufgeklärte Herrscher Wirtschaft und Gesellschaft etwa durch die Verbesserung des Landbaus, die Einführung der Schulpflicht, die Reform von Justiz und Verwaltung und die Gewährung religiöser Toleranz. Eisen- und Glashütten wurden gefördert und der Steinkohlebergbau unter staatlicher Obhut systematisiert. Die Straßen und Verkehrswege wurden ausgebaut und Saarbrücken an das Postsystem der Thurn und Taxis angeschlossen. Die Bevölkerung wuchs nach den Verheerungen im 17. Jahrhundert aufgrund deutlicher Geburtenüberschüsse und vermehrter Zuzüge von außen kontinuierlich an.

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Plötzlich alles anders Die Französische Revolution und die Saarregion um 1800 Die revolutionären Ereignisse in Frankreich, die mit dem Sturm auf die Bastille am 14.7. 1789 begannen, veränderten die Verhältnisse an der Saar grundlegend. Zunächst wurde die Region von durchmarschierenden französischen und alliierten Truppen im Rahmen der Koalitionskriege heimgesucht. 1793 besiegten die Revolutionstruppen in der Schlacht von Biesingen (Blieskastel) die verbündeten Preußen und Österreicher. Auch Teile der saarländischen Bevölkerung befanden sich in Aufruhr: Die Verheißungen der Revolution – Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – elektrisierten viele Untertanen. Sie pflanzten Freiheitsbäume, prangerten bestehende Missstände an und richteten selbstbewusste Forderungen an ihre Fürsten.

Karte des „Département de la Sarre“. Große Teile des heutigen Saarlands gehörten in dieser Verwaltungseinheit (Hauptstadt Trier) von 1798 bis 1814 zum napoleonischen Frankreich.

Deren Zeit ging unterdessen zu Ende. Nach den militärischen Erfolgen besetzten die Franzosen 1794 die linksrheinischen Gebiete und gliederten sie 1801 mit dem Vertrag von Lunéville in den französischen Staat ein. Erstmals war die Region als Teil eines zentralistischen Staates geeint und nicht in mehr oder weniger unabhängige Territorien zersplittert. Der größte Teil des heutigen Saarlandes gehörte seit 1798 zum Saardépartement mit dem Hauptort Trier. Der Bereich links der Saar wurde Bestandteil des Mosel-, der östliche des Donnersbergdépartements. Für die Bevölkerung brachte die französische Herrschaft das Ende des Feudalsystems mit Abgaben wie dem Zehnten und die Einführung einer modernen Rechtsprechung.

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Das Erbe Napoleons Preußen und Bayern an der Saar Napoleon trat das Erbe der Französischen Revolution an. Er setzte die rechtlichen Reformen weiter fort, die auch an der Saar Geltung erlangten. Fünf große Gesetzeswerke, darunter das neue Zivil- und Strafrecht, garantierten Freizügigkeit, Gewerbefreiheit und bürgerliches Eigentum. Die Einführung des französischen Rechts war eine gewaltige Modernisierungsleistung. An der Saar und im Linksrheinischen galt es bis zur Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches 1900. Das französische Recht wurde von der Bevölkerung geschätzt und gegen Eingriffe verteidigt. Nach vielen erfolgreichen Kriegszügen, in denen er halb Europa eroberte (und dabei immerhin sieben Mal die Saarregion passierte), endete Napoleons Herrschaft bei Waterloo. Die neue europäische Ordnung wurde auf dem Wiener Kongress 1815 ausgehandelt; in diesem Rahmen wurde auch das Land an der Saar völlig neu gestaltet. Der größte Teil kam zur preußischen Rheinprovinz, deren Regierungsbezirk Trier die heutigen Kreise Saarlouis, Merzig-Wadern und Neunkirchen sowie den Regionalverband Saarbrücken aufnahm. Der heutige Saarpfalz-Kreis wurde Bestandteil des bayerischen Rheinkreises mit Verwaltungssitz in Speyer. Ein kleiner Teil im Nordosten wurde bis zu seinem Verkauf an Preußen im Jahre 1834 vom Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha regiert.

Das Königlich-Preußische Landgericht, 1835 am Saarbrücker Schlossplatz eingerichtet, unterstrich die Bedeutung der Stadt als aufstrebendes Zentrum der Saarregion im 19. Jahrhundert.

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Ein neues Zeitalter beginnt Die Saarregion während der Frühindustrialisierung 1815–1850 Die ersten Fabriken, die im 18. Jahrhundert im Saarland entstanden, blieben lediglich eine Episode. Ab 1830 begann sich aus einer Reihe von Gründen die industrielle Basis zu verdichten: Zunächst ermöglichte die Dampfmaschine den Betrieb von Gruben im Schachtbau und von Eisenhütten unabhängig von der Wasserkraft. Ein weiterer wichtiger Faktor war die Gründung des Zollvereins 1834. Mit ihm fielen die noch zahlreich existierenden Binnenzollgrenzen weg; es entstand ein einheitlicher Wirtschaftsraum. Den Durchbruch der Industrialisierung brachte die Eisenbahn. Als Führungssektor beeinflusste sie alle Wirtschaftsbereiche. Die Ludwigsbahn als erste Strecke im Saarland führte seit 1849 vom Rhein bis nach Bexbach. Schnell wurde das Eisenbahnnetz weiter ausgebaut, es erschloss bald das ganze Saarrevier mit seiner expandierenden Schwerindustrie. 1852 wurde die Region über Saarbrücken und Metz ans französische Eisenbahnnetz angeschlossen; 1858/60 entstand die Verbindung entlang der Saar nach Trier. Die Kanalisierung der Saar ergänzte den verkehrstechnischen Anschluss des Landes an der Saar. Mit der Eisenbahn entstand auf der einen Seite eine große Nachfrage nach Kohle und Stahl, auf der anderen Seite konnten die saarländischen Industriebetriebe ihre Produkte auf überregionalen Märkten absetzen. Damit war auch die Voraussetzung für einen weltweiten Vertrieb der Produkte aus saarländischen Gruben und Hüttenwerken geschaffen.

Mit der Einweihung des Bahnhofs Bexbach als vorübergehender Endstation der pfälzischen Ludwigsbahn begann im August 1849 das Eisenbahnzeitalter an der Saar.

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Die Entstehung des Montanreviers Der Durchbruch der Industrialisierung um 1850/60 Bevor das Saarland als politische Einheit entstand, existierte es bereits als wirtschaftlich zusammenhängende Region. Im Kern bestand diese Region aus zwei schwerindustriellen Strängen, die vom Zentrum Saarbrücken bis Dillingen und Merzig beziehungsweise durch den Saarhochwald bis Neunkirchen reichten. Im Gegensatz zu anderen Industrierevieren wie dem Ruhrgebiet deckte die Saarregion ihren Arbeitskräftebedarf nicht durch Fernzuwanderung, sondern besonders durch den Zuzug der ländlichen Bevölkerung aus den nördlichen Landesteilen und dem Hunsrück. Die stark expandierende Industrie hat ab den 1860er-Jahren eine Dimension angenommen, die das Gesicht des Saarraumes völlig veränderte. Aus dem ursprünglich landwirtschaftlich geprägten Land war mittlerweile eine Industrieregion entstanden. Rauchende Schlote und Fördertürme, eine neue Wirtschaftsbürgerschicht und eine breite Masse an Arbeitern sollten für mehr als hundert Jahre die wirtschaftliche Basis und Identität der Menschen an der Saar bestimmen. Die Geschichte der saarländischen Industrialisierung darf nicht auf Kohlegruben und Eisenhütten beschränkt bleiben. Auch Unternehmen aus den Bereichen Maschinenbau, Glas und Keramik waren von überregionaler Bedeutung. Parallel zum wirtschaftlichen Boom wuchs die Bevölkerung stark an. Lebten 1820 in der Wirtschaftsregion erst 140.000 Menschen, waren es 30 Jahre später schon über 200.000 und um 1900 bereits über 600.000. Aus kleinen Dörfern wie Neunkirchen wurden innerhalb weniger Jahre bedeutende Industriestädte.

Die Dillinger Hütte, hier eine Ansicht um 1880, wurde 1685 unter Ludwig XIV. auf französischem Boden gegründet. Sie ist bis heute einer der wichtigsten Standorte der saarländischen Industrie.

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Eine neue Gesellschaft formiert sich Arbeiter und Stahlbarone prägen das Saarland Mit der industriellen Expansion erfuhr auch die Gesellschaft einen grundlegenden Wandel. Die ehemals von Bauern und Handwerkern dominierte Region wurde zunehmend von Fabrikarbeitern und Bergleuten geprägt. Sie waren für das starke Wachstum der Städte verantwortlich. Um 1910 arbeiteten über 70.000 Menschen in den Gruben und etwa 30.000 in den Eisenhütten. Der Bergfiskus ließ zahlreiche Bergmannskolonien wie in Altenkessel, Bildstock, Göttelborn oder auch Herrensohr errichten. Verbreitet waren auch die sogenannten Prämienhäuser, die mit Zuschüssen der Grubenverwaltung für viele Bergleute und ihre Familien gebaut wurden. Gleichzeitig veränderten die Arbeiter aber auch den ländlichen Raum. Viele siedelten in den umliegenden Dörfern der Westpfalz oder des Hunsrücks. Zu Wochenbeginn zogen diese „Hartfüßler“ oft über lange Strecken zu Fuß zu ihrem Arbeitsplatz. Während der Woche übernachteten sie in Schlafhäusern und kehrten erst zum Wochenende nach in der Regel sechs Arbeitstagen nach Hause zurück. Um den bescheidenen Lohn aufzubessern, betrieben viele Arbeiterfamilien nebenher noch eine Landwirtschaft. Sie bauten Gemüse und Obst an, whielten oft auch kleine Nutztiere wie die „Bergmannskuh“ genannte Ziege.

Beamte und Meister des Neunkircher Eisenwerks um 1880, als sich die Hütte im Besitz der aus dem Hunsrück zugewanderten Industriellenfamilie Stumm befand.

Den Arbeitern als neue soziale Massenformation standen die Unternehmer gegenüber. Dazu gehörten zum einen Stahlbarone wie Carl Ferdinand von Stumm-Halberg oder Carl Röchling, zum anderen die Beamten des preußischen, zu einem geringen Teil auch des bayrischen Bergfiskus, der den Steinkohlebergbau in örtlichen Landesteilen betrieb. Diese Privaten und Staatlichen waren die Motoren der ökonomischen Entwicklung und der industriellen Modernisierung mit all ihren technischen und infrastrukturellen Innovationen. Gegenüber der Arbeiterschaft etablierten sie ein ausgeprägtes paternalistisches

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Herrschaftssystem. Dieses betonte zum einen zwar die soziale Fürsorgepflicht der Arbeitgeber, zu der soziale Maßnahmen wie Krankenversicherung, betrieblicher Wohnungsbau, Alters- und Familienfürsorge und betriebliches Schulwesen gehörten. Dadurch sollten soziale Verwerfungen verhindert und die Verwurzelung der Arbeitnehmer in Familie und Betrieb gefördert werden. Zum anderen – und das war die Kehrseite der Medaille – übten die Arbeitgeber einen Disziplinierungsdruck aus, der bis weit ins Privatleben hinein reichte. So mussten beispielsweise die Neunkircher Hüttenarbeiter bei Carl Ferdinand Stumm persönlich die Erlaubnis zur Eheschließung einholen. Auch war es den Arbeitnehmern strengstens verboten, sich politisch oder betrieblich gegen die herrschenden Zustände zu engagieren. Auf diese Repression antwortete die Arbeiterschaft zunehmend mit Streiks und / oder der Bildung von Gewerkschaften. Im Saarland spielten dabei auch konfessionelle Bindungen eine große Rolle: Die Arbeitnehmer waren in ihrer großen Mehrheit Katholiken, während die Arbeitgeber fast ausnahmslos dem Protestantismus entstammten. Der soziale Konflikt war also in der Saarregion gleichzeitig ein konfessioneller, der vom sogenannten Kulturkampf zwischen Staat und Katholizismus zusätzlich angeheizt wurde. Der wichtigste Kopf einer paternalistischen Unternehmerschaft war Carl Ferdinand von StummHalberg, Als Eigentümer eines Hüttenimperiums und einflussreicher Politiker war er eine Persönlichkeit von nationaler Geltung. Wegen seines autokratischen Führungsstils erhielt er von seinen Gegnern den Namen „König von Saarabien“.

Carl Ferdinand Freiherr von StummHalberg (1836–1901), Industrieller und Politiker, Hüttenbaron und Patriarch, war eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der saarländischen Geschichte im 19. Jahrhundert.

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Die Geburt des Saarlandes Erster Weltkrieg und Völkerbundszeit Infolge des verlorenen Ersten Weltkrieges und gemäß den Bestimmungen des Versailler Vertrages wurde die Saarregion aus dem Deutschen Reich herausgetrennt. Dies geschah vor allem auf Betreiben Frankreichs, das die industrielle Basis Deutschlands schwächen und sich den Zugriff auf die Saarkohle als Reparationsleistung für erlittene Kriegsschäden sichern wollte. Dabei wurden die Industriestädte des Saarbeckengebietes um das Einzugsgebiet der Arbeiter zwischen Saar und Blies ergänzt. Dieses Saarbeckengebiet war um etwa ein Fünftel kleiner als das heutige Bundesland. Mit Inkrafttreten des Versailler Vertrages am 10.1.1920 wurde so das „Saargebiet“ als erstes politisches Gebilde geboren, das den Namen „Saar“ in seinem Namen trug. Das Saargebiet stand unter dem Mandat des neu gegründeten Völkerbunds und wurde von einer fünfköpfigen internationalen Regierungskommission verwaltet, der stets ein Franzose und ein Saarländer angehören mussten. Als von der Bevölkerung gewähltes Repräsentationsorgan fungierte der „Landesrat“, allerdings nur in beratender Form. Klassische parlamentarische Rechte wie etwa die Legislativgewalt, Exekutivkontrolle oder gar Mitwirkung an der Regierungsbildung hatte er nicht. Das Saargebiet stand unter dem dominierenden Einfluss Frankreichs, das mit Militär und zahlreichen leitenden Beamten im Land präsent war. Das führte zu permanenten Spannungen, nicht zuletzt weil Frankreich als Eigentümer der Gruben auch größter Arbeitgeber war. Als Reaktion auf den als Besatzung und Fremdherrschaft empfundenen französischen Einfluss kam es immer wieder zu Kundgebungen, Streiks und Feiern, die die nationale Zugehörigkeit zu Deutschland betonten. Besonders der Hundert-Tage-Streik von 1923 und die Rheinische Jahrtausendfeier von 1925 wurden zu machtvollen Demonstrationen.

Das „Saargebiet“, nach dem Ersten Weltkrieg laut den Bestimmungen des Versailler Vertrages vom Deutschen Reich abgetrennt, umfasste knapp vier Fünftel der Fläche des heutigen Saarlands.

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„Heim ins Reich“ Der Abstimmungskampf 1934/35 Wie im Versailler Vertrag vorgesehen, wurde 1935 den Saarländern die Entscheidung über die Zukunft des Saarlandes zur Abstimmung gestellt. Im Grunde waren sich die Saarländer in dieser Frage auch einig: Die Rückkehr nach Deutschland wurde lange Zeit von allen politischen Kräften befürwortet. Mit der Machtübernahme Hitlers veränderte sich jedoch diese Situation. Berichte von Emigranten, die im Saarland vor den Nationalsozialisten Zuflucht suchten, und die aufmerksame Beobachtung der zunehmenden Aushöhlung der Demokratie in Deutschland ließen eine Anti-Hitler-Opposition entstehen, die unter den gegebenen Umständen für die Beibehaltung des Status quo kämpfte. Diese sogenannte Einheitsfront setzte sich im Wesentlichen aus Sozialdemokraten und Kommunisten, aber auch aus engagierten Katholiken zusammen. Intellektuelle wie Bertolt Brecht oder Thomas Mann ergriffen für sie publizistisch Partei. Gleichwohl waren die Waffen in der Propagandaschlacht vor der Wahl sehr ungleich verteilt. Die Deutsche Front, in der de facto alle Parteien außerhalb der politischen Linken vereint waren, konnte massiv auf die Meinungsbildung im Saarland einwirken. In einem leidenschaftlichen Kampf wurden Rückgliederungsgegner eingeschüchtert und diffamiert. Kundgebungen wie am Niederwalddenkmal mit 100.000 Teilnehmern zeigten die einseitige Politisierung und nationalistische Instrumentalisierung der Saarfrage. Die Abstimmung am 13.1.1935 brachte ein eindeutiges Ergebnis: 90,7 Prozent votierten für die Rückgliederung, 8,7 Prozent für den Status quo. Hitler erzielte an der Saar seinen ersten großen außenpolitischen Erfolg. Die vielen Emigranten im Saarland mussten unmittelbar nach der Wahl ihre Flucht zumeist über Frankreich fortsetzen.

Unmittelbar nach der Bekanngabe des Ergebnisses der Volksabstimmung gingen zahlreiche Hitlergegner und jüdische Bürger in die Emigration. Das Bild entstand im Januar 1935 auf dem Grenzbahnhof von Sarreguemines.

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Diktatur und Krieg Die Saar im Dritten Reich Mit der Rückgliederung ins Deutsche Reich am 1.3.1935 wurde auch das Saarland gleichgeschaltet. Es blieb überdies als politische Einheit bestehen und wurde durch den Reichskommissar für das Saarland, Josef Bürckel, verwaltet. Noch einige Zeit versuchten Sozialdemokraten, Kommunisten, Gewerkschafter und Katholiken vom französischen Grenzgebiet aus Widerstand zu leisten. Die Errichtung des Terrorregimes konnten jedoch auch sie nicht aufhalten. Oppositionelle, Juden, Sinti und Roma sowie „Erbkranke“ waren zunehmend der Verfolgung durch die Gestapo ausgesetzt. Wie überall in Deutschland fielen am 9.11.1938 auch die saarländischen Synagogen der „Reichskristallnacht“ zum Opfer. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges am 1.9.1939 wurde die Zivilbevölkerung der sogenannten „Roten Zone“ aus dem Grenzgebiet ins Innere des Reiches evakuiert. Nach dem Frankreichfeldzug konnte die Bevölkerung zurückkehren. Währenddessen wurden in der „WagnerBürckel-Aktion“ im Oktober 1940 die Juden wie auch Sinti und Roma aus Südwestdeutschland nach Frankreich in das Lager Gurs (Pyrenäen) verschleppt. Viele wurden später nach Auschwitz deportiert und ermordet. Wenige konnten allerdings auch von der französischen Résistance befreit werden. Im selben Jahr 1940 wurde in Saarbrücken an der „Goldenen Bremm“ das Gestapo-Lager „Neue Bremm“ errichtet, das als Arbeits-, später als Durchgangslager zu den weiter entfernten Vernichtungslagern fungierte. Das Terrorregime setzte in der kriegswichtigen Montanindustrie zahlreiche Zwangsarbeiter ein. Industrie- und Bahnanlagen sowie die Städte waren ab 1942 immer wieder Ziel von alliierten Bombenangriffen, deren stärkster am 5.10.1944 große Teile Saarbrückens in Trümmer legte. Am 21.3.1945 war nach der Besetzung durch die Amerikaner der Krieg für die Saarländer vorüber.

Die Innenstadt von Saarbrücken war am Ende des Zweiten Weltkriegs stark zerstört. Hier ein Blick vom Theatervorplatz in Richtung der evangelischen Kirche St. Johann.

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Wiederaufbau und Autonomie Der Saarstaat 1945–1955 Im Januar 1946 wurde das Saarland aus der französischen Besatzungszone ausgegliedert. Im Dezember 1947 erhielt es eine eigene Verfassung und eine eigene Staatsbürgerschaft. Wirtschaftlich wurde das Saarland an Frankreich angeschlossen und in den französischen Währungsraum einbezogen. Der Saarbergbau kam in die Hand der „Régie des Mines de la Sarre“. Das Saarland hatte einen von der Bevölkerung gewählten Landtag, eine vom Landtag ins Amt berufene Landesregierung und auch sonst alle Merkmale eines eigenständigen Staatsgebildes. Allerdings standen die politischen Entscheidungen unter Vorbehalt des von Frankreich entsandten Hohen Kommissars Gilbert Grandval, sodass man nur von einem teilautonomen Staat sprechen kann. An der Spitze der Saarregierung stand bis 1955 der Vorsitzende der Christlichen Volkspartei, Johannes Hoffmann, der nach dem Krieg aus seinem Exil in Brasilien an die Saar zurückgekehrt war. Anders als nach 1918 ergriff Frankreich nun zahlreiche Maßnahmen, um das Vertrauen der Bevölkerung in seine Politik an der Saar zu gewinnen. Hierzu zählen die Gründungen der Universität des Saarlandes, der Musikhochschule, der Schule für Kunst und Handwerk, des Saarländischen Rundfunks, der Saarmesse sowie die Auftritte französischer Künstler im Saarland oder die Setzung architektonischer Akzente beim Wiederaufbau. Zudem unterstrich die Teilnahme von Saar-Nationalmannschaften an internationalen Sportwettbewerben die Eigenstaatlichkeit des Saarlandes.

Die „europäische“ Universität des Saarlandes entstand 1948 in den Gebäuden einer ehemaligen Kaserne als zweisprachige Institution unter französischer Führung.

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Erfreute sich der Saarstaat anfangs durchaus der Zustimmung durch die Bevölkerung, so wuchs mit der Zeit doch die Opposition gegen die ausgeprägte Frankreichorientierung. Dabei zeigte der Staat nun zunehmend auch seine Schattenseiten: Parteien, Gewerkschaften und Zeitungen, die sich gegen die Präambel der Verfassung – Abtrennung von Deutschland, wirtschaftlicher Anschluss an Frankreich – wandten, wurden verboten, ihre Exponenten Repressalien ausgesetzt. Dies brachte den Staat in wachsendem Maße nicht nur bei seiner Bevölkerung, sondern auch in der bundesrepublikanischen Öffentlichkeit in Misskredit, wo die Verhältnisse im Saarland sogar mit denen in der DDR verglichen wurden. Saarstatut und Volksabstimmung 1955 Das Ende eines Experiments In der Saarfrage bestand zwischen der Bundesrepublik und Frankreich lange Zeit keine Einigkeit. Sie belastete das deutsch-französische Verhältnis und stand einer Fortentwicklung der europäischen Einigung im Weg. Robert Schuman, der französische Außenminister, schlug daher 1952 die Europäisierung der Saar vor. Ergebnis der Verhandlungen zwischen Konrad Adenauer und Pierre Mendès France war das Saarstatut als Teil der Pariser Verträge von 1954. Es sah vor, das Saarland bis zu einem Friedensvertrag der Leitung eines Kommissars der Westeuropäischen Union zu unterstellen. Saarbrücken begann bereits mit Planungen eines umfassenden städtebaulichen Ausbaus zur europäischen Hauptstadt. Die Bevölkerung sollte in einer Abstimmung am 23.10.1955 über die Annahme des Statuts befinden.

Der französische Premierminister Pierre Mendès France und Bundeskanzler Konrad Adenauer nach der Unterzeichnung der Pariser Verträge.

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In einem heftig geführten Wahlkampf zeigte sich, dass die Saarländer über diese Frage zutiefst gespalten waren. Die Befürworter des Statuts, die „Ja-Sager“, sammelten sich hinter den Regierungsparteien von CVP und SPS. Sie traten für das Statut mit der Europäisierung der Saar ein. Dagegen bildete sich der „Heimatbund“ der vereinigten „Nein-Sager“. Hinter ihm stand ein politisches Bündnis der Oppositionspartei von DPS (Heinrich Schneider), CDU (Hubert Ney) und SPD (Kurt Conrad), die eine Loslösung von Deutschland strikt ablehnten. Erst drei Monate vor der Abstimmung waren sie offiziell zugelassen. Davor agierten sie im Untergrund. Die KP des Saarlandes lehnte das Statut ebenfalls ab. Die Abstimmung brachte ein eindeutiges Ergebnis: 67,7 Prozent votierten gegen das Statut. Hoffmann trat daraufhin als Ministerpräsident zurück. Die Ablehnung wurde als Wille der Saarländer zur Rückkehr nach Deutschland interpretiert.

Eine „vorschriftsmäßige“ Plakatwand in Saarbrücken mit den Werbungen der „Ja-“ und „Neinsager“ vor dem Referendum um das Europäische Saarstatut.

Ausführliche Informationen zu den beiden Saarreferenden finden Sie auch im google cultural institute (www.google.com/culturalinstitute) oder direkt als App.

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Hier geht‘s zur App!

Saarland Staatskanzlei

Die kleine Wiedervereinigung Das elfte Bundesland der Bundesrepublik Da das Saarstatut keine Regelung für den Fall der Ablehnung enthielt, mussten neue Verhandlungen zur Zukunft des Saarlandes aufgenommen werden. Diese führten schließlich zum Luxemburger Vertrag, der den politischen Beitritt des Saarlandes zur Bundesrepublik zum 1.1.1957 vorsah. Dafür wurden Frankreich weitreichende Zugeständnisse gemacht, die die Mitfinanzierung der Moselkanalisierung (von Thionville bis Koblenz) und großzügige Bezugs- und Nutzungsrechte an den saarländischen Kohlevorkommen betrafen. Zudem sollte der wirtschaftliche Anschluss an die Bundesrepublik erst nach einer mehrjährigen Übergangszeit erfolgen. Der im Vorfeld streng geheim gehaltene „Tag X“, an dem die D-Mark den Franc ablöste, kam schließlich am 6.7.1959.

Nach dem Fall der Zollschranken am „Tag X“ entwickelte sich in der Nacht zum 6.7.1959 ein reger „Grenzverkehr“ an der vormaligen deutsch-saarländischen Grenze.

Für die Saarländer vollzog sich die Rückgliederung allerdings nicht in allen Bereichen reibungslos. Die hohen, an das französische System angelehnten Sozialstandards mussten den eher leistungsbezogenen Standards der Bundesrepublik weichen. Auch erwies sich die saarländische Wirtschaft als nicht konkurrenzfähig genug für den bundesrepublikanischen Wettbewerb, sodass trotz stattlicher Investitionshilfen und einer Ermäßigung der Einkommen- und Körperschaftsteuer um 15 Prozent über 100 saarländische Firmen den schwierigen Übergang nicht überlebten.

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Zur Überprüfung der marktkonformen Preise nach der Währungsumstellung auf D-Mark bereiste Bundeswirtschaftsminister Erhard (2.v.r.) im Sommer 1959 das Saarland. Hier mit dem saarländischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Röder (3.v.l.)

Dennoch war die Rückgliederung des Saarlandes in die Bundesrepublik Deutschland in mehrfacher Hinsicht richtungsweisend. Zum einen obsiegte in diesem Prozess die Kraft der Aussöhnung zwischen Deutschland und Frankreich über alle Widerstände. Bis heute rechnen es die Saarländer den Franzosen hoch an, dass sie den Bevölkerungswillen im Saarland anerkannten und den Weg zum Beitritt in die Bundesrepublik freimachten. Hier zeigte sich erstmals wirkungsvoll die neue Dimension einer europäischen Innenpolitik, die allmählich die traditionelle Außenpolitik überlagern sollte. Zum andern wies die „kleine Wiedervereinigung“ im Westen den Weg für die große Wiedervereinigung im Osten. Artikel 23 des Grundgesetzes, über den im Jahre 1990 die ostdeutschen Bundesländer dem Geltungsbereich des Grundgesetzes beitraten, fand zum ersten Mal Anwendung bei der „kleinen Wiedervereinigung“ 1957.

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Ein Bundesland erfindet sich neu Zwischen Krise und Strukturwandel Politisch gelang es den Saarländern, die Turbulenzen der Fünfzigerjahre gut zu verarbeiten. Die Gräben zwischen „Ja“- und „Neinsagern“ wurden schnell überwunden; gegenüber dem französischen Nachbarn entwickelte sich schon bald ein herzliches und vertrauensvolles Verhältnis. Bis heute sieht sich das Saarland als das Bundesland, das Frankreich nicht nur geografisch, sondern auch mental am nächsten steht und deshalb eine besondere Verantwortung für die Fortentwicklung der deutsch-französischen Freundschaft und das Zusammenwachsen der Großregion SaarLorLux empfindet.

Im luxemburgischen Mondorf kamen am 20.9.1995 neun Regierungs- und Verwaltungschefs zum ersten Gipfeltreffen der Großregion Saar-Lor-Lux/Rheinland-Pfalz/Wallonie zusammen, u.a. der Gastgeber und heutige EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker (1. Reihe, m.) sowie der saarländische Ministerpräsident Oskar Lafontaine (3. Reihe, m.).

Ökonomisch wurde das Saarland lange Jahre immer wieder von Krisen heimgesucht, die – keineswegs hausgemacht – bis in die Gegenwart hineinwirken. Zunächst der verspätete Beitritt zur Bundesrepublik mit seinen Übergangslasten. In den Sechzigerjahren die Kohlekrise, die innerhalb weniger Jahre die Zahl der Arbeitsplätze im Bergbau auf 30.000 halbierte. In den Siebzigerjahren die Stahlkrise, die innerhalb einer Dekade zwei Drittel der vorhandenen Arbeitsplätze kostete und gigantische finanzielle Stützungsmaßnahmen erforderte, die zum größten Teil vom Landeshaushalt getragen werden mussten und maßgebliche Ursache für die bis heute bestehende Haushaltsnotlage sind. Dennoch schafften es die Saarländer immer wieder, sich umzuorientieren und die Krisen zu meistern. „Die Saarländer reagierten auf die Veränderung der Rahmenbedingungen flexibel, passten sich an und ergriffen neue Chancen, wo immer sie sich ihnen boten“, schrieb der Historiker Wilfried Loth.

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Die Völklinger Hütte wurde 1994 von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt. Wo früher Eisen und Stahl hergestellt wurden, besuchen nun jährlich Hunderttausende Menschen Ausstellungen und Veranstaltungen.

Der Strukturwandel, bereits in den 1960er-Jahren in Angriff genommen, begleitet das Saarland bis in unsere Tage. Das allmähliche Auslaufen des Steinkohlebergbaus wurde flankiert von der erfolgreichen Restrukturierung der Stahlindustrie, der Ansiedlung neuer Unternehmen mit dem Schwerpunkt auf der Automobilindustrie und der Erschließung neuer Wirtschaftszweige zum Beispiel im Bereich des Tourismus. Gleichzeitig gelang der Aufbau einer exzellenten Forschungslandschaft an den und um die Hochschulen, die weltweit beachtete Spitzenleistungen vor allem in den Bereichen Informatik, Nano-Bio-Technologie, Medizintechnologie und Materialwissenschaften hervorbringt und mit ihrem Technologietransfer bis in die mittelständische Wirtschaft hineinwirkt.

Das Saarland steht für Industrie und Technologie. Hier hat der Technologietransfer einen ganz besonderen Stellenwert. Der Science Park Saar ist einer der Orte im Land, an denen die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft auf engstem Raum erlebbar ist.

Auf diese Art hat sich das Saarland vom krisengeschüttelten Montanrevier zu einer modernen Industrieregion von hoher Produktivität, mit überdurchschnittlichem Exportanteil und ansehnlichen Wachstumsraten entwickelt. Das Saarland gehört zu den führenden Automobilzuliefererregionen in Deutschland, bietet Arbeitsplätze für zahlreiche Pendler aus Lothringen und Rheinland-Pfalz und rangiert bei der Wirtschaftsleistung pro Kopf auf dem siebten Platz im Bundesländervergleich. Das Saarland hat sich neu erfunden als zukunftsfähiges deutsches Bundesland im Herzen Europas.

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Staatskanzlei Am Ludwigsplatz 14 66117 Saarbrücken [email protected] www.saarland.de /saarland.de @saarland_de