Die Feuchtwangers - Die Onleihe

Die Feuchtwangers - Die Onleihe

Inhalt I. Einführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7 . . . . . . . . . . . . und Fanny . . . . . . 23 III. Tradition und Aufbr...

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Inhalt I.

Einführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

7

. . . . . . . . . . . . und Fanny . . . . . .

23

III. Tradition und Aufbruch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Vier Brüder in München . . . . . . . . . . . . . . . . . »Gute Partien« – Heiratspolitik und Unternehmergeist . . Ein jüdisches Haus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Im Kampf um die Tradition . . . . . . . . . . . . . .

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IV. Eine bajuwarisch-jüdische Orthodoxie . . . . . . . . . . . . Bestätigung und Chance . . . . . . . . . . . . . . . . . Die Familienunternehmen . . . . . . . . . . . . . . . . Unter der Chuppa – Von Heirat und Ehe . . . . . . . . Weibliche Karrieren: Töchter, Ehefrauen, Mütter . . . . »Was uns die Väter erzählten, wollen wir unseren Kindern nicht verbergen« . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . »Unser München« – bayerisch-barock und jüdischorthodox . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ein gläsernes Dach . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . »Jüdischkeit in Aktion« . . . . . . . . . . . . . . . . . . »Nächstes Jahr in Jerusalem« – Zwischen Zionsliebe und Zionismus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

75

II. Wurzeln in Fürth . . . . . . . . . . Die jüdische Gemeinde in Fürth . Die »Stammeltern« der Familie: Feuchtwanger . . . . . . . . .

. . . . . . . . . . . . Seligmann . . . . . .

V. Neue Herausforderungen . . . . . . . Von Schöngeistern, Brotstudenten Ausbildung und Berufstätigkeit . . Der Krieg . . . . . . . . . . . . . Münchens neues Gesicht . . . . . . »Der erste Schritt des Zweifels« . . . Arrangement oder Liebe? . . . . . . Familienbande . . . . . . . . . . . Kontinuität und Umformulierung . Eine Brücke zum Zionismus . . .

. . . . . . . . . . . und Blaustrümpfen: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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75 85 88 104 109 126 137 151 159 171 171 188 201 226 239 252 265 280



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. »Was braucht ein Jud einen Papagei?« – Lion Feuchtwanger und die Gefahren der Assimilation . . . . . .

296

VI. Zeit der Verfolgung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . »« – Eine Zäsur in der Familiengeschichte . . . . . . Eine alte Rechnung – Lion Feuchtwanger und die Nationalsozialisten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . »Immer mehr schwand die Heimat« . . . . . . . . . . . Das Schicksal der J. L. Feuchtwanger-Bank . . . . . . . »Elend hinten und vorn« – Ausgrenzung, Verfolgung, Flucht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

311

VII. Die Feuchtwangers in aller Welt . . . . . . . Familiennetzwerk im Exil . . . . . . . . . Lehel in Jerusalem – Die Familie in Israel . Remigration Walter Feuchtwangers . . .

. . . .

377

VIII. »In Anderen weiter leben« – Epilog . . . . . . . . . . . .

409

IX. Abkürzungsverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . .

415

X.

Kurzbiografien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

416

XI. Stammbaum der Familie Feuchtwanger . . . . . . . . . .

424

XII. Fanny und Seligmann Feuchtwangers Kinder . . . . . . .

428

XIII. Quellenverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

429

XIV. Literaturverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

440

XV. Dank . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

463



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311 331 348 361 366

377 387 403

I. Einführung »In der Erhaltung des jüdischen Volkes hat in der Tat die Familie eine beispiellose Rolle gespielt, und Familienbande sollten auch noch in der Zeit der Assimilation und Emanzipation sich als die konservierendsten Volkskräfte erweisen.« Hannah Arendt »Familie – was ist das? Jeder weiß es, außer man fragt ihn. Eine reichlich willkürliche Ansammlung sehr verschiedenartiger Individuen, deren Eigenschaften und Schicksale nicht vorherzusagen sind. Dennoch ist Familie etwas, was darüber hinausgeht, und wer das ins Auge faßt, denkt über Individuen und ihre Schicksale anders. Zwar ist das Individuum der springende Punkt aller Freiheitslehren und legt selbst allergrößten Wert darauf: Es will Punkt sein und springen können. Ein Floh namens Ich, der bei Bedarf woandershin springt als andere dachten oder wünschten. Der Mensch ist aber in der Geschichte kein Punkt, sondern das Produkt von zwei Eltern, vier Großeltern, acht Urgroßeltern, sechzehn Ur-Urgroßeltern.«

Sten Nadolny, Ullsteinroman

Während Lion Feuchtwanger zu den bekanntesten deutschen Autoren des . Jahrhunderts gehört und seine Werke seit den späten er Jahren eine Art Renaissance erleben, ist weithin unbekannt, dass der Romancier aus einer großen, weitverzweigten bayerisch-jüdischen Familie stammte. Die Mitglieder der Familie Feuchtwanger – zu einem großen Teil über Generationen hinweg und bis weit ins . Jahrhundert hinein fromme und praktizierende Juden – lebten und wirkten über Jahrhunderte im süddeutschen Raum. Die Geschichte der Feuchtwangers stellt in drei zentralen Aspekten eine Ergänzung und in gewisser Hinsicht auch ein Korrektiv dar zu bisherigen Auffassungen vom Profil des deutschen Judentums im . und . Jahrhundert. Die Vorstellung von den deutschen Juden des ausgehenden . und beginnenden . Jahrhunderts als Männern und Frauen, die ihr eigenes Judentum als rein konfessionell-religiöse Angelegenheit definierten, in deren Leben das eigene Jüdisch-Sein nur mehr eine marginale Rolle spielte, dominiert nach wie vor die wissenschaftlichen Darstellungen  Hannah Arendt, Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft, München , S. .  Sten Nadolny, Ullsteinroman, München , S. .



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deutsch-jüdischer Geschichte. Michael Brenner macht darauf aufmerksam, dass die deutsch-jüdische Historiografie den Weg der deutschen Juden nicht selten als eine Geschichte von Aufstieg und Niedergang beschreibt. Dabei wird meist davon ausgegangen, dass die deutschen Juden in der Phase zwischen Emanzipation und der jüdischen Katastrophe in den er und er Jahren sich nicht nur sukzessive von ihrer jüdischen Tradition zurückgezogen, sondern auch nach einem mehr oder minder vollständigen Aufgehen in der deutschen Gesellschaft und Kultur gestrebt haben. Immer wieder wird in der einschlägigen Literatur darauf hingewiesen, dass nicht wenige Juden in Deutschland erst durch die Nationalsozialisten wieder an ihre jüdischen Wurzeln erinnert wurden. Der in Berlin geborene Historiker Peter Gay, der sich intensiv mit der Geschichte der deutschen Juden vor allem in der Zeit der Weimarer Republik befasst hat, ist ein eindringliches Beispiel hierfür. Über die »Machtergreifung« der Nationalsozialisten heißt es in seinen Memoiren: »Aber im Jahr  hatten wir dann größere Sorgen. Wir waren plötzlich zu Juden geworden.« Dem ebenfalls aus einer deutsch-jüdischen Familie stammenden amerikanischen Historiker Fritz Stern zufolge wurde und wird zum Teil noch heute das deutsche Judentum gemeinhin geradezu als das Symbol für Assimilation betrachtet. In der großen Gesamtdarstellung »Deutsch-jüdische Geschichte in der Neuzeit« beschreibt Steven Lowenstein, wie in den Jahren  bis  die jüdische Bevölkerung vor allem in den Städten in eine Minderheit, die am religiösen Leben starkes Interesse zeigte, und eine Mehrheit, die »Dreitagejuden«, die davon wenig oder gar keine Notiz nahm, zerfiel. Dieser Mehrheit widmet sich denn auch die überwiegende Zahl der Untersuchungen. Auch innerhalb der Forschung, die sich mit der Renaissance jüdischer Kultur und dem Aufkommen eines neuen Gemeinschaftssinns innerhalb der jüdischen Jugend vor allem in der Zeit  Michael Brenner, Wie jüdisch waren Deutschlands Juden? Die Renaissance jüdischer Kultur während der Weimarer Republik, Reihe Gesprächskreis Geschichte, Heft , FES, S. -, S. /.  Hier sind zu nennen: Peter Gay, Freud, Jews and Other Germans: Masters and Victims in Modernist Culture, New York . Ders., Weimar Culture: The Outsider as Insider, New York .  Peter Gay, Meine deutsche Frage, München , S. .  Fritz Stern, Dreams and Delusions. The Drama of German History, New York , S. .  Steven M. Lowenstein, Das religiöse Leben, in: Michael A. Meyer (Hg.), unter Mitwirkung von Michael Brenner, Deutsch-Jüdische Geschichte in der Neuzeit,  Bde., München /, Bd. III, S. -, S. /.



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der Weimarer Republik beschäftigt, liegt der Schwerpunkt in erster Linie auf einer jungen Generation, die sich ihren assimilierten Eltern zum Trotz wieder auf ihr Judentum besann. Die Angehörigen dieser jungen Generation, so wird betont, hätten ihren Eltern vorgeworfen, sie zu Amei ha-arez erzogen zu haben, zu Juden, die ihrem Judentum entfremdet, distanziert und vor allem ahnungslos gegenüberstanden. Tatsächlich ist man sich innerhalb der deutsch-jüdischen Historiografie weitestgehend darüber einig, dass viele der Kinder und Kindeskinder der bis in die er und er Jahre noch überwiegend orthodox oder zumindest traditionsgetreu lebenden deutschen Juden sich mehr und mehr von Glauben und Gebräuchen der Väter entfernten und jüdischer Religion und Tradition mit wachsender Indifferenz gegenüberstanden. Nicht selten entsteht der Eindruck, dass mit zunehmender Akkulturation zwangsläufig ein Entfremdungsprozess bezüglich der jüdischen Herkunft, Tradition und Religion in Gang gesetzt wurde. Die orthodoxe Minderheit wird in der einschlägigen Literatur dann häufig, wenn überhaupt, nur en passant erwähnt. Immer wieder erklären Autoren und Autorinnen, die sich mit deutsch-jüdischer Geschichte befassen, explizit, dass sie sich in ihren Darstellungen ausschließlich auf die säkulare Mehrheit unter den deutschen Juden konzentrierten und fromme Juden, seien sie Angehörige der »Neo-Orthodoxie« oder der so genannten »Gemeindeorthodoxie«, von ihrer Untersuchung ausschlössen. So rechtfertigt Marion Kaplan in ihrer umfassenden Studie zum jüdischen Bürgertum des Kaiserreiches das Übergehen der Gesetzestreuen mit dem Hinweis darauf, dass sie hierzu nur sehr wenig Recherchematerial hatte finden können und die Orthodoxie eine Bewegung gewesen sei, der lediglich eine Minderheit der deutschen Juden angehört hätte. Die  Vgl. Michael Brenner, The Renaissance of Jewish Culture in Weimar Germany, Yale , S. /, deutsch: Jüdische Kultur in der Weimarer Republik, München . Ders., A Tale of Two Families: Franz Rosenzweig, Gershom Scholem and the Generational Conflict Around Judaism, in: Judaism , Nr. , S. -.  Marion Kaplan, Jüdisches Bürgertum. Frau, Familie und Identität im Kaiserreich, , S. . Monika Richarz konstatiert, dass das jüdische Religionsgesetz bei vielen Familien im Laufe des . Jahrhunderts kaum noch eine Rolle gespielt habe. Orthodoxe, »Austrittsorthodoxie« und »Ostjuden« nennt Richarz »Segmente der jüdischen Minderheit«, die zwar nicht ungenannt bleiben dürften, aber die eben nicht zum Thema Säkularisierung gehörten, vgl. Monika Richarz, Der jüdische Weihnachtsbaum. Familie und Säkularisierung im deutschen Judentum des . Jahrhunderts, in: »… und so zogen sie aus«. Familie im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne, hrsg. von Miriam Gillis-Carlebach, Hamburg , S. -, S. , S. . Vgl. weiterhin Monika Richarz (Hg.), Jüdisches



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Zahlen mögen diesen Autorinnen und Autoren Recht geben. Tatsächlich waren die Gesetzestreuen längst zu einer Minderheit geworden. Schätzungen zufolge gehörten um die Wende vom . zum . Jahrhundert nur noch zwischen zehn und zwanzig Prozent aller Juden in Deutschland – und diese Zahlen beinhalten auch die in Deutschland lebenden osteuropäischen Juden – der Orthodoxie an. Vermutlich liegt hier der Hauptgrund dafür, dass diese religiöse Gruppierung in Untersuchungen entweder völlig übergangen oder nur mit einigen wenigen Sätzen abgehandelt wird. Aber Robert Liberles weist auf ein weiteres Motiv, weshalb das orthodoxe Judentum jahrzehntelang von der deutsch-jüdischen Historiografie vernachlässigt wurde: die weitverbreitete Annahme nämlich, die Reformbewegung habe den Kampf gegen die Orthodoxie gewonnen. Die Stärke des orthodoxen Judentums laufe, so Liberles, der allgemeinen Vorstellung vom hohen Grad der Assimilation des deutschen Judentums zuwider. Die spärlichen Äußerungen über die jüdische Orthodoxie legen aber auch den Verdacht nahe, dass die Vorstellungen vom orthodoxen Judentum in Deutschland vor dem Zweiten Weltkrieg zum Teil recht verschwommen sind. Möglicherweise assoziieren zeitgenössische Betrachter mit dem Begriff »orthodox« – bewusst oder unbewusst – jüdisches Leben in osteuropäischen Schtetln, in Williamsburg oder in Mea Schearim. Diese gedanklichen Verknüpfungen wollen aber so gar nicht zu dem weitverbreiteten Image der deutschen Juden vor dem Zweiten Weltkrieg passen. Während die soziale und politische Geschichte, ebenso wie bis zu einem gewissen Grad das Alltagsleben der liberalen, aber auch der nicht praktizierenden Juden relativ intensiv erforscht und beschrieben wurde, bleibt das konkrete Leben und Wirken der traditionsbewussten und observanten Juden in Deutschland meist im Dunklen. Zu Recht spricht

Leben in Deutschland. Selbstzeugnisse zur Sozialgeschichte -, Bd. , Stuttgart , S. . Miriam Gebhardt betont in ihrer Studie über Erinnerungsstrategien im deutsch-jüdischen Bürgertum, dass zu ihrem Untersuchungssample ausschließlich die »überwiegend säkulare Mehrheit des jüdischen großstädtischen Bürgertums« und nicht die »der Tradition näherstehenden Gruppen, die Landbevölkerung, die Unterschichten und die aus Osteuropa neu zugewanderten« gehörten. Vgl. Miriam Gebhardt, Das Familiengedächtnis. Erinnerung im deutsch-jüdischen Bürgertum  bis , Stuttgart , S. .  Steven M. Lowenstein, Das religiöse Leben, in: Meyer, Bd. III, S. .  Robert Liberles, Religious Conflict in Social Context. The Resurgence of Orthodox Judaism in Frankfurt am Main, -, Westport , S. .



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Mordechai Breuer daher vom »Aschenbrödel«-Status der jüdischen Orthodoxie innerhalb der jüdisch-historischen Wissenschaft. Breuer selbst legte  ein Standardwerk über die deutsch-jüdische Orthodoxie des Kaiserreiches vor, in dem er sich als Nachfahre des Rabbiners S. R. Hirsch aber fast ausschließlich mit der Neo-Orthodoxie Frankfurter und Berliner Prägung in den Jahren  bis  befasste. Breuers Buch ist im Grunde die einzige große Gesamtdarstellung der jüdischen Orthodoxie in Deutschland. Daneben existieren noch einige Arbeiten, die sich mit Einzelaspekten der Geschichte der gesetzestreuen jüdischen Minderheit beschäftigen, so z.B. mit der »Austrittsfrage«, der Entstehung der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main, der Einstellung der Orthodoxie zum Zionismus oder aber mit besonders prominenten Persönlichkeiten, vor allem mit Rabbiner S. R. Hirsch, Rabbiner Esriel Hildesheimer und Rabbiner Nehemia Anton Nobel. Am Beispiel der bayerisch-jüdischen Familie Feuchtwanger wird deutlich, dass durchaus andere Facetten jüdischer Existenz im Deutschland des ausgehenden . und beginnenden . Jahrhunderts existierten, als der wissenschaftliche Allgemeinplatz, der den von seiner Religion weitgehend distanzierten deutschen Juden als typischen Vertreter des Gesamtjudentums präsentiert, glauben machen möchte. Die Geschichte der Feuchtwangers gibt Aufschluss über Alltag und Leben, über die Sozialgeschichte orthodoxer Juden im Deutschland des . und . Jahrhunderts. Gleichzeitig zeigt sie, dass es sich bei der Abkehr von jüdischer Tradition und Kultur nicht um einen zwangsläufigen Prozess im Gefolge von Emanzipation und Akkulturation gehandelt hat. Es wird genauer zu klären sein, was unter Orthodoxie – ein relativ moderner Begriff, der in der Auseinandersetzung zwischen Reformern  Mordechai Breuer, Jüdische Orthodoxie im Deutschen Reich -, Frankfurt a. M. , S. .  Ebd.  Vgl. u.a. Matthias Morgenstern, Von Frankfurt nach Jerusalem, Isaac Breuer und die Geschichte des »Austrittsstreits« in der deutsch-jüdischen Orthodoxie, Tübingen . Yaakov Zur, Between Orthodoxy and Zionism. Religious Zionism and its Opposition (Germany -), Ramat-Gan , (hebr.). David Ellenson, Gemeindeorthodoxie in Weimar Germany. The Approaches of Nehemia Anton Nobel and Isak Unna, in: In Search of Jewish Community, Jewish Identities in Germany and Austria -, hrsg. von Michael Brenner und Derek J. Penslar, Bloomington , S. -. Robert Liberles, Religious Conflict in Social Context. Yeshajahu Wolfsberg, Popular Orthodoxy, in: LBIYB , S. -. Yehuda Ben-Avner, Vom orthodoxen Judentum in Deutschland zwischen zwei Weltkriegen, Hildesheim, Zürich, New York, .

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