Die Friedens-Warte - an der Universität Duisburg-Essen

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Die Friedens-Warte Journal of International Peace and Organization 2011 Band 86 Heft 3-4 Herausgeber: Prof. Dr. iur. Andreas von Arnauld (geschäftsf...

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Die Friedens-Warte Journal of International Peace and Organization

2011 Band 86 Heft 3-4

Herausgeber: Prof. Dr. iur. Andreas von Arnauld (geschäftsführend), Institut für Öffentliches Recht, Helmut-Schmidt-Universität / Universität der Bundeswehr Hamburg Prof. Dr. sc. pol. Tobias Debiel (geschäftsführend), Institut für Entwicklung und Frieden (INEF)/ Institut für Politikwissenschaft, Universität Duisburg-Essen Prof. em. Dr. Volker Rittberger Institut für Politikwissenschaft, Eberhard-Karls-Universität Tübingen Prof. em. Dr. Dr. h.c. Christian Tomuschat Institut für Völker- und Europarecht, Humboldt-Universität zu Berlin

BWV • BERLINER WISSENSCHAFTS VERLAG GmbH

Impressum Zur Zeitschrift:

Hinweise für Autorinnen und Autoren:

Die Friedens-Warte wurde 1899 durch den späteren Friedensnobelpreisträger Alfred H. Fried gegründet und war ein zentrales Organ der frühen deutschsprachigen Friedensbewegung. Herausgeber waren - neben Fried - Hans Wehberg und Jost Delbrück. Heute wird sie von Andreas von Arnauld (geschäftsführend), Tobias Debiel (geschäftsführend), Volker Rittberger und Christian Tomuschat im Berliner Wissenschafts-Verlag herausgegeben.

Manuskripte, redaktionelle Anfragen, Besprechungsexemplare und alle geschäftlichen Mitteilungen werden an die Schriftleitung erbeten. Ausgehend von den in den editorischen Geleitworten (Jg. 71, 1996, H. 1; Jg. 74, 1999, H. 1-2; Jg. 77, 2002, H. 1-2) formulierten Zielsetzungen der Friedens-Warte, möchten die Herausgeber interessierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ermuntern, geeignete Manuskripte einzusenden. Bitte beachten Sie unsere Autorenhinweise, die Sie auf unserer Homepage oder auf Anfrage bei der Schriftleitung erhalten. Für unverlangt eingesandte Manuskripte wird keine Gewähr geleistet. Mit der Annahme zur Veröffentlichung erwirbt der Verlag alle Rechte, einschließlich des Rechtes für weitere Vervielfältigungen zu gewerblichen Zwecken.

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Ulrike Schulz, M.A. Kontakt:

Die Friedens-Warte BERLINER WISSENSCHAFTS-VERLAG Markgrafenstr. 12-14, D-10969 Berlin Telefon: +49 / (0)30 / 84 17 70-0 Telefax: +49 / (0)30 / 84 17 70-21 E-Mail: [email protected] Internet: http://www.friedens-warte.de Erscheinungsweise:

Die Zeitschrift erscheint viertel- oder halbjährlich als Einzel- oder Doppelheft mit circa 100 bzw. 200 Seiten. Bezugspreis:

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ISSN 0340-0255

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„Generation 9/11"? Zur Frage der gesellschaftlichen Verarbeitung der Terroranschläge in Deutschland1 Daniela Schick / Carsten G. Ullrich, Universität Duisburg-Essen

Einleitung Die Terroranschläge vom 11. September 2001 wurden in der Öffentlichkeit sofort als Zäsur empfunden. Nicht nur Politiker/innen, sondern auch Künstler/ innen verkündeten, es werde „nichts mehr so sein, wie es war". Entsprechend der Annahme einer nunmehr völlig neuen Sicht auf die Welt wurde in den USA die Entstehung einer „Generation 9/11" behauptet, die sich von der „Generation Vietnam" beispielsweise durch eine höhere Bereitschaft zum Sicherheitsund Militärdienst abgrenze und deshalb in Konflikt mit der älteren Generation gerate. Auch die Positionierungen zum Patriotismus scheinen durch 9/11 beeinflusst und junge US-Amerikaner/innen begreifen das Attentat auf das World Trade Center und das Pentagon als ihren defining moment. Dadurch, dass die Anschläge unmittelbar und breit über die Printmedien als ein generationsprägendes Ereignis behandelt wurden, ist die „Generation 9/11" in den Vereinigten Staaten bereits seit Langem ein öffentliches Thema. In den USA wird also die gesellschaftliche Verarbeitung der Anschläge unter anderem als Formierung einer neuen Generation diskutiert. Anders die Situation in Deutschland: Hier werden die kulturellen Wirkungen des 11. September bislang eher selten thematisiert. Dabei sprechen mehrere Gründe für eine stärkere Thematisierung der generationsspezifischen Bedeutung der Ereignisse vom 11. September 2001: Erstens war das Attentat ein transnationales Ereignis, da es den globalen Terrorismus sowie den internationalen Krieg gegen diesen eröffnete. An den Anschlägen wurde international partizipiert, sei es durch Trauer oder durch national umgesetzte Sicherheitsmaßnahmen. Die deutsche Öffentlichkeit war hierbei durch Militäreinsätze, die Rasterfahndung nach „Schläfern", die veränderte Sicherheitspolitik und die Bedrohungslage, wie sie durch die in DeutschDie Autoren danken zwei anonymen Gutachter/innen der Friedens-Warte für ihre wertvollen Hinweise zur Überarbeitung dieses Beitrags.

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DANIELA SCHIEK / GARSTEN G. ULLRICH land vereitelten und in europäischen Nachbarländern erfolgten Anschläge gegeben war, von den Folgen des 11. September in spezifischer Weise betroffen. 9/11 markiert also einen Übergang zu neuen weltpolitischen Konfliktlinien, die im konkreten Alltag sichtbar wurden und sind. Zweitens ist zur Klärung der Frage, wie dieser Übergang verarbeitet und vor allem auch erarbeitet wird - inwiefern also der 11. September die Welt und Sichtweisen auf sie nachhaltig verändert hat, die Frage nach einer „Generation 9/11" besonders geeignet. So haben nur nachwachsende Generationen einen radikal neuen Zugang zur Gesellschaft, weshalb sich Wirklichkeitsvorstellungen an ihnen besonders zu bewähren haben. Die Bedeutung von historischen Ereignissen wird somit in der intergenerationellen Verständigung erzeugt und an entsprechenden Auseinandersetzungen kann die Aneignung und (Wieder-) Herstellung (neuer) gesellschaftlicher Sichtweisen studiert werden. Die Frage nach einer neuen historischen Generation ist im Verhältnis zu den groß angelegten Gegenwartsdiagnosen zwar ein bescheidenes, aber zuverlässiges Instrument, um aktuelle gesellschaftliche Deutungsmuster und entsprechende Tendenzen zu untersuchen. Kaum eine andere Frage hält zu genaueren Überlegungen hinsichtlich der Wirkungen eines historisch-politischen Ereignisses an. Und Deutschland hat, wie Heinz Bude (2003, S. 145) anmerkt, eine besondere Affinität zur historischen Kennzeichnung von Gesellschaft, Politik und Geschichte über Generationen (statt über Klassenkämpfe, Revolutionen oder die Entwicklung des Staates, wie dies etwa in Frankreich der Fall ist). Umso mehr überrascht es, dass die Frage nach der generationsstiftenden Wirkung des 11. September in Deutschland bisher kaum aufgeworfen wird. Die Frage nach der generationsstiftenden Wirkung des 11. September in Deutschland ist Gegenstand dieses Beitrags. Im Folgenden soll gezeigt werden, inwiefern die Frage nach einer „Generation 9/11" auch für Deutschland bedeutsam ist und es wird dabei wie folgt vorgegangen: Zunächst wird geklärt, was eine Altersgruppe zu einer Generation macht, d. h. was eine (politische, historische) Generation ist und wie sie entsteht (Abschnitt 1). Auf dieser Grundlage werden im zweiten Abschnitt Arbeiten zur generationsspezifischen Verarbeitung von 9/11 vorgestellt (Abschnitt 2). Abschließend wird ein forscherischer Ausblick gegeben (Abschnitt 3).

l. Wie entstehen Generationen? Für die Erforschung der kulturellen Wirkungen des „11. September" ist die Frage nach einer „Generation 9/11" besonders geeignet - die Generationsforschung ist ein „Mittel der Kulturanalyse" (Lepsius 2005, S. 49). Weil nur nachwachsende Generationen einen radikal „neuartigen Zugang" zur Gesellschaft und ihren Ereignissen haben (Mannheim 1928, S. 176), haben sich 166

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ZUR FRAGE DER GESELLSCHAFTLICHEN VERARBEITUNG DER TERRORANSCHLÄGE Wirklichkeitsvorstellungen an ihnen besonders zu bewähren. Die Bedeutung historischer Ereignisse wird somit erst in der intergenerationellen Auseinandersetzung hergestellt und dabei kann es zu Kontinuierungen, aber auch Zäsuren gesellschaftlicher Deutungsmuster kommen, wenn kollektive Betroffenheiten altershomogen abgegrenzt und zum Ausdruck gebracht werden. Generationen gelten deshalb als Seismographen gesellschaftlichen Wandels. Um eine neue Generation und einen entsprechenden sozialen Wandel feststellen zu können, muss also die (Wieder-) Herstellung (neuer) gesellschaftlicher Sichtweisen im Austausch zwischen und innerhalb von Generationen studiert werden. Anders als man es mit Blick auf essayistische Entwürfe neuer Generationen vermuten könnte, ist die Frage, ob es eine neue historische bzw. politische Generation gibt, also eine empirische Frage. Allerdings kann bereits die Frage nach einer neuen Generation wie kaum eine andere dazu zwingen, sich genauer mit den Wirkungen historisch-politischer Ereignisse auf gesellschaftliche Deurungsmuster auseinanderzusetzen. Kaum eine andere Frage regt zu solch intensiven Überlegungen und Auseinandersetzungen darüber an, wie wichtig ein Ereignis ist und welche Konsequenzen aus ihm zu ziehen sind. Vorliegend wird daher die Annahme einer „Generation 9/11" zunächst als eine Heuristik betrachtet, die die Analyse gesellschaftlicher Wirkungen des Attentats vom 11. September steuern und aber bereits mit Hinweisen auf die Herausbildung einer solchen Generation begründet werden kann. So schärft das Generationskonzept den Blick dafür, dass politisch-historische Ereignisse und Übergänge als solche gesellschaftlich überhaupt erst verarbeitet werden müssen. Denn ein Ereignis ist nicht schon historisch oder politisch bedeutsam, weil es sich ereignet und eine Altersgruppe ist nicht bereits eine Generation, weil sie einem Ereignis beiwohnt. Die Einheit einer Generation zeigt sich in gemeinsamen Deutungsmustern, durch die „auch räumlich getrennte Individuen, die niemals in Berührung miteinander geraten, verbunden werden" und aus denen heraus „neu auftauchende Eindrücke, Ereignisse in einer weitgehend vorgeschriebenen Richtung verarbeitet werden" (Mannheim 1928, S. 313-314). Ursprünglich sind es laut Mannheim konkrete Gruppen „wo Individuen in vitaler Nähe sich treffen, sich seelisch-geistig steigern" und entsprechende Deutungsmuster herausbilden (Mannheim 1928, S. 314). Zur Herstellung einer solchen mentalen Einheit bedarf es der kommunikativen (Mit-) Teilung von Deutungsmustern und Erfahrungen in altershomogenen Zusammenhängen, d. h. die „Selbstsozialisation" durch Altersgenoss/innen, wie sie bspw. durch die Schule, die Universität oder die Bundeswehr gegeben ist(Tenbruck 1965, S. 72; Ryder 1965, S. 854-855; Eisenstadt 1966, S. 29-30). Hierdurch bestehen Gelegenheiten, in denen „sich die Angehörigen einer Generation wechselseitig für bestimmte Problemwahrnehmungen, Erregungskreise und Erzählweisen konditionieren" (Bude 2010, S. 428) und „Ergänzungsreak86(2011)3-4

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DANIELA SCHIEK / GARSTEN G. ULLRICH tionen und Themenverschmelzungen plötzlich eine eigentümliche Nähe zwischen ansonsten sich fremd gegenüberstehenden Individuen begründen. Man erkennt sich in einem Gefühl der gleichartigen Betroffenheit durch eine einzigartige gesellschaftliche und geschichtliche Situation" (Bude 2003, S. 148). Für den Einzelnen ist diese Erfahrung historisch-spezifischer Verbundenheit (in modernen Gesellschaften) die einzige Möglichkeit, sich im historisch-sozialen Raum zu verorten. Im Begriff der Generation „findet die Kontingenzerfahrung der Biografie einen Anker im allgemeinen Geschichtsverlauf und können „Gefühle der Mitgelebtheit" konkreter und „wirklicher" hergestellt werden als über den abstrakten Gesellschaftsbegriff (Bude 2003, S. 148, 2000, S. 20-21). Corsten (2001, S. 43) spricht hier von einer „Art sozialer Rückendeckung für die Identität", nachdem andere kollektive Bezüge (z. B. Nation oder Klasse) in eine Krise geraten seien. Die kollektiven Bezüge, die in den individuell-biografischen Erfahrungen hergestellt werden, haben einen zentralen Stellenwert in der Sozialisationswirkung historischer Gegebenheiten: Die Strukturierung seiner Erfahrungen und die Herausstellung ihn prägender Ereignisse nimmt der Einzelne nicht unabhängig von Interaktionserfahrungen, kollektiv geteilten Deutungsmustern und gesellschaftlichen Semantiken vor (Kohli 1981, S. 515; Fischer-Rosenthal 1995, S. 257; Schäfer / Voller 2009, S. 179). Generationen können deshalb mit Halbwachs auch als „Kollektivbewusstsein" sozialer Gruppen beschrieben werden, das sich durch gemeinsame Begriffe, Narrative usw. kennzeichnet und das individuelle Erinnern (oder auch Vergessen) sozial rahmt sowie die Einzelnen historisch verankert, orientiert und miteinander verbindet (Halbwachs 1985, S. 183-390).2 Generationen sind aus dieser Perspektive ein sozialisatorischer Effekt historischer Ereignisse; sie sind Ergebnis gerade nicht schon demografischer Gegebenheiten, sondern Produkt sozialer, historisch-spezifischer Prozesse. Dies ist ihr soziologisches Moment. Wesentlich ist an dieser historischen Sozialisation, dass bestimmte Erfahrungen und die entsprechenden kollektiven Deutungsmuster nicht nur die Wahrnehmung weiterer Ereignisse strukturieren, sondern spätere Erlebnisse

In diesem Zusammenhang wäre interessant, mehr Arbeiten zur Formierung des sozialen Gedächtnisses bzw. zu den sozialen Bedingungen individuellen Erinnerns in die Generationsforschung einzubeziehen. Denn Generationen sind ein wesentlicher Faktor bzw. zentrale Akteure in der gesellschaftlichen Formierung der Erinnerung oder auch Amnesie historischer Ereignisse. Vgl. hierzu vor allem sozialpsychologische (v. a. Welzer 2008) und neuere soziologische Arbeiten (z. B. Sebald/ Weyand 2011). Im vorliegenden Beitrag wird diese Perspektive jedoch aus Platzgründen nicht weiter ausgeführt. 168

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ZUR FRAGE DER GESELLSCHAFTLICHEN VERARBEITUNG DER TERRORANSCHLÄGE auch die Wahrnehmung früherer verändern können, wenn sie zu einer Neubewertung und Revision bisheriger Sichtweisen zwingen. Wesentlich für den hier interessierenden Zusammenhang ist dieser Punkt deshalb, weil sich nur so erklären lässt, dass Ereignisse zwar generationsstiftend sind, wenn es sich um erste Eindrücke in sozialisationssensiblen Phasen handelt, die sich als „natürliches Weltbild festsetzen" (Mannheim 1928, S. 181), es aber nicht jedes historische Ereignis „auf den ersten Platz" schafft. Es muss offenbar auch eine besonders „kritische Erfahrung" sein und einen biografischen Wendepunkt markieren (Strauss 1974, S. 99-117), von dem aus bisherige historische Erfahrungen in ihrer Wirkungs- und Prägekraft entwertet werden. Folgt man Giesen (2003, S. 62), ist dies vor allem bei Ereignissen gegeben, die die kollektive körperliche Unversehrtheit bedrohen. Mit dieser „Authentizität des Außerordentlichen, die schwer zu überbieten ist", können nicht nur die eigenen, sondern auch die bisherigen historisch-politischen Erfahrungen älterer Altersgruppen entwertet werden. Zur Entstehung einer Generation gehört der somalische Aspekt laut Giesen (2003, S. 62) auch insofern, als die historische Anwesenheit bei einem Ereignis verdeutlicht wird, indem man sich körperlich in Bezug zum Geschehnis setzt. So weiß man, an welchem Ort man sich zum Zeitpunkt des Ereignisses befand und was man gerade getan hat. Auch ist man sich sicher, man sei - wenn auch nur vor dem Fernseher - unmittelbar dabei gewesen, obwohl man das Ereignis gar nicht oder nur beiläufig miterlebt hat.3 Durch die Herstellung einer körperlichen Beziehung zum Ereignis „merkt" (sich) und „weiß" der Körper, was passiert ist, und der „wissende Körper" besitzt eine „ontologische Tiefe", die ihresgleichen sucht (Hirschauer 2008, S. 977). Das Gefühl „wirklicher" konkreter Mitgelebtheit, wie es über die biografische Verankerung hergestellt wird, kann dadurch nochmals verstärkt werden; die biografische Verankerung wird durch leibliche Verortung ontologisiert. Entstehen Generationen ursprünglich meist dadurch, dass eine konkrete (miteinander in Kontakt stehende, geschlossene) Gruppe die zentralen Impulse liefert (Mannheim 1928,8.314), bestehen sie dementsprechend aus Protagonist/innen und Rezipient/innen. Darüber hinaus bestehen Generationen aber auch aus dominanten, umgelenkten oder unterdrückten Formen (Mannheim 1928, S. 325). Daher repräsentieren Beschreibungen von Generationseinheiten selten alle Mitglieder der entsprechenden Altersgruppe bzw. ist die Reichweite einer Generation kaum exakt zu bestimmen (Berger 1960, S. 60). Dies zeigen Mehrfachbefragungen von US-amerikanischen Student/innen zu ihrem Aufenthaltsort und ihrer Tätigkeit während des Challenger-Unglücks 1986 (Neisser/Harsch 1992, S. 25). 86(2011)3-4

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DANIELA SCHIEK / GARSTEN G. ULLRICH So wird bspw. bei den „68ern" stets darauf verwiesen, wie klein letztendlich die Gruppe der Aktiven war und gleichwohl ist ihre kulturelle Wirkungskraft unumstritten. Fischer-Kowalski (1983, S. 54) weist in diesem Zusammenhang daraufhin, dass der genaue Umfang einer Generationseinheit kaum zu rekonstruieren ist, da „aktive Teilnahme" und „Gestaltung" in diesem Zusammenhang nicht eindeutig definiert sind. Dazu konstatiert Rucht (2008, S. 159), dass man „solche Fragen nicht ohne einen Schuss Dezisionismus beantworten können wird." Auch in den Studien von Bude (1995, 2000) ist eine der zentralen Fragen, warum sich die Befragten (nicht) den „68ern" zurechnen und er stellt fest, dass sich dies (spontan während des Erzählprozesses und/oder zeitlichbiografisch) verändern kann. Obwohl in der jüngeren Vergangenheit mehrere Ereignisse als generationsstiftend in Frage kamen und sich Lebensweisen, „Bewegungspunkte" und Protestverhalten geändert haben (Roth / Rucht 2002)4, hat sich seit den 68ern keine Generation mehr im Sinne einer politisch-kulturell vorherrschenden Einheit im wissenschaftlichen wie öffentlichen Sprachgebrauch etablieren können.5 Nun gelten die Anschläge vom 11. September als transnationale, politische wie gesellschaftliche Zäsur. 9/11 markiert einen Übergang in den weltpolitischen und weltanschaulichen Konfliktlinien. Der durch den Kalten Krieg gesetzte und weltpolitisch steuernde Ost-West-Konflikt wurde durch die nun mehr orientierende Unterscheidung zwischen arabischen und westlichen „Achsen" ersetzt. Unter anderem deshalb wird dieses Datum als „ein mit großer Wahrscheinlichkeit generationsstiftendes Ereignis" betrachtet (Meyer/ Leggewie 2004, S. 281; Hennigfeld 2009, S. 183). Dennoch wird die Frage nach der Herausbildung einer „Generation 9/11" - wie auch überhaupt nach den gesellschaftlichen Wirkungen der Anschläge - in Deutschland bisher kaum empirisch untersucht. Wie eingangs dargelegt, ist diese Frage jedoch ein geeignetes Instrument, um gesellschaftliche Veränderungen durch historische Ereignisse zu untersuchen. Sie kann nur empirisch beantwortet

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Für bspw. den Vergleich zwischen den 68ern und der Anti-AKW-Bewegung der um 1960 Geborenen vgl. Kulke 1983; für die Entwicklung seit der Anti-AKW-Bewegung bis heute und gleichzeitig differenzierter vgl. Rucht/ Roose 2001. Für die Entwicklung der Protestformen insgesamt vgl. die Beiträge in Rucht 2001. So haben sich die zuletzt angestellten Überlegungen zur Entstehung neuer Generationen, wie etwa die durch die deutsche Wiedervereinigung geprägten „89er" (Leggewie 1995; Böckler 1992; Miethe 2006) und die durch die Berliner Republik entstandene (1998 parlamentarisch angetretene), als konservativ, pragmatisch und unternehmerisch bezeichnete „Generation Berlin" (Bude 2001) im soziologischen und öffentlichen Sprachgebrauch nicht nachhaltig durchgesetzt.

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ZUR FRAGE DER GESELLSCHAFTLICHEN VERARBEITUNG DER TERRORANSCHLÄGE werden, wozu es einer eingehenden Analyse des generationellen Diskurses und der individuell-biografischen Bezüge bedarf. Da also kaum auf bereits vorhandene Kenntnisse zurückgegriffen werden kann und die ersten Spuren der Entstehung einer Generation in einer (Selbst-)Verständigung ihrer Protagonist/innen bestehen, stellen wir im Folgenden Befunde zu 9/11 als kulturelle Zäsur und diskursives Material vor, das die ersten Reaktionen in spezifischen gesellschaftlichen Feldern abbildet und deshalb notwendigerweise selektiv ist. Damit können lediglich Hinweise darauf gezeigt werden, dass in Deutschland eine neue Generation entstanden ist, die kollektive (und „kollektivierende") Lesarten zu 9/11 herausbildet und entsprechende Gestaltungsansprüche formuliert

2. Arbeiten zur „Generation 9/11" „Generation 9/11" ist vor allem in den USA bereits ein etablierter Begriff, um junge US-Amerikaner/innen zu charakterisieren, die bei den Anschlägen 20 bis 30 Jahre alt waren. Hier wird davon ausgegangen, dass sich eine durch verwandte Deutungs- und Handlungsmuster verbundene und sich verbindende Generation konstituiert hat, die sich historisch-biografisch an den Anschlägen auf das World Tradc Center orientiert und entsprechende Gestaltungsansprüche artikuliert. Das liegt vor allem daran, dass diese Altersgruppe sichtbar auf das Ereignis reagierte und dabei einen Bruch zur „Generation Vietnam" markierte. Denn Letztere charakterisierte sich durch Kriegsproteste und eine „Dämonisierung" des US-Militärs (Barnett 2007, S. 1). Dementsprechend hielten sich junge Amerikaner/innen seit den 1970er Jahren bis 2001 hinsichtlich des freiwilligen Militärdienstes zurück. Verbreitet waren das Bild von Soldaten als Täter sowie eine distanzierende Haltung zur US-amerikanischen Nation. Seit 9/11 und dem Krieg gegen den Terror habe sich hingegen eine Wahrnehmung von (jungen) Soldaten als Opfer und ein Patriotismus entwickelt, die von den heute 30- bis 40-Jährigen getragen werden. So scheint das Hauptspezifikum dieser Generation, d. h. die inhaltliche Ausrichtung, mit der sie eine Zäsur anzeigt, im Wesentlichen in ihrer sehr viel stärkeren Bereitschaft zum Militär-, Sicherheits- und Geheimdienst sowie in einer entsprechend staatstragcnden Haltung zu liegen (Barnett 2007, S. 1; Kantrowitz 2001).

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DANIELA SCHIEK / GARSTEN G. ULLRICH Abbildung: „The 9/11 Generation"

ZUR FRAGE DER GESELLSCHAFTLICHEN VERARBEITUNG DER TERRORANSCHLÄGE Konkrete altershomogene Zusammenkünfte werden von Angehörigen dieser Altersgruppe explizit mit der Funktion thematisiert, sich zu einer größeren Gemeinschaft zu verbinden, die gemeinsam am Ereignis und seinen Folgen partizipiert (Wild u. a. 2006a, S. 9). Darüber hinaus wird sich durch 9/11 im historisch-sozialen Raum verortet. I think its [sie] probably going to be like my parents' generation with JFK or Vietnam and my grandparents' generation with Pearl Harbor. I think most people are going to look back and say "I remember where I was and what I was doing when I found out" (Student, zit. n. Wild u. a. 2006a, S. 15). We had no crisis, no Vietnam, no Martin Luther King, no JFK. We've got it now. When we have kids and grandkids, we'll teil them that we lived through the roaring 90s, when all we cared about was the No. l movie or how many copies an album sold. This is where it changes. (Student, zit. n. Kantrowitz, S. 1).

THE 9/11 GENERATION Quelle: RedPlanetCartoons.com Auch ihre politischen Haltungen scheinen durch 9/11 geprägt. Zwar würden nur in geringem Umfang grundlegende Veränderungen (von ganz links nach ganz rechts oder umgekehrt) festgestellt, wohl aber politische Interessen und Positionen neu justiert (Wild u. a. 2006a, S. 13, 2006b, S. 7). So ist dieser Altersgruppe der Bereich der internationalen Beziehungen wichtiger geworden; überhaupt habe 9/11 das politische Bewusstsein bei ihnen intensiviert (Wild u. a. 2006a, S. 13, 2006b, S. 7; Schmilz 2005, S. 1). Das Interesse an internationalen Beziehungen wuchs auch deshalb, weil 9/11 „nach draußen" verwies (Kalb 2009, S. 2). Der 11. September ist gerade für diese Generation ein transnationales, globales Ereignis, weil die Anschläge neue weltpolitische Konfliktlinien und Bedrohungslagen aufgezeigt haben. Diese waren zuletzt durch den Kalten Krieg und die atomare Wettrüstung gegeben, welche von den 30- bis 40-Jährigen aber kaum noch miterlebt worden sind, wohl aber erleben und gestalten6 sie einen Übergang von der vormaligen Ost-West-Differenz hin zum Konflikt zwischen islami(sti)schen und westlichen (modernen) Kulturen mit.

Die Gestaltung kann z. B. darin bestehen, dass sie diese Konflikte persönlich und leibhaftig auszutragen scheinen: im FBI, dem CIA, der US-Army und mit besonderem Nachdruck auch in der Infanterie, „to face the enemy on his turf' (Bamett 2007, S. 2).

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Indem die lebendige Nähe der Altersgenossen gesucht und sich erinnert wird, wo bzw. wie man von dem Attentat erfahren hat, wird der körperliche Bezug zum Ereignis hergestellt. Wie gezeigt, kann damit das „Gefühl konkreter Mitgelebtheit" (Bude 2003, S. 148) gestärkt werden. Diese leibliche Betroffenheit wird potenziert durch das Gefühl körperlicher Bedrohung. So führten die Anschläge bei der betreffenden Altersgruppe dazu, dass sie sich persönlich unsicher fühlen. 9/11 erlebten sie als etwas, das ihr Leben in einer nie vorher selbst oder durch Erzählung (von Älteren) erlebten Weise bedrohte (Kantrowitz 2001, S. 3; Wild u. a. 2006a, S. 9-10). Entsprechend hoch wird die Bedeutung, welche die Tötung Osama bin Ladens im Kampf gegen den Terror einnimmt, für die Generation 9/11 eingeschätzt: Für sie stelle der Drahtzieher der Anschläge ein „Gespenst" dar, vor dem sie Angst gehabt hätten, seit sie denken könnten (Thurston 2011, S. l). Die Terroranschläge auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington am 11. September 2001 waren von Beginn an ein transnationales Ereignis. Dies betrifft nicht nur die internationalen Trauer- und Solidaritätsbekundungen, sondern auch die unverzüglich nach dem 11. September eingesetzten militärischen Reaktionen Operation Enduring Freedom (OEF) und der International Security Assistance Force (ISAF) zur Bekämpfung der Taliban in Afghanistan. Deutschland beteiligte sich bereits zu einem frühen Zeitpunkt hieran und die deutsche Bevölkerung befürwortete - anders als beim Kosovo 1998 - mehrheitlich diesen Auslandseinsatz der Bundeswehr. Diese Zustimmung sank wie in anderen Ländern - zwar im späteren Kriegsverlauf. Das Besondere am Einsatz in Afghanistan ist jedoch der Bruch mit der bisher dominanten Haltung zu Kriegshandlungen und Soldaten, die auch in der medialen Öffentlichkeit 86(2011)3-4

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DANIELA SCHIEK / GARSTEN G. ULLRICH seit 9/11 zunehmend als Opfer (statt als „Mörder") thematisiert werden (z. B. Süddeutsche Zeitung 20.10.2008; Die Welt 23.6.2009). Gleichzeitig zur Kriegsbefürwortung und Solidarität mit den US-Amerikaner/innen wird allerdings festgestellt, dass das Ansehen der USA seit 9/11 (nicht nur) in Deutschland gesunken ist (PEW 2003, S. 1); es werden sogar (neue) Schübe von Antiamerikanismus beschrieben, die seit den Anschlägen eingesetzt haben (Markovits / Rensmann 2007, S. 175-180), allerdings wird dabei nicht nach Altersgruppen unterschieden.7 Dennoch dokumentiert sich hier ein durch den 11. September ausgelöster Verständigungs- und Orientierungsprozess: Seit dem 11. September hat die wissenschaftliche Thematisierung des Antiamerikanismus zugenommen (Knappertsbusch / Kelle 2010, S. 147). Ein Prozess der Neujustierung politischer Deutungsmuster durch 9/11 kann also vermutet werden, ohne dass bereits die Linien und vor allem die Altersgruppen, zwischen denen die Linien dieser Neujustierung eventuell zu ziehen sind, untersucht wurden. Denn die deutsche Öffentlichkeit ist in spezifischer Weise von den Folgen des 11. September betroffen: Neben der Beteiligung an den militärischen Operationen kam hier durch vereitelte und in europäischen Nachbarländern sowie auf deutsche Touristen in Synagogen verübte Terroranschläge eine Bedrohungssituation zustande. Zudem waren die Anschläge auf das World Trade Center von in Deutschland eingeschriebenen Studenten geplant worden und der Bundestag führte die Rasterfahndung (wieder) ein, die sich zunächst vor allem auf Studenten richtete, die an deutschen Universitäten und Fachhochschulen eingeschrieben waren. Dies führte zu Irritationen und Protesten, besonders an den Hochschulen und im studentischen Milieu, das damit unmittelbar von 9/11 betroffen war: Durch das versuchte Aufspüren von „Schläfern" gewann die globale Konfliktlinie und der Kampf gegen den Terror eine alltägliche Dimension in konkreten, relativ altershomogenen Zusammenhängen. 9/11 erlangte hier eine enorme alltagspraktische Reichweite. An einer Auseinandersetzung mit den Motivlagen, Symbolen, kulturellen und weltpolitischen Feindbildern im Kontext des Terrorismus, kam die entsprechende Altersgruppe deshalb nur schwer vorbei. Dass sie diese Auseinandersetzung austrägt, zeigt sich an den nach 9/11 und nach Beginn der jeweiligen Kriegseinsätze stattfindenden Demonstrationen und Tagungen über die neuen weltpolitischen Konfliktlinien und der Neuverhandlung politischer Positionen (zu den Demonstrationen nach dem 11. September vgl. Rucht 2003; Walgrave Zu den antiamerikanischen Einstellungen in der deutschen Bevölkerung lassen sich insgesamt nur schwer Aussagen treffen, weil zum Antiamerikanismus (nicht nur in Deutschland) kaum Forschung betrieben wird und hierbei Operationalisierungsdefizite bestehen (Knappertsbusch/ Kelle 2010, S. 147-148; Beyer/ Liebe 2010,8.215). 174

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ZUR FRAGE DER GESELLSCHAFTLICHEN VERARBEITUNG DER TERRORANSCHLÄGE u. a. 2010). Beispielsweise fanden direkt im Nachgang der Anschläge sowie bilanzierend 10 Jahre danach Konferenzen statt, die explizit als Versuch der (Neu-) Ordnung politischer Positionen und Konfliktlinien und als Vermittlung bestimmter Erzählweisen verstanden werden können (z. B. Jungle World Redaktion 2002; amnesty international 2011). Ähnliche Orientierungsversuche nach dem 11. September sind durch kulturwissenschaftliche Sammelbände dokumentiert, in denen die Folgen von 9/11 auf die eigene Theoriebildung und auf die in Deutschland tradierten Deutungsmuster untersucht werden (z. B. Lorenz 2004; Poppe u. a. 2009). Sind diese kulturwisscnschaftlichen Analysen selbst Ausdruck generationsspezifischer Auseinandersetzungen mit dem 11. September, zeigen ihre Befunde, dass auch Künstler/innen das Ereignis generationsspezifisch verarbeiten. Während ältere Generationen 9/11 in Kunst, Musik und Literatur mit ihren bisherigen Weltbildern synthetisieren, legen jüngere Künstler/innen die Anschläge als einen „Nullpunkt" (Hartwig 2002) und eine fundamentale Zäsur aus, setzen sich körperlich in Beziehung zu ihnen und zeigen sich mental von dem Ereignis „mitgenommen" (Payk-Heitmann 2004; Reinhard 2004; Reinhäckel 2009; Deupmann 2009). Entwicklungen im studentischen und künstlerischen Milieu können insoweit als Indiz für eine entstehende „Generation 9/11" gelten, wie sie als Generationsprotagonist/innen (im Unterschied zu -rezipient/innen, s. o.) angesehen werden können. Doch auch jenseits vom studentischen Milieu ist davon auszugehen, dass auch in Deutschland der 11. September (und nicht der „Mauerfall") für jüngere Personen das Ereignis ist, mit dem sie sich kollektiv biografisch und dabei konkret körperlich im Geschichtsverlauf verankern und entsprechende Gestaltungsansprüche formulieren - zumal es sich bei den Terroranschlägen vom 11. September um eine massive körperliche Bedrohung handelte. Das Gefühl der Bedrohung ist bei 9/11 sogar nochmals potenziert, da es sich um einen Angriff auf eine als besonders geschützt geltende „Weltmacht" handelte. Dass derartige Gewaltakte „sogar" die USA treffen können, machte 9/11 in besonderer Weise zu einer Gefahr der eigenen körperlichen Unversehrtheit. Seit 9/11 und spätestens seit den Anschlägen in Madrid 2004 und London 2005 ist das Leben an symbolträchtigen Arbeitsplätzen, Orten mit massenhaftem Publikum und in öffentlichen Transportmitteln potentiell bedroht und kann im Zweifel nicht geschützt werden. 9/11 und der globale Terrorismus dürften damit auch in Deutschland die leiblich-emotionale Wirkung auslösen, die zuletzt der Kalte Krieg und die Angst vor atomaren Kriegshandlungen hatten - zumal durch unterschiedliche Sicherheitsmaßnahmen und -kontrollen stets an die terroristische Bedrohung des eigenen Lebens erinnert wird und auch hier, in den Haltungen zur (inneren) Sicherheitspolitik, generationsspezifische Veränderungen zu erwarten sind. 86(2011)3-4

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DANIELA SCHIEK / GARSTEN G. ULLRICH Vor allem aber wird die Bedrohungslage gerade im Fall von 9/11 durch international vermittelte Bilder authentisch: Sie ist in ihrer Globalität so konkret, wie sie die Fotos und Videos vom Geschehen in den und um die Türme des World Trade Center am Morgen des 11. September massenmedial und vor allem „live" übermittelt haben.8 Sofern diese Bilder es sind, die als erste der betreffenden Altersgruppe die Nachricht eines neuen weltpolitischen Konflikts übermittelt haben, werden sie für ihre Sichtweisen und ihren emotionalen Haushalt in der generationellen Selbstverständigung substanziell sein.9 Sofern 9/11 neue internationale Konfliktlinien hervorbrachte (oder deren Existenz nur versinnbildlichte)10 und Bedrohungslagen in einer Globalität entstanden sind, wie sie zuletzt mit dem Kalten Krieg verbunden worden waren, ist davon auszugehen, dass auch in anderen Ländern jene Altersgruppen, denen der 11. September den ersten bewussten Eindruck von den weltpolitischen Konflikt- und Bedrohungslagen vermittelte, diese als „ihre" Konflikte begreifen und sie entsprechend austragen. Das gilt auch für andere westliche Gesellschaften; in anderer Form (und mit anderen „Vorzeichen") vermutlich aber ebenso für den islamischen Kulturkreis und andere Weltregionen. Wie erwähnt, stehen entsprechende empirische Untersuchungen jedoch noch aus. Daher kann auch kaum etwas Genaues zu den Unterschieden der gesellschaftlichen Verarbeitung von 9/11 zwischen den einzelnen Ländern gesagt werden - sieht man einmal von unterschiedlichen Reichweiten der Betroffenheiten (etwa zwischen USA, Spanien, Großbritannien und Deutschland) ab. Zu den internationalen Unterschieden bei der Verarbeitung der Anschläge finden sich nur vereinzelte Hinweise in der Forschung. So werden etwa in vergleichenden Studien zu den Friedensdemonstrationen zum Irak-Krieg Differenzen festgestellt, die vom politischen Kontext (etwa der jeweiligen Regierungshaltung) des Landes abhängig sind (vgl. die Beiträge in Walgrave / Rucht 2010). Insgesamt ist aber festzuhalten, dass die Erforschung der gesellschaftlichen Verarbeitung des 11. September kaum existent ist. Entsprechend schließen wir mit einem forscherischen Ausblick.

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Ein Künstler hatte eine Videokamera zufallig 24 Stunden lang so installiert, dass die Anschläge auf das WTC als ganzer Film dokumentiert sind. So konnte man von Anfang bis Ende an dem Ereignis „teilnehmen". Für die 68er-Generation wird Entsprechendes den Fotos vom erschossen am Boden liegenden Benno Ohnesorg zugeschrieben (Knoch 2005,5.313; Gries 2006, S. 13). Zu den Folgen des 11. September für die internationalen Beziehungen vgl. z. B. Stein / Meiser 2001; Rasmussen 2002; Risse 2003; Hippler 2004.

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ZUR FRAGE DER GESELLSCHAFTLICHEN VERARBEITUNG DER TERRORANSCHLÄGE 3. Ausblick: Wer sind die „9/1 ler"? Ob die Terroranschläge vom 11. September 2011 eine gesellschaftliche Zäsur darstellen, lässt sich am geeignetsten anhand der Frage untersuchen, ob 9/11 zu einem Generationswechsel geführt hat, bei dem sich Altersgruppen klar als miteinander verbundene Erfahrungseinheiten und gegensätzlich zu vorhergehenden Generationen verstehen. Die Entwicklung derart „gefühlter" Generationen erfordert Zeit. Sie muss sich in altershomogenen Zusammenkünften wie der Schule oder der Universität zu einer Erfahrungs-, wenn nicht „Schicksalsgemeinschaft" zusammenfinden und sich in intergenerationellen Auseinandersetzungen abgrenzen. Erst dies macht eine Alterskohorte zu einer Generation in Form einer Erfahrungsgemeinschaft. Und erst dadurch wird ein Ereignis historisch bedeutsam: nämlich wenn es zum Ankerpunkt kollektiver (hier: generationeller) Identität wird und damit eine strukturbildende Kraft erhält. In den USA kann eine entsprechende Generationseinheit bereits festgestellt werden. Hier begreift die Altersgruppe der 30- bis 40-Jährigen die durch 9/11 gezeichnete weltpolitische Lage als „ihre" historische Situation und reagiert mit einer massiven (aktiven) Unterstützung von Militär und Sicherheitsdiensten. Insgesamt gibt es gute Gründe für die Annahme, dass es auch in Deutschland generationsspezifische Verarbeitungsweisen von 9/11 und dem Kampf gegen den Terror gibt. Hierfür sprechen insbesondere die Reaktionen im studentischen Milieu und die kulturelle Verarbeitung bei Künstler/innen der relevanten Alterskohorte. Der Nachweis einer „Generation 9/11" in Deutschland erfordert jedoch eine systematische Rekonstruktion der interaktiven (Wieder-) Herstellung sozialer Deutungsmuster nach dem 11. September. Dies verlangt empirische Untersuchungen, die die Strukturierung der Deutungs- und Handlungsmuster durch den 11. September analysieren. Nur auf diese Weise ließe sich eine „Generation 9/11" (auch) in Deutschland nachweisen, die sich durch eine Neuordnung in politischen, ethnischen, ethisch-religiösen und (anderen) Identitätsfragen kennzeichnet und anhand derer der theoretische Kenntnisstand zu den sozialisatorischcn Effekten historischer Ereignisse erweitert werden kann. Eine solche Untersuchung hat sowohl den generationellen Diskurs als auch die individuelle biografische Bewertung historischer Erlebnisse zu rekonstruieren. Zunächst wäre aber zu überlegen, welche Altersgruppe für eine solche Untersuchung und damit als mögliche „9/1 ler" überhaupt in Frage kommt. Wenn die Ver- und Erarbeitung eines Übergangs interessiert, empfiehlt es sich, Altersgruppen zu betrachten, die aufgrund ihrer biografischen Phase zu einer diskursiven Auseinandersetzung und Gestaltung bereits in der Lage 86(2011)3-4

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und vielleicht sogar besonders dazu aufgefordert sind. Dies ist nicht so sehr der Fall, wenn die nach einem Ereignis aufwachsenden Jugendlichen als entsprechend geprägte Generation bestimmt werden (so etwa die „89er" bei Leggewie 1995, S. 27). In diesem Fall werden die Träger kultureller Änderungen nicht bei ihren Protagonisten, sondern bei den nachfolgenden Rezipienten ausgemacht. Die Wirkung einer Generation geht selbstverständlich über die ihr zugehörigen Geburtsjahrgänge hinaus, wobei sie gerade bei den angrenzenden Altersgruppen besonders stark ist. Mannheim nennt dies „rückwirkende[r] Ausgleich", bei dem sich „die einander näherstehenden ,Zwischengenerationen' in erster Reihe beeinflussen" und durch den der Generationswechsel reibungsloser erfolgt (Mannheim 1928, S. 184). Überdies werden, wie auch bei anderen Deutungsmustern, „bestimmte Generationsimpulse" von Mitgliedern früherer oder späterer Jahrgänge aufgenommen (Mannheim 1928, S. 315). Wenn man so will, sind dies also nur „Wellen" einer Generation, nicht die Generation selbst. Die Bestimmung einer Generation, die nach dem Ereignis aufgewachsen ist, das sie prägen soll, hat also den Nachteil einer Unscharfe: Soweit die Veränderungen durch ein Ereignis reichen und nachfolgende Geburtsjahrgänge entsprechend prägen, reicht dann auch die Generation. Die hier skizzierte Fragestellung zielt hingegen auf die Konstitution eines Übergangs und es ist eine notwendige, wenn eben auch nicht hinreichende Bedingung für die Entstehung einer durch ein Ereignis historisch und politisch geprägten neuen Generation, dass sie zum Zeitpunkt des Ereignisses lebt und in einer altershomogen sozialisationssensiblen Phase ist. Die reine demografische Verortung einer potentiellen Generation reicht andererseits jedoch nicht hin. So werden häufig die während eines Ereignisses historisch anwesenden jüngeren Altersgruppen bereits als historische Generationbezeichnet (Heinrich 1996, S. 69). Wie gezeigt, ist die einfache Lagerung einer Altersgruppe im historisch-sozialen Raum zwar eine notwendige, aber eben keine hinreichende Bedingung für eine Generationsbildung im Sinne eines gemeinsamen verbindenden Erfahrungsraums. Erst in intra- und intergenerationellen Auseinandersetzungen und biografisch-vergleichenden Bilanzierungen grenzen sich Altershomogenitäten als spezifische Erfahrungsgemeinschaften ab. Eine Generation braucht damit sowohl eine gemeinsame Vergangenheit als auch „Arbeitszeit", um sich herzustellen (Gries 2006, S. 10). Vor diesem Hintergrund kommen für die Untersuchung der Frage, ob es eine „Generation 9/11" gibt, am ehesten die Angehörigen der Altersgruppe der 1971 bis 1981 Geborenen in Betracht. Bei ihnen hat 9/11 einen „ersten Eindruck" von der Welt hinterlassen, sie waren aber gleichzeitig erstens beim Attentat alt genug, um sich über diesen Eindruck fundiert (in Abgren-

zung zu anderen Eindrücken) verständigen zu können. Eine „echte" Dominanz von 9/11 in den ersten Eindrücken kann am ehesten gezeigt werden, wenn es bereits mehrere historische Erlebnisse zu „schichten" gibt - wenn also bereits eine gewisse Zeit (miteinander) ge- bzw. erlebt wurde und Erfahrungen entsprechend strukturiert wurden. Zweitens sind die Angehörigen dieser Altersgruppe heute, zehn Jahre nach den Anschlägen, alt genug, um Bewertungen über die biografische Prägung durch 9/11 vornehmen und dieses Ereignis also tatsächlich einordnen zu können. Denn entsprechende Bilanzierungen werden in der Regel um die Lebensmitte herum vorgenommen (Kohli 1977,5.635). Vor allem auch durch die erwähnte besondere alltagspraktische Betroffenheit des studentischen Milieus, deren Mitglieder zum Zeitpunkt der Anschläge nicht sehr viel jünger sein konnten als 20 Jahre, ist davon auszugehen, dass hier „Generationsimpulse" ausgebildet wurden. So zeigt sich bspw. eine in Deutschland im internationalen Vergleich überdurchschnittlich hohe Beteiligung von Student/innen und Universitätsabsolvent/innen an den Demonstrationen zum 11. September und seinen Folgen. Hierbei sind, mit großem Abstand zu jüngeren Geburtsjahrgängen, im Wesentlichen die Altersgruppen von 25-44 Jahren beteiligt (Walgrave u. a. 2010, S. 82-93). Eine Untersuchung dieser Geburtsjahrgänge erscheint deshalb sinnvoll und erkenntnisversprechend für die Frage, ob 9/11 zur Herausbildung einer politischen Generation geführt hat.

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AKTUELL IM BWV Mario A. Cattaneo

Strafrechtstotalitarismus Terrorismus und Willkür Das Werk thematisiert totalitäre Strukturen des Strafrechts in diktatorischen Systemen des 20. Jahrhunderts (Sowjetkommunismus, Nationalsozialismus, italienischer Faschismus) und analysiert totalitäre Tendenzen sowie Versuchungen in Strafrechtssystemen moderner Rechtsstaaten. 302 S., geb., 46-€, 978-3-8305-0438-2

BWV • BERLINER WISSENSCHAFTS-VERLAG Markgrafenstraße 12-14 • 10969 Berlin • Tel. 030 / 841770-0 • Fax 030 / 841770-21 E-Mail: [email protected]