Die Gladiatoren - Die Onleihe

Die Gladiatoren - Die Onleihe

Inhalt I. Einleitung: Die historische Einzigartigkeit der Gladiatur II. Der Kontext: Öffentliche Schauspiele im antiken Rom 1. Theateraufführungen, ...

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Inhalt

I. Einleitung: Die historische Einzigartigkeit der Gladiatur II. Der Kontext: Öffentliche Schauspiele im antiken Rom 1. Theateraufführungen, Wagenrennen, griechischer Sport, Seeschlachten 2. Bestattungssitten und Politik: Anfänge und Entwicklung der Gladiatur 3. Der Ablauf eines munus III. Der Kampf 1. Standardisierte Waffen und Paarungen: Die armaturae 2. Der Ablauf des Kampfes 3. Sonderformen: Kämpfe «ohne Begnadigung» und Kämpfe «mit spitzen Waffen» IV. Die Gladiatoren: Ihre Stellung in der Gesellschaft 1. Wie wird man Gladiator? Kriegsgefangene, Verbrecher, Sklaven, Freiwillige 2. Das ambivalente Urteil der Gesellschaft: Helden der Arena und verachtete Außenseiter V. Das Leben als Gladiator 1. Alltag in der Gladiatorenkaserne 2. Lebenserwartung und Karrieren 3. Leitbilder und Selbstdarstellung der Gladiatoren 4. Frauen in der Arena: Die Gladiatorinnen

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VI. Der architektonische Rahmen der Gladiatorenkämpfe 1. Das Kolosseum 2. Weitere Amphitheater 3. Circus, Theater, Stadion VII. Organisation und Finanzierung 1. Die Ausrichter 2. Finanzierung 3. Gesetzliche Regelungen VIII. Die Bedeutung der Gladiatorenkämpfe für die römische Gesellschaft 1. Die Choreographie römischer Tapferkeit 2. Kaiser und Volk im Amphitheater 3. Gladiatorenkämpfe und die Romanisierung der Provinzen IX. Kritik und Niedergang 1. Kritik in der heidnischen Literatur 2. Christliche Kritik 3. Der Niedergang der Gladiatorenkämpfe Anhang Karte Zeittafel Glossar Kommentierte Literaturhinweise Im Text genannte Quellen Register Bildnachweis

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IV. Die Gladiatoren: Ihre Stellung in der Gesellschaft

1. Wie wird man Gladiator? Kriegsgefangene, Verbrecher, Sklaven, Freiwillige

Da Gladiatoren kein «Kanonenfutter» waren, sondern hochspezialisierte Kämpfer, mussten sie sorgfältig ausgewählt und trainiert werden. Domitian (81–96 n. Chr.) richtete zur Sicherung des Nachschubs für die munera in Rom vier staatliche Gladiatorenkasernen ein, die von kaiserlichen Magistraten verwaltet wurden. Die größte von ihnen, der so genannte ludus magnus, lag unmittelbar neben dem Kolosseum und war mit diesem durch einen Gang verbunden, so dass die Gladiatoren von ihrem Quartier direkt den Kampfplatz erreichen konnten. In einigen großen Provinzstädten unterhielten die Kaiserpriester, zu deren Pflichten die Austragung von munera gehörte, eigene Gladiatorentruppen, aber in der Regel wurde abseits der großen kaiserlichen Kasernen die Ausbildung von Gladiatoren privatwirtschaftlich organisiert. Cicero beglückwünschte seinen Freund Atticus zum offenbar sehr günstigen Kauf einer Truppe, die bereits bei zwei Kämpfen die investierte Summe wieder habe einspielen können. Während Atticus die Gladiatorentruppe wohl nur als vorübergehendes Spekulationsobjekt kaufte, gab es Unternehmer, die auf das Gladiatorenwesen spezialisiert waren, die so genannten lanistae. Diese mussten eine gewisse Summe investieren, um Gladiatoren zu erwerben, Trainer, Ärzte, Wachen und übriges Personal zu bezahlen und zu versorgen sowie die Gebäude instand zu halten. Einnahmen erzielten sie durch die Vermietung oder den Verkauf ihrer Gladiatoren an die Ausrichter von munera. Damit ließ sich gutes Geld verdienen, das gesellschaftliche Ansehen der lanistae allerdings war gering, sie galten als habgierig und skrupellos. Der Nachschub für die Arena rekrutierte sich aus vier Grup-

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pen: Kriegsgefangenen, Sklaven, verurteilten Verbrechern und Freiwilligen. Die frühesten Gladiatoren, die 264 v. Chr. bei der Bestattung des Brutus Pera kämpften, waren Kriegsgefangene, und während der republikanischen Zeit waren diese quantitativ eine wichtige Gruppe in der Arena. Denn da die Römer praktisch ständig Krieg führten und zumeist siegreich blieben, fielen zahlreiche Feinde in ihre Hände, für Nachschub war also gesorgt. Zunächst kämpften die Kriegsgefangenen in der typischen Bewaffnung ihrer Heimat, und manche der Gladiatorengattungen bezogen daraus ihren Namen, beispielsweise der «Gallier», der «Samnit» oder der «Thraker». Die Römer schauten dabei zu, wie die Unterworfenen gegeneinander kämpfen mussten, in ihren Augen wurde dadurch die römische Überlegenheit sichtbar und der militärische Sieg reproduziert. Aus der Sicht der Organisatoren hatten Kriegsgefangene den Vorteil, dass sie bereits im Kampf ausgebildet waren und weniger Zeit benötigten, ehe sie für die Arena einsatzbereit waren. In der Kaiserzeit allerdings wurden nur unregelmäßig Kriegsgefangene gemacht: So wurden zwar nach den großen Dakerfeldzügen Domitians und Trajans viele Tausend Unterworfene zu Gladiatoren ausgebildet – in Rom erhielt eine Gladiatorenkaserne sogar den Beinamen «die Dakische» –, aber in anderen Zeiten reichten die Kriegsgefangenen bei weitem nicht mehr aus, um den Bedarf zu decken. Deshalb waren die lanistae ständig auf der Suche nach kräftigen und beweglichen jungen Sklaven, die sie entweder auf Auktionen oder direkt bei deren Herren kaufen konnten. Der Verkauf in den Gladiatorendienst galt als schlimme Bestrafung für einen Sklaven: Der römische Biograph Sueton (geb. ca. 70 n. Chr.) berichtet, dass der Kaiser Vitellius (69 n. Chr.) seinen Lieblingsdiener aus einer Laune heraus an einen lanista verkaufte, ihn später aber wiederhaben wollte und heimlich aus der Gladiatorenkaserne entführen ließ. Unter Hadrian (117–138 n. Chr.) wurde die Verfügungsgewalt der Herren über die Sklaven eingeschränkt: Nunmehr war der Verkauf von Sklaven an einen lanista und von Sklavinnen an einen Zuhälter nur noch dann zulässig, wenn diese sich eines Vergehens schuldig gemacht hatten.

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Gladiatoren in der Gesellschaft

Inwieweit der Handlungsspielraum der Herren durch das Gesetz auch in der Praxis beschnitten wurde, ist allerdings eine andere Frage. Im ersten nachchristlichen Jahrhundert wurde in den Strafenkatalog des römischen Rechts die Verurteilung in die Gladiatorenkaserne (damnatio in ludum) aufgenommen. Nach diesem Urteil wurden die Delinquenten entweder in die kaiserlichen Gladiatorenkasernen eingewiesen oder an einen lanista verkauft. Diese Strafe wird häufig mit der «Verurteilung zum Schwert» (damnatio ad gladium) verwechselt, doch dabei handelt es sich um zwei strikt voneinander zu unterscheidende Strafen, wie der römische Jurist Ulpian (ca. 170–223 n. Chr.) erläutert: Die Verurteilung «zum Schwert» war eine Form der Todesstrafe, die innerhalb eines Jahres vollstreckt werden musste, häufig in der Arena. Die «zur Gladiatorenkaserne» Verurteilten hingegen erhielten eine Ausbildung zum Gladiator, und trotz aller Lebensgefahr hatten sie die Chance, zu überleben und wieder in die Gesellschaft integriert zu werden. Denn nach Ulpian endete ihr Zwangsdienst als Gladiator nach drei Jahren; wenn sie diese Zeit überstanden hatten, erhielten sie einen Holzstab als Zeichen der ausgedienten Gladiatoren. Noch zwei weitere Jahre mussten sie bei ihrem lanista verbleiben, beispielsweise als Ausbilder der neuen Rekruten, dann erlangten sie ihre volle Freiheit wieder. In der Praxis wurde die Strafe manchmal noch abgemildert: Plinius der Jüngere (61/62–ca. 115 n. Chr.) berichtet in einem Brief an Trajan, dass in der Provinz Bithynien am Schwarzen Meer die Sitte eingekehrt sei, die in ludum Verurteilten nicht als Gladiatoren kämpfen zu lassen, sondern als Gemeindesklaven einzusetzen, zum Beispiel in der Putzkolonne. Dies allerdings ging dem Kaiser zu weit: Trajan verfügte, dass alle Verbrecher ihrer ursprünglichen Strafe zugeführt werden sollten, sofern die Verurteilung nicht länger als zehn Jahre zurücklag. Die bisher genannten Gladiatoren haben eines gemeinsam: Sie kämpften nicht freiwillig in der Arena, sie wurden dazu gezwungen. Es gab jedoch auch eine stattliche Anzahl von Männern, die den Gladiatorendienst aus freien Stücken wählten, indem sie einen Vertrag mit einem lanista abschlossen. Dieser

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zahlte ihnen eine Geldsumme, im Gegenzug verpflichteten sie sich dazu, eine festgelegte Zeit oder eine bestimmte Anzahl von Kämpfen in seiner Gladiatorentruppe abzuleisten. Unter Zeugen sprach der künftige Gladiator den Eid, «sich brandmarken, in Ketten legen und mit dem Eisen töten zu lassen», sich also derselben harten Behandlung in der Ausbildung und denselben Todesrisiken im Kampf auszusetzen wie die unfreien Gladiatoren. Wegen dieses Vertrags (auctoramentum) wurden die freiwilligen Gladiatoren auctorati genannt. Sie traten ihre persönlichen Freiheitsrechte zum Teil an den lanista ab, Rechtstexte vergleichen die Gewalt des lanista über den auctoratus mit derjenigen des Vaters über seine Kinder und des Mannes über seine Ehefrau. Prinzipiell war es möglich, dass ein auctoratus vor dem Vertragsende aus der Gladiatorenkaserne entlassen wurde, aber in diesem Fall waren hohe Entschädigungen zu zahlen; vereinzelte Texte berichten, dass Verwandte oder Freunde das Geld aufbrachten. Wie hoch der Anteil der auctorati an den Gladiatoren war, ist schwer zu beziffern. Manche Forscher gehen davon aus, dass in der Kaiserzeit mehr als die Hälfte freiwillig in der Arena kämpfte, und verweisen dazu auf die erhaltenen Grabsteine, aber hier ist Vorsicht geboten: Zwar lässt sich aus den Grabinschriften in vielen Fällen erschließen, dass die Verstorbenen freie Männer waren, doch diese Angaben beziehen sich auf den Zeitpunkt des Todes, nicht auf den Eintritt in den Gladiatorendienst. Es kann sich folglich durchaus um Männer handeln, die gegen ihren Willen als Kriegsgefangene, Sklaven oder verurteilte Verbrecher Gladiatoren wurden, aber im Verlauf der Karriere ihre Freiheit (wieder-)erlangten. Sicherere Anhaltspunkte liefern einige erhaltene Inventare von Gladiatorenkasernen, die neben Namen und Waffengattung der Gladiatoren auch deren personenrechtlichen Status nennen: Frühkaiserzeitliche Inschriften lassen in diesem Punkt eine deutliche Mehrheit der unfreien gegenüber den freien Gladiatoren erkennen: 19 zu 7 ist das Verhältnis in Pompei, 10 zu 2 in Thasos. Spätere Inschriften hingegen zeigen ein Gleichgewicht oder sogar ein leichtes Übergewicht der freien Gladiatoren, offensichtlich nahm ihr Anteil im Verlauf der Kaiserzeit zu.

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Gladiatoren in der Gesellschaft

Wie hoch auch immer ihr Anteil war, zunächst erscheint es überraschend, dass es überhaupt junge Männer gab, die diesen riskanten Weg einschlugen. Es ist allerdings anzunehmen, dass die meisten von ihnen aus den unteren gesellschaftlichen Schichten kamen, in denen die Lebensumstände hart, Hunger an der Tagesordnung und die Aufstiegsmöglichkeiten begrenzt waren. Der Eintritt in die Gladiatorenkaserne erschien jenen daher durchaus attraktiv, denn neben der Geldzahlung bot sie weitere Vorteile: regelmäßige Ernährung, medizinische Versorgung, ein soziales Netz in der Gemeinschaft der Gladiatoren. Und wenn die literarischen Quellen abschätzig von Geldgier als Motiv sprechen, dann ist dies die elitäre Perspektive, welche die Lebensumstände der armen Leute nicht berücksichtigt. Maßlos übertrieben ist schließlich die Klage des älteren Seneca (ca. 55 v. Chr.– ca. 40 n. Chr.), der römischen Armee fehlten die Rekruten, weil alle jungen Männer in den Gladiatorendienst strömten: Weder hatte die römische Armee in dieser Zeit Nachwuchsprobleme, noch drängte es massenhaft Menschen zum Kampf in die Arena. 2. Das ambivalente Urteil der Gesellschaft: Helden der Arena und verachtete Außenseiter

Es gab noch ein weiteres Motiv, den Gladiatorendienst zu wählen: Viele junge Männer werden davon geträumt haben, einmal so berühmt zu werden wie die großen Stars der Arena. Genau wie heutige Fans die Namen ihrer Lieblingsfußballer auf Bänke und Wände kritzeln, ritzten die Römer diejenigen der Gladiatoren in den Wandputz von Häusern und öffentlichen Gebäuden: Keine andere Personengruppe kommt auf diesen Graffiti häufiger vor, was ein eindeutiges Indiz für die Bekanntheit der Gladiatoren ist. Bereits im Vorfeld von munera wurden Vermutungen über das Teilnehmerfeld angestellt, und jeder hoffte, dass sein persönlicher Favorit antreten würde. Entsprechend bemühten sich die Ausrichter darum, möglichst viele bekannte Stars für ihre Spiele zu gewinnen, und sie waren bereit, dafür hohe Summen zu zahlen: Kaiser Tiberius (14–37 n. Chr.) soll einigen berühmten Gladiatoren, die sich bereits aus der Arena zurückgezo-