Die Seele meiner Schwester - Die Onleihe

Die Seele meiner Schwester - Die Onleihe

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»Es ist halb drei, Maddy«, sagte ich, während ich mir die Schuhe anzog. »Kannst du dich nicht von Jenna oder Alex bringen lassen?« »Nein, Alex kann nicht und Jenna will nicht.« Ich zuckte die Achseln, obwohl Maddy mich gar nicht sehen konnte. Ich kapierte nicht, warum Maddy sich mit Jenna abgab, warum sie ihre beste Freundin war. »Komm schon, Ella. Wenn Mom und Dad merken, dass ich nicht da bin, krieg ich richtig Ärger.« Ich schnaubte. Ärger? Meine Zwillingsschwester bekam nie richtigen Ärger. Sie schaffte es irgendwie immer, sich rauszureden, wusste genau, was sie

wem gegenüber sagen musste, um sich aus der Affäre zu ziehen. Sie würde extra lieb zu unserer Mutter sein, für Dad einen Schmollmund machen, und was Alex anging … tja, was ich so mitbekam, hatte sie für ihn noch ganz andere Sachen auf Lager, um ihren Willen zu bekommen. Ich konnte meine Freunde an einem Finger abzählen, sie dagegen konnte die ganze Cafeteria zum Lachen bringen. Ich stand immer um sechs Uhr morgens auf, damit ich rechtzeitig zur Schule kam, sie kam regelmäßig fünf Minuten nach dem ersten Klingeln, erzählte irgendwas von einer Reifenpanne und schaffte es immer, nicht nachsitzen zu müssen. Ich fiel abends um zwölf todmüde vom

Lernen ins Bett, wenn sie sich aus dem Haus schlich, um mit ihrem Freund auf irgendeine Party zu gehen. »Dir fällt bestimmt was ein, was du ihnen erzählen kannst.« Und sie würden es ihr abkaufen. Egal wem sie ihre Lügen auftischte, die Leute kauften sie ihr ab. Maddy schaffte es außerdem immer, zu den besseren Schülern zu gehören, aber das war hauptsächlich mein Verdienst. Ich lernte tagelang für meine Tests, dann gab ich klein bei, wenn sie mich anbettelte, mich als sie auszugeben und einen Test für sie zu schreiben, den sie total vergessen hatte. Ich beklagte mich nie, denn sie war in keinen besonders anspruchsvollen Kursen und ich musste mich nicht groß anstrengen.

Inzwischen war ich so gut darin, Maddy zu spielen, dass noch nicht mal ihre Freunde etwas merkten. Ich behielt meine Haare so lang wie sie und hörte auf, mir pinke Strähnen zu färben, damit ich ihr ähnlicher sah. Ich bekam auch ihre Stimme hin, wusste genau, wie ich sie heben und senken musste, um ihren sarkastischen Ton zu treffen. Letzte Woche hatte sie mir fünfzig Dollar gegeben, damit ich eine mündliche Prüfung in Spanisch für sie ablegte, die sie mal wieder »total vergessen« hatte. Ich bekam 82 von 100 Punkten, ein glattes B. Ein A hätte alle nur stutzig gemacht. Maddy ging stattdessen für mich in meinen PhysikKurs, damit ich keinen Ärger bekam,

weil ich schwänzte. Leider gab es einen unangekündigten Test, Maddy schrieb ihn mit und ich bekam mit 47 Punkten ein F. Jetzt konnte ich für den Rest des Schuljahrs Extra-Aufgaben machen, um letztendlich noch auf ein B zu kommen. Aber ich habe es ihr heimgezahlt. Immer noch in meiner Rolle als Maddy bin ich zu Jenna gegangen und habe behauptet, dass ich mich nicht besonders fühlte und an dem Abend zu Hause bleiben würde. Dann rief ich Mom an und erzählte ihr das Gleiche. Maddy war stinksauer. Sie musste an einem Freitagabend zu Hause im Bett liegen und sich von Mom betüddeln lassen, während ich mir ins Fäustchen lachte. Und was Jenna anging … ich hatte sie