Die StarS Die teamS Die StaDien - Weltbild

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2016 Euro in Frankreich Die Stars Die Teams Die Stadien 20151119-EuroVorschau-D_FINAL.indd 1 19.11.15 19:03 inhalt / iMpressuM Glanzen die Sterne...

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2016 Euro in Frankreich

Die Stars Die Teams Die Stadien

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inhalt / iMpressuM Glanzen die Sterne deS WeltmeiSterS auch bei der euro?

Es jährt sich. 1996 holte die DFB-Auswahl den letzten EM-

Der Weltmeister im Fokus: Mario Götze,

Titel, genau vor zwanzig Jahren.

Thomas Müller und Toni Kroos starten in Frankreich als Titelfavorit. In der Qualifikation aber zeigte der Weltmeister diverse Schwachpunkte.

Jogi Löw startet in Frankreich in sein drittes EM-Turnier und will Deutschland endlich wieder zum Europameister machen.

daS Sind die 24 teilnehmer der euro 2016

Erstmals wird eine EM-Endrunde mit 24 Mannschaften ausgetragen. Darunter sind bis auf die Niederlande alle Favoriten und zahlreiche Neulinge. Lesen Sie, wer dabei ist, wer welche Stärken hat, alles über

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die Stars und Trainer.

Feiertag in CarDiFF: Wales feiert die überraschende EM-Teilnahme, hat sich erstmals für eine Endrunde qualifiziert. Es ist nicht der einzige Neuling …

Stadte und Stadien in FranKreich Die Franzosen gelten als die Erfinder der Europameisterschaft. So richtete Frankreich auch die erste Endrunde 1960 aus, war 1984 ebenfalls Gastgeber. Zwei-

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St-deniS PariS

mal konnten die Franzosen den Titel gewinnen: 1984 mit Michel Platini und 2000 mit Zinédine Zidane. Es begann als »Europapokal der Nationen«. 1960 reichten der Sowjetunion ganze vier Spiele zum Europameistertitel. An der Endrunde nahmen nur vier Mannschaften teil. Das änderte sich erst 1980. Für Italien qualifizierten sich acht Mannschaften. Dort wurde auch letztmals das Spiel um Platz drei ausgetragen. Nach dem Mauerfall wuchs die Anzahl der UEFA-Mitgliedsverbände. Deshalb erhielten ab der Euro 1996 je 16 Mannschaften die Starterlaubnis für die Endrunde. Nun nehmen erstmals 24 Mannschaften am Endturnier teil. Auch die Regeln wurden immer wieder angepasst. Seit 1976 gibt es ein Elfmeterschießen (zuvor wurde per Los entschieden). 1996 und 2000 sorgte das »Golden Goal« für die Entscheidung, 2004 gab es das »Silver Goal« und seither wieder Verlängerung und Elfmeterschießen, um bei

ausgeglichenem Spiel einen Sieger zu ermitteln. Der Europameister muss heute insgesamt 18 Spiele bestreiten, um den Titel zu holen. Das wird beim nächsten Turnier schon wieder anders. Denn nach der WM 2018 in Russland wird eine »Nations League« mit vier Gruppen und je vier Untergruppen eingeführt. Die vier Divisionssieger spielen 2019 in einem »Final-FourTurnier« um den Titel des NationsLeague-Champions. Durch die Platzierungen in der Nations League werden auch 20 Teilnehmer für die Euro 2020 ermittelt. Die restlichen vier werden in Play-offs ausgespielt, die erst im März 2020 stattfinden. Zum 60-jährigen Jubiläum wird die Endrunde 2020 einmalig in ganz Europa stattfinden. In 13 Städten wird gespielt, darunter auch in München.

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Euro 2012: Der Italiener Mario Balotelli riss sich nach seinem zweiten Tor gegen Deutschland das Trikot vom Leib, ballte die Fäuste und zeigte seine Siegerpose. Ein Foto, das um die Welt ging.

Dreimal, 1972, 1980 und 1996, wurde Deutschland Europameister. Die Schlagzeilen bei den elf weiteren Turnieren gehörten anderen. Mario Balotelli genauso wie dem heutigen UEFA-Präsidenten Michel Platini oder der russischen Torwartlegende Lew Jaschin.

die euro in daten und zahlen

Der Weg war lang. Fast zwei Jahre kämpften 54 Nationen in ganz Europa um die 23 Startplätze für die Euro 2016. Nur Gastgeber Frankreich konnte zuschauen. Alle Spiele, alle Rekorde und die große Das tor naCh FrankreiCh:

EM-Statistik finden Sie in diesem Kapitel.

Mario Götze brachte die DFB-Auswahl mit seinen zwei Toren gegen den stärksten Gruppengegner Polen zur Euro. Hier bejubelt er das 3:1.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.de abrufbar. Copyright @ 2016 by riva Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH Nymphenburger Straße 64, D-80636 München Tel.: 089 651285-0, Fax: 089 652096, [email protected] Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden. Herausgeber: Ulrich Kühne-Hellmessen Produktion/Realisation: Spobucom, München Weitere Autoren: Tobias Erlemann, Klaus Feuerherm, Christian Ortlepp, Alexander Strecha Schlussredaktion: Redaktionsbüro Eva Bachmann, München Fotos: Getty Images, London Grafische Gestaltung: Véronique de Céa, Berlin Druck: Firmengruppe APPL, aprinta Druck, Wemding / Printed in Germany ISBN Deutschland: 978-3-86883-724-7 Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter www.riva-verlag.de. Beachten Sie auch unsere weiteren Verlage unter www.muenchner-verlagsguppe.de

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eDitorial

»Der teaMgeist WirD entscheiDen«

Wir konnten damals nicht so gut Fußball spielen wie die heutige Mannschaft. Aber wir haben gewonnen. 1996 in England wurden wir Europameister. Unglaublich, dass dieser Erfolg nun schon zwanzig Jahre zurückliegt. Vier Turniere liegen dazwischen. In Frankreich startet die deutsche Mannschaft nun den fünften Versuch, unseren Erfolg zu wiederholen. Die meisten Spieler haben einen Vorteil: Sie wissen, wie das geht; sie haben bei der WM in Brasilien erlebt, was es braucht, um Titel zu gewinnen. Ich will anhand von Kleinigkeiten aufzählen, was auch in Frankreich entscheiden wird. Schön spielen allein wird nicht ausreichen. Alle 24 Mannschaften haben gute, hervorragende, herausragende Spielerpersönlichkeiten in ihren Reihen. Schauen wir zurück auf 1996. Natürlich sind wir mit dem festen Glauben auf die Insel gefahren, Europameister werden zu können. Ein Schlüsselerlebnis war das letzte Trainingsspiel vor dem Auftaktmatch gegen Tschechien. Da verlor die A-Elf gegen das B-Team 0:4. Da wusste jeder von uns Stammspielern, was die Stunde geschlagen hatte. Der Druck, den das B-Team auf uns machte, war enorm – und Bundestrainer Berti Vogts ließ deutlich erkennen, dass keiner aus der A-Elf nachlässig sein durfte, wenn er nicht aus dem Team fliegen wollte. Ein zweites Schlüsselerlebnis war das letzte Gruppenspiel gegen Italien. Wir brauchten einen Punkt fürs Weiterkommen. Andy Köpke hielt einen Elfmeter, Thomas Strunz flog vom Platz. Diese Momente sorgten dafür, dass wir ein verschworener Haufen wurden. Wir wollten nicht nach Hause, wir wollten weiterkommen. Wie selbstverständlich rückte Fredi Bobic auf die Position des rechten Verteidigers, jeder half jedem. Das war Teamgeist pur und der Schlüssel bis ins Finale. Denn es gab nur noch enge Spiele, das 2:1 gegen Kroatien, das Elfmeterschießen gegen England, das »Golden Goal« von Bierhoff im Finale gegen Tschechien. Mit diesen Beispielen will ich erzählen, wie eng solche Spiele sind, wie entscheidend der unbedingte Siegeswille ist und der Teamgeist, den die Mannschaft im Turnierverlauf entwickeln muss. Schön spielen allein reicht nicht. Der Wille und die Solidarität in der Mannschaft entscheiden, ob du gewinnst oder nicht. Dieser Teamgeist muss sich entwickeln. Zum einen mit Beginn des Trainingslagers, vor allem aber im Turnierverlauf. Auch wir Europameister von 1996 sind nicht alle Freunde geworden, aber wir waren für vier, sechs, acht Wochen eine Solidargemeinschaft, die immer enger zusammenrückte, je schwieriger es wurde. Wir hatten viele Verletzungen, immer wieder Ausfälle und haben all diesen Widrigkeiten mit unbändigem Einsatzwillen getrotzt. Nein, schön spielen reicht nicht für Titelgewinne. Es gibt auch dreckige Siege. Jogi Löw sollte seine Spieler an die WM-Partie gegen Algerien erinnern. Denn es gibt auch dreckige Siege. Und die braucht es, um am Ende ganz oben zu stehen. thomaS hElmEr SPORT1-MODERATOR UND EUROPAMEISTER 1996

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Es jährt sich. 1996 holte die DFB-Auswahl den letzten EMTitel, genau vor zwanzig Jahren. Jogi Löw startet in Frankreich in sein drittes EM-Turnier und will Deutschland endlich wieder zum Europameister machen.

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Glanzen die Sterne des Weltmeisters auch bei der Euro?

Der Weltmeister im Fokus: Mario Götze,

Thomas Müller und Toni Kroos starten in Frankreich als Titelfavorit. In der Qualifikation aber zeigte der Weltmeister diverse Schwachpunkte.

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Neue Gesichter und viele Fragezeichen

Das Tor zum WM-Titel: Im Finale von Rio

erzielte Mario Götze den Siegtreffer in der Verlängerung und machte sich unsterblich.

Von Ulrich Kühne-Hellmessen Der 13. Juli 2014. Es war der Tag, als Deutschland der vierte Stern verliehen wurde: Weltmeister! Als erstes europäisches Team hatte die DFB-Auswahl in Südamerika triumphiert. Die Art und Weise, wie die Elf von Jogi Löw in Rio de Janeiro den Titel holte, war beeindruckend. Besser als je zuvor. 1954 hatte es in der Vorrunde eine 3:6-Niederlage gegen Ungarn gehagelt. Im Finale gegen Ungarn lagen sie 0:2 zurück und holten nach einem großen Kraftakt und zwei Toren von Helmut »Boss« Rahn den ersten WM-Titel.

1974 ist die Niederlage gegen die DDR in der Vorrunde unvergessen – ebenso die favorisierten Niederländer im Finale, die einen wunderschönen Fußball spielten, aber keinen Gerd Müller hatten. Der machte das 2:1 im Finale von München. 1990 startete die DFB-Auswahl zwar mit einem souveränen 4:1-Sieg gegen Jugoslawien, mühte sich aber im Halbfinale gegen England durchs Elfmeterschießen und hatte Mühe, die auf sieben Positionen geschwächten Argentinier im Finale durch das Elfmetertor von Andy Brehme zu bezwingen. 2014 war alles anders. Stark der Start mit dem 4:0 über Ronaldos Portugal und unvergessen der galaktische Sieg im

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Halbfinale gegen Brasilien, das mit 7:1 geradezu vorgeführt wurden. Niemals hatte es so eine sportliche Demütigung für einen Gastgeber gegeben. Für den 1:0-Finalsieg über Argentinien applaudierte die gesamte Fußballwelt dem verdienten Weltmeister. Schluss, aus, vorbei. Obwohl nach dem Triumph von Rio mit Kapitän Philipp Lahm, dem inzwischen schon 36-jährigen Miro Klose und dem Edelreservisten Per Mertesacker nur drei Spieler ihren Rücktritt erklärten, ist auch der Glanz der deutschen Nationalmannschaft längst Vergangenheit. Die Elf von Jogi Löw rumpelte durch die Qualifikation und sicherte erst im letzten Spiel durch einen mühsamen 2:1-Sieg gegen Georgien die Teilnahme an der Endrunde. Die Krise hat diverse Gründe. Zunächst der Fehlstart: Als die EM-Qualfikation im Herbst 2014 begann, war Deutschland noch im Feiermodus. Rund um die Spiele reihte sich ein PR-Termin an den anderen. Das 0:2 in Polen und das 1:1 gegen Irland waren nicht mehr als Betriebsunfälle, die nicht nur die Groupies ihren WM-Helden verziehen. Als es im Herbst 2015 ernst wurde, gaben die Löw-Schützlinge Gas: 3:1 gegen Polen, 3:2 in Schottland, beide Siege binnen drei Tagen im September 2015 gesichert. Aber das Finale wurde noch einmal zur Zitterpartie: 0:1 in Irland, 2:1 gegen Georgien. Da zeigte sich selbst der sonst so

souveräne DFB-Präsident Wolfgang Niersbach genervt: »Was nutzt die ganze Schönspielerei, wenn die Effizienz fehlt.« Nun hegen selbst die eingefleischtesten Fans des Weltmeisters Zweifel: Kann der Weltmeister wirklich auch Europameister werden? »So nicht«, war die banale Antwort von Jérôme Boateng nach der Zitterqualifikation. Und das hat durchaus sportliche Gründe: – Nach dem Rücktritt von Miro Klose fehlt ein Sturmführer. Mario Götze als »falsche Neun«, Thomas Müller als variabler Stoßstürmer, der nach seinem Wolfsburg-Wechsel in die Krise geschlitterte Weltmeister André Schürrle – sie alle sind nur Notlösungen, aber keine wirkliche Alternative. – Deutschland hat keine Außenbahnspieler, weder für die Abwehr noch für den Angriff. Da wiegt der Rücktritt von Philipp Lahm schwer. Schon während der WM war die linke Seite mit dem Innenverteidiger Benedikt Höwedes besetzt und nur eine Notlösung. Löw hat hier viel probiert: den Kölner Hector, die Dortmunder Schmelzer und Daun links, den Hoffenheimer Rudy, den Liverpooler Can, den Dortmunder Ginter auf rechts, ohne eine Lösung gefunden zu haben. – Dazu kamen diverse Verletzungen der Weltmeister. Sami Khedira, zunächst bei Real Madrid nur noch Bankdrücker,

Das tor nach Frankreich:

Max Kruse erlöste das DFBTeam mit seinem Treffer zum 2:1-Sieg gegen Georgien im letzten Qualifikationsspiel.

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ein strahlenDer bunDestrainer:

Joachim Löw geht nach 2008 und 2012 in sein drittes EM-Turnier. 2008 erreichte er das Finale …

startete auch bei Juventus Turin mit diversen Handicaps; der Schalker Kapitän Benedikt Höwedes fiel monatelang aus; Hummels und Schweinsteiger mussten immer wieder mit Verletzungen aussetzen. Da war es schwierig, eine verschworene Gemeinschaft auf den Platz zu schicken. Dafür hat Jogi Löw eine Generation von Spielern zur Verfügung, die zur Kategorie der Filigranfußballer gehören. Dazu zählen die Weltmeister Özil, Schweinsteiger, Kroos und Götze, dazu zählen aber auch zwei Dortmunder. Marco Reus, der nach einer Verletzung für die WM ausfiel, und I˙lkay Gündogan, � der wegen einer Rückenverletzung ein Jahr lang nicht Fußball spielen konnte, ebenfalls die WM verpasste, aber inzwischen wieder an seine Galaform anknüpfen kann. Nach dem Rücktritt von Lahm gab Löw die Kapitänsbinde an dessen Stellvertreter Bastian Schweinsteiger weiter. Der zu Manchester United gewechselte Ur-Bayer demonstrierte vor allem im WM-Finale gegen Argentinien seinen unbändigen Siegeswillen, als er sich in der Verlängerung in jeden Zweikampf warf und das Team antrieb, um die Entscheidung vor dem drohenden Elfmeterschießen zu erzwingen. Das machte Eindruck, bei den Fans und bei Löw. Aber Schweinsteiger, bei der Euro bereits 32 Jahre alt, ergriff die Flucht aus München, weil dort die Konkurrenz mit Alonso, Lahm, Vidal, Martínez und Thiago erdrückend schien und sein Körper den Tribut von über zehn Jahren Profifußball forderte. Immer häufiger plagten ihn Verletzungen, so dass er auch bei seinem Ziehvater Louis van Gaal in Manchester um seinen Stammplatz zittern musste. Ob er die Leistung vom Finale in Rio noch einmal wiederholen kann, scheint zweifelhaft. Und ein umstrittener Kapitän wird auch Löw nicht weiterhelfen, wenn es darum geht, nach der Saison ein Team zu formen. Zuerst im Tessin, dann in den französischen Alpen.

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Der Weltmeister-Trainer wird gefordert sein wie selten. Weltmeister war gestern. Wenn er auch Europas Titel holen will, wird er konsequent sein und auch unpopuläre Maßnahmen treffen müssen. Das Motto des DFB seit dem WM-Triumph heißt »Die Mannschaft«. Damit wird geworben, weil die WMElf als Team funktionierte und nicht wie bei Argentinien mit Messi, Brasilien mit Neymar oder Portugal mit Ronaldo das Spiel auf einen Superstar zugeschnitten wird. Deutschland muss als Mannschaft funktionieren, um das erreichen zu können, was bisher nur Spanien und Frankreich geschafft haben: nach dem WM-Triumph auch den EM-Titel zu holen. Es ist genau zwanzig Jahre her, dass Deutschland Europameister wurde. Mit Sammer, mit Klinsmann, mit Köpke, Helmer und Bierhoff. Seit vier Turnieren zählt Deutschland zu den Favoriten. 2012 erklärte sich die Mannschaft selbst zum Favoriten und scheiterte im Halbfinale an Italien. Das Qualifikations-Zittern hat sich auch in Europa herumgesprochen. Deshalb heißen die Favoriten nun Frankreich, Spanien, vielleicht England und immer wieder Italien. Findet Löw aber wieder ein Team, wird der Slogan »Die Mannschaft« auch Realität, so ist auch mit dem Weltmeister zu rechnen. Denn nie zuvor spielte eine deutsche Mannschaft so schönen Fußball wie zu Zeiten von Jogi Löw.

Der Autor volontierte beim Westfalen-Blatt in Bielefeld, war leitender Redakteur beim Kicker-Sportmagazin, Chefreporter bei Sport-Bild und Fußballchef bei BILD. Er begleitet die Nationalmannschaft seit mehr als dreißig Jahren und brachte über den WM-Sieg das Buch »Der Triumph von Rio« heraus.

Ein Neuling: Jogi Löw setzte

Ein neues Gesicht: ˙Ilkay Gündogan ̆ fehlte bei der WM verletzt, spielte sich wieder in das Weltmeister-Team.

in der Qualifikation auf den Kölner Jonas Hector als linken Außenverteidiger.

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Das DFB-Hotel: Traumquartier am Genfer See

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Jeder kennt Évian. Der kleine Ort am Genfer See ist weltbekannt geworden durch das Mineralwasser. Bereits 1789 wurde die Heilkraft des Wassers entdeckt, 1878 wurde es auf der Pariser Weltausstellung geadelt und ist seither weltweit bekannt. Der Name hat also Tradition. Die 8.500-Seelen-Gemeinde, mit vollem Namen Évian-les-Bains, liegt am Südufer des Genfer Sees. Hier wird die DFB-Elf während der Euro residieren. Das Hotel Ermitage, ein 1909 erbautes Vier-Sterne-Haus, liegt 125 Meter über dem See. Da ist Ruhe garantiert, zumal der DFB sämtliche 80 Zimmer inklusive der elf Konferenzräume angemietet hat. Es wird die Homebase für die Euro 2016. DFB-Teammanager Oliver Bierhoff: »Wir haben das ganze Land bereist und hatten bis zuletzt verschiedene Optionen. Hier haben wir exzellente Voraussetzungen, um in Ruhe arbeiten, trainieren und regenerieren zu können.« Auch wenn das Quartier am östlichsten Zipfel des Gastgeberlandes liegt, so verspricht es doch eine EM der kurzen Wege zu werden. Zum Trainingsplatz sind es gerade mal tausend Meter; bis ins Stadtzentrum 3 Kilometer; der Flughafen Genf liegt 45 Kilometer entfernt und über einen TGVAnschluss verfügt das Städtchen auch. Die Logistik gab also den Ausschlag für die Wahl. Hier sind Luxus und Funktionalität vereint. Für regenerative Trainingseinheiten steht das hoteleigene Spa »Quatre Terres« zur Verfügung. Der 19 Hektar große Park verspricht genug Auslauf, um einen Lagerkoller zu vermeiden. Anfang Juni wird der DFB-Tross hier einziehen, rund zehn Tage vor Turnierbeginn. Bereits am 16. Mai, nur zwei Tage nach Bundesliga-Schluss, geht es zu einem ersten Trainingslager ins Tessin. Vermutlich werden die Stars dann fehlen, weil Europa-League- (18.5.), DFB-Pokal- (21.5.) und ChampionsLeague-Finale (28.5.) erst später ausgetragen werden. Im Hotel Giardino am Lago Maggiore muss Jogi Löw entscheiden, wer zum Aufgebot zählen darf. Bis 31. Mai müssen die 23 Namen der UEFA gemeldet werden. Übrigens: Bereits für die Euro 2008 bereitete sich die DFB-Elf im Tessin vor, residierte ebenfalls im Hotel Giardino. Es war das erste Turnier für Jogi Löw, das erst mit der Final-Niederlage gegen Spanien beendet war. Ein gutes Omen? Panoramablick auf das Hotel Ermitage in Évian: Hier residiert

der DFB während der Euro, er hat alle 80 Zimmer inklusive elf Konferenzräumen angemietet.

Die Empfangshalle:

edles Ambiente mit Marmor und Teppichen. Einer von elf Konferenzräumen: Hier

wird Löw die Spieler einschwören.

Blick in die Zimmer und auf den See:

Hier beziehen Bastian Schweinsteiger und Kollegen Quartier.

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