Die Stilisten - Die Welt

Die Stilisten - Die Welt

Die Stilisten Hamburg April 2017 IN FARBE “...and OMEGA is the watch that went to the Moon.” GEORGE CLOONEY’S CHOICE #moonwatch 20(*$%RXWLTXHà1...

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Die Stilisten Hamburg April 2017

IN FARBE

“...and OMEGA is the watch that went to the Moon.”

GEORGE CLOONEY’S CHOICE #moonwatch 20(*$%RXWLTXHà1HXHU:DOOà+DPEXUJ

EDITORIAL

Kommt Zeit, geht die Eile

DIESE SEITE: THOMAS HENNING / JUNIUS VERLAG; MARTIN K. LENGEMANN; COVER: VANESSA MAAS; PRIVAT(2)

I

ch kann da gar nicht hinsehen! Vor lauter Sehnsucht bin ich gleich aufgesprungen. Zum Glück lässt sich mein Schreibtisch hochfahren, hier steh ich nun an der Tastatur und rede mir gut zu. Es ist ja zum Glück nicht unmöglich, nur eine Frage der Geduld, bis die Winterfüße wieder Kontakt mit Sand und Wasser aufnehmen können, sich eingraben, recken, erinnern. Jahr für Jahr wird der Nordmensch auf eine lange Probe gestellt, monatelang fragt man sich, warum sich die Natur, so wie wir sie lieben, konsequent versteckt und stattdessen grauer Wind einem regelmäßig was an die Ohren gibt. Wir waren doch nie zickig in den hellen Monaten, sondern haben sie immer genossen? Okay, manchmal haben wir gestöhnt, wenn es sehr warm wurde, Quallen kamen oder Mücken, schon wieder gewässert und Unkraut gezogen werden musste. Doch konnte man uns die Freude nicht stets ansehen? Aber wahrscheinlich ist die Sache ganz einfach: Wenn es immer Frühling und Sommer wäre, würden wir dann noch genießen? Würde dieses Foto von Thomas Henning, aufgenommen in Hörnum für seinen Bildband „Sylt“ (Junius Verlag) über die etwas anderen Seiten der Insel, dann noch so ein Kribbeln erzeugen? Die Vorfreude auf die kommenden Monate ist so groß! Meer, Sand, Strandkorb, sicherheitshalber einen Rettungsschwimmer – was braucht der Mensch mehr? Vielleicht nur noch einen guten Spruch: „Gott schuf die Zeit. Von Eile hat er nichts gesagt.“ COVER: Cape: Nobi Talai. Top und Rock: Bottega Veneta. Schmuck: Juwelier Willer. Tasche: Mansur Gavriel über Anita Hass

ODESSA LEGEMAH Stylistin und Moderedakteurin Odessa Legemah lebt in Berlin. Für das Stilisten-Modeshooting erklomm sie den Wilhelmsburger Energiebunker und ließ sich beim Styling von Farben und Schnitten der 60erJahre inspirieren. „Ich habe einige Jahre in Hamburg gelebt, aber die Location war mir nicht bekannt. Insbesondere der Blick von der Terrasse war toll.“ Kunst ist ihre andere große Leidenschaft. „Ich berate Galerien und Museen hinsichtlich Mode- und Modefotografie-Ausstellungen. Mir macht es Freude, zwischen beiden Disziplinen zu arbeiten.“ Ab Seite 22

SUSANNE OPALKA Rein zufällig, quasi auf der Durchreise, in Frankfurt am Main geboren, wechselt Susanne Opalka später die Wohnsitze wie andere ihre Leasingautos. Allerdings stets treu innerhalb der Grenzen der Hansestadt; 12 verschiedene Stadtteile, da lernt man die Eigenarten der Bezirke und ihrer Bewohner kennen. Ihr Faible für Menschen und deren Geschichten beschränkt sich dabei keineswegs auf ihre Heimatstadt – als freiberufliche Autorin trifft sie regelmäßig Parfümvirtuosen in Paris oder Barcelona, Anti-Aging-Wissenschaftler in New York oder Zürich – doch im regionalen Kosmos auf (Erfolgs-)Geschichten zu stoßen, beglückt die passionierte Hamburgerin noch ein wenig mehr. S. 40 IMPRESSUM DIE STILISTEN Chefredakteurin: Inga Griese Redaktion: Textchef Dr. Philip Cassier, Caroline Börger (Managing Editor), Heike Blümner, Jennifer Hinz, Alexandra Maschewski, Autorin: Esther Strerath Lektorat: Matthias Sommer Redaktionsassistenz: Ursula Vogt-Duyver, Rebecca Bülow Artdirektorin: Barbara Krämer Gestaltung: Maria Christina Agerkop, Katja Schroedter, Veronika Thele Fotoredaktion: Julia Sörgel, Elias Gröb, Emina Hodzic Bildbearbeitung: Felix Steinert, Liane Kühne-Kootz, Kerstin Schmidt Anzeigenleitung/Nationale Vermarktung: Florian Klages Objektleitung und regionale Vermarktung: Kirsten Meurers ([email protected]) Verlagsgeschäftsführung: Dr. Stephanie Caspar, Dr. Torsten Rossmann Verlag: WeltN24 GmbH Litho: Imagepool Druck: Roto Smeets B.V., Deventer, NL Herstellung: Olaf Hopf DIE STILISTEN ist ein Supplement von WELT und WELT AM SONNTAG, die nächste Ausgabe erscheint am 16. und 18. Juni 2017. Sie erreichen uns unter [email protected] Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter www.axelspringer.de/unabhaengigkeit

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VANESSA MAAS (2)

INHALT April 2017

Für das Modeshooting stieg Model Lea hinauf auf den Willhelmsburger Energiebunker. Kompletter Look: Louis Vuitton

08 KL ÖNS C HN AC K

WATCH OU T 20 W

38 K A NA DA IN HEILIGEN HAFEN

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WATCH OUT D ESIGN 39 W

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VOM ST R EI T Z U M STO R E Jüngst haben die Architektinnen Anna Nicolas und Jessica Klatten die WempeBoutique in München gestaltet. Ihre Herangehensweise darf man getrost individuell nennen, ihre Ergebnisse auch, weiß Esther Strerath M ANN, M AN N, M A N N Für viele Männer im Norden muss Bekleidung vor allem praktisch sein. Dagegen kämpfen Marc Anthony und Anton Meyer zunehmend erfolgreich mit Formal Wear wie Smokings an D ER I NSTITU T IO N S L E IT E R Das „Vier Jahreszeiten“ als Hotel zu bezeichnen ist zu wenig, das Haus definiert Hamburgs Identität. Ingo Peters sorgt dafür, dass es so bleibt. Wie, hat er Inga Griese erzählt

Ob Sonnenbrille, Schnaps oder Spielzeug – mit diesen Tipps aus unserer Redaktion finden Sie alles, um den Frühling so kommen zu lassen FA RBEN BU NKERN Wilhelmsburg ist nicht der erste Ort, der einem für ein Mode-Fotoshooting einfällt. Bis man unsere „urban colors“ im Energiebunker gesehen hat

30 MI R I ST S O MEDI TERRA N

Mailand oder Madrid, ganz egal – Hauptsache, Mittelmeer: Unsere Typologie der Hanseatinnen von Marcus Luft

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ROTHENBU RGS ORTS HELD Jeder kennt Philipp Hochmair als fiesen Politiker im Wien der „Vorstadtweiber“. Dabei lebt der Mann seit 20 Jahren in Hamburg. Volker Corsten hat mit ihm gesprochen

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WI R KACHELN NACH LI ST ... denn da gibt es Mylin, den Handel für alles, was man zum Wohnen braucht

Schauspieler Philipp Hochmair nimmt im BrahmsKontor auf dem Beistelltisch „Cesar“ von Minotti Platz. Der Look ist komplett Dior Homme

Der März war dieses Jahr ziemlich kalt. Das neue „Beach Motel“ nordöstlich von Hamburg war trotzdem voll. Man sollte also mal hin Skandinavische Möbel und ein Flaschenöffner namens „Biergrätsche“: Die Redaktion hat sich in der Region umgesehen und Lieblinge gekürt

40 F Ü R A LLE ORGAN E

Kaum etwas boomt so wie der Markt für Nahrungsergänzungsmittel. „Ogaenics“ aus Hamburg ist feinster natürlicher Stoff, fand Susanne Opalka heraus

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WOHLFÜHL-P ROD UKTE Vollkommen natürlich zu sich selbst finden? Mit diesen Tipps ist das kein leeres Versprechen

42 INS ELGES CHICHTE

Die Bahn mit einem PS: Warum Christian Roll auf Spiekeroog jeden Sommer den Pferdebahner mimt

NICOLAS SCHWAIGER(2)

Unsere Lifestyle-Weisen freuen sich, dass sie im Freien klönen können – und verraten ganz nebenbei ihre Lieblingsgesprächsthemen

90 Minuten von Hamburg direkt am Meer eines der schönsten Strandresorts Europas 1.500m² Spa, 4 Restaurants, 54 Suiten & Zimmer auf 75 ha Ruhe, Weite & Meer T +49 4382 9262 0

www.weissenhaus.de

KLÖNSCHNACK Es darf wieder im Freien geklönt werden. Unsere Stilisten freuen sich auf den Frühling

PowerFlower

ISABELLE MENIN

Von wegen zarte Wesen. Künstlerin Isabelle Menin stellt Blumen in ihrer kraftvollsten Form dar: In satten Farben und dem unbedingten Drang über sich hinauszuwachsen. Die Ausstellungsreihe „Forget Me Not“ lässt außerdem Blumen von Olaf Hajek und René Twigge sprechen. Lumas Galerie

TSCHIEP, TSCHIEP, TSCHIEP Ich bin verliebt! In eine Bank aus Bronze, an deren Beinen drei kleine Vögel miteinander fröhlich flirten. Hervé Salgado ist ein Ausnahme-Künstler aus Paris, der dort sehr zurückgezogen in seiner sehr eigenen Traumwelt lebt und bezaubernde Skulpturen fertigt. In Form von eben Bänken, Tischen, Lampen, Schalen, mit denen man seine eigene Traumwelt schaffen möchte. „Joie de Vivre“, eines seiner Lebensmottos, finde ich in all seinen bezaubernden Objekten wieder. Und sie werden nicht nur im Grand Palais in Paris ausgestellt, einmalig in Deutschland nun auch wieder in Hamburg bei meinem Nachbarn Olaf Thomas in der Milchstraße. Eine Sammlung aus 52 Arbeiten hat der Einrichter in vier Jahren zusammengetragen, neunzig Prozent davon sind Unikate, bei denen sich Flora und Fauna – neben den Vögeln auch Schildkröten, Stiere und Mäuse – treffen. Jedes Objekt ein poetischer Gruß an das Kind in mir.

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Für sonnige Gemüter: Tausche Friesennerz gegen gummierten Lederrock VON COS, N EUER WALL 19

Ode an die Freude Anke DegenhardDrinkhahn Art Consultant „Crossover“

Durch eine Mischung aus guter Idee, relativem Zufall, Glück und Engagement gelang es mir kürzlich, auf absolut legalem Weg an ein paar Tickets für die Elbphilharmonie für unterschiedliche Konzerte zu gelangen (nein, nicht über Pressestellen, sondern wie es jeder hätte machen und bezahlen können). Dann konnte ich doch nicht alle Veranstaltungen besuchen, was sich als neuerlicher Glücksfall herausstellen sollte: Durch preisgleiche Weitergabe wurde ich innerhalb weniger Tage zum viel gelobten Sohn, sympathischen Ex-Partner, vielversprechenden Schwiegersohn in spe und guten Kollegen. Auf die Konzertinhalte kam es dabei nicht so sehr an, vermutlich wäre auch ein usbekischer Kammbläser akzeptiert worden. Es war einfach der Zugang, die Kartenbesitzer-Freude an sich. Die Elbphilharmonie ist zu einer neuen Währung geworden, zu einem Bau der Freude, der die hohen Investitionskosten mit einer ganz eigenen Rendite zurückzahlt. Derjenige, der auf Ebay bei Kartenauktionen nur den schlichten Mammon sucht, wird davon nie etwas erfahren.

Jörn Lauterbach Redaktionsleiter von „WeltN24“ in Hamburg

Im Levantehaus - im Herzen der Stadt - bieten wir Ihnen I hnen Goldschmiedekunst für höchste Ansprüche an Qualität und Individualität. Individ Ob die Einzelanfertigung Ihrer individuellen Verlobungsringe, Verlobungsringe, Trauringe oder anderer Kleinode: Seit unserer Gründung 1969 erfüllen e wir Ihre Schmuckwünsche mit viel Gespür, intensiven Beratungsgesprächen Beratung sgesprächen und in bester Qualität. H.C. KAY. Goldschmiedemeister.

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GDT ENJ 2016, AUDUN RIKARDSEN

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Aufatmen Während einer wie gewohnt atmet, hält der andere vor Spannung die Luft an. An einem kalten Januar-Tag harrt der Biologie-Professor und Fotograf Audun Rikardsen in der Nähe von Tromsø aus. Ein Schwertwal taucht auf und lässt Luft ab. Der Norweger drückt ab. Das Foto bringt ihm den Titel als „GDT Europäischer Naturfotograf des Jahres 2016“ ein. Weitere Bilder des internationalen Wettbewerbs gibt es noch bis 5. Juni im Stadtmuseum Schleswig zu sehen.

Vierfach strahlt länger: Den Klassiker „My Quatre“ XL von Boucheron gibt‘s exklusiv bei Juwelier Cabochon A E Z, HEEGBARG 31

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Frühlingsbeginn heißt für einen Maßschneider, dass die Arbeit komplizierter wird: Je leichter die Stoffe, desto höher ist die Knitteranfälligkeit, desto genauer muss ich auf eine saubere Verarbeitung achten. Trotzdem gibt es herrliche Gewebe. Ganz oben rangiert bei mir Tropical: Die Wollfaser wird überdreht, sodass die Luftkammern aus dem Zwirn entweichen. Und weil sich in den Kammern die Körperwärme staut, sind Tropicals je angenehmer zu tragen, desto wärmer es wird. Das Gewebe sträubt sich etwas gegen die Verarbeitung, aber eben nicht zu sehr. Auf Platz zwei rangiert Leinen-Mohair-Gemisch; reines Leinen kann man nur im Hochsommer empfehlen - und das auch nur, wenn der Kunde auf Knitterlook steht. Durch die Beimischung des Gewebes aus dem Haar der Angoraziege besteht weniger Gefahr, sozusagen gekräuselt durch die Welt zu laufen. Auf Platz drei folgen Wolle/Seide-Gemische, wie sie italienische Webereien wie Zegna bereithalten. Im Gegensatz zu den anderen Stoffen rate ich hier zu Musterungen wie Glencheck, obwohl ich das viele Lila, das in den Probebündeln zu finden ist, eher so mittel finde. Aber das ist Geschmackssache.

PRIVAT

Knitterfreie Wochen

Sandro Dünforth Herrenmaßschneider in St. Georg

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KLÖNSCHNACK

Himmel und Meer: Der Duft des „Eau des Merveilles Bleue“ ist von nassen Kieseln inspiriert

Wir alle, die nördlich von Mailand leben, haben etwas, dass uns aktuell verbindet: Mangel an Vitamin D. Eigentlich ist es gar kein Vitamin, sondern ein Hormon, das unser Körper selbst produzieren kann, wenn er genügend Sonne auf die Haut bekommt. Allerdings könnten wir aktuell im Adamskostüm um die Alster joggen und hätten immer noch eine Unterversorgung. Denn die Intensität der UV-Strahlen reicht zurzeit nicht aus, um die nötige Menge des Hormons zu produzieren. Dabei sind fast alle Bereiche des Körpers von Vitamin D abhängig: die Knochen, die Muskulatur, das Immun- sowie das Herz-KreislaufSystem. Nicht umsonst war es 1928 das Dopingmittel der deutschen Olympia-Schwimmer. Auch die Nerven und das Gehirn werden signifikant positiv davon beeinflusst. Aber vor allem wirkt es sich auf unsere Haut und Haare aus, was kurz gesagt bedeutet, dass wir dank Vitamin D einfach besser aussehen. Und dabei kostet Dr. Philip eine Monatsdosis, die man nur einmal die Catala-Lehnen Woche einnehmen muss, umgerechnet weniÄrztlicher ger als ein Tall Frappuccino Decaf to go! Ich Direktor im LANS Medicum nehme meine Dosis übrigens immer sonntags zum „Tatort“. Hamburg

DAS GUTE D!

GETTY IMAGES/ANDREA KAMAL

VO N HE RM È S

FÜR TAFFE NORDLICHTER: Die „O“ Kollektion von Moncler in Kooperation mit dem Mailänder Streetwearlabel Off-White C/O Virgil Abloh ist von den Fischern der Nordsee und dem arktischen Meer inspiriert; moncler.com — HUNGER?: Nein, nicht alle Wege führen in die Kantine. Die App „LunchNow“ filtert Restaurants und Snack-Gelegenheiten in der Nähe nach den persönlichen Vorlieben. Und sie weiß auch, wo es mal einen Kaffee oder einen Salat gratis dazugibt – vorausgesetzt natürlich, man hat die App mit den LunchNowGoodies. — OP SEE: Pretty Ballerinas bringt gemeinsam mit Profisurferin Lucia Martino ein eigenes Surfboard raus (ja, es ist pink); über prettyballerinas.com — SCHÖN GEMÜTLICH: Chanel passt immer – auch als Kissen auf dem Sofa. Architektin Arzu Kartal lässt diese aus Restbeständen von Chanel-Couture-Stoffen nähen und verziert sie zusätzlich mit Bordüren aus Edelmetall. Über Schmuck & Feines, Eppendorfer Weg 229

MONCLER

UND SONST NOCH . . .

THE CASHMERE BROTHERS

UND SONST NOCH ...

KLÖNSCHNACK

STRAULINO/COURTESY PHOTOGRAPHY MONIKA MOHR GALERIE

GANZ DER PAPA: Liebling, die Cashmere Brothers haben ihre Hoodies für die neue „Father & Son“-Kollektion geschrumpft! Über thecashmerebrothers.com — FÜR DIE LÜTTEN: Wo liegt eigentlich der alte Schwede? Diese und weitere Fragen werden im Mitmachbuch „Mein Hamburg-Buch“ von Silke Frey beantwortet (Emons) — GUTE AUSSICHTEN nennt sich die Ausstellung zum Nachwuchspreis für junge deutsche Fotografie 2016/2017. Bis 1. Mai Deichtorhallen.

Als rote Kussmünder und gerollter Tabak noch zusammengehörten, löste der Anblick einer Frau, die kokett an einer Zigarette zieht, noch einen wohligen Schauer bei Umstehenden aus. Geblieben sind nur die roten Lippen (gesünder). Fotograf Alexander Straulino spielt mit der Erinnerung an das einstige Dreamteam. Mehr Rauch steigt in der Ausstellung „Thank You For Smoking“ auf, Monika Mohr Galerie, ab 25. April

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BRITA SÖNNICHSEN

STIL UND BLÜTEN Eva Marguerre & Marcel Besau Inhaber Designstudio

HENNING ROGGE / DEICHTORHALLEN HAMBURG

Hamburg – frisch herausgeputzt

Manche mögen’s heiß

Ein Grund für uns, nach Hamburg zu ziehen, war, dass die Stadt so grün ist. Wir verbringen viel Zeit in der Natur, brauchen das, um uns wohlzufühlen, ziehen in unserem Stadtgarten eigenes Gemüse. Aber wir haben auch drinnen gern Grün. Eine Entdeckung ist „Winkel van Sinkel“ in der Neustadt. Dort gibt es nebst riesigem Pflanzen-Sortiment auch jede Menge Wohnaccessoires, Papeterie sowie: Gin. Für uns, für Freunde und für meine Arbeit als Stylistin finde ich immer sehr besondere Blumensträuße bei „Saxifraga“, ein Traum, wie dort mit Farben gespielt wird. Sogar die Homepage hat Poesie: „In pudrigen Wolken zersauste Blüten treiben zur Wiese am See.“ Kürzlich haben wir mit unserer Büro-Truppe sogar einen Blumenbinder-Workshop gebucht, bei Bloomon (die auch Abonnements anbieten), ungemein inspirierend!

„Zeige mir, wie du baust, und ich sage dir, wer du bist“ – Christian Morgenstern Die fulminante Eröffnung der Elbphilharmonie hat den Blick auf die Stadt Hamburg und das Interesse an ihrer architektonischen und städtebaulichen Entwicklung noch einmal deutlich geschärft. Steigende Touristenzahlen wie auch ein dezenter, feiner Stolz der Hamburger auf ihre zeitgemäße Metropole im 21. Jahrhundert sind deutliche Zeichen dafür. Bei Spaziergängen durch Hamburg sieht man die vielen Neuerungen: Alle großen Kunstmuseen und Ausstellungshäuser der Hamburger Kunstmeile, wie die Kunsthalle, das Museum für Kunst und Gewerbe, die Deichtorhallen und der Kunstverein, erstrahlen aktuell mit ihren renommierten Sammlungen und Ausstellungen in umfassend sanierten Gebäuden und Räumlichkeiten. Das Bucerius Forum setzt ab 2018 sein erfolgreiches Konzept in komplett neu gebauten und deutlich vergrößerten Räumen nahe dem alten Standort fort. Eine große architektonische „Frische“ lässt diese Einrichtungen sich auch im internationalen Kontext überzeugend behaupten. Die Diskussionen um das neue Elbto- Elphi überall: Hier in den Deichtorhallen wer-Hochhaus in der östlichen HafenCity machen neugierig und die gelungene HafenCity Universität lohnt einen Kaffee-Besuch ebenso wie der neue große Lohse-Park. Im Frühjahr 2017 wird dort der zentrale Gedenkort an dem unter Denkmalschutz stehenden Relikt des Bahnsteigs 2 des ursprünglichen Hannoverschen Bahnhofs eröffnet. Die- Bert A. ser umfasst die sogenannte „Fuge“, die vom ehemali- Kaufmann gen Bahnhofsvorplatz entlang des historischen Gleis- Kaufmänniverlaufs bis hin zum Bahnsteig durch den Park führt scher Direkund an die 20 Deportationstransporte von über 7000 tor DeichJuden sowie Sinti und Roma aus Hamburg und Nord- torhallen Hamburg deutschland erinnert. Ein Tipp noch für die nähere Umgebung: Wer ein bedeutendes Werk des Architekten Daniel Libeskind sehen will, kann nun in Lüneburg das neue Zentralgebäude der Leuphana Universität besuchen, das auch der Öffentlichkeit zugänglich ist.

W

er ist Schuld an mir? Nur ich selbst? Geht es Ihnen auch so, dass Sie sich an manchen Tagen nicht die Tür aufmachen würden, wenn Sie bei sich klingeln würden? Ich nenne mich an diesen Tagen Frau Eigentlich! Warum? Weil ich eigentlich etwas Großes erledigen wollte, aber am Abend nix geschafft habe. Ich fühle mich dann wie „ein Blatt Papier auf dem noch nichts steht“, wie Martin Walser schreibt. Frau Eigentlich: austauschbar. Ich hatte schlecht geschlafen. War mit Freundin Sabine aus und wollte eigentlich nur Wasser trinken. Aber hab mich dann doch mit ihr bei einem zweiten Glas Riesling totgelacht. Punkt drei Uhr in der Nacht hat mich natürlich die „Gewissen-Polizei“ geweckt. Ich war stocksauer auf mich. Eine Stunde schlafloses Gedankenjogging als Quittung für zwei Riesling. Früher war mehr Lametta. Wieso eigentlich immer 3 Uhr? Ich glaube, man könnte in Deutschland einen coolen „3 Uhr: Bist du auch gerade wach“-Klub für Frauen aufmachen. Da wär’ echt was los! Um 6 Uhr ist Frau Eigentlich dann wieder pünktlich und gerädert wach. Neben ihr der leise und glücklich schnarchende Herr Blieswood. Es ist nicht fair: Herr Blieswood kann immer schlafen! Egal wo, wann, wie. Und Herr Blieswood ist auch – wenn er mal nicht schläft – niemals müde, jedenfalls nicht morgens um 2 Uhr in der Woche mit ein paar Bier intus auf irgendeiner Party. Auch nicht nach drei durchgefeierten Nächten. Sein alter Freund Kai behauptet: „Herr Blieswood muss als kleines Baby (wie Obelix) mal in einen Kokain-Napf gefallen sein, und seitdem wird er einfach nicht mehr müde.“ Jedenfalls nicht, wenn er nicht will – und ich ihn nicht gerade um etwas bitte ... Weiter zum Tag. Nachdem der Jüngste das Haus am Morgen verlassen hatte, wollte ich eigentlich laufen gehen. Eigentlich. Aber mein zweiter Kaffee und die ausgelatschten Joggingschuhe riefen: „Lass’ gut sein!“ Intellekt und Boulevard lagen auf dem Küchentisch. Mein Kopf rät stets: Nimm’ die schlaue Zeitung. Und eigentlich freu’ ich mich auf Seite 3. Aber schwupps, schon genoss ich Themen wie Bachelor, RTL, letzte Seite, Aldi- und Lidl-Anzeigen.

Frau Blieswood alias Bärbel Körzdörfer ist bekochende Hausfrau und Mutter

Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, den fiesen Büro-Haufen abzuarbeiten (Überweisungen, Steuerberater, Abrechnungen, Behörden-Telefonate), aber wenn dann bei Frau Eigentlich ihre Freundin Sophie anruft, sind 30 Minuten nix. „Hast du schon gehört …?“ – „Ach was …?“ Wunderbar! Natürlich wird für das Gewissen beim Telefonieren Wäsche zusammengelegt, Geschirrspüler ausgeräumt, Zahnpasta aus den Waschbecken geputzt. Nach dem Auflegen hätte ich eigentlich einen Text schreiben müssen. Aber mein Kopf riet: „Mach’ mal später! Denn eigentlich finde ich das Schreiben schrecklich. Ich quäle mich jedes Mal. Aber ich liebe den Zustand „geschrieben zu haben“. Also schreibe ich weiter. Heute sollte Frau Eigentlich eigentlich auch ihren Buchverlag anrufen. Och, geht auch morgen ... So schwappte der Tag bei Frau Eigentlich langsam vorüber. Keller. Rauf, runter. Waschmaschine auf. Trockner an. Ein paar unwichtige Mails. Omi anrufen. Einkaufen. Bolognese kochen. Um acht Uhr „Tagesschau“. Ein bisschen zappen. Und am Ende das Nix-geschafft-Gefühl. Noch nicht einmal was Anständiges im Fernsehen geschaut. Aber halt! Von wegen nix geschafft! Hey Leute, wir machen den wichtigsten Job, den es gibt! Wir sind KÜMMERER! Wir halten den Laden am Laufen. Ohne uns nix Familie! Ohne uns keine Glühbirne im Haus, aber dafür den Gerichtsvollzieher. Ohne Frau Eigentlich würden hier alle an Vitamin-Mangel sterben, weil es nur noch Dosen-Würstchen gäbe. Lehrer wüssten gar nicht, dass ihre Schüler auch Eltern haben (wäre in unserem Fall vielleicht auch besser). Herr Blieswood kam vor 15 Jahren von seinem ersten und letzten Elternabend nach Hause mit den Worten: „Sorry, aber das ist nichts für mich!“ Hää? Ich habe mir vorgenommen, Frau Eigentlich endlich auch zu mögen. Sie ist nämlich eigentlich ganz in Ordnung. Und ich mag jetzt auch die Selbstzweifel, weil sie mich antreiben. Wer zweifelt, denkt nach, schaut sich um. PS. Auf dem nächsten Bewirtungsbeleg für die Steuer werde ich notieren: Selbstgespräch mit Frau Eigentlich. Die Einzige, die mich versteht.

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MARC REHBECK

Ein Tag im Leben von Frau Eigentlich

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STILISTEN

Küche und Können K

Erst streiten, dann staunen: Die Architektinnen Anna Nicolas und Jessica Klatten bauen an einer gemeinsamen Karriere. Esther Strerath schaute schaute, Lars Berg Lar fotografierte

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M

an ist gleich drin in Anna Nicolas Welt. Kaum durch die Eingangstür, fällt der Blick auf das riesige Modell ihres jüngsten Projekts. Aber sie geht schon vor Richtung Büro mit Aussicht in die Gärten der umstehenden Mehrfamilienhäuser, ein ausrangiertes Sofa wartet auf einen neuen Bezug und fungiert solange als „Denkliege“. Eine Architektin sitzt vor ihrem Computer, drei andere Plätze sind leer, es ist Freitagnachmittag. „Wer sitzt denn hier normalerweise?“ – „Was ist schon normal“, antwortet die Hamburgerin. Aha. Anna Nicolas baut, und das mit Leidenschaft. Und am Bau sei nichts normal. Gerade hat sie gemeinsam mit Jessica Klatten die Niederlassung von Juwelier Wempe in der Münchner Maximilianstraße fertiggestellt. Eine gigantische Schmuckschatulle mit frei stehender Treppe auf historischem Grund – Frau Nicolas schleppt schwarze Ordner mit Archiv- und Recherchematerial zu einem großen Schreibtisch. Die Arkaden hatte Georg Friedrich Bürklein für König Maximilian II. erbaut, damals konnte man durch sie hindurch in den Münzgarten

sehen. Auf dessen ehemaligem Brunnen thront nun die Wempe-Treppe. Wie interviewt man eine Frau, die bevorzugt unsichtbar ist? Bis auf Eintragungen im Branchenbuch unter „Anna Nicolas Bauhütte“ und wenigen Namensnennungen im Internet findet sich nichts. Das liegt an ihrer durch und durch hanseatischen Attitüde, aber auch an ihrem Werdegang. „Ich habe mich selbst implantiert“, sagt sie nicht ohne Stolz. In Lagos geboren und am Mittelweg aufgewachsen, war die blonde Hamburgerin zwölf Jahre lang im „internationalen Kunsthandel tätig“, bis eines Tages ein Kaufmann und Sammler von der Elbe sie ansprach, ob sie nicht ein Haus für ihn und seine Kunst bauen wolle. Wollte sie. Es folgten weitere Aufträge, sie fand in dem Kölner Architekten Peter Sandleben den Meister für ihr inoffizielles Studium, gründete mit zwei weiteren Architekten ein Studio, aus dem sie sich später wieder zurückzog. Fast 25 Jahre ist das her. Damals stand Jessica Klatten die meiste Zeit auf dem Tennisplatz. Abitur in Berlin, dann das Architekturstudium, einfach weil sie „Mathe, Physik und Kunst konnte“. Sie bewarb sich bei Hadi Teherani, landete in dessen Wettbewerbsabteilung und fiel ihm auf. „Ich wurde

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Mit einem Auftrag für Wempe ging es los, in Zukunft wollen Anna Nicolas und Jessica Klatten mehr gemeinsam planen

seine rechte Hand, habe viele Projekte begleitet und konnte mit Bauleitern, Bauherren und Stadtentwicklern sprechen“, wird sie bei einem Besuch in ihrem Büro, das rund 1500 Meter Luftlinie von Nicolas’ entfernt liegt, sagen. Auf einer Reise zu einem Workshop bei Vitra in Weil am Rhein lernen die Frauen sich kennen, tauschen sich fortan aus, meist nächtens in der Küche der einen oder anderen. Auch Klatten macht sich selbstständig (StudioJK), gestaltet alle Shops der Modemarke Liebeskind. Nicolas’ Portfolio wächst derweil weiter: eine Villa in Harvestehude, ein neues Nutzungskonzept für das Barockschloss Gut Hohen Luckow, Privathäuser in Portugal, Refugien auf norddeutschem Land, Mini-Fenster im Portal einer Kirche in Mecklenburg bis hin zu der Verwandlung eines alten Industriegebäudes in Hamburg-Winterhude in ein cleanes Filmstudio. Zuletzt auch das: ein 800 Quadratmeter großer Flagshipstore auf der Fifth Avenue in New York, auch für Wempe. „Hinter einer Neorenaissance-Fassade sollten drei Läden zu einem zusammengefügt werden“, erläutert die Spezialistin für „neue Bauten in alten“, wie sie es nennt. „Das Kleinteilige, Verschachtelte musste Ruhe weichen, wir haben die Pfeiler freigelegt,

eine kleine Mall ist entstanden, ein schlichtes, aber anspruchsvolles Konzept.“ Das Hanseatische sei ihr wichtig gewesen, „eine Unaufgeregtheit im Entwurf, Qualitätsbewusstsein bei Materialien, ein großzügiges Raumgefühl, gutes Design, das nicht bedrängt“, sagt die Mutter zweier Söhne und verteidigt vehement ihre Stadt: „„Wenn man sieht, was in den 50er-Jahren hier los war, ein Aufbruch, seit je haben sich Künstler, Dichter, Komponisten und Architekten wohlgefühlt. Man hatte immer Spaß an Individualität, kaufte in der Hamburger Kinderstube auch Hochmodernes aus Paris und London. Hamburg war immer international, es hat nur nicht so viel gezeigt. Was auch schlicht am Wetter liegt.“ Das Unaufgeregte findet sich auch in ihrem Studio. Da ragen Kunstobjekte aus der Wand, Stoff- und Steinmuster bilden Stapel, Rothko-Postkarten klemmen an einem antiken schwedischen Schrank, der hinter einem aufgeräumten, weißen Schreibtisch und Egon-Eiermann-Stühlen steht. „Ich bin schon in verlassene Häuser eingestiegen, besonders in ruinöse, das regt meine Fantasie an. Ich sehe 3-D in meinem Gehirn. Das Freilegen der einzelnen Epochen – in der Analyse bin ich richtig gut. Ich arbeite wie ein Regisseur, das Stück, das ist der Bauherr“, verrät sie. Derzeit restauriert und baut sie tatsächlich im Theater, denkt die Oberund Mittelrangfoyers des Hamburger Architekten Werner Kallmorgen im Thalia neu. Ein langwieriges Projekt, immer wieder fehlen Gelder. Das schneeweiße Modell im Eingang entpuppt sich als das Münchner WempeProjekt, die „Maison Jardin“. Sie erklärt: „Ich lasse immer 1:25 bauen. Das habe ich von der Bühnenbildnerin im Thalia, Annette Kurz, gelernt. So sind die Proportionen Mensch und Raum am besten zu verstehen.“ Eine elegante Lounge-Ecke ist bis auf die einzelnen Leder-Fauteuils haargenau nachgebildet, auch die Grandezza der Treppe wird deutlich. Beinahe 15 Jahre hat es gedauert, bis aus der Freundschaft Klatten und Nicolas diese erste Zusammenarbeit hervorging. Weil Nicolas noch in New York beschäftigt war, bat sie Klatten um Unterstützung, die in München gerade ein Boardinghouse fertiggestellt hatte und während der nur zwölfmonatigen Bauzeit permanent vor Ort sein konnte. „Wir sind beide Künstlerinnen“, stellt Nicolas fest. „Wir mussten uns regelrecht zusammenraufen, haben konstruktiv gekämpft, über das Konzept und Materialitäten zum Beispiel. Was auch Jessica Klatten bestätigt: „Wir haben sehr intensiv an der Treppe gearbeitet. Den ehemaligen Grundriss der Gartenanlage versteckt in das Gebäude zu legen, fand ich zunächst nicht gut. Jetzt ist der Stein in einem Muster verlegt, das aus seiner natürlichen Struktur generiert ist. Gerade durch unsere intensive Auseinandersetzung entstand etwas Besonderes“, sagt die schlaksige Wahl-Hamburgerin und zeichnet dabei die Arkaden schneller, als sie spricht. Das nächste gemeinsame Projekt ist bereits in Planung.

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STILISTEN

Die M Maßvollen

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Bei Anton Meyer wird „Entgleisungen an bundesrepublikanischen Männerkörpern“ Einhalt geboten. Katharina Pfannkuch hat sich umgesehen, Christian Kerber fotografierte

Ü

ber den Rathausmarkt eilen mutmaßliche Jung-Banker in zu großen Anzügen, vorbei an Senioren in beigefarbenen Anoraks, die skeptisch und amüsiert zugleich die zerlöcherten Jeans und klobigen Turnschuhe einiger Teenager beäugen. Dazwischen schlendert ein Paar in mintgrünen Funktionsjacken, die ganz offensichtlich ausgesucht wurden, lange bevor Grün zur offiziellen Farbe des Jahres gekürt wurde. Wenige Meter weiter in der Kleinen Johannisstraße betrachtet derweil ein älterer Herr in tailliertem, marineblauem Wollmantel die Auslage eines Geschäfts. Dort bietet sich ein seltener Anblick: ein klassisches weißes Dinner-Jackett. Während der Mann noch ganz versunken davor verweilt, tritt man selbst durch die hohe Tür – und mit dem Klang der lauten Türklingel sind all die Funktionsjacken, Turnschuhe und Anoraks auf einmal ganz weit weg. Mattgrün gestrichene Wände, SchwarzWeiß-Fotografien und strahlend weiße

Holzverkleidungen rahmen Cuts und Smokings, Oberhemden mit Haifischkragen und vor allem Anzüge ein. Mit ihrem schmalen Schnitt wirken sie akkurat, aber nicht affektiert. Ein Angestellter hilft gerade einem Mittdreißiger in ein Jackett. Der junge Mann begutachtet sein Spiegelbild erst prüfend, dann sichtlich zufrieden. Zwei auffallend große Herren – der eine im dunkelblauen Anzug zum weißen Hemd, der andere im schwarzen Blouson, weißen Oberhemd und Jeans – eilen herbei, als sie den Neuankömmling in der Tür erblicken. Willkommen bei Anton Meyer, dem Ort, an dem „Entgleisungen an bundesrepublikanischen Männerkörpern“ Einhalt geboten wird. Das nämlich ist die Mission von Marc Anthony und Max Meyer-Abich, die 2013 die Marke Anton Meyer und das gleichnamige Geschäft gründeten. Anthony schuf bereits vor über 20 Jahren mit seiner Maßschneiderei in Bahrenfeld eine Hamburger Mode-Institution, Meyer-Abich lebte als Galerist und Werber in Berlin, bevor die beiden sich anschickten, deutscher Männermode wieder zu mehr Stil zu verhelfen. Der Name für das Ansinnen war schnell gefunden: Anton Meyer setzt sich aus den Spitznamen seiner Gründer zusammen. Was sind das nun für Entgleisungen, die sie laut Webseite auf die Idee zu Anton Meyer brachten? „Es gibt ein sehr prägnantes Beispiel dafür“, sagt Anthony mit warmer Stimme und lächelt verheißungsvoll. Wie aufs Stichwort holt Meyer-Abich sein Smartphone hervor. „Das müssen Sie sehen“, sagt der 38-Jährige kopfschüttelnd und öffnet ein Foto vom Gipfeltreffen der OZSE-Außenminister im Dezember. Viel zu lange und zu weite Hosen sind da zu erkennen, die Cuts der Herren – vor allem jener des damaligen Außenministers Frank-Walter Steinmeier – sitzen, als seien sie in letzter Minute ausgeliehen worden. Und zwar vom übergewichtigen Onkel. Meyer-Abich schwankt zwischen Lachen und Verzweiflung: „Das sieht doch fürchterlich aus!“ Anthony fasst das Elend prägnant zusammen: „Der Anblick schmerzt.“ Dass deutsche Politiker nur die Speerspitze hiesiger Stil-Verfehlungen sind, halten beide aber für ein Klischee. „Sie finden auch in Italien schlecht angezogene Männer“, meint Anthony. Mode werde eben überall legerer: „Oberhemden und Krawatten verschwinden zusehends.“ Was lässig gemeint ist, wirkt schnell nachlässig. „Wenn in einigen BankFilialen schon Mitarbeiter im Polohemd stehen“, setzt Meyer-Abich an, bevor Anthony übernimmt: „Dann ist klar: Es gibt viel für uns zu tun.“ Die beiden ergänzen sich spielerisch. Vor sieben Jahren lernten sie einander kennen, als Meyer-Abich einen Cut brauchte. Weil er genug von Verkäufern hatte, die ihm stattdessen sogenannte Hochzeitsanzüge andrehen wollten – bei dem Wort verzieht er schmerzvoll das Gesicht –, ging er auf Empfehlung von Freunden in Anthonys Maßschneiderei. Auf den Cut folgten ein Smoking, ein Frack und schließlich die gemeinsame Geschäftsidee. „Wir dachten uns: Es kann doch nicht so schwer sein, gut sitzende

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Experten für Gesellschaftskleidung: Max Meyer-Abich und Marc Anthony, kurz: Anton Meyer

Herrenkleidung aus ordentlichen Materialien anzubieten, die nicht in Bangladesch hergestellt und dennoch günstiger ist als etwa ein Prada-Modell“, so MeyerAbich. Tatsächlich ist ein kompletter Anzug im typischen Anton-Meyer-Schnitt, entworfen in Hamburg, gefertigt aus englischen und italienischen Stoffen und produziert in Portugal, für weniger als 400 Euro zu haben. Wie ist das möglich? Ganz einfach: Das, was bei anderen Marken den Preis in die Höhe treibt, nämlich die Händlermarge, entfällt. „Unsere Kleidung gibt es nur in unseren Geschäften“, betont Anthony. 2016 eröffnete eine Münchner Dependance, eine weitere entsteht in Zürich. Auch online ist der feine Zwirn seit Kurzem erhältlich. Und dann ist da noch der sogenannte Wanderzirkus: Für wenige Tage bringen Anthony und Meyer-Abich dann ihre Entwürfe in Räumen befreundeter Unternehmen, etwa in Münster und Köln, an den Mann. Andere Labels nennen so etwas Pop-up-Store. Meyer-Abich kann damit wenig anfangen: „Das klingt so gestelzt und nach Werbesprech.“ Ausgerechnet der ehemalige Werber ist kein Freund klassischen Marketings. „Wir haben noch nie Werbung gemacht, 95 Prozent unserer Neukunden kommen auf Empfehlung“, erzählt er stolz. Das schafft Vertrauen und eine Exklusivität, die auch dem wachsenden Kundenstamm standhält. Von abgeklärter Routine ist jedoch nichts zu spüren: „Es fühlt sich jedes Mal großartig an, jemanden in einem gut sitzenden Anzug zu sehen und dann das eigene Innenfutter zu entdecken“, gibt Anthony freimütig zu.

Mittlerweile ist auch der ältere Herr eingetreten. Statt des weißen Dinner-Jacketts aus dem Schaufenster probiert er aber lieber ein dunkelblaues Jackett an. Der zufriedene Mittdreißiger nimmt gerade seine Tüte samt Jackett in Empfang. „Berufsanfänger, etwa aus Beraterfirmen, aber auch Vorstandsvorsitzende sind unter unseren Kunden. Menschen eben, die jeden Tag Anzug tragen“, sagt MeyerAbich und fährt lachend fort: Einmal habe sogar jemand die Anzüge für die „Uniform“ einer renommierten Hamburger Kanzlei gehalten, weil sämtliche Mitarbeiter darin zum Meeting erschienen. Gelacht wird viel bei Anton Meyer. Die beiden Chefs vertrauen ganz auf ihr persönliches Stilgefühl. Als Modepolizei wollen sie aber keinesfalls auftreten. „Unser Geschmack deckt sich einfach mit dem vieler Menschen“, erklärt Anthony. „Etwas Vermessenheit ist aber auch dabei“, sagt Meyer-Abich schon wieder lachend. Dogmatisch sei ihr Modeverständnis aber nicht. Bis auf wenige Ausnahmen: „Sommerschals werden Sie hier niemals finden“, sagt Anthony bestimmt, „wozu auch?“ Auch der Sinn von Hüten jenseits von Yacht und Jagdausflug erschließe sich ihm nicht. Für ihre neue Kollektion setzen Anthony und Meyer-Abich auf den bewährten Stil: schmal, zeitlos klassisch, ohne überflüssigen Schnickschnack und allzu trendige Experimente. Dreiteiler in hellem Blau und Grau mit leichtem Karomuster, Jacketts mit aufgesetzten Taschen. Partnerlook-taugliche Funktionsjacken sucht man angenehmerweise unter den Entwürfen vergeblich.

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STILIST

Der lernt Kellner! Gegen Widerstand wurde Ingo Peters Hotelier. Seit 20 Jahren ist er Chef im „Vier Jahreszeiten.“ Und wird beneidet, vermutet Inga Griese

D

ie gemütliche Ecke im Restaurant Haerlin, der Fisch ist perfekt gegart, die Kellnerin freundlich, aufmerksam, aber nicht servil. Obwohl der Chef am Tisch sitzt. Ein gutes Zeichen. Etwas merkwürdig nur, dass die Orchideen in dem hohen Gefäß, das als Sichtschutz dient, künstlich sind. Dies ist das „Vier Jahreszeiten“? Mehr zu meckern findet sich allerdings nicht. Im Gegenteil. Es hat ungefähr fünf Minuten vor Ort gedauert, und aller Stress war weg, als hätte ihn der gute Geist mit dem Mantel weggetragen. Den bekommt man später an der Garderobe von einer höflichen Frau zurück, die Hektik nicht. Eigentlich war es schon beim Betreten passiert. Lobbys von Luxus-Hotels beamen einen ja meist in eine andere

Zeitzone, im Prachtbau an der Alster kommt noch etwas hinzu, nämlich der Eindruck, dass es keine Illusion ist, in Hamburg sei die Welt noch in ihren Fugen. „Hanseaten willkommen“ steht ungeschrieben auf den Holzwänden, und das meint nicht nur Leute, die an Alster und Elbe geboren sind, sondern all jene Weltbürger, die die Sache mit Wurzeln einerseits und dem Tor zur Welt anderseits verstanden haben. Ich widerstehe der Versuchung, mir in der Wohnhalle den freien Fensterplatz zu schnappen. Jetzt da nur auf’s Wasser zu schauen, wäre auch eine Option. Dazu geröstetes Schwarzbrot mit Tartar. Mir fällt ein, dass der Großvater unsere Älteste das eine oder andere Mal abgeholt hatte, um sie in die „Condi“ nebenan auszuführen. Die Lütte, keine zwei Jahre alt,

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Geschäftsführer Ingo Peters in der Halle des „Vier Jahreszeiten“, das seit 120 Jahren Hamburg prägt

trug dann das Kleid aus der Hamburger Kinderstube, das auch ohne Kind drin gestanden hätte, und machte ihrem eleganten Großvater alle Ehre. Dass sie sich so winzig schon so derart kultiviert benehmen konnte, war eigentlich nur mit der Aura zu erklären. „Ein Hotel muss eine Seele haben“, sagte der Düsseldorfer Handelsunternehmer Klaus Dohle, als er einmal gefragt wurde, warum er 2013 das „Vier Jahreszeiten“ kaufte und 15 Millionen in die Renovierung steckte. Mit der Seele bin ich zum Mittagessen verabredet: Ingo Peters, seit 1997 der Direktor und seine Frau Christiane Peters, die als „Qualitätsmanagerin“ maßgeblich die optische Erneuerung des Traditionshauses gesteuert hat. „Die Gäste sollen sich wie zu Hause fühlen“, hatte Unternehmer Dohle noch gesagt. Es könnte nun schon sein, dass der eine oder andere Gast nach dem Aufenthalt zu Hause erst einmal umbauen will. Das „Vier Jahreszeiten“ ist in jeder Hinsicht ein anderer Ort. Ein Einzelstück. Nicht nur ein Dach über den handgesteppten Kopfteilen am Bett. Wie auch der Chef, der quasi ein klassischer Direktor ist, das Ganze im Blick und Herzen, wie in dem Buch, das in jun-

gen Jahren seinen Berufswunsch beflügelt hatte, „Hotel“ von Arthur Hailey. 20 Jahre bereits und wir kommen nicht umhin, über den Kollegen und Freund zu reden, der genauso lange und ähnlich das „Louis C. Jacob“ an der Elbchaussee geführt hat und wenige Tage vor unserem Treffen ziemlich unschön vom Besitzer abserviert worden war. Fürchtet er das auch? Es könne jeden treffen, antwortet Ingo Peters abgeklärt. „Der Koch ist nur so gut, wie die letzte Suppe, die er gekocht hat.“ Aber so kalt erwischen wie Jost Deitmar würde es ihn wohl nicht. „Herr Dohle ist ein pragmatischer Mensch, wenn er ein Problem mit mir hätte, würde er das sofort ansprechen.“ Außerdem fürchtet Ingo Peters sich grundsätzlich nicht. Das Selbstbewusstsein wird aus Jahrzehnten Erfahrung gespeist. Als einmal der Vorschlag auftauchte, dass er aus der kleinen Bar einen „Giftshop“ mit Zeitschriften und TShirts machen sollte, hat er seinen Posten zur Disposition gestellt. Unaufgeregt. „Machen Sie es, aber ich halte es für einen Fehler und stehe für die Durchsetzung nicht zu Verfügung.“ Auch die Idee des CEO von Hotelbetreiber Fairmont, der aus der Wohnhalle einen Ballsaal machen wollte, weil in Amerika Banketts so gut liefen, hat er so strikt wie entsetzt abgelehnt. „Ich bin da ganz gradlinig.“ Sich zu behaupten hat er früh gelernt. In einer Akademikerfamilie, der Vater Architekt, die Mutter Apothekerin zu verkünden, dass er ins Hotelgewerbe wolle, löste Entsetzen aus: „Der lernt Kellner!“ Doch er blieb standhaft, mit anderen Leuten zusammenkommen, ins Ausland nicht nur als Tourist zu gehen, diesen Traum wollte er unbedingt verwirklichen. Und so schlüpfte er nach dem Abitur direkt in die Pagen-Uniform vom „Vier Jahreszeiten“. Dass dieses Haus einmal seine Lebensaufgabe sein würde, hatte er dabei nicht im Sinn. Es war sein Sprungbrett. Erst nach London, „The Berkeley“, dann in die USA, Hotelfach-Seminar an der Cornell Universität, Knochenjob im „The Westin Copley Place“ in Boston. Ein Riesenkasten. Der Direktor dort, ein Hannoveraner, hat sein Selbstverständnis geprägt, stellte den Jungen wichtigen Leuten vor, nahm ihn mit in Boardmeetings, wo er schnell Begriff, dass ein hoher Titel nicht unbedingt identisch mit großer Kompetenz sein muss. „Dadurch habe ich die Scheu verloren.“ Mit 26 Jahren war er Vize-Direktor im „Ritz Carlton“ in Philadelphia, die internationale Karriere nahm ihren Lauf. 1997, in Jakarta kam das Angebot, das Hotel an der Alster zu übernehmen. „Eine Lebensaufgabe.“ Die Peters, seit wenigen Monaten Eltern eines Sohnes, leben auch am Jungfernstieg 9, in einer Privatwohnung im dritten Stock. Die Vor- und Nachteile ahnt man. Aber es gibt ja noch das Häuschen an der Ostsee, wo Ingo Peters dann für seine Verhältnisse auch mal so richtig leger wird: Poloshirt und Jeans. Ansonsten gilt: Traditionell aussehen, dabei locker sein. „Den neuen Mitarbeitern sage ich immer: Egal in welcher Position, das Wichtigste ist, es muss auch gelacht werden!“ Gründe gibt es.

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Mark de Lange, der das Amsterdamer Brillen-Label 2013 gründete, wünscht sich für seine Läden, dass man sich mehr wie in einer Galerie als in einem Shop fühlt. Mission accomplished. In der Schanzenstraße herrscht – vor allem samstags – interessiertes Gewimmel wie bei einer hippen Vernissage. Alle ausgestellten DesignerGestelle können ohne Greifhemmung (nichts ist hinter Glas oder angekettet) ausgiebig probiert werden. Kompetentes und enorm freundliches Personal ist stets zur Stelle, um das Prinzip des Labels zu erklären: luxuriöse, stylische und handwerklich gut gemachte Produkte zu moderaten (Fest-)Preisen. Möglich ist das, weil alle Produktionsschritte – Design, Herstellung und Verkauf – bei Ace & Tate selbst liegen. Das gilt ebenso für Korrekturgläser oder Gleitsichtsonnenbrillen. Das entspannte Credo spiegelt sich im Ambiente wider: Für den Look seiner Stores engagiert de Lange stets ansässige Kreative. Der Hamburger Illustrator Stefan Marx schuf Neonlicht-Installationen, Smallville Records aus St. Pauli präsentiert eine kleine Plattensammlung. Sind Nelson, Brian oder Marc (alle Modelle sind aber im Prinzip unisex)

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NUSS BOUTIQUE Im skandinavischem Ambiente duften hier Macadamia- und Pecan-, Wal- und Erdnüsse neben getrockneten Goji-, Acai- und Weinbeeren in große Gläser. Die Durguts legen Wert auf Fairtrade- und Demeter-Standards, Vertragspartner Bode-Naturkost aus Hamburg sorgt für die entsprechende Qualität.

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HAPPY DAY LIENAU Wer Kinder hat, der kennt den Spielzeugladen „Lienau“ am Eppendorfer Baum. Ist einfach so. Einmal um die Ecke herum befindet sich seit rund einem Jahr der Ableger „Happy Day“, und den könnte man schon einmal übersehen. Sollte man aber nicht, denn dort gibt es die passende Ausstattung für Geburtstage, Fasching oder alle anderen Feste, bei denen fröhlich-bunte Accessoires nicht fehlen dürfen. Hier befüllt man ganz leicht kleine Goodie-Bags und plant spontan eine „Let’s be mermaids!“-Party, einfach weil man an der zauberhaften Meerjungfrauen-Deko von Meri Meri nicht vorbeigehen kann.

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Meistens ist es eher andersherum: In der Stadt fängt alles an, und später gibt’s einen Ableger auf Sylt. Nicht so bei „Different Fashion“ – steckt ja im Namen. Die neun Läden des Unternehmerpaars Alexandra von Schöning und Manuel Rivera sind auf der Insel eine Institution, nun führen sie zudem in der HafenCity auf 120 Quadratmetern Trendlabel aus aller Welt. Zudem wird kostenlos geliefert.

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SEHNSUCHT HAMBURG – RUM 21 Philip Kermani von „Taste Deluxe“ importiert Rum-Sorten aus der Karibik und kreiert Blends für Kenner. Sein 21 Jahre alter Solera „Rum 21“ hat in 200- und 500-ml-Flaschen (20 und 39 Euro) den Weg zu Achim Wittrin gefunden, der in seiner „Kleinen Letterpresse“ die Etiketten und Verpackungen veredelt. „Sehnsucht Hamburg“ steht auf den handbedruckten Labels. Für die kleine Sucht kann man auch einen Flachmann erstehen.

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CAFÉ ELB WEIN Man sollte viel öfter den Eppendorfer Weg entlangbummeln. Dann hätte man nämlich schon längst das Weincafé „Elb Wein“ für sich entdeckt, das es ja bereits in Groß Flottbek gibt. Helle Holzmöbel, Kissen mit rötlichem Schachbrettmuster und liebevolle Dekoration schaffen das passende Ambiente für entspannten Weingenuss. Und dank Flammkuchen, Burgern und „Hausmannskost de luxe“ muss niemand hungrig nach Hause gehen.

Eppendorfer Weg 161 Tel. 040/65 04 05 50; Mo–Fr ab 15 Uhr, Sa u. So ab 10 Uhr

ROCK OUR KITCHEN

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BISTRO KLEINOD

Als sie noch im Kindergarten waren, wollten Till Witten und John Ehlerding unbedingt eine Würstchenbude eröffnen. Es hat ein bisschen gedauert mit der gemeinsamen Geschäftsidee, aber nun konnten die beiden 31Jährigen ihr modern gestyltes Restaurant „Rock our Kitchen“ eröffnen. Direkt neben Til Schweigers „Barefood Deli“ bieten sie besondere Pizzakreationen wie die „Pan Asian“ an, die mit Koriander, Erdnüssen und ThaiChili-Soße verfeinert ist. Kreative Salate gibt’s außerdem, und wer Freude am Experimentieren hat, stellt sich Pizza oder Salat gleich selbst zusammen. Weil die beiden GastroQuereinsteiger auch Wein-Fans sind, findet sich in ihrer Speisekarte zu jedem Gericht eine entsprechende Empfehlung.

Dort, wo lange Jahre das Restaurant „Morellino“ auf sein Stammpublikum wartete, steht nun in goldenen Lettern „Il Cantuccio“ über dem Portal – die Winterhuder Institution ist nach Eppendorf gezogen. Im stilvollen Ambiente mit viel Dunkelgrau und -braun genießt der Gast im sanften Schein feiner Leuchten und unter dem gestrengen Blick des „Paten“ Marlon Brando gehobene italienische Küche wie Beef Tatar mit Spargelspitzen oder Schwarzfederhuhn in Rotweinsauce.

Die Winterhuder vermissen Kai Krassmann und seinen „Kleinen Speisesaal“ am Poelchaukamp aufrichtig. Sein neues Reich ist nun das „Kleinod“ in St. Georg. Die Karte des gemütlichen Bistros ist mit Flammkuchen- und Salat-Variationen bewusst klein gehalten. Hier trifft man sich gemütlich bei einem Glas Wein. Was gerade im Sommer eine Freude sein wird; abgesehen von den Außenplätzen lässt sich sicher bestimmt auch auf den hölzernen Fensterbänkchen prima plaudern.

Eppendorfer Landstraße 36 Tel. 040/69 69 14 95; Di–Fr 12–15 u. 18–23.30 Uhr; Sa/So ab 12.30 Uhr

Schmilinskystraße 19 Tel. 040/46 00 97 97 Di–So 15–23 Uhr

„To go“ war gestern – im „Hook Dogs“ in Altona bekommt man sein Hotdog am Tisch serviert. Beliebt sind die herzhaften Variationen wie „Kap Hoorn“ mit Pulled Chicken, aber auch Vegetarier oder Veganer werden fündig – immerhin gibt es 14 verschiedene Kreationen. Wer noch Lust auf ein Dessert hat, sollte einen der Milchshakes mit üppigen Toppings probieren – Teilen macht durchaus Sinn. Das entspannte Styling mit Sturm-Dekor-Tapete, dunklem Holz, warmem Licht und Seemannstauen spielt mit dem CaptainHook-Piratenthema, und wen das Restaurant an „Peter Pan“ erinnert, der irrt sich nicht: Hinter dem neuen Konzept steht Patrick Junge, der mittlerweile 17 Burger-Grills betreibt.

Neue Große Bergstraße 15 Tel. 040/32 87 10 40; Mo–So 11 bis 22 Uhr, Fr u. Sa 23 Uhr

BENEFIT In der ersten „Benefit Boutique“ Hamburgs am Klosterstern legen Julia Winterfeld und ihre Kolleginnen den Fokus zwar eindeutig auf Brauenstyling und Waxing, doch Makeup-Service und Kurse finden auf den erstaunlich zahlreichen, clever arrangierten Powder-Plätzen ebenfalls statt. Zum Hit hat sich bereits der „Beauty Bash“ entwickelt: Gemeint ist ein kleines Seminar zu einem ausgewählten Thema, „die perfekte Braue“ etwa.

Eppendorfer Baum 9 Tel. 040/46 09 01 45 Mo–Fr 10–19 Uhr, Sa 10–18 Uhr www.benefitcosmetics.de

um die perfekte Abstimmung von scharfen, bitteren und fruchtigen Komponenten“, sagt Claas Wandrey. Mittlerweile wird das sortenreine Öl im Hamburger „Hyatt“ und auch in der „Bank“ serviert.

BEN WOLF

HOOK DOGS

Die Geschichte von „J&C’s Olive Oil“ beginnt vor mehr als 20 Jahren. Damals brachten Janin Lechner und Claas Wandrey für ihre Freunde immer wieder Olivenöl aus Griechenland mit – Janin Lechners Mutter besaß dort ihren eigenen Hain. Seit vier Jahren betreibt Claas Wandrey die Marke professionell, und auch heute noch werden die Oliven, die den besonderen Charakter des zertifizierten Bio-Öls ausmachen, von Hand bei Koryfasio nahe der Hafenstadt Kalamata geerntet. Salze und Mineralien, die der Wind vom Meer in die gebirgige Region hinüberträgt, bestimmen ebenso den kräftigen Geschmack wie die frischen Kräuter, die zwischen den Olivenbäumen wachsen. „Es geht

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ELLIPPA – KINDER, KURSE & CAFÉ Wenige Wochen ist „Ellippa“ erst alt und trotzdem kaum noch wegzudenken aus Eppendorf. Dort, wo früher die alte Ofenfabrik war, hat Joy Maracke, ein paar Stufen hinab direkt am Wasser gelegen, ihren Traum von einem Ort der Begegnung für Familien (wobei es meistens Frauen sind) verwirklicht. Auf die Idee brachte sie ein längerer Aufenthalt in Madrid: Herzstück ist das Café mit dem fröhlich gefliesten Tresen, daneben liegen die „Klangwelt“ und die „Bewegungswerkstatt“ – schön gestaltete Räume, in denen Kurse wie Kinderyoga, Ballett oder auch Pilates-Rückbildung stattfinden. Direkt am Café, in dem vor allem Produkte von regionalen Anbietern verkauft werden, liegt auch das Atelier. Nachmittags, wenn die Kleinen vom Kindergarten abgeholt werden, kann es an dem großen Tisch schon einmal eng werden beim Kritzeln und Malen. „Als Mutter einer kleinen Tochter wurde mir schnell bewusst, wie groß gerade in größeren Städten die Sehnsucht nach einem Ort ist, an dem Kinder und Erwachsene willkommen sind und Spaß haben können“, sagt die 34-jährige Kulturwissenschaftlerin, die gerade ihr zweites Kind bekommen hat.

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DELIKATE Genau so ein Café hat in diesem Teil von Eppendorf gefehlt, dachte sich Katharina Hartmann und sprach damit vielen aus der Seele. Ins „Delikate“ kommt man, um selbst gebackenes Brot zu kaufen, kleine Speisen zu genießen oder einfach bei einem Kaffee die Zeitung zu lesen. Ist ja auch zu gemütlich zwischen den hübschen Naturstein-Fliesen und der auffälligen Wandmalerei. Dass die gelernte Friseurin und Stylistin hier mit ganz viel Liebe arbeitet, zeigt sich auch bei der Auswahl an Produkten wie Öl, Schokolade oder Keramik, die sie quasi nebenbei verkauft. Nebenan gibt es auch noch die „Delikate“-Eisdiele.

Schubackstraße 4 Tel. 040/46 64 74 22; Mo-Fr 7.30–18 Uhr, Sa u. So 8–17 Uhr

DAG VON BOOR

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URBAN COLORS AM WETTER LÄSST SICH NICHTS DREHEN, AN DER KLEIDUNG SCHON. WIR SCHALTEN VON GRAU AUF BUNT, VON WÄRMEND AUF LUFTIG. IRGENDWANN WIRD DER FRÜHLING SCHON MITZIEHEN. WIR EILEN MODISCH VORAUS

FOTO: VANESSA MAAS STYLING: ODESSA LEGEMAH H HAARE/MAKE-UP: ANJA GRAF-PAGEL UND LIGANORD MIT PRODUKTEN VON CHANEL MODEL: LEA C/O MIRR/RS POSTPRODUCTION: JANINE HAHN LOCATION: ENERGIEBUNKER IN WILHELMSBURG MIT HERZLICHEM DANK AN DAS CAFÉ VJU

Von der Terrasse des Energiebunkers Wilhelmsburg reicht der Ausblick bis zur City Kleid, Jacke und Brille: Chanel. Strumpfhose: Fogal. Ringe: Tamara Comolli über Juwelier Mahlberg

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T Top, Rock, Gürtel und Tasche: Prada. Rollkragenbody: Falke Auf der linken Seite trägt Lea einen Rock mit Bluse: Jacquemus über Uzwei. Armreif und Ring: Cartier. Schuhe: Hermès

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Pause auf der Terrasse des Cafés „vju“ mit herrlicher Aussicht Mantel: Miu Miu. Kleid: Odeeh. Bluse: Céline über Anita Hass. Schuhe: Bottega Veneta.

Der ehemalige Flakbunker in Wilhelmsburg wurde im Rahmen der IBA Hamburg saniert und zu einem regenerativen Kraftwerk mit Großwärmespeicher ausgebaut. Lea steht zwischen der Verankerung für die Solarpanels Mantel: Gucci. Kleid und Handtasche: Escada. Schuhe: Loro Piana

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Schuhe: Balmain über Petra Teufel. Strumpfhose: Fogal. Kleid: Escada

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T Top: Versace. Jacke und Hose: Hermès. Tasche: Chanel. Sonnenbrille: Céline

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TYPOLOGIE

Es tobt der Lenz

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Die Gestiefelte

Flo-Kati

Auf dem Laufsteg: Der Designer Demna Gvasalia stammt aus Georgien, ist aber im schönen Düsseldorf, dem deutschen Dallas, aufgewachsen. Er steckt nicht nur hinter der Marke Vetements, sondern hat auch Balenciaga eine Frischluftkur verordnet. So weit, so bekannt. Ob seine Liebe für, sagen wir, eher subtile, unerotische Bekleidung als Reaktion auf den rheinischen Frohsinn und den dortigen Hang zu Leo und Gold zu verstehen ist, ist nicht bekannt. Auf dem Laufsteg in Paris zeigt er jedenfalls ungewohnte Silhouetten, verhöhnt Konventionen und bricht alle Regeln. Nach nur einem Jahr mit ihm an der Spitze der Traditionsmarke ist Balenciaga jedenfalls neben Gucci die derzeit angesagteste Marke der Welt.

Auf dem Laufsteg: Die florentinische Luxusmarke ist so etwas wie ein kühles Astra an der Strandperle im Sommer. Ein absolutes Muss. Keine Marke erlebt derzeit einen größeren Hype. Wer behauptet, Luxusmode sei tot, hätte während der Mailänder Modewoche einfach mal in den Gucci-Flagshipstore in der Via Montenapoleone gehen müssen. 150 (!) Verkäufer standen bereit. Offenbar trifft Kreativdirektor Alessandro Michele mit seinen verrückten, bunten und völlig „Over the top“-Kollektionen einen Nerv. Im Frühjahr setzt er weiterhin auf Logo-Prints und Tier-Applikationen, empfiehlt aber auch jede Menge Glitzer, etwa in Form eines Mantels, halb LamettaDrehständer auf dem Christkindlmarkt, halb Fransen-Sonnenschirm aus den Siebzigern.

Auf der Straße: Wer morgens mit den Öffis, beispielsweise aus Wandsbek-Gartenstadt Richtung Jungfernstieg fährt, könnte auf die Idee kommen, dass Balenciaga längst im Schrank der allermeisten Hamburger hängt. So viel Betongrau, so wenig Spaß. Kreppsohlen sind die High Heels der Hanseaten. Von daher sind Ressentiments erst mal nicht zu erwarten, wenn flotte Hamburgerinnen in Balenciaga zum Businesstermin in die Bahn steigen. Spätestens wenn unsere kleinen Trendmäuse beide Türen der U3 brauchen, um auszusteigen, da die Schulterpolster doch sehr auftragen, wundert sich der gemeine Hamburger – und schaut zu Boden. Dort erblickt er dann eine Stiefel-Leggings-Kombi, erschrickt und denkt sich: „Die Hose ist ja ganz fesch. Aber dieser Goldton ist schon sehr Düsseldorf!“

Auf der Straße: Unsere Hamburgerin, sie überrascht dann doch immer wieder. Da denkt man als vermeintlicher Kenner eher an Beige und Sabine Christiansen, und dann erfährt man bei der Gucci-Mitarbeiterin, dass Deutschland einer der erfolgreichsten Märkte ist und sogar die Boutique am Neuen Wall „sehr vielversprechend“ läuft. Heißt: Die Hamburgerin traut sich mehr, als man ihr zutraut. Kann also gut sein, dass man an einem sonnigen Tag auf jemanden mit Glitzerfransen-Umhang trifft, kurz denkt, es handele sich um den FlyerVerteiler eines Gartenmöbel-Fachgeschäfts, und glücklich feststellt, dass eine weitere Frau beschlossen hat, eintönige Bekleidung gegen lustige Mode einzutauschen.

Der Frühling stimmt die Hamburgerin zuversichtlich. Etwa dahingehend, dass modische Kuriositäten, die an Seine und Mittelmeer funktionieren, auch an der Elbe so falsch nicht sein können. „Gala“-Modechef Marcus Luft erklärt den feinen Unterschied. Christina Thrän illustrierte

Musterschülerin Durchschaubar

Influenced

Auf dem Laufsteg: Miuccia Prada gilt in der Branche als „die Intellektuelle“, früher auch noch, hui, Kommunistin. Nun, es erklärt vielleicht ihr Verständnis von Mode. Ein normales Bild von Schönheit ist für sie verpönt wie Mettbrötchen in einem veganen Haushalt in Ottensen. Nur konsequent also, dass das Thema Musterund Materialmix anders umgesetzt wird als, sagen wir, in einer Damenboutique im Einkaufszentrum Hamburger Meile (Werbeslogan dort: „Das ist kein Einkauf. Das ist ein Auftritt“). Prada setzt auf strenge Silhouetten, konterkariert diese dann aber mit allerlei Prints, Streifen und Karos. Und als wäre das nicht genug, werden noch Straußenfedern angenäht und Gänseblümchen auf die Schuhe montiert. Donnerscholli!

Auf dem Laufsteg: Wenn man durch Hamburgs Wohngegenden fährt, stehen überall am Straßenrand große, vollgestopfte Container mit der Aufschrift „Altkleider“. Auch in Frankreich gibt es derlei Innovationen. Auf ihnen steht „vetements“, Französisch für „Bekleidung“. Da alles am Ende irgendwie einen Sinn ergibt, ist es durchaus nachvollziehbar, dass das derzeit angesagteste Avantgarde-Label genau diesen Namen trägt. Denn die Kollektion erinnert ganz oft genau an den Inhalt jener Plastiktüten, die vor den vollgestopften Altkleiderconctainern in Altona-Nord oder Barmbek stehen. Aktuell gibt’s beispielsweise Oversized Sportswear, bestehend aus Hoodies, Jogginghosen und Label-Socken. Kann man verstehen – muss man aber nicht.

Auf der Straße: Laut Statistik regnet es in Hamburg rund 15 Tage im Monat. Es muss also auch in den wärmeren Jahreszeiten mit Nässe gerechnet werden. Was das mit einem Prada-Outfit zu tun hat? Nun: Haben Sie schon mal einen nassen Straußenvogel gesehen? Eben. Aber so etwas stört eine hanseatische Prada-Anhängerin kein bisschen. Erstens hat sie ohnehin ein Auto und parkt zur Not in der zweiten Reihe am Neuen Wall. Oder aber sie trägt den Look nur bei schönem Wetter. „Joa, nicht so richtig sexy“-Bemerkungen des Partners überhört sie ohnehin bei jedem Wetter. Dafür genießt sie die bewundernden Blicke anderer Frauen in der Elbphilharmonie-Matinee und sagt stolz, zurückhaltend aber keineswegs leise: „Ja, Prada. Neue Saison.“

Auf dem Laufsteg: Seit Nicolas Ghesquière Artistic Director der französischen Luxusmarke Louis Vuitton ist, hat sich das Image der Marke radikal verändert. Würde man die Zielgruppe früher eher auf einem Stoff-Stühlchen im „Café Condi“sehen, geht die Kundschaft heute eher einen Stockwerk tiefer ins luxuriös-lässige „Nikkei Nine“. Louis Vuitton hat immer eine gewisse Strenge, kombiniert mit futuristischen, aber auch sehr femininen Details. Ein Abendkleid zeigt mehr, als es verhüllt, ist aber dennoch kein bisschen ordinär. Es wirkt pur und hat doch mehr Glamour als viele aus Seidentaft gearbeitete Alternativen. Auf der Straße: Alster-Spaziergang, Jenisch Park, HafenCity – Hamburg hat viele Highlights. Die Ballsaison gehört eher nicht dazu. Zeit, die Gesellschaft mal ein wenig aufzumischen. Dank Sitzheizung kann man auf der Fahrt zum Veranstaltungsort ein wenig vorwärmen. Beim Vorempfang an der Sektbar gibt es Blicke und Komplimente („Ach, das ist ja mal ein mutiger Look!“) gratis dazu. Nur Einladungen für gesetzte Essen sollte man besser ablehnen. Ebenso ist abzuraten von einem gemütlichen Plausch in der komfortablen Sitzecke im Ballsaal. Denn der Stoff könnte kratzen oder gar Muster auf der nackten Haut verursachen. Lieber also durchtanzen. Machen Französinnen auch so. Deshalb sind sie ja cool – und übrigens auch so dünn …

Auf der Straße: „Ach, das ist doch wirklich eine gute Sache, dass sie Bedürftigen die Sachen abkaufen. Wie heißen diese Geschäfte?“ Auf solche Gespräche mit frankophilen Hamburgern muss man sich schon gefasst machen, wenn man die Bekleidung von Vetements trägt. Aber das ist der trendbewussten Hamburgerin egal. Sie kauft gern die 900-Euro-Hoodies, sucht verzweifelt nach den weltweit ausverkauften Socken (das Paar rund 90 Euro) und geht damit stolz über den Eppendorfer Baum. Schließlich ist man ja nicht irgendeine ModeSchickse, sondern sieht sich mehr als internationale Influencerin, jene neue Generation von Instagram-Stars, die heute einen Status haben, den früher Topmodels wie Naomi hatten. #crazy #fashion #moin

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Blick ins Innere des Brahms Kontors. Jacke aus japanischer Wollserge, mit Nieten verziert. Rechte Seite: Jacke und Hose mit Essence-of-Desire-Motiven

Durch die Decke PHILIPP HOCHMAIR WAR VOR ALLEM EIN THEATERSTAR. SEIT DER TV-SERIE „VORSTADTWEIBER“ KENNT DEN WIENER, DER SEIT ZWANZIG JAHREN IN HAMBURG WOHNT, NUN SO ZIEMLICH JEDER. VOLKER CORSTEN TRAF IHN ZUM INTERVIEW IM FOYER DES BRAHMS KONTORS FOTO: NICOLAS SCHWAIGER STYLING: CHRISTINA VAN ZON GROOMING: FRASER FRANCIS FOTOASSISTENTIN: KATRIN GOTTSCHALK Alle Outfits sind von Dior Homme. Der Beistelltisch „Cesar“ in Granit ist von Minotti; über Ulrich Stein Einrichtungen. Das Brahms Kontor war einst das höchste Bürogebäude der Stadt. Heute erinnert das Art déco-Interieur an die 20er-Jahre

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INTERVIEW

P

hilipp Hochmair zieht zur Begrüßung sein berühmtes Grinsen, das nach Bedarf freundlich, hintergründig oder diabolisch sein kann. Der Wiener, der seit 1998 in Hamburg lebt, gehörte lange zu den Intensivtätern auf Deutschlands Bühnen. Er spielte fest am Burgtheater, dann am Thalia Theater, er ist einer jener Schauspieler, die sich gern auf der Bühne verausgaben. Lange war der 43-Jährige die Allzweckwaffe des Regisseurs Nicolas Stemann. Er war dessen Franz und Karl Moor in den „Räubern“, der Werther im „Werther!“ und der Mephisto in Stemanns Marathon-„Faust“. Hochmair ist aber auch ein Schauspieler im Wandel. Auf den Bühnen ist er derzeit nur noch mit Einpersonenstücken unterwegs, etwa dem „Werther!“, den er seit 20 Jahren spielt. Dafür dreht er mehr Filme und hat sich in der Serie „Vorstadtweiber“ (ORF/ARD), einem Riesenerfolg, als schwuler, durch und durch böser Politiker ins Zentrum gespielt. Er hat derzeit also allen Grund zu grinsen.

form zurechtlegt. Und so ein Anzug, das ist ja für einen Mann eine Art Uniform. Theaterschauspieler haben oft einen ganz eigenwilligen Modestil. Ist das bei Ihnen auch so? Ich war einmal zu Gast bei der Late-NightShow „Willkommen Österreich“ im ORF, der Autor Benjamin von Stuckrad-Barre war auch da, sah mich und sagte sofort: „Du siehst aus, als wärst du ein Theaterschauspieler.“ Mich hat, als ich Ende der 90er nach Hamburg gezogen bin, der Stil auf der Schanze geprägt, diese seltsame Fusion der Stile, die eigentlich gar nicht zusammenpassen. Die Secondhandläden dort waren ein Mekka für mich. Vielleicht ist dieser Stil typisch fürs Theater. Obwohl ich mich heute gar nicht mehr nur wie ein Theaterschauspieler fühle. Habe ich aber lange getan. Wie fühlt sich denn ein Theaterschauspieler? Also ich habe mich lange über den Körper definiert, über den Stress, diesen Rausch, ein permanentes Gefühl des Kurz-vorm-Ertrinken-Seins, den so ein intensiver Abend

denkt man, man ist das Zentrum der Welt – so ist es aber nicht. Aber wenn du den schwulen Politiker in den „Vorstadtweibern“ spielst, dann kennt dich auf einmal jeder. Ich drehe gerade die dritte Staffel, bin da schön langsam ins Zentrum gerückt. Das ist ein richtig durchgeknallter Typ geworden. Mephisto im Fernsehen. Also genau mein Ding. Fehlt Ihnen beim Drehen manchmal die Bühnen-Intensität? Es stimmt schon, dass man sein Leben vielseitig umstellen muss, die Ernährung etwa. Ich habe beim Film körperlich nicht mehr den Output, den ich in meiner Zeit am Theater hatte. Fällt das schwer? Sie sollen sehr gern essen … Ich esse wahnsinnig gern. Ich koche auch gern. Ich bin einfach ein sinnlicher Mensch – und Kochen und Essen sind ja der Inbegriff von Sinnlichkeit. Sie spielen Ihre One-Man-Show „Werther!“ seit 1997, mittlerweile auch auf Englisch, Französisch, Spanisch. Was reizt Sie so sehr daran? Das Tolle daran ist, dass es mir aus der Perspektive heraushalf, es gäbe nur das Thalia Theater oder nur das Burgtheater. Das war eine sehr intensive und erfahrungsreiche Zeit. Man denkt, nur hier spielt die Welt. Und dann stellt man fest: Die Welt ist etwas ganz anderes. Weil die Form bei „Werther!“ so offen ist, lässt es sich problemlos überall adaptieren. Ich bin mir sicher, das ist die Theater-Zukunft.

Links: Jacke aus Nylon und abgesetzten Strickbündchen. Hose mit Hahnentrittmuster aus Leinen und Baumwolle. Rechts: Hemd aus Baumwollpopeline und Jacke mit Mikro-Streifen sowie eine Jogginghose aus Wollserge

Herr Hochmair, wir haben Sie in Dior Homme fotografiert. Haben Sie schon öfter gemodelt? Ein paar Mal. Modeln hat ja durchaus seine Ähnlichkeit mit dem Drehen, damit, einen Typ für die Kamera zu erfinden. Für „Rondo“, die Lifestyle-Beilage des Wiener „Standard“, habe ich im Herbst eine Strecke gemacht, da kamen dann Kommentare im Internet, als Schauspieler von Rang dürfe man so etwas nicht. Ich verstehe das gar nicht. Mir macht das Spaß.

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Interessieren Sie sich denn für Mode? Nicht rasend, dafür habe ich einfach keine Zeit. Ich trage aber gern Anzüge. Wenn man zum Beispiel zehn Tage auf der Berlinale war und einen Termin nach dem anderen hatte, da braucht man schon gewisse Strukturen. Da hilft es, wenn man sich eine Uni-

im Theater schafft. Das ist der kreative Zustand, in dem man am besten „Torquato Tasso“ spielt. Da wollte ich nun aber raus. Ab einem bestimmten Zeitpunkt, das ist mein Gefühl, muss man sich als Schauspieler ein bissel verändern. Wie meinen Sie das? Ich hatte das Gefühl, eine neue Herausforderung zu finden, schon länger – verfestigt hat es sich aber erst mit der TV-Serie „Vorstadtweiber“, die ein irrsinniger Erfolg wurde. Film und Serie verlangen eine ganz andere Mechanik, eine ganz andere Innensicht von mir als Schauspieler. Das hat mich interessiert – als Entwicklungsschritt. Werden Sie nun auch anders wahrgenommen? Ich hatte große Rollen am Burgtheater, da

Waren Sie schon immer reiselustig ? Total. Ich bin vor allem wissbegierig und neugierig und lebenshungrig. Ich bin aber auch gern in Hamburg.

Wo wohnen Sie genau? In Rothenburgsort. Vor fünf, sechs Jahren bin ich, wie viele andere Künstler, zusammen mit einem Malerfreund dort hingezogen und habe mich in die Gegend verknallt. Was ist so reizvoll an Rothenburgsort? Ich kann dort in die Elbe springen oder gehe ins Café „Entenwerder“. Dort leben sogar noch Fischer. Die Gegend hat etwas Einzigartiges, Paradiesisches. Wien ist doch aber auch paradiesisch. Vermissen Sie es nicht? Nein. Hamburg ist so ein schönes Gegenstück. Wien ist katholisch und heißblütig, Hamburg ist protestantisch und distanziert. Wien ist eine geschlossene Gesellschaft, Hamburg ein Tor zur Welt.

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Wer Mylin sagt, denkt an antike Kachelöfen und gustavianische Möbel. Jetzt wurde angebaut. Imke Wein sah sich um, Alexander Heil fotografierte um

K

ein Sylt-Besuch ohne Ausflug nach List. Der obere Inselzipfel ist bei Schlechtwetterlage eine Rundumlösung gegen Langeweile. Zunächst, weil der Weg ein Ziel ist, die Fahrt durch die Wanderdünenlandschaft etwas Erhebendes hat. Aber auch, weil List inzwischen wirklich mehr bietet als Scampi-Knobi. Bis vor gut einem Jahrzehnt war der marinegeprägte Ort in etwa so attraktiv wie eine Dose Labskaus. Man fuhr direkt durch zur Fähre nach Dänemark oder zu Goschs Bude am Hafen und stoppte vorher nur, wenn man zum guten Zahnarzt musste. Doch dann wurde das Areal am Hafen radikal umgestaltet, ein maritimes Disneyland entstand, entlang der Zufahrt zu Hafen und Anleger siedelten sich viele neue Geschäfte an, die alteingesessenen vergrößerten sich. Die Eröffnung des „Erlebniszentrums Naturgewalten“ und des 5Sterne-Hotels „A-Rosa“ sorgten für ganz neue Attraktivität. Ein weiteres Projekt, der Lister Markt im Herzen des Ortes, ist gerade in Arbeit. Eine städtebauliche Perle verspricht List zwar trotzdem nicht zu

werden, aber es gibt hier eindeutig das beste Eis der Insel, prima Austern, echtes Inselsalz, die größte Auswahl an Surfmode, eine der besten Kosmetikerinnen – und es gibt „Mylin“. Ein Fachhandel für antike Kachelöfen, Kunst, exquisite Möbel mit Schwerpunkt auf gustavianischem Stil, hochwertige Baumaterialien, besondere Holz- und Steinfußböden und seit einiger Zeit auch für Living-Accessoires. Anzuhalten lohnt sich aus etlichen Gründen – und nicht zuletzt, weil die oben erwähnte Eismanufaktur mit den täglich wechselnden Sorten direkt gegenüberliegt. „Ja, seit letztem Sommer verstehe ich viel von Eis. Ich habe oft und gern die Gespräche der Gäste auf der Terrasse verfolgen dürfen“, sagt Björn Mylin mit Blick auf die gerade noch verwaiste Außenfläche vor seinem Pop-up-Store. Der allerdings keine Konkurrenz zur Eisdiele ist. Das ganze Ensemble an der Lister Dünenstraße gehört der Familie, und als einer der Mieter ausgezogen war, spielte Björn, der Jüngste im Clan, mit einer Idee: „Warum starten wir nicht mit einer jungen Linie – klassisch, schlicht, aber

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Björn Mylin ist eines von sechs Geschwistern, die für Kollektionen wie „Clåssics“ verantwortlich zeichnen

mit reichlich Zeitgeist?“, schlug er den vier Geschwistern vor. „Mach doch“, hieß die norddeutsch-nüchterne Antwort des Plenums. Feuer und Flamme waren sie trotzdem und berieten sich. So geht es immer bei den Mylins: Wer als Erster „hier“ schreit, hat den Hut auf, aber die anderen mischen trotzdem mit. 1971 hatte der ehemalige Küfer Jens-Christian Mylin aus Heide sein erstes Geschäft in Keitum eröffnet. Heute kann man davon ausgehen, dass die Mylins, die auch Geschäfte auf dem Festland und auf Föhr betreiben, so gut wie jede Immobilie auf der Insel kennen. Entweder weil sie dort alte Fliesen ausgebaut oder wieder eingebaut haben oder weil sie Kachelöfen und andere Waren aus ihrem umfangreichen Sortiment geliefert haben, auch Lampen und andere Eigen-Entwürfe. Inzwischen haben die Kinder Lars, Jens, Susanne, Finn, Björn und Daniel das Unternehmen übernommen, der Vater berät noch. Wie das im Alltag funktioniert? „Ganz einfach“: Die Zuständigkeiten sind klar aufgeteilt. Der eine macht die antiken Möbel, der andere die Kachelöfen, die alten Holzböden, der nächste

die neuen Bodenbeläge, der eine ist für Föhr zuständig, der andere für Risum. Und jeder hier kann im Prinzip alles. Telefoniert wird täglich und bei den Sitzungen auch überaus genau Protokoll geführt. Mit Niels und Ole Mylin sind auch die ersten Enkel im Familienbetrieb tätig. Der beliefert längst nicht mehr nur den norddeutschen Raum. Eine lässigere Möbel- und Wohn-Accessoire-Linie zu schaffen, schien nur konsequent. Und an Tempo und unternehmerischem Drive hat es bei den Mylins noch nie gemangelt. „Es ging alles rasant schnell. „Wir entwickelten im Februar 2016 einen Namen und ein Logo und eröffneten den Laden im Juni“, berichtet Björn. Und nicht zuletzt weil er in Schweden studiert hat und den Lifestyle dort schätzt, heißt die Linie „Clåssics – Interiør & Lifestyle“ (sprich: Klossiks). Also der auf Sylt so beliebte „Nordic by nature“-Look wieder? Ja und nein. Ja, wegen der klaren Linien und der dezenten Farbigkeit, wegen der Strandhaus-Optik. Es gibt aber auch Anklänge an DesignEvergreens, Einzelstück-Charakter. Und das Couchtisch-Duo aus alten Holzdielen und mit Metallbeinen im Industrie-Chic wurde gleich in der ersten Saison ein paar Dutzend Mal verkauft. Moderner, kantiger ist der Stil, und unbedingt nachhaltig. Das ist Björn wichtig. Die Lampen zum Beispiel kommen aus der Bretagne, wo sie aus echtem Strandgut zusammengebaut werden. Austern, Treibholz. Das Holz für die Möbel und bald auch für Fußböden stammt von alten Wirtschaftsgebäuden, überwiegend aus Nordskandinavien, bisweilen auch Italien und Österreich. Im Gegensatz zu sonst werden aber nicht die alten Böden, sondern die Außenwände verarbeitet. Während weiter im Süden Schwedens die Häuser traditionell mit roter Farbe gestrichen wurden, quasi ein Abfallprodukt der Erzproduktion, blieben die Holzbauten in den nördlicheren Regionen unbehandelt. Mit solchem Material lässt sich besser arbeiten, wobei Björn Mylin bereits darüber nachdenkt, ob man das typische rote Holz nicht auch so nachbehandeln könnte, dass es für „Clåssics“Möbel einsetzbar wäre. Auch wenn der deutsche Geschmack dafür noch sensibilisiert werden müsste. Im Sommer wird es erst einmal einen Shop-in-Shop von einem Schweizer Händler für südafrikanische Keramik geben. Die Holzquelle hat auch das Logo bestimmt. Ursprünglich dachte Björn an einen Hering, doch das war ihm zu naheliegend. Auch ein Hermelin wurde schnell wieder verworfen. Am Ende wurde es ein (skandinavischer) Bär. War ja auch eine starke Idee.

Was bleibt von ����? Doktor Schiwago schwärmt von Lara, Charles und Ray Eames geraten angesichts ihres neuesten Entwurfs ins Schwärmen: ein Stuhl aus glänzendem Aluminium, bespannt mit Stoff in unvergleichlicher Eleganz. Ein Klassiker der Moderne: Der Aluminium Chair.

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In aller Ruhe Das neue „Beach Motel“ in Heiligenhafen war sogar im kalten März rappelvoll. Seit ihrem Besuch wundert sich Esther Strerath nicht mehr

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an sieht es schon, kurz nachdem man die A 1 verlassen hat, wenn man auf den Strandweg einbiegt: Holzfassaden erstrahlen auf der gegenüberliegenden Seite des Sees – ein bisschen kanadisch wirkt das. Wir checken ein im neuen „Beach Motel“ in Heiligenhafen. Ja, das letzte Stück hatte sich ein wenig gezogen, vorbei an vertrauten Ausfahrten wie Timmendorf und Scharbeutz, noch weiter in den Norden. Es hat sich gelohnt. Hier ist Ruhe. „Da war früher nix“, hatten Hamburger Freunde erzählt, die vor 20 Jahren an dem Landzipfel vor Fehmarn Kiten üben konnten, ohne auf Strandurlauber Rücksicht nehmen zu müssen. Vier Stufen hinauf über eine Holzveranda, erreicht man die Rezeption, freundlicher Hamptons-meet-Country-Stil. Die Rezeptionistin schickt uns überraschend in den vorderen Orient. Kein Scherz: Die „Samowar Suite“ wartet mit Teppichen im Orientstil, Lammfellen auf der Sitzecke, perforierten Lampen silbernen Tablett-Tischchen, bunten Teelichtern und Samowar auf. Die LPs mit türkischem Pop von Selda und Sözüm Meclisten Dışarı lassen sich nicht abspielen, aber wofür gibt es YouTube? Der Blick vom Balkon auf die Ostsee nordet aber schnell wieder auf den richtigen Breitengrad ein. Vom Geplätscher des Meeres geweckt, erträgt man das Gedränge vor dem Kaffee-Automaten am nächsten Morgen gelassen. Das Hotel ist beinahe ausgebucht. Und das zum Wochenbeginn im kalten März. Direkt vor der Tür des riesigen Frühstückraumes liegt die 2012 eröffnete Seebrücke (435 Meter lang), ein alter Mann mit Schiffermütze fährt auf seinem Fahrrad vorbei und schaut sich das Treiben hier an. Postkartenmotiv.

Aber das Schönste ist der Strand, der so tut, als ginge ihn der neue Hotspot hinter ihm gar nichts an. Man kann kilometerweit gen Osten laufen, auf ein Dutzend bunte, reetgedeckte Strandvillen zu. Es ist auch der Lieblingsplatz von Hotelier Jens Sroka, der gemeinsam mit Sönke Kähler hier sein viertes Hotelprojekt realisierte („Strandgut“ und „Beach Motel“ in Sankt Peter-Ording, „Bretterbude“ in Heiligenhafen). „Einmalig“, schwärmt er, sei die Halbinsel Graswarder, „wunderwunderschön“. Vor sieben Jahren hatte er während eines Vortrags das erste Mal von dem Grundstück in Heiligenhafen gehört, jetzt werden die letzten Arbeiten auf einem 42.000-Quadratmeter-Areal durchgeführt, bevor die Sommersaison losgeht. Das Ausmaß erschließt sich auf dem Rückweg auf der Binnensee-Seite und vorbei an dem Naturschutzgebiet, auf einer Wiese haben sich Hunderte Vögel niedergelassen, herrlicher Krach! Man geht auf „Sroka-Town“ zu. Ein ganzes Dorf wurde aus dem Boden gestampft, rechts neun Ferien-Apartmenthäuser, links das Haupthaus und die beiden kleineren Häuser des „Beach Motels“, eine kleine Fußgängerzone mit Shops, am Anfang steht die Bretterbude. Sie ist quasi die kleine Schwester des „Beach Motels“, will jüngeres Publikum anziehen, vor dem Eingang, einem Garagentor, wartet eine Halfpipe auf Skater, die Bar nennt sich „Spelunke“, den Ausgang weist die Aufschrift „raus“. Im Restaurant des „Beach Motels“ gibt es ab 14 Uhr Tee und Torten. Zehn Minuten vorher nicht, aber dafür singt ein alter Herr seiner Schwester ein bezauberndes Geburtstags-ständchen. Wir überbrücken die Wartezeit im Foto-Automaten, der Mini-Fotostreifen in Schwarz-Weiß ausspuckt. Ein lustiges Souvenir.

LIEBLINGE UNSERER REDAKTION

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ATC H W SCHÖN & EHRLICH Stimmt schon – skandinavisches Design sieht man gerade ziemlich oft. Das macht aber überhaupt nichts, wenn die Teile so liebevoll ausgewählt und perfekt mit Stücken aus deutschen Manufakturen wie zum Beispiel Hamburger Lampenschirmen kombiniert werden wie bei „schön & ehrlich“. Die Kommunikationsdesignerinnen Indra Tausendschön und Christina Torbahn haben in Winterhude einen Laden voller

TISCH & STUHL W bei FranWer ziska Kulenkampff auf einem der vielen Vintage-Stühle Platz nimmt, bekommt allerhand geboten: Konzerte, Ausstellungen, Kulturveranstaltungen, gelegentlich auch Hochzeiten. Die Möbelrestauratorin hat in Ottensen einen Concept Store eröffnet, dessen Kerngeschäft sich schon im Namen offenbart. Die Stühle, vom Loungechair bis zum Freischwinger, kauft die Inhaberin gebraucht und restauriert sie – 34 Jahre Erfahrung als Handwerkerin stecken in jedem Handgriff. Die Tische lässt sie in Norwegen oder eine Tür weiter im angeschlossenen Gewerbehof fertigen. Genauso wie die Keramik, die überall im Laden wie zufällig platziert steht. Dabei handelt es sich bei den Tischen lediglich um Prototypen. Details wie die Holzart, Schubladen, Gestellmaterial und Maße werden den Kundenwünschen angepasst. Einfach nur mal Probe sitzen geht natürlich auch.

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LOCKENGELÖT „Witzige“ Produkte nerven ja manchmal ein bisschen. Die Ideen von „Lockengelöt“ machen Spaß. So wie der Flaschenöffner „Biergrätsche“, der in seinem früheren Leben eine Kickerfigur war. Bestseller sind die Schlüsselbretter aus alten Büchern namens „Schlüsselroman“ – ein fröhliches Wiedersehen mit „Bille&Zottel“ oder „TKKG“. In der Marktstraße produzieren Dennis Schnelting und Carsten Trill auch noch Möbel aus alten Ölfässern, gestalten Deckenleuchten aus Schallplatten oder verwandeln Skateboard-Teile in Eierbecher.

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Hamburger CapsuleKollektion K Nahrungsergänzungsmittel sind ein Milliardengeschäft. Aus Hamburg kommt der echte Stoff, hat Susanne Opalka recherchiert

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ertrau, schluck – nur was? Claudia Seehusen und Suse Leifert haben die Frage nach Jahren mit Superfood-Selbstversuchen für sich beantwortet: Trau keiner Kapsel, die du nicht selbst zusammengestellt hast. Dem riesigen Markt an Nahrungsergänzungsmitteln mit rund 7,2 Milliarden Euro Umsatz in Europa – 35 Prozent der Deutschen nehmen sie laut aktuellen Umfragen regelmäßig, haben die beiden Hamburgerinnen jetzt ihre eigene Kapsel-Kollektion hinzugefügt. Als erster deutscher Anbieter produzieren sie Supplements aus Mikronährstoffen, die zu 100 Prozent natürlicher Herkunft sind und vegan. „Ogaenics“ getauft. Man mag es kaum glauben bei dem unüberschaubaren Angebot, doch was aus dem Firmensitz in der Heimhuder Straße kommt, bietet tatsächlich ein Novum: Alle enthaltenen Vitamine werden in einem aufwendigen, patentierten Verfahren ohne Einsatz von Chemikalien und Zusatzstoffen schonend aus Früchten, Kräutern und Pflanzen extrahiert – jeder einzelne Rohstoff, jede Charge wird zertifiziert, wissenschaftlich dokumentiert. „Novel Nutriology“ eben, so der Firmenname, was sich etwas sperrig ausspricht und mit „Neuartige Ernährungslehre“ übersetzen ließe. „90 Prozent der angebotenen Produkte sind synthetisch“, erläutern die Freundinnen den Unterschied zu ihrem Projekt. Suse Leifert: „Ein natürliches Vitamin-C-Molekül ist sehr komplex. Was die Labore als Ascorbinsäure herstellen, ist lediglich der äußere Bereich der Molekül-

struktur – so als wenn wir bei der Orange nur die Schale essen und das ganze Innenleben nicht.“ Claudia Seehusen ergänzt: „Wenn der Körper nur den äußeren Ring des Vitamin Cs bekommt, holt er sich aus dem Gewebe die Stoffe, die ihm fehlen. Wir produzieren also damit einen Mangel!“ So seien auch die immer wiederkehrenden Schlagzeilen zu erklären, wenn es heißt, Nahrungsergänzung mache auf Dauer krank. Bleiben aber die anderen zehn Prozent? „Die wenigen natürlichen Supplement-Produkte, die es gibt, enthalten oft Zusatzstoffe oder sind schlicht zu niedrig dosiert. Und viele kommen in Plastikcontainern, was wir aus Nachhaltigkeitsaspekten ablehnen.“ Schon immer interessiert an gesundem Lifestyle – beide lebten und arbeiteten auch zeitweise in den USA („Wir haben Stunden bei Walgreens vor den Regalen mit den Supplements verbracht“) –, führten sie trotzdem das Großstadtleben beruflich stark engagierter Frauen. Claudia Seehusen als Beraterin mit eigener Firma für gesellschaftliche Verantwortung und Nachhaltigkeit, Suse Leifert als Marketingberaterin großer Unternehmen. „Wir haben beide immer Gas gegeben, 60-Stunden-Wochen waren normal, immer im Einsatz, rund um die Uhr verfügbar, knapp am Burn-out vorbei.“ 2012 kam der Schnitt. „Bei der ersten Untersuchung nach der Geburt meines Sohnes wurde bei mir Krebs festgestellt“, so Suse Leifert, „glücklicherweise operabel. Zur Nachbehandlung war ich bei einem Arzt, der viel zu niedrige Vitaminspiegel feststellte und mich mit Nahrungsergänzung eingestellt

hat. Das war meine zweite Erfahrung. Denn eigentlich habe ich auch multiple Sklerose, die aber nie ausgebrochen ist. Entzündungsherde, die vorhanden waren, konnten mit Vitamin E und Zink, hoch dosierten Antioxidantien, im Zaum gehalten werden. Ich habe natürlich nach der OP wieder gearbeitet.“ Doch dann wurde Leiferts kleiner Sohn Tom sehr krank. Pausetaste, Neuorientierung. „Als wir uns im Januar 2014 trafen, hatten wir beide gerade mit großer Faszination das „Handbuch Prävention Anti Aging“ verschlungen. Wir waren fasziniert, was Mikronährstoffe sogar auf der genetischen Ebene bewirken können“, erzählt Suse Leifert. Erst war es nur eine fixe Idee, daraus ein Geschäftsmodell zu machen, aber dann vertieften sich die Freundinnen in den Markt und seine Regularien, lernten alles, „was wir nicht ohnehin schon wussten“ über Ernährung und Nahrungsergänzung – eine Ausbildung zum Ernährungscoach war Pflicht –, führten Gespräche mit Experten, „mit klugen und nicht so klugen“, betrieben Marktforschung, suchten nach den besten Rohstofflieferanten und Produktionsstätten. Die Auswahlkriterien für die Rezeptur waren sofort klar: 100 Prozent natürlich, wissenschaftlich nachgewiesene Wirkung und vor allem ohne jegliche Zusatzstoffe. „Das Schwierigste war, jemanden zu finden, der so produzieren kann oder will“, sagt Claudia Seehusen. „Denn die Maschinen müssen langsamer laufen, viel häufiger gereinigt werden, das kostet viel Zeit und Geld. Und Rohstoff natürlich. Dieses Business ist den meisten zu mühselig.“ Im April 2016 konnten Seehusen und Leifert dann nach über zwei Jahren Entwicklungszeit das erste Ogaenics-Produkt „B-Happy“, einen Vitamin-B-Komplex aus Extrakten von Guave, Basilikumblättern und Zitronenschale, anbieten – zunächst in ihrem Onlineshop. Komplett made in Germany, der Lohnproduzent sitzt in Koblenz, ein renommierter Biochemiker aus München wacht über die Rezepturen. Vor ein paar Wochen ist auch der Vertrieb in Hamburg und Berlin gestartet, die „Meister Parfümerie“ und „Caro Functional Food“ in Eppendorf und das Uzwei in der Kaisergalerie haben die inzwischen sechs OgaenicsKomplexe aufgenommen. „Wir sind stolz darauf, dass wir diese Qualität anbieten, die in vielerlei Hinsicht einzigartig ist“, sagen beide. Und: „Wir haben uns komplett selbst finanziert, machen alles selbst – auch den Vertrieb, unsere Website, den Blog, weil wir alles lernen wollen und die Energie auch am besten selbst herüberbringen können.“ Den gelungenen optischen Auftritt steuerte allerdings die Agentur Tom Leifers bei – Suses Ehemann. „Ohne ihn hätten wir das ganze Corporate Design finanziell nie wuppen können.“ Umsatzzahlen gibt es noch nicht, aber: „Es läuft wirklich gut, besser als gedacht, besser als geplant!“ Gerade unterzeichneten die Unternehmerinnen einen Vertrag für acht Shops in Hongkong. Ab Mai werden dann „Mrs. OneA-Day Multivitamin Komplex“, „Timeless Skin“ und die ersten Kapseln für Männer auch dort zu haben sein. Ohne optische Anpassung an den asiatischen Markt. „Die Originalprodukte aus Hamburg, Germany, finden sie dort toll, so exotisch.“

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INSELGESCHICHTE

Mit Tamme auf Tour Christian Roll ist eigentlich Schauspieler. Auf Spiekeroog schlüpft er jeden Sommer in die Rolle des Pferdebahners. Tim Dinter illustrierte

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uperkräfte müssen im Spiel sein. Anders lasse sich nicht erklären, wie ich die rund zwei Tonnen schwere Pferdebahn mit bloßen Händen anschiebe. So raunt es durch die Reihen der stauenden Zuschauer, alle im einstelligen Bereich auf der Altersskala. Ein Stück weiter stehen die dazugehörigen Eltern, gleichermaßen verblüfft. Normalerweise zieht mein Pferd Tamme den Wagen mit 16 Sitz- und vier Stehplätzen. Tamme ist ein Tinker und trägt einen blonden Schnurrbart, der ihn vor allem beim Fressen aussehen lässt, als würde er eine Rede halten. Gerade macht er Pause, steht gemütlich kauend neben der Szenerie. Er kennt das Schauspiel schon. Die Pferdebahn ähnelt einem Eisenbahnwagen ohne Fenster und Türen, aber mit entsprechenden Rädern – und darin liegt auch ihr Geheimnis. Das muss ich vor jeder Fahrt lüften. Weil irgendeiner immer mitleidig auf Tamme schaut und etwas wie „das arme Pferd“ zischt – und das stimmt ja nun wirklich nicht. Die Reibung der Räder auf den Schienen ist so gering, dass der Wagen förmlich von allein voran gleitet. Jedes Gewicht lässt sich auf diese Weise etwa zehnmal leichter bewegen als auf der Straße. Eher muss ich zwischendurch mal auf die Bremse treten, damit die Bahn sein Zugpferd, das auf dem

Trampelpfad daneben trabt, nicht überholt. Seit rund 36 Jahren befahren wir nun Spiekeroog. Erst mein Vater Hans, jetzt ich. Dabei kommen wir eigentlich aus Pforzheim. Ein Familienurlaub führte uns vor vielen Jahren auf die Insel. Genau zur richtigen Zeit, als es den alten Schienen an den Kragen gehen sollte. Schon früher fuhr auf ihnen eine Pferdebahn, genauer seit 1885, später folgte ein Dieselzug. 1981 sollte mit all dem Schluss sein. Der Hafen wurde von der anderen Inselseite in die Nähe des Ortes verlegt. Eine Inselbahn brauchten die Spiekerooger nun nicht mehr, um die 3,5 Kilometer zum Anleger im Watt zu fahren. Mein Vater hatte einen anderen Vorschlag. Er war von je her großer Straßen- und Pferdebahn-Fan, spürte ausrangierte Wagen auf und vermittelte sie an Museen. Kurz vor unserem Urlaub auf dem Spiekerooger Campingplatz hatte er ein altes Modell restauriert. Es muss der Blick auf die nur einen Meter breite Spurweite der Schienen gewesen sein, jedenfalls kam ihm die Idee, die Tradition der Pferdebahn wiederzubeleben. Auf einer Ferieninsel ohne Autos müssten die Leute doch auf so etwas Lust haben, war seine Überlegung. Zudem war die Bahn die einzige Verbindung zum Zeltplatz, dessen Sandwege sich ansonsten nur zu Fuß bezwingen ließen. Der damalige Bürgermeister war begeistert und überzeugte schließ-

lich auch den Gemeinderat. Die frisch restaurierte Pferdebahn wurde dem hiesigen Museum zur weiteren Nutzung übergeben. Diverse Leute, vom Studenten bis zum örtlichen Pferdetrainer, versuchten sich gelegentlich als Pferdebahner. Mein Vater ging in Frührente und nahm von da an selbst die Zügel in die Hand. Seitdem verbrachten wir jeden Sommer auf der Insel und kutschierten die Feriengäste. Ab und zu durfte ich meinen Vater vertreten. Das ist heute undenkbar, man braucht einen Kutschenführerschein. Als ich vor drei Jahren das Amt meines Vaters übernahm, habe ich den schnell nachgeholt. Nun bin ich selbst von Ostern bis Oktober Insulaner. Das geht nur, weil ich in meinem Beruf als Schauspieler sehr flexibel bin und keine Familie mit schulpflichtigen Kindern habe. Die Spiekerooger unterstützen mich sehr. Im Bahnhof gibt es eine kleine Wohnung, die ich jede Saison kostengünstig von der Kurverwaltung anmiete. Mein Tag beginnt um 7 Uhr früh, eine Stunde später geht es raus zu Tamme auf die Koppel – Pferdefrühstück. Um 12 Uhr hole ich ihn zum Anlegen des Geschirrs. Inzwischen klappt das in einer Viertelstunde, die Handgriffe sitzen. Am Bahnhof gibt es eine Tafel, auf die ich Abfahrtzeiten schreibe oder bei Schietwetter die Leute informiere, dass heute keine Fahrt stattfindet. Dann habe ich sozusagen Wochenende. Denn eigentlich fahre ich sieben Tage die Woche raus, etwa dreimal am Tag. 1,3 Kilometer ist die Strecke zum Sturmeck lang. Die Hintour legen wir gemächlich im Schritttempo zurück. Ich nutze die Zeit, um den Fahrgästen ein bisschen was über die Pferdebahn und die Geschichte der Insel zu erzählen. Zwischendurch durchqueren wir das große Deichtor – unser Sorgenkind. Im Winter ist es geschlossen, und wenn es schlecht läuft, könnte das ein Dauerzustand werden. Der Deich muss erhöht werden. Ein neues Tor kostet mehr, als die Gemeinde bezahlen kann. Wenn wir die Pferdebahn unter Denkmalschutz stellen lassen, bekommen wir das Geld für eine neues Tor vielleicht zusammen. Dann möchte ich ein zweites Pferd anschaffen, einen Kollegen für Tamme. Reif für die Frührente sind wir beide nämlich noch lange nicht. Aufgezeichnet von Jennifer Hinz

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