Die Tote von Deptford - Die Onleihe

Die Tote von Deptford - Die Onleihe

wenigen verbliebenen waren beschäftigt – oder zumindest hatten sie so viel zu tun, dass sie Constable Evans zu mir geschickt hatten. Ich las den Brie...

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wenigen verbliebenen waren beschäftigt – oder zumindest hatten sie so viel zu tun, dass sie Constable Evans zu mir geschickt hatten. Ich las den Brief langsam. »Eine ermordete Frau, wie?« »Die Leiche liegt noch genau dort, wo man sie gefunden hat«, drängte Evans. »Ich soll Sie hinbringen, Sir.« Der junge Kerl hüpfte vor Aufregung von einem Bein aufs andere. Es war erforderlich, etwas zu unternehmen, bevor dieser eifrige junge Merkur von seiner Erregung so übermannt wurde, dass ich ihm einen Eimer Wasser über den Kopf schütten musste. Ich schickte ihn nach draußen, um eine Kutsche zu suchen, die uns alle drei zum Tatort bringen konnte. »Tut mir leid, Morris«, sagte ich, als wir ihm langsam aus dem Gebäude folgten.

Morris murmelte eine Erwiderung, doch ich konnte ihn nicht verstehen. Es war auch nicht nötig. Auf dem Weg nach Süden und über den Fluss las ich erneut den Brief von Phipps. Ich saß neben dem jungen Evans, denn er war von schmalerer Statur als Morris, dessen großzügige Körpermasse die Bank uns gegenüber beinahe ausfüllte. Um lesen zu können, musste ich mich gehörig verrenken und den Brief so halten, dass das schauerliche Licht der Gaslaternen darauffiel. Es ließ das Dokument aussehen wie ein mittelalterliches Pergament. Das Ruckeln und Schaukeln der Kutsche auf der unebenen Straße ließ die Worte vor meinen Augen auf und ab tanzen, doch es gelang mir, sie zu erkennen. Der Mord wies einige ungewöhnliche Umstände auf, schrieb Phipps, ohne sich indes darin zu ergehen, welcher Natur diese

Umstände wohl sein mochten. Er war jedoch der festen Überzeugung, dass die Ermittlungen in den Händen von Scotland Yard besser aufgehoben seien. In Deptford verfügten sie einfach nicht über die erforderlichen Ressourcen. Die jüngste Zunahme an Schlägereien unter Betrunkenen und Seeleuten, viele darunter von ausländischen Schiffen und nicht des Englischen mächtig, beanspruchte ihre gesamte Arbeitskraft. Ich kannte Inspector Phipps nicht persönlich, doch ich hatte von ihm gehört, und er besaß den Ruf eines fähigen Beamten. Ich hatte jedoch meine Not, zu begreifen, dass in Deptford derartige Anarchie herrschte, dass die dortigen Beamten sich außerstande sahen, einer Mordermittlung Priorität zu geben, zumindest anfänglich. Falls sich tatsächlich herausstellte, dass es

Komplikationen gab, hätte man Scotland Yard zu einem späteren Zeitpunkt immer noch hinzuziehen können. Dass man uns sofort herbeigerufen hatte, brachte mir den Begriff »heiße Kartoffel« zu Bewusstsein. Ich spähte aus dem Fenster. Deptford stand schon lange in dem Ruf, die ungesundeste Gegend von London zu sein, und das trotz starker Konkurrenz durch andere Stadtteile. Doch die Gegend, die wir durchfuhren, erweckte den Eindruck eines lebhaften Viertels. Entlang dem Fluss lagen auf einer Seite Schiffe vor Anker, deren hohe Masten einen richtigen Wald vor dem nächtlichen Himmel bildeten. Gelegentlich wurde die Dunkelheit des winterlichen Nachthimmels durchbrochen von einem Schauer aus roten und goldenen Funken, als hätte jemand ein spektakuläres Feuerwerk gezündet. Die spontane Szenerie markierte

Stellen, wo Männer in einer der zahllosen Werften den Rumpf eines Stahlschiffs bearbeiteten. Wir rumpelten und polterten an den dunklen Silhouetten der großen Lagerhäuser vorbei, die ausnahmslos Großhändlern gehörten. Der Hafen von London war Ziel von Frachtschiffen aus aller Welt, und zwischen all den anderen Gerüchen, die ihren Weg in die Kutsche fanden, entdeckte meine Nase auch den Duft von Gewürzen und Tabak. Zahlreiche Geschäfte waren von den Docks abhängig: Kerzenmacher, Schmiede, Wagner, Stellmacher. Wir klapperten durch die Hauptstraße mit der üblichen Ansammlung von Krämern, Obsthändlern und Weinverkäufern. Viele von ihnen hatten selbst um diese späte Stunde noch alle Hände voll zu tun. Nach den flüchtigen Blicken, die mir möglich waren, schienen viele der Läden