Die Verschollenen - Bider & Tanner

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Timothy Zahn TM Die Verschollenen Ein gefährlicher Handel Aus dem Englischen von Regina Winter Das Star-Wars-Universum im Blanvalet Verlag in chro...

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Timothy Zahn

TM

Die Verschollenen Ein gefährlicher Handel Aus dem Englischen von Regina Winter

Das Star-Wars-Universum im Blanvalet Verlag in chronologischer Reihenfolge: Michael Reaves: Darth Maul – Der Schattenjäger (24315) [vor Episode I] Terry Brooks: Episode I. Die dunkle Bedrohung (35243) Greg Bear: Planet der Verräter (35886) [Übergang zur Episode II] R. A. Salvatore: Episode II. Angriff der Klonkrieger (35761) Matthew Stover: Mace Windu und die Armee der Klone (36292) [Klonkriege 1] Steven Barnes: Obi-Wan Kenobi und die Biodroiden (36394) [Klonkriege 2] David Sherman & Dan Cragg: Die Feuertaufe (36163) [Klonkriege 3] Sean Stewart: Yoda – Pfad der Dunkelheit (24436) [Klonkriege 4] James Luceno: Das Labyrinth des Bösen (36226) [vor Episode III] Matthew Stover: Episode III. Die Rache der Sith (36431) James Luceno: Dunkler Lord. Der Aufstieg des Darth Vader (36345) [nach Episode III] George Lucas: Krieg der Sterne (35248) [Episode IV] Donald F. Glut: Das Imperium schlägt zurück (35249) [Episode V] James Kahn: Die Rückkehr der Jedi-Ritter (35250) [Episode VI] Timothy Zahn: Erben des Imperiums (35251) • Die dunkle Seite der Macht (35252) • Das letzte Kommando (35253) Kevin J. Anderson (Hrsg.): Sturm über Tatooine (24927) • Palast der dunklen Sonnen (24928) • Kopfgeld auf Han Solo (25008) • Peter Schweighofer (Hrsg.): Flucht der Rebellen (24234) • Peter Schweighofer & Craig Carey (Hrsg.): Kampf um die Neue Republik (24235) Brian Daley: Han Solos Abenteuer. Drei Romane in einem Band (23658) L. Neil Smith: Lando Calrissian – Rebell des Sonnensystems. Drei Romane in einem Band (23684) X-Wing: 1. Michael Stackpole: Angriff auf Coruscant (24929) • 2. Michael Stackpole: Die Mission der Rebellen (24766) • 3. Michael Stackpole: Die teuflische Falle (24801) • 4. Michael Stackpole: Bacta-Piraten (24819) • 5. Aaron Allston: Die Gespensterstaffel (35128) • 6. Aaron Allston: Operation Eiserne Faust (35142) • 7. Aaron Allston: Kommando Han Solo (35197) • 8. Michael Stackpole: Isards Rache (35198) • 9. Aaron Allston: Das letzte Gefecht (24231) Timothy Zahn: Die Verschollenen. [Mit Bonus-Roman] Ein gefährlicher Handel (36740) Kevin J. Anderson & Rebecca Moesta: Young Jedi Knights: I. Die Hüter der Macht/Akademie der Verdammten/Die Verlorenen. Drei Romane in einem Band! (24809) • II. Lichtschwerter/Die Rückkehr des Dunklen Ritters/Angriff auf Yavin 4. Drei Romane in einem Band! (24810) Das Erbe der Jedi-Ritter: 1. R. A. Salvatore: Die Abtrünnigen (35414) • 2. Michael Stackpole: Die schwarze Flut (35673) • 3. Michael Stackpole: Das Verderben (35620) • 4. James Luceno: Der Untergang (35822) • 5. James Luceno: Die letzte Chance (35883) • 6. Kathy Tyers: Planet der Verlorenen (35983) • 7. Greg Keyes: Anakin und die Yuuzhan Vong (36101) • 8. Greg Keyes: Die Verheißung (24302) • 9. Troy Denning: Das Ultimatum (24342) • 10. Elaine Cunningham: Jainas Flucht (24347) • 11. Aaron Allston: Rebellenträume (24370) • 12. Aaron Allston: Aufstand der Rebellen (24377) • 13. Matthew Stover: Verräter (24408) • 14. Walter Jon Williams: Wege des Schicksals. [Mit Bonus-Roman] Ylesia (24398) • 15. Sean Williams & Shane Dix: Die Ruinen von Coruscant (24433) • 16. Sean Williams & Shane Dix: Der verschollene Planet (24438)

Für Vaders Faust: Die 501. Legion

TM

Die Romane Was geschah wann?

Was geschah wann?

32,5 JAHRE VOR KRIEG DER STERNE

29 JAHRE VOR KRIEG DER STERNE

22 JAHRE VOR KRIEG DER STERNE

Darth Maul – Der Schattenjäger

Planet der Verräter

Star Wars: Episode II – Angriff der Klonkrieger

CA. 5 – 2 JAHRE VOR KRIEG DER STERNE

STAR WARS:

0 – 3 JAHRE NACH KRIEG DER STERNE

Lando Calrissian – Rebell des Sonnensystems: Die Geisterharfe Der Flammenwind von Oseon Die Sternenhöhle von Thon Boka

Episode IV – Krieg der Sterne

Sturm über Tatooine Skywalkers Rückkehr

32 JAHRE VOR KRIEG DER STERNE Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung

Han Solos Abenteuer: Han Solo auf Stars’ End Han Solos Rache Das verlorene Vermächtnis

Was geschah wann?

21,5 JAHRE VOR KRIEG DER STERNE

19,5 JAHRE VOR KRIEG DER STERNE

10 – 0 JAHRE VOR KRIEG DER STERNE

Mace Windu und die Armee der Klone

Die Feuertaufe Yoda – Pfad der Dunkelheit

Die Han-Solo-Trilogie: Der Pilot Der Gejagte Der König der Schmuggler

21 JAHRE VOR KRIEG DER STERNE Obi-Wan Kenobi und die Biodroiden

19 JAHRE VOR KRIEG DER STERNE Labyrinth des Bösen Star Wars: Episode III – Die Rache der Sith

3 JAHRE NACH KRIEG DER STERNE

3 ,5 JAHRE NACH KRIEG DER STERNE

4 JAHRE NACH KRIEG DER STERNE

Star Wars: Episode V – Das Imperium schlägt zurück Kopfgeld auf Han Solo

Schatten des Imperiums

Star Wars: Episode VI – Die Rückkehr der Jedi-Ritter Palast der dunklen Sonnen Der Kopfgeldjägerkrieg: Die Mandalorianische Rüstung Das Sklavenschiff Die große Verschwörung Der Pakt von Bakura

Was geschah wann?

6,5 – 7,5 JAHRE NACH KRIEG DER STERNE

8 JAHRE NACH KRIEG DER STERNE

9 JAHRE NACH KRIEG DER STERNE

X-Wing: Angriff auf Coruscant X-Wing: Die Mission der Rebellen X-Wing: Die teuflische Falle X-Wing: Bacta-Piraten X-Wing: Die Gespensterstaffel X-Wing: Operation Eiserne Faust X-Wing: Kommando Han Solo

Entführung nach Dathomir

X-Wing: Isards Rache

16 – 17 JAHRE NACH KRIEG DER STERNE

18 JAHRE NACH KRIEG DER STERNE

19 JAHRE NACH KRIEG DER STERNE

Die schwarze Flotte: Vor dem Sturm Aufmarsch der Yevethaner Entscheidung bei Koornacht

Die Corellia-Trilogie: Der Hinterhalt Angriff auf Selonia Showdown auf Centerpoint

Die Hand von Thrawn: Schatten der Vergangenheit Blick in die Zukunft Der Zorn des Admirals

17 JAHRE NACH KRIEG DER STERNE Rebellion der Verlorenen

Die Thrawn-Trilogie: Erben des Imperiums Die dunkle Seite der Macht Das letzte Kommando

Was geschah wann?

11 JAHRE NACH KRIEG DER STERNE

12 – 13 JAHRE NACH KRIEG DER STERNE

14 JAHRE NACH KRIEG DER STERNE

Die Jedi-AkademieTrilogie: Flucht ins Ungewisse Der Geist des Dunklen Lords Der Meister der Macht

Palpatines Auge Dark Saber – Der Todesstern Planet des Zwielichts

Der Kristallstern

X-Wing: Das letzte Gefecht

Der Kampf des Jedi

22 JAHRE NACH KRIEG DER STERNE

23 – 24 JAHRE NACH KRIEG DER STERNE

25 JAHRE NACH KRIEG DER STERNE

Die Verschollenen

Young Jedi Knights: Die Hüter der Macht Akademie der Verdammten Die Verlorenen Lichtschwerter Die Rückkehr des dunklen Ritters Angriff auf Yavin 4 Die Trümmer von Alderaan Allianz der Vergessenen Stimmen des Zorns Gefangen auf Ryloth Das Vermächtnis des Imperiums

Das Erbe der Jedi-Ritter: Die Abtrünnigen Die schwarze Flut Das Verderben Der Untergang Die letzte Chance Planet der Verlorenen Anakin und die Yuuzhan Vong Die Verheißung Das Ultimatum Jainas Flucht Rebellenträume Aufstand der Rebellen Verräter Die Ruinen von Coruscant Der verschollene Planet Wider alle Hoffnung

EXTRAGALAKTISCHES FLUGPROJEKT: Dreadnaughts und Kern Vorderansicht

EXTRAGALAKTISCHES FLUGPROJEKT: Sechs Dreadnaughts, um einen zentralen Kern arrangiert

1 Der imperiale Sternzerstörer bewegte sich lautlos durch die Dunkelheit des Raums, die Beleuchtung gedämpft, die riesigen Sublichtantriebe loderten hell. Der Mann, der auf der Kommandogalerie stand, konnte das Grollen dieser Triebwerke in seinen Füßen spüren, während er den leisen Stimmen aus dem Besatzungsbereich unter sich lauschte. Seine Leute klangen besorgt, so besorgt, wie er sich selbst fühlte. Wenn auch aus vollkommen anderen Gründen. Für ihn war das hier eine persönliche Angelegenheit, die Frustration eines Fachmanns, der sich mit fehlbaren Geschöpfen und den Launen eines Universums herumschlagen musste, das nicht immer den theoretischen Vorstellungen, was gut und angemessen wäre, entsprach. Es war zu einem Fehler gekommen, vielleicht zu einem schwer wiegenden Fehler. Und wie immer in solchen Fällen würde das unangenehme Folgen haben. Aus der Mannschaftsgrube an Steuerbord erklang ein leiser Fluch, und er seufzte. Das alles zählte für die Besatzung des Sternzerstörers nicht. Ihre Sorgen drehten sich einzig um ihre Leistung und darum, ob sie am Ende der Reise ein Schultertätscheln oder einen Tritt in den Hintern erhalten würden. Oder vielleicht machten sie sich Gedanken, ob die Sublichttriebwerke explodieren würden. Auf diesem Schiff wusste man nie. Er wandte den Blick von der Großartigkeit der Sternenlandschaft ab und richtete seine Aufmerksamkeit ein Stück weiter nach unten auf den Bug des Sternzerstörers, der sich länger als 15

einen Kilometer vor ihm erstreckte. Er konnte sich an Zeiten erinnern, in denen schon der Anblick eines dieser Schiffe selbst die mutigsten Kämpfer und die arrogantesten Schmuggler schaudern ließ. Aber diese Tage waren vorüber, hoffentlich für immer. Das Imperium hatte sich verändert, obwohl viele in der Neuen Republik sich selbstverständlich immer noch weigerten, das zu glauben. Unter der straffen Führung von Oberbefehlshaber Pellaeon hatte das Imperium einen Vertrag mit der Neuen Republik unterzeichnet und war inzwischen nicht mehr gefährlicher als die Bothans oder der Korporationssektor. Beinahe gegen seinen Willen lächelte er, als er über den langen Bug des Sternzerstörers hinwegschaute. Selbstverständlich hätte selbst in den alten Tagen des Imperiums dieses besondere Schiff mehr Erstaunen als Angst erweckt. Es war schließlich nicht einfach, einen leuchtend roten Sternzerstörer ernst zu nehmen. Hinter ihm, hörbar sogar über das Grollen der Triebwerke hinweg, erklang der schwere Schritt von Stiefeln. »Also gut, Karrde«, knurrte Booster Terrik und blieb neben ihm stehen. »Das Kom funktioniert wieder. Du kannst senden, was und wohin du willst.« »Danke.« Talon Karrde wusste, dass es ungerecht wäre, Booster die Schuld am Zustand seiner Ausrüstung zu geben. Ein Imperialer Sternzerstörer war ein gewaltiges Schiff, vor allem, wenn Reparaturen anstanden, und Booster hatte nicht annähernd genug Leute, um diese Aufgabe angemessen zu erledigen. »H’sishi?«, rief er. »Jetzt.« [In Ordnung, Chef], erwiderte die Togorianerin von der Kom-Konsole aus, und ihr Fell plusterte sich ein wenig auf, als ihre Klauenfinger die Tasten berührten. [Übermittlung beendet. Soll ich jetzt beginnen, den Rest des Netzes zu alarmieren?] 16

»Ja«, sagte Karrde. »Danke.« H’sishi nickte und wandte ihre Aufmerksamkeit wieder der Anlage zu. Damit hatte Karrde alles getan, was er im Augenblick tun konnte. Wieder blickte er auf zu den Sternen, verschränkte die Arme und versuchte angestrengt, die Geduld zu bewahren. »Es wird schon gut gehen«, murmelte Booster neben ihm. »In einer halben Stunde haben wir diesen Stern umkreist und können dann in den Hyperraum springen. In höchstens zwei Standardtagen werden wir im Domgrin-System sein.« »Immer vorausgesetzt, der Hyperantrieb bricht nicht wieder zusammen.« Karrde winkte ab. »Tut mir leid, Ich bin einfach – ach, du verstehst das schon.« »Sicher«, erwiderte Booster. »Aber entspann dich jetzt, ja? Wir reden hier immerhin von Luke und Mara und nicht von ein paar frisch geschlüpften neimoidianischen Larven. Die beiden sind nicht so leicht zu erschüttern.« »Mag sein«, sagte Karrde. »Obwohl das selbst Jedi hin und wieder passieren kann.« Er schüttelte den Kopf. »Aber das ist nicht das Problem. Das Problem ist, dass ich Mist gebaut habe. Ich mag es nicht, wenn das passiert.« Booster zuckte mit den massiven Schultern. »Glaubst du denn, es geht uns anders?«, fragte er spitz. »Stell dich den Tatsachen, Karrde, und Tatsache Nummer eins ist, dass du einfach nicht jeden deiner Mitarbeiter persönlich kennen kannst.« Karrde starrte hinaus auf den Bug des Schiffs, dessen fröhliches Rot ihm beinahe wie Hohn erschien. Aber Booster hatte Recht. Diese ganze Sache war ihnen einfach vollkommen über den Kopf gewachsen. Er hatte bescheiden genug angefangen und nur angeboten, den Anführern der Neuen Republik und des Imperiums Informationen zu liefern, sodass jede Seite sicher sein konnte, dass die andere keine Ränke gegen sie schmiedete. Und in den ersten paar Jahren war das auch gut gegangen. 17

Der Ärger hatte begonnen, als die diversen Planeten- und Sektor-Regierungen innerhalb der Neuen Republik begriffen, wie nützlich seine Arbeit war, und ebenfalls darauf zurückgreifen wollten. Nachdem wegen des Caamas-Dokuments beinahe ein Bürgerkrieg ausgebrochen war, hatte sich Karrde wirklich nicht in der Lage gesehen, das abzulehnen, und hatte seine Operationen mit Erlaubnis seiner Kunden auf Coruscant und Bastion weiter ausgedehnt. Was natürlich bedeutete, dass er mehr Personal brauchte. Im Grunde war es nur eine Frage der Zeit gewesen, bis erste Probleme auftauchten. Er wünschte sich nur, die Sache würde nicht ausgerechnet Luke und Mara betreffen. »Das mag sein«, sagte er nun zu Booster. »Aber selbst wenn ich nicht alles persönlich erledigen kann, ist es immer noch meine Verantwortung.« »Ah«, sagte Booster wissend. »Es geht also um verletzten Stolz.« Karrde sah seinen alten Freund an. »Booster, hat dir eigentlich schon mal jemand gesagt, dass deine Version von Mitgefühl wirklich nervtötend sein kann?« »Ja, das Thema wurde ein- oder zweimal angeschnitten.« Booster grinste und schlug Karrde auf den Rücken. »Komm. Lass uns nach unten in den Transit-Korridor gehen, und ich gebe dir einen aus.« »Immer vorausgesetzt, die Getränkespender funktionieren heute«, murmelte Karrde, als sie die Kommandogalerie entlanggingen. »Na ja«, gab Booster zu. »Immer vorausgesetzt, sie funktionieren.« Das hier, dachte Mara Jade Skywalker und trank einen Schluck, war zweifellos eine der seltsamsten Cantinas, in denen sie sich je aufgehalten hatte. Zum Teil hing es vielleicht einfach mit dem Standort zu18

sammen. Hier am Äußeren Rand entsprachen Kultur und Stil nicht unbedingt den Maßstäben von Coruscant und der übrigen Kernwelten. Das könnte die knallbunten Wandbehänge, die uralten Rohre neben den modernen Getränkespendern und die Hintergrunddekorationen aus polierten Droidenteilen erklären, die aus der Zeit vor dem Klonkrieg stammten. Was die unzerbrechlichen Becher und den schweren Tisch mit der Steinplatte anging, an dem sie saß, so lieferten notdürftig reparierte Blasternarben an Wänden und Decke mehr als genug Erklärung. Wenn sich die Gäste während einer Schießerei unter die Tische duckten, wollten sie sicher, dass diese Tische auch angemessenen Schutz boten. Und sie würden auch keine Lust haben, inmitten von Scherben zu sitzen. Aber es gab keine vernünftige Erklärung für die sehr laute, sehr dissonant klingende Musik. Sie spürte einen Luftzug an ihrer Schulter, und ein untersetzter Mann drängte sich hinter ihr durch die Menge. »Entschuldigung«, schnaufte er, als er um den Tisch herumging und sich auf den Platz ihr gegenüber sacken ließ. »Geschäfte, Geschäfte, Geschäfte. Keinen Augenblick hat man seine Ruhe.« »Kann ich mir vorstellen«, stimmte Mara zu. Er konnte sie nicht täuschen; selbst ohne ihre Machtempfindsamkeit hätte sie die Verstohlenheit hinter dem Getue erkannt. Jeff Huxley, Meisterschmuggler und einer der kleineren Schrecken des Äußeren Rands, hatte etwas Unangenehmes im Sinn. Die einzige Frage war nur, wie unangenehm es werden würde. »Ja, es ist einfach verrückt«, fuhr Huxley fort und schlürfte lautstark das Getränk, das er stehen gelassen hatte, als ihn eine mysteriöse Angelegenheit von diesem Tisch wegrief. »Sie kennen das selbstverständlich. Oder zumindest kannten Sie es einmal.« Er starrte sie über den Rand des Bechers an. »Was ist daran so komisch?« »Ach, nichts«, sagte Mara, verkniff sich aber das Lächeln 19

nicht, das Huxleys Misstrauen erregt hatte. »Ich dachte nur gerade daran, was für ein vertrauensseliger Mensch Sie doch sind.« »Wie meinen Sie das?«, fragte er stirnrunzelnd. »Ihr Getränk.« Mara deutete mit ihrem Becher darauf. »Sie gehen weg und lassen es hier stehen, und dann kommen Sie wieder und kippen es herunter, ohne sich einen Augenblick zu fragen, ob ich vielleicht etwas reingetan habe.« Huxley schürzte die Lippen, und durch die Macht spürte Mara eine Spur seines Unbehagens. Er hatte sich wegen des Getränks keine Gedanken gemacht, weil sie während seiner Abwesenheit unter strenger Überwachung gestanden hatte. Aber das durfte er sie natürlich nicht wissen lassen. »Also gut«, sagte er und knallte den Becher wieder auf den Tisch. »Keine Spielchen mehr. Warum sind Sie hier?« Mara wusste, dass es bei einem Mann wie Huxley keinen Sinn hatte, etwas zu beschönigen. »Ich bin im Auftrag von Talon Karrde hier«, sagte sie. »Er hat mich gebeten, Ihnen für Ihre Hilfe und die Ihrer Organisation in den letzten zehn Jahren zu danken und Sie zu informieren, dass Ihre Dienste nicht mehr benötigt werden.« Huxley zuckte nicht einmal mit der Wimper. Offensichtlich hatte er schon angenommen, dass so etwas geschehen würde. »Von wann an?«, fragte er. »Von jetzt an«, sagte Mara. »Danke für das Getränk. Ich muss mich wieder auf den Weg machen.« »Nicht so schnell«, sagte Huxley und hob die Hand. Mara erstarrte halb im Aufstehen. Drei Männer hinter Huxley, die sich bisher an der Theke scheinbar um ihre eigenen Angelegenheiten gekümmert hatten, hatten plötzlich Blaster in der Hand. Blaster, die – wenig überraschend – auf Mara gerichtet waren. »Setzen Sie sich«, befahl er. Vorsichtig setzte sich Mara wieder hin. »Gibt es noch etwas?«, fragte sie freundlich. 20

Huxley gestikulierte erneut, diesmal nachdrücklicher, und die laute Musik verstummte, ebenso wie alle Gespräche. »Das ist es also?«, fragte er. Er sprach leise, aber in der plötzlichen Stille schien selbst das von den Wänden widerzuhallen. »Karrde lässt uns fallen. Einfach so?« »Ich nehme an, Sie lesen die Nachrichten«, sagte Mara immer noch betont ruhig. Rings um sich her spürte sie einheitliche Feindseligkeit. Huxley hatte die Tische offenbar mit Freunden und Geschäftspartnern besetzt. »Karrde zieht sich aus der Schmuggelbranche zurück. Damit hat er schon vor drei Jahren begonnen. Er benötigt Ihre Dienste nicht mehr.« »Er vielleicht nicht«, schnaubte Huxley »Aber was ist mit dem, was wir brauchen?« »Ich weiß es nicht«, sagte Mara. »Was brauchen Sie denn?« »Vielleicht erinnern Sie sich nicht mehr daran, wie es am Äußeren Rand zugeht, Jade«, sagte Huxley und beugte sich über den Tisch auf sie zu. »Hier draußen teilt man die Dinge nicht so auf. Man arbeitet für eine einzige Gruppe, oder man arbeitet überhaupt nicht. Wir haben unsere Himmelsbrücken schon vor Jahren hinter uns abgebrochen, als wir anfingen, für Karrde zu arbeiten. Was sollen wir machen, wenn er sich zurückzieht?« »Andere Arrangements treffen, denke ich mal«, sagte Mara. »Sie müssen doch gewusst haben, was passieren wird. Karrde hat kein Geheimnis daraus gemacht, in welche Richtung sich die Dinge entwickeln.« »Pah«, sagte Huxley verächtlich. »Als ob irgendwer wirklich geglaubt hätte, dass er ehrlich wird.« Er richtete sich auf. »Sie wollen wissen, was wir brauchen? Also gut. Wir brauchen etwas, das uns über die Runden bringt, bis wir mit einem anderen Auftraggeber ins Geschäft kommen können.« Das war es also: Er verlangte schlicht und ergreifend Geld. Subtil konnte man das wirklich nicht nennen. »Wie viel?«, fragte sie. 21

»Fünfhunderttausend.« Seine Lippe zuckte leicht. »In Barcredits.« Mara zuckte nicht mit der Wimper. Sie war auf so etwas vorbereitet gewesen, aber diese Summe war vollkommen absurd. »Und wo genau soll ich diese kleine Finanzspritze hernehmen?«, fragte sie. »Ich habe nicht so viel Kleingeld dabei.« »Keine Spielchen«, knurrte Huxley. »Sie wissen ebenso gut wie ich, dass Karrde für diesen Sektor eine Verrechnungsstelle auf Gonmore hat. Die verfügt über alle Credits, die wir brauchen.« Er griff in die Tasche und holte einen Blaster heraus. »Sie werden sich mit ihnen in Verbindung setzen und ihnen sagen, dass sie das Geld herbringen sollen«, sagte er und richtete die Waffe auf ihr Gesicht. »Eine halbe Million. Sofort.« »Tatsächlich.« Mara drehte den Kopf lässig, um sich umzusehen, wobei sie sorgfältig darauf achtete, die Hände auf dem Tisch zu lassen. Die meisten Gäste der Cantina, die keine Schmuggler waren, hatten sich bereits stillschweigend abgesetzt oder in den hinteren Teil der Kneipe verzogen, um sich so gut wie möglich aus der Schusslinie zu halten. Beunruhigender war die Gruppe von etwa zwanzig Personen, Menschen und Nichtmenschen, die sich in einem Halbkreis hinter ihr aufgestellt hatten und alle ihre Waffen auf ihren Rücken richteten. Von allen ging deutliches Misstrauen aus, stellte sie mit gewisser Bosheit fest. Ihr Ruf war ihr offenbar vorausgeeilt. »Sie schmeißen interessante Partys, Huxley«, sagte sie und wandte sich wieder dem Schmuggler zu. »Aber Sie denken doch sicher nicht wirklich, dass Sie mit einer Jedi fertigwerden können, oder?« Huxley lächelte. Ein sehr böses Lächeln. Ein überraschend böses Lächeln, wenn man die Umstände bedachte. »Doch, genau das denke ich.« Er hob die Stimme. »Bats?« Einen Augenblick war alles still. Mara dehnte ihre Wahr22

Die amerikanische Originalausgabe erschien unter dem Titel »Survivor’s Quest« bei Del Rey/The Ballantine Publishing Group, Inc., New York.

Der in diesem Roman enthaltene Kurz-Roman »Ein gefährlicher Handel« von Timothy Zahn erschien in den USA unter dem Titel »Fool’s Bargain« 2004 als E-Book, das gegen Entgelt aus dem Internet heruntergeladen werden konnte. Anschließend erschien er auch in gedruckter Form als Anhang des Romans »Survivor’s Quest«.

Verlagsgruppe Random House FSC-DEU-0100 Das für dieses Buch verwendete FSC-zertifizierte Papier München Super liefert Mochenwangen.

1. Auflage Deutsche Erstveröffentlichung Juni 2007 bei Blanvalet, einem Unternehmen der Verlagsgruppe Random House GmbH, München. Copyright © 2004 by Lucasfilm Ltd. & ® or ™ where indicated. All rights reserved. Used under authorization. Translation Copyright © 2007 by Verlagsgruppe Random House GmbH, München Umschlaggestaltung: HildenDesign, München Cover Art Copyright © 2004 by Lucasfilm Ltd. Original cover art by Steven D. Anderson Redaktion: Rainer Michael Rahn UH · Herstellung: H. Nawrot Satz: deutsch-türkischer fotosatz, Berlin Druck und Einband: GGP Media GmbH, Pößneck Printed in Germany ISBN 978-3-442-36740-5 www.blanvalet-verlag.de

UNVERKÄUFLICHE LESEPROBE

Timothy Zahn Star Wars. Die Verschollenen Roman DEUTSCHE ERSTAUSGABE Paperback, Broschur, 560 Seiten, 13,5 x 20,6 cm

ISBN: 978-3-442-36740-5 Blanvalet Erscheinungstermin: Mai 2007

Luke Skywalker und Mara Jade sind inzwischen seit drei Jahren verheiratet, als sie von den Chiss eingeladen werden, mit ihnen die Überreste des „Outbound Flight“ zu untersuchen. Das war ein gescheitertes Projekt der alten Republik: Man wollte in andere Galaxien reisen, als Thrawn alles vernichtete. Doch schon immer gab es innerhalb der Chiss Vorbehalte gegen Thrawns Handlungen. Als Luke und Mara schließlich am Fundort ankommen, stellen sie völlig überrascht fest, dass es nach über 50 Jahren noch Überlebende gibt ...